IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,pochova«. telefon sjot7, HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: KARL KERN, PRAG. Einzelpreis 70 Hellei (einschließlich 5 Holler Porto) 16. Jahrgang Samstag, 14. November 1936 Nr. 265 Der wirtschaftliche Wiederaufbau der Notstandsgebiete Vorsprache der Vertreter der Partei, der Gewerkschaften und der Jugend beim Ministerpräsidenten— Eine programmatische Denkschrift Der Staatspräsident hat in Neichcubrrg, der Ministerpräsident zuletzt diese Woche im Budget» Noch größere Erfolge bei den Wahlen In die Eisenbahner- Krankenkassen . Nach de» glänzenden Ergebnissen der Be- triebSratSwahle» bei den Staatsbahnen werden nunmehr auch die Resultate der gleichzeitig vorgenommenen Krankenkassen mahlen bekannt. Reben den aktiven StaatSbahn-Angestellten wählen hier auch rund 80.000 Pensionisten. Bon onögesamt 220.000 Stimmen wurden bisher rund 180.000 gezählt, von denen 157.088 als gültig anerkannt wurdest. Die Ergebnisse liegen hier für die demokratische Wahlgenieinschaft noch' günstiger, denn sie konnte 180.121 Stimmen, d. i. 83 Prozent, auf ihre Kandidatenliste vereinigen. Der reaktionäre Block erhielt nur 27.868 Stimmen, d. i. 17 Prozent. Die restlichen 40.000 Stimmen dürsten noch im Laufe des Sauisiag gezählt werde». Ossietzky frei? Rach Berichten, welche als zuver» lässig angesehen werden können, wurde Earl von Sssiehkh vor einige« Tage« a«S der Hast entlassen und befindet flch jetzt in einem Berliner Satt a t o r i u m. Ossietzky war seit dem 28. Feb^r 1933, also mehr als 44 Monate in Hast, davon die längste Zeit im stvn» irmrhtionSlager Papenburg(Moor). Schwere Zusammenstöße in der Pariser Kammer P ari S. I» der Deputiertenkannner kam rS am'Freitag zu schweren Zwischenfällen,"als der Rechtsdeputierte Beequart von der Rednertribüne aus seine bekannten, längst alS unwahr erwiesenen Beschuldigungegeit gegen den Innenminister Salengro wiederholte, dass er sich nämlich im Weltkrieg" als Soldat feige benommen habe. Die Linke protestierte, lebhaft gegen diese unsauberen Methoden. Rach Beequart meldete sich Ministerpräsident Blum zu Wort. Kaum hatte er rin paar Worte gesprochen, als die Rechte einen der- artlgen Krawall inszenierte, daß seine Rede völlig«ntorging. DI« Sozialisten und Kommunisten stürzten sich daraufhin auf di« Krakeeler, so daß es vorder Rednertribüne direkt zu einem Handgemenge kam. Rach Wiederaufnahme der unterbrochenen Sitzung konnte Blum seine Rede unter verhältnismäßiger Ruhr zu Ende führen. Die erregt« Aussprache endete mit einem Bertmuonsvotum von 374 gegen 201 Stimmen für di« Regierung Blum, womit der Fall Sälen gro definitiv erledig erscheint. Der erste Seid der angenommenen Resolution, der konstatiert, daß die Beschuldigungen gegen Salengr» irrig sind, wnrde sogar mit einer Mehrheit von 427 gegen 103 Stimmen angenommen. /.: Verfassungsänderung In Italien R o m..Wie verlautet, wird im Großen faschistischen Rat, der am 18. November zusammentritt, Ministerpräsident Mussolini den ersten Teil der Reform" der italienischen Brrfas- sung, insbesondere betreffend die Stellung und die Ausgaben des Borfltzenden der Regierung br- kanntgeben. ES heißt, daß dem König von Atalirn der Titel deS Kaisers von Italien für künftighin erteilt«nd daß auch die Position Mussolinis eine neue Bezeichnung" erhalte» wird. Di« Berfas- sunjjSrefvrm chird auch die Nnifiizerung deS Portefeuilles des Ministeriums deS Innern mit den Funktionen des Generalsekretärs der. safchiftischen Parter.«»d,die Unifizierung deS Amtes des Präfetten" mil den Funktionen der faschistischen Föderalsekretäre beinhalte», um aus i diese Weise die Identität Italiens mit dem FaschtSmuSkündzu- tun. Man rechnet Hamit,'daß demnächst neur.Mi- nisterernpnntwerden. DaSParlament Würtz« im Dezemher- aufgelöst werden und eine besondere Kdrhorationenkasyplrp geschaffen werden. Eine Delegation von Vertretern der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, des Deutschen GeworkschaftsbundeS und des Sozia-' listischen JugendverbandeS, bestehend aus den Genosse» Dr. C z e ch, T a u b, I a k s ch, R o- scher, M a e o u n, Kaufmann, K r e j- s k y und Kern hat sich heute beim Minister- Präsidenten H o d j a eingefunden und ihm ein Memorandum der Spihenkörperschaften der deutschen Arbeiterbewegung betreffend den wirtschaftlichen Wie"der au Hbau und die sozialen Erfordernisse der Notstandsgebiete überreicht. $n der Aussprache zeigte der Ministerpräsident besonderes Interesse fiir die Bedürfnisse deS sudetendeutschen JndustrieaufbaueS und ber- sprach, die vorgelegte Denkschaist einer gewissenhaften Prüfung zu unterwerfen. Anschließend sprach die Deputation auch beim Direktor Bit- termann der volkSipittschastsichen Abteilung deS. MmisterratSPräsidiumS.. Yor und überreichte ihm die gielihe Denkschrift. An der Vorspräche wurde an beiden Stellen Äebereinstimmung über den Weg zu einer beschleunigten Durchbera- tung der Forderungen mit den zuständigen Ressorts erzielt. In der Denkschrift wird zunächst festgestellt, daß die unterzeichneten Körperschaften von der übereinstimmenden Auffassung ausgehen, daß anschließend an die zweite Devalvation die Ueberwindung der Krisenschäden, namentlich die Wiederbelebung der darniederliegenden Exportindustrien von allen beteiligten Faüoren mit zielbewußter Energie in Angriff genommen werden muß. Zur Besserung der nußerordent- lich schwierigen und vielfach sogar trostlosen Ber- hältnisse in den industriellen Randgebieten der Republik werden folgmde Maßnahmen in Vorschlag gebracht: 1. Ausgestaltung der volkswirtschaftlichen Abteilung des MinisterratSpräsidinmS durch Errichtung einer Stelle für den industriellen Wiederaufbau in den Notstandsgebieten. 2. Außerordentliche Hilfsmaßnahmen für jene Exportindustrien, /welche dir verlorenen Märkte auS eigener Kraft nicht zurückgewinven können, wobei zunächst besondere Borsorgen für die Krram-, GlaS- und Textilindustrie zu treffen sind. 3. Gewährung von billigen Krediten, Ausgestaltung der Steuer-Hxleichterungm und Fracht- Sieg I» den Lüften ■ Madrid.■. Nach.einer weiteren r Meldung des tzavaS-BerichterstatterS haben dieRegierüygS- flugzeuge bei dem-heftigen."Luftkampf über Ma- dridiiWesamt-sechs,FlugzeugederAuWnpischen- abgeschaffen. Der Havas-Berichterstatter verfolgte alle Phasen-dieses Lüftkämpfes, der sich um ächt iilhr früh abspielie....Seiner.Schilderung zufolge Nachlässe an neue Ünternehmnngen, die in Gemeinden errichtet werden, in denen die Bewohnerschaft durch dauernde Betriebsstillegung besonders schwer geschädigt wurde. 4. Weitestgehende Lockerung der Devisenzwangswirtschaft bis zu deren Aufhebung. Beseitigung der Erschwerung der Jtohstoffeinsuhr. 5. Herabsetzung der Zollsätze, namentlich für LebenS- und Gennßmittel, die im Gefolge der Devalvation einer Verteuerung auSgrsetzt sind. • 6. BiS zur Freigabe der Margarineproduktion, Festsetzung eines hinreichenden Kontingentes zur Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung. ’ 7. Vereinheitlichung und Ausbau der För- derungSmaßnahmen für die exportierenden HauS» Industrien. Strikte Durchführung des Heiin- arbelterschutzgesetzeS. .8. Erhöhte Borsorge für die Jugend, vor allem durch verbessert« Berufsausbildung, Einschulung erwerbsloserJugendlicher in industriellen und gewerblichen Betrieben. Außerordentliche finanzielle Beihilfen des Staates"für di« Einschulung der Jugend und OualitätSanSbildung deS industriellen, gewerblichen und kommerziellen Nachwuchses. 9. Organisierung eines öffentlichen AuS- fpeisungSdiensteS fiir die Kinder und Jugendlichen der Gebiete mit langandauernder Massenarbeitslosigkeit. 10. Gesteigerte Bekämpfung des Notstandes in den Krisengebieten durch Ausgestaltung der bisherigen besonderen Naturalhilfen. Finanzielle Sicherstellung der Heilfürsorge fiir die Arbeitslosen«nd deren Familienangehörigen und Erweiterung der Kinderhilfsaktion. 11. Verbindliche Weisungen an alle verantwortlichen Stellen, daß bei allen öffentlichen Investitionen und RotstandSarbelten in erster Linie einheimische Arbeiter«nd einheimische Firmen berücksichtigt werden müssen. Entsprechende Rück- sichtnahm« auf die industriellen Notstandsgebiete bei der Bergab« von StaatSanfträgen. 12." Herausgabe von verbindlichen Richtlinien für die öffentliche Administrative untz für all« Staatsbetriebe, um die Berücksichtigung deutscher Angestellter und Arbeiter bei Neuaufnahmen in den Staatsdienst zu sichern. Die erwähnten Körperschaften wurden ferner beauftragt, bei den kompetenten Regierungsstellen die Verlängerung des BetriebSstillegungSgesetzeS» die beschrlunigte Reform des KartellgesrtzeS«nd die Schaffung eines KollektivvertragSgesetzeS zu fordprn. tauchten zur angegebenen Zeit zehn. Flugzeuge der Aufständischen üb e r d H Hauptstadt auf,: worauf 16;Regierungsflugzeuge aufstiegen,.. welche die feiftlHichen Fljeger zum Äanspfe nötigten.. Nach 10 Hinuten^ gelang,«s den Regierungsflugzeügen, das.edst'e gegnerische Flugzeug abzuschießen, kurze Zeit darauf stürzten zwei weitere Bombenflugzeuge der Aufständischen ab. auSschuß nut Klarheit und Entschiedenheit, ausgesprochen, daß den von der Krise besonders betroffenen Gebieten geholfen werden muß. So wie der Staat bei Eleinentarkatastrophen in den agrarischen Gegenden hilft, so muß dort, ivo das Geivitter der Weltwirtschaftskrise am heftigsten gewütet hat, der Wiederaufbau beginnen, lind das ist in den i n d u st r i e l l e n Randgebieten, die in der Mehrheit von Deutschen bewohnt sind. Die deutsche Sozialdemokratie und die mit ihr befreundeten, iin Deutschen Gewerlschafts» blind vereinigten Gewerkschaften haben die Initiative ergriffen und haben ein konkretes Programm ausgestellt, das sie gestern dem Ministerpräsidenten überreicht haben. Dabei handelt es sich um nichts mehr— aber auch um nichts weniger— als ein reales M i n d e st p r o- g r a m m, in dem nur Forderungen von unmittelbarer Aktualität enthalten sind und es wurde bewußt von anderen Forderungen abgesehen, die von uns gemeinsam mit den anderen sozialistischen Gruppen erhoben werden. ES handelt sich uns diesmal um die b e s o n d e r e n wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnisse der d e u t s ch e n Jndustriebevölkerung dieses Staates, gerade jener Menschen, die durch jahrelange Arbeitslosigkeit zermürbt sind, die in Elend und Hoffnungslosigkeit sieben lange bange Jahre verlebt haben. Diesen unglücklichsten Krisenopfern muß geholfen werden, Männern, Frauen und unserer Jugend, welche die Jahre, die sonst die schönsten!m Leben, sind, im grauen Dunkel der Arbeitslosigkeit verlebt haben, deren körperliche, geistige und seelische Enüvicklung entsetzlich gelitten hat. Ein Staat, der sich seiner Aufgaben, seiner Pflichten, seines Daseinszweckes bewußt ist, ein Staat, der von Masaryk auf den Grundsätzen der Humanität, das ist der Menschlichkeit begründet wurde und von Beneö auf dieser Grundlage weitergesührt wird, muß nach den schönen und erhebenden Worten des Staatspräsidenten und des Regierungschefs nunmehr handeln— und rasch handeln. Ein altes lateinisches Sprichwort lautet: Sls dat gut cito dat, zu deutsch: Zweimal gibt, wer rasch gibt. Hier gilt aber der Sah: Der gewinnt, der rasch gibt. Unsere Forderungen sind einfach und klar und lassen sich in"wenigen Sätzen zusammenfassen: Voraussetzung des planniäßigen Wiederaufbaues der'Notgebiete ist die Schaffung einer Zeu- tralstelle für industriellen Wiederaufbau; export- ,fördernde Maßnahmen Niit besonderen Vorkehrungen für die Glas-, Keram- und Textilindustrie; neue Unternehmungen in Notgemeinden; Sicherstellung der Ernährung; Jugendschutz. Es wird dabei von dem Gedanken ausgegangen, daß die große Masse der sudetendeutschen Arbeitslosen nur durch die Wiederbelebungun- serer Ausfuhr in den Arbeitsprozeß zürückge- führt werden kann. Ein großer Teil der sudeten- deutschen Arbeiter und Angestellten haben vor der Krise davon gelebt, daß die durch ihren Fleiß und ihr Können erzeugten Waren in anderen Ländern gekauft und konsumiert" wurden. Sie werden nur wieder anständig leben können, wenn wir für diese Waren das Tor in die Welt aufstoßin und neue Gebiete, für," unsere Produkte erobern. Wir brauchen" keine anderen Eroberungen" in"der Welt als diese." Für diese Forderungen" rufen wir die arbeitenden Massen des Sudetendeutschtums auf, deren; energische Unterstützung wir bedürfen, um das Brograitun der Sozialdemokratie zu verwirklichen." Wir stellen uns damit bewußt in Gegensatz zu" allen jeiren, welche in den durch jahre- langes Elend an den. Rand der Verzweiflung gebrachten" Massen Illusionen wachrufen, als ob Berlin oder Genf, Rom oder Londvn der deutschen Jndustriebevölkerung helfen"könnten:"Helsen 1500 Bergleute hinseschlachtet Britischer Augenzeuge der faschistischen Greueltaten In Rio Tlnto Gibralta r.(Reuter.) Ein hoher britischer Funktionär her Rio» Tinto-Gruben in Südwest-Spanien, der heute hier eingetroffen ist, informierte den Reuter-Berichterstatter dahin, daß die Aufständischen, als sie sich der Rio-Tinto-tSruben bemächtigten. Aber INO Bergarbeiter, darunter etwa 100 Frauen, erschossen haben. Zahlreiche dieser Hinrichtnnge« fanbe« öffentlich«nd in Anwesen» Helt des genannten britischen Funktionärs statt. Seite 2 Samstag, 14. November 1030 Nr. 205 Das Volk im Gegenangriff Madrid schlagt zurück< Bis Getate vorgedrungen? heutigen Die Kämpfe«« der Südwestftont Madrids gestalte» sich nicht nur van Stunde zu Stunde grausamer, blutiger und dramatischer, sie nehmen auch mehr und mehr die Form einer Gegenosfen- können mir n»S nur selbst, ie schwerer das Gewicht ist, dar wir in die Waagschale Iverfen.können, desto aussichtsreicher unser Beginnen. Unser Programm ist: die LebenSüedürf« nisse der sudetendeutschen arbeitenden Bevölkerung im Rah- in en der Staatspolitik zur Gel tung zu bringen. Wir geben dem Staate alles, was er zum Leben und zu seinem Schutze braucht. Deswegen können wir erhobenen Hauptes von, ihm verlangen, daß er dem Sudetendeutschtum helfe, den Weg zu beschreiten aus Krisennot,' Elend und Zurücksetzung zu menschlichem Leben, Zufriedenheit und gleichem Recht. Innenminister Dr. E e r n h betonte am Freitag im BiidgetauSschuss die ungewöhnlich enge und erfolgreiche Zusammenarbeit seines Ressorts mit dem VerteidigungSininisterium in allen Fragen, die die Sicherheit des Staates betreffen. Die Maßnahmen zur Verteidigung nach aussen müssten, ergänzt werden durch ' die i n n e r e Sicherung der Republik und eine solche Gestaltung des Staatsapparates, daß immer und unter allen Umständen die erfovderliche Ruhe und der geregelte Gang alles Lebens sichergestellt lverde. Durch die Regierungsverordnung 51/30 erhielt die Regierung die Möglichkeit, überall dort, wo sich der Bedarf zeigt, StaatSpolhzleiämter zu erreichen. Do» Innenministerium hat ein weitreichende» Projekt ansgearbeitet, um vor allem in dem ganzen am meisten exponierten Grenzgebiet ein zusammenhängende» Netz von staatlichen Polizei ft alle« zu schaffen, daneben auch noch in gewissen Gebieten i»i Innern de» Staate». Entscheidend ist dabei nur die Sicherheit de» Staate», ttinedfall» die Rationalität der Bevölkerung der betreffenden Gebiete. Bon Brüx bi» Gablonz besteht in allen Grenzgebiete» bereit» ein solche» zusammenhängende» Sieh, an der Aktivierung der ersten beiden Etappen de» Programmes wird gearbeitet. War die Gendarnierie betrifft, so wurden einige neue BereltschaftSabteilungen errichtet und dar Retz der Strahenkontrollstationen erweitert. Die Tätigkeit der Gendarmerie-Flngpatrouillen ist von Erfolg begleitet; ihre Zahl soll vermehrt werden. Auch die Ergebnisse de» EicherheitSrundfimk» sind günstig. Die Ausstattung aller Gendarmeriesta» tionen mit Telephon soll iin^ nächsten Jahre beendet lverden; derzeit haben bereits 02 bis 04 Prozent aller Geiidanneriestatiouen.ihr Telephon. Zur Ausgestaltung des politischen Dienstes wird die Errichtung einer Reihe von Expos!tnren der Bezirksämter ertoogen. Der Forderung nach Erleichterung des Verkehr» der Bevölkerung mit der polj- iischen Behörde wird auch dadurch Rechnung getragen werden können, das; nach der eventuellen Aktivierung der Institution von Regierungssekretären viele Agenden, die bisher beim Bezirksamt konzentriert waren, dann in den Gemeinden werden besorgt werden können. Die Institution der RegierungSsekretäre sei eine rein militärische Forderung, denn sie gehört gii den grundlegendsten Bedingungen einer ordentlichen Staats« Verteidigung. Aufgabe der Zivilverwaltung wird es dabei sei», die Gemeinden so Iveit als nur möglich in ihrem übertragenen Wirkungskreis zu entlasten, um dadurch die nötige Dezentralisierung und Annäherung zwischen Behörde und Bevölkerung zu erziele». Diese Vorlage ziele keinesfalls auf di« Einengung der Selbstvertvaltung ab. Der Minister geht dann ausführlich mit den Ausbnn des zivilen Luftschutzes und auf die Mass« nahmen des Ministerium» zur Hintanhaltung unberechtigter Preissteigerung ein. Er versichert, das, jeder Wucher und jede unbegründete Verteuerung al« besonder» schwer zu analisizlerende Delikte angesehen und hart»nd rücksichtslos werden bestraft werden. Namentlich der PreiödiSparität wird da» Ministerium seine Anf- a n g r i f f und sind im Abschnitt bei Vilaverdo mäftig vorgerückt. I» der Rächt auf Freitag haben zwei Bataillone regulärer marokkanischer Truppen und ein Bataillon der Fremdenlegion mit Unter ftüstung einer Kavallerie-ESkadron und sieben Tanks im Abschnitt Cwrabanchel einen Angriff unteniommen. Unsere Abteilungen schlugen denselben ab«nd bewiesen im Bajonettkampf große Tapferkeit. Ein feindlicher Tank wurde vernichtet. Freitag vormittag versuchte eine Auf- stSndischen-Eskadrille von Bombenflugzeugen die Hauptstadt zu überfliegen, doch trieb sie unsere FagdeSkadrille in die Flucht. Bei der Berfolgnng wurden zwei Anfständischen-Flugzeuge abge- schoffen.- London. Der Reute r-Berichterstatter meldet auS Toledo, daß die Aktionen der Aufständische» am Donnerstag durch die Regierungstruppen zunichte gemacht wurden, deren Artillerie ungewöhnlich/gut zielte, so daß jeder Tank, der vorzugehen«ersuchte, in Trümmer geschossen wurde.„Ich war gestern an der Front, erklärt sie werden ihre Opfer in einer ank wenitzsten. fühlbare» Form bringen. Da» Ministerium bereitet eine Megierimg»verordnung zur definitiven Regelung der Phönix-Angelegenheit vor. Auch die übrigen Versicherungsanstalten werden einer gründlichen Revision nach jeder Richtung unterzogen; im kommenden Jahre werden diese Revisionen in erhöhtem Maste fortgesetzt werden. In seiner Antwort auf verschiedene in der Debatte gestellten Fragen kündigte der Minister an, Last die ständigen Wählerlisten künftig für zwei Jahre ziisammengestellt werden sollen. Die Ge- meindevertreiungen werden nur in den dringendsten Fällen aufgelöst, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Heuer wurden nur 48 von 16.000 Gemeinden von dieser Massnahme betroffen. Da» Ministerium bereitet n. a, ein neues Staatsbürgerschaft sgesetz vor. da» den Verhältnissen entsprechen soll. tillerie der Regierung in den jüngsteir Kämpfen errungen wurden. Die Tankwaffe der Gegner soll weitgehend auSgeschaltet fein. Die United Press berichtet, dass ein Angriff von sechö Tanks durch eine» einzigen Arbeiter-Milizionär zum Stehen gebracht worden sei. Dieser habe sich slach auf den Boden gelegt«nd aus großer Nähe unter zwei anröllende Tanks je eine Bomhe geworfen, die beide TankS sofort außer Gefecht setzte. Die anderen vier Wagen.hätten darauf Kechrt gemacht. Franc» wird ohne Heranziehung sehr starker Reserven, die er entweder von Marokko herbeiholen oder durch eine Umgruppierung seiner beiden auf Madrid operierenden Armeen gewinnen muss, den Angriff ttanm erneuern könncir. Er läuft ater heute schon Gefahr, daß er selbst geschlagen wird, wenn er die Umgruppierung nicht rasch vollzieht. Die Reise deS B r« d e r S FraneoSna.ch Rom scheint ein Versuch zu sein» Mussolini zu raschem Gutsatzzu bestimmen. Madrid. Der Verteidigungsrat der Hauptstadt meldet Freitag: Die Aufständischen haben neue Angriffe unternommen, die sich an einigen Abschnitten der Madrider Front wiederholten. Diese Angriffe begegneten einem hartnäckigen Widerstand der republikanischen Truppen, die deni Feinde große Berluste znfügten und nur ein Paroli bietet, sondern ihn übe« seine Stellungen hinaus in die Ausgangspositionen der Offensive zurückjagt. Eine in den Abendstunden noch nicht bestätigte Meldung sagt, dass der Gegenstoss der Milizen bereits Getafö wieder erreicht habe, den einen grossen Flugplatz südwestlich von Madrid. Andererseits behaupten die Aufständischen»war, im Süden in die Stadt eingedrungen zu sein, doch die Mehrzahl der Berichte aus BurgoS und Sevilla ist recht kleinlaut. Man spricht von einer nötigen Kampfpause, von einer neuen zweitägigen Frist, den Schwierigkeiten des Angriffs, der notwendigen„Festigung" der eroberten Stellungen und der Heranführung von Reserven. Dagegen bestätigen die ausländi schen Berichterstatter übereinstimmend, dass die mpT, n„„ w, ®* immung in M ad r i d s e ib st um g e«! t>„ erwähnte Berichterstatter,«nd sah eine lange .s ch l a g en sei. Die Armee und da» Volk seien von kleinen Tanks modernster Konstruktion, s«Vr optimistisch, insbesondere angesichts der schö- bk sich ben ganj)clt Lag nicht rührten, offenbar ««JF^e-We von der Luftwaffe und der Ar-! be8 j#(6f weiI b(e Aufständischen, deren vordere Linien bisher beim Angriff immer durch Tankgedeckt waren, erkannten, dass die TankS ein viel zu g u t e S Z i e l f ü r d i e A r t i ll e r i e darftellen." Paris. Rach einer Meldung deS H a- va S b ü r» S aus Madrid haben 15 RegiernngS- jagdslugzeuge den aufständischen Ansturm zwi- fchen den Dörfern Earabanchel Alt» und llara- banchel Baj» zum Stillstand gebracht. Gin heftiges Maschinengewehrfeuer auS den Flugzeugen zerstreute die sich sammelnden Ausstiindischen- Abteilungen... Kein. Giftgas angewandt I 1 Madrid.(Reuter) Dem Vertreter des Reü- terbüroS gegenüber wurde die Behauptung, dast die Regierungsabteilungen im Kampfe gegen die Aufständischen Kampfgase verwenden, auf das entschiedenste dementiert. Dagegen verioenden die Regierungssoldaten Gewehre italienischer Herkunft, die sie in den Positionen der Aufständischen, die damit ausgerüstet waren, erbeutet haben. In den letzten zwölf Stunden war die Är- tilleriebeschiehung nur schivach. Es scheint, dass 1 die Aufständischen ihre Anstrengungen im Süden ihn an allen Stellen°,nr'ücks'chlügen7ÄeRegie^ I auf der Straße von Toledo konzentrieren, von wo I rungöstreitkräfte unternahmen einen G e g e n-' bet nächste heftige Angriff zu erwarten ist. merksamkeit widmen. Der ehrliche Zwischenhandel wird dabei selbstredend nicht schikaniert werden. Phönlx-Elnbufie nicht beträchtlich Hinsichtlich der Phönir-Angelegenheit. ver weist der Minister auf die Regierungsverordnung 101/36, durch die provisorische Massnahmen getrof fen und die Grundlage für die deftnittve Lösung ge legt wurde. Diese Lösung wird ermöglicht werden durch Zuschüsse der privaten Versichenmg-geseNschaf- ' ssve der spanischen VoMarmee an, die dem stark Zuschüsse deS Staates, so dass die Versicherten veS,' lU ,. nw•.:«« Phönix keine beträchtliche Einbusse erleiden werden;| üeschwachten und demorallsierten, Gegner Nicht Staatspolizei und Regierangssekretäre Die Sicherheitsmaßnahmen Im Grenzgebiet Scharfe Sprache Dr. Frankes gegen die Ruhestörer an den Hochschulen Im Budgetausschuh kam Freitag Schulminister Dr. Franke u. a. auch auf die jüngsten Demonstrationen an der deutschen Universität gegen Professor Kelsen zu sprechen. Seine Ausführungen Ivaren in der Form aussergewöhnlich scharf und sie richteten sich zum Teil auch direkt gegen die akademischen Funktionäre, die es nicht verstanden haben, solche Vorfälle zu verhindern,.■ ,‘i Der Minister wie» auf die'»»» seinem Ressort ausgearbeiteten Vorschläge zur Hochschultesorm hin. Es müsse befremden, wenn eine Hochschule zp diesen Anträgen einen absolut ablehnenden Standpunkt einnimmt, aber zwei»der drei Tage nach dieser schroffen Ablehnung an derselben Universität sich'Dinge ereignen, welche die Ueberzeugung wachrufen müssen, daß selbst so hohe Funktionäre, wie der Rektor und die Dekane, nicht a u s r e i ch e n, um den Ausbruch solcher Unruhen zu verhindern, beziehungsweise sie fasert zu ersticken. Diese Erfahrung fei für den Minister ein Beweis,»aß das, was er teautragt habe, eigentlich äußerst milde sei»nd daß entschiedenere Mittel zue Aufrechterhaltung der Disziplin«nd der Ordnung an Hochschulen notwendig sein werden, als jene, die er ursprünglich im Sinne hatte. Spanischs Artillerie lest die Italienische Tankwaffe lahml Madrid. Freitag. Um 12.80 Uhr gab brr Ausschuß für dir Bortridigmia Madrid» tr-' kannt, dass di« RegierungStruppm die Offen siv« ergriff«! haben«nd daß tote republikani- schen Streitkräfte günstige Stellungen einnehmen. Ein Tagesbefehl des Komtzmndanten der Verteidigung Madrids, Generals Mkafa, an die 50.000 Milizionäre, die nunmehr in den Kampfstellungen eingesetzt worden sind, ordnet die Offensive tun, damit die laufende Woche mit einem entscheidenden Siege gekrönt werde. Der amtliche Madrideis Rnndfunk verbreitete einen«ufrnf an die„unter den ausständig schen Generalen kämpfenden Soldaten, die von ihnen schmählich verraten wurden". Die republt- kanischen Behörden fordern die Truppen der Aufständischen auf, ihren Kommandanten den Gehn r s a nr z uw er w el'g e r n,„die für materielle Hilfe einen TeU spanischen Bodens dem AuSlande verkauft haben,. der von Miseren Vorfahr«; erobert worden ist". Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld Mittelmeier wartete darauf, er liess Feiertag nicht aus de» Augen und rechnete ini Kopf nach, lvielauge es dauer» würde, bis er 2>ic- Zeitung ausgelesen hätte. Feiertag Ivar lein angenehmer Partner, er war ein verbissener Spieler, der nicht verlieren konnte. Pelikan sah es kommen, wie es seit vielen Jahren an diesen leeren Sommersonn- tagavendeu kam: Zwei Stunden spielten sie, dmm stritten sie, dann gingen sie nach Hause, der eine nannte den andren einen alten Schwindler und drohte, das Kaffeehaus, nicht mehr zu betreten, wenn er den andren hier sitzen sähe; keiner wollte das Spielgeld zahlen, da keiner eingestand, verloren zu haben. Am nächsten Tage grüßten sie einander mit feierlicher Zurückhaltung formell und kühl; am übernächsten fass«; sie wieder nebeneinander und stritten, Büttelmeier stützte den Kopf in dir Hände, seine Finger umspannten die Schläfen, als wollten sie alle Gedanken in das Hirn zurückdrän- gen; er konzentrierte, sich ganz auf das Spiel. Feiertag uniklanmierte mit der linken Hand eine Pfeife, die Finger der rechten trommelten mechanisch aus die Tischplatte. DaS Trommeln machte Mittelmeier nervös, er fixierte mehrmals die hagere, zückende Hand Feiertags, sagte aber nichts. So hatten die beiden dagesessen, als das Caft noch dem Herrn Fuchs gehörte, der eine Vorliebe fiir romantisch klingende Namen gehabt hatte; damals hiess es„East Lohengrin", und'die Kellner wurden vom Besitzer Telramund und Par- jisal gerufen. So würden die beiden noch dasthen, wenn Hugo, der jetzt am Fenster stand und auf die Strasse hinausstarrte, so alt und brüchig und müde und dickbäuchig sein würde, wie Pelikan jetzt war. Millionen Menschen leben in dieser Stadt, dachte Hugo, und nur drei oder vier sitzen im East Finsterbuch, immer dieselben. Einmal müssen doch auch fremde Gesichter den Weg in die Liliengasse finden, an die Tische des Taft Finsterbusch, elegante Damen imd Herren mit funkelnden neuen Krawatten uiG Brillantringen an den Fingern. Sie wussten nicht, dass es ein East Finsterbusch gab, dies war Wohl die Erklärung dafür, dass sie nicht kamen. Die Reklame fehlte. Was verftand auch Finsterbnsch von moderner Reklame I Leuchtbuchstaben über den Eingang, an die Strassenecke einen livrierten Riann mit einem grossen Plakat, in drei Färbest, und in allen Strassenbahnwagen Anschläge: Der Treffpunkt der.grossen Welt— das East Finsterbusch. Daun lvürden die Gäste herbeiströmen, es wäre gar nicht genug Platz ast den Tischen, man müsste sie zusammenrücken und neue aus dem Magazin holen. Er durfte davon nicht reden, man hätte ihn stur auSgelacht, wie man alle seine Pläne aus« lachte, die durch seinen Kops gingen. Er hatte zu Hause, in der kleinen Kammer, die er gemietet hatte, technische Bücher, er entwarf Brücken und Kräne, Hafenmodelle und gewaltige Spelcheran- lagen. Als Pelikan einmal eines dieser Bücher bei ihm gefunden hatte, hatte, er es ihm um die Ohren geschlagen-„Schlechte Architekten und Ingenieure gibt es genügt I hatte er gesagt,„sieh lieber zu, dass du ein guter Kellner wirst". Seither nahm er die Bücher nicht mehr in» Kaffeehaus mit- aber die.Gäste wussten um seine Traume und hänselten ihn. Wenn sie ihm die paar Groschen Trinkgeld hinwarfen, hieß eS:„Wann wird die neue Brücke eröffnet, Hugo!" Wenn er die Zeitung nicht findest konnte, die sie verlangten, hieß eS: „Denkst wohl an einen' neuen Motor, Hugo?" Wenn er den Befehl eines Gastes überhört hatte und Pelikan ihm ein Zeichen geben muhte, dass er eine Bestellung entgegenzunehmen hatte, hiess eS:„Bring lieber einen schwarzen Kaffee, das Flugzeug, das du baust, wird ohnehin beim Probeflug abstürzen". Für ei» Trinkgeld durften sie alles: Ihn hin- und herjagen, ihn dreimal um frisches Wasser schicken, ihn anbrüllen, wenn ein Gast die Zeitung nicht aus den Händen legte, die man von ihm verlangte, mit ihren schmutzigen Fingern in seine Träume greifen und sie auseinanderreihen wie daS staubige Stroh einer zerfal- lenden Hütte. Finsterbusch war innner dabei, wenn eS galt, Hugo zum besten zu halten. Seine Frau hat gute traurige Augen, sie gab ihm manchmal ein Wort deS Trostes: Aergere dich nicht, kümmere dich nicht um sie, sie meinen es nicht so schlimm. Aber die Frau kam selten inS Eaft herüber; sie sah in der Wohnstube, an deni Schreibtisch, uitd.sah die Rech- mmgen durch, die sie yicht bezahlen konnte. Wie oft hatte. Hugo, schon daran gedacht, davonzulaufen. Aber man fand nicht so leicht einen anderen Posten, und der Smoking, den er trug, reichte nur ftir das Taft Finsterbusch. In den vornehmen Lokalen waren die Kellner eleganter gekleidet als die Grafen in den Filmen, die er sich an seinen freien Montagen ansah. Für Anfänger ohne tadellose Garderobe war dort kein Platz. Zwei alte Frauen kamen, sie trugen trotz der Hitze Spitzenhauben auf dem Kopf und schwarze Mantillen aus Atlas. Um den Hals hatten sie dicke violette Samtbänder,gewunden. Sie setzten sich schweigsam in die Ecke, bestellten Soda nist Himbeer ustd blätterten ist- illustrierten Zeitungen. Manchmal lachte die eine auf und reichte das Blatt der andren hinüber; dann folgte ein zweites, glucksendes Lachen nach. ' Drexler stand neben Billy am Klavier und sprach mit ihm, ,leise; unhörbar. Feiertag ustd Mittelmeier starrten auf die gelben und schwarzen Felder und Figuren. Die beiden Frauen beug« ten sichweit über die Blätter. Ftnsterbusch war wieder iü seinen. Sessel zurückgesunken-und schnarchte. Drexler wollte sich verabschieden, Billy hielt seine Hand, gab sie tvieder frei, Drexler blieb, sprach weiter. Alles stand still, die. Lust und das Licht, die Gedanken und die Herzen. Wer in diesem Augenblick das Taft Finsterbusch in der Liliengasse betreten'hätte, tväre zurückgefahren, als hätte er sich ist ein Wachsfigurenkabinett verirrt. V. . Pelikan hatte seinen Smoling in den Kasten gehängt, Hugo seine Schirmmütze aufgestülpt, Billy die Noten und Hefte mit den'Notizen^ und Formeln zusammengerafft und. untpr den Arm geschoben. Genno zündete sich eine''neue Pfeife an und trabte ins Dnnkel^hinauS. Die -Küche lag unter Schatten: auf eine Kupferkanue blitzte der Widerschein eines Lichtstrahls, der aus der Wohnung herüberkam. Mittelmeier war fort, Feiertag, die beiden Frauen. Die Schlüssel knarrten hohl im Schloss; dann erlosch, das Licht' ast der Decke. Frau Finsterbusch kam au» der Wohnung herüber. Nur zwei- Wandarme brannten, die Stühle standen auf den-Tischen, an der Mauer lehnte ein Besen, eine Schaufel, die Zeitungen tparen ausgespannt, die Rahmen hingen leer,- wie ein Gewirr von Spinnenfäden, ast der Wand. Herr Ftnsterbusch schnarchte. Die Frau rüttelte ihn wach, er erhich sich plmnp, schlotterte in daS Wohnzimmer, fiel neben dem Schreibtisch in einen Sessel. Die beiden Wandarme versänke» mit kurzem roten Glimmen in der Finsternis. , Die Frau sah stumm auf den schtverest.' faulen Körper, der in der Hitze keuchte.' Hat es eisten,. Sinn, mit ihm zu reden? Er hat kein Geld, et' kann kein- Geld auftretben. Er wird nie Geld haben. .(Fortsetzung folgt.). i TamStag, 14. Novenibor 1938 Seite 3 Nr. 28» Oer personslmsnsel del den Verslcherünsssdrlchten und seine katastrophalen Folgen In der Budgetdebatte befaßte sich Genosse Taub u. a.-mit der Frage der Versicherungsgerichte. Tas Justizministerium kenne die Verhältnisse und tue. aller, um die Ucbclitiinde abzustellen, doch scheitern diese nuten Absichten an der Unmiiglichlcit, die notwendigen finanzielle» Mittel aulwbringen. Gerade liier ivärc eine Abhilfe aber sehr^oringend, da er sich um die Aernn'ten der Armen handelt, die auf-die umstrittene Reute angeNiiescu sind. Bei den VersicherungSgerichtcn beträgt die Kahl der. einge» brachten Klagen 4577, die der nichterledigten etwas über 600. Dagegen sind beim OberversicherungSge» richt von 2538 Klagen zum 80. Juni d., I. 2028 unerledigt! So kann es nicht weitergeben und es ist unter allen Umständen notivendig, daß man die Gerichte. entsprechend auSftattet. Auch wenn nach der Statistik 80 Prozent der Klagen abgewiesen werden, so gebt er immer noch um die restlichen 20 Prozent, die zu ihrem Röcht kommen lvollcn und auf die Rente warten. Dem Herrn Finanzminister müßte man klar mache», daß es Situationen gibt, in denen das Sparen ganz und gar Nicht am Platze ist. Für Ausgestaltung ’ des Obersten Verwaltungsgerldites i Bit den Absichten, durch eine entsprechende Novelle eine Entlastung der Obersten Verwaltungsgerichtes herbeizuführen. sagt Genosse Taub, daß durch eine Einengung der Kompetenz dieses Gerichtes, durch die Einschränkung der Berufungsmöglichkeiten, Wohl die armen Schichten der Bevölkerung besonders getroffen würden. Deshalb müsse man den n m g e- kehrten Weg gehen und das Oberste Verwal- tungSgericht derart auSge st alten, daß es den Anforderungen wirklich gerecht werden kann. Auch Maßnahmen zur Erleichterung des Verfahrens werden notwendig fei». Redner verlangt weiters, daß auch die deutschen Richter entsprechend berücksichtigt werden. Er regt auch an. die großen Gesetzesvorla- gen. die in Vorbereitung sind, das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch, die Zivilprozeßordnung und das Pressegesetz, zunächst einer Enquete von Juristen, Advokaten und Richtern zugänglich zu machen, die mit dem praktischen Leben in Verbindung stehen. Erst dann sollten sie zur parlamentarischen Verhandlung gelangen., Uebernahme in die Staatspolizei Beim Kapitel Ann en mini sterium wirft Taub die Frage auf, ob bei der Verstaatlichung der Polizei in einer ganzen Reihe von Städten nicht doch mehr Leute von der früheren Gemeindepolizei ausgenommen werden könnten. Das Innenministerium war wohl bemüht, die Gemeindewachleute mit zu übernehmen, aber in einzelnen Fällen sollte man doch über das Maß dessen hinausgehen, was bisher geschah, denn durch die Zurücksetzung der Ge- meindebeansten wird eine außerordentliche Verstimmung hervorgerufen. Es ist selbstverständlich, daß nur st a atstr e u e Elemente übernommen werdew-IönneUirDia^SollzeioräaNe müssen aber auch d ie S v r achc dcrBev öIk e,r u n g sprechen, unter der sie leben, denn sonst kann ihre Arbeit nicht vollwertig sein, t Regierungssekretäre oder nicht? Zu der vom Referenten aufgeworfenen Frage der Bestellung von staatlichen Gemeindesekretären sagt Taub folgendes: Wenn es sich darum handelt, Menschen zu bestellen, die die militärische Agenda in den Gemeinden übernehmen sollen, die vom Staat bezahlt werden und die auf die Autonomie der Genieinde keinen Einfluß nehmen, so kann dagegen nichts eingewendet werden. Daß die militärischen Agenden auch in den Gemeinden einen ziemlichen Umfang annehmen werden, muß ja jeder sehen, der die Verhältnisse kennt. Ich hoffe aber, daß man bei der Auswahl dieser Personen keineswegs die nationale- Zugehörigkeit in Betracht ziehen wiÄ,.sondern wirklich nur die staatliche Zuverlässigkeit. Außer dem Innenminister sprachen im Ausschuß am Freitag noch die Minister Dr. Dörer (Justiz), Dr. Srämek(Unifizierung) und der erste Präsident des Obersten VerwaltungS- gerichtes Dr. H ä ch a. Am Nachmittag wurde die Schuldebatte eröffnet, in der Schulminister Dr. Franke sprach. Die Sitzung Ivurde erst spät nachts beendet und die Aussprache auf Dienstag früh vertagt. Aus Raumniangel müssen wir einzelne dieser Exposes und auch das sehr interessante Referat des Berichterstatters Dr. Macek zum Schulkapitel für morgen zurückstellon. Exportförderung Im Ministerrat Nirsorgeakflonen weiter verengert Prag. Im freitägigen Ministerrat wurde der Bericht der beteiligten Ministevien über dir Vorbereitungen für die künftige Regelung der Einfuhr und ihrer handelspolitischen Aubnützung hei der Erportförderung im Rahmen der Herstellung intensiverer wirtschaftlicher Beziehungen der Tschechoslowakei mit dem ÄuSlande erstattet. Ruch Abschluß dieser Interministeriellen Barbe- ratuugeu wird sich mit. dem Elaborat ehestens das Ministerkomitre für Wirtschaftskriegen befasse». Bewilligt wurden ferner die erforderlichen Mittel zur Durchführung der produktiven A r b e i tSlosenfürsorg e durch In- vestitionSarbeiten der öffentlichen Bauherren und gemeinnützigen Korporationen sowie weiterS zur Durchführung der staatlichen Ern äh- rungSaktipn für ArbpitSlofe und der M t l chaktion für die Kinder Arbeitsloser in einem weitere« Zeitraum. Sn Analogie zum Vorjahr wuide sodann die Durchführung der ErnährungS- und BekleidungSaktion für die Kinder Arbeitsloser und kurzgrbeitender Familienernäbmr im Wintex 1030/37 genehmigt, .. i-i dann würde er sich an Radion erinnern, das rasch und gründlich die Wasicharbeii leistet denn er wird ja am Stammtisch so erwartet! Die kluge Haus* trau aber nimmt immer schon Radion, denn sie weift, daft der Waschtag dann keine Plage ist! RADION, RADION wäscht allein Siebzigster Geburtstag Der Gemeindevorsteher von Dorf Schneeberg bei Bodenbach, Genosse Jolef Som mer, vollendet am Sonntag, den 15. November, sein siebzigstes Lebensjahr. Gut die Hälfte dieser langen Zeit steht der auch heute noch rüstige Genosse im Dienste seiner Klaffe als pflichttreuer, stets dienstbereiter Funktionär der Partei. Durch volle 28 Jahre sieht er als Vorsteher an der Spitze der Gemeinde und dieses Ami in der kleinen und armen, nur auf das bißchen Fremdenverkehr angewiesenen Gemeinde mag ihm nicht immer leicht geworden sein. Genosse Sommer erfreut sich des absoluten Vertrauens der Genossen und selbst die anständigen Gegner können ihm ihre Achtung nicht versage», lvas auch schon daraus hcworgcht, daß ec 83 Jahre ununterbrochen Kommandant der Schneeberger Freilvil- l i g e n Feuerwehr ist. Wir nehmen den Ehrentag unseres Freundes gerne zum Anlaß, um ihm unsere herzlichsten Glückwünsche darzubringcn und die Hoffnung aus- zusprcchcn, daß ihm noch'recht viele Jahre bei bestem Wohlbefinden beschieden sein mögen. Der Präsident der Republik empfing am Freitag den italienischen bevollmächtigten Minister de Fasccndis, ferner den scheidenden und den antretenden Militärattache der Bereinigten Staaten von Nordanicrika Oberst Gilmor und Major des Gcneralstabcs Winslow, ferner den Professor der Agramer Universität Dr. Siöii und schließlich den Vorsitzenden des militärischen soziologischen Kreises Universitätsprofessor Dr. Josef Kräl. fudetendcutscfieT Xeifepie^el Was sagte Robert Hohlbaum vor wenigen Tagen In Berlin I Heute veranstaltet— wir haben darauf be- reitschiugawiesen— der. ylV.ewlrm n v.'ii't t det^tschen Aka d'e m i I e r"'im Saal des Deutschen Handwerkervereines in P r a g einen Vortragsabend Robert Hohlbaums. Vor vier Tage»— auch das stellten wir bereits fest— sprach derselbe Herr Hohlbaum auf Einladung desNationalsozialistischen Studentenbundes und des Studentenrings der ItS.-Knlturgemcinde in der Alten Aula der Friedrich-Wilhelm-Universität zu den B e r- liner.Studenten über„Pflicht und Sendu.ng des grenzdeutschen Di cht« rs". Wir haben für diese» Vortrag HohlbaumS einen Zeugen, der, obwohl von uns befragt, nicht einmal von den„loyalsten" Anhängern des Herrn. Henlein angezweifelt werden dürste: den„Völkischen Beobachter", der in seiner Nummer vom 12. November 1938 die Perlen HohlbaumS in Dreispalten« Ausdehnung vor die Leser wirst. Laut diesem Bericht trat Hohlbaum, für dessen Empfang als eines sudetendeutschen Dichters die Prager Konimilitionen de» heutigen Abend rüsteten, in Berlin als eine Art Literatur- tvart der„größdeutschen kulturellen Verbundenheit Deutschlands und Oesterreichs" auf, gefeierter Dichter der„Grenzlandtragödie als schicksalhafter Ausgabe". Herr Hohlbaum ist, an Hand seines Berliner Vortrags, dem„Völkischen Beobachter" Gewährsmann dafür, „daß die Sehnsucht der Jungen jenseits de» Grenz« Deutschlands inniger beschwor, als de« Deutsche im Reich", denn: „der Grenzlanddeutsche hatte kein Vaterland. Abe» wenn er das Wort aussprach, sprachen es di« Jahrhund«rt« mit ihm, und«s leuchtet« wir de» Gral.« tlnd weiter: „Wie di« Bolkstumsnot der Nachkriegslage an den Grenzen Nun jeden zu Entscheidung und Bc- ' kennt»!« zwang, kam für die Grenzlanddichter di« Stunde ihrer Mission. Gegenüber der Dichtung der Ausländsdeutschen sei.... hier also gibt der„Völkische Beobachter" in indirekter Rede direkt Hohlbaums Gedankengang wieder „sei die grenzlanddeutsche Dichtung der ewige Sehnsuchtsruf der Harrenden vor de« Toren Deutschlands, daß sie sich ihnen einmal a u f t u n." Kein Zweifel also,, daß es die Tore zu Hit- lccdeutschland sind, auf deren Sich-Oeffnen die Hohlbäume mit solcher Innigkeit warten, gleichviel, ob sie sich einmal Oesterreicher und ein ander Mal Sudetcndeutschc nennen. Wir brauchen dem wohl nicht viel hinzuzufügen. Höchstens die Frage:, wer— außer den „Loyalen" aus dem Lager Henleins— diesen Herrn Hohlbaum für geeignet hält, nun in Prag vor den deutschen Studenten zu sprechen, deren nationalistischer Teil wahrhaftig, nicht zuletzt nach der Affäre Kelsen, ohnehin genug auf dem Kerbholz hat und die dringcndst eine ganz andere Erziehung brauchen, als sie Herr Robert Hohlbaum, der Mann mit dein ewigen Sehnsnchtsruf nach Hitlerdeutschland, zu bringen in der Lage und willens isti Verboten I Wie wir bei Blattschluß erfahren, wurde der Vortrag von der Polizei doch im letzten Moment, verboten. eine verwechselte Totenehrung Im ersten Jahrgang der Mädchenbürgerschule in T ü r m i h veranstaltete am 9,"November, dem Tage, an dem der Naziruitdfuuk des Dritten Reiches die Welt an den Bauchrutsch des „Führers", im Noveinber 1923 in München erinnerte und allivo 18„Geführte" zum Ruhm und der Ehre des„Führers" ihr Leben lassen mußten,. Herr Fachlehrer Proksch vor Schulbeginn, ebenfalls eine Totenehrung. Er leitete die Feier zunächst mit einem Goethe-Zitat und einer Vorlesung aus einem Buche ein, dessen Umschlag ein großes Eichenblatt zierte und das nunmehr unauffindbar sein soll. Er erzählte daraufhin den Kindern von dem Zusammenbruch Deutschlands im Jahre 1918/ wo angeblich, die Bolschewistenbande das ganze Reich zerstören wollte und wo es nur der Tapferkeit der„wahren Deutschen" zu danken war, daß Deutschland gerettet wurde. Dieser Kaißpf erforderte Opfer, deren'eder Deutsche ehrend gedenken n>üffe. Herr Proksch vergaß dabei auch nicht auf den Helden„Schla- geter", in dein er offenbar den gleichen Helden sieht. Nachdem er noch seiner Befriedigung Ausdruck verliehen hatte, daß es in Deutschland nicht anders gekommen wäre, wie in Spanten, wenn das nicht verhindert worden wäre, rief er mit erhobener Stimme:„Wenn ich euch von solchen Helden erzählte, dann müßt ihr habtacht stehen I" und tatsächlich standen die Mädchen eine halbe Stunde zu Ehren dieser Toten, bevor in den eigentlichen Unterrichts eingegangen wurde. Daß sich mit diesem sonderbaren Lehrstoff und dem gleichfalls sonderbaren Fachlehrer einer Schule in der Tschechoslowakei noch die Schulbehörde beschäftigen dürste, ist klar, aber auch die Eltern werden nicht dulden, daß unsere Schulen zu Brutstätten faschistischer Gcwaltanbetung werden. Vom deutschen Schulfunk In der Zeit vom 6. Oktober bis 11. November hat der deutsche Schulrundfunk in Prag dreizehn Sendungen veranstaltet. Hievon entfiel die Hälfte auf die Oberstufe und brachte eine Reportage aus der Deutschen LandeSkommission für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Rcichendcrg. Neben dieser zur Nächstenliebe erziehlichen Sendung folgte dann ein Querschnitt durch die Oper „Der Fretschütz" von Weber, lvocin den Kindern ein ideales Stück Musikerziehung geboten ivurde. Am 20. Oktober hatte sich der Schulrundfunk auf die Wehrerziehung eingestellt. Am 27. Oktober wurde ein feierliches Programm zum Staatsfeicrtage ausgesendet. Minister Doktor Spina sprach zu der deutschen Schuljugend. Am 29. Oktober erlebten die hörenden Kinder im Geiste einen Ausflug in die alte Stadt Ege r. Am 31. Oktober trug ein dramatisiertes Märchen den Gedanken des Weltspartages in di- Schulklaffen. Dor 3. November brachte eine Tierschuhsendung„Vergeht die Tiere nicht I" einen Vortrag, eine Reportage aus einem Tierasyl und heitere Szenen nach Tiergeschichten von Kyber. Am 10. November sprach zum Weltfriedenstage Minister Dr. K r o f t a und Professor Longin bot Bruchstücke aus Schillers„Lied von der Glocke". Auch die Sendungen für die Unterstufe hatten stark erziehlichen Charakter. Ein Märchen „Hört, Kinder, helft!" warb für den Kinderschutzmonat.«Die Vremer Stadtmusikanten" stellten sich in einer glücklichen Bearbeitung heiter und munter vor. Dann klangen Herb st lieber, die den Kindern neu und uns Erwachsenen so alt vertraut sind. Für den Tierschutz und auch für den Sachuntcrricht gut zu vcrlucndon waren die Hörszenen von Bergmann über das Pferd. Und dem Herbstwetter entsprechend schloß sich als letzte Sendung«In der Spielstube" an, wobei den Kindern gezeigt wurde, wie auch im heiteren, selbstvergessenen Spiele Sinn und Gefühl sein können. Di« Gattin des Präsidenten der Republik, Frau Hanna Benes, besuchte gestern nachmittags die Frauen arbeiten-Aus- st e l l u n g im Deutschen Haus in Prag, die von» Deutschen Kulturverband veranstaltet wurde und die der Bekleid» ngs- a k t i o n gelvidmet ist. Frau Bcues lvidmeto nach eingehender Besichtigung der. ausgestellten Frauenarbeiten einen namhaften Betrag der BekleidungSaktion des KulturverbandcS. Budapest feiert Clano Budapest. Der italienische Außenminister Graf Ciano traf mit seiner Begleitung Freitag mittags in» Sonderzug aus Wie» hier ein. Auf dem Bahnhof haste sich der Ministerpräsident und der Außenminister'zur Begrüßung eingefundcn. Bor dem Bahnhof brachte ein« große Menschenmenge dem Gast begeisterte Ovatwnen dar. Am Nachmittag besuchte Ciano daS Parlament? als er während der Sitzrmg in der Dtplomatenloge erschien, wurden ihm gleichfalls große Ovationesi zuteil« Seite 4 SamStag, 11. November 1036 Nr. 206 Der letzte Ziehungstag 1 der 35. Klassenlotterie Ein Blick in den Ziehungssaal —rb— Der letzte Ziehungstag der fünften Klaffe einer jeden Klaffenlotterie ist von besonderer Bedeutung. Den» an diesem Tag wird die Prämie von einer Million X£ ansgelost, die dem zuletzt gezogenen Treffer von mindesten» 2000 Xä zusällt, nmS neben dem Haupttreffer fdcr in der fünften Klasse gleichfalls eine Million Xi beträgt), die höchste Gewinnchance unserer Klassenlotterie bedeutet. Der glückliche Gewinner eine» Haupttreffer», der gleichzeitig der letzte Treffer In der Kategorie der Gewinste über 2000 Xi iväre, könnte also zwei Millionen Xi nach Hause tragen. Bei der gestrigen Ziehung, bei der die letzte» Treffer der fünften Klasse unserer 88. Klaffenlotterie gezogen wurden, bestand diese Möglichkeit nicht mehr, denn der Haupttreffer war bereit» ausgelost. TaS tat indessen dem Interesse der Lottcriekiebitze keinen Eintrag. Der Saal war lange vor Beginn der Ziehung bi» auf den letzten Platz gefüllt. Schliesslich füllt sich auch die Estrade, auf welcher sich der Zic- hung»akt vollzieht. Im Hintergrund nehmen vier Vertreter de» Finanzministerium» Platz, neben ihnen der Borstand der Staatslotleriedirektion Regierungsrat Dr. K r ä i k ü. Mehr im Vordergrund sitzt am Präsidcntcntisch der Vorsitzende der Ziehungskommission Rat I. R ü jj e k und ganz vorn an der Brüstung der Estrade die dreigliedrige Kommission, die den eigentlichen Ziehungsakt vornimmt. Recht» von ihr steht die grosse gläserne Ziehungstrom» m e l, in welcher die weissen mit einer roten Papierbanderole umschlossene» Papierröllchen mit den Losnummern liege», link» die kleinere G e w i n st« u r»e, die die rote», mit grünem Papicrband verkapselten Röllchen enthält, auf denen die auszulosenden Gewinste verzeichnet sind. Nach der Begrüssungsansprache de» RegierungS- rate» Dr. K r ä t k h erklärt der Vorsitzende der Zie- hungskommlssio» den ZichungSakt für eröffnet. Zwei Angestellte drehen die Kurbeln der beiden GlaStromincl», die Papierröllchcn Wirbeln durcheinander und werden gründlich gemischt. Tann treten die A a i s e n m ä d ch e n, die nach altem Herkoni- men die Lose ans den kirnen zn ziehen haben, in Funktion. Festlich gekleidet, mit Schärpen in den Staat»farbeii von der Schulter zur Hälfte, sind sie sich ihrer Bedeutung sichtlich bewusst. Die Ziehung geht schnell von statten. DaS eine Mädchen zieht au» der LoSurne ein Röllchen, entfaltet es und reicht c» dem recht» sitzende» Beamten, der die Stummer de» gezogenen Lose» laut verliest. Gleichzeitig hat da» andere Mädchen aus der Gcwinsturne den entfallenden Treffer gezogen, der von dem link» sitzenden Beamten verkündet wird. Der in der Mitte sitzende Kommissär konstatiert: ,LoS Nr..... wurde gezogen mit.... Xi." Dann spieht er den weissen Los- und den roten Trefferzettcl aufeinandergelcgt auf einen langen Dorn, der vor ihm auf dem Tisch steht. Auf einen Draht aufgcfädelt und mit einem Bleisiegel versehen, wandern später die nach der Aufeinanderfolge aufgercihten roten und weihen Papiere in» Archiv, al» Dokumente der geschehenen Ziehung. Von Zeit zu Zeit werden die beiden ZIehungSurnen neuerlich gedreht und die Lo»zettel gemischt. Bei diesem letzten Ziehungstag waren meist 600-Xi-Treffer auszulosen und zehn Treffer von 2000 Xi und darüber. Der letzte von diesen zehn gewinnt die Prämie von einer Million. Grosse Spannung herrscht im Saal, als der Vorsitzende nach Ziehung von nenn dieser Treffer verkündet, dass das nächste, mit mindestens 2000 Xi gezogene Lo» die Prämie von einer Million gewinne. Es folgen etliche Sechshundcrter und schliesslich kommt das grosse Ereignis: da» Lo» N u m m e r 77.687 wurde mit 10.000 Xi gezogen. Sein(oder seine) Besitzer, denn vielleicht ist dieses Glücklo» zu Vierteln oder Achteln verkauft worden, haben c i n e M i l l i o n g e w o n n e n.., Der Höhepunkt ist überschritten und daS Interesse der Kiebitze erlahmt. Der Saal lehrt sich, noch ehe die verbleibende» kleinen Treffer ansgelost sind Dass hie und da merktoürdige Ansichten über den Vorgang bei der Ziehung herrschen, geht, au» einer Bemerkung de» Vorsitzenden der Ziehungskoni- Mission hervor, der in seiner Eröffnungsansprache ertvähnte, dass der Direktion der Staatslotterie mehrfach Zuschriften zugingen, die da» bescheidene Ansuchen enthielten, den-Absenderndoch einen grösseren Treffer znlommen zu las» Der Kinderiuftballon entschwebt Nach einer aus Berlin kommenden Mitteilung der rcichsdcutschcn„Wirtschaftsgruppe Einzelhandel" ist nach den neuen Bestimmungen über die Verwendung von Kautsch u k, die die UebcrwachungSstclle für Kautschuk und Asbest augcordnct hat, u. a. auch die Verwendung von Kautschuk zur Herstellung v o n Luftballons für Spiel-, Reklame- und Aus. stattungszwccke vom 1. Jänner 1937 an der- boten. DaS Dritte Reich, das vom ersten Tage an eifrig bestrebt gewesen ist, Synibole zu schaffen,. wird neuerdings in zunchmendcni Masse durch Symbole charakterisiert, die darin bestehen, dass eö dies und das nicht mehr gibt oder nicht mehr geben darf, lind wie man das Ticken"einer Uhr im Zimmer nicht mehr beachtet, solange die Uhr eben wie immer tickt, aber sofort gushorcht, wenn die Uhr stehen bleibt und das leise Geräusch verstummt, so können solche kleine Dinge, die eS plötzlich nicht mehr gibt, die Menschen doch zum Aufhorchcn bringen. DaS Verbot der harmlosen Luftballons ist solch ein Symbol. Diese bunten Dinger, leichter als Lust, bedeuten gewiss nicht viel im Leben. Ein Kindcrspiclzeug sind sie oder ein lustiger Fcstschnmck. Aber gerade weil sie so nichtig, so unwichtig sind, fragen sich bei ihrem Verschwinden die Menschen vielleicht doch: Warum? Wo treiben w.ir hin? Wohin treibt man unS? Und wenn sic den letzten Kinderlustballon, den cs noch gab, als bunteS Pünktchen ani Himmel entschweben sehen, so werden sie wohl bange ahnen, dass ihnen damit mehr cnt- s c n. Sie würden sich durch reichliche Zuwendungen für wohltätige Zwecke u. dgl. revanchieren. E» muh festgcstellt werden, dass bei unserer Staatslotterie ein ans» vollkommenste durchgeiildeteS Kontroll- fhstem dafür bürgt, daff da» Resultat der Ziehung nur dem! Zufall überlassen ist und keinerlei Möglichkeit besteht, daff die Ziehung von wem immer berinskufft werde. Richt nur die Ziehung ist öffentlich, sondern auch die Füllung der Urnen. schwundon ist als nur ein buntes Kindcrspielzeug. Es ist die Sorglosigkeit, die mit ihm entschwebt. Und sie werden begreifen: Wenn eS die kleinen Ucbcrfliissigkcitcn nicht mehr geben darf, so steht eS schlimm... I Um das Karlsbader Smetanadenkinak. Am 24. November wird eine künstlerische Jury der Bereinigung zur Errichtung, von Smetanadcnk- inälern über die Entwürfe für ein Smetanadenk- mal in Karlsbad entscheiden. ES liegen etwa 60 Entwürfe vor, die vom 24. bis 30. November in Prag im Myslbcck-Pavillon am Graben zur Ausstellung gelangen. Gattenmvrdvcrsuch— sieben Jahre Kerker. Freitag stand der 84jährige Maurer Josef Beran vor dem Pilsner Schwurgericht weil er am 28. August 1986 aus einer automatischen Pistole in Sobisuky gegen seine Gattin Bojen« fünf Schüsse abgegeben hat. Seine Tat hat er deshalb begangen, weil seine Gattin wegen seines rohen Verhaltens. Ivcggczogcn Ivar. Beran hatte sie bei ihrem Bater ausgesucht und als sie eö ablehnte, den gemeinsamen Haushalt wieder aufzunchmen, schoss er und fügte der Fran schwere Verletz»»« ge» zu, welche deren Verstümmelung und Bc» rufSunfähigkeit zur Folge hatten. Die Frage, ob Beran einen Mordversuch begannen habe, bejahte» di? Geschworenen mit acht Stimmen. Der Beschuldigte wurde.sodmm zu sieben Jahren schweren Kerkers, verschärft durch vierteljährliche Fasten und Dunkelhaft an den» Jahrestage der Tat verurteilt. Der Tabakschmuggel in Jugoslawien verursacht dem jugoslawischen Staat ungeheuere Verluste. Der amtliche Anzeiger der Staatsmonopole ruft die Bevölkerung auf, im Kampfe gegen „den Krebs der Staatöfinanzen" niitzuhelfen, besonders wenn die Tabakernte so gross ist wie im heurigen Jahre und 20 Millionen Kilogramm beträgt. Der Tabakschmuggel nimmt immer grösseren Umfang an, besonders in den Banaten, in welchem Tabak angebaut wird. Im Jahre 1988 wurden in Jugoslawien 19.328 Verbrechen und llebertretungen gegen das Gesetz über das Tabak- inonopol und im Jahre 1985 bereits 77.606 derartige Vergehen begangen. Im Strafregister werden 35,239 Personen als Schmuggler geführt. Die Staatsverwaltung verschärft und vervollständigt nunmehr das Vorgehen gegen die Schmuggler, da der Staat durch den Tabakschmuggel jährlich einen Schaden von 600 Millionen Dinar erleidet. Nach den festgestellten Schmuggelfällen wurde der jugoslawische Staat während der letzten vier Jahre um 4 Milliarden Dinar geschädigt. Mit dem Kinde knien Tod. Im 16. Wiener Bezirk hat sich die Beamtensfrau Marie Prinz mit ihrem achtjährigen Sohne gasvergistet. Der Ehemann, fand beide bereits tot vor. Aus einem von der Frau zurückgelassenen Briefe geht hervor, dass sie die Tat wegen Krankheit verübte und ihr Kind mit in den Tod nahm, damit cs nicht mut- tcrlos sei: Eine Riefenbrück«. Präsident Roosevelt eröffnete Donnerstag abends: den. Verkehr auf der neuen Riesenbrücke zwischen San Francisco und Oakland, indem er im Weissen Haus in Wafhing- I ton die neuartigen Brückenbeleuchtungsanlagen : durch Drücken eines Knopfes eipschaltete. Die San-FranciSco-Bay-Brücke hat eine Gesamtlänge von über 17.5 Kilometer. Die Brückenanlage besteht aus mehreren Viadukten, einer Hängebrücke, die von San Francisco zu der in der Bay liegenden Insel führt und einer Auslcgebrücke, die die Insel mit Oakland verbindet. Die Baukosten belaufen sich auf 77 Millionen Dollar. Die ZügangsbrUcke zum Flughafen Getafe bei Madrid wurde während der Kämpfe zerstört Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Freitag-Ziehung der 65. tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: 1 Million KB Prämie und 10.000 K6 gewinnt Los Nr. 77.637. 100.000 KO das Los Nr. 29.029. 20.000 KO die Lose Nr. 85.863, 110.563. 10.000 KO die Lose Nr. 29.224, 46.167. 6000 Kg die Lose Nr. 74.575, 72.070, 47.057, 82.244, M>83, 6793, 12.991. 2000 KO die Lose Nr. 29.093, 19.980, 7864, 3256, 91.740, 61.021. 21.450, 54.407, 5865, 100.902, 86.718,. 9003, 26.695, 111.623, 99.929 80.649, 26.014, 22.751, 105.305, 85.186, 25.668, 110.115, 11.728, 13.344, 48.985, 54.180, 25.008, 76.484, 60.480,19.238, 76.244. In Bombay kam es am Donnerstag zu neuen Zusammenstössen, bei denen vier Personen getötet und 12 verletzt wurden. Britische Infanterie wurde eingesetzt, um die Ruhe wieder herzustellen. Shaw überwindet die Seekrankheit, lmh.) Im .Britischen Medizinischen Journal" berichtet«in Dr. Hill, Schiffsarzt der„Aquitania", wie er der Seekrankheit mit Erfolg zu Leibe geht. Er lässt die Passagiere seine» Schiffe»— Choräle singen, und da» wirkt so besänftigend auf die Magennerven fei« ner Schützlinge, dass selbst der fürchterlichste Sturiy ihnen nichts aichaben kann. Diese originelle Heilmethode, di« jetzt in England wissenschaftlich au»ge- baut(und unterbaut) werden soll, hat natürlich der erfinderische Bernakd Shaw schon vor langen Jahren selbst entdeckt und angewandt. Stet» erregte er da» neidvoll« Staunen seiner Freunde, wenn er nach langen Seereisen fröhlich und rosig an» Land stieg, al» ob nichts gewesen wäre. Freilich pflegt der alte Skeptiker nicht Kirchenlieder zu singen, aber er rezitiert Gedichte, erst auf Englisch, dann auf Französisch, Lateinisch und Griechisch. Ob die Variierung der Sprachen besonders zweckmässig ist oder ob sie nur Shaw» Bildungsgrad dokumentieren soll, ist nicht bekannt— jedenfalls langte Shaw immer wohlbehalten an England» Küsten an. Nur einmal geschah e», dass er, nach einem fürchterlichen Sturm, kreidebleich und mit den Spuren der überstandenen Seekrankheit sichtbar behaftet, vom Deck wankte. Was war geschehen? Shaw hatte stundenlang auf den i Planken gestanden und seine Gedichte aufgesagt.. Alle» ging aus» beste. Da nahte der Kapitän, an seinem Arm hing ein heroischer Mädchen, da» den Dichter erkannt hatte und bei Windstärke 12 keinen andern Wunsch befass, al» ihm vorgestellt zu werden. Shaw, von soviel Opfermut bezwungen, liess sich in eine Konversation mit dem Mädchen ein— freilich nicht auf lange. Au» dem Rhythmus feiner Poetik gerissen, fiel er jäh und ausgiebig der schrecklichen Krankheit anheim. Seither, so wird berichtet, zieht c» selbst Bernard Shaw vor Seefahrten bei ruhigem Wetter zu unternehmen. Bon der Jacht auf daS Flugzeug. Ein interessanter radiophonischer Versuch tvurd« am Donnerstag auf der Jacht MarconiS„Elektra" unternommen. Anlässlich der Feiern des zehnten Jahrestages der amerikanischen National Broadcasting Company trat Marroni von seiner Jacht aus mit dem Direktor dieser Gesellschaft in Verbindung, der sich zur selben Zeit in einem Flugzeug über New Aork befand, ferner mit dem französischen Postminister, der gleichfalls in einem Flugzeug üher New Vork kreuzte und schliesslich mit einem amerikanischen Nundfunl-Magngtcn, der in seinem New Dorier Arbeitszmmer sah. Mit diesen 3 Personen führte Diarconi gleichzeitig eist etwa halbstündiges Gespräch. Der Empfang war an affen vier Stellen äusserst gut und die Unterredung wurde durch eine Reihe amerikanischer Sendestationen übertragen. Hochschulsperre in Wilna. Der Rektor der Universität W i l n a hat wegen Zusammenstössen, die sich zwischen Studentcnd.en ereignet haben, die Vorlesungen eingestellt. Regen im Anzug? Der Südwind hat im mit«, teleuropäischen Binnenland einen beträchtlichen Temperaturanstieg gebracht. Am stärksten hat e» sich in der Slowakei und in der ungarischen Tiefebene er- ivärmt, wo heut« nachmittag 14 bis 17 Grad Celsius verzeichnet wurden. Auch in den höchsten Lage» der Republik herrscht Tauwetter. Die Wetterlagen ist wenig günstig, da vom Westen her sich etwa» kühlere Luft über da» Festland au»breitet. Hiedurch kann sich gerade über dem Staatsgebiet ein stärkerer Wärmeunterschied ausbilden, wa» stärker« Neigung zu Regenfällen zur Folg« haben würde. Wahrscheinliche» Wetter heute: Im Osten der Republik relativ warm, im Westen später wieder etwas kühler. Wechselnd bi» vorwiegend bewölkt, allmähliche Zunahme der Neigung zu Niederschlägen. Wetterän»- sichten für morgen: Wetterlage unsicher; strichweise Regen. Vom Rundfunk Sonntag Prag I: 8.00 Konzert aus Karlsbad. 9.10 Eng« lisch-KurS. 9.25 Mujik» Salonquartett. 10.80 Bruckner: Siebente Sinfonie. 12.20 Aus tschechischen Operetten. 15.45 Populäres Konzert. 17.85 Deutsche Sendung: Klassische Zeugen. 17.40 Funkwochenschäu. 17.50 Rundfunkorchester. 18.50 Deutsch« Presse. 19.80 Aus dem Nattonaltheater: VIzet:»Carmen". 28.05 Tanzmusik.— Prag Ur 14.80 Deutsche Sen. duna: Arbeiterfunk: Paul Malle«: Warum ist der Norden demokratisch? 14.45 Lob der Kleinstadt, Hörfolge.— Brünnr 9.00 Schallplatte». 11.15 i Rundfunkorchesterkonzert.— Preßburg: 16.40 Beet- 1 hooven: Drittes Konzert für Klavier, Nr. 265 SamStag, 14. November 1086 Seite 5 daifo mehr Gamöia und Zutaten. Je schwächer dar Kaffee, daito mehr Franck muß man dazu nahmen. Darum zum Getreldekoffee ent recht Aecht-Franck, am beiten Karo-Franck. Uuflfaflrt o Spanische Katholiken für Caballero Zwei spanische Geistliche in Brüssel Augenblicklich weilen zwei katholische Geistliche aus Spanien in Brüssel. Ihre Aussagen widerlegen' die Behauptung unserer heimischen Kahroliken« und Bürgerpresse, es gehe bei dem Kampf des Generals Franco um den Versuch, den Glauben zu retten. Der Glaube, die Religion, sind nämlich von. selten der spanischen Regierung nicht im mindesten bedroht, hingegen wandelt die reaktionäre Soldateska, unterstützt von gewissenlosen Geistlichen, die Kirchen in Festungen um. Kanonikus Jost Manuel Gallegos, Professor an der Zentraluniversität Madrid, und der Priester Leocadio L o b o, Lehrer an dem Großen Seminar in Madrid, erinnerten in Brüssel den Korrespondenten des„Hct Boll" daran, daß sie schon in Spanien unentwegt der Ueberzeugung Ausdruck gaben, das Vorgehen der Rebellen gegen die rechtmäßige Regierung müsseverurteilt werden.' An Spanien seien soziale Reformen notwendig und der Faschismus sei unvereinbar mit dem Katholizismus. Der Priester Lobo erinnerte an«ine Rundfunkansprache, die er in Madrid gehalten hat:«r sagte damals schon aller Welt, daß die moralische und materielle Berant- lichkeit für den Bürgerkrieg die Rebellen tragen, die ihn entfachten. Ein aufrechter Katholik, der Minister A r u j o, sei Mitglied der Regierung Caballero. Die Behauptungen, daß die Regierung Caballeros gegen die Religion sei, seien nicht stichhältig. Auch Minister P r t e 1 v habe in den „Jnformaciones" geschrieben, daß e» unmöglich ist, da» religiöse Gefühl des Volke» zu verachten. Die Milizionäre haben in vielen Fällen den Schutz der Priester gefunden und die Regierung hat beschlossen, die Arbeit der Priester und die Abhaltung der Gottesdienste in dem Maße, zu unterstützen, in dem es di« Umstände de» Bürgerkrieges zulassen. > Man vergleiche mit dieser sächlichen Stellungnahme spanischer Katholiken die Blutsäufer- Gesinnung unserer heimischen christlichsoztalen Presse! Reibungen in der deutschen. Armee.(Ruf. Wie die sonst' gutinformierte Diitarbeiterin de» Pariser radikalen„Oeuvre", Gönevltve Dabo u i S, meldet/ soll es innerhalb der Führung der deutschen Reichswehr große Reibungen geben. Die jüngeren Offiziere, unter 40, die erst negenwärtig, kraft des Gesetzes über die Herstellung-der Wehrfreiheit, den Osfiziersrang erlangt haben, seien leidenschaftliche, hundertprozentige Nationalsozialisten, die Adolf Hitler blind vertrauen und alle Abenteuer gern mitmachen möchten. Ihre Führer seien die Generäle Reichenau und Blomberg. Die alten NeichS- wehrofsiziere, die sich um die Generäle von Fritsch und vonSeeckt und um den Chef der Reichsmarin« Admiral Röder, gruppieren, seien gegen di« abenteuerhafte Außenpolitik. Diese Unstimmigkeiten sind in'den letzten Tagen so weit gediehen, daß von Fritsch als Chef deS Heeres seine Entlassung eingereicht haben soll. ES handle sich vielleicht bloß um ein Manöver: Fritsch wünsche wahrscheinlich selbst, daß man ihn zur Zurücknahme, seines Entlassungsgesuches zwinge. Wer eS stehe fest, daß die Reichswehrführung keineswegs einig in der Unterstützung jener Politik sei, die darauf ausgehe, sich in die spanischen Händel direkt einzumischen oder in Mitteleuropa irgendeinen verhängnisvollen Schritt zu unternehmen. Johannesburg. Die britische Admiralität hat in ihr Programm die Befestigung Kapstadts eingereihti E» geschieht die» einerseits wegen der Näh« de» ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, andererseits will man Kapstadt zu einem Stützpunkt stir einen Reservever« kehrsweg nach Indien ausbauen. VIRTUOS Das kleine Gerät mit der großen Leistung. Kopplungsautomat, volldyneml- schar Lautsprecher, Kurzwellen, beleuchtete Stationsskala und vor allem: vollendeter Ton. Preis XL 8»5—. An die Firma Radiotechno, Prag I.» Hradebni 3. Ich ersuche um kostenlose Einsendung eines Prospektes.— Genaue Adresse: IMtewirtecfiaft tuU SomlpafiM Die neueste Flüsterpropaganda: Abschaffung des Genter Systems! In das Zentralsckretariat des Bekleidungs- arbeiterverbandes in Reichenberg kamen Arbeiter mit der Frage, ob es wahr sei, daß mit Ende März 1V37 der Staatszuschuß zur Arbeitslosenversicherung eingestellt werden wird. Zwei Tage später berichteten auch Maricnbader Arbeiter auf einer Konferenz deS Verbandes, daß in Marien« bad von Henleinleuten diese neueste Flüsterpropaganda betrieben werde. Nach vielen früheren Erfahrungen ist cS sicher nicht als Zufall anzusehen, daß in zwei ganz verschiedenen Gegenden, in Nord- und in Westböhmen, aüS den gleichen trüben Quellen diese Falschmeldungen verbreitet werden, deren Zweck eS Ist, unter den Arbeitern und besonders unter den Arbeitslosen eine Panikstimmung zu erzeugen. WaS schert eS die Henleinleut«, daß ihre eigenen Anhänger auf diese Lügen Heroinfallen und um die letzte Hilfe, die Arbeitslosenunterstützung, bangen. Di« Reaktionäre auf der tschechischen Seite haben durch ständige gehässige und kleinliche Angriffe auf die Arbeitslosen das Stich- wort geliefert und die Henleinleute können da natürlich nicht zurückstchen. Sie haben für die Arbeiterschaft auf keinem Gebiet auch nur den bescheidensten Erfolg errungen, dafür aber benützen sie jede Gelegenheit, sie zu schädigen, tvie dies auch in diesem Fall ersichtlich ist. HandelskammerprMsIcfent Liebleg zu aktuellen Wirtschaftsfragen Sn einer Sitzung der Reichenberger Handelskammer hielt Freitag der Kammerpräsident Theodor Liebieg«ine Rede über die derzeitigen wirtschaftlichen Fragen. Wesentliche Punkte dieser Ausführungen decken sich mit den Anschauungen und Forderungen, welche die Arbeiterschaft vertritt. Liebieg stellte zu Beginn fest, daß bis heute nahezu ausnahmslos die staatlichen Arbeiten an ortsfremde Unterneh m e r vergeben werden, die zum größten Teil auswärtige Arbeiter heranziehen. Die Abwehr gegen diese Benachteiligung ist aber jetzt insofern in einer g ü n st i g« r e n Lago, da die nordböhmische Bevölkerung darauf Hinweisen kann, daß sie nichts anderes will, als was auch nach der Nckerzeugnng des Staatsoberhauptes ihr gutes Recht ist. Bei der Besprechung der durch die Devalvation geschaffenen Lage erNärte Kammerpräsident L i e b i° g, daß die«xportfördernde Wirkung der Devalvation seiner Ansicht nach im wesentlichen von zwei Umständen abhängen werde, und zwar vonderErhaltungdesgegen. wärtigenPreiS Niveaus oder wenigsten» von derBermeidungeinerwe- sentlichen Verteuerung der Lebenshaltungskosten, und davon,'daß man zu einem Währ u'n gsfrieden und zum Abbau der verschiedenen Handelshemm nisse gelangt. Die Regierung sollte mit einem etappenweisen Abbau der Einfuhrerschwernisse, und zwar nicht nur bei In- dustrie-, sondern auch bei landwirtschaftlichen Produkten, beginnen. Um die Stellung unserer Industrie im Export zu festigen, genügt die Abwertung allein n i ch t, so daß noch andere Exportförderungsmaßnahmen dazu treten müssen, wozu vor allem die bereit» erörterte Handel» st euer n- refundierung, aber auch andere Maß» nahmen gehören. Sm Zusammenhang mit den Exportfragen widerspricht Liebieg der.kürzlich vom Ministerpräsidenten Dr. Hodja geäußerten Auffassung, daß ein großer Teil der«nordböhmischen Textilindustrie nicht lebensfähig se. und nicht saniert werden kömte, sondern als endgültig vorloreit betrachtet werden müjse.Präsident Liebig meint, daß eine Parallel« mit der englischen T e x- ttltndustrte'in Wirklichkeit nicht besteht. Jedenfalls sei es für das Inland richtiger, Industrien, die hier seit Jahrzehnten bestehen, wie di« Textil- und die G l a»industrie, die an sich durchaus gesund und lebenskräftig find und die über eine ausgezeichnet geschulte, tüchtige und i fleißige Arbeiterschaft verfügen, zu e r h a l t en, al» mit großem finanziellen Aufwand neue Ersatzindustrien zu gründen, die -"ch nur unter dem Schutze hoher Zölle und sonstiger Prohibitionsinaßnahmen halten könnten. Die Belebung der Wirtschaft werde in Nordböhmen noch nicht verspürt. Allen bisherigen Aktionen fehlte nach Ansicht Liebiegs die große Linie. Vielleicht überschätze man die Selbstgesun- dungslräfte, die in der Wirtschaft stecken. Mitteilungen aus dem Publikum. Heute gibt es kaum noch ein politische», wirtschaftliches oder kuliurellcS Gebiet, wohin der Rundfunk nicht eindringen würde. Die Rundfunkmikrophone ergreifen all« großen Begebenheiten und dringen genau so in die Stollen der Kohlenbergwerk« ein, wie sie die Flugzeuge über den Ozean begleiten. Sie suchen den Gelehrten iu seinem Laboratorium auf, verfolgen in einem pfeilschnellen Motorboot die Regatta beim Wettrennen und lauern ans den Nachtigallenschlag in den Anlagen. So verfolgt der Rundfunk den täglichen Lebenslauf und jeden Pulsschlag im Weltall. Ungeheuer sind die Kulturwerte, die der Rundfunk in die Welt sendet und ungeheuer ist die Wirkung des gesprochenen Wortes. Es ist einfach heule unmöglich, ohne Rundfunk— ohne die durchdringendste Erfindung unsere» Zeitalter»— auszukommen. Man muß selbstverständlich den richtigen Empfänger wählen. Alle Geräte, Shstem Telefunken, sind auf Grund langjähriger Erfahrungen von Fachleuten konstruiert, die wohl wissen, was ein Rundfunkgerät erfordert, damit es seinen Zweck restlos erfüllt. Beim Kaufe eines Radiogeräte» beachte» Sie das System Telefunken. 3739 Natürlich mutz man auch die billigen Schuhe entsprechend pflegen und schmieren. Ja gerade deshalb, weil sie sonst nicht einmal da» Wenige wert sind, wa» sie gekostet haben. So, wie man gerade zum billigsten Getreidekaffe« den Aecht Franck- Kaffeezusatz besonder» nötig hat, und zwar eine ordentliche Portion, damit doch noch etwas Schmackhafte» daran» wird. Kerzen— die einfachsten und verlätzlichste» Lichtquellen. Trotz aller Fortschritte der Technik, die den elektrischen Strom dein kleinsten Dorfe zuführt, sind Kerzen durchaus noch nicht überflüssig geworden. K nn nicht ein Kurzschluß ganz plötzlich die Glühlampen verlöschen? Rasch entzündete Kerzen helfen dann über den unangenehmen Zwischenfall hinweg, Kerzenlicht wird jetzt aber auch schon häufiger wieder als Abendbeleuchiung gewählt, denn der weich-, Schimmer des Kerzenlichte» bringt Stimmung und schafft eine zauberhafte AMwsphäre von Behaglichkeit. Allerdings ist nicht jede Kerze gleich gut für diesen Zweck geeignet. Man muß von ihr verlangen, daß sie nicht raucht und nicht schwelt. Sie darf auch nicht tropfen, noch Geruch verbreiten. Es soll eine I Onalitätskerze— eine edle Apollo-Kerze sein. Lüa W EIHNACtffS®' MKAU J UNSERE ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN IN DAMEN-WOU.- UND SEIDENSTOFFEN SOWIE HERRENSTpFFBI tief reduziert Seite 0 „Sozialdemokrat" LittlTlÄfl, 14. November 1036. Nr. 266 K^ •1 Ktetertafftmgm. Jrayer Aeltun- AdmMt. Iümst und Wissen I Veremsaaekrickkn 8 DerwaltnugSkapital VN Millionen XL der den tzaftungakapktnl VS Millionen XL W yjm ’Kssb Der Tierbändiger Wenn der große Wallace Beerb und. der kleine Jackie T o per gemeinsam in einem Film auftreten— wie«inst"im„ChaMP", der bei und„Gassenjunge" hieß— dann ist der Erfolg, dieses ,JslmS von vornherein sicher. Auch diesmal spielt Beerb wieder, den Bater.der seinew-Tohn zuliebe dar Lebe» aufr Spiel setzt: einen in» Unglück geratenen einarmigen Raubtierdonchteür, der nach gehn Jahren Vagabundierens vor den Augen seine» endlich' wie- dergefundenen Sohne» die grobe Nummer) den Ritt einer Tiger» auf dem Elefanten durch ein brennender. Tor, guitandebringt. Und Beery spielt, diesen vierschrötigen Mann, dem Frau und Kind entfliehen, der den Mut verliert, wie ein Bettler um die Liebe seiner Jungen wirbt und erst durch Waterglück wieder der Held der Manege wird, inst jener naturalistischen, auf allen falschen Glanz verzichtenden, aber um so eindrucksvolleren. Kunst, die an die Leistungen Janningr' in seiner besten Zeit erinnert. Auch Jackie Cooper, der Knabe,.ist in seinem Fach ein. Meister der Natürlichkeit, und, er bringt er fertig^ eine Kinderrolle, die'bei jedem anderen rührselig und kitschig ausgefallen wäre, mit so viel echter Haltung lnoch Deutsch. Dann kommen noch die verschiedenen Organisationen zu Worte. Die Schrift wird nicht nur die Prager Genössen, sondern auch die iw der Provinz belehre» und erfreuen. Bredauergasse hatte stehen lassen, geswhlen. Da» Auto ist zweisitzig und von grauer Farbe, hat hinten ein Reserverad und enthält den Hut und die braupon. Handschuhe de», Besitzer» sowie eine braune Lcdttaktentajche,- die. sämtliche''auf-tzen Wägest bezügliche Dokumente enthält. Der Gesamtschade beträgt 19.800 Xe. Nach dem Täter wird geforscht. Auw zertrümmert, zwei Verletzte. Der 21jäh- rige Beamte Bene» au» Holleschowitz fuhr gestern in keinem AutoP—30.262 in der Richtung zur Hfliv- kabrücke durch einen Eisenbahnviadukt, wo unter der linken Wölbung de» Piadukte» da» Auto auf dem feuchten Pflaster in» Rutschen geriet, gegen, einen Pfeiler stieß und zertrümmert wurde. E» stürzte um. wobei die neben dem Lenker sitzende 22jährige Modistin Marie Stransky au» Prag VII eine Gehirnerschütterung und mehrere Rißwunden erlitt und sich die Zunge dnrchbiß. Sie würde von der Rettungsgesellschaft auf die Klinik Jiräsek gebracht, tvo sich sväter auch Benes einfand, der eine Quetschung des Brustkorbes sowie verschieden« leichtere Rißwunden und Abschürfungen erlitten hat. Er wurde auf ambulante Behandlung verwiesen, sein Führerschein beschlagnahmt und da» Strafverfahren eingeleitet. Radfahrer-Wildling. Die 08jährige Musiklehrerin Rosa Kohn teilte gestern auf dem Polizeikom- missariat in der Krakauergasse mit, daß sie kurz vorher von einem unbekannten Radfahrer in. der Smeökagaffe zu Bode» geworfen und überfahren worden sei. Sie wurde auf die Klinik Schlaffer gebracht, tvo ein Bruch der linken'Armes seftgestellt wurde. Vermißt wird seit dem 7. d». die 21jährige Josefa Hanuö au» Reichenau a. d. KniHna, wohnhaft zuletzt Prag I, Jilskä 18. Sie ist 172 Zentimeter groß, mit rundem Gesicht, schwarzen Haaren und schwarzen Augen und trug einen grünen, mit Tigerfell verbrämten Kakak. und eine grüne Mütze. Unfall am Brücke!. Vorgestern abends wurde auf dem Strahenübergang zwischen Brückl und Palais„Koruna" der 57jährige Arbeiter Jan Sin- delak aus Prag I von einem Straßenbahnwagen der 22er Linie zu Boden geworfen und fiel so unglücklich, daß er unter den Schuhrahmen geriet und einige Schritte weit geschleift wurde. Erst mit Hilfe einiger Passanten und Fahrgäste konnte er befreit werden. Schwer verletzt— mit einem Bruch de» Rückgrates und Verletzungen' de» Brustkorb», sowie innerer Organe— wurde er von der Reltungsgesellschaft auf die Klinik Jiräsek gebracht) wo festgestellt wurde, daß die Verletzungen tödlich sind. Auto mit Dokumenten gestohlen. In der Nacht auf gestern wurde dem Studiuiten Hast» Ebstein aus Dejwitz da» Personenauto„Skoda-Popular", P—15.076, Motornummer 41.928, da» er in der WM6 Hochlelstunis-DrehbünkB, Fräsmaschinan, Railalbokrmasclilnen, Bakrwarke, s Skaplni- u. Hobelmaschlaen Spannfutter. tn taoderiuter Ausführung erzeugt: Wericzeugmaschlnenfabrik Arno Pia wert > r m-irr Adln» Mandlovä »in-/dem'tschechifchenFilm, iAMM^erfg Ludwig.Hardt gibt, Montag... 16. November, 2Y Ubr, in.der„Urania" einen s eine- Ab end. Wochenspittplan de« Reue« Deutschen Theater-. Samstag lb8 Uhr: Früh l i ch dreh en wir u'n s'. i ui K r ei f eer',Polb'>mv.'Le!e«. ......^raphendirektion mitErlaßNr.lS.800iVlM980 bewilligt.—Druckerei:-,Orbis". Druck-, VerlagS-und'.LeitungS-At-G.Prag.,