Sonntag, 27. September 1936 16. Jahrgang Nr. 226 ERSCHEINT WUT AUSNAHME DM MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und VHtWAlTUNG p«ao xii., fochova«2. Telefon sxrr, HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ KAIL KERN. FRAG. Einzelpreis 70 Helles (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSIOWAICISCHeN REPUBLIK Auch die Schweiz devalvlert Franc abgewertet Dollar undPfund unverändert Der französische Franc wird nach den offiziellen Berlautbarungen um 29 bis 33 Pro- zent drunloiert werden. Der Antrag wird Montag der Kammer vorgelegt werden, gleichzeitig, mit dem Antrag auf Maßnahmen, welche die Auswirkungen der Abwertung im Innern des Lande» rcgcln sollen.- In einvernehmlich abgefaßten Erklärungen haben di« Regierungen von Frankreich, England und den Bereinigten Staaten tekanntgegeben, daß sie diese Maßnahme als Beginn einer Bewegung zur Stabilisierung der internationalen Währungspolitik ansehen und«ntschloflen sind, loyal auf dem Weg» zur Beseitigung der Währungsschwierigkciten und der Hemmungen des internationalen Handelsverkehres fortzufahren, wobei sie damit rechne«, daß»eitere Staate» sich die- ■ fer Aktion anschließen werden.. Die durch dir Frane-Devalvierung entstandene Situation hat alle Staaten veranlaßt, ihr« Währungspolitik zu überprüfen. Die Schweiz hat bereits die Abwertung des Franken angekün» digt, während H»lla nd dem französischen Beispiel nicht folgen will., B e lgi eir hat sein« Bereitschaft erklärt, dem Abkommen der Großmächte bcizutrctcn; der belgische Franc soll stabil erhalten werden. Die tschechoslowakische Auffassung hat Ministerpräsident Dr. H» d j a in einer Erklärung formuliert, die wir an anderer Stelle wiedergeben. Die Währungsfront der Westmächte P a r i S. Die Erklärung, welche»wischen den Regierungen der Bereinigte» Staate», Englands und Frankreichs vereinbort Md von allen drei Negierungen gleichzeitig veröffentlicht wurde, geht«»» dem Bekenntnis auS, Bercinbarungen unterstützen zu wollen, die zu einer.Wiederherstellung der Ordnung in den internationalen WirtschaftStezirhvngm beitragen. Der französische Tert sagt«, a.r Die amerikanische nüd die englische^Rtgie» rung haben den Beschluß(Frankreichs) günstig ausgenommen. Die drei Regierungen erklären^ daß sie die Absicht'haben, alle geeigneten Mittel anzuwenden, um allen möglichen stör e n d e n M ä ß n ahmen a u Sz u w e i ch e n, die di« neuen Währungsgrundlagen bedrohen könnten. DI« französische Regierung ist davon überzeugt, daß ein Erfolg aus dem Gebiete dieser Politik an di« Entwicklung des internationalen Handels gebunden ist. Sie legt dabei größtes Gewicht darauf, daß unverzüglich eine Aktion zur allmählichen Auflockerung der gegen w ä r t i g en Konti ngentie- rungS- und WährungSfontroll« m a ß n a h m e n begonnen werde. Man rechnet damit, daß kein Staat«S versuchen werde, aus einer unangemessen geregelten Währung irgend- einen Borteil zu ziehen-und damit die Bemühungen um stabilere Wirtschaftsbeziehungen zu durchkreuzens londoner Kommenter wird. Der Finanzausschuß"AM' bereit» heukd,' Sonntag. . Ein Dekret im samstägigen Amthhlgtt,billigt, daß/alle Börsen, ist Frankreich, bi» auf weiter«» geschlossen bleiben. Ein weitere» Dekret setzt,fest, daß.alle in Gold und freunden,Devisen abgeschlossenen Handelszahlungen und, Forderungen, /die vom 26. September an fälligsind.über Ersuchen de» Schuldner» verschoben/werden könnfn. Da» Datum der künftigen Auszahlung sttzt der Finanzminister fest.‘ Der Regierungsentwurf besagt, daß der neue Wert de» Franc» 49 bi» 43 Milligramm Gold entsprechen wird gegenüber 68.b Milligramm nach dem bisher geltenden Gesetz aus dem Fähre 1928. Der Finanzminister, wird, wie die» Poincari vor.acht Jahren bei. der.Stabilisierung de» Franc» getan hat, die genaue Ziffer im letzten Moment festsetzen,/ Bis zur, Neuregelung soll«in 10-Milliarden-StabilisierungSfondS di« Regelmäßigkeit der Beziehungen zwischen dem. Franc und den ausländischen Devisen sichern. Die Sozialisten werden diszipliniert für die RegierungSmaßnahmen stimmen. I o u h a u x erklärte, er sei ein Anhänger der Regelung. Der AllgewcrkschaftSverband billigte da» Vorgehen der Regierung unter der Bedingung, daß die Devalvation Spekulanten keinen Nutzen bringe und daß sie die Einkaussmöglichkcit der Arbeiterklasse nicht schädige. Die Kommunisten, welche sich in sehr entschiedener Weise gegen eine Devalvation gestellt haben, werden, Ivie verlautet, einerseits unter dem Eindruck de» Einvernehmen» mit.England und Amerika, andererseits unter der ausdrücklichen Züsage, daß die Regierung die so- genannie mobile Erhöhung der Arbcitcrlühne auf Grund de» Indexes der Lebensbedürfnisse einführen werde, nachgeben. Die R a d i« kalsozialisten sind offenbar unzufrieden. An Regierungsstellen wird aber erwartet,, daß ist her Kammer auch diesmal unter den radikaken Abgeordneten die solidarische. disziplinierte Abstimmung der Volksfront zur Geltung kommen wird. Vtzvalvs«vn In der Schweiz . Ankündigung des Bundesrates Bern.(SDA.) Det schweizerische Bun- deSrät beschäftigte sich am SgmStag mit den Wäh- »ungSvotgängen in Frankreich. Zum Schluß der Beratungen wnrde folgende amtliche Mitteilung auSgegeben: .'. Rach Kenntnisnahme deS Beschlüsse» der französischen Regierung, hält der schweizerische BundeSrat dafür, daß daS Interesse der nationalen Wirtschaft auch die Schweiz zwinge, ihre Valuta de» führenden Weltvaluten anzn- uähcrn. Der BundeSrat wird am Montag den eidgenössischen Räten seinen Bericht unterbreiten. Die Börsen werden an diesem Tage sowie am DienStag geschlossen sein. * Holland: Keine Aenderung Haag. Im Zusammenhang mit der neuen Entwicklung auf den Devisenmärkten hat die holländische Regierung erklärt, daß sie unverändert anf ihrer Währungspolitik beharrt. ' London. In dem Londoner halbamtlichen Kommentar der gemeinsamen Erklärung heißt e» u. a.: Keine Aenderung der b.rjti« sch e n Währ u n g S Politik wird«intre- ten. Der. Pfund.Sterling bleibt frei« Devise/die- weder durch daS Gold noch,durch andere Devisen- gebunden ist. Wir geben deutlich zu verstehen, daß sie Regierung den Pfund Sterling nicht mit Vorbedacht durch irgendwelche. Maßnahmen abwerten wird, die als, Vergeltung"für den von Frankreich horgefchlagenen Währungseingriff gelten können. Der internationale Händel könnt« nicht voll ohne allmähliche Auflockerung"des gegenwärtigen K o n t i n g e n ts y st e m 8 gefördert werden. Die. britische Regierung mißt dem Umstand" die größte Bedeutung bei, daß alle Staaten möglichst bald Schritte in, dieser"Richtung unternehmen, voller bleibt unverändert Washington. Finanzminister Mergenthau erklärte, daß Amerika' da» Resultat der jetzt abgeschlossenen. seit Wochen geführten Verhandlungen seit dreieinhalb Jschren entgegengesehen, habe. Eine. Aenderung de» DollarständeS werde sticht . eintreteM Die Delvavierting deS Franc» fei. ein entschiedener Schritt zum Weltfrieden; die inter» nationäle StabilisterüNg der Währung sei di« not», wendige Basis für die..Erreichung de» dauernden Friedest» und der wirtschaftlichen Prosperität/. Die Kammer einberufen Die BegleltmaBnahmen der Regierung Paris. Da» Pdrlament' ist für Montag, 9 Uhr, zu einer außerordentlichen Sitzung, einberufen worden, die voraussichtlich zwei.Tage.dauern Dr. Hodiä: Ruhige Zuversicht FranbDevalvIeruns nicht überraschend Keine besonderen MaBnahmen notwendig B r a g, Der Vorsitzende der Regierung Dr. Mila» Hodja äußerte.sich gegenüber dem Vertreter de» tschechoslowakischen Pressebüro» ührr die durch dir WährnngSmaftnahme« der französische» Regierung entstandene Situation solgendermaßent Da». Hauptereigni» der tnternationalrn Devisenmärkte war SamStag der Entschluß der fran», »ösischen..Regier««»,, daß sie eine Peoalvierung de» ftanzösischrn Franc durchznführen beätflch- tige. Die Regierung der Tschechoslowakischen Republik»erfolgt sorgfältig bereit» seit längerer Zeit.di« internationalen. Währung»p«rbereitun- gen und.Ereignisse! und deShalt hat der.sam»- tägige Beschluß der französischen Regierung weder dir Regierung»-«och di« entscheidende« finanziellen Faktoren Überrascht- Deshalb,'betrachte« wir jede weitere Entwicklung., auf den internationalen Märkten.ruhig. Im volle» Bewußtsein.unserer feste«. Laie, hat weder die Regierung noch die Ratfoyalbästk: außerordentliche Maßnahmen ergriffen, dir den Geld?»d»r, Dctzisenmarkt ein- schränken würden. ES wurde weder die Wertpapierbörse noch die Devisenbörse, geschlossen. ES würde lediglich di« Notierung einiger Devisen bi» zu dem Aagenblick gestrichen, wr über deren wei-' teren Wert Ksarheii'herrschrN«ird. Wrnn akler- distgS dte Ruhr ans den.Geld- und Devisenmärk ten-dnrch- irgendwelche Anzeichen von Spekula- tionbäktipne» gestört werde» sollte,- dann würde die-'StaatSverwaltung im breitesten Rahme» ihrer Möglichkeiten mit der rücksichtslosen Strenge de» Gesetze» einschreiten. . Die isolierte französische Maßnahme betrifft niM!ss»/staü. dir Interesse» der hiesigen Wirt- schakti.da wir auf de» Weltmärkten mit. den fran» zöstschen Waten im'großen und ganzen,nicht kon- kürriepe«. Sämtliche Maßnahmen, di« vielleicht di« Wltwicklung der internationale» Verhältnisse «Wuftrn würden, werden ebenso auf di« wirtschaftlichen wie sozialen und innerpolitischen ve». vürfnisse unsere» Volke» und Unserer Wirtschaft Bedacht nehmen und zu unserer weiteren'inneren Ksmfostdierung beitragen, Abgesehen davon, daß di« Tschechoslowakei bereit» durch dir Devalvie», rung im Jqhrt H934. in gewissem Maß« dem ftanzhsischenSchritt. zuvorgekommen ist, ist unser« gesamte.finanzielle und wirtschaftliche.Lage Ntzch stznst fest«nd konsolidiert und tendiert auf «ine tapernde.Belebung« Da», ermöglicht, daß di« Regierung in vollem. Bewußtsein der großen Verantwortlichkeit gegenüber allen Interessen und auch'im Bewußtsein ihre» vellkemmmen'Vor. bereitetfri«»-.in Ruhe die weitere internationale wirtschaftliche Entwicklung-abwarten- kann. Nordische Demokratie Von Per Albin Hansson, schwedischer Ministerpräsident Die Frage der Demokratie hat gerade jetzt große Aktualität und man kann wohl sagen, daß die nordische Demokratie in einem Maße wie niemals früher in den Vordergrund des allgemeinen Interesses getreten ist.- Die Ereignisse der letzten Jahre haben uns veranlaßt, der Demokratie größere Sorge zu lvidme». DaS Unglück, daS über die Demokratie in anderen Ländern gekommen ist, hat die nordische Demokratie zu klarerem Bewußtsein ihres eigene» Wertes geweckt. Gleichzeitig hat man draußen in' der Welt den Norden entdeckt und wurde von einem starken Interesse fiir unsere Verhältnisse ergriffen. Ein Schriftsteller schrieb vor einiger Zeit in »The Nineteenth Century" über unsere nordischen Länder, daß sie„beginnen aus ihrer Un- bemerktheit hervorznkommen und im Begriff sind, ein bedeutender Faktor in der Welt zu wer- den". Derselbe Verfasser war licbenSlvürig genug, die Erklärung in dem Umstand zu sehen, daß Skandinavien ,,a Haven of sanity", ein Zufluchtsort der Vernunft ist. Von vielen Seite» kommen fast täglich Beweise des Interesses fiir unsere Verhältnisse. Vor allem sucht man eine Erklärung dafür, wieso die skandinavischen Länder verhältnismäßig mit heiler Haut durch die letzten schweren Krisenjahre kommen konnten. Während anderswo die Unruhe schon in Panik überznschlagen schien und die Gesellschaft ernsten Erschütterungen ausgesetzt war, haben-die-nordischen-Länder im großen und ganzen Ruhe und Besinnung bewahrt. Die wirtschaftliche Erholung ist relativ schneller als in der Welt im allgemeinen vorgeschritten und mitten in der europäischen Demokratie dunkelster Zeit hat die nordische Demokratie stand- gehalten, ja ihre Stellung nicht nur bewahren, sondern auch stärken und konsolidieren könne». DaS ist, was die Aufmerksamkeit crlveckt hat und die Blicke der Welt so ganz besonders nach Norden richten ließ. -Dieses Interesse legt nnS erhöhte Verantwortung auf. Gewiß haben wir Vor allem dafür zu sorgen, daß unsere eigenen Länder die Segnung'der Volksfreiheit im Schutz der Demokratie genießen sollen. Aber wir sollen nicht in falscher Bescheidenheit den Gedanken von uns weifen, daß der demokratische Norden ein gute» Beispiel für Völker in anderen Teilen der Welt geben kann. Schon das Vorhandensein einer starken Demokratie schenkt den demokratischen Freunden in anderen Ländern Trost. Eine vernünftige Handhabung des Instruments der Volksherrschaft in unseren Ländern wird zu einem gewichtigen Argument überall in der Diskussion um Demokratie oder Diktatur. Dio Sozialdemokratie ist ganz besonders Gegenstand der uns gelvidmeten Aufmerksamkeit. Das ist natürlich. Während die Sozialdemokratie in gewissen Ländern zu Boden geschlagen ist und zur illegalen Wirksamkeit verdammt, hat sie in den nordischen Ländern ihren Siegeszug fortgesetzt. ,. Wenn es auch die starke Stellung der Sozialdemokratie an und für sich ist,, welche die Aus- merksainkeit auf sich zieht, so ist es doch vielleicht auch ein anderer Zug in d«r. Physiognomie.der nordischen Länder, der interessiert. Die Sozialdemokratie im Norden steht nicht-isoliert, sondern repräsentiert eine demokratische Sammlung! In Schweden hat die. sozialdemokratische Regierung sich für das Wesentliche in ihrer Politik auf.- die stärkste Majorität stützen- könnens die jemals eine schwedische Regierung- seit dem Durchbruch des Parlamentarismus gehabt hat.'- ... Diese Zusammenarbeit zwischen Sozial- demoftatie und. bürgerlicher Demokratie,-welche zustande gekommen war, schenkt der nordischen Demokratie besondere Kraft. Die Zusammenarbeit ermöglicht den demokratischen Regierungen Handlungskraft zu entwickeln'. Das war nicht nur von großer Bedeutung für die Bekämpfung der'ökonomischen Wirkungen der Krise; sondern auch, von großer-psychologischer Wichtigkeit. Die Handlungskraft der' Regierung-und. des Parlamentes hat beim' Volk das Vertrauen zu der Kraft der demokr'atischen'Führung, Mr da» allgemeine Wohl sorgen-zu können, gestärkt.... ' Es ist Mich, die Erklärung für di« starke Stellung der--Demokratie, bei-un» in einem den Teil« 2 Sonntag, 27. September 1838 «r. 22» Nordländern eigentümlichen demokratischen Sinn, in den deniolratischen Traditionen, alterFrei« hcitslicbe und Willen zur' Selbstregicrüng zu suche», Ohne Ziveifel ist all dies auch, ein unschätzbarer Borteil-fllr die Demokratie in unseren Ta«' gen,>vc»n sie auf Tradition und natürlichen demokratischen Geist des Bolles bauen können. Aber Tradition und Volkssinn geben nicht zureichende Erklärung dafür, dass die Demo« lratie sich in gewissen Ländern festigt, während sie gleichzeitig in anderen Ländern untergeht. Auch die nordischen Länder standen unter Ein« Herrschaft und Oligarchie. Die Demokratie in Ihrer jetzigen Gestalt ist verhältnismäßig jungen Datums. Die antidemokratischen Bewegungen haben festen Fnß auch, im Norden gefaßt und waren zcitwcise so beunruhigend, daß sie besondere Maßnahmen zum Schutz der demokratischen Ordnung veranlaßt haben. Wir haben nicht gewagt, uns nur auf die Tradition und den Sinn de» Volkes zu verlassen, Wir haben verstanden, daß die Sicherheit der Demokratie bei uns selbst liegt, bei unserem Tun und Lassen. Damit komme ich darauf zurück, was nach meiner Meinung nach die. entscheidende Bedeutung für di« politische Entwicklung im Norden gehabt hat, was die nordische Demokratie zu ihrer starken Stellung geführt hat und auch von allergrößter Bedeutung für die Zukunft ist. Sozialismus und bürgerliche Demokratie sind in den nordischen Ländern niemals in unheilbaren Gegensatz zueinander geraten, die bürgerlichen Denio» kraten haben nicht vom Sozialistenschreck sich von ihrem demokratischen Ideal vertreiben lassen, die Sozialdemokratie hat niemals aus Furcht vor Ansteckung vor der bürgerlichen Demokratie die Flucht ergriffen. Dagegen konnten die Kräfte zur Lösung der demokratischen Aufgaben vereint werden, die allen gemeinsam sind. Und nun zur Frage der Zukunft! Viele glau, ben, daß die demokratische Zusanunenarbeit erschwert wird im selben Maß, in dem der Sozia- lismus aktualisiert wird. Bisher galt es ja der Durchführung allgemein demokratischer Forderungen. Wenn aber rein sozialistische Forderungen gestellt zu werden beginnen, muß da nicht die bürgerliche Demokratie sagen: bis hieher und nicht weiter I Auf-er anderen Seite zeigen die Sozialdemokraten keine Lust, ihre sozialistischen Ansichten und Absichten abzuschwören. Konunt man da nicht recht bald zu einen:„Sprengpunlt" der demokratischen Zusammenarbeit? Die Frage wurde im schwedischen Reichstag gestellt. Ich antwortete ungefähr folgendes: Die Bürgerlichen machen sich des großen Irrtums schuldig, die kapitalistische Produktionsordnung als das letzte Glied der Entwicklung zu betrachten. Bon einem solchen Gedankengang ausgehend ist es natürlich, daß man den Sozialismus als etwas. betrachten..muß, daß. man nicht, ernst« haft zu erwägen braucht, und die Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten als etwas Zeitbe- grcnztes ansicht. Das wird anders, wenn man, gleich wie wir Sozialdemokraten, die Gesellschaft als eine Organisation in ständiger Entwicklung betrachtet. Für eine solche Betrachtungsweise gibt cs nichts Beständiges und Unveränderliches, Die Geschichte gibt uns recht. Die Gesellschaft hat ständig Form und Gestalt gelvechselt. Die kapitalistische Gesellschaft ist relativ jung, aber auch sie sieht heute anders aus als vor 59, ja vor 30 und 20 Jahren, Das Spiel der freien Kräfte, da» ihr Lebensnerv sein sollte, konnte nicht lange ungestört fortgesetzt werden. Es erwies sich als notwendig, durch gesellschaftliche Eingriffe zu zügeln, zu kontrollieren und zu regeln. - Praktisch genommen wurden alle Veränderungen durchgefW^aegen den Widerstand der Verteidiger de» Bestehenden. Wie. oft wuxde gesagt:.. bis hieher und nicht weiter! Aber di« Entwicklung ist ihren Weg gegangen. Warum soN ge« räde jetzt Schluß damit sein? Gleichwie die politische Demokratie.als,Resultat eine», unwiderstehlichen Bedürfnisses des BolwS gekommen ist, selbst seine Angelegenheiten zu bestimmen,' so kommt die' ökonomische Demokratie einmal als Resultat eine»: gleich unwiderstehlichen Bedürfnisses des BolkeS seine Existenz gesichert zu sehen. Niemand kann leugnen, daß sich dieses Bedürfnis mehr Und'mehr geltend macht. Die Krise war ein gewälkiaer Prediger gegen eine Ordnung, in der plötzlich Massen von Menschen der Boden unter den"Füßen'entzogen wird, sie' und die ganze Gesellschaft und Klassen von Ruin bedroht sind. ES befriedigtmicht die Menschen zu' wissen, daß gleiche Katastrophen vorher geschehen sind, eS ist nicht genug für sie zu wissen, daß es eine soziale Fürsorge gibt» welche sie vor dem Hungertod rettet, ste wollen sich' nicht zur Ruhe, begeben mit dem Gedankens daß der Gesellschaft die Möglichkeit fehlen soll, sich auch gegen ökonomisches Unglück zu schützen. ES ist«ine Primate.Forderung, daß die gewalti- gen Resouroen der.modernen Gesellschaft so verwaltet werden sollen, daß die Versorgung des BolkeS gesichert ist. Um dieser.Forderung gerecht zu Werden,- ist eine Auslösung demokratischer Kraft notwendig, welche nur durch Zusammenarbeit gewonnen werden kann, eine Zusammenarbeit ohne Vorurteil, beseelt von der Sorge um das Wohl des Ganzen, das niemals anders sein kann als das Best« aller. . Man kann um die Methoden streiten. DaS hat man getan bei so vielem anderen und hat doch zum Schluh. einigende und gut« Lösungen gesundem Wo dieSchurch Züsaiiunevärbeil zwischen Sozialdemokratie und' bürgerlicher' Demokratie geschehen ist, bedurfte«Sbürgerlicher' Wiitsichtig» leit und sozialdemokratischer MaßvoUheit. Nichts anderes ist auch fiir die Zukunft notwendig dafür, daß die Demokratie ihr Werk auf friedlichem Weg.vollendem'kann. Was für die Zusammenarbeit innerhalb der Nationen gilt', das gilt auch für'die Zusammenarbeit zwischen den Nationen. Gleichwie verschiedene Gruppen in einem Volk einander bedürfen, so'bedürfen einander'hie Völker. IM'demokratischen Norden Ist'das'Gefiihl hiefür stark. ' Die' nordische Demokratie'steht gerade seht im Vordergrund des Interesse». Möge sie'ihre V e ran ttvortung voll und ganz'.erkennen. Kot-grüne Koalition Abkommen mit der Bauernpartei, perfekt Stockholm. Ministerpräsident Hansson hat Samstag über die Besprechungen zwischen Per Sozialdemokratie und den Landwirten mitgeteilt, sie hätten zu einer derartigen Uebereinstimmung der Anschauimgen geführt, daß.beide Parteien die Verantwortlichkeit für die Politik entsprechend dem Ergebnis der letzten Wahlen zur zweiten Kammer gemeinsam übernehmen könnten..Beide Parteien sind übereingektlmmen, von einer Verbindung mit anderen Parteien zu Wahlzwecken Abstand zu nehmen. DI« Abwertung des Franc Plötzlich, aber für die Oeffentlichkeit nicht ganz unerwartet, kommt au» Paris di« Nachricht, daß die Regierung' Blum'die Abwertung des Francs beschlossen hat. Das genaue Ausmaß anzugeben, hat sich der Finanzminister Vorbehalten. Während der Wert des Francs bisher 66:5 mg Gold betrug, soll er auf 49 bis 43 Mg herabgesetzt werden, Im ersten Fall betrüge die Herabsetzung 26, im letzten Falle 33 Prozent..Der Franc wird, also in ein solches Verhältnis, zum Pfund Sterling gebracht werden, daß ein Pfund, 'für da» man bisher etwa 77 Franc gezahlt hat, nunmehr 97 bis 196 Francs wert wäre. Im Verhältnis zur tschechoslowakischen Krone würde da» so zum Ausdruck kommen, daß man'bisher für 199 Francs 169 KL bezahlt hat, künftighin aber nur 197 bis 129 KL bezahlen müßte.■ Frankreich hat sich lange gegen die Herabsetzung des Wertes seiner Währungseinheit geb sträubt, obzwar ihm andere für die Weltwirtschaft bedeutsame große Länder voranßegange« sind. Die erste wirtschaftliche Großmacht, welche Mit dem bisherigen Festhalten an der Goldtväh« rung gebrochen hatte, war England, das aM 21, September 1981 den-Wert des Pfund Sterlings, den man für unerschütterlich gehalten hatte/ herabgesetzt hat. Den Engländern folgten am 19. April 1983 die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit der Herabsetzung des Goldgehalts deS Dollars, ein Ereignis, das man ein oder zwei Kahre vorher für ganz unmöglich gehalten hätte. Auch di« nordischen Staaten, Belgien und ebenso die Tschechoflowakei haben in ihrer Währungspolitik denselben Weg beschritten. Die Tschechoslowakische Republik hat mit Gesetz vom 17. Feber 1934 den Goldgehalt der Krone von 44.68 aus 37.16 mg Gold, also um 16.2 Prozent, herabgesetzt, waS eine Erhöhung der-fremden Münzparitäten um etwa 29 Prozent bedeutete. WaS hat diese Staaten Und zuletzt Frankreich dazu bewogen, von dem Jahrhunderte geheiligten Grundsatz abzugehen, daß die Werteinheit in einem festen unabänderlichen Verhältnis zum Gold verbleiben müsse? Die Weltwirtschaftskrise, welche die Fäden deS Wirtschaftsverkehrs zwischen den einzelnen Staaten zerrissen hat, hat auch'di«-Währungstheorie und Notenbankpolitik von Jahrhunderten über den Haufen geworfen. Soll bte Krise überwunden werden, müssen diese Fäden wieder angeknüpft, d. h. der Außenhandel' belebt, die Ausfuhr gesteigert werden. Die Herabsetzung des Wertes, der Währungseinheit in Frankreich hat vor allem den Zlveck, die Konkurrenzfähigkeit der französischen Industrie auf den Weltmärkten zu steigern-.-Nehmen wir an,.daß die Produktions- .kostefl.einerWare,- die.iy Frankreich erzeugt wird, 109 Francs'beträgt! so kostete die Ware in England bisher 1.26 Pfund, während dieselbe sagen wir deutsche Ware nur 1.19 Pfund-kostete. Deutschland schlug also auf dem englischen Markt die französische Ware aus dem Felde.. Nach der .Entwertung wird aber di« französische Ware nur .ein Pfund kosten, wodurch nunmehr der Preis der deutschen' Ware unterboten werden wird. Di« Hauptabsicht bei der Abwertung des französischen Franc,ist also die Konkurrenzfähigkeit der französischen Industrie und damit di« Ausfuhr zu steigern, das Heer der-Arbeitslosen in Frankreich her- abzu-rücken, Frankreich aus der Krise herauSzu- führen. ,". Die- Regierung Blum hat bei ihrem Antritt im Juni die- Franc-Abwertung nicht in ihr Pro« Frankreich treu dem Völkerbund Kr' 1'”' und seinen Verbündeten Genf. In dec Bölkcrbupdsvcrsammlung, In welcher am SaniStag die allgemeine Aussprache Uber die politische und wirtschastliche Lage fortgesetzt wurde, ergriff der französische Außenminister D e l b o S das Wort. DelboS stimmte mit dem englisches!'Außenminister Eden bezüglich- der Konzeption de» Lebens der Völker und der Welt überein. Der Schutz der individuellen Freiheit, des Willens und des Rechtes der Nationen und der Demokratie ist das Wesen der französischen Republik. Wir müssen die Freiheit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit der Völker- verteidigen, da sie die notwendige Bedingung der Sicherheit und 'ber'intern'ätion'alen Gerechtigkeit'ist)'-"'--c'; i. -' DaS internationale Recht mutz endgültig'vor- Ausschreitungen„des nationale» Rechtes" und vor den Ansprüchen diesoS Rechtes gefchüht werden— eS muß eine universelle Norm werden. Jeder mutz die Freiheit de» Nächsten respektieren und Zugeständnisse zugunsten des allgemeinen Jntetesseömachen.-DaS sind dir Prinzipien und, Methoden deS Völkerbundes und nur diese Prinzipfen führen zur Erhaltung deS Friedens. Er bedauerte weiters, daß bisher keine Fortschritte in den Verhandlungen über ein neues L o c a r n o erzielt wurden. Die französische Regierung bleibe weiterhin bereit, Abkommen abzuschließen, welche die Sicherheit aller interessierten Staaten gewährleisten und alle Nebengedanken auf Hegemonie und Ein kreisung au»schließen würden. Vergessen wir aber Nicht, sagte DelboS, daß cs vor allem'der V ö l k e r b rrn-d.ist, der gemäß dem Pakte die Sicherheit aller seiner Mitglieder gewährleisten fall. DelboS sprach sich darauf für den Gedanken der Regionalpakte a»S. und. erklärte,- Frankreich wolle durch seine Treue jenen ein Beispiel geben, mit denen eö gegenseitige Ueberrln»' kommen unterfertigt habe. -«- Mißfallen In Paris, über Edens-Rede' Paris. Die' Gsnfir Rede de»! britischen' Außenminister»'^ d e n, in der ersichfüreiNe Trennung deS Völkerbundes von. den FriedenS.« verträgen aussprach, hat in der französischen Presse große Erregung hervorgerufen.«Petit P- arisie n" meint, daß die Worte Edens dem Verfafller'Vertrag' einen Schlag versetzen -können, der in einzelnen Teilen-bereits verletzt wurde,'dessen Territorialklaüseln aber bisher unberührt sind.„Echo de Pari»" erklärt, daß Eden Deutschland eine große moralische Konzession gewährt hat. Wir sehen heut« England, schreibt das Blatt, wie es dem Revisionismus ermuntert, wie es einer Erwähnung über den Sicherheitspakt für Nordost-Europa ausweicht' und dessen Kommunique bereits nicht über die Verpflichtungen gegenüber dem Pakt spricht. 32'' ffommu ßarbox macM Revolution (Roman mm 9rlt« flon.. Sie Ivürden mich verstehen." Tommy war zu allem', bereit. Der arme Caldelari tat ihm leid, aber dort landeten gerade dse Truppen. Prächtige Burschen! Wie das klappte! Und er konnfe nicht loskommen.wa» siel bloß diesem Mann ein, ihn hier mit seinen privatesten Angelegenheiten fcstzuhaltcn?'.-- Als hätte Caldelari diesen Gedanken geahnt, fuhr er setzt fort: „Ich weiß., s-. ich sollte nicht darüber sprechen... cs geht niemanden an als mich. 1. und sie... aber wer solche Stunden mitgemacht hat, wie ich, dem find diese Erwägungen nicht Mehr wichtig... jetzt ist nur noch eine», auf der Welt.,.'ich muß Fulvia sehen V.". ich muß sie sprechen.-.'. sie wird mich verstehen'... sagen Sw-ihr das.-.-.. ich verzeihe ihr alle»... nein, nein, sagen Sie da» nicht.'. ich habe ihr nichts zu verzeihen',-.. sie soll nur wiederkommen. eS wivd! alle» ander».-q..!., sagen Sie ihr..." Aber Tommy hörw' nicht mehr->-Die Truppen hatten sich formiert, die Offizier« gäben laute Befehle, Zuschauer sammelten sich?- Das ging Nicht länger ohne-ihn. '„Ich werde es ihr sagen", erklärte er, riß sich los und stürmw winkend und rufend davon. Wenn er noch wenigsten» ein paar Bilder von den marschierenden Truppen mit dem Hafen im Hintergrund erwischiel Und Caldelari stand regungslos und besah mit seinen müden tränenden Augen den abgerissenen Knöpf, der'ihm in dir Hand, geblieben War. XXII. ,-Sind Sie sicher, daß niemand Sie gesehen! hat?" fragte Rodriguez den Sekretär. '„Bestimmt.' Die Straßen' waren noch ganz! leer", Jgnacio konnte feine Aufregung nicht ver»i bergen,„aber ich bin nachher in die Nähe des Hafen» gefahren, dort sind eine Menge Menschen. Und die Schiffe find'auch schon hiir, sie landen Truppen."-« ,, Der Präsident- blieb gleichmütig. '„Das qiles,"geschieht nicht zum erstenmal,- mein Lieber.'Däran werden Sie sich, gewöhnen." - Deö Hauptmann Pedro Morale» stürztest»-, angemeldet in». Zimmer; er war' ein kräftiger Mann von etwn'vierzig Jahren, trug einen kleinen, schwarzen Schnurrbart in dem breiten, gelbe» Gesicht und" schaut« augeMicklich au» seinen, dunklen, runden:-'nicht- übertrieben intelligenten Augen ganz entsetztdrein. Verzeihung/, däß' ich' so formlos«in« dringe... aber e» gibt Revolution e» ist. höchste Zeit... sch habe die ganze Truppe kon« signiert'.;. die bilden Maschinengewehre stehn bereit'... soll ich' die wichtigsten Punkte be-i setzen?"- ,Lassen Sie di« wichtigsten Punkte ruhig! unbesetzt", Rodriguez' lrhntesich zurück und sah lächelnd seinen Feldmarfchall an, der-den-Blick ziemlich verständnislos erwiderte. ii?!':,Ja-.'s..-..aber stotterte er schließ- lich,„die Aufständischen sammeln, sich doch bc-. reit» im Hafen... an den Straßenecken Neben Proklamationen." „So, so... was steht denn darauf?" -„Ich habe eine heruntergerissen..." Der Hauptmann wurde rot und verlegen,„ich Möchte sie Ihnen aber nicht geben,.. es ist eine Niedertracht ohnegleichen... ein schamloser Verrat..."- „Zeigen Sie mir da» Ding nur ruhig her!" „Aber wir haben keine Zeit! Geben Sie Mir Befehl, den Hafen zu räumen, ich bitte Sie!" . Der Präsident schüttelte nur den Kopf; er nahm.'dem Hauptmann, die Proklamation aus der Hand und überflog sie: .«Aus den Ketten der Diktatur...^ ein ganzes Voll despotisch an. seinem-Ausstieg hindern...- achtmal das Wort Freiheit-... das mit dem Erschießen dürfte ganz ernst gemeint sein.,.- nein, mein lieber Morale». wir schlagen uns nicht... Sie können nichts.Besseres'tun, al»'die Truppe, der neuen-Regierung zur Verfügung' zu stellen...". „WaS? Niemals! Lieber.,.*- „Wir wollen keine großen Worte brauchen.... es.ist zwecklos, Blut zu vergictzkn. haben Sie denn nicht die beiden Kriegsschiffe im Häfen gesehtn? Was wollen^ Sie dagegen mit Ihren, Leuten anfangen?" Der Hauptmann wär nicht- so leicht zu entmutigen. „Ich kann die Stadt-lange halten"; erklärte er und stieß den Säbel auf den Boden,„das ganze Boll.wird mit un» sein/' „Möglich, sehr wahrscheinlich sogar, aber dfe Stadt ist mit den SchiffSgefchützen in einer Viertelstunde-zusammengeschossen. Wozu.? Nein, .nein, Sie'tun dem Staat und mich mir einen besseren-Dienst, wen» Sie dse.Ordnung aufrechterhallten und die-Leut«'vor Dummheiten bewahren." s Fortsetzung folgtjj Wr. 226 Sonntag, 27. September 1636 Seite 3 tfudetendeutsdier£eitspiegei »>uung I>u, uie«euic ocrpritajicii jouieii, gcweiuicn Sirenen vcinnni, cveniauo I ihren Austritt, aus der Gcwcrbepartci zu vollzie-!günstigen wirtschaftlichen Lage befindet. hen, worauf ihre Aufnahme In die SdP erfolgen würde! Wieder ein Poftbeutelraub. Bor einigen Wochen wurde, wie bekannt, in Kaaden ein Post- bcuteldiebstahl verübt, der bisher noch nicht aufgeklärt erscheint und zu dessen Klärung nunmehr eine Belohnung von über 5000 Xi ausgeschrieben wurde. In den letzten Tagen hat sich ein ähnlicher Postbeutelraub in der Ortschaft Tscher- noschinIm Planer Bezirk zugctragcn. In dem abends von Tschernoschin nach Plan fahrenden Postautobus wurde ein Postbentel mit einem Geldbetrag von 75.00 Kö uyd mehreren rekommandierten Sendungen in einem kofferartigen Behälter am Autobus untergcbracht, worauf der Behälter versperrt worden war. Bei der Ankunft in Plan lvurde festgestcllt, daß der Postbeutel mit seinem wertvollen Inhalt verschwunden ist. Die Gendarmerie hat die Nachforschungen nach de>r Räubern ausgenommen. Jugendliche Brandstifter. In der Ortschaft Kutsch bei Theussing sind vor etwa zwei Wochen während der Nachtstunden mehrere landwirtschaftliche Gebäude niedergebrannt, nachdem vorher ein Strohschober in Brand gesteckt worden war. Nach der Sachlage nahmen die SicherhcitSorgane an, daß es sich hier um eine Brandstiftung größeren Ausmaßes handelte, und cS gelang den Nachforschungen der Gendarmerie schließlich auch, den Brandstifter in der Person der zwanzigjährigen LandwirtSsohneS Franz Dwirschnik auszuforschen und festzunehmen. Bei seiner Einvernahme gestand Dwirschnik die Tat ein und gab als Grund der Brandstiftung an, daß er erbost. war, weil ihn sein Vater habe nie mit den Pferden fahren lassen. Der Nachbars Anwesen habe er deswegen, in Brand gesetzt, weil dieser ihm vor einiger Zeit einmal eine Ohrfeige versetzt hatte. Der durch den jugendlichen Brandstifter verursachte, Sachschaden ist sehr beträchtlich. „Volksgemeinschafts-Methoden AuS Elbogen wird uns geschrieben: In der Ortschaft GrünlaS im Bezirke Elbogen ist es dieser' Tage zu bemerkenswerten Vorkommnissen gekommen, deren Weiterungen nicht auSbleiben dürften. Der Obmann der Ortsgruppe Grünlas der deutschen Gewerbepartei hatte sich als Mitglied der SdP eintragen lassen und sich von seiner bisherigen Partei(Stenzl-Orgänisation) abgemeldet. Nunmehr forderte die Ortsleitung der SdP von ihm, er möge die OrtSorgänisation der Gewerbepartei überhaupt auflösen und die Mitgliederschaft geschloffen in den In der SdP organisierten„Stand für Handel und Gewerbe" überführen. Da dieser Ansinnen abgelehnt wurde, kam eS zum Ausschluß des kurz, vorher aufgcnom- menen Obmannes der. Gewerbepartei aus der SdP bzw. auS der von dieser angestrebten„Volksgemeinschaft".• Im Zusammenhang damit schickte die SdP an alle Gewerbetreibenden des Ortes vorgedruckte' Formulare, durch deren Unterfer- iigung sich die Leute verpflichten sollten, Deutsche Kinder In tschechischen Kindergärten Die Zahl der deutschen Kinder,«welche tschechische. Schulen besuchen,'steigt. Nahezu 16.000 Schüler deutscher Volkszugehörigkeit sitzen in tschechischen Volks- und Bürgerschulen. Daß aber selbst in den Kindergärten und Tagesheimstätten der Anteil, deutscher Kinder an tschechischen Anstalten keineswegs geringfügig ist, beweist uns. die gmkliche Statistik. Nach ihr waren im Vorjahre nicht weniger als 8503 Kinder deutscher Nationalität an tschechischen und slowakischen Kindergärten eingeschrieben. Es ist nur selbstverständlich, daß ein Großteil dieser Kinder unserem Schulwesen verloren geht und. nach den« Besuche des. fremdsprachigen Kindergartens auch in die andersnationale Schule übertritt. Wie geringfügig andererseits die Anzahl der tschechischen und slowakischen. Kinder ist, welche in deutschen Kindergärten'und Heimstätten erzogen werden, zeigt »ns die gleiche Statistik, die uns angibt, daß 1935 insgesamt 408 tschechische und slowakische Kinder in deutschen Anstalten für vorschulpfltchtige Kinder eingeschrieben waren. Der Zufall— der eS übrigens durchaus mit der Demokratie und der Anständigkeit zu Halter» scheint— hat uns schon ivieder ein Dokument auS der SdP zugeführt, das sich mit seinem Inhalt würdig«inreiht in die Unsumme von Material, dar bereits zu schwerster politischer und moralischer Belastung der Partei Henleins aufgehäuft ist. ES handelt sich um einen ganz unge» wöhnlichenSchnorrbrief, der über die Methoden, aber auch über die gesamtpoli» tische Stellung der SdP zum demokratischen Staat bezeichnenden Aufschluß, gibt zumal kein Zweifel darüber bestehen dürfte, daß die in dem nachstehend abgedruckten Brief aufscheinenden Methoden von der SdP nicht nur in Lerchenseld(Aussig), sondern überall gepflegt werden. Hier der Brief: Werte Bolkrgenoffenl Die Untergruppe Lerchenseld der SdP ist am 25. Juni 1986 eine selbständige Ortsgruppe mit eigenem Wirkungskreis geworden. Er ist unsere Pflicht, daß wir uns nun restlos für unser Volkstum im Stadtteil Lerchenfeld, speziell in politisch, sozial und kommunalpolitischen Belangen einzufetzen haben. Eine wirUIch durchgreifende und zweckentsprechende Arbeit kann aber nur dann geleistet werten, wenn wir auch finanziell die nötige Kraft besitzen, soziale Hilfsarbeit zu leisten. Wir wisse«, daß Sie infolge Ihr« Stellung nicht Mitglied der SdP werden können, hoffen jedoch, daßSieunserenKassier gramm ausgenommen, eS war damals ihre Absicht, den Wert des Franc aufrecht zu erhalten. Sie wollte einer Abwertung au-weichen, weil sie davon eine Senkung der Reallöhne der französischen Arbeiter befürchtete. Sie hat sich aber zur Abwertung dennoch entschloffen, weil in Frankreich jedenfalls die Auffassung durchgedrungen ist(auch in der französischen Sozialdemokratie), daß die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, dieses größten wirtschaftlichen UebclS Frankreichs und seiner Ar- beitcrklasse, eine der Hauptaufgaben der sozialdemokratischen Negierung ist. Line Hebung des französischen Exports wird nach der Auffaffunz der' französischen Regierung eine so günstige Wirkung auf die französische Volkswirtschaft und damit auch für die französische Arbeiterschaft haben, daß etlvaige ungünstige Folgen der Franc-Abwertung demgegenüber«ine geringere Rolle spielen dürften. Die Negierung Blum wird wohl auch Maßnahmen treffen, damit die Entwertung des Franc von der Spekulation nicht zu einer unbe- . rcchtigten Teuerung auSgenützt wird. In dieser Hinsicht zeigt da» tschechoslowakische Beispiel,»aß die Entwertung einer Währung durchaus nicht .mit einer in demselben Maße erfolgenden Preissteigerung verbunden sein muß. Ein zweiter Grund für die Entwertung der französischen Währung dürfte die Kapitalsflucht aus Frankreich gewesen sein, Goldwährung bedeutet, daß jedermann an den Schaltern der Notenbank.. Noten-gegen Gold einwechseln-kann. <'GlaUbt'mmn'/"daß''dkt Weit der Noten'ist.'absehd ' barer Zeit sinken werde, dank wechselt man Noten ; gegen Gold ein in der Hoffnung,. für dieselbe Menge Goldes später mehr Noten zu erhalten. . Vielfach hat inan für das Gold, das man wechselt, fremde Devise» gekauft oder man hat es auf alle mögliche Art ins Ausland verschoben. Dadurch drohte Frankreich eine Kapitalverarmung, der französischen Notenbank eine Goldverminderung. Diesen Goldabfluß suchte die Bank von Frankreich in den letzten Tagen mit der Heraufsetzung des Zinssatzes zu begegnen, das heißt, sie hat den Zinsfuß, für die Belehnung von Wechseln erhöht.' Da dies nun nichts genützt hat, hat die Regierung die GoldeinlöfungSpflicht der franzö- schen Notenbank, also de facto die Goldwährung aufgehoben, das wirksamste Mittel angewendet, um den Goldabfluß abzustoppen. Durch die Entwertung deSFrancS werden, naturgemäß die Gold? und Devisenvorräte der französischen Notenbank überdies an Wert'gewinnen.. Zweifellos, wird die Tat der Negierung Blum Folgen auch für andere Länder haben. Ob der Wert des HollandguldenS, ob der Wert der deutschen Mark, von der es schon verschiedene enttver- tete Sorten^(Sperrmark usw.) gibt, ob schließlich der Wert der Währung auch anderer LK.ider wird aufrecht erhalten werden können, diese Frage tvird in der. nächsten Zeit jedenfalls lebhaft erörtert werden und umstritten sein. Die Schweiz, welche ebenso wie Holland bisher unentwegt an > der Goldwährung festgehalten hatte, kündigt be- 1 teils die Devalvieruug an. Die Tatsache, daß ! Frankreich im Einvernehmen mit England und I Amerika vorgeht, läßt hoffen, daß die drei Län- » der gemeinsame Bemühungen anstelle», werden, um den Wert ihrer Währungen so festzusetzen, daß der- internationale Warenaustausch lebhafter werden und damit die durch die Weltwirtschaftskrise zerrissenen Wirtschaftsbeziehungen wieder neu gestaltet werden können. Sollte eine solche WähriingSvereinbarung der drei Länder vorliegen,.wäre dies für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft nicht ungünstig. Die Londoner Welt- wirtfchaftskonferenz von 1988 Ist gerade, daran gescheitert,, daß die Amerikaner sich zu einem solchen Abkommen, welches«Ine Stabilisierung ihrer Währung zur Voraussetzung gehabt hätte,■ nicht entschließen konnten. Wen» sich nun die drei .großen Staaten am Atlantischen Ozean über ihre Währungspolitik-verständigen, wäre die Möizlich» . leit-einer-internationalen Regelung'der Wäh- fl rungsfragcn und damit internationaler Berein- barnngen zum. Wiederaufbau'der Weltwirtschaft '' gegeben. Werden das die Folgen der,französischen -WährüngSabwcrtung sein, dann wird sich die Re« . gierung. Blum ein ganzbedeutsames. Verdienst an . der. Bekämpfung de» weltwirtschaftlichen Krisenelend» und an der Herbeiführung besserer Zeiten sür die ganze Welt erwerben. Die Anbaubeschränkung für Kleinlandwirte gefallen In der freitägigen MinisterratSsttzung wurde, wie wir berichtet haben, di« Regierungsverordnung 221 aus dem heurigeir Jahr« abgeändert. Durch diese während der politische» Ferien erlaffene Verordnung war für daS Wirtschaftsjahr 1936137 eine Beschränkung der Getreideanbauflächen festgesetzt worden. Diese Bestimmung . empfanden die Besitzer von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben alS schwere Benachteiligung, nicht nnr wegen der Einbuße an sich, sondern auch deshalb, weil die Beschränkung den kleinen Landwirt naturgemäß vwl schwerer getroffen hätte olden Besitzer großer Grundbesitze, Ihre Forderungen, welche vom Verband der Kleinbauern verdolmetscht wurden, fanden erfolgreiche Unter- siützimg durch die deutsche sozialdemokratische«nd die andern sozialistischen Parteien. DaS Nnrecht, welches den Klcinlaudwirtcn drohte, wurde nunmehr durch den MinifterratSbeschlust korrigiert, .Wonach Besitzer von landwirtschaftlichen Betrieb«: bis zu fünf Hektar Ackermatz zu einer Beschränkung der Anbaufläche nicht verhalten werden können. nicht abweisen. Wenn er Ihnen monatlich eine S p e n d e m a r k t anbieten wird. Die Spendemarken sind zum Preise von: 50 Hellern sowie XL 1.—, 2.—, 8.— und 5.— zu haben. Diese Marken dienen zur Abrechnungskontrolle. Abnehmer derselben werden ttrab« als Mitglieder noch in irgendwelcher Liste geführt, Sie müssen die Marken nicht auftewahren, sondern können dieselben auch vernichten. Die gegenivärttge Zeit verlangt von allen dolkrbewußten Menschen«Ine ununterbrochene Opserfreudigkeit. Wir opfern für unser Volkstum außer den geldlichen Auslagen durch unsere Mitgliedschaft auch unsere persönliche freie Zeit. Wir glauben, daß auch Sie zur VolkStumSarbeit beitragen werden, indem Sie un» monatlich eine kleine Spende durch den Kauf unserer Spendemarken zu- . kommen lassen. Mit deutschem Gruß Der Ortsleiter: Der Werbeleiter: Rudolf Kober. Joses Walter. Daß aus diesem Briefe auch hervorgeht, wieschlechteSbereitSnmdiefinan- zicllc Lage derSdP steht, ist gewiß auch interessant genug. Aber e» ist nicht da» Wesentliche. Entscheidend ist vielmehr, daß die SdP solche Tarnungsversuche der Staatsbürger betreibt, Methoden also, die in einem demokratischen Staat beispiellos ahme- g I g wirken. Auf solche Weise werden also Mcn- fchen, die mit der SdP nichts zu tun haben wollen, fast ter r o r i sti s ch g e n öti g t, ihr Geld der SdP zuzuführen, widrigenfalls ihnen wohl eine Art Pranger drohen dürfte. Zeltungintto der SdP Da» Kreisblatt der SdP für Westböhmen und den Böhmerwald, der in Marleuüad gedruckte „Heimatruf" ist, wie bereits berichtet, in Schwierigkeiten wirtschaftlicher Natur gekommen, da-bic Druckschulden eine Höhe erreicht haben, die den Drucker des Blattes, Gfchihay in Marien- bad, veranlaßt haben, die weitere Herstellung des Blattes ohne eine größere Abschlagszahlung abzulehnen. Die Bemühungen des Kreises Westböhmen—Böhmerwald der SdP, wettere Betriebsmittel für den„Heimatruf"— nebenbei gesagt: eine der am schlechtesten geleiteten Zei-. tuugen der SdP— aufzutreiben, sind gescheitert, weshalb die Zusammenlegung des„Heimatrus" mit dem in Prag als Ersatz der verbotenen „Rundschau" gedruckten„Ruf" ins Auge gefaßt wurdet Aber auch'hier haben sich anscheinend Schwierigkeiten' ergeben, weshalb' nunmehr die Vereinigung des„Heimatruf" mit'dem in Asch gedruckten„Volkörus" des Äbg. Wollner erfolgen soll, einem Blatte, daS sich indessen, wie in ein- geweihten.Kreisen/bekannt, ebenfalls in keiner Politische Tarnung und Unehrlichkeit gelehrt und betrieben von der SdP Henlein auf gutem Wege Einigung oder neue Partei? Die auch über die internsten Verhältnisse in der SdP gewöhnlich sehr gut informierte „Neue M o r g e n p o st" meldet aus der SdP unter anderen: Das Wochenende hat nicht die Einigung ge- bracht, die von vielen Selten erwartet worden war. Der Führungskörper der SdP beriet über die Sachlage. Jedenfalls werden in der nächsten Woche die Verhandlungen fortgesetzt. Einigung— Nichteinigung: beide Möglichkeiten haben zur Stunde f.a st gleich-groß« Chancen. Im Vordergrund der Möglichkeiten steht.- eine Einigung auf der Grundlage, daß drei bis vier neue Mitglieder und von den„alten" Hauptleitungsmitgliedern Henlein, Dr. Neu« Wirth, Dr. Peters, Dr.. S e bekam s k y, K. H. Frank und wahrscheinlich auch Abg. K u n d t die neue Hauptleitung bilden sollen. Dr. Ionak als Generalsekretär muh als neuer-Mann gewertet werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß ein Neuer auch mit der Stellvertretung Konrad Heg« le ins betraut werden wird. Im Falle einer Nichteinigung ist wohl besttmmt mit der G r ü n» dung einer neuen Partei zu rechnen. j Die zweite Etappe der Prfisidentenrelse Samstag früh trat Präsident Dr. Benes von Topoliianktz aus seine zweite Fahrt durch die Slowakei an. Die Fahrt führte-über die Nitracr Berge, die im Sonnenfchein in der bunten Pracht Ihres Herbstgewandes strahlten.- Der Präsident hielt sich in Volks Uherce, Oslany, Prievidza, Deutsch-Pravno, Klästor, MoSovce, Btzstrikka ü»d Turi. Sv. Martin auf. In Deutsch-Pravno, einer deutschen Sprachinsel, erlvidcrte der Präsident auf die Begrüßung des deutschen Bürgermeisters und eines slowakischen Lehrers u. a. in deutscher Sprache: Daß die beiden Nationalitäten hier so gut Mitarbeiten, höre ich mit besonderer Befriedigung. Uebrigens habe ich bereits.vor einer Woche den Vertretern der deutschen Minderheit in Preßburg gesagt, wie ich über die Stellung der deutschen Minorität in der Slowakei denke. Es ist im Interesse des Staates gelogen, daß sie alles hat, was sie zur Pflege ihrer Sprache und ihrer Kultur benötigt. Und es ist in Ihrem Jntereffe, im Interesse der Deutschen in der Sloivakei gelegen daß sie sich wohl bewußt sind,, daß unser republikanisches Regime auch ihnen eine Wiedergeburt gebracht hat; daß bloß unsere Demokratie, unsere/tolerante Nationalitätenpolitik eine. Gewähr dafür bietet, daß Sie in Hinkunft stets in der Lag« sein.werden, sich als Deutsche zu fühlen und auch asS.solche.öffentlich, zu bekennen. Oer Bund der Deutschen wird um Aufklärung gebeten Unser„Freigeist" in Reichenberg verösscnt- licht folgendes Schreiben: Niederbsrzdorf, am 8. Sept. 1086. Bundesgruppe Niederberzdorf des Bundes der Deutschen Jeschken-Jser-Gau. Bundesbezirk Neichcnberg. Herrn Ludwig S c i b t und Frau Emina Seibt, Niederberzdorf Nr. 107. Die hiesige Bundesgruppe mmbt hiemit die Mitteilung, daß Sie und Ihre Fran ab heute als Mitglieder der hiesigen BundcSgrupps als g e st r i ch e n erscheinen, lvovou Sir bitte Kenntnis nehmen wollen. • Mit BundeSgrnß Für (Stampiglie.) Bund der Deutschen Bundesgruppe Niederberzdorf ufw. Emil Richter, Rudolf Hergesell, Schriftführer. Gruppenführer. Zur Illustrierung dieses Briefes teilt der „Freigeist" mit, daß Seibt, welcher bisher im Ausschuß der Bundesgruppe wirkte— auch Mitglied der SdP tvar, sich von dieser abwandte und zur Opposition der SdP übertrat. Weiter:st bemerkenswert, daß der Schriftführer Emil Richter, der den oben lviedergegcbencn Bries mit unterfertigte, S ch u l u n g S l c i t e r derSdP ist. Der Bund der Deutschen, der doch vorgibt, parteilos zu sein, wird doch nicht etwa ein AuSschußmitglied nur deshalb ausgeschlossen haben, weil er aus der SdP austrat? I Um Aufklärung wird gebeten. Seite 4 Sonntag, 27. September 1838 Nr. 226 loledy In der Hand der Aufständischen Der Runtzfünksender von Saragossa teilte Samstag abendS mit, daß der Anfständischen- Obcrstleutnant die RegietungStruppen aus der Stadt Toledo vertriebe» und den Alcazar ic- fctzt hat. Madrid. Das Kriegsministerium meldet, daß die RegierungStruppen nur mehr zwei Kilometer von Oviedo entfernt sind. Weiters meldet cs einen Sieg der RegierungStruppen in der Umgebung von Setamo an der arqgonischen Front. Bilbao wurde von den Fliegern der Aufständischen sofort nach Ablauf deS Ultimatums des Generals Mola bombardiert. Der Nordbahnhof steht in Flammen. Die Fliegerangriffe haben unter der Bevölkerung ungeheure Erbitterung verursacht, so daß man offen die Erschießung bestimmter Geiseln verlangt. Ein Sender der Aufständischen meldet, daß die Im Alcazar eingeschlossenen Kadetten am Freitag während eines heftigen Gewitters einen Ausfall unternahmen und in der Stadt eine Menge Lebensmittel erbeuteten, mit denen sie ungehindert wieder In die Festung gelangten. Keine Flucht Azarias Genf. Zu der Meldung, daß der Präsident der spanischen Republik Azaüa und mehrere Persönlichkeiten der Regierung den argentinischen Botschafter in Madrid uin Asyl auf der Botschaft ersucht hätten, erklärte der hier weilende spanische Außenminister Alvarcz de Vayo dem Havas-Kor- rcspondenten: Sie können all« Gerücht« über die angeblich geplante Abreise des Präsidenten der Spanischen Repuhlik aus Madrid auf das entschiedenste dementieren., Ach habe heute mit dem Präsidenten Azana eine telephonische, Unterredung., gehabt und der Präsident hat mir mitgeteilt, daß ex gerade heute, ein Dekret, unterzeichnet hat, durch welches der Vertreter' der nationalen■ katholischen Baskenpartei Jrujo zum Minister ohne Portefeuille ernannt wurde. Ungarischer Innenminister befürchtet Unruhen — und will dafür die Sozialdemokratie verantwortlich machen . Budapest. Junciuuinistcr Kozma wies bei einem Prcsseempfang daraufhin, Laß daS Organ der sozialdemokratischen Partei, daS Blatt„N e- pszava" durch Wochen hindurch politisch und journalistisch einen Standpunkt vertreten habe, der„d t e. N a t i o n verletzte" und „E in p ö tun g" hervorgerufen habe. Wenn man bisher der Meinung war, daß die sozialde- mokratische Partei die Grenzen, welche die zweite und dritte Internationale voneinander scheidet, kennt und respektiert, bilde sich durch das Verhalten des genannten Parteiorgans in der öffentlichen Meinung des Landes die Auffassung, daß diese Grenzlinie im Verschwinden sei. Wenn ein- zcliie Funktionäre der sozialdemokratischen Partei versicherten, daß dies nicht der Fall sei, dann würden sie dies unzweifelhaft zu beweisen haben, da ividrigenSfallö der Anschein erweckt werden könnte, daß sie nicht die Führung in. den Hände» haben, sondern daß sie selbst die Geführten sind. Der Minister erklärte, daß er, um die Ruhe und Ordnung im Lande aufrechtzuerhal» tcn, gegebenenfalls energische Maßnahmen treffen würde. Zu diesen würde das Verbot des Blattes„Nepszava" gehören. Im Falle von Unruhen würden jedoch nicht die Irregeleiteten verhaftet werden, sondern diejenigen, tvelche die politische und moralische Verantwortung für die Geschehnisse zu tragen haben. Die erforderlichen behördlichen Verfügungen würden ohne Rücksicht auf Personen oder Stellung des Verantwortlichen binnen 24 Stunden, nötigenfalls binnen einer Stunde getroffen werden.' Der Erekutivansschust der Parlamentsfrak- tion der ungarischen sozialdemokratischen Partei konstatiert zu der Erklärung des Innenministers, daß die Ereignisse im Aizslande k e inen'Einfluß auf di« politische Haltung der ungarische« sozialdemokratischen Partei ausüben können. Die sozialistische Partei stnd di« Arbeiterschaft gehören dem nationalrn Ganzen und sind dessen organische Bestandteile. Di« Partei konstatiert, daß sie sich im scharfen Gegensatz»uni Bolschewismus und zu der driften Internationale befindet und die öffentlich« Ruh« durch dir Tätigkeit der ungarischen sozialdemokratischen Partei in keine r W e i s e gefährdet«erde. Per Albin Hansson nach seiner Wiederbetrauung durch den König Man kann sich nicht wundern! In einem Prager Miüagsblalt konnte man gestern an der Spitze der ersten Seite eine Notiz mit der Ueücrschrift„Bürgerkrieg in Spanien, gespannte Lage Europas" finden, die also den Anschein erweckte, es werde hier zu den erregendsten und schicksalsschwersten Zeitereig- nissen Stellung genommen werden. Tiefsinnig wurde da gesagt:„Man'kann sich nicht wundern, wenn die Menschen, vorzeitig altern, nervös werden, an Schlaflosigkeit und Neurasthenie leiden und auch impotent werden.".Gewiß kann man sich nicht wundern:. eS soll^sagqr.v.ytz kommen, daß infolge des faschistischen AuMüW in Spanien Menschen nicht nur vorzeitig altern, sondern sogar vorzeitig, sterbens und-ini Mittelpunkt der Genfer Auseinandersetzungen stehen Fragen, von deren Entscheidung Leben oder Tod des Völkerbundes, Dauer oder Ende des nach dem abessinischen und spanischen Kriege noch verbliebenen WeltfriedenS-ResteS abhängcn. CS ist nicht zu leugnen, daß für eine Zeitung Anlaß genug besteht, sich mit den Ursachen und Folgen dieser woltbewegmdcn Ereignisse zu befassen: In der erwähnten Notiz aber geschieht daS mit folgenden Worten:„Die Folgen davon sind ein Nachlassen der Energie und infolgedessen auch Verlust der erkämpften LebenSPositioncil. Irgendeine Ursache.muß jedoch dieser Zustand hoben. Die Aerzte nennen es Hormonmangel. Infolge zu raschem Leben(das mörderische Tempo der Zeit bedingt dies) können die Drüsen im Körper die anSscheidcnde Substanz(Hormone) nicht' so rasch wieder ersetzen". Aber, wie — in dem gleichen Sprach-Stil— weiter erzählt wird, ist das alles.nicht so arg, da sich der Hormonmangcl heute„in idealer Weise" durch ein„Apothekcrmittel" beheben läßt,' das anzuprcisen der Zweck der Notiz war, die mit dem Bürgerkrieg in Spanien und der Lage tu Europa begann. Soll man eine solche Art der Reklame(sie stammt von der„Alten Feld-Apotheke" in Wien) einfach als groben Unfug und rohe Geschmacklosigkeit registrieren? Kommt nicht in der Tatsache, daß ein„tüchtiger" Wiener Apotheker einen solchen impotenten Rekiametext zu' verzapfen und ein Prager Blatt ihn auf der ersten Seite zu bringen wagte, die zynische Nichtachtung gewisser Geschäftsleute und gewisser Zcitungsvcrleger gegenüber der ernsthaft am Zeitgeschehen interessierten Leserschaft zum Vor- schein? Man kann sich nicht wundern, wenn sich die Menschen über einen solchen Mißbrauch der öffentlichen Meinung ihre Gedanken machen und finden, daß dieser Zustand, der ja„irgendeine Ursache" haben,muß, mit dieser Ursache zugleich beseitigt zu werden verdient.. Reu« Gendarmen. Am Freitag-fanden die Schlußprüfungen an der Schule für neue Gen« ' dannen in Treniin-Teplih statt, die sechs Monate gedauert hatte. Es wurden 87 neue Gendarmen auSgemustert, hievon haben 81 die Schlußprüfung mit Auszeichnung abgelegt. Die neuen Gendarmen- werden-jetzt ein-halbes Jahr Bereit« schäftsabteilungen zugeteilt werden,... worauf,.sie. einer Gcndarmericstation eingereiht'werden.' De» Bruder wegen des Erbteils erschossen. In Lapow(Jugoslawien) ereignete sich am Freitag ein Mord, der die ganze Umgebung in Erregung versetzt hat. Der reiche Gutsbesitzer Radoslav Mladenovii hat einen Bruder und zwei Söhne, von denen der älteste, Bogomir, soeben die landwirtschaftliche Hochschule in Paris absolvierte. Der jüngere, Svetomir, studierte Landwirtschaft in Prag und in Paris. Beide lebten In der letzten Zeit auf dem Gute ihres Vaters in Lapov. Ihr Onkel beschloß, sein großes Vermögen dem ältesten Neffen zu hinterlassen, der als strebsamer und ernster Mann bekannt ist. Als nun Freitag abends Bogomir nach Hause zurückkehrte, begannen aus einem Wäldchen sein Vater und Bruder auf ihn zu schießen. Bogomir vermochte unverletzt'zu entkommen, doch wurde er, als er den Hof oetrat, neuerlich beschossen und dabei schwer verletzt. Seine Frau,, die' ihm zu Hilfe eilte, wurde durch Arthicbe in den Rücken verletzt. Der schwer verletzte Bogomir, der inzwischen seinen Verletzungen erlegen ist, beschuldigte seinen Bruder der Täterschlot. Der Vaterund sein'-Mngerer'Söhn-wurden; berchlkftet üntrhaben lüeT'ai-geständen,-HMtWIte . Das Verkehrsflugzeug„Boahicca", Pas seit seinem Abflug von Croydon nach Paris am Freitag mittag vermißt wird, wird, jetzt als. verloren betrachtet. Nach einem, bisher noch unbestätigtem Gerücht find'die Ueberrcste eines Flugzeuges vft» dem Kapitän eines Dampfers am Freitag abends in der Nähe von Hastings im'Kanal gesichtet worden. Man nimmt an, daß es sich um die vermißte Maschine handelt. Auf dem italienischen Flugplätze Eentocello stürzte ein militärisches Erkundungsslugzeug bei einem normalen llebungsflug aus bisher-ungeklärter Ursache ab und zerschellt«. Der Pilot und zwei Beobachter tourdcn getötet. Die.Heilige'Johanna" und die-Zensur,(j) Hollywood hat eine neue Sensation: Den Streit, der zwischen G. B. Shaw und der Filmgesellschaft ausgebrochen, ist,' die seine„Heilige Johanna" verfilmte. DaS Manuskript wurde nämlich auf Wunsch der„katholischen Aktion" und der„Moralwahrungsliga" von der' HayS-Orga« nifation, die alle in Amerika erscheinenden Filme prüft und zensuriert, so stark gekürzt und verändert, daß Shaw sich veranlaßt sah, in der „New Nock Times" einen wütenden-Aussatz unter dem Titel:»Attentat auf die Kunst" zu veröffentlichen. Shatv erklärt darin,- daß die Zensur sogar solche Worte wie„Hölle",„Gott",„Religion",„Erzbischof" usw. vollständig weggestrichen haste. Der Artikel ist der schärfste Angriff, der jemals gegen die amerikanisch« Filmzensur je geführt wurde, Shaw erklärt, daß seine Arbeit bis zur Unkenntlichkeit zerknüllt wurde, und fordert alle wirklich kulturfreundlichen Amerikaner auf, ihn in seinem Kampf gegen die„unverantwortlichen Eingriffe" zu unterstützen. Der Vatikan bekommt«ine TelevisionSstatton. Papst PiuS XI., dessen Vorliebe für modern« technisch« Errungenschaften bekannt ist, hat durch den Dsrektor der Radiostation des Vatikans prüfen'lassest', ob' die TelevisionSäppäräte technisch schon soweit'fortgeschritten-seien, daß sich eine Anschaffung lohne. Der'Direktor riet ab, daraufhin setzte sich der Papst mit Marconi direkt in Verbindung, der ihm erklärtes es sei heute-be- reitS möglich, TelevisionSäppäräte' init einem Radius von 400 Kilometern hortzustellen, so daß cS für die Gläubigen Italien- möglich ,fei, mit tzilse der Television den-Papst während'seiner Audienzen und kirchlichen Funktionen zu''sehen. VorauSsichtlich-wird der Papst siH daraufhin'entschließen-''sich durch Marcvni/eirre Televisionsstation einrichten zu lassen.. j-'-'A—«..--"I Die französischen Apffststsrtttn.,Aekanntsich bemühen, sich die französischen Frauen,seit>eini« ger Zeit in immer stärkerem. Maße.darum, daS | Frauenstimmrecht in Frankreich endlich durchzu- i I setzen. Zu diesem Zwecke wendet' man.Propa«^ ganda-Methoden an, die sich weniger an,, die etwas' rauhen Sitte» der englischen Sussraget-, tcn-Bewcgung aus der Zett vor dem Weltkriege! halten als vielmehr an Reklametricks nach»nie« rikantschem Vorbild.' So halten sich zur Zeit ist Deauville einige französische Frauenrechtlerinnen' auf: Sie trägen alle daS gleiche, bläue Bade«- kostism und darauf In großen weißen Buchstabin'- die Worte:'„Die Fraüest müssen wählen 1""''^ Bekommt der' Olhoip«ine, Eisenbahn?''Der, Berg der Götter bei Athen ist schon seit elstiger'Zeit zu einem Naturschutzpark erklärt worden, doch immer noch schwebt die Frage, ob eine Eisenbahn durch das Gebiet hindurchgeführt werden soll oder nicht. Boni' Standpunkt der Fremdenverkehrswerbung wäre eine Eisenbahn auf. den Olymp' oderwenigenr bi- zum Fuße deS eigentlichen Gipfels eine begrüßenswerte^ Maßnahme. Dagegen sträuben sich aber die, di« de» heiligen Berg nicht durch Lökomotivrauch und Gesellschaftsreisen entweiht sehen wollen. Leider scheint e», als ob auch dieses Mal die Realisten über die Romantiker siegen werden: man wird die olyuchs-' sch« Eisenbahn doch bauen. . Etnrückmbe, Achtung! Die Staatsbalmdirektion in Prag führt«inen Sonderzug von Kaaden- Brunnersdorf nach Chust(Karpatböruß- land). Die Abfahrt erfolgt am 80. September nut' 1.26 Uhr von Kaaden-Brunner-dorf, von Saaz um 2 ,Uhr morgens, von Dejwitz um 4.42 Uhr, von Bubcneö um 5.05, von Kolin um 6.40, von- Pardubitz um 8-85, von Chotzen»nt 0.40, von B.-Trichau um 11 Uhr.— Ein Sonderzug von Kol,in n-ach Kascha u verläßt Kolin um 0 09, Pardubitz 10.58. Chotzen 11.40, Wildenschwert. 12:01,' Böhmisch« Triwau 12.85 Uhr,.— Ein Sonderzug von Pardubitz nach Kaschau fährt von Pardubitz uin 12,18, von Chotzen um 18.05, von Böhm.-Trübau um 14.10 Uhr.— Ein Sonderzuq vom P-raaep MasarYI«Bahnbof nach Kascha» fährt um 11,40-Uhr, Lieben, oberer Bahnhof 11-50,Koli:i 18.06,, Pardubitz 14.06, Chotzen 14.5L Wildenschwert 15.14, Böhm.-Trübau 1.5.48 Uhr.-— Ein Sonderzüa nach N e n s 0 h'l' DaS voranSschanende TelephonfrSnltin.?lch Sonntag boriger-Woche, ül»-d.er Wahlsieg-her'schwedischen' Sozialdeuwk.ratie bereits unverkennbar^w»i!. mclde^did^edäksion^^K^^a^^^^^llfeMs ruugschef-interviewen.,' Bald, klingelte cS'^e Stoch' hylmlkam.i4- und es meldete'.'sich-^ WandAM -lHalloh?"^7-'^ßjnd Sie es, Hcrr-DgatSrsttznPerA" ~„Nein, hier ist der Redakteur Per Albiip-HläE« f ö Das Stockholmer Amthatte.eipfach)gli;ich mit dqn k-o'm,m.e..n.d»e»'„Staatshiipistex Hr- bunden,' wenn er. anch erst drei Tage später vöiii König ernannt-wurden*.; ' Kalte Luft aüS. tuün Norden. Bon Skandinavien her breitet sich' nunmehr.gegen' Mitteleuropa k ätzt e arktisch^ L.st-f.t aus,, div'SHnStäg-machchsttpM in. Begleitung voir starken-hirgenfällcn berestS auch die böhmischejöPöstdZr^rrcichs/hat, Tic TempcratUp- untcrschiede'-zwischen dem Norden und dem Süden EuroPäS-'sstld^daherssehr stark, Hm 14 Uhp weltzitstn zum Beispiel die Stationen-.in Skandinavien.durchschnittlich nur plus 4' Grad Celsius, in' Dtnitschläiid wurden plus 0 bis 1g Grad Celsius., ist:-der. Sso- Inakci 20 bis ätz Grad,stpd auf der Balkgichalbinsel gleichzeitig noch, plus 25 bis.29.GvcchV CelsiaS'-ver'- zeichnet. Solange sich diese Unterschiede nicht ausgeglichen haben werden, wird die ungünstige Wittergug bei uns noch andauern.— Wahrscheinliches Wettet von heute: Veränderlich bis völlig hrwölkt, zeit» weise regnerisch, kühl, frischer, auf den.Bergen^stärz kerer Nordwind.— WetterauSsichten für M 0 ntag: Noch unbeständig, Schauer, kühl; Nordwind,>4. .—■—:—7....., y Vom Rundfunk IwMIuuwertM aua den ProyamMei Montag:.'■' Prag 7.80: Konzert au» Karlsbad,. 9.80: Dvo»« kak: Kompositionen, 15.15: Alma bloss mit ihrem Wiener Mädchenorchester. 17.85: Deutsch«.Sendung: Funkwochenschau, 17.50: Konzert de» FOK-Orche.» sters, Dirigent Dr. Swobohg,"18.40:..Deutsche Presse, 19: Uebertragu'ng asts dem Nationaltheater: LibuSa, Oper von. Smetana, 22150Deutsche; Presse. 28.10: Tanzmusik.— Brünn 0.80: Französische Klaviermusik, 10.15: Salöntrio.— Preß, bürg 16: Nachmittagskonzert.-— Kaschau 12.15: Unterhaltungskonzert.— Mährtsch-Oftran.- 11.40: Mozart: Quartett A-Dur, DienStaßt-- rgw- Prag 10:15: Deutsche Sendung: Fürdle'FtRUs 10.80: Tanzmusik, 11.05:-Rundfunk für dtutsthe Schulen, höhere Stufen: 12.10: Tanzmusiki- iWssr. Deutsche Presse,: 15.80 Militärmusiki»IS.-lstr Deutsche.Sendupg;. Kammermusikkonzert, 18.55: Kulturbericht vom Tage,21: Rugdfunkorchesterkon» il' zett,'22,1ö:.Liedeikönzert.— Brün» 1.6,10:.Populärer Konzert, 17.40: Deutsche Sendpugt Arbei«-' terknnk; Soziale Informationen, Wellän: Dle'Ee- nieinde und die Wohnungsfrage, 18.80^'Tanzmusik.'- — Preßburg 17.40: Operettenlieder, 10,45:Unter» haltungskonzert.— Kaschau 11.05: Schallplatte»'«' konzert. Möhrifch-Oftrau lüchö:.Rundfunk. ; orchesterkonzert,-18.10:- Deutsche Sendung: Land« 'wirtschaft. ,1 Sonntag, 27. September 1036 Stift 5 Brunnsvik- Das Bildungswesen der schwedischen Arbeiterbewegung eine Werkstatt des Geistes ■ Die erste Briefmarke. Der Streit nm die Frage, welcher Staat die f.'te Briefmarke herau»gcbracht hat/WIll nicht' verstiimnien'.' Die Philatelisten aller Länder wollen den Ruhm für ihre Heimat beanspruchen. Während der Anspruch Englastd», sich zuerst der Briefmarken bedient> zu haben, langl Zeit unwidersprochen geblieben ist, kommen jetzt die Griechen mit einem" Bündel bedruckter Zettel, die'man in irgendeinem alten Laden- gefunden hat. Siewurdcn im Jahrc 1831 von der Regie» ruiigrdruckerei der Insel Para» hergestcllt und tragen di« Aufschrift: 40 Lepta. Fachleute behaupten, daß sie zu- nichts andrem als zur Freimachung von Bric- s^n. gedient haben-können. Gleichzeitig melden sich aber.auch die' Franzosen mit einer Entdeckung e ick einem Antiquariat fand sich ein Plakats da» spätesten» im Jahre 1888 gedruckt worde,n sein soll und folgenden Inhalt hat:„Personen, die Nachrichten von einem Oüärtier der Stadt Pari» zum ändern befördert haben wollen, Mögen versichert seinj daß ihre Briefe sicher und casch ausgetragen werden, wenn'sie so vorsichtig sind, ihnen.Zettel anzuhcstcn niit der Inschrift .Bote bezahlt'.".— Damit wäre, also, wenn auch noch nicht die leinstweilen) älteste Briefmarke selbst, so doch! die., Nachricht über sie gefunden, und die Blaue Mauritius hat einen ernsthaften Konkurrenten erhalten., Die Zarenhtzmne im Sowlet-Radio. Jüngst 'gab e» unter den Hörern de» Leningrader Rundfunk» eine beträchtliche. Aufregung: während der NächmittagSsendung hörten die guten Sowjetbürger zu ihrem-Entsetzen.au» dem Radio die Klänge der alten Zarenhtzmne, die von einer Kapelle schmetternd gespielt.Wurde. WaS war geschehen? Hatten sich etwa Stäät-feinde de» Rundfunkhause» bemächtigt? Natürlich tvürde sofort eine Untersuchung eingelei- tet. E» ergab sich folgende»: die Zärenhymne war iM Verlauf eine» musikalischen Programms gespielt worden, da» auS. Georgien übertragen wurde. Zu der Zarenhtzmne wurde ein georgischer Text gesungen, der! einwandfrei satirischen Inhalt» war und da» alte Regime offen verspottete. Natürlich hatten die.Hörer vbn Leningrad kein Wort verstanden, denn di« georgische Sprache, hat mit der russischen keine Äehnlichkcit. Die Erregung war also grundlos, aber immerhin hat. sie zur Folg« gehabt, daß von jetzt ab Radiosendungen, die in irgendeinem Dialekt überträgem werden, durch«inen Dolmetscher in» Russische übertragen werden. Daniels« Darrieur, di« Hauptdarstellerin der^französischen Film»„Der Jungfernklub", Hessen Autor,. Regisseur und Produzent.der; französische Dramatiker Jgcque» Devalssst. B r u n nSvik ist der Stolz der. schwedischen Arbeiterbewegung. Ich habe zwei Tage. hier.verbracht.und.sie haben mir ein unvergeßliches Erlebnis geschenkt. Wa» ist nun diese» Brunnsvik? Der Sih einer Volkshochschule, von denen Schweden etwa ftinf- zig besitzt. Sie wurde im Jahre 1006. von K. E. Forstlund, einem heute noch lebenden schwedischen. Dichter, der sich aller« ding» inzwischen aüs einem Radikalen in einen‘ Konservativen verwandelt hat, ge gründet. Wohl weil die Schule da» Werk eine» Radikalen war, bekam sie keine ftäat- liche Unterstützung und wurde' von allen. Behörden sabotiert!. Und gerade deshalb wurde Brunnsvik das, was es heute ist'— die Schule der Arbeiter! Sie war in ihren Anfängen auf die Unterstützung der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Ar- beitcrschast angewiesen. Erst im Jahre 1011, als tzn Schweden eine linksstehende bürgerliche Regie» rung ins Amt kam, erhielt auch Brunnsvik zum erstenmal eine Unterstützung. Seither wird sie regelmäßig subventioniert. vis Entwicklung der Schule Wie überhaupt in dieser Zeit innerhalb der Arbeiterbewegung das romantische Element-«inen starken Einflust hatte, so hing man auch in der Volkshochschule in Brunnsvik stark an Aeuße'rlich- keiten. Erst Richard Sandler, der Außenminister unter der letzten sozialdemokratischen Regierung, stellte, di« Schul« auf ein« realistisch« Grundlage, als er in den Jahren 1010 und 1011 al», Lehrer und Vorstand in Brunnsvik wirkte. Nach Sandler übernahm die Leitung der Schul» Hugo und gegenwärtig hat sie Rektor Als A h l« berg inne, der, so konnten wir uns überzeugen, bei. den Schülern größte Achtung und Wertschätzung genießt. .. Im Jahre 10^0 wurde Brunnsvik bedeutend erweitert,.lieber Initiativ« Sigsried Hans- s o ns wurden im Anschluß an die Volkshochschule von. der Gewerkschaft-zentrale die neuen Gebäude der.„LandeSorganisationen- Skola" gebaut. Seither arbeiten'Volkshochschule und Gewerkschaftsschule zusammen und unterstützen sich vor allem gegenseitig durch die Ueberlassüng der Schulräume. Durch diese Erweiterung wurde Brunn-vik eine kleine Schulstadt, die geistige Werkstätte der schwedischen Arbeiterbewegung, weil auch der Arbeiter« bildungSverbänd seine Kurse hier abhält. Wir finden/ hier Schulräume: Wohngebäude für dir Schüler und Lehrer, einen.großen gemeinsamen Speisesaal, dar Verwaltungsgebäude und eine Türnhalle. Volkshochschule, Gewerkschaftsschule und der Arbeiterbildungsverband erfaßen jährlich an die tausend Schüler. Namentlich für die Volkshochschule langen jedes Jahr immer mehr Anmeldungen, ein als Plätze zur Verfügung stehen, ' Zwischen Schülern^und Lehrern herrscht auf der.ganzen Linie ein kameradschaftliches Verhältnis und. die ausgezeichnete Lage dieses edlen Gemeinwesen» an. einem See der schönen Landschaft Dalarnä tut da» Neblige, um einen Aufenthalt in Brunn-vik unvergeßlich zu machen. ) Die eigentliche Volkshochschule ist eine Win« tcrschulc, der Unterricht währt. von anfangs Oktober bi» Ende April und ersaht Schüler au» allen Dessen Schweden-.. Ihr..Durchschnittsalter ist fünfundzwanzig Jahre, doch, besuchen auch ältere Arbeiter die Schule. Die Schule weist zwei Jahr gänge auf. Im ersten wird-Elementarunterricht gegeben, im zweiten Jahrgang stehen ökonomische und Sozialwissenfchasten im Vordergrund. Der zweite Jahrgang weist aber gewöhnlich zwei Gruppen auf; die zweite Gruppe widmet sich dem Studium von Literatur, Religionsgeschichte usw. Der Elementarunterricht erfaßt alle' Fächer, namentlich den Unterricht in der schwedischen Sprache und im Rechnen. Von. den. fremden Sprachen werden Deutsch und Englisch unterrichtet. Die Kosten für einen Kurs sind 470 schwedische Kronen. Die meisten Schüler erhalten Unterstützungen des Staates bis zu einem Höchstbetrag von 210 Kronen. Der Rest des Schulgeldes wird gewöhnlich durch Stipendien der politischen oder gewerkschaftlichen Organisationen, des Jugendverbandes oder au» kommunalen Mitteln aufgebracht. Brunnsvik ist keine Parteischule. Der Unterricht.bleibt von politischen Gesichtspunkten unberührt, aber dennoch.stellt die Volkshochschule von Brunnsvik einen wichtigen. Faktor in der Mei-' nungsbildung der schwedischen Arbeiterbewegung dar. Als zweite Arbeiterschule im Lande gilt die Volkshochschule in.. Viskadalcn..im. südlichen SchtvedeN.""’".' ABF— die schwedische 'Bildungszentrale Der Arbeiterbildungsverband— in der allgemeinen Abkürzung ABF—ist die Gesamtorganisation für das Bildüngswesen der schwedischen Arbeiterbewegung, Sie wurde im-Jahre 1012 von Richard Sandler gegründet, der seither ihr Vorsitzender ist. Ihr gehören fast all« Arbeiterberbände und Organisationen an: Partei, Frauenorganisation, Jugendverband, Genossenschaftsverband, Gewerkschaften. Bezeichnend für die überragende Stellung, welche der ABF auf dem Gebiete der Bildungsarbeit einnimmt:, ist der Umstand, daß ihm die Syndikalisten und auch eine anarchistische Organisation angegliedert sindl Nur die Kommunisten und unabhängigen Sozialisten sind nicht beim ABF. Am 31..Dezember 1034 gehörten ihm 16 Gruppen mit''einer Gesamtmitgliederzahl von 1,608.281. an.. . Jede der dem ABF" angeschlossenen Organisationen zahlt an.die Zentrale des ABF pro Mitglied und. Jahr einen Beitrag, von fünf Oere; Ferner wird die Organisation vom Staate sub ventioniert. Ter Arbeiterbildungsverband kennt drei Tätigkeitsgebiete: 1. das Büchereiwesen, .2. das Vortragswesen und 3. die'Studienkreise und Arbeitsgemeinschaften. Von 7000 öffentlichen Büchereien wurden 1800 vom ABF geschaffen. Jährlich werden etwa 800 Vortragsreihen abgehalten. Jede Vortragsreihe umfaßt wiederum mindestens vier Vorlesungen. Die Vortragenden werden von der Zentrale des ABF vermittelt. Eine besondere Einrichtung" sind aber die Stndienkrcise, durch welche Menschen erfaßt werden,, die sich für eine besondere Frage interessieren. Wie aus den gedruckten Tätigkeitsberichten des ABF hervorgeht, befassen sich die Studienkreise mit historischen, religiösen, philosophischen. und geographischen Fragen. Ebenso wer- den Literatur, Kunstgeschichte'und Sprachen studiert!'Den ersten Rang aber nehmen ökonomische und politische Fragen sowie die Probleme der Arbeiterbewegung ein. Es gibt kein Gebiet, da» nicht von den Studienkreisen durchgcarbeitet werden könnte. Im Jahre 1084/88 hatte der ABF 6800 Studienkreise mit etwa 78.000 bis 80.000 Mitgliedern. Je nach der Arbeitsmethode unterscheidet man UnibersitätS-, Vortrags-, Korrespondenz-, Schul-, Referat- und'Lesezirkel. Mehrere Studienzirlel widmensich praktischen Arbeiten>md anderen Betätigungen, z. B. Turnen und Sport. Für die sogenannten Korrespondenzkurse gibt die Zentrale des ABF gedrucktes Material aus. Diese Korrespoiidenz- kurse behandeln die verschiedensten politischen und Ivirtschaftlichen Fragen. Jeder Kurs besteht auS einigen Briesen, welche den Studienzirkeln gegen Bezahlung systematisch zugtzsendet werden. Am Schluffe eines jeden Brieses sind Fragen formuliert, die von dem Studienzirkel gemeinsam schriftlich beantwortet werden müssen. Auf diese Weise ist die Zentrale des APF in der Lage, den Fortgang der Studienarbeit in den einzelnen Orten zu übertvachen. Der ABF hat auch im schwedischen Rundfunk eine bestimmte Zeit für Vorträge seiner Funktionäre eingeräumt erhalten. Zur Ausbildung von Studienleitern veranstaltet der ABF im Sommer eines jeden Jahrebesondere Kurse in der Volkshochschule in Brunnsvik..Jedes Jahr werden so etwa 380 Menschen. für die Bildungsarbeit der schwedischen Arbeiter-' bewegung geschult. ABF und die Internationale Arbeiterbewegung Im Sommer 1036 hat der ABF einen interessanten Versuch unternommen. Er organisierte in Zusammenarbeit mit den anderen skandinavischen und den englischen Arbeiterbildungsorganisationen zum erstenmal einen internationalen Kurs, der von elf englischen, einem kanadischen, acht norwegischen, sieben dänischen, zwei finnischen und siebenundzwanzig schwedischen Teilnehmern besucht war. In dem Kurs trugen zwei Engländer über Probleme der englischen Arbeiterbewegung vor. Der erste Versuch ist gelungen und die internationale Zusammenarbeit wird auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Im Zusammenhang damit will ich noch aus eine sehr bedeutsame Erscheinung Hinweisen, welche ich nicht nur in Brunnsvik oder in Gesprächen mit Funktionären Les ABF, sondern auch an anderen Stellen gewahr wurde. Wohin man heute in Schweden kommt, wird dem Besucher bedeutet, daß man sich leichter englisch als deutsch verständigen könnte. Ein Lehrer in Brunnsvik hat Liese Erscheinung in folgende Worte gekleidet:„Wir sind jetzt auf Englisch eingestellt" und tatsächlich fiel es auch unter, den Schülern leichter, englisch sprechende Genossen herauszufindcn. Während früher in den Sprachkursen des ABF und der Volkshochschule, Deutsch bevorzugt tvurde, haben jetzt die meisten Schüler für die englische Sprache Interesse. Das ist die Reaktion auf die Machtergreifung Hitlers in Deutschland. Diese Erschein nung ist nicht nur interessant, sondern von einem weiteren Gesichtspunkt für die international» Arbeiterbewegung von großer Bedeutung. Willi Wanka. Vas Schul-Gelände Der Fall Schnelder-Creuzot MIP Paris. Die Schneider-Ereuzot- Affäre,, die jetzt durch- eine, amtliche- Unter- suchungskommission,aufgeklärt werden soll,-hat, obwohl alle Einzelheiten fehlen, in Frankreich und wohl auch außerhalb, des Landes außergewöhnlich viel Staub aufgewirbelt. Das hat feine! Gründe: Einmal zählen die Schnsider-Lreuzot-Werk« zusammen mit Krupp, Armstrgng VickerS uud-Beth« lchcm Steel Corporation' zu den ältesten-und giößten.Waffentrusts der.',Erd«. Da»! Städtchen Creuzot, in.der die Dynastie Schneider.fest Gene« rationen unumschränkt' herrscht, beliefert.»sicht'nur- die gesamte französische Armee und Marinz,, sondern auch die Armeen vieler anderer Länder, und zwar nicht yur in'Europa., Aber nicht-diese. Tatsache ist ausschlaggebend sürds«! Erregung, di« in Fränkeich'^üoer, die gegenwärtigen Vorgänge hfrpscht, e», kömmt hinztz, daß, nach Annahme de» GesitzesUberdieNätionalisierungderfranzöst« sitzen Rüstungsindustrie,' die Schnesder-Creuzot« Werke ohnehin in denVordergrund des öffentlichen , Jtijertffe-^rüchten. Nicht" zu vergessen,^daß. he« rtzit», schon, langst vor dem Gesetz Staatsbeamte svwie Funktionäre des AriegSministeritzmtz.sölbft» v erständ.lich. die Ausführung Mer- Mer Aufträge an Ort und Stelle..ist Creuzot überwachten und -tzrstft«:/,die.für wen Gebrauch ter französischen .HjchM und-'MariMdienstl".sollten./ Djhse» Kon» tröllsystem'tvürde'in.dcn letzte».Moyaten ijn Zusammenhang mit.,der kommenden Nationalisierung erheblich.au-gebaut und verschärft. Um so größer ist das, Erstaunen, daß gerade! zu"diesem Zeitpunkt allerlei Entdeckungen gemacht wurden, die eine sofortige und sehr peinliche Untersuchung zur Folge haben. ES scheint, daß nicht nur Material,-das ausdrücklich nur für den Gebrauch der.französischen Marine bestimmt war, entgegen,der ausdrücklichen Erlaubnis nach dem Ausland' verkauft wurde, sondern daß— was fast noch schlimmer, ist— anderes. Material für die französische'Kriegsmarine verfälscht, wurde.. Mit änderen Worten:' Landesverrat und' Sabotage. So lauten wenigsten» die Vorwürfe,, die. erhöhen wurden. ..Die Angelegenheit ist nicht auf die leichte Achsel zu.Nehmen,'zumal der Schneider-Konzern sowohl, personell tvie rein betrieblich.über, ganz ungeheure' Verbindungen und Ausdehnungen in Fränkreich selbst und. im. Ausland« verfügt 77- eine Tatsache, die cs, das sei.in diesem Zusammenhang nur nebenbei' bemerkt,.sehr schwer, ja fast unmöglich Machen wird,' diesen Waffcngigäst- ten wkrlllch- zu, näilönalifieren...>'. WI? ist M«ser. Kokrzern aufgehaut? Man muß wenigsten--einige- Einzelheiten darüber können, um-zu verstehen,.war e» heißt,.wenn in. der französischen Oeffentlichkeit derartig'schwere Vorwürfe erhoben werden. Di« Schnelder-Creuzot-, Werke wurden'1834 gegründet und sind bis heute, fest-.in,-der Hand der Familie. Schneider, deren herrliche» Schloß.Mit besonderen. Kanonenmodel. len im Harf. dsw ganzen Ort Creuzot überblickte Die oberste Leitung(Conseil de Surbeillance) teilen sich der Marquis de Chasscloup-Laubät, der Baron Henri de Saulces de Freycinet, der Bankier de Neuflize, der Vize-Admiral Läcaze und her Graf de Vogub.-lieber ihnen steht als einziger „Görant" der Kommanditgesellschaft Charles Prosper Eugöne Schneider.' Die fünf Conseiller» nun verfügen über die größten Beziehungen itn Lande: Neuflize ist der Besitzer einer der. größten Privatbanken Frankreichs, der Graf de Voguö ist ebenfalls Finanzmänn und Bruder des Präsidenten der Suezkanal-Gescllschaft, außerdem bi» vor kurzem.Regent der Banyue de France. Der Admiral Lacaze gar war dreimal" Marineminister und verfügt über die-besten Verbindungen zur Generalität und Admiralität:'- - Nicht minder grohd Herren, sind hieDirek- toren.und Administratoren des Trusts,'unter denen, sich Maurice Palöologuc, der ehemalig«, französische Gesandte. In Petersburg,- sowie ein Dutzend höherer und' höchster Offiziere' und Ritter der Ehrenlegion' von Großbanken, Metallwcrkcn und Minen sich befinden, x, Von hier aud gehen die Fäden in» Ausland: die Schneider-Creuzot-Werke^besitzeneinen großen Teil,d«r Aktien" der,'.Skoda-Werke'in" der Tschechoslowakei, Eugöne Schneider selbst ist'Vize- präsident der Arbid-Trusts in Luxemburg,"" eine -Art Holding-Gesellschaft, in-der auch die Reprä- ! sentänten der" belgischen, luLeinbürgischen' und deutschen Metallittdiiswie.- vertreten, sind. Die f Schneider-Creuzot-Werfe besitzen schließlich maß- >: Einfluß aiif-die Alpine Möntan,-Gesellschaft in Oesterreich, und aus zahlreiche. große Wasfenfabriken in Rumänien und Polen. Fast unmöglich, einen solchen internationalen Trust zu kontrollieren und ebenso schwierig, In jedem einzelnen Falle genaucst fcstzustcllen, wo das erlaubte Geschäft aushört und das unerlaubte beginnt. Es hätte nie dahin kommen.dürfen, daß die Wafsensabriken, seien es nun Schnei- der-Creuzot- oder Armstrong Vickers oder sonst jemand, eine so riesige Ausbreitung erlangen könnten, wie e» heute der Fall ist, tvo die Interessen der„Großen Bier" so vielfältig miteinander, verflochten sind, daß jeder von ihnen jedes Land beliefert. Was soll nun geschehen? Da» Ergebnis.der Untersuchung gegen die.Schneideb-Creuzot-Werte wird aller Voraussicht nach niemals in,.der-breiteren Oefsentlichleit bekannt werden.".Dazu steht, zu viel auf dem Spiel.'- Man wirh allerdings versuchen,, die Nationalisieruntz der' Schneider« Creuzot-Wcrke mit. größter Beschleunigtzng durch« zuführen, wobei sich ergeben wird,, daß man, einen großen Teil der iufernatismalen.Geschäftsverbjn- dungeii. einfach wird, lösen müssen,- Einen-Teil --- nicht alle,-denn glich daS ist-wieder eine, Frage der jewciliaen politischen Konstellation, wobei man freilich Gefahr läuft, jemandem Waffen zu,liefern, der hetzte der Bundesgenosse, aber mgrgsn der Feind, ist. Bisher spielten diese Erwägungen bei der /,'Großen-Vier" keine! Rolle. Die jetzt äufgehecktcn Vorgänge hei Schnelder-Creuzot be« wqisen aber mit aller Deutlichkeit, daß die Dingnicht so weiterlaufen können». I, D. Seite 6 Sonntag« 27. September 1936 Nr. 226 Anklage gegen Moskau wegen Versuchs einer Pfund- Erschütterung SB a f f) i n g t o n.(Reiter.) Fimmzmini- ster Henry Morgenihau hat mitgeteilt, daß die Bereinigten Staaten SamStag eine Million Pfund Sterling gekauft haben, welche von der Sowjetrusiischen Staatsbank mit der Weisung auf den Markt geworfen worden waren, sie um jedenPreiSzu verkaufen. Hiedurch ist eS gelungen, den Kurs des Pfundes etwas herab» zusetzen. AlS ich davon erfuhr,— erklärte Minister Mergenthau— habe ich sogleich Weisung gegeben, daß ans den Geldern des AuSglgfchS- fondS s ä m t l i ch e P f u n d e aufgekauft werden, welche die Sowjetruffische Staatsbank dazu benützt hat, um die b r i t i f ch e D e v if e zu erschüttern. Dies ist bisher dich einzige Beispiel deS Versuches einer Staatsbank oder irgendeiner Einzelperson, künstlich den KurS fremder Devisen auf den amerikanischen Märkten zu beeinflussen. Ich hoffe aufrichtig, daß sich dieser Borfall nicht mehr wiederholen wird. Gestapo-Spitzel in der Schweiz verurteilt Zürich. Bor dem hiesigen Bezirksgerichte wurde am Samstag über die sogenannte Gestapo- Affäre verhandelt uiS das Urteil gefällt. Der seit einigen Monaten hier in Haft befindliche 39jährige Hugo Römer aus Dortmund, Beamter der deutschen Gestapo, hatte sich wegen verbotener Amtshandlungen für einen fremden Staat zu verantworten, da er versucht hatte, unter falschen Angaben dem Kriminalkommis- sär der Stadt Zürich Informationen über einen f r ü Heren deutschen SentrumSpolitiker, der sich in einem Züricher Krankenhaus befand und e n t- führt werden sollte,'zu entlocken. Als zweiter im AuSlande weilender Angeklagter wurde Heinrich Eduard Müller aus Dortmund des politischen Nachrichtendienstes im Interesse des Auslandes beschuldigt. Er hatte jahrelang von der Schlveiz aus diesen Nachrichtendienst betrieben und sich dabei bald als Gestapo-Beamter, bald als Vertrauensmann der Katholischen Aktion ausgegeben und teilweise mit Römer zusammengearbeitet.. Müsler wurde des fortgesetzten politischen Nachrichtendienstes im Interesse des Auslandes schuldig erklärt/ Römer,. der Bvrschubleistung zum fortgesetzten politischen Nachrichtendienst, sowie verbotener Amtshandlungen für einen fremden Staat. Der uichtamveseude Heinrich Müller wurde zu eineinhalb. Jahren Zuchthaus und lebenslänglicher Landesverweisung, Römer zu vier Monaten Gefängnis abzüglich 73tätiger Haft und zu zehn Jahren Landesverweisung verurteilt.■..,. Vorsorge gegen Hungerrevolten Berlin. Da man für den Winter mit LebenSmittelunruhen und Hungerrevolten in Deutschland rechnet, wurde beschlossen, in einem solchen Falle in den Konzentrationslagern Aeisel- Sdiwlndclgrai Cagllostro In diesen Tagen sind es 141 Jahre her, daß der berühmt-berüchtigte Graf von Cagliostro im Gefängnis San Lione bei Urbino im Alter von 82 Jahren sein abenteuerliches Leben beschloss. Was auch dieser merkloürdige Mann, der mit seinem bürgerlichen'Namen Guiseppe Bal-, samo hiess und unter dem pompösen gräflichen Namen in die Geschichte eingegangen ist, unter- nouunen hat, zeugt von einer geivissen genialen Grosszügigkeit. Wahrscheinlich gibt eS sogar eine positiv geniale Seite bei diesem dunklen Ehren- manne. Er hat nämlich seinen offensichtlich sehr grossen Einfluss auf Menschen der verschiedensten Art auch in den Dienst der Heilkunde gestellt und überall auf seinen vielen Reisen Kranke behandelt. Sicht man von aller Grosssprecherei■ und allem Hokuspokus ab, so bleibt doch ein von vielen Seiten bestätigter Kern seiner Erfolge, die er bei Kranken aller Stände gehabt hat, bestehen. Diese .guten Heilerfolge beruhten offenbar auf dem, was wir heute als Suggestion bezeichnen. Bergegenwärtigen wir uns, dass es die gleiche Zeit war, in der auch der sehr viel ernster zu nehmende Begründer dex Lehre vom„tierischen Magnetismus" MeSmer, der im Grunde ein Wirklicher Wissenschaftler und Vater der Psychotherapie war, für seine Behandlungen ein dem Zeitgeschmack entsprechendes Beiwerk höchst zwei- 'felhafter Natur nicht entbehren, konnte. Aber abgesehen von seiner suggestiven Heil» , tätigkeit, die er unter dem Mantel alchemistisches 1 astrologischer und sonstiger mystiss^r Abgeschmacktheiten ausübte, war dieser Cagliostro ein Schwindler, Hochstapler und Lügner ganz grossen SUIS. Als Apothekergehilfe hatte er sich in seiner Jugend allerlei^Kenntnisse angeeignet, die er später in marktschreierischer Umwandlung verwenden konnte. Mit Vorliebe gab er sich als Ein Tanz ma Mitten im Bürgerkrieg, getrennt pom ■ übrigen Spanien, ist K a t a l o n i e n zum unabhängigen, iqtaat geworden. Diese. Entwicklung, die nach dem Sieg jeder der beiden ' Parteien zweifellos noch wciiergehen wird, war zu erwarten: Ein jahrhundertealter ■ Traum der Katalanen ist damit verwirklicht worden. Im Kampf Kataloniens um seine Unabhängigkeit von, Madrid hat stets ein— Tanz eine ganz besondere Nolle gespielt: Die„S a r d a n a". Zehn Uhr abends in Barcelona. Die Sira-' ssen sind voll von Menschen. Die überwiegende Mehrzahl ist bewaffnet, trägt den Karabiner auf dem Rücken. Die Millionenstadt erholt sich. Mitten auf einem Platz hämmern Zimmerleute a» einem schmalen hölzernen Podium. Kaum ist die letzte Schraubenmutter festgezogen, da kommen zehn Männer mit Jnstrumentenkästen und packen aus. Ein paar Gewehre, die sie mitbrachten, werden zur Pyramide zusammengestellt.,. Es ist die„Cobla", die Sardana-Kapelle in ihrer traditionellen Zusammensetzung: Zwei„TipleS", kleines Schalmeien mit Klarinettenklappen, zwei „TenoreS", grosse tiefe Schalmeien, zwei„Flis- cornes", englische Hörner, zwei Trompeten, ein Kontrabass und ein.Fluviol", eine winzige Flöte, die gleichzeitig mit einer kleinen, um den Arm des Musikers befestigten Trommel bedient wird. Schmetternd fetzt die Kapelle ein: Aufforderung zum Tanz, zur Sardana. Und in wenigen Sekunden bllden sich ans der Menge der Wartenden und zufälligen Passanten vier, fünf grosse Kreise, mitten auf dem Asphalt, unbekümmert um den Verkehr der im Bürgerkriegstaumel fiebernden Riesenstadt, der sich in die Nebenstrassen ergiesst, um die Sardana nicht zu stören. Der erste Satz beginnt. Ein seltsamer Tanz. Da» ist.ein RhythmstS/ der ins Blut und in die Belsse geht; das sind' Melodien, die den Herzschlag beschleunigen, und an denen sich das Ohr nicht satt hören kann— ganz anders, als wir uns von Barittb und Film her„spanische Musik" vorsttllen, Aber die erschießungen vorzunehmen und angeordnet, eine Liste der noch in Freiheit befindlichen ehemaligen Funktionäre der Linksparteien aufznstellen, die im Bedarfsfälle verhaftet werden sollen.— In vielen Berliner LebenSmittelLeschäften war in den letzten Tagen kein Pflanzenfett und keine Mar- gaeine zu erhalten. Das ist um so empfindlicher, astz die tierischen Fette schon.seit Wochen.sehr knapp sind. Offizielle Winterhilfsaktion In Polen Warschau. Der polnische Ministerrat beschloss eine eingehende Hilfsaktion für die Arbeitslosen im kommenden Winter, welche Geldsammlungen und Sammlungen von Sachspenden umfassen soll. Industrie, Handel, Handwerk und die Hausbesitzer, sowie die Angehörigen freier Berufe und Staats- und Privatangestellte, sollen freiwillig durch Geldspenden, welche sie auf einmal oder in Monatsraten erlegen würden, zu dem Hilsswerke beitragen, cht Politik Schritte des Tanzes sind so kompliziert, dass der Fremde den Versuch, mitzumachen, sofort aufgibt. Erst glaubt man ein feinziseliertes Tanzstückchen aus Mozarts Zeit zu hören. Darin fetzen die Trompeten zum Marschrhythmus an. Jetzt ist es eine orientalische Moll-Melodie, vom Fluviol getragen, von der Trommel rhythmisiert. Die Körper der Tänzer schwingen sanft hin und her, die Riesenkreise mit ihren fünfzig oder hundert Menschen drehen sich vor und zurück. Nun 'aber fallen alle Instrumente ein, die Schalmeien jubeln, der Bass dröhnt, Trompeten und Hörner übernehmen die Führung, die Trommel klopft ihren eindringlichen Zweivierteltakt. Die Füsse der Tänzer schnellen empor, die Kreise beginnen zu hüpfen, immer höher, immer wilder, die Köpfe, fliegen zurück, die Augen glänzen— die ganze ungebändigte Kraft eines südlichen Volkes rpisst mit zur Ekstase dieses uralten Tanzes.•. Die Musik bricht ab, die fünf Sardana» Sätze sind zu Ende. Ein Mann mit roter katalanischer Bauernmütze geht durch die Gruppen und sammelt den Obolus für die Kapelle ein. Aber die Pause dauert nicht lang, die Tänzer fiebern nach der nächsten Sardana, junge und alte, Männer und Frauen, wie sie. der Zufall zusammengeführt hat: Dieser Tanz gehört allen, er ist Kataloniens uralte Leidenschaft, sein Symbol und Martyrium. Es Ist wohl der älteste aller noch bestehenden europäischen Tänze,- und er spielt eine Hauptrolle im ganzen Leben des katalanischen Volkes— geschichtlich, kulturell, politisch. So wie heute, in den kleinsten Dörfchen und auf den Strassen Barcelonas und Tarragonas,, allabendlich im Sommer, wird die Sardana feit 859 Jahren- in Katalonien gelangt. Ihr Ursprung ist mythisch und heidnisch. Die Sardana- Legende berichtet von den ersten Menschen, die den Kampf des Tagesgestirn» mit der dunklen Erde, die es verschlingen wollte, beobachteten— den Kampf der Lichtes mit der Finsternis. Da fassten sie sich bei den Händen und beteten, die Sonne möge wieder aufgehen. Sie standen im Kreis„wie die Hestirne um die Sonne", und General KreRl In Paris Paris. Samstag vormittags ist in Paris der, tschechoslowakische Generalstabschef General K r e j i i eingetroffen. Auf dem Bahnhof be« grüsste ihn der französische Generalstabschef Generäl Gamelin. Zweck seines. Besuches ist es, mit den französischen leitenden Militärfunktionären in Fühlpng zu treten.. In. Pari- weilt gleichzei» tig-ber Chef. der. französischen Militäcmissiyn in der Tschechoslowakei General Fancher/ General Krejii wird sich in Paris den bisherigen Dispositionen zufolge bis Dienstag aufhalten. Pas Desto rüstet zum Kampf Port Said.(Reuter.) Die Regierung von West-Abessinien in Gore soll angeordnet haben/ dass gegen dar auf Gore vorrückende ttalienische Heer eine Gegenoffensive unternommen werde. An der Spitze von 80.000 abessinischen Kämpfern sollen der Schwiegersohn des NeguS, Ras D e st a, sowie der Sohn des Ras Kassa, Dedscha» masch Aberra, diesen Angriff leiten. ihr Gebet wurde zum Tanz. So tankten sie bis zum Morgen, ihr Gebet wurde erhört, siegreich ging die Sonne auf... So symbolisiert die Sardana, deren kleine Schritte die„Angst vor der Nacht" und deren grosse den„Sieg der Sonne" bedeuten, da» Prin« zip des Lebens. Seit 1088 n. Chr., dem Jahr, in dem die Sardana nachweislich züm ersten Mal getanzt wurde,— zuerst nur mitFluviolbe-. gleitung—, gehört sie zum katalanischen Meuchen,.als vollendeter musikalischer Ausdruck eines tenstreramenivollen,■ kuliurreichen Voller. Kein aus Katalonien stammender Minister, der. noch nie Sardana' getanzt, kein katalanischer Komponist(wie Frederie Mompou und Pablo CasalS), der noch keine Sardana geschrieben hätte. Kein Wunder, dass in Zeiten der Bedrängnis die Sardana Hält und Zentrum der katalanischen Kultur und damit des Freiheitswillen» dieses Volkes geworden ist. So war e» schon zur Zeit der Mauren, und so war eS noch viel mehr unter dem Regime der spanischen Zentraldiktatur Primo de Rivera», der jedes Eigenleben der spanischen Stämme unterdrückte. Damals, begann dar Vorspiel zum heutigen Existenzkampf der Katalanen. Und ihre schärfste Waffe war— die Sardana: Sie führte auf den Strassen und Plätzen die freiheitsliebenden Katalanen zusammen.„Verbietet man uns das Tanzen?" wurde drohend gefragt, wenn die Guardia, Gewehr bei. Fuss, misstrauisch diese Zusammenkünfte überwachte. In Madrid spürte man' das gefährlsthe' Feuer, das von der Sardana auSgingx Wo sich Tänzer sammelten, marschierte das Militär des Diktators auf. Es gab Reibereien, und,mancher Schuss fiel zwischen den leidenschaftlich erregten Tätern und den Soldaten. Die Sardana verschwand von der Strasse. Man tanzte sie nur noch hinter den schalldichten Mauern der 80 Sardana-KlubS, die zugleich Pflegestätten der katalanischen Kultur, Sprache'und Freiheitsbewegung'sind. Noch niemals in der Weltgeschichte hat sich die Politik so sehr eines Tanzes als Mittel zum Zweck bedient.„Strasse frei für die Sardana"— jeder Katalane wusste, dass dieser Ruf zu bedeuten hatte: Bahn frei dem katalanischen Volk! ES kam die Republik, aber sie erfüllte nicht die Erwarttmgen der. auionomistischen Katalanen, die sich weigern, weiterhin mit ihrem sprich-' wörtlichen Fleiß, ihrer hohen Intelligenz und ihrer Arbeit für die„faulen Kastilier", für die „nichtstuende Beamtenpyramide" in Madrid zu schuften. Kqialonien,' das nur ein Sechstel, des LandeS bedeckt, zahlt fast die Hälfte an Steuern — mit feiner Industrie, seinem Welthandel. Barcelona ist grösser sind-bedeutender als Madrid, interessanter, als Sevilla. Katalonien ist ein Land des 20.'Jahrhunderts, im Süden schläft man süt'taüsend Lahrn«.».»So kam'w'er blutige Oktober 1984, in dem. der Kampf" gleichermassen um die. soziale wie-um die nationale Freiheit Kataloniens.ging.■ Niemals vorher wurde die Sardana so wild und-leidenschaftlich getanzt.wie damals-t— und heute; niemals war. dieser Tanz so eindeutig und bewusst das Shm» hol der Freiheit.»Bahn frei dem katalanischen Boll"— dieser Ruf ist von beiden Parteien des Bürgerkriegs endlich verstandest worden, Heide haben sür den Fall des Sieges Autonomie versprochen. Aber die Katalanen haben sich schon jetzt ihre Freiheit genommen. E» ist nicht bei ihrem eigenen Tanz geblieben: Sie haben ihre eigenen Gesetze erfassen und- beginnen, das katalanische Leben neu zu regeln für eine, hoffentlich, glücklichere Zukunft.' v Ela., freimaurerischer Reformator aus. In Landon gründete er eine Loge, 1779 finden wir ihn in Mitau, wo er die Gräfin Elisa von der Recke für seine Zivecke ausnutzte, kurz darauf versucht er in Petersburg vergeblich au die Kaiserin Katharina heranzukommen, 1780—1785 ist er in London und Paris in Verbindung mit den ersten Gesellschaftskreisen. In Paris wendet sich sein Schicksal. Er, der immer über grosse Geldmittel^ verfügte und für-seine Betrügereien den höchsten Adel der Welt benutzte, wurde in die berühmte Halsbandgeschichte verwickelt. Bekanntlich wurden dabei mit Hilfe einer zweisell>aften Gräfin de la Motte und unter Einschaltung des unschuldigen Kardiimls Rohan zivei Pariser Juwelieren ein Diamantenhalsband von Millionenwert abgeschwindell. Die Juweliere waren durch Vorlage eines Briefes der Königin Marie Antoinette, der gefälscht war, in Sicherheit gewiegt worden. Diese» ganzen Plan soll Cagliostro auSgeheckt und den Löwenanteil des Gewinnes eingesteckt haben. Er wurde ins Gefängnis gesteckt und 1786 aus Frankreich ausgcwieseii. Er wandte sich auf Unuvegen nach Rom, versuchte dort eine neue Maurerloge zu gründen, wurde aber auf Befehl des Papstes verhaftet, als Ketzer zum Tode verurteilt und 1791 zu lebenslänglicher Haft begnadigt, während der er nach vier Jahren starb. In dem berühmten, so oft dargestellten Prozess wegen der Halsbandgeschichte hat nun Cagliostro eine Schubschrift verfasst, in der er eS „an der Zeit fand, dass man wisse, wer dieser Graf von Cagllostro sei, über den man so viele unverschämte Erdichtungen verbreitet hat... Ich werde mit freimütiger Offenheit sagen, was ich von-mir weiss, und vielleicht wird die Geschichte meine- Lebens nicht-das unwichtigste Stück zu meiner Rechtfertigung sein:",, Was dieser Mann-nun der Mitwelt und kex Nachwelt als Bekenntnis Über seine Entwicklung austischt,'ist so abenteuerlich, dass schon eine blühende Phantasie dazu gehört, das so zu erfinden, und eine— vielleicht nicht ungewollte— Blindheit, um die faustdicken Lügen nicht zu sehen. „Ich weiss den Ort.nicht, wo ich geboren bin und kenne die Ellern nicht, denen ich mein Dasein schusdig bin..... Alle meine Untersuchungen haben weiter nichts gefruchtet, als mir über meine Geburt in ter Wahrheit zwar grosse, aber schwankende und ungewisse Begriffe beizubringen."" Er will in Medina unter'dem Namen Acha» rat erzogen worden sein.„Ich erinnere mich vollkommen, dass ich vier Personen um mich hatte, einen Gouverneur oder- Hofmeister mit Namen ,AlthotaS und drei Bedienten, einen Weissen, der mich als Kammerdiener bediente und-zwei Schwarze, derenSer eine Tag und Nächt bei mir war."— Immerhin eine ganz hübsche Dienerschaft für einen tatsächlich von ganz armen£eur ten in Palermo geborenen Jungen. Er.und sein Hofmeister gaben sich alS Muselmanen aus, obwohl si«' sijr Herzen Christen waren.„Der Muphti besuchte niich oft; er begegnete mir'mit Güte und schien für meinest'Hofmeister viele Achtung zu haben." Mit 12 Jahren' bekam er ,die grosse Sehnsucht zum Reise». Eine Karawane brachte-ihn»ach Melkst, wo er Gast im Palaste deS„Sherif"—- gemeint ist wohl des Kalifen— war.„Beim Anblick dieses Fürsten bemächtigte sich mefner Sinne' eine mir. UnäuSdrückbstre Verwirrung, meiste Angen füllten sich, mit den fanftesten^Tränen, die ich in' meinem Leben vergossest habe." Natürlich musste' der Kalif sich Gewalt antun, nicht auch HiS Rührung über diese» Zusammentreffen zu weinen. Nach dreijährigem Aufenthalt in Mekka ver-' abschiedete der Kalif den jungen Mann,, der astfi weitere Reisen gehen, wollte:.unter Trästen stift' den äusserst-geheimnisvollen Worten:„Lebe wohl:' unglückseliger Sohn der Natur." Die' Reise mit einer besonders für"ihn ausgerüsteten Karawane ging erst stach. Aegypten/wo er von den Testipel»' Priestern in die Orte eingefühtt-murde!„wohin der gemeine Tross det Rdtsestden»ie eingedümz gen ist". Dann durchlief er in einem Zeitraum von drei Jahren Vie vornehmsten Königreiche in Afrika und Asien— eine etwa» summarische Weltreise für einen so jungen Mann. AuS Bescheidenheit will er auch'auf die wirklich ausserordentlichen Abenteuer nicht eingehen, die ihm widerfahren sind.' 1706,|alfo mit 2ll*Jsthren, komnit er bon der Insel RhoduS mit Hofisteisterund Dienerschaft nach Malta,., gesegelt^. Selbstverständlich lässt Mini Hm die sonst' immer- notwendige'Oua- rantäne, und" selbstverständlich wohsst er hei hem Grossmeister, der Nichts Eiligeres zu tstst'-hatte, al» dem Ritter von Aquino au» dpm Haufe der Prinzen von Caramastica zu bitten, bei dem'jun- gen Manne die Honneur» zu machen!' Natürlich wusste der Grossmeister Pinto über' den märchenhaften Ursprung des'Jungen Bescheids Daher- bot.er ihm auch ein schnellste» Aufrücken sni'Mäl- theserorden' an, wenn er das' Gelübde ablegest wollte.-''"- 1.■' * Nach d'eyi Tode de»„bestey Fre»ndeS, deS Weisesten und' aufgeklärtesten üstter den Sterblichen, des ehrwürdigen Althotsts" wird ihm der Aufenthalt auf Malta unerträglich, und'e'r reist weiter. Bei so hoher,Geburt stnd'.bei sö erhstbenen Beziehungen, konnte e» dochnicht auSblhihen,,,dass Balsamo-Cogliostro, der diesen Namen zugleich mit.der europäischen Kleidung iss Malta, astgelegt hatte,, feine Karriere machte. ES, konnte, äbep auch.nicht.stuf die Dauer vermieden werbest/dass schliesslich mal die Welt sich nicht mehr von,',seinen faustdicken Lügen und seinen unsinnigen Phantastereien Übertölpeln liess., Dass die grstsse Hielt, Europas ihn so lange'duldete,, lag wohl, stichMM an seiner suggestiven Kräfh und an grossem per- - sönlichen Charme, sonderss. mehr noch daran, dass '.ei', durch seist vieles. K^umyhrcheij^imHofi;' MN Adelslreisen zu viel wusste, was manchem unangenehm werden musste.'Ri''F?.M 9lr. 226 Sonntag 27. September 1836 Seite 7 Welthandel nimmt zu Was Lei der Beachtung der gegenwärtigen .WirtschaftSaufschwunge» am meisten auffätlt, ist das Auseinanderfallen zwischen der Entwicklung der Weltproduktion und des Welthandel-: der Welthandel hinkt nur unter großen Hemmungen jenem Ausstieg nach, den die Weltproduktion seit dem großen Krisentief von 1882 erlebt hat und roch immer erlebt. Ueber diese Erscheinung und ihre Ursachen haben wir bereits mehrmals Ge» legenheit gehabt in diesen Spalten zu sprechen (vergleiche Beilagen zu Nr. 161 und Nr. 167s. Aber seit Ende 188S beginnt auch der,Welthandel sich kräftiger zu entwickeln: wenn man den internationalen Warenaustausch in den ersten vier Monaten dieses Jahres mit jenem in der entsprechenden Periode des Vorjahres vergleicht, so kann man eine beträchtliche Belebung feststellen. Sowohl die Ausfuhr als die Einfuhr haben eine bedeutende Zunahme erfahren, wobei selbstverständlich diese Zunahme nicht gleichmäßig bei allen Ländern sich beobachten läßt. Wenn man den Außenhandel der 81 Länder, die an die Internationale Handelskammer regelmäßig Bericht erstatten und die^ zusammen etwa vier Fünftel des gesamten Welthandels repräsentieren, zusammenstellt, so ergibt sich für 26 von ihnen eine Zunahme der Ausfuhr, für 28 Länder«ine Zunahme der Einfuhr. Folgende Tabelle stellt den Wert des, Außenhandels von 81 Ländern in den ersten vier Monaten 1986 im Vergleich zu dem Wert des Außenhandels in den ersten vier Monaten 1S8S dar. Zunahme(+) oder Abnahme(—) der Ausfuhr, bzw. Einfuhr Jänner bis April 1886 im Vergleich zur Ausfuhr, bzw. Einfuhr Jänner bis April 1838 in vH.(Werte in jeweiliger staatlicher Währung). Ausfuhr Zunahme v. H. Südafrikanische Uni on ,'+41.88 Belgien-Luxemburg ..+40.82 Neuseeland., .+27.84 Australien,, .+26.88 ..China...«...., .+24.08 Rumänien,, ,+20.90 Finnland,,, .+20.81 Schweden,.» .+16.37 Brasilien,,. .+15.91 » Kanada... .+15.16 Britisch-Jndien» .+14.86 Deutschland.. ■+14.75 Norwegen.. .+18.88 Irischer Freistaat .+18.05 Ungarn... .+12.26 Ber. Staaten von Äm eri a+11.87 Polen... .+11.15 Dänemark.. .+ 8.27 Oesterreich., .+ 7.22 Spanien..» ,+ 5.88 T s ch e ch o s l o w a k c i .+ 4.53 Japan.., .+ 2.80 Griechenland.■ .+ 2.75 Niederlande., .+ 1.48 Großbritannien. ,+ 0.70 Niederländisch-Jndi en ..+ 0.86 Abnahme Schweiz... .—2.72 Frankreich., ,— 8.97 Jugoslawien.. .— 9.53 Argentinien.» .— 0.7,7 Aegypten... .—10.60 Ein uhr Zunahme v. H. ' Belgien-Luxemburg .+52.18 Ungarn... .+26,56 ' Jugoslawien.. .+26.20 Tschechoslow a' e .+26.06 Brasilien.., .+20.90 Finnland... .+19.17 Australien.... Polen... .+17.87 .+17.14 Neuseeland. w. .+16.79 Ber. Staaten von Am eri 'a+16.42 Südafrikanische Un ion .+16.07 Griechenland.. .+15.83 Frankreich.. • .+14.72 Norwegen»• • .+14.66 Schweden,» • .+18.88 Kanada.., .+11.85 Großbritannien. • .+11.17 Japan.,. I» .+ 9.87. Oesterreich.. .+ 9.88 Rumänien., .+ 8.74 , Aegypten .+ 6.28 Irischer Fr«istaat .+ 5.17 Niederlange... .+ 5.18 Abnahme Dänemark., .— 0.89 Argentinien., .—1.14 Spanien... .— 8.54 Deutschland.. . 4.19 Britisch-Jndien. • »— 6.02 Niederländisch-Jndien..— 7.31 Schweiz......—10.88 China—18.88 Da die Großhandelspreise zwischen 1888 und 1886 im allgemeinen keine Steigerung erfahren haben(Großhandelsindex der USA: April 1838—80, April 1886—80), darf man eine bedeutende Vergrößerung auch des'1 o l u m e n S des Außenhandels fcststellen, mit anderen Worten, nicht bloß die Werte, sondern auch die Mengen der Waren, die im internationalen Handel ausgetauscht werden, haben sich vergrößert. Internationale Metallkartelle Die Lage an den Metallmärkten ist für die heutige Situation der Weltwirtschaft sehr bezeichnend. Einerseits sind die meisten Produzenten, im Vertrauen auf die ansteigende Konjunktur und vor allem auf die immer mehr Lberhandnehmende Aufrüstung bestrebt, einen möglichst großen Anteil der Weltproduktion und des Weltabsatzes an sich zu reißen, andererseits mehren sich die Stimmen, die auf die Gefahr der rücksichtslosen ProdnktionSvermehrung Hinweisen und nach einer Regelung der Produktion ün internationalen Maßstabe drängen. Diese Zwiespältigkeit bestimmt heute die Situation bei den meisten internationalen Kartellverhandlungen in der Rohmctall» branche. Die Aussichten für die Erneuerung, bezw. Neubildung der Metallkartelle sind in den letzten Wochen anscheinend beträchtlich gewachsen, und dies wirkt wiederum aus die Befestigung der Preise zurück. Bein« K u p f e r ist vor allem der starke Anstieg deS Verbrauches in USA bemerkenswert, dessen Entwicklung im vorigen Jahre hinter der internationalen Zunahme zurückgeblieben war: der Verbrauch in der Elektrizitätsindustrie hat im ersten Halbjahr 1886 72.000 Tonnen betragen gegenüber 64.000 Tonnen im ersten Halbjahr 1838.' In der Aulomobilindustrie hat im ersten Halbjahr' 1886 der Kupferverbrauch 66.000 Tonnen(l. Hj. 1838: 45.000 Tonnen), in der Kälteindustrie 14.000 Tonnen(l. Hi. 1888: 7800 Tonnen)'und im Baugewerbe 32.000 Tonnen(l. Hj. 1888: 24.000 Tonnen) betragen. ES ist danach kein Wunder, wenn die außerhalb der USA sich befindlichen Produzenten— es handelt sich da vor allem um C h i l e— in einem besonderen Abkommen eine Erhöhung der Kypserproduktion vom 1. Oktober um alleäüngS nur' 8 Prozent beschlossen haben. Viel bedeutsamer ist jedoch jene Erhöhung der Produktion, die der amerikanische Riesenkonzern KennecottCo.(USA) bereits vom 1. September an durchführt(vrgl. Beilage zu Nr. 214). Wie optimistisch aber die Sstuation trotz allen diesen Priwuktionserhöhungen, die sonst leicht zu einer Absatzswckung und zum Preissturz führen könnten, beurteilt wird, erhellt, aus der Tatsache, daß der Kupferpreis sowohl in London als auch in New Nock keineswegs«ine absinkcnde Tendenz zeigt, eher ist das Gegenteil der Fall. Auch auf dem Zinnmarkt kann man, nach einer längeren Periode der Schwankungen, wieder von einer Erholung sprechen. Hier ist die Lage insofern durchsichtiger als auf dem Kupfermarkt, als die Weltzinnproduktion in ganz wenigen. Händen konzentriert ist. Auf die malaiischen Staaten, die sich im britischen Besitz befinden und auf Niederländisch Indien, besonders auf die Inseln Banka und Billiton, östlich von Sumatra, entfällt heute weit mehr als die Hälfte der gesamten Weltzinnerzproduktion. Infolge der beträchtlichen Transportkosten hat sich in diesen Gebieten eine eigene Zinnproduktion(Verhüttung) entwickelt, die in Niederländisch Indien di? Hälfte der Erzgewinnung verhüttet. In Bri- tisch-Malaya wird.nicht nur das gesamte eigene Erz, sondern auch noch das im asiatischen Umkreis mesörderte Erz verhüttet. So sind diese beiden Gebiete imstande, zwei Drittel des Welt- zlnnS zu liefern. Diese asiatische Produktion wird aber, abgesehen von einigtn ganz unbedeutenden Außenseitern, von zwei Grohkonzernen beherrscht. Die Ungewißheit, unter der der Zinnmarkt in den letzten Monaten gelitten hat, entstand aus der Unsicherheit über das Schicksal.des inte r- n ä t i o n a l e. n A b k o m m e ns über, die E i n s ch r ä n l ung der Z i n Np rod ük- t i o n, das Ende dieses Jahres abläuft. Die Hauptschwkerigkeiten bei der Verlängerung des Abkommens gingen von Siam.aus, das ein« bedeutend« Erhöhung feiner Ausfuhrquote verlangte. Neuerdings scheint sich aber eine, optimistische Auffassungdurchzusetzen, da die siamesische Regierung,' die die dortige Zinnproduktion in' ihren Händen, hat, sich einer'Vereinbarung geneigter zeigt. Schlimmstenfalls sind' jedoch die hin« tcrindischcn Großkonzerne, die unter britisch-holländischem Einfluß stehen, bereits gegen Siam einen Preiskampf auszukämpfen. Daß die Aussichten auf eine Verlängerung deS internationalen Zinnkartells sich in der letzten Zeit gebessert habe», erhellt schon daraus, daß der Zinn- p r e i 8 in London sich zwischen Ende August und Mitte September ziemlich bedeutend erholt hat.' Auf dem Bleimarkt ist die Situation infolge des Ausfalles der Lieferungen aus Spanien sehr unübersichtlich. Augenblicklich besteht zwischen den europäischen Hauptproduzenten von Zinn, die übrigens mehr und mehr bei steigendem Bedarf auf die Verhüttung von amerikanischen Erzen angewiesen sind, keine internationale Vereinbarung Wer die Produktionsregelung und Preise, aber es soll Ende September eine Bleikonferenz in London zusammentreten, um eine gegenseitige Verständigung wenigstens unter den europäischen Produzenten herbcizuführen. Zink gehört zu jenen wenigen Rohstoffen bei der Versorgung, mit welchen Europa von der übrigen Welt ziemlich unabhängig ist: rund die Hälfte der Wcltproduktion entfällt auf Europa. Ende 1834 ist daS alte internationale Zinkkartell ausgelöst worden, aber jetzt sind Verhandlungen Im Gange, um ein neues Kartell zustande zu bringen. Der Verbrauch ist in den von der Binnenkonjunktur begünstigten Ländern bedeutend gestiegen. Allerdings hat sich auch die Produktion erhöht, sogar stärker erhöht, als der Verbrauch, aber cs liegen keine Anzeichen für eine beunruhigende Vorratsbildung vor. Der Zinkpreis ist allerdings im Vergleich zum Vorjahre einigermaßen gesunken, auch seit Ende August ist die PreiStcndenz auf dem Londoner Markt eher sinkend. In Erwartung der Einigung unter den Produzenten, besonders nachdem Belgien, das neben Polen den größten Anteil an der europäischen Produktion hat und sich bis jetzt allen Preisverabredungen gegenüber feindlich gezeigt hat, neuerdings wieder eine Neigung aufweist, sich an Preisbindungen zu beteiligen,— ist die allgemeine Simmnng auf dem Zinkmarlte jedenfalls nicht pessimistisch. Die Situation auf de» wichtigsten Metallmärkten, wie Kupfer, Blei, Zinn und Zink, kann, entsprechend der allgemeinen weltwirtschaftlichen Lage, als günstig bezeichnet werden. Aber nian soll sich nicht die Augen vor der G c f ah r e ln er Neberproduktion verschließen. Die internationalen Verabredungen über Preise und Uber die Regulierung der Produktion erscheinen in den Augen der kapitalistischen Großproduzenten als ein genügendes Mittel, um die Konjunktur zu lenken. Aber die Erfahrung der letzten Weltkrise hat gezeigt, wie unzureichend diese privaten Verabredungen, sei es auch auf einer sehr breiten internationalen Grundlage, sind, um die lieber» produktion und den Preissturz abzuwenden. Goldbewegung In der Welt Wir haben bereits auf die Wichtigkeit der Goldproduktion und Goldverteilung in der Welt für die Entwicklung der Konjunktur hingewiesen und darüber ausführlich berichtet(vergl. Beilage zu Nr. 178). Die Goldproduktion hat seit 1828 in der ganzen Welt«inen kräftigen Aufschwung erlebt, und es wird allgemein angenommen, daß dieser Aufschwung sich weiter fortschen werde. DaS bekannte englisch- südamerikanische Finanzhaus»Union Corporation" schätzt die Weltproduktion für 1940 auf etioa 40 Millionen Unzen, was eine Verdoppelung gegenüber dem letzten Borkrisenjahr, 1828, bedeuten würde. Man erwartet vor allem in den nächsten Jahren eine bedeutende Steigerung der Goldproduktion in dem HauptproduktionSgebiet der Welt, der Südafrikanischen Union, in der in den letzten fünf Jahren ein auffallender Stillstand herrschte. Nun sind neuerdings von der Bundesverwaltung der Banken von USA letzte Angaben über die Goldproduktion veröffentlicht. Danach beträgt der Wert der gesamten Weltprodultion von Gold in den. ersten ! sechs Monaten 1886 882.4 Millionen Dollar. Da man eine Unze Gold mit 88 Dollar bewertet, so würde daS einer Weltproduktion von 18.2 Millionen Unzen gleichkommen. Auf das ganze Jahr 1886 übertragen, müssen wir die Weltprodultion von Gold auf 30.4 Millionen Unzen schätzen, waS der Jahresproduktion von 1938 ungefähr gleichkommt. Die Produktion der Südafrikanischen Union beträgt für die ersten sechs Monate 1936, nach derselben Methode berechnet, 6.8 Millionen Unzen, auf das ganze Jahr 1936 Wertragen elf Millionen Unzen, was allerdings die Jahresproduktion von 1986 um 0.3 Millionen Unzen übersteigt. Man kann nach diesen Angaben also von einer Steigerung der Goldproduktion 1936 kaum reden. Allerdings fehlen uns die Angaben über die Goldproduktion in der Sowjetunion, wo man bis Ende 1936 eine Steigerung der Produktion auf 10 bis 11 Millionen Unzen plante, womit die heutige südafrikanische Produktion erreicht werden würde. Die Verteilung der monetären G o l d b e st ä n d e in der Welt ist nach wie vor außerordentlich ungleich(vergl. Beilage zu Nr. 179). Unsere damaligen Angaben bezogen sich auf März 1936. Seit dieser Zeit haben die monetären Goldbestände in den Vereinigten Staaten und England noch mehr zugenommen, während in de» wichtigsten Ländern des Goldblockes: Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden eine große Abnahme der Goldbestände festzustellen ist. Diese Entwicklung stellt folgende Tabelle dar: .4-824 2. 1. Septem« 499.9 818.7 nach den Ber. 848.2 142.1 78.3 146.6 716.3 869.7 sssiww —497.2 —438.8 — 66.8 —113.0 1834 1988 Jän./«uick 1986—872.8 1986(Schätz.)-7-744.6—616.4—181.2■ Di« Goldausfuhr aus Frankreich geht fast ausschließlich nach Großbritannien und USA. Bemerkenswert ist die Mnahme der Goldausfuhr 1936 sm Vergleich zu 1988, aber die GoldauS- fuhr 1836 ist bedeutend höher als jene von 1934, Gesamte Goldaussuhr—. auü Frankreich v. Amerika Vritaunien —409.0 —817.0 —242.4—881.7 —909.7—120.1 —808.2— 75.6 —708—48—22 Goldbewegung nach Großbritannien (in Millonen Dollar; 1934—1936«) aus Krankreich 266.2 984.2 824.1 648.2 der Rückgang der 1884 1885 Jänner/Juni 1886(Schätzung) 1.220.8 In. dieser'Tabelle fällt Gesamteinfuhr von Gold nach USA im Jahre 1886 auf. Das Hängt damit zusammen', daß die Zugänge von Gold aus Großbritannien fast ganz aufhören, während auch die Göldeinfuhr aus Frankreich in diesem Jähre' im Vergleich zum Vorjahr beträchtlich abnimmt^ « Die drei Tabellen) die die Meidbewegung in der Welt darstellen, sind von uns nach dem letzten .Federal Reserve Bulletin"(Washington, Septembet.1986) zusammengestellt.und. berechnet. Die Schätzungen für 1986 sind bon'.UnS auf Grund der Ziffern für das erst«'Halbjahr 1986 berechnet. Die 'Ziffern der GoldauSfuhr sind in. den Tabellen mit MmüS-Zeichen versehen. 1934 1988 Jänner/Juni 1836 349.4 1836(Schätzung) 688.8 Bemerkenswert ist die große Zunahme der Goldeinfuhr nach Großbritannien 1986 im Vergleich zu 1938, ebenso wie die sehr bedeutende Abnahme der GoldauSfuhr nach USA. Die Goldausfuhr aus Frankreich hat 1936 im Vergleich.-» 1984 stark'abgenommen, hält sich jedoch auf dem Stande von 1885, Die Goldbestände voir Großbritannien lverden jedoch im loesentlichen durch die Einfuhr aus Südafrika aufgesüllt. 3. Goldbewegung aus Frankreich (in Millionen Dollar) 1934— Die Anklage behauptet, Mittelpunkt der gegen den Staat gerichteten politischen Unter- nehniungen sei die Brotfabrik„Germania" in Duisburg-Hamborn und deren Inhaber, der ehemalig« Sozialdemokrat August Cord a s gewesen. Richtig ist, daß Cordas amh nach Eerichtyyg der Raziherrschaft in Deutschland seine Gesinnung nicht wechselte und weiter, daß er aus Solidarität mit den verfolgten Gesinnungsfreunden diesem und jenem Arbeit und' Brot gab. Er. half den Frauen und Kindern der Opfer der nationalsozialistischen Justiz und seine ruhige; in sich gefestigte Art gab Hoffnung und Zuversicht, wo er Hinkain. Deshalb wurhe er lange Zeit von der Gestapo arglvöhnig beobachtet und schließlich am 8. Juni 1981 mit seiner ganzen Belegschaft von 45 Mann verhaftet- und unter schwere Anklage gestellt. Das war. der Anfang. Wochenlang ging eS weiter und niemand,' dec'in irgendeiner Beziehung, zu einem der in-der Brotfabrik„Germania" Verhafteten gestanden hat, war vor dem' Zugriff sicher. BIS auf 899. Personen und mehr steigerte die Gestapo ihr« Beute uyd brachte sie zum großen Teil in die berüchtigte„Steinwache" in D o r t m u n d. Dort,. im Polizeipräsidium, wo dir Gestapo ihren Sitz hat, wurde der Prozeß vernicht völlig unterdrücken. Glauben Sie eS, Ihr« eigene Sehnsucht nach einem steten Wort ist das Bedürfnis nach Wahrheit. Mehr noch, eS ist daS. Bedürfnis daranch, daß die Herren.Deutschlands öffentlich kontrolliert'werden müßten, daß sie in irgend einer Form dem Volke verantwortlich sein müßten. ES ist der Wille zur Ehrlichkeit, und Wahrheit, und dieser Wille ist die Grundlage der Demokratie.' Haben Sie sich nicht heimlich empört' über die Ilnfähigkeit und die Korruption, die überall mit den braunen Parteibeamtcn eingezogen sind,, und vor denen sich.daS System'kaum mehr selbst retten kann? Ist das nicht die Folge des Fehlens öffentlicher Kontrolle so gut wie die katastrophäle Lage der deutschen Finanzwirtschaft? Werfen Sje einen Blick. auf die Arbeiterschaft. Glauben. Sw, daß die 29 Millionen deutscher Arbeiter, deren Lebenshaltung inimer tiefer sinkt, denen alle freiheitlichen Rechte genommen sind, sich wirklich mit dem System Hitler verbunden fühlen? Glauben Sie, daß ein Volk, das mit Diktat und Konzentrationslager regiert wird, wirklich stark ist? ES gibt eine große Opposition in Deutschland— trotz aller Wahlkünste deS Systems. Sie selbst, die Sie das verlangen nach einem freien Wort haben, Sie gehören zu ihr. DaS Gefühl, nicht di« Wahrheit zu erfahren, mißbraucht zu werden, daS dumpfe Gefühl,«Ine«.unbekannten Katastrophe entgegen- »ugehen, macht diese Opposition auS. Daneben aber gibt eS eine bewußt« Oppofi-. t i o n. Glauben Eie nicht, daß die Anhänger der Arbeiterparteien und der Linksparteien in Deutschland, glaube» Sie nicht, daß die viele» Million«» Sozialdemokraten nun alle Nationalsozialisten geworden seien! Sie lieben die Freiheit so gut wie einst,.sie sind im Herzen noch, waS sie«Inst gewesen'sind. Deshalb gibt eS Konzentrationslager, deshalb wird von der Gestapo auf Oppositionelle gejagt» deshalb wird gemordet und gekoltert. Vielleicht wissen Sie nicht, waS di« ganze Welt außerhalb Deutschlands weiß, mit wie barbarischen mittelalterlichen Foltermethoden der Terror gegen die sogenannten „D t a a t S f e i n d e" in Deutschland betrieben wird, vielleicht können Sie eS nicht glauben, weil sich Ihr Kulturgefühl dagegen sträubt? Wir bitten Sie, wenn Sie wieder einen Schritt in freie Länder tun» so werfen Sie einen Blick in die ernsthafte Literatur darüber, in die große Weltpresse, und Sie werden dann vielleicht verstehe», warum daS Ansehen Deutschlands in der Welt so tief gesunken ist. Staatsfeinde— wer ist das? Sie selbst sind es schon in den Augen des Systems, wenn eS Sie nach einem freien Wort« dürftet! Wir sind es, weil wir nach Wahrheit,,und Freiheit streben, weil wir die Propagandalügen bekämpfen, weil wir die Grausanckeiten des Terrors aufdecken, weil' wir nach BolkSrechten und öffentlicher Kontrolle, nach Teilnahnie des Volkes an oer Negierung und Verantwortung der Negierenden vor dem Volke rufen. Glauben Sie, daß eine Herrschaft, die sich vor dem Volke und vor der öffentlichen Kontrolle ihrer Taten fürchtet, auf die Dauer bestehen kann? Sie haben nun ein freies Wort gehört. Bitte denken Sie darüber nach, wenn Sie wieder nach drinnen znrückkehren— aus der Freiheit in die Unfreiheit. Vieles, was wir Ihnen hier in voller Freiheit sagen können, könnten Sie selbst erken- bereitet. Bon. den„Vernehmungen" im soge- . nannten Felsenkeller halten trotz Radi» und Gesang die Wände wider. Dort habe« der Kriminalassistent Erich Schott und der Kriminalsekretär Eassebanm(Kanonen-Otto genannt) die Gefangenen so mißhandelt, daß in den Verhandlungen die Spuren immer noch z« sehen waren. In der. ganzen Gegend spricht man vom „Vrotfabrikprozeß". Schaudernd erzählen sich die Arbeiter Einzelheiten vom Bernehmungsablauf. Mit knirschenden Zähnen schwären sie Rache dem System und den nationalsozialistischen Schinder». Schulen für Spitzel F. K. Dortmund.'Die Geheime Staatspolizei hat drei Schulen eingerichtet, in denen neben den Beamten auch die Spitzel und Provokateure ausgebildet werden, Eine dieser Schulen ist in D o r t m u N d. Hier werden insbesondere di« Provokateure geschult. Masscnverhaftunge» in der letzten Zeit sind auf die Tätigkeit dieser Elemente zurückzuführen» i Dachau... F. K. Nach genauen Feststellungen befinden sich allein aus dem Freistaat B r.a ü'n s ch weig 59 politische Gefangene, in D a ch a u. Einige, darunter der früher«: Ministerpräsident I a s p e r, seit 1988. Der frühere.. LandtagSpräsideut, Ri ek.e feit mehr als 2.'Jahren. Kürzlich wurde der frühere Innenminister S.t e i n b r e ch« ein schwerkranker Mann von. 69 Jahren, in Hamburg verhaftet und in Dachau einge- liefert.. neu, wenn Sie drinnen furchtlos, unvoreingenommen und nachdcnkcnd um sich blicken. Lassen Sie sich nicht abschrecken durch das heuchlerische Ge- fchrei.Über.Landesverrat und Bolksverrat. Wer als„Staatsfeind" mit brennender Scham zusieht, wie das deutsche'Boll durch das System mehr in die verächtliche Rolle des ersten öffentlichen Feindes'von ganz Europa gestoßen wird', und wie es über diese Tatsache von den Regierenden belogen und betrogen wird; der Ist mindestens'ein so guter Deutscher, wie die vielen hergelaufenen Ausländer, diesich mit terroristischen Mitteln dem deutschen Volke Vaterlandsliebe einprügeln wollen. Wenn.Sie aber nachdenken, so wird Ihnen eines aufgehcn: das deutsche Volk muh selbst d a.z u tun, daß di« Schande ein Ende nimmt, und Sie, der-Die die Wahrheit of f e n gehört haben, er st recht! Lassen Sie den Führer reden über die„primitive Tierform". Der Weg zur Freiheit und zur Rettung Deutschlands, zn seiner Wiedereingliede- rnng in die europäische Bölkerfamilie ist der Weg der Demokratie! Konzentrationslager Hohnstein Ein Opfer eriMhlt Nazi K u b e hat durch S e l-b st m o i^d geendet, nachdem er«in Luderleben auf Kosten der breiten Massen durch Jahre hindurch, geführt hatte. Wer Kube in Preußen und im Dritten Reiche war, weiß dort fast jedes Kind, denn er hat sich als„Führer der Braunen" genügend hervorgetan, besonders vor der Machterschleichung Hitlers einen wüsten Kampf gegen die Sozialdemokraten entfesselt, ihnen Korruption, Unterschlagung und alle möglichen Schandtaten vorgcwörfen; womit im Dritten Reiche aufgeräumt werden sollte! Aber Tausendes»!» cher Sumpfblüten, wie Kube«ine war, gedeihen im Dritten Reiche im kleinen, nur erfährt das Volk hiervon sehr wenig oder nichts- ES laufen noch heute die Verantwortlichen des Konzentrationslagers Hohnstein frei herum, eS ist ihnen nichts geschehen für alle die Lumpereien und Schweinereien, die sie sich '. als leitende Personen in Hohnstein zuschulden kommen ließen. Wenn das auch schon einige Zeit zurückliegt, so haben bis heute die Arbeiter d«S Dritten Reiches noch, nicht die volle Wahrheit über die unglaubliche Lebensweise der sogenannten Vorbilder im Dritten Reich erfahren. Im Konzentrationslager Hohnstein gab eS «ine sogenannte Elite der SA-Männer, das war der Lag er st ah. Dieser Lagerstab war eine reg elr e ch t e■ S a ufgem e i n scha f t.' ES bergikig keine Nächt, in der dieser Lagcrstab nicht in vollständig betrunkenem Zustand brüllend und grählend ins Lager kam. Es würden Zech» schulden von-mehreren-hundert Mark gemacht .— der Wirt durste-nichts-sagen, ma».drohte ih.'N einfach mit dem Konzentrationslager. Bei diesen Gelagen außerhalb- der Burg wurde fast immer eines der Lagerautos— gestohlene Wagen der Arbeiterorganisationen— benützt. ES ist nicht'-bloß einmal vorgekommen, daß solch«jn Auto in vollständig zertrümmertem Zustand aus irgendeinem Graben herausgeholt und ävgeschleppt -werden mußte.- Mehrere-Auws würden so zerfahren und durch neue-ersetzt.- Einmal übtrfuhr der Lagerleiter Sturmbannführer Jähnigen einen Mann und fuhr ihm dabei einen Arm ab. Man sperrt« Jähnigen in»Sebnitz im Gerichtsgefängnis ein. Aber das dauerte nicht lange.' Kaum eine Nacht. Eine Abordnung der wüstesten SA-Männer wurde nach-Sebnitz geschickt und Jähnigen wurde- herauSgeholt. Der Fall war somit erledigt. Die, Saufgelage wurden grgcrniserrcgcnd, denn es blieb ja yichf beim Trinken; es wurden di« wüstesten Orgien gefeiert. Eines Morgens erzählte ein'SA-Mann vom Lagerstab sehr laut und deutlich— so daß es Häftlinge hören,müßten daß sie sternhagelbetrunken die' Schwester eines SA-Führers mit.unter eine Brück« genommen 'hätten, acht Mann hättest das Mädchen hintereinander gehabt.' Auf diesem Gebiete Ivaren Überhaupt diese braü- nen Horden groß. Es gab wohl kein Mädchen in Hohnstein- das nicht, schon dies« Art Bekanntschaft mit der SA gemacht hatte. Man ließ sich ün Lager selbst von den Häftlingen-eine«künstlerisch einwandfreie^ Trinkstube Herrichten, wo von Voriüittag-'bis in die Nacht hinein getrunken und getobt werde.» konnte. Jn dieser Trinkstube kannten.sich, überdies-die Nazigrößen untereinander nach.Strich.und Faden verprügeln und in der.gemeinsten Weise beschimpfen. Der Scharführer Arp, dfe sogenannte rechte Hand Jähnigens-und des ehemaligen Brigadechefs Bennecke, hatte auch-dis Lagerkasse zu verwalten. Seinö privaten Einnahmen waren an sich nicht groß, aber Geld-Hatte er immer. Abends rückte er mit Jähnigen-und dem anderen- Stab mit vollen Taschen aus,-Jähnigen- stand" immer iw feiner Schuld und konnte demzufolge auch nichts gegen ihn sagen.- Als die-Sache dann brenzlich wurde, hat man Arp, der die ganze Sache-aufdecken wollte, kurzerhand verhaftet.und in..Einzelhaft gebracht. Dort konnte ex über die."„Aufdeckung" dieser Mißstände^ Nachdenken.'Er, war'für die Außenwtlt erledigt.-Seine Freunde wurden seine Feinde.und er hatte nichts Gutes zu Höffen. Wochenlang,, ja sov Sozialdemokraten angeklagt im Dortmunder BrotfabrlkprozeB Nr. 28« gSoitttfag, 27. September 1938 Leite 9 Monate hat er In Einzelhaft gesessen. Er Ivurd« .mißhandelt. Seine Frau ist bi» zu Den höchsten Stellen gegangen, um die ganz« Affäre auf- ,zuklären. Aber auch dafür hak man immer Mittel zur Hand, um einen Menschen, auch trenn«r SA-Mann war, mundtot zu machen. Der Bericht der Frau de» Arp wurde der Lagerleitung zur AeUßerung übermittelt. Man holte Arp auf den sogenannten Exerzierplatz,' mißhandelte ihn lei 25 Grad Kälte. Dann /legest man den schwer mißhandelten Mann mit .einigen Dutzenden Eimern Wasser, bi» er znr EiSfäul« erstarrt bewusttlo» liegen llirl. Später fragte man ihn, ob seine Frau nicht geschwindelt habe. Wie die Antwort diese» zerschlagenen, mißhandelten Menschen ausgefallen ist kann sich jeder denken.— Es war überdies keine Seltenheit im Hohnsteiner Konzentrationslager, daß man sich durch Berhaftung solcher SA-Leute entledigte, die zu viel von den Lumpereien de» -Lagerstabs wußten. -. Die Saufgelage gingen weiter..Man nahm weibliche Häftlinge de» Nacht» al» 'Schankmädchen. Die Berantwortlichen laufen heute noch frei herum. Niemand hat sie zur Rechenschaft ge- ,zogen. Al» wir— die Delegation de» Internationalen Solidaritätsfonds— am 18. September auf der 102 Kilometer von Madrid entfernt liegenden Talavera-Front vor dem heruntergeholten italienischen Flugzeug standen, das am 26. Juli'1986 die Flatwerke verlassen hat, und un» General Aseeneio die deutschen Bomben zeigte, mit denen gerade Santa Olalla und die vorgeschobenen Posten bombardiert worden waren, und als wir die hell blinkenden gepanzerten Junkers- 'flugzeuge über unseren Köpfen sahen, war uns eindeutig klar, daß . die spanische Republik nicht nur mit den Rebellen» sondern mit dem deutschen und italienischen Faschismus zu kämpfen hat. Nicht allein mit ihnen. Au» dem Berhör mit dem gefangenen italienischen.Flieger ging hervor, daß er, als er sich einmal auf portugiesisches Ge-. biet verirrt hatte und von portugiesischen Behörden in Gewahrsam genommen wurde, einige Tage 'später Offizieren der Rebellen, die ihn abholen kamen, ausgeliefert wurde. Mit drei faschistischen 'Ländern,,,seinem nächsten Nachbarn Portugal, Jtaliemuno Deutschland, die beide Material und Flieger zur Verfügung stellen, hat die spanische Republik zu kämpfen. Wird sie diesen ungleichen Kampf bestehen, in dem aus der einen Seite fast die ganze, sich seit zwei Jahren— seitdem Gil Roble» Leiter des Kriegsministeriums war— vorbereitende reguläre Armee mit dem gesamten Kriegsmaterial und der Versorgung au» dem Ausland über Portugal und Algerien steht und auf 'der anderen Seite die Republikaner, bie noch vor einigen Wochen nie ein Gewehr in der Hand gehalten hatten, mit den schnell gebildeten militärischen Formationen ohne Lieferungen aus dem Ausland? Die Regierungsmilizen kämpfen nscht nur '.für die Erhaltung der spanischen Republik. . Sie kämpfen und verteidigen die europäische Demokratie. Da» sollte uns allen klar sein. Dort unten in den Weinbergen bei Talavera, in den Schluchten von Guadarrama, aus der Front von Aragonien und jetzt namentlich im Norden von Spanien, im BaS- . kepland, wird da» Schicksal der europäischen Demokratie, der Arbeiterbewegung entschieden. Die Arbeiter und Bauern ganz Spaniens stehen hinter der Republik. Auf dem Weg von ■ Alicante sah ich, wie die spanischen Bauern'weit w den Feldern von der Bahnlsnie die zur Front fahrenden Milizen, mit ihrem„Salud" und ge- ballter Faust grüßten. Haben sich in Sevilla und ins, anderen Städten die Vertrauensleute der i Eisenbahner nicht lieber erschießen lassen, al» zur Arbeit gegen ihre Republik aufzufordern? Es Ist 'mir gesagt worden: der spanische Bauer ist nicht .,nur bereit, für die Republik zu sterben, die Ihm s e.in. Unterpfand der Befreiung vom Feudalismus ist, sondern er ist bereit, was für ihn schwerwie- gender ist, für.die republikanische Miliz sein letz- . tes Huhn zu geben,'■ Die gesamte Arbeiter- und Bauernjugend steht in der^Miliz. .Wie durch ein Wunder hat sich Madrid in den.Tagendes Ausbruchs de» Aufstandes geret- , test'Die sozialistische Jugend begann, al» sie ein .verdächtige» Treiben der Militär» bemerkte,'in den Madrider Straßen mit Gewehren-auf den Schultern zu demonstrieren. Die Garnison war >, irregesUhrt worden und traute sich nicht auf die 'Straße. Sie-verschanzte sich in den Kasernen, denn sie wußte nicht, daß die durch die Straßen ziehende, Jugepd keine Munition hatte. Fast mit - bloßen Händen,.wie in Barcelona, hat man die Men. Plätze der Rebellen in Madrid genommen, Ein. Patho» sondergleichen geht von diesem Er« /eianiS'burch die Rethen der Verteidiger der Repü- blik. Fast könnte' dir; Begeisterung,- von der die Träger de? antifaschistischen Kampfes durchdrun- Wysind, über die Schwere der Lage hiNwegtäuz /schenk> Terror-Justiz Einen besonders eindrucksvollen Beweis' von Terror-Justiz bietet der Fall Kuhlmey. Der nationalsozialistische Rechtsanwalt Kuhlmey in Magdeburg' hatte in einer Verhandlung des Magdeburger Arbeitsgerichtes beantragt, den jüdischen Rechtsanwalt Fließ als Parteivertreter abzulehnen. Kuhlmey erklärte u. a., daß er lieber mit einem schmutzigenNeger al» einem Juden verhandele. Fließ beschwerte sich bei der Anwaltskammer, die die Beschwerde ab- lvieS. Nun aber stellte der StaatSanivalt Strafantrag gegen den beleidigten jüdischen Anwalt wegen„wissenschaftlich falscher Anschuldigung I Beleidigung". In der Verhandlung vor der Magdeburger Großen Strafkammer schworen der Vorsitzende und die beiden Beisitzer der Arbeitsgerichte Meineide, sie hätten zwar Wohl die Worte„Jude" und„Neger", aber nicht in bezug auf den Angeklagten gehört. Es seien vielmehr „rein sachliche, aus Sachkenntnis und Verantwor- tungSgefühl geborene Bemerkungen zur Judenfrage" geivesen. Daraufhin wurde der beleidigte Jude zuneunMonaten Gefäng- n i S verurteilt. E r yahm sichvierzeha Tage später daSLeben. Die Zivilbevölkerung, die Arbeiter und die Republikaner de» Mittelstandes sind für die aufständischen, faschistischen Truppen in den von ihnen besetzten Städten und Ortschaften eine ständige Gefahr, wie in HueSca, wo sich da» Arbeiterviertel erheben hatte. Dieser Umstand hat auch die Rebellen daran gehindert, gleich vom ersten Augenblick au zum endgültigen Schlag auszuholen. Auf der einen Seite steht die ganze spanische Vergangenheit mit allem Elend und Schrecken, die sie über dieses Land gebracht hat» auf der anderen da» Volk mit feiner Zukunft. Dort, wo Land und Leute in der Hand der Republik geblieben sind, hat sich das Alte liquidiert... Die Armee hat sich al» Hort des Faschismus ausgetan. In ihr Lager flüchtete sich die ganze Reaktion. Eine neue republikanische Armee ist in Bildung begriffen. Die faschistischen Rebellen haben einen Klassenkampf auf Tod und Leben angesagt und dort, wo sie nicht Fuß gefaßt haben, wurde zwangsläufig alle» liquidiert, was an die korrupte Monarchie und die schwache Republif erinnern könnte. Um die Verteidigung der Republik zu sichern, mußte die neue Regierung Caballero die Verwaltung umgestalten. E» war auch höchste Zeit. Im Kriegsministerium z. B. wußte eine Abteilung nicht, was die andere tat, und im Herzen waren die Beamten, die viele Freunde auf der anderen Seite hatten, mehr drüben als hüben. Die Minister, die man auch zu Mitternacht in ihren Büro» antreffen kann, haben sich mit einem kleinen Krei» von treuen republikanischen Beamten umgeben. Bis auf drei Prozent sind alle diplomatischen Auslandsvertretungen Spanien» neu zu besehen gewesen, denn die Herren Diplomaten haben verfrüht ihre Ergebenheit zur Junta von BurgoS erweisen wollen. Tiefgehende Wendungen sozialer und psychologischer. Natur gehen seit Juli im republika- nischen Spanien vor sich. Die Frau in der Miliz ist selten, aber sie ist ein Symbol der Befreiung der spanischen Frau von ihrer mittelalterlichen und arabischen Abgeschlossenheit. Die siegreiche spanische Republik wird der Welt ein vollkommen gewandeltes spanisches Volk zeigen. Ruhig und ohne Druck arbeiten die Genossenschaften an ihrer Umwandlung der Wirtschaft. Gemeindeverwaltungen wenden sich an sie, um mit ihnen die Versorgung der Städte und Dörfer zu organisieren. Fischer haben Produktivgenossenschaften gebildet, die. unmittelbar die Genossenschaften der Städte versorgen. Desgleichen verfahren die Bauern. Kleine Kaufleute, deren Läden in entlegenen Orten ohne Waren geblieben sind, bieten den Genoffenschäften ihre Läden als Geschäftsstelle der Genöffenschaft und sich als Lagerverwalter an. Betriebe und Geschäfte, die nicht al» Demonstration oder Sabotage gegen die Republik geschlossen wurden, bleiben unangetastet. So sah ich in Madrid in dem großen Hotel Florida, in dem im Jahre 1981 eine Reihe unserer Delegierten zur AuSschußsihung abgestiegen waren nnb dessen Besitzer ein treuer Republikaner ist», ihn selbst mit den republikanischen Farben um den Arm niit den gleichen Angestellten arbeiten wie vor fünf Jahren, i Spanien war bisher rin Land ungeheurer Kontraste: Höhlenwohnungen und vierzehnstöckige Paläste in Madrid. Jene, die fürchten mußten, daß die sva« Nische Republik dies« Kontraste zum verschwinden bringen wird,' lehnen sich auf.ilichen,Freimut,.. der. freilich.,nichtdarüber' binwegtäuschen kann, dass,e8' dem Betfässeri doch weniger um auftlärende älr um unterhaltende Wirkungen- zu tun- wär. Anter den- vielen jugendlichen Darstellerinnen ragen Danielle Darrieüx und Betty Stockfield.hervor.-—ei»— Eröffnung des Prager Koniertbetriebes - Auffallend bald, fast'gleichzeitig, mit der Thea- tersaison, hat. Heuer der Betrieb in den Prager Konzertsälen begonnen. Da ist e» nur erklärlich, dass die Anteilnahme des Publikums noch nicht allzu rege ist. Sogar ein grosse»' Orchesterkonzert gav er gleich zu Beginn des Monats. ES fand' im grossen LUcerna-Saale statt und hatte, repräsentativen Turngenoffen und Turngenosssnnen! Der Turnverein steht.wieder vor neuen Aufgaben: Im Oktober ist dar Jubiläum der Bezirkrorganisatton, an dem wir aller Voraussicht nach Mitwirken werden. Unser zehnjähriger Jubiläum soll feierlich- am 21. November mit gleichzeitiger Fahnentaufe begangen werden. Dies ist sicher genug Anlass, um die Türn- stunden regelmässig zu besuchen, die seit 1. Septem^ der. wieder in vollem Gange sind. Die Franz Grundmann-Gedenkstnnde am Freitagabend vereinigte eine ansehnliche Zahl freudiger Hörer im neuen Parteiheim, Smeöky 22. Ernst Paul sprach nachdenkliche Worte über die Arbeiierdichter, die aus dem Befreiungskampf des Proletariats hervorgewachsen sind und zu denen gerade Nordböhmen ein so starkes Kontingent gestellt hat, vom Schillcc-Sesf, dem alten Hannich, Heinrich Bartel, Josef Behr, Wilhelm Kiesewetter usw. bis auf den heutigen Tag. Auch Franz Grundmann gehört zu ihnen, ist aber eine Besonderheit fiir sich,, da ihn fast mehr noch als die Tendenz die Natur der Menschen und seine Schlvächen beschäftigten, wenn er auch ihre Ursachen in den wirtschaftlichen Verhältnissen und schon gar Im Elend jener Zeit zu erkennen lvussie., Aber ganz einzig steht Grundmanns Humor in der'Arbeiterdichtung da. Aus seinem Meisterwerk dieser Gattung,' dem;„Al'n Testament" lasen, da der vorgesehene Lektor plötzlich am Erscheinen verhindert war, zwei Genossinnen vor, eine Jser» gebirglerin, die lange Jahre fern der Heimat gelebt, und eine Reichenbergerin. Aber selbst ihre kunstlose Vorlesung machte die Hörerschaft.immer wieder fröhlich auflachen. Ein Preffe-Empfang. Die Union für Recht und Freiheit hatte am Freitag zu einem Presse-Empfang geladen.. Nach BegrüssungSIvorien des Äorsitzenden Professor» Dr. Oskar Fischer unterzog der Brünner Bürgermeister Dr. E i e r die Parolen deS Nürnberger Parteitages der NSDAP einer gründlichen Untersuchung und stellte ihnen die traurige Realität der Verhältnisse gegenüber. An Hand eine» umfangreichen Materials zeigte er, dass der Terror gegen ledes freie Denken, dass die bösartigen Verfolgungen und die entwürdigende Behandlung der politischen und religiösen Ueberzeugungen der letzten Jahre nicht nachgelassen haben, sondern sich noch verstärkten. Willy Müller, ein gründlicher Kenner deutscher Verhältnisse, ergänzte das von Dr. Eier entworfene Bild durch die Auszeigung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der verschiedenen BevölkerungSschich- ten in Deuis^'and. Abgeordneter Tayerle zeigte die Zerschlagung der Gewerkschafts- und KoalitionSrechie unter dem faschistischen System und verteidigte die Existenz eine» freien Gewerkschaftslebens, wie eS in den demokratischen Staaten herrscht. — Die Gäste de» Presse-EmpfangeS gaben ihre Uebereinstimmung mit den Rednern durch starken Beifall zu erkennen. Die Veranstalter überreichten eine Denkschrift. über, den Betriebsterror im. Dritten Reiche. ■* Sine Obstausstellung veranstaltet die Gesellschaft der Gartenfreunde im grossen Saale der »Närodni düm" am Weinberger Platz in Prag XII. Auf langen blumengeschmückten Tafeln präsentieren sich auserlesene Früchte aller Sorten, Aepsel, Birnen, PflauMm. Pfirsiche, Weintrauben, Ouisten und Mispeln, lockend mit erfrischenden Düsten, prangend in allen Formen, und Farben, die Obst überhaupt haben kann. Nur den Geschmack all dieser appetitlichen Früchte zu kosten bleibt dem Beschauer verwehrt; er muss sich mit dem blossen Anblick be- gpügen. Und da fallen ihm auf allen Tischen immer wieder gewisse Sorten auf, die besonders einladend aussehen, Unter den Aepfeln die blanken Parmänen, die appetitreizenden Reinetten, die wachsgelben Kalvillen, der grosse grasgrüne Ontario, der köstliche Boskoop, der riesige gelbrote PeaSgood, der feine himbeerrote GaScogner. Unter den unzähligen Birnensorten scheinen dem Aussehen nach die grosse goldbraune Wiener Butterbirne, die rundliche gelbrote Merodova und die flaschengrüne Le Brun den Preis zu verdienen. Aber der Schein kann trügen; man weiss ja, mit welch safttger Süsse die unscheinbare braune Zapfenbirne erquickt. Von den Pflaumen fällt die Columbia durch besondre Grösse auf. die Botan aber durch ihr glasig durch- schimmerndeS, zart betautes Weinrot. Wissen möchte man, ob der auf den Sortennamen Waterloo getaufte Pfirsich, samtig braunrot, so erlesen schmeckt, wie er aussieht. Die Kenner stehen an den Tafeln und schreiben sich Namen auf, und vielleicht wissen sie um ganz andre Oualitäten Bescheid, als der blosse Augenschein sie auswählt. Zierkürbisse, Tomaten, Kartoffeln sogar wetteifern mit den Früchten, die Buntheit der Schau zu bereichern, und mitten in der Reihe der Blumensträusse prahlt ein Riesenkohlrabi mit feinen fünfeinhalb Kilo Gewicht.— Die Ausstellung bleibt bi» mit Dienstag, den 29. September, geöffnet. Die erste Ausstellung der Gartenfreunde und Kleintierzüchter in Präg findet vom 28. bis 20. September in Prag-Krälovskä obora statt. Die Au»- stellmig gibt ein Bild über die Tätigkeit unserer Gartenfreunde und Kleintierzüchter. Vertreten sind: Obstbau, Gemüse, Heilkräuter, Blumenzucht und andere Zweige de» Gartenbaues, sowie verschiedene Seltenheiten aus der Nutz- und Ziergeflügel, Tauben-, Kaninchen- und Bienenzucht. ■ Der Schlossgarten auf der Prager Burg wird am 27. und 28. September der breitere» Oessentlich- keit zugänglich sei». Erwachsene 1 Ak. Kinder 80 Heller. Der Gärten ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet, Zutritt vom Präönh most.' Internationales Arbeitersport- Meeting in Oslo Der norwegische Arbeitersportverband veranstaltete vor kurzem In Oslo ein grosses leichtathleti- fches Meeting, an welchem sich auch einige finnisch e Arbeitersportler beteiligten.-' ES wurden u. a. die folgenden Ergebnisse erzielt: Sportler: 100 Meter: 1. Savoläinen (F) 10,8, 2. Trygve(Grönland) 11.2, 8. Kai Flood (N) 11.8 Sek.— 200 Meter: 1. Amundsen(N) 22.2, 2. Savolainen(F) 22.8 Sek.— 400 Meter: 1. M. Olsen(N) 82.8. 2. Bechström(N) 82.0, 8. Groenbcrg(N) 88 Sek.— 800 Meter: 1. Salms (F) 2:01.4, 2. Reidar Karlsen(N) 2:01.4 Min.- — 1800 Meter: 1. Salmi(F) 4:06, 2. Arvid Bor- resen(N) 4:06.2 Min.(neue Bestleistung).— 6000 Meier: 1. Nächsten(N) 16:20, 2. Hckneby (N) 18:80.2 Min.— 110 Meter Hürden: 1. Le- chinen(F) 1ü.5(neue Tul-Bestlcistung), 2. Svend- sen(N) 18 Sek.4X100 Meter: 1. Orn(N) 44.0. 2. Centrum(N) 48.9 Sek.— Hochsprung: 1. Benjaminsen(N) 1.88,'2. Lethinen'(F) 1.80 Meter.— Äeitsprung: 1. Arne Olsen(N) 8.91, 2. Lethinen(F) 6.66 Meter.— Kugel: 1. Lar» Ulgene»(N) 18.60, 2. Trond Kristensen(N) 18.89 Meter.— Speer: 1. Hans Olsen(N) 61.82, 2. Axel Olsen(N) 62.48 Meier.— Schleuderball: 1. LarS UlgeneS(N) 85.04, 2. Bratberg(N) 58.82 Meter.— Diskus: 1. Selin(F) 45.66, 2. Luchsen (N) 48.46 Meter.— Sportlerinnen: 100 Meter: 1. Hanna Brondahl(N) 18.4, 2. Kristian» sen(N) 18.7 Sek.— Weitsprung: 1. Solveig Olsen (N) 4.88, 2. Gerda Carlsen(N> 4.54 Meter. Der grosse Ziegfeld. Dieser bombastische, länger als drei Stunden, dauernde Hollywood-Film ist eine grosse Verirrung.' Alan ging in der Erwartung hin, etwa». Aehnliches zu sehen wie seinerzeit.den „grossen Bärnum", die phantastische Film-Biographie des reklametüchtigen Zirfusdirektors, die ihren Helden zwar bewunderte, aber ihn doch in all seiner Lächerlichkeit zeigte. Aber den„grossen" Ziegfeld, den Begründer-und Leiter des New Vorker Revüe- TheaterS;;,Ziegfeld FollieS", den Erfinder der gleichgeschalteten Girl-Beine, und der aus Music-Hall, Zirkus, Modenschau-.und Ballett zusammengesetzten „Kunstsorm",. die sich„Show" nannte und als „Revye" guch in Europa seit der Inflation grassierte, — diesen fragwürdigen Mann hat man hier.im Film auf unsinnige-Art glorifiziert, jede Epstode seines — von Schulden, Konkurr^nzmanövern, Frauen- qeschichten'und Gala-Vorstellungen ausgefüllien Lebens zu einer Denkwürdigkeit gemacht und ihn als einen:,Unver«esslichen" hinstellen wollen. Man sieht, ernen ungeheuren Aufwand, Kostüme und Tänze.' Drehbühnen, Treppen. Betten und Girl». Stars und Zofen, Orchideen und Brillanten,— einen pomvö-l sen Stumpfsinn, der Dollar-Millionen gekostet haben dürfte.(falls er nicht nach Ziegsfelds grossem Bor- bild unbezahlt blieb), Die Kunst hat.jedenfalls keinen Cent'von den Kosten dieses endlosen Film» bekam-: men, in dem nicht ein Pünktchen Natur oder Leben zu sehen ist, von dem ein Teil der Publikum» aber begeistert zu sein schient'-—ei>— Geheimagent Helene. Ein reichsdeutscher Spionagefilm über die Tätigkeit polnischer Verschwörer in.'VorkriegSrussland..Die Handlung ist' recht naiv.,und zu durchsichtig, um spannend zu fein. Immerhin''sst diese Sintertteppengeschlchte.weNIg- Uoberzeugen Sta sich In Ihrem eigenen Intereeee . von der Qualität » der„Bcrxfreund- R Kneugnleae P Bergfreund-K8se. ÜGL Bergfreund eingedickte Rlndaupp« da» Konzert aber durchaus tntereffantundlehrreich; denn e» zeigte uns ähnliche und verwandte Müsik- vcrhältuisse wie bei un» selbst in der reprodukttven Tonkunst,... E. I. Fran» Kafka-Abend in der Froniuö-AuSstcl- lung. Der Graphiker Han» FroniuS stellt gegenwärtig im Kunstverein für Böhmen(Prag II, PStrossova 12) seine Holzschnitte und Zeichnungen au», von denen der grösste Teil da» Werk de» Dichters-Franz Kafka illustriert. Im Rahmen dieser Ausstellung sprechen am Donnerstag, den 1. Oktober, um 8 Uhr abend», Max Brod und Otto P i ck über den noch unveröffentlichten Nachlass Franz Kafkas und über die Interpretation seiner dichterischen Visionen durch Han» FroniuS. Anschliessend Vorlesung aus unbekannten Dichtungen Kafkas. Ausstellungs-Eintritt 8 Ki; Jugendwerke Rudolf Wolfs gefunden, Bis heute waren von den' Jugendwerken der grossen Liederkomponisten Hugo Wolf nur so wenige zugänglich, dass eine kritische Betrachtung der Schaffen-Periode Hugo Wolf» au» der Frühzeit nahezu unmöglich Rieb. Diese Lücke ist' nunmehr auSgefüllt. Etwa v i e r z i g L i e d e r, die Hugo Wolf In der Hauptsache zwischen den Jahren 1878 und 1888, also im Alter von 16 bi» 28 Jahren schrieb, sind letzt aufgefunden und werden in diesem Herbst zur Veröffentlichung gelangen. Die handschriftlichen Originale der Jnaendwerke waren von Hugo Wolf den Schwestern Köcher!,- in deren Familie er freundschaftlich verkehrte, vermacht worden. Die Urheberrechte an diesen Liedern halte der Komponist iedoch der Richard-Wagner-Gesellschaft in Wien an»'Dankbarkeit für die Hilfe, die sie ihm gewährt hatte, über» : tragen. Wochenspielplan de» Renen Deutschen Theater». Sonntag 7: Faust ersterund zweiter T e i l, A 1.— Montag 7 sh: D i e verkaufte Braut, B2.— Dienstag74b: Gaby. A 2.— Mittwoch 744: Die Katze lässt das Mausen nicht, B 2.— Donnerstag 74b: Die neugierigenFrauen, CI.— Freitag 74b: DieKatzelässt daSMausen nicht, D 2.— Samstag 74b: Boccaccio. Abonnement ausgehoben.— Sonntag 6: Sie Meistersinger von N ü r n b e r g, D. 1. Wochensplelplän der Kleinen Bühne. Sonntag: 8: Salzburg aurverkaufti volkstümliche Vorstellung.— Montag 8: Mein Sohn, der Minister.— Dienstag 84b: Menschen auf der Eisscholle,' volkstümliche Vorstellung. — Mittwoch 8: Baumelst erS» l n e ss, Bankbeamte II und freier Verkauf.—Donnerstag 8:SalzburgauSverkauft.■—Freitag 8: Baumeister S o l n e h,'Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag .7 44: AerztlicheS Gebe i m n i S, Erftauf- fübrung..— Sonntag 8: AerztlicheS Ge< 1. Exkursion in die meteorologische Staatsanstalt.- Montag, 9410. Treffpunkt Endstation der 8, Sokolsk». Exkursion in die Ausstellung französischer Werbe-. Plakate. Jng. Rotter.. M on t a g, 4 Uhr. Treffpunkt vor dem Kunstgewerbemuseum.. „Die Handelspolitik. Oesterreichs und kein» wirtschaftlichen Beziehungen zur CSR". Bortr. Dr. Herberth, Wien. Freitag, 8 Uhr. Karten Urqnia, Metzler. Andrö.' Aranla-Kino «Der Keine Strassensänger" mit den Wiener. Sängerknaben. Reizvolle', Handlung. Heute und m o r g e n 2, 4, 6, 449 Uhr, sonst 446, 449 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino: Die Wiener Sängerknaben" in „Der kleine Sttäftensänger".'— Alfa:„Der grosse' Ziegfeld". A.— Adria:„Rose Marie." A.— Avion: ^.Spionage." A.— Beranek:„Auf. der grünen. Wiese." Tsch..— Fenix:„Geschichte zweier Städte." Nach Dicken»: A.— Flora:„Die Mätresse des Gou«, verneurs." A.— Gaumont:„Ein Vampyr in Weiss.?. Ä— Hollywood:„Ein toller Einfall." D.— Juli»: „Das Gässchen zum Paradies." Hugo HaaS. Tfch.—. Kinemat Journale, Grotesken, Reportagen.— K»-'- rnna: Aktualitäten,'Journale, Grotesken.— kotva: „Ein aussergewöhnliches Ereign-iS" Ä.,-Cooper. ,A.—- Lacerna: Geschichte zweier' Städte." A.— Metro: ,,DaS. Komödiantenschiff." A.— Passage:„Ein toller Einfäll." D.— Praha: „Geheimagentin Helene." D.— Radio:„Aufder grünen Wiese." Tsch.— Skaut:-„R e i t e r/p ä» ‘coutile." Nach Langer. Tsch.— Svittozor: Da» Gässchen zum Paradies." Hugo Haas.- Tsch.— Alma „Küss nicht im Kino." Francis Lederer.' A^ Baikal:„Reiter pä t t o u i l I e." Tsch.—Brsedqr. „TraumuluS." Emil Jannings. D.— Carlton:, „Schatten der Vergangenheit." L. Ullrich. D.--- Illusion:„Auf der grünen Wiese." Tsch-—. Litz» ML „Der. fleistste,-Rehell," Sb-’ Teipiple. ist,— Lojiprfr „istuf.der.grüsten Wiese/",Tfch.— Mäeetka:''LüNgV:-- pcnck;"-Eddie Egntor. A.— Olysstpier' iWkognitp.."- -D.'— Roxyn-Astf«der' grünen Wiese." Tsch---- U Bejvodu: , Tsch.''—«aldok: s,R eü'd t/e.r p-a/t.rM u i l l e."TW— Beletthtzn i^Aüf dergrÜnenWiese."-Tsch? BezugShe dingun g e n: Bei Zustellung in» Hau» wder bei Bezug durch, die Post monatlich Isö 16—, vierteljährlich Uö 48.—, halbjährig Uö 96.—. gänziährlg K£ 192.—.— Inserate werden laut-'s Tarif billigst' berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnächlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rewurmarken.— Die ZeitungSfrankaiur wurde von der Post« und Tele»' . graphendirektton-mtt Erlass-Nr. 18.800/1711/1080 bewilligt—Druckerei: ,L>rbiS", Druck-,'Verlag»- und Zeitung»-A.-G. Prag,. ,n:'.