Nr. 230 Samstag, 3. Oktober 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Hellei (einschließlich 5 Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHIINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und verwaltuno frag xii.,fochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAU». VERANTWORTLICHER REDAKTEURi KARL KERN. FRAG. An Hitlers Adresse: Margate. Auf einer großen Volksversamm» fung, die im Anschluß an die Konferenz der lon- servativen Partei stattfand, sagte Finanzminister Neville Chamberla i n, der den Ministerpräsidenten Baldwin vertrat, u. a.: Die Regierung ist fest entschlossen,.di« Verwirklichung ihreS Planes der neuen Ausrüstung Großbritanniens fortzufehe». BIS die Durchführung dieses Planes abgeschlossen sein wird, wird Gressbratinnien eine so starke Kriegsflotte besitzen, dass cs die gesamten britischen Itebersreverbindnngen mit Erfolg schützen kann. Wir werden zwar eine schwache Landarmee hinsichtlich ihrer Effektivbestünd« im Vergleich zu den Riefsenarnieen derjenigen Staaten besitzen, in welchen die allgemein« Wehrpflicht «Ingeführt ist, doch wird diese Arni« mitten modern st en und wirksamsten Waffen auSgestattet sein. Sie wird daS gesamte modernste mechanische Material haben und eine Luftwaffe besitzen, welche hinsichtlich Geschwindigkeit, Aktionsradius und Tragfähigkeit der Flugzeugs sowdr hinsichtlich der Qualität des FkirgerperfonalS hinter dem Luftwesen jedes beliebigen andern Staates nicht um «inen Schritt zurückstehen wird. Deutschland stellt zwei neue Armeekorps auf Berlin. Mit. Wirkung vom 1. Oktober sind eine ganze Anzahl von.Ernennungen in der Generalität erfolgt." AltS^VI'efen istersichilich, daß mit dem 6. Oktober zwei neue Armeekorps aufgestellt werden, und zwar das 11. und 12. Armeekorps. Damit wird die im„Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht" vom 16. März 1985 vorgesehene Anzahl von zwölf Armeekorps erreicht. Das neue Wehrkreiskommando 11 domiziliert in Hannover, das Wehrkreiskommando 12 in Koblenz. keine Schilling-Abwertung Wien. Nach einem Referate des Finanzministers stellte der Ministerrat fest, daß sich aus den Währungsabwertungen In verschiedenen europäischen Staaten keinerlei Folgerung«.» für. die österreichische Währungspolitik ergeben, analoge Maßnahmen für Oesterreich entschieden abgelehnt werden und somit irgendeine Abwertung des österreichischen Schillings nicht in, Betracht kommt.; Auch Ungarn devalvlert nicht : Budapest. Der Ministerrat hat mit Beruhigung festgestellt, daß infolge der schon früher getroffenen Maßnahmen keine Notwendigkeit vorhanden sei, im Zusammenhang mit der Abwertung des Franc, irgendwelche neuen valutarischen Maßnahmen zu treffen. Auf handelspolitischem Gebiete seien die notwendigen Verhandlungen bereits anhängig gemacht und alle Maßnahmen getroffen worden,,um hinsichtlich der Ausfuhr gewisser, ungarischer Exportartikel eventuell austauchende Schwierigkeiten" mit Berücksichtigung der Interessen,. der Produzenten zu beheben. Vie Spekulanten schreien auf .. Paris.„Information Financier«" verzeichnet dar Gerücht, daß hervorragende ausländische Handelshäuser, insbesondere englische« sich weigern werden, die Donnerstag■ vom französischen Parlament beschlossene vllprozentige Steuer' von 1 Finanz-Terminoperationen," die vom 20. bis 26. September in Frankreich dürchgyführt wurden,, zu° bezahlen. Diese ungehaltenen ausländischen Geschäftshäuser beabsichtigen,-wie es heißt, eventuell gegen die französische Regierung, eine B eschwer d« b eim Intern a ti 0 nal e n Haag er Sch ied z g e richt s h 0 f«in- zubringen. Sie verweisendarauf.daß die genannten Finanzoperätiönen aüf dem von der französischen Regierung kontrollierten öffentlichen frän-, zösischen Markt durchgeführt wurdcniwaS sie, mit- ’ einem Maximum an rechtlicher Garantie auSge» ftättdthqbe.-/ ' J Luxemburg. Der Regierung von. Luxesn- b'urg erklärt nachdrücklich, daß sie nicht beabsichtige,' den Luxemburger Franc zu dtvalvieren,. Wirtschaftsminister prüfen Währungslage erTschechoslowakei Prag. Amtlich wird gemeldet: In der Freitag abends stattgefundenen Sitzung deS MinlsterrateS wurde dem Komitee der Wirtschaftsminister aufgetragen, mit Beschleunigung den Einfluß der internationalen Währungsentwicklung auf die WSHrungSlage der Tschechoslowakei in Erwägung zu ziehen, insbesondere ob und bis zu welchem Maße eS notwendig ist, Maßnahmen zu treffen, durch welche sich die Tfchechoflowakei in die neuen handelspolitischen Berhältniffe eingliedern würde. Im Nachtrag zu dem Beschluss«'der letzten Sitzung des MinisterratcS über die grundsätzliche Genehmigung' deS Staatsvoranschlagsentwurfes für. das Jahr.1937 wurde ferner der Bericht des Finanzministers über die endgültig, vereinbarten ziffernmäßigen Vorschläge der Staatseinnahmen und-Ausgaben bei allen" Teilbudgets mit Zustimmung zur Kenntnis genommen Der Minister für auswärtige Angelegenheiten erstattete Bericht jibei^die letzten Beratungen des Völkerbundes in Genf sowie über die außenpolitische Lage. Auf dem Gebiete der handelspolitischen Beziehungen mit dein Auslande wurde der Handelsvertrag mit dem. A u st r«lisch e n Bundesstaat und gleichzeiiig die entsprechende Regierungsvorlage für beide Kammern der Nationalversammlung genehmigt. Weiter wurde der Bericht Uber die provisorische Regelung des gegenseitigen Waren- und Zahlungsaustausches mit dem Königreich Italien mit Zustimmung zur Kenntnis genommen. Schließlich wurden die auf der Tagesordnung stchcnoen VerivaltungS-, Wirtschasts- und Personalangelegenheiten erledigt. Wichtige kmpfUnge auf der bürg Der Präsident der Republik empfing am Freitag den. Mnister deS Acutzern Dr. Krosta, den Gesandten leim Heiligen Stuhl Dr. Radim- fltz und schliesslich den F inan»Minister Dr. Kalf u« und den Gouverneur der Nationalbank Dr. E»glsS.. 150.000 Mann zur Einschließung Madrids? Paris. Wie der Sender Valladolid- ankündigt, werden Iby.ktvv Man» und 1VV Flugzeug« der Militärgrüppe für die B l 0 ck a d e von Madrid eingesetzt werden. Rach Berichten ans Madrider Quellen, die Informationen von den verschiedenen Fronten verzeichnen, sei es offensichtliche Absicht, der Aufständischen, Madrid einzuschsiessen. Die Aufstän» dischen entfalten zu diesem Zweck« grosse Anstrengungen? sie wurden jedoch vielerorts— hauptsächlich im Abschnitt Siguenza'— zurückgeschlagen. Neues Material Uber die„Neutralität“ der faschistischen -Staaten .Gens. Die spanisch« Regierung veröffentlichte am Freitag durch Vermittlung ihrer Dcle- gation in Genf, rin Memorandum, in dem sie weitere 15 Fälle der Berletzung der- Neutralität gegenüber Spanien aufzählt. Die spanische Regierung erklärt, daß- den spanischen Aufständischen auch«ach dem Abschluss deS.Nichteinmischungsabkommens von Deutschland, Italien und P« r t u g a l Kriegsmaterial geliefert werde. * .Im Plenum der Bölkerbundversammlung erwähnte der mexikanische Delegierte Bassols die spanischen Ereignisse und erklärte, eS sei absolut notwendig, die Regeln!dcr internationalen Ordnung genau einzuhalten, da sich sonst die Staaten der Gefahr auSsetzen, daß sie die Angelegenheit so ungerecht lösen werden, wie dies der Fall wäre, wenn man die legitime Regierung der Verteidigungsmöglichkeit berauben würde, gegen welche sich die Kräfte gestellt haben, die sich auch der normalen Entwicklung der Nation entgegen- . stellen. Dies dürfe nicht geschehen, auch nicht, wenn einig« Staaten sich bemühen, vermeintliche Komplikationen internationalen Charakters auSzu- schaltcn. Die Regierung von Mexiko habe bereits iju'Beginn. deS spanischen Aufruhrs öffentlich ihre politische und materielle Zusammenarbeit mit der legitimen spanischen Regierung verkündet, welche gegen, die militärische Verschwörung kämpft.. Fey fliegt hinaus StarhnenbnriB vorläufig Singer Wien. Die Pressestelle deS österreichischen Heimatschutzetz veröffentlicht einen Befehl Star- Hembergs, in welchem es u. a. heißt:.. „Wegen seiner zersetzenden Tätigkeit ge- gen dte Einigkeit und Geschlossenheit deS österreichischen Heimatschutzes,- die in der letzten Zeit besonder- arge Md-sichtbare Formen an» . genommen hat, seh« ich mich veranlasst.den Major der Reserve Fey hiemit aus dem Sster» - reichifcheil Heimatschutz auszuschliessen.- Ebenso schliesse ich den Btzckürgrrmeifter von. Wien Major m.D. Fritz Lahr wegen Beteiligung . an dieser Tätigkeit^üud. wegen wiederholt be». - wiesener Unfähigkeit aus dem.Ssterrei» chischen Heimatschutze auS. Ich vertirte auch . jetzrm Angehörigen des HeimatschützeS j«d» 1 wtdd Art von Verkehr oder Verbindung Mil ! Fetz, oder Lahr. Wer in Zukunft irgendwelche - Beztehungen zu den beiden Genannten"auf«, j rrchteiehält, wird- ebenfalls? ausgeschlossen ■"wkiirni“:-'---, I_»>■'... , tzn devMhrertägsing Wurde der Ausschluß des Majors Fey angeblich einhellig be grüßt. In der" diesbezüglichen Verlautbarung Seifet eS:.. Bereits im Bahre 1939 ist Major Fey-gelegentlich der Nationälratswahlen eigene Wege gegangen und hat dadurch dem Heimatschutz schweren, Schaden zugefiigt.. In lebendiger Erinnerung sticht-ausserdem daS bis heute nicht aufgeklärt« Verhalten deS MajorS Fey gelegentlich der Ereignisse am 25. Juli 1935 am BallhauSplatz und dtzr Ennortiung deS Bundeskanzlers Dr. Dollfuss. In Berücksichtigung dieser Umstände erscheint der Ausschluß des. Majors Fey allen anwesenden MyxerNdeS Heimatschutzes vollauf gerechtfertigt. Ebenso wird einstimmig der Ausschluß des Vize» bürgermeisters Major' Lahr gebilligt, dessen vylWschigeS Versagen auf seinem Posten bereits Wiederholt'augenfälliginErscheinunggetretenist. Wiener Konferenz. anfangs November !. Wfe». Eg bestätigen.sich, die Meldungen, daß' idleKonferenz'derAüßenmiNister'derStäatend.es ÄöMischen Protokolls dnfängs- November d. I. 'stattfinden werden:-- Abwertung In der Schweiz ■ K. T., Bern. Die Nachricht, daß die Bundesregierung beschlossen habe, den Schweizerfrankcn abzuwerten, ist allen Teilen der Oefscntlichkcit völlig überraschend gekommen. Während, der französischc Finanzminister Vincent Auriol sich in seine» Erklärungen zur Währungsfrage stets die Möglichkeit einer Devalvation auf Grund internationaler Vereinbarung offen ließ, hat die all-'' bürgerliche Koalitionsregierung in der Schiveiz die Geldwerwerändermig stets»nd noch in allerjüngster Zeit kategorisch Verlvorfcn. Sie hat im vergangenen Jahr ei» von den Sozialdemokraten, den Getverkschaften und einer Reihe weiterer Verbände unterstütztes Wirtschaftsprogramm, das die Methoden der skandinavischen Krisenbekämpfung der Schweiz angepaßt übernehmen Ivollte, gerade mit dem Argument bekämpft, eS müsse zur Geldwertsenkung führen, die geradezu als Verbrechen am Volksganzen hingestcllt wurde. Noch in der vergangenen Woche hat der VolkSwirtschaftsmini- stcr BundcSrat O b r e ch t die Frankenablvertung verworfen. Man rechnete also allgemein damit, daß diese Haltung auch angesichts der französischen Abivertnng beibehaltcn werden ivürde, und wurde darin noch durch eine übereilte amtliche Mitteilung bestärkt, die Bundesregierung halte an der Goldwährung fest. Vier Stunden später Ivar die Abwertung beschlossen... WaS ist in diesen vier Stunden geschehe»? Man weiß heute, daß innerhalb der BnndeSregic- rung vier! Mitglieder für die Abwertung waren, drei dagegen. In der Mehrheit war der Volkswirtschaftsminister, Bundesrat Obrecht, in der Minderheit der Finanzminister Bundespräsident Meyer. Obrecht hat in den letzten Monaten eine außerordentlich schwere Stellung bei den bürgerlichen MchrheitSparteien gehabt. Sie erwarteten von ihm eine scharfe, rücksichtslose An- paffungSpolitik. Hinter diese»! Titel verbarg sich die Forderung nach einem Lohn- und Preisabbau,' der der Schiveiz den Anschluß an den Weltmarkt, also ungesähr die Preise des Pfundblocks ermöglichen sollte. Aber ein Abbau solchen Ausmaßes — die Preisdifferenzen zwischen der Schweiz und dem Pfundblock betragen im Durchschnitt gegen dreißig Prozent— wäre ohne schwerste soziale Erschütterungen nicht durchführbar gelvesen. lind da die große Masse der Bauernschaft in diesem Kampf auf der Seite der Arbeiter zu finden gewesen wäre, hätte man auf ernste politische Kämpfe gefaßt sein inilssen, sind doch di? Bauer» das Zünglein an der politischen Waage: stellen sie sich an die Seite der Arbeiter, so ist eine allbürgerliche Mehrheit nicht mehr gesichert. So hat die Schweiz in den letzten Monaten praktisch überhaupt keine Wirtschaftspolitik gehabt: die Abbaupolitik war politisch unmöglich, eine andere Wirtschaftspolitik konnte und wollte der Bürgerblock nicht durchführen. Die Abwertung schien in dieser Situation der einzige Ausweg aus der Sackgasse. Innerhalb der Arbeiterbewegung sind die Ansichten über die Ablvertung geteilt. Der Ge- werkschaftsflügcl bejaht sic und manche Getvcrk- schastsführer haben sie seit langem offen gefordert. Die Sozialdemokratische Partei dagegen folgte zögernd. Man nahm einerseits an, daß in einem Land wie der Schiveiz, die für alle Rohstoffe und'einen großen Teil der Nahrungsmittelversorgung vom Ausland abhängt, es zu einer Verteuerung der Lebenskosten kommen könnte. Aber die Sozialdemokratie erkennt, daß dieser Nachteil bei geschickter Wirtschaftspolitik durch eine Vergrößerung des' Beschäftigungsumfangs, also den Rückgang, der Arbeitslosigkeit, ausgetvo- gen werden kann. Alles hängt i» der Tat davon ab, ob nun, nach vollzogener Abwertung, die bisherige Abbaupolittk preisgegeben und bewußt die Wirtschaftsexpansion verfolgt wird. DaS.i bedeutet einerseits-die Verringerung der'bisher im Schutze der Zölle und Kontingente gedeihenden Gewinne der'Zwischenhändler, andererseits sie-Senkung des-Zinsfußes.- Anders ausgedrückt: die Händler- und Rentnerinteressen müssen zugunsten der Industrie und der Konsumentenschaft gurückgedrängt werden.- Aber Händler- und Rentnerintcreffcn sind bisher für den regierenden Bürgerblock maßgebend gewesen.- Wird eS gelingen, sie künftig von der.Führung der-schweizerischen WirtschaftSpoli- til zu verdrängen?- Seite 2 GamVtag, 8. Oktotier 1988 Slr.230 •Gier mündet die wirtschaftliche Frage In,die politische. Die sozialdemokratische Partei ist bisher von de» großen bürgerlichen Parteien, der freisinnig-demokratischen, und der katholisch-konservativen, stets von allem wirklichen Einfluß auf die Bundesregierung ferngehalten worden. Die schweizerische Bourgeoisie ist eine der selbstbewußtesten Europas. Der Eintritt von Sozialdemokraten in die Bundesregierung erschiene ihr eine kaum erträgliche Minderung ihrer Herrschaft. BiS vor tvenigcn Jahren hat andererseits auch die Sozialdemolraitsche Partei die Regierungsbetei« ligung grundsätzlich verworfen. Erst allmählich hat sie, unter Hinweis auf die Erfolge der Re- Der 11. Dezember 1935 Aus der Vorgeschichte der Präsidentenwahl Ein Artikel des unglückseligen Chefredakteurs des„Bcnkov", des Herrn Senators Branh, gibt einem»aktiven sozialdemokratischen Politiker" Gelegenheit in der Zeitschrift„Pkitomnost" auf eine interessante Episode aus der Vorgeschichte der Präsidentenwahl vom Dezember 1935 zurlick- zukonünen. ES handelt sich hiebei um den 11. De» zcinber 1935, den Tag, an welchem Ministerpräsident Dr. HodZa mit der gcsamtcn.Rcgierung die Demission gegeben hatte. Dieser Tag war, wie in dem Artikel wörtlich gesagt wird,»eine über alles quälende Anklage der führenden Koalitionspartei: An diesem Tage hat sich uns die Agrarpartei als Kraft der öffentlichen Zersetzung, als eine Kraft unglaublichen Hasardspieles mit dem Staate, als eine Kraft des Parteiegoismus vorgestellt, wie ' wir dies niemals vorher in der Republik gesehen haben." An diesem Tage fand im Salon des Ko» lolvrat-Palais eine Koalitionsberatung statt, an der folgende Politiker teilnahmen: Der Ministerpräsident Dr. HodZa, die Minister Bechyni, Doktor Cerny, Dr. Franke, Dr. Srämek und Najman, die Abgeordneten Beran und Hampl und der Senator Klofäi. Die Verhandlung leitete HodZa mit der Mitteilung ein, daß er in der Frage der Prä» sidcntciuvahl gescheitert sei.«Statt eines Kandidaten haben wir zwei. Es gelang mir nicht, die Gegensätze innerhalb der Koalition zu überwinden. Ich kann und werde nicht in die Nationalversammlung mit einer so zerrißenen Regierung gehen." Man fragte darauf HodZa, ob sein Entschluß im Einvernehmen mit der Agrarpartei gefaßt sei. Die Antwort war bejahend.„Und wer wird in diesem Lmide weiter regieren?" fragte einer der Anwesenden.»Was werden wir dem Präsidenten der Republik Vorschlägen?" In der Koalition sei eine Mehrheit der Parteien und Stimmen für Benes und der betreffende Redner forderte die Agrarier auf, sich dieser Mehrheit zu fügen. Alle Bemühungen, die Agrarier«mzustim-j men, blieben zunächst vergeblich. Die agrarischen! Politiker erklärten, daß alle vier agrarischen Minister aus der Regierung ausscheiden werden. Darauf erfolgte die Anfrage, ob die Agrarpartei bereit sei, einen anderen Mann als HodZa dem 'Präsidenten als Regierungschef, vorzuschlagen. „Nein", war die Antwort,„kein Agrarier wird an die Spitze der Regierung treten." Daraufhin Ivurde HodZa gefragt, ob er dem Präsidenten einen anderen Koalitionspolitiker. Vorschlägen werde. »Selbstverständlich" erwiderte HodZa.„Ich werde Masaryk Vorschlägen mit dieser Aufgabe den Kollegen Hampl von der zweitgrößten Partei zu betrauen." Auf die Frage, ob die Agrarier in eine Regierung Hampl eintreten würden, wurde mit glerungsheteiligung in Skandinavien, ihreStcl» lung geändert. Sie ist heute Kreit,^,in'.die Regierung".eingütreten. Das würde. aber eini, gewaltige Umstellung bei: den bürgerlichen Mehrheitsparteien voraussetzcn. Ob der Schlag, deistdie" Ab-, Wertung der Autorität des Bundesrates.versetzt hat, dafür ausreicht,' eine solche Umstellung her« beizuführen, kann erst die Zukunst zeigen. Jedenfalls aber scheint, das bisher so starre Parteigefüge in der Schweiz: das auch den Stürmen der Krise Widerstand zu leisten vermochte, zum ersten Mal ernstlich erschüttert zu sein. Für die Sozialdemokratie eröffnet dies neue Aktionsmöglich- keiten.> einem entschiedenen Nein geantwortet. Ebenso verneint wurde-die Frage, ob die Agrarier in der Koalition bleiben, wollen und" schließlich erklärten sich auch die Agrarier mit einer Beamtenregierung nicht einverstanden. Auf die letzte Frage, was nach der Demission ter HodZa-Regierung geschehen soll«, zuckten die Agrarier mit den Achseln. So hatte die?lgrarpartei, schreibt in der„Pkitom- nost" der sozialdemokratische Politiker eine verzweifelte Situation geschaffen und sie war imstande,»in diese verzweifelte Situation auch die" Republik zu reißen". In diesem Augenblick sagten die anderen" Parteien:„Rein," es wird anders fein. Die Agrar, Partei hatte für den Augenblick die Fähigkeit Perloren, an der Spitze der übrigen Parteien die StaatSgcschäfte zu fiihren." Die sozialistischen Parteien ersuchten den Pater Srcknel eine, neue Regierung zu bilden, wenn, ihm der Präsident, dazu die Ermächtigung gebe und zu- diesem. Zwecke mit den übrigen Koalitionsparteien zu verhandeln. Diese Regierung sollte nur enw Woche im Amte bleiben, ihre einzige Aufgabe war, die Präsidentenwahl durchzuführen. Der Neue Präsident sollt« dann freie Hände haben. „Der Entschluß dreier Parteien im Dezember," so schließt der Artikel,»hatte wohltätige Folgen. Die führende Partei hat sich überzeugt, daß«S in diesem Lande noch Männer gibt, welche sich nicht der Gewalt beugen. Und daß dies Männer sind, welche stets den Weg finden,, wenn eS sich, um die Erhaltung" deö demokratischen Regimes und der ruhigen Entwicklung des Staates handelt. Diese Dezember,Lektion s o'll te g e nü g.e n." ' Ter„Bcnkov" vom gestrigen Tage antwortet auf diese Feststellungen, der„Pkitomnost" mit einem Gestammel seines Chefredakteurs, des Senators Branh. Dieser seht mit viel Wörhen auseinander,.daß Masaryk damals die schwarzrote Koalition, die vorgeschlagen wurde, abgelehnt habe. In Wirklichkeit war die Betrauung Srä« meks darum nicht mehr notwendig, weil der rechte Flügel der Agrarier, mit Stoupal und Branh qn der Spitze, sich dazu bequemen mußte, der Wahl Weneäs zuzustimmen.' 1. DaS Subkomitee für daß Flaggengesetz beschäftigte sich am Freitag mit den restlichen Bestimmungen über die Abzeichen und Uniformen, an denen gleichfalls verschiedene Aenderungen.vorgenommen wurden. Bis Dienstag soll das Innenministerium einvernehmlich mit dem Referenten die endgültige Formulierung der beschloßenen Aenderungen festlegen; bei einigen Punkten dürfte diese Formulierung noch alternativ sein und die endgültig« Entscheidung soll dann erst am Dienstag getroffen werden. Wie die Deutsche Arbeiter* gewerkschaft„siegt" ;. Wir lesen im„Mas» und Kttamarbeiter": "Die Deutsche Arbeitergelverkschaft, Gablonz a. d. Neiße, hat in ihrem Fachblatt wiederholt Berichte über ihre große"Erfolge bei der Betriebsausschuß« wahl in der Porzellanindüstrie veröffentlicht und In die Welt hinauSposaunt, daß die Macht deS Verbandes der GlaS- und Keramarbeiter und -Arbeiterlnnen' in den Betrieben zur Neige geht und sich die Arbeiterschaft von den marxistischen Einflüßen befrett. Wir halten«S daher für notwendig, nach» stehende Wahlresultate Wer die BetriebSauS- schußwahlen. in der Porzellanindustrie vom 1. September 1985 bis 81. August 1986 bekannt zugebenr. ' 7" j" stlrma ZS D8 SZZL MerkelSgrüyer Porzellanfabrik. 5 „Epiag" AG., Altrohlau.. 4 Altrohlauer Porz.-gabrlk AG., Altrohlau.,!"."., 5 Schneider u. To, Altrohlau, 4 Schneider u. o., Leffau.,, 8 Winterling u. To., Lessau,, 4 „Epiag" AG., Pirkcnhammer« 5 R. Kämpf, GmbH, GrünlaS., 2 I. S. Maier u. To., Poschchau. 6 Thunsche Pvrz.-Fabrik, Klösterle- 2 „Bohemia" AG.,.Ncurohlau 5 Karl Knoll, Fischern.., 8 ,„Epiag" AG., Dallwitz,,, 5 „Viktoria" AG., Altrohlau.,. 8 Gebr. Benedikt AG., Maierhöfen 8 „Epiag" AG.,. Clbogen... 7 Zusammen 76-‘■17 2 Es konnte der Verband der Glas-'und Keramarbeiter von ü5 BetriebSau^schußmgndäten 80 Prozent, die Deutsche Arbeitergewerlschast 17.8 Prozent und die Kommunisten 2.2 Prozent besetzen. Bier. Fünftel der Porzel- lanarb eiter schuft stehen also trep zu ihrer Berufsorganisation, glauben nicht an die Volksgemeinschaft und haben sich auch manchen Nach Terror riechenden Einflüsterungen einzelner Angestellten nicht gebeugt» England will die Mandatsgebiete behalten .• London.(Reuter.) Nach der Rede Koqres und dep.Annahme"einer Resolution über die Landesverteidigung beriet die Konferenz der konservativen Partei über die Mandate. Unter Beifallskundgebungen wurde eine Resolution angenommen, in der eS u. a. heißt: Die Konftrenz fordert nachdrücklich, daß die Regierung im Interesse der Beseitigung der Unruhe im britischen Reich und gefährlicher Hoffnungen' im Auslande versichert, daß der Standpunkt der Regierung zu "dieser Frage auch weiterhin durch die Erklärung des Außenministers Simon in Berlin im März d. I: gegenüber dem Reichskanzler Hitler, der« zufolge irgendein« A b t r e t u n g b r i t i s ch e r M a n da tsgebiete überhaupt n i ch t i n Frage komme, unverändert wiedergegeben sei. 86 !fommy(Qavbox macht{Revolution tftoman von 9rit» 4Bonde Der einzige, dem er sich anvertraute, Ivar Pablo. Er hatte ihm das nicht sehr gelungene Hochrufen ztvar nicht ganz verziehen, aber seine anderen Mitarbeiter waren ihm alle unheimlich, und zwischen ihm und Martinez bestand gar eine kaum verhehlte Feindschaft. Da blieb ihm nichts anderes übrig, als sich an Pablo zu halten. Pablo trug sich mit sicherer Eleganz, man hatte ihm tatsächlich ein Staatssekretariat der Schönen Künste zugcsprochen und zwei Zimmer im RqgierungSgebäude eingeräumt; in dem einen saßen zwei reizende Maschinenschreiberinnen, das andere hatte er nach seinem Geschmack sehr üppig "einrichten laßen und empfing dort Besuche. Er behandelte Bonamaria nicht mit übertriebenem Respekt; eher wie einen kindisch gewordenen alten Mann. Er hörte kaum mehr zu, wenn sein neuer Präsident zu ihm sprach. Er wußte im voraus, es gab nur zwei Themen: wo ist Fulvia? und: wie schaffe ich Rodriguez fort? Frau Rivadeneira hatte Pablo sagen müßen, daß sie Fulvia im Haus verborgen hielt. Und Pa» blö bewahrte das Geheimnis, denn er war noch 'inyner nicht entschlossen, Endgültiges zu tun. Sein Staatssekretariat ließ ihm Zeit, und die nützte er, um überall herumzuhorchon. Und da wurde es ihm immer wahrscheinlicher, daß Rodriguez doch .noch eines Tages austauchen konnte. Die Amerikaner machten, sich öffentlich über Bonamaria lustig. And unter seinen Landsleuten hatte er sticht einen einzigen Freund. Natürlich würden ihn die Amerikaner nicht ohne weiteres fallen laßen, dazu wär er zu bequem. Aber ob sie ihn halten würden, wenn es nur um den Preis eines kostspieligen und langwierigen Guerillakrieges geschehen konnte, das war Pablo doch höchst zweifelhaft, XXV. „Ihr Präsident entwickelt sich ja prachtvoll", sagte der Konsul Ritchie mißmutig zu Tommy Barbox. Di« Beziehung zwischen den beiden hatte sich" seit dem Gelingen des Staatsstreichs wesentlich abgekühlt; man spielte kaum mehr Poker miteinander und sah sich auch so fetten wie möglich. «Ueberhaupt scheint Ihre Revolution für uns nm Ungelegenheiten mit sich zu bringen." «Mein Präsident! Meine Revolution!" Tommy zuckte die Achseln.„Mich geht Weder Präsident noch Revolution etwas an. Man Hal sie bei mir bestellt, ich habe getan, was verlangt wurde, den Nutzen ziehen andere; ich habe keine Lust, mich länger hier zu langweilen." „Natürlich! Ihre Preße hat die Sensation, und wir das Nachsehen. Haben Sie gelesen was man zu Hause über uns schreibt?" Der Konsul hatte wieder die neuesten Zeitungen vor sich- Es gab heftige Angriffe äuf die Regierung, versteckt, aber auch ziemlich offen wurde die„imperialßtische Politik" bekämpft. Man verlangte, daß Schiffe und Soldaten sofort zurückberufen würden oder sich wenigstens durchaus, auf den Schutz der Han- delsinteresscn beschränkten, „Ueberrascht Sie das?" fragte Tommy, «Sie wißen, es gibt Leute, denen der Kanal in Nicaragua besser in den Kram paßt. Dort hat mat ja schon Geld in die Revolution gesteckt,«S war vorauszusehen, daß die jetzt Lärm schlagen. WaS hier imperialistische Politik ist, wird dort kluge Voraussicht vonLebensnotwendigketten unse- reS Staates sein."-' Auf dieses Gebiet folgte der Konsul nicht gern. ■„DaS ist unbeweisbares Gerede;„ich habe keine' Politik zu machen, sondern lediglich unsere. Interessen zu vertreten. Aber es.ist mir doch pein lich, daß wir diesem Bonamaria zur Herrschaft geholfen haben, der sich nun als Tyrann aufspielt. Nächstens wird er seine Gegner auf Reisen in Käfigen mtt sich führen, wie das einer dieser Präsidenten hier unten herum.schon getan hat." «Es kostet Sie ein Wort, und er muß Vernunft annehmen", meinte Tommy./ „Ich mische mich, wie Sie wißest, grundsätzlich nicht in die innern Angelegenheiten des Staates", erklärt« würdevoll Konsul Ritchie. Tommy zwinkerte und zog den Mund breit, aber er sagte nichts. Erst nach einer Weile bemerkte er: „Und wenn er Rodriguez erschießen läßt? Man spricht davon." Der Konsul sah ihnunißtrauisch an. „Könnte nichts daran ändern. Das war hier unten immer Sitte. Ich würde es ablehnen, irgendetwas zu unternehmen." Es gab eine längere Pause. „Sonderbar, daß Frau Taldelari derart spurlos verschwunden ist", bemerkte"Tommy harmlos und sah dem Rauch seiner Zigarette gespannt auf dem Weg zur Zimmerdecke nach. Konsul Ritchie war wütend...Tommy hatte ziemlich" richtig zwei Dinge verknüpft, zwischen denen es im konsularischen Herzen eine enge Verbindung gab. Ritchie wußte natürlich schon, daß Fulvia‘die Geliebte des Don Rodriguez gewesen war. And deshalb fand er mich eine diplomatische Intervention zugunsten diese» glücklichen Konkurrenten recht überflüssig, x „Sie"finden doch sonst alles", entgegnete er höhnisch:„Warum gerade Fmu Taldelari nicht?" "Tommy Barbox bljeb^ruhig. Er hatte in diesem Fall auch"kein gayz gutes Gewißen. «Hat für mich kein Interesse. Wozu? Ist sie aus dem Lande, desto beffex. Ist sie«her noch da, dann will sie eben, nicht von Rodriguez."fort. DaS kann ich"ihr nicht verdenken."< '.'«Wenn sie darauf wartet, daß Rodriguez frei kommt, kann isst, ebensogut.schonjetzt reisen.". Blum konferiert mit Eden* • G em s) Freitag früh wäf in Genf der.französische Ministerpräsident ühon Bl« in ein. Am Vormittag, traf-er mtt dem englischen Außenminister Ede« zusammen» mit dem"er eine längere Beratung, hatte. Entgegen der allgemeinen Annahme wird Blum weder'im Plenutst-4er Bölkerlundverfammlimg noch in den einzelne» Kommissionen derselben daS Wort ergreifen."Der Hauptzweck seiner.Reise nach Genf scheint eben nur dir Konferenz mit Minister.Eden zulein. Genf. Der Völkervundrat eröffnete Freitag in feierlicher. Weise seinen neuen Sitzungssaal, der von dem spanischen Maler Sos ü M a r i a Serien dekoriert wurde. Der Ratspräsident, der chilenische Delegierte Vicuna, tankt«. der spanischen Regierung. für. die geschenktenprächtigen Bilder SertenS, erwähnte die hervorragenden Männer. Spaniens und sprach über bist Symbolik der Bilder, welche den neuen Saal schmücken. Am Abend fand anläßlich-er Eröffnung" beg neuen Saales eine große Rezeption für" 1866 Delegierte und Journalisten.statt. Tschechoslowakei verlangt Beitragsherabsettung Genf. Die tschechoslowakische Regierung unternahm durch Vermittlung des Ständigen'. Delegierten beim Völkerbünde Gesandten KÜnzl«. Sizerslh Schritte, damit der Beitrag-ec Tschechq«' flolvakei für den Böllerbund herabgesetzt werde;' Mit dieser Forderung befaßte sich eine Sonder», lpnunission, welche die vorgebcachten Gründe au-' '"erkannt« und-ie Herabsetzung des Beitrage» der Tschechoslowakei um vier Einheiten(von 29 auf-, 25 Einheiten) vorschlug. Ueber die Angelegenheit wird endgültig in den nächsten Tagen von -er Böllerbundversammlung in Genf entschiede» werden. Leichte Entspannung In Schanghai Schanghai. Der Gerichtshof von Schanghai verurteilte, in erster Instanz zwei Chinesen wegen Ermordung eines japanischen Matrosen, der am 11. November v. I. in der, Nähe der japanischen Kaserne außerhalb der internationalen Niedere lassuug umgebracht worden war,"zum Tode, Da», scharf« Urteil»hat in japanischen Kreisen Ge«. nugtuung ausgelöst. Man erkennt an,-aß die" chinesische» Behörden mit-er Ausmerzung vo>r» , Elementen Ernst machen,> die einer chinesisch-. , WckstisWft"'Aststäüenkng'.Mstdliih.'’ ßegWher- stchcn. Nach der Urteilsverkündung haben. die"' Japaner ihre Posten verringert, so daß eine" leichte Entspannung der Lage, in Schanghai be- storzustehen scheint. Dec diplomatische Reuter-Korrespondent erfährst daß die Ansicht unzutreffend sei, als ob sich Großbritannien nicht, für die Ereignisse im Fet-- sten Osten interessieren würde. Im Gegenteil stehe es außer Zweifel, daß Großbritannien die Situation im" Fernen Osten sehr aufmerksam" verfolge. Beweis dessen sei z. B. die Unterredung,. deS britischen Botschafters in Tokio mit dem japa» nischen Außenminister.". .„Ernstlich,.Konsul Ritchie, Sie"würden ruhig,. züsehen, daß man Rodriguez füsiliert?".. „Selbstverständlich i" Der Konsul sah ihn! herausfordernd an.„Sie können nicht verlangen, daß ich meine Stellung mißbrauche, um Fra»! Taldelari ihren Liebhaber zu erhalten." Tommy zerdrückte seine Zigarette, obgleich." er kaum die Hälfte geraucht halft. „Und wenn Rodriguez erschoßen wird? WaS< dann? Frau Taldelari hält sich versteckt,"weil sie fürchtet, in Bonamarias Gewalt zu geraten» denke ich, Denn zu ihrem Mann kann sie auch nicht. WaS hat es für einen Sinn, ihren'Liebhaber erschießen zu sehen, um sie einem andern zu überlassen?"''''' „Ich verstehe Sie nicht", mein lieber Barbox, !mich geht dieser Teil der Affäre"gar nichts an. Und wenn Frau Caldelaki sich so verloren.fühlt, hat sie, ja immer die Möglichkeit, sich hierher aus: das Konsulat" zu retten; ich werde sie schon zu beschützen wißen." . Tommy, sah"ihn an, sagte.aber nichts mehr. Ihm. war die ganze Entwicklung seiner Revolution auch nicht recht; und er hatte auch von.Pioüt- fort verschiedene geheime Anweisungen bekommen, dse bestätigten, daß sein AltualitätSgefühl ihn nicht■" betrog. Seine Artikel und sein Film waren, einl großer Erfolg gewesen» aber die andern Blätter" waren, neidisch"und hatten-di« Politik der Regie«": rung angegriffen, da seine Kollegen^ben wie gewöhnlich zu spsit gekommen wqren. Manche Anzeichen sprachen, dafür, daß die Regierung unter Um«,; ktänden diese» Abenteuer fallen lassen würde. Und" weder. Montfort noch sein bester Reporter, hattest■ Ursache, einen verlorenen Posten zu hchlftn.- Tommy, der besser orientiert war al» Konsul Rit» wie, wartete, nur noch die entscheidende Nachricht stb. Doch"darüber verstrich'die.Zeit, und Bona-" marin jyar sehr Wohl imstande- Dinge zu tun, die. sticht wieder gutzumachen waren. .(Fortsetzung folgt) Nr. 230 Samstag, 3. Oktober 1036 Seite 3 iudetendeulsdei Zcitspiegel Warum dann SdP? Eine SdP-Stlmme über den Zusammenbruch der SdP*Polltlk Für die VerzweiflungSstinimuüg, von der weite Kreise der SdP angesichts der absoluten Erfolglosigkeit der Henlein-Politik ersaht sind, ist ein Artikel bezeichnend, der am I. Oktober, dem Jahrestag der Gründung der SdP, in der .Egerer Leitung" erschiene» Ist. Die Redaktion dieser am Sitze der Hauptleitung der SdP führenden BllrgerblatteL erklärt sich mit den Ausführungen einverstanden, die, wie sie angibt, von einem„erfahrenen sudetendeutsche» Politiker".stammen und den völligen Zusam- menbruch der SdP-Politik beleuchte». Der Verfasser, der die Richtigkeit der von den deutsche» Regierungsparteien verfolgten Politik anerkennt, beantwortet nur nicht die berechkigie Frage, wozu dann überhaupt die Gründung der SdP nötig war. Wir geben die interessantesten Stellen de» Artikels hier wieder. Die Redaktion Allein dieser Tag(der 10. Mai. Die Red.) brachte auch eine Wendung, linker den Programmpunkten Konrad Henleins befand sich auch als einer der wichtigsten die Verständigung mit dem tschechischen Volk. In dieser Richtung wurden anfänglich die verschiedensten Bemühungen unter- nommen, doch blieben sie größtenteils ohne Erfolg. Angesichts dieser üblen Erfahrungen ließ man sich bald entmutigen und gab die Bemühungen wohl allzu schnell auf. Dies rächte sich später sehr empfindlich. Als nämlich Konrad Henlein am Tage nach der Wahl feierlich seine Bereitwilligkeit aussprach, an den Staatsaufgaben verantwortlich mitzuarbeiten, erhielt er eine schroffe Ablehnung zur Antwort. Das Angebot war nämlich politisch ganz unzulänglich vorbereitet. Man erinnerte sich auf tschechischer Seite nicht mehr der versöhnlichen Worte, die Henleins Ausruf vom 1. Oktober 1038 enthielt, man hatte schon seine verschiedenen programmatischen Erklärungen, insbesondere das Leipaer Programm vom Oktober 1084 vergessen, und man hatte nur mehr die geräuschvollen Begleiterscheinungen deS WahlkamtzfeS im Gedächtnis, di« zwar nur der modernen Technik der Wahlpropaganda entsprechen, die aber immer wieder den Vergleich mit den Methoden heraufbeschworen» die der deutsche Nationalsozialismus anwendrt. Die Ablehnung der Regierungsbeteiligung durch die Tschechen verhinderte die Sudetendeutsche Partei, sich organisch in'dar politische'Lebe« der Staates einzugliedern. Sie geriet in einem Zustand der Isolierung, der zur Folge hatte, dass sie dar große Gewicht ihrer 67 Parlamentsman« bäte nicht voll einsetzen konnte. Die. Taktik der tschechischen Mehrheit brachte es mit sich, daß di« Sudetendeutsche Partei gar nicht ins Gespräch kam. In diesem Punkte haben diedeutschen Regierungsparteien einen großen Borsprung voraus. Wohl sagte di« Sn» detendeütsche Partei wiederholt, die Tschechen müßten mit ihr als der Vertretung von zwei Dritteln des Sudetendeutschtums sprechen, wenn sie mit diesem überhaupt sprechen wollten. DI« Forderung stieß aber auf taube Ohren. Di« Tschechen wolle» nicht mit zw«i Dritteln, st« wol- len mit dem ganzen Sudetendeutschtum sprechen, und das wäre nur dann möglich,.wenn die Haltung der Sudetendeutschm Partei an die der deutschen Regierungsparteien angenähert werden könnte. Dies hätte schon unmittelbar nach der Wahl geschehen sollen, und es war wohl die Ueber- zeügung der meisten Anhänger Henlein», daß die» nach dem Abflauen der. durch den Wahlkampf verursachten Verstimmungen. auch geschehen werd«. Leider wurden bisher noch keine bemerkbaren. Fortschritte in dieser. Richtung erzielt.•• Dieser Zustand wird aber auf die Dauer nicht haltbar sein. Denn eS besteht lein Zweifel, daß die Teilnahme der Deutschen an der Regie» Nord und Selbstmord In Görkau I» der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat sich in Görkau ein blutiges Drama abgespielt. Der Elektroinstallateur Anton Weid! hat erst seine Gattin und dann sich selbst erschaffen. Die Tat dürfte wahrscheinlich in der Zeit. zwischen zwei und vier Uhr früh verübt worden sein. Donnerstag abends war die Frau noch in der Erösf« nungSvorstellung deS Komotaüer Stadttheater». Nach Ihrer Heimkehr blieb sie mit ihrer Schwester bis ungefähr zwei Uhr früh wach und begab sich dann, zur Ruhe, Als die Bedienerin früh um 7 Uhr Einlaß begehrte, öffnete ihr niemand. Da der Mann am Tage vorher der in demselben Hause, wohnenden. Partei Kratky.gegenüber. Selbstinordabsichten geäußert hatte, schöpfte man sofort.Verdacht und ließ in Änibesenheit der Schlvester der Ermordeten die WohnungStür ge« waltsam öffnen. Anton Weidl lag, den Revolver in der Hand/ auf dem Fußboden, deffeN Gattin erschaffen im Bette. Der Mann hat die Tat.wahr» schcinlich verübt, als die Fraü schlief. Als Motiv dazu nimmtman die Krankheit des AntonWeidl an. Er hatte eine Mastdarmfistel und' bildete sich i ein, daß er krebslrunk sei. Die Tragödie hatte naturgemäß in dem kleinen Städtchen große Auf» regung im Gefolge/ Weidl Und. seine Gattin waren als verträgliche, liebenswürdige Leute be-, kannt, die sich großer Sympathien erfreuten. rung von allen maßgebenden Faktoren auf tsche-. chischer Seite als eine dauernde Einrichtung, angesehen wird. Jedes künftige Kabinett wir» ein Koalitionskabinett sein, dem stets auch deutsche Parteien angehören werden. Mit dieser Tatsache ist unbedingt zu rechnen. Die bisherige Bo«, litik der Sudetendeutschen Partei hätte dann zur Folge, daß sie,- ähnlich wie die Kommunisten dauernd-in der Isolierung verbleiben müßte. Ein» solche Lage, in der zwei Drittel der parlamentarid! scheu Vertretung des Sudetendeutschtums ständig' abseitstiinde, iväre für dieses unerträglich. Hier! liegt die schwerste und wichtigste Aufgabe der! Sudetendeutschen Partei, vielleicht die einzige/ deren Erfüllung sie. bisher schuldig geblieben ist/ Ma» dgrf doch nicht glauben, das) dir verschiede» Fraktlonskampf In der Leitung des Gablonzer Verbandes »Bonzen Im Speck, Mitglieder im Dreck” Nach den Beschuldigungen gegen die Lei» iung, bezw. den Obmann des Gablonzer Verbandes, Herrn Bude, durch einen Angestellten des Gablonzer Verbandes, Max Pokorny, welcher fristlos entlasten wurde, versendet derselbe an die Mitglieder, Sekretäre und Kollegen des Gablonzer Verbandes Rundschreiben, in welchen, er die Zustände in diesem Verbände sowie deren Einrichtungen und Finanzoebarung lritistert, die Tätigkeit der Hauptleitungsmitglieder schwer belastet und hauvtsächlich den Verbandsobmann Bude in der heftigsten Weise ängreift. In diesem Rundschreiben-wird der Hauptleitung des Gablonzer Verbandes u. a. Cliquen- und Protektionswirtschaft, Egoismus und Unsauberkeit zum Schaden der Mitglieder vorgeworfen. So wird in diesem Rundschreiben angeführt: Der Angestellte Hampel, welcher die Bilanzarbeiten durchführt, hat. dem Pokorny erklärt, er habe den Bude in dex Tasche, es handelt sich dabei um 80.000 KL, weshalb auch Pokorny ansragt, was mit diesen 80.000 KL geschehen ist. Ferner Ivevden dem Herrn Bude Prositintereffen vorge- worsen, da für die Monate Oktober und November 1088 Diätenbelege in Rechnung gestellt wurden, welch« sich bis auf 0000 KL monatlich belaufen Dem Herrn Fxiesc wird vorgeworfen, daß er mit. dem Herrn Seipt direkt aus dem Gasthause in das Büro gekommen sei, wobei Herr Seipt sternhagelvoll besoffen gewesen sein soll. Der entlassene^Angestellte Pokorny war auch gleichzeitig Obmann des B.-A. der Angestellten in der Zentrale und soll deshalb entlassen worden sein, weil er all diese Dinge kritisierte. Daraus sehen wohl die. Mitglieder des Gablonzer Verbandes am .allerbesten, wie hier mit den- Mitglledsbeiträgen. gewirtschaftet wird. WäS. sägen nun die Mitglieder des. Gablonzer Verbundes zu den Airklagen gegen ihren Obmann?' SdP-Ortelelter nach dem Schubgeieh verurteilt Beim Kreisgericht in B.-Budweis fand die Hauptverhandlung'gegen den Ortsleiter der SdP Franz Ezech in Christianberg statt, weinen Aeuherungen der tschechischen agrarischen Presse, die alS der Ausdruck eines gewissen Wohlwollens für die Sudetendeutsche Partei gedeutet werden könnten, auf irgendeinen Willen zur Zusammenarbeit»«rückgehen. Die dunklen Ziele» die eine Grupp« der tschechischen Agrarpartei dabei im Auge hat, haben mit einer Besserstellung des Sudetendeutschtums nicht das geringste gemein. Der bevorstehende Umbau der Hauptleitung wäre nun die beste Gelegenheit, den Programmpunkt der Verständigung mit dem Tschcchcntum wieder ernstlich anzugehen. Es wurden bereits verschiedene Vermutungen über die künftigen politischen Richtlinien der Partei geäußert. Diese Vermutungen scheinen der auch in Parteikrcisen weit verbreiteten Ueberzeugung zu entspringen, daß es in dem bisherigen Sinn nicht weitergehen kann, wenn sich die Partei und damit der überwiegende Teil de» Sudetendeutschtums nicht in der Isolierung aufreiben will. cher nach 8 14 des Gesetzes zum Schuhe der Republik angcklagt war. Ezech wurde zu drei Monaten Kerlest unbedingt mit vier Fasttagen verurteilt, j Sorgen der SdP Einem Leitartikel deS„Reuen Morgen" entnehmen wir folgende intereffante Stelle: Während Konrad Henlein den Sudetendeutschen klar machen will, der Völkerbund werde ihnen helfen,— in einem Augenblick, in dem der Völkerbund einen großen afrikanischen Staat— Abessinien— ohne mit der Achsel zu zucken, von der Landkarte verschwinden läßt,— während Abgeordnete der Sudetendeutschen Partei bei einem Minderheitenkongreß sprechen, der in einer Hütelvor Halle tagt, während sudetendeutsche Presseorgane die in den Vorzimmern gehaltenen Reden als staatsmännische Kundgebungen größter Bedeutung ansgoben, während die„Zeit" nicht» anderes zu tun hat, als mit der „Prager Presse" über die Berichterstattung aus diesem Vorzimmer-Kongreß zu streiten, während große Hauptratstagungen stattfinden, die sich mit der Frage befassen, ob dec Chefredakteur der„Zeit" jüdi- s ch c Witze erzählen darf oder nicht, während SdP-Mitglieper Briefe'ihrer Funktionäre in den '„S o z i a l d e m o k r a t" tragen und so di: ganze deutsch-bürgerliche Politik im Staate kompromittieren, während sich SdP-Lente über angeblich' undeutsch« Speisekarten in einer Prager deutschen Gastwirtschaft— das- Wort „Omelett" kommt ihnen zu wenig d e u t s ch vor'-r- aufhalten und'sn spießbürgerlicher Weise die Volksgenossen Kellner b e l äst i g e n, arbeiten die deutschen Regie- ' rungSpärteieN. Sie haben keine derartigen Sorgen wie' die SdP! . Rette Partei, diese„Volksgemeinschaft" des Herrn Henlein! In der Prager deutschen Sendung spricht Freitag, den 0. Oktober, 18.18 bis 18.88, Bürgermeister Genosse Leopold. P ö l z l-Aussig über P r o b I e m e u p s ere r Selbstverwaltung(Gemeindegeldwirtschaft, Errichtung von Armenwohmmgen und Arbeitslosensiedlungen,, gesetzliche Hindernisse bei Führung'der De» meindebetriebe)..'■< Unser roter Grenztag In Neuern ■ Ein SdP-Abgeordneier hat Sonntag die deutschen Aktivisten pauschaliter älS„Restpar- ,feien" stbgctan. Eine.dieser„Restparteien" hat mn' selb?» Tag ist einer kleinen, Böhmerwald- stadt im schmälsten Streifen des deutschen Sprachgebietes«ine Kundgebung abgehalten. Das Bild.hält nur einen Teil der Teilnehmer fest.' Ein am nächsten Tage abgehaltenes„Erntedankfest" der SdP hatte trotz persönlicher Anwesenheit Konrad Henleins nur halb soviel Besucher auszuweisen. Werzulehtals Re st Partei figuriert, wird am wenigstens zu la ch e n h a b e nl Die Rücksichtslosigkeit der Prager Firmen Auch die Arbeitslosen der Provinz wollen leben I Holeischen ist ein zweites R o t h a n in kleinerer Ausgabe. Durch die Stillegung der dortigen Glasfabrik ivurden immerhin mehr als 600 Existenzen vernichtet. Arbeiter beider Rationen sind betroffen. Die Mehrheit der Belegschaft war tschechisch, die Mehrheit der Gemeinde ist deutsche. Selbst dieser Tnibestaud scheint aber nicht hiuzureichen, gewisse Kreise zu einer sozialen Rücksichtnahme auf die Bewohner dieses JndustriefricdhofcS zu veranlassen. Dafür zeugt' folgender nnS zngcgangener Bericht: Ans den verödeten Hallen der Holeischner Glasfabrik soll ein G e t r e i d e m a g a z i n der tschechoslowakischen Monopolgescllschaft gemacht werden. Die notwendigen liinbanarbeitcu bekam natürlich Iviedcr eine Prager F i r m a übertragen, weil wir anscheinend in der Provinz leine Baumeister mehr haben. Aber nicht genug. Die Prager Firma brachte I» diesen Industriefriedhof mit einer verzweifelten Bevölkerung Ihre eigenen Arbeiter mit. -Darüber herrscht berechtigte Entrüstung bei den Holeischner Arbeitslosen ohne' Unterschied der Nationalität. Die Getreidcgescllschast hatte anscheinend nicht einmal soviel soziales Verständnis, um der Firina die Beschäftigung einheimischer Arbeitsloser aufzutragen. So kommen wir zu dem grotesken Ergebnis, daß ein Getreidemagazin errichtet wird, um den Holeischncrn zu helfen. Die Holeischner dürfen aber, wie in so vielen ähnlichen Fällen, bloß zu- schaucn. Sieht denn niemand die ilnhalibarkcit solcher Zustände ein? Staatspolizei in Trautenau Donnerstag langte in Trautenau die Mitteilung an, daß ain 1. November dieses Jahres Staatspolizei einzieht. Es werden vorlättfig 60 Mann Staatspolizei wahrscheinlich in der „Union" Quartier beziehen. Wieviel Mann der Stadtpolizei von der Staatspolizei übernommen tverden, steht noch nicht fest, da darüber erst mit den einzelnen Instanzen verhandelt tverden muß. Diese Verhandlungen werde» dnrch einen Vertreter des Landesamtes bereits Samstag ausgenommen.. Eine« von der alte» Garde ist von uns gegangen; dieser Tage starb in Reichenberg plötzlich Genosse Wilhelm Weichenhain im 83. Lebensjahre. Genosse Weichenhain, Tuchmacher von Berus, hatte sich schon in jungen Jahren der Arbeiterbewegung in' Nordböhmen angeschlossen. In der Zeit der Sozialistenverfolgungcn war er mit vielen anderen Genossen vcrhastet, nach Prag eingeliesert und dann als„Hochverräter" zu fünf Monaten Kerker verurteilt worden. Weichenhajn blieb sich treu und war Jahrzehnte hindurch in der Bewegung tätig. Sein Andenken wird in Ehren gehalten tverdcti. Die Bezirksorganisation Kapliti hielt Sonntag ihre Jahreslonserenzab. Dem Referat des BezirkövcrtrauenSmannes über die Tätigkeit im verflossenen Berichtsjahr war zu entnehmen, daß die Bczirksorganisation in der letzten Zeit erfreu! ich e F o r t s ch ritte zu erzielen vermochte. Richt nur, daß der Markcnnmsatz und die Mitglicderbewcgung gesteigert werden konnte, wurden auch zwei neueLokalorgani- s a t i o n e n gegründet.— Äebieissekretär Genosse Zapf auS Krumau hielt, das politische Referat.— Zum BezirksvcrtraüensmanN wurde ivieder Genosse Z i c h n s a ck gewählt. Die Konferenz befaßte sich weiters mit der Ernährungsaktion. Allgemein wurde die unzureichende Zuteilung von Ernährungskarten hervorgehoben, die sehr häufigen und willkürlichen Streichungen durch die Bezirksbehörde kritisiert und die Forderung erhoben, daß alles getan werden mutz, um diese Erscheinungen abzustellen. DaS„Karlsbader Ta,blatt" eingestellt.-Am letzten Septembertag ist das„Karlsbader Tagblatt" das letztemal erschienen. In einem Abschiedsartikel sagt der Verlag, datz die besonders in den Kurorten scharfe Formen annchmonde wirtschaftliche Krise die Notwendigkeit der Einstellung der Zeitung gezeitigt habe. Für den nächsten Sommer will das Blatt wieder erscheinen. Am 80. September ist indessen bereits ein neues Karlsbader Blatt unter dem Titel„Karls- baderAbendblatt" erstmals erschienen; Großfeuer in Hochdobern. Am Freitag, den 8. Oktober gegen 11 Uhr vormittag» entstand Inkolge Kurzschlusses in der Scheune des Landwirtes Laurenz Krebs in tzochdobern ein Brand. Die großen Quantitäten eingelagerten Getreides und Strohs boten den Flamme» reichliche Nahrung, so daß in kurzer Zeit die ganze Scheune in Hellen Flammen stand. Der leidige Wassermangel behinderte die Löscharbeiten, ungemein und aller Einsatz der Feuerwehren konnte ein Uebergreifen des Feuers auch auf das. Wohngebäude nicht aufhalten. Es' ge- lang zwar, aus dem Wohngebäude die Möbel, Wäsche, Betten und dgl, zu»ette», doch das Hau» und ebenso die Scheune brannten vollständig nieder.'An den Rettungsarbeiten beteiligten sich die Feuerwehren von Hochdobern, Parlofer, Güntersdorf, Bensen und Habendorf und ebenso griffen die zu Hilf« gerufenen Wehren, von.Tetscheu und Bodenbach tat- krästig ein. 'Seite 4 SamStag, 8. Oktober 1986 Nr. 280 Ein Landesverräter! Zum Tode Hellmuth Kionkas Laut Pretzbürobericht vom 80. September wurde in Berlin der jung« Schauspieler Kionka wegen angeblichen Landesverrat hingcrichtet. Wir erfahre» dazu von einem seiner früh- reu Kollegen folgende, für den„ge- - läuterten" Ncchtsbcgrisf des„Landesverrates" 'aufschlußreiche Angaben: Wer Kiouka persönlich kannte, Weitz, datz seine Hinrichtung ein Justizmord und in seinen II»fachen einer jener nicht seltenen ErpressungS- nnd Racheakte gekränkter oder mit schlechtem Gewissen belasteter Amtswalter sein nmtz, wie ich sie als Versuch, wenn auch nicht als vollendete Tat, in Berlin wiederholt aus nächster Nähe beobachten konnte. Was ist Landesverrat? Die Ueber- mittlnng wirklich brauchbaren BerratSmatertalS setzt nämlich— auf industriellem wie aus militärischem Gebiet— ein Matz an'„Branchekenntnis" voraus, das in jedem Fall die Vorbildung lind Sachkenntnis eines zwanzigjährigen Schauspielers übersteigt. Vor allem überstieg sie alle Möglichkeiten gesellschaftlicher Verbindungen, die er haben konnte. Nicht nur die militärischen und halbmilitärischen Dienststellen, sondern selbst die einzelnen Stockwerke jedes nicht offen militarisierten Munitiöirs-, Benzol» oder Stick- stosfabriksbetriebeS sind ja selbst für die dort Angestellten derart gegeneinander qbgeschottet, datz der ausnahmsweise und dienstlich gebotene Gang eines Angestellten eines Stockwerks in ein anderes nur mit Passierschein möglich ist. Die glatte Unmöglichkeit, datz Kionka in,dieser Sphäre jemals zugeläffen sein konnte, ergibt sich weiterhin aus seinem Charakter und seinem Auftreten. Er war in einem rührenden und beängsti-1 Im Sommer schon wurde es immer stiller auf der Juden. Bon den wegen des Deliktes der Raffenschande bisher rechtskräftig Verurteilten sind nach amtlichen Eingaben 17.8 Prozent deutschblütig und 82.2 Prozent Juden. Die Zahl der bisher Verurteilten ist nicht bekannt. Brüssel. Auf dem Schacht„Grand T r a i t" in der belgischen Stadt Bon verte bei MonS ereignete sich Donnerstag nachtS eine schwere Gasexplosion, die bisher sechs Opfer an Menschenleben gekostet hat. Elf Bergleute sind verschüttet und es scheint, daß sich unter ihn«« vier Tschechoslowake» befütden. 31 Bergleute wurden verletzt. Die verschütteten Bergleute geben kein Lebenszeichen von sich und es scheint, daß sie nicht werden gerettet werden können, da in dem betroffenen Teil der Grube ein Feuer wütet; deshalb mußte der Schacht zugemauert werden. Die erste Explosion>var ungewöhnlich hef tig und ereignete sich in der Nacht. Ihr folgten noch zwei weitere Explosionen. Die Katastrophe ereignete sich in einer Tiefe von 980 Meter in einem verlassenen Stollen, von>vo aus die Flam men die benachbarten Galerien erfaßten und den Einsturz eines Teiles des Schachtes verursachten. Di« Ursache der Explosion ist bisher unbekannt. Nachmittags fand sich an der Unsallstelle König Leopold III. in Begleitung des Arbeits- niinisterS Delattre und des Bürgermeisters Pie- rard ein. Er besuchte die geretteten Bergleute im Krankenhaus sowie die Familien der unglücklichen Opfer der Katastrophe nnd spendete 10.000 Francs zur ersten Hilfeleistung für die betroffe nen Familien. s ch e n g e st a I.t" sei; er mutzte im vorhinein, datz diese Frau nicht eingestehen würde.— Dann wurden einige Absätze aus dem Polizeiprowkoll verlesen. Tropische Malaria in Karpathenrußland. Nach einer mehrjährigen Pause ereigneten sich in der Gegend von Berehovo zwei Fälle von tropischer Malaria. Man nimmt an, daß der Infektionsherd in den Sümpfen zwischen Berehovo und Irsava liegt, wo die Infektion don einer Mückenart besorgt wird Wieder«in BerschleppungSversuch an der Polnischen Grenze. Wie der Olmützer„Pozor" zu berichten Weitz, ereignete sich Mittwoch abermals ein BerschleppungSversuch an der polnischen Grenze bei Raj« bei Freistadt in Schlesien. Der tschechoslowakische Finanzer B a v r a verfolgte zwei Pascher, die über die Grenzeentkamen. Hier wurde Bavra von dem ihm bekannten polnischen Finanzer Moszinsky freundschaftlich.eingeladen, zum polnischen Grenzzollamt zu kommen. In der Annahme, daß er dort Auskunft über die beiden Pascher erhalten werde, folgt« er dieser Auf-' sorderung,- er hatte aber jenseits der Grenze nur wenige Schritte gemacht, als der Pole ihn zu verhaften versucht«. Bavra gelang es aber, wieder über die Grenze zu kommen, allerdings blieb sein« Diensttasche, seine Kappe'und der Mantel in den Händen des polnischen Finanzers zurück. Ein fetter Raub. In der Nacht auf Freitag drangen unbekannte Räuber in das Büro der Katariner Glashütte in Cinobaüa im Bezirk von LuLenec(Slowakei) ein, wo sie eine feuerfeste Kaffe anbohrtcn und 190.000 Xi in barem raubten. Die Sichcrheitsbehörden in der ganzen Republik und im Auslande wurden.um die Mitwirkung zur Ergreifung der Täter ersucht. An der Peripherie Warschaus ereignete sich Freitag früh eine ernste Berkehrskatastrophe. Infolge dichten Nebels stießen zwei Züge der elektrischen Vorstadtbahnen zusamnien, wobei zwanzig Passagiere verletzt wurden, davon fünf schwer. Die Mehrzahl der Opfer sind Schulkinder. Der größte Goldschatz der Welt. Der Federal-Reserve-Board teilt mit, datz am 80. September die amerikanische Regierung«inen Goldschatz von 18.840 Millionen Dollars hatte. Es ist dies der größte Goldvorrat, der bisher verzeichnet wird. Stempelstelle für geistige Arbeiter, hoch oben im Olymp(auch eine Olympiade-) der„Wiffokü" (zu deutsch:„Abteilung für wissenschaftlich«, soziale und künstlerische Berufe") am Alexander- Platz. Man erfuhr flüsternd, die Wiffenschaft, die Kunst und die sozialen Berufe würden zwar im Dritten Reich keine„Arbeitsschlacht" schlagen; aber«8 ging die Sage, Herr Goering beabsichtige, das Nützliche mit dem Unangenehmen zu verbinden, das heißt für Gemütlichkeit im Arbeitslager zu sorgen:— jeder geistige Arbeiter mit Stempelkarte und ohne AhncnnachweiS und ausgezeichnete Verbindungen sollte als L u st i g m a ch e r je einer Schipperabteilung beigcgeben werden. Natürlich hatte er diese Tätigkeit nicht etwa hauptberuflich, sondern zuschlägig, neben. dem obligaten Schippen zu verrichten. In dieser Weise wurden Barden, Skalden, Clowns und Prügeljungen am laufenden Band erzeugt. Auf den Stempelstellen vegetierten nur noch vereinzelte scheue Greise, alle knapp vor oder nach dem ersten Schlaganfall. Die geistige Arbeitslosigkeit war behoben. Die Denker und Dichter hörten auf, volksfremd zu sein; aber sie hörten leider überhaupt auf zu sein, was sie sein sollten. Wir sahen Kionka nicht mehr. Was machte er? Bänkel für Schipper? Wir werden«8 nie erfahren. Wir wissen nur aus gehäuften Fällen, datz damals von den bekannten Feldwebeln des „VertrauenStateS"klangjährige„Gefolgschaftsmitglieder" mit der Drohung, sonst ein« Anzeige wegen„staatsfeindlicher Gesinnung" zu lancieren', aus dem ArbeiiSplatz„freiwillig" genötigt wurden.' Sogar■„Ausländsdeutsche"., Stinte. Kionka, seiner ganzen Art nach, solchen oder s ähnlichen Drohungen nachgeben? Nein. Ilstd das war Wohl sein„Landesverrat".. genden Grade aller Fähigkeiten bar, sich irgend- Ivo cinschleichen oder auch nur unauffällig machen zu können. Er schimpfte mit verblüffender Aufrichtigkeit schon in den RS-Flitterwochen des Jahres 1933 derart gegen alle, die mit ihm zu- saminenkamen, auf das System, datz er von uns wiederholt und leider stets vergeblich gewarnt wurde. Kionka war schon damals— etwa ein halbes Jahr vor jenen gehäuften S ch a u s p i e- lerselb st morden in Berlin, die niemals über den Kollegenkrcis hinaus in die Oeffentlich- keit gelangten— durch das„Arbeitsbeschaf- sungs"-System derart betroffen, datz er Kurzarbeit als männliche Probiermaniscll in der Konfektion leisten mutzte, und wegen seiner frischen jugendhaften Gestalt wiederholt für Rckla- mephotoö solcher Firmen in verschiedenen Zeitschriften herangezogen wurde. Seine künstlerische Tätigkeit beschränkte sich damals darauf, in einem jener unzähligen Birch-Pseiffer-Stücke von Paula Bitsch, Inhaberin des Zirkus Busch beim Bahnhof Börse, damals die Titelrolle zu spielen. Das Stück hieß„Der Wilddieb", und endete, wie alle Buschpoesien, mit einem Leichtathletikakt von der Kuppel des Zirkus zum Bassin herab. Der Ehrgeiz Paulas verlangte und verlangt noch heute jedes Jahr darnach, in einem Teil des Programms, wenigstens soweit„literarisch" zu sein,«uid nicht, gewöhnliche Artisten, sondern billig gewordene notleidende Schauspieler als Mäcenatin dazu heranzuziehen. Nach dieser Aufführung verloren wir Kionka aus den Augen. Es kam jener Winter 1938/34, der alle Borzeichen des 80. Juni bereits so weit zeigte, datz in einem bekannten. Berliner Kabarett zwischen Februar und März 1084 ein Song-Sprc- chex nahezu auf offener Bühne verhaftet wurde. der Per- , netten, denn di« Grubcickommission deS ArbeitS- Der Prager Schnellzug, der in Kasckiau um ijjr“-* 9 Uhr eintrifft, kam mit zweistündiger Verspä tung an. Die BerkehrSabtrilung der Staatshahn« dtrektion untersucht den Unfall. Nach Mitteilung deS behandelnden Arztes im Krankenhaus von Georgenberg sind die Verletzungen der beiden Rekruten nicht gefährlich und beide werden in einigen Tage» ans dem Krankenhaus entlassen werden können. Eulenspiegel 1» der Waschküche. In der kleinen< Stadt A. lebt ein alter Junggeselle, der als Sonderling bekannt ist. Oft überrascht er die Leute durchs irgendwelche Aussprüche, die scheinbar verrückt klin-' gen; wenn man aber darüber nachdenkt, dann findet nian, daß feine Worte durchaus Sinn und Verstand haben. Aus diesem Grunde hat der Sonderling auch den Namen Eulenspiegel erhalten. Jüngst passierte nun folgende Geschichte: Eulenspiegel, der sich schon oft über das rasche Verschleitzen seiner Leib- lväsche geärgert hatte, erschien plötzlich in der Waschküche seiner Wäscherin, setzte sich auf, einen um-, gekehrten Waschtrog. und sah den Frauen beim Waschen zu. Eine Weile schwieg er; dann frag!« er: „Wenn Sie Zwirn in eine Nadel fädeln wollen— nehmen Sie dann die Faust oder zwei Finger?" Verdutzt sahen die Fmuen von ihrer Arbeit auf und wutzten nicht recht, was sie zu dieser merkwürdigen Frag« sagen sollten. Da fuhr der alle Sonderling fort:„Und wenn Sie einen schweren Sack tragen' wollen, nehmen Sie dann zwei Finger oder fassen Sie mit beiden Händen an?"—„Nun," meinte da eine der Frauen,„jedes Ding nach seiner Weisel" —„Sehr richtig," sagte der alte Mann,„nehmen Sie darum die Schmierseife zum Bodenscheuern— für meine Hemden aber jene Seife, die schonend und doch gründlich wäscht: nämlich Schicht-Hirschseife I" — Name und Herkunft dieser Seife bürgen dafür, daß sie hält, was sie verspricht: Schicht-Hirschseife schont die Wäsche. 2 Auf der Schneekoppe 35 Zentimeter Schnee! Im Laufe der letzten 24 Stunden hat sich in den höheren Lagen der Staates eine zusammenhängende Schneedecke ausgebildet, Auf der Lysä Hora lagen Freitag früh 45 Zentimeter Schnee, auf der Schneekoppe 88, Altvater 18 und auf dem Schwarzenberg acht Zentimeter Schnee. Auch Freitag hat es im Riesengebirge, im Gesenke und in den Beskiden noch vielfach geschneit. In den Niederungen der böhmischen Länder wurden nachmittags meist nur fünf bis sieben Grad Celsius verzeichnet, was den normalen, Wärmeverhältnissen um den 10. November' entspricht. In der Osthälft« des Staates war es etwas wärnier, in der mittleren Slowakei und ln der Tatra hat es sich vorübergehend etwas ausgeheitert. Der Luftdruck nimmt nunmehr allgemein zu und im Zusammenhang damit wird sich das Druckhoch über der Nordsee allmählich gegen Osten äusbrei» ten. Der kalte Nordwind in unseren Gegenden dürste daher abflaüen und der allgemeine Wit» tenmgicharakter sich allmählich bessern.— Wahr», scheinlicheS Wetter von heute: Wechselnde, unter» tagS noch ziemlich starke Bewölkung, strichweise noch Schauer, im allgemeinen jedoch Abnahme der Niederschlagsneigung, kühl, frischer, später allmählich abflauender Wind aus nördlichen Nichwngen.— Wetteraussichten für Sonntag: Weitere Beruhigung, in den Niederungen strichweise Nachtftost, auf den Bergen ein wenig wärmer. Allgemein« Wetter« Inge noch nicht stabil. Vom Rundfunk UwUMMiwirtu aus«tau Pregrai Samstag. Prag 10.08: Deutsche Nachrichten, 10.16: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Schallplattenkonzert, 11.08: Mujiks Salonquartett, 12,10:, Chansons, 17.10: Für die Jugend, 17.88: Deutsche Sendung: Dr. Hoop: Sportvorschau, 18.00: Rekruten rücken einl, Hörfolge, 18.48: Deutsche Presse. 18.88: Kulturbericht vom Tage, 20.48: Schauspiel aus dem Studio: Schnitzler: Abschiedssouper, 22.18: Tanzmusik.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung.—• Preßburg 18.08: Nachmittaaskonzert.— Kascha» 12.00: Tanzmusik.— Mährisch.Ostrau 12.85: Blechmusik, 18.00: Liederkonzert. Sonntag: Prag 7.80: Konzert aus Karlsbad, 11.28: Dvokak-Kompositionen, 12.20: Stelibsty: Gib dem Glück di« Hand, Rundfunkoperette, 18.80: Orchea sterkonzert FOK, 17: Fortsetzung der Konzerts, 17.88: Deutsche Sendung: Klassische Zeugen, 17.40: Funkwochenschau, 17.80: Prager Rundfünkorchefter« konzert, 18.60: Deutsch« Presse, 22.86: Tanzmusik. Sender L: 14.80: Deutsche Sendung: Arbeiters»»!: Richard Reihnor, Bodenbach:. Ein Wort über di« Gerüchtemacherel, 14.48: Dr. Schwarz: Zum Welt« tierschutztag 14.88: Grün ist die Heide... LönS« lieder, 18.80: Gedichte von Rainer Maria Rilke.—. Brünn 10: Sinfonisches Orchesterkonzert im Lan» desthcäter.*44 Kascha» 21.10: Rundfunkorchesterkonzert. 7 Maßnahmen gegen die„Rassenschänder" »Tas Delikt der Rassenschande ist auch zwischen rein Teutschbliitigen denkbar... wenn nämlich ein dentschblütiger Mann nüt einer deutfchblütjgen Frau in Beziehung steht, sich jedoch dabei im Glauben befindet, eS handle sich hier um eine Jüdin". Reichsgerichtsrat Dr. Schwarz in der„Deutschen Juristenzeitung". DaS in Nürnberg verkündete„Gesetz znm Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" hat den Terror gegen die Juden auher- ordenllich verschärft. Das gilt besonders für den Teil deS Gesetzes, der Verstöße gegen den Rassegedanken bestraft. Rassenschande gilt als Verbrechen. Also ist a»ch der Versuch strafbar. Verurteilungen wegen ver's achter Rassenschande sind bereits«rsolgt. Die Begründungen sind bemerkenswert: In München wurde ein Arier verurteilt, weil er. mit einer Halbjüdin in'Beziohungen gestanden hatte, die sich als Nichtarierin anSgab. Versuchte Rassenschande wnrde deshalb ange- nonunen, weil die Halbjüdin nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besah. In Hildesheim erfolgte die Verurteilung eines Juden wegen versuchter Rassenschande, weil cS nicht zur vollendeten Tat gekoimnen war. In Hamburg wurde einem jüdischen Arzt zur Last gelegt, er habe eine 18jährige Patientin währe::- der Behandlung zu küssen versucht. Der Arzt bestritt, das Gericht glaubte der minderjährigen Zeugin und veruricillo ihn wegen versuchter Rassenschande zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus! Der Begriff der„versuchten Rassenschande" ist in: Wege dec Auslegung noch wesentlich erweitert worden. Dafür einige Beispiele: Die ehelichen Beziehungen in Mischehen sind natürlich erlaubt, eS liegt aber Rassenschande bor, wenn das gleiche Paar etwa nach der Scheidung noch Beziehungen unterhält. Die Beziehungen zwischen einen: ausländischen Juden und einer dcutschblütigen Inländerin si:ü> Rassenschande; zwischen einem inländischen Juden nnd einer deutschblütigen Ausländerin dagegen nicht. Raffenschande liegt' vor, wenn ein Deutschblütiger jüdischer Religion Beziehungen zu eipcr Jüdin unterhält. Rassenschande ist es dagegen nicht, lvenn ein Vierteljnde jüdischer Religion Beziehungen zu einer arischen Frau unterhält. Rasscnschayde gibt es auch: beim Verkehr mit Prostituierten, im Ausland, bei regelwidrigem Vorkehr(homosexueller oder perverser Veranlagung). Als Rassenschande strafbar sind die Beziehungen zwischen Juden und Ariern; zwischen Ariern und Angehörigen anderer Raffen dagegen nicht. Beziehungen zlvischen Deutschblütigen nnd Mischlingen mit deutschen: Ahncuteil bleibe» straflos; Beziehungen zwischen Deutschblütigen und Mischlingen mit„artfremdem" Ahnentcil sind Rassenschande. Nicht nur der Vorsatz, sondern auch der bedingte Vorsatz zur Rassenschande ist strafbar, er wird angcnonnnen, lvenn jüdisches Aussehen, jüdischer Vor- oder Nachname(oder umgekehrt: rein arisches Aussehen usw.) vorliegt. Auf diese Weise häufen sich die Verurteilungen wegenVerstotzeS gegen d a s„G e s e tz z u m S ch u tz e d e S d e u t- s ch e n Blutes und der deutschen- Grubenunglück in Belgien Sechs Tote• Elf Vermißte verloren, darunter vier Tschechoslowaken Die«Bestie in Menschengestalt". In der Mitttvoch- Verhandlung des aufsehenerregenden Wiener Mordprozesses wurde Frau Luner aufgefordert, sich zu den Aussagen ihrer Tochter zu äußern. Sie erzählt, daß ihre Tochter erblich belastet und infolgedessen schon gcschlcchtskrank gewesen sei. In der Schule und auch zu Hause habe sie sich ost seltsam aufgefiihrt und Traumbild und Wirklichkeit gehen bei ihr ineinander über. Die Luner behauptet auch, ihrer Tochter nur„vorgetäuscht" zu haben, datz sie die Anna mit dem Schürhaken gebrannt habe; sie hätte einen heißen und einen kalten Haken gehabt und so manipuliert, daß sie der Anna, um sie zu schrecken, den kalten Hecken auf die Zunge gelegt hätte. Nach einem kurzen Verhör mit Edmund Luner schildert dann der Mödlinger Arzt Dr. Eisler den entsetzlich e n Z u st a n d, in dem er die L e i ch e des UiädcheirS vorgefunden habe, über und über bedeckt mit halbverheilten und offenen Wunden und bis auf die Knochen abgemagert. Es konnte auch kein Anhaltspunkt dafür gesunden werden, datz daS Mädchen Pemphigus gehabt hatte.— In der donnerstägigen Verhandlung sagte eine Frau, bei der die Luner 1013 gewohnt hatte, aus. daß dies« damals ein ziemlich wüstes Leben geführt habe und öfter betrunken nach Hause gekommen sei. Dann wird Edmund Luner aufgefordert,-sich darüber zu äußern, tvaS die Frau als„Geheimnis ihrer Ehe" zu bezeichnen pflegte und der Vor- sidcnde fragt, ob dieses„Geheimnis" mit dem Tod der Frau Tobner zusammenhänge. Luner antwortet ausweichend, dätz er sich an den Fall Tobner gar nicht mehr genau erinnern könne und daß ein Geheimnis in ihrer Ehe gar nicht bestehe. Später lvird dann wieder die Tochter Grete den Eltern in geheimer Verhandlung gegenüberge- stcllt. Freitag machte der Kriminalbeamte Doltor F o r m a n e k, der die Mordangelegcnheit Luner zu untersuchen hatte, interessante Mitteilungen. Ihm sei schon im Jahre 1928, als er über den Fall Nenpärtl Erhebungen pflegte, ganz klar ge- I mm« mit: uno ocr o c u r 1 m c n, wesen, datz die Luner eine Verbrecherin Ehre". Sie treffen natürlich in erster Linie die Igroßen Stils und eine„Bestie in Men- Unfall eines Rekrutenzuges: Zwei Verletzte Poprad.(Amtlich.) Freitag, den 2. Oktober, um 8.34 Uhr passierte der zweite Teil des Zuges, Nr. 809 mit Rekruten die Station Pöprad-Vclkä und stieß bei einer Vorfahrtvciche mit einer Re- , ferpelokoMotive zusammen. Dabei wurden zwei Personen, und zwar die Rekruten Georg Schst- b e r t aus Chust und Leopold E i s i k o v i L aus Akua Slatina; verletzt und ins Krankenhaus näch /Georgenberg übergcsührt. Zwei Rekruten und letzten Nachrichten zufolge bestehtk« in eH o ff- spx zwei Stunden unterbrochen, der nun, mehr, die elfvcrsthiitteten Bergleute zu( soncnv^rkehc wurde^urch Ümsteigcnaufrech/echal- Ministeriums hat die Vermauerung seneS Gruben-’ teiles angeordnet, in welchem ein Brand von rie siger Stärke wütet. Alle Rettungsarbeiten sind vollständig unmöglich gemacht worden. Di!« Ar beit in den umliegenden Schächte:» nnd Fabriken wurde zum Zeichen der Traiwr eingestellt. RingS um den Schacht stehen große Menschenmengen, insbesondere Angehörig« der betroffenen Fami lie:». Unter ihnen spielen sich hcrzzerreißcickw Szene:» ab. Rr. 230 EamStag, 3. Oktober 1036 «Stift 3 mich neue Aufträge laufen ständig noch ein, ius- besondere in der Damenkonfektion. Die Beschäftigung der Gerbereien zeigt keine Aenderungen. In der chemischen Industrie Ivaceii bei Tchwer- chewlkalien keine wesentlichen Aenderungen zu.ver« zeichnen. Wieviel Personen mehr waren heuer beschäftigt? Vor einigen Tagen wurde gemeldet, daß die Zahl der im August bei der Zcntralsozialver- sicherungsanstalt versicherten Beschäftigten um 144.000 hoher ist als im Vorjahre. Die Nach« richten dec Rationalbank geben nun eine bis Juli reichende Uebersicht darüber, um wieviel Personen bei alle n Trägern der Sozialversicherung mehr augemeldet waren als jeweils in den entsprechenden Monaten des Jahres 1030. Danach war der in dieser Veziehimg günstigste Stand im März dieses Jahres, wo das Plus 102.000 betrug. Ende Juli waren um 180.000 mehr Sozialversicherte augemeldet als im Vorjahr. Der Rückgang der Arbeitslosenzahl ist bekanntlich kleiner als die Vermehrung der Versichertenzahl. Unter den Ursachen dieses scheinbaren Mißverhältnisses, deren es eine ganze Reihe gibt, ist das Auftreten der jüngsten Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt die wesentlichste. Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Die Aenderiing der Verordnung über die Anbanbeschränknng, welche bekanntlich Klein- landwirte mit einem Besitz bis zu 6 Hektar Ackerland von der Verpflichtung zur Beschränkung der Anbaufläche befreit, wurde in der Sammlung der Gesetze und Verordnungen vom 1. d. M.. unter gl. 264 publiziert. Die Staatsbeteilignng an der Eedok. Das tschechoslowakische Reisebureau Eedok, das bisher als ein privates Unternehmen eine weitgehende Monopolstellung genoß, hat eben eine vollständige Neuorganisation erfahren. Das Unternehmen wurde in eine A.-G. umgewandelt, wobei die Regierung 61 Prozent des Aktienkapitals, dar ans 2 Millionen KL festgelegt wurde, Übernimmt. Zwischen dem Eiseubahnminifterium und dem Handelsministerinm gehen jetzt Verhandlungen darüber, in welcher Stärke sie sich an den 61 Prozent beteiligen werden. Kohlendividende. Der Westböhmische Kohlen- bergbau-Aktienverein bringt eine Dividende von 10 KL pro Aktie zur Auszahlung. Da eine Aktie auf 200 KL ausgestellt ist, beträgt die Dividende 6 Prozent. Rene Kartelle. In das Kartellregister sind neu eingetragen worden das Hntstniiipeiikartelt und die Verlängerung des Kartells für die"Holz- schraubenindiistrie. Die Mattoni-A.-G. geht ans holländischen in tschechoslowakischen Besitz über. Die Aktien dec Mattoni-A.-G. Gießhübel und der Krondorscr Sanerbrnnn-A.-G. sind von dem Besitzer des Biliner Sauerbrunnens, Dr. Max Lobkowicz, von der Firma Müller& Co. in Rotterdam erworben worden. Diese holländische Firma hatte bisher die überwiegende Mehrheit. der beiden Aktiengesellschaften in Besitz. Pariser Diskont wieder herabgesetzt Paris. Die Bank von Frankreich hat mit Gültigkeit vom donnerstägigen Abend den Es- komtsatz von 5 auf 8 Prozent,, den Lombard für Wertpapiere von 6 auf 4 Prozent und den Satz für Monatsgeld von'6 auf 8 Prozent herabgesetzt und damit die knapp vor der Devalviermig getroffenen Maßnahmen wieder zurückgenommen. DaS jugoslawisch-italienische Handelsabkommen trat am'1:"Oktober in Kraft. Nach den!Sc- dingungen dieses Abkommens loird hie jugoslawische Ausfuhr nach"Italien jährlich etwa"400 Dmar betragen. Äse Ausfuhr ist kontingentiert und ihr Hauptteil"muß durch Einfuhr ausgeglichen werden. Die Zählungen werden durch laufendes Clearing erfolgen. Das Clearingsaldo, welches zugunsten Jugoslawiens derzeit etwa 200 Millionen Dinar beträgt, soll vor allem durch große Staatslieferungen Italiens liquidiert werden,. ‘ßefeuditungs-Rezept Nr. 5 Man nehme für eine reicht!* ehe und billige Beleuchtung die OSRAM- H-Lampen; sie geben in den gasgefüllten Typen, die mit dem patentierten und. doppeltgewendel- ten Leuchtdraht ausgerüstet sind bis zu 20% mehr Licht Es lohnt sich, die alten Lampen durch zu ersetzen. Ober den Herd gehört eine 65 DLm- Lampe. NMsuüktsckaft und- S&mtpofitife Verschärfte Situation in der Kristallglasbranche ■ lieber' die Lohn-, Arbeit«- und Vertragsverhältnisse in" der Kristallglasbranche wird uns folgendes berichtet: Beim Abschluß des KollektivvcrtrageS und des Znsatz-Protokolleö für die Flakonglaöbranche wurden auch jene Betriebe der Kristallerie einbezogen, die dem Verbände der fabrikmäßigen GlaS- rassinerien angehören und fast ausschließlich größere Artikel erzeugen. In dem Zusahprotokolle wurde festgelegt, daß im Lause des Monats Ito- vember 1088 in einer gemeinsamen Aussprache dis. Frage beraten und überprüft wirv, ob und in welcher Art«ine Lohnliste für Lnsterbehang zweckmäßig"wäre: In dem Protokoll mit der Krlstallerie-Geuoffenfchaft ist nachstehende Formulierung enthalten:»Die Verhandlungen übe» dcq am 12. August 1038 seitens der Genossenschaft vorgelegten Entwurf einer Lohnliste füt die Kristallerie werden nicht unterbrochen, sondern gehen weiter." Die Verhandlungen, die diesbezüglich am 28. September 1088 mit den Vertretern der Ge- »ossenschast stattfanden, verliefen resultatlos. Der Oymann der Genossenschaft, Herr Seidel, verlangte, daß bei den Verhandlungen außer den Organisationsvertretern(Sekretären) nur jene VertranenSpersonen berechtigt sind an den Verhandlungen teilzunehmen, die in GenossenschastS- betrieben beschäftigt sind. Mit anderen Worten, jene VertranenSpersonen, welche in Betrieben des Verbandes arbeiten, haben in den Verhandlungen mit der"Genossenschaft nichts zu sagen. Von den Organisationen wurde es bisher so dnrchgeführt, daß sie BertrauenSpersonen zu den Verhandlungen entsandten, die in fachlichen, in Preis- und anderen Fragen am besten Bescheid wußten und über alle Vorgänge informiert waren. Kein« der Atbeitgeberorganisationcn hatte sich bisher daran gestoßen, welche VertranenSpersonen seitens der Organisation und Arbeiterschaft an den Verhandlungen teilnahmen. Nur der Genossenschaft blieb eSi Vorbehalten, hieraus eine prinzipielle Frage zu mache», und die Verhandlungen auffliegen zu lassen. Kann man mit eiyer solchen Vorgangs, weise aus den- zerfahrenen Verhältnissen, wie sie in'der" Branche zu verzeichnen sind, Klarheit schaffen oder will man die Zustände absichtlich noch verschärfend Innerhalb der Genossenschaft, respektive der Kristallerie-Sektion, sind zwei Gruppen vorhanden. Die eiffe Gruppe drängt zum Abschluß einer Lohnliste. Die andere Gruppe ist dagegen und vertritt die Auffassung, daß es so bleibt, wie eS gegenwärtig- ist, der alte Schlendrian cheibehalten wird. Außerdem seht diese Gruvpezihre Hoffnungen ayf einen Messias, welcher sie. aus. den wirtschaftlichen Nöten und von dem" Drucke der organisierten Arbeiterschaft befreien soll.- Wahrscheinlich graut ihnen davor, die wirtschaftlichen, die lohnpolitischen und ArbeitSver» hältnisse in den Kristalleriebetrieben vor die- Oef« sentlichkeit zu bringen. Endlich einmal auf Grund ter fortwährenden Beteuerungen, nach Schaffung geordneter Lohn- und ArbeitSverhältniffe, ernst- Saft baranzügehen, daß Ordnung geschaffen wird, den vielversprechenden Worten die Taten folgen zu lassen. .ES ist bittere Wahrheit, daß die Glasschleifer in den kleinen.Betrieben, die Heimarbeiter und Freiörtler, nebst der miserablen Entlohnung unter Verhältnissen leiden, die auch für diese Arbeiterschaft nicht mehr ertragbar ist. Gerade in den Lnsterbehangartikeln ist die Lohnschinderei und Preisauarchie am schlimmsten. Löhne von 36 bis 120 KL bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 42 bis 48 Stunden sind keine Seltenheit. Von diesem geringen Lohn soll sich dec Glasschleifer nähren und kleiden, von den übrigen Bedürfnissen, die das Leben erfordert, ganz abgesehen. Können unter solchen Verhältnissen die Kinder der Glasschleifer.zu brauchbaren Geschöpfen für die Wirtschaft und Gesellschaft herangezogen werden? WaS in diesem Industriezweige getrieben wird, ist Raubbau an der Gesundheit der Glasschleifer und ihrer Angehörigen. In den fabrikmäßigen Unternehmungen werben die Lnsterbehangartikel, solveit solche zu verarbeiten sind, besser bezahlt. Bon der Arbeiterschaft, die diese Artikel verarbeitet, wird eine einwandfreie, erstklassige Ware verlangt. Die bessere Entlohnung steht trotzdem in vielen Fällen in- keinem Verhältnis zu der geleisteten Arbeit. Der überwiegende Teil.der größeren Unternehmer lassen diese Artikel im" eigenen Betrieb nicht verarbeiten, sondern kaufen dieselben bei den Erzeugern und Lieferanten, welche der Genossenschaft angehören, zu billigeren Preisen im fertigen Zustande. In. vielen Fällen wiesen die Vertreter der Gewerkschaften auf diese Mißstände hin, höben Vorschläge erstattet, wie aus diesen unerträglichen Zuständen hcrauszukommen wäre. Die Antwort der Unternehmer war immer- nur Ausrede und Vorwurf. Immer wieder klängen die Borwürfe der Unternehmer dahin aus, daß die Arbeiterschaft und die Gewerkschaften die Schuld tragen. Die Herren. Arbeitgeber greife» selbst zu der Ausrede, daß die Gewerkschaften keinen Kamps führen und Arbeiter deshalb zu den niedrigen Löhnen arbeite», um dann,, wenn die. Arbeiter durch Arbeitsniederlegungen eine Besserung erreichen, die entgegengesetzte Meinung zu äußern. Dansi heißt es auf einmal) die Arbeiter werden von ein paar Hetzern und Stänkerern z»m Streike aufgewiegelt, um die Wirtschaft zu ruinieren und die öffentliche Ordnung und Ruhe zu stören. Die Wirtschaft Ruhe und Ordnung aber wird von jenen Kreisen gefährdet,.-die den Arbeitern keinen solchen Verdienst gukommen lassen- wollen, damit sie wenigstens ein bescheidenes Leben führen können. Die Vorzangswesse. der Genossenschaft geht darauf, hinaus, die ohnehin gespannte Lage in" der Kristallglasbranche zu- verschärfen.. An der Arbeiterschaft liegt es, mit mehr Nachdruck ihre gerechten Fordermigen nach geordneten Lohn- und Arbeitsverhältnissen zu vertreten. Notruf der Neusattler Glasarbeiter lieber die Notlage in Neusattl wurde dem „Bolkswille" von Glasarbeitern geschrieben: »Die einst so lustigen und freudigen Flaschenmacher sind ganz abgestumpfte" Menschen geworden..Durch die Bkaschine in der" Hand der Kapitalisten ist gerade diese Kategorie Arbeiter fast gänzlich aus dem Produktionsprozeß aüSgeschie« den worden. Der noch im Jahre 1020 beschäftigte Stand von 280 Flaschenmachern wurde durch die Jahre ans 70 abgebaut, denen aber auch nur die Möglichkeit geboten ist, im Jahre 4 bis 8 Wochen arbeiten zu können. Wäre nicht die Maschine, die täglich 26.000 bis 30.000 Flaschen erzeugt, hätten alle Flaschenmachcc Arbeit und Verdienstmöglichkeit. Dabei muß aber auch festgestellt werden, daß gerade die Firma Friedrich Siemens in Nen- sattl keinerlei soziales Verständnis aufbringt. Wiederholt wurde darauf verwiesen, daß verschiedene Arbeitgeber für die am schwersten von der Krise betroffenen Arbeiter einen nwnatlichen Zuschuß zur Arbeitslosenunterstützung in der Höhe von.200 KL gewähren. Ebenso werden ihnen verschiedene andere Begünstigungen gewährt betreffs Wohnung und Kohle. In Neusattl findet man immer taub« Ohren und leere Taschen. Obwohl die Firma«ine sehr große Anzahl von Fabrikshäusern und Fabrikswohnungen besitzt, müssen die schon durch Jahre hindurch arbeitslosen Arbeiter eine monatliche Miete von 20 KL bezahlen. Wäre nicht der Verband der Glas- und Kecamarbeitec, der regelrecht die Arbeitslosenunterstützung zur Auszahlung bringt, wären bestimmt schon einige Menschen verhungert. Aber auch an die Negierung wollen wir den Appell richten. Wir wolle» keine Spenden. Wir verlmigen Arbeit. Ist das nicht möglich, so fordern wir eine ausreichende Fürsorge, zu der auch die Unternehmer mit beitrage» müssen." Agrarische Warnung In die eigenen keihen Der Zentralausschuß der„Zemödklskä jed- nota" veröffentlicht in seiner Zeitschrift gleichet Namens einen Aufruf an die Landwirte, welcher in vollstem Umfang den Standpunkt bestätigt, welchen die Sozialdemokratie einnahm, als Spekulation die Fleischpreise in die Höhe trieb: Es ist ei» Einbekenntnis, daß die Beschickung der Viehmärkte bclouht unterbunden"wurde, zugleich aber das Eiubckenntnis, daß wir recht hatten, als wir die Landwirte vor den Gefahren solcher Spekulationen warnten. In dem Aufruf zur Beschickung der Märkte heißt es: Durch einen größeren Viehanftrieb auf den Markt verhindert ihr die Einfuhr aus dem Ausland, erspart dem Staate Geld, beugt dem späteren Ueberangebot vor und verhindert so einen Zusammenbruch der Preise. Vieh kann man nicht einlagccn. wie Getreide oder Futtermittel. Daher muß die Regulierung ans dem Viehmarkt vor allem durch eine Regulierung der Viehproduktion durchgeführt werden, das heißt durch einen regulierten Futtermittelverbrauch. Erhaltet also einen gleichmäßigen Dnrchschnittsstand an Vieh in den einzelnen Jahren und lagert die Futtermittelüberschüsse ein. Dieser Borgang sichert am verläßlichsten den Ausgleich der Preise, Die Entwicklung der Produktion Im SiinationSbericht der Nationalbank wird über die Lage der Industrie im September u. a. aus- gefithrt:.- Die Absatzmöglichkeiten auf dem inländischen Holzmarkte sind günstig und ebenso hat auch die internationale Situation auf dem Holzmarkte eine Besserung erfahren. In der Kohlen» und Koksproduktion sind gleichfalls günstigere Ergebnisse festznstellen gewesen, desgleichen hat der Verbrauch von Kohlenbrennjtosfen eine Steigerung erfahren. Die Beschäftigung der Hochöfen hielt sich auf dem günstigen. Niveau der letzten Monate, die Prodnk- tionSzissern erreichten nahezu das Niveau vom August des Jahres 1081. Für die nächste Zukunft ist die Beschäftigung der Eisenwerke sichergestellt. In den Walzwerken wurde im gleichen Umfang wie in früheren Monaten gearbeitet. Im allgemeinen Maschinenbau und in der Elektrotechnik hält sich die Beschäftigung auf dem höheren Niveau der früheren Monate. Im Kaolinabsatz ergaben sich keine Aenderungen, der Export bewegte sich im Nahmen der deutschen Jmportkontingente. Der JnlaudSabsatz feuerfester Materialien wär bester als im Vorjahre, in bau» keramischen Waren zeigten sich die Auswirkungen der .lebhafteren Bausaison. Der GlaSwarenexport ist im August mengenmäßig um etwa 11.7 Prozent höher gewesen al« im -Vorjahre, Werwiäßig stellte er sich" um 8 Prozent höher.- Die Gesamtsteigerung de» Exportes in den ersten acht Monaten betrug mengenmäßig 18, wertmäßig etwa 4 Prozent. An der Exportsteigerung partizipierten in erster Linie Hohl- und Flachglas, während di« Exportsteigerung bei Gablonzer Waren bloß etwa 1 Prozent betrug.. Die Bautätigkeit hat in diesem Jahr« eine sehr starke Intensität erreicht. Für Bauzlvecke werden dauernd neue Kredite gefordert, die" Arbeitslosigkeit -der Bauarbeiter erfährt dauernd eine Verringerung. -.. In der Papierindustrie hielt sich die Beschäftigung" auf dem gebesserten Niveau" der früheren Monate, Die lebhafte Nachfrage nach Packpapier, worin gleichfalls ein Zeichen der Konjuukturbessecung zu sehe» ist, hielt ebenfalls an. - In der Situation der Textilindustrie zeigt« sich kn den letzten Monaten«ine gewisse Stabilität auf einem«ttpa» gebesserten-Niveau mit Ausnahme"jener Industriezweige, die auch schon in den letzten Berichten Ms besonder» von der Exportkrise hej m««su ch t bezeichnet wurden. '- Die Beschäftigung der Konfektionsindustrie war weiterhin günstig, der Umfang der bereits vergebene» Bestellungen war höher al» im Vorjahr und «tonn geben Sie ihm ein gute, Wort und guten Wein. Sieht Ihr Kaffaa zu bloß aus, oder fehlt ihm ein bißchen etwa,, dann geben Sie den guten Franck dazu, Dorum zum Getreidekaffee SW^Fr^ fr3HrigattS( •r,t recht Äecht-Franck, am beiten Karo-Franck. Seite fl GamStag, 3. Oktober 1936. Nr. 330 Kreditanstalt der Deutschen ümmw LWx-. lverwaltungskapttal sao Millionen Ke. tzaftuugskqpital SO Vt UI tonen KE. ♦1 ÜMniaffaattn. Trager ZeUmrg. Die Richtpreise für Hausbrandkohle, welche durch die.RegierlMgSverordnung 257 fest» gesetzt ivurden und bis zum 31. Mai 1937 gelten sollen, betragen"(für je einen"Meterzentner): Braunkohle Würfel I Würfel II Niistl Gaskohle A• 24.70 '.. 28.'— 23.40 Gaskohle B 21.— 22.80 18.— HalbgaSlohlc A .10.05 21.20 16.30 HalbgaSlohlc B 17.55 ’ 10.60 16.30 Halbgaslohic C 16.05 17.00 14.70 Konsumkohle 15.35 10.50 14.— Klatmoer Kohle Die Ueberschreitung dieser HSchstpreise wird mit Geldbußen bis 50.000 Ki oder Gefängnis bis zu sechs Rlonatcn bestraft. Mittlere. KE 27.10 Würfel gewaschen.»,. KE 26.10 Rust I gewaschen.... KE 25.60 Nutz II gewaschen.... KE 22.80 Griestkohle...... KE 17.80 Die Prager Fliegerunterftänd« werden in der nächste» Zeit um ein wichtiges Projekt vermehrt werden:, dessen Eingliederung eine» wichtigen Bestandteil in der Sichermig der Zivilbevölkerung bilden'wird. Die sächlichen Vorberatungen über den GaSschutz-llnterstaiid im.Bassin des Axa-BadeS wurden eben beendet und in. nächster Zeit werden den Behörden die Entsprechenden Pläne zur Genehmigung"unterbreitet-werden.'Wie bereits in vielen wesleurdpäischen Städten festgcstellt wurde, lassen sich-Bäder zu dem obenerwähnten Zwecke der Schutzes gegen.Gasangriff sehr gut verwenden. Die normale VersprgiMg der Bassins mit.frischer Luft kann. in. Zeiten einer Gefahr sehr vorteilhaft ausgenützt werden. Die Dampfbäder eignen sich besonders gut für die Errichtung einer Fliegerschutz- Lazarettr, womit auch im Ara-Bade gerechnet wird. Bon dor Stesiinik-Volkssleruwarte. Im Oktober ist die Sternwarte dem Publikum anher an Montagen täalich um 7-Uhr abends zugänglich; für Scknilexpeditiouen um 6 Uhr und für Vereine um 8 Uhr abends, Derartige Besuche mögen aber vorher im Büro der Sternwarte Telephon 46305 angc- mcldet werden. Jeden Sonntag ist die Warte auch vormittags von 10 bis 11 und nachmittags von 8 dir 4 Uhr geöffnet, wo die Eitlrichtungen besichtigt und bei" klarem Wetter auch die Sonne beobachtet werden kann. Abends ist die Sternwarte an Sonntagen von 6 bis 8 Uhr geöffnet. Schulbesuche sind auch in den Tagesstunden anher Montag zur Besichtigung der Eiiirichtimgeii• und zur Beobachtung der Sonne nach vorhergehender Anmeldung willkommen. Beobachtungsprogramm: Vom 1. bis 20. Oktober an klaren Abenden Jupiter und Saturn, vom 20. bis 81. Oktober Mond und Jupiter, als Ergänzung der Programms werden immer auch einige Doppelgcstirne und Sternhaufen gezeigt. Hauptzeuge auf der Kranken* bahre Im Schwurgerichtssaal Messerstecherei beim Kartenspiel Prag, trb.) Der Hauptzeuge des gestrigen Schwurgcrichtsprozesses, der slowakische Landarbeiter Wenzel K o r d y a k, wurde auf einer Tragbahre in den Gerichtssaal getragen. Er-ist" an Hände ii ii u d Füsteügelähm t und wird nach dem Gutachten der Gerichtsärzte zeitlebens ein elender Krüppel bleiben. Dieses schreckliche Schicksal bereitete ihm ein Messerstich des Mannes, der gestern vor den-Geschworenen stand. ES war«ine-.R'äufer e.i beim Kartenspiel, die mit" dem verhängnisvollen Stich ins. Rückenmark endete, der einen vollkräftigen Menschen zu einem ohnmächtigen Krüppel machte, der auf keine Ge- nesuiig Mehr Höffen darf.. . Der Angeklagte heisst Rudolf Buchta, ist 28 Jahre alt und hat ein ziemlich abenteuerliches Lehe»".hinter, sich. Sohn eines Alkoholikers, unter schwer.zerrütteten Familienverhältnissen aufgewach- sq»:. sollte er, Militärmusiker werden.-., Aus dem Institut für Militärmusikeleven, wo sich dec Musi« lausch beggbte. Junge als Fagottist und Trommel- schlägec.ansbilden sollte, würde er ausgeschlossen, weil bti"'ihm.'vererbte" Tuberkulose FUM akuten Ausbruch kam.""Er geriet rasch auf die schiefe Ebene,- wurde- einer.Korrektionsanstalt übergeben, und verlieh sic als ausgepichter Krimineller. Jahrelang trieb er stch als wandernder Musikant in allen europäischen Staaten herum, lebte aber meistens von kleineren Diebstählen und Betrügereien, wie die dreizehn Vorstrafen bezeugest, die er bei dieser Wanderfahrt verbüßen muhte. Schliehlich kehrte er in die Heimat zurück.. Halb erblindet durch tuberkulöse Augengeschwüre, lebte er auch nach seiner Rückkehr vorwiegend au- den Erträgnissen verschiedener Betrügereien. Mit 200 KE in der Tasche, die auf ebensolche Weise verdient waren, kam er am 27. Juli in ein Gasthaus der Ortschaft 81iEin und begann bei einer aus slowakischen Landarbeitern bestehenden Kartenpartie zu kiebitzen, die dort.Mariage" spielte. Später ging man zum.Färbl" über und Rudolf Buchta spielte mit. Tie Partie endete nach anfänglichem Gewinn für Buchta ungünstig und er verlor eine Menge Geld. Als er an die Mitspieler dar kuriose Verlangen stellte, ihm das verlorene Geld zurückzugeben, erntete er natürlich nur Spott. ES kam zu einem Streit, der zu einer Rauferei auSartete. Der Wirt setzte die raufenden Kartenspieler vor die Tür. linier freiem Himmel wurde indessen der Streit fortgesetzt und Rudolf Buchta. der körperlich seinen Gegnern weit unterlegen war, zogseinMesser. Zunächst versetzte er seinem Spielpartner Jvon Brstä zwei Messerstiche in de» Rücke», die aber nur leichtere Verletzungen zur Folge hatten. Dann aber warf er sich auf den Mitspieler W e n- zel Kord Yak, dem er das Messer von rück- wärtSindenHalSstieh. Kordnak brach auf der Stelle zusammen. Später ergab sich, dah das Rückenmark verlebt war und der Verwundete aus immer gelähmt bleiben wird. Die vor dem Schwurgerichtshof des GR Dr. NoseI abgesührte Verhandlung— die Anklage lautete auf dar Verbrechen der schweren Kör- perbeschädigung mit dauernden Folgen—, in der sich der Angeklagte ziemlich zynisch beaalmi, endete mit ei»stimmigem Schuldspruch. Da Rudolf Buchta derzeit eine dreizehnmonatige Strafe abbüht, verhängte der Schwur- gcrichtshof eine Zusatz strafe von vier Jahren schweren Kerkers. RW-Genoffen, Achtung! Donnerstag, den 8. Oktober: Pfllchtabend VortragdeS Gen. Dr. F r a» z e l. Kunst und Wtesen Ein Kafka-Jllustrator ES ist ein Verdienst des Kunstvereins, durch die gegenwärtige Ausstellung auf den Grazer Graphiker Hans Fronius aufmerksam gemacht zu haben. Auf die Eigenart des Künstlers.weisen schon die Name» der Autoren hin, deren Werke ihn inspirieren: Edgar Allan Poes Dostojewsti, Franz Kafka. Vor allem Kafka in Fronius den kongenialen Illustrator gesunden. Das Zwielichtige, Hintcrgründigt, visionär Bedeutungsvolle, die Bcrfponnenhcit von Realität und Phantastik i» den Dichtungen Kafkas gibt auch den gravhischeu Deutungen Fronius' das eigenartige Gepräge. Fronius übersetzt dar dichterische Werk aus tiefer Einfühlung gind-geistesverwandter Nähe in die Sprache der Graphik, wobei Blätter entstanden sind, die auch unabhängig vom Werke deS Dichters als absolute Schwarz-Wcist-Kimst für sich bestehen. Das gilt besonders von den Holz« schnitten zur„Verwandlung" und den Kreidezeichnungen zum Landarzt" in ihrer gesättigten, geheimnisvoll durchleuchteten Schwarz-Äeih-Äirkung. Es erweist sich auch an der Folge von Kreidezeichnungen zu einer Novelle von Julian Green, die de» Betrachter stark ansprechen, auch Iven» er die Novelle GreenS nicht kennt. Von gleicher Schönheit sind auch der Landschaftsholzschnitt mit dem Bauernwagen und die zu rembrandtesker Wirkung gesteigerte Radierung „Die Erweckung des JairuS Töchterlein". Gleichzeitig mit Fronius stellt die Wienerin Clara Epstein aus. Ihre Zeichnungen aus Japan beweisen sicheres Können und künstlerischen Ernst. Sehr schön sind ihre Aquarelle aus Südfrankreich, flott und locker und im Bildausfchnitt gut gesehen. Im Rahmen dieser Ausstellung fand am Donnerstag ein Franz Kafka-Abend statt, den Otto P i d mit einleitenden Worten über Kafkas Geltung in der Weltliteratur eröffnete. Dann sprach Max Brod über den Dichter, mit dem ihn eine lebenslängliche Freundschaft verband und beste» Werke mit dem Nachlast er in der gegenwärtig erscheinenden sechsbändigen Gesamtausgabe der Schriften Kafkas herausgibt. I» knappen Formulierungen charakterisierte er den Dichter als«inen WahrheitSsncher, der, obwohl frei von allen Illusionen über das Menschliche, dennoch au„Gott" als den Inbegriff einer Welt der Vollkommenheit glaubte, eine unerreichbare Welt, zu der das menschliche Sein und Tun in unlösbarem Widerspruch steht. Dem seelischen Erlebnis dieses Widerspruches entspringt Kafkas dichterisches Werk, das, frei von jedem Pathos, schwebend zwischen Vision und Wirklichkeit und einem tiefmenschlichen Humor nahe, immer wieder die„Beschreibung, eines Kampfes" ist, wie sich sein Werk nach dem Titel einer seiner Novellen bezeichnen liest«, des Kamvfes.eines nach Erkenntnis strebenden Menschen mit der menschlichen Unzulänglichkeit.. In Anschluß an diese Würdigung laS Mar Brod aus Kafkas Schriften zwei der schon gedruckt erschienenen kurzen Prosadichtungcn und zwei Proben aus dem bisher unveröffentlichten Nachlast. ES bleibt noch zu erwähnen, dast die Schriften Kafkas,, des vor zwölf Jahren verstorbenen Dichters, seit einem Jahre in Deutschland verboten sind. ES bedürfte kaum noch dieser Verbotes, um darzutun, von" welch fanatischer Feindschaft.gegen alles Geistige die Machthaber der Dritten Reiches besessen sind. ld. Die Bruckner-Gemeinde In Prag veranstaltet am 11. Oktober, dem 40. Todestag Bruckners, um 17.45 Uhr in der Malteserkirche eine',„Bruckuer-Aedenk- stundc", bei der- unter Leitung von Dr. Herbert Hiebsch einige der schönste» Motetten. Bruckners zur" Aufführung gelangen. Ferner bringen Prof. Josef Langer Orgelwerk« von Bach und Bruckner, Fr. Dr. Hertha Kalix das„Ave Maria" des Meisters und Schüler der Deutschen Musikakademie das Adagio aus dem Streichquintett zum Vortrag. Wocheiisptelplan des Neuen Deutschen Theaters. Samstag 714: Boecaeeio, Äbonn. ausgeh.— Sonntag 6:DieMei st ersingervon Nürnberg, D 1.— Montag 6%: Die neugierigen Frauen, Theatergemeiude der Jugend gemeinsam mit der Urania, Abonnement aufgehoben.— Dienstag 7^4: DieKatzeläht da sMauseu nicht, A 1.— Mittwoch 7%: Di e neugierigen Frauen, Bl.— Donnerstag 7%: Gaby, C 2.— Freitag 714: Lumpacivaga» bundus; D 2.— Samstag 7%: Erstaufführung: Die Hofloge, C 2.— Solintag 714: Cavalleria rustieana— Bajazzo, D 2. Wochensprelplan der Kleinen Bühne. SamStaa 714: A r z t l i ch e s G e h e i m n i s, Erstaufführung. Sonntag 8: Mein Sohn, der Minister, 8: A e r z t l i ch e S G e h e i m n iS.— Montag 8: AaumeifterSolnest, Bankbeamte I und Freier Verkauf.— Dienstag 8:Bau meist er Solnest.— Mittwoch 8: Ärztliches Geheimnis, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Donnerstag 8: Menschen auf.der Eisscholle. volkstümliche Borstellung..— Freitag 8 ¥i: AerztlicheS Geheimnis, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: AerztlicheS Geheimnis.—. Sonntag 8: Salz bürg aus verkauft, volkstümliche Vorstellung. Der Dim. Zirkus Von Alexandrow, dem Regiffeur des schwungvoll heiteren Films„Die ganze Welt lacht" und von den talentierten Lnstfpielautoren Jlf Petrow und Katajew lvon denen die Handlung des Films stammt) hat man weit mehr erwarten dürfen als einen umständlichen, a» Unwahrscheinlichkeiten reichen, glänzend sein wollenden und ost dürftig geratenen Film vom komischen Zir- kuStreiben, von der schönen Amerikanerin und dem heldischen Solvjetjüngling, die sich wegen eines in falsche Hände geratenen Liebesbriefes entzweien und pünktlich beim happy end wiedcrfiuden. Alexandrow hat seine Begabung für übermütige Satire und lebensfrohe Lustigkeit hinreichend bewiesen. Aber die seelenvoNen Konflikte, die in diesem Film eine groste Rolle spielen, sind ihm mistlungen, und die technische Großartigkeit, mit der er diesmal Hollywood erreichen oder übertrumpfen wollte, ist mit der technischen Unzulänglichkeit der Photographie, der Beleuchtung und der Ton-Aufnahme in Konflikt geraten. Die Nachahmung westlicher Vorbilder, die Alexandrow-in seinem früheren Film mit so viel Schwung und Laune besorgte, sieht diesmal wirklich nur wie eine Nachahmung aus— und dast man einmal im Rusienfilm ganz ernsthaft eine Dame mit unsichtbarer Orchesterbegleitung würde singen lassen, das haben sich die Bewunderer des „Potemkiu" nicht träumen lassen. Aber wenn auch neun Zehntel des Films enttäuschend sind, so ist er nm des lebten Zehntels, um einer Szene willen, sehens- und rühmenswert. In dieser" Szene wird der Film, der vorher nicht viel Witz und-Sinn hatte, znr Propaganda: Das Kind, das die Amerikanerin von einem Neger hat, wird von ihrem früheren Beschützer(der wie eine Krenzung zwischen Hitler und seinem nichtarischcn Heldendarsteller Wohlbrvck aussieht) anklagend dem Publikum gezeigt, und das Publikum pfeift den Raffenschützer aus. nimmt ihm das Kind und nimmt es auf in die groste Gemeinschaft der Sowjetbürger. Dieses Bekenntnis gegen den Rassenwahn ldas man auch in Hollywood-Filmen, da aber immer nur in sentimentalem Tone, finden konnte) erfolgt hier mit einem überlegenen und heiteren Stolz, der— jenseits aller künstlerischen Maststäbe— schön ist und einen Film verklärt, auch wenn er Mängel hat wie dieser.,—eis— Aus cler Sactci Bezirksorganisation Prag Montag, den 5. dc M., um halb 8 Uhr im Parteiheim SmeEky 27, wichtige Sl-img der Exekutive. Di« leichtathletischen Bezirksmeisterschaftei/ des 1. Bezirkes Im 5. Kreis, die für Sonntag, den 4. Oktober, festgesetzt waren,iwerden wegen schlechten Wetters nicht mehr abgehalten: BezirkSturuwarte und BereinSturnwarte deS 5. Kreises: Wir ersuchen euch, die sportlichen Lei» stungSlisten der Sportler, Sportlerinnen und der Jugend mit der Angabe, wo bi'e Leistungen und wie vielmal sie erzielt wurden, bis 16. Oktober an Gen. Albert Pawlik, Aussig, Laurenziweg 17, einzusenden. Bei Nichteinsendüng werden die Leistungen der Sportler in der Kreishöchstleistungsliste nicht berücksichtigt.'- „Kirchweih"<„Fußball im Wildweftgan. Bei dem'in Karlsbad ausgetragcneü-Spiel DFC- gegen DSV Drahowitz— 8:1 für DFC Karlsbad— mm es gegen Schluß zu Raufereien der Zuschauer und Spieler, die nicht unblutig verlaufen sein sollen. Auch der Schiedsrichter wurde nicht verschpgt. Weiterer Abverkauf beim DSV Saaz. Der Flügelstiirmer John würde vom DSV Saaz an den Schweizer-.Klub Nordstern Basel für 16.000- KE „freigegeben". Ein Nurml-Rekord gefallen. Bei einem Meeting in Viborg-stellte-der finnische Langstreckenläufer Iso-Hollo über 15 Kilometer mit 46:45.4 Min, einen neuen Weltrekord auf. NurmiS- Rekordzeit stand seit 1028 auf 46:40.6 Minuten. Wir veranstalten ab Sonntag, den 4. Oktober, ab 4 Uhr nachmittags auf der„Hebinsel" die alljährlich stattfindenden Tanzstunden mit mscrer Brudcrorganisation der DTJ. Einschreibgebühr KE 20.—, vcr» längerte Tanzstunde KE 2.—. Die verlängerte Tanzstunde findet ab 6 Uhr statt. Wir laden alle Mitglieder ein, wenigstens die verlängerten. Tanzstunden zu besuchen. Die Bereinsleituug. Arbeiterverein Kinderfreunte, Ortsgruppe Prag. Montag, wen 5. d. M., im Parteiheim Elternabend mit Vortrag. Begin» 8 Uhr. Rote Falken, Achtung! Sonntag, den 4. d. M. Wanderung aller Kameradschaften" nach Jarov- Homole. Treffpunkt um 0 Ilhr'bci der Endstation der 17er und 21er in Branik. Führung: Hübner und Zwintzscher. Ortsgruppe Prag. Samstag, den 8. Oktober, Zusammenkunft nm 144 Uhr am Smichover Bahnhof. Fahrt nach Vöenory- Wanderung zur Hütte. Ueberuachtung in der Hütte. Sonntag Wanderung in die Umgebung. Fahrpreis zirka 8 KE. Führer: Stelzig.— Unsere Geschäftsstelle befindet sich jetzt in den Räumen des Vereines deutscher Arbeiter in Prag II, SmcEka 27, 2. Stock. Telephon 27727. AmtSstmiden jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr. Kober das Leben und die soziale Stellung der Handelsmigestelltrn in der UdSSR spricht Dr. Po- sameutir in der Mitgliederversammlung der Union der Geschäftsreisenden und Vertreter, welche am Sonntag, den 4. Oktober 1086, nm 0 Uhr vormittags im Saale des Organisationshauses, Prag II, Na Zbotenci 18, stattfindct. Mitteilungen aus dem Publikum. Für einen Pelz langte es nicht, darum fütterte sie ihr dünnes Herbstmäntelchen gut mit Watteltn und hatte cs auch behaglich wann. Ja, gerade, wenn der Stoff dünn ist, must mau ihn bester füttern. Auch wenn per Kaffee dünn ist, must man ihn bester „füttern", und zwar mit Franck. Darum gehört zum Getreidekaffee erst recht AechtFranck, am besten Karo Franck. 1018 filme in Prager Lichtspielhäusern Urauia-Mno: Krach im Hinterhaus. Porten, Elster.— Adria: Der kleine Lord Fauntleroy. A. — Alfa: Der groste Ziegfeld. A.— Avion: Der erste tönende plastische Film iu der Tschechoslowakischen Republik. Eins— zwei drei. Laucel& Hard». A.— Brranck:„Wie du mich willst". Greta Garbo. A.— Fcnix: Zirkus. 01.— Flora: Meuterei auf der Bounty. Laughtou, Gable. A.— Gaumont: Vampir in Weist. A.— Hollywood: Die Toni vom Ballett. D.— Hvkzda: Der kleine Lord Fauntlerov. A.— Julis: Das Gästchen zum Paradies. Hugo Haas. Tsch.— Kinema B.Th.t Journale, Grotesken. Reportage.— Koruna, Aktnal.-Theater: Journale, Grotesken.— Kotva: E i n a u st e r g c- wöhnliches Ereignis. Cooper. A.—• * Lücerna: Juugfreucnklub. Fr.— Metro:„Das Komödiaiitenschiff. lShoto Boat Vers. 1086.)-— Pastage: Ein toller Einfäll. D.— Praha: Geheimagentin Helene. D.— Radio: Drei Mädcrln um Schubert. D.— Skant: Meuterei auf der Bounty. A.— Svitozor: Das Gästchen zum Para- dcis. Tsch.— Alma: Savoj Hotel 217. Hans Albers. D.— Bajkal: Meuterei auf der Bounty. A. — Belvederet Dämon Weib. Jean Harlow. A.—• Beseda: Inkognito. D.— Carlton: Reiterpatrouille. Rach Langer. Tsch.— Illusion; Meuterei auf der Bounty. A.— Lido II.: Moderne Zeit. Ch. Chaplin. A.— Louvre: Rose Marie.— A. Ma- eebka: Rose Marie. A.— Olympier Drei Mädcrln' um Schubert., D.— Perstlin: Meuterei auf der Bounty. A.—- Roxy; Drei Mäderl» nm Schubert.. D.— K Bejvodu: Menschen im Hotel. A.— Bal- dek: Meuterei. auf der Bounty. Ä,— Bclctrhy: Drei Mäderln um Schubert. D. Reichenberger Sparkarte Gemeinde" u.Beilrksipirkasia Gegründet Im Jahre 1854- Postsparkassen-Konto Nr. 8828.25085.82591- Fernsprecher»eichender, 89» Hauptanatalt: RelchetfSerg. Schloßgasse 9-.Zwei g- anstatt: Reichenborg. Altatädter PI. 28- Zwelgan- stalt: Reichenberg. Am Kranich, HanIcher Straße 12 Zweiganstalt: Georgawalde. Fernsprecher Nr, 18 Postsparkas v en-KontoNr. 89.020 Unbeschrankte Haftung der Etidtge* meindo und des Bezirkes Reichenberg » 8"87 Hochleistungs-Drehbänke, Fräsmaschinen, Radialbohrmaschinen, Bohrwerke, Shaplng- u. Hobelmaschinen Spannfutter- In modernster Ausführung erzeugt: Werkzeusmaschlnenfabrlk Arno Plauert Warnsdorf. iSP. B e zugs 6 e bist g ü n gen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die-Post monatlich KE 16.—-, vierteljährlich KE 48.—, halbjährig KE 06.—. ganzjährig KE 102.—.— Inserate werden laut Tarif.billigst-berechnet.- Bei- öfteren- Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Mänüskrivten erfolgt mir bei Einsendung'der Retourntarken.— Die ZilttmgSfrankatur wurde von der Poft, und Tele» ' graphendträtwn mtt Erlab Nr. 1L800/VII/19S0 bewilligt.- Druckerei:„Orbis". ,Druck-, Verlags« und LeitungS-A.-G. Prag,