Freitag, 9. Oktober 1936 Nr. 235 16. Iahrgayg ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG FRAG XII..FOCHOVA«r. TELEFON 53077. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. KARL KERN, FRAG. Einzelpreis 70 Heilei (einschließlich 5 Heller Porto) SgMWWM 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEM REPUBLIK Endgültige Abwertung: 16 Prozent ÄSE* 11“ —als eurooälsche Entscheidung » nisterprSsident aus AranjneS zurückkehrte. sind bei ihrem Linie ideologische Sowjetregierung men muh.. •; Die Aktie n d e r L a>b o u r- P a tii y, die Pressestimmen aus^dem sozialistischen Laaer ““...;)3 beweisen, daß man a u ch i n sozialistischen Kreisen nicht geivillt'ist, Neutralitätspolitik bis zur'Selbstpreisgabe zu treiben. Freilich, die Weiterer Spielraum bis 18,68 Prozent für den äußersten Notfall Die Währungsvorlage vom Parlament genehmigt tijt hattei DaS Flugzeug warf eine grJtzere- Zahl von Bomben ab und der Ministerpräsident mußte sich schließlich unter eine Brücke verstecken,. deptscheSchiff /„L e i P z i h" eingetröffen und als europäische Entscheidung Der Vorstoß der russischen Regierung in der Nichteinmischungsfrage rollt ein Problem auf, das trotz dem Neutralitätspakt nie ausgchört hat zu bestehen und das in den letzten Tagen fiir ganz Europa wieder brennend geworden ist. Tast die zugibt oder leugnet. Datz sie den Ausstand vorbereiten halfen, daß er weit weniger eine innerspanische als von Haus aus eine europäische Auseinandersetzung lvar, liegt auf der Hand. Aber die französische, die russische und die englische Negierung waren sich ebenso im klaren darüber, daß ein gleich entschiedenes Eingreifen der demokratischen Staaten oder Rüglands zugunsten der rechtmäßigen spanischen Regierung einen Krieg heraufbeschwörcn könnte, den weder Frankreich, noch Rußland, noch England wün- schen. In dieser Lage griff die französische Regierung zu dem Vorschlag der Nichteinmischung. Sie nahm an, das; es gelingen werde, die faschistischen Großmächte für den weitere» Verlauf des Konfliktes von einer aktiven Unterstützung der Rc- beltzm abzuhaltcn, wiewohl nicht zu verkenne» war, daß ihre Einmischung bereits sehr weitgehende Folgen gezeitigt hatte. In der prekären Lage,, in der sich insbesondere die französische Regierung befand, die von der Arbeiterschaft gunr Eingreifen gedrängt, von ihren bürgerlich-radikalen Koalitionsflügel mit dem Sturz bedroht wurde, blieb ink Sommer kaum ein anderer Weg offen, zumal,da die Haltung Englands sür den Fall eines Krieges auf dem Kontinent keincstvegs geklärt schien. Die Haltung Englands und der öffentlichen Meinung Englands würde sich aber, das wußte man in Paris, zugunsten der denwkratische» Front wandeln, wenn die faschistischen Mächte cs Ivagen sollten, eine vertraglich beschworene Neutralität zu verletzen. Dies ist nun dauernd geschehen. Die Madri- der Regierung hat dem Völkerbund Material über die deutschen und italienischen Wafscnliefcrungen, über die Rolle Portugals als Zwischenhändlers und Zutreibcrs übergeben. Europäische Reisende haben in neutralen Zeitungen ganz offen berichtet, daß bei der Eroberung der Balearen italienische Truppen und Schisse in den Kampf eingegriffen haben. Der Augenblick ist gekommen, da die demokratische» Staaten den flagranten, täglich betriebenen Neutralitätsbruch nicht ohne Gegenwehr niitansehen können', Für die Sowjetregierung Vorstoß gewiß nicht in erster Erwägungen maßgebend. Die hat die Neutralitätspolitik Blums diplomatisch, sie hat sie durch die KPF innerpolitisch gebilligt. Aber die Sowjetregleruug sieht die Kräfte rastlos am Werke, die in Frankreich gegen die Allianz mit Rußland tvühlen und die von dem Sieg dec spanischen Rebellen«ine entscheidende Hilfe erwarten. In Moskau weiß man, daß die Niederlage der spanischen Demokratie unter Umständen das ganze Gebäude der Sicherheit durch Dcfcnsivalliauzen ins Wanten bringen, daß cs Blum und die Volksfront zu Fall bringen könnte. Wenn Rußland nun in ultimativer Form wahre Neutralität-fordert und andernfalls Akte derS c'l b st h i I f e an- Dic Kriegslage bei Madrid hat sich nicht wesentlich geändert. Den Truppen des Generals Franco gelang cs, kleinere örtliche Erfolge zu erringen. Ihr Plan ist, Madrid von drei Seiten einzuschließe». Sie befinde« sich auf allen drei Frontlinien im Durchschnitt noch 55 Kilometer von, Madrid entfernt und stießen noch nicht auf die eigentlichen Bcrteidigungsstellr« der Regierungstrnppen. Diese leiden unter einem immer fühlbarer werdende» Munitionsmangel, aber ihr Widerstandswille ist ungebrochen. Er wurde noch verstärkt durch den Schritt der Sowjetunion,'der in Madrid und an der Front Begeisterung ausgelöst hat»nd die Hoffnung erweckte, daß sich die grundsätzliche Haltung' der demokratischen Länder znm Spanienkonflikt ändern werde. In. Oviedo wird noch immer gekämpft.' Es scheint, daß eine.Abteilung der Rrgiernngstrüp- pen am Mittwoch tatsächlich tief in die Stadt eingedrungen war, daß es sich jedoch nur um einen überraschenden Ueberfall gehandelt hat, dem kein Dauerfolg beschirden wär. Die Stadt wurde durch Regierungsflugzeuge wiederum bombardiert. Die Regierung meldet:' Die Regierungs truppen besetzten'die Gemeinde Nunquillos Inder Provinz Toledo. Regierungsartillerie beschoß HueSca. Die Aufständischen, welche eins» An griff auf.Navalperal unternahmen, wurden zu- rUckgeschlage». Im Abschnitt bei Casarey fielen! Aufständische in^ einen Hinterhält upd waren.zu' eiligem Rückzug gezwungen." Sie ließen 40 Tote zurück.»-.' ■ Die Aufständischen melden, daß die Nord-> Armee dec Aufständischen' eine, lebhafte Tätigkeit insbesondere, iw,slsturien^,in Avilla, Sierra,, Gre- dosa und BiSkayä entfaltet und- wichtige Positiv-' neu besetzt wurden. Fm Abschnitt bet Toledo be- sctzten die Astfstänvischen.Alomorox und Eöcalona, einen... von. den RegierungStruppen befestigten Bähtchof..„Hiite.r deN Gesängen«» befindet sich-der: Militärkonnnändant von. Santa Cruz und De- rctamar.' Dar Rundfunksender von Sevilla. Nach der Wiederaufnahme der unterbrochc-' nen Sitzung sprach nach Reines nur noch der Referent, der den Abänderungsantrag der Koalition auf Herabsetzung des Goldgehaltes um ein weiteres Milligranun damit begründete, daß man der Negierung die Möglichkeit geben wolle, sich jmen WährungSmaßnahnien anzupassen, die eventuell noch Staaten treffen könnten, die mit uns in Handelsbeziehungen - stehen. Die Regierung erhalte dadurch die Boll- ijn U«Ji?< fi«»ft« c.No,tw« dtgke i t zu diesem Mittel zn greifen.' Für die Vorlage, die hierauf in beiden Lesungen angenommen wurde, stimnite lediglich die Koalition und mit ihr zum erstenmal seit langer Zeit auch die deutschen Christlichsozialen als neue Regierungspartei. Nächste Sitzung Donnerstag, den 18. d. M„ um 11 Uhr vormittags. Auf der Tagesordnung steht das Flaggengesctz und die Novelle zum Ordensgeseh. Prag. Ebenso wie die Nachtsitzung des BudgetausschusieS, die erst um 1 Uhr 15 früh mit der unveränderten Annahme der Währungsvorlage endete, stand auch die Plenarsitzung deS Ab- ' ncordnctcnhauscs, die Donnerstag um halb 10 Uhr früh begann, im Zeichen der Verhandlungen über eine weitere Senkung des Goldwertes der Krone, um die Abwertung jener deS französischen Franc enger anzupasien, Nach den Erklärungen deS Ministerpräsidenten im Budgetausfchuß, daß dir Abwertung sich in bestimmten engen Grenzen halten müsse, wen» RetorsionSmaßnahmen der anderen Mächte gegen tschechoslowakische.Dumpingpreise vermieden werden sollen, stand von vornherein fest, daß eS sich nur um einen geringfügigen Bruchteil handel» könne. Immerhin bedurfte eS noch angestrengter Verhandlungen innerhalb der Koalition, bis endlich am Nachmittag, ein außerordentlicher Ministerrat den endgültigen Wert der Krone in den Grenzen von 80,21 bis 32,21 Milligramm Feingold festfetzt». Der Goldgehalt der Krone wurde also um genau ein Milligramm weiter herabge-. fetzt. Di« zweite Devalvation der Krone bewegt sich demnach in den Grenzen von 13,30 bis 18,68 Prozent. Gegenüber dem ursprünglichen Goldwert der Krone v o r der erste» Devalvation<11,58- Milligramm) beträgt die Abwertung 27.75 bis 32,23 Prozent, während nach der ursprünglichen Regierungsvorlage dieser Prozentsatz 25,5 bis 2V,V9 betragen hätte. Innerhalb dieser Grenzen kann die Regierung im Berordnungswege den definitiven Wert.der Krone festsetzen. AuS den Erklärungen, die der Ministerpräsident am Abend vor dem Senatsplenum abgab» geht hervor, daß die Regierung entschlossen ist, die AL auf dem M i t t r l k u r s, das ist auf einem Goldgehalt von 81,21 Milligramm, zu erhalten. Auch der Referent Teplanskh hatte im Parlament betont, daß die Devalvation über 16 Prozent hinaus— bis höchstens 18,68 Prozent— lediglich für den äu ß e r st e n Notfall in Betracht komme, wenn Devalvationen in weiteren Staaten uns erheblich tangieren sollten. An der Debatte im Abgeordnetenhaus betei- liaien. sich, ausschließlich o v v.o. s i t i o stelle Redner. Die Koalition begnügte sich damit,'gegen Schluß durch den tschechischen Sozialdemokraten Remes'eine gemeinsame Erklärung abgeben zu lasten, in der es ü.«. heißt: Wie jede wirtschaftspolitische Maßnahme hat auch die vorgeschlagene Währungsregeluug ihre Vor teile und Nachteile. Wir sind der Meinung, daß auch die Gegner dieser Vorlage sie als ein wirksames Nüttel'anerkennen, um aus dem gegenwärtigen Zu stand hcrauozukommen, den auch sie. als unhalt bar bezeichnen müssen. Wir sehen in die Regierung das Vertrauen. datz sie ini Bewusstsein ihrer Verantwortung dazu beitragen wird, datz das Gesamtergebnis des Gesetzes unserem Staat und seiner Bevölkerung eine gründ- legende Erleichterung in der heutigen schweren Situation bringe, daß es nicht zu einer un begründeten und ungerechten Preitzsteigerung miß braucht, sondern dazu verwendet werde, um zur Er weiterung, des Absatzes und zur Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten und damit auch zu einer angc- mesfeuen. Entlohnung aller arbeitsfähigen und arbeitswilligen Menschen, vor allem der Arbeitslosen, beizutragcn. Dann wird cs> hoffentlich möglich sein, auch dar Einkommen der. privaten und öffentlichen Angestellten zu erhöhen, das während der Krise her abgesetzt wurde. Die vorliegende Regelung soll nicht nur unserem Außenhandel, sondern.auch der inländischen Wirtschaft dienen. Zur Erreichung dieses. Zieles wird es notwendig sein, eine Reihe weiterer Maßnahmen anzufüzen. Hier gehört die Lockerung des Handels und Zahlungsverkehrs mit. dem Ausland, die Siche rung eines ausreichenden, und billigen Kredites, die Reform des Zolltarifes und der Steuerpolitik, die Reform der Verkehrstarife,' namentlich'mit Rücksicht auf die Interessen der entlegenen Gebiete und die Reform der öffentlichen Verwaltung, die nicht wieder die ncu.fich drehenden.Räder durch efn schwerfälliges Berfahren bremsen darf.- Wir wünschen, daß die erwartete wirtschaftlich« Besserung, die wir von dieser Regelung erwarte», auch zur Lösung gewisser politischer und N a t i o»al i t ä t e n p r o b l e m e unseres Staates beitrage. Bon dieser Regelung«nd de» wei teren Maßnahmen, die mit ihr zusammenhängend er warten wir«in« grundlegende Belebung der Wirt schaft,'namentlich'auch jener Zweig« unserer Indu strie, die einem beträchtlichen Teil unserer deut schen Mitbürger dea LebenSlMtrrhalt bietet. Wir würden wünsch«, daß.diese darin unseren gut«»Willen sehen, ihnen in ihrer besonders . schwer« Situation zu Helsen.- Aber auch'«kn nöch so güt gemeintes Gesetz-Würde wenig helfen ohne die bereitwillige und treue Mit» arbeit aller, die sich' nach-ihm richten sollen. Zu dieser. treuen Mitarbeit rufen wir alleBürger- und-Bür- - gerinnen diese» Staates auf l., '■*’.>* -Zu Beginn der Ätzung- hatte Teplimskvi al»! Referent ebenfalls die Bedeutung der inneren. Maß»\ Nahmen auf dem Gebiete der Auflockerung des De- ; Visen- utzd Bewilligungsverfahrens, betont, die der- WährungSregelüng. folgeninMeü." ^"irann kündigt, so weih es zweifellos, daß auch heute noch aus dieser Politik eine überaus ernste Lage ont- aus La Eoruüa, datz im. dortigen Hasen das Lage der in der SAJ zusammengeschlossenen Par» deMchr..Schiff,»L.'e ipzitz". eingetroffen- und leien ist schwieriger als die Situation Moskaus, eine, gfotze Zahl von Gewehren und Maschinen- Denn in-keinem Staate verfügen wir Sozialisten gqwehr«»- ap-gelahm habe,..die.für-die.Äufstän- über die totale- Macht, ätzch in Frankreich teilen dischrn in ter'Provinz' Galtst«» bestimmt'seien, lvir sie mit bürgerlichen Demokraten. Auch ist die Gleichzeitig wurde Kriegsmaterial deutscher Pro- lLage Frankreichs, nicht mit her Rußlands zu ver- venienz im Hafen.von Bigo gelöscht..^ gleichen. Sosehrdie Solvjciimion die Erschütle« leist mit, daß die Rc'giernngstruppen im Abschnitt von Sierra- GrcdoS geschlagen, wurden und am Kampfplatz eine Million Stück Munition zurück- gelassen habe. , Bomben gegen Caballero Lissabon.(Reuter.) Der spanische Mi nisterpräsident Largo Caballero i:;.?..;:;: ''" Flugzeug der Auf- um Erfolgte, dem der Mi- stehen kann, aber es handelt auch in der Erkennt- nisterprästdent auS Aranjues zurückkehrte, wo nis. daß man durch ein riskantes Spiel einer ver- der Nrgiertzngstruppen bestch, mutlich noch riskantereil Eventualität zuvorkom- Efterhtzv lUng. Chr.-Soz.) begründete die ablehnende HaltungseigerPartei gegenüber der Bore, 'läge oamii,'"h8nvlk'RegfWinff Äugend im Sowjetgei st e erzogen- werde,' was zu heftigen Auseinandersetzungen-mit den Kom-' munisten führt. Zöpotoekh(Komm.)-variiert im wesentliche» seine ablehnende Rede aus dem Aüs- schuß und stellt die Frage, ob eine«inseitige.Exportpolitik bei uns der richtige Weg zur Befferung sei; die Hebung des Jnlandmarktes erscheint ihm wfch-' tiger. Prujinsth(Slow. BolkSpartci) kommt nach lange» Erwähnungen zu einer Ablehnung der Vorlage, auch deshalb, weil sie die Ermächtigung an die Negierung nun auch auf valutarische Fragen ausdehne. JeZü(Rat. Ver.) stellt Nasius Grundsatz R0.«r abwartcte,»iS d-S Flug».»« verschwand.^ z Deutsche Waffen - M a d r.i d.-Das Blatt„Politica^ meldet Erkolzreicker WiclerstsncI cler Bombet/gesen Caballero RegierungStruppen einer festen und unveränderlichen Währung„über....... die Interessen einzelner Klassen und Gruppen". Er faschistischen Mächte den spanischen Ausstand vom wirst der Regierung u. a. auch vor, daß sie nicht ersten Augenblick an unterstützt haben, ist jedem rechtzeitig der Industrie einen Wink gegebent habe, politisch inforinierten Menschen klar, ob er eS niur sich mit Rohstoffen einzudccke». Fug. Richter(SdP) loarf die Frage auf, ob die Devalvation genügen werde: man hätte noch abwarten sollen. Seine Par tei könne der Regierung nicht dadurch ein Ver trauensvotum geben, daß sie für die Vortage stimme. (Nach der Rede Stichlers kommt es zivische» Kom munisten und SdP-Lcutcn zu schweren Auseinander setzungen, die zu Ordnungsruken gegen zwei Kom munisten führen.) Endlich erklärt auch noch Doktor Bronzovskh namens der Faschisten, gegen die Vorlage stimmen zu wollen. Seite 2 Freitag, 0. Oktober IMS Nr. 236 rangen eines Krieges fürchten mag, sie kann ihm doch wesentlich ruhiger entgegensehen als Frankreich, dnS ohne englische Hilfe einen Krieg kaum durchfechten zu köuuen glaubt und das insbesondere einer gemeinsamen deutsch-italienischen Front gegenüber nicht unbeträchtlich gefährdet erscheint. Die Sozialistische Arbeiter- Internationale hat durch ihre Exekutive vor kurzem erklärt, daß sie nicht neutral sein will und nicht neutral i st. Nur gilt es zu bedenken, daß die SAJ weder mit den Waffenlieserungen der faschistischen Mächte konkurrieren, noch gegen Deutschland und Italien Krieg führen kann. In anderer Lage ist Rußland. Wir freuen uns, daß die Sowjetunion— der wir gewiß nicht kritiklos gegenüberstehen, wie wir in der jüngsten Zeit zur Genüge bewiesen haben— die Initiative ergriffen und durch ihren Vertreter im Reu» tralitätSkomitä einer Meinung Ausdruck gegeben hat, die auch die Meinung der meisten Sozialisten Westeuropas ist. Ob der ivesteuropäische Sozialis- vr. Hodza vor dem Senat; MUS stark genug sein wind, die öffentliche Meinung Frankreichs und Englands mitzureißen, wenn es gilt, eine beinahe selbstmörderische Neutralität durch eine entschiedene und den Groß- machtinteressen Frankreichs und Englands wie den Lebensinteressen der europäischen Demokratie entsprechende Politik zu ersehen, das ist eine andere, heute und hier kaum zu beantwortende Frage. Wir zweifeln nicht daran, daß ein geschlossenes Auftreten der Westmächte und Rußlands Italien und Deutschland kirre« machen und eine wahre Neutralität erzwingen könnte, wir verkennen aber auch nicht die Gefahr, die durch eine Isolierung des westlichen Sozialismus in diesem Augenblick heraufbeschworen würde, und wir dürfen die Augen nicht vor der Gefahr schwer st er Konflikte verschließen, die entstehen können, wenn die Demokratien mit der bisherigen Politik elastischer Nachgiebigkeit gegenüber der FaustrechiS- manier des Faschismus brechen. unauffällig Pablo zu. Er war zwar gerade in einem Gespräch mit dem Kapitän der„Prosperity" begriffen, der wiederum seinen Arm um die blonde Elisabeth hielt, aber es merkte niemand, daß er dieses Gespräch abbrach und zur TU'e schlenderte. Seine Mutter trat dafür an den Tisch. „Ja, meine Elisabeth: Sonst ist sie gar nicht so zutraulich, Eecellenza, da» müssen Sie nicht glauben, nur für die Herren von der Marine, da hat sie eine Schwäche. ES ist auch kein Wunder, sie hat da» von mir geerbt, ja, ja, in meiner Jugend war ich immer siir die Seeleute. Elisabeths Vater war auch Schiffskapitän, Eecellenza, von einem Handelsschiff nur, aber doch ein Schiffskapitän. Und ein schöner Mann dazu. Einen Bartl Wie Seidel" Der Kapitän der„Prosperity" trank seinen zwölften Cocktail, war daher von den Reminiszenzen Frau RivadeneiraS gerührt unh zog die Tochter des Kollegen von der Handelsmarine auf sein Knie. Das Grammophon kratzte die letzten Harmonien von„I list up my. finger" von der Platte hinunter, die Offiziere sangen in ewig erneuter Begeisterung ,tweet, tweetl" Es war eine Atmosphäre echter Gemütlichkeit. Draußen allerdings stand Pablo mit seinem Freund Jaquino, der noch atemlos von einem langen Ritt war, und die Stimmung war weniger lauschig. „Fünftausend, sagst Du?" Jaquino war. einer jener Genossen PabloS, die die Revolution mitgestartet hatten. Bi» zum Umsturz war er Verkäufer in einem Zigaretten-' laden gewesen, jetzt hatte man ihn aufS Land geschickt, um dort da» Volk zugunsten der neuen Regierung zu bearbeiten. „Mindestens fünftausend! Und bewaffnet sind sie apch; spätesten» morgen müssen'sie da sein, ich bin ihnen nut mit sehr großer Mühe entkommen." „Verflucht", meinte Pablo. E» war auch eine böse Nachricht. Die Deputierten, die geflohen waren, hatten das Vofl tatsächlich so weit gebracht, daß nun fünftausend Landarbeiter und Bauern'ich zusammengerottet hatten und auf Salvadolid marschierten. PMo» sonst recht bewegliche» Hirn wußte noch nicht, wie er diese Neuigkeit zu seinen Gunsten benützen sollte. So bald hatte er den Kämpf nicht erwartet. „Was tun wir jetzt", fragte Jaquino, „kannst Du mir ein paar Pesetas geben? Wenn sie mich hier finden, ist e» aus mit mit. Ich muß fort." „Warte einmal, wir wollen überlegen." „Ueberlegen? Zum Teufel! Wenn Du Lust hast, Dich hängen zu lassen, dann bleib hier und überlege! Ich habe das Pferd da, in zwei Stunden bin ich über die Grenze." -„Guten Abend, junger Herr Pablo", sagte eine bekannte Stjmme im Dunkel dicht neben den beiden. Pablo fuhr nach der Tasche, wo er den Browning als Zeichen seiner revolutionären Würde trug. E» war Tommy Barbox, dessen Kommen sie in ihrer Austegung gar nicht bemerkt hatten.„Und das ist ja wohl auch ein Bekanntet, wie?" Die beiden waren nicht sicher, ob Tommy nichts gehört hatte; auch das noch! Mer Pablo, dein gar kein Ausweg einfallen wollte, fand, daß e» vielleicht noch am flügsten war, sich mit dem Reporter zu beraten. „Herr Barbox, Sie kommen wie gerufen", begann er. „Immer, immer, mein Lieber, haben Sie das noch nicht heraus?" «Nein, Nein, es ist sehr ernst." „Ich glaube sölbst. Darum komme Ich ja gerade." „WaS? Sie wissen?..." (Fortsetzung folgt) Für den Wiederaufbau der sudetendeutschen Wirtschaft Abs. de Wüte über Devalvation und Wirtschaftspolitik Die endgültige Währungsregelung — der Schlüssel zur wirtschaftlichen Besserung Der Senat trat zur Entgegennahme der Währnngovorlage nachmittag» um 6 Uhr zusammen. Nach Nachrufe» für drei in den Ferien verstorbenen Mitgliedern de» Hause» erbat sich Mini, sterprästdent Dr. H o d j a da» Wort zur Wäh- rungSvorlage. Ec betonte, daß die Wirkungen der zweiten Devalvation, trotzdem sie kleiner sei als die erste, diesmal größer sein werden al» seinerzeit im Jahre ISS», denn mit dem heutigen Schritt führen wir die endgültige Regelung der tschechoslowakischen Währung durch. Mit einem Gesamtausmaß von rund 80 Prozent erreichen wir ungefähr da» Ausmaß der Devalvation in,Frank- reich und in der Schweiz. Aus Gründen der Wäh- cungSsi^erheit wird für den Ai-Kurs eine obere und untere Grenze festgesetzt. Innerhalb diese» Rahmens soll die Ki auf der mittleren Basis, da» ist aus 81.21 Milligramm Feingold, gehalten werden, was einer Devalvation um rund 10 Prozent entstzrlcht. Diese Ai wird fest und dauernd sein ebenso wie die WöhrungSmatznahmen des WefttlockS. Die Überzeugung^ daß es sich um ein D e finit i v u in handelt, entspringt der Tatsache, daß wir diesmal nicht au» einem inneren BedürsniS oder au» einer Doktrin« heraus an die Ablvertung gehen, sondern deshalb, um un» der kollektiven Währungsregelung anzuschließen, zu der eS nach dem Zerfall de» ÄoldbloiteS kommen mußte. Die mäßige, aber dauernde Wirtschaftsbelebung, die wir in den letzten Monaten"verzeichnen können, hat ihre Quelle vorwiegend auf dem inneren Mqrkt. Wenn sie nicht auch von einer Besierung des Exporte» begleitet wäre, so müßte es zu gewissen Un- stimmigkeiten in der Zahlungsbilanz kommen. Da» entfällt, sobald sich auch unser Export in die freien Länder bessert. Eine zweite wichtige BorauSsehung für die Wirksamkeit der WührmtgSmatznahmen ist die S t a. btlität der Preise: auch deshalb haben wir beim AuSmais der Devalvation einen Mittelweg gewählt. Jede höhere Abwertung hätte «ns eine entsprechende Verteuerung der Einfuhr gebracht und die Schwierigkeiten der Industrien erhöht, die auf ausländische Rohstoffe angewiesen sind. So hätten wir uns an jenen Schichten der Be völkerung versündigt, die von der innere« Kaufkraft der Shene abhängig sind. Gegen jede unbegründete Verteuerung müßen wir sehr energisch auftreten, nicht nur au» wichtigen sozialen Gründen— im Interesse der Festangestellten— sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen, da jede solche Verteuerung den Erfolg der Devalvation bedrohen würde. Auch der Export ist davon abhängig, daß die Tschechoslowakei ein Land mit verhältnismäßig niedrigem Preisniveau, ein Land der sozialen Ruhe und Gerechtigkeit, ein Land mit einem inneren wlrt- schaflichen Gleichgewicht bleibe. Die Warnung: „Spielen wir nicht mit der Teuerung!", die Hodza vor einigen Wochen in anderem Zusammenhang ausgesprochen hat, gelte jetzt um so mehr. Die Tatsache, daß die mit inländischen Rohstoffen arbeitende Industrie nicht verteuert und natürlich auch nicht die landwirtschaftliche Produktion, bildet die Grundbedingung für die Stabilität der Preise. De: Kampf gegen jede ungerechtfertigte Teuerung-muß daher gelingen. Kein Produzent darf eine größere Preiserhöhung zulasten, als es dem Anteil der ausländischen Rohstoffe an den gesamten Produktionskosten entspricht, und auch erst dann, wenn die billig eingekauften Rohstoffe auSgehen. Jede unbegründete Verteuerung würde in diesem Kamps dem Hochverrat gleichkommen.■ Zusammenfaffend könne man sagen: 1. der definitive Wert der Xi bildet jetzt eine sichere Kalku- lationSbasiS für unsere ganze Wirtschaft; 8. der definitive Wert der Xi und Ihre stabilisierte Kayfz kraft bildet einen festen Maßstab für die Kaufkraft!- der Löhne und Gehälter: 8. der definitive Wert der K£ schäft die Voraussetzung für die Bildung von neuem Kapital auf dem inländischen Geldmarkt und für den Ausschluß jeder Thesaurierung, und 4. ist er auch die Grundlage des Gleichgewichte» zwischen Gläubiger und Schuldner. Der Senat vertagte sich dann auf Freitag 8 Uhr früh. Am Abend trat derB u d g e t a u ö- s ch u ß zusammen, der in Gegenwart des Finanz- lNinisterS die Vorlage genehmigte. Nach abgeführ- ter Debatte, an der sich fast alle Mitglieder des Ausschusses beteiligten, antwortete der Finanzminister ausführlich auf alle gestellten Anfragen. Referent für daS Plenum ist Senator Dr. Kara». In der Sitzung de» Budgetausschuffe» der Abgeordnetenhauses, die in der Nacht von Mittwoch, den 7. auf Donnerstags den 8. Oktober, stattfand, gelangte— wie wir bereit» berichtet haben— Abg. de Witte zu Morte, der erst die von un» gestern veröffentlichte Erklärung der Partei abgab und dann noch einige Darlegungen hinzufügte, au» denen wir die nachstehenden Stellen wiedergeben: Wir stimmen der Devalvation zu, obwohl sie — worüber wir un» nicht täuschen wollen— vielfach Opfer fordern wird. Denn wir halten die Abwertung unserer Währung für unausweichlich und wir hoffen, daß die Opfer durch größere wirtschaftliche Erfolge mehr als ausgewogen werden können. Und da» Gebiet, das uns hieher entsendet hat, braucht eine wirtschaftliche Wiederbelebung in ganz besonderem Maße. Im Randgebiete der Republik herrscht ungemildert die Krise weiter. Die offiziellen Feststellungen sagen, daß in Böhmen al» arbeitslos gezählt wurden: In den vorwiegend tschechischen Bezirken am 81. August 1v8ö 87.780, am 81. August 1086 79.92B Berufstätige, während in den vorwiegend deutschen Bezirken in denselben Jahrgängen 184.212, bzw, 170.672 Arbeitslose amtlich registriert waren. Während die Deutschen in Böhmen ein Drittel der Bevölkerung stellen, stellen sie zwei Drittel ' der Arbeitslosen. In den historischen Ländern hat die Arbeitslosigkeit in den tschechischen MehrhettSbezirken seitdem um 19 Prozent, in den deutschen nur um 8.7 Prozent abgenommen. Dabei sind als„vorwiegend deutsch" nur die Bezirke registriert, die zu mehr als 60 Prozent deutsche Einwohner zählen. Vielfach schlimmer steht es in den zu 80 und 90 Prozent deutschen Bezirken. JmBezirkKarlS- bad z. B. ist die Ziffer der Arbeitslosen gleich 12 Prozent der Gesamtbevölkerung, bzw. gleich einem Drittel aller Erwerbstätigen, und seit einem Jahr ist die Arbeit»-! losenziffer dort um abermals rund 1000 gestiegen. In GraSlitz ist e» noch schlimmer, und ähnlich ist eS in Nordmähren. Zwanzigjährige Leute trifft man In Massen, die noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben. Hohlwangig, heruntergefetzt, eine leichte Beute eines jeden Abenteurer», gehen die jungen Menschen umher. Die Löhne in der Industrie unsere» Gebsetes sind auf ein.-unmenschliches Niveau-herabqedrückt. Der Verlust der Kaufkraft so vieler Menschen wirft Gewerbe und Handel nieder. „JA den deutschen Bezirke« haben wir«».mit einer Stabilisierung der Arbeitslosigkeit zu tun," da» ist die fast allgemeine Meinung. Die Devalvation allein tut e» nicht, Die gebundene Devisenwirtschaft bindet unzählige Hände, die sonst arbeiten könnten. Die Tschechoslowakische Republik muß auch von sich aus all«» tun, um die Verkehrswege wieder freizulegen. Sie muß der Industrie in den besonders bedrängten Gebieten auch ein ganz besonderes Augenmerk zuwenden./ \ Unser UnierstühungSsystem ist sehr mangelhaft. Ein Versäumnis in der Zeit der guten Konjunktur.ist derzeit schwer oder fast nicht mehr gutzumachen. Unsere Unternehmer haben rationalisiert, sie haben einen Großteil ihrer Gewinne auf die Uebertechnisterung verschleudert, aber alle Sorge um die Opfer der Rationalisierung und der Krise haben sie einfach dem Staat und den Arbeitern ausgebürdet. Mit dem Genter System war diese Lücke nur mangelhaft zu schließen. Die Er- nährungSaktion ist ebenfalls nur ein mangelhafter, wenn auch wichtiger Notbehelf. In beit' ersten Jahren>var sie eine Tat, heute ist sie nur ein Tropfen auf heiße Steine— und viele heiße Steine bleiben ohne Tropfen. Es kommt dazu, daß nach Richtlinien vorgegangen wird, die längst nicht mehr zeitgemäß sind. Wo bleiben die Jugendlichen? Immer noch steht man ihnen gegenüber auf dem unseligen Verlangen nach einem dreimonatlichen Arbeitsnachweis. Immer noch schließt man die Kleinrentner aus der Er- nährungsaltion auS und die.Hausbesitzer", denen kein Nagel auf dem Dach gehört. Oft gehen Staatsorgane ohne jede soziale Einsicht mit Kürzung der Ernährungskarten vor. Die alien Richtlinien sind eben heute unhaltbar geworden. Denn die Gemeinden können keine Zubußen mehr leisten, die Arbeitslosen haben ihren Hausrat verlauft und ihre Kleider abge- rissen. Vergessen wir nicht, daß lvlr eben sieben Jahre Krise haben! Alle menschlichen und staatlichen Erioägungen sprechen für eine gründliche Besserung dieses Zustandes. Deshalb auch erheben wir den dringenden Appell, die ergänzende Hilfe schleunigst auszübauen, die Winterhilfs- aliion besser zu dotteren und damit länger zu führen als im Vorjahr. DaS Wichtigste freilich ist Arbeitsbeschaffung. Selbst Notstandsarbeiten sind kein Ersatz auf die Dauer. Die Frage steht: Wie bauen'wir die Industrie wieder auf?. Wo und wie schaffen wir Ersatzindusttien für die unrettbar verlorengegangenen Arbeitspositionen? Der Herr Ministerpräsident hat gezeigt, daß er den Willen hat, Wege zu suchen. Auf seine Anregung und Initiative ist die Errichtung der Exportausschüsse für die Länder zur Erhebung der Wiederausbaumöglichkeiten zurückzusühren; aber diese Ausschüsse bedürfen unbedingt der Ergänzung durch Regionalkomitees- in bett" von der Krise am schwersten betroffenen Distrikten von Westböhmen, Nordböhmen und Nordmähren. DaS Allerwichtigste aber ist, daß rasch begonnen werde. Ein Aufatmen ging durch Hunderttausende nach den letzten schönen Worten des StaatSprä- sidenien von wahrer Versöhnung, von Hilfe für die Bedrängten und von der vollen Einsetzung des Staates für alle feine Gebiete und Völker. Nun gibt«S gewiß keine maßgebliche Gruppe, die nicht den Präsideiüen verehren würde. Von allen wird er gefeiert; aber alle mögen doch auch bestrebt sein, IhndurchdieTatzuehren und das beißt: sein schönes Wollen durch staatsmännische Taten zu unterstützen und zur lebendigen Wirklichkeit werden zu lassen I 41 ‘Jommy üSarftox matfit(Revolution fflmnan von 9rit» Uondu Aber er hatte schon deutlich durchblicken lassen, daß er durchaus nicht so überzeugt von BonamariaS guter Sache sei, als es den Anschein habe. Und Rodriguez schien ihm auch zu trauen. Es gab ja einen Belveis für Pablos Zuverlässigkeit. Wußte er nicht Fulvias Zufluchtsort? Wenn, er wollte, konnte er sich bei dem neuen Präsidenten ungeheuer beliebt machen. Er brauchte nur heute abends Bonamaria zu sagen, daß gerade in dem Zimtner oberhalb des gelben SälonS Frau Caldelari wohnte. Er hatte auch dunkle Andeutungen gemacht, daß er keinesfalls die Exekution de» Rodriguez znlasse» würde; daß er mächtig genug fei, um sie noch im letzten Augenblick zu verhindern. Ganz klar war ihm ja nicht, wie er das anfangen sollte, aber es schadete nichts, das zu behaupten. Kani es zur Erschießung, nun, so war eben sein Plan sehlgeschlagen, kam es aber nicht dazu, dann schuldete Rodriguez ihm Dank.^Und auch Pablo hatte Instinkt genug, um zu merken, daß Rodri« gnez, wenn er den nächsten Morgen erlebte, noch nicht am Ende seiner Laufbahn war. ES war ein Viertel vor elf, als er Bonamaria abholte. Allein zu gehen, traute sich der große Staatsmann nicht, eine Wache konnte er auf dem Wege in das Haus Rivqdeneira auch nicht gut mitnehmen. So blieb nichts anderes, als den vielseitigen Pablo zu bitten; der hatte zu seinen anderen Fähigkeiten sich auch rasch da» Autolenken angeeignet, und so dauerte der Weg vpm RegierungSgebäude bis zu Pablo» Elternhaus nicht lange. Vorläufig benützte der neue Präsident das kleine Auto feine» Vorgänger». Aber er fand eS reichlich verbraucht und ging damit um, sich einen schönen, großen Wagen aus Amerika zu bestellen. Eine Anspielung gegenüber dem Konsul konnte sich dahin deuten lassen, daß der Präsident ein geschenkte» Auto bei einigem Drängen nicht ablehnen Ivürde. Doch der Konsul überhörte die Anspielung oder wußte sie nicht richtig zu deuten, kurz, Bonamaria vertröstete sich auf günstigere Zeiten und fuhr unterdessen in dem Auto des Rodriguez. Vor der Türe stand der brave alte Rivade- neira, machte eine tiefe Verbeugung und meldete, daß die Treppe frei und der gelbe Salon bereit sei. Bonaniaria war huldvoll erregt, klopfte ihm auf die Schulter, sprach ein paar lapidare Sätze, wie eben ein mächtiges Siaa.tsoberhaupt gegenüber dem einfachen Mann a>n Hintereingang zum Freudenhaus sie immer bei der Hand haben soll, dann stieg er die freie Treppe hinauf. Frau Rivadeneira, charaktervoller als die männlichen Familienmitglieder, zeigte sich nicht; sie leitete den lebhafte» Betrieb in den Parterreräumen. Ihrer Bürger» und Wirtinnenpflicht entledigte sie sich dadurch, daß sie dem neuen Präsidenten zwei Flaschen Sekt und die beiden jungen Indianerinnen in den gelben Salon hinaufschickte. Pablo ging von einem Tisch zum anderen und unterhielt sich mit den Seeoffizieren; er verachtete sie zwar, well sie nicht viel vertrugen, aber man konnte immer und gerade darum manches von ihnen erfahren. Daß die Schwestern de» Staatssekretär» der Schönen Künste von einem Knie auf da» andere wanderten, störte ihn wenig; seine Stellung hafte ihn nicht stolz gemacht, die letzten Ereignisse belehrten ihn über die Wandelbarkeit politischer Größe, dagegen zeigte- ihm ein Blick in den Salon seiner Mutter, auch ohne Goethe gelesen zu haben, den Sieg de» ewig Weiblichen. An der Tür erschien.die alte Indianerin, die die Hausarbeiten zu besorgen hatte, und winkte !'!r. 285 Freitag, 0. Oktober 1!>3«i Seite 3 Sudetendeutscher Zeitspiegel Aurfuhrhiife für Porzellan-Industrie Deutsche Sozialdemokraten beim Flnanzmlnlster. gefordert Prag. Im Zusammenhang« mit der Währungs-Abwertung ist die Frage der AuSfuhrbele- tung in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt worden. Dabei wird auch in Koalitionskreisen die Meinung vertreten, daß die Devaluation allein nicht genügt, um einige besonders gefährdete Exportindnstrien über den toten Punkt hin- wegzubringen. DaS war auch di« übereinstimmende Auffassung einer am Mittwoch gepflogenen Klubberatung der deutschen Sozialdemokraten. Ohne daß einem«inseitigen Protektionismus daS Wort geredet wird, sind unsere Parlamentarier von der Notwendigkeit überzeugt, daß unverzüglich bei einem Industriezweig der Anfang gemacht werden müsse. In diesem Sinn« wurde auch beschlossen, unter Beiziehung deS Vertreters der zuständigen Gewerkschaft unverzüglich beim Finanzminister einznschreiten. Donnerstag vormittags sand bereits eine Aussprache der Genossen Doktor tlze ch, de Witte, Falsch und deS BerbandS- obmannrS der GlaS- und Keramarbeiter, Genossen N e u m a n n mit dem Finanzminister Doktor Kalfus statt, in welcher die Eröffnung neuer Exportmöglichkeiten unserer Porzellan-Industrie er örtert wurde. Der Finanzminister zeigte sich über den traurigen Stand unserer Porzellan-Industrie sehr gut unterrichtet und'sagte auch jede mögliche Hilfe in bezug auf die Exporthebung zu. ES wurden besonders die möglichen Folgen der Devalvationen in unseren bisherigen Exportländern besprochen, wobei von unseren Genossen die Notwendigkeit nicht nur der Erhaltung der bisherigen Ausfuhr, sondern auch der Rückgewinnung der verlorenen Absatzgebiete betont worden ist. Die Verhandlungen über diese Frage sollen mit aller Beschleunigung geführt werden. * Im Wirtschaftsverband der Porzellanindustriellen Karlsbads, fand eine Sitzung wegen der Devalvation der Krone statt und die Herren beschlossen an das Handels- und Finanzministerium ein Telegramm zu senden. Die Porzellanindu- striellen erachten den RegierungSeniwurf bezüglich Devalvation für unzureichend und ersuchen um darüber hinauSreichende ausgiebige Exportunterstützung, um der ausländischen Konkurrenz begegnen zu können. Wilhelm NieBner nicht mehr Senator Wilhelm Niessner, der vor einem Jahre sein Amt als Chefredakteur unseres Blattes niederlegte, um in den Ruhestand zu treten, hat sich nun auch seines ScnatsmandateS begeben. Mit Niessner scheidet eine der markantesten Erscheinungen unseres parlamentarischen Lebens aus der Volksvertretung. Schon von 1907 bis 1011 gehörte er dem Reichsrat an, 1912 wurde er als einziger deutscher sozialdemokratischer Abgeordneter In den Mährischen Landtag gewählt. Er hat dort mit vorbildlicher Tapferkeit und Umsicht fiir die deutsche sozialdemokratische Bewegung gewirkt, sich durch seine Sachkenntnis, seine rednerische Begabung, seine Schlagfertigkeit und seine vornehme Haltung auch bei den Gegnern Achtung verschaffend. Der Brünner Gemeindevertretung gehörte Niessner schon ,vor UsM Kriege, an, Zl(m, ersten Male tvurde er.jntzen Fülle. Die musikalischen Sendungen lassen in der Qualität auch nach. Pmg und die deutsche Provinz ist doch nicht so onn an Kunstkräften, daß immer wieder di« gleichen Sängerinnen und Dirigenten beschäftigt werden müssem Ein Konzert verdient jedoch besonders erwähnt, zu werden: es waren deutsche und tschechische Volkslieder, die in deutscher Sprache gebracht wurden. Wieviel Unbekanntes war gerade für den deutschen Hörer der Randgebiete zu hören und wie nahe wurde ihm das menschliche Fühlen gebracht, das ans den tschechischen Volksliedern sprichtl ES sollten daher auch umgekehrte Sendungen versucht werden, nämlich deutsche Volkslieder in tschechischer Sprache für den tschechischen Hörer, wie überhaupt manche Austauschsendungen organisiert werden sollten, damit die kulturelle Zusammenarbeit der beiden Hauptvölker des Staates endlich auf breitere Grundlagen gestellt wird. . Die Reportagen der deuflchen Sendung stecken noch in den Kinderschuhen. So tvar z. B. die Kundgebung des Bundes der Landwirte in Saaz ebenso unzureichend übertragen, wie die seinerzeitige Reportage vom Falkenauer Arbeitertag. Solange nicht direkt das„wandernde Mikrophon" angewendet wild, solange wirkt die Form der Uebertragung, wie sie für deutsche Reportagen angewandt wird, lächerlich. Technischer Fortschritt im Rundfunk scheint wenigstens bei uns für die Deutsche» noch nicht zu existieren. Die Sendungen„Kulturbericht vom Tage" müssen erst eine Tradition erhalten, bis sie wirklich Bedeutung erlangen können. Mustergültig war der Kulttirbericht, den unser Genosse Gold/ s ch m i d t erstattet«. Zwei Borträge fielen im Monat September aus bürgerlichen Kreisen auf. Dechant Doktor Stegmänn fand ethische Worte für die nationale Verständigung aus seinem Religionsbekenntnis; heraus und es wäre zu wünschen, daß seine Auffasz snng alle deutsche Priester teilen würden. Ihm nahe verwandt waren die Ausführungen von Josef Zäk^ der das Ringen um die Demokratie hervorhob und die Erziehung dazu. Sein Bekenntnis zur Geistesfreiheit wird Widerhall gefunden haben. Die„D i ch t e r ft u n d e n" waren In dem vergangenen Monat gut besetzt. Josef G u g l S Novelle „Der helfende Narr" gefiel durch seinen menschenfreundlichen Inhalt, Rudolf F u ch S' Erzählung „In der Kajüte" hatte starke Spannungen und HanS Multerer las in wirksamster Form seine Bauernkomödie„Der Millionär". In dem Bücherbericht Dr. Monchas und in der volkstümlichen Rechtsbclehrung durch Rat Weinhuber fanden wir wieder gute Ratschläge. Wir lasen vor kurzer Zeit in unserer Presse von einem Bericht, den ein junger Hopfenpflücker gab und der darin erzählte, daß die Bauern gar nicht wissen, daß es einen deutschen Landwirtes»nl gibt. Kein Wundert Er ist bei uns so langwellig und fachsimpelt in jeder Sendung, daß er eben in weiten Kreisen abgelehnt wird. Die großen politischen Probleme, die uns alle berühren, wurden in der Arbeitersendung außerordentlich klar behandelt. Genosse Dr. Gregor Bienstock befaßte sich in einer klugen Analyse der politischen Lage Europas, di« Gefahren, die dem Frieden drohen und seine Folgerung daraus nach kollektiver Sicherheit wird um so besser zu verstehen sein. Genosse Dr. Emil Fran- zel beschäftigte sich mit der Lage im Donauraum, den er al» den Raum bezeichnete, in welchem sich die Schicksalsfragen Europas entscheiden werden. Seine geschichtlichen Darlegungen über die kulturellen Strömungen, hervorgerufen durch die drei großen Bölkerstänvne der Deutschen, Slawen und Romanen, waren eindringlich und ließen seine Forderung, nach föderativer Zusammenarbeit im Donauraum ausgezeichnet verstehen, Geiwsse Anton Steinberg brachte einen hervorragend gut informierenden Bericht über die französische Arbeiterbewegung und ihren Stand nach dem Siege der Volksfront. ES wäre zu wünschen, daß ähnliche Vorträge über andere Länder in gleich starker und klarer Form, wie dieser, gehalten werden, denn damit werde» alle Lügen, die sonst über die Klassenkämpfe in allen Ländern der Welt von unserer Schristleiterpresse verbreitet werden, in vollendeter Weise zerstört. In ähnlicher Weise unterrichtete Genosse Willi Wanka von seinen Eindrük- ken aus einer S ch w e d e n r e i s e und erzählte in spannender Weise von der hervorragenden Kultur- und Sozialarbeit der schwedischen Demokratie. Der fleißige Genosse Bruno Schwab gab eine objektive Erklärung über di« 2 t a ch a n o w b e w c- gung in Rußland und inforinierte die Arbeiteröffentlichkeit über vaS neue A r m e n r e ch t, das viele Vorteile für den Armen in der Rechtspflege bringt, wie Genosse Dr. Brügel Erklärungen zu dem neuen ArbeltsvermittlungSge- s e tz brachte. Dr. Baum gärte! hatte ausgezeichnetes Material gesammelt, aus dem zu erkennen war, wie gerade in den sudetenbeutschen Krisengebieten die Gesundheit der Menschen gelitten hc.t. AuS dieser Aufzählung der gebotenen Vortröge unserer Arbeitersendung erkennt man die Qualität deS Gebotenen und die Auffassung von der Wichtigkeit der Rundfunksendungen, wobei nicht vergessen werden darf, daß in den aktuellen zehn Minuten ausgezeichnete, wahrheitsgemäße Aufklärung über da- tägliche politische Geschehen vorgenommen wird. Wir hoffen in den anderen Relationen eifrige Nachahmung zu finden. Richard Bäu ml. Seife 4 Freitag, 9. Oktober 1036 Nr. 238 OI« Unrukon In Paris In Poris kam es zu- einer Demonstration der„Sozialpartei" des Obersten de la Rocque. Ob- ivohl ein Riesenaufgebot von 20.000 Polizisten, eingesetzt- tvar, ereigneten sich dennoch- zahlreiche Schlägereien, die eine große Anzahl Verletzte forderten. Hier sieht man, wie die Polizei eingreist nnd Verhaftungen vornimmt. Oesterreich: nur Abwertung der Helmwehr Schilling-Kurs bleibt Wien. In der Presselonserenz vom Donnerstag Iviederholten Finanzministerh Dr. Traxler und der Präsident der Oesterreichischen Na- tionalhank Dr. Kienböck die Gründe, welche die österreichische Regierung bestimmt haben, den Schilling nicht zu devalviereu. lieber die politische Situation in Oesterreich lvird der„P. P." gemeldet: Fest steht, daß bis in die Nachtstunden des gestrigen Tages eine Ministerberatnng tut Hee- reSministernrm stattfand, die jedoch ergebnislos anoeinnnderging und heute vormittags fortgesetz wurde. Man erzählt in Jonrnalistenkreise», daß es sich nm die Stellungnahme der Regierung zu der jüngsten Wiener-Nenstädter Rede deS Fürsten Starhemberg handelte, die von Schnschnigg als eine Heransfordernng betrachtet lvird. Durch diese Rede sei die Stellung der Heimwehrmini- ster in der Regierung angeblich unhaltbar geworden. Andererseits sind aber wieder Gerüchte im Umlauf, welche wisie» wollen, daß man angeblich daran denke, Starheulberg wieder in die Regierung anfzunehmen, da inan sich vor nnbe- sonnene» Schritte» seiner Anhänger fürchtet, welche in der Provinz znsnmmengezogen worden sind. Mussolini nur noch Duce Llano wird Ministerpräsident? Berlin. Das„HamburgerFreindenblatt" bringt in Fettdruck und ohne jede Quellen- und Ortsangabe folgende Meldung: Ter italienische Anßenminister Graf Sin■ n o ist znm Ministerpräsidenten nnsersehe». Scho» der für de>t 18. November einberufene Faschistische Große Rat wird sich mit dieser Angelegenheit befassen, die jedoch keinerlei Berfassungsän- derung notwendig macht. Bekanntlich ist M n s- s o l i» i Duce des Faschismus«nd als solcher Präsident des Faschistische» Große» Rates, Vlies der Regierung und„primo ministro". Auch wenn er de» Ministerpräsidenteiiposten an seinen 33-1 jährigen Schwiegersohn abgibt, behält er die mit der Stellnng des Regierungschefs nnd des Dnee■ deS Faschismus verbundenen Borrechte, die ihn znm Führer der Nation lnachen. Graf Ciano, I den Mussolini durch eine solche lltaugerhöhung, l wie sie unter der Herrschaft des Faschismus noch i niemand zuteil geworden war, al» seinen Nach-\ folger bezeichnet, wird das Außenministerium beibehalten. Polen gegen Deutschland In der Danziger Frage Warschau: An zuständigen Stellen werden die Nachrichten von einem angeblich in der nächsten Zeit bevorstehenden Besuch des preußischen Ministerpräsidenten G ö r i n g in Polen zwecks Verhandlungen mit der polnischen Regierung in den Danziger Angelegenheiten, insbesondere be- tressend das der polnischen Regierung vom Vöi- terbunde übertragene Mandat zur Klärung der Situation auf dem Gebiet der Freistadt Danzig kategorisch in Abrede gestellt. In einem zweifels« ohne inspirierten Kommentar zu diesem Gerücht schreibt der Krakauer„Kurjer Codzienny", die polnische Regierung vertrete den Standpunkt, daß das Dritte Reich kein Recht besitzt, sich in die Danziger Angelegenheiten einzmnischen. Die polnische Regierung wolle sich der Klärung der Situaliou in Danzig ausschließlich, im Wege von direkten Vechandluugeu mit den Danziger Behörden entledigen, ohne irgendwelche Jngerenz von Reben-Faltoren znzulassen. neue Senatoren Außer Nießner haben»och die Senaioren Halen(Koni.) und Dr. Greger(SdP) das Mandat niedergelegt. Letzterer Ivar bekanntlich Mitglied des Ehrengerichtes gegen Dr. Brand und hatte schon seinerzeit als Protest gegen Henleins Haltung zur Entscheidung des Ehrengerichtes die Niederlegnng des Mandates»»gekündigt. Ossenbar wollte sich Dr. Greger auch jetzt nicht an dem Friedensschluß beieiligen, der nach der Anerlemning des Urteils durch Henlein vor sich gegangen ist. Als Mandatsnachfolger leisteten die Angelobung: der tschechische Sozialdemokrat Rudolf H a v l i l für den verstorbenen Senator Fili- pinsly, Franz Werner(SdP) sür den verstorbenen Senator Michler und der Kommunist Dr. Wenzel V a c e k als Nachfolger Hakens. 3n der böhmischen Landesvexjretung wurde die Generaldebatte über das Budget Donnerstag beendet. Bon deutscher Seite sprachen Dr. Bach e r, der eine maß- nnd gehaltvolle Rede über wirtschaftspolitische Probleme sowie über die nationale Frage hielt, der Angehörige der SdP Webe r, der im Gegensatz zu seinem Kollegen Westen, der am Mittwoch gesprochen hatte, wieder radikalere Töne anschlng, der Landbündler L n s ch t i» e tz, der eine Erklärung für seine Partei abgab, der Christlichsoziale Dr. Kuhl und der Kommunist H ii n i g e», der überraschenderweise erklärte, daß seine Partei sür' einige Kapitel des Landesvoranschlnges stimmen werde. Henie beginnt die Spezialdebatte, wobei als erster Redner unserer Partei Genosse Dr. H a h n zu Worte gelangen lvird.. XciflesneiuglUltw Wenn wir die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schiechter; wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie' zu bringen sind. Goethe. „Populalre"*Korrespondentln in Spanien gefallen I Unter den vielen' erschütternden Meldungen, die aus Spanien konimen, und innerhalb des Masscnschicksals und MassciiringenS dort, verdient eine Nachricht voiu Tage besonders her- borge hoben zu werden: die Tatsache nämlich vom Tode einer s o z i a I i st i s ch e n I o uist n a I i st i n, die als Opfer ihres Berufes wie ihrer Gesinnung, als Zeugin kämpferischer Solidarität, als weiblich-proletarisches Musterbild unserem Herzen cinzuverleibcn ist. Vor etwa einem Monat ist R e n k e L a- font als Berichterstatterin des„Populaire", des HauPtorganS unserer französischen Arudck-' Partei, an die spanische Front gegangeiu Auf einer Fahrt durch einen besonders gefährlichen Kmnpfsektor wurde Genossin Lafont verwundet u.n d s i c l s o i n d i eHände der Rebellen. Unsere Kollegen vom „Populaire" taten, als diese Nachricht bei ihnen einlicf, sofort alles, um durch die Beamten des französischen Konsulates in Spanien und durch die spanische Volksfrontrcgierung Nachforschungen'nach der tapferen Genossin und Berufskollegin anstellen zu lassen. Das Ergebnis dieser Nachforschungen: man meldete Renbo Lafont als tot, aufgefunden in einem Lazarett im Lager der Rebellen. Ob die mutige Genossin tatsächlich an den Folgen ihrer Verwundung starb, ließ sich nicht feststellen... Reute Lafont, die Tochter eines französi. scheu Professors der Rhetorik, hatte Universitätsbildung genossen, sprach mehrere Sprachen und hatte besonders Geschichte und Literatur Spaniens studiert. Sic hatte die Romane des spanischen Romanciers Blasco Ibaiiez ins Französische übersetzt und war selbst Autorin eines Romans„Der Eindringling". Ihr Vater wie sie selbst genossen hohes Ansehen und viel Freundschaft innerhalb der sranzösischcu sozial!, stischen Partei und bei deren Führern. Insbesondere mit" Genossen Bracke, dem derzeitigen Leiter des„Populaire"— wir haben vor kur- zem erst den fünfundsiebzigsten Geburtstag die- ses Mannes gewürdigt— war Rente Lafont tief befreundet. Nun also ist diese hochgebildete, lvcrtvollc Frau als Journalistin, in Ausübung ihres Berufes, Opfer des furchtbaren Kampfes,in'Spanien geworden, im Leben wie im Tode,. für Männer wie Frauen, ein Beispiel ausstellend, persönlichen, physischen und moralischen Mutes. Weit über die Grenzen Spaniens nnd Frank- reichs hinaus grüßt das sozialistische Proletariat in aller Welt die tote Genossin als eine un- vergeßliche Zeugin fraulicher Beherztheit iin Be- srciungskampso der Menschheit! Ter Bruder van der Lübbes? In Waddinx- ven(Holland) wurde i» einem Rasierladen ein Anschlag, auf den Bürgermeister dieser Stadt veriibsi Der Bürgermeister wurde hiebei verlebt. Der Täter, ein I. C. van der Lubbe, 29 Lahre alt, wurde nach heftiger Gegenwehr von der Polizei sestgenommen."„Het Volk" gibt der Vermn- tnng Ausdruck, daß es sich um einen Bruder des von den Nationalsozialisten■ beim Reichstagsbrand mißbrauchten van der Lubbe handelt. Ein Dreizehnjähriger erschlägt einen Bierjährigen! Am 28. September wurde im Walde LIget bei Nijni Remety im Bezirke Berehovo die, Leiche des vierjährigen Ivan Kuzma aus Nijni Remety gefunden, der durch Steinhiebe m den Kopf getötet worden war. Um den Hals war ein Strick gewickelt. Ursprünglich bestand Verdacht gegen eilten' schwachsinnigen Landstreicher. Die Fahndungsstation der Gendarmerie hat. jedoch die Herkunft des Strickes ermittelt und damit auch rasch den tatsächlichen Mörder gefunden. Es ist ein 18jähriger Schüler aus Nijni Remety, der mit dem. kleinen Knaben„Pferdchen" spielte und den Strick als Zügel' benützte. In der Nähe des Waldes zog er den Strick zu stark an, so daß der kleine Ivan zu Bode» fiel und zu röcheln, begann. Der Schüler nahm dann einen Stein nnd schlug den-vierjährigen. Knaben töt, in der Meinung, daß bereits keine Hilfe sei. Am Dienstag weilte an Ort und Stelle eine Ge- richtskonnnission, vor welcher der Knabe den Fall schilderte. Ozeanflieger gescheitert und gerettet. Die Radiostntion in' Valencia meldete Mittwoch abends, daß der schwedische Transozeanflieger Vjorlval von einer französischen Schaluppe gerettet worden ist. Die gleiche Nachricht gab spät in der Nacht auch das englische Luftfahrtmini- sjerium aus,, das bekannt gab, daß die französische Schaluppe siJinllrin"' das gescheiterte Fluq- zeug des'schwedischen Fliegers Bjorkval ans hoher See aufgesunden hat und es jetzt nach, Valencia an der Südwestlüste Irlands schleppt.- . Lohn in Ziegelsteinen! Wie„Bei. iesks slovo"'meldet, hat sich, der Eigentümer der'Ziegelei in Mnhr.-Nendorf entschlossen, den Arbeitern einen Teil des Lohnes in natura, also in Ziegeln auszuzqhlen. Die Arbeiter sollen die Ziegeln verlausen. So verlassen die Arbeiter nach, der LohnauSzahlung die Ziegelei yiit einem Schubkarren oder einem Handwagen voll Ziegel,'für die sie dann Abnehmer suchen müsse». HauSeinstnrz. In der Warschauer Vorstadt Molotow stürzte Donnerstag in den Nachmit- tagsstuyden die ganze Norderwand' eines vierstückigen Wohnhauses zusammeii. Von dem ganzen Hause blieben lediglich die Hinterwand und der Dachboden' stehen. Glücklicherweise- hatten die Hausbewohner und der Hausbesitzer bereits Mittag einen starke» Riß in der Vorderwand des Hauses bemerkt nnd sofort, die Feuertvehr alarmiert. Die Behörde ordnete daraufhin die unverzügliche Räumung des Hauses an, so daß, als der Einsturz erfolgte, bereits alle Bewohner das Haus verlassen hatten. Auf Grund der eingeleiteten llntersnchung wurden der Bauingenieur und einige Industrielle, welche bei dem Bau dieses Hauses Baumaterialien geliefert hatten, ver- hasiet. Balutenhandel. Donnerstag nachmittags haben Organe der Wirtschastspölizei in einem bekannten Kaffeehaus auf der Alserstrahe in Wien eine ValutenschleichhnndelSzentrale ausgehoben. Drei Personen wurden in Haft genommen.. Bei den iin Lokal betätigten illegalen Valntengeschäf- ten sollen weit über 100.000 Schilling umgesetzt worden sein. , Toppelselbstmord. In, der Nacht auf Donnerstag verübten in Lepejovice bei PkelouL der 23jährige Nasenr Nedbal aus Väly und.Georgine K r e m e ni k o v ä aus Milice Selbst- inord. Die Kkemenikovä wurde bereits tot aufgefunden, während Nedbal.mit einem Lungendurchschuß im Krankenhaus mit dem Tode ringt. Den.hinterlassenen Priesen zufolge handelt eS sich Nm unglückliche Liebe. Den Treimjllionen-Hanpttresfer der, letzten Ziehung der französischen Staatslotterie gewannen zehn Arbeiter, die bei einem Pariser Trafikanten je ein Zehntel Los zu. zehn Franken gekauft hatte». Unter.ihnen befinden sich ein Franzose,.ein. Chinese, ein. Grieche,-esn Armenier und sechs Polen,. die erst Vox einigen Wochen nach Frankreich ejngewaiwert -waren und zum erstenmal«in-.'-ihrem, Lebe» eine Tausendfrane-Banknote sahyn. Ein jeder von,, ihnen nahm jetzt in» Finanzministerium 800.000- Franken .eisigegen.......... Vor einem Bergarbeiterstreik In Polen? Ka11o>vitz- I» einer hier stattgefundenen Beratung einer auS Vertretern aller Bergarbeiterorganisationen zusammengesetzten Ber- stätidigungskommkssion würden weitete Beschlüsse betreffend die Aktion gefaßt, welche der am 27. September siättgefnndene allgemeine Berg-, arbeiterkougreß, betressend die Verkürzung der Arbeitszeit im Kohlenbergban von 8 auf 6 Stunden täglich untertags beschlossen hatte. Die Kommission hat für die einzelnen Grubenbelegschaften genaue Instruktionen für de» Fall der Streik» Proklamierung im Kohlenbergbau ausgearbeitet. Bekanntlich hat der allgemeine Bergarbeiterkongrest in Kattowitz beschlossen, im polnischen Bergbau de» Generalstreik z» proklamieren', falls die Kohlenindustrielle» spätestens bis Ende November dieses JahreS keine Antwort auf die Fordernng betreffend die Verkürzung der Arbeitszeit erteilen würden. Statt SiegeSpreis— Abfertigung für, die Hinterbliebenen. Von den 6000 Pfund Sterling, welche als Belohnung für den Sieger im Wettbewerb London—Johannesburg zur Verfügung standen, werden die Witwen nach den Fliegern Findlay nnd Morgan, welche bei diesem Wettslug ums Leben kamen, je 2000 Pfund erhalten. Für die Erziehung ihrer Kinder werden gleichfalls 2000 Pfund ausgewendet werden. Gasmasken auch für Bienen. Die'Bienenzuchtforschungsstation in Chrudim macht Versuche nach einem wirksamen Gasschutz: fiir Bienen, die durch ChlorgaS oder Chloripikrin. sofort vernichtet werden. Als durchaus wirksamer Schutz erwiesen sich Säcke aus Jutivin, die in Wasser eingeweicht und dann über den Bienenstock gestülpt wurde». Die Anschaffung dieser„Gasmasken" für BieNen wird den Imkern empfohlen.(DND.) Man flüstert. Europa- wurde, überschwemmt, sämtliche Länder verschwanden unterm Wasser. Rnr die Lage Deutschlands war noch festzustellen. Man erkannte die Gegend an der großen Zahl von, Sammelbüchsen, die auf der Oberfläche herumschwammen. Brennende Rechtsfrage,(ntb.) In Paris wir» in nächster Zeit'eine Schadenersatzklage verhandelt werden, bei der es sich»M das Recht eines Töten, nach eigenem Geschmack beigesetzt zu werden,, dreht. Eine Amerikanerin, Elizabeth Ahearn, starb.aus einem französischen Ozeandampfer und würde, nach altem Schisssbrauch, ins Meer versenkt.. Nun har ihre Familie die Schiffahrtsgesellschaft auf 100.000 Dollars Schadenersatz verklagt, weil ihre Rechte auf de» Trost, der in einer richtigen, nach katholischem Ritus durchgeführten Beerdigung gelegen wäre, und ihre Rechte und ihr Empfinden.gröblich verletzt worden’feic'n. Die Aywätte freuen sich natürlich auf das Fressen; der AuSgang des Kampfes zwischen dem-Zivilrecht und dem Seerecht, das. dem Kapitän eines Schiffes absolute Autorität gibt, nach seinem Dafürhalten über Dinge zu entscheiden, die das Interesse des Schiffer und der an Bord B.efnw- lichen betreffen, wird mit Spammng erwartet.— Sorgen haben die Leute manchmal I Die Preisrichter für bi e diesjährigen Staatspreise sind vom Schnlminister ernannt worden. Der Jury für die Literaturstaatspreise gehören an: Fran- tiöck Götz, Antonin Grund, Emil B. Lukäi, Karel Toman, Antonln Vesely. lieber die Preise für dramatische, Regie- und Schauspielkunst werden entscheiden: Andres Postolnh, Ja» Krejil, Jaroslav Kvapil, Ot. Nebuska, A. M. Pisa, Ferdinand Pusman, Jan Sajle. Die Jury sür den Musilstaatspreis besteht aus: Em. Ambros, Hubert Dolejil, Mikuläs Schueider- Trnavsky, Ot. Sourek, Ladislav Vhepälek.— Der vom Schulminister- ernannte» Jury für den Staats« Preis für Werke und Leistlingen in deutscher Sprache gehören an: Karl Essl, Emil Franzet, Arnold Marls, Anton Moucha, Erich Steiuhard. Die Wetterlage bleibt in den Hauptzügen unverändert. Dem Binnenland wird noch.: immer.kalte Lüft ans höheren Breiten zugeführt. Auf den' Borgen herrscht leichter Frost und vielfach Schneefall. Am Siidostrand des Erdteiles ist es dagegen nbch warm; in Bulgarien betrug die Temperatur um 14 Uhr bis z» plus 26 Arad Celsius. Die Druckstörungen, welche sich an dieser Wärmegrenze entwickeln, veranlaßtem auch bei uns ergiebige Regenfälle ny Karpathengebiet der Republik. Wahrscheinliches Wetter Freitag: Vorwiegend bewölkt, zeitweise noch Niederschlag, nnd zwar wieder hauptsächlich im Ostteil des Staates. Temperatur im allgemeinen ohne wesentliche AeNdening, WetteraNS- sichten für Samstag: Andauern des kühleren. Wetters; auch im Karpathengebiet allmähliche Abnahme der NiederschlagSneignng.' Vom Rundfunk Empfehlenswerte» an« den Programmeni SamStag Prag. 10.08: Deutsche Presse. 10.80: Tanzmusik, 12.10: Chansons auf Schallplatten.. 17,10: Für die Jugend. 17.86: Deutsche Seiidüyg: Hartwig: Herr Huber hört Radio zu. 18.10: Felip Langer: Artisten, Rundfünkspiel.- 18.48: Deutsche Presse. 10.68: Uebertragung aus dem Theater in Kölln. 21.00: Janäkel: Räkos Rakoezy. 22.18: Tanzmusik. -— Prag II. 7.80: Populäres Konzert. 14.10: Deutsche Sendung: Jayetschek: Aus der Musikgeschichte, Liszt, Bruckner,.. 18.86: Weinberger Sängerauärtett.— Brünn. 12.26: Mittagskonzert, 15.00: Russische symphonische Musik auf Schallplatten! 17.40: Deutsche' Sendung: Schrannneikönz'ert. 10.16: Retiung, Rundsunksplel.—Kaschgu. 12,08: Iknterhal tungskonzert.— Mähr. Ostrau. Ili.yö: Leichte Musik. 18.00: Unterhaltungsmusik. Nr. 235 Freiing,!>. Oktober 1030 Seile 5 IMtewirtecfiqft und So&alpafitife Betriebsaufnahmen und Einstellungen In der Textilindustrie - Die Scidenfabrik Waschka u. Söhne in Odra», die im Juni stillgelegt worden war, hat die Beschäftigung in beschränktem Umfange wieder ausgenommen. Die Jutefabrik A.»G. Gebrüder Hätschel in Troppau hat nach vierwöchiger Unterbrechung ihren Betrieb wieder ausgenommen, 000 Arbeitskräfte sind wieder eingestellt worden. Die Onalischer Weberei Julius Bendixs Söhne, die seit Jahren nur noch teilweise arbeitet, hat bei der Behörde um Stillegung ihres Betriebes bis zu drei Monaten angesucht. Dadurch werden 100 Arbeiter brotlos. Ebenso hat di« mechanische veinenweberei Nettel In Markausch bei Traute- nau, die derzeit in zwei Schichten mit 00 Arbeitern arbeitet, um Stillegung ihres Betriebes ab 1-Dezember auf drei Monate unter der Begründung angesucht, daß sie trotz genügenden Auf» trägSbestandeS die BertragSlöhne nicht zahlen könne. Schließlich soll auch der Betrieb des Maut- ner-Konz«r::S in Brodec an der Sazawä, der 82g Arbeiter beschäftigt, stillgclcgt werden. Der Konzern begründet diese Maßnahmen mit Auftragsmangel. Bauindustrie optimistisch Wie der„Pr. Börftn-Courier" meldet, zeigten die letzten Tage eine ausfallende Tendenz zu Abschlüssen in Baumaterial für die Bausaison 1987, wobei in vielen Fällen die Arbeiten und Lieferungen zur Gänze im voraus bezahlt werden. Diese Abschlüsse betreffen oft nicht bestimmte Bauten, sondern lediglich bestimmte Lieferquanten. Im Vordergrund stehen Verkleidungsmaterialien, Baustoffe, verschiedenste Artikel und Rohmaterial, das von Proscssionisten gebraucht wird. Gablonz und die französischen Importerleichterungen Durch, die Verfügungen der französischen Regierung sind verschiedene Erleichterungen im ÄoNtingentsystem und telltvcise Zollcrmähigungen iundgcmacht worden. Leider sind die für die Gablonzer Industrie darin enthaltenen Vorteile nur unwesentlich. Besonders enttäuschend ist der Umstand, daß lediglich Schmuck- und Bijouteriewaren aus Silber und vergoldetem Silber kontingentfrei sind, während die allgemeinen Gablonzer Bljouteriewaren kontingentiert bleiben. Sehr hemmend auf das Weihnachtsgeschäft wirkt auch der Umstand, daß das von Frankreich für Bijouterie zugeteilte Kontingent für das vierte Quartal 1988 nur 150 Zentner beträgt, gegenüber dem normalen Ouartalskontingent von 285 Zentnern. ES bleibt ein Rätsel, daß der Klein- metackwarenvcrband in Prag, dem seit Mai vom Handelsministerium die alleinige Obsorge über das Bijouteriekontingent anvertraut wurde, es bei der gegenwärtigen Großzügigkeit Frankreichs nicht lvenigstens erreicht hat, daß das normale Kontingent bewilligt wurde. Die französische Zollermäßigung, die für Gablonzer Waren 15 Prozent betragen wird, begünstigt alle Artikel, die unter die Zollposition 858 fallen, nämlich Perlen, Steine, Glasblumen, Kolliers und ähnliche Artikel, ferner alle Arten von Knöpfen der Position 045 und außerdem GlaSwaren der Position 862. ; Mehr Glas- und Porzellanexporte nach den USA? . Die„Prager Presse" meldet:„Wie in New fjotl verlautet, erhöhten die New gorker Importeure ihre Aufträge in der Tschechoslowakei und in Italien in starkem.Maße. Namentlich die Preise für GlaSwaren, Porzellan, Schuhe und Spezial- lederwarcn sind günstiger geworden." Aufschwung des norwegischen.» Gewerkschaftsbundes Der Norwegische Gewerkschaftsbund steht in der Offensive. Die im Jahre 1985 durchgefiihr- ten Tarisbewegungcn haben den Arbeitern Lohnerhöhungen und eine Reihe anderer Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen gebracht. In vielen Berufen und Industrien wurde auch eine Erhöhung der individuellen Löhn« erreicht. Als besonders erfreulich lvurde bezeichnet, daß die Gewerkschaften der Lage Und den Arbeitsbedingungen der jugendlichen Arbeiter erhöhte Auf-» Jn der bürgerlichen Basler„Naiional- Zeitung" berichtet ein Schweizer, der im September auf der kleinen Balearen-Insel Ibiza weilte, von seinen Erlebnissen und Eindrücken. Ibiza wurde zunächst von den Regierungstruppen besetzt. Da cs eine aufständische Besatzung hatte, wurde>eS bombardiert, aber die Regierungsslugzeuge warnten durch dreimaligen Abivurf von Flugzetteln die Bevölkerung, so daß diese sich in Sicherheit bringen konnte. Dann erst wurden die militärisch wichtigen Punkte bonibar» diert. Eine Besatzung von 800 Milizionären lag nun vierzehn Tage in der Stadt. Am 18. September, einem Sonntag, erfolgte in den Mittagsstunden der erste Bombenangriff durch drei Flugzeuge der Rebellen. Ohne die ahnungslose Bevölkerung zu ivarnen, warfen die Aufständischen schivere Bomben ab, durch die 40 Menschen in ivenigen Minuten getötet, zahlreiche andere grauenhaft verwundet ivurden. Der Schweizer Augenzeuge schildert das Bombardement: »Ich war gerade im Begriff, auf mein Fahrrad zu steigen, um nach dem Bade-Strand zu fahren. Kaum hatte ich 50 Meter hinter mir, als ich wieder abstieg, um die Flugzeuge, die nun»über dem Hafen flogen, besser sehen zu können. Ich kletterte auf«Ine Mauer. Da plötzlich, in rascher Reihenfolge, fünf bis sechs furchtbare Detonationen in allernächster Nähe. Und schon standen über der Stadt an verschiedenen Stellen gewaltige, schwarze Rauchsäulen. Ich raste nach der Stadt zurück. Entsetzliche Verwirrung in den Straßen. Der Kellner,' der mich fünf Minuten vorher im Cafö noch bedient hatte, rannte mit blutüberströmtem Gesicht nach dem Roten Kreuz. Die Straß« war mit GlaSsplit- tern übersät. Wenige Meter weiter ein Milizsoldat, der an der Tankstelle schlafend gesessen hatte, und nun mit aufgeriffenem Leib auf der Straße lag, neben ihm ein zweiter in einer großen Blutlache. Ein großer Autobus stand in Hellen Flammen. Die Trümmer mehrerer eingestürzter Häuser lagen weit über die Hafen- straße zerstreut. Und wieder brauste er in den Lüften. Kaum war ich 100 Meter gelaufen, als es wieder krachte, diesmal mitten in dem Wohnviertel, wo auch sofort die Rauchsäulen gegen den Himmel stitgen. Die Flugzeuge gingen nun höher und flögen wieder in di« Richtung, aus der sie gekommen waren. Grauenhafte Szenen boten sich meiiien Augen. An den Trümmerhaufen zusammengestürzter Häuser, unter denen entsetzliche Schreie zu hören waren, arbeiteten fieberhaft die Milizsoldaten, um noch Menschenleben zu retten, wo er noch möglich war. Ein kleines Restaurant. | merksamkeit schenken und«S ihnen möglich war, | riete Mißstände ans diesem Gebiet zu beseitigen. O. Hindahl, der Vorsitzende des Bundes, teilte in der letzten Vorstandssitzung mit, daß der Bund Ende 1985 insgesamt 224.840 Mitglieder zählte, tvas eine Zunahme nin 51.880 Mitglieder oder 80 Prozent bedeutet. Nach den vorliegenden Angaben für 1980 hatten die angeschlossenen Verbände im ersten Halbjahr einen weiteren Mitgliederzuwachs auf insgesamt 287.614 zu verzeichnen. Dazu kommen noch 11.166 Mitglieder der dem Bund angeschlossenen ArbeitS« kosen-Vereinigungen, so daß die Gesamtmitglie- derzahl des Bundes jetzt 248.780 beträgt. Amerikanischer Außenhandel. Zum ersten Mal seit zehnJahren hat im erste» Halbjahr 1986 die amerikanische Einfuhr den Export mit einem Gesamtbetrag von neun Millionen Dollar überschritten. DaS Hauptimportland ist Großbritannien. das um dies« Zeit mit Menschen gefüllt war, war pur noch ein Haufen von Steinbrocken und rauchende» Balken. An zwölf verschiedenen Stelle» das gleiche Bild der Zerstörung. In Erwartung einer Wiederholung der Bombardement» herrschte furchtbare Panik. F r a u e n u n d Kinder liefen schreiend durch die Straßen, alles flüchtete ins Freie, Kranke und Greise schleppte man hinaus, eine Frau, vor Schreck wahnsinnig geworden, rannte in ein fahrende- Auto. Ein durchdringender Gestank verbreitet« sich. Die Apotheke mit dem Laboratorium war in die Luft geflogen. Von einer Fischerbarke'im Hafen, die von einer Bombe getroffen worden war, schwammen nur-noch einige Holzteile auf dem Wasser. Die Erregung der Bevölkerung über dieses un- angekündigte Bombardement der wehrlosen, offenen Stadt war ungeheuer. Gegen Abend erst kannte man die ungefähre Zahl der Toten. 40 Menschen, Frauen, Kinder, Greise, die friedlich in ihren Häusern schliefen oder aßen, waren in wenigen Minuten getötet worden." Nun waren alle Greuel der Bürgerkrieges entfesselt. Die bis dahin harmlosen Milizionäre gerieten in einen Rausch der Blutrache und schossen mit Maschinengclvehren in die Gewölbe, in denen sie 200 Angehörige der Rechten gefangenhielten. Nur wenige von diesen Geiseln entkamen der Metzelei. Die Bevölkening floh aus der Stadt. Die Trümmerstätte wurde trotzdem noch mehreremale bombardiert. Dann erschien ein ick a l ionisches Kriegschiff, da» eine Patrouille landete, die nach kurzer Zeit wieder abfuhr. Am 19. September landeten 200 Mann aus Mallorca aus Ibiza. Sie wurden von dem Italiener Eonte Rossi angeführt und als erste stiegen italienische Faschisten, eine Hundertschaft stark, an» Land. Ihre erste Tat aber war, daß sie 8 0 A r b e i t e r, di« man ihnen als Demokraten denunziert, hatte, standrechtlich erschossen. Damit begann eine Serie von Hinrichtungen linker Leute, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Die englischen Sozialisten und die Hitler-Gefahr Jennie Adamson, die Präsidentin des Par- teikongrcsses der Labour-Pavth in Edinburgh, sagte in ihrer Eröffnungsansprache u. a.: Unsere erste Pflicht ist es, Aufklärung über den Zustand der Erniedrigung zu verbreiten, in den ein großer Teil Europas geraten ist, und in« Vie Greuel des Bürgerkriegs Die Leiden der Stadt Ibiza z Italienische Schiffe und Truppen mit den Rebellen Tödlicher Gehorsam Der Prozeß Luner, der wochenlang die Spälten der Wiener Zeitungen füllte, ist beendet. Die Angeklagte lvurde zum.Tode verurteilt. Nun die Sensation verklungen ist, zu der die Sache durch die Dlenstivilligkeit übereifriger Reporter gestempelt wurde, fragen wir uns: was ist das Bezeichnende des Falles, wo enthüllt sich hier eüva eine über das Einzelschicksal hinausreichende Zeitgefahr.. ' Eine Sadistin hat ein Kind zu Tode gequält, das ihr anvertraut war. Grauenhaft, aber zu dem allgemeinen Grauen unserer Zeit scheinbar ohne Beziehung. Hemmungslos triebhafte Lust am Quälen war das Motiv der Tat, ein Motiv, das nur im krankhaft mißbildeten Charakter der Täterin begründet lag. Gewiß, die Umstände des Mordes waren besonderer Art. Frau Luner hatte schon ziveimal.unter ähnlichen. Anschuldigungen vor Gericht gestanden und war in einem Falle zii schwerer Kerkerstrafe verurteilt worden. Man könnte also fragen, wie cs möglich war, daß diese Frau weiter Dienstboten, vor allem minderjährige Dienstboten, ins Haus nehmen und dort unbeaufsichtigt über,sie herrschen durste. Hier käme man gewissen Zestfragen— der Schutzlosigkeit des„dienenden Stande»? etwa— schon näher. Aber der Prozeß wirft kein neues Licht.auf eiii altes Problem. Er bestätigt nur längst Erwiesene»— wenn auch in besonder» krasser Weise." . Eines aber machte des» Beobachter während des Zeugenverhörs immer aufs neue stutzen, eine bestimmi« Berhältungsweise der Opfer, die fast unglaublich erscheint, und die dennoch allen von Frpu- Luner Mißhandelten gemeinsam ist. Die Folterungen geschahen i» keiner menschenleeren Gegend, geschahen nicht Irgendwo auf einem einsamen Landgut, sondern in der Stadt mitten unter Menschen, in Unmittelbarer Nähe von Hausbesorgern, Nachbarn, Lieferanten und gelegentlichen Besuchern. Die Gepeinigten waren auch durchaus nicht immer von der Umwelt abge- ' schnitten. Die kleine elfjährige Paula Krenn z. B. ging täglich zur Schule. Die Frau Tobner, die im Hause Luner ausgenommen worden war und dort Selbstmord beging oder getötet wurde, sprach mit Freunden aus ihrem früheren Leben, das letzte Opfer Anna Augustin wurde von der Mörderin sogar gelegentlich einem Arzt vorgestellt— über alle diese Gequälten schwiegen. Hätte ein« von ihnen„auSgepackt", sei es auch vor einer noch so. begrenzten Oefsentlichkeit, das Letzte und Schlimmste hätte vielleicht vermieden Iverdcn können. Nichts dergleichen geschah. Alle ausnahmslos duldeten sie— und schwiegen. Der Mann der Luner sagte im Zeugenver- hör aus, er selbst hahe die Anna Augustin, al» die Mißhandlungen immer schwerer wurden, nach Hause bringen wollen. Das Mädchen habe aber weinend, erklärt, es wolle bleiben,„die Eltern Würden sich Wundern, wenn sie ihren Dienstplah jetzt schon verließe".- Die anderen Opfer haben zumeist angedeutet, sie hätten Angst gehabt, etwas gegen ihre Peinigerin zu-" unternehmen. Das bedeutet: stärker als das Bewußtsein, daß ihnen Unrecht geschah, war bei allen die Ueberzeugung, daß sie von. einer etwa angerufenen Instanz, wie immer sie beschaffen sein möge, nicht recht bekommen, daß die Aussagen der Dienstherrin in jedem Fall« schwerer wiegen nnd eher geglaubt werden Würden als die Klagen derer, die ihr ausgeliescrt waren. Wie kamen die Mißhandelten zu dieser Ueberzeugung? Mit dem Wort„Angst" ist wenig anzufangen, denn anklagend, aufbegehrend, die Uinwelt alarmierend, hätten sich die Opfer gleich» zcitig der Gewalt ihrer Peinigerin entziehen können. War cs nicht vielleicht gerade die'fatalistische Anerkennung dieser einmal bestehenden Gewalt, die das Schweigen verursachte? Die Mädchen sind, eines wie das andere, in streng katholischen Kreisen ausgewachsen, sind also„in Demut und Gehorsam" erzogen worden. Wir wollen damit nicht sagen, daß dies« Erziehung in Demut und blindem Gehorsam, diese Erziehung zur unbedingten Fügsamkeit gegen die Obrigkeit, die Gewalt hat, eine-Eigenart allein der katholischen Menschenformung sei. Wir sind uns vielmehr darüber klar, daß jede rein autoritäre Kinder- und Bolks- erziehung, gehe sie nun von kirchlichen oder weltlichen Mächten aus, demselben Resultat zustrebt. Das heißt: in der richtigen Erkenntnis, daß jeder, der an irgendeiner Obrigkeit, sei sie auch noch so Privater Natur, Kritik übt, leicht dahin kommen kann, diese. Kritik zu den höchsten obrigkeitlichen Spitzen auszudehnen, bis zum Papst, zum Kaiser, zum Führer— in dieser richtigen Erkenntnis pflegen Erzieher solcher Art die Kritik nach oben schlechthin zu verbieten, sie als Sünde auf kirchlichen, als Landesverrat auf weltlichem Gebiet zu brandmarken. Wo eine solche Kritik, sei sie noch so gerecht und noch so berechtigt, von den also Erzogenen.dennoch geübt wird, regt sich in ihnen ein Otück schlechten Gewissens, regt sich da» Gefühl, Verbotenes zu tyn.— Und dieses Gefühl mag auch die Opfer der Frau Luner in ihrem Schweigen bestärkt, wenn nicht da» Schweigen verunlaßt haben,' nerhalb unseres Landes ein solches Gefühl der Empörung gegen diesen Verfall der Menschheit zu erwecken, daß sogar die„Führer" und ihre Anhänger von diesem Schamgefühl der demokra- tischcn Welt Kenntnis nehmen müssen. Ich empfehle nicht, das Beispiel des Herrn Lloyd George nachzuahmen, der nach Deutschland eilte, um mit Adolf Hitler vortranlich zu plaudern. Hitler wird sich jeden prominenten englischen Liberalen anhören, aber er hat sich bisher doch geweigert, mit den Vertretern der britischen Regierung am Konferenztisch Platz zu nehmen, um eine gemeinsame Lösung dcS europäischen Friedensproblem» zu suchen. Llohd George kam einst in di: Politik als Verkörperung des militanten protestantischen Gelviffens. Nun verläßt er die Politik, indem er Hitler die Hand schüttelt und ihn einen großen Mann nennt. Wir müssen erkennen, daß der internationale Geist vor der Notwendig- leit steht, sich zu verteidigen. Wird Deutschland keine Zuflucht zur Gclvaltpofttik nehmen wie cs das faschistische Italien getan hat? Sehr bald tvird es über die nötigen Mittel dazu verfügen. Gegen die gemeinsame Gefahr müssen>vir uns in eine gemeinsame Aktion des Widerstandes einreihen. Wir müssen der Bedrohung Europas mutig cntgegentreten. Die Labour-Parth ist sich der drohenden Gefahren voll betvußt. Wir würden unsere» sozialistischen Grundsätzen untreu werden, wenn wir denr Schicksal der Demokratie und des Friedens gleichgültig zusehen würden. Ich bin sicher, im Namen der Millionen Männer und Frauen zu spreche», welche die Labour-Parth bilden, wenn ich sage, daß wir sest zur Demokratie nnd dem Frieden stehen und daß wir eS nickt an Mut nnd Entschlossenheit fehlen lassen wollen, loenn e» gilt, den Frieden zu ivahren und die Demokratie zu verteidigen." Die„Reinigung" in der Sowjetunion geht weiter. sRu.s Bon den neuen Ernennungen nnd Absetzungen lenkt eine besondere Aufmerksamkeit auf sich die Demission von P r o k o f j e w, der im Laufe der letzten 16 Jahre der eigentliche technische Leiter der politischen Polizei in allen ihren Gestalten getvesen ist. Nun wird Prokofjcto samt seinem Chef, Jagoda, abgesägt. Noch bezeichnender ist die Ernennung zum Volkskommissar des Innen:, also zun: Leiter der politischen Polizei, von Jeschoff. Dieser ist der Vorsitzende des im Jahre 1084 völlig erneuerten Ausschusses für Parteikontrolle. Durch die Ernennung von Jeschoff toird nun der staatliche Terror zusammen mit dem innerparteilichen Terror in einer Hand konzentriert. Es scheint überhaupt, daß eine neue Welle dcS Terrors im Ansteigen begrifft:: ist. Die Sowjetpresse veröffentlicht Artikel, in denen ein:„e r b a r in u n g S I o s e Vernichtung der Reptilie n" gefordert wird. In erster Linie tvird da der frühere Finanzkommissäx, S o I o l n i.k o w genannt, der schon seit längerer Zeit im-Gefängnis seine Aburteilung erwartet. Aber die Reinigung zieht immer tveitere Kreise. So erregt großes Aussehen in Moskau die Absetzung von Kerschenzew, des früheren Gesandten in Stockholm und Rom, der zum Kreis von Littvinow gehört. Roh ausfallender ist die Verhaftung von R a j e w- s k y, der die in französischer Sprache erscheinende Solvjetzeitung,„Journal de MoScou" redigiert hat. Rajewsky gilt allgemein als ein Günstling von L i t w i n o w, so daß im Zusannncnhange damit man auch von einer Erschütterung der Position von Litioinolo selbst spricht. Ju der „Pratoda" und den„JSvestija" sind Aussätze mit einer strengen Kritik der Eisenbahnverwaltung erschienen, die sich unter der persönlichen Leitung von Kagano witsch befindet. Bis jetzt galt Kaganowitsch als der, neben Odschonikidse und W o r o s ch i l o w, Stalin an: nächsten stehende„Unterdiktalor", als Tabu. Manches deutet darauf hin, daß in: RegiernngSapparat der Sowjet» sich in der nächsten Zeit bedeutende Verschiebungen porbereiten. lind hier haben tvir den Faden, den Blutstrang, der das Grauen des Luner-ProzesscS mit dem großen Trauen unserer Zeit verbindet. Was die kleinen Hausmädchen in Wien veranlaßt hat, sich schweigend mißhandeln zu lassen— das kann ganze Völler wenigstens für eine Zeit dahin bringen, sich knuten zu lassen ohne aufzuschreicn. Viele Jahrhunderte lang war es allein hie Kirche, die das Volk zur unbedingten FUgfamkeit erzog. Auf dem Wege über das Gottesgnadentun: wurde die Unantastbarkeit der Stellvertreter Gottes auf die weltliche Macht ausgedehnt. Jetzt kommen die diktatorischen Regime ohne diese HilfSstellung der Kirche aus, indem sie die Spitze der weltlichen Obrigkeit selbst vergotten und jeden Zwei- fel an ihr als Sünde tvider den Geist aufs fchwerste ahnden. Die Methoden sind ähnlich, das Resultat ist das gleiche; bediiyiungSlofe, kritiklose Unterwerfung der Beherrschten unter fedon «höheren Willen", FUhrbarkeit bis ins Verderben, bis in die Katastrophe, bis in einen unsinnigen und widernatürlichen Tod. Unter den Fenstern des Wiener GerichiS- gebäudeS, in dem der Mordprozeß Luner verhandelt wird, standen die Menschen-täglich in dichten Hausen und schrien:„Aushängen, aufhängcnl" — ES ist nicht ihre Obrigkeit, deren Bestrafung sie da forderten, es ist die rein private Obrigkeit einiger gemarterter Kinder. Die Schreienden haben also keinen Widerstand in sich zu überwinden. Aber die Weltgeschichte lehrt, daß der Ruf „aufhüngen l" auch von den Opfern selbst erhoben zu werden pflegt, sobald die Suggestion der Macht fortfällt, sobald an die Stelle der anerzogcnen Unterwerfungsbereitschaft der Wille tritt, zwischen Recht und Unrecht selbst zu unterscheiden. „Sozialdemokrat" yreika», v. Oktober 1088. Nr. 288 Seite 6 Der Nsmdurser Wasilewskl-Prozeß An; 22. September bat vor dem Hanseatischen Sondergericht«in Prozeß unter dem Titel „Wasilelvsli, Scheffel und andere" begonnen, bei dem die Anklage von demselben Oberstaatsanwalt Jauch vertreten tvird, der schon seinerzeit die Todesurteile in den Mordprozessen Fischer und Schmidt durchgesetzt hat. Die Zahl der Angeklagten ist nicht genau bekannt. Wajilewski selbst ist ebenso wie Scheffel seit April 1883 I» llntcr- suchnngShaft. Die Angeklagten Ivcrden nach deni Muster deS Elmshorn-Prozesses(270 Angeklagte) und des noch lausenden Prozesses»Heidt und andere"(670 Angeklagte) beschuldigt, im Vierteljahr vor Hitlers Machtcrgreisung sogenannte Terrorakte ansgeführt zu haben. Sie sind keiner bestimmten Tat,, sondern nur als„Teilnehmer" an mehreren Schießereien angcklagt, bei denen». a. im März 1038 der Polizeibeamte Kopka erschossen worden ist. In keinem Fall behauptet die Anklage, daß ein einziger der Angeklagten direkt an der Schießerei beteiligt gclvescn sei, sondern stellt mir fest,„daß sie von dem Mord gewußt haben". Der ganze Prozeh ist, wie die meisten Hamburger Prozesse, juristisch willkürlich konstruiert. Die auffallende Tatsache, dah Hamburg-Altona allein über 25 Prozent der in Deutschland zum Tode verurteilten und Hingerichteten Antifaschisten stellt, ist damit zu erklären, dah Hamburg einer der stärksten Widerstandsherde gegen den Nationalsozialismus war. Im Anschluh an den Wasilelvsli-Prozeß dürfte ein Prozeß gegen ctiva 25 ehemalig« Nelchsbannerlcutc stattfindcn. Diese sind ange- Ilagt, die Nationalsozialisten in einer Straße in Barmbcck, als die SA bei einer Demonstration mit brennenden Fackeln auf die ihren Weg säumend« Zuschauermenge einschlug, angegriffen zu haben, Dir Gleichschaltung Tnnzigö. Der„Pr. Pc." lvird unter dem 6. d. aus Danzig gemeldet: Die Liquidierung der sozialistischen Partei auf dem Gebiete der Freistadt Danzig hat heute erneut eingesetzt. Während des ganzen Tages sanden Hausdurchsuchungen in den Wohnungen aller sozialistischen VolkstagSabgcordneten sowie in den Wohnungen von ungefähr 50 sozialistischen Führern in der Provinz statt. Der sozialistische Volks- tagSnbgeordnete Müller und Plattner und der sozialistische Gemeinderat Godan solvie der Redakteur Thomas wurden in Schutzhaft genommen. Außerdem stvurden mehrere Mitglieder der sozialistischen Jugendorganisation verhaftet. Die sozialistische Partei hat alle für heute und morgen angekiindigten Proteswersammlungen abgesagt, da die Versammlungslokale von der Polizei besetzt gehalten werden, die den Auftrag hat, alle eventuell erscheinenden Interessenten sofort zu verhaften. m Sita Zrlenskä, cm neues tschechisches Filmgeflcht. Kunst und Wissen. der Clus der Sattel ein im Vereinen acfuiefiten sönlich interessiert, hat es natürlich leichter. Noch iÄattin Ada Svedin haben nach kurzer Glanzzeit>Richard Weihbach-Helm. Minderjährige Lehrmädchen als Opfer Ihres Dienstgebers Prag,(rb.) Der 52jährige Obsthändler Anton Mlsek aus K l a d n o, der gestern vor dem Schwurgericht des vielfach begangenen Verbrechens der Notzucht angeklagt war, ist wegen Sittlichkeitsdelikte bereits vorbestraft und der Polizei als rückfälliger Sexualverbrechcr bekannt. im 3. Stock Frauenorganisation Prä deutschen sozialdemokratisch«« Arbeiterpartei: Montag, den 12. Oktober, um 8 Uhr abends neuen Parteiheim, Prag II, SmeLky 22, Bezirksorganisation Prag Dienstag, den 18. Oktober, um 8 Uhr abends Parteihelm, n. Stock Sitzung der Bezirksvertretung■ Umso verwunderlicher muß anmuten, dah die Poli- zcibchördcn dem Wüstling nicht besser auf di« Finger sahen, zumal er in seinem Geschäft mit Vorliebe Kinder beschäftigt«, die kaum der Schule entwachsen waren. Drei Lehrmädchen, die zckr kritischen Zeit das vierzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, sielen den Gelüsten ihres sauberen Lehrherrn zum Opfer, der einerseits seine Autorität als Dienstgeber einzusehen und anderseiis die»Kleinen durch geringsiigige Geschenke und Versprechungen gefügig zu erhalten wußte, so daß sein verbrecherisches Treiben durch längere Zeit unentdeckt blieb und der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Straftaten viele Male zu wiederholen vermochte. Außerdem verging sich Mtsek an einer kleinen dreizehnjährigen Verwandten namens Georgine, die zu ihm auf Besuch kam. Die vier kleinen Zeuginnen sagten natürlich! in geheimer Verhandlung aus, die sich sehr in dse Länge zog. Der Angeklagte, der seinerzeit zunächst«in weitgehender Geständnis abgelegt hatte, versuchte später Irrsinn zu simulieren und markierte den Geisteskranken dadurch, daß er von dem Polizeiarzt Dr. V n n a das Gerücht verbreitete, dieser habe den zu Kriegszeiten berüchtigten Militärarzt und Schrek- ken aller Assentpflichtigen Dr. Halbhuber ermordet. Dieser llnfug half ihm wenig, denn dl« Gerichtspsychiater Prof. Dr. H e r f o r t und Doz. Dr. Knobloch erklärten den Angeklagten Abe strafrechtlich verantwortlich, wenngleich ihm eine ge- wiise Minderwertigkeit als mildernder Umstand zuzurechnen sei. Nach einstimmigem Schuldspruch der Geschworenen verurteilte der' Gerichtshof, des OGR. Dr. Bävra den Angeklagten zu zweiJahren schwerenKerkerS. zogen hat,«in zweihändiges, zweischneidiges Schtvert mit geringelter Parierstange, überzogenem Griff und Elfenbeinknauf. Ein Fleck auf der Schwertfläche sieht aus wie eine Blutspur, doch es ist nur«Inge« frcssener Rost; nach der Exekution wird der Scharfrichter das Schwert sorgsam gereinigt haben. Und so ist es eigentlich gar nicht„schauerlich" anzuseheg. E» liegt In der Vitrine, eine„Sehenswürdigkeit", Ivie alle Waffen, die einmal Meiischenblut befleckt hat. Reliquie» der Geschichte. So liegen ja auch schon die Waffen des Weltkrieges in den Museen; auch er ist schon„Geschichte" geworden, indes die Welt siir neue Schrecken rüstet. günstiger liegt der Fall, wenn sie seine angetraute Gattin ist. Die Ehen Joe May— Mia Mays Dr. Paul Czinner— Elisabeth Bcrgner, Alexander und Maria Corda, Richard Eichberg— Lee Parry sind markante Beispiele. Zuweilen tritt an die Stelle des Regisseurs auch ein bedeutender Schauspieler, wie es die Ehen Douglas Fairbanks — Mary Pickford, Einil JaunigS— Lucic Höflich, Paul Wegener—- Lyda Salmonowa zeigen. Die künstlerische Eifersucht beider Gatten ist dann wiederum ost genug die erste Vorstufe zur Scheidung. Aus der unbekannten Tänzerin Leni Riefenstahl tvurde durch die freundschaftliche Förderung des Regisseurs Dr. Fanck eine Diva erster Bedeutung. Aus der unbekannten Chargcnspielerin Anny Ondrakova machte der Filmproduzent La- maö den Filmstar Anny Ondra. Einer der Mitinhaber des Ullsteinverlages gründete für den Privatbedarf seiner Gattin Aenile die Bios-Filmgesellschaft und brachte die erstere unter dem romantischen Pseudonym„Assunta Avalun" als Star heraus, ohne damit jedoch sonderlichen Erfolg zu haben. Günstiger verlief etliche Jahre später der Versuch eines Berliner Kaufhausbesitzers, seiner Freundin eine eigene Filmsirma zu finanzieren. Dip Foreign-Filmgesellschaft brachte zwei gute Filme heraus; dann verschwanden die beiden Direktoren unter Mitnahme des Kapitals. Die Firma flog natürlich auf, aber der Weg der Filmdiva Mabel Hariot war gemacht. Wer selbst die mächtigste Protektion ist noch kein Garantiebrief für einen dauerhaften Erfolg. Die Regisseur-Gattinnen Maria Corda, Mia May, Lee Parry, Hanni Weihe sind längst von der Leinwand verschwunden, und auch Valy Arn- heinis Gattin Marga Lindt und Ludwig Czerny's Andenken an 1621 * Durch kleine SonderauSstellimgen, die sich mit einen; kurze» Besuche leicht belvältigen lassen, ohüc zu crniiiden,. weiß der Direktor der städtischen Museum» an; PoiiL immer von neuem zum Besuche des Museums anzurcgen; ganz von selber wird der Betrachter verlockt, sich doch nun einmal auch in den anderen Räumen umzuschen. Dicsnml hat Direktor Dr. Novotny den historische» Roma»„Mistr Kam- panu«" von Zikmnnd Wiptcr zu»; Anlaß genommen, cimnal in einer Schau zu vereinigen, was auf den Roman und die geschichtlichen Ereignisse, die seinen Hintergrund bilden, Bezug hat. lieber 150 Stücke aus verschiedenen Museen und Privatsammlungen sind da zusnnnncnnckonnncn. Doklnncnte und Bilder zumeist, Bilder der Oertlichteiten, die in den verhängnisvollen Jahren von; Fenstersturz zu Prag bis zur Schlacht an; Weißen Berge Schauplätze des historischen Geschehens geworden sind, und Bildnisse von Personen, die in dieser Zeit eine Rolle gespielt haben. Auch Kuriositäten sind darunter, wie dar Dokun;ent, durch das den; später aufs Schaffst geschleppten Prager Anatom Jessenins zum erstenmal die Belvil- ligung erteilt wird, eine Leiche zu sezieren. Zeitge- nöksische Kupferstiche schildern de» Einzug und die Krönung Friedrichs von der Pfalz, des„Winterkönigs" in Prag; die Krönung wird auch auf dem Oclgcmälde eines unbekannten Malers dargestelli, das aus de»; Verborgenen zu»; Vorschein gekommen ist. Ans einem großen Kupferstich erscheint die Schlacht am Weißen Berge eher als ein festliches Gc» tüinmel denn als blutiger Kampf; sogar die Gefallenen liegen eher dekorativ als schrecklich auf den leeren Flächen zwischen den scstgeordnrten Truppenkarrees. Zlvei andere, einander sehr ähnliche Kupferstiche aus der Zeit schildern in; Bilderbogcnstil die Hinrichtung dec 27 protestantischen Anführer auf dem Altstädter itting am 21. Juni 1021 in allen Szenen: Ueberführung der Angeklagten nach der Burg, Gericht ui;d Urteil, die kniende» Frauen und Kinder, die vergeblich um das Leb«; ihrer Männer und Väter bitten, Ueberführung ocr Verurteilten nach dem Altstädter Ring und die Einzelheiten der Exekution, Stäupung, Hinrichtung an; Galgen. Enthauptung, Vicrtcilung dec Leiche» und an; Ende die Köpfe der Enthaupteten auf den Zinnen des Alr- städter KarlsvrückenturmcS- Auf Befehl Fcrd;- nands II. und entgegen den Versprechungen des siegreichen LigistensührerS Maximilian von Bayern wurde der Prozeß geführt und das Urteil vollstreckt. Der kaiserliche Statthalter Fürst'Liechtenstcin war der Vollstrecker. Auch sein in Kupfer gestochenes Vor» trait Ist zu sehen; nichts in diesem Gesicht deutet auf einen„Bluthund" hin— cs könnte ebensogut da» Bildnis eines der Verurteilten sein. DaS alles sind bildliche Darstellungen. Aber zwei Schaustücke find Ivirkliche Zeugen jenes TchreckenStages: das Kruzifix, aus flachen Brettern gefügt und bemalt, das auf den; Schaffst am Altstädter Ring gestanden hat lauf den Kupferstichen;st eS zu erkennet;), und das Richtschwert de» Scharfrichters Mydlär, mit dem er die Hinrichtungen voll- Erftc Arbeitervorstellung in dieser Spielzeit ist „G a b y"(Operette) am Sonntag, den 18. Oktober, l^3 Uhr nachmittags. Karten ab Dienstag bei Opiiker Deutsch. Spielplan de» Neuen Dentschen Theater». Freitag 7>4: L u»; p a c i Vagabund« S, D 2. — SamStag 7%: Erstaufführung: D i eHoflog e, C 2.— Sonntag 1%: Cavalleria r u st i c n n a— Bajazzo, D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8%: Aerztliches Geheimnis, Theatergemeinde des Knlturverbande» und freier Verkqaf. — Samstag 8: D n s große ABC.— Sonn, tag 8: Zweite» Gastspiel Moser: MeinSohn — der M i n i st e r. Urania-Kino, Kllmentskä 4. ., Fernsprecher 61628. Mitteilungen aus dem Publikum. Mastiere Dich täglich; verkühl Dich niel Das ist einmal ein Schlagsatz, dessen Beherzigung nicht genug empfohlen sein kann. Und er ist so leicht zu befolgen: Ein paar Tropfen des Alpa-Franzbrannt- tvein» in die hohle Hand und dann fest den Körper dPnit cingerieben; erst ist es angenehm frisch, dann wohlig warm und vor allem: der Körper ist gefeit gegen Verkühlung und Folgekrankheitenl Da» sag; auch der Arzt! X Ortsgruppe Prack S o n n-t a g, Wt den 11. Oktober, Zusammenkunft um fr) W Uhr am Braniker Bahnhöf. Fahrt M nach Jllovö,. Wanderung: Kamen»») WU r— Vklvoz— Thnee— Dnespeky•«-, Mokrany— Teptkn— Jilovö.' Gehzeit: 8 Stunden, Fahrpreis 8 Ai..Führer; Schaffer,—'.Außerdem jeden Sam»tag Führung zur Hütte iim Brdh-Wald. Information jeden Freitag von,6^ä8 Uhr In der Geschäftsstelle, in Prag II., Smeöka 27,.II. Stock/ Telephon 27727..(Verein deutscher Arbester.)■, ihren Platz an j innere Kräfte abgeben müssen. Selbst die Gattin des französischen Regisseurs Löon Poirier, Cathörine Heßling, deren hohe Befähigung vor allem in ihren beiden in ganz Europa mit größtem Erfolg gezeigten Filmen „Nana" und„Das Mädchen mit den Schwefel- hölzern" zum Ausdruck kam, ist heute fast vergessen. Der Film friht Menschen. Wo sind heute die großen Stars, denen vor knapp fünf oder zehn Jahren die Filmsreunde aller Länder zujubelten? Wo sind Viggo Larsen. Olaf Fönß, Hedda Vernon, Fern Audra, Wanda Treumann, Diana Karenne, Sascha Gura, Hella Moja? Vergessen, verschollen. Die festigen Stars, deren Karriere länger als fünf bis höchstens acht Jahre dauert, lassen sich an den Fingern abzählen. Wer sich„halten" will, braucht Reklame und nochmals Reklame. Le bombastischer sie aufgemacht ist, um so sicherer wirkt sie. Als Betty Amann in Vergessenheit zu geraten begann, lieh ihr Propa- gandachef sogar die Meldung verbreiten, sie sei in England an den Blattern gestorben. Die Methode bedeutete den Gipfel der Geschmacklosigkeit, aber sie wirkte; der nächste Betty Amann-Film brachte einen Kaffenrekord. ' Eine Ausnahme bildet die Filmschauspielerin Brigitte Hel»;. Eine Entdeckung des Regisseurs Fritz Lang, verdankt sie nicht nur ihren Aufstieg ganz allein ihren darstellerischen Fähigkeiten, sondern hat sogar ihren Gatten daran teilnehmen lassem Aus dem früheren Konfektionsangesttllten und späteren Filmstatisten Richard Weißbach, ist durch seine Ehe man der berühmten Diva ein geschätzter Aufnahmeleiter geworden. Seine Anerkennung dieser Tatsache liegt in seinem Pseudonym, das eigentlich gär keinS ist: er neNnt sich 7 MLP Hinter den Kulissen des Films Aus dem Tagebuch eines Regisseurs Frauenabend mit Vortrag der Genossin Maria Deutsch über das Thema:„Die Frau in Spanien einst und jetzt". Der Wildfang ■Mmkuüwlil mit Mpllk... Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich. AL 16,—, vierteljährlich AL, 48,—, halbjährig AL 86.—. ganzjährig AL-182,—.— Jnserate'werdestiaut- Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken;— Di« ZeitungSfrankätur wurde von der Post« und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr, 18.860/VII/1Ü30 betvilligtr— Dtückerei: ,;OrbiS"^ Drück-,' Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag.-...... Blutiges Ende eines Bummels Prag,(rb.) Dieser, vor dem Senat Wald- ... a n n verhandelte Fall, hätte nm ein Keine» die Geschworenen beschäftigt, wie denn auch die Vorerhebungen zunächst auf Mordversuch geführt wurden, bi» sich schließlich herausstellie, daß in diesem Vorfall lediglich«ine„besoffene Sache", wie sich einer der Zeugen privatim ausdrückte, einen blntigtn, aber doch noch leidlich verlaufenen Abschluß sand. Ter Jng. Rudolf GanS und der Kunstmaler P a r l i k, seit alterSher gute Freunde und Stammgäste Im Kaffeehaus„Manes", hatten eine Geschäfts- und Wohngemeinschaft gegründet, wobei dem Maler die Rolle eines Propagandachef» und Reklamezeichners zufiel. Als dies« Gemeinschaft zehn Tage gewährt hatte, beschlossen die Kompagnons, dieses Jubiläum in Gesellschaft ihrer Gattinnen und einiger Freunde entsprechend zu begießen. Die Bummclreise begann im^.ManeS" und endete in den Morgenstrmdcn in der gemeinsamen Vierzimmerwohnung der befreundeten Familien. Auch hier floß der Wein ist Strömen, so daß einige Gäste, die nicht dem edlen Beispiel der sternhagelvollen Veranstalter folgen wollten, ihre immer wieder nachgefüllten Weingläser insgeheim in die Blumentöpfe leerten.?ll» sich die Gäste verlaufen hatten, kam c» zwischen den gleichermaßen betrunkenen Herren Barlik und Gan» au» irgendeiner bedeutungslosen Ursache zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf Jng. Gan» nach seinem Revolver zu rufen begann und die Absicht äußerte, seinen Freund Parlik, umzubringen. Seine Gattin versuchte, die Waffe auf dem Schrank zu verbergen. Leider wurde diese vernünftige Absicht dadurch vereitelt, daß Parlik selbst seinem Freunde di« Pistole reichte mit der freundlichen Einladung, sich zu bedienen.-Jng. Gan» kam der Einladung nach und e» krachte«in Schuß. Der Getroffene brach zusammen. Da feftgestellt wurde, daß der unglückliche Schütze schwer betrunken gewesen war und der Getroffene mit dem Leben davonkam, endete die Sache schließlich mit einer Anklage wegen schwerer Körverbefchädiauisg. Da» Gericht erkennt den Urhstber der gefährlichen Scherzes auch schuldig im Sinne der Anklage und verurteilte ihn zu vier Monaten Kerker, bedingt auf drei Jahre. Vl. Wie wird man Diva? Der Berns einer Filmschauspielerin ist ebenso ernster und meistens weitaus mehr aufreibender Beruf als jeder andere weibliche Brot- crwcrb. Da sein Erfolg aber nicht allein von der schauspielerischen Begabung, sondern in recht vielen Fällen von; Reiz der Persönlichkeit abhängt, bietet sich der Entfaltung dieses letzteren natürlich ein weiter Spielraum. Manche schauspielerische Mittelmäßigkeit gelangt durch ihren persönlichen Charnw zu vorübergehendem Starruhm, während andererseits manche tvirklich große Begabung nichts erreicht, weil sie cs nicht versteht, ihre persönlichen Reize zur Geltung zu bringen. Daß die ganz Großen— eine Greta Garbo, eine Nornm oder Constance Talmadge, eine Gina Manis, eine Lucienne Legrad, eine Maria Fal- conctti oder Maria Orska— von keinerlei künstlichen Hilfsmitteln zur Durchsetzitstg ihres Aufstiegs Gebrauch machen mußten, bedarf keiner besonderen Betonung. Aber schon eine Anna Sten, die heitte cii; international anerkannter Star ist, vermochte sich nur unter allergrößten Schwierigkeiten durchzusetzen; trotz guter Anfangserfolge und trotz der einflußreichen Proteltion Fritz Kortners, der sie in Moskau entdeckt hatte, begegnete sie in Berlin ziemlich kühler Zurückhaltung, und erst Hollywood brachte sie groß heraus. Eine Frau, für die sich ein Regisseur per-