Freitag, 13. November 1936 16. Jahrgang Nr. 264 Einzelpreis 70 Hellet (einschließlich 5 Heller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung prao xii., fochova m. telefon$1077, HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUS.. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi KARL KERN, PRAG. UNTRAIORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Pie lebende Mauer Die Marokkaner Überall zurilckseworfen Erfolgreiche Gegenstöße der Volksarmee Madrid.,Mlen LtL-Mch-inUxr^WHehMA der Casa he Campo. Dir RegirrungStruppen haben mehr alS 800 Aufständische gefangengenommen. Dir bereits am rechten ManzanareS- Nfer aufgestellten Maschinengewehre"der Regie- rungStruppen machen jede Umgruppierung der Aufständischen unmöglich. Es bestätigt sich, daß eine ESkadre von Regicrungöflugzeiigen in der Nähe von Madrid einen maskierten Flugplatz der Aufständischen entdeckt und durchBombenabwurf 2 0 Flugzeuge vernichtet bat. Barcelona.(Reuter) Zehn Flugzeug« der Regierung, welche in Alicante gestartet waren, bombardierten die Aufständischen-Positionen in der Stadt Palma aus Mallorca. .Madrid.(Havas.) Der Minister für auswärtige Angelegenheiten und der Justizminister sind heute nach Madrid znrückgekehrt, und zwar, wie versichert wird/ llm«in« wichtig« Entscheidung zu treffen. DaS d i p l 0 m a t i's ch c Corps hat dem Ausschuß für die BerteidigmigSlini« Madrids AusUnderverhafftungen In Moskau Moskau. Dir amtliche Presseagentur Taß meldet» daß in Moskau einige ausländisch« Spezialisten verhaftet wurden, die staatsfeindlicher Tätigkeit beschuldigt werden. Die GerichtS- »rgane führen eine Untersuchung in divsrr Angelegenheit durch.., , ♦ Die Berichterstattei: einiger Pariser Blätter melden, daß sich unter den Verhafteten nicht nur reichsdeutsche, sondern auch finnische/österreichische, polnische und schwedische Staatsbürger befinden. Mit/Namen genannt werden die Deutschen H e m in i n g h aus, Goldschmied, NiedermanS und A b e r b c r g. DaS Deutsche Nachrichtenbüro hat bisher nur die Verhaftung des bekannten ehemaligen Deutschnationalen Prps. H 0 etzs ch dementiert/ welcher die Zeitschrift" /,Osteuropa" herauSgibt und stets als Anhänger cinee deutsch-russischen" Annäherung gosst: AlS Gründ der-Vsrhastungen wird die-Or- gainsiedung.eines angeblich weit/ verzweigten S p kW n a.g e d i« n st e s zugullfsten. D e u t^ch la» d S angegeben. " London. AynenministerSir John, Sinlon-erklärte sm- UnierhomS /in'Erwiderung^ auf eine Anfrage,.des Labouc-Abgeordneten James'Griffith, daß die,faschistischen und die'kommunistischen Organisationen Großbritanniens Geld au» dein. Ausland erhalten/ seine Hilfe bei der Organisierung der Sicherheit der Zivilbevölkerung angeboten. Die RegierungSmiliz hat bei den gestrigen Kämpfen bei der Casa de Campo mehr als 1000 Aufständische getütet. An der Siguenzafront sind die RegirrungStruppen mehrere Kilometer, vor» gedrungen. Italienische Artillerie Im Gefecht I London.(Tsch. P.-B.) I» der schrift- lichen Antwort auf die Anfrage eines Labour- Abgeordneten bestätigte Außen in inf- st e r E d e n, daß der spanische Botschafter in London, dem britischen Außenamt/einen Bericht vorgelegt habe, der die Aussagen emes italienischen Gefangenen betrifft. Der Soldat beskätigte, daß zur Unterstützung her Aufständischen mehrere Geschübabteilungen eines italienischen Artillerie-Risf- m« n t S nach Spanien entsandt«nrden. Dem Norrfdreimer Ist es leid... Lissabon. General Franco erklärte in ejnunHelpräche nrit.ei»ttN,AetÄlttur.d«S.RlldtüL klubs, daß die Bombardierung Madrids fortgesetzt werden wird, solange der Feind Madrid nicht räumen werde. So leid es ihm sei, werde ein Viertel nach, dem andern zerstört werden. Das Gestapo-Unwesen an unserer Grenze ' Seit gestern lenkt eine neue Untat der Gestapo die Aufmerlsamkeit der gesamten tsche- choslowakischen Oeffentlichkeit auf sich. Zwischen Eger und dem nahegelegenen bayrischen Eisenbahnknotenpunkt Marltredlvih wurde von der Gestapo der Monteur Svec verhaftet, der mit einem Werkmeister und einem zweiten Monteur sich auf der Fahrt nach Paris befand, wohin sie im Auftrag der Ceslomoravskä-Kolben-Fabrik einige fiir die Weltausstellung bcftünmte neue Flugzeug-Prototypen- zu bringen hatten. Die beiden anderen Angestellten verständigten das Unternehme» von der Verhaftung ihres Kameraden und fuhren weiter nach Paris. Ein Protest der Firma bei der deutschen Grenzpolizei und dem deutschen Konsul in Eger blieb ohne Erfolg, worauf eine Intervention im Prager A u tz e n m i n i st e r i u m erfolgte, das seinerseits sich sofort an die tschechoslowakische Gesandtschaft in Berlin und an die deutsche Gesandtschaft in Prag wandte. Bon reichsdeutscher Seite wurde zunächst völlig unglaubwürdig angeführt, datz Svec sich einer Uebertretung der Va- lutavorschristen schuldig gemacht habe, dann wieder wurde auf eine unrichtige Angabe im Patz des Verhafteten hingewiesen. Beide Angaben sind nicht stichhältig Denn Svec, ein mittelloser Arbeiter, hatte nur den für den Aufenthalt in Paris nottoendigen Betrag bei sich und Ivar im Besitze eines ordentlichen, von der Prager Poli- zrldjr.ektiyn. auSgMelltxn Ayterimspgsses. Alles deutet also darauf hin, datz die Gestapo, natürlich auf höheren Befehl, sich wieder einen jener unerträglichen Uebergriffc leistete, die zu den Kennzeichen Neudeutschlands gehören. Hodlas Wes Bor einigen Tagen war cs ein Jahr, seitdem der damalige Landwirtschaftsminister Doktor Milan H 0 d z a zum Vorsitzenden der Regierung ernannt wurde. Nach einer solchen Zeitspanne grohcn Geschehens in der Welt und intensiver Regierungsarbcit im Lande ist cS möglich, einiges zur Charakteristik des Ministerpräsidenten zu sagen— die Rede Hodjas im BudgctauSschntz bekräftigt die Auffassung, welche die politische Oeffentlichkeit von ihm schon vorher hatte. In Milan HodZa hat die Tschechoslowakei einen Regierungschef von hoher Bildung, Klugheit, Mäßigung, Konstrultivität und universell cjw Interesse. Der Ministerpräsident b«bäftigt sich in gleicher Weise intensiv mit den wirfichaftlichen, außen- und innenpolitischen Fragen. Es ist bezeichnend, welches Verständnis dieser der Agrarpartei entnommene Premierminister fiir die Bedürfnisse der Industrie und der Jndustriebevölkerung hat. Er hat die eingctretene Wirtschaftsbelcbimg in manchen bisher notleidenden Gebieten festgestellt, gleichzeitig aber auf die Notwendigkeit hin- gewiescn„nach der Durchführung der Devalvic- rnng noch mit weiteren zweck»,ästige» Dtastiiah- men zur Verminderung der Arbeitslosigkeit in den Notstandsbczirken beizutragen". Er hat in diesem Zusammenhang auch ausgesprochen— es ist u. a. ein Verdienst der deutschen Mitglieder der Jnvestitionskommission, seine Aiifnierksamkeit darauf gelenkt zu haben—«.datz deutsche-Firmen über Benachteiligung bet Vergebungen öffentlicher Arbeiten klagen, wodurch insbesondere die Arbeiter der Notgebicte betroffen werden. ES freut uns feststellcn zu können, datz der Ministerpräsident eine empfindliche Stelle der staatlichen Wirtschaftspolitik in aller Oeffentlichkeit aufgezeigt hat. HodZa ist in seiner Rede auch an dem nationalen Problem nicht vorübergegangen und hat mit dankenswerter Klarheit gesagt,„datz wir die nationalpolitischen Probleme lösen müssen, soiveit dies noch nicht der Fall ist". Sein Wort von dem„schärferen Tempo" in dieser Frage erinnert an das Benes-Wort vom alten Geist und dem.neuen Tempo, die Uebereinstim- mu»g zwischen dem Staatsoberhaupt und dem Regierungschef ist ei» außerordentlicher Gewinn für den Staat und für uns Deutsche. Der Ministerpräsident zerstreut auch sehr energisch jeden politischen Nebel, der von der Sudetcndeutschen Partei verbreitet wird, indeni er zum Ausdruck bringt, datz er die Totalitätsansprüche der SdP rundweg ablehnt und die nationalen Fragen mit der sudetendeutschen Demokratie lösen zu wollen. Die Linderung der Sprachenpraxis im Verkehr der Staatsbehörden mit kleineren Gemeinde» ist zwar ein kleiner Schritt— aber doch eine Tat. Eine Tat, die auch gefühlsmäßige Auswirkungen auf einen gewissen Teil der sudetendcutschcn politischen Oeffentlichkeit haben wird. ES kommt nun darauf an, datz auf diesem Wege nicht stehengeblieben, sondern weitergegangen wird. Es gibt eine'Reihe'von Problemen, die für eine tatsächliche Lösung im Wege der Vereinbarung mit den Sudetendeusschcn reif sind, Fragen, welche die Lebensinteressen der werktätigen deutschen Bevölkerung sind. Ausgabe der Gesamtregierung ist es, diese brennenden Frage» in den Jntenfionen Benes' und HodZas zu lösen, das heiht so, datz die nationale und soziale Existenz des Sudetendeutschtums gesichert ist. In diesem Streben wird die su d e t e n- deutsche Sozialdemokratie die beiden Staatsmänner. unterstützen. Wir,'gehen einen schwierigen Weg, aber eine Richtung, tie nach dem Ziele weist. Es ist Aufgabe der sudetendeutschen Bevölkerung,^die aktivistischen Parteien bei ihtem schweren Werke zu unterstützen, den» nur dann, wenn die Bevölkerung zum Verständ-• ms der einzig möglichen Art kommt, zum nationalen Frieden in diesem Lande zu gelangen, wird das große Merk gelingen, dem werktätigen deutschen Menschen, dem Arbeiter, städtischen Mittel-, stand, dem, Bau-rn, die Gleichberechtigung nicht' nür nach dem Gesetz, sondern auch in der Wirk- I lichkeit voll zu eyringen. Der Weg ist hart uiid i steinig— aber er'muß gegangen werden. Eine Arbeitslosenstatistik Die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr. IN J!L I A U HAM um 28.000(14.9 Prozent) zurOckgegangen UllU IlliC LdllCn Die Entwicklung In den deutschen Bezirken Böhmens: Gebietsweise beträchtliche Besserung, In wichtigen Industriedistrikten noch keine fühlbare Entspannung Bor uns liegen bis Bericht« über die Zahl' der Arbeitslosen in de» deutschen Bezirken Böhmens am letzten Oktober und die BergletchSzif- feyn ans dem vergangenen Jahr. Rach den zahllosen Elendsmeldungen in der Krisenzrit kann heute gesagt werden: Di« beiden Kolonnen unter, scheiden sich, in ihrer Gänze betrachtet, wesentlich von früheren. Aber di« Freude darüber» daß auch im deutschen Gebiet zum erstenmal fett Jahren die Arbeitsloseirzahl merklich kleiner geworden ist, daß es«ine Reche von Bezirken gibt, ist welchen der Rückgang beträchtlich genannt werden mutz, ist nicht ungetrübt. Zu groß ist noch die Gesamt-. zahl selbst, zu viel Bezirk« gibt«S noch, in welchen die Arbeitslosenzahl in die Tausende geht, und nicht klein ist die Zahl jener, in welchen sie fast gletch»der sogar noch etwas höher ist als zwölf Monate zuvor. Neben.- Gebieten mit wirtschaftlicher, AufwärtSbewegung stehe» solche, di« man auch heute noch alS ausgesprochene Elendsgebiete ansehen muß. Die Ziffern bestätigen daS, Wir lassen nun die Ziffern aus den einzelnen Bezirke« folgen: 1935 1936 «sch.... 3590 2633 Aussig.. 7504 6759 Bilin■;‘ r 3005 2230 Bisch-fteinitz.. 3720 2815 Böhmisch-Lcipa. 5218 4630 Braunau.. 4931 3790 Brüx...... '8353 6670 Dauba.. 521 213 Deutsch-Gabel.' 1905- 1804 Dur•... 5409 5006 Eger al.. 5780 , 5421 Elbogen....", 4777 4094 Falkenau... 4884 4470 Friedland... 6377 4791 Gablonz 7206 . 7173 GraSlitz. J 7335; : 6553 Hohmelbe. 2938 2570 JoachimStal.. i 1352 1285 Kaade».. ,. 4250. 2550 Kaplitz... 1884 1977 waS auf jeder Partei- imd jeder GewerkschaftS- tagung zum Ausdruck kommt: Daß in diesen Gebieten erst dann eine Wendung zum Besseren kommen kann, wenn— neben den krisenmildernden Jiwestitions» und öffentlichen Arbeiten— dem hier ausschlaggebenden Wirtschaftsfaktor, der Industrie und vor allem ihren Exportzweigen, geholfen wird. Daß hier der Kern des Problems siegt und als» der Hebel angefetzt werden muß, zeigt auch der Vergleich der ArbeitSmarktbewe- güng in dm deutschen Bezirken mit jener im ganze» Staat. In dell hier angeführten Bezirken ist die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Borjahr von 180.200 auf 160.070 gesunken, also um 28.221. DaS sind 14.9 Prozent. Im ganzen Staat ist die Arbeitslosigkeit von 001.390 auf 439.332 gesunken, als» um 102.658»der 26.9 Prozent. Dieses Mißverhältnis zu beseitigen, liegt nicht nur im Leüensintcrcss« der dmtschen Bevölkerung, sondern stellt auch ein Stawtsproblem von nicht hoch genug einzuschätzender Bedeutung dar. KalllSbad. . 12.680 12.273 Komow». . 9374 7254 Landskron . 1340 868 Leitmeritz. . 2392 1815 Marienbad . 2670 2777 MtrS.. . 3093 2844 Reudek.. . 5032 5187 Plan.. . 1613 1430 Poderfam. . 2308 1194 Reichrnberg . 10.089 8582 Rnmbnrg. Saaz.. . 4348 . 1720 3320 833 Schlnckenau .\ 6269 4548 Tachan .< 3461 3417 Tepl Stadt ..1425 619 Teplitz-Schönau . 10.140 9875 Tetfchen. , 9034 8609 Trautman . 4267 4667 Warnsdorf . 3171 1988 Zettlitz. . lOlo 745 Seite 2 Freitag, 13. November 1086 Nr. 264 u'tcucu cicuc icucL uuLu/juijLcii wiuic, ucc cb m» mu;rung»ouogel oct a.iaiea)O|ioiv«tC! 11 dem Staat und seiner Wehrhaftigkeit gut meint und", wirtschaftlich durchaus sticht untragbar. ") Eine französische Broschüre de» Obersek- tionirate» Chmelät über die deutschen Minderheiten in der Tschechoslowakei. Der Referent zum Kapitel Justiz, Dr. Strän- s l h, setzte sich u. a. für eine Vermehrung der syste- misierten Richterstellen ein. In Böhmen und Mähren-Schlesien wurde die Zahl der Richter gegenüber der Vorkriegszeit nur um 20, bzw. 14 Prozent vermehrt, während die Agenda um ein Vielfaches gestiegen ist. Beim Obersten BerwaltungSgericht wurden, wie Referent Dr. Stränskh anführte, im Jahre 1888 7818 Beschwerden überreicht, das ist um 888 mehr als das Jahr zuvor. Die unerledigten Fälle find auf 17.818 gestiegen. Zu ihrer Erledigung wäre allein eine dreijährige Arbeit notwendig. Hier könne nur eine entsprechende Gerichtsentlastungs- iwvelle etwas helfen. von Körpererziehung etwas versteht. Mit der praktischen Seite werden sich,Soldaten, aktive wie Reservisten, befassen müssens Dabei, sollen alle Disziplinen gepflegt werden, die eine" Borbedingung, der militärischen:AuSbildung/ styd, als, rauch der p a s- s i v e Schutz. der Bevölkerung. staatliche GemelndesekretMre ' für den übertragenen Wirkungskreis? Am Mittwoch behandelte der BudgetauS- schutz die Kapitel Inneres, Justiz und Oberster Gerichtshof,/ Unifizierung, Oberstes" Berwal- tungSgectcht und Wahlgertcht. Berichterstatter M a r t i n a s e k führte u. a. an, daß das Innenministerium die Einführung eigener Gemein- desekretäre im Zusammenhang mit der Institution der Staatsverteidigungswache erwäge,-die das Grenzgebiet gegen einen Ueberfall, bzw, gegen Grenzverletzungen schützen soll. In diesem Zusammetchang müsse man die offizielle Erklärung begrüben, datz die Einführung dieser Sekretäre(die offenbar für eine Gruppe von Gemeinden jeweils den sogenannten„übertragenen Wirkungskreis" besorgen sollen) auf keinen Fall eine Einschränkung der Wirksamkeit unserer Selbstverwaltung, zur Folge haben werde. Wie uns bekannt Ist, hat sich Abgeordneter Kozäk alle Mühe gegeben, den überparteilichen Charakter des Aktionsausschusses zu sichern. Die einseitige Ausnützung dieser Aktion für bestimmte Parteizwecke, hat diese Bemühungen durchkreuzt. Pon sozialdemokratischer Seite wurde deshalb bereits vor längerer Zeit die Mitarbeit im Aktions- nuSschuß eingestellt. Durch den Austritt des Abg. Kozäk und der Senatorin PlaMinkovä ist nun auch der äußere Anschein der Ikeberpärtetllch- keit gefallen. Darauf seien unsere Genossen, welche sich zur Beteiligung ap den örtlichen Friedenskomitee» bereit sanden, ausdrücklich aufmerksam gemacht. Tschechische Nationalsozialisten verlassen den„Aktionsausschuß" , Wir lesen im„Bekenn Tesft-slovo"fStA Mit Rücksicht dürauf, i datz der„Internationale Aktionsausschuß" für völlig. andere Zwecke missbraucht, wird, als zur Sicherung des Friedens,., hat dgs Präsidium der nationalsozialistischen.Partei entschieden, datz die. Zugehörigkeit, zur Partei unvereinbarist mit der Mitgliedschaft in diesem AuSschuh. Deshalb Haven sich der Abgeordnete Kozäk und Senatorin P l a m i n- k o v ä sowohl ihrer Funktion als auch ihrer Mitgliedschaft in dem AktionSausschutz begeben. ständigkeit der C S R bedrohen, wolle. Da gibt es leiste Ausrede, sagt«. Doktor Klapka, wenn svir z. v. ht den'Zeitungen lesen, datz der Vertreter des Führer», Abg. Frastk; in einer öffentlichen Versammlung erklärt, den Tschechen falle da» Herz in die Hosen, so oft Henlein' nach'Berlin» London oder Genf fahre. Wie könne man derartige Aussprüche mit, der angeblichen Loyalität vereinbaren? Wie soll ein gewöhnlicher Deutscher diese Worte auffassest, wenn sie in einer öffentlichen Versammlung gesagt werden und vorwiicft und Beschwerden ihnen vorausgehen? Er kann sie nur in dein Sinn auslegen, datz e» sich tatsächlich um einen AngriffgegenbieExi st enz unseres Staates handelt. Der Ständige Ausschuß ter Nationalversammlung, besten Mitglieder kürzlich von den- beiden Kammern neu gewählt wurden, wählte am Mittwoch in seiner konstituierenden Versammlung da» Präsidium. Zum Vorsitzenden wurde der Parla- menttpräsideni.M a l tz p e t r, zum ersten Stellvertreter Senatspräsident Dr. Soukup und. zum zweiten Stellvertreter zum ersten Male eine Frau, die Nationalsozialistin Z e m i n o v ä, gewählt. Schriftführer sind Dr. H r u b a n, I e jj e k und Ostrh. Für dl» Beffarftellung der Bürgerschullrhrer.' Der Kulturausschutz de» Abgeordnetenhauses- beschäftigte sich am Mittwoch mit einer. Reihe von Petitionen zweck» Besterstellung der Bürgerschullehrer. E» macht sich in letzter Zeit ein Mangel an geprüften Lehrkräften für Bürgerschulen bemerkbar, da die Differenz gegenüber dem Gehalt' eines BolkSschullehrer» minimal und der Anreiz, die Prüfung abzulegen, daher nicht, grotz ist. Beim Neber tritt an die Bürgerschule beträgt die Besterstellung nur 780 llö jährlich. Die Bürgerschulleh- rerschaft verlangt, datz diese Differenz auf 8800 KC RUstungsausgaben bei un^s und anderswo Am Mittwoch stellte der Referent zum Kapitel Nationalverteidigungsministertzrm, Prof. Dr. B r d l t k, fest, datz der ordentliche Aufwand SdP soll Lügenpropaganda verurteilen Scharfe Kontroverse des AuBenmlnlsters mit Dr. Peters Reserveoffiziersaspiranten sollen schon tschechisch können Auf Beschwerden von deutscher Seite, datz deutsche Aspiranten bei der Aufnahme in die Schulen für Reserveoffiziere,' bzw. Unteroffiziere und Flieger benachteiligt würden, erklärte Minister Machnlk im BudgetauSschutz, datz hier die Unkenntnis derStaatSsprache die eirtscheidende Rolle spiele. Solange e» wenig Aspiranten gab, konnte man auch die schwächeren Frequentanten behalten; heute aber, wo die Kurse überfüllt seien^ müsse man sie von den Frequentanten entlasten, die für sie eine Last seien. Wenn jemand in 21 bi» 28 Jahren die Staatssprache nicht lerne, so sei e» mehr al» zweifelhaft, daß er sie dann in einem Jahr erlernen werde. Er könne also nur sehr dazu raten, datz die deutsche Jugend die Staat»- spräche erlerne. Audi Dsutsdis bei den Befestigungsarbeiten Minister Machnik stellte auch in Wrede, datz bei den Befestigungsarbeiten keine deutschen Ar- beiter verwendet würden. Er habe vor drei Wochen persönlich die Mehrzahl der Befestigungsarbeiten besichtigt. Wenn er nicht deutsch könnte, so hätte er sich mit den dabei beschäftigten Arbeitern nicht verständigen können, weil die Arbeiter tschechoslowakischer Nationalität in. der Minderheit gewesen seien. Madmlk-ErlaO existiert nicht Minister Machnik wie» die Beschsverde de» SdP« Abgeordneten Dr. Peter» wegen oe» sogenannten Machnkk-Erlasfe» entschieden zurück. Er könne nur die Entschließung der Regierung zitieren, die in der Antwort auf die Bölkerbundbeschwerde der SdP köustatierte, datz e»'einen solchen Erlaß-nicht gebe; infolgedessen könne er auch'' Vicht lvidetrufen Wörden" Ueber das Photographiervsrbot- äußerte sich Verteidigungsminister Machnik im Budgetaurschutz, datz e» sich nicht nur auf da» Grenzgebiet, sondern überhaupt auf die Umgebung militärischer Objekte beziehe. Da» Verbot sei n u r v o r« übergehend und werde in absehbarer Zett widerrufen oder modifiziert werden. lieber die vormilitärisch» Erziehung, erklärte Minister Machnik u. a., datz sie nach der ideellen Seite jeder durchführen könne, der e» mit den im Jahre 1928 gegründeten Rüstungsfonds und 4 Milliarden auf die Verteidigungranleihe. ! AbsolutAtdBlitUMbPWUNaSaustvandÄe» Tschecho- 'flowakeWWKlWWMMter den.'Hroßntächteu zurück. Deutschläkm'hat da einen JahreSauf- wand von 67 Milliarde» Kö, England und Italien geben je 43 und Frankreich 12 Milliarden für Rüstungen au». Relativ entfallen in der Tschechoslowakei auf den' Kopf der Bevölkerung jährlich 342 KL, in Deutschland dreimal so viel. Deutschland gibt 14.4 Prozent seines National- «inkommens für Rüstungen aus, England.7 Prozent, Frankreich 4,4 und die Tschechoslowa- kei 3.5 Prozent.'88 Prozent unsere» Militärbudgets bleiben im Jnlande, nur'IS Prozent IltKflriei Budapest. In Budapest würden 81 Personen verhaftet, die unter.dem Verdachte geheimer„kommunistischer" Betätigung stehen. Unter den Verhafteten soll sich ein sechzehnjähriges Mädchen befinden, da» von der Presse al»„Rädelsführerin" der Bewegung bezeichnet wird, Genf, Der Berwaltungsrat de» Internationalen Arbeitsamte» beschloß unter Vorsitz de» Minister» Jng. N e i a i, auf die Tagesordnung der in- ternationalen Ärbeitrwnferenz vom Jahre 1887 gehe», zumeist für Rohstoffe, ins Ausland. Das auch eine Revision der Abkommen vom Jahre.1818 Rüstungsbudget der Tschechoslowakei ist Volks- und 1882 über, die Altersgrenze der Schulpflicht der .. ijjip--->■—••|Kinder zu setzen- für da» Heer sich für 1987 auf 1800 Millionen| erhöht und überhaupt die GehaltSverhäliniste der beläuft, während der auherordentliche RvstungS- Bürgerschullehrer neu geregelt werden. Nach durch- austvand insgesamt über zehn Milliarden betra-! geführter'-Debatte wurde da» Ausschutzpräsidlum geN dürste. Davon entfallen 6.5 Milliarden auf beauftragt, mit den zuständigen Ministerien im den im Jahre 1926 gegründeten RüstungSfondS Sinne der zitierten Forderungen zu verhandeln. Prag. Im Schlußwort zur außenpolitischen Debatte wies Minister Dr. Kroftaist einem außergewöhnlich scharfen Ton Angriffe de» SdP« Abgeordneten Dr. Peter» zurück, der eine Propagandabroschüre eines Beamten des Autzenmtni- steriuins*) als Pamphlet bezeichnet hatte. Die Schrift sei vielmehr eine ernste, sachlich geschriebene Arbeit, und für die Behauptung, datz sie es mit der Wahrheit nicht geimu nehme, müsse man erst Beweise bringen. Wenn Dr. Peter», sagte der Miuister, unsere Propaganda so streng, beurteilt, wäre es au- »ezeigt, daß sein.Parteiorgan auch die L ü g e it• Propaganda gegen unteren Staat verurteile, so die bekannte Behauptung von den russischen Flugplätzen in der Tschechoslowakei. Deist Minister sei nicht bekannt, daß daS Blatt solche Dinge dementiere und sich dagegen. . stelle, obwohl deren Unwahrheit jedem Bürger unserer Republik klar sei. Dr. Peters ruft dazwischen: Ihre Dementis haben wir gebracht! Dr. Krofta: Ja, aber nur daS Dementi.' Ihre Partei unterstützt aber weiter die u n s innig e A g i t a t i o n von der„bolschewistischen Gefahr", die bei un» drohe, von dem„AusfallS- tor de» Bolschewismus" etc. statt datz Tie sich dagegen wenden würden, wenn Sie schon immer behaupten, datz Sie auf dem- Boden dieses Staate» stehen! In einem anderen Zusammenhang setzte sich Dr. Krofta. auch mit dem Vorwurf auseinander, datz wir die handelspolitische Seite des Auhen- diensteS vernachlässigen, namentlich im Verhältnis zu Deutschland, was sich angeblich ungünstig auf unser Wirtschaftsleben auswirke. Doktor Krofta sagte dazu u. a.: DaS ist-ciir I r r-' t u m. Den handelspolitischen BeziehuiMn mit' Deutschland haben wir von Anfang air große Aufmerksamkeit gewidmet. ES gibt Schwierigkeiten beim Abschluß von Verträgen, aber die Wur- zeln dieser Schwierigkeiten liegen eher in der Wirtschaft»-, bzw. Balutenpolitik Deutschlands alS in etwas anderem. Dabei sind unsere handelspolitischen Beziehungen zu Deutschland verhält- uismätzig gut und durch dauernde Vereinbarungen geregelt. ES sei auch falsch, zu glauben, datz der schlechte Besuch unserer Bäder durch unsere Außeirpolitik verschuldet sei. ES ist da», vielmehr eine Folge der Wirtschafts- und Finanzpolitik des Deutschen Reiches, das Aus-, landsreisen seiner Angehörigen stark einschränkt- Und nochmals Dr. Rösches Entgleisungen: In der Budgetdebatte kam Donnerstag der Nationalsozialist Dr. Klapka u. a. auch auf das Kapitel Dr. Rosche zu sprechen. Dessen Aus-, spruch, daß die Tschechoslowakei nicht das letzte -Wort der Geschichte sei, gehöre schon auS der politischen i n e i n e g a z a u de r e S p h ä r e., Ohne Zweifel gehe eine noch größere Gefahr als von irgend einer Aenderung des Regimes von einer Bewegung aus, welche direkt die Selb« Das Kakkssliavs in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld 6 Er fragte sie nie, was es im Cash gegeben hatte, er sah nur mit hungrigen Augen .aus die Tasche, die sie brachte; Brot war darin, ein Stück Butter, manchmal eine Halbleere Schachtel Sardinen, ein-Rest Salami. War eine Flasche Bier dabei, gab er ihr einen Klaps auf die Schulter, da- war seine Art, danke zu sagen. Sie setzte sicki an den Tisch und ah, ivaS er Ubriggelaffen hatte; dann schlug sie die gehekelte Bettdecke zurück und griff in die schweren, buntbezogenett Kissen. Der Mann las noch eine Stunde in einer alten Zeitung, die sie mitgebracht hatte, dann drehte er das Licht ab. Sie schlief schon, traumlos, der Schlaf lag auf ihr wie eine Last, er gao ihr keine neue Kraft, er war nur eine Unterbrechung ihrer Arbeit. Ehe der erste Stratzenbahn- Ivagen in den ausgefahrenen Geleisen kreischte, Ivar sie wach, wusch sich, stellte auf dem Herd Milch und Kaffee zurecht, der Mann würde schon Feuer anzünden, wenn er aufftand. Sie trank drüben, in ihrer Küche, eine große Schale dampfenden, duftenden schwarzen Kaffee; er trieb den Schlaf aus den Gliedern und ließ zugleich vergessen, datz ein neuer Tag begonnen hatte. IV. Billy spielte, eine halbe Stunde^ fast ohne Unterbrechung. Dann kam Drexler,"er setzte sich mit ihm in eine Ecke. Finsterbusch erwachte, blickte aus Billy, mit vorwurfsvollen, schläfrigen Augen. Al» die ersten Takte eines neuen Schlagers er klangen, sank er behäbig in seinen Schlummer zurück.* Um halb zehn kam Mittelmeier, den Rock über den Arm gelegt, den Kragen offen. E» muhte sehr heiß seist, wenn der ehemalige Kammerdiener des Baron- Silbermann, der immer darauf bedacht war, korrekt gekleidet zu gehen und kein Stäubchen auf dem dunklen Tuch seiner Anzüge duldete, sich in die Gefahr begab, für das Mitglied eines Wanderklubs gehalten zu werden. Hugo kroch aus einem dunklen Winkel hervor, brachte, ohne zu fragen, eine Schale Kaffee und legte drei Zeitungen neben Mittelmeier auf den Tisch. Mittelmeier zog einen kleinen Taschenspiegel aus dem Rock, fuhr mjt einem Kamm durch das graue, schüttere Haar und begann dann erst die Zeitungen zu lesen. Eö ging nicht viel vor in der Welt, das ihn interessieren konnte; er las nur die Ueber- schriften und die Gesellschaftsanzeigen. Dort fand er manchmal eine» bekannten Namen; der alte Graf Laukenbach, der im Jahre 1867. hei Baron Silbermann zu Gast gewesen war und damals die Affäre mit dem Stubenmädel gehabt hätte, war nun achtzig Jahre alt geworden. Der junge Baron Krahnitz, auf dessen Rennpferd Silber-' man» im Jahre 1911 eine große Summe gesetzt hatte, die er verlor, heiratete; das Adelsgeschlecht,, aus.dem seine Braut entstammte,.war Mittelmeier vollkommen unbekannt. Als Herr Finsterbusch qbermal» erwachte, setzte er sich zu Mettelmeier, „Diese Hitze",, sagte er. „Im Jahre 1912 war es um diese Zeit auch so heiß", sagte Mittelmeier.„Damals war ich mit-dem Baron auf dem Gut.«Die Ernte ist auf den Feldern- verdorrst- Die Bauern' haben Bittprozessionen'veranstaltet, aber es hat nicht» genützt. Dann tarn der Regen, und dann regnete es drei Wochen. Das Korn ersoff auf dem Acker. Daun gab'» Neberschwemungen. So ist' daimmer: erst zu wenig, dann zu viel." „Ja, ja", stimmte Finsterbusch bei.„Als wir im Feld,waren, war's auch so. Erst drei Wochen Ruhe, langweilig war's, wir hatten das Kartenspielen schon satt. Dann kam das Trommelfeuer, Drei Tage und drei Nächte. Erst zu-wenig, dann zu viel." Billy klimperte darauslos: wenn Finsterhusch vom Krieg zu reden begann, hörte er nicht mehr auf. Man mutzte seine Worte im Lärm ersticken, FeiLtag kam, einen alten' Strohhüt mit braunen Flecken auf dem Kopf; er trug einen dunkelblauen Lüsteranzug, wie er vor zwanzig Jähren modern gewesen war. Er grüßte, erst Finsterbusch, dann Mittelmeier, er winkte Billy zu, verneigte sich vor Drexler, suchte Hugo, der hetbeisprang, eine Flasche Bier und. ein Gla» auf der Taste. Feiertag ging ast seinen Stammplatz, beim Fenster. Seit er-in das Caft Finsterbusch 'kam, saß er an diesem Platz.-Er fühlte sich nur wohl, wenn das Blickfeld ihm vertraut, war. Gt mußte wisten: sobald er aussah und den'Kopf eist wenig nach rechts wandte, fielen seine Augen im Büro aus den Kalender? der an der Wand hing, im Kaffeehaus auf den Zeitungsständer. Sein Leben verlief nachleinem genauen Fahrplan zwischen wohlbekannten-Stationen. Er brauchte keine Weckuhr, denn er erwachte, jeden- Morgen pünktlich .um. sieben Uhr. Um halb acht Uhr. war er ge« waschen und rasiert; um acht satz er.im Eaft Finsterbusch, Frühstückte und'.sah sn einer genau sestgelegten Reihenfolge vier Zeitungen durch. Um halb neun'machte er sich-auf den Weg, um dreiviertel neu» betrat er Idas Büro, um zwölf legte er den Federstiel au» der Hand, um halb zwei ergriff er ihn wieder, um. sechs räumte^ er ihn-ist die Lade, um halb sieben war.er,wieder ixn Caft, um halb zehn erlosch ist. seinem--Zimmer das Licht, Erirazüat gab es.in-diesem Fahrplqn Nicht, nur für di» Sonsttähe wär eine anö?« Einteilung vorgesehey! an die Stelle, des, Büros trat an den VvrMittqg Im Sommer der-Park,, in dem er jeden Bäumi im Winter das'MüseUm,-in-deiner jedes Eckchen kannte; an den Nachmittagen besuchte er eine entfernte Verwandte am anderen Ende der Stadt, um. halb sieben war er wieder, wie immer? an seinem Stammplatz-zu finden. In dem Fahrplan seines Lebens waren die Tage verzeichnet, an denen sein Gehalt, nach den Dienstvorschriften, sich um fünf Prozent erhöhte, und der Tag, an dem er in Penswn gehen durfte. Dann gab es noch die Mittwoche; da fehlte er int' Cafthaus, denn'fiit diesen- Tag galt sein Abonnement im Theater, Doch er benutzte den linken Ecksitz der dritten Mittelreihe auf dem Balkon nur, wenn ein lustiges Stück gespielt-würde; vor allem liebte er Operetten. Bei ernsten Stücken oder. Operst verkaufte'' er feine Karte; der Ober Pelikan, der' alles zu beschaffen- und alles zu verkaufen verstand, fand jedesinal eisten Abnehmer für den Sitz. An irgend einem fernen, unkenntlichen Punkt. diese» Lebensfahrplans waü wohl auch der Tod verzeichnet; Feiertag hätte nie daran gezweifelt, datz von. allem Anbeginn der Welt an die Stunde seines Tode» genau festgesetzt wat. Er konnte sie nicht hiuausschieben, aber er wär darauf bedacht, daß-er. da» Maß seine» Lebens zu Ende lebte mit der bollen Kraft. Als einmal ein Roman, der einen-Welterfolg errungen hatte,, unter'den Gästen des Caft Ftn» sterbusch' von Hand zu Hand gsng,. und mäst ihn rühmte al» da» spannendste Büch, das seit Jahren erschienen war, sblllLuka» Feiertag den Band mit dem. grellen Umschlag zurückgewiesen und gesagt habest,, er WWftyft den Arzt, fragen,, ob er diese» Buch lesen dürfe;' dfe Aufregung könnte .seinen Nerven schaden. Hinter der holzverkleideten Säule, neben der der eiserne Ofest stand,,.lauerte. Pelikan, da» Schachbrett, ist der-Hand. Da Professor GDtleitner Nicht-da war, würde Feiertag heute. Mittelmeler einladen, mit ihm dine Partie zu spielen,. iFortsetzung folgt.).,,'.■ Nr. 204 Freitag, 18. November 1980 Selle 8 fudetendeutsdier Zeitspielet Achtung! Vorverlenungderdeut- schenSenbung. Die„A k t»« l l« n z e h n Min«t« n" der Arbeitersendung beginnen heute infolge einer Programmändening etwa» früher. TI» Sendung„Funlhbrkasien" füllt au». Um 18.10 spricht Endes die totale Beherrschung_ des Sudetendeutschtums durch einen auSerivählt sein sollenden Personenkreis, die Mitglieder deS ehemalig gen„Kameradschnftsbundes" ist. Und weil gerade heute die Studentenschaft die restlose Beherrschung durch diesen Krei», d-ssenMetho.densie io oh lun i t am besten kennen lernt«, ablehnt, steht sie wieder einmal im Mittelpunkt der Angriffe, die von dieser Seite kommen." Neue Dokumente zur Geschichte der SdP Die Studenten sprechen—„Skrupelloses Vorgehen“,„Unreelle Mittel“ Wir habin vor kurzem die sudetendeutsche Oeffentlichkeit mit einer Reihe von Dokumenten bekanntgemacht, die daS Dunkel um das Ehrengericht gegen Dr. Walter Brand aufhellten und die Beziehungen der Ehreurichter, vor allem SasnmS, zur SdP darlegten. Run liegen uns neue Dokumente vor, die den Kampf, den Konrad Henlein gegen die Selbständigkeit»er »Deutschen Hochschülerschaft" und gegen deren Vorsitzenden Dr. Meckel in der ausführlichsten Weise schildern. Diese Dokumente sind sehr umfangreich und schildern die Zwischenfälle vom Staudvmikt der„Deiitscheu Hochschülerschaft" aus und stammen auS den Sommermonaten dieses Jahre». Ihr Inhalt ist bezeichnend für dir Methoden, die von der SdP mrtrr der Patronanz Konrad HonleinS angewandt werden. Wir geben heute jene Stelle der Dokumente wieder, die den Werdegang Dr. Walter Brands betrifft. Im Hinblick darauf, daß noch immer Kräfte am Werke sind, di« sich uni eine Rehabilitierung Dr. Brand» bemühen, sind dies» Darlegung«» nicht unaktuell, auf jede»» Fall aber Inkeretsant. Denn sie lasten erkennen, wie in und von der SdP Führer gemacht werden? und Dr. Walter Brand war und I st außerdem der t e st r Freund de» Führers der„Sauberen" und„Anständigen", deS Ehrendoktors KonradHenleini(Weitere Bcröffentlichun- gen werden fotgon.) ««« „Noch im Jahre 1080 gab cs wohl herzlich wenig Menschen, denen der Name Dr. Brand bekannt war. Al» einer der engsten und vertrautesten Mitarbeiter des damaligen Führers des nun wohl rechtlich aufgelösten„Kameradschaft»« bundeS", Dr. Walter Heinrich, Wien, mutzte ihm eine besondere Sendung obliegen. Bin gewisses„Kapitel" beschlotz daher, ein sogenanntes „BolkSwissenschaftlicheS Seminar" im Rahmen der damaligen„Deutschen Studentenschaft" zu gründen und Dr. Brand als Leiter desselben durchzusetzen. Der damalige Student Lothar Kraus(jetzt Ingenieur und einer der matz- gcbciidcn Leute der SdP-FUhrung) wurde beauftragt, diesen Beschluh in der Studentenschaft durchzuführen. Um das gestellte Ziel in keiner Weise in Frage zu stellen, ging Herr Kraus in bis damals unbekannter Art und Weise an die Lösung seiner Aufgabe. Er führte Berhandlun- gen mit den einzelnen Verbänden des Sudeten« deutschtums, er erledigte in dieser Sach« eine umfangreiche Korrespondenz und bei all dein wurde immer und immer wieder Dr. Brands gedacht. Und nun höre Und staune, lieber Leser, dies alles im Namen der„Deutschen Studentenschaft", deren Führung und Vorstand davon k e i n e A h n u n g hatten. Die beteiligten Organisationen waren naturgemäh der festen Ueberzcugung, das; die Sache gut sein»nützte, wenn sich di« gesamte sudetendeutsche Studentenschaft dahinter stellt, wenn auf ihrem Briefpapier korrespondiert wird usw. und unterstützten entspElMW"dcrl^'PKin.^8ic Sonne brachte aber auch dieses sk r u p e ll"os e VorgehendcS Herrn Kraus an den Tag, das bis heute sshon mehrfach Schule gemacht hat. Nach gvotzmn Stunk wurde Herr Kraus aus der Studentenschaft zurückgezogen, es wurde alles„bedauert", aber man hatte durch diese Methode erreicht, was inan wollte. Herr Dr. Brand, der bis dahin unbekannt« Spannjünger, der-nirgend» Gelegenheit geftinden hatte, sich in tatsächlicher Arbeit zu beivähren, war der Leiter de» genannten Seminars geivorden, für den nun von den anderen„sihnittigen Punkten" mit ähillichen Methoden BortragSreisen durch unser Heimatland organisiert wurden. So wurde damal», die Sudetendeutsch« Studentenschaft b e- trögen und mihbraucht für die Zwecke eine»„Kapitels", das der-sudetendeutschen Oeffentlichkeit nicht viel später bekannt wurde. Den Namen de» Herrn Kraus hörte man dann noch im Zusammenhänge mit andere n A f f ä r e n, die es schlietzlich ratsam er scheinen lietzen, ihm zwn Schein die Mitgliedschaft des„Kaineradsihaftsbunde»" zu entziehen und ihm nahezulegen, sich autzer Landes zu begeben. Man erklärte, dah dan»it noch auch fein unrechtmäßiges Vorgehen in der Studentenschaft gesühnt sei, wobei man ihm aber innerlich treu verbunden blieb. Wer glaubt, dah solche Methoden einen Dtenschen für iinmer uninöglich machen, ist im Jrrtunr. Denn heute spielt der zurückg«- kchrtc Herr Kraus im Kreise seiner damaligen Freunde eine nicht unbedeutende Rolle.- Der gleiche Herr KrauS hat sich auch um die Einführung deS derzeitigen Universitätslektors und Turnlehrers Anton Sandner bemüht, der heute noch bestrebt ist, mit allen Kräften seine Steifung als Hochschulturnlehrer hochschulpoli- tlsch auszunützen und die Studenten seinem Freundeskreise gefiigig und gehörig zu niachen. Alle diese Dinge' zeigen, wie man in dem hier so oft genannten Kreise inrmer und immer Grenzlandagent Salzmann treibt weiter sein Unwesen Aus Gra» litz wird uns geschrieben: In S i l b e r b a ch ist wieder eine höchst anrüchige Sache ausgeflogen. Durch Vermittlung des Naziagenten Franz S a l z m a^n n„ derzeit in Klingenthal in Vogtland zum Aufenthalte gemeldet, wurden qus Silberbach 10 d e r S ch u I e entwachsene Mädchen unter dem Protektorate des B. d. M.(Bund deutscher Mädchen) Sitz 'in Berlin, ohne Ausweis und ohne Ab-. imeldüng, nach S a ch s'e n in.Stel- lunggebrach t. In dieser Angelegenheit sind bereits N azi v e r h aste t worden,, tvelche die Verbindung mit dem berüchtigten Gestapoagenten Salzmann herstellten. Die Irre« dentazelle in.Silberbach hat.jetzt die Anweisung herauSgegeben'^di« Mädchen einzeln wieder zu- rückzurufen.'S Noch ist die braune Fcrien-Hitlerheimaktion im Bezirke Grastih in frischer Erissnerung und, schon. steigt,, neuer Stunk aus dem Hitlersumpf« empor."'•w-x,.: Wohin allzu eifrige DschechtsierungSversuche führen, zeigt/ da» Beispiel dep dWschen Ae- mcinde E i S g.t ü b, woseinertzeit in» Zuge der vom Staate gesetzlich verbürgten Bauförderpng von', 81 tschechischen Familien Wohnhäuser'MÜH, tpt wilddep^W.ie yuissnehr al»? Berichtes» der Ra« rodni Jediwta hervorgeht, stehen alle diese Hauser vorder Exekution.Sie sind durchwegs schiver verschuldet. JüzwsscheN: wurden zwölf Häuschen schon verkauft und-neu!»'davon' sind-' sogar^.in deutsche Häüde's übergegangen. Acht Weitere, sollen schon in allernächster Zeit'veräutzert werden. Streichung de» Semesters für alle Juristen- ES verlautet, daß der Schulministcr Doktor Franke den Vorschlag der Universitätsbehörden-, die Krawalle gegen Kelsen mit vier Relegie- r»»ngen und einer lächerlichen Pauschalrüge zu sühnen, für unzureichend hält. Der Unterrichtsminister soll entschlossen sein, die Vorlesungen an der juridischen Fakultät erst im Sommersemester Wieder eröffnen zu lassen und sämtlichen Juristen da» Semester zu streichen. ES verdient in diesem Zusammenhang bemerkt zu werden, daß vor einigen Jahren ein sozialistischer Akademiker wegen einer verhältnismässig geringfügigen Sache ohns jede Vorstrafe auf- zwei. Semester relegiert wurde./, .Rach der Hochreit. Am 11. Noveinber fand IN' einem Gasthaus im B.-Krumauer Bezirk ein HochzeltSsest statt'.'/Die. in gehobener Stimmung befindlichen HochzeitSgäste gingen um Mitternacht nach Hause." Jn.einem nahegelegenen Walde kam e»-zwischen'drei Männern pu» bisher unbekann- -ten Gründ?», zu einer Rauferei, bet welcher der Franz Lauscher getötet und Johann Weih, Arbeiter auSMriktianberg, schwer verletzt, wurde. Der dritte Beteilig« an. der Rauferei, Johann Gruber,^Glasarbeiter au» Khristianberg, meldete sich bei der Gendarmerie und wurde ig die 'H»rft des Kreisgerichtes iw Böhmisch-Budweis eskortiert. Die Gewinne der«.b.«..Glückslotterie. Den 1/Haupttreffer im> Betrage Bon KJ lÖp.OOO.— gewann da» 18jährige Enkelkind eine» 75pro,enttgen erwerbsunfähigen Kriegsbeschädigten in Schlesien. Das Los hatte«r diesem Kinde" geschenkt. Der S. Haupttreffer in», Wert« von XL 20.000 fiel an einen schwerkklegSbeschädigten Trafikanten im Erzgebirge. 7sd»ect»lsctte Svsleldernvkraten Mr nordböhmisches Notgebiet Das„Prävo Lidu" berichtet über eine Bezirkskonferenz der tschechischen Sozialdemokratie in Komotau, in der der Mangel an Fürsorge für di« wirtschaftlichen Verhältnisse in Nordböhmen krlttstert wurde. ES wurde festgestellt, dah öfsent« liche Arbeiten in diesen Gebieten überflüssigerweise an Unternehmen au» dem Innern des Lande» vergeben werden, was für die lokalen Verhältnisse ungesund sei und die Albeiterschaft dieses Gebietes schädige. ES ist zwar begreiflich, datz der Staat sich von den Rücksichten auf die Sicherheit im Grenzgebiete leiten lass« und den Sicherheitsdienst in Nordböhmen verstärke. Dazu werden aber jedoch vielfach sprachlich unqualifizierte Personen herangezogen, ivährend in Nordböhmen genug sprachlich geeignet« junge Menschen vorhanden sind, die auch vom Standpunkt der staatlichen Verlählichkeit vollkommen einwandfrei sind. Trotzdem werden die Ansuchen dieser Menschen um Aufnahme in den staatlichen Sicherheitsdienst abgewiesen, obztvar es sich um Leute handelt, die die lokalen Verhältnisse kennen. Diese Stellungnahme unserer tschechischen Genossen ist sehr erfreulich. in ter Deutschen Sendung Dr. Emil Franzel„Durch acht Jahrhunderte tvhmischer Geschichte". Anschlir- firnd— etwa um 18.17 Uhr beginnt die A r d e i- tersendung. In Weiökirchlitz Heuer keine Gemeindewahlen. Wie wir ersahren, werden in WeiSkirchiitz Heuer keine Geineindcwahlen stattfinden. Tausende Deutsche lernen Tschechisch, tausend« Tschechen lernen Deutsch. DaS Masarnl- VolkSbildungSinstitut in Prag XII, Fochovä 82. propagiert eine gute Idee und nicht ohne Erfolg. Die Zahl der tschechisch- und deutschlcrneuden Personen In der Tschechoslowakischen Republik nimmt ausfallend zu. Allein an den vom Masa- rhk-VolkSbildungSinstitut veranstalteten Fernkur- sen nehmen derzeit über 18.000 Personen teil. Sicher ein Ansporn für andere, auch mitzulernen. Die Vorteile, tvelche jedem hiedurch erwachsen, liegen an der Hand. Ein jeder findet Aufnahme und von überall. Der linterricht geschieht in Briefform unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten deS Lernenden. Das KurShonorar ist niedrig. Die Teili»ehmer loben diese Art von Propaganda sehr, da sie daS beste Verständigungsmittel ist, die gegenseitige Sprache und Psyche lennenznlerncn. Wiener Konferenz ohne Sensationen Ungarische Aufrüstung• Anerkennung des Imperiums Befriedigung Uber den 11.3ull Wien.(Tsch. P. B.) Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, Staatssekretär Dr. Schmidt, der ungarische Autzenminister Kanya und der italienische Aiitzenminister Ciano haben Donnerstag ihre Konferenzen fortgesetzt und beendet. lieber das Ergebnis der Beratungen wurde folgendes offtzielles Kommunique ausgegeben: „Bei der Zusammenkunft, die gcmäh der Römischen Protokolle am 11. und 12. November in Wien stattgefunden hat, ergab sich von neuem die volle Ilebereinstimmung der drei Regierungen sowohl hinsichtlich der Probleme allgemeinen Interesses, wie auch bezüglich jener, die besonders die drei Staaten berühren. Die Vertreter der drei Regierungen haben sorgfältigst die wirtschaftlichen Beziehungen zwischcn den drei Staaten geprüft myd.ihxs.,WsiHt.heftästigt, in der bisher, erfolgten einvernehmlichen Zusammenarbeit fortzufüh- ren, sie haben weiterS ihren Entschluss bestätigt, die wirtschaftlichen Beziehungen mit den anderen Staaten im Wege zlveiseitiger Abkommen zu-ent- wickeln. Die Vertreter der drei Regierungen haben mit Genugtuung das harmonische Funktionieren der Protokolle von Rom,und deren vollkommene Eignung für die Zwecke des Wiederaufbaues des Donaubeckens hervorgehoben. Die Minister des Aeuheren Italiens und Ungarns haben mit Befriedigung die Mitteilungen der österreichischen Bundesregierung über die E n t w i ck- lung der Beziehungen zwischen Oe st erreich und dem Deutsche»» Reich auf Grund des Abkommen» vom 11. Juli zur Kenntnis genommen.. Die Vertreter der drei Regierungen haben ihre volle Ilebereinstimmung darin festgestellt, da» dein Standpunkt der österreichischen Regierung und dein der ungarischen Regierung hinsichtlich der Gleichheit der Rechte auf demGebiete der Ausrüstung die Berechtigung zuzuerk c n- n e n ist und datz diese Gleichberechtigung einem Grundprinzip der Gerechtigkeit entspricht. Die drei Regierungen werden sich bezüglich deren Verwirklichung aus dem Laufenden halten. Der österreichische Bundeskanzler und der Minister des -Aeuheren Ungarns habeip.^deahAijtziljrr.. des Aeuhcrn Italiens, der ihnen'hierüber^iie herzliche BefriddigUNss-der italienischcn'^Rcgieruiig aussprach, den Entschlutz ihrer Regierungen mitgeteilt, das i t a l i e n i s ch e I m p e r i u m Aethiopiens formell anzuerkennen. Die italienische Regierung wird de» Wünschen der österreichischen und ungarischen Regierung nach Beteiligung ihrer Volkswirtschaft an der wirtschaftlichen Ausbeutung Abessiniens gebührend Rechnung tragen. Die besprochenen Frage»» und die erzielten Ergebnisse wurde»» in einem Protokoll niedergelegt. Begleitmusik rum„Vierjahresplan": Streikwelle— Terrorwelle/ Alle Macht an Göring? Wie wir schon vor einigen Wochen gemeldet haben, ninmit die Zahl der Verhaftungen ehemaliger oppositioneller Politiker und Vertrauensleute ün Dritten Reich seit Nürnberg wieder rapid zu. In einzelnen Orten sind bekanntlich auch wieder„Selbstmorde" in den Gefängnissen vorgekoinmen. Zu der bereit» gemeldeten Verhaftung des ehenmligen preussischen LandtagSpräst- denten, des Sozialdemokraten L e i n e r t, toinnrt nun auch die Verhaftung des früheren Vorsitzenden der SJ, Max W e st f a l, eines— wie manchen Genossen vom Augenschein her noch bekannt sein wird— schwer Kriegsbeschädigten(Ein- i armigcn). Diese neue Terrorwelle geht parällel zu einer Streikwelle, von der fast die gesamt« Rüstungsindustrie, also die Schwerindustrie, di« »Textil- und chemische Industrie ersaht tvorden Isind. Die seit Jahren sinkenden Löh»« weiwen bei den» starken Anziehen der Preise für die Leute Immer unerträglicher. Da» fieberhafte Tempo der Rüstungsindustrie, da» die Kopfzahl der Belegschaften vermehrt, ihr« Arbeitsleistungen gesteigert hat, gibt den Arbeitern andererseits ein verstärktes Selbstbewuht- sein. Die antibolschewistische Propaganda in Presse und Rundfunk, die dauernd vop den Fabriksbesetzungen in Frankreich berichtet«, hat bei den Arbeitern eine ganz andere al» die beabsichtigte Wirkung erzielt. Sie faßten nämlich ihrerseits Mut und forderten höhere Löhn«. Nunmehr hat G ö r i n g in seiner letzten Rede erklärt, daß die Arbeiter'in den nächsten zwei Jahren auf jede Lvhnerhöhung verzichten müßten. Passive Resistenz»der«Verlassen der Arbeitsstätte"(Streik) werde mit den strengsten Mitteln al» Landesverrat bestraft werden. Wie berechtigt die Empörung der Arbeiter wie begreiflich ihre spontane Abwehr ist, zeigt sich an dem Ansteigen der Profite bei sinkenden Reallöhnen. Sehen wir uns ein paar Ziffern au» der Bilanz der Rheinischen Stahlwerke in Esten an. Ein Bergleich dieser Ziffern' aus dem letzten P.ro- dnltionsjahr mit dem Geschäftsjahr 1980/81 ergibt amMernd die gleichen Produktionsziffern.,Dagegen ist der Bruttogewinn, der Reingewinn, die Dividende, und die Aussichtsratstantieme ganz erheblich gestiegen: Es betrug Steinkohlenprodlcktion,,»,,,»■ Koksproduktion.,,,,",.,. Braunkohlenproduktion......., Bruttogewinn(in Millionen RM) Dividend«(in Millionen»W!>., Aufsichtsratstantieme(in Millionen RM)., Reingewinn(in Millionen RM)'.,... 1980/81 198Ö/86 Veränderung ,429.000 t 4,600.000 t i+ 1,6% ,079.000 t 1,097.000 t + 1,7% 768.000 t 786.000 t — 8,6% 24,1 69,8 + 148%' — 8.6 + 100% — 0,16 + 100% 8,8. 9,0 + 140% ' Die Lebensimticltnappheit und die steigenden Preise zwingen die Arbeiter ebenfalls zur' Gegenwehr Seit dem 9. November sinh In Deutschland neue HiiWprcisc für Fleisch und Wurst in Kraft. Da» Statistische Reichsamt hat errechnet, datz angeblich nur in einer kleineren Zahl von Gemeinden damit eine Erhöhung der bisherigen Preise verbunden sei. Wahrscheinlich wird davon aber die Mehrheit der Bevölkerusig betroffen. Diese erneute Verteuerung miitz sich nm so empfindlicher auswirken, als seit den» Vorjahre die Preiserhöhung für Fleisch« und Durst- Seife 4 Freitag, 18. November 1936 M. SS4- Unfall-Serie unri Kein knrie... Brün». Die Staätsbahndirektloik Brünn teilt niit: Donnerstag, den 12. dS.» um 18 Uhr entgleiste auf dorEinfahrtSweiche bei der Stalioit Honii Snii eine Lastzrrg-LokoinotlNe mit allen Rädern und verlegte so die Ein- und AuSfahrt in der Olichtung gegen Teplä. ES wurde niemand verletzt. Die Störung dürfte uni ü Ntzr früh beseitigt sein. An den AusrännnmgSarbeiten beteiligen sich HilsSzüge und Personal auS Seseli nad Moravon und ans TrenL. Teftlice. Der Verkehr wird durch Umsteigen ausrecht erhalten und der direkte Wagen Bodenbach—Kascha» des EilzugeS Nr. 134 wurde aus Beseli über Mvjava und Novt Misto nad Bälwm geleitet. Die Ursache deS Unfalls wird durch Organe der Staatsbahndirek- tioi> Brünn nnterfncht. waren ganz belrächilich ist. In dem vom Statistischen Reichsamt errechneten LebenshaltungSindex wird fol- gender Index für die Fleischpreise angegeben. (1925/20 ist gleich 100): März 1985 Sept- 1988- Steige rung Rindfleisch(mit Knochen 85,1 71,6 10% Schweinebauch 80.9 72.2 8% Hammelfleisch 71,4 98,6 81% Kalbfleisch 64,8 05,2 94% Obwohl diese Preissteigerung tnnerhalb von eineinhalb Jahren außerordentlich hoch ist, bringen die nenen Höchstpreise nun eine we i tere Veile ii e r u n g der Fleisch» und Wurstwaren. Dabei ist zu berücksichtigen, daß viele Lebensmittel eben zu de» Höchstpreisen nicht zu habe» sind, sondern im Schleichhandel zu Phantasiepreisen erworben werden müssen, will man nicht auf sie verzichten. So stellt der„Bierjahresplan" eine schtvere Belastungsprobe für daS Shstem dar. Hitler selbst scheint sich der Aufgabe nicht gewachsen zu fühlen, mindestens die Berantwortung ab- tvölzen zu wollen. Zahlreiche Gerüchte wollen von der bevorstehenden Uebertragnng der gesamten Exekutive an Klainottenhermann wissen. Die außenpolitische Redakteurin des linksgerichteten„Oeuvre" GeneviäveTabouis verzeichnet detaillierte Informationen aus verschiedenen Onellen und befaßt sich dabei mit Teutschland, tvobei sie sagt, daß in der nächsten Zeit die deutsche Politik vollständig reorganisiert und der deutschen Wehrmacht gemeinsam mit allen Zweigen der deutschen öffentlichen Tätigkeit d. i. der wirtschaftliche», finanziellen und industriellen unterstellt lverden wird. Diesen Gerüchten zufolge würde sich der Kanzler Hitler nicht mit den Details der Ausübung der staatlichen Macht beschäftigen, Hitler würde sich selbst mehr„unsichtbar" nmchen, indem er häufiger auf seinem Gute in Berchtesgaden residieren würde. Er bliebe Kanzler, die gesanite Macht läge jedoch in der Hand des Vizekanzlers Göring, der Präsident eines dreigliedrigen Direkloriums lverden würde, in welchem Ribbentrop und Keppler sähen. DaS dritte Direktoriumsmitglied ist noch nicht bekannt. Der Reichstag würde aufgelöst und durch einen Senat von 20J) durch Hitler ernannten Mitgliedern erseht werden. Die Bezirksleiter würden direkt dem Militärkommando unterstellt lverden. So tvürde sich der Reichskanzler die intellektuelle Leitung erhalten und gleichzeitig tvürde diese Neuorganisation eine Vor- Mobilisierung aller nationalen Kräfte zur Durchführung der ungeheueren Ausgaben des „Vicrjahresplans" bedeuten. Ter Berliner Korrespondent de» Londoner „Daily Herold" berichtet seinem Blatte, daft für den 30. Jänner 1037, dem vierten Jahrestag der Machtergreifung Hitlers, die Verkündung neuer innenpolitischer Veränderungen ini Dritten Reiche vorgesehen sei. Zunächst werde der Posten eines Vizekanzlers, der seit Postens Flucht nach Wien im Juni 1034 frei ist, durch„General" Göring beseht lverden, dem Hitler den Titel eines deutschen M i n i st e rp rä s i d e n- t e» verleihen werde, nm Görings faktische Stellung als" zweiter Mann im Staate anzuerkennen. Der„Reichstag"— der durch die Unterdrückung aller Parteien außer der NSDAP längst seine Versasjuugsgrundlage und jeden Sinn verloren hat— werde endgültig aufgelöst werden. An seine Stelle werde ein„Senat" trete», dessen 300 Mitglieder nicht mehr„gewählt", sondern von Hitler direkt ernannt werden sollen. Als Vorbild diene offenbar Mussolinis„Großer faschistischer Rat"/ Auch die lange vorbereitete „Reichsresorm", die das Ende der deutschen Bun-- desstaaten bedeuten soll, werde am 80. Jänner verkündet werden. Vom Rundfunk mh4m ProarMHMRi SamStag: Prag I. 10.0S: Deutsche Presse, 11.05: Schranunelkonzert, 12.10: Operyärien, 17.55: Deutsche. Sendung: Ludwig Minder liest das Kapitel „Re Bomba" ans einem unvollendeten Roman, 18.15: Wunschkonzekt, 18.45: Deutsche Presse, 19.45: Tanzmusik. Sender II: 7.80: Populäres Schallplattenkonzert, 14.10: Deutsche Sendung: Theater- Theater- Theater, aktueller Querschnitt, 14.50: Deutsche Presse, 18.85: Zitherguartett.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Liederkonzert, 20.80: Lustige Musik.— Preßburg 12.85: Mit- tagrkonzert.— Kascha« 12.05: Kammermusik, 22.80: Rundsunkorchesterkonzert.— Mährisch- Ostrau 15: Unterhaltungskonzert. AAesnrmgkeikn „Worüber lacht man Im Kino?** Die schwerwiegende Frage:„Worüber lacht man im Kino?" untersucht knit der Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit des kritischen Acstheten die schöngeisüge deutsche Fachschrist„Die Literatur", die seit Jahrzehnten in der alten Verlegerstadt Stuttgart erscheint, in ihrer, letzten Moiiatsnummcr. DaS Ergebnis sollte selbst jenen Diktatoren, die Zwölf, und Vierzehnjährige nut Ehrendolchen bewaffnen, Paraden dieser halbwüchsigen Raubtiere abnehmen und dabei noch von zivilisatorischen Missionen dieser oder jener Sorte von FaschisniuS zu reden wagen, zu denken geben. Hier ist esl „Vor einiger Zeit"— so schreibt der hitler- deutsche Literäturfachmann—„saß ich in einem kleinen Theater und sahor allein die Hingerichteten Geiseln und Gefangenen. Der Mitarbeiter, des Pariser unabhängigen„Jntransigeant", der alle Fronten des Bürgerkrieges besucht hat, vermerkt die auffallende Tatsache, daß er dort keine Kriegsgräber gesehen hat, weder Einzel- noch Massengräber. In Spanien werden di« Gefallenen eben nicht begraben: dafür gibt es keine Zeit, ganz abgesehen davon, daß man die Leichen der Feinde mit der größten Verachtung behandle. Um jedoch die Gefahr von Epidemien zu bannen, habe -■-•-- WU-*”■‘fr- Dle Industrielle Weltproduktion ,Die Industrieproduktion der Welt setzt im Jahre-1986: in unvermindertemTempo'ihrtst Aufschwung-fort. Setzen Wir'siefUr'-daSJahr- >Vsnn Lis merken, dal) Ihr Kind die Augen zu sehr der Schularbeit nähert, dann ist meist das Licht nicht genügend hell. Eine 65 DLm- Lampe(DLm ist die Lichtmenge) in einer blendungs? freien Leuchte ist mindestens erforderlich. Die gasgefüllten OSRAM- W- Lampen mit der Doppelwendei geben viel und billiges Licht. Der Internationale Solldarltütrfondt für das republikanische Spanien■ ' Der vom Jnterimtionaleir Gewerkschaftsbund und der Sozialistnchen Arbeiter-Internationale'" gemeinsam veHvaltete Internationale Solidaritätsfonds sandte dieser- Tage an- sein -Hilfskomitee- iit Spanien über Valencia- eine Schiffsladung von 100 Tonnen, die folgendes Material eMhielt: 50.000- Kilogramm Zucker, 1 Million-Zigaretten, 5000 Kilogramsti Schoks-. russischen, Tanks entgegen,! von denen jeder neun Maschinengewehre und ein Geschütz mitführt, und schlugen die italienischen Tanks in die Flucht, wobei drei von diesen vernichtet wurden. Aber es hat sich'erwiesen, daß die Milizinfanierie der Regierung nicht imstande war, die Erfolge der schweren Tankabteilungen auszunuhen,- und' zurückblieb. DaS führte jedoch dazu, daß die Tanks kehrt machen muhten, so dah ihr. Erfolg schließlich keine Bedeutung erlangte.■ Dennoch habe die faschistische Führung beschlossen, di« leichten italienischen durch die s ch w e r e n d eü ts ch en Tanks zu ersetzen. Diesen soll es auch gelungen sein, zwei spanische Tanks außer Gefecht zu bringen. In Burgos soll es auf dem letzten KriegSrat große Unstimmigkeiten zwischen General Franco und feinen ausländischen Fachberatern gegeben haben.»Die ausländischen Offiziere rieten zur Borsicht, während die spanische Generalität zum rabiaten Vorgehen Neigung hat. Die ausländischen Fachleute, die dem Hauptquartier von Franco beigegeben sind, äußern sickldahin, .daß auch nach der Einnahme von Madrid der Krieg noch lange dauern könne. Der- Krieg auf der katalanischen Front werde fürchterlich sein. Man Iverde von beiden Seiten die mächtigsten-und modernsten Waffen anwcnden. Der Mitarbeiter des Pariser„Jntransigeant", der sich gleichfalls bei Franco befindet, gibt eine Aeußetung eines Offiziers der Fremdenlegion über die Regie- ruNgSmilizest wieder: Die Milizen feien sehr tapfer, aber sie verstehen nicht, Krieg zu führen. Vor allem haben sie k e i n e Offiziere.- Die russischen(?) Offiziere, die erst vor kurzem eingetroffen seien, kämpfen wie die Teufel, aber sie köcinen nicht spanisch und,werden von den Milizsoldmen nicht verstanden. Wenn aber diese russischen Offiziere(?) selbständig auftre- ten^.«ttva als Artilleristen oder Tankführer, so seien ste gefährlich. Fürsorgeminister Genosse Nedas Vorsitzender des Verwaltung«rate« des Internationalen Arbeitsamtes Genf. In der ersten Sitzung der Herbsttagung der VerwältungSratcS des Internationalen Arbeitsamtes wurde einstimmig zum Vorsitzenden des VerwaltnngSrateS der tschechoslowakische Minister für soziale Fürsorge Jng. Jaromir NeiaS gewählt. Die Wahl wurde in Genf mit unverhohlener Befriedigung ausgenommen. Man erklärt, daß Idamit der BeiveiS-gegeben' wurde, wie die Kreise deS Internationalen Arbeitsamtes die Teilnahme der Tschechoslolvakei an den Genfer Arbeiten für den sozialen Fortschritt einschätzen. Bon dem Aufschwung sind im laufenden i Jahre auch Länder erfaßt worden, die 1985 noch'• stark zurück waren. Der große Unterschied in der' Entwicklung der Industrieproduktion zwischen den' verschiedenen Ländern ist allerdings nicht ausge- i hoben. Jene Staaten, die vorher vorwiegend als Agrarstaaten gegolten haben, nehmen an der Steigerung viel stärkeren Anteil als die alten kapitalistischen Industriestaaten.. Im Gegensatz zu diesem raschen Aufstieg der Industrieproduktion, die damit auch über den Stand, des Hochkonjunkturjahres hinauSgokommxn ist, hält sich die AuSwiitMß des WelthäNdelsjailch ist diesem Jahre' noch iN.techt mäßigen'Grenzen. Die BündniSpläue des.-Obersten Beck,(eis.) Anläßlich des Londoner Besuches des polnischen Außenministers erklärt der Londoner Korrespondent der polnischen Telegraphenagcntur Stefan Littauer im„Daily Telegraph" die Absichten der polnischen Außenpolitik. Gleich England verfolge Polen daS Ziel, für den Frieden in Europa zu arbeiten, ohne sich einem Block anzuschließen oder auf eine Doktrin sestzulegen. Polen lehne den Nationalsozialismus ebenso wie den BolschewiS-. mus ab, wolle aber mit Rußland und Deutschland in gutnachbarlichen Beziehungen leben. Dem Bestreben, Danzig dem Deutschen Reiche ctnzuver- Iciben, werde cS allerdings entschiedenen Widerstand entgegensetzen. Im Interesse der eigenen Sicherheit sei Polen an Frankreichs Sicherheit interessiert, stehe aber dem französisch-russischen Bündnis mißtrauisch gegenüber, weil dies:! Bündnis möglicherweise mit dem Bölkerhundpakt .sticht In Einklang zu bringen sei. Um einen Krieg jflvischcn Deutschland und Rußland zu verhindern, wünsche Polen erstens eine Stärkung seiner eige- ncn Wehrmacht und zweitens einen festen Zusam- menschluß der zwischen Deutschland und Rußland Legenden Staaten. Als solche werden die Staaten der Baltischen Entente, Polen und Rumänien .genannt. Auffällig ist, daß Littauer, der offenbar Becks Ansichten wiedcrgibt, die Tschechoslowakei Upd die Zugehörigkeit Rumäniens zur Kleine» Entente nicht erwähnt. Dec„Daily Telegraph" hat aber seine Leser schon im voraus darauf hin- gcwiescn, daß in dieser Frage ein.Gegensatz zwischen Beck und dem Marschall Rydz-Smigly zu bestehen scheint.'' Meziko wehrt sich. Die mexikanische Zensur hat die Projektion aller Bilder Mussolinis, Hitlers und .anderep Diktatoren sowie jene Filme verboten, in denen Erfolge der spanischen Aufständischen, wie z. B. die Verteidigung des Alcozar und ähnlich« vorgeführl werden. Das Innenministerium hat die Zensur ermächtigt, Filme, welche di« Tätigkeit einer. Regierung festhalten, deren Ideologie von den Ideen der mexikanischen Regierung abweicht, zu verbieten oder zu zcnslirtcrcn. >1928 mit 100 ein, so ergibt sich für die letzten Jahre das folgende Bild: Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Weitere Erhöhung deS Zcmentabsastcs. Im Oktober hat der Zementabsatz der tschechoslowakischen Zementfabriken ein« weiter« Erhöhung erfahren. Bom 1. Jänner bis 81. Oktober 1986 wurden 929.500 Tonnen Zement geliefert gegen nur 885.520 Tonnen'in der gleichen BorjahrS- zeit. Preiserhöhung für Wirk- und Strickwaren? Die Unternehmer der Wirk- und Strickwarenindu strie streben«ine Preiserhöhung an, die sie mit der Verteuerung der' Garnpreise, der HilfSmate- rialien, der Werkzeuge und der höheren Löhne begründen. Die tschechoslowakisch« Ausfuhr in die Schweiz, betrug in den ersten neun Monaten dieses Jahres 254.7 Millionen Kä. Die Einfuhr erreichte die Höhe von 225.2 Millionen UL, so daß sich ein Aktivum von 29.5 Millionen KL ergibt. Die Erweiterung des Flachsanbaues. Die Förderung deS Flachsanbaues'bat bewirkt, daß sich heuer die Anbaufläche auf 18.500 Hektar gegen 10.500 Hektar im Vorjahre erhöht hat. Geltungsdauer des Porzellankartells verlängert. DaS bis Ende 1986 geltende Porzellan- Köntingentkartell ist provisorisch bis zum 80. Juni 1987 verlängert worden. Die Verhandlungen über eine fünfjährige Verlängerung der Geltungsdauer werden weitergeführt. . Günstig« Einlagenrntwicklung bei den Spar- kaffcn. Im Oktober find die Einlagen bei der Städiischen Sparkasse in'Prag um elf Millionen KL gestiegen. Auch bei den anderen Prager Spar- und Bankinstituten ist.eine günstige Entwicklung der Einlagen zu verzeichnen. unt/r hem Landwirten genM besostWe' Menschen findest' tvevden, die'solche Pläne, beizeiten zunichte-machen, weil sie'niemaledein Nutzen, aber vkelHiund-schließlich,' auch.den'Landwirten selbst Schaden bringen.wstrden. Die Sozial- deingkraiie beharrt daxauf, daßdieMargarine- versargyngderPylfSiyassennicht f gMp H e r-t! . sondern restlos 6 e.'f-tU e d i g Wvird. -lade, 5000 Kilogramm Marmelade, 5000 Kilo- gramm Kekse, 5000' Kilogramm Speck, 5000 -Kilogramm Schinken in Büchsen und 1000 Pul- lover, ferner Kaffee und Büchsenfteisch. Am 1. 'November wurde ein« zweite Sanitäiskolonnc der ! britischen Ambulanz mit Unterstützung des In« tternationalcn Solidaritätsfonds von Paris ab- ' gesandt, bestehend aus drei großen Ambulanz- ivagcn von je 2 Tonnen mit Bahren und Sani- itätsnmterial, das das britische Komitee aus Eng- hlanb mitgebracht hatte. Ein kleinerer Ambulanz- ! wagen von 800 Kilogramm ging zur Ergänzung ssder sich bereits in Spanien befindlichen ersten britischen Sanitätskolonne mit. Einzelne Län» der haben bisher folgende Beträge beigesteuert: Großbritannien über 2 Millionen ssrs., Berei- -nigte Staaten von Amerika 2 Millionen sfrs., Belgien 620.000 ssrs., Schweden 570.000 fsrS. Dänemark 500.000- sfrs., Norwegen 280.000 jssrs„-.--,d.ie-.-T s-ch^ch o-s-i o.w a t e.-ii'il80.000- sfrs., Die Niederlande 116.000. ffrS.,-Finnland, Luxemburg, Palästina, Polen 100.000 ffrs. Diesen Beträgen sind selbstverständlich auch die 4,800.000 ffrs. der Solidaritätsaktion der französischen Gewerkschaften hinzuzufügen, die getrennt von der Internationalen Solidaritätsaktion geführt wird. Die Sammlungen des Internationalen Solidaritätsfonds werden fortgesetzt! f Zucker, Butter, Margarine Der neueste agrarische Angriff auf die Verbraucher Der Plan, welchen in einer'der letzten Sit zungen des Parlaments-Budgetausschusses der agrarische Abgeordnete Prof. Brdlik vortrug und der— ein Stein der Weisen— mit einem Schlag den Butterproduzenten, den Butter- und Margarinekonsümenten, der Staatskasse,- der ZukD- kerindustrie, den Rübenbauern und dem Weizen bau Helsen soll, ist, um es vortveg zu sagen, nichts Neues. Derartige Pläne, die, schön maskiert, letzten Endes doch nur gegen den Konsumenten gerichtet waren, tauchten zuletzt vor ungesähr zwei Jahren auf, als die Agrarier mit dem An trag auf eine Margarineabgabe in der Höhe von 8 bis 4 KL kamen, um der Butterproduktion zu helfen. Der Kamps, in welchem sich damals Partei und Genossenschaften mit aller Kraft für die Verbraucher einsetzten, endete damit, daß der Plan in der Versenkung verschwand. Jetzt zieht ihn,, etwas geändert und ver schärft(I) der Abg. Brdltk wieder ans Tageslicht. Er schlägt vor: Die Margarine ist pro Kilogramm mit einer neuen Abgabe von 5 KL zu belegen, hin gegen- ist die Zuckersteuer um 1 KL pro Kilo gramm zu senken. Da— wie Abgeord neter Professor Brdltk behauptet— in einer. Arbeiterfamilie«der jährliche Verbrauch an Zul ker 24 Kilogramm betrage, bedeute dies eine Ersparnis von ebensoviel Kronen, wodurch die Mehrbelastung bei der Margarine, die bei einem angeblichen JahreSkonsmn von 5 Kilogramm 25 KL betragen würde, ausgeglichen wäre. Der Staat, fährt Prof. Brdlik fort, würde, zwar 800 Millionen, durch den Rückgang der Zuckerfteuer verlieren, auf der anderen Seite durch die Mar- garineabgabe ebensoviel gewinnen und außerdem davon, profitieren, daß die Verbilligung des Zul kers eine Vergrößerung des Konsums und da mit neue Einnckhmen zur Folge hätte. Damit ist' er aber immer noch nicht fertig. Der größer« Zuckerverbrauch zöge eine Erhöhung des Rüben» anbaues nach sich und durch die Vergrößerung dieser Anbaufläche würde der übermäßigen Aus dehnung der Weizenanbaufläche gesteuert werden. Der Himmel mag wissen, von welchen Ar beiterfamilien Abg. Brdlik feine Angaben bezo gen hat. Die Konsumgenoffenfchaften haben, im Jähre 1984 Erhebungen angestellt und führten den ziffernmäßigen Beweis dafür, daß der Mar garinekonsum der Arbeiterfamilien weit über den jetzt, im Budgetausschuß genannten Zahlen liegt. DaS war vor zwei Jahren und in der Zwischen zeit hat der Verbrauch— wie in der ganzen Wtzlt uyd.FiM Metzt in, den M.stHMe.n.Mttß^ produzierenden Ländern— zu g e n o m men.' Damals.also'ümrde' z.. Bsp.' in. Bodenbach ein Verbrauch pro. Person von 15 Kilogramm, in Böhmisch-Kamnitz von 10 Kilogramm, in Cho- dau von 7 Kilogramm, in Jägerndorf von 9 Ki logramm sestgestellt. Naturgemäß wird der Ver brauch durch die Gesamwerchältnisse der verschie denen Gebiete beeinflußt.) Heute ist der Be- darf mn 40 bis 50 Prozent.größer, der Konsum eiiier Familie nichtunter 80 Kilo gramm anzunehmen. Und so wie der Mar ge r i n e k o n s ü m der Arbeiterfamilie— be sonders in den ausgesprochenen Industriegebie ten— weit über dem Durchschnitt liegt, der an derswo errechnet werden mag, so liegt der Zuk« kerkonsum dieser Schichten tiefer.' Wagt«S jemand zu fordern, daß der Verbraucher auch nur an die Möglichkeit eines Ausgleichs für die ver langte ungeheuerliche Verteuerung der Marga rine glauben, soll? Bei den Arbeitern und Ange stellten wird diese Demagogie nicht verfangen. In einem Punkt geben wir Prof. Brdlik allevdings recht. Die. Zuckerpreise sind zu hoch und müssen gesenkt werden.. Aber sie müssen ge- man g U folgendem„originellen" Mittel gcgrif senkt werden nicht auf.Kosten der Staatskasse, fen: Automobile mit- großen Säurebehältern sondern auf Kosten der Zuckerindustrie, deren befahren die Schlachtfelder und begießen die Lei- Gewinne diese Forderung mehr als rechtfertigen. Ich-n.die man vorher haufenweise aufgestapelt hat, .. ,,,..| mit atzender Säur«. 48 Stunden später bleibt von Dl«' unausgesetzten agrarischen Angriffe dem'Leichenhaufen nichts als eine Menge Kno- aus-die,Lebenshaltung der breiten Massen werden ch,„ zurück, und auch dieser Knochenhausen zer- mjt-'dcr Nbtwcndigkeit begründet, die Butterpro« sehr bald und wird vom'Winde verweht, duktfon zu fördern. Aber noch keiner der verschie- Wenn auf den Schlachtfeldern die. KriegSgräber denen Antragsteller hat erklärt, wäher die Ar-- fehlen, so fällt in den Städten der Mangel an beiter und Angestellten, da, Geld nehmen sollen, Traper auf. Die Mütter und Frauen der Gefal- S ie- i lenen fürchten sich, Trauerkleider anzulegen, denn geht darüber h nweg, daß die Verteuerung jm Falls der Einnahme der Stadt'durch die Ge- der Margarine nur- iw Folge haben M' genpqrt«!, laufen diese Frauen Gefahr, als Gel- di« Butterpreise in die-Höhe gehen..und^ daß die, feig in,''Gefängnis zu komcnen oder, aut der Verbraucher schließlich weder das unerschwinglich tStetle erschössen zu werden.- gelvördene Kunstfett noch dje Butter werden kau» I Daß der Krieg noch kanae nicht zu festÜöni;m;7W^denM- daM-die LMchirte.-'Usttgar.fuich'7die^üin^srw.'von danstn? Was würden-die^anWirte tun,.wenn.. Madrid nicht entschieden-würde, das geben jehr angestcebten^rapiden Vermehrung des>^ch die faschistifchen.Ouellen.zui So meldet der Viehbestands^'M^^u-PteMrz-Wf-.M^^i, big Pariser„Journal^ aus dem deimFleischmarkt-fame, de« bsi-,ch«t--d«arttW,-»M L t« rt o't t i«r d e s. G e n e r.als Politik kommen müß t' e.?-■■’>,-•'..|;g pgnc o: Seit dem 30. Oktober könne man eine -,WIr, könsten 1 nicht'gläUbests-Mß diese,.letzte'^völlitze- Veränd.^rung-des CharaktgrS: deS/Krieges. Ausgeburt aavgrifcher Wünsche ernstlich.hetzten feststellest. Die sofortige Offensive aüf. Madrid ist werden könnte. Wir', glauben.vielmehr) daß Nch.dnrch den.Kr.iegSrär inBurgoS beschloffestlvorden, an-.■riwwiü. enigmen der Anstcht. etsteS.höheren'ä uS lä n--. d i s ch e n Offiziers, der hier die. Vorarbeiten zur Offensiv« geleitet hast' BIS vor kurzer Zeit, ist die Offensiv«. der Rebellen nur auf'einen geringen Widerstand,.seitens.-der. Regierungstruppen gestoßen, wobei- die: leichten italienischen Tank»- die PdrhUt, bildeten. Aber am 30. Oktober traten hie«' fen. italienischen Tanks die schweren- angeblich Seift ü Sozialdemokrat Freitag, 18. November 1886. Nr. 264- 8tu6snton-1' ragiidle Die 22jäf)tiflc Studentin Vera Prokop, die in der Studentenkolonie auf der Letnä Nr. 465 wohnt, feuerte aestern um 8 Uhr früh auf den 82- jährigen Studenten der Architektur Robert P o d« a e m n i), der im aleichen Hanfe wohnt und vor dem Eingang auf fie wartete, von rückwärts einen Schutz ab, der ihm den Hals durchbohrte. Sie" richtete daraufhin die Waffe gegen sich selbst und schätz sich eine Kugel in den Mund, die sie auf der Stelle tötete, PodzemNh wurde von der Äettungsgesellschaft auf die Klinik Jiräsek gebracht, wo er kurz nach der Einlieferung starb. Das Motiv der Tat dürfte nach hinterlassenen Briefen der Prokop Liebeshändel ge- wesen sein. Heute abends Manifeftationsversammlung der Bühnenallgehörigen. Heute, Freitag, um 23 Uhr findet tm Befreiten Theater lBoSkovee& Werich) eine öffentliche Kundgebung des Klubs der tschechischen und der deutschen Bühnenangehörigen statt, die den Angriffen auf. die künstlerische Freiheit, zu denen es in Reichenberg, Gablonz, Karlsbad und Prag gekommen ist, gewidmet ist. ES sprechen: Pydra, Falk, Dr. Konräd, Dr. Langer, Dr. Franzei, Prof. RkaihesinS, BoScovee St Werich, Paulik, Weiskopf, Linhart, Doftäl, Taub usw. Regiebeitrag Uö 2.—. Pom Baum gefallen. Gestern nachmittags spielten einige Knaben auf dem Feld hinter dem Weinberger Bahnhof, wobei einer von ihnen, der 14jährige Schneidersohn Franz Horst aus Wrscho- witz, auf eilten Baum kletterte und aus ettva 6 Meter Höhe herabstiirzte, da ein Ast unter ihm gebrochen>var. Er blieb bewusstlos liegen und wurde mit einer schtoeren Gehirnerschütterung und einem Bruch deS linken Arm» auf die Klinik Schlaffer gebracht. . Das Auge ausgebrannt. Gestern kochte die 80- jährige Arbeitersfrau Anna Capek in ihrer Wohnung Na Bojisti in Prag II., auf einem Spirituskocher Kaffee, als ihr plötzlich die Flamme ins Gesicht schlug und ihr schwere Brandwunden 1. bis 8. Grades im Gesicht und ml» Halse verursachte. Hiebei wurde ihr das linke Auge so stark verletzt, datz eS verloren sein dürfte. Sie wurde auf die Klinik Kreibich gebracht. Nicht ausspringen. In der Pilsnerstratze in Koschirsch sprang gestern die 18jährige Berkäuferin Anna Motejl auS Koschirsch auf.eine» fahrenden Strassenbahnwagen der Neuner-Linie, glitt aus und blieb bewutztlos liegen. Sie wurde von der Ret» tungSgesellschast auf die Klinik Jiräsek gebracht, wo sestgestellt wurde, datz fie einen Bruch beider Beine erlitten hat. Ei» Pferd fällt in einen Kanal. Donnerstag um 8 Ubr früh führte der Kutscher Anton Sme- täk aus Zijkov zwei Zugpferde durch eine Strahe in KobhliS, als eines der Pferde in eine etwa zwei Meter tiefe Grube fiel, die zu Kanalisierungszwecken ausgehoben worden war. Dg daS Tier pjchi Ivieder befreit werden konnte, mutzte die Feuerwehr geholt werben, die einen Kran znr Stelle schaffte und das Pferd herausholte. Die eben abgeschlossene Telephon-Werteaktion in Prag hat 008 neue Abonnenten gebracht, was sicher als Erfolg angesehen werden kann, da die Aktion wegen Mangels an Reserveleitungen ja nur in beschränktem Atatzstab durchgesiihrt und ganze Stadtteile überhaupt ausgeschlossen wurden. Auf Wohnungen entfallen diesmal nur 824 neue Sta tionen, dagegen 681 auf Kaufleute. Gewerbetreibende und Kanzleien. Die meisten neuen Telephone' entfallen auf Baukanzleien(62), weiter folgen Restaurationen(48), Advokaten(82), Aerzte(26) etc. Auch drei Pfarrämter und zwei Kaminfegermeister haben Telephone angemeldet, von Prager Schulen blotz ein tschechisches Ghmnasium. Die Staatsbahndirektion in Prag gibt bekannt: Wegen unaufschiebbarer Bauarbeiten auf der Strecke Prag-Wilsonbahnhof—Bhsoöanh werden, beginnend mit dem 16. Novtzmber, für dje Zeit von zirka drei Wochen auf,er Samstag'und Sonntag folgende Züge anstatt zum Wilsonbahnhof ausnahmsweise zum Denisbahnhof fahren: Perjonenzug, Abfahrt aus Reichenberg 6.12 llhr, Ankunft Denisbahnhof 9.22 Uhr. Motorzug. Abfahrt au» Bietaty 8.57 Uhr, Ankunft Denisbahnhof 9.67 Uhr. Prags Kachelhäuser— weltberühmt.()) Der soeben von einer Studienreise nach Moskau zurückgekehrte Direktor der Moskauer Bulgakow-Kachel- werke, A. Lepilow, berichtet in sowjetrussischen Bietern,— wie übrigens alle anderen Teilnehmer der Studienreise, was ihm besonders aufgefallen sei, und schreibt dabei wörtlich folgender:„Ich als Spezialfachmann mutzte autzer Paris, Stockholm und London mich noch Prag besuchen, wo ich mit der Arbeit der tschechoslowakischen Unternehmungen bekannt wurde, die sich durch ihre hochqualifizierten Putzmaterialien einen Weltruf erworben haben. An Prag sah ich eine Reibe von Häusern, deren Fassaden durch verschiedenfarbige Kacheln verputzt sind. Sie sehen prachtvoll aus und sind sehr schön. Nur selten mutz man so eine Fassade remontieren. Wenn sie beschmutzt ist, genügt, es. sie zu waschen und sie sseht wieder wie neu aus." Dazu bringt die„Wetschern- jaja Moskwa"(„Moskauer Abendblatt") ein Bild so einer Prager Fassade. Vie ledige Mutter. Prag.—rb— Die 24jährige Magd Anna K. zählt zu den jungen Frmten, die ihre Sehnsucht nach ein wenig Liebesglück teuer bezahlen müssen. E» war die alte Geschichte. Ein Liebhaber, der das nicht eben hübsche Mädel so im Borbeigehen nahm, um nach einigen Wochen seiner Wege zu gehen, während die Verlassene zu ihrem Schrecken bemerken mutzte, datz sie schwanger war. An eine Abtreibung dachte sie nicht und da die Schwangerschaft sie um ihren Posten gebracht hätte, beschränkte sie sich darauf, sie nach Möglichkeit zu verbergen, was ihr auch gelang. Einmal in der Nacht wurde sie von Geburtswehen befallen. Ihr jüngerer Bruder, der mit ihr die Schlafkammer teilte, wurde durch ihr Stöhnen auf- geiveckt, unterliess es aber, wie er als Zeuge vor Gericht erklärte,„aus Scham vor dem. was da vor ssch ging", der Schwester irgendwelche Hilfe zu leisten. Nicht,einmal eine Kerze getraute er sich anzuzünden, und so kam denn Anna K. im Dunkeln, ohne Beistand und Hilfe nieder. Am nächsten Morgen lieb sich das Geschehene nicht verheimlichen und als die Hau?» leute nach dem Kinde fragten, zeigte es sich, datz es tot war. Die Obduktion ergab als Todesursache E r st i ck u n g und obwohl der Körper der Neugeborenen keine Spuren irgendwelcher Verletzungen trug, bestand doch der Verdacht, dass Anna K. ihr Kind absichtlich erstickt habe, oder zum mindesten nichts getan habe, um dessen Tod zu verhüten. Die Staatsanwaltschaft führte die Vorerhebnngen wegen Verdachtes des Kindes mord es und es hätte nicht viel gefehlt, datz Anna K. hätte vor den Geschworenen erscheinen müssen. Bei der ersten Vernehmung hatte sie die Aeusserung getan, e» sei gut. datz dar Kind tot sei und fügte hinzu, si-. hätte nicht- unternommen, um seinen Tod abzuwenden. Diese Aeutzerung wurde als halbe» Geständnis auf» gefatzt, doch bestritt Anna K. schon vor dem Untersuchungsrichter. ihre Aeusserung so gemeint zu haben. Da weitere Schuldbeweise nicht zu erbringen waren, lieft die Staatsanwaltschaft schliesslich die Anklage menen Kindesmordes fallen und erhob bloss Anklage lvegen de» Vergehens der fahr-' lässigen Tötung. Vor dem Strafsenat Nosek wurde die Angeklagte gestern dieser Delikte? schuldig erkannt und zu drei Monaten strengen Arrestes verurteilt. Vorträge Dor Allgemein» AngostelltenverbMid(Ortsgruppe Prag) hielt Mittlvoch, den 11. November, eine Mitgliederversammlung in seinem Heim im Hand- lverkerverein, Sniciky, ab, die unter Vorsitz der Obmannes Kollegen Ernst Strnad stattfand. Nach Erledigung einiger organisatorischer Angelegenheiten hielt Kollege Dr. Eniil Strautz einen Vortrag über Währu-ngsproblemeund Wirtschaftskrise. Der Vortragende legte den Standpunkt der freien Gewerkschaften zur WährungSsrage in der Vorkriegszeit, in der Zeit der Inflation und In der Zeit der Krise dar und begründete, warum die Vertreter der Gelverkschaften für die Abwertung der Krone eingetreten seien. Freilich ist die Devalvation nur die Voraussetzung des Wiederausbaues unseres AutzenhandelS, wozu noch eine Reihe von Matznah- men kommen müssen, von denen der Vortragende einige anfiihrte. Eine wirlliche Wiederbelebung der Weltwirtschaft könne aber nur eintreten, wenn es auch zur politischen Beftiedung der Welt kommen werde. An den Vortrag schloss fich eine rege Debatte an, in deren Verlauf einige Kollegen'den Vortragenden um-Aufklärung in einzelnen Details ersuchten und diesbezügliche Anfragen stellten. Nachdem Kollege Dr. Strauss in einem ausführlichen Schlufgvort die an ihn gestellten Anfragen beantwortet hatte, konnte der Vorsitzende die Versammlung schliessen, wobei alle Anwesenden den Eindruck hatten, einen ausklärenden Vortrag über ein schwieriger Problem in vollztümlicher Weise gehörtfzu haben. Juwist und Wtem Nikolas Gogols„Revisor" im neuen Gewände. Die Neueinstudierung von Gogols„Revisor", diese durch keinerlei szenische Experimente zu verwüstende Komödie vom genialen Lügner, war am 10. November grosse Premiere im Jiationaltheater. Unter Zuhilfenahme von F. Tröster, der sich in modernster Szenenausstattung versucht, hat Jiki Frejka alp Svtelleiter mit erbarmungslos schärfens Licht die Welt der' zaristischen' Tschigowniki beleuchtet, pM Welt der verlotterten, kupplerischen Beamtentums, das aller, was in das Bereich seiner Macht fiel, materiell und geistig ausbeutete. Zeitweise schien die Groteske bis zur Karikatur äuSzuarteN, die Neuübersetzung schweifte hart am Allzutriviqlen, aber nie haben die zwölf Bilder, in drei Akte verteilt, wenn auch ein raschere» Tempo zu wünschen wäre, an eindringlicher Wirkung verloren. Die Ausstattung brachte eme Reihe szenischer Ueberraschungen,— GEDENKET bei allen AnlBaaen der Arbeiterfürsorge! z. B. die von unten auftauchenden Glastüren, die den Weg EhlestakoivS vom Armenhause in das Haus de» Polizeidirektors markierten;— wobei die nach vorne abfallende Biihne mit der unter dem Glasboden Mtergebrachten Beleuchtung und mit dem runden Wdrbau eine neue Verteijung der Szenenbilder gestattete. Neue Bedeutung getvannen die beiden Massenszenen, die an die Bühnenaurstattung im D 87 erinnerten. Bei der Verteilung der Rollen bot sich dem Spielleiter eine glückliche Auswahl. Herr Etipänek war in der Rolle des PolizeidireltorS, hauptsächlich in der letzten Szene, eine über den Durchschnitt weit ragende Gestalt, der Armenhaus» kurator Zemjanik des Herr» Neumann ein feiger Heuchler par exeellenee, bemerkenSivert Herr Smölik als Schulinspektor Chlopov, Veverka als Richter Tjapkin, Raöilov und Rolland als Bobtfchiufti und Dobtschinskl. Frau Baldovä war als Anna Andre- jevna eine unwiderstehliche komische ländliche Kokotte. Frau Hälkovä eine Landpommeranze mit Weibcheninstinkten. Für die Rolle der kleinen Stadtjungens, der sich an sich selbst berauscht, der aus der Furcht der verseuchten, alle» beherrschenden Bemntenkasw sofort Nutzen zu ziehen Weitz, wurde Herr Pcöek bestimmt, der au» dem verängstigten subalternen Be» amten sich bis zur schwindelnden Höhe eines allmächtigen Manne» in Petersburg hinauflügt. Seine Er- gänzuim fand er in deni bäuerlich verschlagenen, faulen Ossip de» Herrn Pivee. Obwohl sich der Abeich in die Länge zog, wusste da» Spiel in ter neuartigen Ausstattung und Regie ungemein zu fesseln, der anfangs verlegene Beifall wurde zusehends tvärmcr. m. i. Spielplan des Deutschen Theater». Freitag, H8: Schneider im Schloss, C 1.— Freitag 7 Uhr: DieZauberflöte, D.— Samsiag halb 8: F r ö h l i ch drehen wir un» tm Kreise, A 2.—Sonntag 8 Uhr: Die Hofloge, halb 8:Die lustigen Weiber von Windsor, C 2, neuinszeniert. „ Kleine Bühne. Freitag 8: Salzburg ausverkauft, volkstümliche Vorstellung.— Samstag 8: Hofloge.— Sonntag 8: Das Herz, 8: Schneider im Schlotz. Mitteilungen aus dem Publikum. Die Grippe lässt ssch Nicht unterschöben! Wer es versucht, sie zu übergehen, oder sie mit Nichtachtung zu strafen, an dem rächt sie sich ost' bitter! — Am besten ist es, man lätzt sie erst gar'nicht an sich heran und beugt beizeiten bork Regelmässige Einreibungen und Mundspülungen mit Alpa-Franz- branntwein kräftigen den Körper und desinfizieren: so ist dec Grippe am besten vorgebeugtl DaS sägen mich die Aerztel'2 Urania-Kino, Klimenhkä 4. Fernsprecher 61628. Ein toller Einfall * Maser. Paul HSrbigrr usw. Geschichte und Diktatur Im Zuge jener ReinigungSaktion, die zur Zeit in Rutzlaud noch andaucrt, lesen tvir, datz einer Frau Serebriakova— sie ist verdächtig, Trohkianhängerin zu sein— schwere Bor- würfe gemacht werden, Iveil sie in„klassenseind- lichem" Sinne Geschichte geschrieben habe. Frau Serebriakova ist Historikerin, ihr Werk„Die Frauen der französischen Revolution" ist vor dem Einsehen der innerpolitische» Säuberung bedenkenlos von Parteiinstanzen gelobt und empfohlen tvorden. Heute allerdings verhält es sich daniit anders. Was Ivird Frag Serebriakova zur Last gelegt? Sie habe die Figur der Charlotte Cordah sentimentalisiert, sie habe, von Frau Roland ein allzu shmpathischeö Bild entivorsen. Tadelnswert sei ferner, datz sie von Josefine BeauharnaiS nichts älS Schläfzimmergeschichten berichtet hätte uslv. So und ähnlich die Anschuldigungen. Sehe» tvir einmal davon ab, datz bei derartigen Nachrichten der tvesteuropäische Sozialist stets etwas erstaunt sein wird, so befindet inan sich allerdings, was Charlotte Cordah betrifft und angesichts von Marie Roland einem nicht uiUvichtigen Problem gegenüber. Man kann also, so hören wir, Madame Roland allzu sympathisch schildern. Das heisst doch tvohl, vor Leuten ihres Schlages müssen lvir auf der Hut sein. Wer war das also, die Bür-" gerin Roland? Frau Serebriakova muss sich vor- werfe» lassen, sie habe'mit einer„geschickten Abenteuerin" fraternisiert. Marie Rolaitd, dieses Kind von Kleinbürgern,— gehobener Handwerkerstand—, konnte Griechisch und Latein, trieb Musik, machte Handarbeiten, verstand sich darauf, zu kochen, zu backen, einzumachen und ein Weingut zu Verlvalten, einen Mann zu bewundern, für ihn Korrekturen zu lesen und schliesslich seine lvich- tigsten Briefe zu redigiere». Der Mann lvar höherer Staatsbeamter und wurde zunächst unter Ludlvig XVI., später an der Spitze eines Revolutionskabinetts Minister, machte sie also, das war wichtig, zur Frau Ministerin. Marie Roland knüpfte Verbindungen, gewann, überredete, kurz, sie lvirkte auf Männer und sie wirkte durch Männer. Die Parteigröhen, vermittels derer sie Einfluss befass, waren kritische.Köpfe, befähigte Redner, gepflegte bürgerliche Intelligenz, der rechte Flügel der Revolution, die Girondisten. Men Ereignissen jener chaotischen Jahre war keiner von ihnen gelvachse», ebensowenig wie Marie Roland diesen Ereignisse» gewachsen war. DaS Ende ist bekannt. Sie selbst, Marie Roland, starb assf dem Schafoti, ihre Mitarbeiter und Verehrer endeten wie sie auf der Richtstätte oder aber durch Selbstmord.' Kann man Marie RolPid eigentlich a l I- z u sympathisch schildern? lind nun Charlotte Corday. Was soll man, wenn der Name dieser Frau ausgesprochen wird, empfinden? Ein privates Mitleid, ge- witz. Da» Bild ejner Fra» inag— muss sich Wohl entstellen, wenn sie tötet, unter den.Umständen tötet, unter denen die Cordah Marat beseitigt hat. Individualistische Einzelaktio» einer Fran, die keine Politikerin war und durch diesen Mord auch keine wurde, die, indem sie in das Toilettenzimmer des Mannes Marat eindringt und ihn im Bad erledigt, zweifellos reaktimiären Strömungen dient, dem Pendelausschlag nach rechts. Nun möchten also diese russischen Rechtgläubigen, dass wir von Herzen Abscheu empfinden, und darin eben habe Frau Sereviakoba gefehlt, sie habe diesen AbschtzU'nicht kräftig.genug'genährt, i Wie steht es damit? DaS Opfer Charlotte' Cordays ist Marat. Reden wir nicht von seiner' „Blutgier". Das Bild der französischen Revolution lässt sich in der Tat nicht sentimeNtalisie- ren, es handelt sich da um Zeitläufte, in denen dieser Einwand kein Argument ist. Mer lvir erinnern uns: die Revolution frass ihre eigenen Kinder, auch^die Danton, DeSmoulis, Höbert, schliesslich Robespierre selbst,, gingen dahin? Der Tod durch die Guillotine lväre nach' menschlichem Ermessen ebensowenig Marat' z» ersparen' gewesen.'Das wissen lvir, und das mindert unsere Empörung gegen diese' Zufallsfigurantin der Hiswrie, Charlotte Cordah. Selbswerständlich versteht nmn, welche politischen Hintergründe eS hat, wenn von einer Geschichtsdarstellung, die in der UdSSR erscheint, erscheinen darf, zumindestens hoch erst einmal verlangt Ivird, dass die Mörderin des terroristischen Staatsmannes in den schwärzesten Farben abgemalt ist. Man braucht darüber nicht'zu lächeln. Die Geschichte ist— unter anderem— ein Bilderbuch mit Musterbeispielen zur Belehrung der Lebenden. Diese oder jene grosse Figur der Vergangenheit, im Scheiuwerserlicht vor die Augen der Lebenden gezaubert, vermag abzuschrecken oder ein- Antrieb zum Handel» zu werden. Eine solche pädagogische Wirkung aber Ivird geringer, wenn man sich klar macht, dass alle historischen Vergleiche nicht stimmen. Wir sprachen von Marat. Sollen wir Sozialisten von 1936 ihn bewundern odtzr ihn „ablehnen"? Selbstverständlich, das war kein Arbeiterführer. Wir wissen, die französische Revolution von 1789 richtete sich gegen das Königtum sowie gegen den Feudalismus. Bürger und Proletarier kämpften da in. der gleichen Front, die Bürgerlichen gaben, wenn man eS grob und daher ungenau darstellt, die.Ideologie",'die Arbeiter die wirksame Kraft ihrer Fäuste, lieber die Methoden der Jahre90 bis 98 kann man heute nicht mehr rechten.; Ist' also Marat>„unser Mann"? Die Frage lässt sich s ö nicht stellen.. Wenn wir in der Geschichte Vorbilder oder abschreckende Beispiele suchen, werden wir jtzdeS- ipäl gezwungen sein, die einmalige, bereits vergangene, historisch gewordene Situation undeutlicher zu zeichnen, damit die Aehnlichkeitmit der" Gegenwart wirksamer hervortritt. Mit einem. Weniger an Wissen sind die kräftigeren Gefühlsantriebe zu erzielen. In diesem Sinne korrigiert 'maN in Russland.die GeschichtsschreiberinSe're» briäkova. Man hätte damit! recht, wenn nicht die Betrachtung der Vergangenheit noch eine zweite Aufgabe hätte, nämlich die, Erkenntnis zu fördern. Zwar, wie gesagt wurde, die' Vergleiche von Vorgängen der BergaUgeuheit' mit■ denen; der Gegenwart stimmen nie genau, aber'aus der Geschichte kann dennoch gelernt werden.— Dazu allerdings muss man sie sorgfältig anschauen. Und dabei geschieht es, Ivenn wir einen bestimmten Zeitabschnitt eingehender betrachten, dass die handelnden Personen uns ferner rücken. Eine motze Kühle geht jetzt von ihnen aus. Es sind — Tote. Sie spriimen nicht mehr, auf ein Podium, um'uns mit Worten Unmittelbar ans Herz zu greifen. Der Dolch in der erhobenen Hand der Charlotte Corday scheint uns nun wie ein Theaterdolch. Selbst zu dem»letzten Wort" der Marie Roland distanzieren lvir uns. Je mehr aber diese Personen für uns an Lebensnahe verlieren, um so besser belehren sie uns. Ihr Schicksal, das bedeutet nicht„unser Schicksal", sondern ein anderes. Aus ihrem Schicksal können wir lernen, aus'unserem könnten wir nicht lernen, denn das Gegenwärtig» sehen wir ja so gut wie mit blinden Augen. In', demokratischen Ländern, wo jeder mitverantwortlich sein soll für das, was in der Oefssmtlichkeit geschieht, bedarf man beider.Arten der Geschichtsbetrachtung, derjenigen, die der Jugend die Vorbilder, dem Gefühl. den Antrieb zur Tat gibt, ebensosehr wie der, die die zeitgebundenen Bedingungen deS Handelns aufzeigt.und zunächst.zur reinen Betrachtung führt.■:'„, In Russland entscheidet man sich nur für die eme Art des Schauens,, man wendet sich an daS Gefühl, denn des kritischen Verstandes bedürfen dort die Geführten sticht. Das ist eine Geschichtsschreibung Mr Kinder und Jünglinge. Mas gleiche gilt für die, faschistischen Länder. Wir indessen werden eS nnS wohl schwerer machen müssen. Zwar werden auch wir uns gelegentlich an Gestalten der Vergangenheit in eiiier kräftigen Abneigung Üben, die wir Mr die.Gegen-' wart brauchen: Aber das schliesst nicht i'qus? hass, wir g e n o ll Bescheid wissen wollen, rückwärts blickend, vorwärts blicktznd. Denn auf diejenigen Gefühle, die durch. Wsssem schwächer werden könnt ten/ist—r Mn lvird pielleicht.eineS Tages dghin- ter kommen nicht Pitzl Verlass,',•.£'\?,!• AiMS ch i l k. Bezug Sb edingung t u: Bei Zustellung in» HauS oder bei Bezug durch die Voll monatlich Kgl6.—. vtectekMrlich Kg 48.—: balbiäbrla AS 98— jMMrigKg'192—Jnfttat- m-rd-i, M. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von ManDstripten erfolgt mir bei Einsendung der Retourmarken,— Die Zeitungsfrankatur wurde von derPost- und Tele- graphendtreklion mit Erlass Nr. 18,800/VII/I980. bewilligt.— Druckerei:„yrbjS". Druck-, Verlags- und ZeitunaS.-A.-G, Prag!^