Einzelpreis 70 Helles (einschließlich 5 Heller Porto) IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII.,FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBERS SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. KARL KERN, PRAG. 16. Jahrgang Sonntag, 20. September 1936 Nr. 220 Genfer vespreckungen Genf. Die politischen Beratungen in Genf vollzogen sich an« Samstag Olof» in der Form privater Besprechungen. Der französische Ausieu- «uinlster D c l l> o s traf mit dem türkische» Außenminister NuschdiAraS zusammen und hatte sodann mit dem SowjetvolkSkommissär L i t- n> i it o tu und mit dem jugofsawischcn Gesandten S u b o t i c eine Besprechung, der ihn über die Ergebnisse der Preßburger Konferenz der Kleinen Entente Informierte. Der e n g l i s ch.e Delegierte Cranborne lud zu einer Beratung de» spanischen Gesandte» Asearata zu sich. Die Beratungen über die Lösung der abcsiinischen Frage sind in vollem Gange. Schnelder-Creuzot auf der Anklagebank PariS.(E.-B.) Vor einigen Tagen brachte die Pariser Presse die Meldung, derzufolge zwei Firmen der NüstungSindustrie wegen Lieferung von unbrauchbarem Material an den Staat gerichtlich belangt' werden sollen. DaS Gewerk- schastsorgan„Le Peuple" ist nun in der Lage, den Namen einer dieser Firmen zu enthüllen. Es handelt sich uni den Fürsten der Kanonenindustrie, den Jndustriemagnaten Schneidec-Creuzot. Der „Peuple" bringt diese Meldung unter dem Titeln „Es hat s.ich etwas geändert!" und Weist darauf hin, daß zum erstenmal in der Geschichte zin^ Rcgj^ruiig, bgi, Btzzt ausbriug^. einen Gewaltigen sine Schneider, der sich blShereiner restlosen Jnnmtnität erfreute und als„Tabu'" galt, gerichtlich zur Bcrantivortung zu ziehen. Es ist unnötig hervorzuhebcn, daß dieser „Betriebsunfall" des Herrn Schneider von vielen als eine Tatsache betrachtet wird, die geeignet ist, den Bestrebungen, die auf eine Nationalisierung der Rüstungsindustrie hinzielcn, neuen Auftrieb zu geben» Titulescus Krankheit: Vergiftung Bukarest. Nach den aus St. Moritz cingetrof- sencn Nachrichten ist im Befinden Titulescus eine leichte Besserung esttgetrctcn. Der behandelnde Arzt TituleScuS, Professor Landovski aus Paris, erklärt, der.Fäll sei s ch w e r, a b e r n i ch t h o f f n u n g S l' o s. Titulescu leide an einer Vergiftung aus noch unbekannter Ursache, die zu einer Erkrankung der Leber geführt hat. Die Temperatur hält sich die ganze Zeit um 87.8, lvoraus hervorgehe, dah es sich um eine Vergiftung, nicht aber um eine Infektion handle. Damit ist die bisher bestandene Malariadiagnose offenbar fallen gelassen worden.- Investitionskomitee ernannt Prag,- 1Ü. September. An anderer Stelle bringen wir eine Sozialkarte der Tschechoslowakischen Republik. Sie ist einer offiziellen Publikation entnommen und daher gegen den eventuellen Vorwurf tendenziöser llcbertreibung gefeit. Bei aller Sorgfalt der Darstellung liefert sic ein besorgniserregendes Bild der ungleichen Verteilung der Arbeitslosen»«)! auf die einzelnen Staatsgebiete. Aus der Methode, die. Arbeitslosigkeit im Verhältnis zu der Zahl der Lohnempfänger dar- zustellcn, geht übrigens die Tiefenwirkung der Krisenerscheinungen in den verschiedenen Landschaften nicht genügend hervor. Wo z. B. die Landwirtschaft in überwiegendem Ausmahe betrieben wird, ist auch ein höherer Perzentsatz der ArbcitSlosenzahl unter einer schwächeren Jndu- striebevölkerung nicht so katastrophal, wie in ausgesprochenen Industriegebieten. Deshalb figurieren in der Darstellung auch slowakische Agrargebiete mit hohen Verhältniszahlen neben dem hochindustrialisierten Erzgebirge, wo die Landwirtschaft nur eine bescheidene Rolle spielt. Immerhin ist aus der Karte ersichtlich, dah auch tschechische Jndustricbezirke Böhmens und Mährens mit hohen Arbeitslosenzahlen figurierei«. Am schlinnnsrcn liegen aber die Verhältnisse in Westböhmen und Nordmährcn-Schlesien, worauf in nahem Abstand Nordböhmen und Mittelmäh- ren folgen. Auch soll nicht übersehen werden, daß die nordmährische Krisenzone ziemlich stark in die Westslowakei hinübergrcist. Jedenfalls ist unbestreitbar, daß die Arbeitslosigkeit nicht nur ein gesamtstaatliches, sondern in hohcin Maße ein regionales Problem ist. Dieser bedeutsainen Tatsache ist bisher bei der Krisenbckämpfung zu wenig Rechnung getra- I gen worden. Es ist daher eine begrüßenStvorte Wendung, wenn nunmehr im Sinne der Ankündigungen des Ministerpräsidenten BcratungSlör- pcrschaften auf regionaler Basis errichtet werden, lvclche an einer proportionellcn Verteilung der öffentlichen Investitionen«nitzuwirkcn haben. Wir hoffen, daß bei der definitiven Rege» lung dieser Frage die besonderen Interessen West- bühmens und NordböhmenS, aber auch Nordinäh- rcn-Schlesiens verdientermaßen berücksichtigt wer, «den. Viel wird allerdings, davon abhäng en, welcher Wirkungskreis den BcratungSausschüssen ein, geräumt wird und ob man gleichzeitig die Zentralstellen dazu verhalten wird, die berechtigten regionalen Interessen mehr als bisher zu respektieren. Hauptsache ist, daß einmal der Anfang zu einer systematischen wirtschaftlichen Ausbautätigkeit gemacht wird. Die deutsche Arbeierbewegung dieses Landes wird einem solchen Beginnen gerne ihre konstrukivcn Kräfte leihen. Man soll sich aber keiner Täuschung darüber hingeben, daß noch eine bittere Zwischenzeit zu überwinden ist, bevor die Früchte dieser wirtschaftspolitischen Offensive der Regierung reifen werden. Vorläufig ist nicht ab- zusehcn, wie durch noch so glückliche Exportförderung oder durch die umfassendste Investitionstätigkeit die Massenarbeitslosigkeit in unseren ausgedehnten industriellen Nofftandsgebieten überwäligt werden könnte. Bei aller berechtigten Freude über die endlich eintretende allgemeine WirtschaftSbelcbung soll nicht übersehen werden, daß die enorme Arbeitslosigkeit gerade in den sudetendeutschen Cxportgebieten nur geringfügige Abnahmen aufweist oder vielfach sogar stationär Kampf dem Hunger! eine gebieterische Notwendigkeit angesichts des neuen Krisenwinters Hobst« ftat Samstag btt- Mitglieder des„Be-- ratungSkmniteeS für Jnvestitionsarbeitcn und die damit zusainntcnhängendcn Fragen" ernannt, das damit beim Ministerpräsidium errichtet wird. So wurde den Resolutione» deS Abgeordnetenhauses vom 27. Mai d. I. und des Senats vom 29. Mai d. I. entsprochen, die verlangten, daß die Negieriing bei der Vergebung von Jnvesti- tionsarbeiten au» dem Ertrag der VerteidigungK- anleihe in den einzelnen Bezirke» besonders den Ilmfang der Arbeitslosigkeit in Betracht ziehe und besonders jene Fabrikbetriebe berücksichtige, die sich in den v» n der Krise am m ei st en betroffenen Gebieten befinden. Die Errichtung deS Beratungskomitees wurde bereits am 13. August amtlich angezeigt. Seine Aufgabe ist es, wirtschaftlichen Fachleuten als den Bortretarn der verschiedenen Gebiete und Bezirke Gelegenheit zu geben, bei den Jnvesti- tionsarbeiten im Nahmen deS Negierungsinvefti- tionsplanes ebenso wie bei Arbeiten, die aus deut Erträgnis der Berteidigungöanleihe finanziert werden, die regionalen Interessen Kinder aus dem Aicarar geborgen Madrid.(Reuter.) Die Sprengung des Alcazar bildet ständig den Gegenstand erregter Gespräche in ganz Spanien. Die drei mächtigen Dynamit-Ladungen, die unter dem starken Mnuerlverk der Festung angebracht worden waren, wurden um 7 Uhr 39 früh zum Explodieren gebracht. Die starke Hauptmauer stürzte mit einem Schlag zusammen. Die Explosion lvar so heftig, daß große Steinblöcke weit durch die Luft geschleudert wurden. Dank der Anordnung, daß die Zivilbevölkerung die Umgebung der Festung zu räumen habe, wurde durch die umherfliegenden Mauerstücke niemand verletzt. Ein Teil der Verteidiger unternahm einen Ausfallversuch, Ivährcnd sich die übrigen in die unterirdischen Kasematten zurückzogcn, Ivo sie zur Zeit noch Widerstand leisten. Man glaubt jedoch, daß ihr Schicksal bald besiegelt sein tvird. In de» Kellergewölben wurde» zahlreiche Kinder gesunde» und in Sicherheit gebracht. Ebenso glaubt man, daß die Mehrzahl der Frauc» und Greise in den unterirdischen Kellerräume» Zuflucht gesucht hat und gerettet werdet« kant«. Aufgabe: Geltendmachung regionaler Interessen der Krisengebiete ^B'klkA^Dei'BoksiVeMir'llrrNssrglrrinlss d r wm ach e»f soweit sie init-den Interessen des ganzen-Staates übereitlsttuimen, 'und auf eine Proportionelle Verteilung der Investitionen hinznwirken. Die Mitglieder deö BeratimgSkomitees wurden über Anträge der einzelnen LandeSprästden- ten ernannt; im ganzen wurden 23 Mitglieder und die gleiche Anzahl do» Ersatzmännern er- nannt. Auf Böhmen entfallen elf Mitglieder, darunter vier Deutsche, auf Mähren-Schlesien und die Slowakei je fünf Mitglieder, darunter ein Deutscher für Mähren-Schlesien, und auf Kar- pathornßland zwei Mitglieder. Unsere Partei ist in dem Komitee durch den Genossen Franz S v o j» e als Mitglied und den Genossen Franz N e h w a l d als Ersatzmann vertreten. Durch die Einsetzung der Kommission hat die Negierung den angeführten Parlamentsresolutionen entspräche«« und ein« gleichmätzige Geltendmachung der regionalen Inte r«s s e» bei der Bcrgebung von Investitionsarbeiten gesichert. Die konstituierende Sitzung deö Beratungskomitees beruft der Ministerpräsident voraussichtlich, noch im Laufe des Septembers rin. wn&m TfÄkrMrfj Dichte der Arbeitslosigkeit am Ende des Jahres 1935 Bezirke, in welchen auf 100 Lohnempfänger Die slowakischen und karpathorusslschen Bezirke, In welchen öffentliche Arbeltsvermlttlungsanstalten nicht bestehen, sind fM mit Kursivschrift bezeichnet Bewerber kamen, welche die öffentlichen Arbeitsvermittlungsanstalten nicht unterbringen.konnten. Seife 2 Sonntag, 20. September 1036 Nr. 220 geblieben ist. Wir haben dieser Tage aufgezeigt, daß bei einem Kesanitriiekgang der Arbeitslosenziffer in Mähren-Schlesien um 9000 während des Monats Anglist die Arbeitslosigkeit in den Bezirken Mähr.-Schönberg,. Sternberg, Freudenthal, Jägerndorf, NLnierstadt, Freiwaldau nur geringfügige Schwankungen auftvies. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, daß sich in den .altindustriellen Exportgebieten die Arbeitslosigleit in der Nähe deS KrisentiespunkteS stabilisiert, >uenn nicht durchgreifende Belebungsmaßnahmen erfolgen. 'Auf jeden Fall ist in Rechnung zu stellen, dass der kommende neue Krisenwinter in den am schwersten heimgesuchten Notstandsgebieten eine nur lvenig verringerte Fahl von Arbeitslosen mit seinen Schrecken bedroht. Neber das Elend der Dauerarbeitslosen noch Einzelheiten zu schreiben, hieße Wasser in die Moldau tragen. Kaum eine Nummer unserer Arbeiterpresse erscheint, ohne das; immer tvieder an den tvahrlich tragischen Massennotstand in den Grenzgebieten erinnert wird. Wir wollen nicht um Mitleid betteln, sondern halten es für unsere Pflicht, auf harte politisch^ Realitäten aufmerksam zu machen. Bor Jahr und Tag haben wir den Hunger in den Grenzgebieten als den„StaätSfeind Nr. 1" charakterisiert. DaS gilt" auch für die gegenwär» tige Situation. Darum erfüllen lvir unsere staatspolitische Pflicht als Regierungspartei und unsere moralische Verpflichtung dem Lande gegenüber, wen» lvir mit stärkster Eindringlichkeit, verlangen, daß auch im kommenden Winter eine besondere LebenSmittelaktton für die Arbeitslosen- der Notstandsgebiete durchgesührt werde, und zlvar in ausgedehnterem Maße als letzteSmal. Wir sind überzeugt, datz die sozialistischen Minister wieder ihre ganze Kraft in den Dienst dieser Aufgabe stellen werden. Mögen auch die anderen Regierungsparteien die Sache von einem höheren Gesichtspunkt sehen. Wir laden sie ein, nicht ihre ganze Aufmerksamkeit darauf zu verschwenden, ob jemand eine Zehnkronenkarte zuviel erhielt, sondern sich einmal durch direkte WahrUehniung zu überzeugen, wieviel rechtschaffene Menschen und treue Staatsbürger in den Notstandsgebieten bitteres, oft unbeschreibliches Elend erdulden. Es wäre zu wünschen, dah sich unsere ganze demokratische Oeffentlichkeit endlich dazu aufrafft, das Problem der Dauerarbeitslosigkeit in den Krisenzdnen von der menschlichen Seite zn sehen. Hoffen wir, dah sie in ihm, dem Beispiel des Staatspräsidenten und des Chefs der Negierung folgend, eine staatspolitische Ausgabe ersten Ranges erkennt. Das höchste Staatsinteresse erfordert es, dah der Kanipf gegen den Hunger der Krisenopfer mit verstärkter Tatkraft ausgenommen wird! Erfolg der Regierung Blum Ole günstige Beilegung der Arbeitskonflikte Paris.(E.-B.) Der Liller Streikkonflikt, der durch die politische» Begleitumstände eine besondere Bedeutung gewonnen hatte, ist nach langwierigen Verhandlungen, an denen verschiedene Regierungsmitglieder und der Ministerpräsident selbst einen aktiven Anteil nahnieu, im V erst l e i ch s we ge und nicht, wie man anfansts annahm, durch einen Schiedsspruch beigelegt Ivorden. Wie wir voraussahen, haben die Gewerl- schaftsvertreter ein hohes Mah von Verantwor- tungsbewußtsein bekundet in der Erkenntnis, dah eine weitere Zuspitzung der sozialen Konflikte in der negenwärtigen innen- und außenpolitischen Situation folgenschwere Auswirkungen haben würde. Die Streitfragen sind aus der Grundlage eines Ausgleichs geregelt Ivorden, wobei die Gewerkschaften insbesondere in der Frage der Betriebsdelegiertenwahl dem Standpunkt der Unternehmer entgegengekommen sind. Sie akzeptierten den von den Industriellen vorgeschlageue.n.Wahlmodus nach Berufskategorien, demzufolge die Delegierten als Vertrauensmänner der einzelnen Arbeiterbranchen im Betriebe fungieren, tvährend das von den Gewerkschaften angestrebte System die Listenwahl und eine einheitliche Vertretung für den ganzen Betrieb vorsah. Die Frage der Entschädigung der Delegierten tvuvde dahingehend geregelt, dah diese für die in Ausübung ihrer Funktion verlorene Arbeitszeit eine dem Durchschnitt ihrer Kategorie entsprechende Vergütung erhalten, die jedoch ein Maximum von 8 Arbeitsstunden pro Monat nicht übersteigen darf. In der L o h n f r a g e ist de» Forderungen der Arbeiter tkkechnung getragen worden, indem das Abkommen eine allgemeine Lohnerhöhung von 6 Prozent vorsteht und einige andere Streitpunkte in günstigem Sinne regelt. So wurden die M i n» d e st l ö h n e fixiert, u. zw. für Frauen Franken 2.30, für Männer Franken 3.1b. Außerdem wurde vereinbart, daß In Zukunft den Variationen deS Lebenshaltungsinder durch eine entsprechende Angleichung der Löhne Rechnmig getragen werden soll. Politisch bedeutsam ist die von den Gewerkschaften iibernomniene Verpflichtung, künftighin keine BetriebSbesetzung zuzulassen. Dieses Engagenient wird nicht verfehle», eine entspannende Wirkung auf die allgemeine Situation auSzuübe», die in den letzten Tagen den reaktionäre» Kreise», wenn auch unberechtigt, Anlaß gab, eine alarmierende Stimmung zu verbreiten. ES ist selbstverständlich» daß diesem Verzicht der Gewerkschaften auf daS Druckmittel der Betriebsbesetzung alS Gegenleistung die unbedingte Vertragstreue d e r U n t e r- nehmer zu entsprechen hat"und nur unter dieser Bedingung wird die Regierung in der Lage seift, die von den Arbeiterorganisationen übernommene Verpflichtung zu garantieren. Die Beilegung deS Liller Konfliktes scheint eine günstige Auswirkung auch auf die übrigen, im Gang befindlichen Streikbewegungen auszuüben. So wird berichtet, dah die Textilarbeiter im Vogese»gebiet in Erwartung eines Schiedsspruches die besetzten Betriebe verlassen, haben. Die Hafenarbeiter von Cherbourg werden die Arbeit Montag wieder aufnehmen, desgleichen die Textilarbeiter im Departement Saöne-et-Loire. Ein Proteststreik in der Automobilfabrik Hotchkih wurde nach wenigen Stunden beendet, nachdem die Direktion die angekündigte Massenentlassung widerrufen hatte. Präsidentenbesuch in PreQburs Die Minderheiten und die Kritiker aus dem Ausland Pretzburg. Präsident Dr. Benes trat SamStag früh von Topoliianky aus seine Reise durch die' Slowakei an, die.ihn am ersten Tag Über Neuhäusl nach Pretzburg führte. In Neuhäusl wurde er von dem Bürgermeister Abgeordneten Dr. H o l o t a namens der ungarischen. Bevölkerung begrüßt, der betonte, daß die Ungarn treue Bürger der Republik seien. „Ich werde noch Gelegenheit haben," sagte der Präsident in seiner Antwort,„an einer anderen Stelle meinen Standpunkt zur Frage unserer Ungarn darzulegen. Ich sage aber gleich, dah ich gern das, war sie unterstrichen haben, akzeptiere: daß Sie treue Bürger der Republik find und solche bleiben wollen, dah Sie zu mir Vertrauen haben, daß Sie nur verlangen, daß ich Sie in allen berechtigten, gebührenden und in den Grenzen der Gesetze vorgebrachten Wünschen und Forderungen unterstütze, schliehlich dab Sie dableiben wollen, war Sie gewesen sind— Ungarn. Und dah Sie hiebei Menschlichkeit, Humanität hervorheben. Da» alle» find auch meine Grundsätze. In all diesem werden wir uns leicht einigen." In Prehburg wurde der Präsident auf dem Bahnhof vom Justizminister Dr. Dörer begcüht. Als sich der Zug des Präsidenten der Stadt näherte, ertönte vom Turm des Rathauses die historische Glocke aus dem Jahre 1782, die immer nur zum Empfang eines Staatsoberhauptes geläutet wird. Auf dem Platz vor dem Hotel Carlton, wo der Präsident abstieg, wurde er vom Bürgermeister K tu o begrüßt. In seiner Antwort sagte der Präsident u. a.: .„Die Slowakei ist mir nicht vielleicht nur di« Frage der Verhältnisses zwischen den Tschechen und Slowaken oder nur die Frage irgendeiner äußerlichen tschechoslowakischen Einheit. Die Slowakei, da» ist mir die Frage, die über da» Schicksal Europas mit entscheidet. Neben die großen nationalen Komplexe und Nationalismen, den deutschen, den italienischen, den polnischen oder den russischen, lege ich im heutigen zerrütteten Europa da» Prinzip der starke», festen staatliche» tschecho. slowakischen Einheit. Ich sehe natürlich alle Schwierigkeiten und die verschiedenen lokalen, parteilichen oder nationalen Ziele und Bestrebungen in unserem Staate; Ich würdige sie gerecht und objektiv und suche die richtige und gerechte Synthese, wobei jeder daerhält, wa» ihm gebührt, wo gegenseitiger gyter Wille und fiese menschliche Liebe Gegensätze ausgleicht, wo da», wa» un» eint, zinterstrichen wird, und da», wa» un» trennt, je weiter desto mehr In die Vergangenheit und in die Geschichte verlegt wird. All die» ist Sache der weiteren Entwicklung. Unter Hinweis auf die Harmonie des Zusammenlebens dreier Nationen In Pretzburg erklärte der Präsident später zur Minderheitenfrage u. a.i Dl« Tschechoslowakei werde Ihre internationalen. Mnderheltenschntzverpflichtungen immer einhalten. Er wisse, daß dies» Feststellung kritisiert z» werden Pflegt, er wisse auch, daß hier und dort manches vervollkommnet werde» könne und heute auch bereit» vervollkommnet wird. Ich möchte, daß niemand«ine» Zweifel über folgende zwei Angelegenheiten hätte: 1. daß wir wünschen, mit unseren Deutschen und Ungarn gut auszukommen, 2. daß wir un» mit ihnen.?" Frau'Rivadensira hatte fast dey Atem verloren, sie hielt die Hände gegen die Wangen, und ihre Stimme klang gayz heiser,I „Dann wählen wir Bonamaria zum Präsidenten. Und ich werde Minister. Du" siehst, ich habe ganz allein meine Karriere gemacht". Seifte Mutter war ein'paar Sekunden still. Aber' Pablo merkte noch Immer nicht, datz es Nicht bloß Bewunderung für das große Talent ihres Sohnes war. Er wendete sich zu Türe.. ,"(Fortsetzung folgst) ;9lr. 220 Sonnt«», 20. September 1036 Seite 3 tfudetendcutsdicr Xeitspic^d Henlein auf dem Rückzug Erzwungene Aenderungen In der SdP-Leltung bevorstehend/ Kameradschafts- bündler treten in den Hintergrund f Kasper und Peters Henleins Stellvertreter? wenigen Monden durch den Mund des Rein!« gungskommissärs direkt als ein staaats» feindliches Element hingestellt hat, andererseits aber trotzdem der tschechischen Oef- .fentlichkeit plausibel zu machen, dass man jetzt noch viel staatstrcuer sein und noch viel eher Ministersessel verdienen wird, bis diese Opposition erst richtig in der Hauptleitung sitzen wird, und das alles kurz nach der fatalen Rede:«Zwei Tage vor dem Angriff"— aus diesem Chaos von Widersprüchen noch einmal halbwegs glimpflich herauSzustcigen, wird wirklich keine Kleinigkeit für Henlein sein. Dabei rücken die alten Nationalsozialisten, die schon spüren, dah ne Oberlvnsser haben, mit Forderungen bezüglich der Umbildung der SdP- Hauptlcituug heraus, dass einen geborenen Führer direkt der Schlag treffen könnte. So fordert Herr MaxKarg, der ehemalige Chefredakteur des„Tag", in feinem„Prager Zeitungsdienst" eine „... Acnderung dec Parteiverfassung der SdP in dem Sinne, daß in der Znsamnienschung der Gebührende Antwort Minister Zajiiek sandte der Bezirksleitung Arnau und'der ostbühmischcn Kreisleitung der SdP ein lin der„Tcutschcn Presse") veröffentlichtes Schreiben, in dem cs u. a. heisst: Meine Herren von der Bezirks- und Kreisleitung der SdP: Sie intervenieren bei mir wegen dcsArnauer Obergymnasiums und wegen der Hultfchiner Kinder. Sie verlangen von mir und vom UnterrichtSministcr eine Wiedergutmachung. Sollte dies nicht möglich sein,„dann mühten die breiten Massen der sudetcndeutschen Bevölkerung annehmen, dah cs an notiveudigcr Obsorge fehlt und nicht der entscheidende Einfluh vorhanden ist, um so lebenswichtige Forderungen zu verwirklichen, obivohl Sie und zivcl andere Herren deutscher Zunge,in der" Negierung als Minister tätig sind....... Die Negierung hat das Arnaucr Obcrgym- nafium wieder bclvikligt. Daraus können Sie ersehen, dah ivir drei deutschen Minister— Sie nennen uns wegiverfend„Herren deutscher Zunge"— Einfluh besitzen. Die betreffende Ministerratssitzung sand am letzten Donnerstag (10..September) statt. Ich las sehr eingehend „Die Zeit" vom Freitag, Samstag und Sonntag. Zn diesem Blatte, das die Errichtung steuer tschechischer Schulen säuberlich registriert, sand ich leine.Zeile über die Wiedereröffnung des Arnauer Obergymnasiums I... .,. Meine Herren von der Kreis- und Bezirksleitung der SdPI Warum gehen Sie mit Ihren Beschwerden nicht zn de» Funktionären Ihrer Partei? Sie haben doch 67 Parlamentarier! Warum intervenieren Sie bei einem Minister„deutscher Zunge", warunr fordern Sie den Minister einer„Splitterpartei" auf zu intervenieren? Ahr Brief ist ein dokumentarisches Eingeständnis für die erfolgreiche Politik der grohen SdP. Führung der Partei der Mitgliedschaft ein gröberes und entscheidendes Mitbcstinimuiigs- .recht eingeräumt wird. Den» kvirkkiche Führung des Volkes kann auf die Dauer nur aufgcbaut sei» auf dem Vertrauen und auf der Mitarbeit aller Volksgenossen, nichtaberaufderTheorie eineSStaatSstandcS oder auf einem Kreisepolitisch B ez o rz» g te r, die von oben herab bestimmt werden und die keine andere Legitimation habe» als die Legitimation des KB. Dieser KlärungSprozeh wird und mub fühcr oder später innerhalb der SdP kommen, ja er ist gegenwärtig bereits im Gange. Eine Revision der Parteiverfassung, deren Gcund- . läge nicht das System der Ernennungen, sondern . die Wahl der gesamten Hauptlei- tungdurchdenParteitag und eine ..erhöhte Kontrolle der Parlamentarier durch die Wahlkreise sein muh, ist unumgänglich notlvendig geworden..." Ein alter Hakcnkrenzlcr fordert vom Führer also Demokratisierung der Hauptleitung. Soll einem da nicht der Verstand stehen| bleiben, zumal wenn einem auch noch Dr. Walter Brand fehlt? Wir glauben also wirklich gern, das; Konrad Henlein die„endgültigen Entscheidungen" noch sehr, sehr viel Kopfzerbrechen kosten werden. Nur Mut, cS lvird schon schief gehen I Kindesmord? Bei der Karlsbader Polizei erstattete eine in Fischern wohnende Frau gegen ihre WohnungS- nachbarin M. P. die Anzeige, dah diese vor ctlua einem halben Jahre ein lebendes Kiud geboren habe, das gleich nach der Geburt von dem Gatten der. Frau in einem Ofen'verbrannt worden sei. Die Polizei steht indessen insoferne vor einer schwierigen Aufgabe, als die Anzeigerin behauptete, das Kiud sei nach fünfmonatiger Schwangerschaft auf die Welt gebracht worden; ein solches Embryo ist nicht lebensfähig. Allenfalls hat sich die beschuldigte M. P. einer Geburtsverheim» lichung schuldig gemacht, vorausgesetzt, dah das zur Welt gebrachte Kind nicht älter als fünf Monate gekvescn ist. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit ist im Gange. Hilfe für die Erzgcbirgs-Lnndwirtschnft. Bei\ einer bei der Bczirksbehörde in Rendel unter Vorsitz des Bczirkshauptmanncs stattgcsundenen Beratung, die.den. Zweck hatte, Mittel und Wege eurer Hilfeleistung für die Laudivirtschaft im obepen Erzgebirge zu schaffen, crstaitetc der Fachrat des Landeskulturrates Dr. Fiedler-Prag das Hauptreferat, in welchem er eingehend die Not des ErzgcbirgSbauern schilderte. Er kam zu dem Schluss, dah nur ein Fachberater für die Bezirke des Erzgebirgeswettend eiugrcifcu könne. Es kvurde denn auch beschlossen, mit den angrenzenden Bezirken Graslitz, JoachimSthal, Pressujtz, Weipcrt, Scbastiansberg und Katharinabcrg in Verhandlungen wegenAnstellung eines Fachbcra- ters zu treten. Die Bezahlung ist durch einen Hektarbeitrag, der sich auf 60 Heller stelle» dürfte, aufzubringen. Sollten die einzelnen Bezirks Beiträge dazu leisten, so Ivürde sich dieser Hektar- Beitrag verringern. Flüchtender Dieb durchquert die Eger. Ein Gendarm und ein Kriminalbeamter der KarlS- bader Staatspolizei bemerkten Freitag vor dem „Hotel Weber" einen Radfahrer, in welchem sic den aus dem Karlsbader Polizcirayon auSgcwie- scnen Landstreicher Keil aus HartmannSgrün erkannten. Der Kriminalbeamte versuchte, Keil anzuhalten, doch dieser lief, das Rad zurücklassend, Prag. Nach kaum zioei Jahre» praktischer Anwendung scheint das Führerprinzip in der sn- dctcudeutschen Politik vor dem völligen Bankrott zu stehen. Vorgestern tauchten in der Presse die erste» Nachrichten auf, dah m der Hauptleitung' der SdP einschneidende Aenderungen bevorstchen. Henlein habe nicht nur vor dem Ehrengericht restlos kapituliert, sondern sei sogar bereit, einige weitere seiner Freunde aus dem K.a m e r a d s ch a s t sb u n d zu opfern, nm die oppositionellen Leidenschaften zn bcsänf- .tigcn. Aus der Wiedcrausnahinc des seinerzeit ausgeschlossenen Dr. Kreihl wurde in politischen Kreisen geschlossen, dah die triumphale Rückkehr" Kaspers und seines Anhanges gesichert sei. Wir schenkten diesen Nachrichten vorerst keinen Glauben, weil wir die Situation Henleins zlvar für ernst, aber nicht für so hoffnungslos hielten, dah er unter Preisgabe seiner ganzen Führer-Autorität mit Leuten Frieden schlichen müsse, die kürzlich noch in der SdP-Presse geradezu als der Abschaum des völkischen Lagers gebrandmarkt wurden. Die seither vorliegenden Meldungen lassen allerdings keinen Zlvcifel mehr übrig, dah Henlein solvohl bei dem verhahtcn Ehrengericht als auch bet der Opposition.um gut Wetter bitten muh, um tvcnigstcns den Titel eines Führers aus der Katastrophe des Kamerad- schaftsbundcs zu retten. Wie wir erfahren, sollen zioei Stellvertreter des-Herrn Henlein bestellt werden, und zwar ein Exponent der Industrie und ein sogenannter „Reichsstandesvertretcr" der Arbeiterschaft. Ja diesem Zusammenhang werden die Namen Dr. Peters und Kasper genannt. SandncrS Position gilt wegen seines forschen-Feldzuges gegen die nunmehr siegreiche Opposition auf das schwerste erschüttert. Wenn die Sieger nicht Gnade für Recht ergehen lassen, dürfte der Herr Läuterungskommissär bald Gelegenheit finden, sich mit seiner eigenen Läuterung in aller Ruhe zu befassen. Dah in der SdP-Führung tatsächlich grohe Umwälzungen bcvorstehen, muh nun auch schon ..stssf, LyWHene Pressemeldungen am Samstag mii folgender Merke replizierte: „Innerhalb der Führungstclle» der SdP werden zur Zeit organisatorische Umgliedcrungcn geplant, die naturgcmäh auch in der Heranziehung von Mitarbeitern ihren Ausdruck finden könnten, die der gegenwärtigen Hauptleitung nicht'anqchä- ren. Endgültige Entscheidungen hat jedoch Konrad ’ Henlein bisher noch nicht getroffen und Blätter- Meldungen, die sogar von einem neuen realpoliti- schcn Aktionsprogramm der SdP wissen wollen, werden als haltlose Kombinationen bezeichnet." Dah die„endgültigen Entscheidungen" Konrad Henlein schwer fallen, ist nicht schiver zü erraten. So viele Interessen, als da auf dem Spiel stehen, kann man bei bestem Willen eben nicht unter einen Hut bringen. Den Einfluss des geliebten Kameradschaftsbundes einzudämmeu, die Industrie durch die Ernennung des Dr. Peters auf einen hohen Partciposten ivieder einigermahon an die Stange zurückzubekommen, die Gründung einer Oppositionspartei aus früheren Nazis doch noch zu verhindern, indem man dieselbe Opposition wieder in Gnaden, aufnimmt, die»ran vor „Tsdicthosiowaklsdic Außenpolitik“ Lia neues Buch von Dr. Emil Strauß " Nach ganz kurzer Zeitspanne hat Genosse Dr. Einil Straus; seinem historisch-kritischen Werk über die„Entstehung der Tschechoslowakischen Republik" nun ein Buch„Tschechoslowakische Aussenpolitik"*) folgen lassens das er bescheiden „eine geschichtliche' Einführung" nennt. Wäre cS auch»yr solche Einführung, so würde eben schon das allein neues Verdienst des Autors be- diMtim, der so wiederum sich als Avantgardist im der deutschen Darstellung tschechoslowakischer Geschichte und Politik der neuesten Zeit betätigt Chatte. Strausscns Abhandlung Mer die tschecho- flowakische Aussenpolitik ist aher mehr. Sie ist nicht nur zusammcnfaffende Schilderung tschechoslowakischer’ Aussenpolitik schon' seit ihren Anfängen in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und der tschechoslowakischen Aussen- entwicklung seit der Gründung der Republik bis fast tn die allerjüngstcn Tage, sondern die Arbeit unseres Historikers stellt zur.gleichen Zeit auch einen^schr lebendigen demokratischen G e s ch i ch t ä( u n te,rr ich t dar.. Auch derjenige,.der. Tag fßr Tgg aufmerksam alle poli- ' tischen Voyiänge.beobachtef ünd fleh also auch in der.ANsseWWNss unseres Landes zu Hause. füWHest'M'regster. Anteilnahme' Strausstns lsobev.Plle und.gewisseühäfte' Durchleuchtung des ")'OrbiS-Berlag, Präg, Preis Kä 28.—, aussenpolitischen Wirkens der führenden tschecho« slowakischen Staatsmänner insbesondere seit der Zeit de« Wcltkricgsbcginns, und folgt den grossen Etappen,, in die sich denr Blicke des Verfassers die tschechoslowakische Aussenpolitik in den vcr- qangcnen zwei Jahrzehnten gliedert. Bon sozusagen ständiger Aktualität ist ja das tschechoslowakische Verhältnis zu den Restaurationsbemühun- gen der Habsburger, zum.Völkerbund, zu den Westmächten und besonders zu Frankreich, der imponierende Werdegang der Kleinen Entente, von immer grösserer Bedeutung die Rolle, die die Tschechoslowakei gegenüber Deutschland, in Beziehung zu Italien und nun im Einvernehmen mit Sowjetrussland spielt,' die Stellung des Landes zur latenten Kriegsgefahr, die Beeinflussung, auch unserer äusseren Politik durch die allgemeinen. Erscheinungen der Weltwirtschaftskrise, durch die besonderen, wirtschaftlichen Erscheinungen der Krise innerhalb der Tschechoslowakei. ' Wir deutschen Sozialdemokraten, die wir M a- saryk uüd Benes als beste Inkarnationen wahrhaft europäisch-demokratischen Denkens und Fühlens würdigen und, verehren, freuen«ns der Arbeit Dr. Straussens' nicht zuletzt aüch deS- 'wegen, weil ssie• sozusachm-schlüssigen Nachweis der überragenden: Bedeutung dieser beiden .Stäatssührer für die Erhaltung der Tschechoslowakei als eine? der gewichtigsten Faktors europäischer Demokratie,.freiheitlichen Fortschritts,' unerschütterlichen'Friedenswillens ist und weil; diese Schrift jedermann so recht vor Augen führt, mit- welcher-imminenten und eminenten Sittlichkeit der erste wie der zweite Präsident dieses Staates von Anbeginn das Schiff mit Klugheit, Energie, Prinzipientreue und dabei rcalpolitisch- taktischcr Geschicklichkeit zu lenke» bestrebt waren. .. Sähen unsere deutschen Schulen in der Tschechoslowakei durchaus so aus, wie es demokratischem Geiste entspräche, daun würde das neue Buch von Emil Strauss bald überall in unseren i ittlcren und höheren Lehranstalten mit zur Grundlage modernen Geschichtsunterrichts genommen Uverden. Es kommt nämlich gar nicht so sehr darauf an, ob man ausnahmslos jede Phase der tschechosloivakischen Aussenpolitik, als deren vieljährigcr Leiter Dr. Benes natürlich auch in diesem Buche fast auf jeder Seite aufscheint,. nachträglich durchaus als richtig und geglückt betrachtet. Das Wesentliche bleibt doch, dass diese tsshechoslowaki'che Aussenpolitik in ihren grossen Zügen dem Lande eine von keinem objektiv Denkenden bestrittene grosse Geltung verschafft hat, die dank eben der festen geistig-sittlichen Konzeption und dayk ebenso der immer nüchtern abwägenden realpolitischen Betrachtung alles Geschehens insbesondere durch Masaryk und Benes zweifellos das Gcfvicht überwiegt, das der Tschechosloivakei raum- und zahlenmässig zu- koMmt, Dies in den Zusammenhängen aufs klarste hergiisgearbeitet zu hahen, macht vielleicht den Hauptwert des Srrauh'schen Buches aus, das einmal gelesen,; als wichtiger Behelf zum Verständnis jeder weiteren aussenpolitischen Entwicklung und Phase unserer Holitsi bei keinem deutschem Politiker, in keiner deutschen Redaktion, im Fundus keines historischen Unterrichts, in keiner öffentlichen Bibliothek unseres Landes fehlen dürste.'•• L. G,• General Nogues wurde zum französischen Gencralresidcuten in Marokko ernannt. Die französische Regierung hat den bisherige» Rcsideuteu, Peyrvuto», abbe- rusen, weil er die spa»ischen Rebellen in Marokko unterstützte und ihnen sogar Gelder der Nationalbaul zuflicsscn liess. Gleichzeitig wurden andere Beamte in Französisch-Marokko tvcge» ihrer reaktionären Treibereien von ihre» Posten entfernt. gegen die Egcrbüschung und sprang schliesslich, als er sich' verfolgt sah, i» die kalten Flute». I» voller Kleidung überquerte er schivinuncnd den Fluss, tvurdc aber am jenseitigen User von den SichcrhcitSorganen, die über die Egerbrücke geeilt Ivarcn, in Empfang genommen. Der Szene wohnten Hunderte von Zuschauern aus der Egcr- brücke bei. Keil, der des Fahrraddiebstahls verdächtig erscheint, tvurdc in Hast genommen. Selbstmorde. In Rossbach hat sich dec Fleischermeister Robert Müller mit einem Schussapparat, wie er zum Töten von Tieren verwendet lvird, im Keller seines Hauses erschossen. Müller, der während deS Krieges a» Malaria erkrankt war und unter den Folgen dieser Krankheit dauernd zu leiden hatte, hat die Tat in einem Anfall von SinncSvcrtvir- rung begangen.— Die seit dem 5. August abgängige 46jährige Arbeiterin Jnngschaffcr ans der Blci- slistsnbrik Hardtmuth in Budwcis wurde dieser Tage als Leiche in der Malisch gesichtet und geborgen. Die Unglückliche, die seit längerer Zeit an einen, Nervenleiden laborierte, hat sich in einem Anfall der Verzweiflung in daS Wasser gestürzt. Genosse Pietro Nenn! verunglückt . Auf dem Rückflug aus Spanien Paris. Ein französisches Verkehrsflugzeug wurde gestern abends zu einer Laiidung bei der spanischen Stadt Alicante gezwungen. Es tvar ans dem Wege von Dakar und cs herrschte Sturm. Bei dieser Notlandung toucde der bekannte italienische Sozialist Pietro Nenn i, Mitglied des Vollzugsausschusses der Zweiten Internationale, der aus Madrid zurückkehrtc, ernstlich verletzt. Der Dichter Garda Lorca von den Rebellen ermordet Eine der grössten Barbareien derAufständischen ist di« Ermordung des berühmten spanischen Dichters Garcia Lorca in Granada. Der bedeutendste moderne andalusische Dichter ist den. Kugeln des Faschismus zum Opfer gofallcu. Die Tatsache, dass man bei ihm einen Brief des ehemaligen s o z i a l i st i s ch e n Nn t e r r i ch ts m i n i- sie r s Forran de Los Rios gefunden hat, genügte zur Veranlassung der. Hinrichtung des Dichters. Seine Werke lvurden aus allen Buchhandlungen züsammengcholt und öffentlich auf d..n Platz del Carino in Granada verbrannt. Die Verantlvortung für diese barbarische Tat fällt ganz auf die k l o rikal en Kreise und auf die Faschistcnführer, die nicht das geringste taten, um die Hinrichtung dieses bekannten Dich- z, ters zu verhindern. Massenverhaftunsen In Salzburg Wien. Wie die„R e i ch s p o st" berichtet, wurde in Salzburg soivie in der Umgebung der Stadt eine Reihe von Komniunisten und revolutionären Sozialisten verhaftet. Es handelt sich um Mitglieder illegaler Organisationen. Ihre Funktionäre sowie die Mitglieder der Salzburger Leitung der revolutionären Sozialisten wurden ebenfalls in Haft genommen. Der Grossteil der Verhafteten soll G e st ä n d n i s s e abgelegt haben. Systematischer Warenaustausch zwischen den Staaten der Kleinen Entente Belgrad. Die„Breme" veröffentlicht eine Kundgebung des Ministerpräsidenten Dr, Stojadinoviö' über die Beratungen in Bukarest und in Pressburg. Dr. StojadinoviL betonte in einer Untertedung dew wirtschaftlichen Charakter der Boratüngent„Wir konstatieren", erklärte er, „dass ivir tatsächlich noch g e n ü g e n d A r 11- kel besitzen, welche den Gegenstand eines, wirtschaftlichen Austausches unter sämtlichen Staaten,, welche der Meinen Entente angehören, bilden können. Aus' diesem Grunde haben, wir uns entschlossen, ein genaues Verzeichnis dieser-Artikel anzulegen und sie praktisch unter einander auszu tau s ch e n. Sette 4 Sonntag, 20. September 1936 Nr. 220 Lpsnlrcke „(Breuer-Literatur Spanien, durch die Milstär-Rebellcn in grausigen BiirgcrkriegSzustand verseht, beginnt ein beliebtes literarisches Mode-Thema zu wor den. Konjunkturbeflissene Verleger bringen Spanicnbücher auf den Markt, deren Kennzeichen ihr reaktionärer Inhalt ist. Die deutsche Pro- paganda, die aus dem Abwehrkampf der recht» mäßigen Madrider Regierung gegen die Generale Franco, Molla und Eabanella einen bol- schewistisch-revolutionären Aufstand gedichtet hat, niacht das Leser-Publikum für diese neue Spanicnliteratur empfänglich. Ein Blick in den Inseratenteil des in Leipzig erscheinenden „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" lehrt, welche Reklamctricks von den Verlegern angewendet werden, uni Sortimenter und Buchhändler fiir den Verschleiß der Spanienbuch- Produktion zu gewinnen. Greifen wir aus der Fülle, des vorliegenden Materials einige Beispiele heraus. Da erscheint im Eugen Rentsch-Verlag, Erlenbach-Zürich, Leipzig, eine Monographie „Isabella", Begründerin der Weltmacht Spa nien, von Ä. St. Wittlin. Dieser katholischen Königin, die die Inquisition nach Spanien gebracht hat, gelang cs laut Vcrlagsanzeigc, „was heute allenthalben gesucht wird: Das Zersplitterte zu einen, da- Ohnmächtige mit gcwalti- ' ger Kraft zu erfüllen, einen Hausen widerspenstiger Provinzen zur Nation zu verschmelzen, einen einzigen Glauben bei allen spanischen Untertanen zu erzwingen und mit dieser derart gestählten Nation die damalige Welt zu erneuern". Alles das wollen die Herren Generale der Ncbenregierung in Burgos auch. Daher ist dieses„Isabella"»Buch ein typisches Produkt der konjunkturbedingten Spanicnliteratur, denn, so heißt cs in dem Inserat weiter: „Wir Heutigen aber sehen ein Spanien, daS von der gewaltigen Ordnung Isabellas nichts mehr weih; und nichts kann eindrucksvoller sein, als im Geist die Wirren der Gegenwart neben jene vor Isabellas Auftreten zu stellen." Einen höheren Grad von Aktualität stellt aber die im Verlag Otto Walter A. G. Ollen lSchwciz) Und Konstanz(Baden) erschienene Broschüre„Greuel in Spanien" dar, die keinen namentlich genannten Verfasser hat, angeblich authentische Berichte über den mörderischen Bruderkrieg veröffentlicht und über 100 Originalaufnahmen enthält. Welcher Art diese Greuclpropaganda des schweizer-deutschon Verlages sein muß, beweist das halbseitige Inserat im Buchhändlcr-Börscnblatt mit der Schlagzeile „Der diesjährige Schlager(I) für den Buchhändler ist soeben erschienen:.Greuel in Spaniens" Und dann geht es im Text weiter: „Die ganze Welt ist in Spannung. Das . Interesse für diese Broschüre ist allgemein. Profitieren auch Sie davon. Der Absatz hat bereitenorm eingesetzt I" Ja, sie proflliercn, die Herren Verleger und Buchhändler, vom Pest, und Leichcngcstank der Tausende von Ermordeten und Füsilierten durch Marokkaner und besüalische Fremden- Icgionäre. Nur sind die seit Isabellas Zeiten gewandelten Inquisitoren unschuldige Lämmer und heilige Kulturbringcr, die„Greuel in Spa- * men" begehen die„Roten", die sich gegen die im Namen der Latifundienbesihcr, Monarchisten und Klerikalen kämpfenden Mörder zur Wehr setzen.■ Wenn es gegen links geht, wittern sie alle, die faschistischen Regierungen, die Verleger und die Buchhändler Profite. Sie machen kein Hehl daraus, sie haben ihren„Schlager". Schwarz auf weiß drucken sie:„Profitieren auch Sie davon"! Brand in der Telephonzentrale. Freitag früh entstand aus noch nicht geklärter Ursache in der Tclephonzentrale in A s ch ein Brand, der deren Einrichtung vernichtete. Infolgedessen waren während des Freitag interurbane Telephongespräche, aber auch Lokalgespräche in Asch nicht möglich. Die Störung im interuvbanen Telephonverkehr wurde bereits behoben, die Verbindung mit allen Telephonteilnehmern einstweilen nicht wieder ausgenommen. Es wird jedoch an der schrittweisen Einschaltung der einzelnen Stationen gearbeitet. Die Durchführung der Reparaturen wird ungefähr 14 Tage dauern. Der Gesamtschade an den Telephoneinrichtungen wird nach den vorläufigen Schätzungen ungefähr 100.000 XL betragen. Auf dem Malaischcn Archipel wurde eine starke Erderschütterung verspürt. Besonders start waren die Erdstöße in Singapore, in Penang sowie in Kualalumpur, wo die Bevölkerung Panik» artik ihre Behausungen verließ. Vorderhand werden keinerlei größeren Schäden gemeldet. Eine Notenschreibmaschine Eine Demonstration für Lion Blum im Wiener Deutschen Volkstheater. Anläßlich des Gastspieles der Comidic Francaise im Deutschen Voilstheatcr in Wien, brachten, laut„Arbeiter- Zeitung", Teile des Publikums in begeisterte Hochrufe auf Lion Blum und die französische Volksfront aus. Autobus fährt in einen Zug. Infolge dichten Nebels durchbrach ein vollbesetzter Autobus die Eisenbahnschranken in der Nähe von Bandebusch bei Wilhelmshaven und fuhr mit voller Wucht gegen ein SchrankenwärtcrhäuSchen und einen in Fahrt befindliche» Eisenbahnzug. Der Autobus ivurde vollständig zertrümmert; neun Autobusinsassen wurden schwer verwundet. Die Schiffskatastrovbe auf dem Nil forderte, wie nunmehr feststcht, nur 25 Todesopfer, darunter auch eine Anzahl Kinder. Einigen Personen war es gelungen, sich zu retten. Ein größeres Unglück konnte dadurch vermieden werden, daß es im Moment des Sinkens des Motorbootes gelang, das Tau, an dem ein größerer Segler mit 150 Personen an Bord im Schlepp folgte, durchzuhauen. DaS Dienstmädchen. zu Tode gequält.... Sn Wien begann Samstag der Mordprozeß gegen Josephine L u n e r und ihren Gatten Edmund Luner, dessen Verlauf die Wiener Oesfentlichkeit mit größtem Interesse entgegensieht. Der Luner wird zur Last gelegt, auf bestialische Art und Weise die 15 Jahre alte Hausgehilfin Anna Augustin zu Tode gefoltert zu haben. Der Prozeß wird drei Woche» in Anspruch nehmen. ES werden 120 Zeugen einvernommen werden. Der Prozeß selbst wurde bereits mehrmals vertagt. Der britische Flieger llampbell Black, der gemeinsam mit Scott im vorigen Jahre bei dem großen Wettfliegen London—Melbourne den Sieg davontrug,-ist am SamStag auf dem Flugplatz in Liverpool tödlich verunglückt. Black Ivar an Bord eines Flugzeuges gestartet, mit welchem er an dem Wettslug England—Fohannisburg in Südafrika teil» nehmen wollte. Beim Start stieß sein Flugzeug mit einem anderen Flugzeug zusammen und stürzte ab. Black starb bei der Ueberstihrung ins Krankenhaus. Zu den Moskauer Hinrichtungen schreibt in der„Sozialistischen Warte" Angelika Balaba- n o f f, die bekannte sozialistische Vorkämpferin: „Es fehlen einem die Worte, um den niedrigen ServilismuS jener zu charakterisieren, die als ehemalige Angestellte Sinowjews zu seinen LebMari» TaSnadtz die neueste Entdeckung des deutschen FilmS spielt gemeinsam mit Willy Birgel und Lil Dagover in dem prachtvalle» musikalischen Film„Der letzte Akkord.",". zeiten jegliche Kritik als Majestätsbeleidigung denunzierten, die aber heute über den entehrten toten Sinowjew herfallen und ihn am allcreifrig- sten beschimpfen, um damit um die Gunst seiner Richter und Henker zu werben." Die deportierte Ziege,(mb.) Miß McBride In New Kork kam dieser Tage aus Europa zurück und brachte eine sechs Monate alte Ziege mit, um sie einer Freundin zu schenken. DaS Tierchen— Picrrot genannt— passierte anstandslos die Zollbehörde, bekam die vorgcschriebcne Bescheinigung ans Halsband geklebt, daß cS ordnungsgemäß abgefertigt sei, und fuhr mit Miß McBride in deren Wohnung, Aber dort erschienen nach kurzem die Beamten irgendeiner Spezialpolizei und stellten fest, daß die Ziege sich nicht in den Bereinigten Staaten aufhalten dürfe. Im Auto'lhrcr Herrin wurde das Tier also wieder zum Hafen gebracht, von wo es mit dem Dampfer„Ile de France" am 28. Juli als lästiger Ausländer aus USA abgeschoben und in das Land, wo es heimatberechtigt ist, Frankreich, befördert wurde. Seelenmesse für Fliegen und MoSkitoS. In diesem Sommer ist der Kampf gegen die Fliegen- und MoSkitoplage in der japanischen Hauptstadt Tokid'vitt'dew modcrnskiä Methoden Und'Unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung Im größten Mahftabe von den Gesundheitsbehörden durchgesührt worden. Man schätzt, daß mindestens 100 Millionen Insekten vernichtet worden sind, und Tokio hat in diesem Jahre tatsächlich weniger unter Fliegen und Mücken zu leiden gehabt, oie allsommerlich eine schwere hygienische Gefahr bilden. Nun ist jedoch dieser Kampf nicht ohne Widerspruch geblieben, der von feiten religiöser Sclktcn lnutgewordcn ist, für die alle Tiere— also mich Insekten— heilig sind und nickt getötet werden dürfen. Als die Behörden unerbittlich blieben, haben diese Sekten in einem der buddhistischen Tempel vor einigen Tagen einen feierlichen Gottesdienst für die Seelen der getöteten Fliegen und Moskitos, der unschuldigen Opfer moderner Zivisation, abgehalten. DI» Wetterverschlechterung eingetreten. Gegen das Gebiet der Republik ist vom Westen, von Bayern her, eine seichte Störung, di« Samstag nachmittags bereits in Böhmen eine Wetterverschlechterung veranlaßt hat, vorgedrungen. Der Himmel hat sich nachmittags gänzlich umzogen und stellenweise fiel leichter Regen. Im Osten blieb es noch heiter und warm. In Westeuropa bilden sich weitere Störungen aus und daher wird'sich die weitere Entwicklung des Wetters bei uns unsicher gestalten.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Böhmische Länder und Weststowakei: Wechselnd bis vorwiegend bewöttt, Neigung zm Schauern oder Gewittern, Abkühlung, Winddrehung gegen Westen bis Nordwesten. Im Osten: Noch schön und warm.— Wetteraursichten für Montag: Veränderlich, zeitweise noch Schauer, mäßig warm, Westwind. Ziehung der Klassenlotterie unverbt n d I t ch. Prag. Bei der Samstag-Ziehung der IV. Klaffe der 80. tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden nachstehende Gewinst« gezogen: 150.000 Kfi Los Nr.: 35579. 80.000 KO Los Nr.: 91745. 20.000 K5 die Lose Nr.: 11943 58591 71166 96037. 10.000 Kd die Lose Nr.: 38650 54598 63988 64159 70247 93856 102812 110815. 5000 Kö die Lose Nr;: 7029 18017 14446 21747 85159 40255 40411 42740 46210 55828 63126 76848 95437 96885 97704 97906 108294 104125 106900 107996. 2000 KO die Lose Nr.: 11466 18866 14274 17874 21812 22647 28522 29815 87245 87268 38888 89177 49060 49470 52609 56828 68111 67109 72825 78475 77887 78009 78086 80688 85251 86563 87271 88667 2912 8581 4806 6995 26463 21197 21808 81299 82934 85839 48122 48471 48748 60124 60857 61806 75015 76207 76691 81275 82015 85001 89207 89821 89869 98870 94779 101548 104762 106098 106169 108681 New York vom Uragan erreicht New Uork. Der tropische Uragan, von dem bereits gestern berichtet wurde, erreichte in der Nacht auf Sanistag die Oststaaten der Bereinigten Staaten. Die Schäden^ die angerichtet wurden,, konnten noch.nicht abgeschätzt worden. Der Fischerdampfer„Lang Island" ist bei Cap May gestrandet. Bon der Besatzung von 42 Mann konnten sich 84 retten. Der Orkan braust jetzt, auch über New N o rl dahin, das einen der schrecklichsten Tage in seiner Geschichte erlebt hat. Ein Sturmwind von 100 Kilometer Stundengeschwindigkeit rast zwischen den Wolkenkratzern. Da die telephonische Verbindung unterbrochen ist, ist das Schicksal der Bevölkerung auf einigen Inseln im Golf von New Uork nicht bekannt. Es bestehen Befürchtun- gen wegen der Sicherheit der Bevölkerung auf Lang Beach im Staate New Jersey. In New Port hat der Uragan sogar eine Geschwindigkeit von 180 Stundenkilometern erreicht. Man nimmt an, daß er bereits mehr als 48 Todesopfer gefordert hat. Längs der Küste wurden ganze Häuser foptgeriffen und die Ernte vernichtet. Vom Rundfunk Empfehlenswerte« aus den Programmen« Montag: Prag 7: Morgenmusik, 10.05: Deutsche Presse, 11.85: Tanzmusik, 14.40: Deutsche Presse, 17.85: Schallplatte», 18.10: Deutsche Sendung: Dichterstunde: R. Fuchs liest seine Novelle„Beamter auf dem Lande", 18.45: Deutsche Presse, 19.10: Operngesänge auf Schallplatte», 20.80: Schauspiel aus dem Studio.— Brünn 15: Kammermusik, 17.25: Aus russischer. Literatur, 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Bücher und Bibliothek im demokratischen Staate, 19.25: VolkSblechmusik.— Prchburg 12.85: MlttagSkonzert. 22.80: Tanzmusik.— Kaschau 12: Schallplattenkonzert.— M.» Ostran 17.85: Förster: Liebe: Liederzyklus, 18.10: Deutsche Sendung: Arbelterfunk: Windholz: Da» Theater al» Mittel der Erziehung und Bildung. Dienstag: Prag 7: Morgenmusik, 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Tanzmusik, 11: Schulfunk für deutsche Schulen, 12.10: Tanzmusik, 14.40: Deutsche Presse, 15: Populäre» Konzert, 17.80: Klavier-Trio, 18.10: Deutsche Sendung: Vergessene deutsche Opernarien und unbekannte klassische Lieder, 18.45: Deutsche Presse, 20.80: Oper aus dem Studio: Janaiek» Ausslug des Herrn Käfers auf den Mond.— Brünn 18.10: Nachmittagskonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Arieiterfunk: Sozial» Jnformatio- nen, Perlsee: Hermann. Löns. 22.20: Tanzmusik: — Prchburg 17.40: Slowakische Lieder.— Kaschau 11: Schallplattenkonzert.— Mährisch-Ostrau 12.85: Rundsunkorchesterkonzert. Anträge zum FlUchtllnss- problem Das tschechoslowakische Komitee für deutsche Flüchtlingsfürsorge hat der Völkerbundvorsammlung ein Memorandum vorgelegt, in den: allo noch ungelösten Flüchtlingsfragen behandelt und, gestützt auf die in der Tschechoslowakei gesammelten Erfahrungen, brauchbare Vorschläge für die Betreuung der Flüchtlinge in den einzelnen Ländern erstattet werden. ES wird zunächst eine genaue Definition des BegrisseS „Flüchtling" verlangt und eine Beseitigung der illegalen Emigration, die durch das Fehlen genügender, vom Gastland verlangter Ausweise entsteht. Den Flüchtlingen sollen Ausweise gegeben werden, die sie zum legalen Aufenthalt berechtigen. Hinsichtlich des Aufenthaltes der Flüchtlinge wird vorgeschlagen: 1. Ein Flüchtling darf aus dem Lande, in dem er sich legal aufhält, nicht ausgewiesen werden, eS sei denn, daß diese Ausweisung nach ge- - richtlicher Aburteilung einer schweren kriminellen DelllteS erfolgt. 2. Die Ausweisung darf nicht nach Deutschland erfolgen. 8. In allen Fällen, in denen der Flüchtling das Landesgebiet eine» der vertragschließenden Länder verlassen muß, soll ihm ein« ausreichende Frist(mindestens drei Monate) gegeben werden» damit er die notwendigen Vorbereitungen zu seiner Ausreise treffen kann. 4. Der Flüchtling soll erst dany auSreisen, wenn für ihn die Einreise in«in anderes Land gesichert ist. Falls«in LuSgewiesener keine Möglichkeit hat, in ein anderes Land zu kommen/so ist er gehalten, von den zu dem Zweck seiner Ueber- siedlung getroffenen Arrangement» Gebrauch zu machen. DI» Ausweispapiere bleiben dem AuS- gewiesenen belassen. 5, Gegen die AuSweisuugSverfügung steht dem Flüchtling«In Berufungsrecht bei der Fest- stellungSkommission zu. t , Endlich schlägt das tschechoslowakische Komitee die Lösung der sozialen Fragen der Emigration vor. ES verlangt Gewerbeerlaubnis und Arbettserlaubnis, wie auch Studienerleichterung für den Nachwuchs und die Einräumung, des Jus soll(Staatsbürgerschaft kraft der Geburt), Ar die in den AsYÜändern Geborenen» Nr. 220 Sonntag, 20. September 1936 Sette 5 Staatliche Maßnahmen in derfranzösischen Landwirtschaft Durch die ganze moderne Wclttvirtschaft geht ein gemeinsamer Ang, der unsere Epoche von allen vorhergehenden Perioden der Neuzeit wesentlich unterscheidet. Das ist der Versuch, die landwirtschaftliche Erzeugung dem staat- lichenWillenzuun ter Iv erfen. Hierzulande gehört eine staatliche Regulierung der Gctrcidcproduktion und des Getrcidchandels zu der Grundlage der ivirtschaftlichcn Verfassung des Landes. Auch in Frankreich ist in den letzten Jahren die Einmischung des Staates in den Ge- trcidehandcl und später auch in die P r o d u l* tionSverhältnisse der zwei wichtigsten Zweige der französischen Landwirtschaft, nämlich des Weizenanbaues und des Weinbaues, zu einer charaltcristischen Erscheinung geworden. Es ist für uns, in der Tschechoslowakei, sehr wichtig, die Enttvicklung des französischen W e i z e n a n b a u e S, als des wichtigsten Zweiges des französischen Ackerbaues, im Zusmmncnhange mit den staatlichen Regulie- rungsmaßnahmen, in großen Zügen kennenzulernen, befindet sich doch schließlich auch bei uns das Problem der staatlichen Regulierung der Landtvirtschaft noch im Fluß. Fast die Hälfte der Bevölkerung Frankreichs, 48.8 Prozent, wohnt auf dem Lande; mehr als ein Drittes. der werktätigen Bevölkerung, 7.6 Millionen von 21.6 Millionen, ist in der Landwirtschaft beschäftigt. Für 1930 wurde bei einein veranschlagten Nationaleinkommen von 243 Milliarden Franken das Einkommen aus der Landwirtschaft auf 70 Milliarden Franken geschätzt Die Landwirtschaft liefert also mehr als ein Viertel des gesamten französischen Nationaleinkommens. Das bleibende Kennzeichen der französischen Landwirtschaft besteht darin, daß kein P r o» duktionszweig vorherrschend ist, tvas vom Standpunkt der freien Privatwirtschaft als ein sehr glücklicher Umstand zu bezeichnen ist. Diese„Polykultur"(Vielkultur), d. h. die Zersplitterung der Landtvirtschaft. auf viele Produl» tionSzweige bietet nämlich zahlreiche Ausgleichs» tnöglichkeiten: eine Mißernte oder, umgekehrt, eine bedeutende Minderung der Nachfrage nach einem bestimmten Produkte kann durch Mehrerzeugung eines anderen landwirtschaftlichen Produktes oder durch vermehrte Nachfrage nach ihm ausgeglichen werden. Dieser Umstand verleiht dem Ganzen der Landtvirtschaft sotvie auch jedem einzelnen Betrieb in der Regel eine gewisse Stabilität. Diese auf„Bielkultur" beruhende elastische Stabilität hat die französische Landtvirtschaft stets in vorteilhafter Weise von den lediglich auf einem einzigen Produktionsztvcig aufgebauten Landwirtschaften(Einkultur, Monokultur) unterschieden, als deren typischen Vertreter man etwa den Kaffeeanbau Brasiliens ansprechen darf. Einer planwirtschaftlich vom Staate geleiteten Landwirtschaft bietet sich dagegen in Frankreich eine große Schwierigkeit: der Staat ist zu einer Zersplitterung seiner Maßnahmen gezlvungen; jeder Produktionszweig erfordert besondere Berücksichtigung, was wiederum auf die benachbarten Zweige nicht ohne Auswirkung bleibt; die geringste Maßnahme auf einem Gebiet hat womöglich weitreichende und unvorhergesehene Folgen auf anderen Gebieten. Von allen zahlreichen Zweigen der französischen Landtvirtschaft haben aber zlvei die größte Bedeutung, das sind der Weizenanbau und der Weinbau. Aus diesen beiden Produktionszweigen stammt rund ein Viertel des EinkonunenS der französischen Landwirtschaft, auf den Weizen» : anbau allein entfallen mehr als 13 Prozent des ' Einkommens der französischen Landwirtschaft. '. Gerade diese beiden wichtigsten landwirtschaft« -lichen Produktionszweige sind jedoch am wenigsten klassisch und ausgleichsfähig, denn die Weizen- und die Weinbauern Frankreichs beschränken -sich in ihren Betrieben.meistenteils nur auf die eine Kultur. Hier mußte sich also die landwirtschaftliche Weltkrise besonders stark auswirken, so daß ein energischer Eingriff seitens des Staates geboten war. Hier können wir nur die Entwicklung der französischen Welzenwirtschaft und die damit zusammenhängenden Regierungsmaß- nahmen betrachten, das Problem des Weinbaues hat für uns ein viel geringeres Interesse. Bis zum Jahre 1929 hatte die Weizenfräge in Frankreich keinen Anlaß zu ernster Beunruhigung gegeben. Im Laufe des 19. Jahrhunderts konnte man einerseits ein merkliches Anwachsen der Produktion feststellen/ und zwar betrug die Produktion im zehnjährigen Durchschnitt in Mil» ,‘ Ronen q: 1821/80—> 48.7, 1851/60— 67.6, 1881/90— 88$, 1901/10— 89.1. Andererseits bemerkt man seit 1877 mit großer Regelmäßigkeit einen Ueberschuß der Einführ über die Ausfuhr, was ein noch rascheres , Anwachsen des Verbrauches und eine.ständige Unterproduktion erkennen läßt. Während und nach dem Weltkriege kann man zunächst eine Verringerung der Weizenproduktion infolge der Einberufung der Landarbeiter und der feindlichen Besetzung feststellen. Den niedrigsten Punkt erreicht die französische Weizenprodqktion mit ddm Jahr 1917, als sie bloß 36.6 Mill, q betragen hat. Von diesem Tiefstand erholte sie sich dann seit Kriegsende allmählich, aber der durchschnittliche Jahrcsertrag 1921/30 belief sich nur auf 76.4'Mill, q und blieb damit merklich unterhalb des Dürchschnittscrtragcs des Vorkriegsjahrzehnts 1901/1.0(89.1 Mill. q). Der Bedarf des Inlandes wurde durch die Eigenerzeugung noch nicht wieder voll gedeckt, so daß es wieder, wie in der Vorkriegszeit, einen beträchtlichen Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr gegeben hat. Diese günstige Lage spiegelte sich in der Enttvicklung der Preise wider. Man hat in den Jahren 1927—1928, nach der Währungsstabilisierung, für den Weizen etwa. 150 Franken je 1 q gezahlt gegenüber einem Durchschnittspreis von rund 27 Frauken im Jahre 1913. Wenn man'dic Abwertung dcS Franken berücksichtigt, so hat sich der NachkricgsprciS kurz vor dem Beginn der Krise auf gleicher Höhe mit dem VorlricgSpreiS gehalten. Eine erste Beunruhigung trat im Jahre 1929 ein, als bei einer Ernte von 91.8 Mill, q, die also die vorhergehenden Ernten bei weitem übertroffen hat, ein Preissinken einsetzte. Dieser Preisrückgang kommt uns heute bescheiden vor; immerhin betrug er nicht weniger als 19 v. H., und vor allem trat er überraschend nach einer ununterbrochenen Folge hoher Preisnotierungen ein. Die Unzufriedenheit der Wei- zcnbauern war groß und die Regierung sah sich zum Eingreifen veranlaßt. Folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der französischen Weizen- produltion und der Wcizenpreise in Frankreich in der Nachkriegszeit. Frankreichs Weizenernten- und Weizenpreise- in Frankreich 1920—1085 Weizenernte in Wcizenpreise Mill, q Franken je 1 q 1020 64.5 99.14 1021 88.0 70.37 1922 66.2 79.08 1028 75.0 90.47 1924 76.5 108.53 1025 89.9 129.57 f 1926 68.1 188.89< 1027 75.2 149.12 1928 76.6 151.89 s 1929 91.8 184.74-1 1980 62.1 155.50 1031 71.9 149.75 1932 90.8 109.12 1938 08.6 95.71 1934. 83.6 80.00 1085 75.9 75.00 Der Preissturz führte bereits im Jahre 1929 zu einer Reihe von Maßnahmen, die mit einer bedeutenden Zollerhöhung für Weizen einsetzten. Ende 1929 wurde durch eine Verordnung der Mindest Prozentsatz des inländischen Weizens, der obligatorisch im Mühlengewerbe verarbeitet werden muhte, auf 97 v. H. festgelegt, was praktisch einem Einfuhrverbot gleichkam. Nachdem das Auslandsangebot auf diese Weise auSgeschaltet worden war, suchte man den Druck des inländischen Angebotes zu vermindern, indem man einen Teil der Erzeugung a»S dem Markt nahm. Das ist im April 1980 durch die Bildung eines„Re s e r v e l a g e r S" von Weizen geschehen. Die innere Nachfrage wurde durch die Aufhebung deS Verbots über Ber- fütterung von Weizen außer Kraft gesetzt, Während die Auslandsnachfrage durch die Einführung einer Ausfuhrprämie von 50 Franken für den ausgeführten q begünstigt wurde. Tatsächlich ist die Ausfuhr in diesen Jahren beträchtlich gewesen. Aber bald setzte eine kaum einzudämmende Flut einer inländischen Ueberproduktion ein) Die beiden Rekordernten von 1982 und 1933, denen sich im Jahre 1934 auch noch eine gute Ernte anschloß (s. Tabelle), führten zu einem gewaltigen PreiSsturz. Es war klar, daß die anfänglichen Maßnahmen nicht hinreichend wirksam gewesen waren, so daß mit August 1932 eine Reihe obrigkeitlicher Maßnahmen einsetzt«, die noch heute nicht abgeschlossen sind. Neben obligatorischer Einlagerung beginnt man jetzt jede Ausdehnung der Anbau fläch e zu verhindern; eS.folgt ein Verbot,„W e i z e n a u f W e i z e n" anzubauen(Dezember 1938), d. h. Welzen au einem-Boden zu säen, der schon im vörangegan- genen Jahr damit bestellt war. Man versucht« auch, die Nachfrage z u st e i g e r n, indem man die Exportprämie auf 90 Franken erhöhte. Zugunsten der inneren Nachfrage suchte man den Konsum von Mensch und Tier zu sördern. Schließlich ivar man genötigt, die massenhafte Einfuhr von anderen Getreidearten, die seit Beginn der Weltkrise ungeahnte Ausmaße annahm, und die den französischen Weizen vor allem als Biehfutter zu verdrängen drohte, bedeutend einzuschränken. Die Einführung des Handelsmonopols für Weizen im inneren und äußeren Verkehr im Juli 1986 durch die Regierung Blum bedeutet den vorläufigen Abschluß dieser Maßnahmen, die den Schutz der Weizenbanern zum Zweck haben. Im Ergebnis all dieser Maßnahmen kann man zweierlei fcststellen: erstens, einen beträchtlichen Rückgang der Weizenanbaufläche in Frankreich, im Vergleich zur Vorkriegszeit, und einen gewaltigen Preisunterschied auf den französischen und den ausländischen Wcizenmärkten. Die mit Weizen bestellte E r n t e f l ä ch e hat im Durchschnitt des Jahrzehnts 1901/10 6.6 Mill. Hektar, 1935 5.3 Mill. Hektar betragen. Das bedeutet eine Verminderung der Erntcfläche um rund ein Fünftel. Man muß allerdings seststcllcn, daß, trotz aller RegierungSnmßnahmcn, die Ernteflächc zwischen 1932 und 1935 im wesentlichen dieselbe geblieben ist. Die bäuerliche Wirtschaft lvidersetzt sich eben jeder staatlichen Regulierung in hartnäckiger Weise. Viel erfolgreicher ist der Kampf des Staates um die Aufrechterhaltung des h o h c n inländisch enWcizcnpreises gewesen. Folgende Tabelle stellt die Entwicklung der Wcizenpreise auf dem französischen und einigen wichtigen ausländischen Märkten dar. Wcizenpreise auf wichtigen Märkten 1933 *) Monatsdurchschnitt; jeweils Dezember. bis 1935(Goldfranken je 1 g). Markt 1938») 1984») 1935«) Winipeg(Kanada), . 7.33 9.12 9.58 Buenos Aires(Argen- tinien),,,, i 6.16 6.61 9.53 Liverpool.,,, , 0.65 10.93 11.77 Antwerpen,,, , 0.41 10.06 11.98 Paris..,,. . 24.97 21.26 16.16 Wie man sicht, haben die Weizenpreise auf den französischen und auf den ausländischen Märkten eine entgegengesetzte Enttvicklung durchgemacht: in Franlreich ein Absinken der Weizenpreise, im Auslände ein Ansteigen dieser Preise. Diese Entwicklung erklärt sich daraus, dass bis Ende 1935 in Frankreich die allgemeine Konjunktur und somit auch die Nachfrage nach Weizen, trotz aller Maßnahmen der Regierung, sich nicht wesentlich gebessert hat; dagegen hat in derselben Periode die allgemeine Weltkonjunktur einen bedeutenden Aufstieg ersahrent Das hat sich in der Preisentwicklung ausgctvirkt. Bemerkenswert bleibt aber, daß die französischen Weizenpreise, dank der Stützungsaktion der Regierung, trotz des Absinkens, sogar Ende 1935 um rund 50 Prozent Höher stehen als die entsprechenden Preise in Antwerpen oder Liverpool. Allerdings stand Ende 1933 der Weizenpreis in Paris mehr als ztvei- einhalbmal so hoch als in Antlverpcn und vierinal I so hoch als in Buenos Aires. Noch immer gewaltiger Aufstieg der Konjunktur in den Vereinigten Staaten Man kann heute in den Bereinigten Staaten zweierlei Einschätzungen der weiteren Enttvicklung der Konjunktur begegnen: die vorsichtige Minderheit warnt vor der Heberschätzung der Konjunkturmöglichkciten und rechnet mit einem, wenn auch faisonmätzigen Nachlassen des KonjunkturanstiegcS. Bei dieser Minderheit wirken stark die Befürchtungen wegen.eines europäischen Konfliktes im Gefolge des spanischen Bürgerkrieges. Diese vorsichtigen Ansichten Hohen durch die größeren Kurseinbrüche auf der New-Uorlcr Börse, die Ende August zum erstenmal seit Ende April 1086 auftraten, eine Verstärkung erfahren. Aber die überivicgcnde optimistische Strömling führt diese Kurscin- brüche auf eine übliche'Ruhepause zurück, die zum Zwecke der Orientierung der Geschäftsleute und der Spekulanten sich von Zeit zu Zeit wie von selber einschaliet. Man vertraut eben auf einen weiteren Aufschwung, der sich unabhängig von allen Saisonschlvankungcn und politischen Hemmungen durchsetzen werde. Man glaubt auch nicht, daß sich die immer ernster erweisende Dürre im Mittelwesten den industriellen GUterabsatz stark beeinträchtigen werde, da das landwirtschaftliche Einkommen, trotz des beträchtlichen Rückganges der Erntemcnge, in diesem Jahre eher größer ausfallen dürfte als int Borjahre. Das jüngste zcittveilige Abbröckeln der Kurse der Aktienpapiere zeugt allerdings von einer größeren Borsitz der Anleger, aber auch hier erweist sich bis jetzt, daß die optimistische Ansicht dec Mehrheit sich immer durchzusetzen versteht. Die Kurssteigerungen der letzten Zeit werden durch die folgende Tabelle veranschaulicht. DurchschnittSkurS auf der New-Borker Börse 1933—1930(1020— 100) 347 Industrie« aktteil 33 Elsenvavn» altien 87 Stammaktien d. Itädt. Untern. 1933(Durchschnitt 66 88 78 1934 81 42 69 1935 91 84 71 1986 Jänner 115 44 97 1936 Mai 116 45 95 1986 8. August 128.9 58.7 109.3 Aber der Konjunkturaufschwung, wie er sich in der Bewegung der Aktienkurse widerspiegelt, hat tatsächlich eine solide Grundlage in der Entwicklung der Industrieproduktion. Der allgemeine Produktionsindex erreichte kürzlich 104 v. H. des Durchschnittes von 1928/25, und hat jetzt ungefähr den Stand vom Winter 1929. In einigen Industriezweigen sind die Ä e w i n n- ft e i g e r u n g e n im ersten Halbjahr 1936 Im Vergleich zu den Gewinnen im ersten Halbjahr 1985 geradezu gewaltig: die Gewinnsteigerungen bet den Firmen, die Eisenbahnen ausrüsten, machen, nahezu- 600 Prozent aus, bei. Automobilgesellschaften 68 bis 152 Prozent, in der Bauindustrie' 68 Prozent, im Maschinengewerbe 93 Prozent, in der^abrikation von Haushaltartikeln 74 Prozent, während 285 repräsentative Firmen aller Art ihren Borjahresgewinn durchschnittlich um fast 63 Prozent erhöhten. Der Auftragsbestand der Bauindustrie im ersten Halbjahre 1936 war mehr als doppelt so groß als der deS ersten Halbjahres 1933. Ebenso groß ist die Steigerung der Umsätze bei den Finnen, die Maschinen für die städtischen Unternehmungen liefern. Das gilt als ein Bcivcis dafür, daß die lange zurückgchaltencn Modernisierungen endlich vorgenommen iverdcn. Die Reineinnahmen der Eisenbahnen waren, im ersten Halbjahre. 1936 um 23 Prozent größer als im Vorjahre. DaS Ze» mentgeschäft hat in der gleichen Zeit eine Erhöhung der Reineinnahmen um 26 Prozent erlebt. Der Frachwerkehr überhaupt war in den ersten dreißig Wochen 1936 der intensivste seit 1930, und erreichte Mitte August 91.8 Prozent des Nor- maljahreö 1926. Die Stahlwerke sind mit 72 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt, nnd die General Motors Corporation, die neben Ford größte Automobilsirma der Vereinigten Staaten, verkaufte im Juli 1986 sogar mehr Automobile als im Juli 1020, als bekanntlich die Rekordzif- scr für den amerikanischen Automobilvertrieb erreicht wurde. Man crtvartet, daß die nächsten Monate weitere Fortschritte bringen werden, und daß das Ende der amerikanischen Konjunktur nicht abzusehen ist. Die Enttvicklung der amerikanischen Kon» junktur vollzieht sich im wesentlichen innerhalb des Jnnenmarktes. Jedenfalls kann man behaupten, daß die heutige amerikanische Konjunktur, die ihrer Intensität nach die letzte große amerikanische Konjunktur 1026/29 nicht nur erreichen, sondern manchmal sogar zu überbieten scheint, bis jetzt dem auswärtigen Absatz eine viel geringere Rolle zuweist, als man eS von der letzten amerikanischen Konjunktur (1026/29) gewohnt ist. Das Problem der gegen- tvärtigen amerikanischen Konjunktur ist also vor allem das Problem der Aufnahmefähigkeit deS inneren Marktes. Damit ist schon gesagt, welche außerordentliche Bedeutung in der weiteren Entwicklung der amerikanischen Konjunktur der Steigerung der Kaufkraft der Farmerproduzenten zuzuschresben ist. Es ist also zu ertvarten, daß sowohl Präsident R o o s e v e l t, als sein republikanischer Rival«, London, falls er bei der Präsidentenwahl obsiegen sollte, das Hauptaugenmerk bei ihrer Wirtschaftspolitik auf die Stützung der Landtvirtschaft lenken werden. Aber die amerikanische Industrie hat gegenwärtig eine solche geivaltige Produktion erreicht, daß sie früher oder später die Grenzen des binnenländischen Marktes. verspüren wird. Dann wird vor der amerikanischen Industrie und vor der gesamten amerikanisches Wirtschaft das Problem der Eroberung der auswärtigen Märkte in alter Schärfe entstehen. Für das Schicksal der Weltwirtschaft und damit jeder nationalen Volkswirtschaft wird cs van. entscheidender Bedeutung sein, welche Wege die Vereinigten Staaten in ihrem Drange zur Eroberung von neuen Märkten beschreite:, werden. Die heutig« politische und wirtschaftliche Isolierung Amerika? ist nur eine vorübergehende Erscheinung. In den nächsten Jahren wird Europa nnd die ganze Welt wieder den gewaltigen Einfluß der amerikanischen Wirtschaft und Politik verspüren, Sonntag, 20. September 1030 Nr. 220 Unruhiges Isergebirge Von Martin Grill J.scrgcbirge— du freundlichstes unter de» Randgcbirgen Bödmens. Heute wie nur Jahrzehnten liegt cs Im Schmucke seiner grünen Bergmatten, die durchsetzt von vereinzelte» Fichtenbeständcii-und überstreut mit de» netten Häuschen derKleinbauern uud Glasarbeiter, die beiter hiuabgrüsten in die dichtbesiedelten, engen Talgrüudc, in die eine arbcitssamc Bcvöllermig Hütte neben Hütte gcscbt, Siedlung an Siedlung gereiht bat. Heute Ivie je schauen Tafelfichtc uud Sieghübcl, Schwarzbruuukoppe und Spihbcrg binab zu den Wassern der Neisse und der Teste, des Kamnitzbachcs und der bcimlichcn Jser. Das „srcimdliche Gebirge" lpit.man es genannt und fürwahr, das Stückchen Erde ist weniger öde und einsam als der Kamm des'Erzgebirges, seine Wälder sind weniger tief und dunkel als die des BöhmcrwaldeS, uud seine- Hauge weniger steil uud raub als die des Ricscugebirges, doch seine Berge sind hoch genug,>uu den Blicken der Menschen freie» ftlng in die-ferne zu gewähren. Böhmisches Glas Isergebirge— es war nicht immer„das freundliche". Im Mittelalter lag cs abseits der grasten Berkebrswege dieser Zeit, die dichten Urwälder reichten bis in die Täler hinab und spärlich war die.stahl der Mensche», die cs be> lvohnten. ES war arm an Bodenschäbcn, die den adligen Besitzern reichen Gelviuu hätte bringen können, doch überaus grost war sein Holzreichtum. Doch daraus waren keine Reichtümer z» gewinnen, cs war gerade gut genug gegen einen mageren Nutzungüzins den ans Sachsen cingc- wanderten GlaSmcistern überlasten zu werden. Diese gewannen aus dem faule» Holz der Urwälder die Pottasche, ein lvichligcs Element der GlaSbcarbeitnng. Schliestlich entstand durch die Tüchtigkeit einiger Glasmacherfamilien eine neue Industrie, die durch die Geschicklichkeit und den Kleist der in ihr beschäftigten Menschen später einmal Weltruf erlangen sollte. Sie blieben nicht stehen bei der Herstellung von einfache» Gc- sästen und Glasscheiben, sie bemalten, schliffen, polierten und übten ihre Erzeugnisse, so das; sie bald an Schönheit den besten veuetianischcu und französischen Glaswareu gleichkamcn oder diese sogar übertrafen. Das„B ö h m i s ch c G l a S", das allerdings meist von Menschen deutscher Sprache erzeugt lvurdc, hat den Namen Böhmens in der Welt bekannt gemacht. Das Gebiet zwischen Neisse und Jser wurde zmn Zentrum der GlaSkmistindlistric. Gablonz aber lvurdc der Mittclpmilt des Glaswarenhandcls. Der kleine Unterschied In den Jahren der Hochlonjunktnr wurde» ungeheure Gewimie eingesteckt. Bon 1018 bis 1028 führte man aus der Tschechoslowakei Glas und Glaöschmuckwaren im Werte von 1-1 Milliarden Kronen aus. Die Gablonzer Glasindustrie lebte förmlich in einem ErzeiignugSraiisch. Industrie und Handel wurden überdimensioniert, die Zahl der Betriebe und Exportfirmen wuchs ununterbrochen. Jeder, der ein paar tausend Kronen zur Berfügmig hatte, wurde lluteruch- mcr und lvollte an dem graste» Kiichencssen teil» nehmen und»ahm auch daran teil— bis unter den Keulcnschlögen der Wirtschaftskrise die Wnnschträume von einer ewigen Konjunktur wie Seifenblasen zcrplabtcn.'Zahlreiche kleine Ilittcrnchmnngcil zerfielen so'ckmell, wie sic ge- lvachsen waren. Die Ausfuhr au Glaswareu faul von 18.800 Tonnen im Jahre 102-1 auf 0700 Tonnen 1080. Der Wert dieser Ausfuhr aber fiel von 000 Millionen auf 101 Millionen Kronen, also fast auf ei» Drittel. Die Zahl der Versicherten bei,der BczirkS- kraukeuversicherungSaustält sank von 88.000 Personen im Jahre 1020 auf 20.000 im Oktober 1031, cS wurden also 17.000 Menschen ans der Beschäftigung auSgeschiedcu, davon waren nicht weniger als 0200 Personen Angehörige der Glas- und Bijontcrieindustrie und 2200 Textilarbeiter. Die Gewinner der Koujuulturzeit zogen sich mm zurück, sic hatten genügend Kett angc- sebl, um zehn Kriscnjahre in Ruhe überdauern zu können, die Arbeiter jedoch standen dem Nichts gegenüber. Das ist cbeii, auf weite Sicht gesehen, dec„kleine II u t c r s ch i c d" i» dieser Wirtschaftsordnung, das; der Arbeiter die volle Wucht der Krise zn spüren bekommt und das ganze Risiko trägt, der Unternehmer sich aber mit dem Einträgen des Gewinnes bcscheidet. Neben grostcn Betrieben sind viele Kleinbetriebe eingegangen. Besonders die kleinen Glaswarcnerzeugcr, die das RohglaS von den Glashütten übernahmen, cs im eigenem Betrieb oder von Heimarbeitern veredel» liegen und bann weiter lieferten an die grosten Exporthäuser, konnten dem Kriscuausturm nicht standhalten. Sic waren nur dem Schein nach selbständig, in Wirklichkeit sind sie siimnziell zu schwach, nm den Wünschen der Exporteure Widerstand leisten z» können. Was noch besteht, liefert die Ware zu Scknmdprciscn und zahlt seinen Arbeitern die Löhne, die der Exporteur vorschrcibt. Deswegen verzeichnet man heute Huugcrlöhne in der GlaS- Hcimlndustrie. Glitzernde Perlen— graue Not Wir betreten die Stube einer Heimarbeiterfamilie. Mutter und Tochter sind mit dem Kossen von geschliffenen Perlen beschäftigt, die über ein grobmaschiges Flechtiverk in Metallsastungcn gesetzt werden. Es ist sogenaimlc Similiarbcit, die Perlen sind ans einer Seite versilbert und die Kassungcn ebenfalls. Aus dem Arbeitsstück werden in tveitercr Heimarbeit wmidcrschüne Täschchen verfertigt, die man in den Städten nut vierzig Kroticn imd mehr verlauft. Die Frau aber erhält für das Verfertigen eines Stückes, zu dem sic in angestrengter Arbeit zwei Stunden braucht, eine Krone mid zehn Heller. Die K c t t l c r i n setzt die verschiedenen Teile der Halsketten zu einem fertigen Schmuckstück zusammen. Flink greifen ihre Hände nach Perlen, Kettchen, Ringen und Drähtchen und verbinden die einzelnen Teile. Es geht unglaublich schnell, unsere ungeübten Finger würden wohl viele Stunden zmn Verfertigen eines istük- lcs brauchen, aber die Kcttlerin hat nicht soviel Zeit, sie wird auch bei schnellster Arbeit nur einen magere» Lohn erzielen, demt man zahlt ihr für z w c i Dutzend dieser Ketten ganze — s i c b z i g Hel I e r. i Sie bringt-es,nie' höher als auf einen Stundcnlohn von drcistig Hellern. Es gab Zeiten, da man für dieselbe Zahl derselben Kelten den zehnfachen Betrag zahlte, ihr Lohn ist also im Laufe der Jahre um 00 Prozent gekürzt worden. Und noch ein Bild: Die Pcrleiifädx I e r i n. Sie sitzt vom Morgen bis in die sinkende Nacht über das gefüllte Gefäst gebeugt und versucht mit fünf feinen Nadeln zu gleicher Zeit die Ilcincn Perlen aiiszufaugcn. Auch-sic erhält für einen Bund anfgosädcltcr Perlen siebzig Heller. Ein Bund aber zählt h u n d e r t n u d z c h n Schnüre und jede Schnur lüuinit ungefähr 220 Perlen auf. Wer List! hat, kann nun auSrcch- ncn, wieviel Perlen die Frau ansfädeln must, wenn sie siebzig Heller verdienen will. Es gibt natürlich auch Arbeiten, die besser bezahlt werden, aber ein grostcr Teil der Heimarbeiter erreicht keine zwanzig Kronen wücheut» lich, viele keine drcistig Kronen monatlich, so das; sie von der Zahlung von Versicherungsbeträgen befreit werden. 1084 aber wurden nicht einmal 2000 Personen in diese VcrsichcrungSklasse-eingereiht. Der anrechenbare TageSlohn sank auf weniger als die Hälfte. Der Lohnausfall durch Arbeitslosigkeit und Lohnlürznng beträgt bei den Versicherungsnehmern nur dieser Anstalt wöchentlich drei Millionen Ke. Dazu must man noch den Verdicnst- culgaug der bei de» Gremiallrauleulasscu' und anderen Instituten versicherten Personen rechnen.— Braucht eö weiterer.Beweise, um die Ursachen der gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung anszuzeigen? Der Kampfgeist lebt! Der Kampfgeist der JsergcbirgSarbciter ist nicht tot. Trotz Wirtschaftselend und Unterneh- mecterror. Ihre Kerulruppe ist organisiert In den' Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Partei. Sic weist, dah die Not Menschcnwcrl ist und von Menschen gebannt lvcrden kann. In der Zeit der grühten Not haben die Gewerkschaften Hmidcrttausende Kronen an llnterstühmigcn aiksbczahlt, aslcs voran die Union der Textilarbeiter und der Glas- und Kcramarbciterverband, Paris, im September Im Juli 1034 ans Frankreich ausgewicsen, ging Georg Dimikowski, der grösste Goldmacher des 20. Jahrhunderts, erst nach Belgien, um im Brüsseler Vorort Biwoordc eine neue Fabrik zur Erzeugung künstlichen Goldes einziirichtcii. Dm. Werk lvar jedoch kaum im Betrieb, als ihm die belgische Behörde plötzlich die Aufenthaltsgenehmigung entzog. Dmülowfki schloß die Fabrik, verfrachtete seine Apparate uäd übersiedelte»ach Deutschland. Dort wiederholte sich einige Wochen später das gleiche Spiel. Seither lebt der moderne Alchemist in San Remo, wo die italienischen Behörden gegen seine Anwesenheit nichts einzmven- dcn haben und wo er in aller Nahe seine Experimente fortsetzcn kann. Die Diskussion nnt den„Goldmacher" gehl also weiter. Ist cr's wirklich? Der belgische Wissenschaftler Dr. Jeau-Eharlcs Jcgrand uud der gerichtliche Sachverständige, der an den ersten Experimenten in San Remo teiluahm, glauben an die Ernsthaftigkeit seiner Forschungen; andere wisjcuschaslliche Autoritäten von Rang bezeichnen ihn als abgefeimten Schwindler. Ist er»In Alchemist? Er selbst wehrt sich mit aller Energie dagegen, als„Alchemist" bezeichnet zu werden oder den„Stein der Meisen" zu suchen.' Er lehnt auch ab, aus unedlen Metallen Gold„machen" zn wollen. Er gibt lediglich zu, auf Grund eines angeblich von ihm entdeckten Atomzertrümmerungs- verfahrcns die zahlreichen Goldmoleküle, die bei der Bcrtvcriung goldhaltiger Erden inigcnütz bleiben,.ausfangcu und so die Feiugeld-Ausbeutc um das Fünffache steigern zn können. Dmükolvsli ist also tatsächlich alles andere als ein Nachfolger der Ostancz, Lhuesins, Helve- tiuö uud Nicolas Flame!. Andere als er haben seit Jahrhniidcrtcn im geheimnisvollen Dunkel ihrer Laboratorien nach Möglichkeiten znr„Anf- löfung" und Umformung der Elemente gesucht, und keine Geringeren als die grosten Forscher Miossan, G. Guillaume, Frömh, Lebon und Ber- thelot schwuren und schlvörcn noch heute auf die praktische Möglichkeit der Goldgelvinuuug durch Atomzcrtrümmerung. Silber aus Blei welch letzterer im vergangenen Jahre im Gablonzer Gebiet nicht weniger als 2,000.803 Ke ansbczahlte. I» allen Gemeinden, wo Sozial- dcmolraieu am Werk sind, wurde versucht, durch Notstaudsarbciteu, die mit staatlichen Beiträgen durchgesührt wurden, die Not zu lindern, so besonders in JoscsSthal, wo cs gelang durch Ausbau der St raste zu einem modernen Verkehrsweg vielen Menschen wenigstens zeitweise Arbeit zu geben. Allein aus.dem Titel der Ernährungsaktion lviirdcn dem Bezirk In den letzten drei Monaten 1,207.000 KÜ uud Milchkarten im Werte von 147.000 KL zugetviefeu. Daneben laufen noch die lliiterstützlingen nach dem Genter Sufieui und die andern staatlichen Zuwendungen. Allerdiugs lindert das alles nur die ärgste Not'. Wir haben aber die feste Ucbckzimgung, dast sich die Arbeiter des Jfergebirges auf Grund ihrer hohen fachlichen Oualisikation in. einigen Industriezweigen und vor allem auf Grund, ihres zähen Lebenswillens und ihrer Bereitschaft zum. Kampfe für eine bessere Ordnung trotz allem uüd allem den Weg in eine freundlichere Zilkmift bahnen tvcrden. Unsere Shmpathien und nufere Kraft sind mit ihnen. Verfahrens Silber aus Blei zu gewinnen. Die Umstände unter denen die Experimente durchgc- führt wurden, schlossen jede Möglichkeit einer Täuschung ans. Trotz dieses Erfolges entschloj; er sich bald darauf, sein Laboratorium aufzulösen. Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, Dr. Jol- livct-Castolct zu sprechen. Er vertritt noch heute, den Standpunkt, dast.cS mit entsprechenden Hilfsmitteln nicht schwer sei, durch Zertrümmerung der Atome Blei auch in Gold zu transformieren. „Und warum tun Sie das nicht?" <„Weil cs Unsinn wäre! Ich hätte keine Möglichkeit, das Gold zu verkaufen.. Goldmacheri verboten I „Sehen Sie", sagte der alte Gelehrte,„es gibt eine Verfügung des Kardinals Richelieu, die wörtlich lautet: ,Es ist jedem, der sich in den Königreichen Frankreich und Navarra aushält, verboten, künstlich Edelmetalle.herzustellen oder künstlich hergestellte Edelmetalle feilznbicten, bei Strafe lebenslänglicher Gesangcnhaltung und Einziehung seines Vermögens durch die Staatskasse.' Diese Verfügung ist noch heute in Kraft; Einer meiner Freunde lernte sie im Anfang unseres Jahrhunderts auf sehr drastische Art lensten. Er ging zur Münze, um 78-K-ilogbamui Gold zu verkaufen. Das Gold.ipurdp geprüft; es war echt. Aber die groste Menge machte die Beamten stutzig. Sic forschten nach der Herkunft., Mein Freund erklärte, cs in feinem Laboratorium selbst erzeugt zu haben. Darauf sagte man ihm wörtlich:„Sie dürfen ja gar nicht verstehen, Gold hcrziistellen.' Dann Ivies man ihn ziemlich unhöflich hinaus, jedoch— ohne seine Goldbarren, die der Beschlagnahme verfielen. Und am 20. Juli 1005 bewies daun Dr. Alphonse Jobert im Grande-Nouc-Saal in der Avenue de Susfrcn die Möglichkeit der Transformation von Blei in Gold praktisch vor einem Auditorium von mehreren hundert Chemikern, Medizinern, Juwelieren uud Journalisten.' Der Erfolg lvar derart überzeugend, das; der groste Chemiker Dr. Dosten dem Erfinder sofort seine Laboratorien für weiter; Versuche zur Verfügiing stellte. Aber schon kürz darauf miisttcn die Experimente auf Weisung der Polizeipräfektur eingestellt werden, wiederum auf Grund der Verfügung Nichelieus..." Vielleicht hat der alte Kardinal gedacht: Wohin sollte unsere ganze Gesellschaftsordnung geraten, wenn wir plötzlich alle anfangen wür- dcu, für unseren Hausgebrauch Gold aus Blei zu-fabrizieren?.E. K.- In Douai existierte bis vor einigen Jahren eine von Dr. Jollivct-Castelot geleitete wiffen- Eine statistische Ausstellung der BKVA sehaftliche Versuchsanstalt für Alomzertrümmc- Gablonz besagt, dast im Jahre 1020 8210 Ar- ruug. Dr. Jollillet-Castclot gelangte nach langen bester mehr als 217 KL in der Woche verdielckeu, I Versuchen dazu, vermittels eines komplizierten DunlkowskI macht wieder Gold Genialer. Erfinder, alchimistischer Schwärmer oder raffinierter Betrüger? Im Namen Seiner Majestät des Kaisers I So lauteten in der altöstcrroichischeli Zeit die Ueberschriftcn der g c r i ch t l i ch c n Erkenntnisse, die speziell in der Vcrsolguugsära gegen die Sozialdemokraten in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gar vielen Genossen ins HanS„flogen". Vor imS liegt ein derartiges Erkenntnis des k. k. KreiSgerichtcS in Leitmeritz vom 17. Juni 1881, Zahl 8077, in der Strafsache gegen Eduard Zeller uud Genossen„tvcgen des im 8 285 N. G. Bl. bezeichneten Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordmmg". Im Zuae des Verfahrens wurden bei den dieses Vergehens verdächtigten Personen Hausdurchsuchungen vorgenommeu, lvobei eine Anzahl ausländischer sozialistischer Druckschriften vorgcfundcn, wegen ihres„gefährlichen" Inhalts in gerichtliche Verwahrung genommen und deren Weiterverbreit»»» mittels den entsprechenden Erkenntnissen verboten tvnrden. Aus dem erwähnten Erkenntnis erfährt man, dast Im November 1880 bei folgenden„Umstürzlern" Hausdurchsuchungen stattsandcu: 1. Raimund H o h m a u n, Weichenwächter in Wcn- zelsdorf bei Bodenbach; 2, Eduard Z e I l e r, Korbflechter in.Reichenberg; 8, Stefan König, Kaufmann in Nculcrcheufeld bei Aussig; 4. Karl W o l I m a n n in Pokau 120; 5. Adolf LölvY in Tcplitz, Edmundstraste 2; 0. Wilhelm G röste l, Schlussergehilfe in Tcplitz, und 7. August Prohaska in Niesciibcrg 8. Beschlagnahmt wurden folgende Zeitschriften bei den Gcnamilen:„Sozialökonomischcs Volksblatt die Wahrheit" in Prestbnrg aus dem Jahr 1870, der„Vorwärts" in Leipzig ans dem Jahre 1878, die Londoner„Freiheit" aus dem Jahre 1880, die„Sozialpolitische Rundschau" in Wien (1880), der Schweizer Kalender„Der Republikaner"(Zürich 1880),„Offener Brief an die Arbeiter über Schulze-Delitsch und Ferdinand Lassalle, die Bourgeoisie und das Proletariat" von Bracke(Genf 1878), die Flugschrift„Arbei- tcrtreue", der Zürcher„Sozialdemokrat"(1870), „Allgemeiner Arbeiterkalender"(Prestbnrg 1881) und die Flugschrift„Marseille des Christentums"(Budapest). Der Staatsanwalt entdeckte in den besagten Druckschriften sehr häufig das Vergehen gegen die öffentliche Ordnung, die Verbrechen der Neli- gionsstürung, des Hochverrats und der Majestätsbeleidigung. Da der Staatsanwalt eine Anklage gegen eine bestimmte Person.nicht erhob, wurde auf Grund des 8->03 Straf-Prozeßordnung das Verbot der Weiterverbreituug ausgesprochen. ES ist-nicht uninteressant zu erfahren, wie sich dazumal in de» Köpfen der Hüter der öffentlichen Ruhe und Ordnung^die Welt malte. Da wurde.z. B. eine Stelle des Berichtes Uber de», zweiten ungarischen Gewerbetag beschlagnahmt, I weil die öffentliche Rühe und- Ordnung gestört Ivnrde durch die Aufforderung an die Arbeiter, „sich ans der gegenwärtigen Knechtschaft, das ist der Kapitalisten und Fabrikanten, zu befreien". Die im„Vorwärts" vom 5. Juni 1878 abgedruckte„Prinzipalserklärmig der Sozialdemokratie Deutschlands" verfiel znr Gänze der Beschlagnahme,„weil die bekannten, auf Beseitigung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse und insbesondere des Privateigentums ab- zlelcnden Grundsätze augepricsen und zu rechtfertigen versucht werden, es wird somit einerseits zu ungesetzlichen Handlungen aufgefordcrt und zu verleiten versucht, andererseits werden die Rechtsbcgriffe über das Eigentum zu erschüttern versucht," wodurch„selbswerständlich" wiederum die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört würde. Dasselbe Vergehen enthielt der Artikel„Friedlicher Umsturz" der Londoner„Freiheit" vom 18. März 1880, während in einem zweiten Artikel „An die Reaktionäre"—„Zur Empörung und zum Bürgerkrieg" angeeisert worden sein soll. In dem den Freidenkern wohlbekannten Gedicht „Auti-SstllabnS" von Dr. Krasser, wird laut dem Lcitmeritzer ErlcuutuIS„Jesus Christus verhöhnt, somit Gott gelästert und der katholischen Religion öffentlich Verachtung bezeugt". , Die Lcitmeritzer Staatsanwaltschaft fand.in der„Sozialpolitischen Rundschau" eine Aufforderung zum Hasse upd zur Verachtung-gegen die Wiener Polizeibehörde,> in der Prestburger „Wahrheit"-Aufreizungen zu Feindseligkeiten »egen die" besitzende Klaffe, der bürgerlichen Gesellschaft". Hochverräterisch war.auch der„Volkskalender"(1880) durch das Gedicht„Gcnctal- marsch", denn dort Ivurde„zur Empörung, und zum Bürgerkriege aufgereizt". Im„Offenen Briese an die Arbeiter über Schulze-Delitsch und Ferdinand Lassalle" wurde sogar eine Majestätsbeleidigung aufgespürt. Der„Sozialdemokrat" vom 20. Oktober 1870 schmähte nicht nur die reichsdeutschen Behörden, sondern störte auch die öffentliche Ruhe und Ordnung durch Abdruck des Programms der polnischen Sozialisten. Hiedurch wurden nach der Auffassung des K. k. Kreisgerichtes in Leitmeritz die„Ncchtsbegriffe über das Eigentum zu erschüttern versucht und. die Grundsätze und Tendenzen der Sozialdemosratie gutgeheisten und zu rechtfertigen gesucht". Dieselbe„verderbliche Tendenz" verfolgte'der im ungarischen„MgeMeinen Volkskalender" für das Jahr 1881 erschienene Artikel„Grachus Babeuf" und wurde deshalb gleichfalls neben anderen„ge- sährlichen" Artikeln verboten. Seit dem Jahre 1881 ist viel, sehr. viel Wasser, die Elbe hinabgeflossen und die Zeitver, bältuiffe haben>' sich ciuigcrmastcu— verändert. Die weisen Häupter der damaligen. K. k. Richter i» Leitmeritz würden wahrscheinlich sehr staunen, wenn sie selfiui könnten, dast der-heutige Chef des JustizwcsenS einer der von ihnen so eifrig bekämpfte» sozialistischen Umstürzler ist und noch so-manches andere sich grundlegend-gewandelt hat. Beschlagnahmt wird in' Leitmeritz und anderswo zwar auch heute»och; die Prinzipien des. Sozialismus«erden jedoch ütigcschören gc- lasscn,... J.Sch. Nr. 230 Sonntag, 20. September 1930 Seite 7 folgrciche Studio-Idee vorweg, in dem sie als erste den Laienfilm vcrlvirkllchte. Ihre Reklameparole„Je-ka-si"(Jeder kann filmen) wnrde rasch populär. Die heftigen Anfeindungen einiger Fachblätter, die sie der Unseriosität beschuldigten, ivaren ihre beste Reklame. Die Filmlustigen strömten in Scharen herbei, erhielten Rollen und — wurden gleichzeitig Kleinaktionärc. Da Melitta de'Camin aber tatsächlich etwas verstand und auch gute, originelle Ideen hatte, blieb der von der Fachwelt vorausgesagte Mißerfolg aus. Im Gegenteil, die kleinen, gefälligen Lustspiele und Unterhaltungsfilme der Melitta- Film G. m. b. H. fanden Anklang und rentierten sich/ Sie gingen so ausgezeichnet, daß Melitta ein Jahr später die bescheidene Mansarde verließ und das vornehme Palais in der Teltower Straße zu Lichterfelde erwarb, das sich General Merkel, der Verteidiger von Port Arthur, als Ruhesitz gebaut hatte und das seine durch die Inflation verarmten Erben jetzt aufgeben mußten. Ihre Filmproduktion stellte sie freilich vorläufig ein. In dieser Zeit, in der das Geld zwischen Morgen und Nachmittag öv Prozent seines Wertes verlor, wurden Filme nur von Idealisten oder ganz gerissenen Schiebern gedreht. Melitta de Camin verlegte sich deshalb auf Grundstücksgeschäfte und verdiente damit gutes, sicheres Geld. Kurz nach der Inflation drehte sie jedoch ihren letzten und eigenartigsten Film.' Die Nationälsozifllisten, die sich damals in Nordtzeutschland„Deutschvölkische" nannten, waren während des Ruhrkampfcs zu beachtlicher Bedeutung gekommen.. Sie organisierten nicht nur Künbgebungen, sondern auch eigene Bühnen- und Filmveranstaltungen. Hier hakte Melitta de Ca- min ein.> Der Tod des deutschen Ruhrkampf- gefangenen Willy Dreyer, der im französischen IMteuwteduift und SomCpeUitfe Aus dem Tagebuch eines Regisseurs IV. 9(U0.1935 65 103 Die Waggonbelstellungen im nordwestböhmischen Kohlenbecken Gegenüber Blättermeldungen, wonach im September den Gruben im nordwestbühmischen Kohlenbecken nicht die nötige Anzahl von Waggons beigestellt wurde, Ivodurch Lieferungen verhindert und die Abnehmer von neuen Bestellungen abgehalten worden seien, stellt das Eisen- bahnministeriuin fest, daß ztvar an zwei Tagen zu Beginn dieses Monats um 17 bis 27 Prozent weniger Waggons beigestcllt wurden als angefor- niirtcr den Kulissen des Films Erfolge am ägyptischen Baumwollwaren-Markt Nach der ägyptischen Zollstatistik Jänner— Mai 1980 sank infolge des vierzigprozentigen Zollzuschlages auf japanische Baumwollwaren der Anteil Japans von 780.000 ans 338.000 L. E. Nutznießer an diesem Rückgang ist vor allem England mit einer Exportsteigerung von 249.000 L. E. Es folgen Ungarn mit 48.328, Belgien mit 83.112 und Deutschland mit 11.594 L. E. Der Anteil der Tschcchoslolvakei stieg von 0746 auf 28.663 L. E. g e w i e s c n, so wie ein Untcrnchmcrsekretär eS hätte eigentlich selbst vorauSschen müssen. Doktor Sturm, der selbstverständlich Hcnleinmann ist, wird sich dadurch allerdings kaum hindern lasten, bei nächster Gelegenheit als Henleinrcdner wieder von„sozialer Eindeutigkeit" der SdP zu sprechen. Mißglückte Attacke der westböhmischen Bauunternehmer Zwischen dem Verband der Arbeiter in der Bau-, Stein- und Keramindustrie und deni Ar- beitgcbcrbund für das Baugewerbe mit dem Sitz in Karlsbad besteht ein Lohnvertrag, welcher durch einige Regierungsverordnungen verlängert wurde und auch gegenwärtig in Geltung ist. Einige Außenseiter, die dem Arbeitgicher- bund nicht angehören und den Vertrag nicht an- crkcnnen wollten, wurden beim Lohnschiedsgericht eingeklagt und tm Vorjahr auch v e r u r t e i I t. In der Hoffnung, dem Arbeitgeberbund neue Mitglieder zu gewinnen, leitete nun der Unter- nchmersckrctär Dr. Sturm eine Aktion unter den Nichtorganisierten Bauunternehmern des Ta- chauer und des Planer Bezirkes ein, deren Ergebnis es lvar, daß er die Vollmacht erhielt, in ihrem Namen beim Lohnschicdsgreicht eine Klage auf Herabsetzung der Vertrags- u n d S ch i e d S s p r u ch l ö h n e einzubringen. In zwei Versammlungen, auf welchen T i ck- Prag sowie Walter und Bee r-Tachau referierten, kamen die Bauarbeiter zu der Ueberzeu- gung, daß das Beginnen Dr. Sturms ein Schlag ins Master sei, da das Lohnschiedsgericht die durch einen Schiedsspruch desselben Lohnschiedsgerichtes festgesetzten und durch Regierungsverordnungen geschützten Löhne nicht abbauen kann. Mit dieser Auffassung behielten sie recht. Die Klage Dr. Sturms und der Bauunternehmer wurde a b- Verlust des spanischen Absatzmarktes Infolge des spanischen BürgerlriegeS Ist der spanische Markt für unS so gut lvie verloren. In der Angiiststatistik lvird die Ausfuhr nach Spanien mit 224.000 KL ausgewiesen, gegen 5.8 Millio- nen KL im VorjahrSaugust. Während die Ausfuhr somit fast verschwunden ist, erreichte die Einfuhr noch 1.7 Millionen(i. V. 2.2) Millionen KL. Am schtverstcn betroffen vom Ausfall des spanischen Marktes ist die Glasindustrie, die Gablonzer Erzeugung, die Bijouterieindustrie und die eisen- und metallverarbeitende Industrie. Durch die Rebellion der spanischen Generale wurden also auch die Arbeiter in der Tschechoslowakei betroffen und am stärksten die deutschen. Melitta macht Politik Neue Ideen machen sich nirgendwo sicherer bezahlt als in der Filmbranche. Noch dazu mit Parteipolitik verquickt, sind sie schlechthin unbezahlbar. DaS Auslandsgeschäft fällt dann zwar vielfach unter den Tisch; dafür springen aber Verbände und Parteiorganisationen ein, die derartige Filme in Sondervorstellungen zeigen, zu deren Besuch die Mitglieder einfach abkommandiert werden. Derwrste(stumme)„FridericuS"- Film des ungarischen Registeurs Arzen von Esc» i repy alias Konrad Wieder wurde auf diese Weise lein ebenso glänzendes Geschäft wie auf der ande» rück. Ebenfalls nach amtlichen Angaben kann das""Seite der Heu e langst vergessene große Frie- österreichische Volk heute um 22 Prozent weniger, an Verbrauchsgütern kaufen als im letzten Jahrs der Republik, und es konsumiert um ein Viertel weniger an Lebensmitteln als in jenem Jahr. Aehnlich verhält es sich mit dem Verbrauch anderer Waren. Yle Freien Gewerkschaften haben daher in der letzten Zeit weiter an Boden gewonnen. Aus Wien.wird'uns darüber ge schrieben: 1 , Vor einigen Tagen fand her konstituierende VerbändStag des illegalen österreichischen Metallund Bergarbeiterverbandes statt. Es wurde übe» die bisherige Tätigkeit der illegalen Organisa- um die Erreichung seiner Ziele in solidarischer Gemeinschaft mit der gesamten revolutionären Arbeiterschaft führen. Neben dem grundsätzlichen Ziel, der Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung, lvird in erster Linie der Kampf um die volle Wiederherstellung des Streik- undKvalitionSrechteS proklamiert Indem der Verband diesen Kampf zu führen und zu organisieren bestrebt ist, führt er zugleich den Kampf gegen die faschistische Diktatur und schafft die Voraussetzungen für ihre Uebcrwindung. Welters wurden die Bestimmungen über den Aufbau des Verbandes und die Wahl der Organe beschlossen. Schließlich forderte der BecbandStag zu Geldsanimlungen für die spanischen F r e i- heitLkämpfer auf. Die Metallarbeiter beschlossen, einen Stnndenlohn für diesen Zweck zu widmen. Bei der Durchführung dieses Beschlusses kam cS zu den Zusammenstößen mit der Polizei, über die wir bereits berichtet haben. Knapp nach der Tagung haben die Metallarbeiter gezeigt, daß sie gewillt sind, ihre Bcschlüffe durchznführen und Arbeiterschaft im Ständestaat Wachsender Widerstand gegen die Verelendung in Oesterreich Wir berichteten gestern über die Bewegung in den Wiener Metallbetrieven, zu bereit Niederhaltung Polizei mit Stahlhelme» und Karabinern eingesetzt wurde. Die Vorfälle in den Metallbetrieben sind jedoch nur rin Zeichen der allgemeinen Gärung, von welcher alle Schichte» der österrrichlsche» Arbeiter- und Angestelltenschaft erfaßt sind und die Ihren Widerschein auch in de» Blättern der staatlichen Scheingewerkschaftr» findet. Fünfzigjährige Angestellte mit 500 Kronen monatlich So schreibt z. B. die„Arbeiter-Woche", welche für das Regime unter den Arbeitern und Angestellten werben soll und daher, um ein Ventil zu schaffen und ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen, bis zu einem gewissen Grad Kritik üben darf, über eine Statistik, welche die staatliche Handels angestelltengewerkschaft unter kaufmännischen An gestellten in Wien durchgeführt hat: 2012 von fast 80,000 Angestellten, auf die dle. Bestimmungen de» Kollektivvertrages Anwen-I düng finden, müssen mit Nettogehältern von\ Schilling 67.50 bis höchstens Schilling 85.50 im i Monat ihr Leben fristen. Weitere 8000 Ange stellte, von denen ein Teil verheiratet ist, Haven I Nettomonatsgehälter von Schilling 85.50 bis höch stens Schilling 128.80. Es gibt Kaufmanns betriebe. in denen sich sogar alte und ältere An gestellte— meist vertragswidrig— mit solchen Monatsverdiensten begnügen müssen. Nach den bisherigen Erhebungen der Gewerkschaft beziehen 127 Angestellte im Alter von 41 bis 50 Jahren Bruttogehälter bis 100 Schilling im Monat; 61 Männer und 19 Frauen in diesem Älter verdienen sogar nur 80 Schilling im Monat lohne die AbzügeI). ES gibt 229 Ange stellte im Alter von 81 bis 40 Jahren, die Brutto gehälter von 80 bis 100 Schilling erhaltenl Heimarbeiterinnen I In derselben Nummer der„Arbeiter-Woche" schreibt eine Heimarbeiterin: 14 Groschen verdiene ich in der Stunde, ganze bare 14 Groschen oder zwei Semmeln. Bei zehnstündiger Arbeitszeit komme ich auf 1.40 Schilling, bei löstündiger— oft arbeite ich 16 bis 18 Stunden— auf 2.10 Schilling. Klagen und Beschwerden von Arbeitern fül le» ganze Spalten. Gleichzeitig wird berichtet —«S handelt sich um Meldungen aus den allerletzte» Tagen—, daß der . Lohndrude. in verschiedenst» Gewcrbezweigen unter staatlicher Patronanz weiter fortgesetzt wird. So schreibt die„Arbeirer-Zeitung" der österreichischen So- ziallsttn u. a.:'-'' Da es der Wiener Bäckerzunft infolge der Nachgiebigkeit der Einheitsgewerkschaft gelungen ist, die Löhne in den Kleinbetrieben um 8.9 Pro zent zu kürzen, melden sich auch schon die Direk toren der Brotfabriken und verlangen eine Kür zung der Löhne um zehn Prozent. Sie begrün den es mit den steigenden Auslagen für die Vaterländische Front und für die Einheitsgewerk schaft.’ tion berichtet, deren Bedeutung von Tag zu Tag ; wächst. Begreiflicherweise kann über die De- ' tails der illegalen Arbeit nichts Näheres berichtet werden, doch ist sestzustellen, daß sowohl die amt lich zugelassene Einheitsgewerkschaft als auch die Behörden mit dem Bestehen der heute schon sehr ausgedehnten illegalen freigewerkschaftlichen Be wegung rechnen müssen. Der Verbandstag beschloß eine Prinzipien- . erklärung, in welcher der Verband erklärt, ec... wolle als ein Teil der Arbeiterklasse den Kanipf.! sich von niemand daran hindern zu lassen. Roheisen- und Rohstahl-Produktion sehr stark gestiegen Nach den vom Statistischen Amte durchgc» führten vorläufigen Erhebungen betrug die Produktion der tschechoslowakischen Hochöfen und Stahlwerke(in Tausend Tonnen)! Aug. 1936 Roheisen.•».. 97 Rohstahl.... 139 Die Roheisen- und Rohstahlproduktion hat daniit den höchsten Stand seit dem Jahre 1931 erreicht. Die von der Verkaufsstelle vereinigter tschechoslowakischer Eisenwerke im August 1986 getätigten Lieferungen betrugen 11.849 Tonnen Roheisen und 66.662 Tonnen Walzlvare. Die Arbeitslosigkeit steigt Nach den amtlichen Mitteilungen betrug die Zahl der unterstützten Arbeitslosen im August 1935 215.009, im August des heurigen Jahres 219.000. Diese Statistik gibt aber wegen der zahllosen Aussteuerungen nach dem neuen Sozialversicherungsgesetz kein richtiges Bild. Deutlicher ist der Ausweis, wonach im Juni 1085 die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen 819.000, im J>mi 1986 aber 888.000 betrug. Nach den amtlichen Angaben betrug die Zahl der krankenversicherten Arbeiter und Angestellten im heurigen Juni 1,260,000,. während, sie im Juni des Vorjahres 1,840.000 betragen hatte. Die Löhne sinken! liebet den Rückgang der Löhne seit dem Feber 1984, also seit der unuinschränkten Herrschaft des christlichen Ständestaats, berichtet die „Arbeiter-Zeitung" u. a.: In den Schuhfabriken werden die Löhne ab- 'gebaut. In der Textilindustrie, werden die furchtbarsten Äunaerlöhne gezahlt. In der Simmeringer Jutefabrik der Firma Hermann Pollaks Söhne ist der Durchschnittsverdienst der Weberinnen, der vor dem Feber 1984 an den leichte» Webstühlen 28 Schilling betragen hatte, auf 15 Schilling, an den schweren Webstvhten von 40 Schilling auf 15 Schilling gesunken! Infolgedessen, geht der Konsum rapid zu- dcnssilm„Pax aeternä". Melitta de Camin bereinigte die neue^Jdee mit der Politik. Sie war die Frau eines kleinen Gärtncreibcsitzers in Berlin-Neukölln, von dem sie sich schuldlos scheiden ließ und dabei mehrere tausend^Mark Abfindung bekam. Mit diesem Kapital gründete sie die Melitta-Film G. m. b. H., die zuerst in der Prinzessinnenstraße am Moritzplatz eine bescheidene Mansarde bewohnte, aber sofort mit großer Energie ans. Werk ging. MelittaS große Jtzei hieß„Volksfilmgemeinschaft". Ihr kleines Kapital, reichte'nicht hin und nicht her; sie Nahm.deshalb Beteiligungen, auf,, von 100 Mark ,qn aufwärts. Man.konnte bei ihr aber nicht nur ,,Kleinaktionär", sönoern auch Amateur« schauspieler werden. Sie nahm die später so erdert war, daß dieser Mangel jedoch In beiden Fällen bereits a>n nächsten Tag behoben worden ist. In der Zeit vom 1. bis 14. September wurden Heuer in dem genannten Gebiet 24.518 Waggons beigestellt, gegenüber 22.586 im Vorjahr. Das Eisenbahnministerium erklärt, daß der Wagenpark der Staatsbahnen auch dem heurigen höheren Bedarf gewachsen ist und daß auch in der Zeit vorübergehender Knappheit— in den rund drei Wochen der Rübenkanlpagne— Verzögerungen höchstens einen oder zwei Tage ausmachen können, d. h. eine Spanne, mit welcher die Auftraggeber ohnedies stets rechnen. Ganz behoben könnte der Mehrbedarf während dieser kurzen Zeit nur durch Anschaffungen im Werte von mehreren hundert Millionen Kronen werden, die dann cif Monate im Jahr brachliegen würden. Die Zemskä banka(früher Landesbank des Königreiches Böhmen) ivird vom 26. September 1986 angefangen an Werktagen die Oktober- Coupons Nr. 44 ihrer 4iHprozeniigen Kommu- nal-Schuldscheine in Kronenivährnng und Nr. 22 ihrer 4is,prozcntigen Meliorationsscheino in Kronenivährnng an ihren Kassen in Prag und Bratislava einlöson, ebenso die Oktober-Coupons Nr. 98 ihrer 4-prozentigen Fondsschuldscheine in Guldenwährung und Nr. 57 ihrer 4-prozentigen Fondsschuldscheine in KroneiUvährung. Der BierauSstoß Jänner—Juli 1036. In den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres(in Klammer: 1985) wurden insgesamt 4,523.501 (4,408.493) Hektoliter Bier ausgestoßcn, also um 0.6 Prozent mehr als im gleichen Zeiträume des Jahres 1935. Hievon für den Jnlandsver» brauch 4,476.136(4,455.134) Hektoliter, und zwar 3,535.075(3,500.331) Hektoliter Schankbier, 016.220(010.107) Hektoliter Lagerbier und 28.941(26.696) Hektoliter Spezialbicr. Für die Ausfuhr wurden bis Ende Juli zusammen 47.365(43.859) Hektoliter Bier ausge- stoßen, und zwar 1(—) Hektoliter Schankbier, 46.274(41.648) Hektoliter Lagerbier und 1090 (1711) Hektoliter Spezialbier. Boni Gesamtaus- stoß von Jänner bis Ende Juli entfallen 3,483.802(3,526.465) Hektoliter auf Böhmen, 867.728(817.180) Hektoliter auf Mähren und Schlesien, 157.617(142.073) Hektoliter auf die Slowakei und 14.215(11.875) Hektoliter Bier auf Karpathorußland. Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Wachsender SpareinlagenznwachS bei den deutschen Sparkassen. Die günstige Einlagenbe- wegung bei den deutschen Sparkassen hält weiter an.' Im, ersten Halbjahre haben, diq^hinlagen eine weitere Steigerung um rund 50 Millionen KL erfahren. Auch die Zahl der Sparer nimmt zu. Rohstofförderung. Seit kurzem wird die Förderung von Talkum, eines für die Chemie, Textil- und Papierindustrie unentbehrlichen Rohstoffs, der univeit der Gemeinde Klenovcc in der Slowakei gesunden wurde, aufgenommcn. Talkum ist bisher aus Oesterreich eingeführt wor- den. Letzt wird es möglich sein, nicht nur den eigenen Bedarf zu decken, sondern auch noch geringe Mengen an Talkum zu exportieren. Höhere Schweine» und Fetteinfnhr. Nach den Ausweisen der Veterinär-Grenzstcllen sind im ersten Halbjahr 1986 insgesamt 122.852 Schweine eingeführt worden. In» Vorjahr gelangteil nur 60.091 Schweine zur Einführung. Fett wurden ebenfalls im ersten Halbjahr 1936 66.805 Zentner gegen 14.672 Zentner in der Borjahrszcit eingeführt. Gefängnis von St. Martin de Rö gestorben war und nun in seine Heimat Eichwalde bei Berlin überführt wurde, gab ihr den ersehnten Vorwand. Sie ging zur Deutschvülkischen Bank in der Bülowstraße und erklärte, einen Willy-Dreyer- Film drehen zu wollen. Der Direktor der Bank, Willy Brnß(der übrigens ein halbes Jähr später nach großen Betrügereien nach Schlveden flüchtete), war darüber sehr erfreut. Er erklärte ihr, seine Bank selbst dürfe zwar auf Grund ihrer Statuten kein Geld in Filmgeschästen investieren, aber er sei bereit, ihr gegen entsprechende Provision private Geldgeber zu besorgen, die das Projekt aus nationalen Motiven unterstützen würden. Melitta de Camin war einverstanden, erhielt insgesamt 30.000 Mark als„zinslose Einlage", und der Film„Willy Dreyers letzte Fahrt" kam zustande. Die Reklame der Parteipresse besorgte den Rest; sämtliche nationalen Verbände mieteten den Film und zeigten ihn in geschlossenen Vorstellungen und dazu kamen noch die direkten Einnahmen aus dem Verleih an eine große Anzahl Provinzkinos. Die Geldgeber, die ihr Geld„ä fand perdu" gegeben hatten, sahen natürlich nichts ivieder. Im Gegenteil, Melitta de Camin hatte an ihnen schon vor der Fertigstellung des Films runde 17.000 Mark verdient, da der Film nur aus Außenaufnahmen bestand und deshalb nicht mehr als 18.000 Mark kostete. Die Einnahmen aus dem Provinzverleih und den geschlossenen Vereinsvorstellungen, die insgesamt rund 80.000 Mark betrugen, flössen restlos in Melitfa de Camins Tasche. Seither hat Melitta de Camin keine weiteren Filme mehr gedreht. Sie hat es auch nicht mehr nötig. S-iie 8 „Sozialdemokrat Sonntag, 20. September 1088. Nr. 22V ffrager Aeltmrg ükcunzehnjähriger fünffacher Einbrecher verhaftet. Dieser Tage wurde eine Reihe größerer Einbrüche in Senohrab, Riöan und Kamenitz verübt, als deren Täter gestern der lüjährige Aases Baumann aus Prag I., beim Masarykbahnhof verhaftet lvcrdc» konnte. Die HauSdurchsuchnng in seiner Wohnung förderte einen großen Vulkankoffcr zutage, in dem sich eine Menge gestohlener Wasche und Kleider befanden, die Baumann vorgestern in der Billa der Anna Steinz in Radcöowitz erbeutet zu haben gestand. Der Wert dieser Gegenstände beträgt KJ 2500.—; bis auf einen Wecker, den Baumann schon verkauft hatte, konnte der ganze Schaden gut gemacht werde». Baumann wurde ferner des Einbruchs ins Forsthaus des Jan Pöeniika In Scno« hrab überführt, wo er einen Schaden von Ai 8075.— anrichtcte, und ist dreier weiterer Ein-' brüchc, bei Ang. Aaroslau» Röhler, Dr. Ann Ne- pustii nnd Franz Streit in Senohrab, bzw! Val» inovec dringend verdächtig. Hiebei erbeutete er jedesmal ctlva Ai 8000.— Baumann ist noch einer Reihe ähnlicher Einbrüche verdächtig, lvcshalb die Untersuchung fortgcscht wird. Geisteskranke springt vor den Autobus. An der Dicnzcnhofcrgassc in Smichow sprang gestern die 87jährige Marie Pätck vor einen fahrenden Autobus. Der Wagenlenker konnte noch rechtzeitig bremsen. so dah ein Unglück verhütet tvurde. Die Pätel wurde auf die Wachstube geführt, wo eine Untersuchung durch den Pvlizciarzt ergab, dah es sich um eine Geisteskranke handele. Sie wurde in die Irrenanstalt in Prag II., gebracht. Unfall beim Training. Bei der UebungSfahrt für ein Motorradrennen stürzte gestern nachmittags im Stadion am Belvedere der 10jährige Schlosser Aoscf Martvardt ans Dcstvib. Er tvurde mit einer Gehirnerschütterung und einer Verrenkung des linken Arms auf die Klinik Airäsek gebracht. Antowildling. Gestern mittags tvurde der 26- jährigc Student Viktor Kozäk aus JinoLan mit einer schweren Gehirnerschütterung und zahlreichen Rihwnndcn im Gesicht hewnhtlos auf die Klinik Schlaffer gebracht. Als er zu sich gekomnicn war, gab er an, ans der Strahe nach Tiebonitz von einem unbekannten Automobilisten vom Rade gestossen worden zu sein. Nach dem Unbekannten, der nach der Tat davongefahren ist. wird geforscht. Blutiges Ende einer Liebe Vom Geliebten auf die Straße geschickt Prag. srb). Die 20jährige Köchin Marie Hof m a n n kann bei allem Unglück, das sie traf, in mehrfacher Beziehung doch von Glück reden. Zunächst einmal, haß sie überhaupt noch unter den Lebenden weilt,' und ferner, weit das Zusammentreffen einiger glücklicher Umstände sie davor bewahrt hat, unter Mordanklage vor dem Schwurgericht erscheinen zu müssen. Gestern stand sie vor dem Strafsenat des GR. Dr. Waldmann unter der Anklage der vorsählichen schweren Körper- h e s ch ä d i g u n g. Unstreitig ist das Schicksal dieser jungen, wenig hübschen Frau geeignet, menschliche Teilnahme zu erwecken. Dieser Marie Hofmann zeigte daS Leben keineswegs seine rosigen Seiten. Die Zeugen schildern sie als brav, ehrlich und auherordcntlich arbeitsam. Da sie nicht dazu geschossen Ivar, die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zu ziehen, blieb sie lange einsam, his sie schliehlich im August vorigen AahrcS einen Freund in der Person deS Arbeitslosen Bohumil Svanda fand. Wie das in solchen Fällen schon zu gehen pflegt— die wenig Begehrte hing sich mit aller Leidenschaft und grenzenlosen Hingebung an ihren Geliebten, den sie vollkommen aushielt und dem zuliebe sie schliehlich auch ihre Stellung aufgab, um sich ihm ganz widmen zu können. DaS Ivar freilich ein unbesonnener Schritt, denn ihr« Ersparnisse, von denen sic zunächst lebten, gingen schnell zur Neige. Immer häufiger kam es zwischen dem Paar zu Äuseinandcrfttzungen und in den Morgenstunden deS 20. Mai erreichten die Zerwürfnisse ihren blutigen Höhepunkt. Die spärlichen Strahenpassanten, die in der fünften Morgenstunde jenes Tages die Zijkover Havlikckgasse frequentierten, wurden Zeugen einer aufregenden Szene. Ein Fenster im dritten Stockwert eines dortigen Hotels wurde plötzlich ausgerissen, eine weibliche Gestalt zeigte sich auf dem Fensterbrett und gleich darauf schlug ein Körper auf den Gehsteig. Während die Rettungsabteilung die bewußtlose und blutüberströmte Selbstmörderin i»S Spital schaffte, nahm die Polizei eine Haussuchung vor. In dem Zimmer deS dritten Stockwerkes, auS dessen Fenster sich die Unglückliche gestürzt hatte, sand man Bohumil Svanda röchelnd und blutbedcckt auf dem Bette liegend vor. Sein Kopf zeigte mehrere schwere Hichwunden und neben ihm lag eine blutige Axt. Es war klar, dah es sich um einen Mordanschlag handle, welche Annahme durch einen Brief zur Äe< wihheit wurde, der auf dem Tisch'aufgefunde» wurde und in welchem die Täterin— es war Marie Hofmann— von ihren Eltern Abschied nimmt.„Ach sterbe aus unglücklicher Liebe", heiht cs darin, „Im Grabe wird mir Wohler sein. Letztes Lebewohl! Euere Mäüa".. Im Krankenhaus wurde festgcstellt, dah Marie Hofmann durch den Sprung aus dem Fenster beide Beine und einen Arm gebrochen hatte— sie wird wohl zeitlebens ein Krüppel, bleiben— dah aber keine der erlittenen Verletzungen lebensgefährlich war. Auch Bohumil Svanda kam trotz seiner schweren Kopfwunden mit dem Leben davon und konnte ausgehcilt werden. Als er aus dem Spital entlassen wurde, hefand sich seine Freundin bereits in Unter« snchungshast des Panlrazer Gefängnisses und die Staatsanwaltschaft führte gegen sie die Vorerhebungen wegen de» Verbrechens des nicht vollendeten Morde». Die Hofmann gestand, die Axt kurz vor dem Anschlag gekauft zu haben, wobei sie in dem Geschäft„ein besonders scharfer Stück" verlangte, mit der Bemerkung, sic wolle das Beil ihren.Eltern zum Holzspaltcn schenken. Weiters schilderte sie, da-' durch zur Verzweiflung getrieben worden zu sein, dah ihr Geliebter sie angesichts ihrer Stellenlosigkeit lilid der dadurch verursachten Geldknappheit dazu an gehalten habe, aufdieStrahe zu gehen u li d durch Prostitution Geld zu beschaffen. Darüber kam eS zu heftigen Streitigkeiten und schliehlich habe sie in ihrer. Verzweiflung den Anschlag anSgcführt. Später änderte sie ihre Aussage dahin, dah sie nicht.beabsichtigt habe, ihren Geliebten zn töten. Sie habe in plötzlicher Aufwallung gehandelt und erinnere sich nicht mehr, Wie sich alles abgespielt habe. Die Staatsanwaltschaft lieh den» auch die Anklage wegen versuchten Mordes fallen und klagte die Hofmann bloh wegen schwerer Körperverletzung an. Bohumil Svanda mühte sich sichtlich, die Angeklagte nicht zu belasten. Ter Gerichtshof erkannte sie denn auch im Sinne der von Staatsanwalt Dr. Soukup vertretenen Anklage schuldig und verurteilte sie zu sieben Monaten schwere»Kerkers, und zwar unbedingt. Montag, den 21. September,«in 20 Uhr FRAUEN-ABEND Genossin Lotte Bklina spricht über daS hoch- aktnrlle Thema „Die Teuerung und ihre Abwehr“. Dieser Fraucnnbcnd findet im neuen P a r t e i h e I m, Prag II., SmcLky 22, 3. Stock (Handwcrkcrvcrcin) statt. DaS BezirkSfranenkomitee. Zweites Gastspiel Kirsten Flasstad Das gestrige zweite Gastspiel der nordischen Sängerin Kirsten Flag st ad von der New- Borkcr Metropolitan-Oper als Isolde in Richard Wagners musikdranmtischcr Handlung„T r i st a n und Isolde" fand gröbere Teilnahme beim Publikum alS ihr erstes Austreten in der„Walküre". Die künstlerischen Eindrücke, die wir von der Isolde Frau- FiagstadS empfingen, bestätigten unser Urteil über ihre Ärlluhilde. Die Isolde Frau Flagstads ist nicht immer eine Isolde im Sinne und nach der Bor- siellung WagnerS, eine Isolde nänilich, deren Liebes-, etstase in» Grenzenlose gesteigert ist und deren leidenschaftliche Gefühle allen Regungen der aufwühlenden Musik Wagners von der inbrünstigen und hingehenden Licbcsjeligkcit bis zur.Ficbcrglnt der Liebe und Liebesraferci nachkommen. Frau Flagstads Asolde ist und bleibt immer die durchaus selbstbewuhte Fürstentochtcr. viel glaubwürdiger in ihrem Stolz und in ihrem herrischen Gebaren Tristan gegenüber vor dem Zanbertrunk als in der aufopfernden Liebe und Hingabe an den Helden nach dem Sühne- und Liebcstrunk. Viel Pose, allerdings sehr ausdrucksstarke und geistvolle Pose ersetzt bei dieser Isolde oft daS wahre Gefühl. Ebenso beherrscht und über den Gefühlen stehend Ivie die Darstellerin ist auch die Sängerin Flagstad als Asolde. Rian genießt die gleichmähige Schönheit und nicht ermüdende Gröhe ihres wohlgepflcgten und mühelos sich durchsetzenden Soprans, ohne richtig warm werden zu können, sich wünschend, es möchte endlich einmal ein weniger edel geforniter Ton uns das wahre Gefühl und die ungehemmte Leidenschaft seiner Trägerin offenbaren. In den lhrischen Stellen des großen Duettes im zweiten Akt machte sich auch wieder der auffallende Mangel"an ModulationSfähigkcit des Tones, vor allem im Fort«, geltend. Bewundernswert war dagegen wieder die außerordentliche musikalische Genauigkeit und Festigkeit der Sängerin, ihr« geradezu ideale Kunst der Phrasierung und Kunst der Äortbehandlung. An dem stürmischen Beifall, der der Künstlerin zuteil wurde, hatte auch Herr Fischer redlichen Anteil, der den Tristan mit be- achtlichcm AuSsichherauSgehen sang, und Opcrnchef S z i 11 als musikalischen Leiter der Vorstellung, dessen Interpretation Wohl nicht immer ekstatisch glutvoll genug Ivar, sich aber durch Straffheit unb Genauigkeit im Rhythmus und Korrektheit in der Dynamik auSzeichnete. E. I. Schluß-Akkord Dieser Film verbindet künstlerisches Niveau mit Spannung und Lebensnahe. Die Geschichte einer jungen Mutter, die Kinderfräulein bei ihrem eigenen Kinde wird, das von fremden Leuten adoptiert worden ist unb die um dieses Kind kämpft, hat man schon öfters verfilmt gesehen. Aber hier wird sie zum hohen Liede der Mutterliebe, frei von aller Rührseligkeit und Sentimentalität und doch voll starken Appells an das Gefühl. Der Film geht von dec Musik aus. In die Hymne auf die mütterilche Liebe klingen düster die Dissonanzen einer zerrütteten Ehe. Bariaiionen eines Themas. Und Musik steigert die Handlung: Beethoven» Neunte Symphonie(vom Berliner Opernorchester gespielt)..Der Nußknacker" TschaikovskYS gehören zn der Handlung, die im Schlußakkord Bach» ausklingt. Man kaim gegen deu Film, der übrigen» in Venedig'mit einem Preis bedacht wurde, einwenden, daß et besonder» im ersten Teil durch einen verwirrend raschen Wechsel der Handlungsorte an Geschlossenheit einbübt, aber dieser Einwand fällt nicht schwer in» Gewicht gegenüber dem dramatischen Ausbau und der inneren Wucht biescs Films, der den Regisseur Detlef Sicrk alle Ehre macht. Auch die Photographie Ist den großen An, forderungen durchaus gewachsen. Und die Darsteller, hie man ost vorher enttäuscht bei kaum würdigen Aufgaben gesehen hat, erweisen hier ihben Wert. Lil Dagover, eine alternde Frau, die die Verwirrung ihrer Gefühle nur noch gewaltsam lösen känn, gelingen Szene« von unvergeßlicher Realistik. Willy Birgel spielt einen Generalmusikdirektor, dem Musik und Leben ein» werden.'Die schöne Marie Tadnady strahlt Wärme unb Mütterlichkeit aus unb der kleine Peter Bosse ist ganz Kindlichkeit und fast gar nicht Filmkind. In Nebenrollen sieht man u. a. Theodor Loo» als Kinderarzt unb Maria Koppenhöfer in der fast opernhasten Rolle einer Intrigantin. Ein Film, der trotz seiner kolportagehaften HandlnngSfülle, durch seinen Stil, durch ben Willen zur Kunst Im Tonfilm auffällt. jk.' ES war ein Sträfling... Ein Sviel von Jeann Anoullhy(Weinberger Stadtthcatcr). Rach Abbüßung einer löjährige» Straft, die er in(hinzcl- haft verbrachte, kehrt der gewesene Bankier Ludwig in ben Schoß seiner Familie zurück. Die lange Einsamkeit hat ben früheren GescllschaftSmenschcn völl'g verwandelt, ihm den Sinn für die Aeußerlichkcit des Lebens genommen und in ihm eine unbezwingbare Sehnsucht nach Freiheit und verinnerlichtem Dasein zurückgelassen. Er wird, um Aufsehen zu vermeiden, auf die Luxusjacht seines Bruders gebracht, zu seiner oberflächlichen, kindischen, ihm fremd gewordenen' Frau, zu seinen erwachsenen Kindern, die ihre egoistische Äugend leben und die er nicht kennt, zu dem geschwätzigen Freund, der das teuerste Gut, das Leben in Freiheit, in kleinlichen äußerlichen Dingen vertan hatte. Er will sich nicht in das Gesängnis der KonventionSlüge, der Sucht nach Geld, in eine Fortsetzung der-ehelichen Gemeinschaft sperren lassen und nach dem vergeblichen Versuch, sich wieder ben ZwangSregcln der sogenannten gute» Gesellschaft ciiizuordnc», springt er mit seinem gewesenen Zellennachbar, den er mitbrachte, über Bord ins Meer, hoffend, daß sie das Land und dadurch bie Freiheit erreichen.— DaS Weinberger Theater hat in ber Regie Ferdinand Hart» durch sorgfältige Einstudierung und Besetzung der Rolle» bie scharfe Kritik und Satire der bürgerlichen Gesellschaft'zu unterstreichen versucht. Gabriel Hart hat seinen neuen Menschen von den anderen Typen gut zu distanzieren verstanden. Frau Slemrovä gefiel in der Rolle deS plappernden Weibchens. Herr Kandert al» Freund Marcel und Frau Glaftrovä als der Typus der kalte», bercchncndcn Äugend. Angenehm fiel die sprachlich reine llcbersetzung deS I. Hokejsi auf. m. i. Eine Bildhauerin und drei Maler stellen stn NcpräsentationShaus aus. Die Bildhauerin A. S. U r b a ii o v ä, deren Werken man schon In früheren Ausstellungen begegnet ist, hat, wie biese Kollektivausstellung noch deutlicher erweist, die ihr gcniäße Ausdrucksform noch nicht gekunbcn. Am häufigsten gestaltet sie sparsam stilisierend in Formen, bie an Barlach erinnern. Oft aber versucht sie sich auch In natüralsstischer Plastik, die jedoch allzu äußerlich am bloßen Abbild haften bleibt. Dein angestrebten persönlichen Ausdruck wohl am nächsten sind der Mädchenkopf„Bira" und ber liegende, in die Wolken schauende Knabe; jedenfalls sind cs die gelungensten ihrer hier ausgestellten Werke.— Die Landschaften de» Malers I. Lenhart fesseln stark burch eigenwillig« Bildgestaltung, durch die au» Form und Farbe entstehende Komposition, der er das Motiv nnterordnet und bie er gerne zu dramatischer Bewegtheit steigert. Die Prager Mol- dauszcnerien, das sarbig reizvolle Bild von Bkcv- nov, die kühn aufgcbaute Ansicht Prags von Troja sind ausdrucksvolle Beispiele seiner Art, das Bild zu gcstalien. Farbig ungemein reizvoll ist der„Winter in Slavonin". A» ben Landschaften aus neuerer Zeit weicht die gesteigerte Bewegtheit einer ruhigeren Haltung.— Unter den recht ungleichen Bildern von R. A i n d k i ch sprechen die Landschaften aus Klukovice und Kolovraty und der„Winter in Troja" am stärksten an.— A. K a l o u s stellt Aquarelle und Pastelle auS, unter denen einige Landstraßenmotive, der Cepclbach, der Rio im Winter recht gefallen, während andere sich allzuleicht mit der„schönen Ansicht" begnügen. ld. Wochenspielplan de» Neuen Deutschen Theater». Sonntag halb 8: G a b y, Erstaufführung, B 2.— Montag halb 8:ServuS-Scrvus, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: F r a D i a v o l o, A 2,— Mittwoch halb 8:DerArzr am Scheidewege, BI.— Donnerstag halb 8 Uhr: Die Katze läßt das Mausen nicht, Erstaufführung, EL.— Freitag halb 8: G i u d i t t a, Gastspiel Jarmila Ksirobä, Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 8: G a b y, D l.— Sonntag 7.; F a u st I. nnd II. Teil, AI.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heule, Sonntag haG 8: Das große ABC, volkstümliche Porstellung.— Montag: 8 Uhr: Dr. med. Hiob P r ä t o r i u s, volkstümliche Vorstellung. — Dienstag halb 8:BaumeisterSolneß, neuinszeniert.— Mittwoch 8: Mein Sohn, der M i ui st e r, Bankbeamte II und freier Verkauf, — Donnerstag 8 Uhr: Baume! st ciSolneß. Freitag 8 Uhr: M e i n S o h n— der Minister.— Samstag 814: EineFrau ohne Bedeutung.—Sonntag 8: Salzburg ausverkauft, volkstümliche Vorstellung. O Deutsche Bolksstnggemeinde Prag. Nach der üblichen Sommerpause nehmen tvir unsere Tätigkeit wieder auf. Wir beginnen am Dienstag, dem 22. September. Probclokal„Ty- pografickä beseba", Prag II., Smeö- ky 27, 5. Stock. Beginn: Frauenchor 7 Ahr, gemischter Chor 8 Uhr. /',-■ Ar Den MW unfern Sten suchen wir allerorts Danien und Herren, die gewillt wären, eine Verteilerstelle zu übernehmen, Absatz- und Vcrdienstmöglichkeiten sind gesichert, Anschriften an den Allgemeinen Hilfs- und Unterstützungsvercin fjir lungenkranke Arbeiter, Rcichenberg, Bergclgaffe 8. Rückporto erwünscht. 8745 Der Mm Die Geschichte zweier Städte „A Tale of two citic»" ist unter den vielen Ronmncn von Charles Dicken» einer der weniger bekannten: ein Versuch des großen englischen Erzählers, einen Iveltgeschichtlichen Stoff zu bezwingen die französische Revolution mit der Welt de» englischen ÄürgertuüiL zu konfroiitseren— und mit den christlich-hnmaneii Idealen, die Dicken», der Dichter und Kritiker, dieses Bürgertum», zu Leitsternen feine» poetisch-moralischen Realismus gemacht hatte. Die Verbindung der Familiengeschichte nnd bürgerlichen Milieuschilderung mit dem französischen Revolntlonsgeschehen ist Dickens nur unvollkommen geglückt, er ist auch der Revolution(für deren Ausbruch er Verständnis hatte, für deren Verlauf cs ihm aber fehlte), nicht gerecht geworden, nnd was Dicken» schuldig blieb, da» bleibt der in Hollywood hergestellte Film natürlich erst recht schuldig. Seine Hersteller berufen sich zwar auf Carlyle und andere Historiker, aber sie dürsten sich selbst darüber klar gewesen sein, daß ihr Werk zwar starke theatralische Effekte, aber wenig historischen Anschauungswert hat. Als Film-Theater aber ist die„Weltgeschichte zweier Städte" eine große Sache, die Aack C o n- w a n der Regisseur des„Viva Villa"-Film», wieder niit einem mächtigen Einsatz zu turbulenten Massenszenen und dramatischen Auftritten in» Werk gesetzt hat. Der Sturm auf die Bastille, die Verhandlung des Revolutionstribunal» null bie Guillotine-Szene sind großartige Kinobilder getvorden, aber auch die echte Dickens-Szene de» Londoner Weihnachtsabends ist nicht mißlungen. Mit der unwahrscheinlichen Handlung von dem französischen Aristokratensproß, der in London di« Tochter eines achtzehn Jahre in der Bastille Gefangenen heiratet und bann ber revolutionären Rachejustiz zum Opfer fallen soll, obzwar der ehemalige Bastille-Gefangene für ihn eintritt,— mit dieser Handlung hat Dickens esne Fülle von ernsten und heiteren Gestalten erfunden, und die seltsamste und dichterischste unter ihnen, der versoffen« Londoner Advokaicnschreibcr, der, von Frauengüte geläutert, am Ende sein licbcleeres Leben für ben verurteilten Aristokratensproß opfert, wird im Film von Ronald Colman darcstcllt, neben dessen in jeder Szene eindrucksvoller, nuancierter, lebendiger und ergrei» fenbe Leistung die anderen Mitwirkenden nur wi» Chargeittpicler erscheinen.—eiB—— MtteliMAenxKr»Urania« Franz Engel, Fritz Wiesenthal, der große Lacherfolg. Heute, Sonntag, 4 Uhr(ermäßigte Preise) und 8 Uhr. Montag und Dienstag 8 Uhr. Karten: Urania, Andrö, Wetzler. „Unvergeßliche Filme":„Memoiren aus d e m T o t e n h a u»." Montag,^» Uhr. Urania-Kino Emil Janning» in„T r a u m pl u»". Heute 2, 4, 8,%9 Uhr, sonst J/ 2 6, 1^9 Uhr. Filme In Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino-„Traumulus."(JanningS.)— Alfa:„Flucht an die Adria."(Tsch.)— Avion: „Gegenspionage."(A.)— Beriinck: ,.M odernc Zeit."(Chaplin, A.)— Fcnix:„Geschichte zweier Städte."(Nach Dickens— A.)— Flora:„Die Strecke."(Nach A. Neruda.— Tsch.)— Gaumont: „Vampyr in Weiß."(A.)— Hollywood:„Gegenspionage."(Will. Powel, Russell— A.)— Hvizda: „Wie bu mich willst."(Greia Garbo.— Ä.)— Julis-„Schlußakkord."(D.)— Kinema, B.-Th.: Journale, Groteske, Reportage.— Koruna, Aktuaii- täten-Theater: Journale, Groteske.— Lucerna: „Geschichte zweier Städte."(Nach Dickens.— A.) — Metro:„Das Komödiantenschiff."'(Show. Boat. Bersiion 1088.— St.)—Passage:„Schlußakkord." (D.)— Praha:„Der Schreck der Landstraßen." (A.)— Radio:„Dante» Anferno." ,(A.)— Staut: „M»deine Zeit."(Chaplin— A.)— Svisto- zor:„Wie du mich willst."(Greta Garbo.— A.)— Alma-„Lnnapark." Eddi Cantor.—- A.)— Baikal: „Baboona."— Belvedere:„Der Wildfang."^(Tsch.) — Bcseda:„Da» Licht seiner Augen."'(Tsch.)— Carlton;.„Savoy.Hotel 217.'!(D.)— Illusion: „Schatten der Vergangenheit."(L. Ullrich.— D.) — Kapitol:„TraumuluS."(Emil Janning.— D.) — Lido II.:.Lunapark."(Eddie Cantor.— A.)— Louvre:„Schatten der Vergangenheit."(D.)—' MaceSIn:„Schatten der Vergangenheit."(D.)— Olympic-„Die Strecke."(Premiere. Rach Neruda. Tsch.)— U Vejvodü:„4% Musketiere."(Szakall. D.)— Laldek:„Schatten der Vergangenheit."(D.)- Mitteilungen aus' dem Publikum. Reizend« Kinder-Kleidchen und Kinder-Mänief für da» Alter von 2—14 Jahren finden Sie, Giiä- digste, billig und geschmackvoll in reicher Auswahl, bei Busch, Prag, Prikopy 27(Mitte des Grabens). Eingang nur innen im Hause im 1, S toi Bezugsbeding u n fl.e n: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch di. 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