Freitag, 2. Oktober 1936 Nr. 229 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Halln (einichließllch 5 Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TKOLICH FRUH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova tt. Telefon 51077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! KARL KERN. FRAG. Ole Untaten der Rebellen Madrid appelliert an das Weitgewissen Viele Tausende Spanier von den Mauren ermordet! Unter Freunden... „V.B/*«Korrespondent aus Italien ausgewiesen Der römische Korrespondent deS„Völkischen Beobachters" Rudolf von Maltzahnist, wie die „Pr. Presse"erfährt, von den italienischen Behörden aüfgefordert worden, Italien zu verlassen. Sein Aufenthalt und seine Tätigest in Italien sind nicht erwünscht. Die Nachricht von der Ausweisung dieses Korrespondenten hat in römischen Journalistenreilen sehr große Ueberraschüng hervorgerufen. Die italienischen Behörden haben den deutschen Journalisten zwar äußerst höflich zum Verlassen Italiens aüfgefordert, doch hat die Tatsache selbst, daß ein nationalsozialistischer Korrespondent in Italien nicht erwünscht ist, sclbstver- ständlich besondere Ausmersameit erweckt. Keine Zloty-Abwertung Warschau. Im Zusammenhang mit den Besprechungen, di« unter Borsitz des Generalinspck- teurs der Wehrmacht, Rydz-Smigly über Valuta- und Finanzfragen stattfanden, meldet die Agentur„Preß", es sei die Entscheidung gefallen, die bisherige Zloty-Parität aufrecht zu erhalten. . Auch der Dinar bleibt unverändert Belgrad. Im Zusammenhang mit der Devalvation in den- Staaten. b«3 ehemaligen Gold- blocks erklärte der Gouverneur der Jugoslawischen Rationalbank Dr. Radosavljevoih daß, trühdeM es sich um ein großes Währungsereignis in der Welt Handl«! dieses k ei n e n ungünstigen Einfluß auf den Dinar haben werde- wie auch die Devalvjerung des englischen Pfundes im Jahre 1931 keinen ungünstigen Einfluß ausgeübt habe. Es besiehe auch kein Anlaß, die jugoslawische Währüngs- und Devisenpolitik zu ändern.; Ungarische Demonstration In Genf Genf. Die Bölkerbundversammlung hat Donnerstag den Antrag zur Bildung einer dritten Kommission zwecks Prüfung der Abrüstungsfrage angenommen. Dee ungarische Delegierte General Tancz 0 S erklärte bei dieser Verhandlung, daß die um g a ri sch e D e l e g a t i 0 n an den Arbeiten 1 dieser AüriistungSkommission n i ch t teilnehm en werde.- Paris. Die französische Kammer hat Donnerstag nach 18 Uhr die Währungsvorlage der Regierung in dritter Lesung mit 384 gegen 217 Stimmen angenommen/ Sie nahm jedoch einige kleine. Aenderungen an der Vorlage vor, über welche, dann der Senat en dritter Lesung zu be- ralen-ha.tte.,, Außerdem nahm die Kammer ohne Debatte wer Akklamation alle/Regierungsvorlagen. an, zwelche. der Finänzminister vorgelegt hat. Darunter befindrt/inSbesoNdere eine Vorlage über die Rückerstattung deS ISprozentigen Abzuges an die eheinätigen französischen Frontkämpfer des Weltkrieges, eine Hilfeleistung'für die Kleinrentner und' die Zuerkennung gewisser Borteile für die Zeichner^ der letzten französischen inneren Anleihe^ , ,. Der S> n a t beendete um 21 Uhr in dritter Lesung, die Debatte über die WährüngsVorlage der Regierung.: Er nahm jedoch im Text der Vorlage n c u c rl i ch e in e A e n d e r u n g an dem von der Kammer, verabschiedeten-Wortlaut v«,-.'s« daß also die- DevalvationSvorlage- der Regierung nach, der AbsttmipüNg in der-driften Le» sung vom Senate neuerlich an die-KaMmer-zur vierten Beratunggthen wird. Man hosft. daß die» schön, die. letzte Verabschiedung sein tvird und daß di«. Kammer der von dem Senate vorgenommenen- neuen Aenderung züsftmmen'-'Iwirdp Der Senat schlägt in der besagten Aenderung vor, daßv sämtliche Bärfenterminöpercktionen> in der Zeit vom 1. bis'2ü, September d. I., die in der Mehrzahl Spekulationen aus eine» Rückgang des Madrid. Die amtliche RachrichtensteUe Faira veröffentlichte folgende Meldung: Die Madrider Advokatenkanlmer hat an die Advokaten, die Juristen und an die gesamte öffentliche Meinung der Welt ein umfangreiches Manifest erlassen, in welchem sie über die B e r» brechen und Gewalttaten Beschwerde führt, die v 0 n d e n Aufstiindi» schen im besetzten Gebiet« verübt werden. In dem Manifest werden die einzelnen Gewaltakte detailliert ausgezählt und beispielsweise angeführt: Die Aufständischen morden sqstematifch alle Arbeiter, bei denen sie Syndikatslegitimationen vorfinden..In Badajoz schossen die Aufständische» a«S MaschineNgrwehren in den Arenen auf 1500 Gefangene, die In de« Aren«: in ihrem Blute tot liegen blieben. In Sevilla wurden 9000Arb«iter«nd Bauern erschösse«. Die Mauren und die Soldaten der Fremdenlegion warfen in die Häuser Granaten und mordeten so zahlreiche Frauen und Kinder hin. Der aufständische General Oueipo de Llano rühmte sich im Rundfunk seilst dieser'Taten und förderte die Aufständischen zu neuen Gewalttätigkeiten auf.. Zahlreiche Dörfer in Andalusien und Estramadura, wurden, obzwar flt'Nichk militätisch- besetzt-warem von den Flug»^ Paris.(Tsch. P.-B.) In Madrid sind Donnerstag vormittags um Ist llhr di« EorteS zufammengetreten und haben den: Vorsitzende» der Madrider Regierung Largo Caballero«in» m ü t i g daS Vertrauen ausgesprochen. Pie Kammer erteilt« gleichzeitig der Regierung Caballero Vollmacht zu weitoren Maßnahmen. Durch Akklamation nahmen dann die Abgeordneten einmütig daS baskische UnabhängigkeitSstatut und daS Finanzgefttz für daS Jahr 1937 an. Hierauf vertagte sich die Kammer bis 1. Dezember. An der Tagung nahmen etwa 100 Abgeordnete teil. Francs darstellten,- mit einer öOprozentigen Steuer belegt werden. . Es besteht- kein Zweifel darüber, daß die, Kammer dieser Aenderung gleichfalls zustimMen wird und daß die Währungsvorlage der Regierung noch im Lpuse'der Nächt von der Kammer sowie vom Senate'definitiv'angenommen werden wird, so daß die Vorlage Freitag, sobald sie vom Präsidenten der Republik unterzeichnet und im Amtsblatt publiziert'werden wird,-Gesetzeskraft erlangen wird. P a r i S. Der Senat hat in der Rachtsitznng einen Anten» deS Senators Laffont mit 161 gegen 121 Stimmen angenommen,' der den Artikel 13 des DevalvierungSrntwurfes in dem Sinne Sn»' dert, daß anstelle der üOprozrntigrn Versteuerung der Gewinne auS Termingeschäften zwischen dem 1. und 26. September SO Prozent eingehoben Werde«. Sodann nahm der' Senat' per aeelamg- tioncm die Regierungsvorlage im Ganzen an. Der Senat stimmt« sodann auch den übrigen Gesetzentwürfen zu, die der Finanzminifier nachmittags dem Parlamente vorgelegt hätte«Nd"die. insbesondere'daS Abkommen'zwischen der'-Regie- rung und der AmortisattonSkasse betreffen«nd die Bezüge dich ehemaligen Frontkämpfer ans dem Weltkriege erhöhe«.■ Die Kammer, die um 22.30 Uhr znsammeir- trat, stimmte nm 23.10 Uhr in- viörtör Lesung dem'Reglerimgsentwurf mit855' gegen 210 Stimmen zu, nahm aber«ine Aenderung am Artikel 18 vor, so daß die Vorlage vor Mitternacht wieder an den Senat geht.. zeugen der Aufständischen bombardiert, wodurch viel« Frauen«nd Kinder abgeschlachtet wurden. Di« Aufständische» schossen sämtliche Abgeordneten der, Linken und andere hervorragende Persönlichkeiten, die ihnen in die Hände fielen, nieder. In dem Dorfe Carpio in der Provinz Cordoba, die inzwischen bereits von de» Regi«rnngS- trnppen entsetzt wurden, haben die Aufständische« die gefangenen Arbeiter auf den.Friedhof geführt, wo sie sie zwangen als ihr gemeinsames Grah eine Grube auSzuhebrn, worauf sie ihnen scheinbar zwei Stunden zum Abschied von ihre» Angehörige::'gewährte«, um sie dann beim Eintreffen der Frauen und Kinder n i e d e r r u s ch i« tz e n. In dem Dorfe Caspe bei Saragossa hohen di« Aufständischen den Bürgermeister, dessen Mutter, Schwester und sein vierjähriges Kind ermordet. In diesem Dorf« benützten di« Aufständischen Frauen undKin- deralS Barrikaden. IN Grenada ermordeten die Aufständischen den Dichter Garcia Lorca, di« bedeutsamste Persönlichkeit in den Reihen deS literarischen RachwnchseS Spaniens. Maurische.Banden Plündern:md morden überall, wohin sie gelangen.' In dem Manifest wird daS Weltgewissen an. gerufen» ein solches Treiben der Aufständischen z« Auster den Mitgliedern der Regierungsmehrheit, d. i. der republikanischen Linken, der republikanische:: Bereinigung, deö katalanischen Linken, der Sozialisten, der Kommunisten und der nationalen baskischen Katholiken nahmen an der Sitzung nur zwei Abgeordnete der Mitt« teil. Madrid. Nach Meldungen des KriegSmini- stcrinms haben Regierungsabteilungen an der aragonischen Front im Abschnitt von Barbastro einen Sieg errungen. Die Aufständischen, die mehrmals angrifsen, sind abgewehrt worden. In der Zentrumssront haben RegierungSabteilungen die Aufständischen zum Stehen gebracht und ihnen schwere' Verluste beigebracht. La Coruna. Der Radiosender der Aufständischen meldet, daß die Stadt Bilbao erneut bombardiert worden ist. Gegen die Geiseln wurden kein« Vergeltungsmaßnahmen getroffen. ' Weiter meldet der Rundfunk auf Grund der amtlichen Berichte des Hauptquartiers der Aufständischen, daß die Südarmee, in der Provinz Jaen die Städte Alcala und Loreal besetzt habe. Die' Zentrumsarmee,.'die vom General Mola geführt wird, hat Rwierungsabteilungen im Abschnitt von Avila aogewchrt und ihnen schwere Verluste beigebracht. An der Toledo-Front besetzten die Aufständischen die Dörfer Billaluenga und JlleScaS. Barcelona.(Reuter.) Nach einer' heftigen Beschießung durch RegierungSartillerie haben die Regierungstruppen durch einen Angriff die Po- sitiönen der Aufständischen' im Engpaß Quinta und/ auf den Höhen-,-der Umgehung des Berges Arragon genommen. Sie nahmen 415 Mann gefangen,.'darunter- 80 Zivilisten." Die Beschießung der'Stadt HueSea wird-fortgesetzt. Ein neuer Alcazar?.' St.-Iran de Laz.(HavaS.) Meldungen aus glguhwürdiger Quelle zufolge habe«-sich'50 Re- giernngssoldäten im Seminar in Toledo. vetbarR» lädiert,, wo'sie bereits ivier-Tage-lang den Auf- stäiidischeu Widerstand seisten. Jhre.Läge^ ist verzweifelt, Man glaubt, daß sich.unter ihnen, auch . Fmüe» und Kinder' befinden. Der Oberbefehls» Wer der Truppen der.Aufständischen würde , gerne- die ikebergabe dieser Soldaten- erreichen, .ohne dasScminar.bonrbardi.'.cen zu-müssen« Unter den flauem von Madrid Vor der Entscheidungsschlacht um Spanien Di« Einnahme von Toledo hat der Armee der Rebellen, die von Nordwesten her, über die Pässe der Guardarrama seit Monaten vergeblich an die Hauptstadt oder auch nur an die Wasserleitung der Millionenstadt heränzukommen sucht, eine neue Straße geöffnet.. Seit die alte Tajo- Sperre in den Händen der Fremdenlegionäre-und Mauren ist, muß sich die Regierung auf eine Schlacht unter den— jetzt erst in Eile aufzurichtenden—„Wällen" von Madrid' gefaßt machen. Daß sie trotzdem und obwohl der Feind auf 35 bis 40 Kilometer hcrangekommen ist, die Residenz nicht verläßt, daß sie, beinahe im Feuerbereich von Francos Kanonen, die Cortes tagen ließ und ruhig die Mobilisier ungö- Maßnahmen f 0 r t s e tzt-, beweist nicht nur ihren Mut, sondern auch die ruhige Kraft, mit der sie den Kampf weiterführt, von dem die Rebellen seit Wochen behaupten, er sei für die Demokratie bereits verloren. Die Regierung hat tvahrschcinlich gut daran getan, Toledo preiszugeben und gegen die von Südwcsten cinrückenden drei Kolonnen der Rebellen keine neue Operation einzuleiten. Mit der Flanke an das Gebirge gelehnt, das selbst unter schweren Kämpfen behauptet wird, in dem die Front aber eines Tages Wanken könnte, wäre -eich« Feldschlacht-für die-RegterungStruppen nicht- leicht zu schlagen gewesen. Auch fehlten zur Einleitung einer Operation die rasch verfügbaren Reserven und endlich haben die Milizen bisher gerade in dieser Art Kämpfe am schlechtesten abgeschnitten. In der Verteidigung aber warensiestark und eS steht schon aus psychologischen Erwägungen zu erwarten, daß sie in her Verteidigung der Hauptstadt stärker sein werden als jemals zuvor. Die Truppen, die Toledo genommen haben, werden den Angriff auf die Millionenstadt Madrid, deren Vorstädte und Vorgelände zur Anlage von Feldbefestigungen und Barrikaden, Straßensperren und Maschinenge- wchrnestem Gelegenheit bieten, kaum ernsthaft wagen können. Franco wird neue Reserven einsetzen müssen. Nun soll er in den letzten Tagen aus Marokko weitere Truppen herangefiihrt haben, aber es fragt sich, ob er sie nicht vor Malaga braucht. Setzt er. sie gegen Madrid ein, so wird immerhin einige Zeit vergehen, bevor sie heran- gebracht und entwickelt sind, bevor auf den unzulänglichen Nachschublinien ihre Versorgung sichergestellt ist. In dieser Zeit kann die Negierung, die ja^etzt eine Mobilmachung aller geeigneten Mannschasten mit großer Energie betreibt, ihrerseits tvohl soviel Truppen aufüieten, daß Madrid sich gegen Südwesten verteidigen läßt und daß zugleich die Verbiuduigs nach Barceloim gesichert wird. Leider muß damit gerechnet werden, daß die Verbindung nach Valencia(Südosten) verloren geht. Gelingt es den Rebellen, die Hauptstadtwirklich einzuschliehen.-wozu allerdings eine sehr große Truppenmacht gehörte, dann stünden die Dinge freilich wesentlich ungünstiger. Dainit ist aber fürs erste nicht zu rechnen. Das Ziel der Regierung wird es sein müssen, die Rebellen an"der Belagerung von Madrid sich verbluten zu lassen und Unterdessen in dem noch freien Hinterland Kräfte zu-einem entscheidenden Rückstoß zu, sammeln. Ausgeschlossen ist solch ein Rückstoß keineswegs,' so sehr auch- zu bedenken bleibt, daß' die- Reserven' der Regierung zum großen Teil aus dem"nicht ganz verläßliche» K a t a l a n i e n und von-den noch weniger verläßlichen Anarchisten in Kätälanien geholt werden müssen,"'Militärisch-gesehen'ist es aber durchaus möglich, daß die Desen-'s.i've unter den Mauern von Madrid z ü einer Zermü r- b u n g d e r R e b e-l'I e«.führt, derest Truppe»! ja demoralisiert werden, sobald ein Srel- lungSkrieg einsetzt und dörön Basis Marokko vom Aufstand'bedroht ist. Ein zielbewusster Führer hätte dann hinter der Front von Madrid die Reserve-zum Gegenstoß zu bilden-' Und im geeigneten Augenblick- einzusehen. So könnte sie. wohl das i„blitzende Bergeltüngsschwert"- werden,' das nach Clausewitz der defensiv' Kämpfende bereithäl» tcn muß, um den Steg an-sich zu" reißen. Wi^'bisher wird aber auch-in dieser neben Phase-des BürgeüriegeS--daS^-politische Das„Ballspiel“ um feil Franc beendet Senat und Kammer endlich einig Die Cortes für Caballero Entscheidungslose Kämpfe an allen Fronten ieite 2 Freitag, 2. Oktober 1036 Str. 220 Moment ein« Nolle spielen. Die Rebellen, die das so gut wissen Ivie die Regierung, haben General Franco die Diktatur übertragen, weil sie anscheinend ihre Parteigegensätze jetzt bändigen wollen. Es wird darauf ankommen, daß auch im Regierungslager der unheilvolle Gegensatz zwischen Anarchisten und Sozialisten so« weit überbrückt wird, als die Einheit der Operationen und Entschlüsse es fordert. Sehr wichtig für die Regierung wäre es auch, dah sie durch die Disziplinierung der Anarchisten ihre mora- ltsche Position gegenüber dem Ausland stärkt. Wie die scharfe Kundgebung des Erzbischof» von Uork gegen die Rebellen beweist, ist auf diesem Gebiet keineswegs alles verloren. Auch in Genf, wo Madrid eben eine Beschwerde gegen die Unterstützung der Rebellen von portugiestscher, italienischer und' hitleristischer Seite eingebracht hat, steht eS für Spanien nicht ungünstig. Eine Regierung, deren Autorität ihrem nicht zu bezweifelnden Mut, deren Entschlossenheit ihrem Kampfwillen gleichen wird, kann Spanien auch heute noch vor der Ueberwindung durch Mauren, Frem- denlegionäre und ausländische Faschisten retten! teidigcn". Dort allerdings, wo, wie gesagt wird, die Arbeiter»in die Rolle einer bloßen Staffage gedrängt" sind,'werden die Kommunisten eine Be« teiligung an den Feiern des 28. Oktober ablehnen. Außerdem beabsichtigen die Kommunisten noch de» 14. Oktober 1018 al» de» Lage» der sozialistischen Demonstrationen in den historischen Ländern und de» 7. November, al» de» Jahrestage» der russischen Revolution von 1917 zu gedenken. Die Kommunisten sind also wieder einmal — diese Erkenntnis wurde durch die Abwesenheit Gottwald» gestärkt— daraufgelommen, daß die Demokratie ein hohes Gut ist, welche» verteidigt werden muh— eine Wahrheit, für deren Ber- kUndung wir noch vor nicht zu langer Zeit Sozialfaschisten genannt wurden. Aber die Verlautbarung des Willens, den demokratischen Staat zu schützen, genügt nicht. Es ist zu wenig, den Mund zu spitzen, es muh auch gepfiffen werden. Wollen die Kommunisten Seite an Seite mit den Demokraten und Sozialisten dieses Landes die demokratische Verfassung und. die Unabhängigkeit des Staates verteidigen, dann müsien sie die Sozialisten dort unterstützen, wo es notwendig ist und mit ihnen auf eine politische Linie gelangen. So lang« sie nicht durch eine entschlossene Tat beweisen, dah sie gewillt sind, aus ihrer Erkenntnis praktische Schlüffe zu ziehen, d. h. im Parlament und außerhalb' desselben positiv mitzuarbeiten an dem Schuh'der sozialen LebenSintereffen der arbeitenden Schichten, bleiben alle Aufrufe und Briefe, mit denen sie di« Oeffentlichkeit und die sozialistischen Parteien bombardieren, Lippenbe- kenntniffe. Dazu kommt, daß man nie weiß, welche Politik die Konununisten machen wollen. Wir haben ihre Wandlungen so oft mitgemacht, daß wir ihren jeweiligen Standpunkt nicht ernst nehmen können. Wenn Gotttvald zurückkommen wird, dann wird er in dem Briefe, den die KP§ unserer Redaktion geschickt hat, so viel Abweichungen von der Linie finden, dah den Verfaffern grün und blau vor Augen werden wird. So lang« die Kommunisten eine so fahrige, sprunghafte und demagogische Politik machen, so lange sie im Staate und im Parlament nicht positiv Mitarbeiten wollen, ist eine Gemeinschaft mit ihnen nicht möglich. Die sozialistische Politik in diesem Lande kann sich mit Demonstrationen und Resolutionen nicht begnügen, sie war, ist und wird bleiben eine Politik positiver Arbeit, eine Politik der Tat. Rückzug der Agrarier Wir haben am Mittwoch darüber berichtet, dah der Generalsekretär der tschechischen Agrarpartei Abgeordneter Fng. Zilka eine Rede gehalten hat, in der er die Revision unserer Außen» Politik verlangte. Die«Lidovb Noviny", das »Prävo. Lidu" und auch wir haben an dem Genannten die Anfrage gerichtet, worin denn eigentlich diese Revision bestehen und ob etwa die Tschechoslowakei die Verträge mit ihren Verbündeten kündigen soll«. Dir Verlegenheit der Agrarier, die durch diese Fragestellung entstanden ist, wurde noch dadurch gesteigert, daß der bekannte Außenpolitiker Pertinax im„Eche de Paris" geschrieben hat, die tschechischen Agrarier seien gegen die Zusammenarbeit mit Frankreich und Genf und wollen mit Hitler verhandeln. Darauf antwortet nun der„Venkov": Dle Republikanische Partei hat niemals und in nichts die Zusammenarbeit mit der Kleinen Entente lind Frankreich aufgegeben. Sie.hat auf dieser Zusammenarbeit gebaut und ihr Bestreben ist im Gegenteil dahin gerichtet, unter der Füh- Der Ausbau Unseres Straßennetzes scheitert an der Geldfrage und an dem Personalmangel Der verkehrstechnische Ausschuß des Abgeordnetenhauses beschäftigte sich am Donnerstag im Anschluß an ein Memorandum der Steinbruch-Arbeiterschaft mit dem Stand unserer Straßen und der Arbeitslosigkeit in der Steinindustrie, die bereits 6000 Waggons Granitwürfel für Pslasterzivecke auf Lager hat. 8000 Steinarbeiter sind infolgedessen dauernd von Arbeitslosigkeit bedroht, die Kollektivlöhne werden umgangen und Durchschnittslöhne von 16 UL täglich sind in diesem schweren Beruf üblich. Eine Abhilfe könnte nur geschaffen werden, wenn sich die Staatsverwaltung entschließt, zur Pflasterung der Staatsstraßen G r a n i t w ü r f e l zu benützen. Ein derartiges Straßenpslaster ist zwar teuerer, doch hält eS mindestens 80 Jahre aus. Wie lange dagegen die Betonstraßcndecken aushalten werden, läßt sich heute noch nicht Voraussagen. Arbeiienminister Jng. D o st ä l e k konstatierte, daß sein Reffort die äußersten Anstrengungen mache, um die Arbeitsmöglichkeiten zu erhöhen. Im heurigen Budget des Ministeriums sind etwa 800 Millionen für Investitionen vorgesehen, davon wurden bereits Arbeiten im Gesamtbetrag von 410 Millionen vergeben. War die Straßen betrifft, so will da» Ministerium künftig bei Neubauten und Rekonstruktionen keine Improvisationen mehr durchführen. Die Arbeiten sollen auf Grund eine» bestimmten Planer von den wichtigsten Straßenzügen internationalen Charakters allmählich bir zu den wichtigeren Bezirksstraßen, die für den Fernverkehr bestimmt find, weitergeführt werden. Bon den 8661 Kilometern Staatsstraßen find 80 Prozent in einem schlechten Zustand; je später man an die durchgreifend« Regulierung dieser Sttaßen gehen wird, desto schlimmer wird er für den Staat und für die Steuerträger sein. Ein« Durchführung dieser Rekonstruktionen binnen fünf Jahren käme noch am billigsten, aber es mangelt an finanziellen Mitteln und an den nötigen technischen >'fi r ä f t e ni Das Ministerium hat in diesem Fach -i leinen derartigen Personalmangel, daß Straßenbauten aus den Jahren 1627—20 erst 1986 und 1686 kollaudiert werden konnten! Die Bemühungen de» Minister» nach Bermehrung der Zahl der technischen Beamten seien bisher erfolglo» geblieben, obwohl gerade jetzt au» Höheren Staatdintereffen beschleunigt eine ganze Reih« von Straßcnabschnit- ten gebaut werden muß. Hiebei werden etwa 800 Millionen notwendig sein. Der Minister legte dem Ausschuß Karten über den Stmid unsere» Straßennetze» und über di« künftigen internationalen Fernstraßen vor. Die finanziellen Mittel de» Straßensondö reichen nicht au», um die ausgearbeiteten Pläne auch nur zum Teil zu verwirklichen. Zum Schluß erwähnt der Minister die Möglichkeit eine» Unternehmerkredites für Straßenbauzwecke, der in der Höhe von 600 Millionen Ui angeboten wird. Dabei wär« natürlich auch die Frage der Verzinsung und Amortisierung diese» Betrage» zu lösen. In der Debatte wurde u. a. auch darüber Klage geführt, daß Straßenbauten nur in einem sehr schleppenden Tempo erledigt werden. Oft verfließen drei Jahre von der Ueberreichung des Gesuches bi» zum Beginn des Baue», Der Ausschuß faßte seine Wünsche in einer Resolution zusammen, in' der die Regierung u. a. aufgcfordert wird, dem Arbeitenministerium solvie den Bezirken und Gemeinden durch eine eigen« Aktion umfangreiche Straßenregulierungen zu ermöglichen und unverzüglich Verhandlungen zur Vermehrung der Mittel für Straßenbauten einzuleiten. Der Ausschuß empfiehlt der besonderen Aufmerksanikeit der Regierung die eingangs erwähnte Denkschrift der Steinbrucharbeiter. Bei allen Straßenarbeiten sollen nur Firmen berücksichtigt werden, welche die unter der Aufsicht der Behörden abgeschloffenen Kollektivverträge genau einhalten. Die Kommunisten und der 28. Oktober Seit ungefähr einem Jahre weist die Politik der hierländischen Konununisten eine Nervosität und linstetigkeit auf, die der Beweis dafür ist, daß Moskaus tschechoslowakische Filiale völlig führerlos dasteht. Im Dezember, da um die Präsidentschaft der Republik gekämpft wurde, schien es, als ob die KPC einen ersten Schritt zu einer realen Politik machen und so zu einer Stärkung der Linken beitragen würde. Wenige Wochen später kam Gottwald aus Moskau zurück und kanzelte jene ab, welche für die positive Teilabstimmung der Kommunisten beim Budget und für ihre Politik im Dezember 1086 verantwortlich waren. Die KPC wandte sichwicder jener Demagogie zu, in der sich ihre Führer fröhlich tummeln und wohlfühlen und wobei sie sich damit vergnügen, auf die Sozialdemokratie, welch« im härtesten Kampf um die sozialen Rechte der Arbeiter steht, Steine zu werfen. Nun ist Gottwald wieder nach Moskau gefahren und seine mehrnmls bestraften Schüler versuchen neuerlich den Kurs aufs demokratische Fahrwaffer zu nehmen. Das Politbüro der KPC hat am 20. September eine Sitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, daß sich die Organisationen der Partei an den Manifestationen des 28. Oktober 1986 beteiligen. Dadurch soll, wie es in der bezüglichen Verlautbarung heißt, der Wille zum Ausdruck kommen,„in der Republik die demokratischen Rechte und Freiheiten zu ver- 86 ttommy(ßarbox matfit(Revolution ftoman mmi Seit« 0ondu Das waren die sehr soliden Grundlagen der Präsidentschaft Bonamarias. Der frühere Advokat hatte die wenigen Tage seiner Regierung benützt, um sich zu einem ganz ansehnlichen Tyrannen zu entwickeln. Während er früher nichts Besseres wußte, als den Prozeß wegen Horatto Galeanas Windhund zu Jahren kommen zu lassen, machte er jetzt wesentlich kürzere Prozesse. Alles, was er billigerweise verlangen konnte, hatte er erreicht. Man konnte ja nicht behaupten, daß das Volk ihm spontan allerorten zujubelte, aber das hatte er kaum erwartet. Im Gegenteil, er sah nur Feinde um sich, er spürte überall heimliche Widerstände; doch er rächte sich mit einer Bosheit, der man den Scharfsinn nicht absprechen konnte. Er rächt« sich für seine subalterne Vergangenheit und auch für di« Demütigungen, die ihm nicht einmal jetzt erspart blieben. Da erschien zum Beispiel jeden Morgen der Konsul Ritchie oder schickte auch bloß einen seiner Leute mit den Wünschen seiner Regierung, die durchaus nicht schüchtern auftrat. Bonamarfa fluchte unhörbar, aber er konnte nichts anderes tun, als ein höfliches Grinsen aufsetzen und gehorchen. Das büßten nachher ein paar-arme Teufel, die er grundlos einsperren ließ. Die Deputierten hatten nicht gerade viel Mut gezeigt, und das sah Bonamaria als einen Sieg seiner unbezwinglichen Persönlichkeit an. Er konnte sie nicht, wie er es gewünscht hätte, sämtlich an di« als Requisit eines geordneten Staatswesens so unentbehrliche Mauer stellen, diese Halunken, die gelacht hatten, als Milio de Algara.' ihm einen.Hanswurst nannte, denn der Konful Ritchie verlangte, daß Bonamaria. von der Deputiertenkammer als Präsident bestätigt wurde. Sonst, erklärte er, würde seine Regierung ihn nicht anerkennen. Und das war uirbedingt nötig, soviel wußte Bonamaria aus der Geschichte ganz Mittelamerikas. Die Deputierten machten übrigens gar keine Schwierigkeiten; einige hatte Martinez an seiner Option beteiligt, andere ließen sich gern durch Staatsstellungen mit deni Umsturz versöhnen, manche waren auch bloß verängstigt; aber es gab auch folche, die sofort nach der Revolution die Stadt verlassen hatten. Immerhin genügten die vorhandenen, um die Wahl des neuen Präsidenten zu legalisieren. k Das hinderte nicht, imß die Anerkennung sich trotzdem von einem Tag zum andern ver«' zögerte. Die Bewohner Sälvadolids sah man kaum. Die Straßen lagen ziemlich öde da, viele Geschäfte hielten ihre Schaufenster geschloffen, denn e» gab noch die zweihundert Parteigänger de» Präsidenten Bonamaria, die keine Lust zeigten, sich wieder abschieben zu lassen. Sie vertranken ihren Taglohn zumeist in der Schenke Zedekiah Openshaw», die ihre Plünderungsschäden noch immer mit patriotischem Stolz zur Schau trug, und nachher randalierten sie in den Straßen. Es verging kaum eine Pacht, ohne daß dle Marinesoldaten einschreiten mußten. Das Theater hatte geschloffen, die Truppe war bereits am nächsten Tag abgereist. Der Direktor Taldari ließ«S teilnahmslos geschehen, daß sein Ensemble sich zerstreute. Was lag, ihm daran? Er irrte durch die Straßen und fragte . alle Leute, die er kannte, Nach Fulvia, Der Inspizient Agostin hatte viel zu tun/?' UM ihn immer wieder einzüfangen und nach Hause zu bringen. „Sie wird schon wiederkommen", tröstete er seinen Thef, denn in seinem Innern kämpften zwei Seelen. Es war stolz Und glücklich gewesen, seiner Göttin Vertrauter zü seim aber er hing: doch, auch an seinem Direktor und konnte nicht mitansehen, wie der immer mehr verfiel. Er redete zu ihm, er versuchte ihn durch die Erinnerung an die großartigen Abende in Florenz und Buenos Aires, in Mont« Carlo und Rio de Janeiro zu beleben. Taldelari lächelte nur schmerzlich und schüttelt« den Kopf; er hatte ein Bild FulviaS vor sich. Fulvia als Rosine! „Wenn sie nur wenigstens in Sicherheit istl Mehr will ich nicht", klagte er. Darüber beruhigte ihn Agostin; aber Taldelari glaubt« dem Jnsps- zientcn nicht recht, denn der durste ja nicht die Wahrheit sagen, und so klang sein Trost recht allgemein und unsicher. Taldelari war schon mehrmals bis ins Vorzimmer des Präsidenten vorgedrungen; vielleicht wußte der etwas. Doch der wußte ebensowenig; obgleich er alle Mittel aufwandte, seine ganz« Macht, eine Armee von Aufpaffern dazu benützte, um Fulvia zu finden. Im Regierungsgebäude war sie bexeits am Morgen der Verhaftung des Rodriguez nicht gewesen. War sie abgereist? Mit wem? Martinez war es nicht; der fuhr noch immer sein schönes Automobil durch die Stadt. Und suchte gewiß auch nach Fulvia. Das war. ein., schwacher Trost für Bonamaria. Jedett Tag,- wenn er. ihn sah,, ver« suchte, er in den Mienen de» andern zu lesen, ob. der erfolgreicher gewesen war, al» er selbst, Er litt furchwar darunter. Fulvia-7- dar wäre für ihn die, sichtbare Krönung seine» Siege» gewesen. Das bedeutete, sobiel wie die Anerkennung durch Amerika.. Mehr noch, denn e» war jener große persönliche Erfolg, nach dem er lechzte, und der sich nicht durch Einkerkern harmloser Hasenarbeitei: erzwingen ließ,!die manchmal ein kleine» Spottlied, sangen, das man sehr schnell auf ihn versaßt hatte. Schließlich war sie e».ja, um derentwillen er. sich vor allem in diese» Abenteuer gestürzt hatte. Was nützte majestätischem Gang, Herrscherblick und jene laut« Brutalität, die er, wie alle unsicheren Menschen, für. Energie'hielt? Und die Staätsmaschine, die er in' großartiger Ordnung an sich gerissen hatte, funktionierte Devalvation: Alles rennet, rettet, flüchtet.., rung Hodjar zur Verbreitening der angeführten Zusammenarbeit auf Mitteleuropa zu gelangen. E» ist natürlich, daß die Kleine Entente und Mitteleuropa ihr Verhältnis zu Deutschland ebenso sucht wie e» Frankreich, Italien und England . suchen. Wir leben nicht im luftleeren Raume und wir können nicht isoliert leben, wenn unser« Grenz« un» zu zwei Dritteln mit ter deutschen Kulturnation verbindet. Der Schluß, zu dem Per- tinaz gelangt, ist überstürzt und entbehrt jeder Grundlage. Wir nehmen von Genf da», wa» darin Positive» ist, aber wir sind nicht polittsche Romantiker, um davon mehr zu erwarten, al» er der Welt geben kann. Unser Bündnis mit Frankreich hat ein« reale Grundlage, weil«r da» Bündnis zweier Nachbarn Deutschland» ist. Schließlich erNärt das Blatt:„Sofern-wir von der Revision in der Außenpolitik sprechen, handelt«» sich vor allem um die Revision der Methoden." Wie man sieht, hat also da» Zenkaiorgan der tschechischen Agrarier abermals einen Rückzug angeketen, wie die» in der letzten Zeit öfters ge'^ehen ist. Daß die Leitung des Blattebesonders klug ist und daß die Schreiblveise des „Venkov" dazu beiträgt, die Autorität der größten Regierungspartei zu stärken— das wird wohl niemand behaupten. Präsident Dr. Bene» empfing am Donner», tag den Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan H o d j a. Hierauf empfing der. Präsident die englische Journalistin Elisabeth Wirkepian, Aenderunge» am Flaggengesetz/ Ein Subkomitee des Verfaffungsausschuffes befaßte sich am Donnerstag mit einzelnen Bestimmungen des Flaggengesetze», dar vom Parlament noch kurz vor den Ferien hätte verabschiedet werden sollen, dann aber wegen verschiedener Eimvände bis auf weiteres vertagt worden war. Das Subkomitee verhandelte die Artikel 1 bis 8 bis zum 8 14 und nahm unter Zustimmung der Vertreter des Innenministeriums verschiedene Aenderungen vor. Die Beratungen werden Freitag fortgesetzt werden.. Der Minister für auswärtig« Angelegenheiten Dr. Krofta ist Donnerstag abend» von Genf nach Prag zurückgekehrt. Er ttaf mit seinem Gefolge mit dem Pariser Schnellzug auf dem Wilsonbahnhof ein. auf einmal auch nicht recht. Er hatte an Stelle des üeinen Verwaltungsapparates, mit dem Rodri- guez die Geschäfte der Negierung besorgte, eine ganze. Reihe, neuer. Staatsämtet ins Leben gerufen. Staatssekretäre, Untersekretäre, Gehilfen der Untersekrctäre, die Staatskaffe war ja gut gefüllt,' und Man brauchte Anhänger. Aber wenn er im Staatsrat auf-und ab ging, fühlte er dunkel» wie die Präsidentenwürde um sein« magere Persönlichkeit schlotterte. Und er drehte sich- manchmal plötzlich um, weil er ein heimliches Lachen Hinte? sich fürchtete. Ein Mann mußte wissen, wo Fulvia wart Rodriguez. Rodriguez war überhaupt der Punkt, um den Bonamaria» Gedanken ununterbrochen kreisten. Solange Rodriguez lebte, gab es keinen!. endgültigen Sieg. Bonamaria. Hatzte ihn täglich! wütender.- Er konnte ihm nicht verzeihen. Vor! allem nicht FulviaS Liebe. Aber auch nicht, daß! jener-gleichmütig und mit der selbstverständlichen! Würde,-die Bonamaria nie erreichen konnte! m»! Gefängnis ging, während sein. Besieger»sich auf\ dem Prästdentenstuhl in Angst und Unsicherheit\ verzehrte. Rodriguez mußte fort. Im Guten oder Im Schlimmen. Solange der lebt«, war alles möglich. Die Stimmung in der Stadt war ihm gleichgültig; die Marinefoldaten sorgten schon für Ruhe, aber auf dem Land« schien die Bevölkerung-durchaus nicht geneigt, sich dem Umsturz zu fügen. Mqn meldete schon aus manchen Gegenden Unruhen. Und Rodriguez war selbst im Gefängnis ein gefährlicher Nebenbuhler. Das Volk, hing doch mehr an ihm, als Bonamaria geglaubt hatte. Ja, e» mußte etwas geschehen, etwa» Entscheidende», Bonamaria schob den Unterliefet bot, und sein- Schnurrbart.sträubte sich. Er wußte wohl, wä» geschehen müßte,, aber bisher hatte er dazu den Mist nicht aufgebracht, Da» war doch noch etwa» anderes, als mit Kriegsgerichten gegenarmselige, ungeschützte Menschen zu- wüten.. (Fortsetzung folgt.) Nr. 220 Freitag, 2. Oktober 1936 Seite 3 fudefendeuhdier Xeitspiegcf Kommunistische Vernebelung* Krelblch braut eine DoIchstoB-Legende Versuche Karl Krelblch, der seinerzeit Trotzki über Lenin stellte,.befürchtet offenbar, daß seine Tage in der KPE gezählt sind. Er sucht nun ein Alibi durch neue Attacken auf die Sozialdemokratie zu erbringen. Wir würden, dieser Form eines verzweifelten politischen Existenzkampfes weiter keine Beachtung schenken, wenn sich Kreibich nicht gerade die spanischen Ereignisse zuiii Gegenstand seiner linientreuen Flelßausgabe gewählt hätte. In der„Roten Fahne" vom 1. Oktober versucht er im Hinblick aufdie kritische Lage in Spanien schon auf Vorrat eine parteipolitische Schuldliige zu konstruieren. Darauf wollen wir ihm— soweit uns nicht ernste Mcksichten auf die heldenhaft kämpfenden spanischen Genossen eine Schweigepflicht auferlegcn— mit aller Deutlichkeit antworten. Kreibich findet, daß die Sozialdemokratie' nicht weniger für das republikanische Spanien tun könnte, als sie tut. Er liest zu wenig von unseren Sammlungen. Hier fange dar„Beschämende", je vom Gesichtspunkt der internationalen Solidarität, der„Skaiwal" an. Man hätte das Verbot der Sammlungen, die Beschlagnahme von Geldern usw. schtveigend hingenommen.— Unsere Vertrauensmänner könnten bestätigen, daß diese Vorwürfe unbegründet sind, wi.r dazu den Willen hatte, fand, ohne In einen StaatSlonflikt mit dem Innenministerium zu geraten, genügend legale Möglichkeiten, auf finanziellem Gebiete seine Solidarität zu bekunden. Keiner Organisation war es verwehrt, die erforderlichen Beschlüsse zu fassen. Sollten sich diesmal die kommunistischen Kassiere ihre Hellen Köpfe gar nicht zerbrochen haben? Kreibich unterläßt eS nicht, dem sozialdemokratischen„Skandal" die„großzügige Solidaritätsaktion der Werktätigen der Sowjetunion" entgegenzuhalten. Wir wissen ganz gut, daß die Sowjet-Kommunisten einer nach Waffen rufenden Regierung, die über 29 Milliarden Goldpesetas verfügte, einige Millionen— Rubel zugeschickt haben. Sonst hat Sowjetruhland die glriche Neutralität«ingehalten,,wie FrMkreich. Dabei weiß Kreibich ganz gut, daß seine Partei», genoffen in dem russischen 179-Millionen-Reich unbeschränkt herrschen, während Blum mit einer starken Rechtsopposition und sogar mit dem Widerstand einer Regierungspartei zu rechnen hatte. Man könnte Blum höchstens vorwerfen, daß er aus diesem Anlaß nicht zurückgetreten ist und damit das Volksfront-Regime zu Fall gebracht hat. Das wollten aber die französischen Konununisten selber nicht. Sie haben Blum ihr Vertrauen nicht entzogen. Kreibich verfällt wieder in die unbekümmerte Tonart seiner besten SpaltungStagc, wenn er, ohne sich solcher Niedertracht zu schämen, schreibt: „Den sozialdemokratischen Arbeitern wird von ihren Führern zngemutet, ihre spanischen Klassenbrüder und Parteigenossen, die von dm faschistt- schm Bestien ganz Europa» angefallm werden, schmählich tm Stich zu lassen— grenzt da» nicht an Beirat vor dem Feinde." WaS meint er mit solchem Geschwätz? Sollen bie sozialistischen Arbeiter unseres von Diktaturen eingekreisten Landes mehr tun, als die 29 Millionen Gewerkschafter der Sowjetunion? Ist Stalins Verhalten nach der Auffassung Kreibichs „Verrat vor dem Feinde"?' Die einige kommunistische Tat, auf die sich Kreibich beruft, besteht darin, daß seine Partei eine Jntellektucllen-Delegation nach Spanien schickte, die sodann in Prag eine Versammlung abhielt. Es ist.nicht leicht, bei der Beanttvortung dieser Prahlerei die gebotene Rücksicht auf die Sache zu nehmen. . Dass führende Männer der SAJ und des JAB mehrfach in Spanten waren, ist bekannt. Dass sie sich nach ihrer Rückkehr nicht mit einer Ber- sannnlungsrede begnügten, geben wir gerne zu. Die beiden sozialistischen Internationalen haben mehrfach getagt, um alle vorhandenen Möglichkeiten der Solidarität für die spanischen Kampfge- Was geht da vor? Die Henleinpartei hat für Freitag abends Versammlungen einberusen, in die sie die A r- beitslosen besonders einlud. Es ist kaum anzunehmest, daß den Arbeitslosen ein Bericht über die Erfolge der SdP im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit wird gegeben werden, denn solche Erfolge sind nicht vorhanden. Auch kann man nicht gut glauben, daß die Arbeitslosen zu einer Aktion ausgerusen werden sollen, die etwa der Verwirklichung des SdP-Programms:„Arbeit für 899.999" gelten soll: Nach diesem Programm kräht nicht einmal in der Hauptleitung der SdP noch ein Hahn. In Wirklichkeit handelt eS sich, bei den für heute abends einberusenen Versammlungen nach unseren Berichten um einen Versuch, eine „spontane" Aktion der Arbeitslosen zustan- dezubringen. D. h„ die Arbeitslosen sollen wieder einmal getäuscht und gegen die Wahrnehmung ihrer eigenen Jntereffen aufgeputscht werden. Wir wollen sehen, ob die„Spontanität" der Veöstimmlüng überzeÄssÄrd"und''Wirkungsvollgenua sein wird. Die Kommunisten haben Pechl Vor einiger Zeit hat die„Rote Fahne" den Brief von Sozialdemokraten und Beziehern der sozialdemokratischen Presse aus Mährisch-Schön- berg veröffentlicht, in dem gegen die Stellungnahme unserer Preffe zum Moskauer Urteil protestiert wird. Wir haben fcstgcstellt, daß die meisten der Unterschriebenen gar nicht zu den Beziehern der sozialdemokratischen Presse gehören, daß eine Unterschrift gefälscht ist und daß die anderen Unterschriebenen nicht wußten, es gehe um eine Aktson der Kommunisten, die in der„Roten Fahne" ausgeschrotot werden soll. Die Kommunisten haben also mit den Sozialdemokraten, die sie ihre Freunde nennen, nicht viel Glück. noffen zu prüfen. Die bittere Wahrheit ist nun, daß zu den organisawrischen Mängeln, die den Ablvehrkampf in Spanien selbst furchtbar er- schtverten, von außen zu wenig Hilfe geleistet werden konnte. Auch wenn eS wahr wäre, daß von sozialdemokratischer Seite nur die Solidarität mit Worten bekundet wurde,, hätte Herr Kreibich noch immer aller Grund, zu s ch w e i g e n. DI« III. Internationale hat zu der spanischen Tragödie überhaupt nicht daS Wort ergriffen. Si« durfte de» Ncutralitätskirrs der Regierung Stakst« nicht einmal durch einen Anftuf stören. Dafür hat die„Rote'Hilfe" nach Barcelona Kleider geschickt, auf denen schon der Sowjetstern aufgenäht war. Kreibich meint, daß gemeinsame Aufmärsche und Einheitsaktionen in der Tschechoftowakei auf die Haltung der französischen Radikalen, auf die Beschlüsse der Sowjetregierung und der konservativen Regierung Englands Wohl entscheidenden Einfluß nehmen könnten. Wenn dem so wäre, würden wir Tag und Nacht marschieren. Aber Kreibich weih selber, daß er mit solchen Argumenten die Arbeiter bewußt irreführt. Ihm geht eS nicht nm die Hilfe für Spanien, sondern um die Fabrikation einer neuen Haß-Legende gegen die Sozialdemokratie. Ein armseliges Gewerbe. Sinkende Schülerzahlen in Olmütz. Di« Schü- lerzahlen an den Volks- und Bürgerschulen der Stadt Olmütz sind auch im heurigen Jahre wieder gesunken. So werden die tschechischen Volksschulen von Groß-Olmütz im heurigen Schuljahre von 8742 Kindern besucht, WaS gegenüber dem Vorjahre einen Verlust von 62 Schülern bedeutet. An den deutschen Volksschulen sind 786 Schüler eingeschrieben worden, WaS ein Abgleiten um 89 Kinder gegenüber dem Vorjahre ergibt. An den tschechischen Bürgerschulen ist die Zahl um 16 gestiegen, so daß Heuer insgesamt 2628 Schüler gezählt werden. Bezeichnend ist, daß an den deutschen Bürgerschulen kein Zuivachs, sondern ein Abgang von 14 Kindern festgestellt werden konnte. Derzeit werden diese Schulen von 686 Kindern besucht. Während die Volkszählung des Jahres 1989 für Groß-Olmütz noch mehr als 29 Prozent Deutsche ergab, beträgt der deutsche Anteil an den Schülcrzahlen im heurigen Jahre nur mehr 16.48 Prozent. „AuS der SdP" weiß die ,.N. Morgenpost" zu berichten: Der Schwerpunkt der Verhandlungen «minder-^Opposition"fftnach Groß-Uliers- d o r f verlegt worden, wo sich alle maßgebenden Persönlichkeiten zusammengcfunden haben. Arbeiterfürsorge-Lotterie Eines der größten und bedeutsamsten Hilfswerke des Verbandes Arbeiterfiirsorge ist zwci- felSohne das im Jahre 1988 für unsere gesamte Arbeiter- und Angestelltcnbcwcgung ins Leben gerufen« I u g e n d c r h o l u n g S h e i m Arbeiterfürsorge in.H i r s ch b e r g am See. Das Heim dient in hervorragender Weise einer der Hauptaufgaben der Fürsorge: der gesundheitlichen Ertüchtigung unserer Lugend, cs ist der Stützpunkt der Erholungsfürsorgetätigkeit der Bc- zirksvcreine Arbeiterfürsorge; aber auch Kran- kenversicherungSanstaltcn, Äewerlschaftsgruppcn, der Sozialistische Jugendverband entsandten Kinder und Jugendliche zur Erholung in das in jeder Beziehung musterhafte Fürsorgcheim. Bisher konnten 968 Kinder und weit über 1009 Jugendliche in Hirschberg Erholung finde», doch tvarcn dies nur die Erholungsbedürftigsten, die Gefähr- detsten. Seit 1986 aber genügen die Plätze nicht mehr, oblvohl bereits ein weiterer Bau in Hirschberg, mit 59 Betten, errichtet wurde und die mähr.-schlesischen Bezirke infolge der weiten Entfernung und der damit zusammenhängenden hohen Fahrspesen nur eine kleine Zahl von Kindern und Jugendlichen entsenden konnten. Große Sorge macht den: Verband Arbeiterfürsorge die Erhaltung dieses wunderschönen, hygienisch einwandfreien Erholungsheimes, die Realisierung des geplanten Baues eines ähnlichen Heimes in Mähren-Schlesien. Den Verband von dieser Sorge wenigstens teilweise zu befreien, ist Aufgabe der dritten S a ch l o t t e r i e des Verbandes Arbeiterfiirsorge. Jeder Arbeiter, jeder Angestellte, alle können mithelfen, Arbeiterkindern, Jugendlichen, den dringend notwendigen Erholungsaufenthalt zn sichern, indem sie die dritte Sachlotterie des Verbandes Arbeiierfürsorge unterstützen! Jeder kaufe Lose der Arbeiterfürsorge! Lose sind zu haben bei den Vertrauensleuten der verschiedenen Organisationen. . Das«inseitige Prcsseburcau. Ein Leser schreibt uns: Seit langer Zeit machen wir-die Beobachtung, daß die R u n d f u n k m el- dun g e n des Tschechoslowakischen Pressebureaus im Rahnion der d e u t s ch e n Sendungen ängstlich alle Nachrichten vermeiden, die Erfolge für die Demokratie bedeuten. Da gab es Wahlen in Schiveden und Dänemark, die für die europäische Demokratie doch nicht unbedeutend waren, doch der Nachrichtendienst für den deutschen Hörer wußte um dreiviertel 7 Uhr abends davon nichts, obwohl in Prag die MittagSblättcr bereits die Nachricht gebracht hatten. Am vergangenen Dienstag sind keine Morgenblätter erschienen; um 19 Uhr vormittags gab es einige Nachrichten in dec deutschen Relation, aber kein Wort von den bedeutsamen Wahlen in Lodz. Leider ist unser Pressedienst eifrig bemüht, nichts zu bringen, was auf der rechten Seite Mißfallen erregt. Da die §SR aber eine demokratische Politik im Innern und nach außen führt, möchte auch der Pressedienst im Rundftink darauf Rücksicht nehmen. nclnrldi Mann und das Moskauer urteil - Seine Sittlichkeit, sein Gerechtigkeitsgefühl, seine Geisttreue haben'Heinrich Mann zum entschlossenen, antifaschistischen Kämpfer gemacht, seine.Erkenntnis führte ihn in di« Reihen der deutschen Revolutionär«, Der deutsche Revolutionär Heinrich Mann, den sein konsequentes Denken über.bloße Feindschaft gegen die Hitler-Barbarei weit hinauSgeführt hat zu sozialistischem Bekenntnis, will Dauer des Friedens, nicht nur aus Menschlichkeit,— auch deshalb, weil er der Ueber- zeugung ist, der Friede sei Feind des Faschismus, Gefahr für ihn. In-Sowjetruhlanb.sieht er, mit vollem Rechte, ein« der-wichtigsten Friedensmächte der Zeit. Er sieht in Sowjetrußland noch mehr und anderes: sozialistischen- Gegenpol Hitler-Deutschlands. Und von solchem Einschätzen, von solchem Gegenüberstelken, bei dem selbstverständlich Sowjötrüßland als unendlich.größer, überlegener erscheint, bis zu völlig kritikloser Bewunderung, bis. zu. gläubigem.Ja-Sagen.zu jeder Erscheinung,dec,sowjetrussischen Welt ist es nicht mehr sehr wtit. Gerade Intellektuelle, Künstler wie Andrö Gide und Heinrich Mann', die wir lieben wegen ' ihrer- tajiftren Stellungnahme'für die Arbeiter- klafle,! neigen, sobald sie ihre Kritik der bürgerlichen Gesellschaft zum Sozialismus, geführt hat, - zu kritikloser Bewunderung Sowjetrußlands. Sie brauchen,-den Gl a u b e n an die Makellosigkeit ihres'Ideals. Jeder Glaube aber ist kritiklos.. .' Diese- Kritiklosigkeit gegenüber Sowjetrnß- land führt Heinrich Mann zu eissersehr zu kriti- jiecenden Bejahung auch des Moskauer Prozesses. Er weih in einem Aufsätze, den. er in der„Welt- I k ühne" veröffentlichte, bloß zu sagen, daß die Erschießung von sechzehn alten Revolutionären die vorteilhafte Meinung der angelsächsischen Welt, daß Moskau schon tief in der Normalisierung Iräre, beeinträchtigt.„Wenn aber— zum Schaden der Revolution— Verschwörer auftraten, dann mußten sic, zum Nutzen der Revolution, schnell und ssründlich verschwinden."— Eine pnn- lich saloppe. Art, von emer sechzehnfachen Hinrichtung zu sprechen:„schnell und gründlich verschwinden" I-Doppelt peinlich eine solche Sprache, wenn sie die eines Mannes ist, der als Sprecher der Humanität gegen ocn Faschismus bekannt ist! Wenn im Dritten Reich.„Verschwörer", die k-.ine andere.„Schuld" tragen als die anderer"als der vorgeschriebenen. Gesinnung,- also genau die gleiche Schuld wie Sinowjew und Kamenew, „schnell und ,gründlich verschwinden," nämlich durch die Hinrichtung, dann erhebt sich Heinrich Manns Stimme zum Protest,—-. und wenn im Sowjetrußland die verbotene Gesinnung auf gleiche Art aus der Welt geschasst wird, dann findet er das in Ordnung! Sieht Heinrich Mann nicht, erkennt er nicht; daß der Moskauer Prozeß und die Moskauer Massenhinrichtung der schlimmste, gefährlichste Schlag gegen die moralischen- Kräfte des antifaschistischen Kampfes waren? .Aber die Sechzehn habe»'doch gestanden! Sie hMn'bereut.--und ihre Verurteilung, begrüßt! „Warum sollt« ihre Reue- gespielt und unter falschen VorauSsetzüygen ihnen auferlegt sein?" Das istsgewiß.eines der großen Rätsel des Moskauer ProzesseS und vielleicht genügt die Erklärung; nicht ganz; daß. man sie, etwa' mit dem Hinweis auf das Beispiel des Ramsin-Prozesses und mit der Begründung! man brauche ihre Verurteilung, !um Trotzki moralisch zu verurteilen, zu Geständnissen bewogen habe. Dann wäre es Aufgabe des Psychologen, an der Enträtselung des dunklen Geheimnisses zu arbeiten. Wo aber ist diesmal die Psychologie des Romanciers Heinrich Mann geblieben? Weiß er nicht, daß in einer Zeit, die «ns im Vergleiche mit dem trüben Zwielicht der heutigen gar nicht mehr als so dunkel erscheint, Menschen hingerichtet wurden, weil sie Hexerei eingestanden hatten? Weih Heinrich Mann nicht aus der neueren Justizgeschichte von Selbstbeschuldigungen, die sich als unwahr erwiesen? Weiß er nicht, daß die Aufgabe moderner Justiz die Erforschung der Wahrheit ist, daß ihr Geständnisse nicht genügen? Weih er nicht, daß«S in Moskau keine Verteidiger gab, keine Zeugen, keine tatsächlich dem Gerichte vorliegenden Dokumente, kein Besvcismaterial, daß eS nichts gab als die Selbstbezichtigunge» der Angeklagten und daß in diesen. Unrichtigkeiten nachzuweisen sind? Aber:„Rolland hat nicht protestiert; ich kann «S auch nicht. Vielleicht haben wir mehr Phantasie, wovon manches.abhängt." Die Dichierphan- tasie in Ehren! Aber in diesem Falle scheint Heinrich Mann mehr Glauben.als Phantasie zu haben. Denn gerade wenn er seine Phantasie hätte spielen lassen, wäre er nicht an der Oberfläche geblieben, sondern ein wenig tiefer in die Hintergründe des Moskauer Prozesses eingedrungen. Die entscheidende Frage ist doch die, ob es eine gewaltige Mordverschwörung gab, an der außer den Angeklagten auch Trotzki und die Gestapo beteiligt waren, und da für eine solche Verschwörung keinerlei Beweis erbracht wurde, bleibt keine andere Möglichkeit als di«, daß Stalin aus iynerpolitischen und persönlichen Gründen die Gesinnung richten ließ, Ideen zu töten versuchte durch das Töten der Träger dieser Ideen. So«! fern eS sich um die Adern Trotzkis handelt, braucht kaum wiederholt zu werden, daß es nicht jene sind, zu denen wir uns bekennen, und ebenso fern sind uns besondere Sympathie» für den einen oder,anderen der Angeklagten. Unsere Berurtei» lung des Moskauer Urteils geht aus von grundsätzlich-sozialistischer Ethik, die es schaudernd ablehnt, daß Menschen nicht einer Tat, sondern einer Meinung wegen hingerichtet worden und die, tvenn solche Hinrichtungen im Namen des Sozialismus und damit als Schändung des Sozialismus erfolgen, das auch schmerzlich als Lähmung der moralischen Kraft des Antifaschismus empfinden. Im selben Aufsatze spricht Heinrich Mann an anderer Stelle davon, daß„ein Volk auf seine Freiheit vergessen haben kann".„Die Erinnerung mag ihm ausgegangen sein, was Freiheit eigentlich ist. DaS öffentliche Gesetz der Menschenwürde und eine nicht befohlene, sondern erlebte Ordnung." Ist nicht, genau wie in faschistische» Staate», die die Gesinnung töten, auch durch diesen Prozeß und die ihm folgenden Schüsse gegen die sechzehn Verurteilten, ist nicht durch diesen sechzehnfachen Lustizniord die Menschenlvürde verletzt worden? Ist nicht Verletzung der Menschenwürde durch Sozialisten, im^ Namen Ides Sozialismus, etwas viel Schrecklicheres für das Empfinden von Sozialisten als die durch den Faschismus, mit dessen Wesen doch das tägliche Schänden der Menschenwürde untrennbar ver- bunden-ist? Wie viel richtiger, nm wie vieles sozialistischer und damit in Wahrheit revolutionärer als Heinrich Mann hat jene schlesische Textilarbeiterin geurteilt, die vor wenigen Tagen, als über den Moskauer Prozeß gesprochen wurde, erklärte: „Ich kann mir nicht helfen, das schmeckt nach Hitlerl"' I. H. 7 Seife 4 Nr. 229 / Freitag, 2. Oktober 1038 Worüber sich Goebbels freut „Ein drastisches Mittel der spanischen National- regternng Beim Einmarsch der Truppen der Militärgruppe in dem befreiten San Sebastian versuchten diese beiden baskischen Frauen fiir eine unabhängige baskische Republik zu demonstrieren, iim ihnen solche Neuste» rungen abzngetvohne», griffen Soldaten der Militärgruppe zu einem drastischen Mittel, indem sie ihnen die-Haare abschnitten, tvorüber diese beide»„Damen", ihrem GesichtSanSdrnck nach zu urteile», Ivenig erbaut find. In Zukunft Iverden sie vermutlich»icht mehr ihren separatistischen Träumen nachhängen.(Scherl-Bilderdienst-M.)" DaS oben Ucrösfcntlichtc Bild und der dar- unter stehende Text wurden durch eine reichS- dentsche Matern-Korrespondenz verbreitet. DaS Bild spricht für sich: cö beweist eindeutig die barbarische Gesinnung der spanischen Rebellen. Noch bemerkenswerter ist aber die Gesinnung, die aus der Beweckung der Goebbels-Korrespondenz zu erkennen ist. Nicht nur, dast diese Korrespondenz der Schandung von Menschen bcistinnnt— das kann nach den Erfahrungen, die viele deutsche Frauen wegen„Rasscnschando" und anderen„Vergehen" anr Pranger sanunclu konnten, nicht verwundern—: sic findet es auch in Ordnung, daß die Frauen für ihr n a t i ir- n a l e S Bekenntnis bestraft wurden, dafür gc- schoren wurden, dast sie für die Freiheit des Baskenlandes rintratcn. Wie könnte man angesichts einer solchen Niedertracht annehinen, die deutschen Südtiroler und andere unterdrückte Volksgruppen hätten von den Gocbbclslcuten etwas anderes zu erwarten als Spott und Hohn? Die nationale Gesinnung wird von den Hitlerbarbaren nur dann sür lobenswert gc- halten, wenn sie denr Faschismus nützt. Soll sic aber der wirklichen Freiheit eines Volkes dienen, wird sic von den Nationalsozialisten vcr- lästert und bespien. Varl von Ossietzky.(St 91.) In den letzten Woche» wurde die Oessentlichkeit durch alarmie- n'iide, einander ost widersprechende Nachrichten über das Schicksal des deutschen Pazifisten Earl von Ossietzih iviederholt erregt. Heute, an« 2. Oktober, da Carl von Ossietzky seine» 10. Geburtstag begeht, ist der Anlaß fiir uuS, eines Mannes zu gedenken, der über seine körperlichen Strafte hinaus unsagbare Leiden nicht nur ertragen hat, sonder» der sich auch Henle in ernstester Gefahr befindet. Alle Gerüchte, Carl von Ossietzky» Gesinnung habe sich geloandelt, gehören in das bleich der Fabel. Das Weltbild, das Carl von Ossietzl» sich gebildet hat, ist nicht vorder politischen Slonjunktuc dec einen oder andern Richtung beeinfluht, ist nicht einmal durch den Sirieg beeinftttsst worden, sondern'war vorhanden, als der Slrieg ausbrach, und Ossietzky kann sagen, dast er ein Menschenalter an dieser Weltanschauung sestgehalten hat. Er hat»icht Ivenig für den Frieden getan, er hat vor allein schon frühzeitig erkannt, wie es Lord Robert Cecil anläßlich des Brüsseler Friedenskongresses getan hat, dast man die Massen sür den Frieden mobilisieren»nd organisieren müsse. Seine Verdienste sind nicht gering um die Organisierung des Friedens, aber er ist von einer solch sprichwörtlichen Bescheidenheit, dast er sich immer scheu zurückzog, wenn man diete Tatsache» irgendlvann einmal feststellte.„ES ist von mir in letzter Zeit zu viel gesprochen worden", erklärte er nach seiner Freilassung 1082. Ec ist sicherlich nicht daran schuld, wenn wieder von ihm gesprochen werden muh. Alle Gleichschal- lungSgerüchte können darin» als nichts tveiter gewertet werden als de» Versuch, die NobelpreiS- kampagne zu torpedieren. So sind diese Versuche auch in der englischen Presse aufgefaßt worden. '„News Chronicle" schrieb znm Beispiel zu. der Erklärung des Propaganda-Ministeriums, dah die deutschen Behörden dem Ausland gegenüber sich nickst mit der Kläglichkeit des Todes Ossietzkys im Gefängnis belasten lvollen: . x„Wenn Ossietzky glücklich von den Brutalitäten, denen er unterworfen war, halb tot sein . wird, schlägt Herr Goebbels vor, ihn ans dem Gefängnis abzuschieben, bevor.er ganz tot ist, um Das erste Flugzeug, das zum Luftrennen England—Südafrika startete. 16 der.bssten,englischen Piloten nehme» mit neun Flugzeugen; an dem. großen' Luftrennen Portsnlonth^JohänneSburg teil, dgS Mer rund 10.000 Kildmeter.führt und für das Preise, im Gesamtwert von 10.000 Pfimd aySaeseht sind.'Hier startet die'erst« Maschine„Aivspsed Envoy", in der.sich die Flieger Mi Findlay und K. Waller befinden ..»angenehme Vorhaltungen von Ausländern zu vermeiden. Aber Herr Goebbels kam: t zu spät." Und. der„Star" fügt hinzu: „Verantwortungen können nicht so leicht abgeschoben werden; wenn Ossietzky stirb», weiß die Welt, lver die Schuld trägt, Ossietzky Ist geschlagen. worden, ohne Nahrung gehalten, er hat strenge Militärübungen aussühren müssen und war für Wochen in der Einzelhaft ohne Licht. Seine Gesundheit ist gebrochen worden, aber nicht sein Geist. Die deutsche Regierung hat eine letzte Chance, sie muß Ossietzky unverzüglich freilassen, und alles, was zu seiner Gesundung unternon»- men werden kann, znlassen. Dar wird eine überzeugendere Geste als hundert Proteste, Versicherungen der Propagandaministerlums." Heute,, am 40. Geburtstage Carl von Ossietzkys — es ist der vierte, den er in der Gefangenschaft begeht— wissen wir, dah Ossietzky weder frei noch gesund ist. Am Gegenteil, sein Gesundheitszustand ist so bedenklich, dah man ihn, wie dem Bericht der„Times" entnommen werden kann, in ein Sanatorium lvegen eines schlveren Lungenleidens bringen mußte. Wir wissen aber ferner, dah Ossietzkys moralischer Zustand der alte geblieben ist und er sich durch diese wahrhaft heroische Haltung wie kein anderer zum Frie» denö Nobelpreisträger prädestiniert, für de» ihn die Welt vorgeschlagen hat. Die halbe Hand weggeriffen. Gestern früh ereignete sich auf dem Bahnhof in Mariaschein ein schwerer Uugiücksfall; Der 48jährige ZugSfüh- rer Srpanek ans Aussig sprang vom fahrenden Lastzug ab. Während er weiterlief, stieß er mit dem ausgestreckten Arm an einen Waggon, der ihm die eine Halste der Hand, wegschlug. Uebrig blieben nur Daumen und Zeigefinger. Das Sa- nitätSauto brachte den Verletzten insTeplitzer VezirkskraukenhauS. Zusammenstoß. Mittwoch, den 80. September, um 10 Uhr stieß in der Station Gelnica der Personenzug Nr. 4004 an den Lastzug Nr. 4486, wobei neun Personen leicht verletzt wurden. Einige Waggons des Lastzuges wurden, stark beschädigt, teilweise sind auch die Waggons des Personenzuges beschädigt worden. Die Ursache des Zusammenstoßes wird untersucht. Der Sieger im Lnftrennen. Der Teilnehmer des Luftrennens Portsmouth—Johannesburg Scott ist Donnerstag um 12.32 Uhr Ortszeit in Johannesberg gelandet. Scott absolvierte den Flug von Portsmouth nach Johannesburg in 52 Stunden 58 Minuten. Scott war bereits in einigen früheren Flugkonkurrenzen Sieger. So gewann er den Wettflug England—Australien im Jahre 1034, wobei Campbell Black sein Begleiter war, der- kürzlich bei einem Fluguyglück UmS Leven'gekommen ist." Diesmal begleitete Scott Guthrie. Es scheint nunlnehr, daß' Lle- wcllyn, ein anderer Teilnehmer des Lustrennens solange er nicht von dem Ustfall bei Abercöb betroffen wurde, Vorsprung vor Scott hatte. Lle- wellyn stürzte beim Tanganjika-See ab, wobei das Flugzeug zertrümmert wurde. Die Besatzmig von zwei Mann blieb wohlbehalten; Roch ein Absturz. Das Flugzeug, auf dem der Flieger Findsay an dem Lüstrennen Portsmouth—Johannesburg teilnahm,, ist bei Abercorn „bgestllrzt. Findlay und sein Radiotelegrnphist Morgan kamen hiebei ums Leben.' Zwei weitere Mitglieder der Besatzung kamen ohne Verletzung davon, erlitten jedoch eine Nervenerschütterung. Rohrkrepierer. Bei den griechischen Fkottcn» manövern explodierte eine Granat« iin Geschützrohr. Ein Mann wurde getötet und' sechs andere verletzt.- Räuberromäntik wie in alter Zeit. Im Ge- kangenhaus des Bezirksgerichtes in Skosovsky- Mitrovica ist eine 29gliedrige Bande inhaftiert, die unweit der Stadt. einen Raubüberfall auf einen Autobus unternominen hat. In der Nacht zum Donnerstag gelang es dieser Bande, ihre Stetten durchzuseilen und die Mauern der Zelle zu durchbrechen. Das Werkzeug hat die Frau des BandeuführerS in das GefangenhauS gebracht. Dem Baudenführer ist es gelungen, zu entfliehe». Ein zweites Mitglied der Bande blieb in einer Maueröfsnung stecken, so daß ec weder Vortvärts noch zurück konnte. Währenddem entdeckte die Wache den Fluchtversuch und vereitelte ihn. Früher Herbst auch an der Adria. Mitstvoch wurde auf der Eisenbahnstrecke Zagreb—Split zum erstenmal in der heurigen Herbjtsaison ein Eiseubahnzug verweht. Der Verkehr ist durch starke Schneesälle erschwert. Auch in Bosnien hat cö geschneit und' an einzelnen Stellen liegt der Schnee bis 20 Zentimeter. hoch. In der Umgebung von Trebinje wütete ein Schneesturm, deckte Häuser ab und riß Bäimie ans, so daß große Schäden^ entstanden. Die Telephonverbindung'mit Belgrad wurde an mehreren Stellen unterbrochen. An der Adcia wütete ein Sturm von 100 Stundenkilometern, Die Schiffe, die den Verkehr mit Split versehen, konnten auch heute nicht auS- laufen. Sinclair Lewis' Premieren-Rekord. Die Sensation der kommenden Theatersäison Amerikas) die zugleich einen politischen Beigeschmack hat, ist das Theaterstück des Schriftstellers Sinclair Lewis, der seinen letzten Roman„Jt can't happen Here" dramatisiert bat. Der Romani der eine ungeheure Auflage erreichte und großes Aufsehen erregte, schildert, wie Amerika nach europäischen Vorbildern faschistisch regiert wird. Die Premiere des gleichnamigen Bühnenstückes findet am 27. Oktober gleichzeitig in nicht weniger als 28'verschiedenen Theatern der USA- statt-und wird allein in New Bork in drei Theatern sn-englischer, deutscher und" jiddischer Sprache-und in anderiN' Städten der Union auch in- italienisch und spanisch auf- acführt werdest.' Die Premieren- finden acht Tage vor den NräsidentschaftSwählen statt, und LaS Stück soll durch-seinen Inhalt für die.Kandidatur Roosevelts werben. LewiS ist ein'begeisterter Anhänger der. Rooseveltschen Ideen. . Eine Hand wäscht, die andere... DaS.-geistliche Gericht bei der Erzdiözese Wien-hat als erste Instanz. die..Ehe des Fürsten.. Starhemberg für ungültig erklärt.. Dieses Urteil, hat.ini.Wien großes Aussehen erregt',' da ja- die. katholische- Ehe in Oesterreich' unauflösbar ist-und' die.wenigen Gründe, die zur Nichtigerklärung einer Ehe.führen können,. von den.geistlichen Gerichten nur äußerst selten anerkannt, werden.. ■; Pferde und Ladung InS Waffe» gestürzt.-Der Inhaber des Belgrader Tabak-HauptvorlageS Stojilkovti begleitete in einem SpeditionSwagen einen Transport von 28 Kisten Tabakfabrikaten' von Risch nach. LeSkovce. In. einer Ortschaft an einer sehr schmalen Straßenstelle wurde der Wägen von einem Autobus angefahren. Die Pferde wurden dabei scheu und der Wagen stürzte in den an dieser Straßenstelle vorbeifließenden Fluß Jablonice. Stojilkovii rettete sich, im letzten Augenblick, durch. Abspringen. Die Ladung fiel.ins Wasser, wodurch Stojilkovii eine» Schaden, von 200:000 Dinar erlitt. Der. Heiratsrekord.- ES,gibt Leute, die: sich, oft .'Verheirätiin.'" Biör- bid fünfmal ist nicht-der Rede wert, ein Dutzend ist schon auffälliger, aber hundertmal ist selbst für amerikanische Berhältntffe ein völlig unerreichter Rekord.- Es ist jedoch- dem Kapitän Mason gelungen, diele Höchstleistung tatsächlich, änf- zusiellen. Kapitän- Mason befindet sich nöch in'den beste»- Jahren, und er hätte-also.normalerweise sich so ungesähr.alle vier Wochen scheiden lassen nrüsien, um sofort danach wieder heiraten-zu. können.. Er hat es viel einfacher gemacht:, er. heiratete nämlich immer wieder... seine eigene Frank Er ließ sich auch zwischendurch nicht scheiden, sondern begab sich einfach in.jedem'Hafen, wo sein Schiff, anlegte:-zu den zuständigen Behörden und ließ die Eheschließung nach den. geltenden Gesetzen, vollziehen. Er erzählte dabei nicht, daß er schon verheiratet sei. Jetzt'wögen diev Juristen darüber-.streiten,' ob Mason. sich der „Centigamie" schuldig gemacht hat!. Die PariaS und der Islam. Die mohammedanische-llniversität vyn Kairo hat ein-Gesuch'indischer PariaS erhalten, die im. Namen von Millionen dieser verachteten Käste den Wunsch aurdrücken, zum MohammedaniSmuS überzutreten.'Der Chef der Hochschule, El- Azhär, wird gebeten, eine-Mission islamitischer Priester als Missionare nach Indien- zu schicken. Der Oberste Rat dieses bedeutendsten mohammedanischen geistlichen'Instituts hat das Gesuch genehmigt-und bereits 80.000 Pfund für diesen-Zweck zur Verfiynmg gestellt. Die Abordnung soll sehr bekannte Oberhäupter des JSlami als Führer , Liuba Orlovä nndG. Stolarov -in- dem.neuen- russischen. Filai'.Zicktt-.",. erhalten. Andererseits erfährt man hierzu an-' Indien, daß dort.' bereits Gegenakttonen gegen die'. geplante" Islamisierung der Parias vorbereitet werden, und daß. sogar die britische Verwaltung,'die sonst von'den Indern selbst auS allen religiösen Auseinandersetzungen nach Möglichkeit auSgeschäl- tet wird, alarmiert worden sei. Ausbildung Blind« w der Tastschrift..Erwachsene Blinde,.Hälbblinde und Schwachsichtige ans Prag und. der-Provinz, lvelche die Tastschrift oder Blindennoten erlernen wollen, können sich bei' der Tschechösiowakischen zentralen Blindenfütso'rge..' in Prag IV.'. Loretänstä n«m., anmelden, welche Anfragen erledigt. Für die Jnteteffenten wird ein unentgeltlicher Kurs unter Leitung eines blinden,Fachmannes veranstaltet. Durch Verwendung-praktischer Hilfsmittel lernt.'jeder in einigen Tagen leicht-di« einzelnen Zeichen des Blinden-Alphabeter durch dc» Tastsinn unterscheiden. ES besteht auch die Möglich- keit.'sich zu Hause im Lesen zu vervollkommnen;.die Lehrbücher werden auf Ersuchen geliehen. Die.Blindenfreunde werden gebeten, bekannte Blinde auf diese Mion aufmerksam zu machen. Selbstmord eine» Ehepaare«. Mittwoch nacht» hat sich in Wien der 66 Jahre alte Fabrikant Skarl Pollak mit seiner Frau Helene in seiner Fabrik-im VI. Bezirk erhängt. Die Eeheleute, die eine Strickwarenfabrik betrieben, befanden sich in-finanziellen Schwierigkeiten. Pollak war früher Essenbqhn- Stationsvprstanh in A n s s i g.' . In der Sowjetnnioy gibt e» nup.40Y.Y00 Radioapparate, d.' h. zwei Apparate, aüf 1000 Einwohner, während in, den NSA 190 Apparate äuf 1000 Einwohner entfallen. - Der Gordon-Vennet-Wetttewert. Der Pylni- sche Aeroklub hat soeben die amtlichen Erebnisfeher Gordon-Benpett-Wettfahrt festgestellt,- die- am80. August von Warschau au». stattsand. Den ersten Platz.hat--.-der' belgische Ballon-„Belglcä"- lDunuy» terf mit 1715180 Kilometer errungen. Weiter folgen der polnische Ballon- ,,Lopp"'(Janusz) mit 1584.28 Kilometer, der' schweizerische. Ballon.,-,Zürich.8."(Tilgenkämp) mit 1518:40 Skilometer, der deutsche Ballon..Deusichland". lGoetze) mit 1408.09 Kilometer, der polnische Ballon.„Warszawa" (Hynec) nut Itög.gg Kilometer, der polnische Ballon„Polonia 2"'(Burcynski) mit 1428.04'Kilometer,- der. deutsche Ballon„Sachsen" lPeetrgm) mit 1142.41 Kilometer," der französische Ballon „Maurice Mallet"(DollsuS)''mit' 1120.08, Kilometer, der' deutsche Ballon.'.AngSbukg'"'(Fremk) mit 815.81' Kilometer und’ der belgische Ballon „Bruxelles"(Ouersin) mit 8ÜL04' Kilometer/ Wahrscheinliche« Wetter heute. Vom Nordwesten her wieder vorübergehende Abnahme der Bewölhing und der.NiederschlagSnelgung, kühl.-Namentlich in den böhmischen Ländern erneut- etwa» stärkere nächtliche Abkühlung. Wetteraussichten für Samstag: Andauern, des. unbeständigen Witterung«« chacakterS.., Vom Rundfunk Empfehlenaroerte» an» de» Programmen: .Frejtgg. Prag 7.00: Salonorchester, 10.05': Deutsche Preffe, 10.15: Schällplätten,, 12.10: Operng'esästge, 16.10: Tanzmusik, 17,10: Prager Blechautsttttt, 18.10: Deutsche Sendüng:' Funkhörkasten, 18.-15: Dr. Herbert, Präsident der' Wiener Bnchkäufmänn- schaft: Bauorganisation de» österreichischen Händels, 18.85: A r b e i t e r f e n d u n g: A ktu eill-e z ebn Mi nm t en,: 18.45: Deutsche-Preffe, 20.15: Liederkoyzert, 22,20::Tanzmusik.>—Brünn 17.45: Deutsche Sendung:..- Sportnachrichten .Preßburg 15.00: NächmittagSkönzert.— Kaschan 19.20: Leichte Musik.— Mährisch.Oftrau 12.85: Rundfunkorchesterkouzert,'18.10: Deutsche' Sendung':' Spitzer: Den^ Elter» zinn Rate,— Tonsilinschläger. ftlr den MonatSeptembtr '•(Die erste Zahl- bedeutet Partetfondj», die'. eingeklammerte Wahlsondö.) Bode n b ach: siö- 8600.—,(900.—)>,' K är t S bä d: R£ 8880.—i(970.-^),' K e.» m ot-Ii ■Ri 40.—(io;—), P i l f e n. B u d'w e'i's:'- siä 1840;—.'(460.—),.Prag: iii,56.-(-l».r-i), Preß b U rg: Ki 80,—(20.—),’ R eich ein berg: Ki 64Öi—.‘(180.-^); Ster n6e t a; Ki L^üü^ (800.—)','. T e p,l i h-Saaz: Xi 2900.— -(.70Y.—); ,T;r.a u t.e n a«t ,Ai lüstO.^--(88fi.^); T roppa u: Ki. W40.—(fi60.—).- Nr..220 Freitag, 2.. Oktober 1936 Teile ft I ir'-' i'i■■ i Ile Arbeitsvermittlung Für Vereinfachung des BeredelungSverfah- rrnS. Die Handelskammern richteten an das Han» delsministerium das Ersuchen um Vereinfachung des VeredelungSversahrenS durch beschleunigte Erledigung der erforderlichen Bewilligungen. Nach dem Vorschlag der Prager Kammer sollen jene VeredelungSvcrsahren, bei denen der Zoll 1000 Xi nicht übersteigt, zu einer besonderen Gruppe zusammengefaßt werden und über das Vormerlverfahren, sollen die BezirlSzollverwnltungen entscheiden, so datz die Anrufung der Ministerien fiir Handel und Finanzen entfiele. Gut und schlecht beschäftigte Textilbetriebe. Die seit Ende Juni 1S8S stillstehende Textilfabrik der Firma Mandl in Kleinborowitz bei Arnau wurde am 1. Oktober wieder in Gang gebracht.— Bei der Firma B. Schroll» Sohn in Braunau-Oelberg ist in der Weberei infolge des starken Auftragsbestandes die Arbeit von zwei auf drei Schichten, erhöht worden.— Die Gabersdor- ker Hanfspinnerei und Bindsadenfabrik S. Sopka und Sohn, die bis vor kurzem 43 Arbeiter beschäftigte, hat wegen fälliger Steuerrückstände ein Ansuchen uni Bewilligung zur Betriebsstillegung eingebracht;' Wir«. Die„Neue Freie Presse" bringt au? Prager offiziellen Kreisen eine Information, in der eS u. a. heißt: Es wurde nnS gesagt, daß es in der Tsche- choslotvakei, wie überall, theoretische Verfechter der Devawation gibt, die ebenso wie anderwärts ihre Gegner in den Anti-Devalvationisten haben. Was"aber die Regierungskreise betrifft, könne man als sicher annehmen, daß weder die Regierung als Ganzes, noch auch irgendein Mitglied der Regierung sich von irgendwelchen Doktrinen leiten lasse. Die Regierung wird, wie versichert jvüAMe.VelchlliMausschließlich untet.dem Gesichtspunkte der. Zweckmäßigkeit und der Bedürfnisse der Gesamtwirtschaft fassen. Innerhalb der Regierung herrschen keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten. Die heutige Situation der Tschechoslowakei sei derart, daß vom Standpunkte der inneren Wirtschaft und des Innen Marktes keine Gründ« für irgendwelche währungstechnischen Maßnahmen vorliegen. Die Verantwortlichen Faktoren verfolgen die Entwicklung der Währungspolitik im Ausland« mit Aufmerksamkeit, aber sie ver- folgcn dabei nicht so sehr die Devalvationsopera- tionen als solche, dir hier mehr als Instrument und nicht als Hauptziel gewertet werden, als vielmehr die wirtschaftlichen Ziele, die durch die französischen und die anderen Wäh- rungSmaßnahmen erst reif werden sollen. Die hiesige Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die Vorbereitungen des neuen handelspolitischen Svstcms, in-dem Sinne, wie es seitens der französischen Regierung angewendet wurde. Da» heißt: Aus die Frage, ob dis Politik der Kontingente und Devisenbeschränkungen aufgehoben werden wird, oder kurz gesagt, aufdieFragederRück- kehr zur Freiheit im interna- tionalen Geschäft. Wie«S scheint, ist eS gerade die Rücksicht auf diese Fragen, die die Entscheidungen Prags beeinflussen wird. ES verlautet, daß der' tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. H o d j a mit den Regierungsstellen.der Kleinen,. Entente in Fühlungnahme treten wird, um«inen Meinungsaustausch über die Frage anzuregen, ob in Hinsicht auf die Bemühungen um«in neue» handelspolitische» System soviel Berührungspunkte als vorhanden angesehen werden,baß ein gemeinsames Vorgehen als begründet erschein«. Diese Frage könne hauptsächlich in dem Falle aktuell werden, wenn man in Basel konkrete Anträge in dem Sinne der Aeußerungen des französischen tlhisttsterpräsidenten vorlegen wird. Werden die Berührungspunkte zwischen den Staaten der Kleinen Esttent« gefunden, so wird man auch die Berührungspunkte mit den anderen Donauländern suchen. Zentralbank-Moratorium ohne Fristangabe verlängert Prag. Mit Erlaß des Finanzministeriums dom 29. September 1088, Zl. 114.850/364121/3 wird das Moratorium bet der Zentralbank bi» zu jenem Tage, an welchem die gesetzliche Verfügung über die endgültige Regelung der Verhältnisse dieser Bank in Kraft tritt, verlängert. .<•' Di« Regierungsverordnung 217 über die AWitzvermittlung, welche am 15. Juli ds. I. mit" GMigkeit vom. 1, Oktober erlassen' wurde, schloß eiNen Abschnitt, des ebenso langwierigen wie schweren Kampfes der sozialistischen Parteien um«ine- moderne, dem. heutige», sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechende Re- gclung auf diesem Sektor deLÄrbeitSmarktes ab. Wesentlichen Errungenschaftenstehewdäbeilü n- e r fül l t.e F o. r d e"r u n g e n; gegenüber, für.deten Berechtigung, auch-die Zukunft. Beweise erbringen, wird und..die..eben deshalb n'i ch t ausgegeben werden können. Wir haben bei der Besprechung der Verordnung seinerzeit auf die Mängel— in erster Reihe das Fehlen einer Aufnahme Verpflichtung— ausführlich hingewiesen; anläßlich des Inkrafttretens der Verordnung wollen wir nachstehend die für Arbeitsuchende praktisch wichtigen B e st i in in u n g e n in.Erinnerung rufen. , Nach Paragraph 2 sind alle Personen, die Arbeit. suchen, verpflichtet, sich bei jener öffentlichen ArbeitrvermittlungSanstalt zu melden, in deren Sprengel sie ihren dauernden Wohnsitz haben oder in deren Sprengel sie'Arbeit suchen. Es ist zulällig, sich bei mehreren dieser Arbeitsvermittlungsanstalten zu melden, doch ist dieser Umstand dann allen diesen Anstalten niitzuteilen. Diese Anmcldever- pfllchtung bezieht sich auch auf Personen, die noch in keinem Arbeitrverhältni» standen und zum erstenmal Arbeit suchen. Ueber die Form der Anmeldung enthält die Regierungsverordnung keine Vorschrift, so daß jede Art von Meldung zulässig erscheint. Desgleichen wird auch nicht» über den Termin gesagt, innerhalb dessen die ArbeitrvermittlungSanstalt davon zu verständigen ist, daß die betreffende Person Arbeit sucht. Für diese Frage sollen Richtlinien auSgegrben werden. Personen, die Arbeitskräfte suchen, haben alle freigewordenen oder neugeschafsenen Stellen jener öffentlichen ArbeitrvermittlungSanstalt. zu melden, in deren Sprengel die betrefende Stelle sich befindet. Diese Meldung hat spätesten» einen Tag nach Freiwerden de» Arbeitsplätze» oder nach Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes zu erfolgen. Al».freigewordene Stelle gilt eine solche, die der Arbeiigeber mit einer Kraft besetzen will, die zu ihm in keinem Arbeitsverhältnis steht. Wenn also durch das Ausscheiden eines Arbeitnehmers eine Stelle ftei wird und seine Hintermänner nachriicken, so bezieht sich die Verpflichtung zur Anmeldung nur auf die eine Stell«, die von einer in dem betreffenden Augenblick lin dem Betrieb, Unternehmen, bei der Fjrmg). nicht.beschäftigten. Person.besetzt, werden soll......... Oefsentliche Aemter, Anstalten und Unternehmen sind von den oben genannten Vorschriften zwar im Prinzip ausgenommen, doch unterliegen sie Mitteilungen aus de« Publikum. Der menschliche Organismus ist zur Herbstzelt empfänglicher für Erkrankungen, al» sonst. Schnupfen/Katarrhe, Influenza, find an der Tagesordnung. Beugen Sie ihnen vor, und härte» Sie Ihre« Körper ah. durch täglich« Massagen mit dem Alpa-Franz- branntwein. Er wirkt wohltuegd auf den Blutkreislauf, stärkt den Organismus und macht die. Haut gegen-Erkältungen widerstandsfähiger. Franc-Abwertung einen Geldgewinn von mehr als 160 Millionen Pfund zu verzeichnen hat, der dem Staatsschatz überwiesen wurde), würdigt die großen Aufschwungs-Möglichkeiten, die sich aus der Neuordnung der Währungen ergeben können, stimmt aber zu dem Schluß, daß zur Beseitigung der bestehenden weltwirtschaftlichen Hindernisse noch mehr geschehen müffe.„Für die französisch» Regierung und das französische Volk", so schreibt der„Daily Herald",„kann die Franc-Abwertung nur wohltätige Wirkungen haben. Aber für di« übrige Welt bringt sie nicht so sehr einen großen Nutzen als vielmehr eine große Gelegenheit. Wenn die Gelegenheit ergriffen wird, dann ist alles gut. Aber Ivenn man sic vorübergehen läßt, dann besteht kein Grund zu glauben, daß die Welt als Ganzes sich von ihrer ökonomischen Krise erholen wird. Es ist nötig, diese Warnung auszusprechen. Denn die Londoner City scheint einem bequemen Optimismus zu erliegen und zu glauben, daß die Weltprosperität schon Mitte nächster Woche von selbst kommen werde. Die Bedeutung der Franc-Abwertung für di« Welt beruht darin, daß sie den Weg für ein internationales Währungsabkommen freimacht, das die Basis einer Wirtschaftsbelebung werden kann labir nicht automatisch werden muß). Das Währungs-ChaoS war ein große» Hindernis für alle Bemühungen, den Welthandel von Schutzzöllen, Kontingenten und anderen Hemmungen zu befreien. Aber da» war durchaus nicht das einzige Hindernis. ES ist möglich/ daß die politischen und militärischen Faktoren, der wilde Patriotismus und di« geistigen Irrungen, die den wirtschaftlichen Nationalismus geschaffen und erhalten haben, ihr unheilvolles Spiel weitertreiben. Es ist, kurz gesagt, notwendig, daß die großen Handclsnationen, besonders Britannieu als die größte von allen, die Initiative ergreifen. Die britische Regierung sollte anlündigen, daß sie die Politik der britischen Präferenzen auf den von England abhängigen Kolonialmärkten aufgeben. und sich einer Politik der wirtschaftlichen Gleichberechtigung aller Nationen zukehren möchte". Line große Gelegenheit Englische Stimmen zur Franc-Abwertung > Die Londoner Blätter widmen der Abwertung: des französischen Franc», ejngehende Betrachtungen/ kn denen übereinstimmend die. Befriedigung /der. englischen Wirtschaft über. da» Vorgehen der Regierung Blum- zum Ausdruck kommt. Man betrachtet ,in London die. Franc- Abwertung nicht,nur als eine Annäherung der französischen an die englische Währungspolitiksondern als- einen bedeutsamen Schritt' auf dem Wege zu einer Umfassenden wirtschaftlichen Neuregelung/ aN der sich alle großen Wirtschaftsnationen beteiligen können. Allerdings warnt man -vor übertriebenem und vorzeitigeist Optimismus. Der„Daily Telegraph" weist darauf hin,"daß die französische Regierung erst ihr Budget werde /.in Ordnung bringen, iNüffen,.',ehe-der- Weg zur- AufhebuNg der Kontingente und Anderer-Wirt-, schaftsschranken freiwerden kann. Was.-'die Weigerung Deutschlands betrifft,- an der Neuregelung der Währungen teilzunehmen, so gibf das genannte-Blatt d'et UebSrzeugtlng Ausdruck, daß Deutschland äüf. die Dauer' dem Borgeben der anderen"großen Wirtschaftsmächte keinen Wider» stand wird leWen können. Der„Daily Herald"(der übrigen» berich» ! tqt,. daß. die Bant von England al» Folge der Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Landwirtschaftliche Arbeiter, Achtung I Da» Landeszentralarbeitsamt In Prag teilt mit: Für die Verrechnung de» BertragSgetreideS der landwirtschaftlichen Arbeiterschaften Böhmen gelten im-Oktober 1986 folgende Marktpreise(für 100 Kilogramm): Weizen 165, Korst 126, Gerste 128 Kronen..•■■ ■ Internationale Zentrale von Krankrvckaffen- vertästdem' Nach Schluß der Genoratversamm- luug trat der breitere Ausschuß der Jnternätio» nalen.'Zentralstelle zusaminen, und:• wählte zum, Vorsitzenden für die, weiter« Periode den Genossen, Sen-.NS'meLek.Gen." NiineLek ist Vorsitzender de»' tschechoslowakischen GewerkschaftSbundeslundOb«- mann de» Zentralverbande» derKxankenversiche-' rungSaNstalten. i Unser Kohkenerport nach/ Jugoslawien. Die' jugoflgwischeKohleiieinfuhr'istimVorjahr/ be« deutend gestiegen, ijnd zwar um ein Bienel gegen-- über,1984 und fast üm die Hälft« gegenüber 1988. An der Spitze der- Lieferanten steht Deutschland mit 140.000 Tonnen, während die Tschechoslowakei hinter,. Polen und-England erst an vierter,Stelle steht. ihnen,.spfern da» Arbeitsverhältnis mit einer, aufzunehmenden Arbeitskraft auf.einem privatrecht- lichen Arbeit»- oder Dienstvertrag beruht. Der 8. Paragraph der Verordnung bestätigt tzen-bisherigen Zustand, wonach die Vermittlung der öffentliche» ArbeitSvsrmittluNgSanstalten unentgeltlich.und allgemein. ist und niemandem verweigert werde».darf..Weiters werden Grundsätze.für die Auswahl der'Bewerber aufgestellt: '' Die öffentlichen ArbeitSvermIttlungranstalten hab«»"auf die besondere» Erfordernisse des Arbeitsplatzes, die pbyjifchen und fachlichen Eigenschaften de» Arbeitnehmer» und- feine persönlichen und familiären Vcrhältniffe Rücksicht zu nehmen. Bei gleicher fachliche r Qualifikation(die also vor- angestellt wird), ist der Vorzug zu geben Personen, die aus staatlichen Mitteln unterstützt werden, Ernährern mehrköpfiger Familien und längere Zeit Arbeitslosen, weiter- Personen, die au» der zu besehenden"Stelle anläßlich einer Betriebseinschränkung entlasse» worden waren, Jugendlichen und solchen" Personen. bei welchen besonder» berücksichti- gungSwerte Gründe dafür sprechen. Diese Bestimmungen stellen Richtlinien dar, an welche sich die AvbeitSvermittlungSanstalten bei der A u S w a h l der vorzuschlagenden Bewerber zu halten haben. Eine Verpflichtung der Arbeitgeber, sich ebenfalls an diese Reihenfolge zu halten, enthält die Verordnung nicht, Strafen für eine Mißachtung dieser Grundsätze droht sie nur insofern an, al» der Paragraph 4 sagt, daß in Bezirken, die von dec Arbeitslosigkeit am stärksten betroffen sind, die öffentlichen ArbeitSvermittlungSanstalten von der Reaierung'durch Verordnung betraut werden können, freiwerdende und neue Stellen bei solchen Arbeitgebern zu besetzen, die wiederholt sich nicht an die Grundsätze des Paragraphen 8 gehalten haben. Die weiteren Paragraphen enthalten Bestimmungen für den Schub der Arbeitnehmer in Fällen von Streiks oder Aussperrungen und über die Vermittlungstätigkeit anderer Institutionen. Während neue private Arbeitsvermittlungsanstalten nicht mehr bewilligt werden(und die bestehenden nach und nach aufhvren sollen). dürfen Gewerkschaftsoraani- sationen die BcrmittlungStätigkeit weiter fortsetzen, wenn sie sie am 1. Oktober d. I. anSgeübt haben und die die Bewilligung des FürsorgeminifteriumS dazu erhalten, um die binnen eines Monat» nach dem 1. Oktober anzusuchen ist. Bon besonderer Bedeutung für Arbeitslose ist ferner der Paragraph 0, welcher sagt, daß die öffentliche ÄrbeitSvernnitlungSanstalt solchen Arbeitslosen, welchen eine Arbeit außerhalb ihre» Wohnortes zugewiesen wurde, daS Recht auf unentgeltliche E isenb a h n f a h r t zum Arbeitsantritt zuerkannt werden sann, wenn e» sich um eine Entfernung von mehr ql» 6. Kilometer .handelt" Bei klebersiedlung,der Fätnilie"kann fhnen . eine sünszigvroz'entige Ermäßigung für den Transport ihrer Mobilien bewilligt werden. Richtlinien darüber werden vom Fürsorgeministerium «»»gegeben. Staatsangestelltengehülter ab Desember am Noiiatsersten? Nach den„L. N." bereitet das Finanzministerium di« Rückkehr zur Auszahlung der StäatSangestelltengehälter am Ersten eines jeden Monats vor und beabsichtigt, bereits im Dezember oder zu Jahresbeginn an die Aenderung des jetzigen"Zustandes zu schreiten. Nach der gleichen Meldung ist eS jedoch" noch nicht sicher, 0b die Wiedereinführung der Auszahlung der Gehälter am Monatsersten-auf einmal oder in Etappen vorgenommen werden wird. Kein Tag ohne Kaffee! Milchkaffee und ein Butterbrot dazu tat eine Mahlzeit, nach der Sie sich angenehm satt und wohl fühlen. Er regt Sie an, macht Sie frisch und lebensfroh und fördert. Ihre Gesundheit. Julius Meinl KsfTcC'Spczialgcacblft Geld, das Sie für Kaffee ausgeben, Ist gut angelegt! Es geht doch nichts über eine Schale guten Kaffee«“ Was Japan will: London. Der Reuter-Berichterstatter In Tokio erfährt, daß Japan folgende Bedingnngc» für die versöhnliche Beilegung dec Konflikte mit China stellt: 1. Das Recht, an zahlreichen Stellen im Tal des Gelben Flusses zum Schutze der japanischen Ansiedler japanische Militärabteilungen zu dislozieren; 2. Das Recht, chinesische Lehrbücher herauszugeben, um so den japanfeindlichen Unterricht in den chinesischen Schulen zu verhindern; 3. Autonomie für die fünf nördlichen chinesischen Nordprovinzen; 4. chinesisch-japanische wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der Reuter-Berichterstatter erfährt dazu au» jgpayi.kchefz Kreisen, daß hixle japanisches,,^, Förderungen nicht als Ultimatum mit einer genau festgesetzten Frist für die Antwort gestellt worden sind. Die Regierung Großbritanniens steht mit ihren Gesandten in Tokio und in Nanking in ständiger Verbindung, um sich über den Verlauf der chinesisch-japanischen Verhandlungen genau informieren zu lassen. Arbeitspflicht in Polen. Die Einführung einer sogenannten„Ersatzwehrpflicht", das heißt einer Art Arbeitsdienst, steht in Polen bevor. Eine entsprechende Verordnung des Staatspräsidenten ist in Vorbereitung. Die Ersahwehr- pflicht umfaßt alle Personen, die mit oder ohne Waffe militärdiensttauglich sind, mit Ausnahme derjenigen, die mehr ais fünf Monate in der Truppe aktiv gedient haben. Befreit sind Kranke Und Arbeitsunfähige, ferner Dicnstvslichtige, die im Ausland« weilen, und endlich solche Dienstpflichtigen, deren Einberufung eine erhebliche Schädigung eines öffentlichen oder eines wichtigen privaten Interesses bedeuten würde. Die Stellyng Darrös erschüttert?(AP)? Nicht zufällig ist Darrö auf dem Nürnberger Parteitag überhaupt nicht in Erscheinung getreten. Die Rede über die Lage der deutschen Landwirtschaft wurde von einem Dr. Reischle gehalten, der den Namen Darris gar nicht erwähnte. Man erklärt in unterrichteten Kreisen, daß Darr» das Opfer der für den Winter erwarteten Ernährungskatastrophe werden dürfte. Darri wehrte sich zusammen mit Goebbels gegen die Einführung der Lebensmittelkarten, die sich aber jetzt als nahezu unvermeidlich erweist, da sich zu dem Mangel an Fleisch, Fett und Eier» neuerdings auch ein solcher an Gemüse, Obst und Kartoffeln gesellt. Zur Finanzierung der zusätzlichen Einfuhr würden riesige Devisenmengen nötig sein. Schacht verlangt nun, daß au» diesem Zusammenbruch der Politik"Darris auch die Konsequenzen gezogen werden. Die endgültige Entscheidung über diese Fragen dürfte nach dem Reichserntesankfest auf dem Bückeberg fallen. Ein Priester für die gerechte Sache! Im Madrider Rundfunk sprach der katholische Priester Leocadi» Lobo zu den spanischen Katholiken, Er er- klärte, die Aufständischen hätten sticht da» Recht auf ihrer Seite, und ihre Auffassungen seien den katholischen so entgegengesetzt wie Christentum unv Islam, Religion und Gewalt. Der Faschismus fei antichristlich, well er die Auffassung he» totalen Staate» vertrete, weil er für die Gewalt eintrete und die menschliche Persönlichkeit, die von der katholischen Kirche auf», entschiedenste bejaht werde, wegleugne. Rom. Der Ministerrat ist auf Montag einberufen worden, um, wie verlautet, die währungspolitische Lage nach der Abwertung der französischen Franc züprüfen. Selle S „Sozialdemokrat* Freitag, 2. Oktober 1086. Nr. 220 Wenzel Holub lockte den arglosen Kameraden, I für eine augenfällige Erklärung des Geschehen» niftder Tagerlosung auf dem Fahrrad heimfuhr, I sorgen zu müssen glaubten. Auch Renato Rot< ÜUS dec Jartel V VeceifmadiddUea Kunst und Wssen * auf 20 XL herabgesetzt. Der wohlmeinende Referent erteilte damals dem Holiib den.Rat, um Erteilung der Konzession anzusuchen. Holub suchte an, erlegte 80 Kl„AmtShqpdlungSgebiihr"(die er sich auSbor- gen musste.) und das Ende vom Lied war, dass fein Ansuchen— abgewiesen wurde. der mit. ,, I_, ,. unter einem Borwand auf einen einsamen Feldweg und schoss ihch aü».einem Revolver, den er seiner Ouartierfrau gestohlen, halte, von rückwärts drei K u g e'I'n i n d«'n H i nterkop s.' Holub halle einen guten Kameraden in dem Wächter der bei Etirbchol errichteten Benzinstation dev Firma„Ostia". Wenzel Voüavka, so hiess dieser Wächter, hatte sich mit dem armen Teufel angefreundet und ihm manchen Dienst erwiesen. Er hatte ihm auch anvertraut, dass er täglich ein« Losung von 1800 bis 2000 Xi Helmtrage. Der Kamerad von der Benzinslation vermittelte dem Holub auch verschiedene kleine Berdienstmäglichkeilen. Holub veruntreute dabei 40 Xi„ die er vertrank.. ' Und dann kam die Katastrophe. 'M Prag,(rb.) Das Prager Schwurgericht verhandelte gestern seinen ersten„grossen Fall" in dieser Schwurgerichtsperiode. Bor den Geschworenen stand der 80jährige arbeitslose Bäckergehilfe W en• . zel Holub unter der Anklage des meuchleri- schenRaubmordversucheS, begangen an einem arglosen Kameraden. Kein Zweifel— der Sachverhalt ist über alle Massen abscheulich. Der Angeklagte ist überführt und geständig, einen Menschen, nn) dem er befreundet war und der ihm nur Gutes erwiesen hatte, durch drei meuchlerische Revolverschüsse in den Kopf„umgelegt" zu haben und es ist nur einem gnädigen Zufall zuzuschreiben, dass das Opfer dieses Attentate» mit dem Leben davonkam. Der äusserliche Sachverhalt ist eindeutig klat. Der sozial Empfindende wird aber der Vorgeschichte dieses Dramas Beachtung schenken müssen. Denn dieser junge Mensch, der nach dem einstimmigen Schuldspruch der Volksrichter auf zwanzig Jahre in denKerker geschickt wurde, ist zweifellos restlos schuldig im Sinne des Paragraphen. Dieser Prozess ist aber gleichzeitig ein Schulbeispiel dafür, wie in diesen Notzeiten kriminell anfällige Menschen auf die Bahn bei Verbrechen» gedrängt werden. Wenzel Holub, der Sohu eines kleinen Bäckers, konnte nach der Auslehre keinen Poften finden. Die Meister, bei denen er sein Glück versuchte, gaben dem Arbeitsuchenden einige altbackene Semmeln oder ein kleines Geldstück, aber Arbeit hatten sie für ihn nicht. Allmählich gewöhnte sich Holub an diese Lebensweise ünd wurde zu einer jener Existenzen, denen die Polizeibehörde als.Heutenohneregel mässige Beschäftigung und ständigeuWohn- or i" im Sinne de» sogenannten VagabundengeseheS das Leben sauer macht. Verwunderlich bleibt, dass Wenzel Holub sich in dieser Situation auch noch verheiratete. Freilich hedeuiete diese Heirat keines- !oeg» die Gründung eines Hausstandes. Holub blieb nach wie vor eine polizeilich beanstandenswerte Per- iönlichkeit, da er keine„regelmässige Erwerbstätigleit" nachweisen konnte. Hand"(Preis des Buche» kart. Fr. 4.80, geb. Fr. 0.28). Auch er ist nicht nur lesenswert als Unterhai» tmigSroman, sondern al» psychologische Studie. Ein« Krankenschwester, beliebt wegen ihrer„glücklichen Hand", wird, ohne recht zu wissen durch wen, Mutter. Sehr eindrucksvoll isp diel Schilderung ihrer nächtlichen Niederkunft im Freien, nicht nur al» Stimmungsbild, sondern al». Darstellung de» Erwachens der Mütterlichkeit einer Fra», die noch nicht die Liebe kennen gelernt hat.— Später, nach plötzlichem Tode des geliebten Sohnes, wendet sich diese Mütterlichkeit, einem, schwerkranken Kriegsgefangenen zu, einem um vieles jüngeren Manne, dem sie doch, schon alternd, sich auch als Geliebte gibt. Hier nun beginnt Pie eigentliche Tragödie dieser Frau, die wieder als Krankenpflegerin, nachdem ste schon beneidete Frau eine» ausländischen Diplomaten war. den Kampf ums Leben und gegen die Einsamkeit auf, nehmen muss. Besonder» Frauen wird dieser Roman, der so fern ist von der üblichen FrauenunterhaltungS- Literatur, sehr fesseln, als erschütternde Gestaltung eines nicht alltäglichen Frauenleben». Egon Erwin Kisch hat unter dem Titel„Abenteuer in fünf Kontinenten", erschienen bei den Edition» du Carrefour, Paris. einige neue und viele aus früheren Büchern bekannte^ Reportagen gesammelt. WaS über die Klar-' beit des Stils, die Schärfe der Beobachtung schon bei früheren Gelegenheiten gesagt wurde, gilt natür- lich auch für diese Sammlung, die eingeleitet wird durch eine Betrachtung Theodor Balks über„E. E. Kisch und die Reportage". Die Erzählung„Die gefährlich«» Engel" von Alfred W o l f e n st e i n, die wir vot einiger Zeit in unserem Bchtte'brachten, war,, wie wir, schon damals mitteilüin, dem Bande gleichen'Namen» entnommen, der, im. Verlage I, u liu» Kittls N a ch f.l g. in Mhr.-Ostrau erschienest(Preis Xi 82.—j, dreißig Erzählungen verschiedenster Art vereint: Phantastische und abenteuerliche Geschichten und Liebesgeschichten, nachdenklich« und heitere, und den Beweis erbringt,'dass auch in unserer Zeit der Dichter durch die Erzählung zu wirken vermag, wenn Spielplm: de» Neuen Deutschen Theater». Freitag 7%: DieKatzelässt da» Mause n n i ch t, D 2.— SamStag 7 14: Boccaccio. Abonnement aufgehoben.— Sonntag 6: DieMeist« r s i n g e r von Nürnberg. D 1.' Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: Baum ei st er Solness, Theatergemeinde de» Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 7l4:Aerztlich er Geheimnis, Erstaufführung.— Sonntag 8: Aerztliches Geheimnis. es ihm nicht an Phantasie und Gestaltungskraft fehlt. Und dass er über beide verfügt, hat Wolfenstein längst bewiesen,— freilich lernte man ihn früher mehr als Lyriker und Dramatiker kennen.„Die gefährlichen Engel" zeigen ihn als sehr guten Erzähler. Ein schönes, nachdenkliches, von mildem Humor überstrahltes Buch ist der Roman„Der Rebel steigt" von JeromeK. Jerome.(VerlagLud« w i g N a t h, Wien III., Rennweg 94. Preis Schilling 8.96). Jerome K.'Jerome ist den Deutschen fast nur bekannt durch sein so überaus lustiger Buch „Drei Mann in einem Boot". Noch manches andere seiner Bücher verdiente, ins Deutsche übertragen zu .werden. Der vorliegende Roman rechtfertigt die 'Uebersetzung nicht allein seines Wertes als Dichtung wegen, sondern auch dadurch, dass er eine Selbstdarstellung der Jugend des Dichters ist. Aber in diesem Buche ist Jerome'kein übermütiger Humorist! Ja. Humor, leuchtet, auch aus"diesem Romani aber e» ist«in sehr zarter, milder Humor. der eines reifen ManneS. der mit wehmütigem Lächeln auf Kindheit und Jugend zurückschaut. Mit welcher Liebe werden Vater und Mutter geschildert! Wie zart zeichnete, der Dichter siel Und da» alte London wird lebendig, au».'dem Nebel steigen, die feinen. Gestalten erster Freunde auf, aus dem Nebel kochmt und im Nebel verschwindet wieder ein wunderbarer Greis, mit dem der Junge im Park plaudert,'hem er anvertraut, 'er wolle, wenn er erst erwachsen sein werde, Bücher schreiben. Der Greis war Charles Dicken», Englandgrösster Erzähler.— Jugendfreunde gewinnt der Jüngling, in- etwa» abenteuerliche Kreise gerät er» Gestalten kommen und'gehest—' ustd hell leuchtet au» dem Gewoge die des etwas rauhen,, tapferen Arzte» 'Hal, de» treuesten Freunde»,—• und schliesslich mündet der. Weg des Jungen doch-in die Bahn ernsten künstlerischen Schaffen».— Es ist ein so söhr menschlicher Buch, djesec autobiographische Roman, ünd ist die Darstellung der Anfänge eines so überau» liebenswürdigen Menschen, wie Jerome K. Jeroüie«S war, dass man eS mit wirklicher Anteilnahme lieft, nicht irgendwelcher Senfasionen wegen, sondern weil man von stiller innerer Freude erfasst wird. nische Spiessbürger gründen einen Klub, aus dem die Frauen ausgeschlossen sind, nur damit ihre Neugierde gereizt wird und sie sich ärgern; denn in Wirklichkeit geht es bei den Sitzungen dieses Klub» durchaus harmlos zu. Kurz und gut:' Die Neugierde der Frauen erträgt schliesslich das Geheimnis dieses Klubs nicht mehr. Ihrer Findigkeit und Klugheit gelingt es, Eintritt in den Klub zu erlangen, damit aber auch die verdiente Enttäuschung zu finden. Ein versöhnendes Festmahl der Männer und ihrer neugierigen Frauen im Klub beschliesst die Over. Aus dieser Belanglosigkeit der Handlung ersieht man schon, dass die für sie bestimmte Musik sie nicht schildern kann, sondern sich in der wirksamen musikalischen Charakterisierung der handelnden Personen genügen lassen muss. Die Art der Musik Wolf-Ferraris in den „Neugierigen Frauen" reicht im Grunde bis auf Rossini zurück und schliesst sich stilistisch etwa Verdis lyrischer Komödie„Falstaff" an, entbehrt aber dabei jener Frische und Klarheit, die im Wesen de» Musikalisch-Komischen liegt. Wolf-Ferrari liegt dem Moll- Geschlecht und den verminderten Akkordfolgen ständig in den.Armen, so dass eine wirklich leicht fliessende, blühende und fröhliche Stimmung nie recht auskommen kann. Auch die Instrumentation ist nicht gleichmässig humorvoll und leichtbeschwingt: entzückend und delikat getönte Stellen werden von dick und undurchsichtig instrumentierten totgeschlagen. Am besten gelungen ist dem Komponisten das lyrische Element. ES gibt selten getreuere Töne der Herzen» und der Liebe, wie sie Wolf-Ferrari beispiebsweise in dem „Meistersinger"-ähnlichen Quartett de» zweiten Akte» findet, Gleich entzückend und voll iygsger Be- feliheit ist da» LiebeSduett zwischen Rosaura uns Florindo sowie da» Lied RosauraS im gleichen Akt. Ein ähnliches lyrisches Kabinettstückchen schliesslich ist das überaus zart«, wunderbar fein instrumentierte Zwischenspiel in der Verwandlung des ersten Aktes der Oper. Die Aufführung, die dem liebenswürdigen Opernwerke seitens des Deutschen Tbeaters zuteil wurde, war anständig-liebenswürdig wie das Werk selbst. Kapellmeister Haus Georg Schick als sein musikalischer Erneuerer war nicht nur mit Erfolg bemüht, den Humor der Musik Wolf-FerrariS entsprechend zu betonen und. in diesem Sinne für lebendigen Rhythmus zu sorgen, sondern brachte auch die lyrischen Partien der Oper zu schöner Geltung, indem er mit den dynamischen Akzenten möglichst'sparsam umging. Sehr stil- und"eindrucksvoll waren die den Sinn der heiteren Handlung er- fassendin neuen Bühnenbilder Frank Schultes, die durch entsprechende Aufschriften übrigens auch Dass es diesem Menschen nicht an dem Streben, sich durch ehrliche Arbeit zu erhalten, fehlte, davon zeugt, dass er sich mit Feuereifer auf einen zeitge- mässen Verdienst verlegte. Er wartete an der Ver- zehrüngSsteuergrenze bei Siirbohol, mit einem Lappen ausgerüstet, auf auswärtige Autos, deren Nmn- merntafel durch Kotspritzer unleserlich getvorden war und putzte dar Nummernschild blank, wofür jedesmal Trinkgelder absielen. Auf diese Weise verdiente er an R e g e n t a g e.n 8 bis 10 Xi täglich. Tenn für ein unleserliches Nummernschild hat der Autolenker im Bereich der Hauptstadt eine Geldstrafe zu gewärtigen. Erst im Verlauf dieser Gerichtsverhandlung erfuhren wir übrigens, dass dieser Erwerb, der allgemein als versteckter Bettel betrachtet wird, einkon- z e s s ton i e r t e» G e w e rb e ist. In Stir- behol war bereits ein konzessionierter Nummerschildputzer ansässig und die Gcwerbebehörde diktierte Wenzel Holub eine GeldbussevonbOXi wegen „unbefugter Gewerbeau»Übung". Auf sein sleheutliche» Bitten wurde die Geldstrafe Kurs« de» Orientalischen Institute» in Prag im Wintersemester 1936/87: 1. Bengalisch für Fortgeschrittene, Montag» 17 bis 19 Uhr. 2. Chinesisch für Fortgeschrittene, Dienstag 18 bi» 19 Uhr. 8. Hindustanifch für Fortgeschrittene, Montag 16 bi» 18 Uhr. Japanisch 2. Abteilung, Mittwoch 18.80 bis 19.80, 8. Japanisch 4. Abteilung, Donnerstag 18.80 bi» 19.80. 6. Malayisch für Anfänger nach Ueberelnkunft. 7. Wirtschaftsübungen in Englisch, Freitag 18 bis 20 Uhr. Nähere Informationen im Büro de» Orientalischen Institutes täglich von 9 bis 18 Uhr. Telephon 488-77. Einschreibgebühr Xii gg.— für beide Semester, andere Gebühren werden nicht bezahlt. vezlrksorganlsatlon Prag Der für Freitag, den 2. Oktober, angesetzte ortrag de» Genossen T e f e s s y musste wegen Verhinderung de» Referenten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Die neugierigen Frauen Zunächst eine Richtigstellung: Bei der gestrigen Aufführung der musikalischen Komödie „Die neugierig en Frauen" von Ennanno Wolf-Ferrari handelt« es sich nicht um eine Erstausführung, sondern um eine blosse Neueinstudierung. Denn das Werk wurde bereits vor 81 Jahren, nämlich anfangs Oktober.1908, knappe zwei Jahre nach• feiner Münchener Uraufführung, am Prager Deutschen Theater erstaufgeführt. Der deutsch-italienische Komponist Ermanno Wolf-Ferrari erfreut sich übrigens ist Prag besonderer Beliebtheit. Nicht nur drei seiner Opern,— „Die neugierigen Frauen",„Susannens Geheimnis" und„Die vier Grobiane".— fanden am Deutschen Theater eine Pslegestätte, sondern auch sein grosse» Chorwerk„Vita nuova"(nach Dante) wurde durch einen deutschen Chorverein in den Prager Konzertsaal eingesÜhrt.■- „Die neugierigen Frauen", Wols- FcrrariS erste erfolgreiche und zweite Over überhaupt, sind ein Werk, dar man' der Handlung und Musik nach nicht wirklich erheiternd, wie e»«ine musikalische Komödie sein sollte, nennen kamt, sondern höchsten» unterhaltend-liebenswürdig. Auch das Ueberwuchern des lyrischen Elementes trägt viel dazu bei,' den komischen Charakter der Oper abzuschwächen. Ihre Handlung, deren Tert Luigi S u a a n a nach Carlo Goldonis„Le donne curiosc" verfasst hat, ist primitiv, fast naiv zu nenhen, eine Handlung, die last ohne dramatische Spannung abläuft. Venezia- Der.Angeklagte ist voll geständig. Nach der Vernehmung de» Haüpizeugen Boüovka bat er diesen um Verzeihung. Der Angeschoffene, der nur durch«inen wunderbaren Zufall dem Tode entronnen ist, antwortet« trocken:„War nützt da» aller— zwei Kugelnha b'ich noch im Schädel.";—Da» stimmt, denn bisher konnte erst eines der drei Geschosse aus dem Kopf de» Angeschossenen entfernt werden. Die Folgen der Verletzungen sind heute noch nicht abzusehen. Das Geld, da» der Später dem Niedergeschossenen entriss, insgesamt 1840 Xi, versoff und»er« h u r t e er in nicht ganz zwei Tagen. Di« Geschworenen bejahten einstimmig di« Schnldfrage auf nicht vollendeten menschlichen Raubmord. Der Schwurgerichtshof de» OGR Dr. Svoboda verierteilte dun Angeklagten, für den der Staatsanwalt lebenslänglichen Kerker baantragt hatte, im ! Rahmen de» gesetzlichen StrafNnSmahe« zu-wanzig I Jahnen schweren und verschärften Kerker». do» Regie und Szenenführung war darauf bedacht, den Witz der Szene und Handlung möglichst.eindeutig zum Ausdruck zu bringen sowie ein möglichst flotte» Spieltempo einzuhalien. Die verheiratete Frauen-Neugierde fand in den Damen Kind er- m'ann und Medak eine mehr oder weniger humorvolle Ausdeutung, während ihr« Ehegatten durch die Herren Andersen und Hagen'weniger oder mehr witzig dargestellt wurden. Al» vor allem gesanglich eindrucksvolle» lyrisches Paar repräsentierten sich Frl. Henders und Herr Baum, als heiter helfende» Zöfe-Diener-Paär Fr, Rayn und Herr Bandler. Den welberfeind- lichen Hagestolz gab Herr Gutmann gut charakterisiert. Dar gut besuchte Hau» unterhielt sich sehr gut, liess sich von der liebenswürdigen Musik willig einfaygen und kargte nicht mit Beifall, sz dass sich mit den Sängerinnen und Sängern auch der Dirigent. Regisseur und Bühnenbildner dankend zeigen durften.' E. I. Romane una Erzählungen Walther Victor, der sich heuer wieder .in Erinnerung brachte, als ec zum Heine-Gedenktag das schöne, gedankenreiche, von tiefer Ehrfurcht für den Dichter erfüllte Büchlein„Die sechs letzten Rächte de» Heinrich Heine", hcrauSgab, hat nun im Verba no-Verlag in Locarno wieder ein Büchlein' erscheinen lassen, da» ihn neuerdings, w>e in früheren Schriften, nls dichterischen Biographen zeigt.„Puzzi, Abenteuerliches Leben eines Wunder- knaben", heisst diese„Anekdote um Franz Liszt. Liszt bleibt fast immer im Hintergründe, berichtet wird die Geschichte eines seltsgmeu Menschen, des Hamburger Bankierssohnes Hermann Cohen, der, hochbegabt, früh, sehr früh als musikalisches Wunderkind-die Aufmerksamkeit auf sich zieht, noch al» Knabe nach Pari» geht, in den Salons unter dem Namen„Puzzi" gezeigt wird, der George Sand als Spielzeug und verhätschelter Freund dient, von Liszt sehr gefördert wird, aber nicht hält, wa» er verheisst, nur Bedeutung hatte als Wunderlind, sie nicht behält als Mann, sich früh vergeudet und, selfsam genug, den Weg zum Katholizismus findet und al» Karmelitermönch endet. Gewiss ein interessanter LebenswegI Und Victor schildert ihn mit feinem Einfühlungsvermögen in die Seele diese» Sonderbaren. Nicht ohne besondere Absicht, denn er will wohl zeigen, dass ohne richtige, ohne charakterformende Erziehung auch der Begabteste untergeben kann.'—7 Die Erzählung sollte in einer jüdischen Zeitschrift in Deutschland erscheinen. Aber das wurde nicht, gestattet, weil es unerwünscht war, die Verbindung des„Ariers" Franz Liszt mit einem Juden zu schildern l Wer war nicht Liszts Freundin. Marie d'Agoult auch eine Nichtariern? Darf von ihr nicht mehr gesprochen werden? Nach dem Tohe der Schauspielerin und Schriftstellerin I. S a n z a r a, an deren Roman„Das verlorene Kind" sich noch viele erinnern werden,'erschien kürzlich imHumanitaS-B«o,l a g in Zürich der nachgelassene Roman.»2)1« glückliche Bezugsbedingung e n: Bei Zustellung: in» Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich Xi 16.—, vierteljährlich Xi 48.—, halbjährig Xi 96.—, ganzjährig Xi 192.—.— Inserate werden laut. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.'— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsenhüng der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Tclc-' graphendirektion mit Erlass Nr. 18.800/VII/198C bewilligt.—"Druckerei:„OrbiS", Druck-, Verlag»« und Zeitungs-A.-G. Prag.■ Zwanzig Jahre schweren Kerkers Neuchelmordversuch am Kameraden— Tragödie eines Arbeitslosen Wir veranstalten ab Sonntag, den 4. Oktober, ab 4 Uhr nachmittags auf der„Hetzinsel" die alljährlich stattfindenden Tanzstunden mit 'msercr Brnderorganisation der DTJ. Einschreibgebühr Xi 20.—, ver« ™ AU längerte Tanzstunde Xi 2.—. Die verlängerte Tanzstunde findet ab 6 Uhr statt. Wir laden alle Mitglieder ein, wenigstens die verlängerten Tanzstunden zn besuchen. Die VereinSleitung. Arbeiterverein Kinderfreunde, Ortsgruppe Prag. Montag, den 8. d. M., im Parteiheim Elternabend mit Vortrag: Beginn 8 Uhr. Otote Falken, Achtung! Sonntag, den 4. d. M. Wanderung aller Kameradschaften nach-Jarov- Homolc. Treffpunkt um 9 Uhr bei der Endstation der 17er und 21«r in Branik. Führung: Hübner und Zwintzscher. XJjHtjTx Ortsgruppe Prag. SamStag, den 8. Oktober, Zusammenkunft um li4 ly Uhr am Smichover Bahnhof. Fahrt M nach Msenory. Wanderung zur Hütte. ' Uebernachtung in der Hütte. Sonn tag Wanderung in die Umgebung. Fahrpreis'zirka 8 Xi. Führer: Stelzig.— Unsere Geschäftsstelle be-. findet sich jetzt in den Räumen des Vereines deutscher Arbeiter in Prag II, Smeika 27, 2. Stock. Telephon 27727. Amtsstunden jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr. Allgemeiner Angeftcllten-Vcrband, Reichenberg, Ortsgruppe Prag. Sektionen: Handel, Industrie, Genossenschaft, Jungängastellte, Handels-Fachschüler. Auskunft» st eile und Amtssttmden: Mittwoch 6 bi» 8 Uhr Smeiky, Handwerkerheim 22, 8. Stock; M 0 n a t s v e r f a m m l u n g am 7. Oktober, Mittwoch,, um 8 Uhr abends im Hand-> werkerheim, 8. Stock. Vortrag des Koll. Wagner, Rei- cheuberg:„D ieEntwicklungderwest- lichenGewerkfchaftenunddiehentige■ Sitnation". Eingeführte Gäste willkommen.'— Sonntag, 4. Oktober: Führung durch Ali-Prag mit Koll. Kucka. Treffpunkt vor der Apostoluhr, Alte» Rathaus, um Uli Uhr: Kastuluskirche, Arkadenhof zum„Alten Baum", AgneSkloster, Kleinste», Hau», Barmherzigengaff«: Älter Hof(Wiener Schn- j berthoffttl), Haus mit dem ehemaligen Atelier des berühmten Malers Mäne».— Die Führungen wer«: den fortgesetzt. Nähere» jeden Mittwoch.— Zum Tschechischkurs definitiv« Einschreibung am Freitag, 2. Oktober, um halb 7 Uhr abend» in der i Handelsakademie, Masny trh, Prag I, Anfänger I■ haben Dienstag, Fortgeschrittene Freitag abend» Un« i terricht.'— Für unsere Praktikanten und ArbeitS- lose Freiplähe. Kursdauer sechs Monate.— Weiter» haben wir einige Plätze für NachmittagSvorstellun«. I gen im Deutschen Theater gbonniert, welche intr für Arbeitslose und Praktikanten al» Freiplätze reservie«-\ ren.— Die erste Vorstellung findet, ach 18. Oktober statt. Die Plätze vergibt Kollege KSppl, Gec.— Die n äch st en Morträge in unseren Monatsver« sammlungen werden sein: Die Konsumenten.und die'.> Wirtschaft(Kolleg« SvojSe). Die Mängel der, Ben« stönSversjcherung und deren Beseitigung(Kollege, Plohs). Die Devalvation de» Franc und deren Aus- wirkungen(Dr. Strauss).— Billige Karten für Kino und Theater stets in. den Amisstunden.