Dienstag, 24. November 1S36 16. Jahrgang z Einzelpreis 70 Hellei (einichliefillch 5 Heller Porto) WMWWrtzt DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DM MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG frag XII., fochova u. Telefon 53077. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi KARL KERN, FRAG. NeunTodeiurteile gegen die Trotzkisten von Nowosibirsk Moskau. Sm Nowosibirsker Prozeß Wurden alle neun Angeklagten, auch der deutsche Bergingenieur Stich, ling, zum TodedurchErschießen verurteilt. Nach den aus Moskau einlangenden Berichten haben sämtliche.Angeklagten sich selbst und auch andere in der schwersten Weise angeklag^ Das treffe auch für den Deutschen Stickling zu,.der gestanden habe, daß er ausschließlich zwecks Entfaltung von SchädlingStätigkeit in die Sowjetunion gekommen fei und«ine Reihe verbrecherischer Verbindungen aufrecht erhalten habe. Er sei'während seines Urlaubs mit der Ge- st apo inVerbindung getreten und habe unter der Leitunneiner»beamteten Person" eines aus« ländischen Staates. zusammengcarbeitet, die in Nptposibirsk lebt«. Als Stickling- den Wunsch äußerte, über diese iseine verbrecherische Verbindung Näheres auszusagen, unterbrach, ihn der Vorsitzende und. führte die Verhandlung geheim weiter. England schützt seine Handelsschiffe vor jeder Durchsuchung London. In Beärsswortung einer An- trage i« Unterhanse betreffend die Sicherheit britischer HandelSschtffe im MÜtelmeer erklärte Außenminister Ede«, die britische Aesiernag beabsichtige keineswegs, sich. in. den spanische». Bürgerkrieg einzumischen, und wolle auch weder der einen noch der anderen Partei Hilfe gewähren. Reiner oer Streitpartelen hqt bisher dfe britische Regiermig das Recht einer kriegführenden Macht zugestandcn und sie trägt sich auch für die Zukunft N i ch t«it der Absicht, rin derartiges Recht zNzuerkennm.(Rach diesen Worte» EdenS wurde im Unterhaus«.Beifallsklatschen laut.). Infolgedessen, fuhr Ede» fori, werde» die britische« Kriegsschiffe, wen» dies notwendig werde« wurde, den britischen Handelsschiffe» auf hoher See gegenüber dem AUgriff feder Art vou anderen Schiffen außerhalb Per Dreimeilenzone Schuh gewähren. Minister.Ede» kündigte, weiterS an,, daß die Regierung unverzüglich einen Gesetzentwurf einzubringen beabsichtige,, durch welchen di« Beförderung von Waffen auf britische» Schiffen»ach Späüie» als uns«setz l i ch erklärt würde. ...Paris. Der Standpunkt der französischen Regierung zu de» Ereignissen i» Spanien stimmt «it jenem der britische« Regierung, wie ihn Anthony Eden im Unterhaus« darlegte, überein Die beiden Regierung stehen in regelmäßigem Meinungsaustausch Mer di« Entwicklung und all« Einzelhessen der Lag« in Spanien. Norwegischer- Dampfer ausgeplündert Paris. HavaS meldet aus Gibraltar, der Kqmmandant des norwegischen Schisses„Lis- kem"habe mitgeieist.daßer auf der Fahrt von Pündee ,nach Paleneia.'am<14. Nove''er von einigen Schaluppen der AuMndifchen angehalten worden.sei, die das Schiff nötigten, feines Kurs z» andem und nach Osten zü fahren. Erft als es feist« gesamte aus KaxMfelü und astderen Waren bestihfn-e'Ladung auSaeladen hatte, erhielt eS dfe Betvilligayg zür'Äeiterfahrt. Moskaus Antwort' Nlditunterzelchnuiig ; des Flscherelabkommen« . L o nd» n. Das Reuterbüro meldet. auS iRoSkau: AUS den sisieldüngon, daß zwischen Sa- pan und. Deutschland,«in' gegen den Kommunismus gerichteter Vertrag unterzeichnet wurde,' hat hie. tzowjetrrgiernng.die Konsequenz'abgeleitet, di« Unterzeichnung deS Fischereiabkommens mit Japan, daS yapan däS Recht des Fischfangs in dest russischen Gewäsiern vost Sachalin sichert, ab- zulehne». Dieses Recht des' Fischfangs hat für Japan hohe Bedeutung.' FrancosAngrlff stockt Ruhiger Sonntag n Madrid— Das' Wetter'schiltst vor den Bomben Erfolgreiche Ausfälle'der Verteidiger Hitler kündigt Einmischung an Der Angriff FraneoS auf Madrid flammt zwar bald an diesem, bald an jenem Teile der Front mit Erbitterung wieder auf, im ganzen aber gewinnt man den Eindruck, daß er sich festgelaufen hat. Ohne die barbarischen Luft-Angriffe auf die Stadt und die zivile Bevölkerung, die natürlich zu Bränden, Massensterben im Gebiet hinter der Front und zu Paniken führest, könnte Franco den Angriff kaum fortsetzen. Sonntag macht« das Wetter größere Flugunternehmnn- gen unmöglich.' Die Folg« davon war rin« ziemlich allgemein« tiaufpanse. Montag soll die Schlacht wieder entbrannt sein, doch ist«S bezeichnend,. daß vielfach bereits die B e r t«i d i- g e r daS Gesetz deS Handelns diktieren und die strategisch« I n i t i a't.i v e haben. Sie sind seit SamStag im Gegenangriff bei Earaban- chel und in der Universitätsstadt,, beherrsche» auch nach wie vor durch ihre Kanone» die llasa del Lamp», den'großen Park auf dem sinken Ufer deS Manzanares Die Verlegenheiten FraneoS wachsen, seine Reserven gehen zur Neige und es kann in Kürz««in« entscheidende Krise für ihn eintre. ten, vergleichbar der Krise der deutschen Angriff« im Jahre 1914 an dsr Marne, 1916 vor Berd»» und 1918 an der Somme, auf dem KemmeNerg uuck-HMerWt.Reims...... Frone» scheint sein« außer Aveisel stehend« strategische Niederlage, vor Madrid durch«. r h ö h. ten politischen Druck, vor' allem durch die beliebt« faschistische Methode d« S BluffS und der Drohun.g anS- gleichen zu wollen. Er spricht von dem. Bombardement Barcelonas und der Blockade, vielleicht weil er auf diese Weis« eine» allgemein«» Krieg provoziere» möchte. Der Urierfall von U-Booten auf den Hafen von Cartagena, der entweder-vost deutschen oder italienischen Schiffen unternommen wurde, die Tatsache, daß«in Teil der Balearen, wie nun feststeht, zweifelsfrei von Italienern besetzt ist und die Entsendung von britischen, französischen und amerikanischen Kriegsfahrzeugen in di« gefährdeten Gewässer von Katalanien haben dir Lage im Mittelmeer weiter verschärft.' Di, hitlerfreundlich«„Dail» Mail- bringt Montag ein sensationelles Telegramm ihres Kor- respondenten Ward Prtee, daß deutsche Staatsmänner ihm erklärt haben, Deutschland werde«ine Niederlage FrancaS nicht duldest, „insbesondere, wenn sie durch Lieferungen und Verstärkungen aus Maska» und von anderSwo" bewirkt würde. Bezeichnend ist, daß man aber zu Ward Pric« ganz allgemein von einer Unterstützung FraneoS durch Deutschland und Italien gesprochen hat, also nicht nur für. den Fall russischen Eingreifen-. Dennoch muß bezweifelt werden, ob es Hitler istjt dieser Drohung ernst ist. PlindestenS vor eiste« entschiedenen Erklärung Englands würde» Berlin «Nb Rom auch heut« noch höchstwahrscheinlich weichen. Ihr« Politik ist auf- Bluff berechnet und kalkuliert den Friedenswillen der westlichen Rationen«in, den die faschistischen Diktatoren für so groß halten, daß der demokratische Westen lieber Spanien opfern alS einen Konflikt riskieren würde. Immerhin wächst mit jedem Mißerfolg FraneoS die Gefahr enieS europäischen Krieges, weil für die beiden faschistischen Mächte nach der Anerkennung der marokkanischen Gegenregierung bereit-zuviel»»Prestige auf dem S p i e l steht. Fortschritte an der Saragona-Front Bareelona.(Meuter.) Wie verlautet, wurde der bisherige Kommandant der Rtgie- rungstruppen an' der Rordfront von Aragonien, Oberst Billalba, durch den Major Luengo Gomez Garci a abgelöst. In einem amtlich« Kommunique deS Hauptquartiers der Regierungstruppe» in Barbastr» heißt«S, daß der siegreiche Bormarsch gegen Almudeva r fortschreitet.'Di« Ausständischen sind von jeder Ber- bindung abgeschnitten. Der Feind wurde mit große» Verluste» zurückgeschlagen. Heftige Regen- güssr mache» die Operationen an per übrigen ara- gonischen Front unmöglich... ' Lissabon. Rach den letzte« Meldungen a«S Madrid dauern di« heftige». Kämpfe am Südrand der Haupsstadt, wo di« Regierungstrup» pen eine» Angriff entwickelt haben, fort. Ist Ca- rabanchel wird Manngegen Mann mit blanker Waffe gekämpft. Dir Ncgieruugstruppcn beschießen heftig die Linie» der Aufständischen. Francos Lage sehr heikel London.»Sundatz Times" veröffentlichen folgenden Bericht über. die Lage in' Spanien:. Falls Madrid nicht in einigen der nächsten Tage fällt, kann General Franco in eine sehr heikleLage geraten. Franco wird um jeden Preis die Belagerung der Haupsstadt, deren Einnahme für ihn nur moralischen Wert hat, fortsetze» wollen. Die Verbindung mit der Provinz ist sehr schwierig, die Ruhe in den einzelnen Ge« bieten wurde nicht wieder hergestellt. In den Höhenlagen herrscht ungünstiges Wetter. ES scheint, daß der Sieg sehr teuer zu stehen komstien wird und daß er nichts als Verderben bedeute» kann. Franco schmäht jetzt Barcelona, das, wie er sagt, Kriegsmaterial bestellt hat und es nach Madrid bringen läßt. Franco nennt den Wassen- transport einen»skandalösen Vorfall". Das Blatt fügt hinzu, eS sei dies jedoch nichts Skan- dalöseres als der Transport von Kriegsmaterial, betz ihm zugute gekommen ist. Für jeden Fall be- weist die Drohung FraneoS, daß er Barcelona bombardieren wird, daß er nicht die Kraft besitzt, vm diesem Hafen eine wirksame Blockade durchzuführen.. Ü a Kreuzer^Cervantes» getroffen -DOOte Franco selbst hat kein U-Boot... greifen die spanische Flotte an I Madr i b.(Havas.) DaS Marinemim- sterium meldet: Gestern um 9 Uhr früh unternahmen einige Unterseeboote— wahrscheinlich sind das Unterseeboote, die irgendeiner ans- ländische» Macht angehöre», denn die A«f- ftrndische« habe» reine' U n t er- seeb.o»te-7- eincn Aagriff onf die spanischen Krjegssck'ffg^ i»t! Hafen Von Cartagena. Der Kreuzer„Cervanter" wurde von einem Torpedo getroffen und beschädigt. Eiu »»derer Torpedo'Ping in der stamiUeKarrn Rahe des Kurpedobootrerstärer»„Mendez Munez" vorbei, richtete jedoch keinen Tcha-: den'a«...... Oer andere wars... . London.(Reuter.) Der römische Korrespondent des ReuterbüroS telegraphiert: Zu den Gerüchte», daß einige' ausländische Unterseeboot« an dem Angriff im Hafen von Cartagena beteiligt waren, wird offiziell erklärt, daß«S entschieden k.i»eitälientsch«»Unterseeboot« waren. ^Nein, wir auch nicht..-7 Berlin. Der Rcuterkorrespondent hatte Gelegenheit, an»«ftändige» Stellen Erkundigungen einzuziehen, waS an den Gerüchte» Wahres : sei, datz jetzt deutsche.Unterseeboote im Mittelmeer kreuzen. An Regierungskreisen wurde mit oster Entschieden beit'' erklärt, datz im Mittelländischen Meere nicht ein einziges de«tsches Unkerseebo»t sich befinde.., „Henlein ruft!“ Er soll nicht ohne Antwort bleiben Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die am SamStag unter Führung zweier Henlein-Parla- mentaricr provozierte VcrsammlungSschlacht in dem Arbeitervorort Auschowitz bei Marien- bad keine lokale Aktion war, sondern die Einleitung einer zentral organisierten Terror-Aktion der SdP darstellt. Vor wenigen Tagen wurde auch unser Abgeordneter Zisch ka in Stadt- L i e b a u durch Terror-Banden am Sprechen gehindert In I a n e s s e n bei Karlsbad ist gegenüber dem Genossen d e W i t t e ein gleich angelegter Versuch mißlungen. Herr H e n l e i n hat alle Ursache, die schleichende innere Krise seiner Partei durch irgend ei» Ablenkungsmanöver zu bekämpfen. Seine Dessen- dorfer Ankündigung, in zwei Tagen werde»der Angriff" losgehen, hat sich inzwischen als leeres Geschwätz herauSgesteUt. Die Ueberraschungen, welche von der Flüsterpropaganda nach Abschluß der Berliner Olympiade angekündigt wurden, sind ausgeblieben. Die Herbstäufmärsche der SdP hatten durchwegs nur die Hälfte oder ein Drittel der vorjährigen Teilnehmerzahlen aufzuweisen. Alle SdP-Versammlungen, in denen nicht gerade »Kanonen" sprechen, sind schlecht besucht, wie noch nie seit' den Tagen. des Ausbruches der »Volksgemeinschaft". Auch die Kapitulation Kaspers hat die bedrohlich murrenden Henlein-Proleten nicht zu beschwichtigen vermocht. Der Kampf innerhalb der Führerclique geht unterirdisch weiter. Die Anbiederungen unp^die.tol- irn WBtaJjjfWiflS/i'®je, Jl o f ch e s jxuxdeü in der Budgetdebatte mit einer kalt absagenoen Rede des Ministerpräsidenten Dr. H.odja beantwortet. Von den Hoffnungen auf. Hitler wird niemand satt.. Auch das Geschrei gegen die»marxistischen Bonzen" ist schamhaft verstummt, seitdem sich die wilden Bonzentöter selber eine idyllische Bonzenwirtschaft eingerichtet haben. In dieser wirklich trostlosen Lage sucht nun die SdP nach einem Ausweg. Noch immer fragen die Anhänger, wie lange die zwei Tage eigentlich dauern, welche Henlein in Dessendorf als Frist für den Beginn seines Angriffes setzte. Der Führer wäre unsterblich blamiert,- jpenn seinen großmäuligen Reden keine Taten folgen würden. WaS soll er tun? Ein Angriff gegen die ausbeuterischen Unternehmer kommt nicht in Frage. Friedlich werden sie weiter in der Partei geduldet, obwohl; den SdP-Arbeitern schon so ost deren Hinauswurf versprochen wurde. Einen Angriff etwa zur Erringung höherer- Löhne für die schlechtbczahlten Textilproleten in Asch und Flei« ßen oder Weipert kann man von Henlein noch weniger erlvarten. Andere Angriffsziele sind bis auf weiteres zu riskant. Was tun? fragen die erwartungsvollen Gefolgsleute. Der Führer wäre selber froh, wenn er es wüßte. Doch eS bleibt «in Ausweg. Der versprochene„Angriff" findet tatsächlich statt. Henlein-Proleten werden zum Angriff gegen die sozialdemokratischen Schicksalsgenossen kommandiert. »Henlein ruft")war in Auschowitz das Stichwort.für die herbeigeholten Raufbolde, Knüppelträger, Messerstecher, gegen die sozialdemokratischen Arbeiter loszugehen. Einige Minuten zuvor, bei der Saaltür, sagte ein SdP- Mann Samens Kurz sLappert-Garage, Ma- rienbad) zu einer Genossin:»Ihr kriegt heut»och Eure Watschen I" ES.war also beschlossene Sache,, daß nicht mit geistige» Waffen, sondern Hieb- und Stichwaffen an diesem Abend Politik gemacht wird. Die Wasschen- Rechnung war aber etwas zü.einseitig aufgestellt. Auch die friedlichsten und anständigsten Arbeiter wissen gelegentlich- ihre harte» Fäuste zu gebrauchen. Die Angreifer wurden in wenige» Minuten hinausgesegt.'Mancher von/ihnesi hat vor seinen Augen viel bünte.'Srernkein leuchten gesehen. So haben, wir, uns selber Ordnung geschafft. Dazu hassen wir in Marienbgd die Krckft, wo Im ganze» Bezirk• kein Fabriksschlot raucht, und wo es nur abhängige Saison-Proleten gibt.'Auch hort, wo wir.nach den strukturelle» Voraussetzungen, eine verhältnismäßig schwache Position'haben, reicht die.Treue und die Tatkraft unserer Genossen hin, die. politische Bewegungsfreiheit■ der Bewegung sicherzustsllen. Das gilt umsomehr/für; die. anderen; Parteigebiete. Die S.d P- F'üh r.un g.m'ö'g.e-lD-.i f^s'«:»,; daß Seite 2 Dienstag, 24. November 1930 Nr. 273 ihre politische» Einbrecher- Bande» bei jeder künftigen® e le» genheit' uns»ere Arbeiter ge» wappnet finden werden. Wir werden n i ch t a n g r e i f e n. Ab et wer versucht, uns zu übe-rfallen, soll es nicht ohne Risiko tun. Das sei deshalb mit aller Deutlichkeit gesagt, damit ja nfenranb' glaube, die deutsche So- zialtzemokratie.könne nur unter behördlichem Schuh ihre Tätigkeit entfalten. Das enthebt aber di« Verwalter und die Vollzugsorgane der öffentlichen Sicherheit nicht ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung, die ungestörte Ausübung der demokratischen Bürgerrechte in ihrem Amtsbereich sicherzustellen. Wir machen das Ministerium des Innern in aller Form auf diese Verpflichtung aufmerksam. Jedenfalls brauchen die ausführen» Für demokratische Selbstverwaltung Sonntag, den 22. November, tagte im Gemeindehaus in Prag die Vl. gesamtstaatliche Konferenz der SelbstverwaltungSfunttionäre der tschechischen Sozialdeiuokratie. lieber 1200 Delegierte aus allen Teilen der Republik waren zu- sammengekommen. Der Vorsitzende der Partei, Wg, Am. H a m p l, verwies in seinen De» grützungsworten auf die Bedeulung der Selbstverwaltung für de» Staat und die Demokratie. Ec forderte auf zu einer erfolgreichen Tätigkeit in der Selbswerwaltung, denn durch die Erfolge auf dem Felde der SelbswevivaltungStätigkeit kann nian an» besten protestieren gegen die Einschränkung und Bürokratisierung der Selbswerwaltung. Diese sei ein Schade, den nicht nur die Bevölke- rung, sondern schliesslich auch der Staat erleide. Der Bürgermeister der Stadt Pilsen, Abg. Ludik P i l, sprach über die Aufgaben der S e I b st v e r w a l t u n g in der Feit nach dem Umsturz.■ Die gegenwärtige Fiuanzkrise der gesamten Selbswerwaltung sei eine Folge der Gesetze aus dem Jahre 1927,, aus der Zeit der deutsch-tschechischen Bürgerblockregierung. Die Au-gleichsfonds und der ungenügend fundierte Fonds für die Entschuldung der Selbswerwaltung sind nicht imstande, das schwere Problem der Selbswerwaltung zu läsen. Die erwähnten Gesetze l>owirktcn lediglich eine Verschiebung der Steuerlast auf die sozial schwächer gestellten Volksschichten. ES sei notwendig, den Plan der definitiven Regelung der SelbstverwaltungSsinanzen zu realisieren. Der Redner spricht sich vor allem auch Mit aller Entschiedenheit gegen die Einführung von Regierungssekretären in den Gemeinden au». Seine Partei, führt Genosse Pik aus, weise alle Versuche, die Rechte der Selbstverwaltung und ihrer gewählte» Vertretet zu kürzen/ entschieden zurück. Er spricht sich für eine Fortsetzung der Bodenreform für die Kleinhäusler und Kleinlandwirte aus smvie für die Errichtung einer »Selbstverwaltung»- und Eozialakätzemir", um einen entsprechenden Beamtennachwuchs für die Selbstverwaltung und ihrer sozialgesundheitlicheu Anstalten zu erziehen. Im Namen der Konferenz erklärt er, daß seine Partei vollen Anteil hat an den Kämpfen für die Freiheit und die staatliche SeGstäntzigkeit, wie sie auch für die Freiheit und Demokratie der Selbswerwaltung kämpfte. Er sagt, daß seine Partei auch weiterhin die Demo- kraiie und die ungekürzten Rechte der Selbstverwaltung verteidigen wird, damit sie das sein kann, was sie sein will: eine freie Gliederung in einer Dos Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld 15 Liebe: was war das? Ich will deinen Körper, dein Herz, deine Augen, ich will mit dir leben, dich besitzen, dich beherrschen, dich glücklich machen, dir dienen, dich quälen, dich zerstören— es war immer etwas andres, und doch immer dasselbe: Liebe. Aber in ihrem'Leben war keine Bindung an einen Menschen, nicht durch Demut und Aufopferung, nicht durch Rachsucht und Neid; nur eine grobe Gleichgültigkeit war da, die Anhänglichkeit an die Mutter und die Hoffnung, dah das Kind ihrem Leben eine neue Wendung geben werde. Das Kind wurde geboren. Otto spielte ein paar Wochen den zärtlichen Vater, er sah in Isabellas Zimmer, sie sprachen über alltägliche Dinge, an den wichtigen und wesentlichen schwiegen sie vorbei. Dann gingen sie ein paarmal miteinander in die Oper, man beneidete sie, man umschmeichelte sie; sobald sie über die Schwelle ihres Hauses traten, fiel alles Gemeinsame von ihnen ob, sie gingen in getrennte Zimmer, sie verstellten sich nicht mehr, sie trugen wieder ihre eigenen Gesichter. Isabella lebte nur für das Kind. Otto kam zu den Mahlzeiten, spielte eine halbe Stunde mit dem Kind, ging wieder. Sie wutzte, daß er sich ü- gewagt« Geschäfte eingelassen hatte, da die Frau, die er aushielt, einen groben Teil seiner Vermögen» verschleudert hatte; dass es bergab ging und er sich aus verschiedene Weise zu rangieren versuchte. Er brachte manchmal Zechkumpane mit, die er Geschäftsfreunde nannte. Sie den Beaniten entsprechend klare Weisungen. Ob sie.vorhanden sind, sei dahingestellt. ES macht jedenfalls einen mehr als peinlichen Eindruck, wenn in einem solchen Falle, wie in Apschowitz» der Regierungsvertreter keine andere Sorge hat al« die, dah die angegriffenen Bersanunlung«- Tetlnehmer von her Gendarmerie aus dem Saale getrieben werden. Kopflosigkeiten können vor«' kommen, aber die Sicherheitsbehörden einer demokratischen Republik dürfen den Kopf nicht, in den Sand stecken. „H« n l e i n r u f t*. Die sozialdemokratischen Arbeiter werden dazu nicht schweigen. Aber die tschechoslowakische Demokratie muh mit solcher Deutlichkeit antworten, dah feder Versuch eines faschistischen Terrorismus im Keime erstickt wird! freien und demokratischen Republik! LandeSauS- schuhbeisitzer Genösse F. Machäkek sprach sodann über die Notwendigkeit der Schaffung einer einheitlichen Zentrale für die Selbstverwaltung, die sie zu beraten und zu schützen hat. Abg. Ge- »osse M e i h n e r sprach ausführlich über die politische Bedeutung der Selbstverwaltung. Die entsprechende Sicherstellung der finanziellen Grundlage der Selbstverwaltung sei ein wichtiges Staatsproblem, das früher oder später gelöst werden muh. Die von der Konferenz angenommenen Resolutionen fordern in erster Linie die volle Rechts- und Finanzfreiheit der Selbstverwaltung, vor allem die Beseitigung des unglückseligen Finanz- und BerwaltungSreformgesetzeS aus dem Jahre 1927. Unter den Gästen der Konferenz befanden sich unter anderen die Minister Genosie Jng. NekaS und Dr. Derer sowie der Senatspräsident Genosie Dr. Soukup, Unsere Partei und ihr kommunalpolitischer Ausschuß war vertreten durch Genossen Herget, Teplitz, die Redaktion der „Freien Gemeinde" durch Genossen S ch w a b, Aussig. Mlnlrterreden vom Sonntag BechynS: Konstruktiver Sozialismus— Zajiüek über die nationale Frage JnPodersam fand Sonntag vormittags die Generalversammlung der tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterturnvereinigung statt, in deren Rahmen der Stellvertreter des Vorsitzenden der Regierung, Eisenbahnminister Rudolf B e» ch Y n S, sprach. In feiner Ansprache befaßt« sich Minister Bechyni u. a. mit der heutigen politischen Lage und der tschechoslowakischen Demokratie. Niemand, führte der Minister aus, in der sozialen..Demokratie wünscht, dgtz^dh;. Leus« dpy SozialitzmUtz fürchten, wir wollen unsere Ziele nicht mit Geivalt durchsetzen, sondern kulturelle,' wirtschaftliche und politische Arbeit ähnlich einem Konstrukteur leisten, der seine Idee nicht mit Anspannung der Muskeln, sondern des Gehirns schafft. Einst galt in der Arbeiterbewegung die Parole,-daß die Arbeiter kein Vaterland haben und nichts verlieren können, als ihre Fesseln. Heute gilt diese Parole nicht mehr. Die Arbeiter haben ein Baterland, es>9 das die Tschechoslowakische Republik und diese« ihr Baterland lieben sie mit der ganzen Leidenschaft ihre« Herzen«, mit mannhafter und tiefer Liebe. Der Minister führte- auch aus, dah wir die Freiheit für alle Bürger, auch für die Deutschen wollen. Die deutsche Bevölkerung hat heute, abgesehen von der schweizerischen, in unserem Lande mehr Rechte, mehr Freiheiten und mehr Bedeutung, als in anderen, sogar deutschen Staaten.' Der Minister sagte weiter: Ruhe und Friede ist das größt« Aut jeder Generation. Wir unsererseits werden nichts tun, wodurch der Friede gestört werden könnt«. Unsere Ruhe, unsere Geduld und unsere Verträglichkeit waren jedoch nicht ein Zeichen der Schwäche. Darin möge sich niemand täuschen. Wir fürchten nichts und niemand, von unserem Land geben wir nicht einen Fußbreit her. In der Brüper Turnhalle fand SoUntag eine Versammlung statt, in der Minister Z a j i« lek das Referat.erstattete. Der Minister kam auch auf dar nationale Problem zu spvechen. Di« Mitteilung des Ministerpräsidenten Dr. HodZa, daß'die tschechischen Regierungsparteien mit den deutschen Regierungsparteien Nunmehr daran gehen werden, da» Nationalitätenproblem zu lösen, fand auch in der tschechischen Oeffentlichkeit Verständnis. Die Reichenberger Rede de» Präsidenten der Republik wurde auch in der tschechischen Oeffentlichkeit zur Kenntnis genommen. Noch einige Symptome, die auf«in« Besserung der Atmosphäre schließen lassen. In der diesjährigen Budgetdebatte setzte sich ein tschechischer Abgeordneter sehr warm für die Prager deutsche Technik ein und der Schulminister stimmte ihm zu. Noch vor Jahren hätte es kein tsch«, chischer Minister wagen dürfen, den sogenannten deutschen Sender anzukündigen. Daß man heuer zum erstenmal eine gesperrte deutsche Oberinittelschule(Arnau) den Deutschen zurückgegeben hat, daß das Sprachgeseh gemildert wurde, all dar sind gute Anzeichen. Wir sind unS darüber klar, daß wir das gewaltige Problem nur etappenweise lösen können. In der Wechselrede, an der sich zahlreiche Mandatare. beteiligten, wurde rückhaltlos das große Verständnis de« Landesschulrate» für die deutsche BollSschule anerkannt. Der Minister wurde ersucht, dem Vizepräsidenten Dr. Dvokäk für seine Fürsorge und Gerechtigkeit den Dank auizusprechen. Um die nationale Verständigung In den.Lidovt Roviny" schreibt Ferdinand Peroutka über den auch von uns wiedergegebenen Artikel von Jaksch, Hacker und Schütz: ES scheint UnS, daß die deutschen aktivistischen Führer keine schlechte Zeit für ihre Aufforderung gewählt haben: Menschen, di« bereit sind über die deutsche Frage tiefer und ernster Nachzudenken al»«s bisher die Psychologie der Abendblätter zugelassen hat, denen dieses Pro» ,blem..zur Lösungvorgeworsen Wierde,, nehmen wie' uitttr" den' veramwortlicheü Politikern sp buch-unter dem Publikum zu. Je'länger desto mehr fühlen die Menschen, daß die Nichtlösung diese« Problem» hauptsächlich im Interesse der Staatsfeinde ist und wir bemerken mit Freuden, datz derart auch Leute zu fühlen beginnen, welch« bi« in di« letzt« Zeit bereif.waren sich mit der richtigen Grobheit eine« Abendblattes auf all« zu werfen, welche über daS Nationalitätenprohlem diese» Staates ernster dachten al« sie. Dies« Veränderung kann man auch au« der ernsteren Aufnahme beobachten, den der Appell der deutschen Demokraten in der tschechischen Presse erweckte... Ob so oder so, da» Lager derjenigen, die davon überzeugt sind, datz man sich um die konstruktive Lösung des Nationalitätenproblems bemühen müsse, ist erfreulicherweise gewachsen und wenn einige in dieses Lager durch etwa« andere» als durch den Verstand gedrängt worden sind, ist es nötwendig die günstige Situation zu benützen, wie wir sie vorfinden.- In ähnlichem Sinne äußert sich im ,Hlä» rodni Osvobozeni" Antonin Petzl: Nach den Kundgebungen von tschechsscher Seite, auf die die Aeutzerung der Drei bezug nimmt, ist e» nicht notwendig, daran zu zweifeln, datz diese ernste Aufforderung bedeutender Vertreter der deutschen demokratischen Parteien, welche seit Jahren verantwortlich Mit den tschechoslowakischen Parteien Zusammenarbeiten, von den tschechischen politischen Kreisen, in der Oeffentlichkeit auch al» offene» männliches Uno verständige« Angebot der. Gelegenheit. zu gemeinsamer Prüfung und dann zur Lösung der Probleme, welche zur Lösung zwischen uns und unseren deutschen Mitbürgern herangereift sind, ausrichtig bewertet wird. ES wird allerdings keine leichte und bequeme Aufgabe sein«S ist dies eine Ausgabe für jene, die das Notwendige für diesen Staat und sein Bolk vorauSsehen können. Agrarier gegen volksparteiliche Genossenschaften In den letzten Tagen haben sich, wie»L. N." berichten, die Reibungen zwischen den landwirtschaftlichen Genossenschaften der Agrarier und der tschechischen Volkspartei verstärtt. Die Genossenschaften der letztgenannten Partei haben a»s Kosten der agrarischen große Fortschritte gemacht Und einen grotzen Teil de» GetteideaufkaufS an sich gerissen. Die Agrarier haben mit ihrer Gegenaktion in der Getreidegesellschaft eingesetzt und dort geltend gemacht, daß die volksparteilichen Genossenschaften die Bedingungen deS Kommis- sionärvertrageS nicht erfüllt haben, ohne Rücksicht auf die Abmachungen Zweigstellen gründen und Getreide auch dort auskaufen, wo sie e« nach der Ansicht der Agrarier nicht tun dürfen. Nach ihrem Antrag soll die Getreidegesellschaft den Vertrag mit den Genossenschaften der BolkSpartei für ungültig erklären. Für ein Spiritusmonopol Der Budgetausschutz des Abgeordnetenhauses schritt Montqg an di« Beratung der letzten Kapitel, Finanzen und Oberstes Rechnungskontrollamt. In der Debatte brachte der fl^echifche Sozialdemokrat Chalupa Pie Stzirituswirt- ’ schäft zur Sprache. BöN'dir'Zeit'ast,"da'sich per Spiritusverkauf in dest'Händen einer Privatgesellschaft befindet, verliere der Staat jährlich weit mehr al« 199 Millionen an Einnahmen, und es sei absolut kein Grund vorhanden, dies« Millionen in tzi« Taschen vön Privatunternehmer fließen zu lassen. Di« SpiritUSWirtschaft sei heute bereit» reif für«in Staatsmonopol, wir in Deutschland und Polen. Die Selbstkosten eines Liters Spiritus werde» 2.79 bi« a»f höchstens 4 KL geschätzt, der Verkaufspreis beträgt 49 KL. An der Spanne profitiert der Staat mit 25, der Rest entfällt.auf den Handel.. Redner verlangt Auskunft von der Revisionsabteilung des Finanzministeriums, ob die Wirtschaft der SpirltuSverwertungSgesellschast ordentlich kontrolliert werde. tranken die ganze Nacht, sie lärmten, da» Kind wachte auf, Isabella schlotz kein Auge. Wenn sie Otto einen Vorwurf machte, schalt er sie; sie könnte nur Geld ausgeben, für ihre Kleider, für das Kind, datz er aber Geld verdienen müsse, verstünde si« nicht. Unter Ottos Freunden war«in ungefähr fünfzigjähriger Industrieller zweifelhafter Herkunft, der sich GasanmS nannte und in einem Balkanstaat eine Fabrik haben wollte. Er lebte aber nicht von den Erträgnissen dieser Fabrik, sondern von den Vermittlungsgeschäften, die er jür den Staat besorgte, in dem Isabella damals lebte. ES war ihm gelungen, sich bei hohen Stellen den Namen eines maßgebenden Fachmannes zu erwerben, er wurde bei Einkäufen für die Armee zu Rate gezogen, er bestimmt« die Quelle», aus denen der HeereSbedarf bezogen wurde — und strich von den Lieferanten ansehnliche Summen als Provision ein. Er machte Isabella den Hof, sandte ihr Blume», brachted«m Kind Spielzeug und Schokolade; er kam zu Besuch, wenn Otto nicht zu Haus« war. Isabella bat Otto, ihm klar zu machen, dah sein« Aufdringlichkeit ihr unangenehm Ivar, aber Otto lachte, er sagte, die Zeiten hätten sich geändert, heute, sei man nicht mehr so zimperlich, heute gäbe man nicht mehr so viel auf Etikette, ein bitzchen hofieren nehme eine Frau heute nicht so wichtig, sie sollte doch froh sein, daß ein Mann von Welt wie Gasamar sie begehrenswert fände. Äasames ließ sich nicht abweisen. Eines Tage« wurde er frech. Das Kind war mtt dem Mädchen fortgegangen, sie waren allein. Er sprach, nahe att ihrem Ohr, mtt ausgeleierten, abgeschabten Romanphrasen von ihrer Ehe; er wußte, sie sei einsam, aber eine Frau, wie sie, dürfe nicht ihr Leben vertrauern, die besten Jahre, die Blüte der Jugend, ungelebt verstreichen lassen. Sie könnte jederzeit über ihn verfüge»; wenn sie einmal auSgehen wolle, es werde eine Ehre für ihn feim sie begleiten zu dürfen. Als Otto kam, setzte er sein« zudringlichen Schineicheleien fort. Am Abend ersuchte sie Otw energisch, Herrn GasamaS das HauS zu verbieten, sonst würde sie ihn das nächstemal durch daS Stubenmädchen hinauStverfen lasse». Da fuhr Otto auf. GasamaS habe wichtige Lieferungen zu vergeben, an denen er und seine Geschäftsfreunde interessiert seien. Ihre Existenz stünde auf dem Spiel. Schlotz GasamaS«inen Vertrag mit der Konkurrenz, war ihre letzte Hoffnung vernichtet, ihr Ruin nicht mehr aufzuhalten. Eine gute Gattin müßt« den Vorteil ihr«» Mannes wahvnehmen, statt in krankhafter Zimperlichkeit auf die Einhaltung veralteter Gesellschaftsregeln zu achten und sich an die Morabbegrlffe des Philistertums zu klammem. Isabella sah Otto stumm an, sie lief aus dem Zimmer, sie wutzte,keine Antwort, sie war wie vor, dem Kopf geschlagen. Am nächsten lRorgen kam Otto in ihr Zimmer, brachte. Blumen, sprach auf, sie ein: Sie solle doch vernünftig werden, Gasamar hebe es sich in den Kppf gesetzt, mit ihr auszugehen, Wen» er auch Gel» hatte, in ihm steckte noch der Provinzler, der danach brannte, sich Mit einer schönen Frau in der Oeffentlichkeit zu zeigen. Ihr Schicksal, da» Glück ihre» Kinde» hinge davon ab; übertrug Gasama« die Lieferungen einer andere» Firma, war alle» verloren. Sie solle, doch seiner Einladung für den Wend folgen. GasaMa» werde die Grenzen der Anstandes nicht verletzen; wenn er sich auch, einmal! habe hinreitzen lassen, er sei. kein verliebter Gymnasiast und kein Pferde» händler, der Frauen eil» Ware abtastet, er habe Schliff und würde sich wie ein Gentleman benehmen. Eine Ehe sei doch schließlich mehr, als zwei junge verliebte Leute sich vorstellten: st« sei. eine Zweckgemeinschaft, in der beide Teile Opfer bringen müßten. Zweckgemeinschaft: dieses Wort ging Isabella nicht aus dem Kopf, als sie sich-für den Abend gnkleidete, als sie im Auto saß, als sie mtt Gasama» da« Restaurant betrat. Otw sollt« nachkommen, so war«» wenigstens ausgemacht wovden. Gasama» führte sie in«Ine kleine Loge, es War nur für zwei Personen gedeckt. Er trank viel, erzählte Witze, flocht.die plumpesten Schmeicheleien in seine endlos plätschernde Rede. Dann Wurde er handgreiflich. Sie sollte doch keine Umstände machen, der Herr Gatte wützte alles und sei mtt allem einverstanden. In diesen: Augenblick verschwamm GasamaS gelbliches Gesicht, in seinen Augen spiegelten sich grell di« Kristallglaslampeu, die an der Decke hingen, der Tisch dreht« sich, die roten Fauteuil« waren oben, Isabella sa»k, der Raum stieg über- sie empor und stand über ihr wie ein Zimmer» in da« man durch die Türrihe bljckt, sie hört« noch Gläsetz- klirren, Stimmen, Räder knirschten auf dein Sand, sie sah an einer Straßenkreuzung ein grüne» Licht, dann war nur noch Schweigen und Dunkelheit, schwarzes Schweigen und schwere, dwnpfe Dmckelheit. Sie erwachte am Morgen in.ihrem Zimmer, sie lag angekkeidet auf dem Bett, der Mantel, lag auf dem Boden. Da- Kind hqtte sie geweckt, es sah sie mit grotzen Augen an und fragte, ob sie' krank sei. Sie hatte eine Glasröhre Mit Beronal in her Hand.. Nun erinnert« sie sich, datz sie di« Pulver hatte. nehKen wollen, zwischen. Nacht und Tag, als sie für einen Augenblick, zu sich zurückgelehrt war. Di« weitzen Tabletten rollte» über datz Bett. Gasama» erteilw Otto den Auftrag, es war wieder Geltz im Hau». Otto kauft« seiner Geliebten ein Auw. Isabella begegnete ihr eines Tag«»: Eine Frau an der Wende des Lebens, Noch schön, aber schon vom Alter gezeichnet: Falten auf dem Hal«, Ringe Unter den Augen.- Sie wußte, daß ihre Zeit um war, sie wollte versorgt sein, sie klanuneri« sich an Otto. .lFortsehungfolgt.lt Nr. 873 DienSta», 24. November 1936 Seite 3 fudetendeutsrfier Zeitspiegel Die letzte Fahrt Wenzel Hackeis Henleln-Malor Frank auf een* Kriegspfad Die Versammlungsschlacht In Auschowltz— SdP-Messerhelden In Aktion— Die FremdenleglonSre von Arbeitern hinausgeprügelt Martenbad.(Eigenbericht.) Die bereit* von der SonntagSpresse kurz gemeldete» Vorfälle bei unserer Versammlung in Auschowltz sind nach den uns vorliegenden Zeugenaussagen auf ein« planmäßig angelegte Störungsaktion von SdP-Terroristen zurückzuführen. Es war offensichtlich geplant, auf unser« Versammlung eine» Nebcrfall auSzusühren, den« auS der näheren und ferneren Umgebung wurden vorher die StörungStrupp» ausgeboten. Trotzdem waren die sozialdemokratischen Arbeiter unter den 600 Besuchern in klarer Mehrheit. AlS der Referent, Genosse I a k s ch und Bezirksvertrauensmann Genosse Suttner den Saal betraten, gingen die Pfui-Rufe der politischen Fremdenlegionäve des Herrn Henlein— Meist waren eS ausgehungerte Brotkartenbezieher, denn die„feineren" SdP-Leute hatten sich gedrückt— unter den dröhnenden„Freundschaft", und„Freiheit"-Rufen der Arbeiter verloren. Die blutigen Zwischenfälle setzten erst einige Minuten später ein." Der Saal deS GasthofeS Pfeil war derart überfällt, daß der Einberufer vor Beginn die Schließung der Zugänge veranlaßte. Ein von dem SdP-Senator Major Fr a n l und dem SdP-Abgeorduekeu Köllner angeführter Stoßtrupp wollte sich mit Gewalt Zutritt erzwingen und'die Ordnerfperre durchbrechen. Wäh. rend deS sich darauS entspinnenden Handgemenges erscholl daS Kommando„Henleinruft", worauf Pie Versammlungs-Einbrecher unsere Ordner mit Messern und Schlagwerkzeugen zu bearbeiten begannen. Schon im ersten Moment trugen zwei Genossen schwere Stichwunden davon. AlS unsere Arbeiter sahen, daß sich bereits einige der Ordner blutüberströmt verteidigten, setzte ihre energische Gegenwehr ein. Ein Hagel von Sesseln, Tischen, Biergläfern und Flaschen wurde zwischeit beiden Parteien gewechselt. Angesichts dieses entschlossenen Widerstandes ergriffen die eingedrungenen Messer- und Prügelhelden die Flucht. Größtenteils nahmen sie durch die auf die Straße gehenden Saal-Fenster reiüauS, wobei natürlich die Scheiben in Trümmer ginge« und auch manche Unschuldige zu Schaden kamen. Der anwesende RegierungS-Bertreter Dr. M a k o w e tz setzte die im Hause befindliche Gendarmerie-Bereitschaft erst ein, älS die Saalschlacht bereits vorüber war. Statt eine Fortsetzung der Kämpfe in den angrenzenden Straßen zu verhüten, ließ er den Saal von den dort verbliebenen Sozialdemokraten räume». Bon unserer Seite warn» drei ernste Verletzungen zu beklagen. Dor Arbeitslose Richter auS Auschowltz erlitt eine tiefe Hiebwunde auf der Stirne und wäre beinah« mit zerschnittener Schlagader verblutet, wenn ihm nicht ein zufällig anwesender Arzt sofort erste Hilfe geleistet hätte. Die Zahl der verletzten SdP-Leute ist«nS nicht bekannt. AlS Rädelsführer wurden außer Frank und Köllner der HotelierSfohn Zörkendör» f e r, ein.Schlosser Steiner und der Friseur Jäger erkannt. Gegen sie wurde noch am gleiche« Abend die S trafanzeige auf Grund des Terrorgesetzes erstattet. Steiner und Jäger sind von der Gendarmerie in Haft genommen worden. So war dem LriegSzug deS Hen» ' lein-Majors Frank nach Auschowltz ungefähr der gleiche Erfolg beschieden, alS den tiSherigm Anstürme» feines Namensvetters Franco auf Madrid. Demaskiert! Eine„Tat“ des Pfarrers Wehrenfennig, des Führers des BdD Herr Pfarrer Gottfried Wehrens««- «iss. der. in Turn an der protestantischen Kirche da» Evangelium verliindei, als Führer' des„Bun- des der Deutschen" in zu Herzen gehenden Wor-, ten die grobe Not des sudetendeutschen Volkes schildert und zur überparteilichen sudetendeutschen BolkShilfe auffordert— in Wirklichkeit aber nur Seelenfang für die Sudetendeutscho Partei Henleins unter durch Krise und Not zermürbten Arbeitern treibt— hat sich demaskiert. Mit vielen„Kameraden" der sudetendeutschen Partei hat er die Berufung de» Herrn Kleinnickl unterschrieben, welche den Bau der Kleinktwohnunh« für die Arme« in Tur« verhindern soll. Durch da» WohnungSsürsorgegesetz vom 26. März 1986 soll das darniederliegende Baugewerbe als Schlüsselindustrie belebt werden, 10.090 neue Wohnungen sollen für die Aermsten, für die Kinderreichen, in der Republik gebaut werden. Der Staat übernimmt die volle Haftung für die Baudarlehen; die Leistungen der Gemeinden als Bauherren für Verzinsung und Amortisation und Nebenleistungen sind mit 8 Prozent begrenzt; 2 Prozent davon dürsten durch die Zinse der Wohnparteien hereingevracht werden; was darüber hinauSaebi an Kokten kür die Verzinsung und Annuitäten wird bis zur Tilgung der Darlehen vom Staate alljährlich beigetragen. Die Stadt Turn, die am 17. November 1936 noch 1264 Arbeitslose mit 841 Kindern zählte(im März waren e» 1809 und fast 1800 Kinder), hat.es für ihre Pflicht gehalten, das Gesetz im Interesse der Stadt, im Anteresse der Wirtschaftsbelebung, der Arbeitsbeschaffung für einige hundert Arbeitslose, im Interesse deS kMer.darnjtdekliegeNM.Vewfirbes tMzuHhen, und damit, die Bemühungen des Fürjyrgemini- sterS Genossen Nekas im Kampfe gegen Krise und Arbeitslosigkeit zu unterstützen. Wenn einige hundert„Volksgenossen" die Berufung des Herrn Kleinnickl unterschrieben haben, so wollen wir eS ihnen nicht Wester Übelnehmen, sie wissen nicht, waö sie unterschrieben haben; für sie gilt da» Wort:,Herr vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun." DaS gilt aber nicht von dem Herrn Pfarrer Wehrenfennig, der wirtschaftlich denken gelernt hat, der eine Zeitlang ein Industrieunternehmen geleitet hat, der alS Bundesführer an dem Ausbau eines großen Bankinstitutes, der „Ercdiwnstalt der Deutschen" mitaewirkt hat. Wir,-die den Herrn Pfarrer noch aus seiner alldeutschen Jugend im alten Oesterreich kennen, sind durch seine Demaskierung nicht Überrascht. ES hat sich nichts an ihm geändert, wenn er sich gleichgeschaltet hat und au» dem nationalsozialistischen Gedankengut das nazistische Führerprinzip, die antisemitische Rassenlehre und den faschistischen Totalitätsanspruch übernabm. „Deutschen kann nur durch Deutsche geholfen werden." Darum lehnen die Sudetendeutschen in Bist«, Prachatttz, Turn, die Hilfe der Regierung ab, dir durch öffentliche Arbeiten auch in den sudetendoutschen Rotgebdetvn dir Wirtschaft beleben und tausenden Arbeit schaffen will. Darum wohl Hai auch Herr Wehrenfennig die Berufung deS Herr» Kleinnickl mit gefertigt. kür den Wiederaufbau der Graslitzer Industrie Zur Information unserer Arbeiterschaft über den von den Vertretern der sozialdemokratischen Partei, der freien Gewerkschaften und der Geiwssenschasten am 18. November dem Ministerpräsidenten Dr. Hodjja überreichten Plan zur Krisenbekämpfung und zu dessen Unterstützung, tagte am Freitag, den 20. November, iw vollbesetzten Saale de» Hotel'«Weitzer Schwan" in Gräslltz eine Versammlung. Als Redner unserer Partei.und der. freien Gewerkschaften besprachen die Genossen R.o s ch und H ä r tu g die Fragen de» Wiederaufbaues der Graslitzer Industrie im Zusammenhang mit-den bekannten Forderungen d«S oberloähiiten Planes; in der Dtbatte sprachen Bürgermetfte»R.i e dl und. Direktor Ku tz- len t über Details der Aemeindearbeit.und der Krankenversicherung. Die Versammlung war«Ist gelungener Auftakt, drautzen im Lande die Aktion der Spitzenorganisationen der Arbeitetbewe- gung zur wirksamen Krisenbekämpfung entsprechend zu unterstützen. An den nächsten Tagen werden im Bezirke GraSlitz noch eine Anzahl solcher Versammlungen stattsinden. Tagung dar deutschen Kommunalpolizei In Teilchen fand am 21. November«ine aus allen Gebiekzn beschickte Reichstagung der Polizeifachgruppe deS Verbandes der öftentllchen Angestellten statt,>auf welcher insbesondere ein Referat über die bisher durchgeführte Verstaatlichung der Konununalpolizei und die Forderungen der deutschen Kommunalpolizisten von einem Vertreter de» Verbände» erstattet wurde. In.den letzten zwei Jahren wurde die Polizei in neun grotzen deutschen Stadtgemeinden verstaatlicht und zwei Städte iverden. nunmehr folgen. In dem. Referat wurde hervorgehoben, datz es der Gewerkschaft in allen^Fällen gelungen ist, die Existenz der dprch die Verstaatlichung erfaßten Angestellten sicherzustellen. Von den 260 deutschen" Kommunalpolizisten wurden bisher' insgesamt 158 vorläufig provisorisch in die staatliche Sicherheitswache eingereiht. Die andern wurdenanderweitig bei den zuständigen Stadtgemeinden eingereiht, ein geringer Teil trat in den Ruhestand. Die Tagung nahm' eine Resolution an, welche inÄesondere die Forderung enthält, datz deutsche Bewerber in entsprechender Zahl In die Polizeischulen und in den staatlichen Sicherheitsdienst eingestellt werden. Die Städte und Gemeinden, in welchen in Zukunft die Verstaatlichung de» Sicherheitsdienste» durchgefiihrt werden wird, werden ersucht, ebenso wie e» in den bisherigen Fällen geschah, den SicherheitSange- stellten ihre Existenz und die rechtniätzig erworbenen Ansprüche zu wahren. Die Konferenz sprach ihrer Fachgruppenleitung und dem Verband der öffentlichen Angestellten ihren aufrichtigsten Dank für die während der Verstaatlichungsaktion mit grotzem Erfolg bewiesenen Bemühungen au». i, Beendigung des Streikes bei der Firma Rudolf Neubauer, Seidenweberei In Warnsdorf Die am Montag, de» 16. November, über Einschreiten der Bezirksbehörde WarnSdorf geführten Aussprachen wegen Beilegung de» Arbeitskonfliktes bei obiger Firma, die vor allem an der Frage der Wiederaufnahme aller Arbeiter zu scheitern drohten, wurden nach einer Unterbrechung am Freitag vormittag» neuerdings wieder ausgenommen. Die Berhandlungen brachten ei» Ergebnis, daS von der Belegschaft der Firma in einer Bersammlung am Samstag gutgeheißen wurde. Damit stand der vollen Wiederaufnahme der Arbeit für Montag dieser Woche nichts mehr im Wege. Der Streik erscheint hiedurch b e i» gelegt. Auch Tschechen verlangen: Staatöpolizisten müssen deutsch können. Eine bemerkenstverte Entschliessung wurde von der När. Jednota in Kaida gefaßt. Auch die När. Jednota fordert, wenn auch au» anderen Motiven, datz die ins Grenzgebiet versetzten Staatspolizisten unbedingt der deutschen Sprache mächtig sein müssen. Die Freude über die Einsetzung der Staatspolizei habe sich bei den Grenzlern in Enttäuschung verwandelt, als diese feststellen mutzten, datz die meisten Polizeiorgane die deutsche Sprache nicht genügend beherrschen. Was nützt aber— so heisst e» in der Entschließung,— die Anwesenheit eines Polizeibeamten auf einer deutschen Versammlung, wenn er nicht versteht, was gesprochen wird? Zu dieser von der Entschließung selbst als betrüblich bezeichneten Angelegenheit wurde beschlossen, vom Innenministerium energischest zu perlangen, dass fin den Grenzdienst nur Beamte verwendet werden, welche die deutsche Spräch egül beherrschen.' An de» Pranger! Zu dem EhoruS der Be- schünpfer der spanischen Freiheitskämpfer gesellt sich recht auffällig auch die W o l f p r e s s e. Die „Elbezeitung" schreibt in ihrer Ausgabe vom DaS am 21. November nachmittags vom Trauerhause in Neu-Langenau auS statigesundene Begräbnis unseres verdienstvollen Genossen Wenzel Hackel zeigte durch die Massenbeteiligung, welch grosse Beliebtheit er sich erworben hatte. Vön nah und fern waren die Vertreter der Partei und Genossenschaften in grosser Zahl gekommen: Der Vorstand deS Aee-Verbaudes fast vollzählig, führende Genossenschastsfunktionäre aus Teichstatt, Bodenbach, Teplitz-Schünau, Komotau, Trautenau und Ztviitau, viele Parteigenossen aus der ganzen.Umgebung, Aus Böhm.-Kamnitz, dem früheren Wirkungskreise Häckels, waren besonders viele Trauergäste herbeigeeilt. Da Hackel Vizebürgermeister der Getneinde Langenau war, erschien auch die Gemeindevertretung nebst der Feuerwehr korporativ. Ein langer Trauerzug bewegte sich den Iveiteu Weg zum Langdnauee Friedhof. Bor dem Heim HackelS intonierten die Sänger de» Haidaer„Vorwärts" überaus stimmungsvoll einen Chor und am offenen Grabe nahmen sie mit dem ergreifenden Liede„Ein Sohn des Volkes" Abschied von Hackel. Für die Gemeindevertretung sprach Herr Bürgermeister H a n e l ehrende Worte der Anerkenuuug über daS Schaffen Hackeis in der Gemeindestube; Genosse S ch Iv e i ch h a r t-Bodenbach würdigte eindrucksvoll das mehr als 40jährige erfolgreiche Wirken des dahingegangenen Parteifreundes kür den Sozialismus und Genosse Fischer- Prag schilderte die hervorragende Mitarbeit in der Genossenschaftsbewegung. Vor dem Leichenbegängnis veranstaltete die Kreisleitung Nordböhmen der Konsumvereine. der Genosse Hackel 80 Jahre als Obmann Vorstand, in König» Gasthaus in Neu-Langenau eine kurze, aber würdige Trauerseier. Zuerst sprach Verbandsobmann Genosse Schreier- Mähr.-Schonberg, sodaim Genosse Müller- Teichstatt. Sonntag, den 22. November, in fetter Schrift: „Wie zu den Kämpfen in Madrid ergänzend aus gutunte'rrichteter Quelle verlautet,..km m p f e n auf b o l s ch e w ist fisch e r S ei t e mindestens 8000 weltkriegerfahrene Abenteurer, vor allem Sowjet- r u s s e n u n d F r a u z o s e n, die das Rückgrat des bolschewistischen Widerstandes bilden..." — Merket Euch, Arbeiter, auch dieses Blatt! Zu den Betriebsratswahlen im Bergbau Die Bergbauangestellten bekennen Farbe Fast ohne Ausnahme für die PAS Usten Bekanntlich finden in diesen Tage» in allen Berzrevieren der Republik die Wahlen in die Betriebsräte statt. Von deutschen Organisationen kandidieren neben derUnionder Bergarbeiter noch die Deutsche Arbeiter-Gewerkschaft mit dem Sitze in Gablonz(D.A.G.) und der Verband christlicher Berg« und Hüttenarbeiter. Dieser allerdings schämt sich seines Namens und startet seine Kandidatenlisten unter der Bezeichnung„Wahlgruppe deutschvölkischer Bergarbeiter". Die Bergbauangestellten, soweit sie nicht auf größeren Betrieben selbständig kandidieren, treten fast restlos für die Liste der Gablonzer Gewerkschaft ein.— Wo ist der Grund für dos Wohlwollen und die aktive Wahlhilse, die die Angestellten bi» hinauf zu den Betriebsleitern den Listen der D.A.G. entgegenbringen, zu suchen? Auf gewerkschaftlichem Gebiete sicher nicht, denn die D.A.G. hat bisher weder für die Arbeiter, noch für die Angestellten im Bergbau einen Finger gerührt»«trift trotz der 67 Parlamentsmandate der Heuleinpartei völlig einflußlos geblieben, während die von vielen Bergbauangestellten bekämpfte Union der Bergarbeiter auf Erfolge verweise« kann, di« direkt und indirekt auch de» Bergtauangestellten zugute kommen. Politische Motive sisid es, die die Mehrheit der Angestellten veranlassen, sich für die Henkeinlisten einzusetzen und berufsgenossenschaftliche Wahlen zu politi- sierenl In erster Reihe ist es die von der Heu- leiupartei propagierte„VollSgemeinschaft", die mit Hilfe der Stimmen der Bergbauangestellten zum Nutzen der Unternehmer auf den Schächten aüfgerichtet werden soll. Ob die Politisierung dieser Wahlen und die geradezu demonstrative Unterstützung der D.A G.» Listen unter, den heutigen Verhältnissen für die Bergbauangestellte» nützlich ist, das allerdings muß den Angestellte» bzw. der Leitung ihres Verbandes selbst überlassen bleiben. Schon heute darf gesagt werden, daß von den Stimmen, welche die Gablonzer Gewerkschaft sich erhofft, ein ganz erheblicher Teil von de» Bergbeamten stammen wird. D.A.G.-Mitglieder kandidieren auf der Liste der Christlichen. Der Verband christlicher Berg- und Hüttenarbeiter, dessen Gesuch um Aufstellung gemeinsamer Listen von der Deutschen Arbefier- getverlschaft in Gablonz brüst abgewiesen wurde, kandidiert, Ivie bereits gesagt, unter der Bezeichnung„Wahlgruppe deutschvöltischer Bergarbeiter". In letzter Zeit kursieren unter den Mitgliedern der Gablonzer Gewerkschaft Gerüchte, die von einer Verschmelzung der Christlichen mit der Gablonzer Geiverkschaft wissen wollen. Inwieweit diese Gerüchte der Wahrheit nahekommen, läßt sich nicht kontrollieren. Auffällig ist es immerhin, daß trotz der Absage, die die Christlichen erhalten haben, auf dem Briiannia- Schacht in Graupen auf der Christlichen Liste an erster Stelle dec Funktionär der D.A.G., Wilhelm Hieke, kandidiert, obzwar diese Organisation im Betriebe nur fünf, der Christliche Verband dagegen 39 Mitglieder zählen soll. Dieser Fall soll aber durchaus nicht vereinzelt dastehen. Was toohl Minister Zajikek, der sich in energischen Tönen gegen die SdP wendet, zu dieser Art christlicher Gewerkschaftspolitik zu sagen haben wird? Was man nicht alles tut, um zu beweisen, daß man noch da ist. Der Hauptmacher de»' Verbandes Christlicher Berg- und Hüttenarbeiter, Herr H., versuchte vor etlichen Tagen das am Maxschachte in Kradrob beschäftigte Unionsmitglied Haspel, für die Kandidatur auf seiner Liste zu gewinnen. Als ihn Haspel abblitzen lieh, versuchte er sei» Glück beim Unionsmitglied Hackel. Da dieser nicht zu Hause Ivar, lieh H. die Liste und seine Adresse in der Wohmum des Hackel zurück. Selbstverständlich hat auch dieses Unionsmitglied für die Nöte de» christlichen GewerkschaftSma- cherS kein Verständnis aufgebracht. Wie sagt doch Wilhelm Busch: Für manchen hat ein Mädchen Reiz, dockt bleibt die Liebe seinerseits. «eite 4 Dienstag, 24. November 1636 Nv. S7S MN den.»Fall Kelsen" eben nicht als eine,harmlose Aeußerung. studentischen Mißmuts abtun kann,, der sich hem Preßburger„Fall Maccl" vergleichen ließe(in Bratislava haben slowakische Studenten gegen einen südslawischen Dozenten opponiert, weil sie seine Sprache nicht verstanden und er zu streng prüfte). Wenn deutsche Studenten— was aber unseres Wissens bisher niemals vorgekommen ist— gegen einen Professor opponieren werden, weil er, wie etwa seinerzeit Herr San Nieolö, die deutsche Sprache mißhandelt, oder weil, er nichts von seinem Fach versteht, weil er nicht, vortragen kann,, weil er ungerecht prüft, unangemessene Forderungen stellt, dann wird man mit Recht verlangen können, daß mit den Studenten milde verfahren, daß ihre" Beschwerden geprüft werden. Aber wie gesagt, der Fall war noch nicht da, daß d e u t s ch e Studenten, in Prag such- liche Beschwerden gegen einen.Professor vor- gebracht haften.- Sie sind da/sehr großzügig und fügsam, sind im Grunde mit jedem zufrieden und lassen sich'manches.bieten. Nur Jude darf es keiner sein und ein Gegner Hitler- schön gar nicht I■' Auch im. Fall Kelsen waren e- k e i n e s a ch l i ch e n, keine utiter Kulturmenschen diS- kutablen Gründe, die zu dem Krawall führten. Darum gibt es hei ne.E nts ch ul d i g u n g und der Ruf nach Milde.ist ein. Keckhefte Eine gemeingefährliche obendrein, denn er könnte, wie urwähnt, auf tschechischer Sette die, Geduld erschöpfen, die-man dort- mft' einer. gewissen „autonomen Bildungsstätte".hat!!- ., LiebeStragödie. InAbertham ereignete, sich Montag in den! frühen Piorgeyftustd.en eine Lie- heStragödle. Der Malotaehilfe-Rüdosf/Üi nd» n erauS Bärrinnen'erschoß sei» Mädel,' Marie Welke r t auS'Abertham.-und dannsich selbst. Wie. es heißt,' soll-ein Abschiedsbrief.vorhanden sein, dessen. Inhalt, jedoch noch nicht bekannt ist.. ; Goldschvmggel im Auto. In P e rl y an der französisch«schweizer- Grenze, hielten. an, Sonntag französische Zollbeamte' zwei! tschechoslowakische Staatsangehörige namens Alexander und. Otto Goldstein,, die sich als! Brüder und als Direktoren einer stinanzgesellschaft in Paris ausgaben..An ihrem Auw wurden, jssvifchen den Akkumulatoren versteckt, zwei Kilogramm'Gold in Barren und iS. Kilogramm Goldmünzen-im- Gesamtwerte-von Wer, 466.066 Francs gefunden!'!die ,.sie-aus! Frankreich schmungeln'wollten. Die beiden wur-, den verhaftet-und ins Gefängnis ist. Annecy ein« geliefert.-' I Zu dem Eisenbahnunglück in Letovice er- l Horthy nach Rom mahlin sind Montag nachmittags nach Ro>n abgereist. In Begleitung des Reichsvertvcsers befinden sich Ministerpräsident Darany, der sich in Rom als neuer Chef der ungarischen Negierung vorstellen wird, und Minister des Aeußern Ka» nha', der den jüngsten Besuch des Grafen Ciano erwidert. zugeS, der im Krankenhaus«-feinen'Verletzungen erlag, ohne verhört werden zu können, den Lastzug aus unerklärlicher Ursache in Bewegung, obwohl daS Signal auf Halt gestellt war. Der Lastzug fuhr sodann auf den einfahrenden Schnellzug von der Seite auf, wobei die Lokomotive und auch die Waggons des Lastzuges zur Seite geschleudert wurden und sich längs des Geleises auk» türmten. Der Schnellzug entgleist« hiebei. Der Dienstwagen des Schnellzuges wurde zertrümmert Und mit der ungeheueren Wucht des Schnell. zugeS wurde der Ttaverscnrahmen dieses Wagens biS zu Dreiviertel» der Länge in do» Schlafwagen rlngrrammt, der in der Garnitur hinter dem Dienstwagen gekoppelt war. Der Schlafwagen war'»um Glück verhältnismäßig schwach besetzt. Der schwerverwundete Zugöführer des Schnellzuges Eervenka wurde ins Krankenhaus nach Zwitta» gebracht, di« übrigen Berwunoeten wurden in daS Unfallkrankenhaus türch Brün« transportiert. Ihr Zustand gibt zu keinerlei Befürchtungen Anlaß. Der Lokomotivführer deS Schnellzuges iistd zwei Heizer blieben unversehrt. Die Telephon» und Telegraphenleitung wurde bei dem Zusammenstoß zerrissen. Der Berkehr in der Station Letovice wird auf einem Geleise auf- rechterhaltm und die Züge verkehre« normal. ES wird an der Aufräumung der beschädigte« Waggons und der notwendig gewordene» Reparatur deS Eisenbahnmaterials gearbeitet. Bratislava, Montag um ivUhr 4b Mi», stieß ein Motor-Arbeiterwagen mit einem Arbeiter»»» auf der Strecke Sala a. d. Waag —Gdlanta zusammen. Bei dem Zusammenstoß wurden aus der Stelle zwei Eisenbahnarbeiter getötet,' zwei weitere starben bei der Ueirrführunn inSKranken- h a u S in Sala a. d. Waag. Welter wurden zwei Personen schwer und acht ander« leicht verwundet. Aui Ort deS Unglücks erschien ein Arzt, welcher den Berwnndeten die erste Hilfe zuteil werden liest. Die Schwerverwnndeten wurden ins Krankenhaus von Novs Zämky gebracht. In den NachmittagSstnnden trat am An- fallSort« eine Untcrsnchnngskommisiion der Staatsbahn ein, die die Ursache deS Anfalles untersucht. Maschinerie, aber diese Maschine ist seelenlos. Sie| gehorcht nur dem äußeren Zwange. Auf unserer Seite kämpst eine große Adee und eS kämpft die Leidenschaft eines für seine Ideale begeisterten BolkeS. Rur mangelhaft bekleidet, aber ausgerüstet mit dem felsenfesten Glauben an den schl'eß- lichen Endsieg, stehen Arbeiter Und Bauern an der Front. DaS friedliche spanische Bolk, daS keinen ikrieg wollte, lernt jetzt Krieg führen. ES lernt daS Kriegführen sehr rasch. Nach dem, waS ich gesehen habe, üben die politischen Kommissäre «inen sehr guten Einfluß anS. Man hat dm Ein»| druck, daß. hier daS ganze Arbeitsvolk in einer gemeinsamen Front steht. Diese Front werden die faschistischen Generäle nicht durchstoßen. Bilbao. sHavas.) Der ReaierungSrat der Bas- kevprovinz hat belchlosten, die Universität in Bilbao zu öffnen. Der Unterricht würde am 1. Dezember beginn«». Acht Tote NachtexpreB In Mähren von einem Lastzug gerammt Motorwagen karambolieren In der Slowakei Auch die Schiffsoffiziere streiken mit New Bork. Der Seemannsstreik hat sich noch dadurch verschärft, daß nun auch 4606 Schiffs- . offiziere in den Streik getreten sind, davon allein 2000 im New Aorker Hasen. Außerdem kündigten die Berufsverbände der Kapitäne, Steuerleute Piloten und Schiffsingenirure an, daß ihre Mitglieder ab Montag mittags in sämtlichen Häfen der Bereinigten Staaten dem- See- , mannSstreik beitreten. Der Streik datiert bereits Wenn nun diese Herren, wie gemeldet wird, auch noch Berufung gegen ihre milde Strafe einlegen und sich darauf berufen, daß sie am zweiten Krawalltag lediglich den Saal verlasse» hätten (um dann in den Gängen die andersdenkenden. Hörer verprügeln zu helfen) ,! so muß man sich schon fragen, wo die Naivität aufhört und. die bewußte Schädling s a r b e i t beginnt. Denn derartige Keckheften einiger junger Herren können^unter Umständen daS Faß zum Ueberlaufen bringen ünd der'deutschen-Universität sehr unangenehme Folgen eiNträgenI Auch Herr-Dr. Meckel, der sich zunächst aus der Feuerlinie gehalten hatte, sollte besser überlegen, welche Wirkungen er mftseinen Erklärungen erzielt. Er kann sichzwar, Wenn er den Kelsenkrawall nun als eine harmlose Episode. „, hinstellt, auf das illustreBeispiel eines-ehsniali-i 26 Tag°7Es"ist noch k-üie' Ansicht auf eine taU gc» Reüors und aktiven Professors und Se- pige Beilegung des Streiks vorhanden. i nators bcrusen, aber-er sollte doch wissen,-daß 500.000 beim Begräbnis Salengrot Krawalle» festgestellt worden, sind von ihren Lille. Das Begräbnis des Innenministers akademischen Vorgesetzten mft mehr als milden -»-.~• i. i»i ftnhArfll iHrtuKilH'' bCIHOTtQtifdjO Oeffentlichkeit und das Schulministerium waren mft Recht erstauift Wer die Milde, die gegen Burschen geübt wurde, an denen gewiß nicht so sehr zu bcstrasen wäre, daß sie krakeelten, als daß sie in völlig unverantwortlicher Weise gegen einen Mann krakeellen, von dessen Bedeutung und Leistung sie keine Ahnung hatten. Gewiß ist es oft vorgekommen, daß Studenten ihrer Meinung in heftiger Form Luft machten und das wäre das größte Uebcl nicht.. Was.de» Radau zur Barbarei stempelt, ist die Tatsache, daß die Radaumacher eben k e i n e M e i n u n g Gemeingefährliche Keckheiten Die jungen Herren, die als die Urheber und Haupt-Randalisten bei den schändlichen Kelsen- Präsident Masaryk befindet sich wohl Lt»y. Im Hinblick auf gewisse alarmie rende Gerüchte, welche Sonntag in Prag verbrei tet wurden', ist das Tsch. P.-B. ermächtigt, zu er klären, daß der Gesundheitszustand deS Präsiden-' ten T. G. Masaryk sehr gut Ist n»d daß die meh-: reren Monate Ruhe seiner Gesundheit in hohem . Maste gefestigt haben. Der Präsident-Befreier- unternimmt täglich bei jedem Wetter regelmäßig Atito-AuSfahrten. Montag nachmittags war er - gerade in Prag; er fuhr durch die Burg, über den Klarov, über die MäneSbrücke auf den Altstädter Ring, über den Graben, den WenzelSplatz, die Jeknä und Rcßlovä, die Jiriifekbrücke, Smichov zum Bipych und kehrte um halb 6 Ahr nach Läny zurück. Sonntag besuchte er auf seiner AuSfahrt die Städte Schlau und Kladno. Am SamStag wurde im Schloss von Läny dem Präsidenten der Film„Der große Ziegfeld" bis Iv Uhr abends vorgefiihrt. Am Freitag hielt sich in Läny zum' Dn Edv-irdBeneS'mft G-mahNn"-«f7|®»«J 0"-n•»et"iötet wurden, und zwar der ' Auch die Tatsache, baß sich Gesandter San Schlafwagenschaffner MaSin ans Prag, di« _-—.... IltAflA A, AMM n»(1ha«U* AUN MM* Zwei Eisenbahnunglücke an einem las Um jeden Fuß breit Bodens... , Einem Berichterstatter gab Dr. Julius Brünn. Die Staatsbahndirektion in Brünn teft mit: In der Station Letoviee(Strecke Brünn —B.-Trüban) stieß Montag vor 4 Uhr früh der Schnellzug Nr. 13 mit dem Berschuizug Nr. 1376 zusainman. Dabei wurden beide.Lokomotiven, beide Dienstwagen und der Schlafwagen deS Schnellzuges stark beschädigt. Di« StationS- geleife Nr. 2 und 4 wurden verrammelt. Der Brr- kchr zwischen den Stationen Skalier u. Sv. und Letoviee erfolgte vorübergehend nur auf dem einen linken Geleise, ein Hilfszug aus Brünn trat an Ort und Stelle um halb 6 Uhr früh«in. «... v»....n mu...«....., ,...». Di« Direktion der Staatsbahncn iw Brünn üblichen Mittagessen der Präsident der RepubNk teilt weiter mit, daß bei dem Zusammenstoß d r e i Dr. Edvard BeneS mit G-mnhlin auf.‘— Masaryk" in'Lm,d°ü"aüfbiilt und Dr""Miee^G.^"ngterc Kurt Kramer auS Dresden und Mafaryfovä Freitag nach Paris zur Berfamm-,^ieza W o l l n e r.'aus Grost'Dloser. lung der Gonvernenre des Note» KreuzeS abge-i, Berletzt^wurdm: Josef Jursa auS Ma- reist ist, bezeugen, daß die ungünstigen Nachrich- Karl Gabriel v»n.der Firma Bes te» über den Gesundheitszustand deS Präsidenten-‘J 1' 8 dran, Architekt Milos S v i t a v s k h a«S Befreiers jedweder Grundlage entbehre». IZ«ßvurg, Franz Freund auSDoklii-J-tov bei I Nevt Zämky, Bojsena Purkartovä auS Prie- videze, Matouö H o l e k auS Göding und Hetman Markus auS Ung.-Hradisch. Der schwerverletzte Lokomotivführer deS Gü- terzugcS, Hamp l, starb früh um 7 Uhr im St. Amia-KraukenhaiiS in Brünn, wohin er nach dem Znfämmenstoß überführt worden war. Welter Deutsch, szt. Vorsitzender d-S N-publikani-!wurde noch der Lokomotivfühwr deS Schnellzuges schen Schutzbundes in Oesterreich, gegenwärtig j in Spanien, folgenden Bericht: nach«wittau überführt. Die übrigen Berletzten wurden nach Brünn gebracht. Wie erbaten wurde, Richt nur in Madrid stehen zehutausende, war die Ursache des Unglücks daS«eberfahren der Berteidiger, die sich heldenhaft schlagen, auch hoch PolizellchweNe zwischen den Geleisen Nr. 2 und oben im Gebirge, in Kälte, Regen und Schnee- Nr. 4 durch den verschiebenden Zu« Nr. 1376. -estöier stehen tapfere Männer, die nm jeden Fug|• breit Bodens känwfen. Die Gegner verfügens Zu dem Eisenbahnunglück in Lrtovice er- über eine auSgebildete^und ausgerüstete Kriegs- fghrt daS Tlch. P.-B. noch folgendes: —......gjj»,"" Der Schnellzug Nr. 13, der Prestburg um 0 Uhr 06 Minuten und Brünn um 2 Uhr 56 Minuten verläßt, fuhr etwa gegen halb 4 Uhr morgens in die Station Letoviee«in. Der Schnellzug hatte die Weiche richtig gestellt und gesichert und auch daS Signal zeigte wuf„Freie Fahrt!". Der Last-'ug stand auf dem Nebengeleis«. In dem Augenblicke, in welchem der Schnellzug die Weiche passierte, bracht« der Lokomotivführer des Last- i Umstand genügte, daß Kelsen im"Fähre 1933 seine Kölner Lehrkanzel verlassen mußte. Der Glaube an die Unfehlbarkeit und gött- liche Berufung eines deklassierten Lackierers und Gelegenheftsmachers ist eö, der„Akademikern", Budapest. Neichsverweser Horthy und Ge- Studierenden, zur Last gelegt werden muß. Sakengro sand hier am Sonntag unter Teilnahme i Strafen bedacht worden. unübersehbarer Massen der Beböllerung statt, deren Zahl auf eine halbe Million geschätzt wird. Die Trauerrede des Ministerpräsidenten Blum wurde durch den Rundfunk verbreitet; in Paris hörten sie. über 400.066 Teilnehmer eines großen Umzuges der Linksparteien an. Blum, verurteilte die ehrabschneiderische Kampagne, der Salcngro zum Opfer gefallen ist, und erklärte, das fran zösische Völk werde nicht mehr länger seine Ange hörigen einer niedrigen Pressekampagne auslie fern und nicht zulassen, daß Bandenführer ihre Ehre angreife». Verleumdung müsse als'S» vertreten Hatton,daß sie den.dümmsten geradezu unentschuldbar erachtet werden,! und ordinärsten Schlagworten folgten, daß ihnen wenn sie kaltblütig und systematisch als politische, ö»r Begründung ihrer^,,Aktion^vollkömmen^der Waffe, als Mittel zur Propaganda von Rache oder Repressalien benützt wird. Explosion bei Kolben-Danik in Blansko. Am Sonntag uni 7 Uhr früh wurde die Stadt Blayfko von einer starken Detonation erschüttert. In der Maschinenfabrik Kolben-Danök ereignete sich in der, Karbid-Werkstätte eine Explosion, die den. Raum schwer beschädigte. Auf dem gegenüberliegenden Zwittauser stand, eben der Trafikant vo^ seiner Verkaufsbude. Er wurde zu Boden geschleudert und per«: letzt, so daß er von der RettungSabteilung in» Brünner Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Gebäude der Fabrik wurden weiter nicht beschädigt, nur barsten fast sämtlich« Fensterscheiben. Der Betrieb de» Unternehmen» ist nicht gefährdet. Die Utsacheder Explosion Ist nicht bekannt; er wird, angenommen, > daß er sich um einen unglücklichen Zufall handelt... Raufbolde töten zwei Menschen. Hn. der Gemeinde Rankovce und weit de» bekannten ostslowakischen Bades Herläny wurde Sonntag, eine Unterhaltung veranstaltet, zu der die Jugend aus den umliegenden Dörfern kam. Gegen Abend kam cs im dortigen Gasthaus zu einer Rauferei,'in deren Verlauf junge Leute aus der Geistein.de DuröoSik, in die Menge,, die sich im Gasthaus befand, zu schießen begannen. Der 27jähriße Bauernsohn Andrej Hulej aus der Gemeinde Boliarov und die 41jährige Anna Antalöva , Bäuerin aus Rankovce wurden auf der, Stelle ' getötet. Die 19jährige Elisabeth Benkov'a aus . Rankovce wurde sehr schwer verletzt. Die. Gendarmerie hat sechs Täter, sämtlich auS DuröoSik verhaftet, welche et» Geständnis abgelegt haben. AuS Rot. Im 6. Bezirk in Wien vergiftet« sich der 87jährige ehemalige Gastwirt Wilhelm I Martine! mit seinem zwölfjährigen Sohne durch I KohlenoxydgaS. Martine! verübte seine Tat aus i Not. Sind blaue Uniformen schöner? Der. englische Kriegsminister Duff-Eooper hat mit seinen Relruten-Werbungen für die Territorial-Arme« im Rahmen deS großen Aufrüstungsprogramms erhebliches Pech: feit. Monaten bleibt di« Zahl der Freiwilligen hinter den Ziffern, die- man aufgestellt hat, bei.weitem zurück. Daraufhinftst jetzt der KricgSmtnister auf die Idee gekommen, die Uniformen der Rekruten zu verschönern. Man wird ihnen sofort nach Dienstantritt eine AuS- geh-Uniform in blauer Farbe liefern, und diese wird, wie Duff-Cooper in einer Rede erklärte, vor allem den jungen Mädchen, gefallen, und-auf deren- Geschmack käme es an. Außerdem-soll-den Bewerbern, erlaubt werden, sich daS Regiment, in dem sie dienen wollen, selbst auszusuchen. Amollöuser tötet«in ganze» Dorf, Im. Staate Alberta hat sich eine Wilmvest-Tragödie abgespielt, wie sie furchtbarer von keinem Hollywooder Drehbuchautor erdacht werden könnte: Der Ort Tieländ ! ist nur eine kleine Bahnstation und besteht aui sechs Einwohnern. Der Eifenbahnwärter wurde,«mlas-, sen.. da er seine Dienste i nur. ungenügend versah. Al»/, der.. Nachfolger, sich einstellte, stürzte, sich der Entlassene auf ihn. und erschoß ihn, seine Frau, und sein Kind. Dann tötete er die restlichen Bewohner deS Orte», nämlich zwei. Minenärbeiter, imd schließlich sich.selbst. Auf. diese. Weise'würde ein ganzer Ort auSgerottet, und die Behörden, entdeckten' erst nach drei Tagen diese» entsetzliche Unglüch .„TodeSstrahlen". Im. Malik-Verlag London, erscheint in den nächsten Tagen«in Buch von'Max Seydewitz und.Jng. Kurt D ob« r e.r-,Kodesstrahlen und. andere nepe KriegSwassen"„ daS sich mit den Realitäten und Möglichkeiten, der neue» KriegSiechnik, vor allem mit den. deutsche»-Rüstun» gen-befaßt.-- Der Bulle im Weinkeller. Ein Bauer au» Drama(Hellas), hatte versehentlich seinen' Weinkelter offeygelaffen. Durch«inen Zufall geriet der. in der Nähe weidende Gemeindebulle in den Keller;' al» er wieder Herauskain, war er betrunken.' DaS. äußerte sich darin,, daß. da» Tier, zum Amoklauf durch sten Ort startete und«inen Hund und,ei». Kind aufspießte. Da e» unmöglich.'schien,'da» alkoholisierte Tier auf andere Weise.- unschädlich, zu.'.machen, mußte man sich dazu entschließen, e» zu.erschießen. 7. Dfe. Wolkendecke, die über cinem überwiegenden-Teil Mitteleuropa».lagepte, hat-sich meist ausgelüst. Infolgedessen, ist ein leichtes Tauwetter auch iu den- Niederungen Böhmen» und in-Mähren- Schlesien'eingetreten...Der.bisherig« Witterungscharakter wird sich voraussichtlich noch nicht, ändern. Wahrscheinliche». Wetter DiegStag:.. Andapccn.-der winterlichen, Witterung,.mit lokalen.Bewölkungsunterschieden, umcrtagS leichteres- Tauwetter- Nachtfrost. Wetterauöstchten.,fiir Mittwoch: Vorerst noch ohne, wtseniliche- Acndcruiig, später.in Böhmen ' zunehmende.'Bestöttung>- und NiedirschlagSneigung, -aukfrischender^.SydNtestw.ind,'. ,.... Vom Rundfunk . Empfehl««»»erte» an» de» Programm««.. --M'-i-M-te-'o chr?'-.. :' Prag, Sender I: 7: Orchesterkonzert, 16.65: Deutsche Press«,. 10.15: Rundfunk für deuttche Schuten,, niedere Stufen, 13:16:,,- Opernarien, 18.46:' Deütscher ArbeitStnarkt,' 17.15: Für die Äugend, 18.10': Deutsch«-Sendung:/' Dr.-Maras.-Au» dem tschechoslowakischen Kulturleben, 18.20: Arßef« terstuik: Adolf Schmidt: Kanada, da» Land der Zukunft, 18.40: Sozialinformationen. 19.80: Tanz» "tusik, 21.80: AuS dem Smetanasaal: Tschechisch« chilharmonie. Sender Ul'. 7.8ft Orchesterkonzert, 14.16: Deutsche Sendung: Kinderstunde: Kasperl und die Landstreicher. 14.86: Deutsche- Presse, 18.15':- Salonqüartett.—Brünn 17.46:-Deutsche .Sendung:' Der Kalif- Storch, Märchen von Haüffe. — Prestburg 15: Rundfunkorchesterkonzert. 21.40:- Licderkonzcrt.— Kascha» 12.85: Rundfunkorche» stcrkouzert, 18.15: Aus- Tonfilmen;-— Mährisch» OftraN 16,16: UnterhaltüngSmusik.- Nr. 273 Dienstag, 24. November 1936 Seile I> / Volkswiilschalt iid Sozialpolitik Vor Verhandlungen In der Strumpf* und Wirkwarenbranche r Wie der„Textilarbeiter" berichtet, dürsten in der nächsten Zeit lontrete Verhandlungen über djc Lohn» und Arbeitsbedingungen in der Strumpf» und Wirtwarenbranche stattsinden. Die'„UNion der Textilarbeiter" und der christliche Textilarbeiterverband haben vor geraume» Zeit den zuständigen Organisationen der Industriellen KollektivvertragSesitwürfe■ vorgelegt. Einige Industrielle aus diesen Branchen haben jedoch immer wieder versucht, der Lohnregelung Schwierigleiten entgegenzusehen, so daß es wiederholt Situationen gab, in welchen offene Konflikte auSzubrcchen schienen. Unter dem Druck der Organisationen und der Arbeiterschaft scheint«» nunmehr, als ob ein Teil der Widerstände Nachlassen. würde. In den letzten Togen, hat eine Aussprach« zwischen den Gewerkschaften und den Funktionären der Unternehmerorganisation stattgefunden, in welcher die Unternehmer ihre Ber- bandlungSbereltschaft grundsätzlich erklärt haben. Die Gewerkschaften und die Arbeiter haben bei dieser Aussprache aber keinen Zweifel cffen gelassen, das; diese Verhandlungen in Anbetracht der langen verstrichenen Zeit in beschleunigtem Tempo geführt werden müssen, damit noch vor Weihnachten der Grossteil der abzuschließenden Verträge unter Dach und Fach kommt. Rückgang der Handschuhexporte nach England, Im Oktober d. I. betrug die Lederhandschuheinfuhr auS der Tschechoflolvalei 26.021 Dtzd. Paar gegen 29.968 Dtzd. Paar im September, während die Einfuhr aus Italien von 18,011 Dtzd. Paar im September auf 18.107 Dtzd. Paar leicht anstieg. Die italienische War« wird zu s«hr niedrigen Preisen geliefert. Mangel an Waldarbeitern in Karpathoruß- land. In Karpathoruhland haben sich die Beschäf- tigungSverhältniss« stark gebessert und insbesondere unter den Waldarbeitern ist die Arbeitslosigkeit fast völlig verschwunden. Ja die Arbeitsvermittlungsstellen sind nicht einmal in der Lage, die dringendste Nachfrage nach Waldarbeitern zu befriedigen. ES fehlen mehrere hundert Arbeiter. Amerikanische Konjunkturrittern Einige BergleichSziffern dec wirtschaftlich!!» Entwicklung seit Jahresbeginn mögen ein Bild der Konjunkturbefferung und ihrer' schwachen Stellen geben.DieRoheisengewtnnung betrug im ersten Quartal 1986 8.89 Millionen Tonnen, im zweiten Quartal 7.62 und im dritten 8.04; insgesamt war sie in den ersten neun Monaten 21.55 Millionen Tonnen, das ist um 6.09 Milltoaen^Lvnnen' mehr als' im Vorjahre und uiw 14t68"Millionen Tonnen mehr als guf^ dem Tiefstand des Jahres 1982. Die Roh-' stahlproduktio» stieg analog von 9.86 auf 11,97 und 12.28 Millionen Tonnen, in den ersten nestn Monyten war sie 88.61 Millionen Tonnen, dgS ist um 9.87 mehr als im Vorjahr und um 23.27 Millionen Tonnen mehr alö in der gleichen Periode 1982. Di« Automobilprodukiion war im ersten Quartal 1,088.000 Wagen, im zweiten Quartal 1,418.000, im dritten Quartal nur 827.000, was aber vorwiegend der saisonmässigen Umstellung zuzuschreiben ist; in den ersten drei Vierteljahren war die Erzeugung um 394.000 Wagen mehr als 1985 und um 2,171.000 Wagen größer als 1982. Der Rohkautschukkonsum war in der gleichen Zeit um estva ein Sechstel höher als 1935 und um ■BSBSaasaaSBBBaSBaaBHSeBHBSKB^SBB Das Gesetz des Judentums Der demnächst beginnende Prozeß gegen David Frankfurter, der den Nazi-Agenten Gust» loff erschoßen hat, gibt den Nazi» wieder Gelegenheit, ihr« Rassentheorien aufzutischen. Angesicht» der wüsten antisemitischen Geste, die damit auch in der nazistischen Auslandspreise einsetzt, ist «» von Nutzen, auf sachliche Darstellungen derJuden frage hinzuweisen. Bor Jahresfrist ist in dem EugenPrager-Ber- lag, Bratislava,«in Buch von Otto Friedrich„Weise von Zion"(„Luden al» Baumeister der. Menschheit") erschienen, da» sich die Aufgabe stellt, an dem LebenSwerk von sechs bedeutenden Juden, und zwar Mose» und Marx, den.Perkiindern der Gesetze»", Spinoza und El n st e i n, den..„Begründern der Gesetzer", DiSraclt und Rathenau, den „Vollstreckern de» Gesetzer" dar Besonder«,an. der geistigen Leistung der Juden im Gesamtbaü der MenschheitSlultur darzustillen. Freilich sieht eben dieser Besondere darin,. daß der Jude dem G e- s e'tz» der Gerechtigkeit dienen, sie verwirklichen möchte, wo und wie er kann., Friedrich» Thesen sind,'ob man sich nun von ihm. überzeugen läßt oder dkl» Problem ander» beutet, die Männer, dit er box.uns hinstellt, anders erklärt oder wextet, iedenjallr.einer per geistvollsten Beiträge, die in din lehten'Jahren.zu.eiUer Weltbewegenden Frag« beigesteuert wurden. Wir drucken im folgenden zwei Abschnitte aus dem Schluß-Kapitel der BucheSah:...', ■ Dev MeffiaSglaube der Juden ist in Wahrheit' äitderer Art." Soin, siefster Sini^ ist nicht dit» Dasein^ des Mesiias,sonder»''fein, e w t a e» K o m m e n. Die ErlösunWt. inuner nur auf oem Wege und jeder, der für sie wirbt, ist nur ein Baumeister der Welt, aber weder ihr Herr noch ihr Erlöser. Unsere Aufgabe war«S deshalb auch nicht, das Leben.einiger berühmter Männer, die aus dem Judentum herborgegangen sind,'zu schildern, tun so eine Apologie des Judentums zu betreiben. Unsere Aufgabe war e» vielmehr, aufzuweisen, wie diese Männer, die zu den verschiedensten Zeiten und in den verschiedensten Gegenden der Welt lebten, geeint waren durch das, was wir nennen wollen, den„G e i st d e S I u d e n t u m S". Wir meinen sein„G e s e tz". » Der Zionismus ist gewiß eine Möglichleit, den Juden physisch und psychisch'ein Heim zu geben, wenn man sie au» ihren Wohnsitzen vertreibt oder wenn ihre Menschenrechte niedergedrückt iverden. Aber er vermag nicht, die„Judenfrage" in ihrer Totalität zu lösen.'So weit die Judenfrage ein soziales Problem ist, wird sie berührt von den großen Bemühung«» um eine Lösung, aller sozialen. Gegensätze der Zelt. Aber auch die Lösung schafft die Judenfrage al» Frage an den Juden selbst nicht aus der Welt. Dabei geht es nicht nur"darum, ob da» Judentum al» BollStum erhalten werden kann. Da» wäre nichts.andere» als ein Nationalproblem von vielen. Auch nicht darum geht«», eine Religionsgemeinschaft zu erhalten oder zu verbreitern, den Freidenker in. diz Synagoge zu treiben, Es geht' darum, den Juden klär zu machen, daß die Judenfrage«ine Frage an sie selbst ist, die ihnen so gestellt wird, daß«S por ihr kein AuStvei« chen gibt, weder in einen.jüdischen Nationalismus, noch in.«in« asiimilatorifche Negation. Das Ghetto ist ein« Vergangenheit, die überwunden werden inuß, Der Ghetto-Jude muß sich wieder aüf die Wanderung machen. Nicht durch die Erdwile der Wett, wohl aber durch die Gefilde'seines Deu- ein Drittel höher al» 1932. Auch für den Umsatz im Einzelhandel und viele andere Gebiete gilt eine ähnliche Besserung.' In dem Bericht des Komitees für Arbeit»- losigleit bei der Amerikanischen Handelskammer wird mitgeteilt, daß feit 1988 mindestens 8.5 Millionen beschäftigungsloser Personen Arbeit er- hieüen. Der heutige Stand der Arbeitslosen in den USA wird auf weniger als 4 Millionen Personen geschätzt. Rückgang der französischen Arbeitslosigkeit. Nachdem sich die Zahl der scanzösischen Arbeitslosen in der zweiten Novemberwoche wieder um 500 Personen verringert hat, liegt sie nur mehr mtt 8000 Arbeitslosen über VorjahrShühx. Schweden» Außenhandel auf Konjunkturhöhr. Im Oktober erreichte die Einfuhr Schwedens 159.8 Mill. Kr. gegen 142.3 Mill, im September; die Ausfuhr stieg auf 145.3 Millionen Kronen. Beide Ziffern sind die höchsten seit Okto, ber 1929. Starke Steigerung der Sowjetkäufe in England. Im Oktober d. I. war eine Steigerung der russischen Käufe in England zu verzeichnen; die vergebenen Aufträge erreichten 1,1 Millionen Pfund gegen 0,9 Mill. Pfund im Oktober 1985. (tuafafwl Was seht in der. Sowjetunion v?r?. (Ru.) Bei aller Vorsicht^gegenüber allerhand Gerüchten, die gegenwärtig im Ausland« über die Vorgänge in Moskau kolportiert werte», muß man doch feststellen, daß im Kreml und um den Kreml etwa» wichtige» vorgeht. Es scheint, daß die Umstellung und„Säuberung", die mit der Hinrichtung der Sechzehn einsetzt«, keine»w«g» abgeschlossen ist. ES handelt sich bei dieser Umstellung nicht nur um einen neuen„Plan" von Stalin, selbst, sondern zugleich um den Kampf der verschiedenen Gruppen in der Umgebung de» Diktator». Stalin» Macht beruht nicht in letzter Linie darauf, daß er e» ausgezeichnet versteht, die einzelnen Cliquen gegen einandet auszuspielen und sie auf diese Weise in Schach zu hatten. Die wichtigsten Fraktionen sind jene um Wo- roschilosf lArme«), Molotow(höhere Bürokratie), Ordschonikidse(Schwerindustrie), weniger Bedeutung hat die Gruppe um ÄNganowitsch(Transport). Innerhalb de»„Armeellans" bekämpfen einander die beiden Marschälle Woroschiloft, ein früherer Schlosser und alter Bolschewik, und Tuchatschetvski,. der frühere adelige Gardeoffizier, der sein bolschewistische» Herz erst während der Revolution entdeckt hat, auf» Messer. Stalin nutzt diese Kämpfe innerhalb der Armee aus, um auch hier al» vermittlet und Schlichter aufzutreten. In der lebten Zeit wird häufig der Georgier Scrgo Ordschonikidse, der Volkskommissar für die Schwerindustrie, al» Nachfolger Stalin» genannt. Nach anderen Informationen hat Woroschiloff die meisten Aussichten, er ist in der Armee sehr beliebt, obzlvar Tuchatschewski viel klüger und unternehmungslustiger ist. Im entscheidenden Augenblick würde Wohl auch die Moskauer Garnison ein Wort mitznsprechcn haben. Es ist übrigen» bemerkenswert, daß in den Pariser Rechtskreisen in den letzten Tagen sehr beharrlich da» Gerücht kolportiert wird, Woroschiloff, der ein Gegner der Komintern sei, begünstige zugleich die Annäherung an Deutschland und unterhalte enge Beziehungen zu einigen ReichSwehrgenerälen (Seecktl), die der Lehre von Bismarck Uber die Notwendigkeit einer deutsch-russischen Entente anhängen. Die Stellung Litwinow» soll in der allerletzten Zeit wieder ein« Stärkung erfahren haben, nachdem e» ihm gelungen sei, einen schweren Kampf gegen den früheren Botschafter in Berlin, den alten Bolschewiken K r e st i n s k y, der heute stellvertretender Außenkommissär ist, siegreich auSzufechten. Auf die Stärkung der Stellung von Litwinow hat auch der Umstand einen-günstigen Einfluß auigeübt, haß, wie e» heißt, e.» gelungen ist, die russischen Be- ßiehungcn zu Japan viel^rcundschastlichcr zu gestql, tcn. Ä!an hofft, sogar, aus den Abschluß.eines Nichtangriffspaktes zwischen der Sowjetunion und Japan. Dagegen sollen an der Westgrenze außerordentlich: Maßnahmen unternommen werden, um gegen einen plötzlichen Ueberfall gerüstet zu sein. Nach glaubwürdigen englischen Jnforniationen sei die große Autostraße Moskau—Minsk bereits fertig, während die Straße Moskau—Kiew; zum 1.. Dezember fertig sein soll. Bedenklicher Zustand PiuS XI. Der römische Korrespondent deS„Jour" meldet, daß der Gesundheitszustand des Papste? Pius XI., in vatikanischen Kreisen ziemliche Besorgnis verursache. Der apst leide an Arterienverkalkung und an Lungenenwhysem. Er könne nicht mehr gehen und müsse daher ständig im Fauteuil getragen Jäg&ckwwt&tDM •faduM. aZwaachjtn! Mach* Dir die Arbeit darum so leicht wie möglich,nimm VIM,das auch stark fettiges Geschirr im Nu sauber macht, das auch stark angebrannteTöpfe mühelos reinigt. kenS. Er muß den Weg des Ahasver gehen, den Weg zur Erlösung ohne Erlöser. Wir Juden haben um unseretwillen und um der Wett willen keine größere Ausgabe vor uns als unsere Selbstbesinnung. Unsere Selbstbesinnung fordert di« Erkenntnis des wahrhaft Jüdischen im Wesen großer Juden, um es im kleinen Bezirk unserer Ich zu spüren. Deshalb wurde von MoseS und Marx, von Spinoza und Einstein, von DiSraeli und Rathcnau gesprochen,— sie alle waren Juden: DienerdessozialenGe- s e tz e s. Dieses Gesetz unseres Ich ist nicht zu Pressen in die Starrheit biblischer Formeln. Aber «S hat- eine menschenbildende Kraft. ES unterscheidet den Juden von jenen, die eine Sache nur um„ihrer selbst willen" tun. Der Jude will mehr! Er will etneSacheumderGerechtig- leit willen tun— um jener Gerechtigkeit tvillen, die die Waage de» Schicksals zum Ausgleich bringt, um jener Gerechtigkeit willen,' die nicht ein formelhaftes Prinzip, sondern die um de» Mensur» willen erfüllt iverden muss. Mensch zu werden in ollem und jedem, das ist die große soziale Verpflichtung des Juden seit den Tagen vom Berge Sinai. Mag das Gesetz der Juden manchem umzäumt von allzustarren Formen erscheinen, es hat den Beweis seiner Lebensfähigkeit erbracht, indem >8 einen großen Menschenkreis durch Jahrtausend« hindurch, ethisch zu gestalten und zu erhalten vermochte. Der Keim seiner Lebenskraft ist die Dierseittgke.it, die Menschlich- keitseineSWol^lenS, Nicht die himmlische Erlösung, nicht.daS Heiligwerden ist sein Postulat, allerdings auch nicht das Zweckmenschentum jenseits von Gut und Böse, sonder» der Mensch als Träger der sittlichen Aufgabe seiner Zeit. Dem Rechte zu dienen, um der Gerechtigkeit zu leben— das ist das Geheimnis der Weisen von Zion. werden. Die Korperlräfte seien geschwächt, aber die geistige Frische sei noch lebhafter denn je. Die Frage sei allerdings, wie lange dec starke Geist des apsteS diesen Kampf mit dem gcschtvächtcn Körper werde führen können. Berlin— Bagdad. Zwischen Deutschland und Griechenland wurde ein neues Flugabkommen paraphiert, demzufolge die Deutsche Lusthausa die Bewilligung zur Dnrchftihrung eines regelmäßigen FlugtranSport» über Griechenland erhalte» hat. Es handelt sich um«tue ständige tägliche Fluglinie Berlin— W it n— Budapest— Belgrad— Sofia— Saloniki, ferner um eine ständige Linie in Verlängerung der vorgenannten bis Athen und über Rhodos und Stzrien nach Bagdad(der Verkehr auf der zweiten Swecke erfolgt dreimal wöchentlich) und endlich um eine Linie Berlin— Venedig— Athen und weiter nach Asien mit einem Betrieb zweimal monatlich. Ole Laufbahn einet Opereltemtart Heinrich Vacln neuerlich zu vier Monaten verurteilt Prag.—rb— Die Laufbahn des 80jährigen hübschen, jungen Mannes, der gestern mit der roten Schleife des Ilntersuchungshästlings am Oberarm dem Strafsenat Hrnska vorgesührt wurde ist ebenso ungcw'.hntich als unglücklich. Heinrich Vacln lvar einmal ein bekannter und beliebter Operettcntcnor, der nicht mit Unrecht mit einer weiteren glänzenden Karriere rechnete. Als Sohn vermögender Eltern sollte er Architektur studieren und brachte es auch bis zur ersten Staatsprüfung an der zuständigen Abteilung der Prager Technik. Seine Begabung für Gesang und Turnkunst brachte ihn mir den Gedanken, Mittelschullehrcr für diese Fächer zu werden und er beschloß umzusattcln. Aber auch diese» Studium führte er nicht zu Ende, denn inzwischen hatte ihn die Bühne in ihren Bann gezogen, wie man zu sagen pflegt. Seine schöne Stimme, die ihn zunächst unter seinen Kameraden und Zcchlmpaucn bekannt gemacht hatte, schasste ihm Zutritt zum Osvobvzein! divadlo, für welches ihn Regisseur Freit» entdeckte. Kurz darauf lvar er schon al» erster Tenor an der„Arena" engagiert und einer der beliebtesten' Operettenjtars Prag». Die Herrlichkeit dauerte nicht lange. Ursache feines Niederganges wurden die WirtShauS- gesellschaften, in denen er auch nach seiner Verheiratung am liebsten seine freie Zeit verbrachte. Der Beifall, der ihm für seine privaten Produktionen in Wiri»häu,.rn und Weinstuben zuteil wurde, war ihm so lieb, daß er darüber seine Verpflichtungen al» hervorragendes Mitglied seines Ensemble» vergaß. Nachdem mehrmals sein Auftreten abgesagt werden mußte, weil er nicht'zu den angcsetzten Ausführungen erschien, begann da». Publikum seinem bisherigen Liebling, pje lalle Schulter, zu zeigen und. seine sinkende Popularilat fand thron Aiisdruck' in herabgesetzten Gagen. Schließlich w'u'tdä das Engagement gelöst und Vacln stand vor dem Problem, sich und seiner Familie eine neue Existenz zu schassen. Verblendet durch den genossenen EiutagSruhin. schien e» ihm ein leichte», in der Provinz eine. Anstellung zu finden. Nun mußte er aber die Erfahrung machen, daß da» nicht so einfach lvar. Er kani in eine Stadt, wo er seiner Ueberzeugung nach unbedingt sofort ein Engagement finden werde. Er logierte sich iin besten Hotel ein und lebte auf großem Fuße akontoder künftigenGage— um dann die peinliche Er-. fahrung zu machen, daß die dortige Bühne keine Verwendung für ihn habe. Da er die Hotclrechnung nicht bezahlen konnte, verschwand er einfach. So kam er auf die schiefe Ebene und solche Zellprcllcreien weist seine Strafkarte eine ganze Reihe auf. Abgestumpft durch die Gewohnheit ging er später auch noch zu allerlei Gelegenheitsdieb st üblen über und verkam mehr und mehr. Gestern stand also der ehemalige Operettenstar wieder unter mehr», facher Anklage vor dem hiesigen Kreisgcricht, Vacln war vollgeständig:„Ich pflege dem Gericht niemals Schloierigkeiten zu machen." bemerkte er im Laufe der Verhandlung. Im August d. I.. eignet« er sich in L e i t o m i s ch l das Sparkassabuch de» Chef» einer dort gastierenden fahrenden Truppe Miroslav Hürbinger an, bei welcher er vorüber-' gehend Unterschlupf gefunden hatte, behob 800 flä und lockte einem mit dem Vorverkauf betrauten. Trafikanten 150 Kl fetauS, Sann stahl er dem Prlnztval au» der Garderobe einen Anzug, nahm ein Mietauto und fuhr nach Böhmisch-Trübau, wo er dem Taxichaufseur, dem er bloß 20 fli Angeld gegeben hatte, durchging. Bei dieser Verhandlung kam auch noch eine ältere Sache zur Verhandlung. Im Jahre 1084 hatte er sich bei einer Frau Trnka in Prag unter dem falsche» Namen eines Jng. Prine eingemietet und gleich am ersten Tage eine kleine Sparbüchse seiner Quartier»frau ausgesprengt und mit 800 lli da» Weite gesucht. Originell war sein letzte» Stückchen dieser Art. In einem Dorf- bei Hohenstadt unterhielt der ehcinalige Operettentenor die SamStagsgesellschast eines doriigen Wirtshauses zuerst mit Ljedervorträgen und produzierte sich später al» Zauberkünstler. Bei diesen Zauberkünsten verlangte er zur Vorführung eines besonder» hübschen Trick» eine Hundertkronennote, die ihm auch einer' der Zuschauer anvertraute. Nach einigem Hokuspokus verkündete er.'„Und nun,. Hochverehrte, ivcr« den Sie sehen, wa» sich ereignen wird." Mit diesen verheißungsvollen Worte» verließ er da» Lokal und' da» Publikum wartete geraume Zeit auf die Pointe do» Zauberkunststückes. Schließlich kamen di« Zuschauer darauf, daß der Magier mitsamt dem entliehenen Hunderter’ auf Nimmerwiedersehen- verschwunden war. Da» Gericht verhängte nur«ine Zusatz- straf« von vier Monaten Kerker, denn inzwischen ist Bactn in Baüskä Bistrica wegen anderer Verfehlungen abgestraft worden. Auf die Bitt« de» Angeklagten, der beteuerte, sich künftig al» Auslagenarrangeur ehrlich durchbringen zu wollen, gewährte ihm der Gerichtshof Strafaufschub bi» zum 2. Jänner nächsten-Jahres. Seite S »Sozialdemokrat Dienstag, 24. November 1886. Rr. 273. Kathreiner/ Kirnst luul MsE VecdflSfiacfcricMea IraAerZütM- TOUtcUungehckr-IlraM« I i i Haltestellen„Riöany beim Friedhof" und Kraboöice werden aufgehoben; Deutsche BolkSsinggemeinde. D i e n S i a g uni halb 3 Uhr Männer-, um 7 Uhr Frauenprobe. Erscheinen aller erwünscht, da für Auftreten geübt wird. Zylinderhut und Tchwimmhofen passen ebenso. zusämmeä wie Kleid und-StraßenschUhe.Wenn wir schon den Schlafrock vom Japaner. übernommen haben, müssen wir auch Hausschuhe anziehen, Zu teuer? Haben Sie schon Dakar HaüSschuh-Kollektion gesehen?»'&O'- Kc 12.- 27-30 Kc 15.- 31-33 Kc 19.- Naternltd Ein neuer französischer Filmregisseur Jean C h o u K hat hier ein Werk geschaffen, dar man noch nicht als ein Meisterwerk, wohl aber als Werk einer werdenden Meisters bezeichnen kann.' Seit Renö Clair und JaequeS Feyder nach England gegangen sind, ist der französische Film arm an guten Regisseuren geworden; und dieser Jean Choux scheint im Begriff, in die klein gewordene Avantgarde einzurücken. Er beweist mit diesem Film von der unehelichen Mutterschaft einer Mädchen« aus Savoyen, daß es ihm um die wahre Filmkunst-zu tun ist, die nicht in Konversation, Kulissen und bühnenmäßigen Pointen besteht, sondern in natürlicher Einfachheit, im bildhaft Anschaulichen, in der Erfassung von. Landschaften, Stimmungen, Bewegungen und Men- schengesichtern. Er gibt in diesem Film keine technischen Sensationen und keine verwickelten dramatischen Konflikte, eS gibt keine Witze und keine Wildheiten, es gibt nur Bilder, vom Lebenslauf eines einfachen Menschen. Aber jedes dieser Bilder ist mit den Augen eines Dichters gesehen, der noch im All- täglichen Verborgenes enthüllt, der das Schweigen beredt macht, der in jeder Szene des Lebens Schönheit und Schotten entdeckt— und in seinen Gestalten nicht Engel und Schurken, sondern leidende, irrende und liebende Menschen starstellt. Es ist, wie gesagt, noch kein Meisterwerk. Noch stehen neben Feinheiten unbeholfene Episoden und Uebergänge. Die Erscheinung einer Wahrsagers, der sozusagen die Stimme des unerbittlichen Schicksals spielen muh, wirkt störend. Und die Handlung zeichnet sich zwar durch ihre Einfachheit aus, sie.ist aber doch recht konventionell, und die Geschichte des unehelichen Kindes, das von reichen Leuten adoptiert wird, hätte nicht unbedingt mit dem üblichen Wiedersehen der unbekannten Mutter und dem Sohne enden müssen(der gerade im Begriff ist, die Tochter eines „sozialistischen" Grafen zu heiraten und die eigene Mutter auf der Landstraße überfährt). Aber das sind geringe Einwände im Vergleich zu den Schönheiten dieser Films, der seine künstlerische Wirkung nicht zuletzt den hervorragenden/ in Zurückhaltung echt und Hingehend spielenden Darstellern verdankt. Die nun schon berühmte Francoise R o s a tz gestaltet die kinderlose reiche Frau ldie der hiesige Uebersetzer übrigens zur„Baronin" gemacht hat) mit feinster Cha- rakterisierungskunst! Hele Muller spielt die uneheliche Mutter, das Dienstmädchen aus den Savoyer Alpen, mit der Naiürlichkeit eines triebhaften Menschen, ergreifend in-der Stille ihres Mutterglücks und in der Gröhe des Verzichtes, und Felle Oudard gibt tiner Nebengestalt soviel typische Züge, daß sie eindrucksvoll wird.—eis— Malz-Zuchet ist der tröstliche Inhalt*. J jedes Körnchens Lumpacivagabmrdu»(Arbeitervorstel- lung.) Nestroy bringt keine Bearbeitung um.. Was wollte er? Von 18 Jahren Pump und Pleite des Pariser BürgerkönigtumS kommt ein Hauch in die tiefe Provinzlichkeit Wiens! Der Feenkönig Kaiser Franz, den Staat leitend wie einen kleintn Laden, versteht die Welt nicht mehr. Eine halb fallite, halb unruhige Hautevolör, gibt sich allzusehr aus; ein zu Tode verwaltete» Kleinbürgertum kopiert Balzacs Stimmungsschieberl Was tun? Man nehme— beide nicht ernster, al» sie.sich selbst nehmen. Solcher Krise um 1880 wird mit patriarchalischer Im Bett elegant sein» wenn man, schläft— w». liegt der Sinn? Aber, jede Frau will ebenso gut gekleidet in ihrer Wohnung sein, wie auf der Straße. Baka hat in Betracht diese» Umstandes die-neuen Haus-Schuh-Modelle dementsprechend entworfen un» herauSgebrächt. Der elegante, zweckentsprechende Hausschuh von Baka. 110 Dr. Joseph Eckstein gestorben. Sonntag früh ist in Prag der langjährige deutsche Stadtrat Rechtsanwalt Dr. Joseph Eckstein im 71. Lebensjahre gestorben. Eckstein stammte zlvar aus Bodenbach, wo er 1808 geboren wurde, war aber mit Prag, in welcher Stadt er seit seiner Studienzeit wirkte, aufs engste verwachsen. Er war auch seit seiner Jugend politisch tätig und gehörte schon viele Jahre zu den Führern des liberalen Deutschtum» in Präg. Er war ein national gesinnter, durchaus rechtschafsener und freiheitlicher Mann, der. seine zweite Vaterstadt über alles liebte und.die Interessen des Prager Deutschtums nicht nur mit'Energie, sondern auch mit großer Sachkenntnis, scharfem juristischem Verstand verfocht und der auch außerhalb seiner Partei Ach- ,tung genoß, weil er ein sachlicher und anständiger Gegner war. Seit 1819 gehörte er der Gemeinde- vertret»ng von Präg an und war Stadtrat bis 1928, da er sich aus dem politischen Leben zurückzog. Er war einer der letzten repräsentativen Gestalten des Prager deutschen Liberalismus, einer Richtung,.die durch Jahrzehnte das Prager Deutschtum politisch beherrscht hat, bis sie im Vorjahre, bei den letzten Parlamentswahlen eine Niederlage erlitt, von der sich der Prager deutsche Liberalismus kaum mehr erholen wird. So hat Eckstein, einer der besten Vertreter dieser Ideen, die Niederlage seiner Partei nicht lange überlebt. seiner Frau und findet, nach den üblichen Abwegen zurück zu ihr, die sich indessen auch mit ihrer. Familie aussöhnt. Und die Moral von der Geschichte: In der .kleinen Welt", ist es doch besser. Auch der reiche Brotsabrlkant erinnert sich mit Wehmut, wie schön e'S doch war, als er noch Lehrbub in einer kleinen Bäckerei, gewesen ist. Wie traurig, diese-armen Reichen— wie glücklich, diese reichen ArmenI Dieses Berliner Filmerzeugnis ist dabei sehr geschickt gedreht. Heinrich George macht eine packende Gestalt aus dein viel beschäftigten, in allem Menschlichen hilflosen Fabrikanten. Adele Sandrock ist eine in ihren Vorurteilen bezwingende Schlviegermutter, Viktor de Kowa, ein'reizender Filmchausfeur für junge Mädchen, seine Partnerin Eda Greytt, eine hübsche Blondine, ist gleich elegant und gepflegt im Boudoir und am Waschtrog. Neben Rührung-und Flirt am Wannsee, ein paar hübsche Bilder aus dem Berliner Leben und vor allem Ausschnitte au» Autorennen voll Tempo und Spannung. Daß der Film »Die Aroßglocknerftraße." Hofrat Wallack. Dienstag 8 Uhr. Karten Urania, Wedler, Andrö. »Aegypten von heute." Univ.-Prof. Dr. G r o h- m a n n. Donnerstag 8 Uhr. „Wiener Sängerknaien." Freitag 8 Uhr. Karten: Urania. Wetzler, Andrö. Arania-Kino „Die fündige«, Fra»»« von Boom", deut? ch c Premiere des französischen Meisterfilms mit Hartmann, Marlen und Ros atz. lenraub eigentlich gar nicht mitschuldig ist. So oder ähnlich ist e» im Hollywobd-Film schon öfter» gewesen, auch da» gestohlene Gut wird hier wieder zur Stelle geschafft, und die Moral kommt, je länger der Film dauert, um so mehr zu ihrem Rechte. E» sind die alten Rezepte in neuer Zubereitung, und da die Hauptrollen von Spemer Tracy und Myrna Loy nicht übel gespielt werden und Sanr Woods Regie die spannenden und die sozusagen lyrischen Momente der Handlung gut hcrauSgear» beitet hat, ist e» ein unterhaltsamer Film für Leute geworden, die Gangster und Liebeskummer interessant finden.—ei»— DFV-Division Der Prager DFCgewann sein Gablonzer Spiel gegen den B S K wohl knapp., aber sichel mit 2:0(1:0) und der Teplitzer FK schlug daheim die Sportbrüder Schrecken st ein 8:0 (5:0). In Saaz hatte der DFK Romotau wenig zu bestellen und wurde mit 7:0(2:0) heimgeschickt. Die Sportbrüder Prag verloren zu Hause gegen SpVg Bodenbach mit 1:8 (0:2). Der Reichenberger FK besiegte aus eigenem Platz den Gablonzer DSK mit 7:1 (2:0) und in Warnsdorf verlor der VfB Teplitz gegen WFK 2:7(2:8), Im letzteren Spiel mußte ein WarnSdorfer nach einem Zusammenstoß mit einem Schienbeinbruch in» Spital geschafft werden. Tschechische DivifionSsviele. Mittelböhmen: Cechie Karlin gegen Sparta Kladno 1:0, die Karliner sind Herbstmeister; Meteor VIH gegen Bo« heinianS 2:1(I), Nusclsky SK gegen Slavoj VIH 8:8, Union Zijkod gegen Sparta Koöik 8:2. Libeü gegen SK Russe 2:8, Rapid gegen Altbunzlau 1:2, AFK Kolin gegen Viktoria Russe 8:0.— Böhmen-Land: CSK B.-Budwei» gegen Polaban Nimburg 2:1, Budwei» ist damit Herbstmeister; Ko- visty gegenJungbunzlauerSK 10:1.— Mähren- Schlesien: Schles.-Ostrau gegen Osttauer.Slavia 6:2. Die Schlesier errangen den Herbstmeistertitel; Baka Zlin gegen Slovan M.«Ostrau 2:0, Polonia Karwin gegen Hussowitz 8:2, Han. Slavia gegen KLnIg»feld-Brünn 4:2. Sonstige Fuhballergebniffe. B.- Bud Wei S: DFE gegen Meteor-,2:2(1:1).— Karlsbad: DSV Drahowitz gegen KFK 8:4.—• Brüx: Schwalbe gegen DFK Bikin 7:8.— Aussig: DFK gegen Svoribrüder Bensen 6:1.— M.< Sch ön« berg: SK gegen TSV 12:0.— Budapest: Ujpest gegen Ferencvaro» 2:0, Hungariä gegen Phö-' bu» 4:1.— Wiest: Austria gegen Liberias 8:0. Mitteilungen aus dem Publikum. BakaS Handelsreise um die Welt. In-den Bakatverken- werden derzeit die letzten Vorbereitungen zu einer großen HandelSexpedition um die Welt getroffen. Diese wird unter Führung des EhesS der Bakawerke, Herrn I. A. Baka, vor sich gehen. Inder letzten Nummer de»„Zlin" führt I. A. Baka die Gründe an, die ihn zu dieser Reise bewogen haben. Er sagt hier:„Weil wir einen Welthandel brauchen, und weil ein Welthandel ohne persönlichen Kontakt mit der Welt unmöglich ist. Den Statistiken gemäß beträgt der Welthandel 12 Milliarden Dollar. Der Anteil der Tschechoslowakei ist hievon kaum Ilb Prozent, ungefähr 166 Millionen Molddollar. ES werden daher tausende solcher Reisen notwendig sein, wenn wir unseren Anteil am Welthandel nur um einige Zehntel Prozent steigern wollen. Unmöglich ist das nicht,.die Welt ist immer noch genügend groß, für günstige Einkäufe und günstige Verkäufe. Allerdings ist das ohne persönliche Kenntnis unmöglich. Ohne persönlichen Kontakt, persönliches Erleben, Begreifen Und Erfühlen kann-der Mensch in Europa nicht wissen, wa» dem Welthandel fehlt, er sieht die Welt au» seiner Perspektive und sucht"nicht die überseeischen-Kunden verstehen ju lernen. Ein Schuhmacher, der Menschen aller Wett mtt Schuhen- versorgen-will, muß die Füße der Völker der ganzen Erde mit eigenen Händen abgreifen und vergleichen." Die Baka-Expcdition um die Welt wird auf- einem Flugzeug Lockhead Elektta durchgeführt, da» eine Reisegeschwindigkeit von 800 Kilometer pro Stunde entwickelt. Die Reise geht vorerst nach dem Fernen Osten und. von da über Amerika zurück nach Europa. Der Autobus der tschst. Staat»iahnen Prag— s Die»roh« und die kleine Welt. Der Roman der Prühonlce— Belkk Popovic« wird ab 28. Äovem-, Tochter eine» reichen Brotsabrilanten, die einen der zur neuen Haltestelle„Gasthaus bei den hun« Taxichauffeur heiratet. Der Taxichauffeur wird derttährigen Linden" in Riöäny verkehren. Die Rennfahrer, kommt selbst zu Geld, entfremdet sich B e z u g» b e d i n g u n g« n: Bei Zustellung in» HauS odcr bei Bezug durch die Post monatlich Xi 6.—, vierteljährlich Kd 48,--, halbjährig K£ 86.— ganzjährig Kö 182.—.— Inserate werden läut' Tarif billigst berechnet, Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der, Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tel«« graphendirektton mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1880 bewilligt.— Druckerei: ,SrbiS", Druck-, Verlags» und Zeltung»-A,-G. Präg. ck en reiner Röst* i Ein Abend der Jugend wurde Samstag, im großen Lucernasaal vom Zentralhilfskomitee für die arbeitslose Jugend, gemetn- sam.mit der LandeSzentrale und der örtlichenOr- gänisatton der Jugendfürsorge in Groß-Prag ver- änswltet, DaS Protektorat der Veranstaltung hatte Fürsorgeminister Genosse Jng. N e ö a S übernommen, dem Ehrenausschuß gehörten neben dem Vorsitzenden der LandeSzentrale Genossen Vojta B en e», der Schriftsteller Dr. Karl C a p e I und der Vorsitzende des ZentralsozialkollegiuniS der Hauptstadt Prag Dr. Peter Z e n k l an. DaS reichhaltige Progrannn wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Genossen Vojta Bene», der das tragische Problem der arbeitslosen Jugend von heute m- seiner gstsszeü sozialen und staatspolitischen Bedeutung umxiß, Dies» Jugend wist ttmc Unter, stützüngen und Almosen, sondern Arbeit und em sinnvolle» und werktätiges Leben. Aufgabe des Staates und der sozialen Gemeinschaft ist e», alle Kräfte einzusetzen, baß der Aufschrei dieser jungen Generation:„W i r w o l l e u leben!" nicht ungehört verhalle. Da» äußerst reichhaltige Programm brachte eine lange Reihe mnsikalischer, rezitatorischer und gymnastischer Darbietungen, die größtenteils von verschiedenen Jugendkollektivs bestritten wurden. Größte Wirkung erzielten wieder die Chorrezitatio- nen, vor allem die beiden Balladen von Jiii Walker(„Ballade von den Augen des Heizers" und die„Traumballade", vorgeführt von einem Sprechchor der Arbeiterdilettanten und vom„Prü- boj"). Ferner der Rezitationschor„R e s b o j S" de» Einheitsverbandes der Privatangestellten mit Havliiek„König Lävra" und da» Kollektiv de» Metallarbeiterverbandes„Reckov" mit der Chorrezita- tion„Vierzig Stunden Arbeit", Der Saal wies guten Besuch auf, wobei allerdings zu vermerken ist, daß die vermögenderen Schichten der Prager Bevölkerung ihre Interesselosigkeit an dem Schicksal der arbeitslosen Jugend und ihren Leiden und Kämpfen dadurch zum Ausdruck brachten, daß die teuereren Plätze der ersten Reihen nur sehr schütter besetzt waren.—rb— Die lebte Runde der Liga brachte eine weitere Niederlage der Zidenice und einen knappen Sparta-Sieg in Brünn; ansonsten verliefen die Spiele zugunsten der favorisierten Klub». In P r a g gab es auf dem Slaviaplatz wieder eine Doppelveranstaltung vor nicht gerade überzeugendem Besuch. Im ersten Spiel schlug Viktoria ZiZkov mit 4:1(2:1).die Brünner Zidenice. Der Sieg- der Prager Vorstädter war verdient und ging hervor au» ben besseren und entschlosseneren Sturmerleistungen. Die Brünner waren im Feldspiel wohl besser, aber vor dem Tor versagte all ihre Kunst; noch dazu hatten sie mit ihrem Ersatzwrmann arges Pech.— In der nachfolgenden Begegnung sttgtoSHieV ja überSK-Klad n o mtt 6:8(4:0); ein Resultat, das alle» besagt. Die Prager Sparta" hatte, in B r ü n st mit der M o r. S.l a v i a recht schwere Arbeit, um schließlich mit'8:2(0:0) glücklicher Gewinner beider Punkte..zu. bleiben. Bi» etwa zehn Minuten vor Schluß stand die Partie noch 2:2; da» auch dem Spielverlauf entsprochen hätte. SK Pilsen erkämpfte sich daheim über SK Nachod.einen 5:8(4:0)»Sieg; jedoch nicht so leicht, al» man annehmen möchte. Der Endspurt der Nachober setzte etwas zu spät, beim Stande 5:0, ein und brachte aber immerhin noch drei Tore. In Proßn.itz gewann der SK nach Durchschnittsleistung über die aufopferungsvoll spielende, aber schußunfertige Viktoria Pilsen mit 2:0 (0:0).— CSK Preß bürg besiegte in UZHorod mit 8:1(0:0) Muss. Die Entscheidung über den Herbstmeister fällt erst in dem noch nachzutragenden Spiel Sparta— Nachod, Bauernregel bedeutet: Nur wer der Liebe Macht bei seiner inhaltlichen Verlogeicheit bildlich und dar- n i ch t entsagt, hebt den Hort, der auf des Hand-! stellerisch so gut ist— da» spricht besonder» gegen werk» bekanntlich goldenem Boden ruht. So entsteht 1 ihn, sk. di-s-r Witz über eine weltfremde Art, aus der ewi-\ P„,en au» dem Kronschatz. Am Ende diese» L» amerikanischen Kriminalfilm» erklärt der Geheim- auszubrechen; sei e» durch Hochstapelei Polizist, der- die Dame mit dm gestohlenen Perle« oder die Welttmtu°a',a»erwartunst de» Säufer»-! Erfolgt, beobachtet und verhaftet hat, dieser Dame Wieder haben wir ein JulikömgMm. hinter d« seine Liebe, wobei sich ergibt, daß sie an dem Per. Bergen; wieder ein deplacierte» Kleinbürgertum.--•-----"------ und KirchturmSbarone, die den„Anschluß" nicht| verpaffen wollen. Wer trifft diese nicht ganz neue' unfreiwillige Komik besser als der alte Nestroy? Die Arbeitergemeinschaft reagierte dankbar auf diefe augenfällige Uebereinstimmung. Trotz eines zerftri» chenen, zum unschlüssigen Singspiel gemachten 2. AkteS; trotz eine» zum Teil überchargierten Spiel»; trotz eine» Jugendstil-Bühnenbildes^pon 1805, da» tveder zum HIswrischen Nestroy paßt, noch zum zeit gemäß gewordenen. Aber Nestroy ist ja nicht um zubringen. Ra. Deutsche Musik-Akademie, Donnerstag, den 26, um 20 Uhr im Lyzeumsaal Interner Abend. Werke von Beethoven, Haydn, Mozart, Chopin, Lortzing und Liszt. Wochenspielplan de» Reuen Deutschen Theater». Dienstag 4b8:Gespenster, Gastspiel Tilla Du- rieux— Ernst Deutsch mit Ensemble, A 2,— Mittwoch halb 8: Axel an der Himmelrtür, B l.— Donnerstag halb 8: Hofloge, CI.— Freitag halb 8:JakobSfahrt, D.— Sams tag, halb 8: S t i m in e n i n u n d u m u n». Abonnement aufgehoben,— Uraufführung.— Sonntag 2: SchnetderimSchloß, 7: F au st 1. un d 2. T e i l, A 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Dienstag 8 Uhr: Hofloge.— Mittwoch 8 Uhr: Der Illusionist, Bankbeamte 2 und freier Verkauf.— Donnerstag 8: Menschen aufder Eisscholle, volkstümliche Vorstel lung.— Freitag8: Der Illusionist,Thea tergemeinde de» Kulturverbande» und freier Ver kauf.— Samstag 8: Unentschuldigte Stunde, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag 8 Uhr: Gefallen e E« g e k, halb 8 Uhr: Der Jllu sf p nist, D~ 3 Admira gegen Fav. AC 6:0. Vienna gegen FC Wien 1:1(1:0), Rapid gegen Postsport 2:2(1:2), Walker gegen Floridsdorfer AC 4:8, Hakoah und Sportklub 0:1. Der Querfeldeinlauf der Prager Skisparte de» tschechischen Arbeitertouristen-Berbande» gelangte hei Michenice bei einer Teilnahme von über 50 Sportlern und Sportlerinnen zur Austragung. In der Kategorie der Frauen siegte über die 8000 Meter lange Strecke Kohoutovä in 14:84 Min. und bei den Männern(6000 Meter) Trnka in 25:05 Min. Jesse Owen», der mirgezeichnete amerikanische Neger-Läufer, hat laut einer New Locker Meldung seinen Uebertritt in» Profilager dadurch vollzogen, daß er einen Filmvertrag unterzeichnet hat, welcher ihm eine Gage von 50.000 Dollar zusagt. Der Deutsche EiShockey-Berband hielt in Trop- pau seinen Verbandrtag ab. U. a. befaßte man sich mit der neu errichteten Staatrliga und sttllte den Antrag, drei deutsche Vereine einzureihen. Weiter wurde auch die Frage der Kanadier behandelt und der Antrag der tschechoslowakischen Eishockey-Liga übermittelt; bei Spielen um die Staatsmeisterschaft deren Teilnahme nicht zu erlauben. EiShockeysplele. Budapest: BKE gegen Wiener EV 1:0 und 1:6.— Bern: VerbandSieam gegen Schlittschuhklub 7:1.— Zürich: VerbäNdS- ieant gegen Stadtteam 5:1.— Basel: EHE gegen Klagenfurter AC 4:2,