Mittwoch, 16. September 1936 Nr. 216 16. Jahrgang UNTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiupochova u. Telefon kotz. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi KARL KERN, PRAG. Einzelpreis 70 Hellei (einschließlich 5 Heller Porto) Eine Frage, Herr Henlein Wie lange dauern zwei Tage? ein ucoruna 19 Vigo *Hursca Badajoz Cartagena Hurte i TANGER. MAROKKO ' O AI bat eh I i! der fite haben, die sich mit ihre« Familien In die K I r ch e Santa Maria de Cabeza geflüchtet hatten. Die Gardisten lieferten den Regierungsbehörden mehrere Offiziere aus, die ihnen besohlen hatte», in der Kirche Zuflucht zu suchen. ,Die Regierungsflugzenge haben neuerlich die Bombardierung des Alcazar eröffnet. * Burgos» Valladolid Gesamtsltuation In Frankreich gebessert Schiedsverhandlungen auf gutem Wege Paris. Untex dem Vorsitze Leon Blmns trat gestern abends der französische Ministerrat zusammen^ der beschloß, daß B l u m kommenden Do nnerStag eine Rundfunkrede halten wird, in der er sich insbesondere mit der gegenwärtigen Lage, vor allem vom außenpolitischen Standpunkte aus, beschäftigen wird. Der Kabinettsrat befaßte sich eingehend mit der wirtschaftlichen, finanziellen und soziale» Lage, in der Hauptsache aber mit der gegenwärtigen Streikbewegung. Abschliesfend konstatierte Blum, daß sich die Ä e s a m t s i t u a t I o n bessere, eben, so seien auch die SchiedSverhand- l» n g e» betreffend die Regelung der For- derungen der Arbeiterschaft aus gutem W e g t'. Heute tritt unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Lebrun neuerdings der Ministerrat zusammen. Madrid. Die Behörden haben den gewesenen Abgeordneten Federico Salmoma und den gcivesencn Arbeitsminister Ceda verhaftet. Die Aufständischen melden die Einnahme der Orte Habnnana und GradoS. , Karte von der gegenwärtigen Kriegslage- in Spanien Das gestrichelte Gebiet auf der Karte ist von den Regierungstruppen besetzt Staatssekretär Schmidt hat sich Dienstag vormittags in Begleitung des italienischen Außenministers Grafen Ciano im Flugzeug nach Forli begeben, wo er mit Mussolini zusammentraf. Wie das Tsch. P.-B. ergänzend meldet, hatten die Besprechungen nicht den Charakter politischer Verhandlungen; es handelte sich eher nur um einen Meinungsaustausch. Do« italienischer Seite sei größtmöglichste Besonnenheit empfohlen worden, denn ein allzu großer Einfluß Deutschlands. im Donau, raum und das Anwachsen de« nationalsozialistischen Propaganda in Sester» reich könnten de« italienisch-österreichischen Beziehungen schaden. „ES gibt Dinge, über die man nicht üsfent, lich reden kann, so wie man in einem Schützengraben nicht zwei Tage vorher von einem Angriff spricht." Henlein am i>. August in Dcsscndorf. Ausnahmsweise einmal wollen wir unS hier der Miigliedschafi der SdP als Sprachrohr zur Verfügung stellen. Denn die Frage, dis wir im Titel aufwcrfcn, bewegt heute hunderttausende gutgläubiger Menschen, die am 10. Mai Konrad Henlein als ihren Führer auf den Schild gehoben haben. Seit Jahr und Tag müssen sie nun Versprechungen und Vertröstungen, manchmal auch Verspottungen über sich ergehen lassen. Jede Führerrcdc ist voll dunkler Andeutungen, selbstgefälliger LobeSworte, jede fordert immer wieder Treue, unbedingtes Vertrauen, blinde Gefolgschaft. Wer die zahlreichen Gefolgsleute In der SdP haben keine Möglichkeit, ihre Führer beim Worte zu nehmen. Es gibt keine Stätte dec freien Aussprache. In den OrtSgliedcrungcn, in den Fachschaften, in den Bezirks- und KrciSbera- tungen stets das gleiche eintönige Spiel: die Mitgliedschaft wird bloß zum Zuhörcn, zum Kuschen, zum Heilrufen und Applaudieren und nicht zuletzt zum Beitragszahlen gebraucht. Wer cS wagt, Ihrer Stimmung und ihren Röten, oder gar ihren Forderungen an die, Parteileitung Ausdruck zu gsvcte/bitr'fkiegt amr dek SdP hinaus oder muß schmählich zu Kreuze kriechen. Wie schrankenlos der Terror jener„Vcrbrecherbande" ist, in deren Händen Henlein eine Pnppc darstellt(Sasuni), das hat das Schicksal Kaspers und seiner Freunde Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro verbreitet nachstehende Depesche aus Burgos: Der Sonderberichterstatter des DNB wurde vom Chef der Aufständischen-Regierung in Burgos, General Cabanellas, zur Entgegennahme einer Adresse an das deutsche Volk zu sich gebeten'./Der General empfing ihn im Kreise seiner Mitarbeiter int RegierungSgebäudc und richtete, während sämtliche Anwesenden sich von den Sitzen erhoben, u. a. folgende Worte an ihn: Sagen Sie, litte, in Deutschland, daß der Vorsitzende des nationalen Berteidigungsans- schnsieS Spaniens in Burgos, General Cabanel- laö, dem deutschen Bolke in diesem Augenblick sein Wort darauf gibt, daß Spanien— möge kommen was wolle— n i e m a l S die f r e u n d. s ch a f t l i ch e Zuneigung u n d d t e moralische Unter st ützung, die Deutschland m eine m Vater- l.a.y d e i n d i e s e m K a m p f e gegen den zersetzenden Geist deS KomnnmiSmuS und Anar- chiSmnS r n t g e g r n b r i n g t, vergessen kann und vergeffcn wird.— Deutschland Hai vom erste» Augenblick im Bewnsitsein seiner eigenen geschichtlichen Aufgabe begriffen, waS unser« Anstrengung gegen den Ansturm deS Kommunismus nnd Marxismus bedeutet... Deutschlands„Nichteinmischung“ Zynisch-offene Dank-Adresse aus Burgos 4: bewiesen. Was haben die vcrulchlendcn Anklagen deS Ehrengerichtes genützt? Wo find die Proteste von Zchniauscndcn oppositioneller SdP-Arbcitcr gelandet? In den Papierlörbcn der Kamcrad- schaftSbündlcr! Die„Führung durch.inen verbrecherischen und idiotischen Kindergarten"(Sasum)s bleibt bestehen. In dieser politischen Stickluft, in dieser Atmosphäre von Ehrenwortbrüchen, Intrigen, gegenseitiger Vernaderung und noch Schlimmerem lebt heute die Mitgliedschaft der SdP. Die Usurpaiorcn vom Kameradschaftsbnnd spüren, daß aus dieser Getvitterwolke von Erbitterung und Enttäuschung jeden Tag der Blitz des Pitfestelt-n Volkszornes auf ihre sündigen Häupter niedcrsahren kann. Sic sind auf der Flucht vor ihren Verheißungen, Gaukeleien, Affären, vor ihrem schlechten Gewissen. Darum verlegen sic sich auf geheimnisvolle Andeutungen von großen Dingen, die da kommen sollen. Was sich die Flüsterpropaganda im Zusammenhang mit den letzten Besuchen Henleins in London und Berlin geleistet hat, war einfach toll. So toll, daß cs auch schon reichsdentscheu Stellen, die mit ihren Propaganda-Methoden nicht gerade wählerisch sind, zu dumm wurde. Die Version, daß Henlein in Berlin auSgcspielt hat, gewinnt täglich größere Wahrscheinlichkeit, weil man sich mit seiner bevorstehenden Katastrophe nicht belasten will. Jnter- cssanteripetse war eS gerade die zügellose Flüsterpropaganda der SdP, die Berlin dazu bewog, sich zu distanzieren. Henlein tvird von seinen in Deutschland lebenden Widersachern beschuldigt, einer der Hauptschrittmacher deS Bolschewismus in der Tschechoslowakei zu sein. Man ist sich dort darüber vollkommen klar, daß sich die kindischen Hoffnungen auf ei» Eingreifen Englands oder des Völkerbundes oder auf einen Einmarsch brauner Bataillone nicht erfüllen können und daß die unausbleibliche Enttäuschung der Henleinwähler sie schließlich in daS kommunistische Lager treiben könnte. Außerdem wird auch von völkischen Kreisen, die daS Denken nicht völlig verlernt haben, allmählich erkannt, daß die Sudctendeutsche» schließlich die Fähigkeit verlieren, von den innerpolitischen Möglichkeiten z» ihrer Selbsterhaltung Gebrauch zu machen, wenn sie untätig auf außenpolitisches Wunder warien. All diese Umstände lassen die Frage SdP-Masscn berechtigt erscheinen, tvie lange den Herrn Henlein zwei Tage dauern. Ztvei Tage vor dem Angriff... waren seine schicksalsschwangeren Worte in Dessendorf. Es tväre nun interessant, zu tmssen, ob Herr Henlein statt Tagen Jahrtausende gemeint hat oder ob er auf den geplanten Angriff schon vergaß. Zum Glück ist die Zahl der SdP-Mitglicder nicht mehr groß, die ihren Führer ernst nehmen, doch immerhin nahm eine neue Welle der Flüsterpropaganda ihren Weg. Nach der Olympiade sollte„etwas" geschehen. Oder aus dem Nürnberger Parteitag. Di« Olympiade ist vorbei, der Nürnberger Redeschwall ist verklungen— und waS geschah: nichts. Hitler hat spät genug entdeckt, daß man ohne ausreichende Rohstoffbasis keinen Krieg führen kann. Innerhalb von vier Jahren sollen die notwendigen Ersatzstoffe in Deutschland selbst hergestellt werden. Was gilt also? Hitlers vier Jahrs oder Henleins zwei Tage? Die fudetendeutsche Bevölkerung hat ein unbestreitbares Anrecht darauf, eine klare Antwort auf diese Frage zu erhalten. Herr Henlein soll endlich ausklären,, ob er leichtsinnig geschwähi, wissentlich gelosten, oder WaS er im Ernst gemeint hat. Eiii Parteiführer, der sich selber nicht ernst nimmt, hat keine Hoffnung und keinen Anspruch darauf, im politischen Leben ernst genommen zu werden. Ein Politiker, der' solche schwerwiegende Worte ins Volk hincinwirst, nur um«ine unan- geuehi'.'.e Opposition zu. beschwichtigen und sein: Anhänger zu täuschen, hat abzutreten. Wie lange sollen also die zwei Tage deS Herrn Henlein noch dauern? Hoffentlich beantwortet er. der sudetendeutschen Oeffentlichkeit diese Frage noch vor seiner definitiven Abreise i» die Schweiz, wo er— wie so vielen seiner Ge- folgSlcnie bekannt ist— einen„ruhigen Lebensabend'! zu verbringen gedenkt. 0er Kampf tobt Weiter 'Barcelona. Die,.Auf,ständischen haben, aus Saragossa Verstärkungen. durch, marokkanische Truppen und Fremdeillegionäre an die Front bei H n e S c«entsandt, doch war die erste Abteilung dieser Verstärkung, die aus 700 Fremdettlegipnä- ren, bestand, gezwungen, sich zurückzuziehen. Sie wurde von den Regierungstruppen angegriffen !und verlor nach achtstündigem Kämpf 4 0 Tote. Das Madrider sozialistische Blatt„Clari- dad" meldet, daß sich den Regierungstruppen >8 0 0 M ob. ilga r d i st euer geben Lalinea Algeciras.;*£ |« Staatsminister Chaute nrp s ist mit der Funktion eines Schlichters im Streikkonflikt der Textilabbeiterfchaft in Lille betraut worden. Chautempr begann gestern abends in Anwesenheit des Innenministers Sa l e n g r o, des Bürgermeiste' S der Stadt Lille, mit den. Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehnier zn verhandeln. Die streikenden Metallarbeiter von Marfeill.» haben bereits die von ihnen, besetzten Fabriken verlassen, wodurch eine günstige Atmosphäre für die Lösung des Streikkonfliktes in. Marseille'und Umgebung geschaffen wordenist. ' m Der Verband der französischen Arbeitgeber hat. eine/Kundgebung verlautbart,"in welcher ausgeführt wird, daß der Verband sich zwar nicht mit', der Absicht ir.agc,' die Juuiäbma'chungcn mit der Arbeiterschaft, wie sie Unter dem Vorsitze bc$ Ministerpräsidenten Leon Blum zustande kamen,' zu' kündigen,.daß er.jedoch auf. feinem prinzipielle». Standpunkte beharre, daß cs.zu keinerlei zufriedenstellender Lösung unter.einem Drucke kommen könne,-als welchen die Arbeitgeber die Besetzung voN Fabrikgebäuden'dutch die streikenden Arbeiter ansehcn müßten.. TalMra deHRein^ Alcairiaia)• Tbleao 1 1 ll'.LUnf .'Mi Cordoba's' Granada ‘^SOMOSieHM Schwenkung Italiens Oesterreich-Politik zur Kleinen Entente Rom. Am Montag abend- ist in Rom der österreichische Staatssekretär deS Aeutzern Dr. Schmidt eingetroffen. Zn gut informierten politischen Kreisen wird diesem Besuch große Wichtigkeit beigemessen.‘ Die erste Frage, welche Außenminister Graf Eiano und Mussolini mit Dr. Schmidt behandeln werden, wird die innere Lage Oesterreichs«ach dem österreichisch-deutschen Abkomme« vom 11. Juli sein. ES ist bekannt, daß di« ersten deutschen Schritte nach diesem Abkommen in Italien keine volle Zustimmung sanden. Vom Standpunkt der inneren Lage und der Autzenpolittk Oesterreichs bestehen gewisse Gegensötze, welche einer Aufklärung bedürfen und noch engere Beziehungen der Staaten der römischen Protokolle erfordern. Die zweite Hauptfrage der Unterredung dieser StaatSmünner werden die Beziehungen zwischen den Staaten deS römischen Abkommens und der Kleinen Entente sein. Italien nimmt, wie daS Tschechoslowakische Prcßbüro in einem Kommentar bemerkt, jede Anregung sehr sympathisch auf, di« eine Beruhigung und Besserung der Lage in Europa, wie dies die Klein« Entente erklärt, bezweckt. Man hofft daher,, daß die Bestrebungen der Kleinen Entente betreffend eine Zusammenarbeit mit den Staaten der römischen Protokolle für die Konsolidierung in Mitteleuropa von einem tatsächlichen Erfolg begleitet sein werden. Rom wünsche nicht nur eine Besserung deS Verhältnisses der-Staätett der Kleinen EntentS zu Italien, sondern auch zu allen Staaten der römischen Protokolle, nm eine wirkliche Konsolidierung in Mitteleuropa herbeisühren zu können. Seite 2 Mittwoch, 16. September 1036 Nr. 216 Weltpresse gegen Hitlers Nürnberger Exzeß Das Echo, das Hitlers antibolschewistische Tiraden in der grasten Presto des Auslands fand, ist, soiveit bisher Stimmen vorliegen, einstimmig ablehnend. Die englische Proste kommentiert Hitlers Parteitagsreden äußerst pessimistisch; biirgerlicherseitS vor allem„Daily Telegraph" und„N e Iv S C h r o n i c I c". „Daily Heral d", dar Blatt der Arbeiter« Partei, erklärt, Hitler müsse sich klar darüber sein, das; eine Regelung in Europa, die Deutschland umfasse, aber Nustland aurschlteste, keine Aussicht habe, angenommen zu werden. Wen» daher die nion- tägigo Rede die Bedeutung habe, dast Hitler jeden Vertrag mit der Sowjetuio» ablehne, so laufe daS darauf hinaus, dast die Loearno-Verhandlungen überhaupt gescheitert sind. Für alle Westmächte seien die Verhandlungen mir ein Vorspiel zu einem all» gemeinen Abkomnien, das auch Deutschland und Eowjctrußland innsnisen soll.„Daily Herald" schliesst mit de» Worten:„Die Schlußfolgerung ist nun, dast Europa, falls es den Krieg vermeiden will, zu seinem großen Bedauern eine 81 e g e l u n g ohne Deutschland durchführen muß." Die montägige Rede Hitlers wird auch von der Pariser Presse sehr ausführlich koninieutlert. Im„Echo de Paris" schreibt Pertinax: Hitler tritt Moskau als Hüter der Zivilisation und als Führer eines Kreuzzuges entgegen. Tut er dies in gutem Glauben? Glaubt er wirklich an diese Gefahr, die drohender und schrecklicher ist als andere Gefahren? Oder bemüht er sich um eine Intervention der Kreuzzüge gegen den Bolschewismus nur deshalb, um die pangermanischen Ziele zu erreichen und die Koalition zu zerschlagen, die imstande ist, sich ihnen in den Weg zu stellen. Pertinax erinnert daran, dast sich Hitler bis zum 12. Juli 1081 bei jeder Gelegenheit für die enge Zusammenarbeit mit Moskau ausgesprochen habe. Nach diesem Datum wurde der Rapallo-Ver-' trag gelöst. Moskau nahm damals im Juli den französischen Vorschlag des Sicherheitspaktes für Nordosteuropa an. In den leidenschaftlichen Sätze», die Hitler in Nürnberg gesprochen hat, sei daher nichts anderes als Opportunismus und Erobe» rungSgelüste zu erkennen. Im„Exeelfior" sagt Marcel PayS: Fast entsteht der Eindruck, als ob Hiilerdeutschland, seiner selbst gewiß, wünscht, daß sich in Europa der Brand ausbreite, besten Flammen Spanien verzehren. Wenn sich die westlichen Demokratien selbst zerfleische», würde Deutschland leichtes Spiel haben und könnte mit geringstem Auswand und in kürzester Zeit einen Kreuzzug gegen den Bolschewismus unter» ' nehmen, der ihm die Hegemonie in Europa sichern würde. Die Journalistin Tabouis sagt im„O eu v r e" daß die maßgebenden französischen Kreise aus den Vorgänge» des Nürnberger Parteitages starke Beunruhigung für die nahe Zukunft schöpfen. Tic amerikanische Presse ist in der Verurteilung der Tendenz einig, tvelche in der Deklaration Hitlers zum Ausdruck kam und trotz dem starken konservativen Geiste, der im amerikanischen Volke vorherrscht, und trotz der Unlust gegenüber dem Kommunismus erwartet sie eine unausweichliche Kampfreüktion in Sowjetrußland. Die„Washington Post" schreibt: In den Beziehungen zweier Regierungen haben sich in Friedenszeiten niemals Gesten bemerkbar gemacht, die mit der Art vergleichbar wären, in der Hitler die Erneuerung der Prosperität mit der Annexion von Sowjetterritorium verbindet. Trotz des Wunsches, neutral zu bleiben, stellt sich die amerikanische öffentliche Meinung heftig gegen den deutschen Standpunkt. Zweiter Teil der Tragikomödie: deutsch-rassische Wirtschaftsverhandlungen noch in diesem Monat... In einer Meldung der„Prager Presse" aus Berlin erfährt Hitlers antibolschewistischer Exzeß die eigenartigste Beleuchtung; danach sollen nämlich noch vor Ende dieses Monates in Berlin neue deutsch-russische Wirtschaftsverhandlungen beginnen. Sowohl das Rohsioffkommiffariat des Reiches, dessen Vorsitzender Reichsminister Göring ist, als auch das Reichswirtschaftsministerium, wo ein naher Berivandter Görings, Herbert Göring, zu den nächsten Mitarbeitern Dr. Schachts zählt, haben den Neuaufbau der deutsch-russischen Beziehungen verlangt und konnten sich dabei auf Gesuche der S ch w e r i n d u st r i e berufen, In denen auf den Mangel verschiedener Röhskdffe, z. B. der für die Rüstungsindustrie bisher unentbehrlichen russischen Manganerze, hingewiesen wurde. DaS zitierte Blatt registriert weiter die Tatsache, dass in den Berliner diplomatischen Kreisen nicht die Neigung besteht, die Tragweite der Aensjerungen Hitlers und seiner propagandistischen Mitarbeiter, soweit sie die Außenpolitik berühren, zu Überschüßen, denn man ist darüber informiert, daß der Zweck dieser Aeutzerungen die innerpolitische Auswirkung ist. Die bolschewistische Gefahr wird in Deutschland täglich aufs neue auSgemalt, solange von der Bevölkerung immer ungewöhnlichere Opfer und Entbehrungen verlangt werden müssen. Italien zur Locarno-Konferenz London. Der italienische Botschafter Grand! überreichte gestern dem britischen Außenministerium die Antwort der italienischen Regierung auf den britischen Vorschlag, wonach die Zusammenkunft der Locarno-Mächte in London am 10. Oktober stattfinden soll.. In der Antwort dankt Italien der britischen Regierung für die Einladung zur Konferenz, fügt jedoch hinzu, daß es noch der Ansicht der italienischen Regierung notwendig sei, noch vor Festsetzung deS Datums für die Einberufung der Konferenz einen diplomatischen Meinungsaustausch durchzuführen, um auf diese Weise den glatten Verlauf der Verhandlungen zu gewährleisten. - Din Wirtschafts-Zusammenarbeit 1 Frankreichs und Polens Warschau. Neber die Besprechungen, des französischen Handelsministers B a st i b in Warschau heißt es in einem amtlichen Konununiquee: In den Besprechungen wurde der gegenseitige Wille der beiden Regierungen festgestellt, die Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet auszubauen. Zu diesem Behufe haben Minister Bastid und Minister Roman u. a. beschlossen, einen direkten Kon takt zwischen den Industriellen und Kaufl eu- t e n der beiden Länder zu unterstützen sowie eine ständige Kommission ins Leben zu rufen, welche auS Vertretern der Wirtschaftskreise der beiden Länder- zusammengesetzt sein wird. Die Verhandlungen betreffend den Abschluß eines neuen Handelsvertrages werden bereits in, einigen Wochen- ausgenommen werde». Ritterrüstung Japans . Tokio. Die Armeeführung veröffentlichte am Dienstag einen Sechöjahrplan als„ersten Teil einer umfassenden Wiederaufrüstung des Heeres". Der Plan sieht Ausgaben in der Höhe von 8.8 Milliarden Fen vor. In maßgebende!« Kreisen der Armee erklärt man, man solle iw ersten Jahr die Luftwaffe ausbauen, die Stellung in Mandschuluo festigen und die Vermehrung des Heeres vorbereiten. In den späteren fünf Jahren würden neue Divisionen, aufgestellt, die Motorisierung und die Versorgung mit modernen Waffen sowie der Ausbau der Stellung in Mandschuluo verfolgt werden. I» Kurses London. Seit Samstag sind 8000 englische Offiziere und Soldaten von England-nach Palästina abgegangen. Am Montag haben 8000 Soldaten auf den Dampfern„Laurentic" und„Ne- vassa" Southampton verlassen. Berlin. Auf den Wochenmärkten der Berliner Vororte Friedenau, Steglitz, Wilmersdorf und Zehlendorf kam er zu stürmischen Auftritten unzufriedener Hausfrauen. Die Metzger, die um 11 Uhr bereits ausverkanft hatten, riefen den Frauen zu. man solle sich"doch an die Behörden halten, sie selbst seien geschädigt genug.— In verschiedenen badischen Städten, u. a. in Freiburg, Offenburg und Konstanz, wurden von der Gestapo Über 400 Personen verhaftet.— In Aachen wurden 800 Arbeiter verhaftet, weil sie über die spanischen Ereignisse diskutiert hatten. Rom. In Rom und Toskana, insbesondere Livorno, kam es zu Massenverhaftungen von Funktionären der faschistischen Partei und der Miliz. Sie hängen mit der Lohnbewegung zusammen, die ganz Italien erfaßt hat. In Tcrni wurden 800 Arbeiter der Waffenfabrik am Fabrikausgang verhaftet, weil sie für die spanische Regierung manifestiert hatten. Rom. Auch in Mailand, Turin und Triest wurden Hunderte verhaftet, weil sie angeblich Sympathiekundgebungen für die spanische Regier»»» veranstaltet hätten.— In Palermo wurden in zwei Polizeikommissariate Bomben geworfen. Darauf wurden 200 Personen festgenommen. Lissabon. Wie gemeldet wird, besinden sich 200 spanische regierungstreue Milizsoldaten in der portugiesischen Feswng EaxiaS als Gefangene. Hongkong. Montag abends wurde in Weftriver das britische Kanonenboot„Eicala" beschossen. Hiebei wurden ein chinesisches Mitglied der Besatzung und zwei britische Soldaten verletzt. Das Kanonenboot hat infolge dieses Zwischenfalles britische Marine«, soldaten gelandet. Man erwartet, daß die britische Regierung bei der chinesischen Regierung energisch einschreiten wird. Oslo. Trotzki hat einigen seiner Freunde, die ihm nabegelegt haben, sich in Katalonien niederzulassen, geantloortet, daß dieser Antrag u ii- durchführbar ist. Trotzki hat weiter erklärt; daß er keinerlei amtliche Einladung erhalte» habe, sich nach Katalonien zu begeben. Portland. Bei den Wahlen Im Staate Maine waren die Republikaner sieg- r e i ch und besetzten mit ihren Kandidaten das Amt des Gouverneurs, eines Senators und dreier Mitglieder des Repräsentantenhauses. Die Wahlen im Staate Maine gelten als symptomatisch für die Den- kungsweise eines großen Teiles der amerikanischen Wählerschaft. Dar jugoslawische Ministerpräsident in Prag Prag. Dienstag nachmittags traf der jugoslawische Ministerpräsident Stojadinovie in Prag ein. Dieser Besuch kann als Symbol, ja vielleicht als weiterer Beweis dasiir aufgefaßt werden, dast das ungetrübte Einvernehmen innerhalb der Kleinen Entente, wie es schon durch Verlauf und Beschlüsse der Preßburger Konferenz zum Ausdruck kam, in vorzüglicher Weise erhalten bleibt. Der jugoslawische Premier wurde vor dem Prager Wilsonbahnhof von einer großen Menschenmenge freudig begrüßt. Offiziell tvurde er empfangen vom Ministerpräsidenten Dr. HodZa, vom Außenminister Dr. K r o f t a, von Vertretern der jugoslawischen cknd der rumänischen Ce- sandschast, vom Primator-Stellvertreter Stüla und anderen Persönlichkeiten. Stojadinovic befand sich-in Begleitung unseres Gesandten in Belgrad, Dr. G i r s a und des jugoslawischen Gesandten in Prag Dr. P r o t i e. Stojadinovoö' Aufenthalt in der Tschechoslowakei dürfte zwei bis drei Tage dauern. Der jugoslawische Ministerpräsident hat die Absicht, auch die Industriestädte Aussig und Pilsen zu besuchen. Prlbltevlt gestorben Prag. Heute nachts verschied in Prag im 61. Lebensjahre der eheinalige jugoslawische Minister Svetozar Pribiöeviö. Er batte sich vor kurzem, hoffnungslos erkrankt, in das Sanatorium Podoli begeben, wo jetzt eine Lungenembolie seinem Leben ein Ende machte. Pribiöevii war schon im alten Oesterreich einer der Führer der serbisch-kroatischen Politik, Mitglied des ungarischen Parlaments. Bon 1010 bis 1025 war er fünfmal Minister in Jugoslawien. Nach dem BerfassungSumsturz 1020 wurde Pribiöevii interniert und ging, nach seiner Befreiung, ins Ausland. LandwirtfchaftSminister gegen Fleischteuernng. In Bohdalov(Mähren) erklärte am Sonntag der Minister für Landwirtschaft Dr. Z a- d i n a bei einer großen Manifestation der landwirtschaftlichen Genossenschaften u. a.: Auf dem Vlehmarkte traten ungesunde Anzeichen einer regellosen Spekulation in Erscheinung, so daß sich in allen Fnteressentengruppen, u. zw. sowohl aus den Kreisen der Konsumenten als auch aus den Kreisen der Händler und Landwirte der Ruf nach zweckmäßiger Regulierung des Vieh- und Fleisch« Marktes erhebt, die Ordnung schaffen, die Spekulation unmöglich machen, für einen regelmäßigen Auftrieb des Viehs sorgen und einer unbegrün- deten-Verteuerung des Fleisches steuern würde. Der Minister teilte mit,„daß er.hereits.drei Entwürfe der entsprechenden Verordnung vorbereitet habe. Kein Urlaubs-Rachdienen deö Jahrganges 1084. Vom Ministerimn für Nationalverteidi- gung wird gemeldet:-Am 15. ds. haben die Soldaten des Asseutjahres 1034 den Dienst unter den Fahnen verlassen. Da die Ersetzung des durch besondere Urlaube aus Existenzgründen versäumten Präsenzdienstes einigen abgebenden Wehrpflichtige» in der heutigen Situation schwere soziale Schäden bereiten würde, hat das Ministe- riuin für Nationalverteidigung. beschlossen, daß das Nachdienen von Urlauben allen Wehrpflichtigen des Jahrganges 1084 ausnahmsweise erlassen werde. 22 dommv(Barbox marbt{Revolution tHoman von 9rita 3Bondu Tommy folgte den Blicken des Präsidenten. Und jetzt, daran war kein Ziveifel möglich, jetzt sah der Präsident Fulvia an. lind auch Fulvia sah ihn an. Ganz ohne Vorsicht und mit einem Blick, den Tommy nie an ihr gewahrt hatte. Er Ivar betroffen. War das die kokette, mit allen Männern flirtende Fulvia? Soviel begriff auch Tommy, dessen Ressort die sentimentalen Weltereignisse sonst nicht waren, daß dieser Blick etwas Besonderes aussagte. Es war kein Zweifel mehr. Diesmal hatte Ealdelari recht gehabt. Tommy streifte ihn mit einem mitleidig verächtlichen Gedanken. Ei» armer Narri Das hatte der doch nicht geahnt. Aber tvas jetzt? Daß der Präsident FulviaS Liebhaber war, schob den Fall aus dem Bereich des bloßen Interesses an dem Skandal heute in die Zone der hohen Politik. Tommy zog sich in einen Winkel zurück, ließ sich von einem der braunen Diener einen Martini bringen und überlegte. Wie konnte er sein Wissen seinen Zwecken dienstbar machen? Es regten sich, sehr gegen seinen Willen, leise Bedenken, aber mit denen war er schnell fertig. Hier ging es um Größeres; die Montsortpreß wollte ihre Revolution, das ganze Land wartete sozusagen darauf, seine Berichte waren bis auf Einzelheiten fertig und lagen zum Teil bereits in New Vork, Montfort hatte sicher die Filmaufnahmen der Revolution längst vorverkauft. Tommy blieb keine Wahl. Im Laderauni des „Präsident Harding" lagen seine zweihundert Leute, die JndioS des Diego Martinez waren bereit; jetzt alles abzublasen war unmöglich. Er ging geradewegs auf Bonamaria zu, der mit der Altistin der Opernstagione am Büfetl stand. Da auch noch ein anderer Herr dabei war, nahm Tönimy ihn ohne weiteres beiseite: -„Sie müssen heute nachts zu Rinadeneira kommen I" Der Advokat sah sich erschrocken um. „Aber Tommy, ich kann wirklich nicht; es geht nicht." Tommy ließ nicht locker. „Ich habe Ihnen eine ungeheuer loichsige Mitteilung zu machen."'> „Geben Sie mir Bedenkzeit I Heute kann ich nicht." „Heute muß es fein! Sie gehen ja auch sonst manchmal um diese Tageszeit zu Rivadeneiras. Und was ich Ihnen zu sagen habe, ist wichtig genug." Der Advokat ließ sich überzeugen. „Meinetwegen; ich bin um halb eins dort." Tommy sah sich um. Diego Martinez saß ganz allein hinter seinem Glas Champagner und schaute unablässig zu Fulvia hinüber. „Fressen Sie sie nicht auf", sagte Tommy ihm über die Schulter. Martinez war ungehalten Uber die Störung. „Ein herrliches Weibl" erklärte er. „Ja, gewiß! ES lohnt schon ihretwegen eine Revolution zu veranstalten." „Was heißt daß?" Tommy setzte sich Martinez gegenüber und verdeckte ihm den Blick auf Fulvia. „Mein Lieber, mir müssen Sie nichts vormachen. Die Millionen für das Kanalterrain sind nur einer Ihrer Gründe." Martinez versuchte, überlegen zu lächeln. „Natürlich, das Wohl des Vaterlandes geht vor." „Auch das! Und wie ist es mit Fulvia Cal- delari?" „Sie müssen schon deutlicher reden, mein lieber Barbox." „Wenn Sie darauf bestehen... Ihre Jach» liegt segelfertig in Puerto Limon..." „Kann sein... aber was hat das mit Fulvia Caldelari zu tun?" Martinez war nicht mehr ganz ruhig. „Oh nichts anderes, als daß ich etwas davon läuten gehört habe, Sie hätten Fulvia für morgen zu einem Autoausflug nach Puerto Limon eingeladen." „Ich verstehe gar nicht, warum Sie so geheimnisvoll tun. DaS ist doch ganz natürlich. Ich habe Caldelaris eingeladen, weil ich Ihnen meine Jacht zeigen wollte." „Ja... und. wenn der Kapitän dann irrtümlich die Anker lichten läßt und die Jacht nach Europa steuert..." Martinez sprang auf. „Woher wissen Sie das... ich meine... wie können Sie so etwas vermuten?" Barbox grinste breit.. „RedaltionsgeheimniS, mein Liebex, Redal- tionsgeheimnis." Tommy war aus seiner WerbungSreise auch nach Puerto Limon gekommen, und ein paar richtig verteilte Trinkgelder hatten ihm eine genaue Besichtigung der Jacht ermöglicht. Und da war ihm manches ausgefallen, was darauf hinwieS, daß Martinez sejn Schiff mit großer Sorgfalt zur Beherbergung einer Dame eingerichtet hatte. Dazu einige auffällige Reden und dieser Ausflug gerade am Tage, wo die Revolution ausbrechen sollte— mehr brauchte es für Tommys Kombi- nationSgabe nicht. Martinez war wieder ruhig geworden. „Ihnen kann es übrigens gleichgültig fein." „Und was hätten Sie mit Caldelari angefangen?" Diego Martinez zuckte die Achseln, „Man hätte ihn eben wieder ans Land geschafft. Aber Sie schweigen, nicht wahr?" „Immer I Grundsätzlich. Rur... Ich glaube nicht, daß Ihr Plan gelingen wird." „Warum nicht?" Martinez lächelte überlegen. „Morgen früh bricht die Revolution aus." „Ein Grund mehr, daß Caldelaris gern die Stadt verlassen werden." „Aber Fulvia nicht. Und wenn, dann nicht mit Ihnen." Jetzt wurde Martinez wieder nervös. „Was heißt das?" „Wollen Sie heute nacht von hier aus zu Rivadeneiras kommen?" „Sie wissen, ich bleibe lieber im Hintergründe." „Das geht jetzt nicht mehr. Sie müssen dabei sein. Es sind wichtige Dinge vorgegangep."■. Martinez schnitt ein unzufriedenes Gesicht. „Kommt Bonamaria auch?" „Natürlich; aber seien Sie doch vernünftig. Ohne ihn geht es nun einmal nicht. Und er wollte mir gerade heute auch schön auskneifen. Ich hatte alle Mühe, ihn wieder einzusangen. Schon deshalb können wir nicht länger warten. Er ist unzuverlässig wie eine Zeitung... ich meine natürlich, eine Zeitung unserer Konkurrenz." „Könnten Sie mir nicht schon jetzt sagen, was los ist?" „Oh nein! Kommen Sie. nur; ich verspreche Ihnen, daß sie.es nicht bedauern werden.". Es war spät geworden. Die Gäste begannen Abschied zu- nehmen. Barbox bemerkte, wie Fulvia sich nach allen Seiten umschaute, Sie fuchte wahrscheinlich Caldelaris. Der Reporter hatte ein Gefühl von Kälte in der Magengrube, als er ihr nachsah. Was er nun tun wollte, gefiel ihm ganz und gar nicht. Schade, daß Montfort ihn zu solchen Dingen zwang l Aber bei dem Gedanken daran, daß schließlich Montfort Me- Verantwortung trug, ließ wenigstens das Kältegefühl im Magen eii germaßcn nach. ^Fortsetzung folgt.)) Nr. 216 Mittwoch, 16. September 1936 Sette 3 tfudetendeutscficT Zcitspiegct WestbAhmischc Arbcitcrvcrsatninlitngct« über Spanien. Dio Arbeiter von.Graslitz und R o t h a w hatten das letzte Wochenende dazu benutzt, Sympathiekundgebungen für. die spanischen Freiheitskämpfer ju veranstalten. Sowohl in Graslitz, wo Genosse Wohlrab den Borsitz führte und die Fanfarcngruppc der Jugend die Ännd- gebung eröffnete, als auch in Rothau, wo Genosse Fischer die Versammlung leitete, sprach Genosse Professor Gustav Herbie aus Budlveis zu dem Thema„Der Kampf i« Spanien"/ sich gegenseitig aufhebeudcn Elementen: Rohstoss. Erlas; und Exportförderung. Im tvirtschaftSpolitischcn Teile seines Ar» bcitsprogrammes sind u. a. die Forderung nach Aufhebung des unsozialen Ma r- garinegesetzcS als auch die Bestrebungen eiithalten, die deutschen Privataugestclltcn entsprechend ihrer Stärke und der auf ihnen liegenden wirtschaftlichen Verantwortung in allen sonen Körperschaften in Erscheinung zu bringen, die im Zusammenhang mit der Reglcuicnticrung der Industrie errichtet Ivcrden müssen. ...... ,Aus, dieser. Aufstellung wird ersichtlich, das; mir zwei Gerichtsbezirke außerhalb des Böhmcr- Ivaldcs, nämlich JoSlowitz in Mähre» und Weidenau in Schlesien imstande waren, höhere Geburtenzahlen zu erreichen. Der Böhmcrwald ist also derzeit für die zahlenmäßige Erhaltung unseres BolkstcileS von großer Bedeutung, obwohl gerade er zu den wirtschaftlich schwächsten Landschaften unserer Heimat zählt. wirkt hätte, daß der Numerus clausus so formuliert wivd, daß der Wledercröffuung stillgelegter Betriebe überhaupt keine Schwierigkeiten erwachsen. Wir hatten ursprünglich vorgcschlagen, daß die Zustiunnung der Gewcrbcbehörde überhaupt nur für jene stlllgclegten Betriebe notwendig sein sollte, die ivcnigstcns drei Jahre die Produktion eingestellt habe». Aber auch dagegen nahm die gefaulte Textilindustrie, also a u ch d i e deutsche, Stellung. Wir halten diese Feststellungen im Interesse der Verantwortung für den Numerus clausus für notlvendig, damit die Oeffentlichkeit erfährt, welche Stellung die deutsche Textilindustrie zur Wiederaufnahme der zahlreichen stillgelegten Betriebe in den Randgebieten des Staates eingenommen hat. ßigen Wirtschafts- und Handelspolitik hätte sstlj ein großer Teil dieses wirtschaftlichen Rückganges in unserer Porzellanindustrie vermeiden lassen. Arbeitslosigkeit— 68.5 Prozentl Diese Entwicklung in der Porzellanindustrie hatte eine katastrophale Arbeitslosigkeit zur Folge. Nach Erhebungen, welche unsere Gewerkschaft durchgeführt hat, sind seit dem Jahre 1929 50 Prozent der Porzellanarbeitcr und-arbeiter- innen dauernd von der ArbeitSmöglichkeit ausgeschaltet, während die restlichen 50 Prozent infolge Kurzarbeit einen Arbeitsverlust von nahezu 82 Prozent aufzuweisen haben. Bon. dem im Jahre 1929 in der Porzellanindustrie beschäftigten 20.000 Arbeitern sind schon jahrelang beinahe 10.000 Menschen gänzlich auS dem Produktionsprozeß aüSgefchaltet, während die übrigen nur noch in Kurzarbeit beschäftigt werden können. Die effektive Arbeitslosigkeit in der.Porzellanindustrie beträgt 68.5 Herr Henlein reist noch immer Im Lande umher, um halbirredentistsche Reden zu halten. Während er sich als„Revolutionär" gibt, streben wichtige Amtswalter seiner Partei nach Ministersessel n, auch um den Preis dcö Verrats an allen bisherigen Grundsätzen der SdP und Bekenntnissen Henleins.- Aus schriftlichen uns vorliegenden Aeußcrungcn des Ehrengerichtsvorfitzcuden S a- s u m geht hervor, daß cs sich bei den Ministerkandidaten um die Herren Dr. Peters, Dr. N e u w i r t h und K u n d t handelt, um Figuren also, deren politische Wandlungssähigleit so ziemlich außer Zweifel steht. Herr Sasum, der cS ja wiffen muß, ist der Ansicht, daß die MinisteraiUvärter sogar auf ein zehnjähriges Nichtangriffsabkommen(offenbar zwischen Deutschland und der Tschechoslowakischen Republik. Die Red.) ausgehen. Nach Sasum war«S der Zweck der seinerzeit von Henlein durchgeführten„Reinigungsaktion", die SdP„regierungsreif" zu machen; damals scheint der NeMvirth-Flügel das Ucbergewicht gehabt zu haben. Kasper und andere ehemalige Nationalsozialisten mußten daran glauben, aber man ließ die Fäden zu ihnen nicht abreißen. ES gibt sogar Leute in der SdP, die den Kaspcrflügel zur Gründung einer neuen Partei ermuntern, einer Partei, die wohl die Aufgabe hätte, einen Teil der nationalsozialistischen Elemente aufzunehmen und so die„Loyalität" der SdP glaubhaft zu machen. Für das Streben der drei oben genannten Herren nach Ministerposten hat Herr Sasum Beweise. Er wird ja hoffentlich nicht ermangeln, jetzt mit ihnen herauSzurückrn. Die' Mitgliedschaft der SdP,-die augenblicklich, mit den radikalen Reden HenleinS gefüttert wird, hat für diese Beweise großes Interesse. Nicht ohne Reiz ist es, über die seinerzeitigen Bemühungen Henleins, Brand zu retten, aus der berufenen Feder des Herrn Sasum einiges zu erfahren. Henlein hatte gemeint, er müsse sich trotz dem Spruch des Ehrengerichtes nicht von Doktor Brand trennen, weil diesem die Satisfaktionsfähigkeit nicht aberkannt wurde. Das Ehrengericht, so teilt Sasum einem Freunde mit, habe jedoch nicht über die bloße Satisfaktionsfähigkeit zu urteilen gehabt, sondern über den umfassenden Begriff, der Ehrenhaftigkeit. Sasum meint:„Da Brand, unehrenhaft gehandelt hat, ist er für jenen Teil, der auf dem Grundsatz steht, Satisfaktion(ritterliche Genugtuung) zu geben und zu nehmen, natürlich auch eindeutig gerichtet... Wer unehrenhaft gehandelt hat, ist natürlich für jene Kreise, die auf dem Genugtuungsstandpunkt stehen, außerdem noch satisfaktionsunfähig." Es ist sehr possierlich, diesem wichtige!« Streit um die Satisfaktionssähigkcit zu folgen; da Henlein bereit war, den Brand trotz dem Spruch des Ehrengerichts zu halten, gehört e r Wohl nicht zu jenen Kreisen, die auf dem Genugtuungsstandpunkt stehen und Sasum ist des Vergnügens enthoben, sich mit dem Turnlehrer duellieren zu mUssenI Man beachte auch, wie ernst der Ruf nach der E i n h e i t des Sudetendeutschtums gemeint sein mag, wenn sich selbst führende Leute der SdP, nm die Partei und sich regierungSreif zu umchen, mit der Neugriindung einer Auffangpartei für„Illoyale" beschäftigen! Wir versprechen den Herren, die schon durch . unsere^erste Vcröffentlickiung arg. durcheinander geraten fiftb, mit der Darstellung ihrer sauberen Häuslichkeit fortzufahren. Das schönste kommt noch!' Böhmerwaldbezirke haben die höchsten Geburtenziffern Der deutsche Bevölkerungsanlcil unseres Staates schneidet in bevölkerungspolitischer Hinsicht beim Vergleich mit den Tschechen und Slowa- kcn sehr schlecht ab. Dieser Borsprung der Tscheche» ist vor allem der Geburtcnfrcndigkeit in den östlichen Teilen des Staates zu danken. So zeigt beispielsweise die sogenannte mährische Wallachei als einziges Gebiet in den Sudctcnländern relativ hohe Geburtenzahlen, während in den anderen Gegenden sich die Gcburtenbcwegung bei den Tschechen nicht allzusehr voir der des deutschen Teiles der Bevölkerung unterscheidet. Für Böhmen läßt sich sogar'cststellen, daß hier die höch- sten Geburtenzahlen auf deutsche GerichtSbczirkc, vor allen« Böhmerlvaldbczirke entfallen. Nachstehend seien jene deutschen Gerichtsbezirke verzeichnet, deren Lebendgeburtenanzahl bei je Tausend der Bevölkerung 20 überschreitet. Es wiesen im Jahre 1985 auf: Die sudetendeutsche Arbeitslosigkeit als dauernde Einrichtung? Unter diesem Titel brachte die„Reichenberger Zeitung" vom 2. September folgende Notiz: „Die Verordnung Wer.die Textilsyndizierung erschwert den Wiederbettieb sttllgelegter Textilfabriken. Es ist jetzt eine besondere Bewilligung der Gewerbebehörde notwendig, wenn bei Neuaufnahme der Tcxtilwarenerzeugmm eine Betriebs- stätte benützt wevden soll, in der schon länger als 18 Monate die Erzeugung eingestellt lvar. Diese Bestimmung trifft gerade wiederum das sudetendeutsch« Gebiet besonders hart. Denn 57 v. H. der Textilindustrie Böhmens und Mähren-Schlesiens (gemessen nach der Zahl der Arbeiter) liegt nach der Erhebung über die Industrie aus dem Jahre 1928 in den deutschen Mehrheitsbezirken, die 81 v. H. der Bevölkerung der beiden Länder umfassen. Und die deutschen Mehrheitsbezirke sind es, die von der herrschenden Arbeitslosigkeit mehr als doppelt fo stark betroffen sind als die tschechischen." Dazu bemerken wir im Interesse der Wahr- i heil und der Verantwortung, daß es ein langer Wunsch der gesamten Texttiindustrie, alfo auch der deutschen ist, daß der sogenannte Numerus clausus in der Textilindustrie eingeführt wird. Der Nlnnerns clausus, der gelegentlich der Zwangs- syndizierung mit verhandelt wurde, sieht vor, daß die Neuerrichtung von Betrieben und die Wiedereröffnung der Produktion in stillgelcgten Betrieben nur mit einer behördlichen Gcnch- inigung«"folgen darf. Die Union der Textil« ' arbeite«: hat bei den Verhandlungen über die Textilsyndiziorung schwere Bedenken gegen diese Einschränkung der Wiederaufnahme stillgelegter Betriebe üorgebracht. Sie ging dabei von der Erwägu««g aus, daß nicht alle stillgelegten Betriebe dauernd ihre Produktion eingestellt haben und daß bei einer Besserung ter wirtschaftlichen Verhältnisse mancher stillgelegt« Betrieb wieder in die Lage kommen wird, die Erzeugung aufzunehmen. Wir verweisen darauf, daß es eine wirtschaftliche Unerträglichkeit darstellen würde, den gegenwärtig beschäftigten Betrieben mtt Hilfe dä Numerus clausus eine tatsächliche Monopolste l l u n g zu schaffen und die Wiederbeschäfttgung der großen Zahl -von arbettslosen Textilarbeitern‘in den derzeit stillgelegten Betrieben zu verhindern. Ministerkandidaten der SdP Sehnsüchte der„Loyalen“ Peters, Kundt und Neuwlrth Weitere Geheimnisse aus dem SdP-Laden Wir setzen unsere auf Dokumente gestützte Darstellung der Zustände In der SdP fort. (Siehe auch unsere Veröffentlichung vom 12. September.) Zur Information unserer Leser fei noch vorauSgeschickt, daß die betreffenden Dokumente einem Unserer Parteifunktionäre anonym zugeschickt wurden. Da sich Sozialdemokraten grundfätzlich nicht mit politischen Einbrüchen befassen, bestehen schwerwiegende Gründe zu« Annahme, daß eine der vielen Gruppen, die einander in der SdP bis aufs Aieffcr bekämpfen,«in Interesse daran hat, die gravierende Korrespondenz des Herrn Safum auf dem Wege über die sozialdemolraüfche Presse den Mitglie- dern bekanntzugeien. In tiitft Partei, die eine„Abteilung E" besitzt, Ist alles, aber auch alles, möglich. Jedenfalls haben wir keine Ursach e, die nicht unintcreffeantcn Wahrnehmungen des Harm Sasum der sudetendeutschen Oeffentlichkeit vorzuenthalten.— Die Red. Saazer Ortsgruppenleiter der SdP erhält fünf Tage Arrest In eitler Monatsversammlung der SdP hat sich dec OrtSgruppenlciter von Saaz auch mit dem „Machnik-Erlaß" und der„Lex lihlit" beschäftigt. Seine Acußcrungon scheitle» nicht gerade „objektiv" gewesen zu sein, denn gegen ihn«vurde die Anzeige nach den« Schntzgcsctze eingcbracht. Bei der Montag, den 14. September, vor dem Krciögcricht in Brüx dlirchgcführten Verhandlung tvurde der Ortsgruppenleiter schuldig befunden und, unter Berücksichtigung seiner bisherigen llu- bescholteuhcit als mildernde«« Umstands, zu fünf Tagen Arrest verurteilt, die in« Interesse der Oeffentlichkeit unbedingt ausgesprochen wurden. Der Angeklagte hat gegen dieses Urteil Berufung cingebracht. sic schlug ursprünglich eine Textierung vor; die uns vollkommen unannehinbar schien und deren Aen- derung wir mit allem Nachdruck und, wie das Ergebnis zeigt, auch mit Erfolg betrieben haben. Die Textilindustrie, einschließlich der deutschen, forderte eine Bestimmung in der Regierungsverordnung über die Zwangssyndizierung in der Textilindustrie, daß die Wiederaufnahme«der Produktion in Betrieben, die länger als 18 Monate stehen, nur dann erfolgen sollte, wenn die Bezirksbehörde auf Grund eines ü b e r« i n st i m- in enden Antrages des Zivangssyndikates oder der Fachorganisationen der Textilindustrie und der Gewerkschaftsorganisationen die Zustiininung erteilt. Die DezirkSbehürde hätte bei einer solchen Fassung der Bestimmung nicht frei entscheiden können, auch wenn die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der Produktiv«« in einem stillgelegten Betrieb vorhanden gewesen wären. Auch die deutsche Textilindustrie legte Wert darauf, mit einer solchen Bestimmung«ine Kontrolle Über die Wiederinbetriebsetzung stillgelegter Betriebe zu erhalten, weil sie, ebenso wie die tschechische Textilindustrie, von den« Grundsatz ausging, daß die beschäftigten Textilunteruehmun- gen gar kein Interesse daran haben, daß stillge- lrgte Betriebe wieder ausgemacht werden. Wir haben uns gegen diese Bestimmung mtt aller Energie gur Wehr gesetzt und schließlich erreicht, daß Uber die Wiedereröffnung eines länger als 18 Monate stillgelegten Betriebes die Bezirks- bchürde als Gewerbebehörde frei entscheiden kann, wobei ivir von der Ansicht auSgingen, daß sich die Bezirksbchörde im Interesse der Ruhe und Ordnung in ihrem Gebiete nicht von den egoistischen Interessen der Industrie, sondern von allge- «neincn Gesichtspunkten leiten lassen wivd. Bei der Stilisierung, wie sie die Textilindustrie vorschlug, hätte ein« ablehnende Stellung der ZlvangSsyn- kate genügt, um die Ueberreichung des überein- stttnmenden Antrages auf Wiedereröffnung deines stillgelegten Betriebes und dainit seine Wie- derinbetriesetzung zu, verhindern, weil die Bezirksbehörde dann überhaupt nicht hätte entscheiden können. Die Notiz in der„Reichenberger Zeitung" geht also vor qllem daran vorüber, daß es die' deutsche Textilindustrie war, die keinen Wert auf die Wiedereröffnung.der' vielen Dutzenden stillge- letzten Betriebe im deutschen Industriegebiet legt. Es wäre gut gewesen, wenn die„Reichenberger; ., Zeitung", die ja sonst über gute Beziehungen zum " Aber die Textilindustrie einschließlich der i Allgem. deutschen Textilverband verfügt, rechtdeutschen beharrte auf. dem Numerus clausus und I zeitig, also während der Verhandlungen dahin ge- Gegen Drosselung der Rohstoffeinfuhr Stellungnahme des Allgemeinen Angestelltenverbandes In zweitägiger Sitzung hat der Zcntralvor- stand des Allgemeinen Angcstelltcn-Berbandcs ein umfangreiches Arbeitsprogramm bewältigt. Aus diesem Arbeitsprozrainm verdienen vor allem die schweren Bedenken gegen den Rohstoff-Erlaß hervorgehoben zu werden. Ganz abgesehc«« von der in den letzten Jahren von der Nationalbank durchgeführten qualitativen Veränderung des DeckuugsbestatidcS, der seitden« nur auS Gold besteht, bedeutet der Rohstoff-Erlaß gerade für die hauptsächlich auf den Export angewiesene Industrie eine außerordentliche Einschränkung ihrer BetätigungSinöglichkeiten, für die Angestellten und Arbeiter eine neuerliche Vermehrung der noch innner umfangreichen Arbeitslosigkeit und für die Konsumentei« eine schon in kürzester Zeit zu erwartende Verteuerung der Lebenshaltung. Dazu kommt noch die Ucberlegung, daß bei der praktischen Durchführung dieses Erlasses die Ein- suhrkontingente Gegenstand des verschiedenartigsten Schachers sein werden. Der Zentralvorstand des Allgemeinen Angestcllten-Verbandcs tritt daher für die rascheste und definitive Lösung des ExportproblemeS ein; denn das, was aus den bisherigen Beratungen des Mi- nistcrrates einvernehmlich mit den von ihm cigenS dazu aufgerufencn Stellen hcrausgekommen ist, bezieht sich mehr auf verwaltungstechnische Maßnahmen als aus eine kräftige materielle Unterstützung der Ausfuhr. . ,^Ä^^.A?Ä!Zff-Erlaß, der wtMschxinlich schon in nirzestbvZeit äitf cme größe'ä'Attzahlvön Importwaren aui-gedehiit werden fuirfle)'«st eine in ihren Wirkungen noch nicht abzuschähendc Gefahr für die Exportindustrie und ein Element einer erneut verstärkten Welle der Arbeitslosigkeit kidi gleichzeitiger Berteuerung der Lebenshaltung. Das bisher bekannt gewordene Programm der Exportförderung, dem aus den bereits erwähnten Gründen keine besondere Bedeutung zukommt, muß solange überhaupt wirkungslos bleiben, als bei goldgefüllten Kellern der Nattonalbank die Rohstoff-Einfuhr derart gedrosselt wird, wie dies durch den Rohstoff-Erlaß beabsichtigt ist. Der Zentralvorstand des Allgemeinen Ange- stellten-Verbandcs sieht daher in diesem Erlaß große Gefahren«ingeschloffcn und gibt den zuständigen und verantwortlichen Stellen ernstlich zu erwägen, ob nicht eine anders orientierte Währung?- und Exportpolitik günstigere Resultate zu erzielen'imstande wäre, als das Spiel mit den Bin Appell der Porzellanarbeiter Die Krise der Porzellanindustrie und die Not der Arbeiter Verheerende Auswirkungen der Krisenjahre/ Vorschläge zur Milderung der Arbeitslosigkeit Der Verband der Glas- und Kcramarbritcr und Arbeiterinnen in Tcplitz, wendet sich mit einem eindrucksvollen, mit genauen Angaben sehr gnt belegten Memorandum an die Oeffentlichkeit und die berufenen Stellen, nm ein Bild der katastrophalen Lage der Porzellanindustrie zi« geben und den Weg zu einer Hilfe für diesen so wichtigen Berufszweig zu weisen. Das Memorandum führt an: Die schwerstbetroffene Industrie Die Porzellanindustrie in der Tschechoslowa kischen Republik wurde von allen Industrie«« von der Kris« am schwersten betrosfen. Der Porzel- lancxport hat sich seit dem Jahre 1929 um zwei Drittel vermindert. 1929 hatten wir eine Aus fuhr von Porzellanwaren iir der Höhe von »7,962.273 Kilogramm im Betrag« 365,760.968 AL, während 1935 die Ausfuhr nur noch 12,688.475 Kilogramm im Betrage von XL 105,193.172.— betrug. Aber auch der Jnland- absatz für Porzellanwaren ist in der gleiche«« Zett um die Hälfte zurückgegangen und betrug 1929 71,480.000.— XL, 1935 aber nur noch 34,100.000.— XL. Das Jahr 1936 weist einen weiteren Rückgang auf. Die Ursachen biefür sind' mannigfaltiger Natur, der Ursprung ist aber in der Hauptsache in mangelhafter Vorsorge der wirtschaftlichen Belange zu suchen. Bei einer objektiven planniä- Wallern 25.48 Hohenfurch «2.48 Kalsching 25.47 Weidenau 22.04 Prachatitz 25.45 Bergreichenstein 20.70 Kaplih 24.16 Wcseritz 20.45 Oberplan 25.15 Winterberg 21.54 RonSperg 28.87 JoSlotvitz 20.41 Seite 4 Mittwoch, 18.' September: 1938 Nr. 816 ne 340.579.— ergibt sich ein Lohu- KC fremdländischer Devisen zu ne 990,349.361.— ne ne ne lichmachuna des zulässige» Tiefganges der Fähre bat er nicht ettiacbaltcn.. Der Angeklagte Suftr sagte ans. das> die Fabre sich In schlechtem Zustande bekand. Eraibtieine Schuld an dem Unglücke zu. insbesondere auch in der Richtung, das» er so vielen Personen das Betrete» der Fabre erlaubt bat und dasl er die Kinder gemeinsam mit de» Pferden übersetzte: Die Anklage beschuldigt die Lebrer, dast Ne sich um die ibnen anvertrauten Kinder nicht kümmerten. Keiner von ibnen bat das Betreten der Fäbre geleitet, keiner bat bestimmt, wieviele Kinder a»f einmal übersetzen dürfen, und auch darum bat sich keiner von Ibnen gekümmert, wie die Ueber- setzung deS Flusses durchgefübrt werden sollte. Alle drei Lehrer haben es zugrlassen, da- gemeinsam mit den Kindern auch die Fubrwrrke und Pferde übersetzt wurden, trotzdem Ne hätten setzen müssen, dass die Pferde vor dem Wasser scheuten und dass dadurch die Gefahr für das Leben der Kinder gesteigert werde. Keiner der Lebrer kümmerte ssch weiterS darnm, ob ssch die Fäbre in einem gnten Zustande befinde, und Ne nahmen keine Rücksicht darauf, dass die Ueberfutzr durch daS..Hochwasser gefährdet war. Als grösste Fatzrlässigkelt wirft die Anklage den Lebrrrn vor, dass Ne den Kindern erlaubten, Nch vor der dritten Ileberfatzrt in grösster Unordnung ans die Fäbre zu stürzen und Ne zu überlasten. Alle drei Lebrer baben angegeben. Ne bätten da? Betreten der Fäbre dnrch die Kinder nicht geleitet und dass sic auch nicht anaeordnet baben. wie- viele Kinder auf der Fäbre ans einmal: übcrfabren dürfen, sondern dass sse Nch in dieser Bezlcbung ganz auf.den Fäbrniann Suftr verlassen baben.■ Nach Verlesung der Anklageschrift begann der Vorsitzende des Gerichtes init den» Verhör der Angeklagten. Der Zuhörcrranm ist mit den Eltern nnd Angebörigen der Familien dir ertrunkenen K inder— sie nclnncn an der Verbandlung auch als Privatbeteiligte teil— sowie mit zahlreichen Burgern von Rastvitz vollkommen überfüllt. Als Sachverständiger ist der Genie- truppcn-Oberst Josef Petkik zugegen. Die Anklage vertritt Dr. Hlaveäka. Beim Berbör erklärte der angcklagte S u st r, die Hauptschuld an dem Unglück setze er I» der e i n- seitigcn Belastung der Fäbre. und zlvar an deren linken Seite. Der angeklagte Müller B. B e- v e r k a fühlt sich nicht schuldig. Die lleberfatzrt- esnrichtung sei ine dem gleichen Zustande gewesen- wie er sie übernommen hatte; von S i che rtz e I tS- m a ß n a b in e n, wie zum Beispiel der Bezeichnung einer Linie des Tiefganges an der Fäbre, ihrer Tragfähigkeit und auch.davon, daß der Fährmann eine Prüfung haben mutzte, habe er nichts ge- w n ss t. Er behauptet auch, daß die Fähre ga» nicht in einem derart schlechten Zustande gewesen sei. Die angeklagten Lehrer fühlen sich ebenfalls nicht schuldig. Sie seien sich irgendeiner Gefahr gar nicht bewußt gewesen und In Sachen der Ueberfahrt verließen sie sich ganz auf Suftr, H o r n a n s k ls sah die größte Gefahr in der Unruhe der Pferde und er hielt sie aus diesem Grunde an den Zügeln.— Nach beendeter Aussage der Angeklagten wurden noch acht Zeugen sowie ein Sachverständiger einvernommen, worauf die Akten verlesen wurden.. Heute wird in der Verhandlung fortgefahre». Prozent und muss als die stärkste von allen Wirtschaftszweigen bezeichnet werden. 42 Millionen Arbeitslosenunterstützung Seit dem Jahre 1939 bis Anglist 1988 wurde von unsecec Gelverkschaft an die arbeitslose Porzellanarbeiterschast anöbezatzlt: Arbeitslosenunterstützungen ErnährmigSaktion.'.. Notfallunterstützungen.. Notsallunterstützungen vom Wirtschgslsverbande der Porzellanindustrietlen KL 42,289.352.— So hoch auch diese UntcrstühungSsmnme erscheinen mag, wen» man sie auf die Zahl der in der Porzellanindustric arbeitslos gewordenen Menschen für einen Zeitraum von 8 Jahren aufteilt, verbleibt für jedes dieser bedauernSlverten Opfer der Krise ein so geringer Betrag, daß damit eben nur«ine Linderung möglich tvar; das Elend und die Berzweiflung unter der arbeitslosen Porzellanarbeiterschaft aber besteht weiter. — aber 450 Millionen Lohnausfall Ter Lohnvcrlnst für die Porzellanarbeitcr- schäft seit dem Jahre 1929 beträgt mehr als das Zehnfache der gclvährten Unterstützungen. Aus Grund der Arbeitslosigkeit Verlust: 1930... KL 1931 1932...„ 1933...„ 1934...„ 1935....„ KL 451,311.013.— Ein gewaltiger Betrag, welcher diesen Menschen zur Lebcnöfristuug verlorenging, und sie alle haben das dringend« Verlangen, wieder in den Produktionsprozeß eingerciht zu lverdcn, arbeiten zn können, um ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Arbeitsbeschaffung— Devisenbeschaffung Das Problem der Arbeitsbeschaffung ist für die Porzellanarbeiterschaft die lebenswichtigste Frage, deren positive Behandlung angesichts des siebenten Kriscnwinters dringend notwendig toird. Tie LösungSinöglichkeit liegt beinahe ausschließlich auf dem Gebiete der produktiven ÄrbcitS- losensürsorge und der Schaffung crweilertcr Ar- bcitsmöglichkcitcn durch die Erhöhung deS Absatzes für Porzellanwaren am Jnlaiidsmarkte, sowie der Steigerung des Exportes unserer Por- zcllanindustrie. Für die Arbeiterschaft" bedeutet' jede' Steigerung der Produktion in der Porzellauinduftrie eine Bcrmindernttg der Arbeitslosigkeit, für den Staat bedeutet jede Steigerung des Porzellanexportes eine vermehrte Deviseueinfuhr. Zehntausend Arbeiter haben ihren Erwerb und dir Existenzgrundlage verloren, die Gesamtwirtschaft hat aber seit dem Jahr« 1929 einen Verlust von einer Milliarde verzeichnen: Vie Rakwitzer Tragödie vor Gericht Anklage belastet die Lehrer schwer B r ü» n. Bor dem Senat deS KreiSstra fgerichteS in Brün» begann am DienStäg dir Verhandlung in der erschiitternden Rakwitzer Tragödie, bei welcher bekanntlich am 28. Mai d. I. in der Ttznna unweit von Neumühl 31 Schulkinder aus Rakivitz ertranken, welche unter Leitung deö Schuldirektors und zweier Lehrer einen Ausflug unternahmen. Mit de» Kindern ertrank In der Ttzatza auch der Kutscher Franz B el e ch. Der Staatsanwalt macht für dieses Unglück fünf Personen verantwortlich und brachte gegen sie die Anklage wegen Uebertretnng gegen dir Sicherheit deS Lebens unter besonders gefährlichen Umständen.gemäss den 88 338 und 837 de»' Strafgesetzes ein. Angeklagt sind:: ■ Der 58jährige Leopold S u st r, Müllerge hilfe aus Neumühl, der 89jährige Josef V e- verka, Müller aus Neumühl, der 41jährige Bohumil Horüanskh, ehemaliger Direktor der Schule in Ralwitz, der 89jährige Lehrer Hein rich R o v o t n h nnd die 22jährige Lehrerin Zdenka Z a k o v a. Nach Feststellung der Personalien der An geklagten leitete der Senatspräsident Obergc- richtsrat Mahovskh die Verhandlung ein mit der Verlesung der Anklageschrift. An der Unglücksstätte. ungefähr vier Minuten von Neumühl, ist der Ttzahafluß etwa 45 Meter breit und 5 Meter tief. Am llnglückStagc war der Wasseritaud infolge der Regengüsse etwa 1,5 Meier über dem Normale und die Strömung sehr reissend. Am 28. Mai d. I. beteiligten sich an dem Schulaus» finge insgesamt 100 Kinder der Rakwitzer Schule. die auf Bauernwagcn, die von Pferden gezogen wurden, fuhren. Bei Neumühl ninssten die Gefährte und die Kinder auf das rechte Tdaha-Ufer mit der Fähre übergescbt iverdcn. Die ersten zwei lieber-' fuhren gingen glatt vonstaiien. Erft vor der dritten Ueberfutzr sprangen die Kinder, die Inzwischen en den Fluss tzorangefatzren waren, von den Wagen und drängten 11ch auf die Fäbre. ohne dass rS Ibnen die Lebrer ver- i wehrten. Auf die Fähre fuhr ein Wagen mit zwei I Pferden, und eS drängten ssch auf sie noch 52 Kin der und sechs Erwachsene, darunter suftr und seine Frau, Direktor Horüanskh uud der Kutscher Belech. Schätzungsweise war die Führe mit 38 Tonnen be lastet, und daher unstreitig überlastet. Ihre Sellenwände ragten kaum 8 Zentimeter Über dem Wasserspiegel hervor. Hiebei drang Wasser In die Fähre, dessen Menge bei ieder Nebersubr zunatzm. Als die Fäbre etwa 4 Meter vom Ufer entfernt war, begann das Wasser in Ihr rasch zu steigen und die Kitider begannen zn schreien. Snstr rief itznen zu,. auf den vorderen Teil der.Fähre zn treten, während die am Ufer befindlichen Lehrer den Kin dern zuriefen, rückwärts zn bleiben. ES entstand eine Panik, bei der suftr anord nete, dass die Pferde vorwärts gehen sollen. Zu dieser Zeit befand ssch die Fähre uugekähr In der Mitte deS Flusses, begann zn sinken und alle Per sonen, die sich auf ihr befanden, fielen ins Wasser. Nur einige Kinder konnten das Drahtseil, an dem di« Fähre lief, oder Bretter vom Boden der Fähre ; ergreifen und sich so retten. Nach der Aussage der Angellagten, der Zeugen ' und der Sachverständigen-Aiitachten des Genie truppen-Obersten Josef Pethik war einerseits die Ne be rl a stu n a der linken Seite der Fähre, die ■ ungleichmäßige Belastung derselben und ihr schlechter Zustand die Ursache des Unglücks. Der . Boden der Fähre war verfault und löcherig, die einzelnen Teile derselben klafften auseinander. Bei der Untersuchung der Schuld an dem Un glück führt die Anklage an. daß der Müller Beverka als Besitzer der Fähre verpflichtet war. für deren sicheren Zustand Sorge zu tragen, welche Pflicht er vernachlässigte. Beverka hatte weiters mich dafür zu sorgen, daß an dem Orte der Ueberfiitzr in ge eigneter Weise eine Tafel mit der Ankündigung der höchftznlässincn Bclastuiig der Fähre sowie der Zahl der Personen angebracht lvcrde, die ützergesetzt. wer den dürfen. Auch die Vorschrift betreffend die Kennt- 1930 Ke 47,208.792.— 1931 g ,, 122,783.841.— 1932 108,555.161.— 1933 21 1,809.103.— 1031 208,230.778.— 1935 .• • 200,582.706.— Der Verband saßt dann seine Vorschläge zur Schaffung gesteigerter Arbeitsmägllchkelten in zehn Punkten zusammen: 1. Herbeiführung eines Beschlusses der Gcsamt- regiernng, wonach die Porzellaniudustrie als besondere R o Isst a n d s i n d u st r i e anerkannt wird, deren Angelegenheiten in beschleunigter und bevorzugter Weise zn erledigen sind. 2. N c m e r u S clausus, Schaffung eines Zivangsstzudikates und Berbind- lichkcitScrklärnng des bestehenden Kollektivvertrages für alle Betriebe der Porzellanindustrie. 3. Gleichmäßige Regelung der Arbeitbzeit unter Anerkennung des'Grundsatzes der 4 0- S t u n d e n w o ch e. 4. Planmässige Organisierung der Propaganda nnd Bereitstellung staatlicher Mittel hiellir. 5. Beschleunigte Fliiffigmachnng der Mittel im Rahme» deS ArbeitsbeschaffinigSprogrammcS für ♦ die Elektrifizierung am flachen Laude. Anschaffung von Porzellaneßgeschirr für unser Militär, wie dies bereits in anderen Staaten geschehen ist. 6. Steigerung des Exportes unter finanzieller Hilfe des Staates in jene Länder, wo der Absatz unserer Porzellmiwarcn durch die Konkurrenz von Japan und Deutschland zurückgedrängt oder gänzlich verhindert wird. 7. Ausweitung der Porzellanaussutzr nach Eng land, die skandinavischen"Länder sowie die überseeischen Staaten durch eine stärkere Kom- pensicrung der aus diesen Ländern importierten Waren mit unsere» Porzellauprodukicn. 8. Förderung des PorzellanabsatzeS nach den Oricntstaaten durch KomvcnsatioiiSeinfnhr von Tabak und sonstigen Produkten. Anbahnung von Kompensationsgeschäften mit Jugoslawien. 9. Schaffung von zusätzlichem Export für unser« Porzellanindustrie, vor allem.nach Amerika, durch KompensationSbindimg der Porzellanwarenausfuhr mit den aus dem Auslände zu beziehenden Rohstoffen. 10. Bereitstellung billiger Kredite zur Wcitcrfüh- rung der Produktion. TlAesnruiAkelten Vie völkischen Beobachter Besteht überhaupt die Gefahr, daß das in Begeisterung für den Führer geeinte deutsche Volk den"Behauptungen feines von Gott gesandten Retters über das tolle Treiben der inin- derrassigcn roten Rotten in Spanien, Rußland und anderswo in Europa am Ende doch nicht den genügenden Glauben schenkt und auch die bekannt zuverlässigen Meldungen des Deutschen Nach- richten-Büros und der deutschen Rundfunksender anzweifelt?' Die Bilderdienste im Dritten Reiche, deren Erzeugnisse zu bewundern auch wir des öfteren. Gelegenheit haben, tragen dieser Gefahr jedenfalls Rechnung. Denn sie sindLe- müht, schlagende und sichtbare Beweise für die Aussagen des Führers und seiner Propagandisten zu liefern. Mit der photographischen Kamera-an Ort und Stelle gemachte Aufnahmen, — unzweifelhaftere Bestätigungen als solche Augcnzentzen-Bilder kann es nicht geben. Wer zum Beispiel daran zweifeln sollte, daß Spanien vom roten.Terror bedroht ist,'falls es den„Marxisten" gelingen sollte, die„nationale Militärgruppe" zu schlagen, dem setzt ein solcher reichsdeutscher Bilderdienst eine schlechthin überzeugende.'Photographie mit. der Unterschrift „Bolschewistische Häufen stürmen ein Dorf bei Cordoba" vor. Mail sieht ans diesem Bilde zwar nur eine Reihe tze.waffnetcr junger Männer^ die .Ausstellung genömincn haben,.um sich,photographieren zu lassen. Die Bild-Unterschrist aber klärt den Betrachter auf:„In wüstem Durch- einander stürmen die Bolschewisten in das Dorf hinein, um alles niederzuschlagcn, was ihnen begegnet, u>n zu vernichten, was die Kriegsfurie noch verschont hat". Wer es jetzt noch immer nicht glaubt, wer kein„wüstes Durcheinander" und keinen Sturm wahrnehmcn kann, wer am Ende gar darnach fragt, wer denn in Spanien die Kricgssuric entfesselt hat, der ist ein Unter- nicnsch. Auf einem anderen Bilde sind zwei ärmlich gekleidete Burschen zu sehen. Der eine liegt auf einem Strohhausen, der.andere sieht ihm zu. Und die Bildunterschrift erklärt:„Dieses Bild zeigt zwei Brüder in Sowjetrußland. Der eine ist bereits verhungert, während der zweite mit hoffnungslosen Augen deniselben Schicksal entgegensieht." Man weiß nicht, worüber man. mehr staunen soll: über die Tüchtigkeit des völkischen Photographen, der gerade zu dieser ergreifenden Szene zurechtgekömmen ist, oder über die Leute, die trotz solcher Bild-Beweise noch immer an der russischen Hungersnot zweifeln. Was aber die Kette der Beweise krönt, ist ein Bild, auf dem eine Reihe von Eisenbahnwaggons zu sehen ist. Geschlossene, Viehwagen ohne Aufschrift und besondere Merkmale. Doch miter dem Bilde steht zu lesen:„Fn Viehwagen werden Tausende in Sowjetrußland in die Ver- baiuiung geschickt. Unser Bild zeigt einen dieser traurigen Transportrüge:" Das erinnert tar- sächlich an den Einfall eines Satirikers-aUS der verruchten Systemzeit/ der vorschlug,. in einem MUseuni den Dolch zu zeigen,imit beitr 1918 der berühmte Dolchstoß, verübt wurde. ’ Wir zweifeln daran, daß es dem Hitlcr- Regime gelungen ist, das. deutsche Volk trotz aller Unerfreuliche Verhältnisse Im ßSckergewerbe Die Gewerbeinspekiorate haben sich an di« Jugendorganisationen um. Vcihilse im Kampfe gegen die unerfreulichen LehrlingSverhältnisse im Bäckergewerbe gewendet. Nach dein letzten Bericht der Gewerbeinspcktorcn wurden Im Bäckerge« werbe 179 jugendliche Arbeiter unter 18 Jahren bei der Verrichtung von Nachtarbeit betroffen. Außerdem lvurde festgcstellt, daß manche Bäcker Jugendliche für den nächtlichen Brezelverkauf in Gasthäusern, Kino» etc.. verwenden. Auch die Behandlung der Bäckerlehrlinge läßt viel zu wünschen übrig. Die Bekämpfung asser dieser Unsitten stößt jedoch auf erhebliche Schlvierigkci- ten, weil sowohl die Lehrlinge als auch ihre Verwandten vor öffentlichen Anklagen zurückschrecken- Bemühungen in seiner Gesamtheit so sehr zu vcrdumnien, daß cS sich von solchen„bcweiS- krästigcn" Bildern überzeugen läßt. Aber sie sind kennzeichnend für die Methode der faschisti- schon Propaganda: die Gleichgeschaltetcn sollen dahin gebracht werde», etwas zu sehen, was nicht zu sehen ist. Sie sollen, um Opfer des„Mythus" werden zu können, den Blick für die Wirklichkeit — und auch den Blick für das Lächerliche verlieren. Der Präsident der Republik empfing am Montag in Topoläianky den Verleger Eugen Prager, welcher ihm den ersten Abdruck der. ungarischen llebersctzimg seines Buches:»Der Weltkrieg und unsere Revolution" überreichte. Die Druckfehler. Unsere gestrige Nummer lvieS leider eine ganze Reihe Druck- und Satzfehler auf. Völlig verstümmelt war der letzte Absatz der Notiz„Lclsetritt"; lvir wiederholen deshalb die ganze Stelle. Sie lautet richtig: Ja, nicht einmal sprachliche Reinhaltung ist der „Frankfurter" mehr gegeben oder gestattet. Käme ein nazistischer Schriftenmaler oder Anstreicher und würde dichten:„Grüß Gott, trete ein, bring Glück herein", so mühte ihn die„Frankfurter" auch erst mit Goethe vergleichen, ehe sie sich entschließen dürfte, ihm zu sagen, daß das falsch ist. Und dann müßte sie aber gleich hinzu- fügen, daß er es eigentlich doch besser weiß, denn das alte„Grüß Gott, tritt ein", klinge barsch — und barsch ist man im Dritten Reich nicht... 2m Rausch den Schwiegersohn erschossen. In der Gemeinde Udrnickä Lhota in der Gegend von Jiiin ereignete sich Samstag mittags eine Fami- lientragödie. Der 61jährige Ausgedinger Josef Snejdarek, der mit seinem jungen Nachfolge« seinem Schwiegersohn« Josef P't e n o s i I, in ständigem Streit lebte, begab sich'Samstag nach einem neuen Auftritt ins Gasthaus, um sich in seiner Wut zu betrinken, wiewohl er sonst nicht zn trinken pflegt«. Als er nach Hause zurückkehrte, bemerkte der junge Bauer, daß sein Schwiegervater einen Revolver bei sich hatte, und nahni ihm diesen mit Hilfe eines Knechtes ab. Snejdarei begab sich neuerlich zornig ins Gasthaus und trank weiter. Als er wieder nach Hause zurückgekehrt war, überfiel er seinen Schwiegersohn in der Küche und feuerte gegen ihn zweimal aus einem Armeerevolvcr. Pkenosil sank tödlich getroffen zu Boden, woraus sein Schwiegervater einen alten türkischen Handschar von der Wand riß und seinem Schtviegersohn»och acht tiefe Stichwunden versetzte. Hierauf erstattete er bei der Gendarmerie die Selbstänzeige. Die blutige Tragödie hat in der ganzen Umgebung der Gemeinde große Erregung hervorgerufen, denn Pkenosil war als rühriger und sparsamer Landwirt und. Snejdarei als sehr gottesfürchtig bekannt. Der Ausgedinger wurde verhaftet und in die Haft des Kreisgerich- teS in Jiiin eingelicfert. Witter noch unverändert schön. Der Gesamt- wettercharaktcr über dem Binnenland ist u n v e r» ä n d er ft geblieben. In unseren Gegenden hat di« Temperatur bei schönem Wetter noch ein wenig zugenommen und erreichte in einzelnen Orten Dienstag nachmittags 21 Grad. Eine allmähliche Verstärkung deS Druckhochs über dem Norwegischen Meer dürfte später eine Winddrehung gegen Nordwesten veranlassen und somit feuchtere ozeanische Luft dem Festland züfüh'ren. Für M i t t w o ch kann jedoch noch keine wesentlicheAenderung ertvartet. werden!— Wetteraussichten: für Don- n e r.S t a g: Allmähliche Bewölkungszunahme und verringerte Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht. Vom Rünäfunk Luipfehleuowerte« au« deu Programme»! Donnerstag:-. Prag, 10.05: Deutsche Presse, 10:80: Schallplatte», 12.10: Operngcsänge, 14.40: Deutsche Presse, 15: Konzert, 17:45: Deutsche Sendling: Dichterstunde,. Fleischer lieft aus seiner Novellentrilogie: Die Puppenspieler, 18:: Jugendstunde, 18.45: Deutsche Presse, 20.10: Pilsener:Lieder, 20:80: Schauspiel aus dem Studio, 22.20: Blechkonzert..— Brünn i 17.40: Deutsche Sendung: Ar- deiterfunk: Adolf Schmidt: Revolutionäre auf der Flucht, 20.10: Hanakische Lieder.— Pressburg 16:10: Buntes Konzert,— Kascha» 12: Schallplattenkonzert, 12.85: Mittq'gSkonzert, 17.25.: Klavierkonzert.'— Mährisch-Ostrau 17.35: Gesang romanischer.Nationen,. 18.10:' Deutsch» Sendung. Rr. 210 Mittwoch» 16. September 1030 Seift S IWfcswwtacftgft und äosiaipoLM Ursachen und Ziele der Devisenkontrolle Verschärfung des Devlsenreglmes zur Sicherung der Rohstoffversorgung Die Nachkriegsentwicklung hat den Ueber» gang»om Freihandel znm Hochschutzzollsystem sehr beschleunigt. Zum Teil waren es wirtschaftliche, znm Teil militärische Erwägungen, die zur Ncueinführung und Erhöhung von Zöllen als wichtigstes Mittel der Jndustriesördcrung beitrugen. Trob dieser hochschutzzüllnerischcn Handelspolitik blieben die bis 1829 erfolgten Zoll- crhöhupgcn zwar«in großes,'aber noch kein uniibcrivindlichcS Hindernis' des zwischenstaatliche» Handels. Erst der Ausbruch der Weltwirt« schaftskrise hat zu der unerträglichen Verschärfung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen durch verschiedene währuiigs- und handelspolitische Maßnahmen geführt, die die Wirkung der Zölle außcrordenllich verstärkten und den Umfang deS zwischenstaatlichen Güteraustausches auf ein Mindestmaß beschränkten. Den eigentlichen Anstob S» dieser Handels- und Währungspolitik gab die Verschärfung der Industrie- zur Kre- di t l r i s e, die den internationalen Kapital- und Zahlungsverkehr völlig lahmlcgte. Die Devisenkontrolle— ein Ergebnis der Kredit- und Währungskrise. In der Zeit vor 1829, inSbesonders nach der Stabilisierung der mitteleuropäischen Währung, setzte wieder ein lebhafter zwischenstaatlicher Kapitalverkehr ein, dessen Richtungen sich gegenüber der Vorkriegszeit allerdings wesentlich gewandelt hatten. Bor dem Kriege waren die europäischen Industrieländer, namentlich England, Gläubiger der übrigen Teile der Weltwirtschaft. Sie liehen ihr überschüssiges Kapital überseeischen Ländern, die es in Form von Waren, InSbesonders von Rohstoffen, allmählich zurückzahlten. Nach dem Kriege hatte sich eine völlige Umkehr in diesen Kapitalbeziehungen ergeben. England verfügte viele Jahre hindurch nicht mehr über jene ungeheuren Summen überschüssigen Kapitals wse vor dem Kriege und Ivar nicht mehr der wichtigste Kreditgeber der Welt. Die Industriestaaten des europäischen Festlandes waren zu Schuldnern der Vereinigten Staaten geworden. Als die amerikanische Kreditkrise ausbrach, nahmen die Banken der Vereinigten Staaten überstürzte,,^Kündigungen.,.,. 1 uxn.fx i.st-iig.e r, Aiislandslrediie,,vor„dic in,der europäischen. In« dustrie langfristig angelegt waren. Eine starke Unruhe hatte damals die Weltwirtschaft erfaßt. Zahlungseinstellungen grober und mittlerer Banken, finanzielle Zusammenbrüche von Jndustriekonzernen tvaren die Folgen. Die Notenbanken vieler europäischer Industriestaaten verloren damals groste Summen ausländischer Zahlungsmittel(Devisen und Valuten) und mußten nach deren Erschöpfung sogar ihre Goldvorräte angreifen, von denen gewaltige Summen ins Ausland floffen.. Die Entblöbung zahlreicher Länder von ausländischen Zahlungsmitteln hat die Wäh rungskrise heraufbeschtvoren. Das Gleichgewicht der Zahlungsbilanzen war gestört und die Beständigkeit der Währungen bedroht. Zahlreiche Länder tvurden zur Abwertung ihrer Währung gezwungen. Andere folgten ihnen, als man in der Abwertung auch ein wirksames In» strument der Handelspolitik— der Ausfuhrförderung und Einfuhrbeschränkung— erkannte. Die Folge der Kredit- und Währungskrise war, daß die Schuldnerländcr Zahlungseinstellungen für ihre eigenen Auslandsschulden verkündete» und den privaten Zahlungsverkehr mit dem Ausland einer öffentlichen Kontrolle unterwarfen. Zu dieser Kontrolle und Einschränkung der Auslandszahlungen fühlten sich viele Länder auch durch die Entwicklung unseres Außenhandels ge- ztvungen. 2n den meisten Ländern spielt im Rahmen des gesamten Zahlungsverkehrs(der Zahlungsbilanz) der Außenhandel eine entscheidende Rolle. Die Verringerung der AnSfllhr erzwang die Einschränkung der Einfuhr, um das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben im Zahlungsverkehr mit dem Ausland aufrecht zu erhalten. Der Zweck der Devisenkontrolle Die Maßnahmen, die von vielen, besonders europäischen Ländern damals getroffen wurden und mit gewiffen Aenderungen zumeist heute noch gelten, bestanden in der Schaffung eines Regimes der Einfuhrbewilligungen, bei dem die Einfuhr ausländischer Ware» einer behördlichen Zustimmung bedarf, in der Einführung von Kompensationen,, also direkten zwi- schenstaatlichcn Tauschgeschäften, und namentlich in der Aufrichtung der Devisenkontrolle, die durch den Abschluß von zweiseitigen zwischenstaatlichen A b r e ch n u n g s-(C l e a r i n g S») Verträgen ergänzt wurde. Praktisch bedeutet die Devisenkontrolle, daß die Einfuhr auSländt- scher Erzeugnisse davon abhängig gemacht tvird, ob die einführende Firma von der Notenbank oder einer anderen Stelle die zur Begleichung der Einfuhr notwendigen ausländischen ZahlungSmit» tel zugeteilt erhält. Im Wesen stellt sie ein Regime indirekter Einfuhrbewilligungen dar, wobei sich die Einfuhr nach .der, Menge cher zur Verfügung stehenden: auS« ländischen Zahlungsmittel unter Berücksichtigung sonstiger Auslandsschulden(Zinsen, Rückzahlung von Krediten usw.) richtet. Die Devisenkontrolle, die zum Schutz der Währungen geschaffen wurde, enstvickelte sich aber bald zu einem ausgesprochenen Kampfinstrument der Handelspolitik, da sie eine wirksame, nicht gegen bestimmte Grundsätze der Handelsverträge (McistbegünstigungSklausel) verstoßende Drosselung der Einfuhr gestattet. Es ist kein Zufall, daß die Devisenkontrolle in Europa als dem eigentlichen Kriscnherd der Weltwirtschaft, den größten Umfang angenommen hat. (Schlutz folgt.) Vie nordböhmitche Arbeitslosigkeit 102.000— seit Dezember 1931 die niedrigste Zahl Bei den 47 BezirkSarbcitSanstalten für Arbeitsvermittlung, welche der Reichenberger Landeszentrale unterstehen(jedoch nicht das gesamt« deutschböhmische Gebiet umfassen), waren End, August.. 101.903 End, Juli... 107.909 Arbeitslose gemeldet. Mit diesem Rückgang, wcl. cher ungefähr demjenigen In ganz Böhmen entspricht(0.1 Prozent), aber größer ist als der gesamtstaatliche, hat die ArbeitSlosenzifser einen Stand erreicht, der seit Dezember 1881 in keinem Monat erreicht worden Ivar. Auch wenn man nicht übersieht, daß die Zisfern der Arbeitsvermittlungsanstalten sich nicht mit der Zahl der Arbeits, bedürftigen und Suchenden decken, kann man au- diesen Ausweisen eine Entspannung konstatieren. Nordböhmen bleibt aber daS Gebiet mit der absolut und relativ stärksten Arbeitslosigkeit, deren Charakter es auSschlietzt, daß sie ohne systema- tische und ausgiebige staatliche Hilfe auf«in erträgliches Mah herabgedrückt werden könnt«. Ein Bild der bisher zu verzeichnenden Besserung ergibt sich aus der nachstehenden Aufstellung. Landwirtschaft Bergbau Glasindustrie», Metall- und Maschinenindustrie,< Holzbearbeitung..»»«,», Textilindustrie Bekleidungsindustrie-«,»,«» Bauarbeiter Hilfsarbeiter Handels- und JndustricanDestcllte,. Taglöhner■>■> Haushaltungspersonal.■■■■< Lehrlinge und Lehrmädchen,,»» Bemerkenswert ist die steigende Anzahl der fiel» lcnsiichenden Lehrlinge und Lehrmädchen. Von den insgesamt erzielten rund 14.000 Vermittlungen entfallen 8800 auf landwirtschaftliche Arbeiter, 2700 auf Bau-, 2000 auf Tag- und 1100 auf Hilfsarbeiter(diese drei Gruppen hauptsächlich bei öffentlichen und Bauarbeiten); dann folgen 780 Glas- und 704 Textilarbeiter, Jade Arbeitslos« Ende ilueust aeneiMder Aahreöbeainn Ivenlner um In Prozent 1980 101.983 89.108 27.74 1888 113.048 24.007 18.28 1684 110.802 28.230 19.82 1938 129.048 31.218 19.40 Nicht nur der absolute, sondern auch der verhält« niSmäßige Rückgang im Laufe des JahreS (1880 verglichen mit dem Stand vom 1. Jänner d. I.) ist Heuer am stärksten. Die ArbeitSloscnzisfer ist um mehr als ein Vicriel gesunken. Die Entwicklung im Laufe des heurigen JahreS ist folgende(Ziffern jeweils vom Monats! etzten): 000 Personen im HauShaltungSdienst und 400 Lehrlinge. Den StaatSzuschuh nach dem Genter System erhielten 24.187 gänzlich und 12:248 teilweise Arbeitslose(um 1007 bzw. 820 weniger als im Juli). Bis Ende August bewilligte das Fürsorgeministerium Beiträge für 448 Not- standsarbciten, bei welchen über 20.000 Personen beschäftigt waren. Jänner 140.779 Mai 122.153 Feber 148.389 Juni 112.047 März 139.278 Juli 107.000 April 130.800 August 101.058 In der Augustbtlanz ist die vorübergehende Be« schäftigung vieler Arbeitsloser bei der Hopfen» pflücke nicht berücksichtigt. Von den Vermitt- lungSanstaltcn wurden Heuer 40 .000 Personen für die Hopfenpflücke vermittelt. Die Bcschäfti- aunaslosigkeit in den Hauptberufsgruppen, so- weit sie aus den Ausweisen der VermittlungS« anstalten hervorgeht,! bietet folgendes Bild: 1833 1934 1938" 1930 8.081 3.371 2.896 2.504 8.831 8.288 3,512 3.228 20.278 17.373 12.904 11.770 12.818 10.044 10.410 8.928 4.784' 4.381 4.968 "4.488 20.424 22.370 21.817 10.870 3.784 3.039 3.420 3.180 8.879 9.804 10.883- 9.502 20.087 18.026 18.542 17.123 4.044 3.860 4.102 4.294 9.782 9.869 8.045 7.573 2.882 2.739 2.897 2.758 494 708 1.178 1.280 Teilweise Wiederherabsetzung , des Benzinpreises Zur Beschleunigung der EnMeiKungWer die Frage des Preises des Treibstoffgemischs, die durch die Preiserhöhung seitens der Benzinkonvention vom 28. August d. I. wieder aktuell geworden ist, kam es auf Weisung deS Vorsitzenden der Negierung zu Verhandlungen zwischen Vertretern der Regierung und der Tschechoslo- toakischen Bezinkonvention in der volkswirtschaftlichen Abteilung des Ministerpräsidiums unter Teilnahme von Vertretern der beteiligten Ressorts. Diese Verhandlungen schloffen mit folgender Vereinbarung: Bei allen Pumpen, wo eS am 28. August d. I. zu einer Preiserhöhung kam, wird der Preis deS Treibstoffgemisches ab 20. September um b Hller pro Liter herabgesetzt. Gleichzeitig wurde eine behördliche Kommis- sivn eiiigescpt,.dsg.,spätestens,im Laus, von fünf Wochen. d. i., am. 24. Oktober, der.Regierung ein Gutachten über die Angemessenheit deS Preises der PpirituS-Benzin-Mischung und über die ver-. schicdentlichen organisatorischen Matznehmen vorlegen soll, die einen Einflub aus die Preisgestaltung haben. 413.000 Arbeitslose in Frankreich Am 8. Septeniber betrug die Zahl der französischen Arbeitslosen 418.000 Personen. In der Woche zum 28. August hatte sich'bie Arbeitslosigkeit um 4000, in der Berichtswoche um 800 Personen verringert. Im Vergleich zum Vorjahre liegt die Arbeitslosigkeit um 8321000 höher. Was Ist unvcrnllnitig? Vofl Oskar Baum „Mein Name ist Schälowski", sagte ein magerer langer Mensch, der voll Ehrerbietung und ein wenig schüchtern in mein Zimmer trat und sich tief verneigte.„Ich komnie fragen," begann er sogleich, als ich vom Schreibtisch aufsah,„ob Sie nicht in einein Ihrer Werke fiir mich Verwendung hätten."„In einem»keiner...?" „Ja, in einem Roman, einem Lustspiel oder Trauerspiel; das wäre ganz gleich! Nur muh es etwas sein, das recht bald erscheint, am besten »och vor Neujahr. Es wäre sehr wichtig, daß Sie mich da vorkommen ließen mit vollem Namen, Aussehen, Beruf und igit allen Eigentümlichkeiten meines Lebens und meiner Person/ die ich Ihnen' erzählen werde. Natürlich verlange ich so ettvas nicht ohne entsprechend« Gegenleistung, ich meine: ohne angemeffenes Entgelt." Ich behielt immerhin so viel Geistesgegenwart, ihm keinen Stuhl anzubieten. Ich zweifelte nicht daran, dah er geistesgestört war, was sich allerdings nur anfangs und nur zum Schein bestätigte. „Zu welchem Zweck suchen Sie auf so auffälligem Wege die Oeffentlichkeit?" fragte ich einfältig, da mir eüväs im verlegenen Gehaben des ManneS, etwas fast rührend Kindliches,'. verwehrte, ihm einfach die Tür zu weisen. „DaS kann Ihnen doch ganz gleich fein," sagte er: mit gewinnendem Lächeln,«denken Sie, «S sei eine literarische Ambition, eine Marotte, ein Spleen." Damit wurde eS allerdings sehr wahrscheinlich, daß cs nichts von alledem-war, und-dadurch wurde die Sache nicht begreiflicher. „Die viele Schriftsteller setzten sich den größten Unannehmlichkeiten auö. nur um Figuren getreu ngch.der Wirklichkeit zeichne», zu können," sagte er beschwörend.„Ich biete Ihnen eine solche Möglichkeit, ohne dytz Ihne» nachher irgendjemand einen Vorwurf mache» könnte." Er schien sehr bestürzt über die Miene, mit der ich seinen Vorschlag aufnahm.-„Jch vergehe Mich also doch wohl nicht gegen das Gesetz künstlerischen Schäftens, wenn ich Ihnen gewiffermaßen seelisch„Akt sitze"? In beunruhigender Weise mischte sich in seinem blaffen unregelmäßigen Gesicht, in seinen Augen Naivität imd Intelligenz. Es ging eine Lockung von Unaufgolästem, Räffelhaftem von ihm aus, dessen Lösung zu lohnen schien. Das war wohl die magnetische Kraft, der man sich nicht entziehen konnte, als er demütig, mit flehentlichem Blick näher trat und/ eine Hand auf die Ecke des Schreibtisches gestützt, dicht vor mir unverzüglich seine Geschichte zu erzählen begann. Seine Angehörigen hatten ihn taffächlich, und zwar schon vor langer Zeit, für geisteskrank erklärt und entmündigen lassen. Nicht daß sie irgendwelche Vorteile davon gehabt hätten; nur ans Liebe und zärtlicher Sorge um Ihn. Niemand zweifelte daran, daß- er wirklich geisteskrank sei. Daö kam daher, daß er sehr zerstreut war und für das Wichtige und Notwendige im Leben z. B. für Geld, keinen Sinn hatte. Wie viel er auch in die Hand bekam, es zerrann,-er wußte selbst nicht wie, ohne dah er oder sonstjemand einen Genuß davon gehabt hätte. Er vergaß es Irgendwo oder verlor es oder gab eS für unnützes Zeug aus, auf das ihn gerade der Zufall stieß. Die Leute kannten ihn schon und wußten seine Schwäche zu nützen. Er interessierte sich nur für Dinge in einer einzigen bestimmten Richtung; für diese aber mit besonderer Leidenschaft: Für Schachaufgaben, für Rüffel, für mathematische Probleme, Immer hatte er etwas davon im Kopf und verbohrte sich so besessen darein, daß er alles um sich her vergaß. Schon in der'Schule war ex deshalb nicht gut fortgekommen und nachher konnte er in keinem Beruf Fuß fassen, Erst als er sich als Schachspieler einen Namen gemacht hatte, und zwischendurch als Rechenwunder im Vaxjetk vorgeführt wurde, verdiente er das Nötige. Freilich kmmte er auch davon erst, leben, als andere für ihn die Honorare vereinbarten und das Einkommen verwalteten. Er empfand es als Erleichterung, als man ihn: dies« unangenehmen und schwierigen Dinge abnahm und für seine Bedürfnisse sorgte, Gewiß brachte es für ihn Lästiges und Peinliches genug mit sich. Um jede Kleinigkeit mutzte'er, ob daheim oder auf der Reise; bei seinem Begleiter gewiffermahen einreichen und Uber jede Ausgabe Rechenschaft ablegen. Mm: ließ- ihn nicht aus dem Auge. Aber im ganzen war er mit der Sachlage nicht unzufrieden und hätte Wohl nie daran gedacht, eine Aenderung herbeizuführen, wenn nicht ein besonderer Umstand eingetreten wäre. Er begegnete einem Mädchen, das völlig anders Ivar als alle die Mädchen, die er bisher wenig beachtet hatte. (Er mußte an sich halten, um in der Beschreibung ihrer Vorzüge nicht allzusehr von der bisher so knappen Darstellung abzuweichen.) Sie liebte ihn, obgleich auch sie seiner geistigen Gesundheit nicht recht traute, was bei der Art, wie er gehalten wurde, nur zu selbstverständlich war. Ihr verdankte er nicht nur, daß er aus seiner Apathie erwachte und nun Himmel und Hölle in Bewegung sehen wollte, alle Welt davon zu überzeuge», wie eS wirklich um ihn stand, da er sonst nicht die amtliche Bewilligung zur Heirat erlangte. Er hatte durch daS dumme Gerede der Leute um sich her auch schon Zweifel an sich selbst gehabt. Nun aber wußte er genau, er könnte, wenn es nur lohnte, sich aus seiner Versponnenheit loSreißen und jederzeit, auf anderes seine Aufmerksamkeit wenden. Er brauchte nur wirklich zu wollen. Wie sollte man ihm das aber nun Plötzlich glauben? Wie wollte er der Welt klarmachen, daß er nur aus Nachlässigkeit,' aus sträflicher Gleichgültigkeit gegen die Meinung der Menschen so lange ruhig hingenommen hatte, für geisteskrank zu gelten? Und das Wichtigste:••®8 durfte nicht- etwa den Anschein haben, als fei er durch das Erlebnis dieser LiebeS- begegnung verwandelt. DaS Mädchen sollte erkennen, daß es sich bei ihm auch vorher immer nur uy» einen«vielleicht seltenen eigenartigen Fall, einen von einer LieblingSarbcit besonders befangenen, im übrigen aber vollkommen klaren und gesunden Verstand gehandelt habe. Sie muhte ihn und seine Vergangenheit richtig sehen und die Welt so weit gebracht werden, dah sie sie nicht beirre und ihrer Verbindung kein Hindernis bereite. Beides konnte nur gelingen, wenn jemand, der den Personen fernstand und kein Interesse an der Aushebung der Vormundschaft hatte, die Taffachen und seelischen Hintergründe zu erfassen und so darzustellen vermochte, daß sie jeder greifbar Ivirk- lich und lebenswahr vor sich sähe. Wer anders konnte das als ein Dichter? Er hielt inne. Er streckte angstvoll abwehrend die Hand aus als ich reden wollte. Er würde sich erst morgen oder übermorgen meine Antwort holen oder in einigen Tagen, wenn eS mir lieber sei. Hiermit habe ich seine Bitte erfüllt. Ich wählte die Darstellung dieser Szene, weil sie mir die überzeugendste Forni schien. Ich habe vorher Erkundigungen eingezogen, und eS hat sich jede seiner Angaben bestätigt. Ich wußte eS voraus und habe seinen Worten nichts hinzuzufügen. Wer so klar und mit solcher Selbsterkenntnis eine schwierige Sach- und Seelenlage auSeinanderzu- fetzen vermag, bedarf weiter keines Beweises für seinen derantwortungsfähigen Geisteszustand.(5s fragt sich überhaupt: Ist denn wirklich einzig ter vernünftig, der ganz im. Krimskräms des alltäglich Notwendigen beheimatet ist? Ist Einseitigkeit nicht der höchste Vorzug deS Genies, traumbesessene Abkehr von den kleinen Tatsachen der Umwelt die Vorbedingung geistiger Höchstleistung? Wäre eS jemand eingefallen, Newton etwa deshalb für geisteskrank zu halten, weil er feine Taschenuhr Ins siedende Wasser warf und das Ei in der Hand behielt, von dem er ablesen wollte, wann eS weichgekocht fein würde?—' Hoffen wir, dah diese Zeilen ihren Zweck erfüllen und das Glück zweier Menschen bereiten helfen.' Seife S „Sozialdemokrat" Mittwoch, 16. September 1036. Nr. 21« DagerZMmg Selcherstreik In Prag Die Prager Solcher führten Dienstag zum Zeichen des Protestes gegen die Jleischteuerung und den Fleischinangel einen Streik durch, indem sie, den Verkauf von billigen Wnrsttvaren einen Tag lang einstellten.. Mittwoch halten die Selcher eine Protestkundgebung aus der Slawischen Insel ab. Prager„Olstmstiade des Edelmutes". lR. F.) Die Praaer Mustermesse hat dem Verein für die Iluterstiibuua der' arbeitslosen Intelligenz einen Stand, überlassen, in dem sie die breitere Oeffent« lichkeit über ihre Aktionen aufklären kann. In diesem Stand wird auch eine„Olhmpiade des Edelmutes" in folgender Form organisiert: Die Besucher werden ausgeforderl, von jedem, der durch Taten dazu beigetragen hat, senmndem sein schwerer Los zu erleichtern, den Namen, die Adresse und Beruf, sowie eine kurze Schilderung wenigstens einer seiner guten Taten dem Verein mitzuteilen. Nach den eingelangten Berichten wird der Verein drei Personen aurwählen, deren Taten er als die edelsten anerkennt, und ihnen eine goldene, eine silberne und eine bronzene Äedenkmedaille übermittel». Grundstückpreise in Prag.(91. F.) In der lebten Sibüng des Prager Gemeinderater wurden mehrere Grundstückverkäufe beschlossen, aus denen sich die Grundstückpreise in einer Reihe von Stadtteilen ergeben. So kostet(mit den JnvestitionSbei- trägen) der Quadratmeter in Arsövice 8600, in Horni Kri 2880, in den äußeren Teilen von Weinberge 1140, in den äusteren Teilen von Smichov (Malvazinky) 1080, in Nnsle 000, in Ävbylisy von 810 bis 1620, in Dejvice 700, in Zäbihliee lohne Jnvestitionsbesträge, die etwa das Dreifache der Bodenpreises auSmachen) 820 und in Branik 180 bis 840 Kl. Dies find allerdings die Preise, zu denen die 2 t a d t ohne Spekulationsgewinne den Erbauern von F a m i l i e n h ä u- s e r n Grund und Boden abtritt, die relative Billigkeit der der Stadt gehörenden Grundstücke steht in krassem Gegensatz zu ben Preisen, die für Bauparzellen zu zahlen sind, welche sich im Privateigen- tüm befinden. Es wäre im Nebligen zu erwägen, ob nicht der B e r k a u f von öfsentlichein Baugrund grundsätzlich durch die E r b v a ch t ersetzt werden sollte. Dies würde auf den Äaumarkt und die W o h n u n g s m i et en mit der Zeit einen sehr wohltätigen Einflug ausüben. Erbärmliche Lumpen. In der letzte» Zeit pflegte» zwei Männer, die sich als Detektive auS- geben. bei verschiedenen Prager bettelnden Harmonikaspielern, Straßenmusikanien u. dgl. zu erscheinen.und„beschlagnahmen" deren Instrumente, die sie damt verlausen, um das Geld zu vertrinken. Ter letzte Fall ereignete sich vorgestern in der Zlatnirkä in Prag l., wo die beiden eine Harmonika im Werte von i befreit hätte. Aber er war auf einen noch viel „leichteren" GestaltungSbereich angewiesen: als Bühnenarchitekt entwarf er Filnsizenerien und Bühnenausstattungen. Für das Nattonaltheater, für Poskovee und Werich, deren Stücke„Der Esel und seil; Schatten" und die„Lunwenballade" er auSge- stattet hat. An der großen Zahl der Bühnenentwürse für das Nationaltbeater, für Capeks..R. U. R.", für Wagner» und Smetana-Opern, für Sophokles, Shakespeare, Moliäre ersieht man die Fülle der Ideen, über bie Feuerstein verfügte und die er nv" für das vergängliche Gefüge au» Latten, LeiiUvan' Leim und Farbe verarbeiten konnte. Nebenher enr« warf er Plakate, Bucheinbände und, peinlich sauber gezeichnet und aquarelliert, Rang- und Dienstabze- chen für die tschechoslowakische Armee. Auch als Maler lernt man ihn in derAuSstellung kennen, lieber hundert Landschaftsaquarelle, stark persönlich in Auffassung, Farbe und Technik(darunter viele aus Hendaye und San Sebastian von plötzlicher Aktualität) bezeugen, daß er auch da ein Könner war. lind schließlich war es'wohl der ungelöste Konflikt zwi- fchen Berufen-sein und Nicht-berufen-werden, der biesen reichbegabte» Menschen in den freiwilligen Tob getrieben hat. Die Ausstellung dokumentiert, welche schöpferische Kraft, ungenützt und im Besten brachgelegt, mit ihm verloren gegangen ist. Doch ist ihm Wohl auch der große Wurf versagt geblieben, mit dem sich sein Können durchgesetzt hätte. Vielleicht war sein Wollen stärker als sein Genius; vielleicht hat er dar gewußt. Nur 44 Jahre ist er alt geworben. Auf der LcbenShöhe, auf der künstlerische Gestaltungskraft erst zur Erfüllung reicht, hat er das dimkle Tor hinter sich zugeschlagen. ld. Die Arbeitervorstellnngen beginnen m i t 11.0 k- tober. AbonnementSanmeldungen werden täglich von 8—7 llhr abends im Bildungsverein deutscher Arbeiter, Prag II., Smeikv 27, linke Stiege, 8..Stock, entgegengenommen.(Der Bildungsverein dentscher Arbeiter unterhält für seine Mitglieder Bibliotheken in der Smeöly 27 und in Prag VII., Sluherskäho. 14. Dibliothefftunden in Prag VII. jeden Dienstag und Freitag von 6—8 Uhr abends.) .. Spielplan, des Renen Deutschen Theaters. Heute, Mittwoch, halb 8 Uhr: Rigoletto, B 2.— Donnerstag halb 8: F au st I. u n d'II. C 1.— Freitag halb 8: Der Arzt am Scheide w e g e, D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8: U n- en t sch u l d i g t eS t u n d e, volkstüml. Vorstellung.— Donnerstag 8: Salzburg ansverkauf t, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8 Uhr: Liebe mit 100 PS, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag -8 Uhri.M esi u.S o hm, de r Minister. Fritz Volk, Ewald Schindler und Lotte Stein, erteilen Privatunterricht zur vollständigen Ausbildung siir Schauspiel- und BortragSkunst(Rhetorik, Sprachtechnik auch für Rechtsantvälte, Redner eie., Rollenstudium, Regie). Anmeldungen und nähere Auskünfte erteilt Regisseur Etvald Schindler, Prag XII., Pension Flora. Westböhmlscher Arbeitersport Ein Bezirk setzt sich ein Ziel Die sonntägige Sitzung der BezirkStechniker des 6. Bezirkes hatte ein sehr gutes Ergebnis. DaS Arbeitsprogramm dieses Bezirkes(Äeusattl-Fal- kenau) kann fast als„Musterprogramm" angespro- chen werden. Vor allem wird der Bezirk am 4. und 11. Oktober einen Lehrgang für Kindervorturner abhalten, weiter eine Bezirksgeräteausscheidung vornehmen, Bezirksgerätemannschaften für-Männer und für Flauest aufstellen, die an den geplanten Bezirksgerätewettkämpfen des 6. Kreises sietlnehmen und außerdem ein, Bezirksbühnenschauturnen vorbereiten. -Die allgemeinen Freiübungen werden in einer De- zirksturnftunde Im Jänner geübt, mit deren Ausarbeitung bie Bezirkstechniker betraut sind. Da" die Raffballmannschaften im Steigen begriffen find, fordert der Bezirk einen Schiedsrichterkurs vom Kreisspielausschuß an. Für den vorgesehenen leichtathletischen Mannschaftskampf zwischen dem 1., 8. und 6. Bezirk stellt der Bezirk feine besten Wettkämpfer. Am 87. September ein Großfporttag Anläßlich des Endspiels um die Bundes« Handballmeisterschaft, welche am 27. September zwischen Aussig und FriederS- reuth ausgetragen werben soll, plant der Kreis» sportausschuß einen großen leichtathletischen Wettkampf. Das Handball-Endspiel findet voraussichtlich in M a i e r h ö f e n statt. Ueberraschende Fußballergebniffe Die erste Fußballklasse läßt sich mit den unerwarteten Niederlagen vorjähriger Spitzenvereine ganz verkehrt an. Rapij Karlsbad ist noch ohne Punkt und Maierhöfen ließ seine Punkte in S ch a n k a u. Sehr überzeugen können bie sonntägigen Siege nicht. Der FFK Falkenau gab seinen.Zuschauern ein Tok-Bestschleßen und'Franze nsbad ließ sich von Fischern die Punkte forttrngeu. N end e k buchte zu seinem schönen Sieg über Karlsbad ein Ilneistschiede» in U»terrei- "chenau und der neue Erstklassige-Atch hat sich in . T h o d a u.wacker' geschlagen. , Die Resultate vom Sonntag;.'ASB" Schankau gSgen ASB Maierhöfen 4:1, Rote ElfChodau gegen Absolventin der dreiklasiigen Fachschule für Frauenberufe in Karlsbad, beutsch, sucht erste Stellung zu Kindern, eventuell älterem Ehepaar. Lohn Nebensache. Bevor« zngt wird Stellung in gemischtsprachigem Gebiet mit Familienanschluß, zwecks Erlernung der Staatssprache. Ev. Anbote an die Vertu, des Blattes. 8746 AtuS Aich 2:1, FFK Falkenau gegen AtuS Draho- wjtz 6:6, AtuS Franzensbad gegen AtuS- Fischern 0:8, Rapid Karlsbad gegen ADV GraSlitz 1:2, AtuS Unterreichenau gegen ASB Neudek 6:6.- Die Tabelle der 1. Klasse ASV GraSlitz., 2 2 0 0 4 11:2 FFK Falkenau» 2 2 0 0 '4 10:7 ""'ote Elf Chodau« 2 2 0 0 4 4:1 ÜSB Schankau, 1 1 0 8 6:8 ASB Neudek., 1 1 0 8 8:6 AtuS Fischern.» 2 1 0 1 2 6:4 ASB Maierhöfen, 2 1 0 1 2 5:5 Atus Aich... 2 0 1 1 1 8:4 Atus Unterreichenau 2 0 1 1 1 6:0 Atnö Drahowitz. 2 0 0 0 6:8 Rapid Karlsbad. .2 0 0 2 0 2:5 Atu» Franzensbad -» 2 0 0 2 0 1:12 Der zweite Seriensonntag der 2. Klaffe In der Gnippe 6. Bezirk besteht bereits eine klare Scheidung, drei haben alles und vier haben nichts. Der vorjährige Spitzenführer Nensattl ist wieder bei der Spitze.— In der B-Gruppe treffen sich die Mannschaften des 2. und 8. Turnbezirkes. ASK Eger konnte sich in Fleißen nur ein Unentschieden holen und gab einstweilen die Spitzenführung an die, Reservemannschaft Franzensbad ab. — Die Ergebnisse: AtuS Fleißen gegen ASK Eger 1:1, Atnö Wcheditz gegen AtuS Sodau 8:0, Atus Franzensbad 1b gegen Atus Unterrothan 4:4, SpR Taschwitz gegen Karlsbad 1b 2:6, Sportbrüder Eibenberg gegen Atus Trinksaifen 8:0, Atus Chodau gegen FK Granesau 12:4, FK Granesau gegen ÄSV Horn 8:6, Atas Nensattl gegen Nensattl 1b 8:6, GraSlitz 1b gegen'AtuS Silberbach 8:2. Drei neue DTJ-VerbandSvestleiftungen. Bei dem leichtathletischen Kreiswettkampf der DTJ Bilsen—Prag in Pilsen wurden drei neue Bestleistungen erzielt, und zwar über 8000 Meter durch Pivonka(Pilsen) mit 15:64 MIn., in der Schwedenstafette durch Prag mit 8:62.6 Min.(Pilsen benötigte 8:54.8 Min.) und im Kugelstoßen durch Bauer(Pilsen) mit 12.68 Meter.— lieber 4X100 Meter, welche wir mit der Schwedenstafette nachtragen, siegte Prag in 46.4 vor Pilsen in 46.6 Sek. Laffalle Krochwitz— Fußballmeister des 8, AtnS-KreiseS. In dem am Sonntag inTetschen ausgetragenen Schlußspiel um den Kreismeister des 5. Kreiser blieb Laffalle Krochwitz über Wohontsch nach Verlängerung mit 2:1(1:0, 0:1) verdienter Sieger infolge der bessern Mannschaftsleistung., Der Schrecken der Landstraße. Anders al» Chaplin, der in seinem letzten Film das Tempo der Technik zur wahnsinnigen Groteske gemacht hat, geht dieser Sensationsfiln; aus Holtzwood mit den Requisiten der modernen Zeit um: Auch er steigert das Tempo zum Wahnsinn, auch er läßt die technischen Erfindungen durchaus nicht als nützliche Dinge erscheinen, aber er ist sich dessen offenbar nicht bewußt; denn er prahlt damit, daß cs rasende Rennautos gibt, die sich überschlagen, und daß es Leute gibt,, die mit Flugzeugen und Autos Laus- bnben-Streiche veranstalten. Im Grunde ist dieser Film nichts anderes als ein Wild-West-Film neuen Stils, In dem an die Stelle der wilden Mustangs die wildgewordenen Motoren und an die Stelle der Cowboys die tollen Rennfahrer und Piloten getreten sind. Von einem Fortschritt kann im Hinblick auf den„Geist" der Handlung und den Stil der Darstellung nicht die Rede sein.*—eis— Filme In Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino. Bretter, die die Welt bedeuten. — Adria: Rose Marie. A.— Alfa: Flucht qn die Adria— Avion: DieReiterpatrouille. Tsch.— Nach Fr. Langer.— Beranek: Mod ern e Zeit. A.'— Ch. Chaplin— Fenik'; Töchter dec russischen Revolution. Ruff.-— Flora; DaS Lied der Liebe. D.— Gaumont: Die Maitresse des Gouverneurs. A.—Hvizda: Wie dn mich willst A.— Greta Garbo.— Juli»; Inkognito. D.— Kinema; Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale. Grotesken.-7- Lacerna: D i e Reiterpatroulle. Tsch.—Metro: D i e Reiterpatruille. Tsch.— Passage: Drei Mäderln um Schubert, D.— Praha: Der Schreiten der Landstraße. A.,— Radio: Der Wildfang. Tsch.— Skant: Moderne Zeit. A.— Ch. Chaplin.—Svitozpr: Wie du mich willst. A.— Greta Garbo.— Alma: Baboona. A.— Baikal: Der Wildfäng, Tsch.— Belvedere: Der Wildfang. Tsch. — Beseba: Die Entführung ,an der Riviera. D.— Carlton: Modernde Zeit. A.— Ch. Chaplin. Illusion: Der Wildfäng. Tsch.— Kapitol: Sieben Polarhelden. Ruffi—Konvikt: Moderne Zeit. A.— Lid»'II.: Der Wildfang. Tsch.— Louvre: Dar Lied der Liebe. D.— Maceöka: M 0 d e r n e Z ei t. A.— Olympie: Liebeskommando. D. G. Fröhlich, Dolly Haas.— Rötst: Das Lied der Liebe. D.— U Bejvodu: Variete. D. — Albers, Annabell».— Valdek: Der Wildfang. Tsch.— Beletrhst: Moderne Zeit. A. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Haus oder bei Bezug durch di. Pbst monatlich stö 16.—. vierteljährig«, KL 4H.—. halbjährig Kö 06.—. ganzjährig XL 102,—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken,— Die ZeitUttgSfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektwn mit, Erlaß Nr. 18.806/VI1/1080 bewilligt.— Druckerei:-L>rbiL".,Druck-.Verlaa»-und Zeitungs-A.-G Prag.,-..