Donnerstag, 15. Oktober 1936 Nr. 240 16. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TOCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii„ fochova<2. telefon 53077, HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR) KARL KERN, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (einichliefillch 5 Heller Porto) Danziger Sozialdemokratie aufgelöst! Danzig,(bttb) Der Danziger Polizeipräsident hat die sozialdemokratische Partei einschließlich sämtlicher Untergliederungen mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Die Auflösung erfolgt auf Grund des Paragraphen 2 deS Dereinsgesehes wegen unerlaubte» Waffenbesitzes sowie wegen Verstoßes gegen die Sabotagebestimmungen. Belgien verlängert die Dienstzeit Brüssel. Unter dein Borsitz Königs Leopold trat Mittwoch ein Ministerrat zusammen, der beschloß, dem Parlament einen Gesetzentwurf über die Erhöhung der MIlttärdicnstzeit bei der Infanterie auf 18 Monateund bei den übrigen Truppenteilen auf zwölf Monate vorzulegen. Gleichzeitig sicht dieser Gesetzentwurf noch einige andere Aenderungen deS MilitärgcsetzeS vor. Weiter wurde beschlossen, zur Behandlung der Militärreform das Parlament vorzeitig Ende Oktober zu einer ausserordentlichen Tagung einzuberufen. König Leopold hob in seiner Rede di« Notwendigkeit einer Verstärkung der belgischen Armee hervor und führt« unter den Gründen für diese erhöhten Rüstungen■ Belgiens auch„die blitzschnelle und überraschende Wiederbesetzung deS Rheinlandes" an. Durch di« gegenwärtige Reform.wird der Friedensstand der belgischen Armee, von^ 44.500 auf"47.008 Mann erhöht. Dir belgische Armeeverwaltung wird'weitere 4000 längerdienende Unteroffiziere. und außerdem 2000. Freiwillige auf drei bis vier Jahre zur modernen Ausbildung der Armee einstellen. Die Reform führt auch «ine nene Art der Manöverübungen, die vollständige und dauernde Geheiwhaltung deS Mobilisie- rungSstandes der belgischen Armee» die Sicherung des GrenzdiensteS und die Organisation'von AuS- tilSüNgökadreS ein, ,,.', Rußland fordert Kontrolle der portugiesischen HSfen Moskau.(Reuter.) Die letzte, sowjetruf- sischr Rote an den Londoner Nichteinmischungsausschuß, die Mittwoch hier veröffentlicht wurde, verlangt die unverzügliche Einrichtung einer Kontrolle über die portugiesischen Häfen als erst« und dringendste Maßnähme. Die Note empfiehlt, die Durchführung dieser Kontrolle der britischen»der der stanzösischen Kriegsflotte»der beiden gemeinsam zu übertragen.■ Clano nächste Woche In Berlin Paris. Der italienische Aussenminister Graf Claim wird am 20. Oktober abends in Berlin Eintreffen. Er wird sich, wie der römische Berichterstatter der„Information Financiöre" mitteilt, drei bis vier Tage in Deutschland aufhalten,, in deren Verlauf er vom Reichskanzler Hitler entweder in Berlin oder in einer süddeutschen. Stadt empfangen werden wird. Es wird erklärt, dass sich von den Berliner Besprechungen eine Erweiterung der bevorstehenden Wiener Konferenz nicht erwarten lasse. Weder Deutschland noch irgendein Staat der Kseinen Entente wird. an dieser Konferenz der Aussenminister der Staaten des römischen Blocks teilnehmen, da dies demGeiste der römischen Protokolle, widersprechen würde. Das schliesse aber nicht die. Möglichkeit".post Verhandlungen und eine Erweiterung. des Programms dieser- drei Staa- teNaus., Landarbeiterstreik In Ostgallzlen Warschau. Ist zahlreichen Ortschaften deS in Ostgalizien gelegenen Bezirkes Iaroslau sind Streits der Landarbeiter" ausgebrochen. Die Landarbeiter Vertangen eine Erhöhung ihres Lohnes, der gegenwärtig., durchschnittlich 80 Groschen (4Aä)im Tag'beträgt.äufdaS Doppelte.. Aegypten verlangt Aufnahme. In den Völkerbund .. Kairo. Sofort nach- der RatifizierungdeS englisch-ägyptischen" Vertrages wird die ägyptische. Regiechmg däS Ersuchen stellen, Aegypten als Mitglied inldeni Völkerbund aufzunehmen. Dies bedeutet,, dah'sich der.' Völkerhunprat mit dem ägyptischen Ersuchen in seiner Dezembertagung befassen wird» 4 Zu dem Gewaltstreich Greifers wird von der „Pr. Pc." aus Warschau gemeldet: Die Nachricht von der Auflösung der sozialdemokratischen Partei in der Freistadt hat— obwohl erwartet— in Warschauer politischen Kreisen doch grosse Bestürzung Hervorgerufe». In Danzig selbst herrscht wegen der Auflösung starke Beunruhigung. Man befürchtet, dass nun auch an die anderen Oppositionsparteien die Reihe kommen wird. Die Danziger Opposition Vcriveist darauf, dass die Auslösung der sozialdemokratischen Partei wegen verbotenen Waffenbesitzes erfolgte, waS den Tatsachen nicht entspricht. Im Sinne der Danziger Verfassung steht der aufgelösten Partei daS Recht zu, gegen die Auslösungsverfügung beim Danziger Obersten Gericht Berufung einzulcgen.. Ein derartiger Schritt wäre natürlich zwecklos, da bekanntlich»ach einer vor kurzem eigenmächtig— trotz des Protestes des BöllerbnndSkoininisiärS— erlassenen Verord- Madrid. Der amtliche Bericht der Re- gierungStruppen meldet: Im mittlernen Abschnitt fanden keine entscheidenden Operationen statt. An der Front bei CebreroS bombardierte» republikanische Flieger di« Linien der Aufständischen. 15 Boniben wurden auf eine Kolonne von etwa 20 Lastautoniobilen abgeworfrn. In der Früh versuchten di« Aufständischen San Martin de Baldeiglesias zu«erlassen, wurden aber mit Maschinengewehrfeuer empfangen, das fie zum Rückzug zwang. Sie ließen viel« Tot« zurück. Die Gesamtsituation hat sich jedoch in diesem Abschnitt nicht merklich geändert. Im Abschnitt Siguenza manövrieren die Republikaner so, daß sie sich der Stadt nähen». Die Rebellen berichten selbstverständlich ungefähr das Gegenteil dessen, was die Regierung ausgibt. Das tatsächliche Bild der Lage zeigt aber doch ein Erstarren der Fronte.n und einErstarken desWiderstandes der Milizen mn Madrid. Andernfalls müssten die Angriffskolonncn Francos schon unmittcl- . Der Aussenminister der Sowjetunion ist an demselben Tage, an dem"der'polnische Auhenmini- ster B e ck-in Paris eingetroffsst-ist, überraschend in der französischen Hauptstadt erschienen. Ohne dass über die Absichten" und Beweggründe deS Volkskommissars sichere Pachrichten vorlägen,"ergeht sich die Presse in verschiedenen Mutmassungen über dieses plötzliche Erscheinen Litwinows. ES-kann sich vielleicht um einen geschickt arrangierten ,,Zufall" handeln, dessen Zweck es ist, LitwinowM i t B e ck i n F ü h l u n g zu bringen und so das Werk der Verständigung Polens Mit den Staaten der PariS-^-Prag—Moskauer Defensivallianz zu fordern) Etz> ist aber auch möglich, dass Litwinow aus eigener Initiative den Besuch ünternommenhät,' uni Nicht' ohne einen durchgreifenden Erfolg nüch Moskau zutückzukeh- ren, wo seine''Stellung in der jüngsten Zeit erschüttert seim soll." ES ist! endlich zu erwägen, ob die Betriebsckmkeit der Sowjetdiplomatie nicht innerpolitische Hintergründe hat. Die russischen Arb ei ter, fordern geradem weil sie durch die antibolschelvistische Kampagne nnng des Senates Entscheidungen des Polizei- präsidiuinS' in rein politischen Angelegenheiten unwiderruflich sind und nicht angefochten werden können. Deshalb werden auch die Leiter der sozialdemokratischen Partei von diesem zweifelhaften Rechte keinen Gebrauch machen und sich notgedrungen-auf den Weg der illegalen Tätigkeit verlegen müssen. In Verbindung mit der Parteiauflösung spricht man in den OppositionS-. kreisen auch von der Möglichkeit einer llngültig- keitSerklärung der Mandate der sozialdemokratischen Volkstagsabgeordneten. Wie auS Danzig gemeldet wird, haben dort die Organe der politischen Polizei unmittelbar nach Auflösung der sozialdemokratischen Partei mit Massenverhastwigen unter den Sozialisten begonnen. Die Zahl der. Sozialisten,. welche in Schutzhaft genommen wurden». übersteigt 120 Personen. bar vor den Mauern der Hguptstadt stehen. Tatsächlich sind sie noch 50 bis 80 Kilometer ent- sernt und keineswegs Herren der entscheidenden Schlüssclpunkte. Die Witterung trägt augenscheinlich viel dazu bei, dass die Angriffe ins Stocke» geraten. Die marokkanischen Truppe» dürften ja das rauhe Hetbstklima der kastilischen Hochebene besonders schlecht vertragen, insbesondere bei dem jähen Sturz des Wetters von sommerlicher Glut in Regen, Kälte, Nebel und Stürme. Um Oviedo wird mit einer beispiellosen, an die Kämpfe um Jrun und den Alcazar mab- menden Erbitterung gekämpft. Beide Parteien behaupten, andauernd Herren der Position zu sein, in Wahrheit scheint sich der Kampf in zahllose kleine Partisanen-Gefechte ohne einheitliche Führung aufgelöst zu haben. Barcelona.(Reuter.) Der sowjctrussische Dampfer„g i r y a n i n" ist mit einer Ladung von 8000 Tonnen Lebensmitteln, einem Geschenk der russische» Arbeiter, hier eingetrofsen. Stalins stutzig geworden sind,"stärkere Unterstüt- »zung für Spanien. Es scheint, dass Stalin-Woro- schilow sie nicht ohne weiteres geben, aber doch durch gewisse Gesten, wie die kürzliche Note an den. Nicht-Jnterventions-Ausschuss ihren guten Willen betonen 1 wollen. Auch der Besuch Litwinows ast der Seine könnte in-die Reihe der Gesten gehören, die man den russischen" Arbeitern zu esnem bestimmten Zweck vor Augen, führt. Zweifellos ist es aber das H ä u p t h e'st r e b e n Litwinows und der.-russischen Politik, im Zusammenhang mit der Frage der neuen Locarnokonferenz die Pläne auf eine* Ausschaltung. Russlands zu durchkreuzen und-ein.Sonderabkommen „zlt viert"(England- Frankreich- Deutschland- Italien)'- zu verhindern. Es wäre ein geschickter Schachzug. wenn Litivinow dem Plan des.Bierer- abkomntenS die'Idee"nicht einer Fünfmächte-Kon- ventton, sondern unter Hereinziehüng Polens ein«? Sechsmächte»Konferenz entge- genstellen würde, weil Deutschland da in die unangenehme Lage käme, sich"über die Ostgrenzen auch Polen gegenüber eindeutig äusser» zu müssen. England rüstet Die Parteikonferenzen der britischen Konservativen in Margate und der Labour-Party in Edinburgh haben die gegenivärtige Situation und die Zukunstsabsichten der Politik Grossbritannieiis deutlicher als bisher erlcnnen lassen. Entscheidend ivar, dass auf dem Kongress der Regierungspartei ebenso wie auf dem der Opposition die Rüstungsfrage im Vordergründe stand. Die Baldwinsche These, dass England mit grösster Beschleunigung ausrüsten müsse, um seinen aussenpolitischen Forderungen Respekt verschaffen zu können, hat sich im konservativen Läger allgemein Geltung verschafft,— aber auch die Labour-Party, die bisher aus grundsätzlichem Pazifismus oder aus Misstrauen gegen die aussenpolitischen Absichten der „nationalen" Regierung in Opposition zu dem Aufrüstungsprogramm Baldwins stand, hat unter dem Eindruck der ständig wachsenden Bedrohung des europäischen Friedens durch die faschistische» Mächte ihre Stellung revidiert. Die Parteikonferenz in Edinburgh hat mit grosser Mehrheit öine Resolution angenommen, die sich— unter Hinweis auf die faschistischen Kriegstrcibereien— für die Verteidigung des Friedens und die dazu notwendigen Rüstungen ausspricht. Sie hat zu dieser Anerkennung der Notwendigkeit von Rüstungen freilich den Zusatz hinzugefügt, dass sie mit einem blossen Wettrüsten nicht einverstanden sei und die Rüstungsindustrie, solange sie in Privathänden sei, für eine Bedrohung des Friedens Halle. Sie hat damit.Bcdenlcn ausgesprochen, die jeder Sozialist empfindet,.— und doppelt empfinden muss in einem Lande, das von einer konservativen Regierung beherrscht tvird, deren imperialistischer Flügel infolge des Versagens der Völ- kerbundspolitik im Falle des abessinischen Krieges immer stärker getvordcn ist. Aber dass sich die Labour-Party trotz ihrer grundsätzlichen Bedenken für die Notwendigkeit jener Rüstungen ausgesprochen hat," die„durch die niedagewesenen Rüstungen der faschistischen Mächte bedingt worden", lässt erkennen, dass sich in der britischen Oeffent- lichkeit aller Schichten die Erkenntnis der faschistischen Weltgcfahr durchzuschen beginnt(tvoran die Seitensprüngc des alten Lloyd George und der Doktrinarismus einiger Pazifisten innerhalb der Labour-Party nichts ändern können). Zu dieser Erkenntnis hat vor allem die Weigerung Hitlers beigetragen, die ihm von der englischen Regierung nach dem Bruch des Locarno- paltes gestellten Fragen zu beanttvorten und sich an den von England vorgeschlagencn neuen Locarnoverhandlungen bedingungslos zu beteiligen. Das Ziel Hitlers, einen Westpakt zu erreichen, der ihm freie Hand int Osten gibt, ist klar erkennbar geworden, und diese Absicht hat gerade in der englischen Arbeiterschaft alarmierend gewirlt, die sich zwar— wie die Ablehnung des kommunistischen Aufnahme-Antrags durch den Labour-Kongrcss bewies— vom Kommunismus entschiede» distanziert, aber ebenso entschieden eine Ermutigung Hitlers zum Angriff gegen die Sowjetunion verurteilt. Auch die britische Regierung wünscht eine solche Ernlutigung Hitlers nicht. Aber man darf sich keiner Täuschung darüber hingcben, dass sie die russische Frage ebenso tvie alle anderen Fragen der Aussenpolitik ausschliesslich unter dem Ge- sichtspunkt der Interessen des britischen Weltreiches betrachtet. Für die britischen Imperialisten Ist die Sowjetunion ein nützliches Gegengetvicht gegen die japanische Gefahr,, die Englands asiatischen Besitz und seine überseeischen Märkte bedroht, — aber ein Bündnis mit Russland, wie es Frankreich und die Tschechoslowakei abgeschlossen haben, lehnt die gegenivärtige englische Regierung ab. Der konservative Parteikongress Has ausdrücklich die aussenpolitischen Richtlinien der Regierung bestätigt, die. Englands Beteiligung ast der Sicherung Westeuropas'und deS Friedens im Mittelmcer vorsehen, für den Frieden, der anderen Gebiete Europas aber den Abschluss! von Regionalpakten empfehlen.Solange die gegenwärtige englische^ Regierung im Amte.ist/ wird man-nicht erwarten dürfen, dass England über den so gezogenen Rahmenhinausgehen wird: es wird horeit sein, die Grenzen der westlichen Nachbarn Dentsch- lands zu garantieren, den östlichen aber die Suche nach Bundesgenossen' empfehlen. Wenn'man sich daran erinnert, dass die Regierung Baldwin ihren- Wahlsieg im vorige» Caballeros unverhoffter Verbündeter: Bel Madrid keine größeren Veränderungen Erbittertes Gemetzel In den Trümmern Oviedos der Herbst WWWWDMWsrk Seite 2 Donnerstag, 18. Oktober 1986 Nr. 240 Herbst iin Zeichen der Snnttioncn errungen hat, dann wird man ihr Ansehen in der, britischen Oefscntlichkeit nicht überschätzen. Tatsächlich ist das persönliche Prestige Baldwins und Edens gesunken, und es wird allgemein für sicher gehalten, das; im lonunenden Mai, nach der Königs« Irönung, Baldwin zurücktrcten und durch den bisherigen Schahkanzlcr Neville Chamberlain er» seht werden lvird. Bis dahin gedenkt Baldwin sein Ziel, die Aufrüstung Großbritannien», erreicht zu haben, und alles, was bis dahin geschieht, ist al« eine Borbereitung für de» Zeitpunkt aufzufassen, an dein England eine aktivere Politik al« bisher wird treibe» können. Die Som- mcrroise des englischen Königs hat höchstwahr- scheinlich dle Borbereitung eine«— gegen Italiens Bormachtansprüche gerichteten— Mittel- nicerpaltcs gedient, der Beschlus; des konservativen Parteikongresses, die Rückgabe der Mandatsgebiete an Deutschland zu veriveigern, deutet auch daraus hin, das; man Hitler leine neuen Zugeständnisse machen tvill, und das starke Auftretens in Palästina lies; ebenfalls den Willen erkennen, leine getvaltsamen Aeuderungen im britischen Einslnßgebiet zuzulassen. ES ist bemerkeuSivert, das; der Labonr-Kongreß auch das Borgchen in Palästina gebilligt und sich dahin ausgesprochen hat, daß erst nach völliger Wiederherstellung der Ordnung und Ruhe über die arabischen Beschwerden beraten werden solle. Das Berhalten der britischen Regierung gegenüber den spanischen Ereignissen scheint allerdings noch von dem Wunsch« diktiert zu fein, solange wie möglich Zurückhaltung zu üben. Es ist klar, daß es auch für die imperialistischen Interessen England» ein schwerer Schlag wäre, wenn Franco, als Exponent des italienischen und deutschen Faschismus die Pyrenäenhalbinsel und Spanisch-Marokko beherrschen würde. Aber die Meinung Löon Blum», daß man die Entwicklung des spanischen Krieges ziu» Weltkriege verhindern müsse, scheint auch in London geteilt zu werben, wo man— nach den Erfahrungen im abessinische» Konflikt— auf die Uebereinstimmung mit Paris grasten Wert legt, und der Hinweis auf den Kurs der Regierung Blmn war es auch, der die i Labour-Konferenz trotz aller schweren Bedenken ' zu einer Anerkennung der NichtetnmischungSpoli« tik lammen ließ, die allerdings voraussetzt, daß sich nicht nur die demokratischen, sondern auch die faschistischen Mächte- streng an sie halten. das der internationalen Schuldonverslechtung sei eine Boraussetzung für die Wiederherstellung einer gesunden Weltwirtschaft.< Urteil gegen die portugleilschen Rebellen Lissabon.(Reuter.) Bon dm Di Seeleuten, welche in den Aufstand vom 8. September verwickelt sind, wurde» Dienstag 88 zu Strafen von einem bis sechs Jahren Kerker verurteilt. 100 andere Matrosen, die am Tag des Aufstandes festgenommen worden waren, wurden freigesprochen i und auf freien Fuss»«setzt. Run findet di» Ber- Handlung gegen di« letzten 68 Seeleute statt. Würdige Haltung der französischen Presse Pari». Die Blätter der äußersten Linken stimmen mit der konservativen Presse in dem Urteil überein, daß der deutsche diplomatische Schritt, der gegen die Freiheit der Kundgebung und der rednerischen Kritik protestiert, in Frankreich u n z n l ä s s i g ist. Sic schreiben, es liege an der französischen Regierung, frei zu entscheiden, ob Plakate oder Reden unter die Bestimmungen de» Gesetzes fallen, aber Deutschland habe nicht das Recht, der Regierung, die Herr im Haus« ist, vor- zuschreibcn, diese oder jene Person für diesen oder jenen Ausspruch oder Artikel zu strafen. „EchodePariS" verweist aut den kürzlichen Nürnberger Kongreß, auf welchem Kanzler Hitler die demokratischen Einrichtungen in fremden Staaten scharf kritisiert habe. Saint Brice schreibt im rechtsstehenden „Journal": Wir haben di« beim Nürnberger Kongreß von offiziellen Persönlichkeiten gehaltenen Reden In frischer Erinnerung, die vor direkten Angriffen auf ausländische Regierungen nicht zurückgeschreckt sind. Bourgue» schreibt im„Petit Pari- f i e n": War die beleidigenden Reden anlangt, haben die Deutschen kein ruhige» Gewissen. Nicht zu sprechen von den rednerischen Ausfällen, bei denen in Nürnberg Sowjetruhland al» Zielscheibe in einer äußerst provozierenden und gefährlichen Art genommen wurde. Ist e» vielleicht nicht wahr, daß Kanzler Hitler in seiner Rede, wie e» für ein Staatsoberhaupt nicht paffend war, die Demokratien und In sehr klaren Anspielungen direkt die gegenwärtigen politischen Führer Frankreich» angegriffen hat? freclr In Paris Paris. Der polnische Außenminister Beck ist DMtwoch fxüh.zu söstündigem Aufenthalt.,in Pari» eingetrosfeN. Sein Aufenthalt hat rein private» Charakt«r.Er wird jedoch mit dem Außenminister Delbo» Zusammentreffen, der ihm zu Ehren ein Dijeuner am Qual d'Orsay gibt. An dem Döjeuner wird quch Ministerpräsident Blum teilnehmen, Antritts«ndienz des neuen lritischen Gesandten. Mittwoch mittag» überreichte der neue englische Gesandt» in Prag Tharle» Henry Ben- ttnck dem Präsidenten der Republik sein Beglaubigungsschreiben. Der Gesandte wie» in englischer Sprache darauf hin, daß er sich nach Kräften bemühen werde, die guten und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern — soweit dies überhaupt noch möglich sei— noch mehr zu pflegen und zu befestigen. Um die Abwertung der Mark StUrzt Schacht?• Die Forderungen der Industrie Wachsende Lebensmittelnot Im Reich Die Nachrichten aus Deutschland-«sagen übereinstimmend, dass in den letzten Tagen feiten» verschiedener Kreise auf Hitler ein starker Druck auSgeiibt wird, dir Abwertung der Mark zu befehlen, gegen die sich der„Führer" aller, dingö erst vor kurzem sehr pathetisch ausgesprochen hat. Insbesondere soll die E r p o r t i n d n st r I e darauf dränge«, dah nicht durch ein« verzöge- rung der Abwertung die deutsche AuSsnhr, die in der jüngsten Zeit durch mancherlei Umstände, nicht zuletzt aber durch die Attoertung der Goldwährungen, vor allem der Lira, schwer gelitten hat, vollend» ruiniert wird. Die Konkurrenz sei bei dein jetzigen Kurs auf dem Weltmarkt unmöglich. Nun liegt bei allen„Autarkiebestrebnngen" den Machthabern daran, die Ausfuhr zu erhalten, well nur so dle unbedingt nötigen Devisen auf- znbringen sind. Der Wortführer der Abwerter soll der Preiskommiffar GS r del er sein,' während Schacht die Mark nicht abwerten will. Man rechnet daher mit dem, von verschiedenen Seiten ja seit Wochen angekündigtem Sturz Schacht» in den nächsten Tagen, sobald«» den bei Hitler in Berchtesgaden wellenden Beratern gelungen sein -wird, de»-Kanzler von-der Notwendigkeit der Abwertung zu überzeugen. Die Beratungen auf dem Obersalzberg gelten wahrscheinlich auch politischengragen. Mit wachsender Unruhe steht man in Deutschland Polen» Abschwenken zu Frankreich und di« Deutschland feindliche Haltung Italiens. Der Besuch des Grasen Cinnoist verschoben worden, weil Italien über dir-deutschen Eingriffe in dir österreichische Politik verstimmt ist. Di« Aufrüstung Italiens in Zusammenhang mit den Bestrebungen RomS, sich mit England zu verständigen, CianoS neuerliche» Abrücken von der Hitlerfchen„Kreuzzngsidee" gegen Rustland lassen es als möglich erscheinen, dah dem Dritten Reich In dem mächtig rüstenden Italien rin höchst gefährlicher Gegner ersteht. Die Autarlieparole von Nürnberg wirkt sich vorläufig in einer immer beängstigender werdenden Verknappung der notwendigen Lebensmittel au». Der Schleichhandel blüht wieder, dir Preise klettern in bte Höhe und auf normalem Wege sind Fleisch, Fett, Butter, Eier ete. vielfach kaum mehr zu haben. Die Mitz- stimmnng und die lkeberzengung, dah sich da» Regime auf diese Weise nicht mehr lange halten kann, bzw.«inen gewaltsamen Ausweg suchen muh, wachsen von Tag zu Tag. Es ist kein Zufall, dah man gerade jetzt wieder neue Konzentrationslager eröffnet, so z. B. auch das berüchtigte Oranienburg mit 800 Gesan- geuen wieder in Betrieb genommen hat! Berlin.(HavaS.) An amtlichen Stellen werden die Nachrichten über die Einberufung der Führer der nationalsozialistischen Partei zu einer geheimen Sitzung in Wiesbaden oder Berchtesgaden als uMvahr dementiert. E» wird erklärt, daß Reichskanzler Hitler, der in Berchtesgaden weilt, die Minister und Persönlichkeiten dec Partei, wie üblich, empfangen hat. DjeSitzung hatte reinen gHeimeren-.Cuarakter al»'sonst. Die Beratungen tn-Bcrchtesgaden-betrafen-eine- Reihe von Problemen, welche sich bei der Durchführung de» Bierjahr»plane» der Wirtschaft ergeben. Schwerin-Krosigk für„gerechte Rohstoffverteilung** Halle. Relchsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk führte am Mitüvoch in einer Rede über„nationalsozialistische Finanz-.und Wirtschaftspolitik" u. a. aus, Deutschland könnte auf die Forderung nicht verzichten, daß einmal das Problem einer gerechten Rohstoffver« t e i l u n g s» der Welt angesaßt und gelüst werde. Hier liege der Schlüssel für die Behandlung der Kolonialsrage. Die Lösung diese» Problems und 4ü ‘jrommy ar box macht(Revolution 'noman von 9il<« üondn Caldelari bückte sich schnell und packte den Revolver. „Sie Schuft, Sie Hund!" „Mörder! Zu Hilfe!" zeterte Bonamaria. Aber unten schrien sie mit solcher. Begeisterung „I list irp my finger", daß unmöglich jemand höre» konnte, in welch schlimmer Lage sich der Präsident befand, Fulvia fiel dem Kapellmeister in den Arni. „Laß ihn! Ich bin die Schuldige... ich verdiene es, nicht er..." Caldelari lvar plötzlich ganz ruhig geivor- den. »Ich gehe jetzt Ins Gefängnis. Hoffentlich ist e» noch nicht zu spät." Fulvia sah ihren Mann entgeistert an. „Du... Du lvillst ihn retten.. Er lächelte geguält und strich ihr über da» Haar. „Die Begnadigung ist ivertlo»", schrie Bonamaria,„wenn ich nicht selbst geh«... lassen Sie mich hinaus, und ich verspreche Ihnen..." Warum senkte dieser Kapellmeister nicht endlich den Revolver? Man konnte alles versprechen! Wenn man nur erst au« diesem Hause war! Dann wollte er die Gendarmen aufbieten, die Marine- truvven.... oh, er wollte ein furchtbares Gericht halten! ,Si« rühren sich nicht I Agvstin, hier haben Sie den Revolver! Sie lassen diesen Menschen nicht aus dem Auge, lind wenn er schreit oder sich auch nur rührt, schießen Siel" Agostin sah düster, aber auch verklärt dar- cin. In der einen Hand einen Revolver, in der andere» einen blanken Degen! Und das alles als Rächer und Retter FnlviaSI Was war sein Marulo in Pavia gegen soviel Glück I „Sie können sicher sein, Herr Direktor, er entwischt mir nicht." Fnlvia nahm die Hand CaldelariS. „Darf... ich mit Dir gehen?" Sein Gesicht war schmerzlich verzogen. „Nehmen Sie sie nur mit", zischte Bonamaria.„sie kommt gerade zurecht, uni zu sehen, wie man ihren Liebhaber erschießt." „Werden Sie still sein", drohte Agostin und hob den Revolver.„Sonst sind Sie der erste, der erschossen- wird." Fulvia hielt noch immer CaldelariS Hand; er sah auf ihre weißen, schlanken Finger hinunter und nickte schließlich. XXXIII. Tommy Barbor, Pablo Rivadeneira und dessen Freund Jaquino stand»» noch immer be«. ratend vor der Kaserne, als der Sekretär Lgna« cio gelaufen kam. Der Hauptnian» Morales, der sich bereits damit abgesunden hatte, seinen früheren Präsidenten auf dem letzten Weg zu begleiten, sah ihn mit nicht ga>u> klaren Gefühlen kommen. Hatte der törichte Mensch wirklich seinen Blau ansgesiihrs? Hauptmann Morale» sah entsetzliche Schwierigkeiten voraus und konnte durchaus nicht, daran glauben, daß er Don Rod- riguez nützen würde. „Er war nicht da", rief Jgnacio atemlos. Morales wußte nicht recht, ob. er sich freuen sollte. „Ich habe ihn überall gesucht, aber er war nicht tm Hause." Di« drei andern Retter waren näher getreten, denn Tommy wittert« dunkle Geheimnisse! er fürchtete ohnehin, daß er bei seinem neuen Auftrag leine so aftive Roll« mehr spielen würde, ivie bei der Veranstaltung der Revolution, Aber iNunerhin, er war doch der einzig« Berichterstatter, der etwas wußte; mehr sogar als der Konsul. Und den Anfang seiner Enthüllungen hatte er schon heute abends gekabelt, ehe er au» dem Hause gegangen war. Morales kaute und zerrte an seinem Schnurrbart. „Was tun,wir jetzt?" Jgnacio drängte. «Sie müssen jedenfalls Rodriguez befreien. Bonamaria ist vielleicht geflohen, er fürchtet, daß es morgen Unruhen gegen ihn gibt." Pablo hatte aufgeschnappt, was Jgnacio sagte. „Wollen Sie wissen, wo Bonamaria ist? Daß kann ich Ihnen sagen. Er ist in nnserm Hause." Jgnacio und Morales starrten ihn.an„„' Der Hauptmann Morale», dessen, gefürchteter Vorgesetzter seine strenge Frawwar, fand da» unerhört. „Der Präsident der Republik in Ihrem Hause!" Pablo war«In wenig gekränkt. „Was ist denn dabei? E» kommen allerhand vornehme Leute hin.", 1 „Ich nicht", erklärte Morale» energisch.„Und Rodriguez Ivar gewiß auch nie dort." Es schien Pablo nicht an der Zeit, den sittsamen Hauptmann darüber aufzuklären, daß es doch gewisse Beziehungen zwischen Don Rodriguez und oer Familie Rivadeneira gab. Er wäre auch nicht zu Wort gekommen, denn jetzt stand der Kapellmeister Caldelari vor ihnen und einen Schritt hinter ihm keuchend Iran Fulvia f» ihrem schönen, weißen Abendkleid, einen leichten Shawl um di« Schultern. Di« Herren hatten sich noch nicht von ihrer Verblüffung erholt, al» Caldelari hastig fragte r «Lebt er noch?", „Wenn Sie Rodriguez meinen— ja, er lebt noch." Morale» sah nach der Uhr,„In einer halben Stunde erst..." Tommy Barbox konnte nicht umhin, die Situation pikant und ungewöhnlich zu finden. Wollte Aenderungen Im Ordensgesetz Auf der Tagesordnung der heutigen Parla- mentssitzung steht der RegierungSentwUM-de» neuen Ordenigesehs», durch welche» Titel il und Orden auch Inländern zugänglich gemacht werden sollen. Mitüvoch nachmittags würde die Vorlage mit gewissen Aenderungen von den; Sublomitee genehmigt. Die Aenderungen beziehen sich;,vornehmlich auf die siß va(Titel fiir nichtoeamtei- öffentliche Funktionär«), 6(Strafbestimmungen) und üa(Taxen). Auch in der Ueberschrift, wurde eine Aenderung vorgenommen, so daß dle Vorlage nicht mehr al» Novelle zum Gesetz Säö/20, sondern al» selbständige»„Gesetz Uber Orden und Titel" erscheint. Der Ausschuß beschloß eine Resolution, in welcher die Regierung anfgefordert wird, einen Schutz des Titels Präsidentder Republik in dem Sinne in Erwägung zu ziehen, daß der Titel„Präsident" dem Staatsoberhaupt Vorbehalten bleibt. Der Regienmg»- entwurf wird samt den vorgenommenen Aende- rungen noch den Gegenstand der Beratungen des verfassungsrechtlichen Ausschuss«» bilden, der'für g Uhr früh einbcrufen ist. Subkomitee gegen Eisenbahnministerium ErMtdeletqnRen für Verkehrsunfälle ■ollen bleiben Da» Subkomitee des Sozialpolitischen Au»- schuffcs verhandelte am Mittwoch unter dem Vorsitz de» AuSschußvorsihenden Dr. Meißner weitere Paragraphen de» Eisenbahngesehe», Der Berichterstatter über dieses Gesetz ist Abgeordneter T t ch h. DaS Subkomitee verhandelt« insbesondere darüber, ob di« Höhe der Ersatzleistungen für sogenannte BerkehrSunfälle in dem bisherigen Au»maß belassen werden soll. Der Entwurf des Eisenbahngesehe» will nämlich diese Entschädigungen ausheben. Alle anwesenden Mitglieder des SubkomitecS sprachen sich gegen die Aufhebung au» und der Eisenbahnminister wurde aufgefikrdert, einen entsprechenden Abänderungsantrag zu dem Gesetzentwurf einzubrlngen. Spaniens neuer Gesandter in Prag. Mittwoch abends traf in Prag der neue Gesandte der Republik Spanien L. AemenezdeAsua ein. Asua ist Sozialist und einer der bekannteste» Repräsentanten der sozialistischen Bewegung Spaniens. Die Haltung der bisherigen spanischen Gesandten In Prag hat es der Negierung von Madrid angezeigt erscheinen lassen.-an den wichtigen Posten,nach Prag einen Vertreter der legalen Regierung zu entsenden. Der abgesetzte Gesandt« weigert sich, die Gesandtschaft zu räumen. Da da» Gebäude nicht dem spanischen Staat gehört, wird der Streit um die Bflroräume bald entschieden sein. Im schlimmsten Fall wird-der legale Vertreter der spanischen Regierung fürs erst««in neues Büro für di« Gesandtschaft mieten. Wichtiger al» di« Frag« nach dem Sitz der Gesandtschaft wird dj« sein, ob«S Fimenez de Asua, der sich de» besten Rufes erfreut, gelingen wird, di« Politik der Republik Spanien mit Erfolg auch hierzulande zu vertreten, was angesichts der rebesienfreundlichen Haltung der hiesigen Rechtskreis« sehr vonnöten Ist und was• alle ehrlichen Demokraten ihm von Herzen wünschen! der gut« Caldelari rasch noch seine beschädigte Ehre rächen? Er ist begnadigt; hier ist Bonamarias Unterschrift!« Morale» besah da» seltsame Dokument und wurde noch ratloser. Aber da fand Pablo Rivadeneira«S an der Zeit, energisch einzugreifen. Jetzt schien e» ihm doch gesichert, daß morgen Rodriguez wieder den Platz de» Präsidenten einnahm. Und dann machte«» sich gut, wenn Pablo al» erster sich klar für ihn einge;eht hatte. Er riß dem Hauptmann das Papier au» der Hand und zerfetzte es so schnell, daß ihn niemand hindern konnte. „Wir brauchen keine Begnadigung. Rodri- gnez hat es nicht nötig, sich von Bonamaria begnadigen zu lassen. Geben Sie ihn auf der Stelle frei!" Tommy Barbox sah mit einer Art Bewunderung auf den entschlossenen Gesinnungswandel seine» Heiser». Der war ja sogar ihm über. Dagegen schien Moral«! weniger entschlossen, „Der Form halber wäre mir die Begnadigung schon lieber gewesen. Ich könnte vielleicht jemand zu Bonamaria schicken,. Ist.et-noch,in diesem.’."S hm...'iü'diesem Häufe?""' »Ja, er ist dort in einem Zimmer im ersten Stockwerk", erklärte Caldelari,„mein Jnspizieiit Agostin bewacht ihn und hat den Auftrag, ihn nie- derziifchießen, wenn er sich regt." Da» war«Ine Sensation; und«» gab auch bei dem von allen Seiten bestürmten Mvrvkb den Ausschlag. Er konnte ja eigentlich Bonamaria nicht leide!;, sind wenn er sich gar die jetzige Lage seines Präsidenten vörstellte— als Gefangener eines Theaterinspjzi«ntftrd der Freiheit den Ausschlag wird geben können. Wievlele deutsche Kinder besuchen tschechische Minderheitsschulen? Die Zahl der deutschen Kinder, die tschechische Schulen besuchen, ist in ständigem Steigen begriffen. Im vergangenenJahre waren es rund 16.666 Schüler deutscher Volkszugehörigkeit, di« in tschechischen Volks- und Bürgerschulen saßen. Nahezu die H ä l f t e dieser Kinder besucht die tschechischen Staatsschulen im deutschen Siedlungsgebiete! Nach der vom statistischen Staatsamte veröffentlichten Uebersichi gab es im Jahre 1685 allein in den tschechischen Minderheitsvolksschulen 5477 deutsche Kinder. Rechnen wir zu dieser Zahl die 2778 deutschen Schüler, die in den tschechischen Minderheitsbürgerschulen saßen, so kommen wir auf eine Gesamtzahl von 8255 Schülern deutscher Nationalität, welche die tschechischen Minderheitsschulen besuchen. renz, kaum einen Parteitag, an dem er nicht das Wort ergriff. Immer ward sein Rat gern gehört, zumal Sacher mit Sachkenntnis und tiefem sozialistischen Empfinden ein persönlich liebenswertes Wesen verbindet. Wer in der Partei ihn kennt, ist ihm Freund. Und so sehr wir alle eS bedauern, daß die beiden Sacher nun schon ihre Altersjahre beginnen, so sehr es uns leid tut, der prachtvollen Gestalt Anton Sachers nun wohl auf unseren Parteikonferenzen nicht mehr begegnen zu sollen, so sehr wünschen wir ihm und seiner Frau alles Gute und Schöne für die freigewählte Ruhe. hie"|idt"M''si« veroieüKrmätztti' AWük." Und einest besönderen Glückwünsch zu feigem sechzigsten Geburtstag. auch dann nicht zurückgenommen wurden, als Neuaufnahmen erfolgten. In einem anderen Fall schaffte die Firma Arbeiter von iveither herbei, um nicht ortsansässige Sozialdemokraten beschäftigen zn müssen. In einem anderen Betrieb wurden an die Stelle von gelernten Arbeitern, die Mitglieder der sozialdemokratischen Parte! sind, ungelernte Henlein-Leute ausgenommen. Henleiuleute werden auch dann beschäftigt, wenn zwei oder auch mehr Familienangehörige selbst Arbeit haben, Sozialdemokraten werden zurückgewiesen, auch wenn sie allein für eine mehrköpfige Familie zu sorgen haben. Die Antvendung aller Möglichkeiten der neuen Arbeitsvermittlung zugunsten der staatstreuen Arbeiterschaft, erklärte Genosse Novy, ist daher eine zwingende Notwendigkeit und liegt auch im Interesse des Staates. wie von sozialdemokratischer Seite, aber mich von der Ortsleitung der SdP wurde das Anerbieten angenommen, und daraufhin wurden die für die einzelnen Parteien vorgesehenen Stücke festgesetzt. Bei den von Christlichsozialen und von den Sozialdemokraten organisierten Aufführungen bei kleinen Preisen gab es bis aufs letzte Plätzchen gefüllte Häuser, vor denen die Schauspieler bestes Können zeigten— nur der für die SdP ange- setzte Abend wurde einFiaSko: kaum 266 Personen vermochte die bei den Wahlen in Eger mit 11.666 Stimmen siegreich aus der Wahlschlacht hervorgegangene Henleinpartei ins Theater zu bringen, tvoran einerseits das mangelnde Jnter- ene dieser(sonst mit ihrem Deutschtum recht stark austrumpsenden) Partei an der Erhaltung und Förderung deutscher Bllhnenkunst, andererseits aber auch der Umstand schuldtragend war, daß die SdP-Ortsleitung für den Besuch der ihr einge- räumten Vorstellung Eintrittspreise forderte, wie sie allgemein nur bei besonderen Ausführungen mit prominenten Gästen verlangt werden. Der Versuch der SdP-Ortsleitung, ihren an sich nicht leeren Kassen durch die Veranstaltung einer Theateraufsührung neuerlich üppige Gelder zu- ströme» zu lassen, ist kläglich gescheitert. Di« sozialdemokratische Partei des Bezirkes Graslih führt eine planmäßige Aktion durch, mn die Oeffentlichkeit, und vor allem die zuständigen staatlichen Stellen, neuerdings auf die andauernde Not In diesem Gebiete aufnierksani zu machen und an die Notwendigkeit einer durchgreifenden Hilfe zu erinnern. Eü lvurden im Bezirke 16 Versammlungen durchgeführt und die dort beschlossenen Resolutionen wurden gesammelt der Bezirksbehörde zur Weiterleitung übergeben. Außerdem haben fast alle»mhgeblichen Gemeinden des Bezirkes durch ihre Gemeindevertretungen Uber Antrag der sozialdemokratischen Fraktionen zur Wirtschaftslage Stellung genommen, weil sie selber den Anforderungen an das Kapitel Soziale Fürsorge nicht mehr gerecht werden können. Die Sitzungen der Gemeindevertretungen haben entsprechende Eingaben be- schlossen und diese an die zuständigen Stellen übermittelt. Seitens der sozialdemokratischen Partei wurde nun weiter eine Unterschriftenaktion zum Abschluß gebracht, Ivelche ebenfalls das Ziel verfolgt, von der unvermindert trostlosen Lage des Bezirkes Kenntnis zu geben und Abhilfe zu verlangen. Der Unterschriftenaktion lag eine Eingabe zugrunde, welche eingangs auf die wirtschaftliche Situation des Bezirkes und seiner Bevölkerung hinweist, indem sie feststellt, datz die Wirtschaftskrise seit 1986 mit unverminderter Schärfe anhält, datz die niedrigste Arbeitslosenzifser im Sommer 1986 6846 war(Einwohnerzahl 88.666), daß infolgedessen die Arbeitslosen samt ihren Familien SdP-Terror gegen sozialdemokratische Arbeiter Versuche, durch Arbeitsentziehung und ähnliche Terrormaßnahmen die Sozialdemokratie zu treffen, haben wir bereits verschiedentlich gemeldet. Davon, datz diese Kampfmethode weder zufällig noch vereinzelt anzutreffen ist, wies Genosse N o v>; In der Landesvertretung nach, indem er aus einem verhältnismäßig kleinen westböhmischen Gebiet eine ganze Reihe von Fällen anführte, in tvelchen zum Teil bereits Anzeigen gegen die Firmen laufen. So wegen Entlassungen sozialdemokratischer Funktionäre, die vom Betrieb Brief an den Zeitspiegel Duldsame Demokratie Es ist bei uns verboten, die Rundfunksendungen aus Deutschland öffentlich zu übertragen. Es ist allerdings nicht verboten, dieselben Reden am nächsten Tag in unseren bürgerlichen Zeitungen wörtlich abgedruokt zu lesen. Ein typisches Beispiel hie für bietet die„Rumburger Z eit un g 1'. Immer hat man den Eindruck, daß die„Rumburger Zeitung’* nicht in Rumburg, sondern irgendwo im Dritten Reiche gedruckt werde. Wenn am Vormittag der große Adolf irgendeine Rede hält, dann kann man sie Abend wörtlich in der„Rumburger Zeitung" finden. Nicht nur die Märchen von den russischen Flugplätzen in der CSR konnten anstandslos gedruckt werden, ebenso die anderen Angriffe gegen die Tschechoslovakei. Der Karlsbader„Volkswille" wird konfisziert, weil er einen Satz Sandners, den dieser vorher auf einer SdP- Versammlung sagte, abdruckte, unsere Bürgerpresse kann die gehässigsten Angriffe aus dem Auslande gegen unseren Staat abdruk- keh, ohne daß sich eine Behörde findet, diesem Treiben Einhalt zu geben. H. IV. Zwei Scheidenden zum Danke Unser Freund und Genosse A n t o n Sacher aus Karlsbad hat sich jetzt, auS Anlaß seines sechzig st en GeburStags, zusammen mit seiner Gattin, der Genossin Barbara Sacher, aus dem aktiven öffentlichen Leben zurückgezogen und sich das kleine Petersburg ber Podersam zum Alterssitz gewählt. Damit scheidet einer unserer besten,, treuesten Funktioimre-zwar-natürlich nicht aus"der-.BL«. wegung,-wohl aber-auS der täglichen Partoi-und Organisationsarbeit und mit ihm eine der besten und gescheitesten Mitarbeiterinnen unserer Frauenbewegung. Genosse Sacher kam als Porzellandreher schon in ganz jungen Jahren zur Gewerkschaft und zur Partei, arbeitete lange auch in Deutschland, lvaro gemaßregelt und verfolgt. Zurückgekehrt lvurde er Sekretär des Porzellanarbeiterverbandes und nach dem Kriege Parteisekretär in Karlsbad. Besondere Aufmerksamkeit widmete er den Kinderfreunden und ganz bedeutend sind seine Verdienste um die Stadtgemeinde Fischern, deren Bürgermeister er durch viele Jahre war. Genosse Sacher, dem seine Gattin als tüchtige Helferin allezeit zur Seite stand, ist weit über den Karlsbader Kreis hinaus in der Partei bekannt und geschäht, gab es doch kaum eine Parteikonfe- „Gewaltmethoden festen Widerstand leisten“ L» nd» n. Sn einer Med« auf dem Fest der I Eden führte weiter aus: In zahlreich«» Messerschmiede in Sheffield«rklärt« StaatSsekre- Staaten sind Führer, Männer mit außer- tär Ed en bezüglich der, britischen Rüstungen:.ordentlichen Eigenschaften aufgetreten, welche Unsere Rüstungen haben den Vorteil, daß Europa' ihren Nationen den Geist eines fast fanatischen wird überzeugt sein können, daß wir genug st a r k sind, die Rolle zu spielen, die unS zur Er haltung des Friedens zufällt, und um zu ennög- lichen, Gewaltmethoden fr st en Wi der st a n d l e i st e n zu können. Im Namen der britischen Regierung ver sichere ich Ihnen, daß wir alleS in unseren Kräf ten Stehende tun werden,«m der Vernunft in der Welt zum Durchbruch zu verhelfen. Hilferuf aus Graslitz , Eine planmäßige Aktion gegen die Krisennot I Tolstois Reise nach Deutschlar d (Aus den nachgelassenen Tagebüchern des Dichters) Als Leo Tolstoi sich im Sommer 1866 entschlossen hatte, eine zweite Reise nach dem Auslände zu machen, war er in Ruhland schon ein sehr bekannter und anerkannter Dichter. ES war aber jene Periode seines Lebens, da er sich' weniger für seine Dichtkunst und gänzlich für seine pädagogischen Ideen interessierte. Er hatte schon große Erfahrungen in der von ihm" in Jassnaja Poljana gegründeten Schule für Bauernkinder gesammelt und zahlreiche Artikel In den damaligen pädagogischen Zeitschriften Rußlands veröffentlicht, die sehr eigenartig und reformatorisch waren und zu starken polemischen Ausfällen in der Presse jener Zeit führten, Unter dem Zeichen dieser pädagogischen Interessen und Studien stand --auch seine Reise nach Deutschland, deren Einzelheiten erst jetzt auf Grund seiner Tagebuchauf- zeichungen bekannt geworden sind. Am 17. Juli 1866 kam Tolstoi nach Stettin, , um von dort direkt nach Berlin zu reisen: Hier traf er seine Schwester Märia Nikolaewna, mit der,er zwei Tage verlebte, um nachher drei Tage fang sich ganz, der Heilung seiner krayken Zähne zll lvidmeu. Am sechsten Tage hörte er in de» Universität eine Vorlesung des berühmten Historikers Johann Gustav Dropsen, einen Tag widmete er den Museen, und. horte auch eine Bor- lefüng des großen Physiologen Duhois- Reymond, Im Auditorium lernte er einen Dr. jur- Frenkel kennen, der ihn auflorderte, den Handwerkerklub zu.besuchen. Hier hörte Tolstoi, einen populär» wiffenschästlichen Vortrag und interessierte sich so sehr für den„Fragekästen", eine ihm noch gänzlich unbekannte. Bolksbildung'smethode, datz er am nächsten Abend Ivieder in den Handwerkerklub ging.„Mein Aufenthalt in Berlin war angenehm und für mich sehr nützlich", schrieb Tolstoi in seinem Tagebuche./ ■ In Leipzig blieb er nur einen Tag, fand aber Zeit genug, um mehrere Schulen zu besich- -tigen. In Kissiugen angekommen, wo er 4 Wochen lang Heilung seiner ihn- sehr plagenden Kopfschmerzen suchte, benutzte Tolstoi jede freie Stunde, um irgendeine Schul« zu besichtigen und den Schulstunden beizuwohnen. Dort lernte er Julius Fröbel, den Neffen des berühmten Gründers der Kindergärten kennen, befreundete sich mit ihm und diskutierte mit ihm die Probleme jener Zeit.„Die Politik hat ihn zernagt", notiert er ImTagebuche über seinen deutschenFreund. Durch Fröbel lernte er auch Frantz kennen, der in den Jähren 1848—49 regen Anteil an den revolutionären Kämpfen genommen hatte und nach der Flucht' ein sehr bescheidenes Dasein in Kissinger» führje. Später hielt sich Tolswi diesem Kreise fern und suchte Anschluß an die Bauern der Umgegend- Er fuhr nach den benachbarten Dörfern, sprach stundenlang mit den Bauern und half, ihnen die Heuernte zu bergen.„Mir waren die dortigen Bauern genau so geistesnphe, wie die russischen— lesen wir in seinem Tagebuch«— jedoch störte mich meine mangelhafte Kenntnis der deutschen Sprache." Im preußischen Bade Soden verweilte Tolstoi nur drei Tag«. Nach einem kurzen Besuche in Frankfurt a, M. reiste er mit seinem an Schwindsucht erkrankten Bruder nach HyireS am Mit» telmeep. Unterwegs besuchte er. verschiedene Schultypen in Genf und Marsejlle. In Hyires passierte daS von Tolstoi schon lange vorauSgesehene Unglück: sein heiß geliebter Bruder starb dort, fern von der heimatlichen Erde. Durch Italien, Frankreich, England und Belgien, wo-der Dichter die berühmtesten Männer jener Zett kennenlernte und fleißig die mannigfachen Schulen besichtigte, führte ihn der Weg nach Deutschland zurück, und zwar zuerst nach Weimar, wo er beim Großherzog eingeführt wurde. Sein Hauptinteresse galt den Fröbelschen Kindergärten in Weimar und Gotha, er suchte sogar die bekannte Schülerin FröbelS, Minna Schellhorn auf, und bat sie, ihn In di« Ideen des Reformators einzuführen- Dort reifte in ihm auch der Entschluß, den deutschen Dichter Berthold Auerbach in Berlin zu besuchen. Tolstoi hat oft in seinen Tagebüchern erzählt, daß er seinen Entschluß, eine Schule fiir Bauernkinder in Jassnaja Poljana zu gründen und zu leiten, eigentlich den Werken Berthold Auerbachs verdankte.. Den größten Eindruck machte auf ihn Auerbachs Roman:„Neues Leben". Kurz erzählt, ist der Inhalt dieses vergessenen Werkes folgender:, der junge Graf Falkenberg, Anteilnehmer an der Revolution des Jahres 1848, wird gefangen genommen und zum Tode, verurteilt. Es gelingt ihm nach Baden zu flüchten. Er führt dort ein unstetes Leben und muß immer wieder seinen Aufenthaltsort wechseln.' In einem entlegenen Dorfe trifft er einen Volkslehrer Eugen Baumann, der in seinem Leben viel zu ertragen hatte und jetzt nach Amerika auswandern will. Unter dem Einftuß dieses Dorflehrers gibt ihm der Graf die Möglichkeit, nach Amerika z»> gehen, sie tauschen aber ihre Pässe. Der richtige Baumann reist nach USA als Graf Falkenberg,, der Graf aber findet unter den» Namen Eugen Bäumann in einem stillen Dorfe Stellung als Volksschullohrer, nähert sich dem Bauernvolke, heiratet eine Bäuerin,. führt ein naturnahes Bauernleben(wie in späteren Jahren Graf Leo Tolstoi selbst) und widmet sich seinem Schulberüf.' Als Leo Tolstoi In das Arbeitszimmer Auerbachs hereinkam, sagte er k»»rz:„Ich bin Eugen Baumann".„Der. deutsche Dichter, vor dem ein Ausländer, ein breitschultriger Russe niit einem ungepflegten Barte stand, schien verlegen zu sein. Tolstoi beeilte sich daher hinzuzufügen: „Nein, mein Name ist nicht Eugen Baumann, aber mein Charakter entspricht Ihrem Nomanhelden". Bald befreundeten sich beide Dichter und plauderten mehrere Stundenlang. Das Hauptthema des Gesprächs Ivar, Ivie Tolstoi in seinem Tagebuche kurz notierte, das deutsche werktätige Volk, doch berührten sie auch die Fragen der Religion und Kants philosophische Lehre. Am nächsten Tage besuchte Tolstoi den berühmten deutschen Pädagogen, damals Direktor des Volkslehrerseminars, Diesterweg. lieber seinen Eindruck schrieb er kurz im Tagebuche: „Diesterweg ist klug, aber strömt Kälte aus." Neber Auerbach notierte er aber:„Auerbach! Der prachtvollste Mensch!" und versah sowohl diese Zeile, wie eine zweite mit lauter Ausrufungszeichen. Diese Bewunderung für Auerbach und seine Ideen verflüchtigte sich bei Leo Tolstoi nicht mit den Jahren. Lm Jahre 1884, als der Dichter sich der Schaffung einer wahren Volksliteratur widmete und zu diesem Zwecke um sich einen Kreis bester russischer Schriftsteller und Verleger bildet«, hielt er vor ihnen in seinem Moskauer Heim eine(erst jetzt durch Veröffentlichung bekannt gewordene) Rede darüber, welche Literatur dem Volke dargeboten werden soll.„Auerbach bemerkte ganz richtig— sagte Tolstoi unter anderem— daß für das Volk nur das Beste gut ist. Nur das Beste allein taugt als Volkslektüre." Noch 16 Jahre später erwähnte Tolstoi, schon ein Greis, in: Gespräche mit seinem Freunde und Anhänger, dem jüdischen Klaviervirtuosen Goldenweiser, seinen jugendlichen Besuch bei Auerbach und fügte hinzu:„Ich liebte sehr-stark Auerbach dafür, daß er das Volk verstanden hatte und es liebte. Wr hat mich Liebe zum Volke gelehrt!"— Berthold Auerbach, der deutsche Dichter, war ein Jude. Seite 4 Donnerstag, 18. Oktober 1030 Nr. 240 Ein geblendeter Arbeiter sucht sein Hecht! und «ert,. 18.10: Deutsche Sendung: Dr.. Spitzer: Not- wird diese, orifliiie((e, AitSstellnng In Anwesenheit ppäge für Eltern, Lieder gesungen von Thurlhoser. honVertretern- des. PostmilÜsteriumS.der Zen- (Vom Post aus« und und ' Seit mehr cklS". fiinseinhälb Jahre» läinpst der geblendete' Bergmann Anton BeseIH einen verzweifelten. Kampfum sein Recht... Fünfeinhalb Jahre prozessiert das Opfer eines ärztlichen Mißgriffs vergeblich mit dem Spltalfonds Montenegro und haben kata- Äurch die stän- dung weiterer V e r s ch I e p p u n g S-, künste kaum.mehr möglich erschien und somit auch der Pessimist däS. Urieil erwarten dürste. In diesem Etadiunl spielte aber die Finanzprokuratur wie sich gestern zeigte, erst ihren Haupttrumpf auS: Sie behauptete „das ganze bisherige(fünfjährige!— R. d. 91.) Verfahren fei nichtig, weil der geklagte Fonds keine juristische. Person sei und daher nicht geklagt werden könnet Der Klager habe seine Klage an das Kran« I e n h a u s richten sollen und nicht an den Fonds, die'Klage gegen das Krankenhaus aber sei in- ztvischen verjährt. Dazu ist zu bemerken, daß das O b e r st e G e r i ch t die passive Klagelegitimation des. Fonds in seiner Entscheidung ausdrücklich, anerkannt hat. . Ter Zweck.aber ist erreicht: die Verhandlung mußte n e u e r l i ch v e r t ä g t werden... Deutscher Seist Im. Rechenbuch Auf Seite 12 von DicknetherS Rechenbuch für höhere Lehranstalten, neubearbeitet von I. Wildenrother, München 1935, findet sich folgende Ausgabe:'' ■„Ein Tagbomber kann eine Bombenlast von 700 Kilogramm aufnehmen, a) Wieviel' Baby- Bomben» 200 Gramm vermag er mitzusühren? b) Wieviel Brände kann er verursachen, wenn 62' Prozent auf unbebaute Fläche fallen uni> 86 Prozent Blindgänger sind?— Warum wird ein Flugzeug nie mit dieser Höchstzahl von Bomben belastet sein?(Mangel an Antvurfsvorrlchtungen, große Geschwindigkeit,. 800-Ktlometer-Stunden, Unterhringungsraum.)" Da fehlt noch eine Frage: Wieviel deutsche Kinder bleiben übrig, um derartige Rechenaufgaben zu lösen, wenn der betreffende Tagbomber ausländischer Nationalität ist, keine Brand- sondern Sprengbomben führt und sie über einem bestimmten Prozentsatz der mit Schulhäuserii bebauten deutschen Fläche abwirft? schesten. Zunächst bestritten die Herren Bürölrai- ten, daß.der Kläger ganz blind sei, lveil er aus einen halben Meter Entfernung eheste Flecken' unterscheide.(Der Befund.der Acrzte.ist aber absolut eindeutig.) Dann behaupteten die Vertreter der beklagten Partei, daß leineSwegs erwiesen sei,, daß der. Kläger, auch b l i n d b l eib e n wer d e(auch,in diesem Punkte aber. ist.an dem Gutachten nicht-zw deuteln). Schließlich verlangten. sie. die Heranziehung; neuer Sachverständiger. die das Gericht ablehnte,. das'nur eine kurzfristige'Ergänzung der. Gutachten anordnetc.- Aus solche und ähnliche Art wurde dieser Prozeß, wie erwähnt, über fünf Jahre lang" durch alje drei Instanzen gewälzt und schließlich vom- Obersten'^Gericht, wückverlviesen.. Schließlich' war' die-.Sache.soweit'.gediehen,'■ daß die. Auwe n.-. Vom Rundfunk ImWilMiwartM aui An RraariMMii' Freitag: Prag 7.: Saloirorchesterkonzert, 10.06: Deutsche Presse, 10.16: Schallplattenkonzert, 12.10: Tanzmusik, 17.10: Borodin: Geigenguartett,. 18.10: Deutsche Sendung: Fritscher: Die Arbeit in den Fabriken und. die verheiratete Frau,.18.20: Vorgeschichtliche Völkerbewegung in und-um Böhmen, 18.8»: Arbeitersenvung: Aktuelle zehn Minuten, 18.46: Deutsche' Presse, 19.80: Aus dem Ratio» nallheater: Fibich: Sarka, Oper, 22.26: Tanzmusik. Sender II: 7.80: Salonorchesterkonzert, 14.16: Deutsche Sendung: G. Nrzidil liest, eigene Gedichte, 14.30: Schallplatte», 14.85: Vorlesung aus Novelle„Die Kiste", 18.10: Konzert.— Brünn 16.10:1 Nachmiitagskonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Sportberichte.— Presiburg 19.10: Tanzmusik, 20.05: Aus dem Nationaliheater: Sinfonisches Konzert.— Mährisch. Ostrau 12.86:' Mittagskon-, Die Briefmarkett-Sämmlmtg Masaryks zu sehen. Bekanntlich veranstaltet der Verein bildender Künstler„MäneS" ab 16. d. gemeinsam mit' den philatelistischen Zentralverbänden der Tschechoslowakei■ eilte BriefmarkeN-AuSstellnng. Dem veranstaltenden Komitee ist es gelungen, nebeii der..- einzigartigen Expositur des Postmini- sterinms fiix die Ausstellung auch'die.Sammlung des Präsident-Befreiers T. G. Masaryk zu gewinnen,die uNstreitbar! im Mittelpunkt des größten Interesses stehen, wird.. Die Exposition- des PöstministeriuMS hat für die Ausstellung ein, besonderes• Arrangement erhalten,' dass ü,' a:. eint Reihe von O'riginälbildern enthält,: aus denen später das kleine Bildchen— die Briefmarke— entständen. ist: s Bon dieser Seite v'erinittelt.die Ausstellung'allen Besuchern vollständig.iieue.Eindrücke.' Auf der Ausstellimg'.sind.ferner-'.die fei», tensten und tHersten.tschechoslowakisch'eit. Märseft. zu sehen, ausgesuchte österreichische Milate',. andere, klassische. Märien, uitd.'Serien,'f- eine' komplette. Sammlung'von' Marken,, die anläßsich des.Silber-, Jubiläums des englischen Königs.Georg. V. in Verkehr gesetzt ivü.rden,. die- ältdsten Marken der, Welt, eine Sammlung van Briefen', von der'Südpol-Expedition Byrds, und andere' interessante Stücke. Am Donnerstag, den 16. d„ iilli 17'IIHr Prag,(rb.) Seit mehr als fünfeinhalb Jahren kämpft der 46jährige Bergmann Anton Beselh aus Bratiinov bei Plibram, der das Opfer eines.furchtbaren ärztlichen Mißgriffes wurde, einen verzweifelten Kämpf nm sein Recht. Seit nahezu sechs Jahre» sind alle erdenklichen Gerichtsinstanzen mit diesem ebenso tragischen als empörenden Fall besaßt gewesen. Nachdem die Entschädigungsklage des Bedauernswerten in allen drei Instanzen der Zivilgerichtsbarkeit auS- gesochten lvorden.war,- hat das Oberste Gericht schließlich bereits vor Monaten den Prozeß an das Zivilkreisgericht in Prag zu neuerlicher Verhandlung zurückverlviesen. Bei diesem Gericht haben wir jetzt diesen ungeheuerlichen Fall verfolgt— immer i» der Hoffnung, über seine endliche E r l e d i g u n g berichten zu können. Diese Hoffnung lvurde indessen immer wieder enttäuscht, zuletzt am Mittwoch, an welchem Tage endlich die Verhandlung hätte geschlossen werden sollen. Wir übergeben daher den Fall Beselh', wenn auch nnabgeschlostcn, der Oeffentlichleit und lasten seine Einzelheiten für sich selbst reden. Am 20. Jänner 1931 wurde der. Bergmann Anton Vesely im Pkibramer Krankenhaus durch Versehen einer Aerztiy geblendet, die ihm bei Behandlung eines leichten Binde- hantkatärrhS eine ätzende Flüstigkeit inS Auge träufelte. Der Arme, war lvegen. einer Beinverletzung in Spitalsbehandlung gekommen und zu seinem Unheil bemerkte die Assistenzärztin Dr. Sarah P c i s a h(sie ist r n m ä n i sche StaatS» b ü r g e r i n) den leichten Angenkatarrh, den sie durch Einträufelung einer Zinklösnng behandeln wollte. Bei dieser Prozedur brüllte der Patient laut auf, wurde von der Aerztin als„zimperlich" scharf'getadelt und muhte auch noch sein anderes Ange-behandeln lassen.. Die furchtbaren Schmer- zensschreie des Patienten ließen endlich die treffliche-Aerztin näher zusehen— freilich- zu spät. Es lieh sich nnrmehr feststellen, daß daS Medika- nientensläschcheu statt derZinllösung e,i it c ä tz e it d e F l ü s s i g k e i t enthalten hätte. Welcher Art diese Flüssigkeit jvar, ist nie sestgestellt lvorden.- Das llugliicksfläschchen blieb — und das ist bezeichnend für die Wirtschaft in diesem Spital—»er s ch w u n d e n und als die GerichtStvinmission nach dem Inhalt aller ähnlichen Fläschchen fahndete,, ergab, es sich, dah inzwischen a I l e u m g e s ch ü t t e t worden waren I A n t o n V e s e I h a b e r e r b l i-n d e t e„.. Die schuldtragende Aerztin wurde.wegen, fahrlästiger schwerer Körperverletzung, ange- tlagt und— freigesprvch e nl Sie verschivand alsbald in' ihre rumäitische Heimat und'konnte dort der weiteren Enttvicklung der Sachet mit Gemütsruhe entgegensetzen. Der Geblendete aber ivanderte von einem Spital ins andere und mußte lchließlich durch mehrere Monate der Bohnitzer Irrenanstalt überstellt lverde», weil sich infolge'der entsehfichen Schmerzen Zustände von V e r f o l g u n g s w a h n eingestellt hatten. Bis beute ist dieser arme Mensch nicht hergestellt, ist geistig und körperlich ein Wrack, ist, in seinen besten Mannesjahren, völlig er werbsun fähig und hilflos.. Er brachte durch seinen Vertreter D r. Jaroslav Mellan sowohl gegen die Schuldtragende, als auch gegen den Fonds des P! i b r a m e r K r a n k e n h aus e-S eine Klage auf Schmerzensgeld für seine körverlichen und seelischen Qualen und Bezahlung einer entsprechenden Rente ein. Für jedes Bezirks- liättkeuhaus besteht nämlich ein Fonds, de» der A e z i r l s h a u p t m a n n verwaltet. Die Vertretung des geklagten Fonds übernahm bereitwilligst die' F i n a n z p r o k u r a t u r, die zur Vertretung des FiskuS in Streitfällen berufen ist und— auf Ansuchen— fallweise auch zur Vertretung von Länder n oder Bezirk e n übernehmen kan n. Tas Werk der Finanzprokuratur in diesem Prozeß zu würdigen, überlassen lvir dem Leser. Aus den verschiedenen Einreden, die sie der Klage, entgegensetzte, vermerken tute nur die charakteristi- biö die Störche gesiegt hatten. Bauern fanden neben zahlreichen Storchleichen auch sehr viele tote Adler, und neuerdings sind die„Könige der Luft" ans dieser Gegend ganz verschtvunden: Die Störche haben sie in die Luft geschlagen. Die Mumie im Eello-Kaftc». Die Pariser Polizei hat durch Zufall ein- der seltsamsten und grauenhaftesten Kriminalaffären anfgedeckt, die je zu verzeichnen waren. In einem kleinen Hotel wohnte seit langem ein russischer Emigrant, der bei den Angestellten Graf K. hieß. Sein richtiger Name ist Kerkow, er war Kosakenhauptmann. Er führte ein völlig zurückgezogenes Leben, und das Auffallendste war, daß er täglich ytit einem großen Kasten fortging, der wie ein alter CeNo-Kasten auSsah. Diesen Kasten hütete erstorgfältig und erlaubte,nie, daß einer der Dienstboten ihn anfaßte. Wenn dies doch geschah, bekam er Wutanfälle, die im Hotel allgemeinen Schrecken auSIösten. Aber sonst verhielt er sich still, und man war der Meinung, daß' er.in irgend einer der vielen rustischen Kapellen als Cellist beschäftigt war. Bor einigen Wochen mm erklärte er, daß er auf eine lange Reise gehen müste. Er konnte seine Rechnung nicht bezahlen, ließ aber sein ganzes Hab und Gut als Pfand. Auch der Cello-Kasten, mit scicker Galauniform überdeckt, wurde in einer Kiste vernagelt,'die in den Keller gebracht wurde» Vor einigen Tagen erhielt der Besitzer des Hotels einen Brief aus Amerika von Kerkow, daß dieser nie mehr zurückkehrcn würde. Seine Sachen sollten nun veräußert werden. Als man den Cello-Kasten öffnete, fand man darin zum nanten- losen Entsetzen aller kein Instrument, sondern die vollkommen erhaltene Leiche eines 18» bis lljähri- aen Knaben. Der Polizeiarzt konstatierte, daß es sich nm eine richtiggehende Mumie handelte, die vor mindestens 20 Jahren einbalsamiert^worden war. Die Polizei neigt-zu der Ansicht, daß es sich nicht um ein Verbrechen handelt. Man glaubt vielmehr, daß Kerkow während der rustischen Revolution eine» nahen Verwandten verloren hat— vielleicht seinen Sohu. ES ist ihm, gelungen, den getöteten Knaben einbalsamieren zu lassen, und er hat die furchtbare Erinnerung aii den Bürgerkrieg mit sich ins Exil genommen. Erst jetzt, wo er am Ende aller seiner Möglichkeiten stand und In die Reue Welt auSgc- tvandert ist, hat er die teure Reliquie in dem Keller eines Pariser Hotels zurücklassen müssen. Wiedernnfnaime des internationalen Post» anweisnngSverkehrS. Vom 18. Oktober 1086 an werden postalische'und telegraphische Postanweisungen auS der Tschechoslowakei inS Ausland— genommen nach Albanien, den Niederlanden Spanien.— wieder angenommen. Telegraphenministerium.) Der vorzeitige Winter. In Bosnien dauern die Unwetter an strophalen Umfang angenommen, digen Regengüsse ist der Spiegel des Skutarisees um drei Meter gestiegen? Die Wassermasscn haben sechs Gemeinden überschwemmt und viele Vorräth an Futter- und Lebensmitteln vernichtet. Die Maisernte, die noch nicht eingefühct war, ist vernichtet., Weitere Gemeinden' treffen Schutzmaßnahme» vor einer eventuellen Ueberschwemmung. In Bosnien ist die Driya bei Vysegrad über die Ufer getreten und hat ein Holzlager im Wert von^ Millionen Dinar weggeschwemmt. Ans den nördlichen Teilen Westbosniens kommen Nachrichten über heftige Schneegestöber, die i» der Umgebung von Ban- jaluka den Straßenverkehr lahmgelegt und den Telephon-, und Telegraphenverkehr unterbrochen haben. Die Schneewehen sind stellenweise über einen- Meter hoch. Viele Dörfer sind ohne jede Verbindung. Dagegen melden die Blätter aus Starä Kanija, daß dort in einem Garfen Heuer bereits zum dritten» male ei» Apfelbaum blüht, auf-, dem bereits zweimal Aepfel-reif geworden sind. Auch in einigen Obstgärten der Sumadija blühen die Bäume. Allgemeine Wetterlage. Der Zufluß kühlerer Lufi aus dem Polargebiet dürfte nunmehr vorübergehend durch eiye wärmere Luftströmung Unterbro» chen werden, welche sich vom Atlantischen Ozean aus gegen das Festland ausbreitet. Eine, wesentliche Die letzten Pferdedroschken von Paris Mit einer Wettfahrt zum Bois de Böulogne beschlossen Sonntag die letzten.fünf"Droschkenkutscher, die in Paris noch' übrig' waren, ihre Laufbahn. Bühnen-, und Filmkünstler waren '-die letzten» Fahrgäste I». Wintersport-Olympiade Johannisbad Der OrganisätionSauSschnß der 8. Wintersport»Otnmpiade dielt am Dienstag in Johannisbad eine erweiterte Sitzung ab, in der alle notwendigen Arbeiten besprochen wurden. lieber die bereits geleisteten Voiärbeiten berichteten die Genossen M ii l l e r, K r e j ö i. C h a r v a t. M»- lut« und Dolensk>>. Es wird weiters die Frage einer großziigisten Propaganda nochmals erörtert und die letzten Aendernngen für den Propagandaprospelt und das Plakat festgelegt. Genosse. K r e j ö i schlägt-vor. daß in allen Bezirksstädten eigene PropagandakomiteeS gebildet werden müssen, die die Organisation der Teilnahme und der Propaganda zn übernehmen haben. Beschluß wurde für-die Schaffung eines PropagandaabzeichenS gefaßt. Eine eingehende AnSsprache entwickelte sich auch mit den örtlichen Funktionären über die Quartiersfragen, Wirtschaft und Schanzenban. Die nächsten Arbeiten werden mit aller Beschleunigung durchgefiihrt, so daß mit einem vollen.Gelinge» gerechnet werden kann.. tralverbände der philatelistischen Vereine, gelade ner Gäste' sotvie des Ausschusses des veranstalten- .den Vereines„Mäncs" eröffnet werden. Lastauto bringt Lastzug zur Entgleisung. An einem ungeschützte» Bahnübergang der Strecke Kremster—Zborvvice kam eS Mittwoch nachmit tags bej der Haltestelle Kotojedy zu einem schwe ren Unfall. Ein Lastzug erfaßte ein schweres, mit Rübe-beladenes Lastauto und schleifte eS etwa 60 Meter mit. Die Lokomotive sprang dabei aus dem Geleise; auch der Tender und die vier ersten Waggons entgleisten. Dabei wurde das Stations- hänschen des Eisenbahnwächters erheblich be schädigt und die Geleise von den verschütteten Rüben verlegt. Der Chauffeur des Lastautos kam wie durch ein Wunder unverletzt davon, ein Mitfahrer wurde schwer, ein zweiter leicht verletzt. Vom Zugspersonal wurde niemand ver letzt. An die Unfallsstelle lvurde ein Hilfszug' ent sendet; der Verkehr wird vorläufig durch Auto- bnssc aufrecht erhalten. Im■ Taifun gescheitert. Der Kapitän des Küstenmotorschiffes„Sugbu" meldete nach Ma nila,- daß- sein Schiff unweit von Signijor im' Taifun mit 42 Passagieren und Mannschaften an Bord untergegangen ist und nur 15 Passagiere ge rettet werden konnten, die jedoch alle schwer ver letzt wurden. Die Zahl der Opfer des Taifuns ist nunmehr auf 420 gestiegen.\ - Ter älteste Selbstmörder der Welt. Der 117jährige ehemalige Kaufmann Chadji Moti Chaji hat sich aus' seiner im fünften Stock im Zentrum, von Bombay gelegenen Wohiiung ge stürzt. Er hinterließ einen Brief, in-dem er erklärt,, daß er nunmehr doch lebensmüde sei. Er lvär bis zu seinem'Tode ungewöhnlich rüstig und konnte'ohne Brille lesen und', schreiben. Störche gegen Adler. Mn. ungewöhnliches Naturschauspiel ist! wochenlang in der Gegend von Afion Karahissar zu beobachten gewesen, Dieses änatolische. Gebiet zeichnet sich dnrch einen großen Reichtum an Störchen aus, die hier seit Jahrhunderten dominieren; in. diesem. Jahre ha ben.aber Adler Persucht, den Störchen den Vor rätig' streitig-zu-machen. Die Adler kämen von Osten her, erst.zu. Dutzenden, dann zn Hunder ten,'und- griffen die Tausende voiü Störchen an! -Die Störche, setzten sich zur Wehr).und es kam züs erbitterten' Kämpfen-' die auf meiden Seiten zahlreiche' Opfer! forderten.- Wahrscheinlich wä»- ren die Störche-unterlegen,-wenn sie Nicht auf. Besserung ist jedoch vorläufig noch picht zn>erw/tr^ seltsame Weise Verstärkung erhälten hätten- Aus ten, da'über die Nordsee flache Lnftdruckstörungeit anderen Gegenden^Anatoliens und vom Balkan,| Vordringen, derep Regenzonen auch unsere Gegen- sogar von Ungarn und Deutschland her strömtenden beeinflussen. Wahrscheinliches Wetter Donners- Störche,.-die auf: dem Rückflug nach Afrika be- 1 tag: Vorübergehendes Abflauen dös Windes, trotz- griffen waren,'in-'einem großen Hinweg nach i dem ziemlich bewölkt,'. morgens vielfach''nebelig! Afion Karahissar und griffen die Adler an. Die strichweise ein lvenig Regen, Häser etwas wäkpter. Kämpfe dauerten' wochenlang uNd wurden vom! Wetteranssichien für Freitag: llnbeständlg;'Wärmeri Tagesanbruch bis indie Nacht fortgesetzt,.—I West- bis Nord'westwind, strichtveij- Regen«' Nr. 340 Donnerstag, 15. Cftuficr 1030 Seite 5 ^oiKsMrtsrklaft und äosiahwLM Vor den Parlamentswahlen in Norwegen im i hntner noch wtwfw^wttan urww .. iwniw HlHJWIWnWWRII Nckioo« M-gi-g-t» hnn iln.Uväre, der Meinung Raum z>> geben, dgh es von Vorteil Ivar«, die groben Linienschiff« durch Marine-Bombenflugzeuge zu ersetzen. Der Vatikan und di« Ostkirchen.(AP.) Der Vatikan bofaht sich zur Zeit ausführlich mit dem abessinischen Problem, Unter den Eingeborenen soll ein« Missionstätigkeit entfaltet worden, da der Vatikan auf dem Standpunkt steht, das, die abessinische Landeskirche durch den Fetischismus und den afri» sozialistischen Zielsetzungen zusammenfasst«, Durch diese Politik wurde di« Bauernpartei gezwungen, die Arbeiterrcgierung zu tolerieren. Die faschistischen Strömungen, die sich innerhalb der Rechten geltend machten, fände» ztvar bei Mitglieder» der letzten bürgerlichen Regierung offene llntcrjtiitzung; aber gerade diese Unterstützung war cö, die bei den letzten Storthing- ivahlen zu dem Wahlersolg der Arbeiterbetvegung entscheidend beitrug. Di« Nortvegischo Arbeiterpartei steht bis setzt noch außerhalb der Sozialistischen Arbeiter- Internationale. Dies ist das Ergebnis eines Ilebereinlonunens, das im Jahre 1020 zu der Verschmelzung der damaligen norwegischen Sektion der Internationale mit der 1028 aus der Koniintern ausgetretene» Norwegischen Arbeiterpartei führte. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale tvollte der Vereinheitlichung der norwegischen Arbeiterbewegung kein Hindernis in den Weg legen, gab aber der Erwartnng Ausdruck, da» die vereinigte nortvegische Partei den Anschlup, an die internationale Arbeiterbewegung finden werde. Diese Erwartung hat sich bei den - Gewerkschaften, di«— wie in England und Belgien— der Partei kollektiv angehören— In diesem Lahr mit dem Beitritt zum Internationalen Gewerkschaftrbund erfüllt. Auch ztvischcn der Norwegischen Arbeiterpartei und der internationalen Sozialdemokratie bestehen keine programmatischen und taktischen Gegensätze mehr, so da» der politische Anschluss der Arbeiterbewegung Nor« wogens an die Internationale dem gewerkschaftlichen binnen kurzer Zeit folgen wird. Skandinavien Ist daß Muster für eine konstruktive Politik des demokratischen Sozialismus geworden. Diese Politik ist auch die dec nor- jo e g I s ch e n Arbeiterbetvegung. Es ist mit Be« stimmthcit zu erwarten, da» sie auch in diesem Lande ihre Früchte zeitigen und Anregung und Lehre für die sozialdemokratische Politik in allen Ländern iverden tvird. 601,008,000. „Lebende Tiere*(um rund 68 Millionen Fö), „Rohstoffe"(um rund 480 Millionen aus 2.881,360,000) und„Fertigwaren"(um rund 280 Millionen ans 1.002.007.000),. 88,018.000 88,282.000 schriften für Rohstoffbezüge zurückzuführen. Dieser Rückgang der Rohstosseinfuhr beträgt sowohl gegenüber dem August 1086 als auch gegenüber dem September 1036 rund 86 Millionen Kd. Stark gestiegen ist di« Einfuhr von Fertigwaren (um rund 60 Millionen), die eine Höhe von 316 Millionen KC erreicht hat, Di« Ursache dieser Erscheinung ist der Zwang, Won den sogenannten Clearing-Ländern, hauptsächlich Deutschland, Waren zu beziehen,-di« zum Grossteil im Inland erzeugt iverden könnten. Ausfuhr weiter steigend Exportsteigerung Im September SO Millionen, seit Jänner 350 Millionen gegenüber dem Vorjahr— Septembereinfuhr rückgängig.— Fertigwarenausfuhr% des Gesamtexports Da» Statistische Staatsamt veröffentlicht folgende Daten über unseren Außenhandel im September diese- Jahr«»: Reiner Warenverkehr Einfuhr Ausfuhr.,,,. Aktivum..<.< konischen Schlangenkult beeinflußt und in jeder Hinsicht reformbedürftig sei. Dabei soll auf die religiösen Gebräuche Rücksicht genommen, eine abessinische Lithurgi« mit Mheez statt de» Lateinischen al» ilir« chensprache au-gearbeitet und den koptischen Rite» Rechmmg getragen werden. Da» Endziel ist, über Abessinien die Bereinigung ztoischen West« und Ostkirche zu erreichen. Oloitt verspricht sich eine» Einfluß auf die Kopten in Aegypten und Rordasrika sowie auf die syrischen Christeii, darüber hiuau- aber auch ans die orthodoxe Ostkirche"und im Endeffekt ein Vordringen de- Katholizismus nach Osten. inkflnei Wien, In der Hanfspinnerei In Neiida stellten Dienstag die Arbeiter die Arbeit ein und vertrieben drei Ingenieure, welche von der Wiener Zentrale zwecks Durchführnna verschiedener Rationalisieruugs- maßuabmeu und Reduktion der Arbeiterschaft entsandt worden sind, an» dem Betrieb. Die faschistische „Getverkschaft»organisatlon" schritt ein und erreichte, daß die Angestellten nach mehrstündigem Streik die Arbeit wieder aufnalnnen, Wien. Der türkische Außenminister Teivfit Ruschdy Arras ist Montag aus Genf in Wie» eingetroffen. Er hatte eine eingehende Aussprache mit dem Staatssekretär des Aeußeren Schmidt. Bari».(AP.) Die Nachrichten über die Erschießungen von katholischen Priestern, die auf selten der regierungstreuen baskischen Nationalisten gestanden hatten, durch di« A u f st ä n d i s ch e n, bestätigen sich, lieber den Bischof von Viktoria verlautet, daß er gefangeil gehalten wird, Sept. 1086 ..... 611,084.000 ..... 707,007.000 September die eine Höh« von beträgt also rund Fn diesem Rahmen hat Ausfuhr von Fertigtvaren 641.768.000 K6 erreicht, sie drei Viertel unserer gesamten Warenausfuhr. Di; Steigerung de» FertigwarenexportS gegenüber dem vorjährigen September(408,411.000 KL) deckt sich fast vollkommen mit der Steigerung der Gesamtausfuhr überhaupt. Die Einfuhr ist ztvar gegenüber dem heurigen August um rund 27 Millionen gestiegen, liegt aber unter BorjahrShöhe. Dieser Rückgang ist auf die Einfuhrbeschränkung durch die(jetzt wieder abgebauten) Dcvisenvor- Für di« ersten neun Monate des Jahre» ergehen sich folgende Ziffern: Reiner Warenverkehr September-Jänner 1086 Jänner-Scptepiber 1085 Einfuhr 5.997,015.009 4.524,544.000 Ausfuhr. 5.474,652.000 5.128,500,000 Aktivum 346,787.000 Der Feriigwarenexport(4 000,858.000) ist gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres(8.763,083.000) um 838,771.000 KL gestiegen. Ans der Einsuhrseite weisen«ine bedeutende Steigerung aus di« Warengruppen Spanische Stiefel Von Arnold Heilbut, Madrid Spanische Stiesel— da» Wort weckt peinliche Erinnerungen. Irgendwie, so glauben wtr zu wissen, hängt ei mit der graueuvollen Einrichtung der Inquisition zusammen, . Ganz richtig, es muß«in Marterwerkzeug gewesen sein, schlimmer noch al» die gefürchteten Daumschrauben. Ju irgendeinem Lepikon haben wir' Abbildungen davon gesehen, vielleicht gar in einem Museum schaudernd so«In. Instrument in di« Hand genommen und düstere Bilder gefolterter Menschen, sich windend in Oualen, standen vor unseren Augen. Glücklicherweise gibt«» solche grausäme Werkzeuge heute nicht mehr tdenkt der arglose Beschauer). E» gibt natürlich auch heut« poch spanisch« Stiesel. Nicht aus Eisen und Dornen geschmiedet, sondern au» Leder. Richtige, Stiefel, wt« sie jeder zivilisierte Mensch an den Füßen trägt. Und sie können auch heute noch Marterwerkzeug« sein, . Der spanisch« Stiesel, nämlich der, den man lm eleganten Lade» ans der»Gran Via", der Prachtstraße Madrid», kauft, ist von bestechendem Aeuße» reu,. Natürlich Ist er kein Stiefel(wer trägt heute schon Stiesel?),.sondern«in Halbschuh. Ader immer ist er ein wenig zu«na geschnitten, und selbst wenn er scheinbar gut paßt, verursacht er bet längerem Gehen oft heftig« Schmerzen. Der Spanier gibt unendlich viel auf gute!" Fußzeug. Der Anzug ist. vielleicht ettva» zerknittert, Vielleicht auch geflickt— aber, der Schuh! der Schuh ninß di« letzte Neuheit sein. Da» ist unerläßlich,. Ein. Mäst» mit geflickten oder gar" ungeputzsen Schuhen ist kein„rabahere"I Noch weit eitler in bezug"ans Bekchuhung ist di«»senorita". E» gibt zwei Dinge, die die Spanierin nie vernachlässigt, so salopp sie sich auch häufig zn kleide» pflegt, Da» sind di« Frisur und das Schnhwerk. Der .peluquero"(Friseur) und der.zapatero"(Schuhmacher) find di« wichtigsten Persönlichkeiten im Lebe» der spanischen Fran. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß die mondän« Spanierin den.weitaus größten Teil ihres Lebens in der.peluqneria"(Frisiersalon) oder beim Einkauf von„zapaws"(Schuhen)" verbringt—- der Rest Ihrer Zeit gehört dem jkino. Di- Spanierin soll Yon alle» Frqnen der Welt di« kleinsten Füße haben.(Wenngleich sie auch foult, sofern sie den besitzend«» Klaffen nngehört, auf recht grobem Fuße lebt.) Wie dem auch immer sei, jedenfalls hat sie fast durchweg entzückende Füße, einen rassigen Spann und edle Fersen. >. Man muß sich wundern, wie di« Frau es ermöglicht, bei den vhantastasch hohen) schmalen Absätzen^ ihrer Schühchen jene» stolzen, unnachahmlichen Gang beizvbehatzen, der so typisch für di« Spanierin ist: Sie hat von Nät»r den"zierlichen, wohlgcbsl- deten Fuß. aber ihr« Eitelkeit zwingt st«, di« Schuhe immer noch ein« Nummer kleiner zu kaufen al? ihre Fußgröß« e»»»läßt. Zweifellos leidet sie Höllenqualen, wenn st« mit den viel zu engen Schuhen über dal nicht immer bequeme Pflaster Madrid» geht— aber sie erträgt di, Schmerzen mit stoische« Ruh«. Ob sie vielleicht dabei an di« unglücklichen Opfer der Fnauisitwn denkt, deren zart« Gelenk« «Inst der»spanisch« Stiefel* zerquetschtet ES wird«in ungeheurer Luruil mit Schuh- werst getrieben."Man findet fowohl.be> d«n Hcrren- wie bei den Damenschuhen di« phantastischsten Modelle, die ausschweifendsten Farbe». Entzückende Gebilde«Iner Industrie, wahre Kunstwerke, die— wie Haus Sachs sagt«die ganz« Welt mit Füßen tritt".— Man kennt i„ Madrid kann« die ungeheure Werbekraft eines gut dekorierten Schansenfters. Genau so wenig, wie man den„Dienst am Kunden" kennt. Aber di« modernen Schuhläden In den Hauptstraßen Madrid» haben prachtvoll« Auslagen, und st« weifen einen ausgezeichnet«» Geschmack in Ausstattung und Ariangenieut ihrer große»,.mit allem Raffinement modernster Technik eingerichteten Schaufenster auf. " llngehener di« Konkurrenz. Immer neue Läden entstehen, Mo«In Bauzaun ist, eine Fassade renoviert wird, fiehj nmn di« Inschrift„ralzados" (Schuhivaren), l Die PerkausSinethode» sind häufig di« bizarrsten, Si« würden mit unserem Gesetz, betreffend unlautere» Wettbewerb, sehr stark in Konflikt gerate». Gewisse Geschäft« veranstalten Perkanfstage, a» denen sie beim Einkauf von einem Paar Schuh« ein Paar gratis dgzngoben. Der Kund« muß eben bar Glück haben, gerndo de» betreffenden Tag zn wählen, Ob«r jo das richtige Datum trifft? Trotz alledem-halten"sich di« Preis« auf einer gewissen Höhet man kann nicht sagen, daß g«schl«u- d««t wird, Eng verbunden mit diesem luxuriösen Aufwand d«k Boschubung ist da» Gewerbe de» Stiesel-, Putzer«. Der„ltnipiabotgs" ist di« typisch« Er- scheintliig deß spanischen Straßonbildo». Man" steht In Madrid kam» einen Herrn, sofern er ans diese Bezeichnung Wert legt, mit nngelmhw» Schnben, Ätzer auch der Mann au« d°m Boll« läßt sich seine Schnhc putzen. Es fällt ihni gar nicht ein, diese« Geschäft selbst zu besorgen, schon au» Solidari- tfttSgefÜhl nicht, Man sagt, wenn der Spanier eine Pesete In der Tasche hat, so verzjchtrt er auf da» Esse». Für 50 EentstnoS muh er seinen Easi! trinken und für die restliche» 50 Eentimos läßt er sich di« Schuhe putzen. Dann fühlt er sich als„senorito" und die Welt hat keine Problem« mehr für ibn. Der„lsinplgboras" würde empört sein, wollte man ihn al» Schuhputzer bezeichnen. Er ist ein "Künstler— schlechtweg ein Künstler. I» der Tat, inan muß diese Burschen bei der Arbeit gesehen haben, wie sie mit einer Hingabe und einer Andacht ohnegleichen ihr Geschäft vollziehe». Sie streicheln und» tätscheln d«n Schuh, ehe sie ihn bearbeiten, Es scheint, als ob sie ihn besprächen, Sia bearbeiten ihn mit der Hand, mit d«« großen Bürste, mit der kleinen Bürste, mit einem harten Lappen, mit einem weichen Lappen, init einem Schwann» oder einem Pinselt sie reiben sanft,1 st« rüffeln ibn und sie hanchan ihn a». Ganz verliebt sind sie in ihr Werk, behutsam stelle» sie zuletzt den Fuß auf die Erd« und indem, sie ztvei Finger an den Mund führen, Hänchen sie einen Kuß iu di« Lust.„i)a esta"(schon fertig), sqgon sie voller stolzer Genugtuung. DI« ganz Ge- witzten, die auf 50 Schritte Gntsernung den Fremden wittern, pflegen de» fertig geputzte» Schuh in der Hand z« halten und mit großartiger Gest« zu sagen!„Mir«, sonor, eso es upa obrg d« artest' (Sehen Sic, mein Her«, das Ist«in Kunstwerk.) Dieses Kunstwerk darf dann der ahnungslose Fremde mit drei Peseten bezahlen, wofür der Einheimische generöserweis«■ 60 Eentimos zu geben pflegt. Seite 6 „Sozialdemokrat Donnerstag, 15. Oktober 1936. Nr. 240 AaqerAlKmq Eine menschliche Bestie (Schwurgericht.) Prag,(rü.) Der gestrige Schwnrgerichtsprozetz .Mit zu de» greulichsten Fallen, die je vor diesem Gericht verhandelt tvurden. Angcklagt war der 82- jährige A c» z e l H e j d u l aus dem Dorf U n i- t i c e des Verbrechens dec Notzucht und der Blutschande, begangen an seiner kleinen achtjährigen Tochter. Die bestialischen Einzelheiten der ttntat entziehen sich der Berichterstattung, zumal da die Verhandlung natürlich geheim war. Das Verbrechen geschah am 20. Juli, an welchem Tage der Angeklagte in der siebente» Abendstunde aus Prag nach Hause kam, nachdem er in zwei Gasthäusern cingckehrt war, wo er aber nicht mehr, als zusam- nien einen Liter Bier trank, so daß von Trunkenheit (die natürlich auch kein moralischer, sondern nur ein sormaljuridischer Milderungsgrund wäre!) keine Rede sein kann. Er erzählte seiner achtjährigen Tochter Bo,lcna, daß sie einer Tante einen Besuch machen würden, nahm die Kleine auf sein Fahrrad und suhr mit ihr davon— zunächst auf der Land- straslc, um aber bald auf einen einsamen Feldweg einzubiegen. Au einer verlassenen Stelle beging er dann an seiner kleinen Tochter das furchtbare Verbrechen, dessen er gestern angeklagt war, und zwar mit so ti e r i s ch er Brutalität, das; das arme Kind schwere Verletzungen erlitt und längere Zeit im Spital behandelt werde» mutzte. Dann fuhr ex mit dem mitzbrauchtc» kleinen Mädchen heim und legte sich seelenruhig schlafen. Die Mutter der Kleinen. aufmerksam gemacht durch die starke Blutung, holte de» Arzt, der alsbald den schrecklichen Sachverhalt enthüllte und den unmenschlichen Vater verhaften lietz. Hejdnk suchte sich mit Trunkenheit zu verteidigen. Die Geschworenen bejahten indessen einstimmig die Schnldsragen und der Angeklagte wurde zu fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt. Kunst uitd Mssen, Das Herz Der erfolgreiche Henri B e r n st e i n, langjähriger Stückeliefcrant der Pariser Bühnen, hat vier Akte gebraucht, um eine von ihm gestellte Frage zu beantworten: wie nämlich eine junge Ehefrau, die in Biarritz für einen hübschen Heimkehrer aus Brasilien entslammt, sich entscheiden soll, wenn ihr Pariser Gemahl schliehlich ankommt und entgegen ihren Vermutungen nicht bereit ist, sie freizugeben, lind er hat an diese vier Akte noch einen fünften gehängt, in dem der Schwiegervater auch seinerseits einen schweren Konflikt löst: ob er Dämlich zign driften Male heiraten soll. Es gibt bei alledem viele, lange und umiätürliche Reben, dramatische Anklagen. die schließlich von den Anklägern selbst belacht werden, seltsame Nebenfiguren, die nur kommen, um wieder zu verschwinden, und mitten drin sogar eine politische Auseinandersetzung, von der man nicht sagen kann, ob sie ernst oder witzig gemeint ist, da sie weder das eine twch das andere ist. Henri Bernstein, der, lute er gegen Ende andeutet, mit diesem Stück etwas über die neue Jugend aussagcn wollte, hat sich mit psvchologischen Problemen beschäftigt, von denen man den Eindruck hat, daß sie keine sind, und da er diese Probleme auch nicht gelöst, sondern nur in einer Situation aufgelöst hat, die ungefähr dem status quo entspricht, Weitz man nicht, warum er sei» Stück geschrieben hat. Wahrscheinlich nur, um eins zu schreiben und dem Theater ein paar Rollen zu geben. Eine von ihnen, die des Pariser Ehemannes, wurde gestern in der Kleinen Bühne von Anton S ch m e r z e n r e i ch interessant und sicher gespielt, so datz die Entwicklung, die dieser junge Schauspieler betvieS, zum erfreulichsten Eindruck des Abends wurde. Die weibliche Hauptrolle hatte Marion Wünsche inne und entfaltete in ihr sprachlichen und optischen Reiz, ohne die dargestellte Gestalt aber völlig lebendig mache» zu können. Walter S z u r o v h machte in einer vom Autor mitzhandclten Rolle gute Figur, Elisabeth F o t h>> zeigte Temperament um jeden Preis, und Leo Siedler produzierte eine erstaunliche Quantität Von fälschen Tönen. Die Regie tvar. Julius G e l l n e r s Werk, der das Stück Henri Bernsteins Ivie ein Jbsen'sches Drama inszeniert hatte, ehrgeizig, aber nicht richtig. So kam eS, datz das Publikum drei Akte lang auf grotze Dinge wartete, ain Ende dann aber umso erfreuter war, da alles sich in plauderndes Nichts auflöstc.—cis— Die Grophibervereiniinmg„Hollar" veranstaltet im RepräscntationshauS ihre 108. Mitgliederausstellung. Ans der Fülle der 200 Blätter, die ja eigentlich alle Blatt für Blatt in der Hand betrachtet sein wollen und als Graphik einent so dichten Beieinanderhängen widerstreben, ziehen einige Kollektionen den Blick zunächst auf sich. Da ist Vojtöch Sedläöekzu nennen, dessen Lithographien wiederum durch die lebensvolle Frische erfreuen, mit der er die Felder, Menschen und Tiere seiner ländlichen Landschaften künstlerisch erfatzt. In ähnlichem Bereiche findet Alois M o r a v e c die Mo- Fr e i t a o, den 16. Oktober 1936, spricht Genosse Willi W a n k a im Partriheim über „Die nordische Arbeiterbewegung und der Sozialismus^ Beginn 20 Uhr.■ Parteibild nngsauSfchuß. delle seiner geschlossen komponierten Rötel- und Kreidezeichnungen. Während aber Scdläiek vor allem das Linienipiel tätiger Bewegung grotzzügig und auf knappsten Ausdruck bedacht leichsam hinschreibt, hüllt Moravec seine ländlichen Leute in weiche, warmtönige, auS Licht und Schatten gewobene Stimmung, deren Instrumentation er meisterlich beherrscht. Es liegt viel malerische Empfindung darin, die in den von ihm ausgestellten Gemälden — es hängen auch einige dreitzig Oelg'emälde in der Ausstellung— voll zum Ausdruck kommt. Karel Bik zeigt subtil durchgeführte Farbenholzschnitte, Städteansichten in kleinen Formaten und von intimem Reiz. Von Cyril B o u d a fesseln zunächst die reichfabnlicrenden Holzschnitte zu Jiraseks„Nevol- nicc"(,,Die Leibeigene") durch ihre schöne gesättigte Schwarzweitzwirkung. Den Reichtum seiner künstlerischen Mittel lassen dann die 20 vom New- Norker Limited EditionS Club preisgekrönten Illustrationen zur Selbstbiographie Benvenuto Cellinis ermessen, die in jeder Linie vom bewegten Geiste des Werkes erfüllt sind und deren reicher Ersin- dungSgehalt sehr klar gestaltet ist. Väclav Fiala hat für den gleichen Club lithographierte Illustrationen zu Aiiawte Frances satirischen Roman„Die Insel der Pinguine" geschaffen, in denen er mehr den saftigen Humor der Fabel als die beitzende Satire zur Geltung bringt. Von Vladimir P u k l sind besonders die Holzschnitte und das kleine reizvolle Gemälde„Frühling im Park" hervorzuheben. I. C. A o n d r o u ö geht in seinen farbigen Radierungen der Formcnklarheit moderner technischer und architektonischer Gestaltungen nach; sein.Aquarell„St. Rombaut" ist ei» sehr schönes, detailreiches Blatt. Als Gäste zeichnen sich Mario S t r e t t i durch die gehaltvolle Bildwirkung seiner graphischen Blätter und Josef Michl durch die vorzügliche Beherrschung der Technik in seinen grotzen Holzschnitten aus. Und endlich ist noch Karel S v o l i n- sky hcrvorzuhebcn, der in eigenartig durchleuchteten, gleichsam transparenten farbigen Zeichnungen Shakespeares„SommernachtStranm" von Humor und Märchenstimmung erfüllt nachdichtet. Id. Eine Büste Emil Pollerts. Freitag, den 23. d.. nm halb 18 Uhr enthüllt der„Solistenklub des Nationaltheaters" zum ersten Jahrestage des Ablebens des Sängers Emil Pollert im Foyer dcS Nationaltheaters eine Büste seines hervorragenden Mitgliedes. Die Büste ist ein Werk des Bildhauers Prof. K. Dvorak. Die Feier wird mit Fanfarenklängen eingeleitet, worauf der Klubvorsitzende und Direktor des NationalthcaterS, Dr. MojZiö, eine Kundgebung halten wird. Festredner ist Oberral Jng. Sourek. Bei der Enthüllung der Büste wirkt auch der Chor mit. Pollerts Büste wird die erste Büste eines Opernsängers im Foyer dieses Theaters sein. SamStag Uraufführung„Die JakobSfahrt", Oper in drei Aufzügen von Fidelio Finke, nach dem Legendenspicl von Dichenschmidt(B2). Besetzung: Pauly, Kindermann, Rayn, Schwarz, Hey, Andersen, Gzitmann, Fischer, Göllnitz, Fuchs. Dirigent: Szm, Regie: Mordo: Bühnenbild: Schultes.• Die „Jäkobsfahrt" ist die erste Opernvorstellung des neuen Abonnementsl Wiederholung Dienstag(AI). Neues Deutsches Theater. Donnerstag, halb 8 Uhr(C 1): Erstaufführung:„Die N e t t erp atr o uille."— Freitag, halb 8 Uhr(Abonnement aufgehoben): Volkstümliche Vorstellung:„B o c e-a c c i o."— Samstag, halb 8 Uhr:(B 2): Uraufführung:„D i c I a k o b s- fahrt."— Sonntag, halb 8 Uhr:„Arbeiter-Vorstellung:>,G a b y." 8 Uhr(A 2):„D i e H o f- loge." Kleine Bühne. Donnerstag, 8 Uhr: Volkstümliche Vorstellung:„Unentschuldigt« Stunde."— Freitag, 8 Uhr(Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf):>,Der ArztamScheidewe g-e."—- SamStag, 8 Uhr: Volkstümliche Vorstellung:„Salzburg a u s v e r k a u f t."— Sonntag, 8 Uhr:„B a u- meister Solnctz." Halb 8 Uhr:„Das Herz." Der Atm' Margarita. Grace. M o o r e gilt in Amerika als der grötzte einheimische Star unter den Opernsängerinnen. Ihr gefälliges Aussehen und ihre hübsche Sopranstimme hat daS Kinopublikum der Welt durch den Film„Die Nacht der Liebe"(in dem die Moore als Butterfly erschien) kennengelernt, nno wenn man sie nun abermals auf der Leinwand zeigen und— diesmal als Mimi in der„BohLme"— singen lallen wollte, dann wäre es daS Einfachste uno Beste gewesen, eine Opernaufführung mit Grace Moore zu verfilmen. Statt dessen hat man(unter dem Originaltitel„Auf Flügeln des Gesanges") wieder einen Film mit Liebe nnd Eifersucht, mit der Entdeckung und dem raschen Ruhm der großen Stimme gemacht, in dem sich Unmöglichkeiten und Belanglosigkeiten häufen. Der Zuschauer mutz sich den Star erst in einem Winterkurort, in einem Kon- zcrtcasi, in einer Music-Hall, in den Armen eines Millionärs und eines HasardspielcrS ansehen, bevor dann endlich die grotze Opernszene kommt(in der ein ungedeckter Scheck eine störende Rolle spieft). Und er miss» sich, um Grace Moore zu hören, die schlechte Regie Victor SchertzingerS und daS unbeholfene Spiel zlveitflalliger Schauspieler gefallen lallen. 8port-8plet-Xörperpskege Es stimmt was nicht nelm DFV Im Deutschen Fußball-Verband der Tschechoslowakei hatte man— wie bekannt— eine„Reform" akzeptiert, die den ganzen„Betrieb" auf eine neue Grundlage stellen sollte. Wir haben damals schon bezweifelt, ob das das richtige Mittel zur Hebung des sportlichen Gedankens und des Fair plays im stanzen Perbandsgebiete sowie in seinen Instanzen sei. Wir haben nnS nicht getäuscht I Die Zeit arbeitet rasch, rascher als eS manchmal sich die „Volksgemeinschaft" träumen läßt. Obwohl ein Großteil der deutschbürgerlichen Presse bestrebt ist, Dinge, die nicht die Kritik der Oeffentlichkeit vertragen, mit dem ihr eigenen Mantel des Schweigens zu umgeben, sind wir doch in der Lage, wieder auf einige ganz nette Sachen aus der inftmen Häuslichkeit des DFB hinzuweisen. Tagte da vor kurzen: eine Revis ionssitzunss des DFB, in der eS zu überraschenden Umstimmigkeiten gekommen sein soll. Da waren es erstens die hohen Spesenrechnungen der DFB-Funktionäre für Amtshandlungen. Auch die Kosten der Ausschuß- sitzungen wurden in ihrer Höhe scharf kritisiert. Weiter wurde konstatiert, daß dem Anny Ondräkovt mit HanS Söhnker in dem Lustspiel„Flitterwochen". Verbandsspielleiter die. Anschaffung eines Telephons bewilligt worden war, das aber von der Postverwalttmg nicht aufgestellt wurde, weil der Herr Perhandsspiclleit'er vergessen hat, postalische Rechnungen aus früheren Zeiten zu begleichen. Man kann neugierig sein, welche„Reformen* nun wieder im DFB das Tageslicht erblicken, um die von der. Revisionssitzung gerügten„Unzukömmlichkeiten"— die doch auf Kosten der Mitgliedschaft getätigt wurden abzustellen. Für die kleinen Klubs, welche derzeit nicht willen, wie sic ihren Bestand aufrechterhalten sollen, sei all das eine unterhaltsame Denkaufgabe.- Großes Interesse für die Wintersport-Olympiade der SASJ in JohanniSbad zeigt sich in allen Ländern. Die Wintersport-Olympiade wird nicht nur eine grotze internationale sportliche Beteiligung aufweiseN, sondern eS werden auch viele Genoffen wegen der landschaftlichen Schönheiten des Riesen» gebirgeS nnd zu einer wirksamen Wintererholung nach Johannisbad kommen. Äußer den SASJ- Berbändcn werden folgende Länder eingeladen: Frankreich, Norwegen, Schwede», Spanien und Rutzland. Der Hanptausschutz der Winterspork- Olympiade hat die endgültigen Beschlüsse über Organisierung und Durchführung schon gefaßt. Qua der$artet Frauenorganisation Prag Donnerstag, den 15. Oktober, Exkursion in die Arbeiterbsickerei Treffpunkt: 9 Uhr vormittags vor der dilnickä pekckrna in Holesovice, Dölnickä ulicc 217, Straßenbahn Nr. 4, 12, 18.— Um rege Beteiligung wird ersucht! RW- Prag. RW- Abend entfällt heutet Wir besuchen alle den Vortrag des Genossen Wankä,. morgen Freitag, den 16. Oktober, im Partciheim; Smeiky 22. Rote Falken! S a m s t a g, um halb 4 Uhr Bastelheim. Wir bauen uns Drachen. Jeder bringt Material zuiy Drachenbauen mit..S o n n t a g Wett-Drachensteigen am Weißen Berg. Näheres im Helm am Samstag. DcgcgnungiiiltSunlatseii Von Ernst Machek Bor 25 Jahren, am 15.' Oktober 1011, wurde in China die Republik ausgerufen. Ein Frcuntz, der viele Jahre in Hinterindien gelebt und cs schließlich bis zum begüterten Gummipflanzer gebracht hatte, erzählte mir, als ihn die Sehnsucht nach der Heimat wieder einmal nach Wien führte, folgende Geschichte: „1911 hatte ich meinen Wohnsitz in Singa- porc. Zu jener Zeit gab es noch keine prächtige Autostraße, die hinüber nach denk Festland führte, sondern man mutzte, um nach Johor-Bharu zu gelangen, das Schiff benützen. Und das taten wir. die in Singapore ansässigen Europäer, denn auch recht oft. Es ist ein schöner Ausflug, und nebstbei bot das„gamblen" eine kleine Abwechslung, die man sich auf der Insel selbst nicht leiste» konnte, da das Hasardspiel auf englischem Territorium bekanntlich untersagt ist, Ibrahim, der Sultan von Johore, Hatto es seinen Malaien zwar auch verboten, doch Fremde sah er begreiflicherweise nicht Ungarn, warfen ihm doch die Gamblc-hallS an Steuern ein ganz nettes Sümmchen ab. Eines Sonntags nun suhr ich wieder nach Johor-Bharu. Und nachdem ich den Nachmittag in Gesellschaft einiger Freunde' im„Monte Carlo" verbracht hatte, dem vornehmsten Kasino der Stadt, das an Luxus und Pracht nur noch von dem marmornen Sultanspalast übertroffen wurde, ging ich zu Tau Fang Hong. Ich hatte nämlich die Absicht, erst andern Tags nach Singa» Pore zurückzukehren und wollte bei Tau Fang Hong, dem chinesischen Besitzer eines anderen Kasinos; in dem den Besuchern, Schlafkabinen kostenlos zur Verfiigung standen, nächtigen. Da, als ich mich in nieine Kabine zurückgezogen hatte und eben entkleiden wollte, hörte ich durch die dünne Wand, die nüch von der Nebonkabine trennte, die gedämpften Stimmen einiger Chinesen, die sich in ihrer Muttersprache unterhielten. Ich verstand bloß jedes zweite oder dritte Wort, doch das genügte mir, um. der halblaut geführten Debatte steigendes Interesse entgegenzubringen. Unter meinen Nachbarn war einer, den die anderen„Dr. Sun" und„Sun Nat" ansprachen, und ich gewann schließlich die Ueberzeugung, daß es sich um jenen Dr. Sunyatsen handeln könne, dessen Name um diese Zeit ziemlich häufig genannt wurde. Ich- wollte diesen interessanten Menschen kennenlernen, und, einer momentanen Eingebung folgend, ging ich einfach und klopfte an die Tür der Nqbenkabine. Mau öffnete mir, und als ich mit der naiven Frage,„Who of you, Gentlemen, is Dr. Sun?" herauSplahte, sprangen die Chinesen— eS waren ihrer sechs— gleichzeitig von ihren Sitzen. Sie hatten offenbar vermutet, einen englischen Detektiv vor sich zu hstbcn.undes kostete mich große Mühe, sie zu beruhigen, Ich wies mich als Oesterreichcx aus und erklärte, ein Freund ihrer Rasse zu sein und keinen anderen Wunsch zu hegen, als Dr. Sun die Hand drücken und mit ihm sprechen zu dürfen. Mein Wunsch wurde erfüllt, und Sunyatsen,- ein schlanker, jugendlich aussehcnder Mann mit ernsten, durchgeistigten Zügen, klärte mich ruhig und sachlich über seine Pläne und Ziele auf. Ich muß sagen, er gefiel mir, obgleich er über europäische Kultur ein paar nicht gerade lobende Bemerkungen fallen ließ." « Sunyatsen hatte in England studiert und schon von London aus eine'lebhafte republikanische Propaganda entfaltet. Der chinesischen Regierung war dies natürlich nicht, lange verborgen geblieben und sie hatte an die englische Regierung das Ersuchen gestellt, Dr. Sun zu verhaften. Dieser hatte jedoch von.seiner beabsichtigten Festnahme Wind bckmnmen und war rechtzeitig.geflohen. Und es war ihm geglückt, unerkannt bis Johor- Bharu zu kommen, hier erst war er Halbwegs in Sicherheit. Wenige Monate nach der Begegnung meines Freundes mit diesem Nationalhelden Chinas, am 15. Oktober Ipll, wurde im Reiche der Mitte die Republik auSgcrufen. Dr,. Sunyatsen war eS gelungen, auf Umwegen in sein Heimatland zu gelangen, und Kanton, Feowchow und Hoklien zu mobilisieren. Seine Truppen marschierten gegen Peking, und" die kaiserliche Regierung wurde ge- stürzt. Die jungen Chinesen- schnitten sich die Zöpfe ab, jenes von der Mandschu-Dynastie eingeführte Zeichen der Unterwürfigkeit. Und. dis alten Chinesen, die sich einer Neuerung nicht'so rasch zu fügen vermochten, wurden einfach m>8 den Rikshaws horauSgcholt und gewaltsam ihres geliebten Towchangs(Zopfes) beraiibt. Der Eindruck, den der erfolgte Umsturz, jn Malaia hervorrief, wo die Hälfte der Einwohner Chinesen sind, war ein