Samstag, 17. Oktober 1936 Nr. 242 16. Jahrgang IENTRALOEGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQflOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova a. Telefon sm7, HERAUSGERERl SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi KARI KERN, PRAG. Einzelpreis 70 Hellei (einschließlich 5 Heller Porto) Investitionen fUr 5'kMilliarden Zinn erstenmal veröffentlicht die Finanzver- waltung in einer eigenen Beilage, zum Budget eiste Ueberstcht Mer sämtliche Investitionen, die im Budget der eigentlichen Staatsverwaltung so- wie der staatlichen Unternehmungen und. Fonds angeführt find. Die Investitionen aus dem Erträgnis der Wehranleihe werden suma- rifch mit drei Milliarden KL angeführt. Es ergibt sich dabei folgendes Bild: Jnvestitionenr UL Eigentliche Staatsverwalwng Staatliche Unternehmnngen. Staatliche Fonds. Aus der Wehranleihe... Summe aller Investitionen» 290,189.700 1.344,241.900 600,240.000 3.000,000.000 6.249,621.600 Die Bedeckung dieser Riesensumme erfolgt allerdings nur zu 22.46 Prozent aus laufenden Budgetmitteln, bzw. aus eigenen Mitteln der staatlichen Unternehmungen und Fonds, Zumeist müssen Anleihen, hauptsächlich die Wehranleihe, die, Mittel, schaffen. Ueber. diese Bedeckung gibt folgende"Ausstellung Auskunft: UL A«S Budgetmitteln/.-..... 302,139.700 Ans. eigenen Mitteln der Unterneh mungen, lzw. a«S dem Betriebs gewinn.'...... 664,680.900 p«S den laufenden Mitteln teS ' StraßenfondSi des MrliorätionSr- finihS und. des WaffermittfchgftS».. fondS............... 322,240.000 Ans der Wehranleihe.....,", 8.000,000.000 A«S sonstigen Anleihen, lzw. aus BorfchSffe aus der Staatskassa. 1.070,561.000 kranidslsche KUdettagen In Brüssel Paris. Nach einer Beratung des Ministerpräsidenten Leon Blum mit dem Minister für Auswärtige Angelegenheiten Yvon D e l b o S und mit den führenden Beamten deS Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten ist der Ouai ÜOrfah mit dem britischen Austenamt, in Fühlung getreten, um einen Ansichtest- auStaufch zu pflegen und um nach einer Angleichung dieser Anschauung gemeinsam vorzugehen. Die französische Regierung wird dann ohne Ausschuß der belgischen Regierung eine Rote übersenden, in welcher sit um die Erläuterung und Präzisierung folgender Punkte ersuchen wird: 1. Die Teilnahme Belgiens an kommenden Verhandlungen betreffend die Sicherheit in West- Europa. - 2. Die Teilnahme Belgiens an den sich auS dem BölkerbundSpakte ergebende« Berpflichtun- gen. ,1.8. Erläuterüng deS Standpunkte» /der Brüsseler Regierung gegenüber dem März- und April-Uebereinkommen deS französischen und deS belgischen Generalstabes betreffend die technische Zusammenarbeit. », An belgischen amtlichen Stellen wird erklärt, daß Belgien nach der NeutralitätS-Prokla» mation sich, der internationalen Zusammenarbeit nicht zu verschliessen gedenkt und namentlich'an der' Mitarbeit im Völkerbünde"Mitwirken wird: Die belgischen stMtlWst Kreise machen gleichzeitig, aufmerksam,.dah ist.der Erklärung, de» Königs das Wort^Neutralität" absichtlich nicht verwendet wurde und dah die neue belgische Po- litikveher'mit' der englischen Formel ,,no ,ent- anglement", d. y. keine" kompromittierende Verpflichtungen" zu bezeichnen sei. i,/. An offiziellen französischen Stellen wietz in Abrede: gestellt dah Frankreich eine förmliche Rote^an^Belgien bezüglich der KönigSrede vorbereite. Die Absendung ohner solchen Rote werde nut er bl eiben» fallS.die eingeleiteten diplomatischen Verhandlungen in Paris und BMel einen günftigen Berlauf nehmen sollte«. Der Staatsvoranschlag für 1937 Pra Das Budget für 1937, das am Freitag der Nationalversammlung vorgelegt wurde, weist in seinen vier Aauptgruppen folgende Ziffern auf:.. I. Staatliche Hoheltsverwaltuns: II. Staatliche Unternehmungen: Gesamte Staatsansgaben.... Gesamte Staatseinnahmen... .... 1937 8.454,970.960 8.456,499.080 1936 8.032,195.900 8.033,531.000 Rechnungsmäßiger Ueberfchuß... 1,528.120 1,335.100 IV. Verwaltung der Staatsschuld: Gesamte Ausgaben. Gesamte Einnahmen Betriebsgewinne...’ Betriebsverluste..'. Investitionen: «) eigentliche.>... b) Erneuerung.......... 7.472,199.500 8.349,805.380 1,468,046.150 590,440.270 960,159.000 416,495.400 7.230.396.750 7.973.722.750 1.443,530.200 700,204.200 913.100.500 391.817.500 Abfuhr an die StaaSkaffa... 1.065,116,280 998,304.500 III. Zuweisungen: An die SelbstverwaltnngSkörper...... 1,792,171.000 1.617,493.000 Anteile der staatlichen Foods: st) Straßenfonds., 262,900.000 256,500.000 b) Meliorationsfondr.....'.. 8,000.000 8,000.000 r) Wasserwirtschaftsfonds........... 8,650.000 8,650.000 Sonstige Anweisungen: a) Fonds für kleine Brauereien..• 6,000.000 6,000.000 b) Exportinstitut........ 3,000.000 3,000.000 c) gewerbliche Fortbildungsschulen.... 3,000.000 3,000.000 d) Wohlfahrtssonds der Finanzwache... 450.000 — Außerordentliche Zuweisungen: a) an die Kaschen—Oderberger u. Privatbahnen 188,920.600 179,938.400 b) für Arbeitslosen fürsorge: aus der Einkommensteuer...... —.— 100,000.000 ans der Umsatzsteuer. 550,000.000 550,000.000 Summe aller Zuweisungen...... 2.823,091.600 2.732,581.400 Staatsschuld insgesamt(Kapital),.... 46.784,508.636 40.933,673.851 davon: fundierte Schuld...... 28.007,410.669 23.811,608.940 nicht fundierte Schuld..... 8.597,673.000 7.461,710.000 auswärtige Schuld..... 8.149,424.967 8.160,354.911 Banknotenschuld....... Laufende Ausgaben für: 2.030,000.000 2.000,000.000 Zinse»......... 1.610,638.073 1.689,192.579 Amortisierung........ 83,295.366 292,233.844 Verwaltung....... 7,013.744 7,001.289 Summe der laufenden Ausgaben. 1.700,947.183 1.988,427.712 Attlee Interveniert bei Eden London. DäS englische Austenminiftrrium veröffentlichte Freitag äbendS. eine Erklärung über bin Besuch des OpposittonssührerS Attlee bei E d e n. In dieser Erklärnstg heißt es, datz Attlee'die BesorgniS der Arbeiterpartei über die' l a n g s a m e D u r ch f ü h r u n g d e S R i ch t- einmifchungsabkommens zum Ausdruck gebracht.habe. Eden habe dargelegt, dast die Klagen den betroffenen Regierungen überwiesen wordenlseie». Er habe ferner die Hoffnung ausgedrückt, dast eS möglich sein«erde, eine AuS- schußsitzung in der nächsten Woche abzuhalten, um. die Antworten der drei Regierungen zu erwägen... ' Ras Nasslbu gestorben. Davos. Am Freitag verschied in Davos, wo erlich,'zur. Kur aufhielt, RaS. Nassibu,"ehemaliger abessinischer Heerführer uüd StäistMesfürst.. Ras NasWu hatte ,istider-Schweiz vergebens. Heilung von einem./schon zu weit' fortgeschrittenen Lun> genleiden gesucht.» polnlrche Sorlaldemohratle türdemoleratlsche Wahlen ./Warschau. Der Vollzugsausschuß der sozialistische» Partei hat den Beschluß gefaßt, eine,"großangelegte Aktion zugunsten der Ausschreibung von Parlamentsneuwahlen auf Grund einer,"demokratischen Wahlordnung zu organisieren." Die sozialistische Partei Polens forderte ferner^,bet Behandlung der durch die Auflösung der sozialdemokratischen Partei in Danzig geschaffenen Lage die Regierung zu einer energischen In- tervention zum Schutze der durch die" Rationalsozialisten bedrohten Berfaflung DanzigS auf, da. nach, ihxer Meinung die Verletzung der Danziger Verfassung unmittelbar auch die Interessen Po- lenS auf dem. Gebiete der: Freistadt Danzig be- dtstcht, Berlin. lHavas.) Die" im AuSland-verbrei« teten Gerüchte, wonach Reichskanzler Hitler am Säist'Sia'g eiste"Erklärung- über die R h e in- la st d b e fest! g u n g en- abgeben werde, werden ast amtlichenWellen als eine Erftn- dwn g bezeichnet. Der Finanzminister hat dem Abgeordneten- Hause gestern einen Staatsvoranschlag für das kommende Jahr vorgelegt, der formal ausgeglichen ist. Ob die Republik im kommenden Jahr diesen Voranschlag einhalten und ob sie ohne Fehlbetrag Wirtschaften wird, hängt von der wirt- schaftlichen Enttvicklung ab. In den letzten Jahren haben die durch die Krise und durch die Bedürs- nisse der Landesverteidigung steigenden Ansprüche an den Staat beivirkt, datz die Rechnungsabschlüsse stets einen Fehlbetrag aufgewieseu haben, der für 1985 nicht weniger als 1700 Millionen KL betrug. Kommt eine bessere Konjunktur, dann lvird sich das Defizit wesentlich verringern und wir können hoffen, datz die Budgetziffern werden eingehakten werden können. Auch eine Entspannung der Lage Europas würde der Konsolidierung unserer Staatsfinanzen sehr von Nutzen sein. Bon diesen Hoffnungen war der Finanzminister, waren seine Helfer und Berater erfüllt, als sie den Voranschlag zusammenstellten. Die Gesamtausgaben für 1037 find um 422 Millionen KL höher veranschlagt, lveil man um dieselbe Summe höhere Staatseinnahmen erwartet. Es ist die Frage, ob diese Erwartungen des Finanz- ministerS sich auch erfüllen werden, lim nur die bedeutsamsten Posten zu nennen, erhofft sich die Finanzverwaltung eine Erhöhung der Eingänge der direkten Steuern von 1666 Millionen(1030) auf 1937.5 Millionen— darunter bei der Einkommensteuer von 990 auf 1145 Millionen, bei der allgemeinen Erwerbsteuer von 80 auf 04 Millionen, bei der besonderen Erwerbsteuer von 105 auf 155 Millionen—, bei der Umsatz- und Luxussteuer von 2418 auf 2551 Millionen und bei den Verbrauchssteuern von 1700.5 auf 1724.7 Millionen— nur bei den Zolleinnahmen sowie bei den Gebühren werden niedrigere Beträge erwartet. Dadurch konnten nun in einigen Refforts die Ausgaben gesteigert werden, worüber das Wichtigste gesagt sei. . Grosse Beträge erfordert angesichts der europäischen Lage und der Notwendigkeit der Verteidigung der Demokratie d«ö Heerwesen. Der Bedarf des Ministeriums fi'ir Natioiialverteidi- gung wird mit 1360 Millionen veranschlagt sim Vorjahre 1340 Millionen), wozu noch Kredite in der Höhe von 438 Millionen(1986: 800 Millionen) kommen. Ebenso sind die Ausgabe» für die Polizei(um 44.5 Millionen) und die Gendarmerie(um 1.6 Millionen), die zum Reffort des Innenministeriums gehören, gestiegen. Bemerkenswert unter de» Posten dieses Ressorts ist auch der Wirtschaftskontrolldienst, dessen Ausgaben um 2.7 Millionen gestiegen sind, so dass die Behörden in die Lage versetzt werden, den Kampf gegen die unbegründete Verteuerung lvichtiger Lebensbedarfsartikel zu führen. Erfreulich ist auch die Steigerung der Ausgaben des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur— es ist beinahe eine Milliarde, welche die Republik für Schule und Kultur ausgibt."Sowohl die Volksschulen (um 17.5 Millionen), als auch die Mittelschulen (um 7 Millionen), die Fachschulen(um 5 Millionen). und die Hochschulen(um 5.5 Millionen) sind höher bedacht als im Vorjahre, ebenso die Fürsorge für die Studenten und die arbeitslose Intelligenz(um 2 Millionen), die Kunst um 7.7 Millionen, wovon 5 Millionen mehr allein auf die Theater entfallen, und sonstige Kulturbedürs- uisse um 8.8 Millionen- mehr..— Was die wirtschaftlichen Refforts betrifft, sind im Budget des LandwirtschastsministeriumS die Wasserwirtschaft um 8 Millionen, die landwirtschaftlichen Schulen um 841.000 Ki mehr bedacht, im Kapitel Handelsministerium" die.insbesonders für die sudetendeutschen Gebiete wichtige. Förderung der Ausfuhr um 2.5 Millionen, die Gewerbefürderung um 8.8 Millionen,, die Förderung des Fremden-, und BäderverkehrS— auch eine Angelegenheit, welche uns intereffiert— um 2.5 Millionen, die Sozialfürsorge für die Gewerbetreibenden um 0.5 Millionen, im Ministerium für öffentliche Arbeiten die Bauten, für die zivile Staatsverwaltung um 1i;5 Missionen stärker bedacht als im Vorjahre. . Ein besonderes Augenmerk sei /der sozialen Fürsorge zugewendet. Da» Gesundheitsministerium erhält um rund vier Millionen mehr als im vorigen Jahre, die auf Krankenhäuser und auf Seite 2 Samstag. 17. Oktober 1086, Nr. 242 .den Ausbau des Gesimdheitsdienstes bei den politischen Acmtcrn ciitfallen, das Fürsorgemini- sterimn bekommt»m 22 Millionen mehr. Dieses Mehr entfällt auf die Sozialversicherung, weil die Zahl der Rentner steigt, auf. die Jugendfürsorge l um 1.2 Millionen mehr als 1986), auf die Arbeitsvermittlung(um 6 Millionen), die Kriegsopfer(um 12 Millionen) und auf die Wohnungssiirsorge.(um 15.8 Millionen mehr) — alles sehr erfreuliche Tatsachen. Die Ausgaben ssir die Arbeitslosenfürsorge sind im Finanzgesetz bestimmt. Dasselbe seht fest, dass ans dem Ertrag der Umsatz- und Luxussteuer für Zwecke der SlrboitSlosenfürsorge 550 Millionen bereitgestellt werden. Das geschah auch im Borjahre, nur daß im Budget für 1936 ausserdem noch aus der Einkommensteuer 199 Millionen für diese» Zloeck eingestellt waren. Der Finanzminister glaubt jedenfalls, daß infolge der zu erivartenden Wirt- schastSbelebung die Sununen, welche für Arbeitslosenunterstützung benötigt werden, geringer sein 'dürften. Die Arbeitslosen werden eS gerne sehen, wenn sich die Hoffnungen des Ministers erfüllen werden, sie tvcrden auf die Unterstützung gerne verzichten, lvcnn sie Arbeit bekommen werden. Es hängt nicht zuletzt von der Energie ab, mit der die Regierung ihre mit der Devalvation, einge- lcitete neue Wirtschaftspolitik durchführen wird, ob sich die Ertvartungcn der Finanzverwaltung erfüllen werden. Dio Mahnahmen des Finanzministeriums in allen Fragen der ArbeitSlosen- untcrstühung lvcrden von den sozialistischen Parteien genau verfolgt werden müssen, daS Ministerium für soziale Fürsorge, welches das zuständige Ressortministerium ist, wird da schon acht- geben, dafür bürgt dessen Leiter Minister Jng. NeiaS, der vom Minister Dr, Czech und den anderen sozialistischen Regierungsmitgliedern tatkräftig unterstützt wird. In Verfolg der neuen Gesetze wird auch der Anteil der SclbstverwaltungSkörper und der Fonds um 174.4 Millionen erhöht. ES ist nun zu hoffen, dah die Entschuldung unserer Gemeinden und Bezirke rascher vor sich gehen wird. An demselben Tage, da der Voranschlag vorgelegt wurde, hat auch die konstituierende Sitzung des Kuratoriums für die Entschuldung der Selbswerwal» tung Böhmens stattgefunden, möge dies das Signal für eine Arbeit sein, welche uns der Gesundung unserer Kommunawerwaltung näherbringt. Licht- und Schattenseiten weist die Gebarung unserer Staatsbetriebe auf. Um die Extreme an- guführen: dem Reingewinn der Tabakregie im Beträge von 1278.5 Millionen steht ein Defizit der Eisenbahnen von 584.5 Millionen gegenüber. Wohl ist das Eisenbahndesizit um rund 199 Millionen XL geringer als im Vorjahre und es wird wohl bei gebessertem Wirtschaftsverlauf weiter . sinken— deniioth stehen ,wir da vvr /einem be-/ ' deutsamen Problem der StäatSwirtschast, an.daS wir keinen Augenblick vergessen sollten. Eine ebenso grohe Sorge bildet— der Finanzminister selbst hat von einer„ernsten Sorge" gesprochen— die Staatsschuld, die Anfang dieses Jahres nicht ganz 49 Milliarden, am 89. September aber schon 44.5 Milliarden, betragen hat und sich 1987 auf 46 bis 47 Milliarden KJ belaufen wird. Zinsen und Amortisation für 1937 werden mit rund 1799 Millionen veranschlagt, eine bessere Konjunktur wird hoffentlich, wenn nicht zu einer Verminderung, so doch wenigstens zu einer Stabilisierung der Staatsschuld führen,'vorausgesetzt, dah die europäische^Lage gefahrloser wird als sie seit dem März dieses Jahres ist. Die Hoffnung auf eine Besserung wenigstens der Wirtschaftslage wird auher durch die zum Teil durchgesührten, zum Teil angKündig« ten WirtschastSmassnahmen der Regierung, auch durch die erstmalig'.vorgelegte Uebersicht über die staatlichen Investitionen gestärkt. Dieselben belaufen sich für 1987 auf die beachtenswert« Summe von 5249.6 Millionen, wovon vier Milliarden aus Anleihen stammen. Diese Investitionen sind die erste Etappe eines DreijochreSPläneS In seinem Expos? verwies der Finanzniinister darauf, dah in das heurioe Budget nur die notwendigsten Posten eingesetzt wurden, mn die Tragfähigkeit der Volkswirtschaft nicht zu tangieren und dar finanzielle Gleichgewicht des Staates zu erhalten.. Die Regierung legt das Budget schon jetzt, noch in der Sommersession vor, damit da» Parlament ae- nügend Zeit, zu dessen Durchberawng habe. Die wirtschaftliche Bast» de» Haushalte» besprechend, verweist der Minister zunächst ans die durch die letzte Abwertung geschaffen» neu» sinauzielle und wirtschaftliche Bast», die der privaten und öffentlichen Wirtschaft«ine feste Kalkulationsbast» gebe und zur WtrtfchaftSbelebnng beitragen fall. Die Wirtschaft», läge, sagt» der Minister, weist rin» allmähliche Besserung ans, wa» au» den Ziffern de» Außenhandels hervorgeht. Der Umstand, dah in dem letzten Jahre da» Aktivsaldo unserer Handelsbilanz verhältniSmässia nicht gestiegen ist, hängt, wie bekannt, mit den erhöhten Bedürfnissen für die Staatsverteidigung und für die Belebung der B innenwirt schäft zusammen und wurde durch die auherordentliche Einfuhr von Rohstoffen hervorgerufen..Die wirtschaftliche Aktivität zeigt sich in der erhöhten Erzeugung und Beschäftigiing, ihr entspricht auch der erhöhte Verbrauch von Kohle und Zucker und die erhöhte Beistellung. voy Waggons. Tie durch,die, Statistiken der ZcntrglsozigldeisicherungSqnstält..gemessene. Beschaff ffaunq' weist einen Anstieg von'128.009 Mehrversicherten au», wa» jedoch infolge de» PovulativnSzn« tvachse» in der Abnahme der Arbcitslosenzahl nicht so stark zum Ausdruck kommt. Der Minister vertoeist sodann auf die Ordnung de» Geldmarktes und die diesbezüglich getroffenen Massnahmen, wie die Errichtung des Rceskomvt- und LombardinstitutcS und die Konskription der Auslandsforderungen und Wertpapiere. was eine durchgreifende Regelung der Zinssätze ermöglicht hat. Die autoritative Regelung der Zinssätze lebt sich nicht nur ein, sondern eS bilden sich sogar Bedingungen für billigeren Kredit heraus. Der beste Beweis dafür sei die Placierung der Staatrkassenssieine.ini Jahr« 1986 zu 8% Prozent. Das organische und zielbewusste Vorgehen zur Ordnung des Geldmärkte» bat mich den Boden für den glänzenden Er der Regierung, welcher vor allem der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dient. So stellt der Voranschlag für, 1987 den Niederschlag der Erwartungen dar, die man von der kommenden Wirtschaftsentwicklung hegt. Wohl stehen wir vor einem Umbruch in der Entwicklungslinie, ob und wie weit sich die Hoffnungen auf ein bessere» Morgen erfüllen werden, hängt von der Vernunft der Regierungen des AuSlan» a n l e i h e vorbereitet. Die Mnanzverwaltung beabstchtigt in absehbarer Zeit den Zinsendienst deS Staate» durch di» Errtch-' tung einer AmorttsatiinSkass» auf feste Grundlagen zu stellen, wodurch der Zinken- und Amortisationsdienst der Staatsschuld gesichert werde» wird. Die allmähliche Besserimg der Wirtschaftslage zeigt sich auch in einer Mässigen Besserung der Staatssinanzen. Allerdings darf man sich keinen übertriebenen Hoffnungen hingeben, denn«in allzu grosser Oplimismus wär« um so.weniger begründet, wenn.wir uns da» Anwachsen derStaatSschuld infolge der Krisenjatzre und der neuen Aufgaben, die un» im Hinblick auf die notwendig« StaaiSverteidigung erwarten, vor Augen balten. Ein» Neuheit in formaler Hinsicht. ist unter anderem die Uebersicht, die al» Beilage dem Moti» venbericht beigelegt ist, in her die Kredite für össeul- lich» Bauten und Arbeiten äufgezählt weiden. Diese machen im Jahre 1987 5250 Millionen AS au». Diese Uebersicht bildet den ersten Teil de» d r e i- jährigen Regier ungövrogramm» zur Belebung de» ArbeitSmarkte». In seinen weiteren Darlegungen. führte der Minister die Hauptziffern de» vorgelegten.Budgets an. wobei er.einzeln« Posten besonders.hxxvgrhcbtt Wär die Än»gäbenfeite betrifft, könne da» Verwaltungrbudget nach Ansicht de» Ministers' al» ausgeglichen angesehen werden. Von den Einnahmen entfallen auf Personalausgaben 4814 Millionen, was einen Änmeg von 250 Millionen gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt«»»'müsse bei der grundsätzlichen Beurteilung der AuSgabenseit«. da» Postulat der Stabilisierung der Staatsausgaben hervorgebäben werden. Ihr Massstab ist durch die Last unsere» SieuerkvstemS gegeben.. In dieser Richtung erklärte Dr. Kalfuss, brauche ich nicht darauf zu verweisen, dass die steuerliche Belastung sowohl bei den direkten als auch bei den Verbrauchssteuern.h och'ist. Da» macht e» der Budgewerwalwng zur erhöhten Pflicht, dafür zu sorgen,. dass die StaatSauSgaben nicht über die des, insbesondere der Grotzstäaten und von der Zielbewusstheit unserer eigenen Wirtschaftspolitik ab. Wir wünschen dem. Finanzmintster, dass seine Ziffern:— besonders auf der Einnahmenseite-—- den kommenden Geschehnissen gegenüber stmid- halten werden und uns allen wünschen wir, seine Worte mögen sich erfüllen, dass dieser Voranschlag„ein Beweis der fortschreitenden Konsolidierung unsere» wirtschaftlichen, ja unseres politischen Lebens" ist. GrenzenderTragfähigkeitder Volkswirtschaft hinauswachsen. Für die Finanzwirtschaft der autonomen Verbände ist in dem neuen Budget die Tatsache wichtig, dass di« Anteil« an Staatsjteuern und Abgaben für die Zwecke der Selbstverwaltung und der Fonds e r- höht wurden. Eine ernste Sorg» ist das Anwachsen der Staatsschuld Inder Zukunft, mit welcher'tm Hinblick auf tzle erhöhten Bedürfnisse der Staatsverteidigung, die«Ine weitere Erhöhung der Ausgaben erforderlich machen werden, gerechnet werden- muß. Der Minister kam auch auf die Frage de» P e r- sonalaufwände» zu sprechen, wobei er auf sein« im Juni im Senat gehalienrn diesbezüglichen Ausführungen zurückkam, die unrichtig, al» gegen die gerechten Forderungen der öffentlichen Beamten gerichtet, aurgelegt wurden. Er habe sich nicht gegen si>. gestellt und konnte sich auch nicht neuen sie stellen. E» wäre jedoch nicht tm Interesse der ösfentlichen Angestellten, wenn die Finanzverwaltuna ohne Rücksicht auf die Gesichtspunkte der wirtschaftlichen Traa- fähigkcit geleitet würden, da nur im Rahmen eitler geordneten Staatswirtschaft der reale Anteil der öffentlichen Beamten an dem gesmnten Nationaleinkommen verteidigt werden kann... Ich beschränke mich, sagte der Minister, auf diese kurze Erläuterung, da sich Ministerpräsident Doktor H o d J a Vorbehalten hat, über die Frage der ösfentlichen Beamten im Verläufe der parlamentarische» Verhandlung der Budget» zu sprechen. Ein ernste» Problem sei schliesslich die A r- beitrlosenfrage, der am besten durch Beschaffung von Arbeitsgelegenheit begegnet werden könne. Auch werde eine richtige Statistik der tatsächlich Arbeitslosen und Unterstützungsbedürftigen angelegt. Trotz aller Schwierigkeiten, schloss der Minister, fei dar Budget ein Beweis der fortschreitenden Konsolidierung unserer Wirtschaft, ja-auch de» politischen Leben». Durch gemeinsame Arbeit aller Komponenten de» staatlichen Organismus werden wir zu einem besseren wirffchaftlichen Morgen gelangen und dadurch die demokratischen Grundlagen dioses Staate» befestigen.- Vorher hatte daS Parlament die Regierungsvorlagen über' Titel und O r'd e n sowie über die Staatsflage in beiden Lesungen angenommen. Der Referent S u ch h hatte, in seinem Schlusswort noch zn der Rede des Herrn Birke erklärt, dass Form und Inhalt dieser.Rede ihn von der Verpflichtung entheben, darauf näher cinzugehen. Er gab den Herrn von der SdP den dringenden Rat, nicht nur vom Staat zu reden, sondern sich auch öffentlich frei au ihin zu bekenne» und begeistert für ihn zu arbeiten. Nach Erledigung einiger Immunitäten würde di« Wahl von 16 Mitgliedern und ebensoviel Ersatzmännern des Ständigen Ausschusses borge- Gedämpfter Optimismus des Finanzministers Wirtschaftliche Besserung evident/ Ansteigen der Staatsschuld• Staatsverteidigung wird auch weiterhin erhöhte Ausgaben erfordern Mnanzminister Dr. KalfuS leitete am Freitag vor vollbesetztem HauS den Staatsvoranschlag mit dem Übliche« Expost rin, Sn dem er zwischen allzugroßem Optimismus und einem schwarzen Pessimismus die mittlere Linie rinhiclt. Er konnte eine ganze Reihe positiver Anzeichen für die stetige Besserung der Wirtschaftslage aufzählcn. Demgegenüber verhehlte er nicht di« Sorge über daS starke Anwachsen der Staatsschuld um fast 5.8 Milliarden. da» zn einem Teil auf unumgänglich notwendige Maßnahmen zur Verteidigung deS Staates zurückzuführen ist, also auf Maßnahmen, die voraussichtlich auch noch spätere Budgets schwer belasten werden,! DaS I» v«si i t i»« S p!r o ig r« m m, daS für daS kommende Jahr Arbeite« für'4J4 Milliarden Vorsicht, bezeichnete der Minister als den ersten Teil eines DreijahreSplanS der Regierung zur Belebung des Arbeitsmarktes. Die erwartete Stellungnahme zu den Sta atSangestelltenforderungen blieb aus; der Minister verwies diesbezüglich auf bevorstehende Erklärungen deS Ministerpräsidenten. folg der Staatsvertei digungs« e 48■’' i■ r' ‘Jommy fßarbox madtt{Revolution Rraan von Srit« flondv Die Türe ging auf, und die gute, dicke Frau Rivadencira erschien. Es war zuviel für sie, all diese Aufregungen. Sie pflegte um diese Stunde noch in ihrem Liegestuhl auf der Veranda zu liegen und den„Dienst am Kunden" den jüngeren Familienmitgliedern zu überlassen. Sie fächelte sich Lust zu und liess sich/ausatmend in den heftig lnarrendeu Liegcstuhl fallen. Wie schön,, dah dem Rodrigucz nun doch nichts geschah! Und dass Pablo, ihr Pablo, nein, auch sein Pablo, der Retter>var! Der gute Jungel Jetzt brauchte sie kein Geheimnis mehr daraus zu machen! Jetzt sollte es Rodriguez auch wissen. Rodriguez war leise hinter sie getreten. „Keine Angst", flüsterte er,„ich bin es". Frau Rivadcneira konnte doch einen ganz schwachen Aufschrei nicht■ unterdrücken. Als sie Rodriguez sah, fuhr sie mit der Hand nach ihrem heftig klopfenden Herzen._• i•.>. „Oh, Don Benito", es war ihr, als ob sie einundzwanzig Jahre jünger wär«, und'der junge Advokat Rodriguez wie gewöhnlich abends zu ihr käme. •„Wo ist Fulvia?"- fragte er leise. „Frau Fulvia?" Sie ist in ihrem Zimmer natürlich'. Oh, wie wird sie sich freuen l Noch keinen Schritt war sie aus dem Haus! Nein, sa eine Frau!"- Sie blickte ihn zärtlich an.■' „Kann ich zu ihr,' ohne dass man mich be« merkt?"'’< „Gewiss, gewiss", Frau Rivadcneira war mühsam aufgestanden und führte Rodriguez. durch den Garten um das Haus herum.„Und Pablo? Ist er nicht ein guter Junge? Sofort als die ersten Nachrichten da waren, hat er Sie befreit." Der Präsident Ivar stehen geblieben., i„Pablo? Pablo hat mich nicht befreit; er war abends bei mir, schien mir helfen zu wollen, aber das konnte er wohl nicht." Jetzt war es an Frau Rivadeneira, erstaunt zu sein. „Natürlich konnte er eS. Und wie sollte er nicht? Er weiss doch..." Sie lächelte voll Hingabe und. Geheimnis.«Was weiss er?" Mariposa trat ganz nahe an Ihren Rodriguez heran. „Sie haben cs nie geahnt? Erinnern Sie sich doch! Pablo ist jetzt zwanzig Jahre alt. Und beinahe einundzwanzig Jahre sind«S her, seit wir beide, Sie und ich..." Rodriguez verstand.' „Pablo ist mein Sohn", fragte er; Mariposa konnte nur verschämt nicken, so gerührt war sie. Auch Rodriguez blieb ein paar Sekunden in Gedanken und sah seine Begleiterin an. ES fiel ihm nicht ein, an ihren Worten zu zweifeln. Er hatte also einen Sohn! Manchmal hatte er.sich einsam gefühlt, oft sogar hatte er sich,«inen Sohn gewünscht. Er hatte auch daran gedacht, dass vielleicht Fulvia... er wollte doch-nur noch für sie leben... ein Kind von Fulvia... Pablo hätte er nie gekannt, gewiss nie bewusst gesehen, erst die Revolution hatte ihn mit dem jungen Menschen zusammengebracht. Aber er hatte ihn kaum näher beachtet, sein Urteil war ziemlich schnell fertig gewesen. Als er sah, dass Pablo geneigt war, sich auf seine Seite zu schlagen, hatte er überlegt, PabloS Mutter wegen, den Jungen heranbilden zu lassen. Und nun war es sein eigener Sohns. Irgendwelche Beran«! derungen seiner Gefühle Pablo gegenüber konnte er nicht seststellen. Aber die Erinnerung/ an jene Zeit vor einundzwanzig Jahre« war stark genug, dass er Pablos Mutter gut zülächelt«...« „Ja,.. das ist allerdings eine Ueber- rafchuiig... er ist ein hübscher Bursche." Frau Rivadenoiras Augen glänzten, „Nicht wahr?.Ein Bild von einem Jungen! Und so klug.... gang wie... ganz wie sein Vater... wenn er einmal in die richtigen Hände gerät...1" „Und er wollte mich befreien?" „Er hat es mir nur ganz schnell erzählt, weil er Eile hatte; aber er' wusste, wie Ich um Ihr Leben zitterte... denken Sie, fünftausend Bauern marschieren hierher... und die Schiffe, sollen schon morgen fort... Rodriguez wär erregt. Dah auf dem Lände ein Aufstand auSbrechen würde, hatte er schon angenommen und beinahe befürchtet. Aber die Schiff- „Von wem weisst Du das von den Schiffen?" „Der Mann von der Zeitung... Herr Bärbox wär da,..der hat es erzählt. Und sie sind gleich miteinander gegangen, um Sie zu be« .freien."-/ Tommy Barbox? Rodriguez hatte Barbox bei Beginn der Revolution gesehen, und seine Rolle war ihm ziemlich klar geworden. Aber Rodriguez war ein' viel zu erfahrener Politiker, nm von einer Gesinnungsänderung Tommy» überrascht zu sein oder sie ihm nachzutrag^n.Auch die Gründe vermochte er leicht zu«traten. Zwei Jnterventtonen wären, doch zu belastend;" man hatte eiben'bei der einen Revolution seineRech- nung gefunden, nun blies man die andere ab. Die Revolution war nun einmal eine der Verkehrsformen zwischen dem ürpssey und dem kleinen Nachbarn. Aber jetzt fahler'«Ine andere Gefahr: den Bürgerkrieg. Die Bauernbund Lastdarbeiter kamen morgen, in der,Stadt waren noch die Parteigänger BonamariaS. ES gab bestinststt Unruhen. Das mussie vermiiden werden, sonst fand Man gar zu bequem etnen neuen Grund zum Eingreifen und diesmal endgültig. ES gelang ihm /nicht, sich einzüreden, dass das alle» ihn nichts. mehr anging, dass er jetzt-Fulvia holte-und-mit ihr fortreiste. Nein, erst musste er wohl sein.Land wieder in Frieden wissen/ In einem Gemisib von Stolz und Bedauern erkannte er, dass doch nur er Ruhe zu schaffen vermöchte... nun, er verschob die Erfüllung seines Traumes wehmütig um einige Wochen; vielleicht durste Fulvia auch.in dieser Zeit um ihn sein Er ging so schnell, dass Frau Rivadeneira ihm kaum folgen konnte. Durch den-Hintereingang betraten sie da» Haus und stiegen in das zweite Stockwerk hinauf, tvährend aus den Empfangszimmern Gelächter und Quietsche» tönt«.. „Die Offiziere," erkläxie Frau Rivadeneira, „die-Armen,! sie haben solange nichts zu trinken gekriegt." Unterdessen waren sie oben- angekommen.. „Das ist das Zimmer." Rodriguez stürzte, ohne zu klopfen,, auf. die Türe zit; es war alles dunkel. „Fulvia, Fulvia," rief er haMäut..- Aber es aütwortete niemand,- und als er das Licht andrehte, sah er daS Zimmer leer. das Bett unberührt.- Er Wendete sich zu Frau Ri« badeneira. dte ganz entsetzt dreinstarrte. Sie schlug die Hände zusammen---.-m „Oh heilige Mutter GotteS von Guadeloupe!" ächzte st«.,...-, i" .„Was ist da geschehen? Wo ist'sie?"-' ...,„Oh..Don Benito-.... verzeihen.Sie... sch kästst nichts dafür'.,,.. ich'bin unschuldig > V.^'ich heche ihr/cchg'eräten-';.' ' ,)Aber reden Sie doch'... wovost haben Sie ihr Mergten... wo ist sie?"''5^ .Frau.Ripadeneirä konyte kaum sprechest, Sie deutete/auf,.däst Fussboden... „Da unten..'/. P« steckt er. der schlMte Mensch der Schurke».. und sie wollte zu ihm gehen...*. „Was..? Zu Ponamariä?". /./ iliforts.ebvng.folgt,)t., ,71/- Nr. 242 SamStag- 17. Oktober 1986 Seite 8 nommen. Von unserer Partei wurde Genosse Taub zum Mitglied gewählt; der Bund der Landwirte und die Christlichsozialen stellen je einen Ersatzmann(Z i e r h u t und Dr.- Lu sch la). Rach der Plenarsitzung trat der Budget- auSschuß zusammen, um di« Referat« über dl« einzelne» Budgetkapitel zu»erteilen. Zum Ge- ncralberichterstnttcr wurde der tschechische Sozialdemokrat Wenn« gewählt. Als einziger Deutscher hat Grnosi« Taub— ebenso wie im Bor- jahr-i- daS Referat über daS Kapitel U(Gesetzgebende Körperschaften) übernommen. Erst am 3. November um 15 Uhr tritt der AiiSschutz Neuerdings zusammen; in dieser Sitzung wird durch ein Referat des GeneralberichterstatterS die Generaldebatte über das Budget eröffnet werden. Nach dem Referat des Abgeordneten Hruby wurde die Novell« zum Gesetz über die Licferan- tcn-Kasscilscheiue,■ wodurch die Höchstgrenze für den gleichzeitigen Umlauf au solchen Kaffenschci- nen von 600 aus 1200 Millionen erhöht wird, angenommen. 8.550,946.000 2.417,946.000 steuer. Die wichtigsten Steuern und Abgaben: i'*) Die Transportsteuer der Staatsbähnen wird diesen zur Deckung, des Defizits überlassen. 1937 1986 Einkommensteuer 1.310,938.400 1.170,000.000 Militärtaz«.. 8,000.000 10,000.000 Allgem. Erwerb I steuer.... 94,000.000 80,000.000 Befand. Erwerb steuern... 155,000.000 105,000,000 Grundsteuern. 106,450.000 106,417.000 Haussteuern.. 220,989.000 177,245.000 Rentensteuer. 178,000.000 175,000.000 Dividendensteuer 50,000.000 —.— Tantirmrnsteuer 21,000.000 20,250.000 Steuer von höh. Dirnstbezügen. 9,090.000 8,156.000 Verzugszinsen. 210,000.000 210,000.000 Umsatz u. Luxus- i BerzugSzinsen. 50,500.000 47,500)000 Zölle.... 782,352.900 787,542.500 Zollgebühren. 847.190 875.500 BerzugSztnsen. 3,100.000 8,182.000 SpirituSsteuer u. Nebengebührei« 397,836.000 897,082.000 Hefesteuer.. 50,009.000 48,000.000 Zuckersteuer.. 605,000.000 600,000.000" Mineralölsteuer. 210,000.000 200,000.000 Züudholzsteuer. 56,000.000 56,100.000 Glühbirnensteuer 23,000.000 28,000.000 Essigsteuer.. 8,000.000 8,000.000 Backpulverfteuer 8,000.000 8,000.000 Kunstfettsteuer. 34,000.000 34,000.000 Schaumwein steuer«.." 2,090.000 2,500.000 Geträukesteuer a) a. d. Lande 38,000.000 36,800.000 b> i. d. Städten 8,000.090 9,200.000 Biersteuer.. 366,461.000 352,000.000 Fleischsteuer ä) a. d. Lande 97,500,000 98:100.000 ») i. d. Städten 24,500.000 26,900.000 BerzehrungS- steuer etc... 26,900.000 , 27,000.000 Kohlensteuer.. 162,000.000 161,200.000 Stempel...» 271,000.000 270,000.000 RcchtSgebühren. 923,000.009 950,000.000 Taxen... 849.600 900.000 Fahrkartensteuer (Eisenbahn). 145,000.000 140,000.000 Fxachtenst. der Privatbahnen*) 4,800.000 4,500.000 Gepäcksteuer.. 3,200.000 4,000.000 Fahrkartenabgabe .(Eisenbahnen). 70,000.000 70,000.000 Fahrkartensteuer (Autobusse). 16,500.000 15,000.000 Stenern v. Tele phongebühren. 29,050.000 29,050.000 Gebühr, f. Amts handlungen. 50,000.000 48,000.000 Salzmonopol. 43,000.000 48,000.000 Süßstoffmoiiopol 3,200.000 8,000.000 Ezplosivstoff- ; Monopol".. 10,000.000 10,000.000 Schwere Strafen gegen Preistreiber DaS Polizeigerkcht in Kaschau,»rrurteilte am Freitag drei weitere Kaufleute" wegen unbegründeter Verteuerung,. von Nahrungsmitteln. Der. Graßkaufmau« Ignaz Winter würde wegen Berteuerüng von RriS zu z w e i' Monaten G e fä n gut S und 20.000 M, Geldstrafe, Barbara; Kysuckä und Juraj,Rehtk"wurden/ zu je 500 M Geldstrafe Wege« Verteuerung des Eier- Preises verurteilt. Die verteuerten Waren wurde»« in den Geschäften der. Berurteilttn beschlagnahmt und verfalle»-«Gunsten deS Staates. vss Budget 6« eigentlichen Stsstsvenusltuns Ausgaben Einnahmen 1937 1936 ' 1937 1936 Präsident der Republik. 16,732.700 14,941.000 2,731.700 2,736.600 Gcsctzgkb. Körperschaften 36,102.700 36,102.800 170.000 182.000 Ministcrratspräsidinm. 38,433.200 37,210.100 10,627.000 13,077.000 AeussereS 132^248.100 132,730.100 7,101.000 6,080.000 Nationalverteidigung.. 1,360,000.000 1.340,000.000 7,980.000 7,354.800 Inneres...... 773,719.000 714^740.100 9,965.900 3,993.300 Justiz und Oberster Ge- richtshof 282,012.900 278,632.300 11,223.200 11,243.400 Unifizierung.. 2,605.300 1,896.100 •'—.— —.— Oberstes Verwaltung«» n. Wahlgericht.... 6,084.300 6,144.600 65.100 64.000 Schule...... 997,885.000 944,766.600 40,811.000 77,486.900 Landwirtschaft.... 199,267.700 195,329.200 25,770.400 23,553.800 Handel 42,672.300 36,825.400 17,271.900 13,930.400 Oeffeatl. Arbeiten... 549,526.400 475,839.800 92,979.100 105,660.700 Post*) 12,873.100 11,760.700 12,873.100 11,760.700 Eisenbahn*) 22,627.900 21,184.000 22,627.900 21,184.000 Fürsorge..,... 878,213.100 856,042.600 21,939.200 24,077.000 Gesundheit 160,474.000 156,356.800 39,237.500 37,1)27.100 Pensionen.. 1... 1.004,396.400 926,677.500 188,150.000 174,974.500 Finanzministerium.. 1.931,983.060 1.837,975.200 7.944,975.080 7.499,144.800 Oberstes Kontrollamt. 7,113.800 7,040.100 —.— —.— Summe:.... 8.454,970.960 8.032,195.900 8.456,499.080 8.033,531.000 *) Nur die Kosten der Zentraltzcrwaltung(Ministerium). Ne Abwehrfront festigt sich Kleinere Erfolge der Regierung Toledo unter schwerem Feuer Madrid.(HavaS.) Der amtliche Kriegsbericht der Madrider Regierung besagt: In den östlichen und mittleren Abschnitten werdet« noch kleinere Vorrückungen der Regir- rungStruppen gemeldet, welche ihre Abwehrpo- sition befestigten.— Die Regierungßkorps in Oviedo besetzten das Gebäude der Zivilregierung, daS Rathaus sowie daS Gebäude des sozialistischen Blattes„Avance".— Republikanische Artillerie bombardiert gur Zeit intensiv die Kaserne „Pelaho". An der aragonischen Front haben Regie- rungStrnppenabteilungen den Angriff der Aufständischen"im" Barcastro-Abschnitt' zurück-, 'geschlagen und habest dem Feinde' empfindliche Verluste zugefügt, welcher mehr alS hundert Tote auf dem Kampfplatz zurückließ. RegierungSab- teilungen besetzten dort zehn«Ine ausgezeichnete strategische Position bildende Hügel. Im Abschnitte bei Tardienta setzten di« RegirrungStruppen ihren Bormarsch. fort. Flugzeuge bombardierten die Positionen der Aufständischen bei Huesca. An der mittleren Front im Abschnitte Ra- valperal und llebrcros wird der Druck der aufständischen Truppen fortgesetzt, jedoch durch de« feste«« Widerstand der Regiermtgstruppen aufgehalten. I» der Zone Navas in der Provinz Avila haben Regierungsabteilungen den Angriff der Kavallerie der Aufständischen zurvckgeschlagen. Im Tage-Abschnitt zerstreuten RegierungStrup- prn ein« stark« Abteilung der Aufständischen, welche in« Abschnitt« OliaS SargaS in der Provinz Toleio operierten. Toledo.(Reuter) Wie der Korrespondent des Blattes„Diario NoticiaS" berichtet, gestaltet sich das Leben in Toledo immer unerträglicher. Die Batterien der Regierungstruppen haben die Stadt in der Nacht auf Freitag unaufhörlich bo» schossen, wobei eine Anzahl von Personen getötet wurde. Ein Großteil der Einwohner ist in die Keller geflüchtet. Außer den Opfern der nächtlichen Beschießung wurden auch zahlreiche Fremdenlegionäre getötet, die in jeder Nacht geheimnisvollen Schützen zum Opfer fasten, welche das einemmal Huf den Dächern der Häuser and dann wieder, in, den verschiedenen Schlupfwinkeln der dunklen Straßen im Hinterhalt liegen. Caballero— Kommandant der Wehrmacht Madrid.(Havas.) Ministerpräsident Largo Caballero ist zuin Oberkommandanten der bewaffneten Macht ernannt worden. Largo Caballero schuf«in Generalkommisfariat für Kriegswesen, daS die politische und die soziale Kontrolle über die bewaffnete Macht auSülrn und dir Verbindung zwischen dem Kommando und den kämpfenden Truppen Herstellen soll. Dieses Amt wurde dem Außenminister Alvarez del Bah» übertragen. Vie Einnahmequellen des Budgets Die Elnnahutrnseite des Budgets der eigentlichen Staatsverwaltung zeigt folgende Konstruktionen: 1987 1980 Ertrag d. Staats. betriebe*).. 1 099,964.080 1.080,982.000 Direkte Steuer» 1.037,517.800 1.666,984.600 llmfatzfteuer.. 733,500.000 647,500.000 Zölle...» 751,500.000 756,500.000 Verbrauchssteuern 1.724,736.000 1.706,505.000 Stempel, Rechts gebühren n. Ber- kehrSsteuern. 1.513,399.600 1.531,450.000 Monopole.. 56,200.000 56,000.000 Sonstige Berwal» tungseinnahmen 639,681.600 638,659.400 Stimmt.. 8.456,499.0808.083,531.000 *) Einschließlich der Beiträge der Post- und Slaatsbahnen für ihre zentralen Vcrtvaltungen (Ministerien). Bas Finanzgesetz DaS Finanzgesetz für 1987 unierschcidct.sich von seinen Borgängern nur in wenigen Punkten. Die üblichen Bestimmungen über die Investitionen der Staatsunternehmungcn, beziehungsweise deren Deckung bleiben gleich, ebenso hinsichtlich der Zutvcisungen an die Selbstverwaltungs- körper. Nur die Ziffern ändern sich in gewissen Grenzen. Die Uebcrtveisungen für ArbeitS- losenfürsorge aus der Einkommensteuer entfallen, so daß diese außerordentlichen Zuweisungen von 650 auf 550 Millionen gekürzt erscheinen; hiezu konmtt noch ein Betrag von 5,480.000 XL aus den lausenden Mitteln des Fürsorgerefforts. Die Kürzungen der Zuweisungen an die verschiedenen Fonds für Meliorationen, wasserwirtschaftliche Bauten, und für die Elektrifizierung des flachen Landes bleiben aufrecht. Die Unifizierung deS größten Teiles der inneren Anleihen hat eS mit sich gebracht, daß für Amortisationen der Staatsschuld für das kommende Jahr im wesentlichen nur die Ausländsanleihen in Betrachr kommen. Die normale Amortisierung der Unifizicrungs- und der Wchranleihe beginnt programmgemäß erst 1938. Die Kreditgarantie von 50 Millionen für Anleihen von SelbswerwaltungSkörpern, die nur auf diese Weise ihre Quote für Jnvcstitionsarbeiten aufbringen können, bleibt auch für 1937 aufrecht, ebenso eine Krcditgarantie in derselben Höhe zur Aufrechterhaltung des Betriebes notleidender Jn- dustrieunternehmungcn. Die Garantie zur Beschaffung anderer im" öffentlichen Interesse unbedingt notwendiger Bedürfnisse.wird von 150 auf 80 Millionen herabgesetzt, weil inzwischen die Bruderladenfrage definitiv geregelt wurde und der Staatsbeitrag per 90 Millionen im ordentlichen Budget verrechnet ist. Aus dem Erträgnis der Wehranleihe können 438 Millionen zur Ergänzung des Materials der Militärverwaltung (Kapitel 5) verwendet werden. Der Beitrag von 315 Millionen für den R ü st u n g s f o n d s entfällt diesmal, weil die außerordentlichen Ausgaben für die technische Ausrüstung der Armee ohnedies aus der Wehranleihe gedeckt werden. Di« 60-Millionen-Rate für den Ausbau der Hochschulen wird ans 15.9 Millionen herabgesetzt, die analoge Rate für den Bau von Minderheitsschulcn von 28 auf 15 Millionen. Das Budget der wichtigsten Staatsbetriebe ^Einschließlich der Ausgaben für Erneuerungen ••) Davon aus der Staatskasse zu decken: 1987: 390,000.000 1986: 484,442.200 Ausgaben Einnahme» Investitionen*) BrtriebSgewinne BetriebSabgäuae Tabakregie ... 1937 677,894.350 1.956,554.500 13,742.500 1.278,660.150 ——.- 1936 701,142.100 1.979,680.700 12,340.000 1.278,538.600 —- Staatslotterie ... 1937 108,589.400 130,916.500 30.000 22,327.100 1936 105,203.000 126,928.900 10.000 21,725.900 — Post.......... ... 1937 1.217,795.200 1.265,882.000 149,977.000 48,086.800 — 1936 1.215,306.200 1.247,723.000 160,783.000 32,416.800 —.— Postsparkasse....... .'.. 1937 106,573.000 122,584.000 6,700.000 16,011.000 1936 106,215.000 122,750.000 3,700.000 16,535.000 .—.—' Staatsbahnen....... ... 1937 4.063,995.500 3.479,411.100 1.077,942.300 —.— 584,584.400••) 1936 4.001,532.500 3.305,060.300 1.033,102.600 ——. 696,472.200 Staatsgüter und Forste.... ... 1937 561,946.500 595,500.900 50,832.900 33,554.400 1936 526,715.900 560,000.000 48,692.000 33,284.100 —.— Staatliche Berg- und Hüttenwerke. ... 1937 596,445.600 655,245.600 52,100.000 58,800.000 —.— 1936 440,4^5.200 497,850.100 35,195.500 57,424,900 —.— Militärslngzeugfabrik.... ... 1937 24,491.300 25,047.000 518.500 555.700 —. > 1936 82,028.000 33,080.000 1,221.000 1,052.000 —4"* Militärische Forste..... ... 1937 31,612.600 38,405.900 14,488.400 6,793.300 l 1936 22,927.400 22,984.500 1,201.300 57.100 •—..i— Staatliche Bäder... .... 1937 ■15,975.800 12,532.200 2,735.000 .—— 3,443.600 1936 14,244.700 11,954.400 4,720.000 —.— 2,290.300 StaatSdruckereien kl'Ä-Wi’i.■W.:. ... 1937 20,958.300 22,123.800 1,866.000 1,165.500 1936 . 20,010.000 i" 20,952.400 493.000 942.400 —,— Tschechoslowakisches Prehbüro.. .. V 193,7, 9,445.100 8,046.100 700.000 —— 1,399.000 1986 8,976.500 7,573.900 165.000 —.— 1,402.600 gesamte Staatsbetriebe.... ... 1937 ' 7.472,199.500 8.349,805.380 1.376,654.400 £468,046.150 590,440.270 1936 7.280,396.750 7.973,722.750 1.304,918.000 1.443,530.200 700,204.200 Stile 4 SamStnq, 17. Oktober 1030 Nr. 242 ^udetendcutsther Zeitspiegel Mauthner-Konzern und seine„berechtigten“ Forderungen Tie 1300 Arbeiter und Angestellten deS Betriebes Mattthner, Grünwald, die am 12. Juni b. I. in den Streik-traten, haben bei den mit der Firma gepflogenen Verhandlungen den Konflikt» stoff beseitigt, der Anlaß zur Arbeitsniederlegung Ivar. Der Betrieb mühte also sofort laufen, wenn der Konzern, resp. die Zivno-Vank nicht auch an dem Elend ihrer Arbeiter, welche jetzt zirka 18 Wochen ohne Einkommen sind, noch Extravorteile erzielen wollte. Die Firma stellt solche neu« Forderun- gen, di« von der Grünwalder Arbeiterschaft nicht«rfiillt werden linnen, damit sie der Oesfentlichkeit vorheucheln kann, die unduldsame Arbeiterschaft verhindert die Betriebsaufnahme. Damit aber auch für den Fall, als die Arbeiterschaft alle neu ausgestellten Forderungen erfüllen würde— 10 Prozent Lohnabbau und Berechtigung der Firma zur Abfuhr von 25.000 Kg. Garn und der gesamten Fertigware— der Erfolg auS dm eingeleiteten Extrageschäften nicht verloren geht, wird erklitrt,„der Betrieb wird auch dann, wenn wir unS mit der Arbeiterschaft vollständig geeinigt haben, erst ausgenommen, wenn die Regierung unsere Wünsche erfüllt". Der Arbeiterschaft gegenüber müssen die Herren des Konzerns und die Bertreter der Zivno-Bank ja nicht rücksichtsvoller sein und erklären, dah sie wissen, daß di« Grünwalder Arbeiter ja weder schnld daran seien, dah die Firma an die Regierung Forderungen zu stellen habe, noch seien diese Forderungen aus dem Grünwalder Betriebe erwachsen. Bor der Oeffentlichkeit aber zeigt der Mauthner-Konzern— Zivno-Bank— ein merkwürdiges großes Schamgefühl und selbst den Gewerkschaften, die für die„berechtigten" Forderungen des Konzerns eintreten sollen, wird nicht verraten, was derselbe denn eigentlich von den Regierungsstellen wünscht; nur eintreten für die Forderungen der armen Zivno-Bank sollen alle und dann, vielleicht..., später..., wenn alles er- fiillt ist, könnte der Betrieb in Grünwald ausgenommen werden. Am 13. Oktober sprach in Prag eine Deputation der Bürgermeister deS Gablonz-Tann- Walder Bezirkes im Auftrage von 82 Gemeinden bei sechs Ministerien vor und überreichte ein Memorandum, in welchem gegen das ungehörige Borgehen deS Konzerns protestiert und die Wiederaufnahme des Betriebes verlangt wurde. Bel dieser Gelegenheit wurde ein kleiner, wahrscheinlich der nebensächlichste Teil der Firmenwünsche an die Negierung bekannt, und zwar verlangt sie unter anderem: für ihre Rohmaterialtransporte nach Rybarpole 70 Prozent Herabsetzung der Frachttarife, sür alle ihre Exporte 50 Prozent Herabsetzung und für alle Frachtentransporte zwischen den eigenen tschsl. Betrieben sowie für die Kohlen- tranSporte die gleiche Ermähigung. Unbekannt Ist, ob die Firma und die Kreise, welche die Wünsche der Firma vertreten, gleichzeitig die Fordcrun gestellt haben, dah der übrige Teil der Textilindustrie eine entsprechende Erhöhung der Frachteniarise in Kauf zu nehmen hat, damit der Mauthner-Konzern, resp. die Zivno-Bank ihren, infolge der Wirtschaftskrise so abgehärmten Jn- tcresseninhabern, endlich ein bescheidenes Einkommen aus ihren so viel Sorge» verursachenden Aktienbesitz zusagen kann! Die Gemeinden deS Gablonzer Bezirkes haben sich mit der Grünwalder Arbeiterschaft solidarisch erklärt und für Montag, den 20. Oktober 1936, eine große Bolkskundgebung nach Gablonz einberufen, um nochmals in der Oeffentlichkeit das verwerfliche Spiel, das hier ein mächtiger Konzern mit der Arbeiterschaft treibt, aufzuzeigen und an alle Regierungsstellen neuerlich das Ersuchen zu richten, allen Einfluß für die endliche Wiederaufnahme des Grünwalder Betriebes geltend zu machen. Dr. Novotny, überreichte einen ausführlichen Schriftsatz, in dem Punkt für Punkt die von der DAG vorgebrachten KündigungSgrünoe widerlegt werden, und in diesem Zusammenhang die Zulassung von Beweisgründen über verschiedene Anschuldigungen gefordert wird, die der Kläger Pokorny gegenüber dem BerbandSvor» st a n d, B u d e, teils persönlich, teils in BetriebS- ausschuh-Bersammlungen, schließlich sogar bei der „höchsten" Instanz, Herrn Rudolf Kasper, dann in vertraulichen Briefen an verschiedene Instanzen erhoben hat und die in der Mehrzahl Kritik an der Mihwirtschaft, die in der DAG angeblich vorherrscht, üben. Pokorny behauptet(durch seinen Anwalt Dr. Novotny), er habe all diese Mißstände in seiner Funktion als BetriebSauSschuh-Obmann erhoben und sich dazu um so mehr verpflichtet gefühlt, als es doch primäre Aufgabe der Gewerkschaften sei, stets im Kampfe gegen Mihwirtschast, Ueberstundenfystem bei anderen Unternehmungen voranzugehen, so daß er als BetriebsauSschnh-Obmann einer Ge» lvcrkschaft, die in Druckschriften gegen Ucberstun- den scharfmacht, erst recht berechtigt gewesen sei, im eigenen Hause Ordnung zu schaffen. ES sind schwerwiegende Vorwürfe,, die der Schriftsatz des Klägers gegen die Führung der DAG bzw. den Verbandsvorstand Bude erhebt. DaS Gericht hat nach dreibiertelstündlger Beratung beschlossen, über die wichtigsten Punlle das DeweiSverfahren zuzulassen und hat deshalb die Berhandlung auf den 11. November vertagt. Man muß das Ergebnis dieses Beweisverfahrens abivarten. Die DAG ihrerseits kargt auch i nicht mit Anschuldigungen gegen ihren vormaligen Angestellten Pokorny. Wie dem aber immer sei, eines kann man heute schon feststellen: Die Gegensätze, die innerhalb der SdP tobten und zurzeit Infolge Kompromissen„ruhen", haben ihren Niederschlag auch in der DAG gezeitigt. WaS sollte man sonst denken, wenn Pokorny dem Verbandsvorsitzenden Bude u. a. vorwirft„Schwenken von Rudolf Kasper zum Bund der Landwirte/dann zur SdP und wieder zurück zu Kasper" l Rudolf Kasper selbst wird— wie alle geführten auswärtigen Zeugen— im Ersuchswege vernommen werden. Plötzlicher Bedarf an Arbeitskräften... In den letzten September-Tagen— also just vor Inkrafttreten der Verordnung über die Arbeitsvermittlung(1. Oktober)— zeigte sich bei etlichen Unternehmern plötzlich Bedarf an Arbeitskräften l So stellt« beispielsweise ein großer Betrieb in M i l d e n a u zu Ende September noch rasch einige Arbeitskräfte ein; nicht etwa aber, wie man vermuten sollte, arbeitslose Leute, sondern Kolporteure der„Zeit" und des„Kamerad". Das wirkt um so eindeutiger, als zur selben Zeit einige junge Arbeiter, die früher in diesem Betrieb beschäftigt waren, vom Militärdienst heimkehrtcn, aber kein« Arbeit fanden! Aus einem anderen Betrieb, in 91 i e m e s, wird uns berichtet, dah dort mn 27. und 28. September urplötzlich ein so großer Bedarf an Weberinnen eingetreten sei, dah der Chef mit dem Auto in G r o t t a u Arbeiterinnen für den Mieser Betrieb suchen ließ! Und- schließlich wissen wir von einem Betrieb in E b« r S d o r f, der seinen Arbeitern den Lohn bis zu einem halben Jahr schuldig blieb, weshalb die Arbeiter klagen muhten und schließlich unter Verzicht auf die Exekution dem Unternehmer«in rateirweiseS Abzahlen der Schuld ermöglichten; und ausgerechnet auch in diesem Betrieb zeigte sich just ein paar Tage vor dem Inkrafttreten der Verordnung über die Arbeitsvermittlung großer Bedarf an Arbeitskräften. Aber«8 wurden auch dort nicht etwa Arbeitslose, die früher in diesem Betrieb beschäftigt waren, eingestellt, sondern nur„völkisch Verläßliche"! DAS vor dem Arbeitsgericht In Gablonz Vor dem Arbeitsgericht in Gablonz fand am 14. d. die fortgesetzte Verhandlung über die Klage des Max Pokorny(eines fristlos entlassenen Angestellten der DAG) gegen die DAG statt. Klagegrund bilden die von Pokorny gemgchten Ansprüche auf Entlohnung der Kündigungszeit und auf Remuneration. Der Kläger, vertreten durch Bravo, Holelschen! In' einer Versammlung unserer Genossen in Holeischen, dessen tragisches Schicksal ja im ganzen Lande bekannt ist, wurde berichtet, wie die Partei und ihre Vertrauensmänner ihre ganze Kraft zur Bannung der Not der Krisenopfer einsetzen. Bis zum Tage der Berichterstattung wurden im Jahre 1986 für 80.000 AL N o t st a n d S- arbeiten verrichtet. Zur Ausschöpfung einer restlichen Subvention hat die Gemeinde neuerlich 15.000 K6 bewilligt. Ueber 200 Arbeitslose haben dadurch drei Wochen Beschäftigung erhalten. Zur unentgeltlichen Heilfürsorge stellte die Gemeinde den Betrag von 8000 AL für Medikamente zur Verfügung. Für die Schulkinderausspeisung 5000 KE, für die Weihnachtsbescherung 6000 K& Der Armenfonds gab 18.000 Kö für Armenzwecke aus. 154 Schulkindern wurde gratis eine Schutzimp- fung gewährt, was immerhin den Betrag von 3000 AL erforderte. Hier muh betont werden, dah die Krankenkassen Staab und Bilin die Hälft«: der Kosten übernommen haben. Der Voranschlag 1987 sieht allein für Not- standsarbeiten 65.000 AL vor, wie sich auch die anderen Kapitel der sozialen Fürsorge in gleicher Höhe bewegen. DaS ist angesichts der trostlosen Lage der Gemeinde und ihrer Bewohner ein b e i- spielgebendeS Mu st er sozial i- stischer Kommunalpolitik. Alois Baeran gestorben AuS Berlin kommt die Nachricht, dah dort der ehemalige deutschnationale Brünner Polüi» ker A l o i s Baeran gestorben ist. Baeran war in jeder Weise ein Vorläufer des Nazismus, der ja überhaupt seine Wurzeln fast sämtlich in den Sudetenländern des alten Oesterreich hat. Jene Kampfmethoden, dis der Hitlerismus dann später zu so raffinierten Formen entwickelt hat, waren bei Baeran. alle schon im Keim vorhanden. Den Gegner verdächtigen, ihn verleumden in der Hoffnung, dah etwas schon hängen bleiben werde, Terror und Brutalität ohne Hemmungen anwenden— das waren schon die Regeln, nach denen Baeran,«in gehässiger Feind de» Sozialismus und der Arbeiterschaft, ein engstirniger Nationalist, den Kampf gegen Sozialdemokraten und Tschechen geführt hat. Bekannt wurde er über die Grenze Mährens hinaus erst durch feine Radau-Reden ich Prager Parlament und vor allem durch jenen Stinkbombenwurf vom Jahre 1922, der seine parlamentarische Laufbahn krönt«. Er wurde nach Aufdeckung einer Spionage-Affäre wegen staatsgesährlicher Tätigkeit zu vier Jahren Kerker verurteilt und benutzte die Freiheit eines Kuraufenthaltes, die ihm gewährt wurde, zur Flucht nach Deutschland, auch hierin den Krebs und Jung den Weg weisend.'In Deutschland betätigte er sich weiter als Hetzapostel gegen die Tschechoflowakei, die er in tvüstcn Beschimp» fnngen schmähte. Trotzdem soll es ihm nicht gut gegangen sein und«S scheint, daß er, von seinen Freunden mit Undank belohnt» im Elend gestorben ist. Im Zeichn» des Geburtenrückganges. Wie stark sich der Rückgang der Geburtlichkeit auf feiten des Sudetendeutschtums auswirkt; ist unter anderem auch aus der Eütivicklung des Kindergartenwesens ersichtlich. Im Jahre.1925 gab es 584 deutsche Kindergärten und Heimstätten, die damals von 80.081 Kindern besucht wurden. Obwohl die Anzahl der Kindergärten bis zum Jahre 1985 auf insgesamt 676 gestiegen ist, sank in der gleichen Zeit die Zahl der sie besuchenden Kinder auf 29.227 herab. Diese Zahlen beleuchten schlagartig die Enttvicklung und kaffen auch die Gefährdung des deutschen Schulwesens, die zwangsläufig daraus folgt, erkennen. Anfltieg der tschechischen Sozialdemokratie. In der Sitzung deS Vollzugsausschusses der tschechischen Sozialdemokratie von Donnerstag, den 15. Oktober, teilte der Sekretär D u n d r mit, daß im ersten Halbjahr 1936 die Zahl der Organisationen der Partei von 5809 auf 0001' gestiegen ist. Die böhmische LandeSvertrrtung erledigte Freitag die Kapitel„Gesundheitswesen", und „Soziale Fürsorge". Die nächste Sitzung, welche Schulftagen gewidmet sein- wird, findet Dienstag statt. Die Teufelsinsel von Venezuela Von Josef Wechsberg Die Kathedrale von San Esteban im nördlichen Venezuela ist die kleinste Kirche der Welt. Kathedrale? Die dreißig Einwohner von San Esteban würden wohl'verwundert den Kopf schüttel», wenn sie dieses Wort hörten. Denn die Kathedrale hat keinen Turm. An einem Palmenbaum hängt ein Glöcklein, das ruft Sonntag früh zum Gebot. Unter dein Baum Ist eine Hütte, roh auS Holz gezimmert,, mit einem Kreuz darüber. Arm, sehr arm. Aber cS ist doch eine Kathedrale. Denn der kleine Altar wird von den Kronen der Kokospalmen beschützt, die sich. hoch oben im Winde wiegen. Darüber liegt das Transparent des tropisch blauen Himmels; und die RUck- tvand bildet das Massiv der Anden, gewaltig und majestätisch. Welche Kirche der Welt kann sich einer ähnlichen Architektur rühmen? Nur wenige Menschen gehen in diese Naturkathedrale. Die Indianer, die hier leben. Die Frauen tragen keim;» Schleier beim Gebot wie die Spanierinnen von Venezuela. Sie sind schlank und ebenmäßig, diese indianischen Frauen; nur aus dm» polynesischen Inseln sieht man Frauen von ähnlichem Ebenmaß. Sie sind barfuß, aber keine europäische Tänzerin kann so elastisch und gerade gehen wie sie. Sie tragen keine Seiden- strüntpfc, sie sind nicht,geschminkt, sie habest keine verlängerten Wimpern. Aber diese»roßest schwärzen Augen können einen Mann in eine träumerische Stimmung bringen, die gar nicht zu der Weihe des Ortes paßt. Ln San Esteban versteht nmn, warum die Flibustier, die alle Frauen In Südamerika rauben konnten, doch nur die stolzen Indianerinnen liebten« Und während man stoch an die Kirche von San Esteban und die Frauen denkt, steht man ei» paar Minuten später vor der Teufeisinsel. Teu—fels—in—scl. So nah berühren einander die Extreme auch in Venezuela. Die Teufelsinsel von Venezuela ist ein kleines.Felseneiland gegenüber dem Hasen von Puerto-Cabello, auf dem nmn im Jahre 1985 Menschen folterte,-wie es nur noch auf alten Burgen oder der Insel des Grafen von Monte Christo von ttichtigen Fremdenführern den schaudernden Besuchern erzählt wird. Meterhohe Mauern, die senkrecht ins Meer abfallcn. Kleine Löcher sind in den- Manern, so klein, daß man sie nur ahnen kann. Aber wozu braucht man hier Fenster? Dio Gefangenen liegen doch in Zellen, die keine Fenster haben. Sie liegen nämlich in Zellen, die sich unter dem Meer befinden. Von oben breimt die tropische Sonne in Ihrer unerbittlichen Schärfe auf die Kasematten. Von unten steigt, dunstig und dampfend, di« Feuchtigkeit aus dem Mcerlvaffer auf. Alles glüht in dunstiger Hitze. Es ist iimner wieder Platz in . den Zellen für die Gefangenen, die dort hinkommen. Denn die einmal dort sind, loben nicht mehr lange. Das Ganze heißt aber„Castillo Aibertador", „Festung des Befreiers", dem großen Befreier und Nätionalheld Bolivar zu Ehren. Nach. Castillo Libettador werden keine Mörder und Räuber geschickt. Für die hat man im Lande gut gebaute, hygienisches anständige Gefängnisse. Nach Castillo Libertador kommen: nur die politischen Verbrecher; Die Menschen/ die sich egen den General Jüan-Vincente Gtmez aufgelehnt hatten. Der General Gtmez war Präsident- der Vereinigten Staaten von Venezuela. Er wär der mächtigste Mann im Lande, der reichste und auch der interessanteste. Wenn man durch Venezuela fährt, durch die prächtvöllen Plantagen und Wälder, an Fabriken und großen Häusern vorbei und fragt, wem das alles gehöre, so geht es einem wie in dem bekannten chinesische» Märchen: Dio Kafsecplantage gehörte Gümcz. Die Rinderherde gehörte Gtmez. Die Fabrik gehörte Gtmez. Die Bank gehörte Gtmez. Dieses Feld gehörte Gtmez. Alles gehörte Gtmez. Alles, was irgendwie gut war, gehörte Gümcz. Die schlechten Plantagen, die falliten Fabriken gehörten shm nicht.. Welch ein GeschäftSgenie, der General Juan Vincente Gtmez! Was über ihn erzählt, oder genauer gesagt: geflüstert wurde, ist phantastisch. Er' soll ein Vermögen von einer Milliarde Bolivar gehabt haben, acht Milliarden AL, Der. fast Achtzigjährige war nie verheiratet, aber die zahlreichen Frauen seiner Gunst hohen ihm sechzig Kinder geschenkt. Gtmez erinnert än jene Zeit der mächtigen Meinherrscher in Südamerika, vielleicht auch an die Macht des einstigen türkischen Sül» tanats. Er konnte nur seinen Namen schreiben — aber er hat ein Dreimillionenvolk geeinigt, das auf einem Territorium lebt, größer als Frankreich. Gümez ernannte Minister, Berwal- tungSräte, Generäle, Direktoren, Opernsänger; die Zigaretten und Zigarren wurden nach ihm be- nannt, alle Bücher ihm gewidmet. Er hat eine Renaissance der vencznelischen' Macht- eingeleitet und-gleichzeitig eine Diktätur.errichtet, die mehr Blut gekostet hat als die europäischen Diktaturen. ». Als ich den Behörde».,von Puerto-Cabello mein Ansuchen vorlegte, daS„Castillo Libertador" besuchen zu dürfen, brachen die würdigen Herren in- ein„ Hohngelächter auS. Oh, oioS, dios! Welch trefflicher Witz.. Als ob es schon einem Fremden gelungen wäre, auf die Festung zu kommen(als Besucher nämlich). ,»» Also muhte Ich mich mit dem Blick durch das scharfe SchifsS- sernrohr begnügen. Zwischen den Zinnen, die unter der trostlosen Hitze dampften, sah man ermattete Menschen im kargen Schatten liegen: die Wachsoldaten per Garnison deS Gobierno Na- cional. In der Sonne gingen nur die Sträflinge herum, mit schweren Lasten und Ballen am Rük- ken.. Einmal fiel einer hin— aber er stand gleich wieder äuf, denn ein Soldat war neben ihn. getreten. Später säh man die Sträflinge dann aus allernächster Nähe. In einem engen Kordon von Soldaten standen sie neben unserem Dampfer am Kai und luden große ZInkkistcn aus einem Boot. Unser den breiten Sombreros blickten sie auf uns mit der schlaffen. Ergebenheit von Menschtn, die kejne Hoffnung mehr sehen. In einer uünbetvach- ten Sekunde frage ich einen:„Wie lange find Sie schm» dort?"—„Dos mezes" sagt er und geht teilnahmslos weiter. Zwei Mcinatel Roch zwei und er wird keine Kisten mehr tragen. Die Zitadelle ist nur durch einen schmälen Wasserarm vom-Lande getrennt.'Aber noch nie tfteiner-mrs dem Bagno entkommen. Sie machen gar nicht den Versuch wie in Cayenne. Aus Cayenne kann man fliehen.». Mus Castillo Liber« tador nicht. Enttpeder treffen die Kugeln'der Wächsoldatcn oder— und da» ist noch sicherer —. treffen die Zähne dop Haifische, von denen es in' der Bucht' stur so' wimmelt. Als wir dann gegen Abend an der Teufelsinsel vorbetfuhren,' hörte män ein Tuten und Blasen'wie aus'.bielifl'KlnddrtromPeten; Sollte Jumi Binceäte Gtmez,.der Schützer von Kunst und Musik, seinen politische»» Feinden diese harmlose Spielerei erlaubt haben? Aber als wir'Liirch das unerbittliche'Fernrohr blickten,'sahen wir, dah es nur die Wachst!« daten' wären. die ihren Mcndappell bliesen-- 9lr. 242 SamSkag, 17. OkioScr 1936 Seite B NaesnLmAeitm II Pascha die Festung Plewna heldenmütig vertei- Das Mittelschulwesen Welt- 1937 Mittelschulen um 16 gewachsen, die Zahl der Schulen selbst gleich geblieben. Die tschechoslo« wakischen Anstalten verzeichneten einen Schüler- zMvachS von Uber 6000, einen Zuwachs an Klassen um 151 und an Schulen um 7. Es zeigt sich folgendes Bild:' Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezfka 13. litten hatte. Tuffe! ist nicht versichert, erleidet also einen großen Schaden. Prag erhebt eine Lnftschutzabgabe. Der neue Voranschlag der Stadt Prag sieht auch die Einführung einer Luftschuhabgabe vor, von der di- Gemeinde einen Ertrag von acht bis neun Millionen XL erwartet. Die Abgabe soll pro Wohnraum 19 XL und pro Betriebsstätte 80 XL jährlich betragen und für Maßnahmen des zivilen Luftschutzes verwendet lverden.(DND.) Bolkswirtschast als Lehrgegenstand der Mittelschulen. Das Schulministerium beabsichtigt, Vollswirtschaft als Lehrgegenstand an den Mittelschulen einzuführen. Um Inhalt und llnifang dieses neuen LehrgcgenstandeS festzustellen, wird in den nächsten Tagen eine Fachenquete ins Schulministerium cinberufen werden, an der neben volkswirtschaftlichen Fachleuten auch Vertreter der Professorenverbände teilnehmen werden. Ein Verteidiger von Plewna gestorben. In Ankara verschied im Alter von 97 Jahren Mar- j schall Kiazim Pascha, der im russisch-türkischen Die Taifun-Katastrophe auf den Philippinen hat nach den bisherigen Feststellungen 548 Todesopfer gefordert. 1045 Personell werden noch vermißt. Ein Sowjeteisbrecher hat im Bereich der Nordenstjöld-See an der NordwestlLste Sibiriens 19 Inseln entdeckt. Es heißt, daß diese Entdek« kung die Fahrt durch das Nördliche Eismeer, was bereits längst ein Wunsch der Sowjets ist, in hohem Maße erleichtern wird. Wölfe. In den Hof einer Moschee in Sloplje drangen Wölfe ein und erlvürgten dort einige. Schafe. Einer der Wölfe, der sich zu sehr angefressen hatte und schwer laufen konnte, wurde von den Hirten unweit der Artillerielaserne erschlagen. Fünf Menschenleben auögelöscht. In der Nacht auf Freitag wurde in der polnischen Ortschaft Stawy bei Kielce die vierköpfige Familie des jüdischen Großkaufmannes Szmulewiez sowie ein bei dem Kaufmann wohnhafter jüdischer Lehrer von unbekannten Tätern ermordet. Die Mörder plünderten hierauf die Wohnung und den Geschäftsladen des Kaufmanns gänzlich aus. Krankenhaus in Flammen. Das mit 600 Kranken belegte städtische Krankenhaus in Saloniki wurde durch ein Grohfeuer zerstört. Während des Brandes entstand eine unbeschreibliche Panik. Bier Kranke fielen dem Brande zum Opfer. LauStubenstreich gegen eine Wiener tschechische Schul». Donnerstag abends, zur Zeit der Ablösung'der Polizeiwache, überfielen fünf junge Burschen das Gebäude der tschechischen Schule des Vereins Komensky im X. Bezirk in Wien und bewarfen es mit Steinen. Die Angreifer zerschlugen 21 Außensenster und auch die inneren Fensterscheiben. ES gelang ihnen, nach vollbrachter Tat zu entkommen. ES ist dies bereits der vierte ähnliche Ueberfall, der auf diese tschechische Schule unternommen wurde. In keinem Falle gelang eS, die Identität der Täter festzustellen.'< Wer betreibt„Greuelpropaganda"? tu.) DaS dritte Hest von„Volk im Werden"(her- auSgegeben'von Ernst Krieck, Armanenverlag, Leipzig) bringt als JllustrationSprobe zu E. Wahl«,„Deutsche Vorzeit", und zwar in einem Aufsatz über„Das Problem der Thingstätte", der die Erneuerung des Theaters und des Zirkus auf völkischer Grundlage behandelt,— eine „Opferszene", die so aussieht: DaS Bild stellt dar/ wie etlichen Sklaven, Gefangenen oder son- stigen Untertanen vor ehrfürchtig staunendem Publikum an der. Leiche des„Führers" von Anno DrusuS und Tiberius— Köpfe, Arme und Beiße abgehackt und der Vollständigkeit halber auch der Bäuch äufgefchlitzt wird; alles dies als Opfer und ehrendeS Angedenken und Massenerziehung' für den auf' dem Scheiterhaufen verbrannten„Führer", Man sieht, der 80. Juni ist Aus der Statistik über die Entwicklung des Mittelfchülwesens, welche im Staatsvoranschlag, «^gewiesen wird, geht hervor, daß sich im Schul- jahr 1985/88 Veränderungen vor allem in der Aendernng der Typen verschiedener Anstalten ergeben haben. Bei praktisch gleichbleibender Schiilerzahlist die Zahl der Klassen an deutschen Am 27.. Oktober endet der Schulunterricht nach einer Verfügung des Schulministers bereits um 12 Uhr mittags, damit, wie der Minister betonte, die Schulfeiern-anläßlich des Staatsfeier- tageS einen würdigen Ausklang nehmen und ihr Eindruck bei den Schülern wirklich ein dauernder sei. Die Landesschulräte wurden angewiesen, allen Schulen rechtzeitig die entsprechenden-Weisungen zu'erteilen. Glück im Unglück. Auf der Strecke Dux— Ladowitz werden den Schächten„Eleonora" und „Concordia" täglich die Waggons beigesteUt. Zn diesen Schächten führen Schleppgeleise, die allein in Ladowitz viermal die Straße überqueren. Wiener Konferenz ohne Deutschland Vor der Reise Clanos ; Rom. Die bevorstehende Reise des italienischen Außenministers Grafen Ciano hat. in der italienischen und insbesondere in der Auslandspresse viele Gerüchte und Kombinationen auS- gelöst. Heute zeichnet sich bereits das wahrscheinliche Programm dieser Reise ab, welche nach Anschauung informierter römischer Kreise der Prüfung der Lage mit Rücksicht auf die Frage der sogenannten Locarno-Konferenz, auf die Ostsragen und außerdem auf die allgemeine politische Lage Europas gewidmet sein wird. Man behauptet dabei, daß die mitteleuropäischen Angelegenheiten nur allgemein werden geprüft werden und. eS werden mjt Bestimmtheit die Gerüchte ausgeschieden, daß von einer direkten Teilnahme Deutschlands an' der bevorstehenden Konferenz der Staaten der Römischen Protokolle die Rede sein könnte. Auch die Möglichkeit irgend eines von Deutschland entsandten offiziellen Beobachters kann nach italienischer Anschauung nicht in Betracht kommen. Da bisher das genaue Pro- granun der Konferenz in Wien nicht festgesetzt ist, wäre eS verfrüht, von ihren Arbeiten und Entscheidungen zu sprechen. Sicherlich. wird schon voit vornherein erklärt, daß bei der Wiener Konferenz neuerlich betont werden wird, daß den Römischen Protokollen auch andere Staaten beitreten können, und eS wird in informierten italienischen Kreisen die Möglichkeit geäußert, daß die Wiener Beratungen tatsächlich zu einer Besserung der Lage in Mitteleuropa beitragen werden und daß die Möglichkeit zu einer Annäherung an andere Staaten im Donaubecken gesucht werden wird. Beck hält sich In Berlin nicht auf Warschau. Außenminister Beck ist Freitag abends aus Paris nach Warschau zurückgekehrt. Auf seiner Rückreise passierte der Minister am Vormittag Berlin, wo er sich, jedoch entgegen früheren Gepflogenheiten diesmal nicht aufhielt. Dieser Umstand' findet in Warschauer diplomatischen und politischen Kreisen lebhafte Beachtung. -Die Schülerdurchschnittszahl-in einer Klasse der deutschen Anstalten'betrug 85.4(85.9), der tschechischen Anstalten 88.5(88.2).-< Die Schükerzahl an den-Mittelschulen- hat Heuer nach den Ferien im ganzen Staat 148,000 überschritten, was eine weitere Steigerung um fast 10.000 gegenüber Lem'mbgelaUfenön Schul- ■■■■■■mnMMMBiiWMnaeanni Die Hintergründe des Klrow-Mordns und des Moskauer Trotzklsten- Prozesses werden in dem soeben erschienenen Roman i Und dennoch... von Margarete Neumann aufgezeigt. Preis kart. XL 18.—. 240 Seiten. fahr bedeutet. Gleichzeitig wächst-auch die Zahl der Aystalten^um 12, die teils vom Staat(1), teils von Vereinen(6), Städten(2) oder von kirchlichen. Behörden(2).'erhalten werden. Von 'diesen zwölf, Anstalten entfallen. sieben-auf die Slowakei, die anderen, und zwar in Prag, Ni- kolsbürg. Zlini.Rnmbürg ilnd Jablunkgu auf die -historischen Länder.. Bahnschranken sind keine mehr vorhanden, so daß die Maschine ständig Signal geben muß. Gestern früh gegen%6 Uhr, als die Maschine nach Dux zurückfahren wollte, kam es auf der Schwazer Straße zu einem furchtbaren Zusammenstoß. Ein aus der Richtung Dux gegen Schwaz, fahrendes Lastauto wollte noch vor der Maschine das Geleise überqueren, wurde aber in der Mitte er- ! faßt und etwa 75 Meter weit geschleift. Aus ,DaS Schöffengericht Darmstadt verhau- den Trümmern des vollständig zerstörten Wagens - wurde der Lenker und Besitzer Tufsek herauSge» Die Pariser aussteliung wirbt Die französische Post hat diese neue 1,50 Franc- Briefmarke herausgegeben, die auf die Pariser Weltausstellung 19 8 7 Hinweisen soll. 8.55 Ml....— 10.05 Trio für Harfe. Geige und Violoncello. 11.00 Klassische Musik. 18.85 Tanzmusik. 18.80 AuS-Werich» VoSkovec-Revue: Himmel auf Erden. 17.50 Deutsche Sendung: Funkwochenschäu— Orchesterkonzert auS Brünn. 18.50 Deutsche Presse. 21.85 Violoncellokonzert. 22.85 Dvorsky und seine Melody-BohS. — Prag II: 14.80 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Brügel: Ein Schuh im Weltkrieg. 14.45 Mom und.die Herbstlichen, Lebensreportage.— Brünn: 8.55 Lieder von Liszt. 18.85 Chansons. 18.05 Deutsche Sendung: Rundfunkorchesterkonzert. 20.10 König der Walzer,! Rundfunkspiel.— Prehburg: 19.05 UntqthalÜingSmusik. 21.40 Russische Zigeunerlieder. — K-schau:. 19.20 Leichte Musik.— Mähr..Ostrau: Musikmontage., schon dagewesen; allerdings unter anderen llm- jtäudeu. iiuweit dieses Bildes steht ein Waichzettel über eine ähnliche„Aermaneuknnde" worin es u. a. wörtlich heißt:„... Nicht unterhalten will das Buch, sondern erziehen,... zur f r e u d i g e n N a ch f o l g e in ihrer Art... für die Festigung unserer Weltanschauung. Sie wird die unumgängliche Grundlage der gesamten deutschen Volkserziehung." Ein Baumstamm als Garage,(i) Daß es USA Riesenbäume gibt, weiß man. Neuerdings ist aber jemand auf die Idee gekommen, so einen Rieseubaum zu einem völlig ungetvöhnlichen Zweck zu benutzen. Er bohrte nämlich den Baumstanun. der schon seit undenklichen Zeilen(seit Kolumbus Zeiten, sagen die Amerikaner) da liegt, an und errichtete darin eine Autogarage. Allerdings ist der Baumstamm, dessen Alter auf 2500 Jahre geschäht wird, 83 Meter lang, und die Garage, die darin errichtet wurde, hat bei einem 0.5 Meter breiten Eingang eine Tiefe von 18 Meiern. Zeitungen berichten, daß in der Nähe dieser Baumstammgaragc noch ein anderer illiesenbaum steht, der, da er mindestens dreiiausend Lahre alt ist, als das überhaupt älteste Lebewesen der Erde betrachtet lverden kann. Seine Höhe ist 84 Meier und der Umfang seines Stammes beträgt 30 Meter. Die Frivolität, das ehrwürdige Naturdenkmal als Garage zu mißbrauchen, ist rin typisch amerikanisches Kultursymptom. Die zweiten Söhne. Beim englischen Adel gehen Titel und in sehr vielen Fällen auch der Löwenanteil des Vermögens an den ältesten Sohn über, während die zweiten und jüngeren Söhne benachteiligt sind. Ein typische« Schicksal dieser Art war das des Kapitän Arthur Elliot, des Bruders de« Grafen Sir Jermyns Elliot. Schon früh konnte Arthur Elliot die ewigen Zurücksetzungen nicht ertragen und ging au« dem Hause. Er hat ein abenteuerliches Leben geführt, das niemals standesgemäß war. Ueberall in der Welt hat er sich herumgeschlagen und seinem eigenen Geständnis nach in mindestens 80 Berufen Schiffbruch gelitten. Vom Straßenbahnschaffner bis zum Croupier hat er alles durchprobiert. Er hat am Burenkrieg und am Weltkrieg teilgenommen, ohne c« zu einein militncifcheu Rang zu bringen. Viermal war er verheiratet, und mehrmals steinreich. Aber er bat immer Ivieder sein Vermögen verloren. Zum Schluß tvar er Kapitän, und einer der populärsten Persönlichkeiten von London. Eine Stadt zittert vor der Blutrache. Vor einigen Monaten war es- in Cetinje, der früheren Hauptstadt von Montenegro, bei einer Bauerndemonstration zu Unruhen gekommen, die mehrere Todesopfer gefordert hatten. Seitdem lebt Cetinje in Angst vor der Vlntrache, die in Montenegro tvie vor Jahrhunderten ein heiliges Gesetz ist. Die Bauern haben geschworen, sich zu rächen, und aus Erfahrung weiß man, daß solche Schwüre gehalten werden, und daß sie meisten« viel Blut losten. Ein Bauernüberfall auf die Stadt selbst ljt weniger wahrscheinlich; dafür fürchten die Städter, daß sie, wenn sie einzeln aufs Land gehen, dort au« dein Hinterhalt erschossen werden. Wahrscheinlich, wird ein regelrechter mittelalterlicher Urfehde-Vertrag, die sogenannte Bessa, erforderlich sein, um den Einwohnern von Cetinje ihre begründete Angst vor der montenegrinischen Blutrache zu nehmen. Pröfldent Mafaryk bei guter Gesundheit, Prof. Dr. Maixner, der Leibarzt de« Präsidenten« Befreiers Mafaryk, erklärte nach seinem dienstägi- gen Besuch in Sani), daß sich Präsident Mafaryk völlig frisch fühle und daß auch sein Gesundheitszustand durchaus befriedigend sei. Präsident Masa- ryk hat sich seit der Amtsniederlegung int Herbst sehr gut erholt und besonders das Herz arbeitet ohne Störungen. Der Präsident zeigt ständig Interesse für die Politik und alle Erscheinungen des öffentlichen Lebens und unternimmt auch ständig Ausfahrten und Spaziergänge. Waisenfürsorge durch den Rundfunk. Der Ostrauer Rundfunk bringt regelmäßig Reportagen über Mutterschutz und Waisenfürsorge, durch die es bisher gelungen ist, neun Waisenkinder Int Säuglingsalter bei Familien unterzubringen, die die Kinder adoptierten.(DND.) Es bleibt kühl und regnerisch. Die Druckver- teikung bedingt noch einen weiteren Zufluß relativ wärmerer Luft vom Ozean gegen das Festland. Auf den Bergen herrscht seit Donnerstag Tauwetter. Der Gesamtwettercharakter ist dabei unbeständig, da mich bet uns der Randeinsluß einer tiefen skandinavischen Druckstörung zur Geltung kommt; verschiedentlich regnet eS etwas, lieber deut nördlichen Atlantischen'Ozean tritt erneut eine Abkühlung ein; die kalte Luft dürfte jedoch von dort nach Mitteleuropa erst später eindringen.— Wahrscheinliches Wetter Samstag: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, vereinzelt Regen, und zwar wieder hauptsächlich in Gebirgsnähe. Milder Wir/ auS westlichen Richtungen.— Wetteraussichten für Sonntag: Etwas kühler, sonst noch keine wesentliche Aenderung. des deutschen Blutes, und zwar wurde der An geklagte b e s ch u l d i g t, in seinem Haushalt ein deutsches Mädchenbeschäf tigtzuhaben. Die Verhandlung ergab, daß das Mädchen, seit Jahren mit dem Ange klagten und seiner Familie bekannt, eines TageS bei ihm erschien mit der Bitte, sie doch, da sie arbeitslos sei, so lange bei sich aufzunehmen, bis sie wieder Arbeit habe. Der Angeklagte nahm das Mädchen dann auch drei Wochen bei sich auf. DaS Mädchen schlief im Zimmer der beiden Töchter, und da cs den Aufenthalt nicht genü- gend bezahlen konnte, half es gelegentlich bei der Hausarbeit mit, obwohl der Angeklagte, wie das Mädchen bestätigt, es ihr ausdrücklich ver boten hatte. Der Angeklagte erklärte, er habe nicht ge- mußt, daß das Mädchen trotz des Verbotes ar- beite, denn er sei meistens außer Hause. Seine Tochter gab zu, daß das Mädchen gelegentlich; W geholfen habe. Das Gericht erkannte gegen den Krieg des Jahres 1877 gemeinsam mit Osman Angeklagten auf eine Geldstrafe von 50 Mark.." AIS wesentlich strafmildernd, so wurde in der digt hatte. Urteilsbegründung auSgeführt, komme in Be- tracht,-aß der Angeklagte daS Mädchen tat- sächlich aus Mildtätigkeit ausgenommen habe, damit es, da eS völlig alleinstand, nicht auf der Straße liege. Andererseits sei cs mit dem ein fachen Verbieten mich nicht getan. Der Ange- klagte hätte wirklich dafür sorgen müssen, daß daS Mädchen in seinem Haushalte keinerlei Ar- beit leiste." Vom Rundfunk SaiufaMaMwariM aas«tau Proirai SamSiag: Prag 10.05: Deutsche Presse, 10.15 Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Schallplattenkonzert, 11.05: Jazzorchester, 12.10: Schallplatten, 12.85: Mujstks Salonquartett, 15.80: Dvokak: Slowakische Tänze, 17.55: Deutsche Sendung: Seidl liest auS seinem Roman„Der Berg der Liebenden". 18.45: Deutsche Presse: Prag'M; 7.80: Populäres Konzert. 14.10 Deutsche Sendung: David Popper: Au» Prag» Musikgeschichte, 14.50: Deutsche PrEe, 18.15: Tschechische Lieder, 18.85: Balalaikakonzert, 22.15: Tanzmusik, 22.80: Bunte» Konzert.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Konzertstunde.— Kascha» 12.05: Schallplattenkonzert. 19.15: Populäre» Orchesterkonzert.— Mährisch- Ostrau: 18.00: Unterhaltungskonzert. Sonntag Prag I: 7.80 Konzert au» Karlsbad. Englisch-Kyr». 9.10 Mujsiks Salonquartett. Strafe für Menschenliebe Wir zitieren nach der„Frankfurter Zeitung" vom 17. Sctember 1986: i„r. dclte gegen eine» 60jährigen Juden. wegm Vergehens gegen daö Gesetz öum Sck».tz° W°''-d°r-um Glück«ur lAcht-V-Aehnngen er. Anstalten deutsch e Klassen Schüler tschechische Anstalten Klassen Schüler Gymnasien 1984/85 10 98 8.504 18 227 9.818 1985/88 10 106 3.588 18 282 9 700 Realgymnasien 1984/85 81. 866 .18.411 116 ; 1.481 54.524 1985/86 ' 82 877 18.827 . 187 ... 1.687 64:084 Höhere R.-Gym. 1984/85 8 89 1.524 ." 1985/86’ 8 42 1.561 ■; Resorm-Reälgym. 1984/85 14 181 4.409 88 447 16.892 1985/88 18 126 4.125 27 852 18.668 Realschulen' 1984/85 15 141. 5.082 . 84 890 15.007 1985/88 15 180 4.901 . 81 875 14,569 Insgesamt..> 1984/85- 78 775 27.880. 206 2.495 95,288 Insgesamt 1985/88. 78 790 28.029 218 2.646 101.971 Seite 6 SamStag, 17. Oktober 1930 Nr. 242 ten im Jahre 1930 weniger als 10 KL an allgemeiner Erwerbsteuer vorgeschrieben. Bei einem Einkommen von 18.000 KL beträgt die allgemeine Erwerbsteuer insgesamt KL 202.80.. An dem angeführten Jahr.gab es unter allen Er- werbsteuerpslichtigen 76 Prozent, die ein Einlommen von weniger als 16.000 XL versteuerten. Was zahlt der Konsumverein Töplitz- Schönau? 4 Promille von den eingezahlten Geschäftsanteilen! das sind 8320 XL, plus 000 Prozent Umlagen ergibt eine Gesamtsteuer, von 23.312 XL. Was würden 70 Kaufleute im Tep- litzer, Duxer und Brüxer Bezirk, di« an Stelle der 70 Verkaufsstellen des Konsumvereins gesetzt würden, an Steuer bezahlen? Der Teplitzer Konsumverein gibt seinen Mitgliedern 800.000 KL Rückvergütung. DaS ist also der Reinertrag, von dem man spricht. Auf einen Kaufmann entfielen daher unter Zugrundelegung dieses Grsamtreinertrages 11.400 KL. DaS würde eine Erwerbsteuer von KL 28.80 plus 600 Prozent Umlagen, insgesamt rund 200 KL ergeben. Bei 70 Kaufleuten also«ine Steuerlast von 14.000 KL. Der Konsnmverein zahlte 23.000 KL. Die Subventionen, die unsere Konsumvereine erhalten, werden wir gerne wegschenken. Sie bekommen nämlich keine. Dies« Erzählungen von Subventionen für die Konsumvereine, sind eine Täuschung. und Durchführung der internationalen Verträge und die Regelung der Arbeitszeit in den einzelnen Branchen sowie auf die unerläßliche Gesamtlösung der ganzen Frage.» Der Ministerpräsident gab der Delegation ausführliche Erläuterungen Wer. die Maßnahmen der Regierung und bekräftigte neuerlich, daß die Währungsregelung und die mit ihr zusammenhängenden Maßnahmen gerade zu einer Erhöhung der Arbeitsmöglichkeit und insbesondere zu einer Steigerung sowie zu einer richtigen Verteilung des nationalen Einkommens sichren sollen. Es ist allerdings notwendig, mit einem Uebergangszustand zu rechnen, in welchem eine unbegründete Verteuerung, insbesondere durch die demokratische Zusammenarbeit der Bevölkerung mit den Behörden, verhindert werden soll, was eben in der Errichtung von Kollegien zur Bekämpfung der Teuerung zuyr Ausdruck kommt, welche u. a. auch die Aufgabe der methodischen Feststellung der Preisgestaltung haben. Der Ministerpräsident versicherte der Delegation, daß die Regierung alles tun werde, um die zu lösenden. Fragen vom Gesichtspunkte des gesamtstaatlichen Nutzens und mit entsprechender Berücksichtigung der sozialen Bedürfnisse zu regeln. Fahrende Gasabwehrlaboratorien In der schwedischen Armee Das schwedische Kriegsministerinm, hat im der Armee GaSlaboratorien in Autos eingosührt, vic den Zweck haben sollen, der Truppe zu folgen und in der Lage sind, sofort chemische Schntz- mittcl herzustellen, die die Armee bei plötzlicher Anwendung einer neuen Gasart des Feindes gebrauchen kaum',' Wahrheit gegen Demagogie Zurlickgewlescne SdP-Ausfälle gegen die Verbraucher-Organisationen Heber'die Ausfälle der SdP-LandeSvertreter gegen die Konsumgenossenschaften haben wir bereits kurz berichtet. Wohl wissend, daß sachliche Argumente gegen die Konsumvereine nicht borgc- bracht werden können, verlegten sich die Redner auf unrichtige Behauptungen, von der Art jener, daß die"Genossenschaften staatliche Subventionen' erhalten». ä. Genosse Lorenz antworteten. Vom Gesamtumsatz in der Republik erfassen die Konsumaenossenschaftcn nicht einmal vier ganze Prozent. Die Krise ist also nicht(wie gesagt iourde) durch die Genossenschaften hervorgerufen tvorden. In Ländern, wo die Genossenschaftsbewegung viel stärker ist als bei uns, in England und in Skandinavien, ist die Krise weit, schwächer, und seit Jahren-im Rückgang begriffen! oder so gut wie beseitigt. Der Landesvertretcr Westen hatte vom Tep- litzer Konsumverein gesprochen. Bon dem Umsatz dieses KoiisuinvereinS könnten— wenn man eine Kapitalsverzinsung von 6 Prozent und ein Jahreseinkommen von 10.000 XL annimmt— zweieinhalb Kaufmannsexistenzen sich erhalten. Aber man muß bedenken, daß dann drci'Konsum- vereinsbeschästigtc arbeitslos tvcrden würden. Man spricht von der Uebersührung der Bezieher aus Konsumvereinen an Gctverbetrcibende, man denkt aber nicht an die Arbeiter, die dabei ihre Existenz verlieren würden! Man wirft den Genossenschaften vor, daß sie Steuerbegünstigungen genießen. Man überprüfe dies rechnerisch. Die Genossenschaften zahlen ja auch Steuer», die der Privatkaufmann nicht zu entrichten braucht. Was zahlte der Konsumverein Teplitz- sehes über.die allgemeine Ertverbsteuer ein Kaufmann bei einem Einkomnien von 7000 XL? XL 8.80. Ertverbsteuer, dazu 000 Prozent Zuschläge(XL 82.—), zusammen also XL 00.80. 30 Prozent aller Erwerbsteuerpflichtigen erhiel- Der spiehbWekliche Völkerbund... Schön wieder hat die für-die Ausschmückung des neuen. Völkerbunds-Palais' Verantwortliche Upterkom- inissioN an einem- Bilde Anstoß genommen? Der Konflikt betrifft diesmal Belgien, bas ciit‘ schö- nts Gemälde aus Btlgisch-Köüg'o- gestiftet.Hai, ans dem aber leider- einc vollkommen'nackte Ne- gerin zü sihen ist. Die Unterkömmissivn fand das' immoralisch und schlug vor,' die Annahnic des Bildes äbzülehnen.. Die. belgische Regierung hat sich sehr energisch-und ebenso sarkastisch, über diesen Beschluss der Unterkamipission beschwert. Wenn.es nach.den Genfer Herren ginge, so erklären die Belgier,.dann müßte man ja ans min- -destcnS der Hälfte aller Gemälde, die in Museen hängen, Feigenblätter anbringen. Zeitungen für Blinde.'Es dürft« in der Oefsent- Uchkeit wenig bekannr' sein, daß es eine ganz stattliche Anzahl von Zeitschriften für Blinde gibt, die sänitlichc in Brailleschrift erscheinen. Der Versuch einer Tageszeitung, der im Jahre 1900 von der englischen Zeitung„Daily Mail" gemacht wurde, mußte als»nauSsührbar nach Ivenigcn Wochen aufgegeben werden. Wöchentlich erschien vor längerer Zeit eine Zeitschrift in SVien, heute gibt es nur noch eine in Deutschland. Alle anderen sind Monatszeitschriften. Deren erscheinen in den vereinigten Staaten von Nordamerika 4t, in Japan 40, in China nur 8, in Deutschland 80, in England 88. Die übrige» Länder folgen in größeren Abständen. Alle» in allein gibt es Blindcnzeitschriften in 20 verschiedenen Landessprachen, in englischer Sprache 80, deutsche 42, französische 2V. Außerdem erscheinen noch Zcitjchristen in Esperanto. Speziellen fachliche» Jntercfsen dienen zehn Zeitschriften für Musiker, 2 für Klavierstimmer, 2 für Handwerker, ein« für Masseure, 8 für weibliche Blinde mit Beilagen für Bandarbeiten und Kochrezepten, 8 für Kriegsblinde, 4 für Taubblinde und sogar eine für Pfadfinder, woraus zu ersehen ist, daß Blinde auch gerne wandern. Bei uns hier im Lande kann man sich gerade hievon rechr eindrucksvoll überzeugen, wenn man einmal an Lehrausfliigen und Schulspaziergäugen dec deutschen Blindenschule in Aussig teilniimnf. AIS ob fic sehen könnten, ko stramm, froh und frisch wandern und klettern da die Kinder. Wenn man ferner weiß, daß das Schausviel unter Blinden gern gepflegt wird, wird man ftch über das Erscheinen von zwei Schachzcitnngen nicht wundern. Endlich gibt es auch zwei spezielle Witzblätter. Eine illustrierte Zeitschrift, deren ausgezeichnete Rcliesdarstcllungen für die Leser besonders instruktiv waren, ist mit dem Tode ihres Herausgebers eingcgangen.. Derartige Reliefdarstellun- cn gehören zu den BildnngSmitteln, durch welche den Blinden Kulturgüter überniitielt werden könne». Münnerstadt Sofia. Die bulgarische Hauptstadt zeichnet, sich durch einen ganz erheblichen Ueberschuß an heiratsfähigen jungen Männern im Vergleich zu ehcfähigen Mädchen auS: man hat in Sofia-81.288 unverheiratete Männer bis zu 80 Jahren gezählt, aber nur 19.048 junge Mädchen, die als Gattinnen in Betracht komme». Infolgedessen sind die heiratslustigen Männer gezwungen, ihre Bräute von auswärts zu holen, und viele von ihnen tun die», indem sie nach— Belgrad fahren und sich jugoslawische Ehepartnerinnen auSsnchen, den» Belgrad hat im Gegensatz zu Sofia einen Mädchenübcrschuß. Aul diese Weise macht die Annäherung der beiden slawischen Nationen fest täglich erhebliche Fortschritt«. Die englische Leffentlichkeit und Palästina. Dec „Daily Expreß" hat unter seinen Lesern eine Umfrage veranstaltet, um die Stimmung der öffentlichen Meinung zur brennenden Palästina-Frage fcst- zuftelleu. Insgesamt sind 42.626 Antworten eingc- gangen, von denen 20.412 sich für eine energische Wahrung der jüdischen- Interesse» in Palästina aussprechen. 10.106 erklären dagegen die Forderungen der Araber für berechtigt. 16.009 vertreten die Meinung, daß England sich, überhaupt ans dem Konflikt hcrauSziehen und das Mandat über Palästina abgeben sollfe. Gewerkschaftsvertreter beim Ministerpräsidenten . Alp Freitag empfing Ministerpräsident Dok- top HodZa die Vertreter.'der gemeinsamen Zentrale der tschechoslowakischen GewerkschaftSvereini- gung und der tschechoslolvakischen Arbeitergemeinde unter Führung der Abgeordneten Tayerle und Jensovskh. Der Sprecher der Delegation trugen dem Ministerpräsidenten die Vorschläge der Gewerk» schastSorganisationen in dcrAktion der Teuerungsbekämpfung vor. In Anerkennung des Bestrebens der Regierung, die Teuerung zu bekämpfen, forderten sie, daß die von der Regierung vorbereiteten Maßnahmen konsequent durchgeführt werden, wobei sie auf das niedrige Lohnniveau hiulviesc», das eine Erhöhung der Preise nicht verträgt. Sie beriefen sich auch auf die Maßnahmen, die unsere Ausfuhr frei- machen und den Jnlandsverbrauch erhöhen würden, damit dadurch die Arbeitslosigkeit gemildert lverde. Die Gewerkschaftszentralcn forderten, daß auch der Schutz der Kollekttvver- träge respektiert und die Frage der A r b c i t S- loscnfiirsorgc, insbesondere in bezug auf Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten gelöst werde. AuS diesem Grunde vcrlvieS auch die Deputation auf die notwendige Unterzeichnung Vie Eintreibung der Verpflegs- kosten In den öffentlichen Krankenhäusern und den Landesheilanstalten Obwohl es in unzähligen Fällen zu Differenzen bei der Beantwortung der Frage kam, tvelche Personen zur Zahlung der DerpflegSkosten in den allgemeinen öffentlichen Krankenhäusern und den Landesheilanstalten verpflichtet sind, ist es bisher nicht zur"Aufstellung klarer und allgemeiner Richtlinien für die Behandlung diefer Frage gekommen. In einer Sitzung der Landes- finanzkommission wurde beschlossen,, den Landesausschuß zur Herausgabe von Richtlinien aufzufordern, die dann der Landesvertretung vorgelegt werden sollten. Verwirklicht wurde dieser Beschluß jedoch nicht. Genosse Grund brachte nun neuerlich im Plenum der Landesvertretung den Antrag ein, welcher dem LandesauSschuß auferlegt, diese Richtlinien mitzuteilen. In der Begründung führte er an, daß weder über den Kreis der gesetzlich Verpflichteten, noch über den Kreis der wirtschaftlich fähigen Personen Klarheit herrscht,, insbesondere nicht bei'den Krankenhausverwaltungen, die ja. zur Eintreibung der Ver- pflegskosten berufen ist. Es ergehen Zahlungsaufträge auch an Personen, die nach dem Gesetz zur Zahlung nicht verhalten, werden-können, wie zum Beispiel' Eltern von großjährigen Kindern,' die ohne deren Wissen in die Anstalten ausgenommen wurden, oder wirtschaftlich so schtvache Personen., wie arbeitslose Häusler usw., deren Existenz durch die Eintreibung der Beträge direkt bedroht, Ist. In Bezug auf'di« sanitären und.Humanitären Einrichtungen- des Landes konnte Genosse. Grund feststellen, daß' sie trotz der Krise ihr Niveau nicht nur gehalten habenö sondern darüber hinaus ziemlich bedeutend anSgcbaut würden. Die Landesanstalt für Geisteskranke-in Deutsch-Brod, die' Anstalten.' in Zwickau und' Kostelec haben in dieser Zeit- eine Vergrößerung erfahren und. ebenso ist da? ArankenhauSwesen durch erhebliche Mehrleistungen des Landes, ausgebaut-und verbessert tvorden, Im kommepden. Jahr.sollen die Anstqlten für Geisteskranke.',jn' Prag tuid KoSmanos.erweitert werden und miß dem Ausbau der Anstalt in Kostelec' zu. einer großen Heilanstalt für Tuberkulose begönnen werden. Man kann also große-und'unzweifelhafte Fortschritte feststellen., Man muß. auch mit Daul quittieren, daß in der inneren Verwaltung tnan- cher Anstqlten erfreuliche Besserungen eingetreten sind, so nicht zuletzt durch die Beseitigung deS Mangels jeglichen deutschsprachigen Unterricht- in derOpokaner Anstalt. - Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Baubelebung steigert Zementabsatz. In den ersten neun Monaten 1080 war der Zimentabsatz mit 824.420 Tonnen um 80.880 Wonnen oder um nahezu 11 Prozent höher als in der gleichen Vorjahrszeit. Gn. neue- Kartell. Die tschechoslowakischen Kattundruckereien haben ein Kontingentabkommen vereinbart. Dem Abkommen sind nahezu alle Un- nernehmer der Kattundruckindustrie beigetreten. 19 Millionen Strahenbahnfahrgäste im Monat. Die Prager Straßenbahnen'verzeichnen ein weiteres Ansteigen der Fahrgäste. In den ersten acht Monaten sind insgesamt 160 Millionen Personen befördert worden, dazu kommen noch mehr als 16 Millionen Fahrgäste auf den Autobuslinien. Straßenbahnen und Autobusse werden deninach im Monatsdurchschnitt von 20 Millionen Personen benutzt. DaS Anwachsen deS Gewerbestandes. Nach den Ermittlungen sind im ersten Halbjahr 1980 in zehn Kammerbezirken insgesamt 0440 selbständige Geioerbe neu hinzugekommen. Es macht sich jedoch im- Vergleich zum ersten Vierteljahr im zweiten Vierteljahr ein bedeutender Rückgang des Zuwachses geltend, denn im ersten Vierteljahr wurden 4172 Gewerbe neu angemeldet, im zweiten. Vierteljahr dagegen nur 2288. Starker Rückgang der Arbeitslosigkeit. In der Lederindustrie waren im Jahre 1988 06 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Lederarbeiter arbeitslos. 1934 waren es 60 Prozent und 1986 40 Prozent. In den Herbstmonaten des Jahres 1930 ist die Arbeitslosigkeit Unter den gewerkschaftlich Organisierten bis auf 10 Prozent zurückgegangen. Neue Margarinefabrik der Agrarier. Der mährische Verband für Vieh- und Fleischhandel G. m. b. H., ein Unternehmen der Agrarier, plant die Errichtung einer großen Margarinefabrik in Mähr.-Ostrau. Bekanntlich haben infolge der Margarinekontingentierung die Mehrzahl der Fabriken ihren Betrieb stark einschränken müssen, einige sogar vorübergehend einstellen müssen. Gute Konjunktur in der Zelluloseindustrie. Infolge großer Exportaufträge sind die slowaki- schest Zellulosefabriken voll beschäftigt.. Die Ausfuhr erfolgt,zu erhöhten Preisen.. m ,.. Die Bettlerin von Lyon (i) Alle kennen vermutlich die klassische Gestalt deS Bettlers, der Millionär ist. Und allen dürfte die Geschichte zum Halse herauShängen... Drei- oder viermal jährlich berichten die Zeitungen regelmäßig etwas Achnliches.- Bald geht es um einen Bettler, der in Mailand vor dem Dom stand, bald um eine Bettlerin aus Melbourne, die nach dem Tode sich als steinrich entpuppt(wenn das Wort hier noch angebracht ist). Die Ansicht, daß die*Phantasie des Lebens unerschöpflich ist, gelaugt beim Lesen derartiger Bericht« heftig ins Schwanken... Der Fall-der Madame Josephine Cros, einer alten Frau, die dieser Tage in Lyon verstarb, ist weit origineller: Ein Nachahmer(oder Schüler) von Maupassant könnte da aus den zehn Zeilen der Provinzchronik eine sehr schöne Kurzgeschichte machen. Madame CroS existierte nur an Vormittagen. Tagtäglich verließ' eine ältere Frau ein gut bürgerliches Haus am Ouai. Sic trug einen altmodischen Hut'mit Bändern,'und hatte in den Händen einen Regenschirm' und eine Sammethandtasche. Die Portiersfrau lächelte frdünd» lich:„Bonjour, Madame CroS."—„Bonjour, Madame Martin....Je vais voir mes pauvres," (Ich gehe meine Armen besuchen.) In der Tat: alle im Hause wußten, daß die alte Dame jeden Morgen einen Rundgang machte, bei dem sie die Lyoner armen Leut« besuchte, Dein gab sie einen Sou,-einem anderen— zehn Sou und einigen sogar einen ganzen Franc. Tagtäglich verteilte sie.so an die zehn'bis fünfzehn Franc ryid beklagte sich darüber, daß sie nicht mehr auS- geben könne. Abends pflegte Madame CroS, unsichtbar zu bleiben. Jedenfalls hat sie de- Abends niemand wissentlich gesehen. Aber Abend für Abend erschien an der Kreuzung zweier belebter Straßen eine halbblinde Bettlerin mit einem großen Kümmeltuch um die Wangen.'. Die Passanten kannten sie schon lange— manche grüßten die Alte sogar. Und selten ging jemand vorbei, ohne ihr etwas zu geben..■, Der Leser hat sicherlich schon erraten,'.daß die Bettlerin niemand anders Ivar, al-Maddime Cros. Erst nach ihrem Tode wurde das allgemein bekannt. An Vormittagen pflegte- sie" fast alles-zu verteilen, was sie an den Abendenelp- gesqmmelt hatte.' Leider.gelingt, es immernoch nicht festzustellen, wie es ihr möglich war,, ihre Komödie mit -der Verkleidung zu spielen und dennoch das Geheimnis zu wahren. Hatte ft«j vielleicht-Mithelfer? Und die PortierSfrau müßte doch auch alles gewußt,-haben? Die Phantasie, des. Lebens, scheint doch unerschöpflich zu sein..,~'■" Nr. 242 SamStag, 17. Oktober 103« Seite 7 Wekit, die Tage kttfi und cauk wecden Die Panzertruppen des deutschen Heeres .-Die soeben abgeschlossenen Herbstmanöver bes deutschen Reichsheercs erlaube», sich ein Bild J>ön der Gliederung und Dislozierung der Lcut- 'schen Ianzectruppcn zu machen, sowie ferner ihre .Komsnandoverhältnisse festzustellen. »• Äi- Panzectruppen sind als geschlossene Ein» ,-heit,. zusammengefaßt und unterstehen sämtlich dem HeereSgruppeu-Kommando 2 in.Hassel. Kommandierender General der Panzertruppen und Inspektor der Kraftsahr-Kampftruppen' ist General der Panzertruppen Oswald Luhe, Sitz seiner Kommandostelle ist das Reichskriegs« Ministerium in Berlin, wo quch der Generalstäb der Panzertruppdn amtiert,.bestehend aus dem Stabschef Oberstleutnant Nch- ^ing, Oberst Kempf, den Oberstleutnants Frmjjch und Breith sowie den Majoren von Schell, Nedt- lvig und Ritter von Hausenschild. Zum Generalstab der Panzertruppen gehören ferner noch ein 'höherer Artillerieoffizier,. ein höherer Pionier- psfizier und ein höherer Nachrichtenoffiizer. ES sind b i S h e r 4 Panzerdivi- ,f i'o neu vorhanden, von denen die vierte noch sn Bildung begriffen ist. Gliederung einer Panzerdivision { Die Panzerdivisionen sind auö je zwei Panzerregimentern zusammengesetzt, die eine Panzer- Brigade bilden. Ferner verfüge» sie über je eine Schützenbrigade, deren Stämme aus früheren Kavallerie-Regimentern gebildet Iverden, die teils auf Kraftwagen,, teils aus Motorräder«) motorisiert sind. Zu jeder Division gehört ein vollmoto- .risierteS Artillerie-Regiment und eine ebenfalls ^vollmotorisierte Pionier-Abteilung, die mit besonderem für den speziellen Bedarf der Tanks erforderlichen Material ausgerüstet sind. Die bereits ' oben einzeln aufgeführten AufllärungS- usw. Abteilungen unterstehen dem Kommandeur der Schützenbrigade. Ein Panzer-Regiment hat etwa, 280 schwere Tanks, so daß die Division auf eine Zahl von 800 GroßlampftankS gerechnet werden kann. Die Panzerabwehr-Abteilung c n, deren es außer den erwähnten noch bei jeder Jusantcrie-Division je eine gibt, ebenso bei jedem Korps, sind teils auf geländegängigen Pan- . zerkrastwagen— ZweimanntankS—, teils auf lsichten Tanks motorisiert, deren Geschwindigkeit der,der großen Tanks überlegen ist. Sie lind mit - den«.überschweren Maschinengewehr, dem soge- -nannten„Tu? 2" ausgerüstet, das Panzerkopf- Projektile verschießt, die allerdings die Panzerung .großer Tanks nicht durchschlagen können, deren Feuer auf BeobachtungS- und Richtvorrichtungen aber Erfolg verspricht. Zum Durchbrechen der Panzerung feindlicher Tanks dienen die auf klei«' neu Panzerwagen montierten„Paks", die Pän- . zer-Abwehrkanonen. Die mit ihnen ausgerüsteten Magen werden als„Panzerjäger" bezeichnet. Di« Panzer-Abwehrabteilungen find außerdem, mit Landminen, Streu- und Reglerminen, letztere nach' dem Muster von Höllenmaschjnen mit Zeitzündern versehene ausgestattet, die im Geläiwe ausgclegt werden. Auch führen sie Material zur schnellen Anlage von Sperren mit sich, in erster Linie Eisenbahnschienen und Stachelbahnschienen und Stacheldraht. Die Schienen werden bei genügender Zeit mit dem Dampfhammer in den Boden gerammt, einbetoniert und in ungefähr Meterhöhe mit Stacheldraht umwickelt. Gegen bereits anrollende feindliche Tanks legt man als Hinderniffe Drahtrollen aus, deren lose abgewickelte Länge sich im Triebwerk des Tanks verwickelt und ihn zum Stillstand bringt. Die Schützenregimenter, je zwei zu einer Schützenbrigade zusammengesaht, gehören zu den sogenannten Kraftfahr-Kampftruppen. Sie sind auf geländegängigen Kraftwagen beweglich gemacht worden, ihre Verwendung ist die der 3800 Verhaftungen In Wien Wien.(Jntropreß.) Die im Hinblick aus die sonntägige Kundgebung der Vaterländischen Front erwartete Polizeiaktion gegen die Linlspgp» leien hat iit der Nachts auf Mittwoch im größte» Umfange eingesetzt.. Bis Freitag früh wurden 8800 Personen verhaftet. In Hunderten Wohnungen bekannter Sozialisten und Kommunisten erschiene» zumeist in der Nacht Kriminalbeamte und verhafteten, ohne;incn Grund an geb en zu können, vom Bett weg alle Erwachsenen, die sie antrafen. Die Massenverhaftungen wurde»„in den Tagesstunden in den Betrieben und ArbcitS- losenstellen fortgesetzt. Um der Verhaftung zu entgehen, schlafen seit Mittwoch zahlreiche Personen, die aus politische» Gründen periodisch von der Polizei in Verwahrungshaft genommen werden, nicht in ihren Wohnungen. Schon jetzt find die einzelnen Polizeikommissariate und das große Sammelgefänguis auf der Roffauerlände überfüllt. Im 7., 9., 13. und 16. Bezirk hat die Polizei Not-Arreste für Oppositionelle freigcmacht. Donnerstag nachts wurden in das Polizeigesan- genenhaus auf dem Alsergrund 459 Verhaftete, unter ihnen 146 Frauen und 32 Kinder, einge- früheren Kavallerie, ihr Aktionsradius aber sehr viel größer. Die Kraftrad-Sch ützenbatail» l o n c, je eines bei jeder Panzerdivision, hat geländegängige Motorräder mit Beiwagen. Jedes Rad führt ein leichtes Maschinengewehr, jedes zehnte ein schweres Maschinengewehr. Die Artillerieregimenter der Panzerdivision— je eins auf ein« Division— entsprechen dem Typ der leichten Divisions-Artillerie mit dem Unterschied, daß sie durchwegs auf Panzerkraftwagen motorisiert sind. Sie verfügen über die verbesserte Feldkanone 1916, Kaliber 7.7 Zentimeter, Reichweite 12.660 Meter. Die Munition besteht hauptsächlich aus Panzerspreng- Granaten mit Verzögerungszünder, die derart vervollkommt sind, daß Panzer von durchschnittlicher Stärke glatt durchschlagen iverden'und die eigentlichen Sprengwirkung erst im Innern des angegriffenen Tanks zur Wirkung kommt. (M. C. S.) liefert. Alle 480 Personen wohnen in dem Häuserviertel auf der Schmelz, wo die Veranstaltungen der Vaterländischen Front abgehalten werden. Im Polizeitommissariat Hernals sind die politischen Häftling« Donnerstag abends in den Hungerstreik getreten. Die Regierung rechnet damir, daß die Arbeiterschaft auf die Maffenverhaftungen mit Arboitsunterbrechungcn in den Betrieben reagieren wird. Protest gegen MoSkan. Die Parteivertretung der belgischen Arbeiterpartei hat in ihrer Sitzung vom 14. Oktober einstimmig eine Entschließung angenommen, in der sie energisch gegen die Justizverfehlunge» protestiert, die in Moskau begangen wurden und sich zu wiederholen drohen. Die belgische Sozialdemokratie fordert für die Angeklagten das Recht', sich nach den in allen demokratischen Ländern anerkannten Regeln verteidigen zu können. Dieser Protest wird der russischen Regierung übermittelt werden. Zur Rettung Edgar AndreeS, des zum Tod« verurteilten Hamburger Kommunistenführers, ist in England eine Bewegung im Gange. Andrees Frau war in Begleitung der britischen Jbg. Ellen Willinson auf dem Labour-Kongreh in Edinburgh und vorher hatte auch AndreeS Bruder, ein belgischer Staatsbürger, in England um Hilfe geworben. Nun haben zwanzig arbeiterparteiliche Abgeordnete und Oberhausmitglieder ein Tele- gramnr an Hitler geschickt, das Aushebung dcS Todesurteils und auf Grund der seither bekannt- gctvordenen Tatsachen Wiederaufnahme des Verfahrens unter moderne» Rechtsgarantie» fordert.(bn) Gegen die Barbaristerung Deutschlands. In London tagte dieser Tage eine i n t e r n a t i o- n al e A d v o k a t e n k o n f e r e nz. Dort wurde eine Resolution beschlossen, die sich gegen die im Dritten Reich angcwendeten Methoden der Jurisdiktion, der Gerichtstätigkeit und des Polizeistrafrechts wendet. Diese Methoden, so heißt es in der Entschließung, fordern nicht nur die Verurteilung durch die Juristen, sondern durch die ge- samte Weltmeinung. Die Türken gegen Franco. Die türkische Zeitung„Le TempS de Stamboul", die in französischer Sprache erscheint, erklärt in einem Artikel, daß die Türkei den Sieg der spanischen Re- gierungStruppen wünsche. Die Aufständische» seien mit den Armeen der türkischen Kalifen vergleichbar, die 1910 von den ausländischen Jntcwcntio- nisten gegen Anatolien eingesetzt wurden. Die Ziele und Mittel(Abtretung des eigenen Bodens) seien die gleichen. Als Söhne eines Landes, daS den gleiche» Kampf durchgefochten habe, könne man nicht auf feiten der Generale stehen, die ihr Vaterland an Fremde verschacherten. Ein Tagblatt MakekS. Vom 29. Oktober ab beginnt Tr. Makel in Agram ein Tagblatt auszugeben, betitelt„Seljakki Dom", eine Parteizeitschrift der kroatischen Bauernpartei. DaS Blatt wird eine Fortsetzung des im Jahre 1929 eingestellten ehemaligen Parteiorgans„Dom" sein. Di« niedrige Abonnementsgebühr, drei Dinare monatlich, soll grüßte Verbreitung ermöglichen. In Agram wird gleichfalls am 29. Oktober die erste Nummer deS Blattes„Nova Rijel" erscheinen, welches eine Fortsetzung des ehemaligen Priblievli-Organs „Rijeli" sein wird. Vekeslav Bilder wird Redakteur dieses Blattes sein. Neber den Besuch von Thorez in Warschau berichten die Warschauer Blätter nachträglich, daß er de» polnischen Kommunisten neue Richtlinien überbracht habe. Diese hätten darin bestanden, stärker als bisher FühlungzudenBauernzu nehmen und dem polnischen Kommunismus«ine'stärkere nationale Note zu geben, den Ausbau der Volksfront zu betreiben und mehr als bisher Anhänger in der akademischen Jugend sowie in der Arniee zu werben. Warschau.(AP.) Rach Meldungen auS Kiew wurde dort der Leiter eines wiffenschaftlichen Instituts, namens Merkin, der literarisch unter dem Namen Eryk hervortrat, wegen trotzkistischer Oppositionstätigkeit verhaftet und erschoßen. BSS9SBSSS9BBS9SS9KBS9 Gesunde Zähne- blendend weiß! KALODONT GEGEN ZAHNSTEIN Der Herrscher der Sierra Nevada ' MTP Madrid, Anfang Oktober. Durch Flüchtsing« aus Malaga erfuhr Madrid in diesen Tagen die Verhaftung und'den Tod deS Tenor Pedro Rackon y Hernandez. Er wurde von den Karabinieri in seinem Versteck am. Abhang deS Äeleta, eines fast unzugänglichen VevgfelseNS der 'Tierra'Nevada, äufgeftöbert und— angeblich (wögen versuchten Widerstandes— auf der Stelle ''iliedergeschossen.• Ein Todesfall unter tausend anderen. Spanien^ von den Schrecken des Bürgerkrieges zer- rüt'tet und zerfetzt, hat nicht viel Zeit, sich mit ihm zu beschäftigen. Und doch verdient er es. Mit Hernandez hat man nicht nur das letzte Stück alterspanischer Brigantenromantik auSgelöscht, sonderst auch eine der abenteuerlichsten Karrieren UnsererEpoche: '„Er tötete, wie andere atmen", sagt man in Andalusien von' ihm. Während des Weltkrieges ljeß er sich zuerst von dem in Madrid sitzenden deutschen Spionagechef von. Kroner, dann vom zsvtzite» Büro des französischen Generalstabs anwerben, um die gegnerischen Agenten zu beoüach« 'ten und„lahinzulegen", wobei«S ou f eisten unvorhergesehenen Todesfall begreiflicherweise nicht ankam. Schließlich sickerte aber einiges durch, die- Wnische Kriminalpolizei mischte sich ein,' und HernNndez. der an näherer Berührung n)it dieser SiasttSeinrichtung nicht interessiert- war, verschwand nach Argentinien, Sein Name erlangte unter den Straßenräubern des Linnern und unter den Mädchenhändlcrn von Buenos Aires und Rosario schnell' Berühmt heit. Er schloß die letzteren zu 1 einer gewerkschaftsartigen Organisation zusammen, an die sämtliche Inhaber öffentlicher Häuser, Stundenhotels usw. feste Beiträge zahlen mußten. Dafür Übernahm, die Organisation ihren Schuh vor der Polizei und brachte nötigenfalls auch, vermittels Bestechungsgeldern, Prozesse„in Ordnung". Aber auch dies ging nur eine gewisse Zeit; dann-Wangen Verrat verhafteter Komplice» und Austnerk- samkeit der argentinischen Polizei den einfallsreichen Organisator des Verbrechens, erneut den Schauplatz seiner Tätigkeit zu wechseln. Er ging wieder nach Spanien zurück und begann hier ein seltsames, einzig dastehendes Doppelleben zu'führen.'Zunächst schuf er in Sevilla eine ähnliche Organisation wie vorher in Buenos Aires, und die spanische Polizei wunderte sich sehr darüber, daß«8 in dieser nicht zu Unrecht als lasterhaft verschrienen Stadt plötzlich— von einem Tage zum andern— keine Straßenprostitution mehr gab. Zu gleicher Zeit trat er jedoch in. der Arena von Sevilla unter dem Namen Jost öffentlich als„Espada"(Stierfechter) auf, begleitet von einer„Euadrilla" von vier der besten BanderilloS' Andalusiens, und erfocht Sieg um Sieg. Dieser Ruhm, den die Zeitung bis Wer deit Ozean verbrestete, würde ihm zum Verhängnis. Seine argentinischen Rivalen von einst kamen ihm auf die Spur, und eine Nein« Anzahl von ihnen fuhr kurzerhand nach Sevilla,.um mit ihm „abzütechüen"'. Der erste von ihnen, der in einem Kaffeehaus zu laut von seiner Absicht ge» sprachen hatte, Hernandez an die Polizei zu ver«' raten, wurde drei Tage später beerdigt, Ein zweiter,' der. mit einem Revolver ist'der Tasche vor der Tür feistes Hauses prominierte, starb an' einem Dolchstich, Bom Ftber bis Mai 1933 dauerte diese„Säuberungsaktion"; dann waren nur noch drei Argentinier Wrig, die eines Tages in ihrem Auto vor dem Alkazar, mitten in der belebtesten Gegend Sevillas, von mehreren Pisto- leNschützen, die sie in einem anderen Auto überholten, zusammengeschosien wurden. Die Täter 'verschwanden, wurden jedoch an der Plaza Alfaro. eingeholt, verhaftet, eingesperrt und angeklagt. Plötzlich erklärten aber sämtliche Zeugen, ,,nichts gesehen" zu haben, bis auf einen einzigen, einen' Banderilla, namens Guillano, dessen bestimmte Aussagen die Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Mordanklage' nötigten. Die Ber« tuschung der Affäre kostete Herstandez nicht weniger als'46.666 Peseten, einen. Betrag, der den damaligen Durchschnittsbestechstngspreis. der „nationalen" spanischen Justiz erheblich Wer« stieg..• ■ Hernandez schlug sofort zurück. Sein zweites Ich- der berühmte Espada Jost, schlug dem Ban- dretllo Guillano vor, in seine Euadrilla einzutreten. Der junge Stierkämpfer, durch den Antrag des großen Meisters, dessen Identität, mit dem Banditen Hernandez er nicht kannte, geehrt, willigte, freudig ein.. Bier Tage spater, im Sep- tentber 1983, wurde, er bei einer Corrida in der. Arena pim Sevilla von eihem wildgewordenen Stier gepackt, mit den Hörnern in die Lust ge-' wirbelt und dann'zu einem.Unkenntlichen Brei zusammengetreten, bevor eS— scheinbar— seinem^ Espada Jost möglich war, ihm beizuspringen, Der Vorfall war so ungewohnt und erschien so rätselhaft, daß sich die Behörde entschloß, eine Untersuchung einzuleiten. Dabei ergaben sich außer der Feststellung, daß der Etter mit einer starken Dosis Koffein„gedoppt" worden war, noch andere Merkwürdigkeiten, die sich rasch zu Grundlagen einer soliden Mordanklage verdichteten. Der Espada„Jost" erhielt eine Vorladung zur Staatsanwaltschaft'; er ging aber'nicht hin, sondern verschwand spurlos von der Bildfläche. Zwei Tage später'begann der andalusische.Aufstand, und die Affäre der Corrida von Sevilla war schnell vergessen. Der Espada Jost war wieder der Bandit Don Pedro Ramon Y Hernandez gewörden. Er zog sich in die unzugänglichen Schluchten der Sierra Nevada zurück, baute sich am.Beleta«in sestungsartigeS Wohnhaus mit palastartiger Einrichtung, snmmelte eine Bande von über hundert Desperados und. hielt ganz Andalusien in Schrecken. Die Regierung setzte 16,660 Peseten Belohnung auf.seine Ergreifung aus. Wer es gelang niemandem, ihn festzunehmen. Im vergangenen Feber wurde er beim Besuch eines WintersportplaheS der Sierra Gugda- marra von einem Polizeibeamten erkannt und von schnell herbeigerufener Verstärkung umzingelt, entkam jedoch— in der Uniform eines, hon ihm niedergeschlagene» Karabinieri-.. Dafür wurde der gerade am'Ort wellönde Gostvernuür von Madrid, Don Eduardo Benzo, der ihm ähnlich sah wie«In Aw.illijlgSbruder dem änderen» pön den'Gendarmen trotz wütender Proteste festgenommen, eingesperrt und erst-nach drei Tage» .unter vielen Entschuldigungen wieder freigelassen. Jetzt b»t mgn ihn endlich unschädlich, ae- macht. Aber die Prämie von 10.600 Peseten/die vor elf Jähren der inzwischen gestürzte und verstorbene Diktator Primo de Rivera im Namen deS Königs Alfons Xlll. auf feine Ergreifung aüs- sehte, ist.trotzdem nicht ausgezahlt worden. Die Karabinieri sind heute„traS los monteS" beinahe ebenso uWeliebt wie die Banditen. Seite 8 „Sozialdemokrat". SamStna. 17. Oktober lüg«. Rr. 842 4 Nmst und MsE. •1 IUrt«träkentieren die von Basfka, Doktor Böhuö Rieger und'Felix Brunner jede für sich ein ' ansehnlicher Veniiögcn. Dar gilt in noch höherem Maße von der Sammlung alter Mauritius- und Rapmarken Prof. Gilberts. Raritäten,• von denen die Briefmarkensammler sonst nur in Wunschbildern träume», sehen sie hier In. kostbaren Kollektionen beisammen und in den Glasscheiben spiegeln sich neidische Gelichter. HacNalstunis-IIrrtNinki, Fräsmaschinen, Radialbohrmaschinen, Bohrwerke, Shaplns- u. Hobelmaschinen Spushittar In modernster Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschlnenfabrlk Arno Plauert Warnsdorf,.80 Ubr zugunsten der Sektion der arbeitslosen'-Intelligenzler beim Verein'zu't Unterstützung der Arbeitslosen in.Prag' veranstaltet."Gäste will- koMnien'. Treffpunkt vor der Basilika. hericktsLaat Aus Leidenschaft • fürs Photographieren vor.das Schwurgericht Prag,'(rb..)''Der 80jährige'. Postangestelltr I a! r Äis'' Mordsühne nach sechzehn Jahren Raubmord an der Schweizer Grenze vor den Olmützer Geschworenen.— Zum zweitenmal verurteilt. Olmütz. Einen höchst ungewöhnlichen Sachverhalt entrollte der am Mittwoch vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelte Prozeß gegen den 4öjäh- rigen Karl M ü n st e r, dessen Urteil den Abschluß einer nicht alltäglichen Äbenteurerlaufbabn bedeutet. Die Anklage lautete auf das Berbrechen des Mordes— eines Mordes, der sechzehn Jahre zurückliegt und auf fremdem Staatsgebiet begangen wurde. Karl Münster war RcchnungSunteroffizier in der österreichischen Armee, diente nach dem Um- lturz bei seinem Olmützer Regiment weiter, bis.-.r es schließlich für besser befand, wegen verschiedener Unterschlagungen, die aufzuflicgen drohten, über die Grenze zu gehen. Zu Beginn des Jahres 1920 lebte er bei seinem Bruder Ferdinand, der Bahnwächter der österreichischen Bundesbahnen dicht an der Schweizer Grenze war- Am 10. Jänner 1920 wurde der Viehhändler JohannKriSmer unweit des Grenzdorfes P i a u S ermordet aufgefunden. Als Täter de», äußerst roh ausgeführten Raubmorde» lygsde Karl Münster ausgeforscht und vom Innsbrucker Schwurgericht im Juni 1020 zu achtzehn I a h r e n f ch w e« ren Kerkers venirteilt. Nach einmonatlicher Haft brach er aus, flüchtete, nach Frankreich und kämpfte als F r e m d e». l. e g i o n ä r im Rif gegen Abd el Krim. Dann trieb er sich als entwurzelter Abenteurer in aller Welt umher, bis er schließlich nach fünfzehn Jahren nach Olmütz.zurückkehrte. Naiverweise hielt er seine verbrecherische Bcr» Tie Exkursion in die Arbeiterbäckerei, die die gangenheit für begraben und vergessen und wollte Frauenbezirksorganisation veranstaltete, gewährte""''""'"'“■ k’ 1'“ re dest. Teilnehmerinnen einen sehr interessanten Ein blick in die Führung eine» PetriebeS, der der Herstellung des wohl wichtigsten Nahrungsmittels dient und auf genossenschaftlicher Grundlage aufgebaut ist. Der Meister de» ZentralbetriebeS in der Dilnickä ulice, Genosse Chmelak, machte die Frauen in in- ftruktiver und;freundlicher Weise mit den einzelnen Phasen der Protbäckerei bekannt und sie genossen dadurch den lebhaftesten Anschauungsunterricht, daß die Produktion eben in vollem Betrieb war. Natür lich sand'auch, die Herstellung des Kleingebäcks, der „ankovifsy", wie in der Bäckersprache der scherzhafte,—... SE-lnam« für die verschiedenen Arten der Sem-> wurde der Angeklagte aberinal» zu mein lautet,.tzas.lebhafteste Interesse aller Teilneh- r(n schweren Kerker» verurteilt.