Nr. 263 Donnerstag, 12. November 1S36 16. Jahrgang IENTRALORGAN OCR DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Elnnlpnlt 70 Htlln (eimchlieOlich s Heller Porto) »SCHEINT MIT AUSNAHME DU MONTAG TÄGLICH PRllH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. teiefon sjotz, HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUE. VERANTWORTLICHER REDAIQEURt KARL KERN, FRAG. Das Wunder von Madrid Verteidigung ungebrochen O Madrid.(HavaS.) Der Verteidigungsrat von Madrid teilt mit: Dienstag kämpfte» die Regiernagsabteilnngen mit Erfolg nnd hartnäckig an allen Abschnitten der Madrider Front. Regirrnngsabteilnngen halten das Borgrlände der Brücke über den Fluh Manzanares. Achtzehn RegierungSflngzenge beschaffen ans. Maschinengewehren die feindlichen'Positionen. Ein anderes Regierungsflirgzeng zerstreute Abteilungen der Aufständischen bei Fnenlabrada und Aaval Carurro. Regiernngsabtkilnugea griffen auch die marokkanische» und Legionär- Abteilungen an, welche in Caso del Eampo könzentrikrt sind. M ad r,id.(Äe«ter.)Die Beschiehnng der Hanptstadt durch dis Artillerie der Aufständischen war.Dienstag viel schwächer als Montag Abend und Sonntag. Der Rat für die Verteidigung der Stadt forderte von her Einwohnerschaft die Ablieferung'sämtlicher Waffe» an dir Polizei.' Wer dieser. Aufforderung nicht Folge leistet, wird als Aufständischer angesehen. Seit Dienstag Mittag warft» die Flügzeng e der Aufständischen Bomben anf Madrid. Drei große Flugzeuge der Aufständischen* wmde» in der llmgebuüg der Toledobrücke abgeschossen. Vas Gewissen stärker'<• . als der Befehl I Madrid'(Tsch. NM Rittidf^nkin-l- d'üngeu. ist ein dreimotorlges UimtrSfluMug der Aufständischen mit einer Boinbenlätzunis auf dem Flugplatz^ in Alcalä de Menares gelandet. Der Pilotierklärt«, er habe den Kefehs.gehabt, Madrid zu bombardieren, habe jedoch,' Ivie Havas sagt, beschlossen, seine Mission S» äilderq.upd sich den Regieru'ngStrupP'en'zur Verfügung zu stellen. Der Bericht churde von der Bevölkerung Madrids Mit Begeisterung' aufgenommen und hat eine öptinji- i stischc Stimmung hervorgerufeni"', Am 18. August, dem Tag Mariae Himmelfahrt, hat General Franco in Madrid einziehen wollen. Damit Mar es nichts. Dmm hatte der für bestimmte Termine schlvärmende General-der Marokkaner den 12. Oktober als Termin der Eroberung der Hauptstadt genannt. Auch diesen Termin hat er nicht eiichalten können. Zuletzt war es der 7. November, der russische Nationalfeiertag, den sich. Franco erkoren hatte. Aber am 11. November war er, nach einer Woche mörderischer Kämpfe dicht unter den Mauern von Madrid, noch immer nicht in die Stadt eingezogcn. Die letzten Meldungen sprechen von erfolgreichen Gegenstößen der Belagerten über den Manzanares und in den weiten Park von Casa di Campo, der sich auf dem linken Fluhufer ausdehnt. Zloar behaupten die Rebellen, den.„Rand des Nord- bahnhofs" erreicht zu haben, aber ste erklären ihren Anhängern, man müsse nochzweiTagc Geduld haben. Der Kampf, der jetzt um Madrid geführt. wird, stellt kriegsgeschichtlich ein Novum dar und darum ist es schwer, zu prophezeien. Noch'nie vor dieser Schlacht ist«ine große Stadt zugleich von einer Landarmee und einer Flotte von Bombern angegriffen worden, so daß die Verteidiger zugleich von ihren unmittelbaren Gegnern und von den Gefahren in ihrem Rücken, der Panik der. Bevölkerung, der Unterbrechung des Nachschubs und der Verbindungen und' nicht zuletzt der furchtbaren Angst um das Leben ihrer Kinder, Frauen und Eltern bedrängt werden. Es läßt sich nicht sagen, ob di« Nerven der Verteidiger die gewaltige Belastungsprobe gntf die Dauer aus- halten können, ob nicht nach einem besonders furchtbaren Bombardement der Stadt die Widerstandskraft der heldenmütigen Avantgarde am Manzanares zusammenbricht. Mer von dieser Eventualität abgesehen, könnte» sich die zwei Tage Frist, die Fräncy sich und Madrid gewähren will, vielleicht noch recht lange hinziehe». Der so plötzlich zu Tage tretende heroische und eherne Widerstand der Verteidiger scheint den mancherlei.„Wundern",' von denen die Kriegsgeschichte meldet, ein neues hinzuzufügen. Da cs sich bei militärischen Entscheidungen niemals allein um den Vergleich zwischen rechenbaren Gröhen handelt, sondern sehr oft Ilnbe- recheUba'keS und Unwägbares, wie Mut und Hoffnung, iHekdenschaft und Todesverachtung, mitspielen,^ so mag man bei überraschenden kriegerischen Erscheinungen nicht ganz zn Unrecht von einein„Wunder" sprechen,'nämlich von einer Wendung, die sich mit rein materiellen Daten nicht erklären läßt. So ist es auch bei hem überraschenden Widerstand, den Madrid, schon aufgegeben und für verloren gehalten, nun leistet. . Gewiß spielt eine Rolle, daß d e r N ach- s ch u b an modernem Kriegsmaterial in den letzten Tagen.g r ö ß e r war als vorher, daß sich eine Stadt von wenig geschulten Milizen besser verteidigen läht, als. eine Linie im freien Felde, dah die Tanks der Angreifer in der Stadt schwerer zu verwende» sind, dah die spanischen Arbeiter im Straßen- und Barrikadenkampf Erfahrungen■ haben, die ihnen für die Bewegung und die Taktik im freien Felde abgingen. Dennoch bleibt ein Rest von Wunderbarem, bleibt die Tatsache, daß dieselben Milizionäre, deren Kampf in den Tage» seit Toledo gefährlich nachgelassen zu haben schien, die seit Wochen Schritt uni Schritt vor den Marokkanern zurückwichen,, an den Mauern von Madrid, an dpn Ufern des heimatlichen Manzanares mit einer Erbitterung und einer Kraft kämpfen, die. für die.Welt so Werraschend sind wie für die Feinde,, die sich schon, ün'feierlichen Einmarsch auf'die'Puerta del Sol. gesehen hatten. Es.sind,also in.entscheidender Weise doch moralische Qualitäten, die das Wunder von Madrid bewirken(wobei die Erkenntnis von der.inter- nationalen Bedeutung ihres"Kampfes, der durch die.Anwesenheit eines internationalen, aus Deut- ! scheu,. Franzosen, Italienern,und anderen Natio- ■ nen züsamjnestges.etzten. Freiwilligen-Regimentes erhärtet wird,'-auf die Milihtonäre anfeuernd gewirkt hübe» mag). Die Strategie des Bürgerkrieges hät ijjitünerklvürdige» Fakten zu rechnen. Die Verteidigung einer großen, von drei Seiten eingeHwMeß.MtW befestigten Stadt,,ist Militärisch gesehen eigentlich ein Widersinn. Am Wettkrieg hat»man selbst befestigte. Großstädte nicht Kon d o n..(Meuter.), Die spanische Gesandtschaft hatte Mittwoch eine, telephonische Unterredung mit dem.spanischen Außenminister Delvay», welcher erklärte, daß er mit der Entwicklung der Ereignisse' vollauf zufrieden sei. Er fügte Hinz», daß an den Frontrnstzinstchilsch .einer Wen du n g z u g u»'Men der Re- a i e r u n g s t r n p p el».sniM gezweifelt werden tVnnt.;.. v, , Die i Bombardierung Madrids. wurde Mittwoch mit erhöhter Heftigkeit fortgesetzt.. Die .Granate» und SchraptiellS schlugen in allen Tei- le» der Hauptstadt ein. Die Batterien der Aufständischen befinde» sich in den gleichen Positionen wie vo^wri Tage».' Wonnen, viel Mißtrauen algebant und schließlich, well st« di« Erfahrung«« haben, die'st« in erster Reih« dazu gualifizieren, um gemeinsam'mit uns an dl« Lösung so ernster Probleme heranzugeben. Das bedeutet nicht den Ausschluß der Opposition. Verdiente Lektion für Henlein Dem SdP-Abgeordneten Dr. Rosche antwortet der Ministerpräsident, daß im Sinne der demokratischen Grundsätze weder die Regierung, noch auch im ganzen die Faktoren der Mehrheit a priori eine Diskussion mit der SdP abgelehnt haben. Dies« Diskusstone« konnten allerdings n't ch t zum Kiele führen, weil«s nicht möglich war, den Grundsatz der SdP anznnehmen, die sich als die einzig« Repräsentantin der deutschen Minderheit betrachtete und di«„Splitterparteien" ausschloß, jene übrigen politischen Parteigebilde, welch« sch»» lange «Mieren und bis in all« Konsequenzen da» drmo- kratisch« System in unserer Staatspolitik übernommen und vervollkommnet haben. Dies« Minderheit». In Ueberelnstimmung mit den aktivistischen Parteien Jede Diskussion mit der totalitären SdP unmöglich Prag. In seiner großen staatsmännische» Red» im Budgetausschnß hat Ministerpräsident Dr. Hodja zunächst mit Befriedigung ein« Besserung unserer Wirtschaft konstatiere» können, dia für n»s fteilich erst recht der Anspopn r«r weiteren systematischen Arbeitsbeschaffung sein kann. Sri« Versprechen, dabei die deutschen Notstandsgebiete besonders zu berücksichtigen, stird sicher, allgemein mit Befriedigung ausgenommen werden. - Nationalpolitisch, eröffnet seine Erklärung, daß nunmehr die Zeit gekommen sei, um. an di« ungelöste» Minderheit««Probleme ernsthaft hrranzugehen, Perspektive«, di« derzeit noch.fast unabsehbar sind. Di« deutsche» Regierungsparteien und-vor allem auch unser« 'Partei worden sicher alle ihre Kräfte einsetzen, um in diesen Perhandlungen als Treuhänder de« . gesamte« deutschen Bevölkerung dieses Staates, vor der Geschichte z« bestehen. Die SdP erhielt vom Ministerpräsidenten ein« gründliche, aber vollauf verdiente. Lektwn .'über, demokratisches verhalte». Ähr Doppelspiel im Parlament vor de« tschechische«. Parteien und,in de» Bersämmlnngen draußen vor den radikalisierten Anhängern hat'ihr nicht nur nichts geholfen, sondern sie in ein« derartige Isolierung hineingeritten, daß die SdP-Führung derzeit wohl selbst nicht dm geringsten Ausweg sieht. Ihr Totalitätöanspruch hat durch dm Mini- sterprästdenten eine scharfe Zurückweisung erfahren und gleichzeitig hat Hodja erklärt» daß di« ^Koalition fr stund gesund und auch gewillt sei, mit den von der SdP so verächtlich als ^Splitterparteien" bezeichneten aktwistischen deutschen Parteien«« dem großen Konsolidierungs- proZramm rastlos wekterzuarteiten. Damit ist auf lange Sicht hinaus die weitere politische Richtung in der Tschechoslowakei . achg«st«ckt, uud zwar von einem Mimnr, der in dem verflossen«««inen Jahr seiner Ministrrvrä- sidmtschäst tewiesm hat, daß.er für dieses höchst»m^njwrrtliche Amt„schassen ist wie selim Parteien auszuschließen, wär« mit den demokratischen Grundsätzen unvereinbar gewesen. Besonders auch deshalb, weil der anerkannte Führer und Vorsitzende der großen Oppositionspartei nicht Mitglied des Parlaments ist. Das wäre kein Hindernis, wenn er ein mehr oder weniger dekorativer Vorsitzender wäre, aber sobald er lange Monate hindurch autoritative und richtunggebende Kundgebungen im Namen der Partei außerhalb des Parlaments vorbrachte, war jede Diskussion und Beziehung zu dieser Opposition sehr schwierig. Dr. HodZa erinnert, daran, daß es bei der Beratung der Verteidigungsanleihe in einer Diskussion zwischen Koalitwnsfakioren und der SdP zu einem Einvernehmen kam, aus welchem die Resolution erfloß, die die Proportionelle Aufteilung der Investitionen auf das deutsche Gebiet beinhaltete. Die Idylle dauerte nicht lange. ES folgte die Egerer Kundgebung des Vorsitzenden der SdP, welche voll» kommen die guten Absichten desavouierte, die sich bei der vorerwähnten Diskussion gezeigt hatten. Mer nicht genug daran. Nach den Erfahrungen, daß mit der Regierung, eine Diskussion über ernste Fragen der deutschen Minderheit möglich ist, folgten dl« Reisen deS Vorsitzenden der SdP ins Ausland, als ob dl« Annahme gültig wäre, daß der kürzefte Weg ans Eger nach Prag über Genf, Loyton»der Berlin führen würd«. Welch ein .hjeöfNml.. Wieviel Wert» gehen Nuf«Ine« solch«» Umweg verloren. Wieviel bürgerlich« Tugenden können auf einer' so langen Reise It- droht werden! Und waS für Lberftüsfig« Auslagen und Risken, wenn doch, der direkt« Verkehr Egers mit Prag so leicht ist! Einst wurde der Grundsatz ausgestellt, daß die SdP die Brück« zwischen Prag und Berlin lein wolle, sicher nicht in diplomatischer, sondem in psychologischer Hinsicht. Dieser Fall war so schwer, daß unter seiner Last dies« Brück« z«sa mm en ftü rz te. Keine„Angstpsychose“ Sehr entschieden weist der Ministerpräsident dann den Ausdruck„Angstpsychose" zurück,' in der sich nach Dr. Rosche angeblich die Tschechen und Slowaken befinden, wenn sie an das Deutsche Reich denken. Früher einmal habe es vielleicht in manchen Kreisen, ein gewisses Gefühl.der Unsicherheit gegeben, aber heute bestehe dies nicht mehr. Heute sind wir in bezug auf die Wehrkraft moralisch und wirtschaftlich ein konsolidierter Staat, mit welchem in den internationalen Beziehungen gerechnet werden kann und muß! (Fortsetzung auf Seite 2.) Dr. Hodza geht an die Lösung dWs^W8DdWW|tGWWlhlems eine«, Dr. HodZa stellte fest, daß der Verlauf der De- batic,-ob sich-nun die Koalition durch' Falsch, Remes, Polach, Dr. Macck, Ostrh oder die Opposition durch.Spakek usw.-beteiligte, für die Regierung lehrreich und erwünscht gewesen fei: ES liegt kein'Grund vor/in der Lösung des Problems der inneren Verwaltung, der regionalen und MIn- derheitifragen nicht«in schnelleres Tempo eihzuschlagen.. Wir(d. h. dl« Tschrch«« und Slowaken) sind nationalpolitisch genug stark dafür, daß unser nationales Fühlen mit her loyalen ZUsam- Menarbeit mit den Minderheiten nicht uyvereinbärist. Der erste Schritt z« dieser Zusammenarbeit wurde im Jahre 1926 von ausgeprägte« nationalen Staatsmännern getan. Seit 1929 steht di« ganze tschechoslowakische Demokratie anf einer Linie in der Ueterzeugung, daß in der Staatsverwaltung auch unseren.deutschen Mitbürgern der Anteil/«« der Verantwortlichkeit gegeben«erde« muß. Wir treten in einen Zeitraum ei«, wo. auch p s y cho- logisch die Lösung unserer noch nicht vollgelösten Minderheitenproblemc heranreist. Die Negierung ergreift di« Initiative. Erleichterungen der Sprachenpraxis >->v'..Sie ist an die Beseitigung eines ernsten Mißverständnisses in der Sprachen- v o lf ti.k herangefreten. Wie wir bereits,berichteten, handelt es sich, um die Korrespondenz gewisser Zentralen, hauptsächlich der Bezirksämter, mit den Ge- tne'i'nden. Die Zweckmäßigkeit und der praktische Verstand gebieten eS,.daß Gemeinden, deren. Vor- stehcr kein Wort, tschechisch verstehen, den Erlaß vom Bezirksamt auch in Uebersützung i II der eigenen S.v r a ch c'erhalten,«süssen. Allerdings enthält das Eprüchengesetz, in seinenuzweifen Paragraphen.«ine gstscheinend gegenteilige Bestimmung und es besteht ji-t'ch t die Absicht, dst akseyliche und perfassungs- gemäße Struktur des" Staates zu/ ändern. Doch Men wir,' erklärte m der-Ministerpräsident, aus Gründen der Zweckmäßigkeit, k e i n e E i n w ä n d«, daß"die Bezirksämter int Rahmen, ihrer- Korrespondenz mit den deutschen/Binntinden k o.st.e nl o s und -ohne'daß sie darUP-Mens ersucht werden,- eine deutsche lieber.se.tzung beifügen. Das bezieht sich auf, GpmetuM bts zu irooo Einwohnern, ist'denen die tschechische), Niilderhelt nicht.^V Pro- zeit überschreitet,^sn' den Gebieten der Ü n gär i< scheu Mlnderbett'wist- die Regierung analog vorgehen, wie in den Gebieten verdeutschen Minderheit....’• Rn Einvernehmen .■ mit diML Aktivisten ■ Ja veberrinftimckung und gem«insam.mit unsere» Sollege« in der Regierung und tn der Re- gierungsmehrheit, hi«-, sich Akt itztst,«« nenne«, tret,» wir- in d«» Zeitraum.d«r Lösung ste» Mi«d««h«it«»»r,»lem«».-- Deshalb lm lkinv'eraehmen mit ihnen, weil-st« bereits durch, da» bisherig, Vorgehen viel und viel psychologisch- Erleichterungen und unsere ösfentliche Meinung g«> Seite 2 Donnerst«», 12. November 1036 Nr. 203 Kriegsgefahr Im Fernen Osten PeIping.(Sieutar.) Bereinigte militä- rische Streitkräftv Mandfihukiws und der nwngT- tischen Republik in der Zahl von. etwa 40.0U). Monn drangen unterstützt von Flugzeugen, Pan- zerautoS und Tank- in die Provinz Sujuan auS der Richtung von Tschachar ein und griffen die chinestsche Armee an. Rach den ersten Rachdichtm mutzten die.Angveifer mit Verlusten zurück, weichen. einer Belagerung auSsetzeg wollen(Bukarest, Warschaus. Im B ür ge r k r i e g kann die Ver- teidiglmg einer offenen Stadt den Weg zu grobe», militärischen Erfolgen öffnen, weil das ge- Ivallige moralische M o m e n t hinzukommt, weil der Milizionär eben nicht schlechthin Soldat ist,'sondern in weit stärkerem Mähe Individualist, Persönlichkeit, politisch denkender Kämpfer. Der Widerstand Madrids bewirt t, militärisch gesehen, vieleVorteile iürdie spanische Demokratie. Er schafft der Regierung Zeit zwncne» Rüstungen, er zapft dem Heere Francos, das bei Kriegsbeginn insgesamt vielleicht^30 bis 150.000 L'iänn stark, inzwischen starke Verluste erlitten hatte und auf vier Kriegsschauplätze verteilt, durch Besatzungen im unruhigen Hinterland ge- sclstvächt ist, neues Blut ab, er trägt dazu bei, die Kräfte Francos materiell und ntoralisch zu erschöpfen, er,verlängert den Kampf bis in eine Jahreszeit, die für die unmittelbare Fortsetzung der Kämpfe denkbar ungünstig ist. All das zusammen kann noch seht, kann bis zum Frühjahr eine entscheidende Wendung im Krieg herbeiführen. Welche Answege stehen den Rebellen aus der verfahrenen Lage zur Verfügung? Sie können die Gewaltstvße fortsetzen, was sie aber viel Blut und viel Zeit kostet, ohne sicheren Gelvinn zu versprechen. Sie löimen die Stadt regelrecht belagern. Dazu bedarf es aber, da Madrid eine grohe Stadt mit vielen Zufahrtsstrahen ist, einer Truppenmacht, über die Franco kaum verfügt. Eine' dünne Belagerungvlinie ist ja immer in Gefahr, au einer Stelle durchbrock>en und dann aufgerollt zu lverden. Auch kostet die Belagerung Zeit und ' während der auflaufenden Frist kann den Belagerte» Entsatz werden. Auch eine Belagerung also ist für Franco eine heikle Angelegenheit. Der für ihn günstigste Fall wäre noch der einer Begegnungsschlacht zwischen seinen Truppen und einem anmarschierenden Entsatzheer. Wirken Entsatzheer und Belagerte geschickt zusamnren, so kann aber auch diese Variante für die Belagerer sehr unglücklich enden(Wien 1083, Turin 170g). Die Republik hat nach wie vor drei Aufgaben zu lösen, wenn sie den Sieg'an sich reihen.will: das Problem des Material».Ersatzes, also einer mengenmähig und qualitativ zulänglichen Rüstung; das Problem derAusbildungvonReservisten und Freiwilligen zu leistungsfähigen(nämlich auch offensiv leistungsfähigen) Soldaten; die Schaffung einer politisch-st rategi- s ch e n Führung, die das Volk zu mobilisieren und mit den mobilgemachten Kräften planvoll zu operieren versteht. Löst die Regierung diese Aufgaben, so kann das Wunder von Madrid mehr lverden als ein erhabenes moralisches Beispiel, mehr als ein Heldengedicht des spanischen Volkes, dann könnte es der Wendepunkt in dem Ringen Spaniens gegen die Invasion der Marokkaner und faschistischen Söldlinge sein. Die Rede Dr. Hodzas: (Fortsetzung von Seite 1.)'•* Die SdP hat trotz den vielversprechenden'Anfängen den Weg zu un» nicht gefunden.. Denn edoch irgendein wenig informiertes Mitglied' dieser Partei annimmt, dah die SdP ein Faktor in Berlin gegen Prag sein könnte, so befindet er sichRi einem schicksalsschweren Irrtum. Es kann vom nationalistischen Standpunkt ein'Teil der Oeffentlichkeit im Reiche ein psbchologische» Interesse an Eger haben, aber es kann nicht daran gezweifelt werden, dah die Politik des Deutschen Reiche» ein politische» Interesse an Prag hat. Wenn die Sentimentalität mit politischen Interessen in Konflikt gerät, bleiben die politischen Interessen Sieger. Infolgedessen ist es notwendig, dah die SdP via facti eine Revision ihres Vorgehen» in der Staatspolitik durchführe. Autonomie nicht möglich Bon der Autonomie, die Di. Resche der- langte, wollen wir in keiner.Richtung sprech«. Sie würde zur Separierung des deutsch« vom tschechischen Element führ« und bedeuten, auf dem über- wiegend von Deutschen bewohnten Gebiet 380.000 Tschechen und vier versa auf dem übrigen gesamt» staatlich« Geilet 780.000 Deutsche zu Opfern. Weder da» eine, noch da» andere ist möglich. lieber die Proportionalität bei der Aufnahme von Beamtenkrästen kann nur dann gesprochen werden, wenn nicht zu,befürchten ist, das; der Beamte, der ausschliehlich dem Staate dienen soll, ihm mit Hintergedanken dienen wird Die Proportionalität mnh auch in der bedingungslosen Treue zu diesem Staate eintreten. Koalition gesund und fest « Die Koalition, ihre einzelnen Parteien und Ihre »entanten sind nicht.gleichaeschaltet". »kutieren ost. Bisher ist au» dieser demokratischen Diskussion immer auch ein demokratische» Einvernehmen hervorgegangen, auch in jenen Fällen, wo ein Uneingeweihter annehmen könnte, dah sich zwischen den Koalitionsparteien ein Abgrund öffnet. Wir beharr« auf dem Stzftem der Pollfischen Partei«, al» unerläßlichen Mittler» zwischen dem einzeln« und dem Staate. Sicherlich haben wir in der Koalition verschiedene Weltanschauung«, unentwegte Parteileute und weltanschauliche Radikale^ aber auch bei»ns flogt schließlich einerseits die Disziplin, andererseits der eig«e gute Wille. Am Vergleich mit d« Kämpfen auf Leb« und Tod»wisch« d« Regimen und Ideologien im Auslande, find die Unterschiede bei un» zu Hause eigentlich minimal. Unsere Koalition beginnt ei« politischer Organismus zu werden, der flch seine eigene Ideologie der disziplinierten Demokratie schasst; fremde Ideologien, ob von link» oder recht», lehnen wir ab. Das ist die neue Phase in der Entwicklung unseres Koaliti«ss»ftrms und gerahe deshalb kann ohne Uebertreibung behaüpiei werden,daß die den- tige Koalition' k o n s o l i die r t ist. Ihre Gesundheit ist gut und ihre Solidarität fest. W«n jemand meint, daß stch In unsere Koalition Elem«te der Zersetzung einschleichen könnt«, mache Ich ihn freund- lich aufmerksam, solche Jllufionen aufzugehen. Diese Koalfiion regiert und wird regierest! Unser weitere» Programm besteht darin, dah wir materiell und moralisch alle gesellschaftlichen Komponenten konsolidieren werden, auf denen Natron und Staat beruhen, und dah wir alle» beseitigen werden, was die Solidarität ustfdrer Nation und de» Staate» untergraben kövinte. Wir werden die Politik forisetzen, die eine Erhöhung'de» Nationaleinkommen», die Belebung de» Binnenmärkte», Arbeit und Wiederarbeit bedeutet. Dah wir 800.000 Menschen in' den Arbeitsprozess einzuschalten vermochten. ist für un» nur der Beweis, dass wir un» .auf gutem Wege befinden. Wir kennen die Schwierigkeiten de» bevorstehenden Winters, tun wir deshalb alles, um allen zu-helfen, die durch die Rot^'bedroht wir«. Wir wellen noch diesen Winter im fest« Berte«»« durchhalt«, daß wirt«ns Mit der. weiter«'wirtschaftlich« Befferung allmählich in eine belfere Zeit durchkämpfen.. Wettere Maßnahmen fUr die Notstandsbezirke Im wirtschaftlichen Teil seiner Ausführungen verwies Dr. Hodja auf die Besserung, die sich schon daraus ergibt, dah wir nach dem Maximum der Arbeitslosigkeit für 800.000 Arbeitslose Arbeit gewonnen haben. Diese Besserung erweist stch al» .st a b i l, sie hängt plit der besseren Beschäftigung der Industrie zusammen. Auch die industriellen Export- bezirke, welche bisher durch die fortschreitende Wiri- schaftsbesserung nicht so viel gewümen tonnte», melden in den letzten vier Wochen eine Belebung der Wirtschaftstätigkeit; da» gilt auch für die nord« böhmischen Not st and« bezirke Viele Fabriken widerrufen ihre Betrieb»einstellun- gen, seit Jahren stillgelegte. Fabriken bereiten sich zur Wiederaufnahme de» Betriebe» vor und e». nimmt die Zahl der Jndustriebranchen zu. aus denen ein wachsender. Mangel an qualifizierten Kräften gemeldet wird.'' Dabei stehen wir erst am Beginn dieser vielversprechenden Entwicklung, die durch die Devalvation eingeleitet wprde.- Unser Bestreben, d« industriellen Rotstands- bezirken zu helfen, erscheint von Erfolg begleitet. Es Mitch unser Ziel sei», nach Dnrchfüh«ng der Deval- viernnn noch mit weiter« zweckmäßig« Maßnahm« zur Erhöhung der Wirtschaftstätigkeit und zur Ber- minderüng der Arbettslofigkrkt I« dies« Notstandsbezirk« beizutrag«. Die' dem Jnvestitionsbeirat vorgelegten Beschwerden wegen Beimchteiligung lokaler deutscher Aus der Debatte: Taub: SUP nur nacb Ibi Genosse Taub nimmt mit Genugtuung zur Kenntnis, dah die Regierung bemüht ist, für die Notstandsgebiete da» Nötige verzukehren. Es ist wirklich dringend, für die vorwiegend deutsch« Gebiete etwas Außerordentliches zu tu» und es muß mit der Nieinung aufgeräumt werden, al» ob die Industrie in deii Grenzgebieten zum Aussterben ve«rteilt wäre); Auch der Ministerpräsident teilt diese Meinung nicht, sondern ist vielmehr der Auftastung, dah alle Bersuche zur Wiederbelebung der Industrie untemommen werden müsten. Insofern diese Industrie nicht mehr tonlurrenzfähig ist, wird sie sich selbst anpassen müsten. Zur Belebung der Industrie genügt bte Devalvation allein nicht, man wird auch unbedingt die Devisenbeschränkungen.fallen lassen und neue Wege suchen müsten,' um die Produktion zu beleben. ' Dav« hängt auch die Gesundung der polftisch« BerhälMiste in den Grenzgebieten ab. Taub lveist dann darauf hin, dah in den tschechischen Gebieten Böhmens sich die Arbeitslosigkeit seit einem Jahr um 87.8 Prozent, im deutschen Gebiet nur um 16 Prozent verringert hat und der Anteil der Deutschen an der Gesamtarbeitslosenziffer in dieser Zeit von 62 auf 60.6 Prozent gestiegen ist. Die Lohnverhältnisse haben eine ganz geringfügige Besterung zu verzeichnen, doch find die Einkünfte der Arbeiterschaft heute zweifellos noch immer al» völlig unzureichend anzusehen. Die Gewerkschaft« werden sicher bemüht sein, eine Anpassung der Lohnverhältniste herbeizuführen. Geaaste Taub begrüßt es, daß der Minister- prästdent die Budgetberatung benützt hat, um zu zeigen, welchen Weg die Regie«ng in der Mi n o r i- tätenfrage einschlagen will. Jeder einfichfige und'oblekfive Polifiker wird zugeben, daß die. Mitarbeit der Aktivist« in der Regierung doch irgmd- Unternehmerflrmen zugunsten auswärtiger tschechischer Firmen bilden den Gegenstand obiektiver Prüfung. Wir werden tendenziöse Beschuldigungen.ab» lehnen, jedoch Abhilfe schaffen, ,wo die Beschwerde begründet ist. Die gesunkene Konkurrenzfähigkeit unserer stordbähonschen Industrie kann jedoch in einer ganz« Reihe von Fallen nur"durch ihre technische R ü ckst ä n d i g ke I t erkiärt werden..die eine der Ursachen ded unerfreulichen Lage in diesem Gebiet ist.. ISO Millionen für die Staatsangestellten Bezüglich der s t» a t» a« g e ft e l l t« n kündigte der Ministerpräsident an,'daß diu Megte- rung zu Begin» de» Monat» Feber, zu welche« gfichunkt die wirtschaftliche Lage bereits Aar erscheine» wird, von dm gesetzgebmd« Körpenschaft« eine Ermächtigung«erlang« wird, um flch die Bedeckung für die Fortsetzung de» Abbaues der Abstriche tzon den Staatsangestelltengehältern zu beschösse». Die Regiemng ist bestrebt, eine Ermächfiguug bis zur Höhe von ILO JDlUtlonea zu erlang«, und sie ist bereit, die vorschlge der zuständig« Organisationen über die Berwrndung dies« Summe ft» Erwägung zu ziehen. Ausführlich beschäftigt stch der Regierungschef sodann mit der Reform der öffentlichen Äerwaltung. die in einer produktiven Demokratie in einem solchen Tempo funktionieren müsse; wie die» unser.sozialer und wirtschaftlicher Fortschritt verlangt.. Bei dieser Sleform werde man organisch, und zwar schon mit der Erziehung beginnen müssen. Auch die Demokratie braucht eine Bürokratie, aber sie muh selbst dasür sorgen, dah sie nicht durch die Bürokratisierung ihre» Apparate» In ihren wirtschaftlichen und sozfalpoliti- schen Aufgaben gehindert werde. Nach ausführlicher Erörterung slowakischer Probleme und Beschwerden und der Ankündigung von Borarbeiten für die karpa- ihorustische Autonomie wendete stch der Ministerpräsident dann dem deuftchen Problem zu. an Taten zu beurteilen welche Erfolge zeitigt. Wir geb« zu, daß es längere Zeit gedauert hat, bevor»nan flch zu der Erkenntnis anfgerafft hat, daß flch in der Minderheit«- politik fine Wandlung vollziehen»nuß. So war auch der Sprachengebranch d« deutschen Gemeinde» gegenüber schon seit langer Zeit Gegenstand de» Anstoße». Wa» der Herr Mtnisterpräfldent gesagt hat, ist noch k e t n t hundertprozentige Beffiedigung unserer Wünsche, aber jeder, der ihn gehört hat, tonnte flch des Eindrucks nicht erwehren, daß die Regiemng den ernsten Wille» an den Tag legt. Wie schon gestern gemeldet, brachte Genoste Taub dann einen Brief des Genoste» Falsch zur Verlesung, der sich mit den' Angriffen Dr. Rosche» auf seine Person besaht. Im Anschluh daran nahm Taub auch unser Blatt entschieden gegen den Vorwurf Dr. Rosche» In Schutz, dah e» einige Stellen au» Rosche».Rede, Herausgigriffen und sie„tendenziös missbraucht" habe. Unser Blattiivar vielmehr vollkommen im Recht: Wir tomun die SdP nicht behandel» nach Rede», die hier im Parlament gehalten werden, wir könne» fle nur beurteile» nachdemFührer, der da» maßgebende Wort I» der Pafifi hat. Darüber kommt auch Dr. Rosche nicht hinweg. Die a n t i- demokratische, diktatorische Tendenz der SdP sindfi eben dann ihren Au»d«ck, daß der Führer allein bestimmend ist. Als weiteren Bewei» stellt Genoste Taub dem Au»schub eine Denkschrift von Hochschülern zur Verfügung, die stch mit den Vorgängen besaht, als Herr Henlein den Studenten einen be» stimmten Führer aufzwingen wollte. Dr. Resche» Bemerkung«, die v« unserer Preffe aufgegrifsen wurden, stell« keineswegs eine Entgleisung dar, sande««an kann eh« annehm«, daß dafin eine Tendenz liegt, die in d« Partei bereits ziemlich breite Formen an««ommm hat. Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld Mit eigenen Augen hatte er gesehen, ten Haus. Mit eignen Augen hatte er gesehen, >vie sie beim Rückzug Leichen in die Brunnen warfen, um das Wasser zu vergiften. Mit eignen Augen hatte er die leeren Ehampagnerflaschen im eroberten Unterstand des russischen Kommandanten gesehen. So war dec Krieg. Unsagbar, dah e» Menschen gab, die nicht flammende Empörung ergriff, als er ihn schilderte.' Er hatte den Krieg erlebt, wie kein andrer; er hatte mehr gesehen, Schlimmere» erlitten, Heldenhafteres geleistet. ES Ivar sein Krieg, und nichts, das vorher oder nachher sich in seinem Leben zutrng, ließ sich mit dem Krieg vergleichen. Niemand hatte sein Bild so hell und klar, so blutig und stöhnend in der Seele bewahrt tvie er; Bewunderung Ivar wohl der geringste Dank, den ein Held wie er von den Menschen fordern durfte. Heute schlummerte die Karie in der Tasche; die paar Gäste, die an den lahlen Marmortischen sahen! kannten seine Erzählung längst. In den Aiergärte» drängten sich die Menschen um diese Stunde, das Last Finsterbusch war leer. Frau Mertens, die jeden Abend kam, eine Tasse Kaffee trank, die illustrierten Blätter, die Pariser Modejournale durchsah und sich das erste wieder geben lieh, wenn sie das letzte auigelesen Hatte, verkündete schon am Mittivoch, dah sie Sonntag nicht kommen werde, da sie bei Bekannte^ eingeladen sei. in einer Billa, draussen, vor der Stadt; dort gab. es einen Garten, Strecksessel, Abgeschiedenheit und Kühle.' Professor Gerleitner, der dickleibige Chirurg, der seine toten Abendstunden im' Cafö Finsterbusch bei einer Schachpartie verbrachte, vertrug die Hitze so schlecht, dah er sich schon vormittags auf^oas Sofa gelegt hatte, kalte Tücher auf der Stirn, und erst um sechs Uhr auf» gewacht war, vom Schlaf ermattet, mit schilleren Gliedern,' vollkommen besibluhnnfähig. Nun lag er, in Hemdärmeln, unfrfsierf, Bartstoppeln im Gesicht, im Fenster und lieh sich den Wendwind nm die Schläfen wehen. Auch He« Feiertag war anSgcbiieben, der immer pünktlich nm halb sieben, nach Büroschluss, kam, und pünktlich um halb zehn wieder ging; der zu allen freundlich war, jeden Fremden grühte, das Geld für die Zeche genau abgezählt Nuf. den Tisch legte und vom zwanzigsten des Mhnäts ab kein Trinkgeld mehr gab... Nur Genno war da, Genno Lingen, der sich gern Redakteur titulieren lieh und.für einen Dichter hielt. Er'sah an einem kleinen Tischchen im Winkel, der schwarze Kaffee war längst ausgetrunken. Er blätterte abwechselnd in xinec Zeitung und schrieb;'ein Stotz peinlich genauzuge- schnittener Weiher Blätter lag neben ihm, das alte, ausgebrochene gläserne Tintenzeug stand auf. dem Tisch. Er schrieb Aufsätze, die keine Zeitung, druckte, Gedichte, die nie erschienest, Bücher, deren' Titel niemand kannte. Er tat seine Manuskripte umständlich und feierlich, unter, den Augen aller Stammgäste in grohe gelbe Briefumschläge und sandte sie ab. In ein paar Tagen brachte der Postbote sie zurück, in, andere Kuverts gehüllt. Dann nahm er sie, legte sie. beiseite, sagte mit halber Stimme, wenn er gefragt wurde, ob er günstige Nachrichten erhalten;„Ach, nichts, nur Drucksachen". Er verfluchte die Redakteure, die nichts von Journalistik,, die Verleger, die nichts von Literatur verstünden; er zerfetzte die Tages- grötzen, die ihren Namen ssnr der Reklame, nicht der Leistung verdankten. In guten Stunden, In denen er sich Rechenschaft ablegte über seine Pläne, über die Werke, die. zu Hause in seiner Lade laßen und über die Bücher, die noch ungeschrieben zwischen wirren Gedankenströmen in seinem Hirn schlummerten, erkannte er, dah all seine.Schreiberei blutlos und papieren war. Seinen Schriften fehlte das Leben, er war auf der Jagd nach dem Leben, er suchte es überall, in jedem Wjnkel, in dem kleinen Laden nebenan, in dem eine lahme Frau Zigarren und Zeitungen verkaufte, In dem Milchgeschäft an der Ecke, in .der Wäscherei,-in der eine zaundürre, vergrämte Jungfer hinter' einem breiten Tisch stand und Henwen, Krügen, Strümpfe'zählte, tagaus, tag- ein. Doch Ivo er das Leben zu greifen wähnte, packte rr Schatten, die ihm zwischen den Fingern zerrannen. Die Menschen, die er beobachtetes die er belauefie, die er verfolgte wie ein Detekfiv sein Opfer, hatten Körper ohne Knochen, Köpfe ohne Gesicht, einen trägen Lebenslauf ohne Schicksal. Er hätte hinauigehen müssen in die Welt, in die LnxuSlokale, in denen die Wenteurer verkehrten, die Herren der Börse, die Jndustriemagnaten, die grossen Kokotten. Aber dort gab eS den guten dicken Ober Pelikan nicht, der die Zeche stundete, bis einmal von irgendwoher ein wenig Geld kam: den Ober Pelikan, der ist seinem speckigen Smoking neben Genno stand, seine Klagelieder mit zustimmendem Kopfnicken geduldig anhörte und ihm in bösen Tagen väterlich besorgt auf die Achsel klopfte:'.-.... •’„Es wird schon werdens Herr Lingen, es wird'schon'werden. Rur'nicht d'en Mut verlieren. Und wegen der paar Groschen, die Sie mir schuldig sind, machen Sie sich keine Sorgen"., Dann watschelte Pelikan in die Küche, zu Ludmilla, der Köchin, die mit nackten roten Armen In dem feuchten, irisierenden' Dunst der Kessel, stand^ Er wusste, dah Aenno ein Narr war. und er ahnte, dah.er niemals ein brauchbares Buch schreiben würde; ober er gab an» Prjnzip allen Menschen recht, denn er war zutiefst davon überzeugt, dah siönlle Unrecht batten. Sie Illähnte», a»f ein Ziel loszugehen, sind gingen ewig im Kreis. Sie wären immer unter-. Wegs, und wenn sie angelangt waren, ging es In die Grube. Da» ganze Leben war.nicht» anderes als ein Untefivegsein, ohne Richtung, ohne Ende. Man muhte nur gute, gesunde Fütze Haben. Die hatte Pelikan allerdings nicht. Seine.Fühe schmerzten, er trug weite,-Weiche Schuhe, aber auch dies half nichts. Klagen hatte wenig Sinn, selbst die Aerztc könnten nicht. Helfenr Wenn jemand Rat wuhte, war e» Ludmilla. Sie kannte eine kleine Apotheke, in der man Salben nach uralten Rezepten bekam. In den eleganten Heil- mittelläden der Hauptstrassen wurden diese Quacksalbereien, wie die Aerzte sie nannten, nicht mehr verkauft;-aber in der Hinterstube kleiner Borstadtapotheken wurden sie noch bereitet,! und Pelikan hatte mehr Befirauen zu ihnen al» zu den teuren Mitteln, die mit groher Reklame laut angepriesen wurden. „Sagen Sie nur- Ich schicke Sie", vollendete Ludmilla ihren Ratschlag.„Reiben Sie sich jeden Wend die Fühe gut ein, aber ziehen Sie ein Paar alte Socken'an, sonst wird das Bettzeug fettig", sagte sie. „Wird cs auch helfen?" fragte Pelikan besorgt.» „Meinem Onkel hat e» geholfen. Auch der Ftau Laufmann im dritten Stock hat e» geholfen. Warum sollte e» gerade Ihnen nicht helfen?" Sin Gast klappertemjt dem Geldstück auf die Marmorplatte; träg schlich Pelikan davon. Genno klagte Pelikan, Pelikan klagte Ludmilla; wem sollte Ludmilla ihr Leid erzählen? Sie stand von, sechs Uhr früh' VI» in" dit späte Nacht in der Küche, sie mtihte.die Tassen und Gläfer spülen, die Löffel putzest;> Hugo, der junge Kellner, der ihr diese Arbeit' abnehmcn sollte! war dazu nicht zu gebrauchen,-.er'.träumte mit offenen Augen- und wusch die Schalen."sso schlecht ab. dah die Gäste sich beschwerte». Wenn sie nachts nach Hause kastt; muhte sie ihkey HauS- hält besorgen, der Mann war seit. Jähren arbeitslos' uNd ging nicht aus.'(Forts, folgt.). Nr. 203 Donnerstag, 12. November 1936 Seite 3 fudetendcutsdicr Zcitspicgel Der Kampf um den Arbeitsplatz und um Arbeitsbeschatfung flir 200.000 Industriearbeiter < Japan vor der faschistischen Militärdiktatur? Aus Tolio wird gemeldet, daß die politische Situation von Lag zu Tag drohender werde. Reuter teilt mit, daß die Armee die Diktatu,r beabsichtige. Zwar sollen Negierung und Parlament beibehalten, aber vollkommen entmachtet werden. Selbst die konservative Seyukai-Partei, die es immer mit der Armee hielt, beteiligt sich an der Abwehr der Generals-Pläne. 1930 79.9 22.0 Im„8oluuibuS"-Schacht bei Malthenern ereignete sich am Mittwoch ein tödliches Unglück. Anfolge eines Pseikerschusscs ging die Decke eines Kohlenplanes nieder, und verschüttete zwei dort beschäftigte Bergleute. Während der 40jährige Josef P ana mit einem komplizierten Oberschen« kolbruch davonkam, konnte der, 20jährige Franz Reränek aus Malthenern nur noch als Leiche geborgen werde». Er hatte so schwere Kopfverletzungen erlitten, dgß er sofort tot war. Bernnek "war verheiratet, jedoch linderlos. Tödlicher Arbeitsunfall. In der Neutzeker Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei ereignete sich Mittwoch mittags ein schtverer Unglücksfall, der den Tod eines'jungen Menschen zur Folge hatte. Der 20jährige Arbeiter Johann Schrei« b e r. au» Trinksaifen wollte gegen>12 Uhr die Wälze-der großen'Selfaktormaschine putzen. Er' kroch unter da» Fahrgestell de» Wagen»,-während sich die Maschine in Betrieb befand, wurde«über von dem zur Wälze zurückfahrendcn Wggen erfaßt und erdrückt. Er erlitt einen Pruch der Wirbelsäule und wär sofort tot,. -Notzucht-— ein Jahr schwerer Kerker. Vor den Geschworenen de» Kreisgerichte» Lsihtztepitz.hatte sich in einer unter Ausschluß der Ocfsentlichkeit^ durchgeführten Verhandlung der 82jährige letzlifei Handlungsgehilfe. Winzel u-d a aus Aussig zu' verantworten. Der Angeklagte, der im November ipS»^..'«h»MsjMf-.gM«/ältsin Schulmädchen ein NotzuchtveÜlrechen verübte.und da».Mädchen schwängerte, lvuvde mit,nenn Stimmen, ders Geschworenen des Verbrechens der Notzucht' für schuldig erkannt und zu. einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. Danzig-Putsch 1937? Der Gauleiter Förster hat nach einem Bericht der HavaS vor kurzem bei einer Zusammen- kunst seiner Parteigenossen u. a. erklärt, daß die gaNze Opposition in Danzig bis'zum 1. Jänner 1987 vollkommen ausgeschaltet sein wird. Förster gab seine Ueberzeugung zu erkennen, daß Danzig im Jahre 1937 dem Deutschen Reich eingeglicdert werden wird/-; Deutsches Flugmonopol In Griechenland Athen. Dienstag wurde Im griechischen Außenministerium das griechisch-deutsche Flugabkommen unterzeichnet, das der Lufthansa die Konzession zur Errichtung von Flugplätzen und für de« Betrieb aller Fluglinivn in Griechenland gewährt. Die Bevölkerung geschlossen hinter angegriffenen Gemeindefunktionären Die sozialdemokratische Partei hatte Mittwoch abends die Bevölkerung von Rohlau aufgerufen, um ein Urteil über die sozial- .'jitmpltMchiri. F«nflj«>äre abzugehe«»..die ilKdor bekannten EriiätzrungSlarten-„Affäre." gegen.den Buchstaben des Gesetzes verstießen, weil ihnen daS Gebot der Menschlichkeit näherstand. Das Volk kam in Massen, so daß der große Saal des ArbciterhcimcS und seine Galerien sich als z u klein erwiesen. Die' verantwortlichen Männer, Bürgermeister Möser und Vizcbürgermoister Matze r, traten nicht schuldbewußt, sondern erhobenen Hauptes vor die Massenversammlung, die Ihre Ausführungen wiederholt mit stürmischem Beifall Unterstrich und sich damit einmütig hinter die Männer stellte, gegen die von den ärgsten Reaktionären der StaatSawvalt angerufen wird. Die folgende Rede des Genossen d e W i t t e war eine einzige große Abrechnung mit der Hetze, die auf dem Weg über den agrarischen„V e 6 c r" gegen die Gemeinde Alt-Rohlau inszeniert wurde. Sie war weiterhin eine Anklage gegen eiki Stzstcm, das fleißige, arbeitswillige Menschen' von der ehrlichen Arbeit fernhält und sie in tiefstem Elend verkommen lassen möchte, wenn nicht die Sozialdemokratie unter Einsatz ihrer ganzen Kraft alles tun würde, um die Krisenopfer vor dem Untergang zu bewahren. Die leidenschaftliche Zustimmung, die während der Rede de Wittes immer wieder aufflmmnte, ist wohl der beste Beweis für die Uebereinstimmung der Versammelten mit den Worten des Redners, der klar.und ohne Um- schwcifc sagte, was in einer solchen Situation gesagt werden muß.•' daS glänzende Referat, welches der Vorsitzende des Verbandes, Genösse Gustav N c ii m a n u, über die zentrale»' Probleme der Industriearbeiterschaft gehalten hat. Ans der großangelcg» len Rede können wir nicht mehr als einen Auszug bringen, nachstehend jene Stellen, welche allge- ineine Fragen behandeln. Wir erinnern jedoch daran, daß die Rede als Broschüre erscheinen wird. Genosse Neuniann führte aus: Angesichts der Eniwicklnng der Ar beitslosigkeit in unserem Staate muß mit' aller Entschiedenheit dagegen Einspruch erhoben werden, in dem Ringen um die Arbeitsstelle nationale oder politische Spekulationen in den Vordergrund treten zu lassen. Lebensmöglichkeiten Arbeit haben Staate, ohne w e l ch e S p r a ch e s i e s p r e ch« n. Die vom Staat geförderten öffentlichen Jnvestitionsarbeiten waren und sind ein brauch« ,bares Mittel, die Arbeitslosigkeit zu mildern. Auf Grund der Erfahrungen aber müssen wir erkennen, daß damit die Arbeitslosigkeit nicht beseitigt werden kann. Deshalb müssen andere und auf die Dauer wirksamere Mittel ausfindig gemacht werden, um die Arbeitslosigkeit nanientlich unter den Industriearbeitern der deutschen Siedlungsgebiete ein- zudämmen. Zumal die deutsche Jndustricarbeiter- schast den geringsten Anteil an den öffentlichen Jnvestitionsarbeiten hat. Die Struktur des Arbeitsmarktes zeigt, daß von den 3,049.000 Berufstätigen nach der Berufszählung von 1930 770.000, oder rund 26 Prozent, auf Arbeiter entfallen, die bei Jnvestitionsarbeiten ihren Erwerb finden. Hierunter werden verstanden Bau» ^getziMe^.^Jndustricinv^stisiWeH,,, ptzh^iffentliche- Investitionen-(Straßenbauten,''Wasstttelluigsdn,' elektrische Anlagen usw.)'. Bon den Les Invest!-' tionsarbeiten gegenwärtig beschäftigten Personen waren im Juli 1030 noch 27 Prozent arbeitslos. Durch die öffentliche Arbcitsbesck>affung konnte aber ein Teil der arbeitslosen Jnvestitionsarbeiter wieder Arbeit erhalten. Für die I n d u st r i e- arbeiter ist aber durch die Steigerung der öffentlichen Arbeiten keine besondere Milder ungcingetreten. Im Juli 1036 wurden 230.000 arbeitslose Industriearbeiter gezählt, davon entfallen gut zwei Drittel aus das deutsche Randgebiet unseres Staates. Die nationale Struktur des ArbeitSmarkteö geht aus folgenden Zahlen hervor: Es entfielen Arbeitslose auf 1000 Einwohner im August der Jahre Deutsche Schriftsteller beim Präsidenten . Prag.(Tsch. P.-B.) Der Präsident der Re- publik empfing Dienstag, den 10. d. M. die Vorstandsmitglieder des Schutzverbandcs deutscher Schriftsteller- in der Tschechoslowakei Ernst Kreische,. Hubert Ncrad, Alfred Scholz, Walter Seidl und ben Syndikus des Verbandes,. Doktor Paul Steins Die Aussprache'Halt lebenswichtige» Fragen des deutschen Schrifttums, in der Republik, Dem Herrn Präsidenten wurde eine,Denkschrift überreicht, worin-angeregt wird: Einführung einer Sozialversicherung' für Schriftsteller, Ausschüttung eines eigenen deutschen Staatspreises fstp-Mustk und Vühstenkünst, so daß alljährlich.ein Hreis auf die Literatur entfalle, Förderung! einir umfassenden Ausstellung„Das deutsche Buch in der Tschechoslülvakei";' deren Protektorat der Herr PMstdont übernehmeit>,möge. Im Verlauf der Diskussion betonte der Pvästdetzt, daß er selbstWls Schriftsteller zur Zunft gehöre Und die Wichtigkeit der Institution-des„Schutzverbandes" daher voll anerkenne.' Dem. Verband gebühre entsprechender Einfliiß änf die Pro» granungestnltung des neue» S,enders in Nordböh- Wcitestgehende Exportförderung durch Abschluß neuer Handelsverträge auf Grund der Gegenseitigkeit, verbunden mit dem Abbau der Zölle und Beseitigung der Deviseuwirtschast für den Außenhandel. Gewährung von ausgiebige» Exportbei- Hilfen seitens des Staates zur Herstellung der Konkurrenzfähigkeit siir unsere Waren ans den Auslandsmärkten. Des ferneren Bildung einer Exportbank zur Gewährung von Exportkrediten und zur schnellere» Regelung des Zahlungsverfahrens mit dem Ausland. Ans dem Gebiete der Exportförderung und der Steigerung unserer Warenanssuhr konzentriert sich für die Zukunft der.Kampf um den Arbeitsplatz. Dieser Kamps sowie die Frage der Gesundung unserer Gesamtwirtschaft und der ausgeprägte Exportcharalter unserer Wirtschaft nötigt zu ausgiebigen Maßnahmen außergewöhnUctzec Natur. D i e Z e i t i st r e i f, n,i ch t m i t h a I- ben Mitteln das Exper im e n t i c r c n f o r t z u s c tz e n, sondern durch ganze Maßnahmen unserer Wirtschaft der Gesundung znzu- sührcn. Die Glas- und Porzcllan- i n d u st r i c benötigt einer besonderen Erport- hilfe durch den Staat. Tie Möglichlcit für die Exportsteigerung ist gegeben, wenn den beide» Industrien vom Staate rasche Hilfe zuteil wird. Diese wird aber nur gewährt, wenn die Gtas- und Porzellanindustrie je ein Exportsyndikat bilden, welches alle Firmen der betreffenden Judu- striezweige zu erfasscti hat. Die Exportbcihilse des Staates Ivird nur den Exportsnndikatcn übermittelt unter der Bedingung, daß eine planmäßige Gestaltung der Berkaus- Möglichkeiten sowie des MsatzeS gesichert erscheint, und die Syndikate prcisregelnd nach dem Auslände wirken. An diesen vortrefflichen Vorschlägen, die dec Genosse Neumann zur Frage der Exportförderung machte, kann die Regierung nicht achtlos vor- übergcheu. Frage sei. Der Präsident bejahte die Berechtigung der Forderung nach mindestens zwei deut- schc» StaatSprcisen, an deren Ansschüttung gc- gentvärtig wieder gedacht werden lönnc. Besonders begrüßte der Präsident den Gedanken eines vom Schutzvcrband gestifteten Herder-Preises, den Dr. Benes auch aus persönlichen Mitteln zu unterstützen erklärte. Znr allgemeinen, Situation sagte' der Präsident,, der größte Feind des Friedens soi das Mißtrauen; in der- Welt wie auch augenblicklich wieder zwischen Tschechen und Deutschen. Zur Ucberwiudung dieses Mißtrauen-- seien keine Menschen im Siaatc mehr berufen als die Schriftsteller beider Nationen. Die Politik hat sehr ost die Tendenz,, alles zu komplizieren, wäh- rend das Wirken des Schriststeller sich mit dem hauptsächlichen Bestreben des Präsidenten Doktor Benes decke: die Probleme zu vcreinsachen. Die heutigen geistig-politischen Verhältnisse nannte der Präsident trijenhaft und vorübergehend— diese Krise aber wirke doch auch läuternd. Für uns konmte es darauf an, Zeit zu gewinnen, und dcit Frieden mit der größten Energie verteidigen zu können. Ohne ein g e w i s s e s M a ß geistiger Freiheit könne wederder Schriftsteller noch der Mensch schlechthin ausdicDau erleben. Die heutige politisch-moralische Situation, in welcher der Staat und das Kollektivum gegen die Rechte des Individuums vergottet werden, tvird wieder der wahren Konzeption des sozialen Lebens weichen.0 müssen. M Al» Dr. Mosche gegen diese Auffassung malt zu, protestieren sucht, empfiehlt ihm Taub die Lektüre der .Jägerndorfer B c z I rk s z e i t u n g" vom 18. September, worin der SdP-Äbgeordnete Jng, Künzel u. a. erklärt hat: „Wenn wir nun gesehen haben, wie un» Unrecht getan wurde, daun ist e» kein Wunder, daß vitleBlickenachdriiben gerichtet wurden. In uns schläft der gleiche Puls, wie er drüben v u l st, uns verbindet eine Kult u r- und BlutSgemeinschaft"...„Wenn IMS von tschechischer Seite gesagt wird, wir sollen dorthin gehen, wo er uns paßt, dann sagen wir darauf: k,Ja, wenn wir unsere Heimat, der Bauer den Hof, der Arbeiter den Arbeitsplatz, der Geschäftsmann seinen Laden mstnebmen könnten. ,." ctzenosse Taub schloß mit der Feststellung, daß' wit keine Aussprache mit der SdP zu scheuen haben. Sie möge aber zur Kennwir nehmen, daß wir sie unmöglich naö> ihren Worten, sondern nur nach, ihrenTaten beurteilen können. SdP bleibt Intransigent Aus die Rede Dr. Hodjas antwortete noch am selben Tag der SdP-Mann Kundt. Aus feinen Ausführungen geht hervor, daß die SdP nach wie vor sich auf den nicht sehr sicheren Standpunkt:„Wir könnest ja warten, bis jhr uns kniefällig bitten Ivcrd.et" zurückznziehcn gedenkt. Wollten sie sich wirklich nach den Worten de» Ministerpräsidenten richten und sich radikal umstellen, dann bliebe- ja von ihrer ganzen Anziehungskraft auf die Masten»i ch t s übrig und die SdP hätte neben den alten aktivistischen Parteien ebenso tvenig eine Existenzberechtigung, wie hrute die Kommunisten. Kundt brachte«Ine Reihe von Beschwerden vor, n. a. auch darüber, daß bei den Reisen der Staatspräsidenten die SdP von den Empfängen aus- geschlosten worden sei. Das tschechische Volk habe seine Freiheit nur errungen, weil e» mit den neuesten geistigen Entwicklungen Europas gegangen sei; heute glaub««r, bei der geistigen Entwicklung von 1018 stehen bleiben zu können. Wenn di« SdP diese Dinge nicht mitmach«, werde sie verschrien. Sie tvürden sich aber lieber einsperren als geistig(von Deutschland) absperren lasten. Die Autonomie, die die SdP verlange, müsse eben so sein, daß sie den Staat nicht sprengen könne. Die SdP würde sich nicht darauf«inlasten, die Staffage für die innere Konsolidierung des Staates abzugeben. Die Tschechen würden um sie nicht herumkommen. Wenn die SdP einem Manne(Henlein) das größte Vertrauen gebe, damit er in wichtigen Fragen entscheide, so seiUia» ihre Sache und gehe die Tschechen nichts an. Auch Kkepek sei nicht Parlamentarier gewesen und ebenso nicht Stolberg und Hacker. Erst wenn die Tschechen eine gei st igeWen düng vollzogen' haben, werde die SdP anders sprechen können als heute. Am Mittwoch wurden im Budgetausschuß die Kapitel„AeuhereS" und„Nationalverteidigung" i» Verhandlung gezogen., AuS Raunnnan- ' gei müstm wi^tzi'e' küH'e Besprechung dieser Bert Handlungen auf morgen verschieben. In unserem Bericht voni BerbandStag-der I w ü r d e d e m n a ch f ü r 200.000 Personen GlaS- und Keramarbciter erwähnten wir bereits der Industriegebiete Arbeit verschaffen. Die Warenausfuhr der Tschechoslowakei macht 2.06 Prozent des Welthandels aus. Eine angenommene 60prozontige Steigerung unserer Warenausfuhr würde lediglich 1.03 Prozent von der Warenausfuhr des Welthandels ausmachen. Da das Volumen des Welthandels im Jahre 1036 gegenüber 1020 erst 70 Prozent erreicht hat, ist noch eine Reserve von 21 Prozent vorhanden, die genügen dürfte, um die 1.03 Prozent der tschechoslowakischen Warenmchrausfuhr unterzubringen. Die Steiger nngunsercrWarcn- a u s f u h r i st m ö glich. Unsere Ausfuhr ist am stärksten nach den Ländern zurückgcgangcn, wo daS Pfund Sterling und der Dollar die Währungseinheit bilden. Im Jahre 1934 verzeichnen wir nach den vier überseeischen Gebieten Asien, Afrika, Amerika und Australien einen Einfuhrüberschuß von einer halben Milliarde KI. Aber auch der Außenhandel nach europäischen Staaten weist ein Pastivum auf. ES ergibt sich daraus, daß wir mit gewißen Ländern und Erdteilen niit etwa% Milliarden KI passiv sind. Hier ist eine erfolgreiche Steigerung unserer Warenausfuhr ohne weiteres auf Grund der Gegenseitigkeit gegeben. DaS Problem der Arbeitsbeschaffung für 200.000 Personen in den Industriegebieten unsere» Staates kann gelöst werden. Notwendig dazu ist die Durchführung einer durchgreifenden Förderung unserer Warenausfuhr, und ztvar: Einstellung unserer Handelspolitik nach dem Grundsatz, unter allen Umständen eine Warenausfuhr zu erreichen. 1083 1934 1038 im deutschen Gebiet 82.1 76.3 im tschechischen Gebiet 88.0 20.1 Im Jahre 1038 war die Arb ei ts lo s ig le i t in d e n d e u t s ch e n G eb i e t e n m e h r dewndoppelt so stark, als in den tsche chischen Gebieten. Von 1033 bis 1036 haben die deutschen Gebiete einen Rückgang der Arbeits losigkeit von 13.6 Prozent zu verzeichnen, wäh rend die tschechischen Gebiete in der gleichen Zeit eine Verminderung der Arbeitslosigkeit um 41 Prozent zu verzeichnen hatten. Die Besterung des Arbcitsmarktes und der-Einsatz öffentlicher Mittel hatte sich also iw den tschechischen Gebieten weit wirkungsvoller ausgewirkt als ln den deut schen Siedlungsgebieten. ES muß ohne Unter- . schied in einem demokratischen Staatswesen der Grundsatz' gelten, allen Opfern der Wirtschaftskrise i m g l e i ch e n» Au s- maß di« Fristung ihrer Lcbe.ns- existenz zu ermüg l ich en. Dieses ist nur möglich bei einer gleichmäßigen Verteilung der vorhandenen. Arbeit, und'Schaffung neuer Ar beitsgelegenheiten durch die. Verwirklichung eines großzügigen Programms dtzr Arbeitsbeschaffung durch intensive' Ex.p o rtfü rd e rung zur Steigerung; unserer Waren ausfuhr und die'Erweitssrung der öffentliche»' Jnvestitionsarbeiten. Das Problem- weitgehender Exportförderung ist-zu einer i^chtistey,LebeysMgeAr)die Bevtzf-, , keruug der deutschen RandgMete qcwordcn. täJu Am Jahre 192? beirug^ic WarenauS- :füihMer T s ch e ch o sPö W it k e i' 20.408 MÜsvlMk Kö.'.bel einem Arbcitslosenstand von '41.ÜÜÜ-Versön,86 bettMtziestscheihoslowa-' lisch«: Warenausfuhr-7üS1Milliünen Ki und dec Arbeitslosenstand im JahreKduichschnitt 686.300 Personen.' Auf jeden Arbeitslosen.' entfällt ein' AusfiihrverlUst von 10.800' Föi Eitze 80 p r o- zc nti.ge S te-i'g.c riing de r tsche-ch o^'.^WWWWW|WWWW slowakische n- Warenausfnh r I men, dessen Errichtung' nur noch eine technische „Volkseigen" Wie wir berichteten, befand sich in der Mitteilung des Kü l t u r;v erbnndes über besten Beschluß, fünf Preiswfür geistige Leistungen auszusehen, auch ein Pastus.laut welchem Professor Geßnerals Voraussetzung für die Preisträger j deren„V o l k s e i g e n h e i t" erklärt habe. Nun aber hat Professor Geßner auf eine private Anfrage hin einen Teil der Ocsfcntlichkeit wissen lasten, daß er das Wort„volkseigene" nicht gebraucht habe und daß sich j c d e r Sudeten- deutsche um die Preise bewerben könne. Angesichts dieser Erklärung des KulturverbandSob- manneö verzichten wir darauf, die Frage zu ergründen, wie denn jener Passus in die vom Kulturverband ausgegcbcne Mitteilung gekommen i sei, lind wir wollen es auch dahingestellt sein lasten, ob und wieweit demokratisches Einpsin- dcn oder aber nur die Sorge um einen gewissen Teil.der Knlturverbandsmitgliedschnft%ie Organisation auf„Bolkseigenheit" der Preisbewerbcr verzichten läßt. ES genügt uuS zunächst die erfreuliche Mitteilung dos ObmauuoS. daß er das Tiort, nicht gebraucht habe und daß cs im stenographischen Protokoll nicht vorkomm«. Alt-Rohlau setzt sich zur Wehr den Seife 4 Donnerstag, 12. November 103'0 Nr. 263' Sensationsprozeß in Jungbunzlay Jungbunzlau.—rb— Das Jungbnnzlaner Schwurgericht stand gestern im Zeichen eines Sen- fationsprozesses. Vor den Geschworenen stand der 86jährige Bäckergehilfe-A ntonEernh unter der Anklage des Mordes, begangen an der LOjähri- gen Prostituierten Anna Vavkik. Eng verknüpft mit diesem an sich aufsehenerregenden Krimi» nalsall ist eine weitere mysteriöse Tragödie, die bis beute keine volle Aufklärung gefunden hat. Einen Monat vorher— am 20. Jänner d. I.— wurde aus einem Feld der Jungbunzlauer Umgebung die Prostituierte Pauline Flodermann erdrosselt aufgefunden, und verschiedene Einzelheiten liehen den Verdacht auftauchen, daß.Anton Eernh auch die Jloderyiaun getötet habe. Der Eindruck, den der Mord an der Vavkik und her mysteriöse Tod der Flodermann in der Oeffentlichkeit hinterlieb, war umso stärker, als in kurzen zeitlichen Abständen zwei weitere Mordaffären, die von ähnlicher sinnloser Grausamkeit des Täters zeugten, vorfielen, nämlich die unbegreifliche Mordtat des jungen Pero, der ohne jeden Grund ein junges Mädchen über den Haufen schob und sich nach seiner.Entdeckung selbst richtete und die schreckliche Bluttat des Randnifeer Mörders Eeriih— eines Namensvetters des gestern Angeklagten— her seine Kusine, gleichfalls ohne jede Ursache tötete und nachher als Massenlustinörder entlarvt wurde, der eine ganze Reihe ähnlicher Schreckenstaten auf dem Gewissen hatte. Die LebenSgeschichte des Anton Eernh, wie sie int Laufe der Untersuchung zutage kam, deutet auf eine abnormale Veranlagung dieses jungen Menschen hin. Soweit Berichte a»S seiner Kinderzelt und späteren Jugend vorliegen, kennzeichnen sie übereinstimmend den Angeklagten als Menschen von angeborener Ividernatürlicher G r a u s a m k e i t, die sich in schrecklichen Tierquälereien auSlebte. Er liebte er z. B., gefangenen Vögeln die Augen auszustechen, die Füste abzuschneiden, schmorte junge Katzen bei lebendigem Leib in verscklossenen Kesseln u. dgl. Mit zunehmendem Alter machten sich die sadistischen Instinkte des Angeklagten in verschiedenen Quälereien seiner Mitmenschen Luft. Ta er auberordentlich stark war und «zeitweiligen Wnlanfällen untersag, in denen er blind um sich hieb, war er allgemein gefürchtet und seine Kameraden gingen ihm aus dem Wege, wo immer sie konnten. Im Jahre 1080 kam er zum erstenmal vor Gericht—«nie r M o r d a n k l a g e! Er hatte seine Geliebte Anna Stränsky in einem seiner Wutansälle «. mit neun Beilhieben ermordet. Er wurde damals nur wegen T o t s ch l-a g e 8 g» sieben Jähren schweren Kerker» verurteilt und, da er sich im Gefängnis tadellos geführt halte, nach vier Jahren und acht Monaten bedingt aus der Strafhaft entlasten. Zum Militärdienst einbezogen, wurde er von feinen Kameraden natürlich gemieden und trachtete daher, vom Militär loSzukonnnen. Er war als vermeintlicher Epileptiker mehrfach in Beobachtung, hoch erklärten die Lachärzte seine Anfälle als Simulation. In» Zivilleben zurückgekehrt, fand er eine Anstellung bei dem JNngbunzlauer Bäcker Rudolf Skastnh. Sein Dienstgeber war mit ihm zufrieden. Seine Beziehungen zum anderen Geschlecht beschränkten sich auf Verkehr mit Prostituierten. Tie Rächt vom 82. Feber brachte der kleinen Stadt Jnngbnnzlau eine Sensation. I» den Morgenstunden dieser Nacht wurde ein Mann festgenonune», der, ein Mester schlvingend, durch die Strasten mef und laut schrie, dab er den Direktor der dortigen Jndustrialbankfiliale ermorden mäste, der angeblich seinen Dienstgeher durch hartherzige Exekutionen existenziell vernichtet habe. Die Gendarme» stellte» in' dem Exzedenten den Angeklagten fest. Er wurde in Haft genommen und bet her Haussuchung»lachten die Sicherheitsorgane eine r grünlichen Fund. In dem Ziniyrer,'das l!erny bewohnte, fand'man die Prostituierte Anna Vavkik erdrosselt auf. Eerntj gestand, er habe die Prostituierte die ihn auf der Strasse ansprach, in sein Zimmer mitgenonunen. Tort sei es dann, aus Gründen, die sich der Berichterstattung entziehen, zu einem Streit gekommen. Er habe die Vavkik gewürgt und als er aus seinem Wntanfall zu sich km», sei sie bereit» tot gewesen. Die folgende Strassenszene war offenbar»ur eine Simulation gleicher Art, wie sie der in'der Strafanstalt trefflich geschulte Angeklagte bei seinen angeblichen epileptischetl Anfällen in Szene gesetzt hat— darauf berechnet, seine Unzurechnungsfähigkeit nachzuweisen. Nun ist gerade der Umstand, das; sich die zweifellose AbiiormaUtät diese» Angeklagten mit höchster Raffiniertheit paart, die Ursache gewesen, da» die Sicherheitsbehörden vielfach irregeführt wurden. Es genügt, darauf hinzuweisen, dass der Angeklagte s e t n e A u S s a g e n Insgesamt z w e i- ii n d z w a n z i g m a l ä n d e r t es die innnög« lichsten Geständnisse ablegte, sich selbst aui» schwerste belastete— um gleich darauf sein Geständnis zu widerrufen. So b e z i ch t i g t e er sich d e S Morde» an der Pro.stituierten Flodermann, deren Tod'einen Monat vorher die Stadt in Aufruhr versetzt hatte und es schien tatsächlich geraume Zeit, dast dieses Geständnis der Wahrheit entsprach. ' Der rätselhafte Totckder Prostituierten Flodermann ist durch da» Gutachten der ärztlichen Sachverständigen auf Grund des ObduktionSprotokolles als S e I b st m o r d erklärt worden. Dieser Selbstmord geschah nach dem Gutachten in der Wesse, hab sich die Floderiiiann m'i t ein em® trumpf s e l b st erwürgt habe. Auch-um den Hals der von Cerich getöteten Vavkik war ein Strumpf geschlungen und eben diese sslebereinstim- mung legte zunächst den-Verdacht nahe, däb Eerny auch der Mörder dev Flodermann sei." Tatsächlich bekannte er sich auch bei einem der Verhöre zu dieser Tat, widerrief aber alsbald dieses Geständnis, das sich auch mit dem Befund der ärztlichen Gerichtssachverständigen in keiner Weise deckte. Die endgültige Auslegung lautet dahjn, dah(kernst nach vollbrachter Tat au» irgendeinem, seiner abnormalen Natnr naheliegenden Grund, sich dazu-inspirieren lieb, der von 4hm mit den Händen- erdrosselten Vavkik einen Ihrer Strümpfe um den Hals zu schnü- ren.und so eine Parallele zn dem ihn offenbar sadistisch erregenden Tod der Flodermann zu konstruieren. DaS Motiv: Haß gegen„leichte Frauenspersonen?" Angesichts einer solchen Sachlage bleibt nur zu bekennen, dab' Fälle wie dieser, einet Vernunft« gemäben Auslegung-unzugänglich bleiben, zumal in einer Sache, bei der die hemmungslose Triebhaftigkeit des Täters mit einer groben Raffiniertheit Hand in Hand geht. Anion(kernst erklärt, einen tiefen Hab gegen„leichte'Frauenspersonen" zu hegen, fett■ ec| „Hokuspokus-Weltkongreß In der Isarstadt** . Man bleibt auch heute noch gerne stehen, wenn da irgend ein geheimnisvoll auf- gemachter Magier oder ein elegant in'Frack und Zylinder austretender Gcntlcinon(— R i b• b e n t r o P—?) seine' uns unerklärlichen Künste zeigt, wenn er mit seinen Karten ein loses.Spiel treibt(—Schacht-wenn er alles mögliche Klein» und Grostvieh ver» schwinden lästt(— am Ende gar der Herr „Reichs-Jägerineistcr?" Da sei Gott vor!),'... wenn er sich in einen Koffer legen lästt(— doch nicht gar in die Festung.Landshut.—?), mit gefesselten Händen und Beinen und dann beim Oefsnen der Kiste(— oder beim Reichstags» brand?—) spurlos verschwunden-ist-oder.gar als fröhlicher Zuschauer der-Oeffnnn» Bereit» beiwohnt..., Wie muß,das.erst-m Münchenwerden, wenn nicht nur einer der mst geheimnisvollem Drumherum umgebenen Minner auftritt, sondern die Welt-Elite der Zauberer? An die 400 Zauberer-. ,'; haben sich in der Hauptstadt der Bewegung bereits zum Besuch angcmcldct... aus Argentinien(—siehe im Konversationslexikon unter„Junta"—)... aus Südamerika,und aus Japan sind Voranmeldungen eingelausen'-... Wenn sich ein gro- tzer Teil des Kongresses auch hinter verschloffe- nen Türen abspieleu wird, weil sich die Zauberer bei ihren Sitzungen, in denen die neuesten Tricks und Hexeukunststücke gegenseitig erklärt werden, nicht von einem breiteren Publikum in die Zanbersuppc schauen laffcn wollen, so gibt es doch zahlreiche öffentliche Veranstaltungen (— Parteitag—?), für die heute schön lebhqf. tcS Interesse' von den verschiedensten Seiten besteht.(Nach dem Brande ist gilt Potsdam. Alter Spruch).... Aber wohlgcmerkt,'unter diesen Amateur-Zauberern befinden sich Leute, deren Kunst in jedem Barietb»der auf jedem Volksfest Staunen und Begeisterung' auslöscn würde. Diese Männer zeigest ihre neuesten Tricks und ihre alterprobten /Zauberkunststücke nur einem fachmännischen Publikum, ost nur Kollegen(— Mussolini?—).'.'. Weiter sei deö allerdings jetzt nicht mehr lebende Wiener Steüerdirektor Hofzinscr erwähnt,hat ihm die Erfahrung machen-'mutzte, dass ihn seine, von ihm getötete!6jährige.Geliebte auf» schändlichste'Hintergängen ünst.sich' mit verschiedenen anderen, Mannern, heril'mg'etriöben habt,'lind dieser* äür seiner etsten unglücklichen' Liebe styipmende Hatz habe ihn bei dem Streif tnls-der Prostiütierten Vavkik bis zssr Unzu» rechiNingSfähigkeit erhitzt und'sso-sei.eS.zu der Mord- tat'gekonimenl l/>' BilT. vor weiittzÄ-Tagen war eS.tingeivjh,.ob dieser Angekwgte' vor- den Geschworenen- erscheinen, oder einer Irrenanstalt übergeben weiden-würde. Die, p s y.ch I a.t.r is chenSachve r st än- d I g en hall en' i h n f üt zur e ch nung S« sä h t g i m'S. in n e un se-r.e S S tra-f.« g c f e fe e'8. e'.r ,k-l-'ä r t und so stand-Anton, Eerm'l vor den Geschworenen-. '-,-■*•.-.'■> -Alle-von-Oj.GR.».B e-r g?m: a: n- n.-'geleitete Verhandlung-Nnirde.'wegen der- erotischen Einzelheiten! die- bet-' der- Binirieilung. dieser- Tat in' Frage kommen,-gleich nach /Pexlesung-dec Anklageschrift'für g e h.e i m, erklärt».so! daß.über- deren« Perlänf'nicht referiert-.' werden kann. Die-.Anklage,- vertrat S t a'a t S'a'n'w-a'-ll't'f Dr..C-ie-v ä r.-e k.-.. Spät abend» bejahten die Geschworenen die Frage, auf Mord nur mit 7:5 Stimmen,' waS zu einem Schuldfpruch'wegen diese» Deliktes nicht hinreicht. Eerpst kamalso Mit--10-Jahren- schweren Kerkers wegen'T'o t s ch lagesdavoni Die Geschworenen hatten diese Eventualfrage einstimmig besaht,,ebenso'.did weitere Frage bezüglich niedriger.Nnd unehrenhafter Beweggründe.'' Lis heute keiner'nächmachen- können(— 25. Juli 1934—?)..'.. es ist nicht leicht, in die Gruppedieser'Ringträger eingerciht zu werden, zumal ja- schon-der sehr schwere Prüfungm zu bestehen, hati der'in die regionalen Verbände der Massier- aufgenomchefi werden will-(—-Revolverschüsse an diöDecke des' Mrgerbräukellers Mächen.—.längst-seinen Effekt mehr-—)- /:»>,. An-den Empfang.schliesit sich-ein„Magisches Seminar" im Kongresihaus-an,-'und- am Abend gibt-es als'Abschkusi' der Münchener-Zaubertage nochmals- einen- Festabend' mst einem Hokuspo- kus-Wcttbewcrb,"(Im Braunen. Haus oder. Por der Feldhcrrnhallc?)' Das, ist-nicht der--'.Bericht-.'über eine NSDAP-Feier, sondern tvirklich'-die Meldung' der„Preusiischen Zestung" über den Kongreß der Zauberkünstler in Münchens. ' Ein- Schwindelynternehmen.behördlich'- eingestellt., Die Polizeidirektivn in Prag hat nach' 8 2b, Ms. 2 des-Gesetzes über das Vereinsrecht, dis, Tätigkeit: des Vereine»„Tschechos.loivalisch-. deutsche Händilstamniei!"-mit dem Sitz'-EPrag bis zur endgültigen Entscheidung über dessen Auflösung eingestellt. Es handelt sich dabei uM' keine seriöse Institution,) sondekni um die-Schwindelgründung eines gewissen Jng. Artur F r-i e s'e k, der sich unberechtigtertveise auf die deutsche Ge'- sandtschaft berief.- Als auf der Gesandtschaft sich Anfragen häüstens verständigte diese das Austenamt von dem Mistbrauch, was zum-Einschreiten der Polizei führte. Friesek wird derzeit noch vergeblich gesucht. Wieder ein ZugSzusammenftoß. Am. 10 November um 21 Uhr 50 ist der quS der Station Brüx aussahrende Güterzug, Nr.1188 mit einer Reservelokomötive z'iisamm'engestöhen.. Bei dem Zufammenstost- wurde der Zugsführer- Alois S k a l o u d aus Brüx schwer verletzt und inS Krankenhaus übergeführt, wo-er-starü.! Siebzehn Güterwagen entgleistest, die Ursache wird untersucht/(Von', der Staätsbahndirektion in Prag.)' . Josef Redlichgestörten, Der Professor der Staats- und Verwaltnngswissenschastan der' Wiener Unwersität rund'-frühere' Finanzmlnistex, Dö Josef Redlich.ist Mittwoch'in' Wien. nach.-kürzet Krankheit an din Folgen einer Lungenentzündung gestorben..Josef'.Redlich wurde am.Ib/'Juni. 1869 in Göding.alS.'Söhn eineS Jntiustriellen' geboren, studierte, Staats- und, VerwältutiMecht'/und.'wurde im Jahre-1910' glS.Professor siir Verfassung»-.und VerwaltungSrech^ ass'.dji, Wieher^ Universität berufen, Läpgere'Ze'is.lehrü^ er.imch äss'de'r'Hätzyrd-llniver». slfät in Cämpridge in-den Vereinigt'en Staaten, wo I er/sich auch'>im Vertin,her Fret>nde-ifü'r?.dse-Tschecho-- slowakische Republik betätigte. Von seinen zahlreichen wissenschaftlichen Werken sind insbesondere bedeutsam Rechtend Technik des englischen Parlamentarismus(1908), das österreichische Staats- und Reichsproblem, Desterreichische Regierung und Verwaltung im.Weltkrieg(1925). 1988 veröffentlichte er eine viel' besprochene Biographie des Kaisers. Franz Joseph von Oesterreich. Neben seiner wissenschgft- sichen Tätigkeit war Prof. Redlich auch politisch mtig. Jin Jahre 1906 wurde er in den mährischen Landtag und 1997 al» Abgeordneter der deutsch- liberäle» Partei in den ReichSrat gewählt. Diese pätlamentarischen Funktionen übte er unimterbrochen bi» 1018 an». In den Kriegsjahren trat Redlich' füh eine Föderalisiernng Oesterreichs eiii. Ter tetz- trN.k^-.k..österreichischen Regierung, dem Kabinett Lamasch im Oktober 1918 gehörte'Redlich als .Finanziniiiister an. Im Kabindtt Buresch vom Iah« 1981 bekleidete er gleichfalls den Posten de» Fi- nanzministerS. Dr. Redlich unterhielt auch sreuno- schaftliche Beziehungen zu zahlreichen tschechoflowa- kischen Politikern. Mit Mafaryk war. ec bereit» vor dem Weltkrieg bekannt. Die anglophilen und-die amerikophilen Interessen brachten sie einander nahe. Nach dem Umsturz wurde Professor Redlich vom Präsidenten Masaryk mehrmals in Audienz, empsangeu. Gefahren der Lust für die Erdbewohner. Am 7. November brach während der Flugparade in einem Schwerslugzeug beim Flug über Moskau die gekröpfte Welle, des Motors. Infolge der Beschädigung des Motors lösten sich dann-Propeller und einzelne Teile des Motors los, die. auf die Strahe von. Bolschaja Dmitrowska sielen. Durch die herabgestürzten Trümmer wurden drei Personen getötet und acht. Personen verletzt. Da» Flugzeug' setzte den Flug mit drei Motoren fort und läi'idete wohlbehalten- am-Flugplatz. .- Ein mörderische» Flugzeug. Bei der Gemeinde MoeeaGörga ist während eines Sturmes ein italienisches Bombenflugzeug abgestürzt. Infolge des eisigen Windes übprzog sich nämlich das Flugzeug mit einer Eisschicht, welche den Absturz verursachte, Bei'dem Absturz kamen vier Mann ums Leben. Nur-ein Mitglied der Besatzung, ein Kapitän,, könnte sich. durch einen Fallschirmabsprung retten.'..-Um das abgestürzte-Flugzeug sammelte' sich- eine grotze Menschenmenge a». Plötzlich.'- explodierte der Benzinbehälter. Hiebei 'fäittzen weitere fünf Personen den Tod. --' Pulverfabrik aufgeflogen. Die staatliche Pulverfabrik in Latacuuga(Ecuador) wurde durch eine'Explosion vernichtet, der ein Braud folgtet Vier Personen'wurden getötet, 1b verletzt. - Bergsturz. Am Loen-See(Norwegen) hat sich ein'neuer schwerer Bergsturz ereignet, der in seinem Umfang'dem letzten grasten Bergsturz vom 18. Sep- tember-gleicht,'.-Die)Felde'r-sind weithin tzprwüst'et,, jedoch sind Verluste an Menschenleben bisher nicht zu- verzelchnen.'- - Regen-in, Sicht. Vom Osten her dringt gegen- das Festland- eine neue-tiefe-Störung vor,.deren Zentrum Mittwoch um 14 Uhr westlich von Irland lagerte.- In' Frankreich regnet es bei stürmischem Südweftwlnd und.ziemlich hohen Temperaturen. Bei ünS wird sich Donnerstag der bisherige Witterungscharakter nicht ändern.— Wahrscheinliches Wetter h e.u t.e: Wechselnd bewölkt, untertags mild, Westwind, auch in Karpathorustllmd weitere Besserung. Vom Rundfunk Swpsehleuawerte» an» den Progranunen«. Freitag:' - Prag-I.-7:-Morgenkonzert, 10.95: Deutsches Presse, 10.15: Schallplatten, 11.85: Ans Opern,- 18.10:- Volkslieder,-17.10: Brahms: Gelgemstiar- tett 18.10: Deutsche Sendung: Helmat, Staat und Volk von- Dr. E. J-ranzel: Durch acht Jahrhunderto böhmischer. Ätschtchte/ 18.35; Arbeitersendung: Aktuelle zehn-Minuten, 18.55: Deutscher.Kulturbericht vom Tage. 19: Aus dem Deutschen Theater:' Zaü- berflöte- von Mozart. Sender ll:' 7.80: Orchesterkonzert/-14.15:'Deutsche Senduiig;"Burger:'Deutsche Laiensptelbew'egüngsin'Böhmens. 14.50: Deutsche Presse, 18: Schallplatten.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Au» dem Sporlleben,— Rauschgifte-der'-Neuzeit,,-19: Salonrrio.— Prehburg 30.05: Militärkonzert, 28.80: Tanzmusik.— Ka» fchän 12.85: RUndsunkorchesterkonzert.—'Mährisch- Ostrau.18: Deutsche. Sendung: Lieder. auS^Tonfilmen.' Nr. 883 Donnerstag, 12. November 1836 Seite 5 .. Präsidium der Hauptstadt Prag.* (Technische Abteilung). Z. 2031/36. Prag, den 28. Oktober 1080. iMMMUWWM für«inen geeigneten Platz zur Errichtung elnesDenkmalsHIrdenerttenPrlsidenten der Tschechoslowakischen Republik, den Präsident-Befreier T. G. Masaryk. Der Rat der Hauptstadt Prag schreibt gemäß seinem Beschluß vom 28. Oktober 1086 am Jahre»«, iag der Verkündigung der Selbständigkeit de» tschechoslowakischen Staates, dem 28. Oktober 1088. einen öffentlichen, nicht anonymen IdeenweNbewerb für«inen Vorschlag zur Errichtung eine» Denkmale» de» ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, de» Präsident-Befreier» T.<8. Ptasaryk, au». Der Wettbewerb wird in zwei Etappen ausgeschrieben. Ter erste Wettbewerb, der am Geburtstag de» Präsidenten, dem 7. März 1087, endet, soll die Regulierung»« und. baulichen VorauS« lctzüngen für den Standort, des Denkmals' ergeben. Die Ausschreibung de» zweiten Wettbewerbs wird nach Prüfung des Ergebnisses de» ersten Wettbewerb» erfolgen. An dem Wettbewerb können sich sämtliche bildende Künstler beteiligen, die Staatsangehörige der Tschechoslowakischen Republik find. Die Wettbewerbsbedingungen und Behelfe wird gegen Bezahlung von 80 Kd, die den Autoren de» Wettbewerbs zurückerstattet werden, db 18. November 1088 da» Rcgulierungsamt der Hauptstadt Vrag. in Prag 7., Novä radinicet.8. Stock, in den Amtsstunden von 8 bis 18 Uhr WSfolgen. Der Primator: 8026 JUDr. K. Baza m. p. OHM und Sozialpolitik Abkommen mit Jugoslawien Dienstag abends wP.de das jschcchoslowa- kisch-jugoslalvischc Abkommen über den Waren«, austausch für das künftige Lahr unterzeichnet. Jugoslawien hat die Zölle auf gewisse Warengattungen(Bier, landwirtschaftliche Maschinen, Bugholz, Seidenstriimpfe usw.) herabgesetzt und die Einfuhr dieser Waren ohne Kontingent bewilligt. Die Tschechoslowakei betvilligte Jugoslawien neue Kontingente auf Leder, Geflügel, Po- widel u. ä. und gewährte besonders Vergünstigungen für die jugoslawische Ausfuhr in di« Tschechoslowakei. Die„Politika" konstatiert heut«, daß auf Grundlage des neu«» Abkommens sich die jugoslawische Ausfuhr nach der Tschechoslo- lvakei bedeutend erhöhen werde. Nach einer Aeußeruitg Dr.'Niederles! des Generalsekretärs des'Wirtschaftsrates der Kleinen Entente wurde da» Rahmenabkommen über den Warenaustausch zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien bereits bei den Beratungen des WictsckxiftSvates der Kleinen Entente in' Bukarest erreicht. Erportfolge der Metallmötel- Erzeugung. Im Lauft des heurigen Jahre». gelang«S der heimischen Metallmöbel-Erzeugung im Vergleich zum Vorjahre den Export wesentlich auszuweiten. In den^ersten neun Monaten wurden für -1,8 Millionen Kd Metallmöbel exportiert, gegen 2,6 Millionen Kd 1035. Beste Abnehmer sind ds« Tropenländer,, por allem Indien,, Mehr alS verdoppelte Ausfuhr«fach Kettland. Der Außenhandel Lettlands verzeichnete im heurigen Jahre eine kräftige Belebung. Die Einfuhr stieg in deii ersten neun Monaten> auf 82,2- Mill. LS gegen 77,6 Mill. Ls in der gleichen BorsahrSzeit und die Ausfuhr auf 87,7 gegen 72,5 Mill. LS. Die- Bezüge aus der Tsche- choslolväkei stiegen von 186,066 L» im Vorjahr auf 478,660 LS. Wachsende» AuheiihandelSpaffivuni mit den Empire-Staaten. In den ersten drei Jahrcsvier« teln 1938 ergab sich mit den wichtigsten Staaten des Britischen Empires ein Passivum von 149.8 (im Vorjahre 164,7) Millionen Kd. Aktiv war unser Außenhandel mit der Südafrikanischen Union mit 41(88,2) Millionen Kd, mit Kanada mit 32,3(i. B. 23,2) Millionen und mit Palästina mit 17.7 Millionen Kd. Die Passiv st aaten waren Australien mit 17,7 (i. V. 16,2) Mill. Kd, Brstisch-Jndien mit 180.4((. V. 141,3) Missionen und Aegypten mit 62,7(t, B. 48,3) Millionen Kd.— Dem gegenüber besserte sich die tschechoslowakische I Handelsbilanz mit Großbritannien, und zwar ergab'sich Heuer'ein Aktivum von 170,2 Mill. Kd gegen 120 Millionen im Vorjahre. Flugzeuge gegen Eisen und Butter. Das Blatt„Aftenbladet" bestätigt die Nachrichten, wonach Schweden bei der Firma Junkers in Deutschland Flugzeuge anzukaufen beabsichtigt. Die diesbezüglichen Vorverhandlungen sind bereit» abgeschlossen. Als Gegengeschäft, wird Deutschland in Schweden Eisen und Butter bestellen. Japans Außenpolitik in Schwierigkeiten (AP.) Der japanische Ausdehnungsdrang hat schon seit Jahren«ine außerordentliche Aktivität der japanischen Außenpolitik zur Folge, die sich nicht nur-auf China beschränkt. Schon 1038 wurden Verhandlungen mit Holland über japanische Flugzeugstützpunkte auf Neu-Guinea und mit Portugal über den Ankauf von Macao und Timor geführt. Auf Borneo erweiterten die Japaner ihre Konzessionen für die Erdöl» und Kautschnkgcwinnung. Nach Afghanistan wurde«ine Forschungskommission entsandt, der später Militärinstrukteure folgte». Die Bemühungen um Abessinien, A« g.y, p t e n, Syrien, Palästina, Hedscha», Meinen, Irak und die T ü r k e l sind bekannt. Die Anstrengungen in Süd- und insbesondere in Mittelamerika, wo der Boden für die Schaffung von Stützpunkten einer japanischen Unterscebootflotte gegen den Panamakanal vorbereitet wird, rundet das Bild ab. Der Angelpunkt der japanischen Politik ist jedoch in C h i n a zu suchen. Dort sind freilich in letzter Zeit wichtige Veränderungen vor sich gegangen. Die japanfeindliche Strömung imEhina wächst. Mehr und mehr bezeichnet man die japanischen Forderungen auf Anerkennung der Zustandes In Mandschukuo, Autonomie der fünf chinesischen Nordprovinzen, Verbot der Kuomintang, Einflußnahme auf das chinesische Erzie« hungSwcsen, Verzicht auf militärische und finanzielle Zusammenarbeit mit anderen Mächten al» untragbar. In.Peking liegen 4060, in Tientsin 4406, in Schanghai 2000 Japaner, die sich wie Eroberer benehmen. Der japanische Druck auf Hopes und Tschghar nimmt zu. Der japanische Schmuggel zerrüttet die chinesische Wirtschaft. Die japanischen Spionagezentralen' in Nordchina arbeiten ganz offen. Auf die japanfeindliche Strömung, der sich auch Tschiang Kai Schek nicht „Neutralität" I 7.ÄMi>'^cAP.)- ÄWjöstöWrMK'MeU wurden von den Aufständischen-KonzentrationS» lager errichtet, deren Methoden den deutschen Lagern nachgebildet sind. Zu diesem Zweck befinden sich auch einige nationalsozialistisch« „Sachverständige" auf den Inseln. Mailand.(AP.) Die Finna Ernesto Breda hat eine Bestellung aus 10.000 Granaten von den spanischen Aufständischen übernommen. Sie tragen keine Herstellungsmarke, damit die italienische Herkunst nicht erkannt werden kann. Den Arbeitern sind strenge Strafen ängedroht worden, falls sie die geringste Mitteilung über diesen Auftrag an Außenstehende machen sollten. Dir„Japanische Mauer- in China(Ru). Der Mitarbeiter der Londoner„Times" in Pei- ping berichtet über die überaus rege Aktivität der. -Kauf- um i*L MoA-fhüSiefat uma A ktwfrt! entziehen kann, reagiert Japan heute mit ganz anderer Zurückhaltung als srüher. Warum? China ist stärker geworden, und das hat man in Tokio erkannt. Der Süden Hai sich Nanking unterworfen und der Norden verhält sich Nanking gegenüber loyaler, als man erwartel hatte. Dazu kommt die Zunahme der chinesischen Rüstungen, die Festigung der chinesischen Währung und di« Unterstützung Chinas durch die fremden Mächte. Nach dem Scheitern der Londoner Verhandlungen haben sich England und Amerika einander genähert. E» ist heute klar, daß die Zusammenarbeit zwischen beiden Mächten, die 1081 nur an Sir John Simon scheiterte, die Besitzergreifung der Mandschurei durch Japan verhindert haben würde. Nachdem Japan die wirtschaftliche Zusammenarbeit, mit England ablehnte, weil England die Souveränität Nordchinas als Bedingung-stellte, und Leith Roß in Tokio eine Abfuhr erteilte, hat E n g l a n d sich nicht nur zum Grundsatz der angelsächsischen Zu- sammenarheit jm Fernen Osten entschlossen, sondern auch China umfangreiche Kredite eingeräumt. Das hat Chinas das auf dem Wege ist, aus einem„geographischen Begriff" zu einer staatlichen Einheit zu'werden, den Rücken gestärkt. Zwar kann Tschiang Kai Schek-noch keinen Kampf wagen, zwar lvird er noch manche Konzessionen machen müssen, aber die Grenzen seiner Nachgiebigkeit sind enger geworden. Er must der Volksstimmung stärker Rechnung tragen. Ali das hat Tokio nachdenklich gemacht. Es wünscht Nichts so sehr wie die Neutralität Englands be> einem Konflikt mit der USSR. Die japanisch' Zurückhaltung wird aber noch gefördert durch diinneren Schwierigkeiten, die rapid wachsen und seine Aktivität nach außen lähmen. Japaner in Nordchina. Japan erstrebe nichts anderes als die Aufrichtung einer neuen asiati« fchsn"j,Männt<-HMimd--sii!-doch bstr-WG- hier und>'dq' nöch in GebrqMM.AAll«r< ding» hat sie'jetzt die GestäMei»erRou>vai>d-an- linommen.' Mit dem praktischen Zweck/pim sie heute erfüllt, hat sie ihren zierlich-pikanten Reiz verloren. Sie war in. ihrer ursprünglichen Gestalt ein unentbehrliches Requisit des kosigen Boudoirs- und manch reizendes Geheimnis hat sie schämig verhüllt. Auf den galanten Bildern des Rokokos fehlt sie selten undenkbar ein Watteau ohne spanische Wand, aber auf den Werken der spanischen Meister ist sie kaum zu finden. Wer kennt nicht die„spanische Fliege"? Nicht etwa die kastagnetten« und äugen« klappernde Tänzerin in'dem seinerzeit" viel"gespielten Stück gleichen.Namens, sondern da» sehr bekannte und oft verwendete Pflaster. Hauptbestand' jeder wohl, assortierten Hausapotheke. Selbstverständlich' kömmt diese spanische Fliege auch" in Spanien zur Verwendung,-' aber der Drogist würde achselzuckond nicht verstehen, wollte chan von ihm«una moSca cspaüola" fordern, Henn- es gibt,ja.'auch'-eine Käferart, die diesen 'Namdst,führt.',-Auch hier ist der Name also nicht -svanischen Ursprungs.,. . i Anders schon-liegt der Fall bei dem- berüch« tjgstest„spänsfHen Stiefel". r.Diese» furchtbare-Marterwerkzeug hat zweifellos auch linier den reichhaltigen Folterinstrumenten der -spanischen Inquisition eine Rolle gespielt.', ES ist ckber nicht erwiesen)’. daß etwa die grausamen Vollstrecker dör sd.anischen Blutürteil^-diese'fchteck« sich« /Tortur' erfunden'.hättest?- vielleicht' haben die Chinesey'öder-iein« andere M. Marjefnhgsser Art ersindüngtzreiche Kation das Vervieiist.' diese' veinliche Fußbekleidung zuerst. aggewendet,-zu haben.--,And«re-Kult'urvölk«p haben .schon Stiefel"'iibernömmen,-uiid di- Spanier selbst-, .mnüt-n'dafür wieder Mit'dem Eigenschaftswort herhalten.- Aehnliche unangenehme Empfindungen wie der„spanische Stiefel" ruft auch der«spanisch e R e i t e r" in uns wach. Schuh- und Vcr« ieidlgungSmittel beim Gräben- und Barrikadenbau. Zweifellos wird er jetzt in Spanien von den beiden kämpfenden Gruppen in Anwendung gebracht werden. Der schon im Dreißigjährigen Krieg verwendete„spanische Reitsr" taucht auch in.dep modernen Kämpfen als Drahtverhau wieder auf. Beide, den„Reiter" wie auch den„Stiefel"' würde manheute'Iiebernur-noch im Lexikon finden, aber leider hat es den Anschein! als ob die Kulturvölker auf dies» traurigen Requisiten nicht verzichten könntest,, Weit' erfreulicher dürfen wir uns mit dem ^spanischen T r i t t", beschäftigen. Musik, Licht,"Zirkus,— Hohe Schulei Wenn ein M«s Roß, feinnervigi rassig) die-Fesseln hebt,- um im Takt der Musik dahinzutänzelp, gehorsam dem Druck der ReiterShand gehorchend, dann folgt das Auge wohlgefällig den graziösen Bewegungen des Tieres,.. - Im„spanischen- Tritt"' dokumentiert sich da» starre,.'.stolze, etwa» überhebliche' Wesen'- des spanischen Hofzer«moniells!'>un.d damit, sind wir auch fchqn, bei- der„spanischen Ettkettej'. Dies«-strengen, unerbittlichen Regeln eine» in Brächt und Kälte erstarrten Hofe» darf man'wohl heute als überwunden mträchten... ' In-! Spanien waren sie— selbst unter' der Monarchie—-wohl, nur noch bei den-„entradas". d. h. bei- den Einzügen, der) Stierkämpfer' in.die Arena, zu-fistden', bei denen zwei in ältfastiliäns- sche Tracht gekleidete Reiter'Mit feierlich-graziöser Geste den Hut vor der Ehrenpräsidenten-Loge Zäg-eAKjZe Hießt langet. Kaufen Sie sich einen warmen Raglan, kaufen Sie den Qualitätsraglan 4Ak,-Jn-„,-der»,«Moskauer. ,,Prawda^i'(S. Novoinbor)-ist ein---sehr- schärfer Aufsatz von Dimitrosf gegen die Führer der So- zialistischen Internationale veröffentlicht worden,. Die sozialistischen Führer Frankreich», Belgiens und der Tschechoslowakei, meint der Generalsekretär der Komintern, stände» Mauer für die Faschisten, die in diesen.Ländern, ebenso wie in England, den Sturz des demokratischen Regimes vorbereitcn.' Dimitroff ruft-das tvest- europäische Proletariat auf, diese Machenschaften damit zu erwidern, daß er den spanischen Arbeitern in ihrem Kampfe gegen' den Faschisnius hilft. Es sei notwendig: eine„W e l t v o l k s f r o n t" zu bilden zum Kampfe gegen die faschistischen Kräfte, statt daß man Zwietracht zwischen den linken Elementen säe, wie das Fritz Adler tu«.— Teils dürste das die Antwort auf den Artikel Fr. AdlcrS über den M o s k a u e r P r o z e ß sein, teils ein Versuch Dimitroffs, seine erschütterte Position zu festigen. ziehen und um Eröffnung her„corrida"(Stierkampf) bitten. In den Jahren nach dem Weltkrieg hat einmal eine Epidemie, die unter dem Namen„s panische Grippe" auftrat, viel von sich rede» gemacht. Sie zeigte-sich damals als sehr bösartigen Charakters.- Ob sie von Spanien Htm oder von den Tropen eingcschleppt war, hat man wohl nicht ganz einwandfrei feststellen können Vielleicht hätte auch ein« andere Nqtion den Namen dafür hergeben können. Um auf das kulinarische Gebiet zu-kommen: dä haben wir in erster Linie den„s panischen Reis". Ein Gericht, das nicht nur aus irgendeinem unbekannten Grunde sich so nennt, sondern das tatsächlich auch spanischen Ursprungs ist. Man nennt es dort„arroz a la Valenciana",„ also „valencianischer Reis" und das ist etwas ganz Leckeres. Wißbegierige Hausfrauen mögen das Rezept In einem internationalen Kochbuch nachschlagen. Es ist aber zweifelhaft— ohne ihren Kochkünsten nahetrctcn zu. wollen.—, ob' ihmn die Herstellung gelingt. Ganz einfach, weil ihnen die nötigen Zutaten fehlen würdtn, die hierzulande eben nicht zu haben sind, Es könnte passieren, daß sie ein Gericht produzierten, von dem der mißtrauische Gatte naserümpfend sagen würde:„d a S k o m m t m i r spanisch v o r". Mit welcher Behauptung-er nicht einmal recht hätte, denn— wie gesagt—„spanischer Reis" ist ettvaS sehr Leckeres.. I„Spa'ni scher'Pfeiffer? und„Spä« nische Erbsen" sind auch bei.uns wohlbekannt, aber sie bilden nicht gerade, wie- iw Spanien, einen Hauptbestandteil der, täglichen ,Mahlzeit. Seite 6 „Sozialdemokrat Donnerstag, 12. November 1836. Nr. 263 Teaqer fettww Wird Peru Diktaturstaat? (AP.) In Peru haben sich, von der Oeffent- iichleit fast unbeachtet, seltsame Dinge vollzogen. DaS Ergebnis der Präsidentenwahl wurde ignoriert. ES waren seinerzeit folgende Kandidaturen aufgestellt worden: 1. Luis FlorcS(18.000 Stimmen) für di« faschistischen Kräfte, meist Anhänger des seinerzeit ermordeten Diktators Sanchez Cerro, 2. Manuel Villaram(7660 Stimmen) für die Konservative», 3. Jorge Prado, ehemals Gesandter in Rio de Janeiro (13.000 Stimmen) für die in der„Nationalen Front" zusanmiengeschlossenen Parteien der Mitte, Favorit des gcgentvärtigen Präsidenten General Benavides, 4. Luis Antonio Eguiguren (81.000 Stimmen) für die Sozialisten. Der Führer der lingSgcrichteten, nationalrevolutionären Apra(Association populär revoln- cionaria americana), der bekannte Haya de la Torre, der bei den Wahlen 1981 von 800.000 Stinnnen zirka 100.000 erlangt hatte, wurde als Kandidat nicht zuzelassen, und zwar mit der in diesem Falle geradezu absurden Begründung, daß die Apra international sei. Das ist nun keineswegs bet Fall. 2m Gegenteil, die Apra hat sich wie zahlreiche andere nationalrevolutionär« Bewegungen(Mexiko, Cuba, Chile, Brasilien, Paraguay, Bolivia) stets vom Kommunismus abgcgrcnzt-> nach einem kurzen Zwischenspiel der Zugehörigkeit zur Antiimperialistischen Liga —, den Internationalismus abgelehnt und sich züm Gedanken der nationalen Revolution bekannt, freilich, ohne wie der ägyptische Wasd und die tuüksisDd Dtltnr-Partei sowie vestiinintc chinesische KN» indoncsische Gruppen aus Nationalismus zu, den Rechtsradikalen zu stoßen. Die Beloegung wandte sich gegen die Vorherrschaft des Auslandskapitals, trat für den Ausgleich zwischen Weißer» und Indianern ein und war durchaus national, freilich niehr im füdamerika- nischen als im eng peruanischen Sinne. Allerdings verfügte Haya de la Torre, der zuletzt als politischer Flüchtling im Arrsland lebte, über starke internationale Beziehungen. Sein Name hatte in ganz Südamerika einen besonderen Klang. Vermittlungsversuche zwischen General Benavides und Haya de la Torre waren gescheitert,"und seitdem herrschte ztvischen Regierung und Apra gewissermaßen Kriegszustand. In Wahrheit wären natürlich ganz andere Kräfte an der Ausschaltung dieser Nationalrevolutionäre, die man am liebsten auch als bolschetvistisch bezeichnet hätte, interessiert. Die Apristen gaben infolge Verhinderung ihrer Kandidatur die Parole ans,' für den sozialistischen Kandidaten, der bereits 1981 47.000 Stimmen erzielt hatte, zu stimmen. Dies wurde zuin Vorwand genomnien, die Wahl für„ungesetzlich" zu erklären, da eine verbotene Gruppe sich, an der Wahl beteiligt habe. Damit seien di? Wahlen„verfälscht" und ein unhaltbarer Zustand geschaffen worden. Die Motivierung ist reichlich konstruiert. Man griff zu" diesem Mittel, weil Eguiguren die Mehrzahl der Stimmen erlangt hatte, und brach die Stim- menWhlung schon bei dem vorläufigen, oben mitgeteilten"Teilergebnis ab,»un die Niederlage des offiziellen Kandidaten nicht noch zu vergrößernd Inzwischen wurde aber eine neue Regierung gebildet, der mlr'Offizierc- angehören, und es" heißt, daß Benavides vor der«Apra nicht kapi- tnliercn will, sondern' ein« Militärdiktatur plant. Labour behauptet«ine« Sitz. Bei den Ergänzungswahlen ins Unterhaus in Cläycroß, wurde der Labourist Ridley mit 24.290 Stimmen gewählt. Die konservative Kandidatin Jackson erhielt 8042 Stinnnen. J>» dem Wahlbezirk ist keine Aenderung eingetreten. Brun» Kalnin freigelassen. Der frühere Abgeordnete, sozialdemokratische Parteisekretär und Füh- rerdeS Arbeiter-Sport- und,Schutzbundes Lettlands, Bruno K alnin, der Sohn"des Parlamcntspräsi- denjen Paul Kalnin, wurde 1984 bei dem StaatS- slreich der Reaktion in Lettland verhaftet und zn drei Jahren Kerker verurteilt. Er wurde nunmehr nach zweiundeinhaÄjähriger Hast sreigelassen. Bruno Kalnin hatte" es abgelchnt,.«in Begnadigungsgesuch einzur"elch«n..• „Für die Freiheit der Kunst"! Unter dieser Parole veranstaltet der Klub tschechischer und deutscher Bühnenkünstler Freitag,.den 18, d. M., um 28 llhr im Befr e,.i,t.e n Theater eine Kundgebung. Es sprechen: Vhdra, Balk, Konrad. Frantiöek Langer,- E.'Franzel. In der Debatte sind als Redner vorgemerkt u. a. Prof. Mathesius, Pau- lig, Walter.Täub. Konkret, wird vor allen» zu. dem Fall Barna y, der Hebe'gegen die tschechische Staat-Preis.»I u r v und dar N a t tonal t h e a t r r, ziir Verleihung der Film- preise und der Jens n r Stellung genommen werden." Zehnjähriges Kind überfahren. Der 15jährige. Radfahrer Josef Soukal, ein Lehrling aus Dejwitz, überfuhr vorgestern abends in einer- Dejwitzeö Straße den zehnjährigen Schüler Georg Cernnik, der bewußtlos lieg«»» blieb. Soukal holte die unweit wohnende Aerztin Dr. Kellner/ die dem Knaben die erste Hilfe leistete und ihn durch die ÄettungSgesell» schäft inS deutsche"Kinderspitäl ain KarlSplatz überführen ließ, wo festgestellt wurde, daß er eine Ge- birnerschütternng und einen Bruch des linken Schenkels erlitten hatte. Den Radfahrer trifft nach Aussage von Zeugen keine Schuld ain Unfall. Zusammeustosji Zwei Verletzte. In der Svber- nergasse lief gestern- früh dem Motorrad des 25jäh- rigen Beamten SlanislyuS Milcc aus Wrschowitz die 31jährige Bedienerin Ludmilla Kulhänek aus Zij- kov in den Weg. Sie wurde uiedergestoßen und blieb bewußtlos liegen; sie hatte, wie auf der Klinik Schlosser kestgestellt wurde, eine Gehirnerschütterung, vier tief« Rißwunden a>n Kopfe und Blutunterlaufungen erlitten. Milec war gleichfalls vom Motorrad gestürzt und hatte sich beim Fall mehrere Zähne auSgeschlagcn; sonst hat er die gleichen Verletzungen wie die Kulhänek erlitten. Die Rettnngsgescllschast brachte ihn ebenfalls anf die ,Klinik Schlaffer. Bezlrksorganlsatlon Präs Anläßlich des dreißigjährigen Bestandes der BezirkSorganisation findet am S a m S t a g, den 14. November 1986, im G r o ß« n R adiosaal, Weinberge, Fochova, um 26 llhr ein Festabend statt. Reichhaltige» Festprogramm mit Festrede deS Parteworfitzenden Dr. Ludwig 8 z e ch. Alle Parteimitglieder haben dir Pflicht, bei dieser seltenen und erhebenden Feier anwesend zu sein. Eintritt einschließlich der fast 166 Seiten um- fastenden Festschrift Ai 6.—. JtuM und Wton Nitsliederausstellung Im„Mines** Diese Ausstellung umfaßt mit über 400 Nummern so zienilich alle Richtungen, die eS in der zeitgenössischen Malerei gibt. Dec Aesamteindruck ist demnach denkbar bunt und die Extreme berühren einander. Der im Katalog innegchaltenen alphabetischen Anordnung folgend, lassen sich nur Beispiele nennen.-Jan Bauch behandelt seine figuralen Kompositiouen al» Medium einer von inncrcin Licht durchschimmerten Farbigkeit, die den Oelfarben eine Pastellhafte Weichheit verleiht. Ja» Benda stellt Stilleben aus in gleichsam kristallischer Lagerung und Ueberlagerung, in schwärzliche», wie bewußt wirkenden und netzartig weiß überschleierten Farben. Hana Dojtaloyäs LandschaftSaqnarelle zeichnen sich durch Geschmack und Sicherheit auS; sehr apart ist da» vorherrschende Grün, in dein.ein'silbrjg« grauer Unterton mitschwyigt. Bohumir D Vorsitz löst seine großformatigen Landschaften in ein Geflimmer bunter Farben"-auf. Am überzeugendsten wirkt die von flimmernder Lust durchzitterte weiträumige Bcrglandschaft. Emil Filla komponiert groteskeFigurenszenen in gespenstischen Verzerrungen" uqd Deformationen. alle» Körperlichen. Die Bilder erscheinen wie eine Verschwisterung barocken Neberschlvanges mit kubistischen Prinzipien. Ebenso seltsam erdacht muten die Kompositionen von Fran» tiock I a n o u ö e k an. Formen, die einer phantastischen Ticfsccfanna ähneln, vogelscheuchenartige Gestalten, wirr verflochtene Ncstgestrüppe malt er mit haarscharfer Sachlichkeit. In dem Bilde„Mut- sterschaft" verschmelzen embryonale und-mütterliche Formen zu einer Symbolik," die von der Realistik einer klinischen Präparats inspiriert scheint. Antonin Pele stellt Originalzeichnungen" seiner politischen Karikaturen aus, die ihn den besten Sim- plicissimuSzeichnern von einst(lang, lang ist's her) ebenbürtig machen. Anton!» ProchäzkaS Bilder wirken wie mit'Znckerfarben gemalt, die er gern auch-wie Zuckerguß reliefartig austrägt; dieser Art Malerei entspricht meist auch di« süßliche Darstellung.' Von Jan Slavi.iek sind nahezu alle der ausgestellten Gemälde. Aquarelle und Sepiazeichnungen erfreulich. Vorzügliche Malerei ist vor allem da» kleine Stilleben mit. Aepfeln, da» sich im Besitze von Frau Hanna Bene», der Gattin des Präsidenten", befindet; auch die Studien dazu, sind famos. Vladimir. Sychra malt Porträt» in eigentümlich krankhaften Farben von seltsam fesselndem Reiz. Vaclav Späla-baut gleichsam, seine Landschaften und Blnmenstücke au» kräftigen," flächigen Strichen anf; ein bunte» Tiefblau herrscht vor und manche Bilder wirken wie in diese» Blau getaucht. Wiederum ein äußerst seltsame» Bild ist Jindkich Styrsktzs »Trauma zrozeni". Bilderbogenartig nebeneinander in zwei Reihen sind dargestellt: drei tütenartig gewickelte Tücher, eine mit Mdrücken blutiger Hände, »nährend au» der'dritte»» Fische herauSfallen, eine Kralleiitahe, korallenartige Gebilde, ein Stück Gestein mit Bctrefakten, ein tierischer Knochenschädel, ein Handschuh und ei» noch von der Frnchtblasc umhüllter Embryo..Frantiöck Tichtzs nadelscharf zeichnende graphische Handschrift verleugnet sich mckb nicht, wenn er in Oel und Gouche nialt. Richarv Wiesners Porträt», danmter mich das, welches kürzlich schon in der Galerie Feigl zu sehen war, beweisen die Fähigkeit des Künstler», über das bloße Abbild hinan» auch das Wesen der dargestellten Persönlichkeit zu erfaßen und als Eindruck zu vermitteln. lieber die ausgestellte Plastik und Architektur bleibt noch zu berichten. ld. Fröhlich drehn wir uns im Kreise Der Neue Deutsche Theaterzettel verzeichnet« gestern:„Fröhlich drehn wir uns im Kreise— Schauspiel von Kaufmann und Hart— Die Handlung wickelt sich nach rückwärts ab, jedes Bild spielt zu einer früheren Zeit als das vorhergehende." Das kommt aus Amerika. Normal verliefe der Abend so, daß nian in ein paar guten, realistische» Szenen die Entwicklung eines jungen Mannes zym wirklichen Dichtet sähe, dann(in wenigst Wett Szenen) sein Dahinsinken in die gekdbestinnnte Bürgerlichkeit, und zuletzt(in einem alle Äitschvor- stellungen überbietenden Schlußakt) die geistige und moralische Msere," in der der Vierzigjährige als Amüsicrftückschreiber verkommt. Ob. die beiden Autoren,.nachdem sie da» fertig hatten, zur Erkenntnis kamen, daß mit solche»« Stück- kein Erfolg zu erzielen wäre und ob sie vielleicht deshalb dann erst das vollendete„Schauspiel" auf den Kopf stellten, mit der lebten Szene zuerst und der ersten zuletzt, weiß ich nicht; und auch das ist unbekannt, ob sie vielleicht erst dann die Selbstpersiflage dazutaten, die manches erträglicher macht, obwohl es hart an geistige Prostitution grenzt. Tatsächlich erinnert man sich zwei Stunden hindurch immer wieder an die Zeit, da einem, damit man einfchlaf«, die Mutter riet, immer wieder bis hundert zu zählen, und dann, wenn da» nicht half, von Hundert zurück bis eins. J»n Theater tväre solches Schlafmittel erschreckend, wenn»licht eben auf dem Rückweg zu dreißig, zwanzig und so weiter-die Sach« doch allmählich ganz interessant würde und den Schlaf verscheuchte, wenn weiter nicht'einige» doch sehr gut gesehen wär« und tvenn schließlich unter nahezu hundert Figuren, die da aufgeboten werden, nicht doch ein halbe» Dutzend ganz prächtiger Gestalten sich fände. Das söhnt ein wenig mit dem Machwerk aus. Aber mit Kunst hat das nicht das Mindeste zu tun. HöstUß’^LhzudHer.ninei Mist- /Üalz-Zucher istder köstliche Inhalt• jedes Hänchens_ Kathreiner/ Da» Publikum ward zuerst auch weder fröhlich noch nahni es die Sache ernst und erst nach dein zweiten Drittel de» Stückes stellte sich eine Art Achtungserfolg ein, der aber wohl vor nllem der Darstellung lunter der Regie Mar lös) galt. Hie und da ein Szenenapvlau», wenn auch von Volker, Marlö und Frau Stein durchaus verdient, schien doch mehr darmiS zu erfließen, daß da» Publikum gute und gut gespielte Momente freudig zum Anlaß nahm, um sich" von der Lethargie de» Zurückzählen» zu befreien. Im übrigen war Klippel in dem Maße frischer und gewinnender, al» er sich.verjüngte, Valk durchgehend.«in kraftvoller Biedermann mit Herz lind Hirn auf dem rechten Fleck, die Warnholtz überzeugend in jeder Phase, Gerda Meller hatte jenseits sprechtechnischer Schwierigkeiten beachtliche Moment«; Inge Wirern, Dudek, Taub, di« schon erwähnten Voller und Lotte Stein und por allem Herr Marls selber, in einer brillant g«sp»el- ien Episode.» sorgten ftir guter Theater. Stärkster Eindruck jedoch bleibt die»; nach vorderamerikanischer »ind hintereuropäischer Vorstellung von heute käme e» auf dem Theater nicht mehr darauf an, wa» einer zu sagen hat, sondern ob er es versteht, irgendetwas recht snobistisch, recht ungewöhnlich, recht verkehrt zu sagen. lind so warten wjr jetzt nur noch darauf, daß eincriscin Stück in der Mitte beginnt und dann ain Schluß von vorne anfängt, oder aber auf die Verwirklichung der blendenden Rekordidee. Shakespeare oder Schiller auf den Kopf zu stellen« L. G. Sonntag, halb 8 llhr, Fesworstellrmg aus Anlaß de» 8l>jährigcii Bestehen» der Deutschen- Handelsakademie»Die"lustigen Weiber von Windsor". In neuer Inszenierung. Reue Abonnement» im Deutschen Theater werden noch auhgegcben.- Abgespielte Vorstellungen werden zum Teil ersetzt r Spielplan de» Deutschen Theater». Donnerstag, 1L8: Schneider im Schloß, C 1.—Freitag 7 Uhr: Die Zaubers l öt r, D.— Samstag halb 8: F r ö h l i ch drehen wir un» itn Kreise, A 2.— Sonntag 8 Uhr: Die Hofloge, halb 8:Die lustigen Weiber von W i n d