Nr. 278 Sonntag, 29. November 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Hellei (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG trag XII., fochova«. TELEFON 53077 HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ KARL KERN, FRAG. Erfolgreicher Vorstoß gegen Talavera Regierungstruppen erbeuten viel Kriegsmaterial Valencia.(Fabm) An der Front am Tajo-Flusse, wo In der letzte» Zelt völlige Nutze herrschte, setzt wiederum gesteigerte Kam Pftätigkeit ein. Am Freitag wurde Lei Talavera ein plötzlicher Angriff gegan den Feind unternommen, wobei dicAuf ständischen au sö Haupt geschlagen wurden. Durch daS Artilleriebombardement wurde der Flugplatz in Talavera in Mitleidenschaft gezogen, wo»in dreimotorigeS JunkerSflugzeug und ein Jagdflugzeug vernichtet wurden. Auch die Militär-Brücke über den Tajo wurde vernichtet. Die republikanische Infanterie tzat den Vormarsch begonnen, der Feind sprengte auf der Flucht die zweite Brücke. Der Feind versuchte seine Stellungen am anderen Ufer zu befestige», er wi»rde jedoch durch daS wirksame Feuer der NcglrrnngSkräftc daran gebindert. Die Aufständischen tzaten auf dem Rückzüge viel Kriegsmaterial und Bieh im Stich gelassen. SämStag frütz um 10.30 Ntzr standen di« NegierungSabtelliingen anderttzalt Kilometer vor der Stadt Talavera, die zur Hälfte in Fla mmen steht. Zu Mittag erschienen zwölf dreimotorige Flugzeuge der Aufständischen, die von 20 Jagdflugzeugen eskortiert wurden, und begannen die Stellungen der Negierungskräfte mit Bomben zu belegen, doch verursachte dieser Fliegerangriff keine ernsteren Schäden. Die Luftstreitkräfte der Negierung arbeiten in wirksamer Weise mit der Infanterie zusammen. Blum, verkündet:. • Frankreich ist stark Paris. Freitag abends veranstaltete die Volksfront innerhalb-der Pariser Bannmeile eine grosse Manifestation, bei der u. a. auch Ministerpräsident Blum eine grosse Rede hielt. Er beschäftigte sich zunächst mit'innerpolitischen Fragen, ging dann aber auch auf die Aussenpolitik ein, wobei er hervorhob, dass Frankreich seine Freundschaften und Bündnisse gefestigt habe und dass es ihm gelungen sei, in Europa alle friedliebenden Faktoren einander zu nähern und zusammenzuschliessen. Blum fuhr dann fort: DaS heutig« Frankreich bleibt, unter welcher politischen Führung immor eS steht, stark. Frankreich hat— die Sowjetrogierung nicht inbegriffen— noch heut« die stärkste militärische M ach t auf dein europäischen Kontinent., Frankreich ist militärisch, politisch und diplomatisch stark. Frankreich würde wieder ganz geeinigt dastehen, wenn es notwendig wäre, nicht bloss zur Wahrung der Integrität seines GehieteS, soustsrn auch zur Verteidigung seiner"Freiheit und moralischen Nnabhän- gigkeit. Der Minister für Nationalverteidigung, Daladier, begründete. im Finanzausschuss der .Kammer bei den Verhandlungen über das Budget des Nationalverteidigungsministeriums die Not« ..weudigkeit erhöhter Ausgaben. Nach einem Ver- , gleich der Heere-stätken'.der'.' einzelnen Staate» ■* erklärte Minister Daladier, Frankreich habe inr ' Vertrauen auf seine starke Armee und auf seine Freunde keine, gegen sich gerichtete Koalition zu fürchten. Rußland verstärkt Kastenverteidigung ■ Moskau. Der Chef,'der- Seestreitkräfte der Sowjetunion Orlow verwies in der Debatte auf. dem Kongress der Sowjetunion auf das fieberhafte Rüsten zur See, das insbesondere Deutschland, Japan und Italien betreiben. Angesichts dieser Tatsachen musste die Sowjetunion in .dem letzten Jahren für eine wirksame Verteidigung. der Küsten Sorgen tragen. „Wenn wir den SchiffSbestand der sowjetrussischem Kriegsflotte zum 1. Jänner 1833 mit 100^ Prozent ansetzen, so ist der Bestand an U» Boote» Ende 11)86 um 716 Prozent gewachsen. Die Zahl der anderen kleinen Kompfschisfe, welche gemeinsam mit den U-Boote» die Ausgabe 1 der Verteidigung der Sowjetküsten erfüllen, ist in der gleichen Zeitspanne>rm 300 Prozent gewachsen,., die Zahl der weittragende« Geschütze der schweren Artillerie für die Küstenverteidigung um 73 Prozent. Der Luftschutz der Flottenbas«» verstärkte sich nach der Zahl der Geschütze auf. daS Doppelte. DaS ststarineflugwesen ist gegenüber dem Stand vom Jahre 1033 um DIO. Prozent gestiegen.. Fernost-Armee unbezwinglich* Moskau.(Tass.) Am zweiten. Tage des Räteköstgreffes wurde die Debatte zu. dem Bericht« Stalin» ichgeführt. Unter begeisterter Zustimmung erklärten die Repräsentanten, der Rot«' arme« im Fernen lösten, darunter'. Marschall B l Ü ch.e.r, der fernöstliche Gäu sei heute stark und unbezwinglich, wie nie:zuvor.- Falls. ein Ugberfall, auf'die Sowjetunion erfolgen sollte,! -würden.die Werktätigen,des Fpynen, Osten» der. .fernöstlichen Rotarnieeidabei'.helfen,' dem Feind Men b'erwichtöndeN Schlag zu versetzen.' i Lohnerhöhungen. t In der französischen Textilindustrie HoubM söte Pertreter der Bereinigung de^ Textilindustrie in Roubaix und.'D»Meqbig. und die Bertreter der Arbeiter-Tewerlschnstsorgu- ytsationen haben beschlossen, mit Rücksicht' auf da», erhöhte Lebensniveau äst.kommend«^!Woche'M ^«öüne DtzkM^WtoWk zu- erhöhen,.Di«'' Löhike! : wurden bereits, am 9.' Jünj.l. I,. uin 10 Prozent, Mght. Umgruppierung ssrancos vor Nadrid? Üavas meldet au» Madrids Heute kau» nach 22tägiger Belagerung Madrids gesagt werden, das, sich die Taktik, welch« die. Aufständischen angewandt hatten, um die Ber. teidigimg der llicgiieruaigstruppen zu überwinden, nicht bewährt hat. Die Aufständischen gehen bekanntlich in einer Skeilformation vor, um so nm jeden ProiS die Front der Miliz zu durchbrechen: hiebei kümmern sie sich ater nicht um den Schutz des RvckteilS der Truppe. Al l« Offen- sivvcrfuche habe» bisher versagt, da die ÄcgierungStruppen nmimchr organisiert wurden und auch Hinreichmd« Mengen und Vorräte an Kriegsmaterial besiben. Die ungenügmde Rückendeckung der Auf- ständischm ermöglichte«S.den Abteilungen der Madrider Truppen, ein« überaus angriffsfähige, den Aufständischen aber sehr, gefährliche Aktion gegen'Talavera de la Reina zu eröffnen. Mehrere Abteilungen der Miliz gelangten so a«S Aranjuez bis nach Talavera, trotzdem sie durch die.aufständischen Flieger intensiv bombardiert würden. ES ist nicht ausgeschlossen, daß zwecks Aenderüng der OpevationSmethode auch die Ausständischen ihren Angriffsplan ändern und ihre Kampfkräfte aufteilen wrrden. Den Bewegungen zufolge, die, man insbesondere in der Universitätsstadt beobachten kann, kann geschlossen werde», daß die. Aufständischen nunmehr die Absicht habe», die Legionäre und die'marokkanischen Truppen an a»dere Frontt.ei l r zu bringen. Seit Beginn der Bombardierung Madrids wurden bisher 2600 Tote und 3000 Verwundete gezählt. W a.f hin g t p n.(Tsch. P.-B.) An hir- isigeü,amtlichen Stellen wird erklärt,'daß daS italienisch-japanische Abkommen betreffend dir Anvskeimnn» MundschnkuoS und Abessiniens k r i. ne Sw eg S er w ü n sch t sek da«S zwei Länder ehnänder annähert, die«ine imperialistische Pofitik betreiben. Die vereiwigte» Staate» können»i ch t g l e i ch g ü l t i g bleiben, da ätzn- .liche Ereignisse den Grundsätze»' ihrer' Politik widerspreche». ,Dwse ihre Ansicht spreche» sie itdoch bei dieser Gelegenheit amtlich nicht auS. Ä» Washington wird weiter» erklärt, daß dieses«tue'Abkommen in keiner Welfe z.w e ck m ä ß i g sei, da zwischen beiden Länder».und. auch mit Deütschlemd. wirtschaftliche Schwierigkeiten bestünden. Allerdings sei so eine heikle Situation entstWden,' da man befürchtet, barßifich tz-krLA»ddie sich d o« d em Um Icelnen Schritt vorgerückt Valencia.(Fatra.) Einem Bericht de» Madrider Berteidigungsausschusses zufolge »rigtlwr Feind Anzeichen de» Rastel ass en» d e r K r ä f t e. Dir.Marokkaner habt», große Verluste erlitten und können nicht mehr alS Kampfformationen eingreifen. Dir Aufständischen ergänzen ihre Reihen durch Phalangisten, durch die die Marokkaner größtenteils ersetzt werden. Diese saschistischen Milizabteilnngrn sind, wie die letzten Kämpf« beweisen, nicht imstande, den Angriffen der Regier» ngSmilikcn und der internationalen Brigade standzuhalten. Im Verlaufe von vier Tagen haben die republikanischen Abteilungen zwölf feindliche Tank- vernichtet, die von den Aufständischen bei den Operationen an der Madrider Front verwendet werden. An der Madrider Front verlief die Nacht auf SamStag ruhig und gefechtloS. DaS r e g- n e r i s ch e Wetter dauert an. Die Aufständischen griffen in einem Abschnstte die Monrloa- Höhe an, scheiterten aber an dem Widerstand der Republikaner. Die Aufständischen sind um keinen Schrittvorgerückt. Sowjetschirf angehalten Moskau.(Taß.) Amtlichen Meldungen zufolge haben die spanischen Aufständischen am 2b. November in der Straße von Gibraltar daS Sowjetschiff„T s ch u b a r" durchsucht. Am 27. November hielten sie diese» Schiff im Mittelmerr nochmal» an und zwangen es, unter der E»korte zweier Aufständischenschiffe in die Palmabucht der Msel Majorka einznlaufen. Der Dampfer»Tschu- bär" war.au» Rotterdam nach Livorno mit einer Fracht von 4300 Tonnen deutscher Kohle unterwegs, di« f ü r I t a l i c n bestimmt war. fühlen werden, zum Worte melden werd« n. Dn Washington faßt; man das italienisch- japanische Abkommen al» eine neue Aufforderung zur Teilnahme am der internationale« Zusammenarbeit auf,, wie dies« auf der Konferenz, in Buenos AireS zum AuSdruck käM: i Gegenseitige Anerkennung des Raubes■ Rom. Die ttalienisch-japanischenVerhänd- lungcn haben, wie wow maMobender italienischer Seite verlaütxt, als erstes Ergebnis zu der'Anerkennung des italienischen JigpetiumSk.' ist Ostafrika durch Japan und zur Anerkennung des Handschukuo-Staates durch Italien geführt,.. Rrio-mongolischer Bund Der japanisch-deutsche Vertrag, der Mittwoch, den 25. November, unterfertigt wurde, hat neuerlich die Aufmerksamkeit aus den Brandherd! m Ost en gerichtet. Seit Beginn der neunziger Jahre zeigt da» Jnselretch im Fernen Osten einen AuSdchnungS- drang, der schon cinigemale zu blutigen AuSein- andersetznngen mit seinen Nachbarn geführt hat. Im Krieg gegen China(1884/35) hat Japan sich die Stellung als führende asiatische Macht erkämpft, nach dem siegreichen Wasfengang mit Russland hat cS 1805 durch die Besitzergreifung Koreas auf das asiatische Festland hinübergc- grisfen, den Weltkrieg hat es dazu benützt, um sich die deutsche Kolonie Kiautschau anzucigncn und eS wird.wohl den neuen Froundschastsvertraq mit Deutschland nicht als Gelegenheit b-nützcn, um die Forderung des Dritten Reiches ua>. Rückgabe von dessen Kolonien zu verwirklichen. Die Zeit der Krise in Europa und Amerika hat Japan dazu benützt, um seine Verpflichtungen ans den» Neunmächtcvertrag abzuschütteln. Gelegentlich der Washingtoner Konferenz(November 1021 bis Feber 1822) hat sich Japan auf die Politik der offenen Tür, d. h. des freien Handels aller Nationen sestgelegt und die Souveränität Chinas anerkannt. Das hat aber das Reich der ausgehenden Sonne nicht abgehalten, 1031 in die Mandschurei einzumarschieren, diese Provinz der chinesischen Republik loszureissen und den Staat Mandschukuo aufzurichtcn, dessen Kaiser' ein« Puppe in der Hand de» Mikado ist."-Dass aber. Japans Absichten noch weitergehen, zeigte sich, als die Japaner das Jahr darauf die chinesische Provinz Jehol bekannten, von der es nicht mehr weit nach Peking, der alten chinesischen Kaiserstadt, ist. Allerdings sind die Schwierigkeiten, die sich..dem weiteren Vordringen der Japaner entgegenstell» ten, seither grösser geworden. Das Ultimatum, welche» japanische Generäle Im Juli 1835 an die Mongolei' stellten, war ein'Schlag ins Wasser, die herrschenden Mächte der Mongolei sind vor den Drohungen nicht zurückgewichen, weil hinter ihnen die Rote Armee der Sowjet-Union steht und weil der Einmarsch der Japaner in die nördlich der Wüste Gobi gelegenen Teile der Mongolei den Krieg mit den Sowjets bedeutet hätte. Ausserdem ist seit dem November 1885 dank der Uebernahme* der Ministerpräsidentschast durch Tschangkaischek die Widerstandskraft China» gewachsen, während der Militärputsch vom Feber 1830 gewisse innere Schwächen Japans.aufgedeckt hat. Japans Ausdehnungsdrang tritt so in Widerspruch mit den sozialen Spannungen im Innern und den Interessen der übrigen Mächte im Fernen Osten. Im Lande selbst hat da» wahnsinnige Tempo der Aufrüstung— ungefähr die Hälfte der Staatseinnahmen werden für Armee und Flotte verwendet— zu einem Steuerdruck geführt,'der in den Bauernmassen revolutionäre Stimmungen■ aufkommen lässt. Aussenpolitisch aber haben sich die Beziehungen zur Sowjetunion, zu England und zu den Vereinigten Staaten verschlechtert; zu Sowjetrussland, weil es der japanischen. Expansion in der Mongolei entgegentritt, zu England, das gewichtige Handelstnteressen in Mittelchina hat und dein die Bedrohung von. Niederländisch-Jndien ebensowenig gleichgültig ist wie die Gefährdung seine» eigenen indischen Reiche» und schliesslich zu den Bereinigten Staaten, zu deren-unbestrittenem Einfluhgebiet die Philippinen gehören, die geographisch geradezu «Ine Fortsetzung der' 1080 Inseln sind, welche das Kaiserreich Japan bilden.' Gerade weil sich Japan gegenüber.den genannten drei grossen Reichen schwach fühlt, sucht es Hilfe in Europa und glaubt sie bei Hitler zu'finden.! Vielmehr: die Japaner glauben auch, das nicht.-aber der.japanisch-deutsche Vertrag soll eine Drohung gegen England und die Sowjetunion, sein: Aber weder die Engländer noch die Russen werden ob' des ariomongölischen Vertrages erschrecken^ Wenn Deutschland der Sowjetunion den Krieg erklärte,.täten die Japaner mit— auch ohne Verttag> Da» wissen' die'Rüssen..und sie 'sind'eben deswegen'. 1884 nach Genf; gegangen, -weilMei mit- der Möglichkeit/ eines- Zweifrontenkrieges, rechnen'.und- sie haben sich gegen einen eventuellen'Angriff Deutschlands vor allem durch Ihren Vertrag Mit Frankreich zu sichern- gesucht. Schon-daraus-ersieht man,,welch stark e R ü ck- Amerika scharf ablehnend■:, Imperialist Ischen BlockSedroht Seite 2 Sonntag, 2V. November 1636 Nr. L78 Wirkung die Ereignisse in Ost» aste» auf die.große europäische Politik haben. Und dies« Wirkung, wird nun noch dadurch erhöht,'daß England eben mit Rücksicht auf seine Interessen- in Ostasien keiner antisowjctistischcnKoalition beitreten wird, denn im Fernen Osten ist es. nicht die Sowjetunion, sondern Japan, dar eine Bedrohung del englischen Weltreiches darstellt. Das Zusammengehen zwischen Deutschland und Japan scheidet also noch mehr als bisher Englands Mitwirkung beim Kreuzzug Hitlers gegen den, Bolschewismus aus, verschlechtert da» Verhältnis Großbritanniens zu Deutschland, isoliert da» Dritte Reich noch mehr als- bisher, zumal Italien schon abgewinkt hat. Geiviß ist, daß Großbritannien mit Rücksicht auf seinen Gegensatz zu Italien im Mittelmecr und in Ostafrika nicht in offenen Gegensatz zu Deutschland treten"wird— aber der Traum Hitler», mit England gegen den französischen Erbfeind auf» zutrcten, ist auSgeträumt. Die Goebbelssche Propaganda, die im deutschen Kleinbürgertum so große Erfolge erzielt hat, ist auf das Ausland ohne Wirkung geblieben und selbst die konservativsten Engländer glauben nicht, daß, cs sich Hitler und dem Mikado nur' um die Bekämpfung der Dritten Internationale handelt. In England weiß man vielmehr, den Deutschen handle ei sich um den Ritt gen Osten und den Japanern um China. Der Imperialismus Italiens, Deutschland» und Japan», der drei großen Friedensstörer, hämmert den griedcnsblock fester zusammen und festigt die Interessengemeinschaft jener, welche die Welt vor einer Wiederholung de» Weltkriege» bewahren wollen. Die Staatsmänner der beiden große» Ivcstlichen Demokratien dürfen nur nicht,zurirckweichcn vor den Drohungen Hitlers und den großen Worten Mussolini». Dann wird es gelingen, den Frieden Europa» und die Kultur de» Mcndlgnde» zu retten vor den braunen Ariern, den gelben Japanern und den dunkelhäutigen. Marokkanern, welche die nationale Idee mißbrauchen,, um Friede und Freiheit, Zivilisation und Menschlichkeit in einem Meere von Blut zu ertränken und in den Schwaden der Giftgase au»« zuroiten. stellung der jungen Menschen in de» Betrieb selbst, wobei der Staat, ähnlich wie da» durch die produktive Arbeitslosenunterstützung bei-nicht qualifizierter Arbeit geschieht, hier zur Erziehung guter Arbeiter etwa» tun müßte. An andern Stellen müssen Hindernisse beseitigt werden, wo sonst der gute Wille zur Einstellung von jungen Kräften besteht. So dürfte die Zahl jener Meister nicht klein sein, die nur deshalb nicht Lehrlinge aufnehmen, weil ihnen die Steuerbehörden dann höhere Steuern vorschreiben würden— durchaus nicht entsprechend der wirtschaftlichen Situation dieser Lehrhecren. Ueüerall, wo sonst keine andere Möglichkeit besteht, müßten die perschiedcnen Fach» und Fortbildungsschulen für Lehrkurs« für die arbeitslose Jugend herangezoaen werden. Der Aufwand, welchen der Staeck hiefür aufzubringen hätte, würde sich reich bezahlt machen. . Die Zeit ist mehr als reif für«inen Fortschritt auf diesem Gebiet. Wir können mit Befriedigung feststellen, daß jene Stellen, welche sich bisher mir diesen Fragen befaßt haben, Verständnis für die Notwendigkeit eine» raschen Eingreifens haben. Wir hoffen, daß diese Er'-inini» überall durchdringt und daß die Zukunft unzähliger junger Menschen, welche auch die Zukunft unserer Gesellschaft sind, Heller wird. Erhöhte Absatzmöglichkeiten für unsere Waren in Jugoslawien Belgrad. Samstag um 11 Uhr unterzeichneten der Ministcrpräsiident und Außenminister Dr. Stojadinovii und der tschechoslowakische Gesandt: Dr. Ä i r s a da» Zusatzabkommen zuin tschechoslotvakisch-jugoftatvischen Handel«- und SchisfahrtSvertrage vom Dezember 1928, da» bei den letzten-Verhandlungen der Delegationen der beiden Staaten am 10. November d. I. in Belgrad abgeschlossen und paraphiert worden war. Da» Abkommen, das am 1. Dezember in Kraft tritt, bedeutet«ine Erweiterung der Absatzmöglichkeiten bei bestimmten Arten tschechoslowakischer Waren In Jugoslawien. E» handelt sich insbesondere um Zollerleickterun- gen, die Jugoslawien für Vier, Seidenstrümpfe, einige Hutsorten, Eisen, landwirtschaftlich« Maschinen u. 8. gewährt bat. Ad Montag Budgetdebatte Abstimmung Samstag Prag. Samstag vormittags erledigte da» Abgeordnetenhaus in einer kurzen Sitzung zunächst die restliche Tagesordnung, um für die nächste Woche, in der Montag nachmittag» die Budgetdebatte beginnt,'-reinen Tisch/zu'-haben.- Di« Budgetdebatte wird nach den Beschlüssen de» Präsidium» die ganze Woche in ganztägigen Sitzungen, fortgeführt werden und soll Freitag abend» abgeschlossen sein. Für Samstag vormittag» ist noch da» Schlußwort de» Referenten so, wie die Abstimmung vorgesehen. Noch am Samstag nachmittag» soll der Senat zusammentreten, damit da» Budget auch dort aufgelegt und dem Budgetausschuß zugewiesen werden kann, der seine Arbeiten zu Beginn der darauffolgenden Woche aufnehmen soll. Bon unserer Fraktion wird in der Generaldebatte Genosse Kögl.«r, in der Spezialdebatte zu sozialpolitischen Fragen Genosse Macoun und zu den Kapiteln Schule.sowie Finanzen Genosse Kre.j Li sprechen,.. Die ohne Debatte vM Plenum erlcdlqte Taae»- ordnung bestand au» den Vorlagen über die Pupillarsicherheit der Brünner Stadtanleihe von ISS», und über den Abverlauf staatlicher Grundstücke in Brünn sowie au» einem Ziisahprotokoll zum Handelrvertrag mit Rumänien und dem neuen Handelsvertrag- mir Uruguay,'- In dem gedruckt vorliegenden Bericht de» BüdgctauSschusse» über das Budget werden die vorgeiwmmenen Lenderungen im Finanzgesetz damit erklärt, daß der Späraüsschuß heuer nicht die Möglichkeit hatte, an den Vorarbeiten-vor Drucklegung.de» Budget» telhunehmen. Der Ausschuß habe sich deshalb auf den Standpunkt gestellt, daß da» Parlament Nicht auf sein Recht verzichten könne, im Budget Aenderungen vorzunehmen, und habe solche Lenderungen tatsächlich. durchgesührt, z-• i,....—■■■ Korruption Im Handelsministerium ■ Unter diesem Titel veröffentlichen die»Lidovc Noviny" eine Notiz, in der dem Befremden darüber Ausdruck gegeben wird, daß das Handelsministerium keine Nachricht darüber ausgegeben hat, was.mit dem Beamten geschehen ist von.dem da» Untersuchungsorgan de» Ministerium» festgestellt hat, er habe sich unerlaubte Einnahmen von einer Institution verschafft,-der er StaatSsubven- tionen bewilligt hat. E» wird-weiter» wenigstens mit. Befriedigung festgestellt, daß dieser Beamte nicht zu internationalen Unterhandlungen delegiert worden ist, denen er hätte Vorsitzen sollen. Der Beamte selbst versucht feinen Fall damit zu erklären, daß ihm einer von den früheren Ministern die Erlaubnis gegeben habe, von der betreffenden Institution, die von Subventionen abhängig sei,«in regelrechtes Einkommen zu beziehen. Dazu bemerkten die„Lidove Noviny", daß-in dem RevisionSbericht von besonderen Einnahmen, diese» Beamten erzählt wird, die insofern mit der Subvention eng zusammenhängen, als sich dies« Einnahmen verringern, wenn die Subvention herabgesetzt werden sollte. Gäste aus der Tschechoslowakei beim Reich», bauovntag in GoSlar. An dem gegenwärtig stattfindenden fünften Reichsbauerntag in Goslar nehmen Vertreter bäuerlicher Organisationen au« zwölf fremden Staaten teil, darunter auch deutsche wie tschechische Gäste aus der Tschechoslowakei. Für die tschechische Agrarpartei weilen Präsident Klindera, Dr, Feierabend und Minister a. D. M>!llk, der Generalsekretär des internationalen AgrärbüroS in Goslar, auf deutscher Seite ergingen Einladungen an den Obmann de» BdL Gustav Hacker, an den Hauptschriftleiter der DtutschtnDaimwöst,^Brünck'BöMÜ'loiLle an die VdP-Bäuernführir' JLg. Künzel-' Brülm, lind Jng. Stiebitz, Leitmeritz. Eine drelhiggliederige Delegation der Na. tionalversammlnng mit dem Präsidenten de» Abgeordnetenhauses Malypetp und dem Präsidenten des Senates Dr. Soukup an der Svibe, ist Sams- taa um 21 Uhr 04 MIn. vom Wilsonbalmbof nach Bukarest abgereift, um an der Feier de» Jahrestage» de» Anschlüsse» der neuen Provinzen au das Mutterland teilzunehmen. Bela Khun war nicht in Pragi Gegenüber den Meldungen, daß Bela Khun in. Prag weilte unb daß er Gast der Sowjet-Gesandlschast war, teilt die Gesandtschaft mit, daß Bela Khun n i ch t in Prag war und auch.nicht bei ihr zu Gast weilts. Denkt auch ans Morgen I Schützt und schult den Arbeitemachwuchs I Da» heurige Jahr brachte der Tschechossowa« lei die erste fühlbare Besserung seit dem Zusam- nicnbrnch der Weltwirtschaft, Aus der Hoffnungslosigkeit, den» Schlimmsten, sind wir her« ausgekommen, wir dürfen wieder zuversichtlicher sein, aber wir sind noch lange nicht über den Berg. Wir haben große Industrien, die den Anschluß an die AuswärtSbelvegung noch nicht gefunden haben, wir haben Gebiet«, die nach wie vor unter der unverminderten Arbeitslosigkeit ächzen und wir haben schließlich innerhalb der Arbeitslosenmasse ganz« Kategorien, deren Eingliederung in den Arbeitsprozeß auf besondere Schwierigkeiten stößt. Auch bei fortschreitender Konjunkturentwicklung muß mit dem Fortbestand einer beträchtlichen Arbeitrlosigleit gerechnet werden. E» sind neben den ungelernten Hilsslrästen, deren ArbeitSmög- lichkeiten von dem Umfang der gesamten Arbeit»- gelegenhecken abhängt, die älteren und die jüngsten Jahrgänge der Arbeit»losen, welchen am stärksten die Gefahr droht, in den Hintergrund gedrängt zu werden. Für jede dieser Gruppen muh eine andere Lösung gesucht und gefunden werden. Die Behandlung der arbeitslose» Jugend war bi« heute«in dunkle» Kapitel unserer Fiirsorge- und Arbeitsmarktpolitik. Die immer wieder unternommenen Versuche, ihr« Einreihung tn die ordentliche Unterstützungraktion durchzusehen, scheiterten. Gegen dieselben Widerstände mußten auch die andern Einrichtungen de» Fürsorgemtnl« steriumS ankämpfen: Der Gedanke) in den' Heimstätten Fürsorge und Arbeittschulung zu verbinden— der vorbildliche Plan de» Fürsorgeminister» Genossen C z e ch— blieb dabei auf der Strecke. Der Umfang der Heimstättenaktion wurd- auk Kosten ihrer Intensität erreicht. Für eine Schulung, welche dem jungen Menschen nach verlorenen Arbeitslosensahren den Weg in» Leben wenn nicht überhaupt erst ermöglichen, so wenigsten» erleichtern soll, ist nicht gesorgt. Und schließlich verschloß sich ihm auch der Weg zu den öffentlichen Arbeiten. da der arbeitslose, keine Unterstützung beziehende Jugendliche immer erst al» Letzter an di- Reih« kam. Wir kennen die Schwierigkeiten, welche di« Leiter der Sozialfürsorge zu betvältigen haben I und werten darum doppelt, daß Vieles und Wertvolles erreicht wurde. Aber ha» Problem der arbeitslosen Jugend, die Erhaltung ihrer Existenz und die Schulung für einen ordentlichen Beruf, blieb bn Teillösungen stecken. Das grundlegende Erfordernis ist die Einbeziehung aller arveitslojen Jugendlichen tn distaatliche Ernährungsaktion, da» heißt die Beseitigung der Bedingung, baß sie«in« dreimonatige versicherungspflichtige Beschäftigung nachweisen müssen. Doch die Erfahrungen haben gezeigt, dass diel nurderer st«Schritt sein kann. Die von der Wirtfchaftsbelebung schon erfaßten Industrien klagen über den Mangel un qualifizierten Kräften und vor allem an geschultem Nachwuchs. Während nach dem letzten Spezialausweis lvoi» August) in der metallverarbeitenden und der Maschinenindustrie ein Halde» Hunderttausend Arbeitsloser gezählt wurden, rufen diese Industrien seit Monaten.— und ost lange vergeblich— nach geschulten Arbeitern. Am der andern Seite wächst die Zahl der jungen Bur scheu und Mädchen, die sich ohne Erfolg bei de>. BermittlungSanstalten um Lehrstellen bewerben Klarer kann sich nicht mehr äußern, daß hier manches gutznmachen ist. Soll nicht die Existenz tausender Jugendlicher von Anfang an verdorben uno soll nicht die Leistungsfähigkeit und damit d» Existenz unserer industriellen und. gewerblicher. Produktion auf da» schwerste gefährdet werden muß man-sofort, planmäßig und wirksapt ein. greifen. Das Memorandum, welche die deulsche.sozläl» demokratische Partei, di« Gewerkschaften, Genossenschaften und der Sozialistische Jugendverband dem Ministerpräsidenten Dr. HodZa vorgclegt haben, verlangt erhöht« Vorsorge fstr die Jugend, vor allem durch verbesserte Berufsausbildung, Einschulung erwerbsloser Jugendlicher in industriellen und gewerblichen Betrieben und außerordentliche finanzielle Beihilfen des Staates zu diesem Zweck«... Mittel und Wege zu diesem Ziel werden und müssen nicht überall gleich sein. Der wirksamste und für die Jugend, nicht weniger aber für Industrie und Gewerbe werwolljt« Weg ist di« Ein- j Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Frits Rosenfeld 30 Carolas Herz klopfte, im Hal» hämmerte da» Blut. Sie trank einen Schluck Wasser. Drüben sprach Bill» mit einem kleinen Mann, der die Hände in den Hosentaschen vergraben hatte, mit seinem Bäuchlein den Tischrand berührte und keinen Augenblick von seinen Katalogen aussah, während er sprach. „Was kann da» Mädel denn?" fragte er. Billy hatte keine Ahnung. Er sagte aufs Geratewohl: „Maschinschreiben, Buchhaltung, Stenographie". Wenn Carola e» nicht konnte, würde sie e» eben erlernen. „Hat Sie Matura?" Billy nickt«.„Selbstverständlich." Lede Lüge war entschuldigt, wenn sie dem Mädel weiterhalf. „Bei GrothauS in der Zinnenstraße geht morgen«ine Verkäuferin auf Urlaub, Vielleicht braucht er für drei Wochen«ine Aushilfe." „Das wäre fein", sagte Billy.„Wenn» auch nur drei Wochen sind: ES kommt darauf an, das Mädel aus seiner verzweifelten Stimmung heräuSzureißen." War Carola verzweifelt? Sie sah still vor einer Modezeitung, betrachtete die Bilder. Da» Mädel kann sich beherrschen, Donnerwetter, dachte Billy-Wenn ich da» bei der Prüfung könnte, wär« sch nicht durchgefallen. „Ich werde morgen bei GrothauS anrufen", erklärte Städtlein.„Wenn sie sich dort bewährt/ findet sich zum Herbst vielleicht ein anderer Posten. Wag sie Bücher? Bücher verkauft man nicht wie Sardinen oder Lederhosen, Bücher muh mm: lieben, sonst taugt man nicht zu diesem Beruf". «Ihr Vater hat eine große Bibliothek", log Billy. „Aha. Da hat sie wohl ab und zu die-Bücher abgestaubt?" sagte Städtlein. Billy lachte. Er wußte Carolas Familiennamen nicht. Er wußte nicht, ob ihr Vater Viehhändler, Rechtsanwalt oder Banknotrnfälscher war. Er wußte nicht, ob er überhaupt noch lebte. Aber da» war auch alle» ganz unwichtig. Er dachte an die- Stunde am Ufer, auf dem Stein, draußen, weit vor der Stadt. Sie hatte neben ihm gesessen und geschioiegen. Dann waren sie zurückgeschwommen. Nun schwamm sie wieder neben ihm. Sie war nicht ganz in Form, und er mußte achtgcben, daß ihr« Kräfte nicht versagten. „Herr Städtlein wird morgen einen Kollegen fragen", sagte er zu Carola,„der für die Ferienzeit eine Aushilfe braucht. Das Iväre ein ganz guter Anfang. Ein Zimmer werden wir für Sie finden. Heute bleiben Sie hier. Ich werde Frau Finsterbusch bitten, sie für ein« Nacht aufzunehmen. Im. Wohnzimmer drüben steht ein Sofa, ein Kissen und eine Decke treiben wir auf. Ich hab auch schon dort geschlafen, wenn ei spät wurde und keine Straßenbahn mehr fuhr/ Und morgen ziehen wir lo». Einverstanden?«' „Einverstanden, Billy", erwidert« Carolas «Und jetzt sagen St« mir endlich, wie Sie heißen". „Billy Tlzer, Klavierspieler im Cast Finsterbusch und angehender Doktor der Chemie", sagte«r. „Ich heiße Carola Löhn, Tochter de» Herrn Eduard Löhn, augenblicklich ohne Geld, Stellung und Quartier", sagt« Carola. „Und jetzt bestellen wir Ihnen etwa» zu essen".■<■■■/• Hugo leierte die kurze Speisekarte herunter. Schinkenbrot, Tacdinenbrot, Vier im Gla», Eier« speise, Frankfurter^ mck Kren öder mit Senf, j „Zwei Eier im Gla»", wählte Carola». «Und ein Gla» Milch. Und ein Butterbrot". «Und wa» wählt da» gnädige Fräulein als Tischmusik?" fragte Billy.„Mozart, Beethoven, Verdi, Schumann?" „Nicht» romantisches. Nicht» sentimentale». Einen Jazzschlager. Den neuesten, bitte".' Billy spielt«; er saß in Hemdärmeln am Klavier, feine Finger schlugen Purzelbäume auf den Tasten,, sie tollten übereinander wie ein Haufen ausgelassener Schuljungen, die sich auf dem Heimweg balgen. „Ganz netter Käfer"-sagte Burger zu Ger- leitner. „Sie sieht aus wie die Nichte des Baron Silbermann", sagte Mittelmeier. «In unserem Büro gibt cs eine, die sieht genau so auS", faßte Feiertag.„ES ist die faulste unter allen, Sie schreibt nicht einmal drei Briefe im Tag. Zum nächsten Kündigungstermin fliegt sie". „Ihr Haar ist gebleicht", sagte Isabella. „And die Augenbrauen nachgezogen".„ „In Galizien".' sagt« Finsterbusch,„gab» beim Fronttheater eine Soubrette, die sah ihr ähnlich. Sie hatte Verhältnisse mit allen Offizieren. Sie war für eine Flasche Champagner zu haben". Sie hat Augen wie meine Mutter, dachte Hugo. Ich könnt« sie lieben. Ich könnte sie au» einem brennenden Hau» holen. Ich würde für sie sterben, wenn man Tod ihr Glück brächt«. Er hat keine großen Worte gemacht,- keine Phrqsen gedroschen, er hat nachgedacht und getan, wa» ihm am zweckmäßigsten«rschiin, sagte sich Carola. Aber sie zweifelt« daran, daß alle» so glatt gehen würde, wi« Billy e» sich vorstellte. Da» war ja wie in zjnem! schlechten Film: Am ersten Bild verließ die Hftdin ihr Elternhaus, im zweiten- hatte sie einen gutbezahlteil Posten, im dritten lernte sie den/reichen Mann kennen, der sie heiratet, und dann gab si« den guten Posten wieder auf. Abwarten, dacht« sie, abwarten,'noch ist der Berg'nicht überwunden. Aber«S tat gut, zu wissen, daß sie ihn nicht allein erklettern-mußte.— Frau Finsterbusch hatte nicht» dagegen,' daß Carola eine Nacht Im Wohnzimmer auf dem Sofa schlief; aber länger al» eine Nacht wollt« sie sie nicht tm Hause behaltem man konnte mit der Polizei in Konflikt kommen, wer wußte, ob ihre Papiere in Ordnung waren und ob sie überhaupt Papiere hatte. Hugo trug den kleinen Koffer, den Mantel in da» Zimmer hinüber, Carola setzte sich zu Billy und suchte die Schlager aus, di« ec spielte. Vaal und Gerleitner spielten ihre Schachpartie, Isabella sah zu. Sie verstand diese» Spiel nicht, aber sie saß gern in der Nähe Vaal».' Dann schielte Mittelmeier immer zu ihr, er.beobachtete! genau, ob si« nahe bei'Baal saß Und ob ihr Arm seinen Ellbogen berührte. Feiertag, WZittelmetec.' Burger und Finsterbusch spielten Karten., Sobald das Klavier verstummte, Ivar e» still Im Räum', Wie in, einer Schulstube, wenn die. Jungen über die Hefte gebeugt dasihen und sich mit einer Rechenaufgabe herumschlagen, die.sie. nicht lösen können; und der Lehrer, die Hände auf dem Rük» ken, an der Seite de» Zimcker» auf« und abspap ziert,«in Gott, der alle»'weiß und dessen klugen in die tiefsten Falten der Seele blicken. In die Stille brach mit Gelächter, lauten Rufen und Gingen eine Gesellschaft von zehn öder zwölf Leuten ein. Die Männer waren halbtrunken, kniffen die Frauen,.die aüfkreischten,. und wieherten Wer die groben Scherzwort«, die siegln» ander zuwärfen. Pelikan kroch autz seinem Ser« steck hervor, Hugo stand dienstbereit da, Billy begann wieder zu spielen. Zwei' Tische. wurden nebeneinandergeschoben, Kessel! hrrbeigeschleppt, Finsterbusch entschuldigte sich bei seinem Spiel? Partner und begrüßte die neüen.Gäste, in eigner Persön. mit einer.devoten' Verbeugung...; (-Fortsetzung folgt.^ /...i Nr. 278 Sonnt»«, 20. November 1038 Seite 8 fudctendcutscfier Zeitspieget Auch Reichenbergt Industrie holt auf Besserungserscheinungen In allen Branchen - Reichenberg ist das dichiestbcsicdclte Industriegebiet NordbvhiiicnS. Es ist kein Wunder, daß hier die Bevölkerung unter der Jndustriekrise am meisten gelitten hat. Viele Textilfabriken wurden In den letzten Jahren stillgelegt, di« Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft an. Der Einbruch der Krise hat den GesundungSprozeß in der nordböhmischen Arbeiterbewegung, der im Jahre 1929 eingesetzt hatte, zum Stillstand gebracht; damals begannen die Arbeiter sich von den Kommunisten abzuwenden, die zu Anfang 1920 einen großen Streik inszeniert mid verloren hatten. Nach vielen Jahren des Bangens und Wartens bessern sich nun auch hier die Verhältnisse. Der Direktor der Bezirk-krankcnkasse gibt freudestrahlend Auskunft: der Mitgliederstand ist in den letzten Wochen um zwölf Prozent gestiegen, das Verhältnis zwischen der Zahl der erkrankten Personen und dem Mitgliedcrstand ist zum erstenmal seit vielen Jahren fast normal. Die Mitglieder- und Krankenbewcgung in den Kassen ist ein verläßliches Barometer der Wirtschaftsentwicklung. Aber auch die anderen festzustellenden Symtom« deuten auf die WirtschaftSbesserung im Reichenberger Gebiet hin, Arbeitermangel— kein ausgebildeter Nachwuchs In den letzten Tagen macht sich z. B. ein Mangel an Handdruckern bemerkbar, Tuchweber und' AuSnährrinnen sind kaum mehr zu finden. Die Industrie hat in den Krisenjahren das Anlernen junger Kräfte unterlassen, di« nun vor den Toren der Fabriken stehen, während die Unternehmungen um Ueberstunden ansuchen, um mit den vorhandenen Fachkräften die Aufträge fristgerecht auSführen zu können. Die Ueberalterung der Facharbeitcrschaft wurde auch durch die Rationalisierung und die gesteigerte Ausbeutung der Arbeiter gefördert. An den Spinnereien wurden früher Aufstecker und Andreher in ganz jungen Jahren eingestellt. AuS den Andrehern und Aufsteckern wurden Spinner. Aber di« Spinner müssen nunmehr viel mehr Spindeln und Maschinen bedienen als früher, die Zahl der freiwerdenden Spinner-Plätze hat sich also verringert. So sind die Andreher- und Aufstccker-„Buben" Leute von 20 bis 80 Jahren geworden, die wirklichen„Buben" aber, komiilen.'gar nicht in^zn Betrieb,. So zeigen auch'die Verhältnisse in der Textilindustrie die schwere Unterlassungssünde auf, die an de: lern«.und. arbeitswilligen Jugend begangen wurde. Der Mangel an jungen, volleistungsfähigen Kräften hat die Firma Liebig vor kurzem veranlaßt, die alten Arbeiter aufzufordern, ihren Sühnen und Enkeln Platz zu machen. Der betreffende Anschlag in der Fabrik datiert vom 80.. September. Arbeitsvermittlung ausgeschaltet Ein besonderes Kapitel Ist die A r b e i t s- Vermittlung. Die Kreisleitung der Industriellen hat vor kurzem ein Rundschreiben hln- auSgegeben, in dem mitgeteilt wird, das neue Gesetz über die Arbeitsvermittlung.zwinge niemanden, die von der Arbeitsvermittlung genannten Leute auch, wirklich einzustellen. Die Unternehmer hätten bei der Einstellung der Arbeiter vollkommene Autonomie, die Arbeitsvermittlung sei n»r eine Hilfseinrichtung. Tatsächlich toben sich die zum großen Teile der SdP angehörenden I Angestellten bei den Einstellungen parteipolitisch ans, soweit nicht die Unternehmer selbst tn gleicher Weise am Werke sind. ES werden die Leute beschäftigt, die den maßgebenden Angestellten zu Gesichte stehen, die ArbeitSvermittlungSanstalt muß sich darauf beschränken» nachher die Karte auszustcllen. Die Firma Müller und Seid« in NiemcS läßt ihre Arbeiter durch die SdP vermitteln, die Firma Müller in Ebersdorf hat kurz vor dem Inkrafttreten der Gesetzes über die Arbeitsvermittlung 15 SdP-Leute eingestellt. Industrie-Entwicklung und Politik Die nordbühmische Textilindustrie ist leistungsfähig. In einem sehr interessanten Artikel in der Zeitschrift„Wolle und Leinen" vom 18. August 1088 kommt ein österreichischer Fachmann zu dem Schluß, daß die tschechoslowakische Textilindustrie der österreichischen technisch weit überlege» ist. Auch dies widerlegt die Behauptung, daß der Textilindustrie nicht zu Helsen sei. ES kommt darauf an, de» Arbeitcrnachwuchs zu schulen und die Qualität der Produktion zu sichern. Auch in der Textilindustrie gilt es die reichsdeutsche und die italienische Schmuhkonkur- renz zu bekämpfen. Wir haben besonders in Jugoslawien manches aufzuholen, wo Herr Schacht durch Juden Kunden für die reichsdeutsche Industrie werben ließ. Es ist übrigens von hohem Interesse, daß uns der englische Markt zum großen Teile erst nach dem Sturze der englischen A rbeiterregierung genommen wurde, den auch unsere sudetcndeutschen Bolkserretter mit mächtigem Triumphgehcul begrüßt hatten. Die konservative Regierung sperrte d»s Land gegen unsere Jndpstrieerzeugnisse durch hohe»^Schutzzölle ab.^Jm Übrigenllst der Auf* schwang der Reichenberger Textilindustrie vor allem auf die Devalvation zurückzuführen, also auf eine Maßnahme der t s ch e ch o s l o w a k i- sch en Regierung. Kein einziger Reichenberger Arbeiter verdankt also der SdP die Einstellung in den Betrieb, wenn wir von der politischen Protektion bei den Arbeitereinstellungen absehen. Neuformung der Arbeiter-Gesinnung Es ist klar, daß sich di« Besserung der Wirtschaftsverhältnisse auch in dem Denken und Fühlen der Arbeiter auswirkt. Das Selbstbeivuht- sein der Arbeiterschaft ist im Steigen begriffen, immer mehr tritt die L o h n s r a g e in den Vordergrund. Die völkische Gewerkschaft hat bei den Betriebsausschußwahlen einige Erfolge zu verzeichnen gehabt, aber sie ist schlecht geführt und hat auch in den Betrieben keine Funktionäre. Die Zahl der auf die völkischen Listen abgegebenen Stimmen Ist immer weitaus höher als die Zahl der Mitglieder der völkischen Gewerkschaft. Bei allen Verhandlungen spielen deren Vertreter eine mehr als klägliche Rolle. Das gleiche gilt auch von den Kommunisten, die alle Demütigungen/ die die Unternehmer ihrer Gewerkschaft zufügen, widerspruchslos cinstecken. Der Einfluß der Union der Textilarbeiter steigt. Sie ist nach wie vor die dominierende Gewerkschaft und die einzige tatsächliche Interessenvertreterin der Arbeiterschaft. Diese Tatsache tvird sich über kurz oder lang auch in der p o l i t i s ch e n Haltung der Arbeiter zp spiegeln beginnen. Es ist zu erivarten, daß bei einem Anhalten des guten Beschäftigungsgrades die Gesundung des politischen Denkens unter der Arbeiterschaft des Reichenberger Gebietes vor allem auf dem Wege über die freien Gewerkschaften erfolgt. Die gebesserte Situation der Arbeiterschaft geht auch aus der Tatsache hervor, z. B. daß der Mauthnerbe- trieb in Grünwald, der noch inuner nicht geöffnet ist, durch den Streik seine heften Facharbeiter verloren hat, die mittlerweile in anderen Betrieben unterkamen. Arbeitskämpsc sind jetzt also auch für die Unternehmer ein Risiko. Diese Entwick- lung wird sich fortsetzen. Ole Wahrheit sagen! In einem gewissen Teile der Presse werden unsere Berichte über die Lage der sudctendeut- schen Industrie als„Schönfärberei" bezeichnet. Uns liegen jedoch Schönfärbereien vollkommen fern. Wir wollen und werden nicht übersehen, daß cs im Randgebiet noch viel Not gibt und daß noch viel zu helfen bleibt. Aber wir müssen Wege suchen und Tatsachen auszeigcn, statt uns in nutz, losem Jammern oder in S ch w a r z färbcreicn zu ergehen, die nicht weniger sinnlos sind als eS Schönfärbereien wären. Es gilt, die Einsatzpunkte fiir«in weiteres Bessern der Lage zu finden undtvir glauben, daß aus unseren Berichten In bieser Hinsicht gewisse Lehren zu ziehen sind. Unsere Darstellungen entspringen läiiglich dem heißen Bemühen, die Lage unserer sudetendeutschen Arbeiterschaft verbessern zu helfen, die in den letzten Jahren soviel erduldet hat. Daß sie neue Hoffnung schöpfen darf ist eine Tatsache, deren Verschweigen die Mutlosigkeit der Arbeiterschaft nur noch weiter förderte, statt'sie zu neuen Kämpfen anzufeuern. 1 K. K. Weitere Ergebnisse n« Betriebsrätewahlen Die Besserung Gut beschäftigt sind vorallem die Vigogne- Spinnerei' und die Streichgarnbranche. Die WeigSdorfer„Jute" hat so viel Aufträge für Säcke, daß sie um Ueberstunden für Sacknäherin- n«n angesucht hat. Solche Ueberstunden-Ansuchen liegen übrigen» aus viele;» Betrieben vor. Viel Aufträge werden an Heimarbeiter vergeben. Die Firma Ginzkey hat in den letzten. Wochen 188 Arbeiter und Arbeierinnen neu eingestellt. Die altbekannte Tuchfabrik Hübner in Reichenberg öffnet, ihren Betrieb mit 158 Leuten wieder, Heinrich Müller in Wustung hat gegen 288 Hanfspinner'neu beschäftigt. Die stillgelegt« Fabrik Brüder Siegmund in Habcndorf wird nun von einem Pächter geöffnet. Die Baumwollspinnerei Priebsch in Morchenstern hatte viele Jahre Teile ihres Betriebes stillgelegt, in der letzten Zeit würde, die Arbeit in zwei Betrieben neu aufge- nömmen, cs wurden einige Hundert Arbeiter und Arbeiterinnen neu eingestellt/DortAverden auch junge Leute in der Baumwollspinnerei angelernt. — So erfreuliche Erscheinungen sind in vielen Betrieben zu. bemerken, ..Schlimm liegen die Ding«.noch in Kra t- z a u, Li e b en a u und B ö h misch- Ai ch a. Schichtarbeit und tote Fabriken /..Die jetzt in Betrieb befindlichen Fabriken nutzen ihren Maschinenpark und ihre Arbeiter bis aufs letzte aus. Es wird in Schichten gearbeitet. Man sieht, wenn man abends durch die Gegend fährt, hellerleuchtete. Fabriken. Die Schichtarbeit strengt die-Textilarbeiter an und verschleißt die Maschlneu sehr rasch. Dabei gibt es. viel« still-, gelegte Fabriken, die den Betrieb neu aufnehmen könnten. In manchen mag der Maschinenpark veraltet sein,, aber.in Grottau steht ei». Betrieb mit. 88.088.vollkommen intakterSpindeln.für.Baum- wolle und Kunstseide,.der sofort mit der Arbeit einsetzen könnte. Äber e» fehlt das Betriebskapital. Die Üntetnchmer lvehren sich übrigens, auch gegen dieNeüerösfnung.vön FabrIIen.Aber durch diese Ncueröffnung könnte die Arbeit entsvrechend verteilt und der schädliche» Schichtarbeit" auf. den Leib gerückt.werden, auch,tvürde die Möglichkeit zum Einßellen und.Anlernen jünger Kräfte öer- mchrt. In) b«m ,landschaftlichen'schönest Tal, das sich von Ruppersdorf gegen Rudolssthal hinauf- zikht, stehen noch alle Fabriken still. AuS dem Bereiche des Komotauer Revier- bergamtes werden folgende Resultate, gemeldet: Anna-Schacht, Trupschitz: Hier wurde de» Belegschaftsstand vermindert, so daß ein Mandat weniger zu besetzen war. Es erhielten die Union der Bergarbeiter 74 Simmen, der Svaz hornikü 49 Stimmen, die Jednota 88 Stimmen und die Kommunisten 88 Simmen. Jede dieser Gruppen erhält ein Mandat. Das entfallende Mandat geht zu Lasten der Äonunun'isten, deren Stimmenzahl' von 188 auf 88 gesunken ist. Betty-Schacht, Wurznies: Fortgesetzte Entlassungen deutscher Bergarbeiter haben auch hie» die Belegschaft verkleinert. ES erhielte» die Union der Bergarbeiter 82 Stimmen und zwei- Mandate, die Jednota 12 Stimmen und kein Mandat, die tschechischen Agrarier 87 Stimmen und ein Mandat. Ell»-Tagbau; Es erhielten die Union de» Bergarbeiter 47 Stimmen und zwei Mandate, die D. A. G. 27 Stimmen.und., ein Mandat. Die Union gochinnt ein Mandat. . Elektra-Schacht: Bei der Wahl nach dem Grundsatz der absoluten Mehrheit besetzt die D. A. G. die Mandate. 'JnlinS-Schacht: Die Union der. Bergarbeiter erhielt 112.Stimmen und zwei Mandate, die Gablonzer Gewerkschaft 08 Stimmen und zwei Mandate. Das zweit« Mandat der. Gablonzer stammt von den Angestellten des Julius-Schach« t«S. Die Union gewinnt zwar 22 Stimmen,'büßt aber ein Mandat e!». Rafaeli-Grube, Komata«: Union der Bergarbeiter 48 Stimmen, und ein Mandat, D. A. G. 72 Stimmen und zwei Mandat«, Ebenfalls mii .Hilfe der Angestellten/ . Karlsschacht, Radonitz: Di« Union der Bergarbeiter beseht alle Mandate. . Rudiay-Schacht, Nendorf: Die Union der Bergarbeiter bracht« als einzige eine Liste ein. Sie erhält, alle, drei Mandate. Rodert-Schacht, Seestadtl: Die Union der Bergarbeiter erhielt.188 Stimmen und zwei Mandat«, die Thristlichsozialen"188 Stimmen 'ünd' ckenfglls zwei Mandate. Die' Gablonzer Gewerkschaft und die Kommunisten fielen mit Ihorn Kandidaturen durch. Grube Patria bei Schwaz: Das Wahlergebnis war eine große Ueberraschung für den Betriebsleiter, welcher.eine mehrmalige Zählung der Stimmen Herbeiführte, weil er nicht glauben konnte, daß die tschechischen Faschisten nur ein Mandat erhalten könnten. Die Union der Bergarbeiter erhielt ein Mandat, der Svaz zwei und die Jednota ein Mandat. Grube Alexander, Herrlich: Die Union der Bergarbeiter beseht wiederum ein Mandat. Die Kommunisten gingen von 428 Stimmen auf 178 und von vier Mandaten auf ein einziges zurück. Im Teplltzer Revier 9 Mandate gewonnen! Außerdem erhielten die tschechischen'Faschisten auf dem Albechchacht 2(früher 8) und auf Marie Antonie 1(2) Mandate. Die Jednota, hie Schacht: Union Svaz Jtom. Nazi Christi Albert 1 1(1) —. — — Adolf Ernst 1(8) 1(0) KD —(2) .— Arnold 1(1) 2(2) —. — — Britania 8<8) ■— — (1) 1 Doblhoff III 2(2) KD 1(2) (1) 1 Einheit 8(8) •— — — — Elisabeth 4(2) — —(2) — Emanuel ll 1l2) 2(1) — Gustav 8(8) — — — — Hugo 2(2) 1(1) '—• — — Josef 2(8) 1(0) — — — Kohlenwerk Turn 8(8) —■ — •— — Karl Zuckmantel 8(8) 1(1) — — •—.• Mari« Antonie 1(0) 2(1) —. Margarethe. 1(1) 2(2) .— — Milada .1(2) — KD (D 2 Max 2 1 — —' Petri. 1(1) ,— KD (1) 1 Prokop- 1 . 2 Peter und Paul 8(0) i.— — (8) Phönix 8(0) \— . Sophie 2(1) 1(0) (1) Wenzel II 2(2) 1(1) — ' Dagmar .— 8(8) — — Summe 46(87)22(14) 4(7) (10) 5 Wie groß das Interesse im Ausland« für di» Wintersport-Olympiade ist, geht daraus hervor, daß alle Tage Anmeldungen einlangcn und die verschiedensten Auskünfte und Anfragen eingeholt werden. So meldet die S ch w e i z, daß außer den Wettkämpfern eine größere Gesellschaftsreise zn der Wintersport-Olympiade organisiert lvird. Die Organisation wird von der Genossenschaft des Schweizer Ärbeitcrsporthauscs dnrchgesührt. Wir werden also nicht nur die Schweizer Wettkämpfer begrüßen, sondern darüber hinaus eine Anzahl Schweizer Genossen und Freunde. Aber auch das Mutterland des Skisports, Norwegen, entsendet eine starke Delegation. 18 aktive Wettkämpfer und zwei Reisebegleiter sind bereits gemeldet. 18 Männer, und drei Frauen werden das Land in allen Wettkampfarten vertreten. Drei Sportler und drei Sportlerinnen werden den Ab» fahrts» und Slalomlauf bestreiten, sechs Spezialund KombinatioiiSspringer werden ihre Kunst auf der ncuerbauten Schanze zeigen. Daß die Norweger ausgezeichnete Langläufer sind, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. Sie werden mit den Finnen und Schweizern die schärfsten Konkurrenten bilden. Selbstverständlich ist es, daß auch die inländischen Sport- und Touristenverbände eifrig rüsten. Daneben wird unermüdlich von den heimischen Funktionären die Ouartierbcschassung betrieben. Es ist also Hochbetrieb im Lager der Olympiade-Ausschüsse. Die Aufgabe der gesmnten Arbeiterklasse dieser Landes ist eS nun, durch einen Massenbesuch dieser Veranstaltung einen würdigen Rahmen zu geben—y bei den letzten Wahlen auf dem Sophieschacht ein Mandat erhalten hatte, ging diesmal leer aus. Zu dein Ergebnis des Teplitzer Revieramts- bezirkes, das jede,, Sozialdemokraten außergewöhnlich befriedigen muß, wäre noch zu bemerken, daß auf den Schächten„Elbe III", »Gabriel" und»Ottokar" nicht gewählt wurde. Die»Union der Bergarbeiter" hatte früher 87 Mandate und jetzt 48; verzeichnet also eine» Gewinn von 9 Mandaten. Unsere tschechische Bruderorganisation geivinnt ebenfalls 8 Mandate(von 14 auf 22). Die Kommunisten verlieren fast die Hälfte ihres Besitzstakides. Sie hatten früher 7, jetzt noch 4 Mandate. Die Hakenkreuzler besetzten bei den letzten Wahlen im Jahre 1988 auf diesen Schächten 18 Mandate. Jetzt erhielten die Ehristilichsozialen, ivelche unter der Firma„Wahlgruppe deutschvölkischer Bergarbeiter" kandidierten, fünf Mandate, wobei die erfreuliche Feststellung zu machen ist, daß die Ernüchterung bei den Bergarbeitern Einzug zu halten beginnt. Die tschechischen Faschisten verlieren- ebenfalls von fünf Mandaten zwei. Aus dem Briixec RevierbergamtSbezirk ist daS Ergebnis van 28 Schächten bekannt. Dort gewinnt die„Union" ein Mandat, obwohl der Be- legschaflsstand reduziert und die Mandatszahl verringert wurde. Wir werden zu den einzelnen Ergebnissen noch Stellung nehmen. In Kladno: Kladno. Die Betriebsratswahlen auf den Kladnoer Gruben„Max",„Mayerau",„Ren- na",„Anna Laura",„Praga" und„Scholler" zeitigten folgende Ergebnisse: Bergarbeiterverband(sozialdemokratisch) 988 Stimmen,, 7 Mandate(977 Stimmen, 6 Mandate bei den letzten Wahlen), Bergarbeitervereinigung(nario- nalsozialistisch) 418 Stimmen, 2 Mandate (826, 2), Jndustrieverband(kommunistisch) 8428 Stimmen, 34 Mandate(4910, 48.), Nationale Bereinigung 808 Stimmen, 7 Mandate(1889, 8). Verlorene deutsch« Gemeinde. Für den 8. Dezember wurden auch die Gemeindewahlen in der kleinen Sprachgrenzgeineinde Aichcn im Bezirk Mährisch-Neustadt in Rordmähren ausgeschrieben, die bisher deutsch verwaltet wurde, nun aber eine tschechische Mehrheit haben wird, die durch eine Kolonisierungsaktion im Rahmen der Bodenreform herbeigeführt wurde. Die Gemeinde hat nach'der letzten Volkszählung 186 tschechische und 120. deutsche Einwohner. Der nationale Regimewechsel vollzog sich auf vollkommen friedlich« Weise. Man einigte sich auf sieben tschechisch« und fünf deutsche Vertreter, so daß eine Wahl entfällt.(DStD.), Sette 4 Sonntag, 20. November 11)3B Nr. 278 Jflgeawuigfcdteft „Etwas sehr Eigenartiges beherrscht gegenwärtig die internationale Politik, der Triumph des Wahnsinns. Die Verrückten siegen. Kaum hat sich einer der Wahnsinnigen mit Bohaum vor dem Mund auf der internationalen Bühne gezeigt, so ist er auch schon Mittelpunkt einer großen pazifistischen Aktion:„Vermeidet alles, was den'Wahnsinnigen reizen kann, sonst wird er schweres Unheil anrichten.'' („The Railway Revue') Kritik verboten I Der neue Erlaß des deutschen ReichSpropa- gandaininisterS Dr. Goebbels über das Aufhören der Kunstkritik und ihre Ersetzung durch die„Kunstbetrachtung" bedeutet nach dessen eigene« Worten, daß er sich entschlossen hat, „vom heutigen Tage an die Kritik überhaupt zu verbieten". Damit hat Herr Goebbels wider fcine Gewohnheit den Sachverhalt vollkommen richtig auSgedriickt. Denn eS handelt sich nicht um eine Maßnahme im Interesse der Kunst, wie Goebbels die Ahnungslosen durch seine weiteren Ausführungen glauben machen wollte, sondern einfach darum, daß mit der Theater-, Filiw, Buch- und AuSstellungSkritik die letzte im Dritten Reich noch verbliebene Möglichkeit kritischer Aeußerung zunichte»gemacht wird. Wer die Presse deS Dritten Reiches verfolgt hat, kann bestätige«! daß die Kunstkritiker sich in begreiflicher Sorge um ihre gleichgeschaltete Existenz die größte Zurückhaltung austirlegt haben. Aber Meisterwerke zu eittdecken, wo eS nur noch Blubo-Kttsch,„erdnahe" Primitivitäten, der- logene Amüsiermache und tendenziöser Gestümper gab, das war auch ihnen nicht möglich, schon weil sie ja Gelegenheit hatten, die gleichgültige Haltung des kunstwilligen Publikums gegenüber diesen im Schatten der GöebbelS-Propa- ganda eiüstandenen Machwerken zu beobachten. Äe ließen also immer wieder durchblickcn, daß die von Goebbels seinerzeit angekündigte neue Hochblüte der deutschen Kunst bisher nicht zu be- literken ist, sie konnten ihr Erstaunen über das Hochkominen von Nichtskönnern und über die geistige Leere des httlerdeutschen Theaters, der glqichgeschalteten Literatur und de» Goebbels- FissirK nicht vpllig unterdrückt« und eS'ist infolgedessen begreiflich, daß Herr Goebbels die Kritik überhaupt nicht mehr dulden will und sie als„jüdisch-liberalistisch" und älS„Ouerulan- tentum" bezeichnet. . Man kann sagen, daß daS Verbot der Kunstkritik im Dritten Reich eine notwendige Konse- ouenz des Regimes ist. Da dem Künstler vorgeschrieben ist, was er tun und was er nicht tun daxs, kann auch dem Kritiker nicht gestattet werden, dieses Tun oder Unterlassen zu be- . Mängeln. Da die Zeitungen sich darauf be- .schränken müssen, die Aeußerungen der diversen „Führer" wiederzugeben und zu„würdigen", ist eS nicht langer tragbar, daß in der Kunstrubrik mehr älS Berichterstattung über den Inhalt der„Kunstwerke" und Würdigung ihrer „güten Gesinnung" zu finden ist. Goebbels hat di? letzte Praktische Konseaueitz aus MasarykS Satz„Demokratie ist Diskussion" gezogen: Dik- tatur ist Verbot jeder Diskussion, auch der DIS- kussiön über Ktmst. Und Herr Goebbels ist logisch, wenn er erklärt, daß nur der seine Meinung vor die Oeffcntlichkett tragen dürfe, der eine eigene freie Meinung besitzt. Eine freie Meinung besitzt im Dritten Reiche niemand mehr,— also muß er schweigen. AnderersettS geht gerade aus der Tatsache, ■ daß Herrn Goebbels die Kritik an der von ihm befohlenen Kunst.mbequem geworden ist, mit erfreusicher Deutlichkeit hervor, daß eS noch Men- schen mit eigener Meinung in Deutschland Wie der Danziger Gauleiter Förster sich ein Weihnachtsgeschenk denkt,■ Feuer fielen etwa 7ll Segel« und Ruderboote zum Opfer. Unter den vernichteten. Segelbooten be« findet sich u. a. dar Boot„Rita 8" der nänischen Königs. Besonders schwer wurde der dänische Studenten-Ruderklud betroffen, da sich in dem niedergebrannten Klubhaus auch einige Boote befanden, die erst in diesen: Jahre für die Olympi- schen. Spiele angeschafft worden waren. Dte Tokioter Sittenpolizei hat soeben Jnstrvk«" tionen zur Bekämpfung der Sittenlosigkeit' in der japanischen Hauptstadt erlaffen, die in ihrer Tendenz außerordentlich bemerkenswert sind:«s wird nämlich den Beamten der Sittenpolizei zur Pflicht gemacht, nicht die Japanerinnen zu verfolgen, die das..Gewerbe der Prostitution betreiben, sondern vielmehr aller zu tun, um ihnen die»Kunden" fernzuhalten. Dazu soll vor allem eine Propaganda bei den Geisha? dienen, die die japanische Frau darauf hin« weist, daß er nur die Fremden seien, die die Sittenlosigkeit lös Land bringen, und daß sie schon aus nationalem. Stolz heraus auch für schnödes Geld ihre„Raste" nicht verkaufen dürfen. Aehnliche Bor« träge werden auch in allen Mädchenschulen obligatorisch. Abgesehen davon bekämpft man den demoralisierenden Einfluß der Jazz; soeben ist eine Negerkapelle amerikanischer Künstler aus Tokio auSgcwie« sen worden, und der Wirt der Dancing» wurde mit einer schweren Geldstrafe wegen Förderung der Sittenlosigkeit belegt. 200.000 Ai für die Bekleidung besonders bedürftiger Kinder. Die Deutsche LandeSkommiffjon für Kinderschud und Jugendfürsorge in Böhmen, Reichenberg, erhielt aus dem Ertrage der Wohl- fabrtSbriestnarken zugunsten notleidender Kinder einen Betraavon XL 170.800.—, der laut Beschluß der letzten Vorstandssitzung aus den Mitteln der Deutschen LandeSkommistion auf Ki 200.000.— ergänzt und für ein BelleidungShllfSwerk für besonders bedürftiger Kinder verwendet wird. Ilm den Betrag nicht allzusehr zu verzetteln, können diesmal nicht alle BezirkSiugendfürforgen beteilt werden, sondern daS Hilfswerk wird nur in 6t Bezirken dnrchgeführt, die al» besondere Notstandsgebiet« bekannt sind. Da» Ministerium für soziale Fürsorge wird in nächster Feit wieder Mittel für ein Beklei- dungShilfSwerk für Kinder Arbeitsloser und Kurzarbeiter bewilligen, so daß dann auck die noch ausständigen Bezirke an die Reihe kommen. Die auS- gewählten Kinder sollen je nach Bedarf«inen Anzug, ein Kleid, einen Mantel, ein Paar Schuhe oder«Ine Garnitur Wäsche erhalten. Durch außerordentliche Beiträge der Gemeinden, der Bevölkerung und gegebenenfalls auch au» Mitteln der Deutschen BezirkSiugendfürforgen soll diese» Hilfswerk ergänzt werden, damit'wenigstens die allerbedürftigsten Kinder mit den am dringendsten benötigten Kleidungsstücken versehen werden können. Mit dem oben angeführten Betrage wird es möglich sein, wenigsten» 2800 bis 8000 Kinder mit Belleidung»gegenständ«n zu versehen und sie so vor den Unbilden de» Winter», der in den Gebirgsgegenden schon vor Wochen seinen Einzug gehalten hat„zu- schützen.'. Helft alle mit. und unterstützt und' fördert da» BelleidungShllfSwerk der Deutschen Jugendfürsorgel DaS Wetter. Im Bereich ziemlich gleichmäßig verteilten Luftdruckes dauert In unsere» Gegenden auch am SamStag dar ruhige, in den Niederungen trübe und kühle Wetter an, während e» auf den Gebirgskämmen noch vorwiegend heiter und relativ warm ist. Der Panzer meldete z. B. nachmittag» plu» 8, in den Niederungen Mitteleuropas wurden gleichzeitig minus 2 bis minus 8 Grad verzeichnet. Der Einfluß einer schwach. entwickelten Luftstörung, welche vom Nordwesten her auf da» Festland eindringt, dürfte sich bei un» nur auf den Bergen äußern.— Wahrscheinliche» Wetter von heute: In den hohen Lagen vom Nordwcsten her fortschreitende Abkühlung und Zunahme der Nebelbildung. Sonst Fortdauer der bi»herlgen ruhigen Witterung.—Wetteraussichten für Montag: Keine wesentliche Aenderung. Bon Nelmsim Wendel dem kürzlich verstorbenen ausgezeichneten Publizisten, emfehlen wir unseren Lesern: Die Marseillaise. Biographie einer Hhmne.' geb. KC‘ 87.80 Französische Menschen. DaS Gesicht Frankreichs in biographischen Skizzen.. geb. KL 28.—- Danton. Lin Lebensbild... geb. KL 28.— Zu beziehen durch die Zentralstelle für da» BildungSwrsen, Prag XU., Slezskt 18. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen« Montag: Prag, Sender l: 7: Morgenmusik, 11.88: Liederkonzert, 12.10: Schallplatten, 18: Au» dem Luceruasaal: Festkonzert zum jugoslawischen Staatrfeiertag, 17.38: Schubert: Sonate A-Moll, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Wohrhzek: Politische Kinderstube, 18.28: ObergerichtSrat Weinhu- bcr: RechtSbcratmm für jedermann, 18.48: Deutsche Presse, 10.28: Musik au» Tonfilmen, 21.80: Klavierkonzert, 22.18: Tanzmusik.— Sender II: 7,80: Salonorchesterkonzert, 14.20: Deutsche Sendung: Musikalische Reise durch da» Land der Vergangenheit, 14.80: Deutsche Presto, 18.80: Blechmusik.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Cori: Lasten sich die Lebenrbegebenheiten erklären auf Grund des elektrischen Prozesse»?— Brest- bürg 16.10: Rundfunkorchesterkonzert, 17.25: Beethoven:,Sonate E-Moll, 22.80: Tanzmusik— Kascha» 12.08: Schallplattenkonzert. 17.28: Ehan- son».— Mährisch-Ostrau 12.88: Rundfunkorche« sterkonzert, 18.10: Deutsch« Sendung:' Arbeiterfunk: Hübsch: Die heutige Stellung der Arbeiterjugend,— Liederkonzert. Dienstag: Prag, Sender I: 10.08: Deutsche Presse, 10.18: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Opernarien, 11.06: Rundfunk für deutsche Schulen, 12.10: Schallplattenkonzert. 18: Jugoslawische Kammermusik, 17.80: Klavierkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Kislinger: Treu und Glauben in der Wirtschaft, 18.20: Kompositionen von Merten, Pettzrek und Maschat, 18.68: Deutscher Kulturbericht vom Tage, 10.28: Militärmusik, 22.26: I. S. Bach: Partitur G-Moll.— Sender II: 7.80: Po- pulärc» Konzert. 14.16: Deutsche Sendung: Dr. Reich: Musikgedächtni» und Musikalität, 14.80: Schallplatten. 18: Konzert de» russischen Sängerchor».— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Arbei» terfmrk: Soziallnsormationcn, König: Tie Arbeiter- bewrgüng in mübrischen Städten mtt deutscher Bevölkerung.— Pressburg 12.86: Rundfunkorchesterkonzert. 17.40: Violincellokonzert.— Kascha» 11.06: Populäre» Konzert, 16.10: Rundfunkorche- sterkonzert,— Mährlsch-Oftrau 17.40: Schallplattenkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Landwirtschaft. Kinderstnnde in der Prager deutschen Sendung: Im Rahmen der Kinderstunde der Prager deutschen Sendung wird am 9. Dezember 14.16 Uhr„Ein heitere» Spiel für lustige Kinder" gesandt, das von dem böbmerwäldlerischen Dichter Han» Mul- lerer verfaßt Ist Im Rahmen der Jugendstunde wird am 10. Dezember Weihnachttmusik i zu Gehör gebracht werden. Eine beachtenswerte Sendung alt« Lieder. Am SamStag, den 12. Dezember. 18.26 Uhr, sinnt Frau. Rieger Mikich au» Rrichenberg selten gehörte Lieder und Gesänge. Am Cembalo Maria Heller au» Reichenberg. gibt. Und daß der Propagandominister den „Volksgenossen" unter 80 Jahren selbst die Berichterstattung in Kunstdingen verbietet, zeigt, daß auch und besoiiders die Jugend in Deutsch, land eine eigene, dem Herrn'GoebbelS und sei- nen Kunstinachern gefährliche Meinung hat. Man erinnert sich, daß Hitler und Goebbels sich einst als die Wortführer der Jugend ausspiel- tcn. Heute aber stockt die deutsche Jugend im Reich in der Zwangsjacke deS Arbeitsdienstes , und wird auch nachher von jeder Möglichkett, ihre Meinung öffentlich zu äußern, ausgeschlossen.. Die interministeriell« Jnvestitianökommission hielt am Freitag eine Sitzung unter dem Vorsitze des Direktors der volkswirtschaftlichen Sektion de» Ministerratspräsidiums Architekten M. Bitte r m a n n ab.. Dis Kommiffion behandelte«ine Reihe von konkreten Jnvestitionsfragen und außerdem auch die Frage ihrer Zusammenarbeit mit dem regionalen Beratungskollegium für Jnvestitionsfragen, dessen Kommissionen nunmehr sukzessive zu Sitzungen nach Prag einberufen werden sollen, und zwar in der nächsten Zeit. TeSla Prager Ehrendoktor. An der tschechischen Technischen Hochschule in Prag fand SamStag vormittags der Festakt statt, bei welchem der hervorragende Wissenschaftler und einer der größten Elektro-Jngenieure der Welt, Nikolaus TeSla, zum Ehrendoktor promoviert Ivurde. 58.000 Hotel- in der Republik. Nach den neuesten Zählungen gibt«s in der Tschechoslowakei 68.000 Hotels, davon 86.000 in Böhmen, 12.000 in Mähren-Schlesien, 8000 in der Slowakei und 1000 in Karpathorußland. Entgleist« Waggon blocki«t Strecke Prag- Brünn. Die Staatsbahndirellion in Brünn teilt mit: SamStag, kurz vor zwei Uhr, entgleiste in der Station Zwittau beim Verschieben des Lastzuges Nr. 1870 auf dem Einfachrtwechsel des Nordkopfes ein befrachteter Lastwaggon und blockierte beide Hauptgcleise. Durch den Unfall Wurde der Prager Schnellzug Nr. 14, der in Brünn um 8 Uhr 08 ankommt, um 80 Minuten verspätet, der Personenzug Nr. 808, Abfahrt aus Brünn um 0.88, um 40 Minuten und der Zug Nr. 802, Ankunft in Brünn um 4.46 Uhr, um 18 Minuten. Auch die Staatsbahndireltlon in Könlggrätz meldet einen ZugSunfall. Am 27. November entgleisten auf der Strecke Rumburg— Niedereinstedel um 8 Uhr 63 Minuten früh zwei Waggons de- Lastzuges Nr. 878. Die Strecke war bis 28 Uhr 26 Minuten unterbrochen. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Es wurde niemand verletzt. Der Sachschade ist minimal.• Todesurteil In Men. Der des Meuchelmordes an dem tschechischen Schneiderehrpaar Bartäk nnaeifaflte Stanislav Kohout wurde schuldig erkannt und zum Tode durch den Strang verurteilt. Italien« in Belgrad wegen Spionage verurteilt. Der Staatsgerichtshof in Belgrad verurteilte wegen Spionage zugunsten einer ausländischen Macht den italienischen Staatsangehörigen Langsang-Dani au- Triest zu zehn Jahren Zuchthaus, Verlust der Ehrenrechte für immer und zur Ausweisung au- Jugoslawien nach Ab- bllßung der Strafe. Gräßliche» Unglück rinrS Kindes. In einer Scheune seiner Wirtschaft bei Banjaluka(Süd- slawien) überschichtete der Bauer Milan Zuna Heu. In. seiner Nähe spielt«, sein sechsjähriger »Sohn, auf welchen«in Heubündel fiel. Zuna bemerkte dies nicht und spießte da» Bündel, unter welchem sein Sohn lag, auf. Der schwerverletzt« Knabe wurde ins Krankenhau» gebracht, wo an seinem Auflommen gezweifelt wird. Stoch Guerilla in Abessinien. Ein« Abteilung Sikhis, die die britische Gesandtschaft in Addis Abeba bewacht hatte, sollt« mit einem nach Indien gehenden Dampfer nach ihrer Heimat zu- " rücklehren. Die Abteilung wurde an der Grenz« in der Nähe der Ortschaft Daunale angehalten, ! da es sich als notwendig erwies, die Strecke der französischen Eisenbahn von Addis Abeba nach - Dschibuti!,' die von abessinischen Banden beschä» I digt worden war, wieder herzustellen. Budapest im Dunkel. Ueber Budapest hat sich Sämstag ägyptische Finsternis gesenkt. Ueber einen Großteil Ungarns, ist ein« dichte Wolkendecke gelagert, di« die Einstrochlung der Sonne verhindert,, so daß Budapest und Umgebung tagsüber ein nächtliches Bild bot. Flugzeug verbrannt, Passagi«e gerettet. Das Verkehrsflugzeug der Strecke London— Berlin„Marschall von Bieberstein" kam SamStag nachmittag» vor der Landung in Hannover durch V ere i sung vorzeitig in Berührung mit dem Boden, wobei die Maschine unwesentlich beschädigt wurde. Nachdem sämtliche Fluggäste, und die Besatzung da» Flugzeug verlassen hatten,, geriet dieMaschi n e i n B r a n d, da ein Tank beim Aufprall auf den Boden aufgerissen wär. von den insgesamt 16 Insassen des Flugzeuge» wurden sieben ganz leicht verletzt, die nach kurzer ärztlicher Behandlung ihre Reise sortsetzeu kennten. . Ein Großfeuer wütete am SamStag nach, mittags im Kopenhagener Südhafen.. Das Feuer fand in den zahlreichen^ über den Winter dort aufgelegten Segelbooten reichliche Nahrung und griff mit rafender Schnelltgkeit M sich. Dem Vie CSR richtig— gesehen Eine Ausstellung der Prager Jungsozlellsten Am SamStag wurde in der Prager Urania eine„bildstatistische Ausstellung" eröffnet, die das Werk des Prager sozialistischen Jugendverbande» ist. Nach dem Vorbild der Wiener bildstatistischen Methode gibt sie einen Ueberblick über die gesellschaftliche Gestaltung unserer Republik. Und man kann ohne Uebertreibung sagen, daß den junge-, .Genossen, die diese Ausstellung geschaffen haben, eine sehenswerte Leistung gelungen ist: mit größer Sorgfalt und mit dem Blick für daS Wesentliche haben sie aus der Zahlenfülle der amtlichen Statistiken das Material gewählt: an dem sich dec Aufbau ter Bevölkerung, der Wirtschaft und Industrie, die Besitzverteilung, die Einkommens- und. Steuerverhältnisse, die Bedeutung der Arbeiterschaft und der Gewerkschaften am deutlichstea demonstrieren ließen. Und es ist Ihnen gelungen,, die Zahlen sprechen zu lassen. In anschaulich»r figürlicher Darstellung, mit photographischen und zeichnerischen Illustrationen, werden- in dieser. Ausstellung ZahlenverhAtnisse lebendig gemacht, werden sie als Lebensbedingungen und Machtverhältnisse verständlich gemacht— und er« eben in ihrer durchdachten Anordnung ein lehrreiches Bild vom sozialen Äefiige unserer Republik und von den tatsächlichen Voraussetzungen unsere» politischen Kampfes. Dir Verteilung der Bevölkerung aus die Länder unserer Republik, erweist da» Uebrrgewicht der historischen Länder Böhmen und Mähren- Schlesien, die Bodenbeschaffenheit der sudetendeutschen Siedlungsgebiete begründet die Tat« fache ihrer Industrialisierung, ein« Gegenüberstel lung der Beschäftigung und Erzeugung in den Groh« und Kleinbetrieben zeigt die tatsächliche Bedeutung der Jndustriearbeiterschäft, deren Löhnen, Organisationen und LebcnSbedlngnngen sehr klare und lehrreiche Darstellungen gewidmet sind. DaS Wachsen de» Elends und der Sterblichkeit in östlicher Richtung, das Mißverhältnis der Wenigen und der Bielen, der Gegensatz zwischen Kleinbauern und Großgrundbesitzern, der durch die Rationalisierung aufs äußerste gesteigerte Widerspruch zwischen Arbeitsleistung und Lohn, da» finanzielle Uebergewicht. eine» Häuflein» von Großkapitalisten über ein Heer von Mittelstänv- lern, das verschiedene Verhalten der Arbeiter und der Airgestellten"gegenüber• den Gewerkschaften, die überragend« Bedeutung der freigowerkschaft» lichen Verbände, die Wirkungen der Krise und die Gegenwirkungen der Gesetzgebung guf die Zahl der arbeitenden Betriebe, die Leistungen der Sozialpolitik und schließlich auch die' europäischen Machtverhältnisse im Hinblick auf die Verteidigung und die Bedrohung des Frieden»,— da« alle» ist hier auf knappem Raum anschaulich gemacht worden, so daß der Betrachter durch sie Darstellung seWft zum richtigen Sähen der Tat« sächen und Zusammenhänge gebracht wird. Genosse Karl Deutsch wies.in seiner eindrucksvollen Eröffnungsansprache auf den Wimsch der Veranstalter hin, daß diese AuSstellunq durch Tatsachen überzeugen, zum Studium, anregen und zur Aufklärung beiträgen möge. Man darf hoffen, daß dieser Wunsch in Erfüllung geht uäd daß so daS fleißig«, sachlich« und wohlgelungene Werk, seinen verdienten Lohn finde.'Und mäst wünscht den Ausstellern, daß ihr« Arbeit auch außerhalb Prag» gezeigt- werden wird und die Schöpscr so zu neuen Leistungen anregt.'' «r. S78 Sonntag, 2g. November 1035 Leit« 5 •h Grundlagen der japanischen Konjunktur Volkswirtschaftliche Probleme Spaniens und Boden 88.3 1933/35 Lindern der Fläche für Rüstungszwecke in Zusaimneichang stehen. Dec Voranschlag für das Budgetjahr 1936/37 sicht Ausgaben für Heer und Marine für über eine Milliarde jgen vor, was beinahe 80 Prozent des gesamten ordentlichen Einnahmenetats auS- machi. Unter diesen Umständen must man die gesamte wirtschaftliche Lage Japan« als a u ß e r- ordentlich gespannt betrachten. samteinfuhr. Dazu kommen für Wolle 192 Millionen gen, Mineralöle für 183 Millionen, Maschinen für 105 Millionen gen. Acht Länder sind eS, die für den japanischen Außenhandel die größte Bedeutung hcchen. Auf diese acht Länder: Mandschurei, Sowjetunion, China, Niederl.-Jndien, Britisch.Indien, Großbritannien, Deutschland und die Bereinigten Staaten von Amerika, entfielen im Jahre 1988 rund 84 Prozent der japanischen Ausfuhr, rund 60 Prozent der japanischen Einfuhr. Folgende Tabelle stellt den Außenhandel Japans mit den ächt wichtigsten Ländern in den letzten drei Lah- I ren dar. Größe d. Grundstücke in Hektar bi« 1 1—10 10—100 100—250 280—500 über 500 Die Passivität der japanischen Han« delrbilanz entspringt aus dem völligen Mangel an Rohstoffen. Japan besitzt»im Inland« kaum «inen Rohstoff, der für eine moderne Industrie erforderlich ist. Ts fehlen die meisten Mineralien, Erdöl, Kautschuk usw. Auch unter Einschluß der Mandschurei ist das nicht wesentlich anders. Bor allem muß das gesamte Rohmaterial der Baumwollindustrie eingeführt werden,' Baumwolle ist daher regelmäßig der stärkst« Posten' auf der Einfuhrseite der Warenbilanz. : 1985 wurde für 714 Millionen gen Rohbaum» > wolle eingeführt, das ist fast ein Drittel der Ge- Zahl der Grund« . stücke 8,000.000 2,016.000 169.000 16.000 8.000 4.500 3,000.000 8,000.000 4,610.000 2,840.000 2,584.000\ 4,916.000 l Seit dem Herbst 1988 hat die AustvärtS- entwlcklung der japanischen Konjunktur, die seit einigen Jahren dauert, ein langsamere« Tempo «ingeschlagen; teilweise ist sie ganz zum Stehen gekommen. Damit ist freilich noch kein vollkommener Umschlag der Konjunktur eingetreten, aber die ausgesprochene Hochkonjunktur, deren sich die japanische Wirtschaft vier Jahre lang, von 1982—1985, erfreuen konnte, scheint zunächst beendet zu sein. Der Großhandelsindex ist seit Oktober 1985, wo er auf 147.1(1918— 100) stand, leicht gesunken. Der Index der allgemeinen Geschäftstätigkeit stand in den ersten Monaten dieses Jahres 4—5 Prozent unter dem entsprechenden Borjahrsniveau. Die Beschäftigung der Industrie ist uneinheitlich geworden. Während die Zunahme in der Schwerindustrie dank dem Fortschreiten der Rüstung noch anhält, steht die Textilindustrie unter einem Druck, den sie seit vier Jahren nicht gekannt hatte. Einzig die Kunstseidenherstellung schreitet in unverminderter Weis« fort. Die Baumwollverarbeitung geht jedoch zurück. Die Ausfuhr, die in den letzten Jahren ihre ungeheure Entwicklung ermöglicht hat, stößt neuerdings auf große Schwierigkeiten. Sie ist zur Hauptsorge der iapanischen Regierung geworden. Run fängt man allmählich auch in Tokio an,«inzusehen, daß die durch die Aen-Entwertung getragene Ausfuhrkonjunltur eine Art„Ausverkauf" der BolkSwirtschaft bewirkt hat. Angesichis der beginnenden GeschäftSswckung besinnt man sich in Japan auf die grundsätzliche Schwäche de« gesamtwirtschaftlichen Aufbau«. Wenn man Japan heute bereit« zu den führenden Industriestaaten der Welt zählt, so über- siehr man meist, daß die Hälfte diese« 70-Mil- lionen-Bolke»— wir sprechen hier lediglich von der Bevölkerung der japanischen J^eln— von der Landwirtschaft lebt. Diese Hälfte hat die Umgestaltung zum Kapitalismus in keiner Weise mitgemacht, während die japanische Industrie sich durch ihrerasendf Entwicklung von der agrarischen.Bruntstrunür deS Lande» losgelöst hat. Rur 17 Prozent der Bodenfläche diese« von vulkanischen Gebirgen beherrschten Lande« sind Anbauflächen. Im engsten Raum drängen sich fünf Millionen bäuerlicher Familien. Ganz unmögliche Besitzverhälinisse haben zum Ergebnis, daß die meisten Bauern sich nur knapp von ihrer Arbeit ernähren können. Siebzig Prozent aller Bauern haben zu wenig Land,— weniger al« Da« wichtigste Problem der spanische» Wirtschaft ist zweifellos da« Agrarproblem. Die spanische Wirtschaft unterscheidet sich ganz wesentlich von der Wirtschaft der meisten andern europäischen Länder. Sie weist eine relativ geringe Industrialisierung auf und eine ausfallend starke Kapital- und Bodcnkonzentration, die man noch als„feudal" bezeichnen kann. Die Bevölkerung»- und BerkehrSdichte Ist daher, abgesehen von einzelnen Regionen, in denen da» Üeinere und mittlere Eigentum vorherrscht, gering. Der Binnenmarkt besitzt sowohl im Verhältnis zur Landwirtschaft als auch zur industriellen Produk- tion eine zu geringe Verbrauchsfähigkeit. Für die spanische Landwirtschaft sind folgende Faktoren maßgebend: extensive, mit relativ wenig Kapital auf«ine Bodeneinheit bekleben« Betvirt- schaftung de» zum großen Teil noch feudal gebundenen Boden«; wachsende Konzentration de« Bodeneigentums bei zunehmender Freisetzung von Bauern und Pächtern; spekulative Ueberwer» tung de» Grund und Boden« al» Folge der steigenden Nachfrage. Die große Darsse der landwirtschaftlichen Arbeiter, die im ständiqen Wachsen begriffen ist— da die kleinen Eigentümer von Großgrundbesitzern in wachsendem Maße freigesetzt werden—, die immer schlechter entlohnt wird und zudem einen ziemlich großen Teil de« Jahre» völlig ohne Verdienst ist, kommt daher praktisch immer weniger als Verbraucher der industriellen Produktton in Frage. Dadurch wird aber die industrielle Entwicklung, die allein imstande wäre, der landwirtschaftlichen Ueberpro- duktion Absatz zu gewähren, immer stärker gehemmt. Wir verfügen nur über eine Teilstatistik der Verteilung de» Grund und Bodens in Spanien, die sich etwa auf die Hälfte des spanischen Boden» bezieht. Aber man kann annehmen, daß die Verteilung de» Grund und Bodens in ganz Spanien ungefähr ähnlich gestaltet ist. Die bisher erfaßten Grundstücke gliedern sich folgendermaßen auf. größer werdenden Hemmungen, so daß die sapa- nische Konjunktur heute im wesentlichen«ine „Staatskonjunktur" ist. Fast ein Viertel aller in Japan vorhandenen Wertnapiere sind Staatsanleihen. Private Aktienemissionen sind schwer unterzubringen und habe» daher sehr nachgelassen. Der Staatshaushalt arbeitet mit großen Defiziten, die mit außerordentlichen Ausgaben 10,218.800 22,420.000 100.00 100.0 Spanien ist also, wie man au« dieser Tabelle ersehen kann, nicht nur ein Land der Latifundien, sondern auch gleichzeitig das Land äußerster B o- d en Zersplitterung. 78 Prozent- der erfaßten Grundstücke sind Elendsparzellen von ■ unter einem Hektar. Auf diesen Zwergparzellen arbeiten Bauernsamtlien, die ein Hungerdasein führen. Aber auch die nächste Gruppe der Grundstücke von der Größe 1—10 Hektar muß bet der . extensiven spanischen Bewirtschaftung al« ein ausgesprochener Kleinbetrieb betrachtet werden. Auf die Zwerg- und Kleinbetriebe entfallen zusammen rund 98 Prozent der Grundstücke, die jedoch lediglich rund etwa« mehr al««in Drittel der .gesamten Fläch« umfassen. Ein gutes Drittel der Fläche entfällt auf den ausgesprochenen Großgrundbesitz von über 250 Hektar. Dabei ver- sügen 4500 Latisundienbesitzer Über rund 8 Millionen Hektar, während 8 Millionen Zwergbauern bloß über 8 Millionen Hektar verfügen. Aber diese Durchschnittszahlen geben noch keinen richtigen Eindruck von der Verteilung de« Bodens. In Wirklichkeit ist die Zahl der Eigentümer mit einem Landbesitz von 20.000 bi» 40.000 Hektar gar nscht gering. Nur 1.7 Prozent der erfaßte» .Grundstücke mit 20.6 Prozent der erfaßten Bodenfläche fallen in die Größenklasse, in der die selbständigen bäuerlichen Existenzen zu. finden sind, also etwa zwischen 10 und 100 Hektar. Interessant ist die geographische Verteilung des bäuerlichen und de» Latisundienbesttze». In den nördlichsten Landschaften Leon und Altkastilien erreichen die Zwerg- und Kleinbetrieb« bis 10 Hektar die Hälfte bi« neu» Zehntel der gesamten Fläche. Dort sind sie also der herrschende Typ. Auch an der Ostküste gehört ihnen wenigsten« die und im Süden. In Caceres und Badajoz, Sevilla und Granada gehört diesen Betrieben nur «in Fünftel, in Cadiz nur ein Zehntel der Fläche. Dagegen ist im Süden und Westen der Anteil der Latifundien am Bodenbesitz sehr groß. Man vergesse nicht in diesem Zusammenhänge, daß der Osten und zum Teil der Norden heute auf der Negierungsseite steht, während der Süden und Westen sich in den Hände» der Rebellen befindet. Die Weltkrise hat aus die spanische Wirtschaft anfangs keinen so deprimierenden Einfluß gehabt, wie auf die mehr industrialisierten Länder. Man kann aber doch sagen, daß die spanische Wirtschaft unter der Weltkrise gelitten bat. Einen großen Schlag bedeutete für Spanien das praktische Aufhören der Auswanderung nach den überseeischen Gebieten. Die aus Südamerika nach Spanien zurückgekehrten Arbeiter, in ihrer großen Mehrzahl landwirtschaftliche Tagelöhner, beginnen auf dem Stellenmarkt auf die Löhne einen empfindlichen Druck auSzuüben. Vor allem aber hören die Geldsendungen der Auswanderer, die in der spanischen Zahlungsbilanz eine große Rolle gespielt haben, fast gänzlich auf. Auch der spanische Außenhandel, der bis 1980, kotz der Krise, unentwegt gestiegen ist, beginnt von 1931 zu schrumpfen. Vor allem haben die charakteristischen Ausfuhrgüter Spaniens, Nahrungsmittel, den größten Rückgang erlitten. Die Rohstoffe und einioe Fertigwaren können sich dagegen- leidlich verteidigen, wenn auch mit großen Preisverlusten. Die Ausfuhr, die im Jahre 1981 noch 961 Millionen Goldpeseta« betrug,-siel im Jahre 1988 auf -883^ Millionen Goldpeseta«. Auch die Einfuhr ging bedeutend zurück, aber sie verharrt auch gegenwärtig auf einem ziemlich hohen Stand. Die« führte infolge des Wegfall» der Geldsendungen der Auswanderer, die, wie gesagt, die passive spanische Handelsbilanz ausgeglichen hatten, zu ernsten Devisenschwierigkeitcn. Die Einfuhr hat im Jahre 1981 1175 Millionen, im Jahre 1985 878 Millionen Goldpesetas betragen. Die spanische Handelsbilanz war also im Jahre 1985 mit 292 Millionen Goldpesetas passiv, was für ein armes Land, wie Spanien, eine große Belastung bedeutet. Prozent Prozent d. Grundstücke 78.06 20.00 1.66 0.16 0.12 ■ einen Hektar— und sind daher ständig vom Hunger bedroht. Die Hauptbelastung für die Bauernschaft sind die Pachtverhältnisse. Die meisten Bauern besitzen nur einen unwahrscheinlich kleinen Landstreifen als Eigentum, während der Rest Pachtland ist, bei dem sie mindestens die Hälfte des Ertrages al» Naturalien abliefern müssen. 27 Prozent der Bauern sind reine Pächter, ihre Zahl nimnit bei der allgemeinen Notlage zu. Daher spielt auch der Preis der Produkte für die große Masse der Bauern keine entscheidende Nolle. Denn den Reis, den sie an ihren Grundbesitzer nicht ablieftrn müssen, verzehren sie selbst, wie auch immer der Marktpreis sein mag. Die Aermsten unter den Bauern verkaufen zuweilen ihren ganzen viels, um sich von dem billigen koreanischen Reis zu ernähren. Das Steigen der landwirtschaftlichen Preise, die die Regierung betreibt, kommt also nur den Großgrundbesitzern und den reichen Bauern zu statten. Dagegen hat das Steigen der landwirtschaftlichen Preise die Lebenshaltung in den Städten bedeutend verteuert. Der R.e a l l o h n der Arbeiterschaft ist gesunken, so daß Streiks gerade in der letzten Zeit nicht selten waren. Die japanische Industrie besitzt also unter diesen Umständen so gut wie gar keinen privaten inneren Markt:«S fehlt eben der kauflräftige Leine Verbraucher. Die japanische Industrie ist deshalb auf die Ausfuhr und auf die staatlichen Aufträge angewiesen. Der japanischeAußenhandelhat zweifellos seit der Nen«Entwertung im Lahre 1981 bedeutend zugenommen. Aber man soll die Bedeutung del japanischen Außenhandels im Matzstabe der Weltwirtschaft nicht überschätzen: im Jahre 1985 hat der Anteil Japans am Gesamtumsatz des Welthandels nicht einmal 5 Prozent betragen. Die Klagen über da» japanische Dumping(Schleuderexport) haben seit Anfang 1934 etwa« nachgelassen. Teil« hat man sich an die neue Konkurrenz gewöhnt, teils merkte man, daft derselbe Konkurrent«in immer besserer Kunde würde. Denn di« japanische- Einkühr stiigkkchMkt weniger schnell al« die Ausfuhr, und die japanische Handelsbilanz bleibt dauernd passiv. Bloß im Jahre 1985 hat e« eine geringe Aktivität der Handelsbilanz gegeben. Im laufenden Jahre darf man wiederum bestimmt mit einem Einfuhrüberschuß rechnen. Folgende Tabelle stellt die Entwicklung de« japanischen Außenhandels in den letzten Jahren dar: Mandschurei, Sowjetunion. China.., Nied.-Indien Brit.«J»dlen. Großbritannien Deutschland. Perein. Staaten. Die größte Bedeutung für-den japanischen Außenhandel haben die Bereinigten Staaten von Amerika. E« fällt dabei auf, daß die Einfuhr aus Amerika. die Ausfuhr dorthin bedeutend überwiegt. USA sind nämlich der Hauptlieferant der Päumwolle für die japanische Baumwollindustrie, und die Rohbaumwolle ist bekanntlich der stärkste Posten der japanischen Einfuhr. Auch, mit einem solchen bedeutenden Rohstofflieferant, wie Britisch-Jndien, hat Japan eine ausgesprochen passive Handelsbilanz. Dagegen überwiegt im Verhältnis zu China Und Niederländisch-Lndien Japan» Außenhandel mit den acht wichtigsten (In Millionen Yen): Frankreichs Außenhandel Der französische Außenhandel bleibt auch weiter ausgesprochen passiv. Folgende Tabelle stellt die Entwicklung des französischen Außenhandels in den ersten neun Monaten 1985 und 1986 dar. Außenhandel Frankreichs Januar-September 1935 und 1938 JanTScp. 1988 hie Ausfuhr die Einfuhr. Diese letzten Gebiete sind nämlich die besten Märkte für die japanischen Jndustrietvaren. Alle» in allem muß man zu der gegenwär tigen japanischen Konjunktur bemerken, daß sie In der autzerördentlichenE n g ede» Innen- mar k t e» einerseits und in der Angewiesenheit auf di« Zufuchr der wichtigsten Jndu- st r i e r o h st o f f e au« dem Ausland« anderer seits ihre Grenzen findet, Die Entwicklung der-. T, japanischen Wirtschaft begegnet seit 1934 immer I Hälfte des Bodens. Umgekehrt an der Westgrenze Jan./Sep. Zunahme resp. 1986 Abnahme 1986 im Vergleich zu 1985 17.480.4 4-1.918.8 10,687.0— 790.5 Verteilung von Qrund in Spanien Fläche in Hektar Einfuhr.. 15.514.7 Ausfuhr. 11.427.4 Umsatz des Außenhandels 26.942.1- 28.067.4 4-1.125.3 Einfuhrüber schuß.. 4.087.8 6.793.5 Die Ausfuhr hat im Jahre 1936 im Vergleich zu 1985 abgenommen, was auf die lieber» Wertung der französischen Währung vor den letzten Abwertungsmaßnahmen der Regierung Blum zu« rückzuführen ist, Die Einfuhr hat jedoch bedeutend zugenommon, was bereits auf die Hebung der inneren Konjunktur hinweist. Die französische Ausfuhr geht zu ettpa einem Drittel nach den französischen Kolonien,(Zu etwa zwei Dritteln nach den» Auslande. In den ersten neun Monaten von 1986 hat die Ausfuhr nach den Kolonien 8.5 Milliarden Frank befragen, dl« Ausfuhr nach dem Auslande 12.4 Milliarden Frank.. Die französische» Einfuhr verteilt sich ungefähr in gleicher Art Wie die Ausfuhr,.zwischen den Kolonien und dem Ausland«. Die wichtigste Rolle im französischen Außenhandel spielen fünf Wirtschaftsgebiete: Algier, USA, Groß, britannien, Deutschland und Belgien-Luxemburg. Im, Jahre 1986(Jänner—September) gingen rund die Hälfte der französischen Ausfuhr nach diesen fünf Gebieten, während Frankreich rund 40 Prozent-seiner Einfuhr au» densellbeN fünf Gebieten bezogen hat.- Au-fuhr.. Einfuhr.. Außenhandel Japans 1929—1936(In Millionen Yen): 1929 2149 2216 1980 1470 1546 1981 1147 1286 1982 1410 1481 1988 1861 1917 1984 2172 2288 1985 2499 2472 1985 1. Halbs. 1178 1844 1986 1. Halbs. 1268 1578 Gesamtumsatz 4865 3016 2888 2841 8778 4455 4971 2517 2841 Handelsbilanz —67 —76 —89 —21 —58 —111 4-27 —171 —815 Umsatz in% des Welthandels 8.61 8.48 8.89 8.94 4.05 4.48 4.91 — — Ausfuhr Einfuhr 1988 1984' 1985 1988 1984 1985 808 408 .426 168 191 216 14 18 28 87 41 18 182 150 198 115 121 186 157 158 143 55 68 79 195 288 275 208 ' 290 805 88 109 111 82 70 82 12 19 26 95 109 -120 492 899 585 620 •769 809 Seite 6 .Sonntag, 29. November 10.16 Nr. L7S Das war Madrid Die unspanischste, ja unsympathischste Stadt döv'iberischen Halbinsel, kleiner als Barcelona, wertärmer als Toledo oder Sevilla, wenn man vom. Museum des Prado absieht, der als eine Art stiller Fremdkörper am Rande eines Riesenplatzes steht', dessen einzige Berechtigung die gelegentlich stattfindenden Volksfeste mit Kärussel, Achterbahn, Budenreihen zu.sein scheinen. Unspanisch sind die Palastkolonnen,-• letteS. Am reichsten aber war Madrid an echten Bettlern, Menschen von so unvorstellbarem Leid und Schmutz, daß Ihr Dasein schon eine ständige, entsetzliche Anklage gegen die Rückständigkeit dieses Landes war. Diese Armeen von Krüppeln, Blinden, Lahmen- sind Opfer der unerhört scharfen, tausendiährigen Spannungen in der spanischen Gesellschaft, die nur ganz.reich und ganz Hauptpostgebäude in Madrid arm kannte, Opfer des Drecks und der fehlenden Hygiene für das Volk, der WohnungSverhältnisie, die den Krankheitskeimen alle Wege ebneten, des mittelalterlichen Aberglaubens, den die Inquisition einst vor der Ketzerei der Wissenschaft schützte, und der ärztlichen Unachtsamkeit. Amputieren geht schneller als komplizierte aseptische Behandlung. Man sah diese Aermsten allnächtlich auf den Stufen dec Untergrundbahn übernachten, die Madrid in tollen Windungen durchquert; in den Rischen, der prächtigen Bankpaläste schliefen obdachlose Frauen mit kleinen Kindern, zu müde um zu betteln. Diese Obdachlosen, diese Paläste waren die Symbole der spanischen Hauptstadt, deren bedeutsame Mission in der Zentralisierung des Kapitals bestand, das in den Hochöfen von Bilbao, den Fabriken von Barcelona, den Ouecksilberminen von Almadta arbeitete und Zinsen aus der von bettelarmen Kleinbauern beackerten Erde der Granden zog. Die. Herren Spaniens zeigten sich der Gran Via, die grauen Mietskasernen, der Arbei«■ terviertel, die Backstein» bauten bei Aemter. Dka- drid.. ist, eine Beamten stadt. Man bat von Re- gierungs wegen alles ge tan,' nm den Beamten hier das Leben angenehm zu machen. Sie hatten eine höchst elastische Ar beitszeit, die sich den Libensgewohnheiten des Kastiliers anpasst: vor elf Uhr vormittags ist kein Mensch■ in irgendeinem Büro' zu erreichen ge wesen, um zwölf begann die Tischzeit, die im Win ter bis vier Uhr, im glübeuden Sommer bis zum Abend dauerte, und in°-»n meisten Behörden koimte man zivischcn acht und zehn Uhr abends die Beamten antreffen. Dann erst ging man zum Abendessen und anschlie ßend ins Kino, Beginn der letzten Vorstellung gegen elf Uhr... . Wer Madrider Beamte und Aemter kennen ler nen wollte, musste einmal das Zentrum der„Se- guridad", der Sicher heitsbehörde besuchen—• zu deutsch Polizeiprä sidium, Kriminalabteilung. Sie liegt in einer der winzigen Altstadtgassen zu ebener Erde. Man hatte Mühe, sich durch die Menge der rauchend, schwätzend und kauend herumstehenden oder schla fend auf Sofas liegenden Leute— Detektive, Neugierige, Fremde, Freunde oder„Kunden" der Polizei— hindurchzuarbeiten. Strassenjungen, teils mit und teils ohne Zeitungsstöhe, lungerten zwischen den Schreibtischen herum, öffneten unbe kümmert die Akteysaszikel, obwohl sie kein Wort lesen konntest^ und brächten sie" durcheinander.' Das Gegenstück zu dieser geradezu orientalischen Schlamperei bildete die selbstsichere Beredsamkeit der Sherlock Holmese von Madrid, die jeden Dieb zu fassen versprachen, sobald man eine Diebstahls anzeige vorbrachte, und ihn doch nie fassten. Madrid war überreich an Beamten und an —- Bettlern. Sass man auf der Strasse am Cafö- tisch, so konnte man pro Stunde 60 bis 80 von ihnen zählen, die in den verschiedensten Rollen auftraten: als Losverkäufer, Schuhputzer, Hau-._....„ sierer und Croupiers tragbarer Eiswaffel-Ron- Igcrn dem Volk: in ihren Klubs, die mitten auf Das Madrider Konigsschloß Im wesUlohen Stadtgebiet Madrids, unweit des Manzanares, erhebt sich der gewaltige Bau des Königsschlosses. Es ist in den Jahren 1738 bis 1734 erbaut worden. In dem südwestlichen Nebenflüg.l tat. die- berühmte Waffen Sammlung der spanischen Könige untergebracht dem Bürgersteig ihre Sessel aufgestellt hatten. Hier sahen sie, die Zigaretten im Mund, und liehen sich die Stiefel putzen, tanb für die Stimmen der sie umschwärmcnvcn Bettler. Nur in der Arenaloge auf dem Stierkampfplatz vergassen sie ihre vornehme Ruhe und brüllten im Chor mit, wenn das Blut im Bogen spritzte. Sonst aber ist die Sprache Madrids von köstlichem Wohlklang, es ist die wunderbare, bezaubernde Sprache Kastiliens, das schönste Idiom ganz Westeuropas, und steht in seltsamem Gegensatz zu Madrid selbst, diesem Steinhaufen inmitten. einer Steinwüste. Aber sie gehört zum Temperament dieser Menschen,.ihrer Fähigkeit, für eine Idee zu sterben, und ihrer stets Projekte machenden Phantasie. Manchmal wurden solche Projekte auch auS- geführt, wenigstens begann man damit: zum Beispiel die„Universitätsstadt", deren schöne moderne Bauten, teilweise schon im Betrieb, ein Zentrum spanischer, und europäischer Wissenschaft zu werden versprachen. Noch weniger vollendet blieb allerdings das stolzeste Projekt Madrids, die„Ministerstadt", ein ganzes Stadtviertel weit draussen im Nordwesten, das sämtliche Regierungsbehörden beherbergen sollte. Fertig davon ist schon der Rohbau sowie die. besondere Attraktion dieser Beamtenstadt: ein unterirdischer Tunnel, vornehmlich dazu bestimmt, bei Unruhen Truppen von ausserhalb direkt von den Bahnhöfen und Zufahrtsstrassen in die Ministerien zu befördern, um sie gegen Aufständische zu verteidigen. Jene Regierung, die diese Ministerstadt zu bauen begann, ahnte nicht, dass durch diesen Tunnel vielleicht einmal ihre eigenen Freunde als Aufständische In die Hauptstadt der spanischen Republik einzudringen versuchen würden. , Ela. kln japanischer Fachmann über die Wehrfähigkeit der Sowjetunion (Ru) In der Tokioter Zeitschrift„Toio" ist ein Aussehen erregender Aussatz Uber die wirtschaftliche, politische und militärische Situation der Sowjetunion veröffentlicht worden. Der Aufsatz stammt vom Ober st en Hat«, einem der bekanntesten japanischen Militärschriststeller, Leiter des Pressebüros des Kriegsministeriums und früheren Militärattache in Warschau und Moskau. Hata kennt die russische Sprache sehr gut und ist überhaupt über die russischen Angelegen- heiken sehr gut informiert. In politischer Hinsicht könne man, nach Ansicht des japanischen Obersten, das Sowjetregime als gefestigt betrachten, da es sich auf die Fugend stütze. Vom wirtschaftlichen Standpunkt betrachtet, haben die beiden FünsjahreSPläne zu einem gewaltigen Wachstum der Schwereisenindustrie geführt. In den letzten fünf Fahren habe die Aufrüstung der Sowjetunion einen gigantischen Fortschritt gemacht. Die Sowjetunion besitze gegenwärtig die gröhteArmeederWelt: 1,800.000 Soldaten, 6000 Flugzeuge, 5000 Tanks. Die Führer der Roten Armee, meint Oberst Hata, glauben, dass nach dem Aufkommen der Flugwaff- die entscheidenden Schlachten nicht auf den Vorderlinien geschlagen werden, sondern im Herzen des feindlichen Landes selbst. Daher könne der Sieg am sichersten und schnellsten dadurch erreicht werden, dass man das feindliche Gebiet, von der Luft her angreift, wodurch die gegnerische Front vollkommen demoralisiert werden und sogar ein Bürgerkrieg im Hintc.rlande entstehen könne. Gegen Ende dieses Jahres werde die Rote Armee in Fernost an 300.000 Soldaten zählen, ausserdem 1000 Tanks Und,1000, Flugzeug?,._ Dlqsx. Armee sei auf' Mer'Gruppest'verteilt, die' westliche uttd die östliche. Besondere Bedeutung vom japanischen Standpunkt habe die ö st l i ch e Gruppe, die zwischen Wladiwostok und Nikolsk konzentriert^ sei. Hier seien nicht nur ausgezeichnete Verkehrswege gebaut worden, sondern man habe auch eine K r I e g S i n d u st r i e geschaffen, di«' dieses Gebiet vollkommen unabhängig von Moskau mache. Bon den russischen Flugbasen deS Küstengebietes Wune man in dreieinhalb Stunden jeden beliebigen Punkt des japanischen Territoriums mit Bomben belegen. Die Entwicklung der Notenschrift Wenn der Laie eine moderne Partitur in die Hand nimmt, jo versteht er kaum, wie aus diesen Linien, Punkten, Zeichen, Strichen, Schlüsseln auf mehr als einem Dutzend übereinander geordneter Systeme jenials Musik abgclesen werden kann. Der Musiker indessen liest in einer Partitur tvie ein anderer in einem Buche; er hört, ivährcnd er liest, die melodischen, harmonischen, kontrapunktischen, rhythmischen und instrumentalen Führungen in allen Einzelheiten. Aber auch der Musiker steht einer Partitur ans dem 10. oder 11. Jahrhundert oder gar einer Notic» rnng altgriechischer Musik hilflos gegenüber, wenn er keine spezielle Vorbildung hat. Je komplizierter und vielseitiger die europäische Musik im Laufe der Zeiten geworden ist, umso zeichenreicher und nllancierter musste auch ihre schriftliche Fixierung werden. DaS Bedürfnis nach einer Aufzeichnung bestand von'jeher und Ivar schon dadurch gegeben, dass für den Unterricht und den Chorgcsang eine schriftlich« Verständigung erforderlich war. DK Buchstabennoteuschrift Schon um 700 vor Christi Geburt gibt cs nachtveiSlich bei den Griechen eine Aufzeichnung ihrer Musik, die bekanntlich im Altertum unter den Künste», besonders für die Bühne, eine grosse Bedeutung hatte. Die Gesänge der Chöre waren eittstimmig und wurden von den Instrumenten im Einklang oder in der Oktave begleitet; eine Poly- phonie oder Harmonie in unserem Sinne gab es nicht. I» der Schrift wurden die einzelnen Töne durch' Buchstaben bezeichnet. Eine ältere diatonische Gestalt' erhielt sich noch in der Notierung für.'die Instrumente, als für die. Gesangsstimmen schön eine' enharmonische, chromatische Tonfolge cingeführt war. In der griechischen Buchstabentonschrift dienen, immer drei Buchstaben als Gruppe für die Bezeichnung eines Halbtones, wobei Betonungen innerhalb der Gruppe für die Bezeichnung von Schritten und Uebergängen herangezogen wurden. Alle Kompliziertheiten der späteren griechischen Musik konnten mit diesem System ausge- drückt werden. Von der alten Tragödienmusik ist nur ein kleines, arg verstümmeltes Bruchstück erhalten. Immerhin sind aber eine. Anzahl zum Teil in Stein gemeißelter, zum Teil aus Papyrus geschriebener Musikstücke aufgefunden worden, deren Analyse zusammen mit den zahlreich erhaltenen inufiktheocetischcn Schriften ein ganz gutes Bild von der Musikübung der alten Griechen ergibt.- Neunten und Tonhöhe Die moderne Entwicklung der Musik des Abendlandes machte vor allem die schriftliche eindeutige Bezeichnung von drei verschiedenen musi» lalischen Prinzipien notwendig: der Tonhöhe,.der Dauer der einzelnen Töne und der rhythmischen Gliederung. Zudiesen Grundformen kommt dann noch die Tonart und die dynamische Bezeichnung. Die Neumen waren ursprünglich aus vorchristlicher Zeit übernommene Zeichen, die dem mittelalterlichen Kirchensänger als Hilfsmittel beim Auswendiglernen dienen sollkn. Die frühen derartigen Notenzeichen aus dem 8. bis 10. Jahrhundert gleichen stenographischen Schriftzeichen. Die Deutung dieser einzeln stehenden oder gebundenen, auf Und ab steigenden Häkchen, Kringel und Schnörkel ist heute kaum möglich. Aber auch zu ihrer Zeit waren die Zeichen der Neumen durchaus unsicher. Um dem abzuhelfen, zog man im 10. Jahrhundert eine waagerechte Linie, dief-Linie, und setzte die Zeichen für die Töne, Intervalle, Schleifen, Triller, etc. zu dieser Linie in Beziehung. Eine zweite Linie, die c-Linie kam bald, hinzu und so entwickelte sich allmählich ein Liniensystem, in das die Zeichen eingetragen wurden. Das grösste Verdienst»in diese Seite der Notenschrift erwarb sich der um 096 geborene Benediltinermönch Guido von Arrezzo.. Dieser hochgelehrte Mann fügte zwischen die rote f-Linie und die gelbe c-Linie ein« schwarze a-Lini« ein und ergänzt« das System nach Bedarf durch weitere Linien oberhalb und unterhalb. Das his heute übliche Fünfliniensystem' geht auf ihn zu rück; erst durch dieses System ist die schriftlich« Festlegung der absoluten Tonhöhe möglich geworden.. Es muhte allerdings eine Bezeichnung hinzukommen, die man Schlüssel nennt. Durch ihn wird am Anfang des Notenstückes angegeben, nach welchem Ton sich das System zu richten habe. Dies geschah zuerst durch Buchstaben, später durch besondere Schnörkel auf bestimmten Linien, die als Schlüssel über die gemeinte absolute Tonhöhe Aufschluß gaben. Zu den ursprünglichen vier Singschlüssel für Diskant, Alt, Tenor und Bass kamen später Violinschlüssel, Bariton und Sub- bass-Schlüssel hinzu. Heute üblich sind im wesentlichen der. Violinschlüssel, bei dem das g auf der zweiten Linie von unten steht, der Bass- und Altschlüssel.. Der. verschieden grosse Umfang der Spezialinstrumente verlangt gelegentlich für die Blasinstrumente auch nvch andere Schlüssel. Di« Notenwerte und Tabulaturen Die Im 12. Jahrhundert ausgebildete Men- suralnote gibt durch Ihre Form an, welche Dauer dem einzelnen Ton zukommen soll. Sie traten an Stelle der Neumen und. brachten eine neue Dualität in das Schriftbild. Die Noten waren zuerst schwarze Kästchen von mehr oder weniger breiter Form, mit' Stilen und Fähnchen versehen. Im 16. Jahrhundert wurden sie in weisse, schwarz umränderte^ Rechtecke öder Sterne umgewandelt, und erst im Druck um 1700 nahmen sie die heute üblichen runden Formen der Notenköpfe an. Die gleiche Entwicklung machten auch die Zeichen für die Pausen durch. Notenwerte mussten eindeutig festgelegt werden,' wenn man ohne weitere Erklärung geschriebene Musik' wiedergeben sollte.. Die Tabulatur war das, was henk die Partitur ist. Man unter» scheidet die italienische. Orgeltabulatur von der deutschen und der spattischen und von der Lästten« tabulatur. Es sind die früher, üblichen Notie- rungsformen für Instrumente, die mehrere Instrumente gleichzeitig anschlagen können., Die früheren. Tabulatttrett' des 16. l Jahrhunderts haben schon wie unsere Klaviernoten zwei Füns- liniensysteme untereinander. Bei den Lautentabulaturen sind vielfach durch Zahlen oper. Buchstaben anstatt der Tonhöhe die Griffe auf den Saiten bezeichnet. Takt und Tempo DaS Mensuralnotensystem gäb ja schon durch die Zeittverte eine Rhythmik an, doch war diese fortlaufende' Schrift' sehr kompliziert zu lesest. DaS 17, Jahrhundert brachte endlich die»Erlösung durch Einführung des Taktstriches. Damit war eine übersichtliche regelmässige Gliederung in das Notenbild hineingckommen, Der Taktstrich durchschneidet in seiner heutigen Form senkrecht alle fünf Linien in der Weise, dass er Immer unmittelbar vor die den Schwerpunkt des Taktes bezeichnende Note zu stehen kommt. Der Taktstrich war bereits früher für die Komponisten unentbehrlich gewesen und wurde von ihnen als kleiner Strich an einer Linie angedeutet. Gr findet sich in den Tabulaturen schon im 16. Jahrhundert, während er in den Stimmbüchern der Sänger.bis 1600 fehlt. Eigentlich gibt es nur Takte zu zwei und drei Einheiten; alle anderen Taktarten sind aus diesen Grundformen zusammengesetzt. ES ist üblich geworden, gleich hinter den Schlüssel die Bezeichnung der Taktärt durch einen Bruch zu letzen, der ausdrückt, wie der Takt unterzuteilen ist. Aber auch dies genügt' noch nicht zur Festlegung de«.-absoluten Geschwindigkeit, die vom Komponisten-für fein- Stück'gefordert wird. Dieser Festlegung- dienen, die Bezeichnungen der Gangart,-die Allegro, Andante, Presto, etc., die durch Uebereinkommen ungefähr festgelegt-.sind) Genauer bezeichnet wird das Tempo durch ein? Ziffer, die angibt, wie'viel Viertel.,eines TäkteS in meiner Minute gespielt werden sollest.'-Diese Angabe der Metiio wnizeiten findet sich auch heuje noch nicht auf allen Notenschriften.. . Das heutige Notenbild ist noch weiter kompliziert durch di« dynamischen Zeichen. fUrfort« und piano, Änschwellen und, Abschwellen, durch Pedalzeichen beim Klavier und. mancherlei andere Feinheiten, die die moderste Müsikübung. ausgebildet hat. 1'■ E. Ji-- Nr. 278 Sonntag, 29. November 1936 Seite 7 IlEsMrtsckaft und äoslaipokM Die Zerstörung der deutschen Konsumvereine (MF) Die Nationalsozialisten haben die 78 größten dciitschen Konsumvereine aufgelöst. „Der Grundgedanke, das; die etwa 8000 Laden» gcschäfte(dieser aufgelösten Genoffenschaften) auf Einzelhändler überführt werden sollten, ist bisher für etwa 1009 Läden durchgeführt worden, nachdem etwa 399 Läden geschlossen worden sind." Für den größten Teil, für«Uva 18.999 Läden",' erklär» der. Ministerialdirektor im nationalsozialistischen WirtschaftSmtnisterium Dr. Wienbeck vor der Industrie-' und Handelskammer Hannover,„hat sich die Einzelprivatisierung trotz ernstlicher Bemühungen der zuständigen Stellen nicht durchführen lassen. ES ist daher nölig gewesen, durch die Gründung von AuffangSgcsell- schaften«in- Uebergangsstadium zu schaffen" (Frankfurter Zeitung vom 16, November 1986). Dieses„Uebergangoftadium" soll so msch wie Möglich beendigt werden. Den noch nicht auf« gelösten Konsumgenossenschaften wird daS Arbeiten weiter erschwert. Das Wirtschaftsministerium rügte scharf, das;„die Mitgliederwerbung der Beribrauchergenossenschasten... stellenweise nach außen hin wieder recht auffällig hervortritt". ES ersuchte die Konsumgenossenschaften, von der(in Deutschland üblichen) Werbung durch Familiennachmittage, Kaffeekränzchen uslv.„tunlichst Abstand zu"nehmen". Weltwirtschaftliche Kurzberichte Im Zusammenhang mit dem Aufschwung der industriellen Produktion in allen Ländern ist an den Welt Warenmärkten bereits seit längerer Zeit ein Steigen der Preise zu verzeichnen. Diese Steigerung ist bei einzelnen Produkten zum Teil recht erheblich. So haben sich die Preise der nachstehenden Waren am 29. November 1986 gegenüber dem 22. November 198V erhöht um: Weizen(Buenos Aires) Mais(Chicago) Zucker(London) Kaffee(New Vock) Sojabohnen(London) Leinsaat(London) Baumwolle(Liverpool) Manila-Hans(London) Kautschuk(London) Blei(London) 89.6 Prozent 77,4 Prozent 1,9 Prozent 88.8 Prozent 8,6 Prozent 13.8 Prozent 12.6 Prozent 21.7 Prozent 89.9 Prozent 28,V Prozent Die zum. Teil rechts erheblichen Steigerungen für diese; internationalen Rohstoffe sind nicht durch Währuiiß'rabwertungen hervörgerufen' worden, sondern gehen ausschließlich auf die Besserung der weltlvirtschaftlichen Lage zurück. Dle Preis« für Blei und Zink erhöhen sich weiterhin ganz außerordentlich. Die Ursache dieser Preissteigerung ist darauf zurückzuführen, daß die Nachfrage für Rüstungszwecke immer noch sehr stark ist, * Dle amerikanische Baumwollindustrie steht in einer H o ch k o n s u n k t u r. Di» Fabriken arbeiten mindestens 89, ein Teil sogar 99 Stunden in der Woche. Trotzdem übertreffen die Auf- trngSrückstände alle Lahre seit 1919. Die Kat- tunfabriken hatten bereits im November 69 Prozent ihrer Jänner- und Februar-, und 49 Prozent ihrer Märzproduktion des kommenden Lahres verkauft. » Die Wiederherstellung des internationalen N ö h r e n k art e I k S, an dem auch die tschechoslowakischen Werke beteiligt sein werden,'ist in den im November in London stattgefundenen Verhandlungen noch nicht gelungen. Immerhin einigten sich die Vertreter dieser Branche der Schwerindustrie auf eine Erhöhung der Ausfuhrpreise in gewissem Umsang und aus die Fortsetzung der Verhandlungen für die Wie- detäufrichtung des Internationalen KarteUS spätestens zu Anfang des nächsten Jahres. » Die Entwicklung der industriellen Produktion in L a p ä n zeigt weiter eine ständig an« Konferenz der skandinavischen Arbeiterparteien Wir haben bereits darüber berichtet, daß am IS. und 16. November das Komitee der skandinavischen Arbeiterorganisationen in Kopenhagen seine diesjährige Konferenz abgehalten hat. An dieser Konferenz nahmen die Ministerpräsidenten von Schtveden, Norwegen und Dänenmrk und außerdem noch fünf Minister teil. Den Vorsitz führte Ministerpräsident S t a u n i n g, Dänemark, der festelltc, daß bei den letzten Wahlen in Finnland 88.6 Prozent, in Norwegen 42.6 Prozent, in Schweden 45.9 Prozent und in Dänemark 46.1 Prozent der Wähler für die Sozialdemokratie gestimmt haben. Referate erstatteten der schwedische Außenminister Sandler über die Frage der ökonomischen Zusammenarbeit zwischen den nordischen Ländern, der schwedische Verkehrsminister ForSlund über die Zusammen« arbeit der skandinavischen Arbeiterorganisationen auf den internationalen AcbeitSkonferenzen in Genf, der frühere finnische Ministerpräsident Tanner über die Bekämpfung der Krise und Planwirtschaft, der Däne Christian Jensen über die Frage des Austausches junger Arbeiter in den skandinavischen Ländern. Beschlossen wurde die Möglichkeit der Vereinheitlichung der nordischen Gesetzgebungen sowie eine nach gemeinsamen Negelnaufgestellte Lohnstatistik zu studieren. Da» Sekretariat der skandinavischen Zusammenarbeit wurde für das nächste Jahr nach Stockholm verlegt. Ihren feierlichen Abschluß fand die Konferenz in einer großen Kundgebung der Kopenhagener Arbeiterschaft, in der die führenden Genossen aller skandinavischen Länder sprachen und in der zum Schluß, dirigiert vom ersten Kapellmeister der königlichen Oper, di«„Internationale" gespielt wurde.. Besinn de*„Brotfabrik-Prozesse*" Am 89. November beginnt der sogenannte „Brotfabrik-Prozeß", einer der größten politischen Prozesse des niedcrrheinischen Gebietes unter dem Hitler-Regime. Der Prozeß trägt im Zolksnmnd steigende Tendenz. Seht man den Produktionsindex für 1929 gleich" 199, dann betrug dib mengenmäßige Produktion der japanischen Industrie im Jahre 1931 79,4, Bis 1933 war sie auf 115,8 gestiegen, 1934 auf.127,6, 1935 auf 141.7. Im ersten Halbjahr 1986 betrug sie 169.8. Diese Indexziffern erfassen die gesamte industrielle Produktion. Die Weltförderung von B a u x i t, des für die Aluminiumerzeugung unentbehrlichen Rohstoffs, ist von knapp 1 Million Tonnen im Jahre 1932 auf 1% Million Tonnen im Jahre 1935 gestiegen. Das wichtigste Produktionsland ist Frankreich, da» 1935 mehr als ein Drittel der gesamten Weltförderung lieferte. Frankreich vereinfacht sein Steuersystem. Die französische Deputiertenkammer nahm die Aussprache über die Steuerreform auf, die das Fiskalsystem durch Beseitigung zahlreicher Steuern vereinfacht. Die bisherige Zahl von 299 Hauptsteuern lunvd« um ein Drittel reduziert. seinen Namen auf Grund der Tatsache, daß die Angeklagten Angestellte einer Brotfabrik gewesen sind, deren Inhaber selbst, August Cordas, nicht angeklagt werden konnte, weil er den Boiveis erbrachte, mit irgendeiner illegalen Tätigkeit nichts zu tun zu haben. Trotzdem hat man ihn Im Juni 1985 In das Konzentrationslager Estcr- ivege gebracht und ihn dort derart mißhandelt, daß Gefahr für sein Leben besteht. Die 18 Hauptangeklagtcn gehörten früher fast durchwegs der sozialdemokratischen Partei Deutschlands an. Einige von ihnen sind aufs schärfste mißhandelt worden. Der Angeklagte Adam R o m p y soll, wie die Union für Recht und Freiheit erfährt, durch Mißhandlungen nahezu erblindet sei». Der Angeklagte Wilhelm K a t t w i n k e l ist im Duisburger Gefängnis mit schiver-erschlagenem Bein und gehunfähig beobachtet worden. Auch der Angeklagte Wilhelm Wo« ste auS Lüdenscheid ist auf der Steinwache schweren Mißhandlungen ausgesetzt gewesen. Der Angeklagte Renner aus Iserlohn war infolgt der ihn» widerfahrenen Behandlung zeitweise gelähmt. Aus den Erlebnissen der Hauptangeklagten in der Voruntersuchung und den während der Voruntersuchung erfolgten Todesfällen der Angeklagten Alfred H i tz, Rheinhausen, Alex N o e- t e n, MoerS-Hochstraß, Buettner, Moers- Meerbeck, und Graßmann, MaerS-Meerbeck, kann man unschwer darauf schließen, in welch einseitiger und brutaler Weis« das Gerichtsverfahren selbst geführt werden wird. Da» Schicksal der angeklagten 18 Sozialdemokraten bietet zu ernster Sorge leider allen Anlaß., USA fühlen sich von Berlin provoziert . New Bork.»New York Herald Tribüne" erklärt In ihrem Artikel über den deutsch-japanischen Vertrag, daß die vereinigten Staaten einer Stärkung Japans in Asien gegenüber nicht gleichgültig bleiben können, die als offentsichtlicher Schritt zut Verwirklichung des japanischen Traumes einer Expansion auf di« Philippinen und sogar noch weiter angesehen werden müsse. Wenn Deutschland die Vereinigten Staaten veranlaßen wollte, Benedek als tragischer Held Za Emil Vachek’s„Benedek", nranfgefUhrt im böhmischen Ständetheater Im allgemeinen gilt die Tragik besiegter Generale nicht,als biihncnsahig. Die ästhetisch-dramaturgischen Gründe liegen auf. der Hand. Die Besiegten sind Verlierer in einem Glücksspiel, zu dem die My- riaden ungenannter Mitspieler, wie immer«r für den Heerführer ausgeht, den Einsatz beisteuern. Wenn der. Besiegte von Königgcätz ein« Ausnahme von dieser Regel macht, so liegt ei an dem Geschehen, da* vor der Niederlage und nach ihr spielt. Benedek ist von seinem Kaiser auf eine Art behandelt worden, für die man mit Recht, sehr starke Ausdrücke wie schmählich, undankbar, ungerecht gebrauchen mag. Dennoch ließen sich zue Rechtfertigung de- Kaisers mancherlei'Argument« beiswucrn, wenn map das Spiel nicht, wie Emil Vachcl mit der historisch beglaubigten Szene im Frühjahr 1866 beginnen ließe, in'der Franz Joseph, dem widerstrebenden General das Kommando Wertste Nordarmee aufzwingt, so« da.nii Benedeks soldatische Laufbahn selbst in den dramatischen Konflikt einbezöge. Vachek steht im Banne der Benedek-Legende, die dep österreichisch«.Liberalismus au» politischen und ideellen Gründen aufgebaut und liebevost gehegt hat. Aber ein so bedeutender-— aber freilich, wie sich auch anderweitig, etwa im Agramer. HochverratSprozeß, erwies, gegen Irrtümer nicht gefeiter— Historiker Mit Heinrich Jriedjung hat sich zum.Inter», Preten dies« Legende gemacht. Fricdjung sst die Muptquelle Vach-.k's, der sich um strengst« historische Objektivität bemüht, ohne doch, einmal im Bann« der Heldenlegende, bis zu jenem Grad von historischer Einsicht in die Tragik Benedeks Vordringen zu können, an deN di« Forschung heute gelangt ist. Aber das schadet hem Drama nicht, dar in um keiner selbst willen da ist,.nicht als historische» Porträt,: '»Ludwig von Benedek hatte, als er1866 mit dem dornenvollen Kommando betraut wurde, eine, glänzende militärische Karriere hinter sich, Der«obst ein«» protestantischen Arzte» au» Ungarn,' al» Soldat ohne höher« Bildung, Landsknecht Mehr als Denker, hatte die meisten seiner Kameraden übersiügelt, war vom Glück begünstigt und über die Grenzen Oesterreich» hinaus berühmt geworden. Er galt nach 1859 unbestritten al» der wahre Erbe Radetzky», al» der erste Soldat Europa» neben MacMahon. dem Sieger von Magenta. Benedek war der Abgott der Armee, vor allem der Soldaten, deren unbedingte» Vertrauen er genoß, denen er schmeichelte, die er väterlich betreut«, beschenkte, belobte oder mit der bärbeißige» und rauhbeinigen Grobheit behandelte, di« Soldatenväter dieser Art immer aurzeichnet und die, gepaart mit jenen anderen Eigenschaften, von dem Soldaten mindesten» der alten Zeit sehr geschätzt wurde. Zu seinem Ruhm hatte Benedek nicht wensg selbst beigetragen. Er verstand e» sehr gut, Reklame für sich zu machen, seine Verdienste lz. B. in der Schlacht bei Solferino-San Martino) zu vergrößern und ins rechte Licht zu stellen. ES posierte gern und freute sich besonders, die hochfeudalen Herren in der k. k. Generalität anschnauzen zu können, aber er schmeichelt«, ihnen, auch wieder, verkehrte sehr gern mit ihnen und genoß ihre wohlwollende Freundschaft. Er war keineswegs der Repräsentant moderner. Reformideen in der Armee. Er war ein Feind des Liberalismus und aller«rmeetechnischen Neuerungen. Er hat 185Y al» Unterführer ebenso rebelliert, wie 1866 seine Untergebenen. Al» Chef de» Generaistabe» hat er'für die Reinigung und Ver- besserung diese» Corp», dessen Mängel ihm 1866 zum Verhäng» i» wurden, nichts getcuu Er bat die Nullen üNd Versager än die'Wichtigen Posten geschoben, nicht ahneiid. daß sie ihn in» Verderben reißen würden. Er hat auch 1866 dem Kaiser Bedingungen gestellt, ein beinahe wallensteknischeS Kommando erhalten mit auherordenllichen Vollmachten. Er durfte sich seine Unterführer und Berater. Wählen, er hatte sich aurbedungen, nur dem Kaiser, persönlich Rechenschaft schuldig zu föin.'Innerhalb der monarchischen und militärischen Ideologie war es nicht unbillig, daß man dem Mann, der al» Sieger alle Ehren eingeheimst und den Ruhn> de» größten Feldherrn seiner Zeit für sich beansprucht hätte(und er hätte e» gewißI) auch di« ,Verantwortung tragen ließ. Franz Josephs Verhalten Wird, dadurch, menschlich nicht schöner, aber Benedek» Tragik erscheint bei solcher Betrachtung in anderem Licht. Der historische Benedek ist«In wirklich tragischer Held. Er büßt seine eigene, also eine wirllich tragische Schuld. Er hat sich da» Kommando, das er im Frühjahr 1866 gern abgclehnt hätte, in anderthalb Jahrzehnten ertrotzt. Die Armee forderte ibn, da» Volk forderte ibn. Man spielt nicht umsonst Radetzky, man posiert nicht ohne Folgen den Wallenstein. Der Kaiser konnte gar nicht ander» al» den Mann rufen, in dem die Armee, da» Bürgertum, die militärische Oeffentlichkeit Europa» einen großen Feldherrn erblickte. Hätte Franz Joseph den militärisch begabten und für da» Komnmndo bester tauglichen Erzherzog Albrecht nach Böhmen geschickt und hätt« Albrecht eine Schlacht verloren, so hätte die Geschichte Franz Joseph ongeklagt, daß er da» Genie Benedek» ge» fesscli, durch kleinlichen Neid sein Reich zerstört habe. Erst die Rolle, die Benedek vor 1866 gespielt bat, erklärt seinen Sturz, erklärt einigermaßen die Haltung de» Kaiser». Die tragische Schuld de» historischen Benedek liegt also darin, daß er die Grenzen seine» Können» nicht sehen wollt«, daß«r über die eigene Unzulänglichkeit stürzt«. Sein Ruhm, von ihm selbst gepredigt, war am Ende zu groß für ihn und tötete ihn. Der G«ist, den er beschworen, hat ihn gefällt. Er hatte sich unterfangen ein« Rolle zu spielen, die er nur bi» zum vierten Akt studiert hatte. Im fünften blieb er stecken.(Auch, vom rein Militär-, kritischen Stäpdpunkt au» war er lischt ohne Schuld: bei Skalltz war« r e», der den Krieg verspielte, nicht der Erzherzog Leopold.) Gewiß«ine tragische Figur.''.'.. Emil Vachek, ausgewachsen in Könlggrätz. im blutigen Schatten der großen Schlacht, im nachwic- kenden Zauber der Persönlichkeit Benedek», sieht den Feldherrn ander». Er nimmt ihn al» l e i d e n d e n H e ld en, al» einen treuen Diener feine» Herrn wie Grillparzer» Bonkban, der keine andere Schuld hat, als daß er dem Wort seine» Kaiser» glaubte. So wird au» dem Drama doch eine' Schwarzweiß- Zeichnung: auf der eiNqi Seite der treulose Franz Joseph und der intrigant« Erdherzog Albrecht, auf der anderen dep bieder« Benedek, als«in Opfer der bteral tasaalty der Dhnastie. Vachek läßt neben den Personen auch den Geist der Epoche mitspielcn. Der Untergang Benedek» wird ihm zum Spmbol für den Untergang des Reiche», Masaryk» These von der moralischen Tode»- krankheit und moralischen" Todeswürdigkeit Oesterreich» klingt durch, Da» aktuellere Gleichnis, di« tiefere europäische Tragik von 1866 steht Dem„Retter der Mütter" DaS HauS in Budapest, In welchem der bekannte Mediziner Prof. S e in in e I w c i s geboren wurde. Da» Haus trägt die Inschrift„Dem Ratter der Mütter", denn es ist das große Verdienst die»«» unsterblichen Mannes, das Kindbettfieber, daS in früheren Zeiten ein Viertel aller Mütter hinwegrafft«, aus dem Wochenbett verbannt zu haben. Unser Bild zeigt den Eingang deS Hauses mit der Gedenktafel. sich seinen Verbündeten aus dem Weltkriege zuzuwenden, könnte c» dies nicht geschickter als durch diesen Vertrag tun. Nach der Unterzeichnung de» deutsch-japanischen Vertrages sei offenbar, daß sich «in europäischer Krieg in einen Weltkrieg verwandeln solle, sagt„New Fork Herald Tribüne" zUm Schluß und fügt hinzu, daß man sich einen ärgeren Irrsinn nicht verstellen könne, Verstärkung der schwedischen Flotte. Der Oberbefehlshaber der schwedischen Kriegsmarine,' Vizeadmiral d« ChampS, hat ein Bauprogramm für dle schivedische Kriegsflotte der Regierung überreicht. Er empfiehlt in Hinblick aut die„drohende europäische Lage" eine rasche Durchführung des Programmes zur Verstärkung der Flotte. Er fordert in erster Linie den Bau von vier Zerstörern, drei Unterseebooten und neun. Motorschncllbootcn. Eine Verstärkung des Luftschutzes, insbesondere der Flottenaulagen., soll Gegenstand einer späteren eigenen Eingabe werden. Verlegung de» britischen Militärkommandos von Kairo nach Jerusalem. Dar Zentralkommando der britischen Truppen im Nahen Osten wird nun nach dem Abschluß de» englischägyptischen Vertrage» von Kairo nach Jerusalem verlegt werden. Das Kommando wird' den offiziellen Titel„Britische» Zentral-Militärkom- mando für den Suez-Kanal in Jerusalem" führen. Die britischen Militäreinheiten werden hie Bezeichnung„Britische Truppen in Palästina und im Suez-Kanal", statt der bisherigen Bezeichnung„Britische Armee in Aegypten" tragen. Vachek nicht und wahrscheinlich kann kein Tscheche der neuen Zeit sie heute»och sehen, dazu ist zu wenig Gra» über den Gräbern gewachsen, zu wenig Blut noch die Ströme hinabaeflossen. In dem Sieg« Preußens über Oesterreich kündigt sich doch jeher tödliche Pan-Borussirmu» an, der heute Europa an der Gurgel hat, bricht sich auch— da» deutet Vachek einmal an— daS Prinzip de» technischen MgsttN- mordc» verheerend Bahn durch die Reihen der alten Soldaten. Ta» Drama wurde im Ständetheater in einer mustergültigen, sich in der Wirkung dauernd, bi» zum letzten Akt steigernden Ausführung herauigebrächt,. Auch da» Publikum, zunächst sichtlich befangen gegenüber einer Bühnenwelt, die de» Erbfeind von gestern verkörpert, lvurde von Szene zu Szene wärmer und ließ sich am Ende mitrcißen, al» Benedek, der pas- sive Held,«In erste»- und ledtermal im Stück h a n- delt, äl» er den 6>eneral»plunder dem Invaliden schenkt, di« änßeren Ehren hinwirft, um seine innere Ehre vor dem eigenen Gewissen zu retten. Dle Darstellung(Regie Karel Dostall. war im Anfang noch«in wenig steif und onirlert,, doch auch den Darstellern löste da» Spiel selbst die' Fesseln und sie wurden lebendig in einem Maße, wie man er bei den Historiensvielen der letzten Jahre kaum je erlebt hat. Da» beweist, daß«» sich bei Bachek's„Benedek" um«in w I r k l i ch e» D r a m a. nicht um«in'« Bühnenreportage handelt. Der Btne- dck de» Herrn K'a t«u spielte die Wastdlung de» noch posiexcstden Hero» über den Zweifler und Erschütterten bis zur Selbstüberwindung de» Bekehrten, der den geliebten.Rock auSzieht, die Eitelkeit des Uniform-Glanze» erkennt. Die Gegenspieler'wurden vonS t«imä r(Kaiser) und Deyl(Albrecht). die degenerierten Aristokraten von Dostalj Roland und mit besonderer Kunst von P e s e k. die sympathischen jungen Offiziere von den Hetxen Bohäk und'Pivec geaebe'n. Dje einzige Frau— Julie Benedek— verkörperte Frau Dost al pvä würdig und geschmackvoll. Die dankbarste Episode) den Invaliden, gab Jaroslav Vojta in meisterhafjer Charakterisierung. Für di« noble, mit großartig echten Uniformen vor.symbolisch gestaltetem'Himer, gründ astswarteyde Äüsstaftung zeichnete, B la st i- s l a v H o f m a n verantwortlich..Der Autor wurde Wiederholt gerufen und'dankte für bin Beifall.. Dr. E. Franzel. Sonntag. 29. November 1996. Nr. 278 Seite 8 VeremMaeimMeer §rager Aeltmrg Ilnternehmungcn, beim ausserordentlichen Budget Ki 439,062.049, zusammen also KJ Kunst und WUaen Vorträge Ur. An unsere Abonnenten und Genossen I Wir werden wie im. Vorjahre die Neujahrs*Enthebunsen Die Verwaltung lemUeh ausfüllee! freie Verefnlnunn sozialistischer fikademlker Ich bestelle hlemit unter dem Namen Beruf:. Unterschrift:' Mittelungen ärr»Urania« ■ get Kö 439,062.049, 1,742,5.32,541. Der Voranschlag ist mit KL 38.148 aktiv und wird der Bevölkerung keine neue Belastung bringen. eine Neujahrsenthebung zum Betrage von W10.— und sende llmyn diesen Betrag per Erlagschein ein. Urania-Kino. Das Urania-Kino erfreut sich ! einer stets wachsenden Besucher. Die besonder» sorgfältige Auswahl des Programmes, die bekannt gute > Wiedergabe in Bild und Ton, sowie der allgemein beliebte modernste Kinoraum tragen immct mehr dazu bei, unser deutscher Publikum rum ständigen Besuche Heranzuziehen. Sie sind uns alle herzlichst willkommen I „Sozialdemokrat^ Der BezirkSverrin Arlwlterfürkorge Prag beginnt heute mit seiner Sammeltätigkeit für die Win- ..■ rat L. a rw. V. AI 1 CUalttMrtr. in unserem Blatt veröffentlichen, wodurch den Genossen die mit den Neujahrsgratulationen verbundenen erheblichen Unkosten erspart bleiben. Die Enthebung kostet Kö 10*— und wird nach Orten geordnet, lediglich Namen und Beruf enthalten.-. Wir ersuchen alle Abonnenten die tieferstehende Enthebüngs* bestellung freundlichst auszufüllen und umgehend an uns einzusenden. Die Bestellungen müssen bis spätestens 18. Dezember bei uns einlangen. Dr. Emil Utitz, Professor an der Deutschen Universität, spricht M t t t w o ch, den 2. Dezember, um WO Uhr abend- im Klub„Nova Svoboda" Ober „Die Freiheit der Wissenschaft". Der Vortrag findet im Spiegelsaal der„Närodnl kavärna" In Prag I., Närodni 18/1, statt. Ludwig Hart spricht am M i t t w o ch. den 2. Dezember, abends, lb 8 Uhr, auf der Slawischen Insel im Rahmen einer Veranstaltung der„Union für Recht und Freiheit" über Ossietzktz. Unvergessliche Filmer„E r t a s e". Deutsch«. Premiere. Montag,%9 Uhr. Ludwig Hardt— Heimabend. Dienstag. 8 Uhr. Karten Urania, Wetzler, Andrö. „Der Bürger und die Bbrsc". Dr. Fr. Pick lVarir). M i t t w o ch. 8 Uhr. Karten Urania, Wetzler. Andrö. '„Aegypten von heute". Univ.-Pröf. Dr. G ro h- m a n n wiederholt seinen Vortrag Freitag 8.Uhr. Bau der Talsperre bei Stechowlfz Die Zuschüsse an die tvafferwirtschaftlichcn Fonds wurden für das Jahr 1937 auf 80 Millionen festgesetzt, d. i. um 10 Millionen mehr al» im Voranschlag für 1036. Ausserdem wurden auch aus der Wehranleihe 23 Millionen KL für Ival- sevlvirtschaftliche Investitionen bereitgestellt, so dass insgesamt 53 Millionen für diesen Zweck zur Verfügung stehen toerden. Infolge der Erhöhung der Mittel wird es möglich sein, bereits im nächsten Jahre mit dem Bau der Talsperre und des Elektrizitätswerkes bei Stechowitz zu beginnen, ohne welche das ncuerrichtete ElektrizitätStverk bei Wran ein umvirtschaftlichcS Torso wäre. "‘ Deutsche VolkSsiiiggcmelnde Prag. Die Uebmigcu, zugleich Generalprobe zum Auftreten^ linden Dienstag' für grauen um 7 Uhr, und für Männer um 148 Uhr statt. Er wird pünktlich begonnen. Die Atus-Nikoloveranstaltung wird ein richtiges Volksfest werden, mit Vorträgen, Bescherung und Tanz bis 8 Uhr früh. Dabei kein Gasthausbetrieb, sondern eigene» sehr reichhaltige» Bufett zu'den billigsten Preisen. Also am Samstag, den 5. Dezember, um 8 Uhr abend» alle Genossen und Genossinnen, di««in paar nette Stunden verbringen wollen, in di« Urania, Klimentskä. ’„Stimmen In und um uns" Sechs Bilder von Hans Multerer, aufführung im Neuen Deutschen Theater. Multerer hat sich mit diesen sechs Bildern, die nur durch die gemeinsame Absicht, man darf wohl sagen: durch die Gemeinsamkeit der Moral, miteinander verbunden sind, zwar nicht in dichterisches Neuland, aber auf für ihn neuen Boden begeben. Er will zeigen, wie jene Stimme, die den einen Stimme Gotte», den anderen die des Gewissen» ist, in den Menschen, zu den Menschen spricht. In Kain, nachdem er Abel erschlagen hat, in MoseS, zu Moser auf dem Berge Sinai, in Maria und der Mutter de» Juda», in einem jungen König, der als Kriegsbeute«in sechzehnjähriges Mädchen zugcführt bekam und er nicht zur Geliebten einer Nacht machte und dadurch sein Leben rettete und ausserdem eine KönigSrocher als Braut gewann, und— in den zwei letzten Bilder» — in Menschen unserer Zeit, und hier spricht sie weniger deutlich und wird weniger klar verstanden. Und daS ist auch zeitgemäss. Dem i» die Geschichte Rückschauendc» mag e» scheinen, dass durch dar Dunkel der Vergangenheit deutlicher und eindringlicher diese Stimme spricht. Sie spricht ja zu. uni in den alten Ueberlieferungen der Völker, sie spricht— als Ereignis menschheitlicher Entwicklung schon, erworbener Erkenntnis und Moral— durch die. Bücher des alten und neuen Testament» Was Multerer mit bester Absicht zu gestalten versuchte, ist nicht durchweg» gleich geglückt. Di« Szenen, die Bilder aus den Biblischen Geschichten Neujahrs-Enthebung für„Sozialdemokrat" Frauenorganisation Prag Montag, den 80. November, abond» 8 Uhr im Parteiheim, Prag II,. Smeika 22,III, Frauenabend Genossin Dr. Karla S ch w«l b wird zu dem Thema „Da» neu« Eh«- n n d F n m I l i e n- recht in der S o w je tu n i o n" sprechen.. Mr erwarten einen»ghlreichen Besuch. DaSKomitre. Arbeitervorstelluns „Die lustigen Weiber von Windsor", Komische Oper von Nicolai, am Sonntag, den 6. Dezember, nm halb 8 Uhr. Karten täglich von 8 bis 2 und 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. ' Aranka-Ktuo „Du bist mein Glück" mit Benjamins G i gli. Lustspiel. H« u t« 2, 4, 6,%9 Uhr, sonst AS. W Uhr. Steigendes Interesse an der Bildungsarbeit der Urania. 4000 Personen besuchten in der Woche vom 22. bis 28. November die reinen BildungSveranstaltungen der Prager„Urania" und ihrer Masaryk-Volkshochschule /nicht eingeschlossen Kino oder Unterhaltungs-Veranstaltungen). Geständnis unter dem Druck der Indizien. Der Tod der Henriette Btzstricttz-Kocourel scheint nunmehr seine Aufklärung zu finden. Miroslav Tomek änderte in den vorgestrige» Abendstunden feine Aussage, die ursprünglich einen Selbstmord der Kocourek hatte Vortäuschen wolle», dahin ab, dass er selbst den Revolver gehalten habe, als dec Schuss, losgegangcn sei. Die Frau habe während de» vorhergehenden Streites sich ständig de» Revolver» bemächtigen wolle», Tomek habe die» verhindert, ihr schliesslich den geladenen Revolver entrissen und sich mit ihm auf die Erde gelegt. Die Kocourek habe sich an seiner linken Seite ebenfalls niedergelassen nm> sich auf den rechten Ellenbogen gestützt. Hiebei sei der Schuss unversehens losgcgangen und habe sie getroffen, ohne dass er, Tomek, irgendwelche TötungSabsichicn gehabt habe. Die Obduktion ergab die völlige Unmöglichkeit eine» Selbstmordes oder Unfalles. Im Lanfe des gestrigen Nachmittags legte er folgendes Geständnis-ab: Im Gegensatz z» all seinen früheren Aussagen habe es sich bei dem Streit, der dem Tode.der Koxourct voranging, eigentlich um ihr« Beziehtnijjen hzw. um. di« Schwangerschaft der Kocourek gehandelt. Er habe sie der Untreue bezichtigt und es sei zu einem erregten Wortwechsel gekommen; hierauf sei ihm schlecht gewordcn und die Kocourek, die schon zum Weggehen bereit gewesen sei,.habe daraufhin den Mantel ausgezogcn und ihn mit einem nassen Taschentuch abgerieben. Das GlaS Wasser, in das sie das Tuch getaucht haben soll, wurde tatsächlich in der Wohnung gefunden. Er habe sich dann niit dem Revolver auf die Erde gelegt, sie habe sich neben ihn gesetzt und über ihn gebeugt wieder von der erwähnten Angelegenheit zu sprechen begonnen, wobei sic schliesslich sagte, er müsse nicht mit ihr gehen, wenn er ihr nicht glaube. Hierüber sei er in grosse Aufregung geraten, habe sich heftig nach ihr umgcdreht, so dass die Waffe ihren Körper berührte und in diesem Augenblick sei der Schuh loS- gcgange».—Das Verhör wird weiter fortgesetzt. Die letzte Autofahrt. Gestern nachts um 2 Uhr stieg.in der Michalskä in Prag I ein unbekannter luNger Mann in daS Auto des EhauffcurS Josef V a n k a und gab an. nach Michle fahren zu wollen. ÄiN Ziel angelangt, konnte er dem Chauffeur.da» Fährgeld nicht bezahlen, weshalb ihn dieser auf die Pvlizeiwachstubc fahren wollte, um feine Personalien sichcrzustellcn. Auf dem Weg durch dse Äöle- hradskä in Prag XII zog der Unbekannte plötzlich einen Trommclrcvolver ans der Tasche und schoss sich jn d.ie Herzgegend. Hiebe! fing sein Rock Feuer. Der Chauffeur brachte den tödlich Verletzten sofort äuf die Klinik Jirasck, wo er als der 21jährige Maschinenschlosser Franz Charvät aus Nimbnrg identifiziert werden konnte. Er will die Tat aus Lebensüberdruss begangen haben. ..' Postdlenst am 8. Dezember 1930. Dienstag, den 8. Dezember 1986, wird der Dienst im Post-, Telegraphen- und Telcphonverkchr wie an Feiertagen versehen. Die Post wird nur im OrtSzustell» bezirk'zugestellt werden. <■■- Die Feier de» Weihnachtsbaum«» der Republik wird am 5. Dezember an einigen Stellen Gross- Pragp eingelxitct. Im ganzen werden der Prager Ooff-ntsschseit 18 Bäume der Wohltätigkeit über-' geben werden. Täglich halb ü, itv, SaiNStag 0, "Msei.Die Schneiderin." Tsch.— Alsa:„Die Versuchung." G. Cooper, M. Dietrich. A.— Avion:„Perlen au» dem Kronschatz." A.— Beranek:„Die Spielhölle am Goldufer." Robinson. A.—■ Fcnix:„Unter zwei Flaggen." A.— Flora:„Marquis Corball." A — Gaumont:„Herzen im Dämmerschein." Tsch.— Hollhwood:„Oestlich von Jawa." A.— Hvizda: „Dein Herz inkognito." Tsch.— Juli»:„Die Schneiderin" Tsch.— Klnema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Groteske.— Kotva:„Mädchen int Schlajsaal." Simone Simon. A.— Lurerna:„Unter zwei Flaggen." A. — Metro:„Oestlich von Jawa." A.— Passage: „Blumen aus Nizza." Erna Sack. D.— Praha: „Herzen im Dämmerschein." Tsch.— Radio:„Arzt au» Leidenschaft." D.““* nhver.",",. saäh"..A.,.-^- Alma:.;sb a v td. C i> p p R. Colman. A.— Baikal:„Sturm Üb.. fischen Meer." A.— Belvedere:„S Chinesischen Meer." A.— Beseda:„ denschaft." D.—^larlton:„Allotria. verfielt». lotria." D.-... „Jungfernklub." Nach Jacquez Deval. Fr.— Pert- thn:„Da» Erwachen de» Weibes." Tsch:'—Rozh: „Allotria." D.— ll Bejvodu:„Die ganze Stqdt spricht davon." Robinson. A.— Salbet:„Allotria." D.— Beletrhtz:„Allotria." D. .. Skaüt:„Liebe und Ma» Tsch. Svktozor:„Mädchen im Schlaf« ' u"^p^l-eld." wer dem llhine» turm über dem .Arzt au» Lei» . D.— Jllu- Allotria." D.— Lido II:„David Cop- Nach Dicken». A.— Louvre:„Al- Maceika:„Allotria." D.— Olhuipic: Blumen aus Nizza Run sieht und hört man auch Erna Sack in der Hauptrolle einer Filme». Dass sie wunderbar singt, muss man von ihr, die man in Prag häufig gehört hat, nicht erst sagen. Auch im Tonfilm bezaubert die Höhe und Kraft ihres Sopran, besonders in der Arie au» dem„Barbier von Sevilla", aber auch in dem Schlager bc» Filmes, nach dem der Film feinen Titel hat. Der Weg der Sängerin von der kleinen Konservatoristin zu Erfolg und Ruhm ist natürlich auch der Gegenstand diese» Filmes, aber man kann sagen, dass man den Weg, der diesmal mit Blumen au» Nizza bestreut ist, immerhin auch mit einigem Humor gepflastert hat. Dass ausserdem noch ein schöner Graf um der Sängerin willen Selbstmord fingiert und sich schliesslich sogar verwundet und doch eine andere heiratet, ist angesichts des gewohnten Klischees der Sängcrfilme fast originell. Uebrigen» ist dieser Graf, den Karl ,...„„„„„„„„, Schönbock spielt, sowohl im Spielkasino als auch gestalten, sind schwächer al» die modernen. Hier hat als SilfSmontcur in einer Garage, jeder Zoll«tn die Kraft beS Dichter» nicht ganz auSgereicht. Da»“ J*‘ 1"" dritte Bild„Zwei Mütter" ist nicht drmnasisch ge» nug.„Schach dem König" ist viel lebendiger, doch, ist die Fabel nicht eben neu.„GaS", ein Bild gross städtischen Elends, ein ganz alltäglicher, erschüttert ; gerade durch dse Einfachheit und Selbstverständlichkeit de» Geschehen», des Weges in den Gastod, um dem Hungertod zu entrinne». Am besten ist die„Ma- iurafcier" geglückt, tragikomisches Wiedersehen von Mitschülern nach dreissig Jahren. Zwar kennt man alle die Typen derer, die c». zu etwa» gebracht haben, aber sic sind gut gezeichnet. Am besten wirkt die Ge stalt des versoffenen Schriftstellers,— nicht weil er säuft, sondern weil er der menschlichste geblieben ist Die Gedanken der Feiernden, die durch ihren Be ruf alle vorzeitig dem Feste entrissen wurden, be- beschäftiqten sich immer wieder mit einem ehemaligen Mitschüler, den si« als Genie preisen, der nach einem> Duell flüchtete und verschollen ist. Er hat an der— Feier teilgenommen, er war der Oberkellner de» Re- I staurants,— leise erhebt er zuletzt seine Stimme, aber der Schriftsteller glaubt nur im Rausche die Stiinmen der Geister des Weines zu hären.— Multerer hat selber, vor dem ersten Bild und nach dem vierten, gesprochen, war Stimme der Stimme, liess die Stimme von sich selber sagen, sie sei die Gotte» oder des Gewissen».„Vielleicht. Ich weiss e» selber nicht." Für die Stimm« Gotte» aber könnte diese»„Ich weiss c» selber nicht" nicht gel ten.— Die sechs Bilder wurden herzlich ausgenom men, die gute Absicht de» Dichters wurde durch viel Beifall anerkannt. Das Spiel war sehr gut, au» der Fülle der Darsteller können nur einige genannt werden: Klippel al» stimmkräftiger Kain, Valk al» stark gläubiger Mose», Padlesak al» junger frischer■ König, Marion Wünsche al» seine kindliche Part-I nerin, Volker als versoffener Schriftsteller. Aber e»' erscheint beinahe ungercchf, nicht fast alle Namen zu nennen.•,■•—fb— Die Ausstellung der Prager Sezession im Kunst verein für Böhmen(II., Pötrossova 12) ist täglich Von 9 bi» 5 Uhr geöffnet. Einiritt KL 4.—.| Wochenspielplan de» Neuen Deutschen Theater». Heute, Sonntag: nachmittag» 2 Uhr: Schneider im Schloss: Abends 7 Ühr: Faust 1. und 2. Teil. A 2.— Montag halb 8: Eine Nacht in Venedig, »Theatergemeinde der Jugend, 2. Serie, grüne Karie und freier Verkauf, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: Ehe, Al.— Mittwoch halb'8: Cavalleria rnsticana, Der Bajazzo, Gastspiel Jar mila Köirovä, B 2.— Donnerstag halb 8: Axel an. der Himmelstür, C 2.— Freitag halb 8: Die lustigen Weiber von Windsor, D.— Samstag halb 8: Are! an der Himmel-tür. B 2.— Sonntag halb 8: Die luftigen Weiber von Windsor, halb 8: Eh-, C I, Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Heute, Sonntag, nachm. 8 Uhr: Gefallene Engel, halb 8: Der Illusionist..— Montag 8: Die Reiterpattönille, Bankbeamte 1 und freier Verkauf.— Dienstag 8: Stimmen in und um uns, Bankbeamte 2 und freier Verkauf.— Mittwoch 8: Salzburg ausverkauft, volkstümliche Vorstellung..— Donnerstag 8: Der Illusionist.— Freitag 8: Hofloge,.Theatexgemeindo de» KulturverbandcS und freier Verkauf,— Sams tag 8: Der Illusionist.— Sonntag 8: Die Freier, halb'8: Der schief« Hut, Erstaufführung. Am Dienstag, den 1. Dezember 1980, findet di« feierliche Eröffnung unseres neuen Heim»(Prag II., Spilent 40/11.) gatt. E» spricht Genoss« Dr. E m i l F r a n z« I über Die Volksfront In Frankreich Beginn Pünktlich 19 Ahr 30.> Alle Mitglieder und Freunde der FBSA werden zu dieser Veranstalt««» eingeladen.. ; Das Prager Budget Das Budget der Stadt sieht für das köm- tcrhilfsäkllon für da» Tachauer Gebiet im Böhmer- meNde Jahr grössere Ausgaben vor. Sie errei» wald. Wir sammeln Gold. Kleider, WiUchc. Schuhe, chcn beim ordentlichen Budget KL 1.252,840 492 Lebensmittel. Lasst unsere Sammler nicht mit leeren für die Stadtverwaltung mit sämtlichen ihren Händen Weggehen i Filme In Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Du bist mein Glücks mit Benjamin» Gigli., %9, Sonntag 2, 4, 6, iiO Uhr.— Adria: Romangraf, der die jüngeren Kinobesucherinnen < entzücken wird. Paul Kemp al» Manager ist von bezwingender Komik und sehr reizvoll und natürlich ist-Friedl Czepa, ein weinendes, lachende» und von Herzen sentimentaler kleines Mädel.. Im ganze» esg gpit gespielter Wjxner Film. bei. dem. itik Anspruchsvolleren sich an der Musik und dem prächtigen Gesang. Erna, Sack» schadlos halten können. jk ch".„ a n- v»« a u n a c n- Bei Zustellung ins Hau» oder bei Bezug durch die Poft monatlich KL 0.—. vierteljährlich KL 48-, halbjährig KL 80.—, ganzjährig KL 192.—/— Jnserätkiwerdin läut"'' s e A m-i öit-'ren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Nianufkripten erfolgt nur bei Einsendung dec>St«tourmark«n.— Die Ze!tu»g»fränkatür.tpnrde von der Post, undjTel««'' Tgpif billigst berechnet. Bei öfteren M. 1&.800/VU/1980 bewilligt.— Druckerei:.Dtbi»". Drud», VuIa8l.und„8«ttung»,«..B, Prag.'-.'.