Sonntag, 6. Dezember 1936 16. Jahrgang Nr. 284 Einzelpreis 70 Hellei (einschließlich L Holler Porto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG frag xil., fochova 42. Telefon sm HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi KARL KERN. FRAG. Durchbruchsversuche. zurückgeschlagen B ä l e'it c i a. Tic Aufständischen sind weiterhin bemüht, die Madrider Front hauptsächlich im Abschnitt von Pozuelo und Monrloa zu durchbrechen. Sie wurden jedoch jedeSmal von den Re- gietzungSmilizen zurückgeschlagen, deren Kampfaktionen von der internationalen Brigade heldenhaft. unterstützt wurden. An der asturischen Front kam eS im Abschnitt G r ad 0 zu kleineren Plänkeleien. Schiffe der Aufständischen haben die Küste bombardiert, «M die Ausbootung von Truppen zu unterstützen, aber durch einen Anflug von Regiernngsflugzeu- gen wurden die Schiffe zum Rückzug gezwungen. Die Milizsoldatcn haben in S a n t a n- der Positionen von großem strategischem Wert erobert, welche den Ausgangspunkt einer weiteren Offensive bilden werden. An der aragonischen Front haben die Regierungstruppen bei Billa Pueva de Rebollar die Aufständischen auseinandergetrieben. , Madri d.(Savas.) Einer amtlichen Meldung des Berteidigungsausschusses zufolge wurde, in der Nacht auf SamStag an vielen SMen der Madrider Front gekämpft. Jagdflügzeuge der.Regierung verhinderten neue Bom- bardierungsversuchc. 100 bomben oul 700 Quadratmeter! Easg des Eampo. Ueber dem freitägigen Anflug der Flugzeuge der Aufständischen aüf Madrid meldet der Havaskorrcspondent: Um 14 Ahr erschienen am Himmel 23 dreimotorige Flugzeuge und hinter ihnen sieben zweimotorige. Alle diese Flugzeuge haben ihr« ganz« Bombenladung im Westteil der Straße Paseo Rosal« abgeworfen, wo di« Regierungsabteilungen ein Netz von Barrikaden errichtet hatten. Ans einer Fläche von. 700 Quadratmeter schlugen mindestens LOO Bomben ein... Keine Heirat? London. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der König sein« sämtlich«» öffentlichen Berpflich- tnngen abgesagt. DaS Kabinett hat verschiedentlich mit dem König in Verbindung gestanden» der sich weiterhin im Fort Belvedere anfhält.' Am Hause deS Premierministers herrscht weiterhin lebhafte Tätigkeit. Man nimmt allgemein an, daß die Beratungen den Sonntag über ruhen und daß sie erst am Montag fortgesetzt werden. „Daily Herald" meint,«S sei immer unwahrscheinlicher, daß der König auf den Thron verzichten wird. Man erwartet, daß Baldwin in Kürze seinen Kollegen wird mitteilen können, daß der König n i ch t die Absicht habe, sich in nächster Zeit zu verheiraten... Dem König habe«ine Gruppe, seiner..Freunde, in die der König sehr großes Vertrauen setze, geraten) keine» unwiderruflichen Beschluß zu fasse».. ■ Der katholische Primas in England, der Erz« llischof von Westminster, hat die katholische Geistlichkeit und die Gläubigen aufgefordert, für den König und das Land zu beten. Der Erzbischof ermächtigte die Geistlichen, in den Kirche», das Allerheiligste, auszustellen. und so diesen gemein- sstmen Gebeten eine»feierlichen Charakter zu verleihen. O!e finanzielle Seite Dem Londoner Berichterstatter deS„Pa- r j s m i d i" zufolge würde König Eduard. Vlll. im-Falle seiner Abdankung dem künftigen König alle der Kronh gehörigen Güter übergehen.Ün seimin.' Eigentum würden jedoch- Vie beiden persönlichen Besitztümer C ornwa I l und- L a n- c a st c r bleiben. Außerdem Hat die Königin Vil- toria einen bedeutenden.Teil ihresBermögeüS. EduapdVIIIji.?beriNächt./Dieses Vesniögonre- präsentiert einen Wert von drei Millionen-Pfund. Sterling(etwa 400 Millionen Ai).•'v... ''SJn London kursieren' Gerüchte, wonach das Parlament König Eduard. VIII/für'denFall seiner Abdankung eine b e d e U t e n t e.Im h« r e s r e nt«, aussetzen würde.. daraufhin zu einer kurze» Beratung zusammen, welche zu demselben Ergebnis gelangte. Nach per Verkündung des Skrutiniums gab Blum in der Kammer dir Erklärung ab, daß die Regierung ihre Aufgabe fortsehen werde, obwohl sich die Kommunisten bei der Abstimmnng der Stimme enthielten und der Regierung das Vertrauen nicht votierten. Im Anschluß an die Miuisterbesprechung, die i» der Kammer stattgcfunden hatte, gab Minister- präsideiit Blum der Prelle die Erklärung ab, daß er und feine Kollegen angesichts des aggressiven ToneS deS. kommunistischen Fraktionsführers D u c l 0 s in dellen Erklärung erwogen hätten, ob ein Weiterarbeiten der Volksfront noch möglich sei. Die Minister hätten jedoch einmütig beschlossen, i m Amt z» bleibe». Immerhin werde die Frage» die die Kommunisten aufgeworfen hätten, in Partei von der Tribüne des Parlaments herab > der Verbreitung von Lügen und Fälschungen ge- 1 ziehen und überwiesen wird. Muß die Welt nicht - zu der Ueborzeugung gelangen, daß alle Beschwerden der Sudetendeutschen ähnlich fundiert , und daß die Forderungen der Sudetendeutschen . nach nationaler Befriedung mit der Friedenspropaganda Hitlers und Goebbels' auf eine Stufe j zu setzen sind? 1 Und muß nicht das tschechische Voll, < müssen nicht gerade die verständigen und staatsklugen Kreise des tschechischen Volles an der Möglichkeit einer, ehrlichen Verständigung mit einem ’ Volke zweifeln, das sich Wortführer wie die 8u- ’ terpollanten der SdP gefallen läßt, das die, gro- ■ ber Fälschung überwiesenen„Politiker" nicht mit nassen Fetzen davonjagt? Gerade jenen Tschecho- : slowaken». die im Banne Masaryks aufgewachsen ' sind, der das Wort„Die Wahrheit siegt" zur Parole des nationalen Kampfes machte und eS in jahrzehntelangem Kampfe gegen die moralisch kranken, nationalistischen und unehrlichen Rich- - tungcn in der eigenen Nation erhärtet hat, gerade > diesen-Tschechoslowaken muß daS Vorgehen der 1 SdP als ein Beispiel moralischer Verderbtheit 1 und politischer Unreife erscheinen.. 1 Es ist weiter eine- Gewissenlosigkeit, die ' ihresgleichen sucht, daß die SdP sich gerade jenes ' Ressort zum Angriffsobjekt, wählt, in- dem seit 1 vielen Jahren das ehrliche Bestreben? obwaltet, ' die soziale Not der Sudetendeutschen einzudäm- - men, daß die Falschspieler sichge rade je n en ! t s ch e ch i s ch e n M i Niste ri z u m Z i e l- ' punkt ihrer Hetze aussuchen, dsr seine'wahrhaft staatsmännische, wahrhaft-humane upd über nationale Kleinlichkeit erhabene Gesinnung,, seine Liebe zur Gerechtigkeit, sein warmes Interesse fiir die deutschen Bürger der Republik hundertfach - bewiesen hat, den-wir aUe als e inen d er b 0- st e n Freunde der staatstreuen s u d e- . ten d e u t s ch en Bevölkerung kennen ; und schätzen?! Nur weil NeLas Sozialist, weil er „Marxist". M zielt man auf ihn, ohne zu erwägen,was man' mit diesem gewissenlosen tzasard- - spiel anrichten kann. Endlich aber gilt es folgendes zu bedenken: Der angegriffene und herausgeforderte Minister Seile 2 Sonntag, ü. Dezember 1886 Nr. 284 sah sich gezwungen, den, Verleumdungen entge- genzutretcn und dabei ein reiches Beweismaterial zu unterbreiten. Aus den Zahlen geht hervor, dass die von der Krise schtverer heimgesuchten, zur Mehrheit deutschen Bczirle der Republik tatsäch- lich fast ebensoviel, zmn Teil sogar niehr aus den Jugendfürsorge-Aktionen de» Ministerium» erhalten haben al» die von der Krise weniger betroffenen tschechischen Gebiete. Gewiss wird kein billig denkenderTscheche an dieser gerechten, den Verhältnissen entsprechenden Verteilung etwa» auSzusehcn haben. Werden sich aber nicht die national! st ischen Tschechen, gerade die Freunde der SdP, die Heber und Chauvinisten, die zugleich auch die antisozialen Elemente und schon darum die Freunde Rosche» und Heulein» sind, auf diise Zahlen stürzen und wie schon so oft, auch seht wieder Klag« führen, dah die Deutschen zuviel bekommen, dah sie verhätschelt werden und, da sie m'it Frechheiten antworten, aus kürzere Nation gesetzt werden mögen?! E» ist sehr ivohb möglich, dass die Kampagne der SdP gegen NekaS diese Folge hat. Dah«in« Osftnstve de» tschechischen Nationalismus und FaschiSmu» gegen den Fürsorgeminister einsctzt und ihm.seine Arbeit am Werk« der sozialen Gerechtigkeit und nationalen Verständigung erschwert. Ob"die SdP das nun beabsichtigt hat oder ob sie nur in grenzenloser Leichtfertigkeit solche Folgen' heraufbcschwört, auf jeden Fall hat sie bewiesen, dah sieohne verantwort um g für die Nation, ohne Rücksicht auf die Interessen des sudetcndeutschen Volkes, aus rein parteipolitischen Motivön und im Dienste ausländischer Propagandastellen die schwer st enGe- fahren über das Sudetendeutschtum heraufbcschwört. Gr wird Zeit, dah dieses Sudetendeutschtum begreift, dah' Hasardieren, Lügen und Zündeln nicht Volkrpolitik, sondern Bolksvcrrat schlimm st er Artist! toher 1818 bi» zum 28. Oktober 1888 pensioniert oder in da» tschechisch^ Gebiet versetzt wurden und welche Stgai»beamte und Staat-bedienstete: in der Zeit vom 28. Oktober 1818 bis 28. Oktober 1888 nach Marieübad zur Dienstleistung zugewiesen wurden. Die Interpellanten werden sich gestatten, in dieser Broschüre die völkische Zugehörigkeit dieser Beamten nnd Staattbedsensteten anzuführen, Bevor dl« Interpellanten dies« Broschüre ver- öffentlichen, fragen sie die Regierung,»t dies« s«l»st bereit ist, die genannte Untersuchungen an< zustellen und hieraus von sich au» im Jntereffe der Beachtung de» Gleichheitsgrundsatzes der Minderbeitenschutzverträge die notwendigen Verfügungen zu treffen, um di« Akt« der Entnationatigerung, die tishrr rechtswidrig gegenüber dem Weltkurori Marienbad d»rchg«''hrt wurden,. rückgängig zu machen. Angesichts dieser gedruckt vorliegenden erpresserischen Drohung, das A,u sla» d gegen die Tschechoslowakei aufzuputschen, dürfte«S wohl selbst,dem agrarischen„Beier" schwer fallen, der SdP auch nur mildernde Umstände zuzubilligen l. Herr Dr. Rosche kann mit seinen Anbiederungsversuchen für geraume Zeit einpacken, denn die NcäaS-Rvde und diese Revölverinterpel- lation der SdP-Senaioren werden auch jenen bekannten tschechischen Patrioten, die immer noch, damit liebäugelten, zusammen mit der SdP eine frlsch-fromm-fröhlich-frete Sozialistenhatz zu inszenieren, dieses Vorhaben einfach unmöglich machen. Die Budgetschlacht ist als- für die SdP gründlich verloren, und der„administrative Federstrich", mit dem Dr. Hodja nach Rosche» eigenen Worten da» ganze nationale Problem lösen könnte(böse Zungen behaupten, der Federstrich mühte etwa so ausschauen:»Licker Herr Dr. Rosche, ich ernenne Sie zum Minister") dürfte noch lcmge aus sich tvarten lassen. *\ Die nationalen Wünsche der Minderheiten Die nächste Zeit wird zweifellos'-den Verhandlungen der Regierung mit den' deutschen aktivistischen Parteien über die Regelung, der nationalen Wünsche gelten, die seitens der Deutschen erhoben werden. Die drei deutschen aktivistischen Parteien werden diese Wünsche und Forderungen voraussichtlich sch o n i mL a u f« dieser Woche dem Ministerpräsidenten vorlegen. Es ist zu wünschen, daß man auf-tschechischer Seit« diesen Wünschen in weikestgehen- dem Masse entgegenkommt. Das würde wesentlich zur Befriedung der Situation beitragen, Die selbstherrliche Behauptung der SdP, sie und nur sie sei die berufen« Vertreterin des sudetendeutschen Volkes bei allen kommenden Verhandlungen über da» nationale Prohlem,. haben schon unsere Redner, in der Budgethckatte, dje Genossen Kögter und'. K r e j e t, entspres chend zurückgewiesen. Indirekt wird diese Patzige Tbese der SdP jedoch unzweifelhaft gestärkt durch die schwankende Haltung, die einzelne deutschbürgerliche aktivistische Politiker in der letzten Zeit und auch direkt in der Budgetdckatte der SdP gegenüber einnahmen. Eine Klarstellung, dieser verwunderlichen Einheitsfronttaktik, die überdies von der SdP selbst zurückgewiesen wurde, ist nicht nur im Interesse de» gesamten deutschen Aktivis- muS,.sondern vor allem im Interesse jener Parteien, denen diese Politiker angehören, dringend notwendig. Sie sollten ja durch, die Erfahrung schon genügend gewitzigt sein, al» dah sie sich noch Täuschungen darüber hingeben könnten, dah eine Die Maske fällt l Rosches Anbiederungen hinfällig' SdP-Interpellailon Im Senat droht offen mit der Aufputschung der britischen Oeffentllchkelt Die eben beendete Budgetdebatte wurde von der SdP, die den bisherigen Zustand der Isolierung ohne schwere Einbuhe kaum länger ertragen kann, als eine nicht so bald wiederkehrende Gelegenheit erkannt, in die Mauer de» Misstrauens, die sie von allen Seiten umgibt, eine Bresche zu legen. Diese Aufgabe war dem Herrn Rosche zugedacht; ihm passierte» allerdings bei dem schweren Beginnen, die Staatstreue der SdP der tschechischen Oefscntlichleit überzeugend darzulegen, im Ausschuss zwei böse Entgleisungen, die sein Konzept arg verdarben. Sein Reinlvaschungsversuch im Ausschuh war ziemlich schlvach und so muhte sich Dr. Rosche auch in der Generaldebatte im Plenum nochmals bemühen, diese„schivarzen Punkte", wie er sie spöttisch nannte, auszutilgen. Beidemal ivar ihm das Glück günstig: er konnte seine Rede an den gerade aulvesenden Ministerpräsidenten richten. Doktor Rosche verabsäumte cs darum auch nicht, die Visitkarte für den Eintritt in die Regierung, fein säuberlich, wie in Kupfer gestochen, dem Regierungschef zu präsentieren. Hodjas persönliche An- lveseuhcit machte ihm denKopf so schlvindlich, dass er in seiner Rede glatt imVerlauf von höchsten» ein-r halben Stunde von der unverrückbaren Forderung nach einer„Gesamtlösung des natioualpolitischen Problems" und von der pathetischen Ablehnung jcdlveder„Brosamenpolitik" Abstand nahm und plötzlich entdeckte, der Ministerpräsident brauche nur„administrativ« Weisungen? herauszugeben und alle' diese Problem«' würden mit einem Schlage gelöst sein. Drauhen in den Versammlungen tun es die Herren grundsätzlich nicht unter der völligen Autonomie, drinnen im Parlament ist Herr Dr. Rosche plötzlich zu allen Konzessionen bereit und würde sich nut einem Linsengericht begnügen, wenn ihm Dr. Hodja nur den kleinen Finger reichen wollte... Dann kamen die Klubkollegen deS Herrn Dr. Rosche daran und die sprachen anders, so ungefähr, wie es der Leipziger Sender und der „Völkische Beobachter" brauchen, um gegen die Tschechoslolvakei zu hetzen. Der eine suchte die Zentralbank-Angelegenheit als einen nie da'ge- wesenen Raubzug au deutschem Volksgut hinzu stellen, der andere präsentierte„Enthüllungen" über die Staatspolizei und Gendarmerie im Grenzgebiet, die die Schrecken reich-deutscher Kouzentrationslager zu Übertreffen schienen, und selbst der Klubobmann Kundt ging weit schärfer inS Zeug, als rötlich erscheinen muht«. Darauf folgte prompt«in Gegenstoß der Regierung, die durch den Mund de» Fürsorgcmi- nisterS Jng. N e i a S der SdP eine geradezu schreckliche Niederlage wegen der Interpellation über die Staat-Zuschüsse an die Jugendfürsorge bereitete. Die Entrüstung, die sich, aller tschechischer Parteien ohne Unterschied bemächtigt hatte, als Nekas fest stellte, dah dir uns feindliche AuS- landspresse die. auf falsche Ziffem aufgebaute Interpellation weidlich zur Hetze gegen die Tschecho- slowakei auSgenützt halte, hätte der SdP-Leitung eigentlich ein deutlicher Fingerzeig sein Müssen, ihre Methode aus dem Umweg über das un» feindlich gesinnt« Ausland einen erpresserischen Druck auf das tschechische Lager auSzuüben, rechtzeitig auszugebe». Aber da war ein weiteres Unheil schon im Ablauf und nicht mehr aufzuhalten: Am gestrigen Samstag wurde im Senat eine vom 24.' November datierte SdP-Jnterpellatton„betreffend die planmässige Tschechisteruftg Marienbads" Im Druck verteilt, die den Erpceffermcthoden der SdP die Krone aufsetzt. Wer weiss, wa» die SdP-Leitung heute darum gäbe, könnte sie diese Interpellation ungeschehen machen I Darin Wird nämlich klipp und klar gesagt:-.Hmn.Ai’jir „Dir Interpellanten haben Material g«s. weit, um die Weltöffentlichkeit in«M«r, in«n»- lilchcr Sprach« erscheinenden Broschür« übet diese» planmäßigen EntnattanalistcrangSversach aufzuklären. Die Interpellanten werden in dieser Broschüre, anschliessend an die bevölkerungspolitischen Daten des statistischen Staatsamte», namentlich anführen, welche Staatsbeamte und Staatsbedirn» stete am Tage der Staatsgründung, also am 28. Oktober 1818, in der Stadt Marienbad ihren Dienst versehen haben. Sodann werden die Interpellanten unter namentlicher Anführung der betreffenden Staatsbeamten und Staatrbedien« steten aufzeigen, welche deutschen Staatsbeamten und Staat-bediensteten in der Zeit vom 28. Ok- Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld 20 Als Mia fragie, was sie schuldig sei, und ihr Geldtäschchen ergriff, drückte Frau Finsterbusch ihr« Hand hinunter, eS sei schon gut, es sei alle» erledigt. „Ich muh jetzt nach Haus«— die Mütter wartet", fagte das Mädchen.„Vielen Dank, und". „Scho» gut. Auf Wiedersehen, Fräulein". Frau Finsterbusch nahm den leeren Teller, das Messer. Sie sah dem Mädchen eine Weile nach; cs fuhr im Vorübergehen mit der Hand über BinckaS Fell, das Köfferchen schwang an dem langen, pendelnden Arm, die Blumen auf ihrem Kleid waren fahl in der Dämmerung. Ich könnt« ein Kind haben, das schon so alt ist wie. sie, dachte Frau Finsterbusch. Es würde davonstmsen wie sie und sich von einer fremden Fau trösten lassen, wenn«» Kummer hat. ES würde mit verweinten Augen nach Hause kommen, und mir nicht sagen,' warum es geweint hatte. Ich würde die ganze Nacht, kein Äuge zutun und ein« Erklärung für seinen Kummer suchen. Und sie nicht finden,' und zu weinen beginnen— ' Sie ging in das Hofzimmsr; über dem grau« Dämmerung lag. Sie beugte sich über Ziffem-. kolonnen, den Bleistift in der Hand. Sie irrt«sich immer- wieder; die Gedänkest liefen über die Zahlen hinweg und. verloren sich im Winkel,'sie müsste sie zurückrufew und immer.'wieder von neuem-be» ginnen. Erst beim dritten Male fand sie die richtige Summe. XIII. Sie nahm das Blatt, legte es wortlos vor Finsterbusch auf den Tisch. Er fasste e», starrte er an. Dann sagte er: „Wir sind also bankrott. ES ist zu Ende." Sie anwortete nicht. Sie hatte ihn monatelang auf die Gefahr aufmerksam gemacht, er hatte gebrüllt: Ich hab kein Geld, und hatte alles weiterlaufen lassen, wie es lief. Nun sollte er Rat schaffen. Das Eafk trug seinen Namen, er hastete für die Schulden. „Ich werde mir Geld ausborgen müssen—" „Wer wird dir Geld leihen?" „Ich werde einen Kredit bei der Bank aufnehmen." „Dort haben sie auf dich gewartet." Er schlug mit der Faust auf den Tisch. „Ich ioerde daS Geld Heckeischaffen; wie ich das mache, geht dich nichts an." Sie hob die Achseln. „An einer Woche drehen, sie uns das Licht ab, wenn wir nicht bezahlt haben. In bet Küche wird dar GaS gesperrt, Ludmilla hat. seit fünf Wochen keinen Lohn bekommen. Der Bäcker liefen morgen früh nicht mehr." „Ach werde noch heute da» Geld aüftreiben." „Dann musst du dich aber bald auf den Weg machen." Er sackte"zusammen. Sein«.Hand, fuhr in die Tasche, die Kriegskarte knisterte. Gr zog«in Taschentuch hervor, wischte sich den Schweiß vom Nacken, fuhr über den fetten Hal», über die Stirn. Er würbe da» Geld nicht beschaffen. Er würde zum Schrank tappen und die Kognalflasche holen. Ec würde trinken,'in den Sessel fallen und schnarchen. Sie musste ib» aAfrütteln.. Sie musst« ihn Zwingen, sich endlich klar zu machen, wie hie Dinge Jürgen,. Er halte keinen Freund, i der ihm-zureden konnte.' Man mußte^setne-Fklyde auf ihn: hetzen. Sie wartete, bi» alle Stammgäste gekommen waren-'Sie ging zu Billy, legt« die Hand auf ,'rinen Arm. Die Musik verstummte. Mitten im Takt brach sie ab. Mittelmeier sah-auf, Freitag äugte herüber; Baal und Gerleitner hielten in ihrer Schachpartte ein. „Meine Herren", sagte sie,„ich fürchte, dass wir Sie heute zum letztenmal im Cast Finsterbusch bewirtet haben. Wir sind fertig. Wir müssen fperren." Finsterbusch sprang auf, packte ihre Hand, umklammerte sie mit eisernem Griff. „Bist du verrückt geworden? Was fällt, dir ein?" Sie ertrug den Schmerz, sie' sprach weiter:'' „Da» Licht Wick abgedreht. Sie mühten im Finstern sitzen, meine Herren. Da» Gas wird abgesperrt.' Wir könnten ihnen keinen Kaffee mehr vorsetzen. Der Bäcker liefert nicht Mehr. Nicht einmal«in Stück Brot haben wir morgen für sie." „Sie Ist toll geworden", schrie Finsteckusch. „Sie ist krank." »Ich bin bei vollen Sinnen", sagte die Frau. „Ach habe dich hundertmal darauf aufmerksam sir» macht, dass«» bergab geht. Du hast dich mit deinem Schnaps getröstet, und mir die Soigt um die Rechnungen überlassen. Ich habe alle» versetzt, was ich versetzen konnte. Ich. habe keinen Ring mehr, kein einziges Schmuckstück. Da hast bu die Zettet"' -Sie warf die Scheine auf den Tisch,'«in Bündel blassroten Papier», Finsteckusch hascht« danach, schob sie in die Tasche, ohne sie anzusehen. Di« Schande sollt« nicht joffen auf dem Tisch liegen. '„Ich kümmere mich nicht mehr darum. Ich pack« heut« uiiinin Koffer und geh« fort." Er sah mit offenem Mund. Mittelmeier starrt« auf Feiertag,' Feiertag gab Bürger«in Zeichen: Wa» ist-geschehen, ich verstehe nicht». Gerleitner winkte Hugo herbei.. Er sollt« der Frau ein Gla» Wasser,bringen. Vaal rollte da» Ende seiner Krawatte ein, betrachtet« die rote, grüngesprenkelte Seide.. Isabella klappte da» Modejournal zu. Pelikan holte. Ludmilla, in der Zusammenarbeit mit der SdP ohne schwere<öe« fährdupg der eigenen, Partei.je mählich wäre. , Dagegen ist die Zusammenarbeit.-der drei deutschen aktivistischen Parteien in gewissen Fragen eine s c l b st verstand lt ch e S a ch e. Wir haben un» niemals dieser Zusammenarbeit verschlossen und wir Mecken auch künftighin in allen Fragen, in denen e» das Interesse der deutschen Bevöuerung diese» Staate» erheischt', mit den andern deutschen aktivistischen Parteien Zusammengehen. In der nächsten Zeit wecken sich die politischen Fakwren mit mehreren aktuellen Problemen zu befassen haben. So haben vsr kurzem die Agrarier bekanntlich die Verhandlung des Eisenbahngesetzes im Ausschuss zum Anlass-genommen, um eine» Vorstoss gegen den Eisenbahnminister wegen-der-bewaffneten Eisenbahnwachen zu- uns ternehmen, die als„bewaffnete Parteigarden" hingestellt wurden. Es ist dem Minister-im'sozial» politischen Ausschuss wohl restlos gelungen aufzuzeigen; wie unwahr diese Auffassung ist eS kann aber fast mit Sicherheit erwartet werdest' dass die Agrarier(deren Bauernreiterei überdies am ehesten- der Vorstellung- einer- bewaffneten Partcigarde entsprechen würde!) noch weiter« Vorstösse nach dieser Richtung unternehmen wer-- den.‘ Auch die Frage der Neuregelung der S p i- rituSbewirtschaftung wird das Parlament,'vor allem aber die RegieruNgSkreist, in der nächsten Zeit sehr-intensiv beschäftigen. Die meisten Redner, die di« Agrarier in der Bud» getdebatte stellten, haben sich vornehnilich mit diesem Problem befasst. Daraus ist zu ersehen, dass sich bei der agrarischen. Partei anscheidend doch die Erkenntnis durchzuringen beginnt, daß eine Acnderung in der Spiriturbewirtschaftung'eine staatspolitische und-eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit ist. Auch die Frage der Begünstigungen, die dep Landwirten seinerzeit für die Dauer von zwei Jahren, bei den Sozialversicherungsprämien für landwirtschaftliche Angestellte zugestanden würden, wird die maßgebenden Faktoren in Bälde.beschästigen müssen. Diese Begünstigung wurde' durch Regierungsverordnung nach ihrem Ablauf am 30. Juni bis Ende dieses Jahres verlängert.'Es ist für jeden Eingeweihten klar, dass mit den Beiträgen, die derzeit von.den Landwirten, geleistet werden, auch einschließlich, der Zuschüsse de» Staates Las.Auslangen nicht gefunden werden kann, da an und für sich di« Klassen Aa und Ab in der Invalidenversicherung mit ö8, bzw. 28 Prozent passiv sind. Die finanzielle Situation,der Zentralsozialversicherungsanstalt erheischt. ein« Regelung dieser Frage um so mehr, als auch die Verlängerung des Lebensalter» etc,, ganz allgemein-u n g ü n st i g, auf.. di«. Situation-,der-So- zialversicherüngsinsiiiut« einwirkt'. Die Regelung der Zentralbank-Angelegenheit ist jetzt in ein abschließendes Stadium,g«f. treten. Der Entwurf, der. seitens des Finanzministers der Oeffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wurde, hat'noch nicht die Gcnchmjgunstder deutschen- Parteien- erhalten,' weil er in.'vielist Punkten den. in bezug'auf diese Regelinig)W äußerten Wünschen» ich t entspricht.' Die Verhandlungen darüber werden ebenfalls.bereits, im Läufe dieser Woche abgeführt wecken. Es stjiht aber noch nicht fest, ob es nüiglich' sein Wick, 'diese außerordentlich dringliche* und wichtige Frage innerhalb weniger'Tage zum Abschluss zu i bringend Küche lief, die fiepende Milch über, den Rand des Kessel», es roch verbrannt und ranzig^.....-'s .„Du wirst glicht Weggehen. Ich verbiete es dir".„Du hast mir. nichts zu verbieten." Finsteckusch wandte sich im Kreis um, war denn niemand da, der begriff: die Frau war krank, sie phantasierte, es war nicht ein Mort, wahr, das sie sprach.„Meine Herren,'Sie müssen verzeihen", lallte er,„meine Frau.-— ich kann nichts dafür— ihre Nerven haben versagt —• die Hitze—" „Erspar dir das", fuhr die Frau dazwischen.„ES hat gar keinen Sinn. Ich weiß genau,'- was ich sage. Wir sind bankrott uüd müssen morgen zusperren". „Es tvird sich noch ein Ausweg finden"-, sagte Isabella. „Ja. Wenn der reiche Mann aus dem Märchen kommt und.ein paar Taüsender auf den Tisch legt", sagte Frau Finsterbusch. „Wir. werden nachdenken", begütigte-Feiertag..----.- •„Es wird uns schon etwa» elnfallen.*, sagte Mittelmeier.' ,-, Sie begannen um ihr Asyl zu zittern, Was sollte morgen abends geschehe»,-. Ivenn sie-in die- Liliengaffe- kamen und da» Cast Finsteckusch-geschloffen war? Sie waren'heimatlos, sie waren schlimmer dran als ein- fortgejagter Hund, sie' konnten nicht in ein andre» Egst gehen, zwischen fremden Wände» sitzen, sich von einem fremden Kellner bckienen lassen, fremd« Gesichter anstarren, zwei, drei Stunden lang. Da» East Finsterbusch war ihr Zühäuse, sie mußten«» verteidigen, nicht weil sie'mit. Finsteckusch und seiner Frau Mitleid hatten, nicht weil sie Pelikan und Hugo den Arbeitsplatz retten wollten, sqnderst weil'sie da» Stückchen Boden vor dem Untergang bewahe ren müßten, aüf dem sie i» einem üneicklichen Meer von'Einsamkeit.und. Graue.».hockten,-'wie Schiffbrüchige auf eisterPianke.--- (Fortsetzung folgt). Nr. 284 Sonnt ns, 6.- Dezember 1030 Seite 3 i fudetendcutscficr Zeitspiegcf Werke der Gemeinschaft Neratowltz und Böhmisch Kamnltz, zwei der Betriebe des GEC-Verbandes Vom Egerland bis Südmähren zieht sich die Kette der Betriebe genossenschaftlicher Eigenproduktion. Bärringen, auch Bodenbach, Böhmisch- Äamnitz, Hcrbih, Neratowitz, Znaim sind.ihre Glieder, Zahlreiche kleinere Unternehmen ergänzen sie', In wenigen Jahren ist dec zielvewußten und unermüdlichen Genossenschastsarbeit das gwhe Werk gelungen und in inuner mehr steigendem Matze kann der organisierte Verbraucher mit Waren beliefert werden, die in.seinen Betrieben hergesielll wurden. Genossenschafter spekulieren nicht. Sie arbeiten für die Deckung des tatsächlichen Bedarfs der Mitgliedschaft und nicht in. der Hoffnung auf einen Gewinn. Genossenschaftliche Treue und befestigte Erkenntnis sind die Fundamente ihres Erfolges. Diesen ist es zu verdanken, wenn die GET-Beiriebe sicher durch das Auf und Ab der Wirtschastsstürme der letzten Jqhcs gelenkt werden konnten und heute auf den höchsten Stand gelangt sind, den sie je erreicht haben. Genossenschaftliche Solidarität war es aber auch, welche, mitten in der ärgsten Krisenzeit einen Teil der Produktion in die Bezirke größter Not—.Roihau zum Beispiel— verlegt und vielen von der Arbeitslosigkeit gepeinigten Menschen Hilfe gebracht hat. Neratowltz Hier, wenige Kilometer von der Sprach- i grenze bei Liboch, wird«in Großteil dessen her-' gestellt, was die Konsumvereine an Nahrungsmitteln brauchen. Kurz vor Kriegsende hatte die österreichische Grobeinkaufsgesellschaft ein kleines Unternehmen gekauft, in welchem sie, nahe der Obstbaugegend, mit der Marmeladeerzeugung begann. Nach den) Umsturz übernahm' den Betrieb die GEC und bald/machte der Warenhunger oer! ersten Nachkriegszeit Erweiterungen der Fabrik! notwendig, die dann immer weiter wuchs. Heute kann, nur eine Fliegeraufnahme das Bild der Nährmittelwerke zur Gänze und«indrucksgetreu wiedergeben. Deutsche aus allen Teilen des Siedlungsgebietes sind hier beschäftigt. An der Stadt bilden sie eine ansehnliche Minderheit und die deutschen Sozialdemokraten, welche in Neratowltz eino'OrtSgruppe besitzen, erlangten, durch Koppelung nÜt"ddr"tschechischin"Pärtei/ tzinen''Mtz'iis der Gemeindevertretung. ' Der Gang durch die Anlagen, fast drei Stunden aus einem Gebäude in das andere, vom Keller biö zum höchsten Stockwerk, ohne mehr als die notwendige Zeit bei den einzelnen Abschnitten zu verweilen, bietet auch dem Fachmann außer« ordenrlich viel Bemerkenswertes und Anregendes. Auch ausländische Besucher haben dies rückhaltslos anerkannt. Für den Laien ist dieses Wahrzeichen organisierter Berbrauchermacht das stärkste Erlebnis, Und der erfreulichste Eindruck, den er mitnimmt, ist: Es wird mitVolldamPf gearbeitet., Nicht'nur die eigentlichen Abteilungen der Nährmittelfabrikation selbst bieten• dieses Bild. Der. Aufschwung der konsumgenossenschaftlichen Bewegung spiegelt.'sich auch in den Nebenbetrieben wieder, die auf dem großen Gelände der Nerätowitzer Anlagen untergebracht sind. So hat di«.'Tischlerei, welch« für die GEC nicht nur die Emballagen u. dgl, herstellt, sondern auch ganze Einrichtungen für Verkaufsstellen^ Möbel und so weiter, in fünf Monaten den Umsatz des vorigen Aahres weit überschritten. Datz für'die Erzeugung von Marmelade u. ä. fünf Stockwerke gebraucht werden, ist keine kleine Ueüerraschung. Bon der Rampe wird das Obst in die Waschmaschinen geschüttet(alles beginnt hier mit der Reinigung, des Rohmaterials), nach der Prozedur schafft ein Elevator das Obst in das oberste Stockwerk, wo es gekocht, enthUlst und ent- . kernt wird, bis das bloße Fruchtmark zurückbleibt, Nach Bedarf wird diese Maste dann in den Vorköchkesseln und Pastiermaschinen weiter behandelt mid schließlich im Bacuumkeffel'eingedickt. Nach'der Auskühlung ist die Marmelade'-dann versandbereit. Hier werden' auch PaädeiSm'ark und'viele andere Artikel hergestellt.- In den anderen Abtcilmigen zeigt Genoste Gerstner, welchen Genosse Ang.' Ulrich äblöstc, die Behandlung von.Trockenobst.' Zu der Marmeladce'rzeüguug, die den An- fangwildete,' sind, nach und' nach viele andere Produktionszweige' getreten:'Jetzt dient ein schönes großes Gebäude, ausschließlich. der Herstellung von Schokolade- und Kanditenartikeln, die hier alle Phqseä von der Kakaobohne(dem. Samen einer' gurkenärtig aussehenden Frucht), bi? zum fertfg.perpäckten Produkt.durchmachen. Die kommende Weihnachtszeit machtsich tu.allen diesen Abteilungen auch'jetzt noch im- lebhaften Betrieb bemerkbar, obwohl schön die Vorbereitungen für den nächsten Ansütrm, Ostern: getroffen werden müssest.' Der Anfang der.Echeugüngs ist noch einheitlich.. Trocknen und' Rösten der Samen', die Eptfepnung der' wertlosen Schalen,' die miehr- fache Prüfung: ob während des sangen. Transportes nicht, Metallsplitterchen unter die Kakaobohnen' geraten sind.(Elektromagneten besorgen dies), Vermahlen bis zur feinen Kakaomaste. An den verschiedensten Misch- und Mahlmaschinen, in den verschiedensten Formen, in Maschinen, welche selbsttätig formen und stanzen, gefüllte Bonbons mit Schololadcüberzug versehen und gleichzeitig die Einhaltung des Gewichts kontrollieren, entsteht dann das bunte Allerlei, welches gerade in den nächsten Tagen eine so große Rolle spielen wird.- Den Gegensatz zwischen sütz und sauer'vereinigt Neratowltz innerhalb einer WcrkSmauer. Ter Fischfabrik wird die Rohware in großen, mit EiSstückew gefüllten Kiste» gelle fecsidieilr Spbs ziaUväggöns transportiert' werden. Der' Arbeitsgang ist. nicht kompliziert, erfordert' aber Zeit. Eine Hausfrau wird das verstehen: Schnell ist gegessen,, was mit Mühe zubereitet wurde. Die Fabrik hat Abteilungen für die Erzeugung von Fischsalat, ein« Brat-, eine Sulz- und eine Räucherabteilung. Ebenso werden die notwendigen Zutaten, hier verarbeitet. Den Essigbedarf der Fabriken und der Konsumvereine deckt die eigene Estigfabrik in Nera- towitz, eine moderne, selbsttätig und kontinuierlich arbeitende Anlage. Für'den großen Bedarf der GEC ist' das ihr zugewiescne Produktionsquantum(die Erzeugung ist kontingentiert)' zu klein. Nur durch den Ankauf des Kontingents einer kleineren Fabrik konnte tvenizstenS eine gewisse Erhöhung erreicht werdtn..' KoNtingentierungSfragen haben ihre Bedeutung auch für-die Stärkefabrik der GEC. Die Einführung dieser Produktion- hat eine ebenso interessante Ivie lehrreiche Vorgeschichte. Um die Erzeugung möglichst ökonomisch betreiben zu können, bedurfte der Nerätowitzer Betrieb einer nahen.und verläßlichen Lieferungsquelle für den Rohstoff. Jndustriekartoffeln, aus welchen Stärke erzeugt'wird, würden damals aber nur in der Gegend von' Deutfch-Brod angebaut. An zahlreichen Versammlungen mit den Landwirten der Nerätowitzer Umgebung■ gelang es dem Leiter der Werke, Genossen Dr. Schenk, sie zum Anbau dieser Kartoffeln.und zum Abschluß eines dauernden Abkommens zu veranlassen. Es war ein Ver- trauensabkommen zwischen dem deutschen ge« nostenschaftlichen Betrieb' und den tschechischen Landwirtin. Es hat sich bewährt und beide Teile sind immer gut dabei gefahren. Ja, als in der jüngstenHeil di« itizwischen'abgeschlossenen Kontingentierungsverhandlungen- geführt wurden, haben sich diese tschechischen Landwirte in' einem besonderen Memorandum an das Landwirt- schaftSmiUisterium für die Jnteöessen des deut- s ch'e n Unternehmens eingesetzt und haben betont, daß ihre Antercsscn mit seinen im Einklang stehen: Eine Zusammenarbeit zu.beider Vorteil, die nicht nur in Neratowltz möglich sein solltet Welchen Umfang sie angenommen hat, geht aus. der bloßen Tatsache hervor, daß heute in der Neraiowiher.Gcgend auf 1000 Hektar Produkte, für- die' GEC-Werke angebaut werden: ' wie’ die- Kartoffeln füw die Stärke« erzeugüstg liefern, die.Landwirte'auch die Zichö« rienwurzein.für die Anlagen der GEC. Durch diese Sicherung wurde e» möglich, daß-in Zeitenschlechter.Ergte(auch Heuer war eine solche), die Genossenschaften nicht, privaten- Lieferanten aus» geliefert.sind.' Sie Md»autark^ geworden. Ein mehrstöckiges. Gebäude ümfaßt die Zichöriendarre. Die Zichörienwurzeln, gewaschen und zerschnitzelt,. kommen aus großen Betontrichtern auf Trockenhürden, wo sie vorgetrocknet werden, um dann nach einigen Stunden durch Kippen der Trockenroste ein Stockwerk tiefer zur Darre befördert zu werden, wo sie dem Einfluß heißer Luft aus mächtigen, besonders gebauten Oesen ausgesetzt werden. Die gedarrte Zichorie wilch in die Rösterei befördert, wo sie in Trommeln wieder erst vorgetrocknet, dann über offenem Feuer geröstet wird. Nach der Auskühlung wird dieses Produkt fein gemahlen. Nach einer Zwischenstufe in großen Silos besorgen Wfüll- und Preßmaschinen das vorletzte Stadium bis zur sogenannten Jnnenpackung, worauf die jetzt schon in Würfel, Scheiben und so weiter geformte Zichorie in Kellerräumen mit feuchter Luft behandelt wird.• '... Nur die.wichtigsten erzeugten Waren können angeführt werden, soll nicht,-der Rahmen dieses Berichtes übermäßig gespannt werden. Doch dies« Vielzahl bildet ein organisches Ganzes. Sie wird beherrscht von dem Gedanken, daß die große Gemeinschaft der Verbraucher einen großen Teil dessen, ivas Gegenstand ihres ständigen Bedarfes ist, selbst erzeugen kann und soll, weil sie sich dadurch auf wichtigenGebieten ein wirksames Anstrument gegen die Willkür eines nur auf Prosit ausgehenden, ziel- und planlos wirtschaftenden Kapitalismus schafft. Aus ganz kleinen Anfängen wurde heute s chon ein Großes. Die Stimme der Genossenschaft fällt immer mehr ins Gewicht. Ao fester ihre Mitgliedschaft zusammenhält, je weiter die Bewegung ihre Zweige erstreckt, desto leichter wird es werden, das Chaos der bestehenden Wikischaftsverfassung zu beseitigen und an ihre Stelle ein« Ordnung zu sehen, die auf den Menschen und nicht auf den Profit blickt. Böhmisch Kamnltz Aus der Bereinigung einiger Pcodttktibge-' nossenschaften entstanden vor etwas mehr als zehn Jahren die Bekleidungswerke des Gec-Ver- bandes in Böhmisch Kamnitz.. Die Strick- und Wirkwarenerzougung kam aus Schönlinde, die Schuherzcugung aus Reichenberg, die Bandweberei aus Zwickau. 1025 tviirdc der Betrieb gegründet, .1028 mußte schon die erste große Erweiterung. vorgenommen werden. Tas Gebäude tvurdc aufgestockt und gleichzeitig in der Länge um die Hälfte vergrößert. 1020 wurde die Produktion um die Mutzenerzeugung erweitert,.1030 machte die Einführung der Gnminiwacenerzcugung eine neuerliche Vergrößerung noüvendig. Und eben ist ein neues Gebäude im Rohbau fertig geworden, in welches di« Gummi-Abteilung übersiedeln ivird, um Rattm für die anderen zu schaffen. Das Tempo dieser Eiittvicklung war schnell, aber nicht überstürzt. Auch Böhmisch Kamnitz ist sicher durch die Fährnisse der Krise gekommen; wer heute durch das Werl geht, sicht alle Säle in a n g e st r e n g t e r T ä t i g k e i t. 850 Arbeiter und Arbeiterinnen sind derzeit beschäftigt und wenn der Raum und die Zahl der Maschinen es zukicßcn, könnten noch mehr eingestellt werden. Der Dreijahrcspkan des Gec-VerbatideS wirkt sich aus. 8m ersten Planjahr der Schuhpro- duktion, 1085-83, sollte die Erzeugung um 38 Prozent gegenüber deut vorangegangenen Jahr erhöht werden. Das Ziel wurde erreicht und sogar überschritten. Die Strumpffabrik hat in derselben Etappe um rund 80.000 Paar Strümpfe und Socken mehr erzeugen können als das Jahr zuvor. Das ztveite Planjahr hat unter den verheißungsvollsten Umständen begonnen. Die Schuhfabrik arbeitet in vollem Tempo. In den Maschinensälen ist jedes Plätzchen ausgenützt und man begreift, daß seit einiger Zeit die ansonsten so gern gesehenen Exkursionen von Genossenschaften eingeschränkt werden mußten. Befriedigung des Bedarfs geht nun einmal vor Befriedigung des JnteresseSl Man begreift aber auch das ständig wachsende Interesse für die Schuhwaren der Gcc, wenn man die Reichhaltigkeit der Auswahl und die Sorgfalt in der Wahl des Materials und seiner Verarbeitung an der Quelle gesehen hat. Nur eine wirkliche Sorge hat die Schuhfabrik: Sie kann nicht so viel qualifizierte Arbeiter finden wie sie brauchen würde. Im gleichen Tempo arbeitet die Konfektionsabteilung. Trotz ihrer hervorragenden Einrichtung mit modernen elektrischen Näh- und Schneidemaschinen— die 2300 Stiche in der Minute machen— kann sie die Arbeit kaum bewältigen. Genosse Houska, der Vertreter des Geschäftsführers Genossen Bcjbl, zeigt die Kollektion für das Frühjahr und erzählt, mit einem nassen und einem trockenen Auge, ivas es für Schweiß kosten wird, alle vorliegende Aufträge zu erledigen. Mit welchem Erfolg sich die Strick- und Wirkwarencrzeugnisse aus Böhmisch Kamnitz durchsetzen,- wurde schon erivähnt. Auch in diesen Abteilungen sind die leistungsfähigsten Maschinen eingestellt, durchwegs elektrifiziert und zum großen Teil auch automatisiert. In der Gummiwarenfabrik ist Hochbetrieb. Die Misch-, Preß- und Vulkanisiermaschinen sind ohne Unterbrechung in Tätigkeit und der Leiter der Fabrik, Genosse Kolesnikow, rechnet schon damit, daß auch das neue Fabrikgebäude in Kürze den Anforderungen nicht mehr entsprechen könnte und vergrößert werden muß. Mit diesem sinnfälligen Eindruck gesunden Wachstums schließt der Rundgang. So verschieden die Tätigkeitsgebiete von Neratowitz und Kamnitz sind, darin gleichen beide Betriebe einander und auch den andern Stätten der genossenschaftlichen Eigenproduktion: Sie arbeiten unter voll st er Ausnützung ihrer Lei st ungSka- p a z i t ä t. Fußend auf dem sicheren Boden der Genossenschastsbowegung, gestützt auf eine tüchtige und verläßliche Arbeiterschaft, deren Hände» man auch den schwierigsten Produktionsprozeß anvertrauen kann,-rüsten sie für die weitere Entfaltung. Tuiuddit von B. Kamnltz Teilansicht der Nerätowitzer Werke: Die Schokolade- und Kanditenfabrik Seite 4 Sonntag, 0. Dezember 1036 Nr. 884 Das Budget vor dem Senat Expose des Finanzministers Dr. Kalfus Prag. Im Senat wurde GamStag nachmittags in Anwesenheit des Ministerpräsidenten daS Budget aufgelegt. Stach den getroffenen DIS- posttionen wird der BudgetsuSschust die ganze nächste Woche zur Verfügung haben. Montag in acht Tagen, d. i. am 14. Dezember, wird der AuSfchußbericht bereits dem Plenum vorgelegt werden, daS daS Budget dann biß gum 17. Dezember verabschieden soll. Finaiizminister Dr. KalfuS erstattete bei dieser Belegenheit ein Expose über die Lage der StaatS- finanzen und der gesamten Volkswirtschaft, in dem er sich an sein Expose im Abgeordnetenhaus vielfach anlehnte. Neu waren insbesondere einige Ziffern über die Besserungunserer Wirtschaf t S l a g e, die aus dem Monat September dieses Jahres stammen. Vie wirtschaftliche Besserang Beispielsweise hat sich gegenüber dem September 1985 die Förderung an Schwarzkohle um 126.000 Tonnen,, die Förderung an Braunkohle um 172.000 Tonnen erhöht; dadurch wurde beinahe dar Niveau des September 1981 erreicht. Die Ze» meniproduktion stieg In derselben BergleichSzelt um 447 Waggons, die Eisenproduktion um 20.000 Tonnen, die Rohstahlproduktion um 46.000 Tonnen; letztere hat somit den Stand vom Jahre 1981 bereits überschritten. Der Luckerverbrauch ist um 10.470 Zentner gestiegen. Auf den Eisenbahnen ist eine Zunahme des Warenverkehres um 854.000 Waggons innerhalb der ersten zehn Monate 1986 zu verzeichnen, das Gewicht der beförderten Waren erreichte bis Ende September eine Zunahme um 2.7 Millionen Tonnen. Bis dahin wurden auf den Bahnen auch zehn Millionen Personen mehr als in der gleichen Zeit des Borjahres befördert. Aehnliche günstige Verhältnisse bestehen auch im Transport auf dem Wasserwege. Zur Zentralbank-Sanierung zu der auch die Sanierung der Karlsbader Vereinsbank gezählt wird, erklärte der Minister u. a.: Durch dar Moratorium dieser Institute wird dem Wirtschaftsleben bereits durch einige Jahre hindurch die Verfügung über Werte von nahezu 1100 Millionen Xä entzogen, die nach Durchführung der gesetzlichen Regelung sofort den Geldmarkt beleben werden. Der Versuch, diese Vorschläge al» für die Staatsbürger deutscher Nationalität ungünstig hinzustellen, sei von vornherein vergeben». Der unselige finanzielle Stand der beiden Anstalten, deren heutige Verluste nahezu 800 Millionen Xi betragen, wurde überhaupt nicht durch Eingriff de» Staate» verursacht; seine Ursachen stnd weit eher al» in einer Wirtschaftskrise in der bedenklichen Wirtschaft jener zu suchen, denen fremde Mittel an vertraut wurden. Bei der Sanierung der Geldinsti- tute erhielten diese Anstalten entsprechend ihren angemeldete»! Verlusten eine Unterstützung, von 45.5 Millionen. Xi au» öffentlichen Mitteln. Wenn sich nach dieser Zeit ihre Wirtschaft dermassen verschlimmert hat, dass sie heute nahezu 800 Millionen Xi anVerlusten auStveist, kann die Schuld für diesen unseligen Stand nur dem unverantwortlichen Verhalten der ehema- ligenBerwaltung dieser Institute beigemessen werden, welche da» Ausmass dieser Verluste geheimgehalten hat. Wenn erklärt wird, die dem deutschen Geldwesen bewilligte Aushilfe sei unverhältnismässig klein gegenüber der Gesamtsumme von dreieinhalb Milliarden, die die Sanierung de» Geldwesen» bei un» Insgesamt gekostet haben soll, so stellt der Finanzminister dem die Tatsache entgegen, dass die Sanierung de» d e u i s ch e n Geldwesen» Ungefähr eine Milliarde erfordert hat und erfordern wird, ungeachtet der weiteren Milliarden, die die Regelung der KriegSanleihebesthe» der deutschen Institute kostete. Der Minister gibt bereit» die bekannten Ziffern über die mässige Besserung der Staatsfinanzen wieder und führt u. a. an, dass die S t e u e r g u t» schriften, die für pünktliche Steuerzahler Heuer zum ersten Male eingeführt wurden, bei den direkten Steuern 42 und bei der Umsatzsteuer 24 Millionen ausmachten. Ordnung In den Steuerkonfls Die Aktion de» Finanzministeriums, in den Steuer kanten endlich Ordnung zu schaffen, zeitigt gute Erfolge. Die Aktion mnfasst 950.000 Steuerzahler, die zum 1. Jänner 1986 noch Rückstände für da» Jahr 1988 und frühere Jahre an direkten Steuern und an der Umsatzsteuer hatten. Bi» Ende Oktober wurden rund 880.000 dieser Anträge aufgearbeitet und in 610.000 Fällen die ent- sprechcnden Anträge selten» der Steuerverwaltungen erledigt. Zusammen mit den 70.000 Fällen, die sich noch bei den Steuerämtern befinden, haben die Steuerverwaltungen also noch 840.000 Fälle zu erledigen. Zwei Drittel aller Fälle wurden also in etwa vier Monaten aufgearbeitet. Man kann daher eüvarten, dass die ganze Aktion bi» zum Jahresende im grossen und ganzen beendet fein wird. In der Plenarsitzung genehmigte der Senat ein Wirtschaftsprotokoll mit Finnland und eine Gerichtsentlastungsnovelle in beiden Lesungen. Nach dem Plenum trat der Budgetausschuß zusammen, der die Referate über die einzelnen Budgetkapitel verteilte und zum Generalberichterstatter den Senator Zeman(Agr.) wählte. Eduard VIII, und— Gablonz Die Vorgänge um den König von England berühren— nach einer Meldung de»„Prager, Tagblatt"— auch die tschechoslowakische Wirtschaft. Vor allem habe die Gablonzer Expo r t i n d u st r i e für die Krönungsseierlich- leiten Aufträge in der Höhe von schätzungsweise eineinhalb bi» zwei Millionen Xö notiert, darunter einen beträchtlichen Teil fiir die Anfertigung der Jnitialte de» Königs„ER. VIII.“. Sollte e» zu den Krönungsfeierlichkeiten nicht kommen, dann sei mit der vollkommenen Enttver- tung dieser Aufträge zu rechnen. Da» Schicksal von rund 8 00 Arbeitern hängt daran, die mit der Erzeugung der betreffenden Bijouterien und Glasschmucksachen beschäftigt sind. Aber auch andere tschechoslowakische Industrien sbeispielsweise die E i senb röd,er) werde von der Entscheidung in England betroffen. Ole Prager Deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: Sonniag.v. Dezember, 14.80—14.45: Toleranz (Johann Storch). Mittwoch, 9. Dezember, 18.20—18.40: Böh< merwälder Hausindustrie(Josef B l a u- Reuern). Freitag, 11. Dezember, 18.85—18.45: Aktuelle zehn Minuten. Sonntag, 18. Dezember, 14.80—14.45: Wa» geht«ns schon die Börse an?(Fritz Frey- berg). „Veier" verurteilt Zwei Prozesse des Verbandes der 1 Eisenbahner gegen das agrarische Blatt Wir haben vor einiger Zeit über den Angriff berichtet, welchen der„Beier“ vom 80. Oktober 1936 gegen den„Verband der Eisenbahner" gerichtet hat. Der ,Fleier" macht aus Anlaß der Wahlen in die Vertretungslörperschaften der sozialpolitischen Institutionen der Eisenbahner für die Liste des„Blocks" Propaganda, einer Wahlgemeinschaft, welcher neben extrem nationalistischen Organisationen auch der„Verein deutscher Eisenbahnbeamten" angehört, von dem es bekannt ist, dass" er die Erbmasse der„Gewerkschaft deutscher Eisenbahner" übernommen hat, die im Zusammenhänge mit der Auflösung der deutschen nationalsozialistischen Partei aufgelöst worden ist. Trotz dieser Saglage hat es der„Beier" für gut befunden; gegen■ ben„Verband der Elfen« bahner" den Vorwurf zu richten, dass er an leitender Stelle Henlein-Leute kandidiert. Der Verband der Eisenbahner hat daraufhin dem„Beier" eine Berichtig»;^ nach Paragraph 11 des Pressgesetzes zugeschickt, die aber daS genannte Älatt nicht veröffentlicht hat. Der Verband der Eisenbahner hat nun die Berichtigungsklage gegen den„Beier" erhoben, die auch vollen Erfolg hatte. Der verantwortliche Redakteur des„Äeier", Gabriel Trapl, wurde am 4. Dezember dazu verurteilt, die Berichtigung in der dem Gesetz entsprechenden Weise binnen drei Tagen aüzudrucke». Ausserdem hat der Verband der Eisenbahner die Ehrenbeleidigungsklage gegen den„Beker" Überreicht. In der Phönix-Angelegenheit haben die drei deutschen aktivistischen Parteien eine ausführliche Interpellation a» die Regierung und an den Innenminister vorbereitet, damit die Ansprüche der Versicherten, wie auch die Existenz der Angestellten dieser Versicherungsgesellschaft ehestens sichergestellt werden. Verfrauensmilnner* 1 Wahlen In Oesterreich Schwere Niederlage der Regierangs- kand.daten In Oesterreich fanden In den letzten Tagen Wahlen der Fabrikvertrauensmänner statt, welche mit einer schweren Niederlage der vom Reginie begünstigten Kandidaten geendigt haben. In der Wiener Metallindustrie haben die Wahlen beinahe durchweg» mit der Wahl von Männern und Frauen geendet, zu deren freigewerlschaftlicher Gesinnung die Arbei- terschast Vertrauen hat. Bei Krementzky hat der auf der Kandidatenliste stehende Amtswalter der Vaterländischen Front nur 55 Stimmen bekommen; die Kandidaten, zu deren Gesinnung die Arbeiterschaft Vertrauen hat, bekamen bi» zu 671 Stimmen. Bei Czeja& Rissel sind die ernannten Betriebsräte durchgesallen, gewählt wurden bewährte Vertrauensmänner aus der Vorfeberzeit. Ebenso gut smd die Wahlergebnisse bei Austro-Fiat und in der Kühlerfabrik. In der Simmeringer Waggonfabrik wandte sich ein gro- ß-wTeil der Arbeiterschaft gegen den Obmann der. Werksgemeinschaft Häuserer, der verdächtig ist, zu den Nazi zu neigen; er bekam nur 871 Stimmen, während die Arbeitskollegen, die da» Vertrauen der Arbeiterschaft haben, bis zu 517 Stim- nien bekamen. In der Äutomobilfabrik Saurer ist der bisherige Kassier des Betriebsräte» Ranb, der sich nach der Ansicht der sreigewerkschaftlich gesinnten Arbeiterschaft nicht einwandfrei benommen hat, durchgefallen. Der Leiter der Ostmärkischen Sturmscharen Beneder erhielt in diesem Betrieb von 295 Wahlberechtigten nur 21 Stimmen. Ebenso gut sind die Wahlergebnisse in der st eiermärkisch en Metallindustrie. Bei Felten& Guilleaume in Bruck a. d. Mur sind die auf der Kandidatenliste stehenden zwei Heim» wehrler und zivei Ueberläuser durchgesallen. Von den 237 gültigen Stimmen, die abgegeben wurden, erhielten die beiden HeinNvehrler nur 41, die beiden Ueberläuser nur 61 uird 72 Stimmen. In den Pnch-Werken in Graz ging der Kampf um den bisherigen Obmann Haider. Das ist der Ehrenmann, der auf der Metallarbeiterkonferenz Neue Verschärfung des Konfliktes In der Brünner Textilindustrie Schlichtungsversuch mißglückt Brünn.'(Eigenbericht.) Der Schlichtungsversuch im Konflikt in der Brünner Texiilinbu- strie ist»nerivarleteriveise gescheitert. Das Eingreifen der Landesbehörde und deS Bürgermeisters führte nicht zu dem gewünschten Ziel, da bei der Verhandlung über die Teuerungszulage die Vertreter der Unternehmer es ablehiüen, sich zur Auszahlung einer solchen zu verpflichten. Dadurch ist eine neuerliche Verschärfung der Situation eingetreten, die auch' in einer SamStag nachmittags stattgefundenen Sitzung der Arbeiter-Vertrauensmänner zum Anödruck kam. Trotzdem sind die Vertrauensmänner der Arbeiterschaft gewillt, in voller Diszipliniertheit den Kampf um die Teuerungszulage weiterzusüh- ren. und sie werden am Montag den Unterneh». ment neuerlich diese Forderung vorlegen. Die VertrauenSinänner wenden sich an die Arbeiterschaft, bis dahin Ruhe und Ordnung zu bewahren.‘ der EG. den Antrag stellte, Znidarie solle sich als „gewählt betrachten". Haider bekam mit Müh und Not von den 1256 Wahlberechtigten 679 Stimmen, viel weniger als die Kollegen, die da» Vertrauen ter Arbeiterschaft genießen. Glänzende Ergebnisse werden aus dem Lande Salzburg gemeldet. In dem Alu- mininmwerk Lend wurden alle Mandate von Männern verläßlich freigewerkschaftlicher Denk- weise beseht. Die HeinNvehrler, die auf der Kandidatenliste standen, bekamen von den 234 abgegebenen Stimmen nur 14, die Nazi nutz 15, die Christlichen nur drei. Im Elektrizitätswerk der Stadt Salzburg wurden alle fünf Mandate von ehemaligen Vertrauensmännern der freien Gewerkschaft besetzt; die HeinNvehrler, die nach dem Feber 1934 zu Vertrauensmännern ernannt worden waren, sind durchgefallen. Diese Wahlergebnisse haben in der Salzburger Arbeiterkammer eine sülche Bestürzung hervorgerufen, daß die Arbeiterkammer jetzt überhaupt nicht mehr im Lande Salzburg wählen lassen will. Wie aus den Wahlergebnissen hervorgeht, steht LergrößteTeilderArbeiter— trotz allem Terror— hinter seinen alten Vertrauensmännern. Das hat Henlein schon vor Degrelle getroffen!. Brüssel. Dep Pressedienft der Rexistenuärtei teilt mit/ daß auf den Führer dieser Partei! Leon Degrelle, ein Attentat verübt worden-sei! Es sei gegen ihn, als er das Auto bestiegen habe, um zu einer Versammlung zu fahren, ein Schuß abgegeben worden. Degrelle sei aber nicht verletzt worden. Von anitlichen Stellen ist diese Nachricht bisher nicht bestätigt worden. Englischer Korrespondent aus Barlin ausgewiesen London. Obwohl die ganze Aufmerksamkeit der englischen Oefsentlichkeit auf den Plan he» Königs, Mrs. Sünpson zu heiraten, gerichtet ist, hat die Ausweisung des Berliner Korrespondenten der»Morning Post" durch die deutsche Polizei doch nur grdtze Erregung verursacht. Die.britische Oefsentlichkeit betrachtet unliebsam dieses Vorgehen gegen den Vertreter eines bedeutenden Londoner Blattes. Wie der anSgewiesene Charles jllobson mitteilte, seien die deutschen Stellen vollkommen unrichtig und gegen den üblichen Brauch gegen ihn vorgügangen. Prager deutsche Abendsendung Im November Die Leitung der deutschen Sendung hat die Bezirksbildungsausschüsse nach Wünschen und Beschwerden befragt und wird nun hoffentlich erfahren, dass unsere Forderungen nicht au» der Lust gegriffen waren. So wurde an dieser Stelle der Wunsch ausgesprochen, in der Abendsendung auf llebertraguiigen aufmerksam zu machen, die am gleichen Abend vom Prager Sender auSgesendet tverden. Im November gab e» eine Uebertr'agung der„Z auberflöte" ans dem Neuen Deutschen Theater und ein Konzert Erich Kleiber» mit der wunderbaren Sängerin Marian Anderson. Warum wird der deutsche Hörer auf solche Sendungen nicht besonder» hingewiesen? Derartige llebertragungen sind gewiss so wesentlich, wie z. B. Nadioauistellungen in einer Provinzstadt, auf die regelmässig verwiesen wirdl Die P r o g r a m m ü b e r s 1 ch t, die die Rundsunkleltung dem Hörer vermittelte, ergab ein Bild reicher Arbeit sind fester Grundsätzlichkeit, der Ivjr gerne zustimmen. Da» musik alischeProgramm konnte sich im November hören lassen. Neben der Uebertragungäüs'Hahdn'S„D e r H e r b st" au» Brünn gefiel eine schöne Wiedergabe de» Josef H ä a»'s ch e n Oratorium» äu» Eger. Auch die Mozartfeierstunde mit' einer güten Sängerin machte viel Freude. Interessant waren die deutschen Lieder des böhmischen Komponisten B e l l a, die leider durch das starke Tremolo der Sängerin um ihre besondere Wirkung kamen. Mit Dank werden die Erklärungen Doz. Dr. N e 111 S entgegengenommen, dessen Verdienste um das Musikverständ- iti» des Hörers immer grösser werden. Eine grosse Zahl von Vorträgen war im November zu hören, die alle Gebiete de» Wissenstreiften. Gewarnt muß unbedingt vor zu großer Fachsimpelei mit schweren technischen Ausdrücken werden, wie es Prof. F L r i h in seinem Vortrag über„Kosmische Ultrastrahlung" tat. Auch sind nicht alle Borträge von Professoren gut, beispielsweise wie der des Herrn Prof. GIckelhorn über„Volksmedizin". Wa» darunter richtig zu verstehen ist, hat er nicht zu sagen gewagt, denn da käme man gleich auf die„Fachschaft der Heilkun- digen" im Reiche Adolf». Zu begrüben ist, wenn auch ausländische Fachleute zu Worte kommen. Dass e» diesmal ein Jng. Raab au» Wien war, der au» dem christlichen Ständestaat etwa» Wer den zukünftigen Aufbau der dortigen Gewerbegenossenschaften erzählte, war hoffentlich nur ein Zufall. Ob da», wa» Herr Jng. Raab un» erzählte, für unsere Gewerbetreibenden gar so erstrebenswert ist, bleibe dahingestellt. Zum Verständni» de» Zusammenleben» der beiden grossen Nationen in diesem Staat waren einige Vorträge und Sendungen ganz herporragend gut. Dr. M a r a r erzählte un» au» der tschechischen Geschichte Wer da» Streben nach dem Frieden seit dem hl. Wenzel, Wer die Hussiten,.Komenskh, Cheliiekh, Masarvk, Capik. Dr. Paul Schiemann erklärte da» nationale Geschichtsbild und analysierte den wahren nationalen Kampf, der zur nationalen Zusammenarbeit und damit zum Frieden sührt, Jrredenta aber zum Krieg und zur gewalt- samen Entnationalisierung. Dr. Emil F r a n z e l offenbarte un» in einem Zwiegespräch, umrahmt von Musik der großen Deutschen Mozart und Beethoven und de» grossen Tschechen Smetana, acht Jahrhunderte böhmischerGeschichte und de» Zusammenleben» der beiden großen Völker. E» war die«indruckvollste Sendung de» Monat» und verdiente, in weiteren Zwiegesprächen und in einzelne historische Epochen zerlegt, wiederholt zu werden. Die Art der Aufmachung solcher Vorträge mit musikalischer Umrahmung ist beispielgebend.— Dr. Paul Eisner versuchte in einer Hörfolge.Heimat in zwei Schrlfttümern" tschechische» und deutsche» Schrifttum gegenüberzustellen, Da» Hörspiel findet jn der deutschen Abendsendung den richtigen Platz. Wir besitzen«ine Reihe sehr guter Sprecher, so daß mit den reichen Erfahrungen der Spielleiter abgerundete, wirksmye und wertvolle Sendungen zustandekouunen: Lobend gedacht fei der Schi! le r- und Klei stfe irr, sowie de» lustigen„Diktator Lämmchen»". Eigenartig berührte jn der Sendung zum Hubert t u» t a g nach der Lobpreisung der Natur, he» Walde» und seiner Tiere die Verhimmelung de» Abschiessen» dieser Tierwelt, die äufteimnal zum „Dilp" wird, da» man umbringen muß. Zwei Boxlesungen verschafften un» die Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Richard Katz, dessen schöne Schriftstellersprache leider mit der de» Vorleser» kontrastierte. Ludwig Sinket» Geschichte eine» Witwer»(Der Vater) war prächtig anzuhören. Im w i r t s ch a f t l i ch e n Relief de» Max Horner ipar zuviel de» Geiste» vom Hauptverband der Industrie. Mein zusätzliche Arbeit genügt noch immer nicht zur Kaufkcafthebung, da muß schon eine Regelung der Löhne und Gehälter nach oben eintreren, aber da» hört der Hauptverband nicht gerne. Die K ulturberichte dürfen nicht einseitig gestaltet werden, sondern müssen einen liebes« blick Wer die gesamten kulturellen Ereignisse bringen, wie e» vorbildlich vom Genossen®. old» s ch m i d t in seinem Kulturbericht geschah. Die einzige Reportage, die durch ihre Lebendigkeit auffiel, war die Fritz Seemann» aus der Prager Urania über die Radioausstellung, Jsil Rahmen der Arbeiter send u n« gen sind, neben den klaren und offenen Worten, die.in den aktuellen zehn MinUten in jeder Woche gesprochen werden, auch die gebotenen Vorträge hörenswert. Genosse Karl Kern richtete au die arbeitende Jugend beher- zenswerte Worte, für die geistige und politische Freiheft zu kämpfen. Er warnte vor den falschen Freunden, die' mit der Arbeitslosigkeit ihr. pollti- sche» Geschäft machen wollen. Adolf S ch m i. d t erzählte von den Beobachtungen, die. er auf einer zweimonatlichen Studienreise.in Canada gemacht hattet Wir freuen un» Wer den wghsheft»« getreuen Bericht, der notwendig war, beim her jetzt gleichgeschältete,(ehemalige Soldäteift^ft)' Collin Roß'will der Welt Dinge Wer Canada einreden. die nut in deutschen imperalistischen Hixnen berumspuk- ken.— Alfred W o l f e n st e in gab Aufklärung darüber, dass muh der ichter so hmcheln kämt wie er schreibt. Franz K r e j t i schilderte beredt,die Winterschönheit de» Riesengebir geS.wo In diesem Winter die Arbeiter-Oly m p i a d e ihre Winterspiele abhalten wird.. Richard Bä uml. Ke. 281 Sonntag, 8. Deember 1936 Seite 5 Das Internationale Schuldenproblem und die Zukunft der Weltkonfunktur Die weltwirtschaftliche Konjunktur scheint sich irgendeinem Wendepunkt zu nähern. Besonders deutlich tritt daS in den beiden angelsächsischen Staaten zu Tage, wo die Hochkonjunktur sich bereits in einer Börsenspekulation von großen Ausmaßen auswirkt. Bor allem nimmt der Zufluß von europäischen Kapitalien nach den Bereinigten Staaten und zum Teil auch nach England einen außerordentlichen Umfang an. Der Zustrom des Goldes in irgendein Land drückt natürlich keinesivegs den ganzen Zufluß des ausländischen Kapitals aus, aber er ist ein sicherer Gradmesser dafür. In den ersten neun Monaten von 1086 sind nach den Bereinigten Staaten für 768.1 Millionen Dollar Gold netto, also' nach Abzug der Goldausfuhr, elngeführt worden. Nach England ist In derselben Zeit Gold für 077.7 Millionen Dollat netto eingeführt worden. England ist zum großen Teil eine Durchgangsstation für das Gold, das von dem europäischen Festland nach Amerika strömt, aber es ist eine Tatsache, daß auch die englische Hochkonjunktur und die relative Sicherheit Großbritanniens gegenüber den europäischen Wirren einen großen Anreiz für die festländischen Kapitalisten darstellt. Wir haben bereits auf diesen Spalten auf die Gefahren hingewiesen, die der amerikanischen und damit der ganzen Weltkonjunktur von dieser Wanderung des europäischen Kapitals nach Ueberfee drohen. Wir haben auch darüber berichtet, daß die' Washingtoner Regierung Wer Maßnahmen verhandelt, um diesen Zustrom von Kapital zu hemmen, ohne daß damit der amerikanischen Wirtschaft geschadet wird. Im Zu» fammenhange damit wird auch das Problem der internationalen Schulden, das endgültig begraben schien, auf die Tagesordnung gebracht. Einerseits hat die i t a l i e n i s ch e Regierung diese Frage astfgerollt. Andererseits haben einige französische Abgeordnete einen entsprechende»..Gesetzentwurf, eingebracht.. ES sind auch In der letzten Zeit Gerüchte aufgetaucht,, daß die amerikanische Regierung mit irgendeinem Vorschlag an die Schuldnerstaaten heran- treten wolle. Bis jetzt hat sich bekanntlich die französische Regierung auf den Standpunkt gestellt, daß in dem Augenblicke, wo Deutschland mit den Reparationszahlungen ausgehürt hat, auch Frankreich nicht mehr verpflichtet sei, die entsprechenden. Zahlungen an Amerika zu leisten. Die Washingtoner Regierung vertritt jedoch die Ansicht, daß die Leistungen der früheren Alliierten aus ihren Schuldverpflichtungen an Amerika' mit. den deutschen Reparationszahlungen in keinerlei Zusammenhang stehen. Das ist der ossi- zielle Standpunkt von Washington, der seinen letzten Ausdruck in der Johnson-Bill vom 18. April 1084 gefunden hat, die allen Staaten, die ihre Schulden' an Amerika nicht bezahlen, die Möglichkeit nimmt, neue Anleihen in Amerika aufzunehmen. Nun ist aber Amerika heute gar nicht daran interessiert, daß noch weitere Kapitalien in Form von Schuldnerzahlungen nach Amerika fließen. Man ist sogar in Amerika sehr daran interessiert, überschüssige Kapitalien an andere Staaten aur- zuleihen. Die große amerikanische Konjunktur zwischen 1024 und 1020 beruhte ja zum großen Teil auf einer ungeheuren Kapitalausfuhr nach Europa. Andrerseits sind solche Staaten wie Frankreich und Italien sehr daran interessiert, amerikanische Kapitalien heranzuziehen. Für das kapitalarme Italien, das besonders nach dem abessinischen Feldzug eine gewaltige Anspannung aller seiner Produktivkräfte erlebt, und für den Ausbau der neuerworbenen Kolonien großer Kapitalien bedarf, ist eine große Ausländsanleihe überaus uotivendig. Frankreich, das nicht an Kapitalmangel leidet, braucht aber eine amerikanische Anleihe, um seinen Kredit im Auslande und Jnlande wieder herzustellen. Große europäische Anleihen in Amerika würden den Welthaiedel in bedeutendem Maße beleben und auch zur Stabilisierung der Währungen beitragen. Daran ist.aber die amerikanische Wirtschaft gerade in dieser Phase der Konjunktur besonders interessiert. Denn die amerikanische Konjunktur wird bei dem gegenwärtigen Tempo ihrer Entwicklung sehr bald an die Schranken des Binnenmarktes swhen. Im Zusammenhang mit allen diesen Erwägungen sind in der allerletzten Zeit hartnäckige Gerüchte über die Unvermeidlichkeit einer großen Anleiheoperation der französischen Regierung auf dem amerikanischen Geldmarkt aufgetaucht. ES soll sich angeblich um.eine Milliarde Dollar Handeln,, .und zwar soll diese Anleihemit:einem neuen Ah-' kommen Wer die Abzahlung der französischen Kriegsschuld an Amerika verknüpft sein. Diese Gerüchte stammen bezeichnenderweise nicht aus Paris, sondern aus den Finanzkreiscn New Jorks und Londons. Man verhandle gegenwärtig angeblich bloß um die Form dieser großen Anleiheoperation, ob sie nämlich als eine französische Anleihe auf dem amerikanischen Geldmarkt oder als eine unmittelbare Anleihe der amerikanischen Negierung an die französische Regierung aufgezogen werden soll. Sollte sich dieses Gerücht bestätigen, so würde eS sich um einen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht außerordentlich bedeutsamen Schritt handeln. Ole englische KoniHnktnr auf dem Gipfelpunkt Die Kapitalflucht aus Frankreich und andern Goldblöckländer», die zum Teil noch immer andauert, würde bestimmt zu einer Ueber- höhUng des PfundkUrseS führen, wenn nicht der Londoner Währungsausgleichsfonds mit ständigen großen Gold- und Devisenkäüfen eingegriffen hätte. Die kontinentale Kapitalflucht vollzieht sich auch zum Teil in Form der Hortung englischer Noten, wodurch eine Zeit lang die Bargeldversorgung der englischen Banken geschmälert wurde. Diese Bargeldversorgung' stellt aber in England noch, sichtbarer als in. jedem andern Lande die Äründlage. des Kreditgebäudes. So- tvöhl am Geld- wie ain Kapitalmarkt waren bereits leichte BersteifungStendenzen zu bemerken, bis die Bank von England eingriff und durch umfangreiche Goldkäufe die Barguthaben der Banken wieder zum Anstieg brachte. Am Jahre 1A82 hatte die Bank von England durch die sogenannte„Offene Marktpolitik", d. h. durch Käufe von. Staatsanleihen, die gleiche Politik verfolgt, wodurch eiUe. Erhöhung der Bargut-, haben der Privatbanken bewirkt wurde. Auch jetzt läßt die Bank von England und die Regierung'erkennen, daß sie' die Aeldslüssig- leit unbedingt’ aufrecht erhalten will, wozu einerseits die voraussehbare KapifalbedÜrftigkeft der Aufrüstung, andererseits die Rücksichtnahme aufs die Konjunktur Anlaß geben, dürften. Tat-, sächlich sind die Anspannungsanzeichen auf den KrddjtmHrkteN schon wieder abgeftaut. Die eng- lische Konjunktur zeigt auch nach der starken Ber- mehrung der Staatsaufträge in der letzten Zeit im.'stanzen noch keine Zeichen, der Ueberhitzung. Das ruhige FörtschrittStempo, das sie gegenüber der amerikanischen Entwicklung auSzeichnet, bleibt vorläufig betbehalten.''.; Die,^.staatlich es.. Auftra h Sv ergeb yng, die in andern Ländern am Anfang der Konjünkturerholung stand, gewinnt trän in England ebenfalls wachsende LÜeutung. Man hat in einigen fachmännischen Kreisen vor ein paar Monaten bereits für das nächste Jahr einen Umbruch in der KonjunUur vorausgesagt. Diese Voraussage hat sich vor allem auf die erwartete Erschöpfung des Bedarfes im Wohnungsbau gestützt. Aber diese pessimistische Vorhersage war von der außerordentlichen Vermehrung und Beschleunigung der Aufrüstung. abgegeben worden. Nun kann man behaupten, daß die englische Privatkonjunktur, die in einem sehr fortgeschrittenen Stadium sich befand, und aller Voraussicht nach sich dem Gipfel näherte, durch die Aufrüstungsmaßnahmen einen neuen Auftrieb bekommt. Die englische Aufrüstung vollzieht sich in zwei Formen. Einerseits wird die vorhandene Rüstung ergänzt.und aufgefrischt, andrerseits finanziert der Staat die Verlegung von Privatbetrieben aus lüftgefiihr- d et en Gebieten, sowie die Errichtung neuer Werke, die im Kriegsfall sofort in Betrieb genommen werden können. Die englische Stahlerzeugung hatte schon 1086 mit einem Monatsdurchschnitt von 888.000 Tonnen den Höchststand der letzten Konjunktur(1929: 816.690 Tonnen) überschritten. Die Produktion lag. während der letzten Monate dicht bei einer Mjllion Tonnen, im Juli 1086 wurden beispielsweise 900.000 Tonnen produziert/ Der Tiefstand, der. Stahlproduktion war in England ebenso wie in Deutschland im Jahre 1082 erreicht worden mit einer durchschnittlichen Monat-erzeugung von- 445.000 Tonnen in England und 479.000 Ton», nen in Deutschland. Zum Vergleich mögen hier die letzten Angaben Wer die Produktion von Roheisen und-Stahl. in. den wichtigsten eurp- päischen Maaten folgen. Produktion Roheiten und Stahl Im Juli 1936 In Taueend Tonnen Roheisen Stahl Tschechoslowakei,,. 89 124 Großbritannien,,« 676 900 Frankreich..... 601 541 Belgien.,,,. 262 260 Rußland..... 1198 1302 Deutschland.... 1812 1721 Vereing. St. v. Amerika. 2686 8986 Beiläufig gesagt sieht man, daß die deutsche Roheisen- und Stahlproduktion derjenigen des übrigen Europa-, außer Rußland, ungefähr gleich ist. Die englische Eisenindustrie ist im AugeWlick bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt, so daß die Aufträge nur mit einiger Verzögerung erledigt werden können und vielfach ErweiterungenderAn lagen in Angriff genommen werden. Ebenso günstig ist die Beschäftigung der Maschinen- und Werk- zeugindustrie. Dort liegen Aufträge für ein ganzes Jahr vor, und die zum großen Teil durch die Wiedererrichtung und Neuausstattung von Rüstungsbetrieben bestimmte Auftragsflut kann ebenfalls kaum bewältigt werden. Beträchtliche. Aufträge müssen deshalb ins Ausland vergeben werden, und selbst die Erteilung von eigentlichen Rüstungsaufträgen an das Ausland wird ernstlich erwogen. Angeblich sollen sogar einige wichtige Bestellungen für die Flugwasfe nach Amerika vergeben sein. In den besonders begünstigten Industriezweigen ist eine nennenswerte Arbeitslosigleit nicht mehr vorhanden, ein Facharbeitermangel macht sich sogar fühlbar. Aber die Konsumgüterindustrien bleiben fast durchweg erheblich hinter der Schwerindustrie zurück. So arbeitet beispielsweise die P a u m w o l l i n d u st r i e noch immer erst mit 79 Prozent ihrer Kapazität, wozu die Eroberung früherer Exportmärkte. durch billiger arbeitende Konkurrenz stark beiträgt. Auf die Baumwollindustrie und den Ko h lende r g b a u, der ebenfalls erheblich von der Ausfuhr abhängt, entfällt auch der größte Teil der noch verbleibenden Arbeitslosen. Ihre Gesamtzahl hat sich im letzten Jahr zwar um etlva 800.000 verringert, betrug aber Ende Juli 1086, also auf dem Gipfel der Saisonbelcbung, immer noch 1.7 Millionen. Die Beschäftigtenzahl ist in der gleichen Zeit um 441.000 gestiegen, also lvesentlich stärker als die Arbeitslosigkeit abnahm. Die englischen Arbeiter haben auch in den meisten Industriezweigen Lohnerhöhungen durchgesetzt. Aber auch die Gewinne weisen durchtveg noch weiter nach oben. Zwar hat der Staat zur Finanzierung der Aufrüstung auch den Weg der Kredit» und Anleiheaufnahme beschreiten müssen, aber ein möglichst großer Teil dieser Aufgaben soll, im krassen Gegensatz zur Finanzierung der deutschen Aufrüstung, durch laufende Einnahmen gedeckt werden. Das deshalb notwendig gewordene weitere Anziehen der Steuerschraube hat aber bisher weder die Unternehmergelvinne noch die Gesamtkonjunktur beeinträchtigt. Ule Lebenshaltung der Volksmassen In Italien Die Angaben über die wirtschaftliche Situation Italiens fliehen in den letzten Jahren sehr fpärlich. Vor allem ist es sehr schwer, sich eine Vorstellung davon zu machen, in welcher Weise die faschistische Wirtschaftspolitik auf die Lebenshaltung der BolkSmassen eingewirkt hat. ES stehen uns aber Statistiken über den Verbrauch einiger für den Massenkonsum wichtiger Waren zur Verfügung. Auf Grund dieser Statistiken kann man die Entwicklung der Ernährung lin Italieneinigermaßen verfolgen«:-Da,es, sich 'bei der Ernährung um sehr verschiedene Waren handelt, muß man den ErnährungStvert in Kalorien ausdrücken, d. h. in Wärmeeinheiten. Der italienischen Bevölkerung standen nun an auf Kalorien umgerechnete Nahrungsmitteln zur Verfügung: im Jahrfünft 1010/14 je Kops u. Tag 2085 Kalorien im Jahrfünft 1926/30„„„„ 8350„ im Jahrviert 1980/88„„„„ 8201„ Die Wirtschaftskrise hat also einen Rückgang von dem erreichten höheren Stand zur Folge gehabt. Man muß annehmen, daß die durch den Sanktionskampf aufgezwungenen Entsagungen diese Tendenz fortdauern ließen. Berücksichtigt man, daß der durchschnittliche Bedarf bei mittelschwerer körperlicher Arbeit auf 8000, bei schwerer körperlicher Arbeit bis zu 4000 Kalorien beziffert wird, und daß bei dem Vorlviegen der landwirtschaftlichen Bevölkerung der Anteil an schwerer körperlicher Arbeit in Italien sehr hoch ist, so erscheint der durchschnittliche Kalorienverbrauch nicht hoch. In den landwirtschaftlichen Provinzen und im Gebirge steht die Ernährung auf einer sehr niedrigen Stufe. In Bozen erwies sich zum Beispiel bei einer offiziellen Erhebung, daß 27 Prozent der landwirtschaftlichen Familien unzureichend ernährt sind. Der Prozentsatz der unzureichend Ernährten erhob sich auf der Insel Sardinien auf 40 und in Calabrien sogar auf 47 Prozent. Auch die Wohnverhältnisse sind in Italien unzureichend. Im Durchschnitt Italiens kommen auf einen Wohnraum, Küchen mitgezählt, nach der Zählung von 1931 1.4 Personen. In Gemeinden von Wer 100.000 Einwohnern werden von der Statistik 81.4 Prozent als in übervölkerten Räumen wohnend bezeichnet. lieber» völkerung wird als gegeben angesehen, wenn auf einen Raum mehr als zwei Personen entfallen.' In Gemeinden von 60—100.000 Einwohnern beträgt der Prozentsatz der in übervölkerten Räumen wohnenden Einwohner 27.6, in Gemeinden von 20—50.000 Einwohnern 42.4. In den großen süditalienischen Städten leben 71 Prozent der Arbeiter und 81 Prozent der Angestellten in übervölkerten Räumen. In Neapel lebt etlva ein Fünftel der Bevölkerung in Wohnuiigen mit 5 und mehr Personen je Raum. Das erklärt sich aus der verhältnismäßig geringfügigen Neubau- tätigkeit in den südlichen Provinzen, im Vergleich zu Rom und zu den nördlichen Provinzen. Die Steuern und Abgaben je Kopf der Bevölkerung sind außerordentlich getvachsen. Im Finanzjahr 1913/14 erreichten die Staatseinnahmen je Kopf der Bevölkerung 64.9 Goldlire sBorkriegSparität), im Finanzjahr 1921/22 09.3 Goldlire und 1931/32 124.9 Lire. Die Steuern und Abgaben allein, ohne sonstige Einnahmen des Staates, erreichten in den genannten Jahren 65.8, 84.8 und 111.4 Lire. Die Abgaben haben sich also gegenüber der Vorkriegszeit verdoppelt. Zur Lage der deutschen Landwirtschaft Trotz der„Erzeugungsschlacht" von Hitler—Darrt deckt auch heute die deutsche Landwirtschaft, nach amtlichen Angaben, dem Kaloriengehalt nach, nur rund 85 Prozent des inländischen'Verbrauches. Dabei muß sich die deutsche Landwirtschaft zum Teil auf eingeführte Futtermittel, wie Oelkuchen, Gerste. Mais stützen. Berücksichtigt nm» auch diese Einfuhr, so sinkt der SelbswersorgungSanteil auf 78 bis 80 Prozent. Die Verhältnisse liegen freilich bei den einzelne» Produkten recht verschieden. .Anteil der Inlandserzeugung der deutsdien Landwirtschaft am Verbrauch (in v. H. des Verbrauches) Durch Brot Hülsen Kar- Z schnitt getreide früchte tofseln 1925/26 60 52 98 1929/80 91 52 98 1988/84 99 88 100 Wie man sieht, ist Deutschland eigentlich nur beim Brotgetreide, bei den Karwffeln und Zucker von der Einfuhr unabhängig. Beim Zucker hat es sogar vor dem Machtantritt Hitler-«inen Ausfuhrüberschuß gegeben. Völlig mangelhaft ist die' Versorgung mit- Hülsenfrüchten und Fetten; hier kann der Verbrauch kaum zur Hälft« im Jnlomde gedeckt werden. Best» Fleisch scheint auch, trotz der in'der Tabelle angegebenen hohen Ziffer, die Selbstversorgung nicht vollkpm- men gesichert zu. sein. Der Einfuhrüberschuß'hat jedenfalls st» Erntejahr 1938/84 422.000 Doppelzentner, stn Jahre 1985/86 sogar 1,651.000 Doppelzentner betragen. Der Rindviehbestand beträgt heute knapp 19 Millionen, während er 1013 81 Millionen betragen hat. Der Schweinebestand beträgt heute 28-—24 Millionen Stück. Dabei soll die jährliche Schweinefleischproduktion heute bei annähernd gleichem Gchtveinckestand wie 1914 um 10 bis 20 Prozent Wer' dem Vorkriegsniveau liegen. Andererseits ist der'Milchertrag während der ,,Erzeugungsschlacht* gesunken. So hat der Milchertrag je Kuh im Jechr« 1982 2400 Liter, im Jahre 1985 2250 Liter betragen. Zum Vergleich sei vier angeführt, daß in Dänemark die JahreidurchsibnittSerzeugung je Kuh im Jahre 1980 8800 Liter betragen hat. ucker Obst Fette Fleisch Eier 107 84 85—40 88 68 115 81 40^—45 94 67 99 85 50—55 98 >81 Somtfng' 6. Dezember 193(1 Nr. 284" 3cufreaieuigfcdten Blut und Dividende Daß der spanische Bürgerkrieg vor allem auch ein Geschäft ist und das; daher die Herren Kapitalisten den eidbrüchigen Generälen mit ihren Frcmdenlcgionärcn und Marokkanern äusserst dankbar sind für dieses Saisongeschäst und alles dazu beitragen, sie dabei entsprechend zu unterstützen, ist immer und immer wieder nachweisbar. Daneben besorgt Franco für sic auch noch die Niedcrknüppelung einer freiheitlich gesinnten Arbeiterschaft, so das; das Angcnehnie mit dem Nützlichen verbunden wird. Wie die Herrschaften zu verdienen verstehen, ersieht man klar und deutlich aus der folgenden Geschäftsnotiz: Kali Tic. Thtrise: 82 Prozent Zwischen- dwidende Paris. Die Mines de Kaki Sie. Thirise beabsichtigen Ende'Dezember eine Zwischen« d i v i d e n d e« o n 82 P ro z e n t auf 80 Mill. Francs Kapital zu verteilen, nachdem letztes Jahr plan eine Gcsamtdivideiwe von 22 Prozent aus« geschüttet tvorden war. Der Absatz für das am I. Mai begonnene Wirtschastsjahr hat aus deni Binnenmarkt um 80 Prozent gegen das Vorjahr zngcnonmten. Dieser Absatz ist der höch ste seit dem Hochkonjunktnrjahr 1029/80. Die Steigerung ist zum Teil auf eine Ausfuhr« zunahme infolge Ausfalls der fpa- nischcn Kalilieferungen zurück« zuführen. 32 Prozent Zwischendividcndc, weil im letzten Jahre die Gesanitdividende„blast" 22 Prozent ausgemacht hat, ist wirklich gut gesagt I Der Ausfall der spanischen Kalilieferungen ■ macht sich also gnt bezahlt und man kann nun noch besser verstehen, weshalb die Bourgeoisie mit ihrer Presse die Räubereien dcS Herrn Franco so begeistert begrüßt und feiert! Ein Pilot tödlich verunglückt. Das Mini« stcrinm für Nationalvcrteidigung teilt mit: Samstag gegen v Uhr früh übte auf dem Flugplatz in Prostijov der Rottmcister Anton Pacäk Kanipfweudungeu aus einem Jagdflugzeug. Bei der Durchführung eines Sturzfluges kam es infolge Ausrichtens der Maschine in den waagrechten Flug zu einer Störung des Tragftzstems des Flugzeuges, das äbstürzte und auf den Hangar am Südrande des Flugplatzes nioderfiel. Der Pilot fand in den Driimmern den, Tod, Das Ministerium für Dationalsierfeidigung hat sofort an Ort und Stolle eine fachtechnischc Kommission .mit dein Vorstand der Flugtechnischen Abteilung des Ministeriums für Nationalvcrteidigung, Obersten Jng. Kejla, an der Spitze, entsandt. Rottmeister Pacäk stammte aus Krcmsicr und war einer, der älteren und erfahrenen Piloten. Er flog seit 1927. Die Jagdflugausbildung beendete er 1929. Er war 81 Jahre alt. . Ein llljähriger stirbt. In Ostpreußen ist im Alter von 111 Jahren der älteste Mann Deutschlands, Friedrich Sadowsli, im Alters« beiin von Neidenburg gestorben. Er war Landwirt und hat sein kleines Grundstück Äs zum 192. Lebensjahre selbst bewirtschaftet. Der Papst nahm nach ossizicllcn Berichten ivedcr Freitag noch Sainstag an de» geistlichen Zeremonien teil. Die Acrzte ordneten an, daß er das Bett nicht verlassen solle. Jmnierhin soll trotz allen gegenteiligen Meldungen sein Befinden leine Besorgnisse crlvcckcn. Faschistischer Gentleman... Der flämische Nationalist Dr. Backer überfiel in der Käm« incr die Tochter des sozialistischen Kammerpräsidenten Hunsmans, die sich vor einigen Wochen als Pflegerin nach Spanien begeben hatte. Kam- merpräsidcnt HutzsmanS erklärte zu diesem iiebersall, das; die Pflege Verwundeter kein Verbrechen sei. Wie Rockefeller lebt. DaS soeben erschienene Buch deS Pboiographen von John D. Rockefellcr, Kurt Englebrccht, hat einen sensationellen Erfolg, weil cS erstmalig die volle Wahrheit über das Leben des sagenhaften Multimillionärs ver« rät. ES stellt sich heraus, daß die vielbesprochene erstaunliche Rüstigkeit Rockefellcrs keineswegs mehr vorhanden ist. In den letzten Jahren ist Rockeseller Immer mehr und mehr verfallen, er kann schon seit langem nicht mehr Golf spielen, und die belangten Photos, die ihn mit dem Schläger in der Hand darstellen,.. datieren auS den Jahren 1929 und 1989. Er kann nicht cin- mal mehr spazieren gehen und überhaupt" keine Besuche empfangen. Er verbringt die Tage Im oberen Stockwerk seiner Villa in Ormand Beach in Florida, die er niemals verläßt. Er sitzt vollkommen teilnahmslos in Decken'gewickelt in seinem. Lehnstuhl, und' auch sein Interesse für die täglichen Neuigkeiten ist«in. Märchen, weil Rockeseller fast niemals zuhört, wenn zu ihm gesprochen lvird. Seine Anzüge hängen in den Schränken Ivie in einem Museum, sogar seine Perücke wird für sein müdes Haupt zu schwer. Rockeseller ist heute-97- Jahre alt. Bei seinem 99. Geburtstag tni Jahre 1929 hat er erklärt, daß er unter allen Umständen hundert Jahre alt werden will. Englebrccht ist der Meinung, daß er heute diesen Wunsch nicht mehr haben würde, vorausgesetzt, daß er nicht schon viel zu gefühllos ist, um überhaupt die Qual dieses Lebens zu spüren. Der schief« Turm von Pisa gesichert. Die Befürchtungen für den berühmten schiefen Turm zu Pisa süid ja nicht jüngsten Datums. Der Turm neigte sich immer mehr bereits seit Jahrhunderten;- zum ersten Male wurde dies« Tatsache schon im Jahre 1174 festgestellt. Und seit Jahrhunderten suchten auch die Baumeister nach Mitteln, die weitere Neigung zu verhindern. Man ist jetzt einigermaßen Uber das Schicksal des Turms beruhigt. Im Lause des letzten Jahres haben erneut Arbeiten an den Fundamenten stattgcfunden. ES sind nach einer neuen Methode 881 Löcher von sechs Zentimeter Durchmesser in die Grundsteine eingcbohrt worden, die dann mit insgesamt 982 Tonnen Zement auSgefiillt wurden. Man hofft, daß diese Zenientlager dem Turm eine genügende Standscstigkeit geben werden. Dl« Krönungs-Goldfische. In Southampton crlvartet man in den nächsten Wochen die Ankunft von 128 Millionen Goldfischen, die als Krönungs- Goldfische verkauft werden. Die Fische kommen aus Kanada und den U. S. A. und werden in riesigen Reservoiren von den englischen Passagierschiffcn, unter anderem von dec„Queen Mary", nach Sout- hantpton gebracht. Besonders begehrt ist eine Spezialsorte von Goldfischen aus Kanada, die zum Entzücken der Engländer rot-weih-blau gestreift sein soll, also genau, die Krönungsfarbe zeigt. Die große» Warenhäuser in London, wie Selfridge, haben bereits 100.000 Vorbestellungen auf diese Goldfische gemacht. Der kürzeste Krieg der Welt. J>n Zusammenhang mit der Länge der Dauer des spanischen Bürgerkrieges,..die allgemein verwundert^stellen eng- lisch« Zeitungen Statistiken über die Dauer verschiedener Kriege aut. Der längste Krieg ist noch immer der 80jährige. Der kürzeste Krieg jedoch dürfte allgemein unbekannt sein. Denn er hat nur genau siebenunddreißig Minuten gedauert. Am 27. August 1896 erklärte der Sultan von Sansibar England den Krieg. Ein englischer Kreuzer, der vor Sansibar lag, eröffnete unmittelbar nach der Kriegserklärung das Bombardement, bohrte in wenigen Minuten das einzige Kriegsschiff des Sultans, i» Grund und Boden. Als der Palast des Sultans den ersten Volltreffer erhielt, wurde darauf die weiße Fahne gehißt, und der kürzeste Krieg der Welt war zu Ende. Die Magna Charta der Briefträger. Da» amerikanische Postdepartement hat soeben eine Verfügung erlassen, wonach die Zustellung der Post a» alle Häuser, in denen biffige Hunde gehalten werden, eingestellt wird. Diese Verfügung erklärt sich daraus, daß namentlich Landbriefträger immer wieder von Hunden auf ihren Dienstwegen angefallen worden sind. Die Briefträger sind begeistert und nennen diese Verfügung ihr«„Magna Charta". Aber in der Oeffentlichkeit weist man doch aus die Unzweckmäßigkeit solcher Verallgemeinerungen hin. Er hagelt von Protesten und dar Postdepartement erwägt zur Zeit ein Kompromiß: Die Briefe an Hundebesitzer sollen nur dann geliefert werden, wenn diese schriftlich bei der Post deponieren, daß ihre Hunde nicht beißen. Aber dann müße» sie sich gleichzeitig verpflichten, wenn doch ein. Briefträger von ihrem Liebling angefallen wird, alle Kosten zu tragen. Die Angst vor der Mau». In Banja Luka wollten ein paar junge Burschen einen Freund aufziehen, dessen Aengstlichkeit stadtbekannt war. Während er schlief, nahmen sie eine Maur und setzten sie ihm unter dar Hemd. Der junge Mann wachte auf, fing fürchterlich an zu schreien, rannte durch dar Haus, "ergriff einen Kessel mit siedendem. Wasser und goß sich den Inhalt über Kopf und. Brust/ um sich von der. MauS. zu.befreien. Die Mau».., ist gestorben,, aber auch der ängstliche Bursche hatte solche Verbrennungen erlitten, daß er im. Krankenhaus seinen Wunden erlag. Die Polizei hat ein« Untersuchung gegen seine Freunde eingeleitet, doch werden sie wahrscheinlich nicht bestraft werden können, da da» Verstecken einer Mau» in einem fremden Hemde höchsten» al» grober Unfug oder— wegen de» dadurch verursachten Schreck— al» leichte Körperverletzung angesehen werden kann. Kein« Seekrankheit mehr? Auf dem englischen Dampfer„Jslc of Sark" wird zur Zeit ein neuartiger Versuch vorgenommen, der dahin zielt, in Zukunft da» sogenannte Rollen de» Schiffe», da» die Seekrankheit hervorruft, unmöglich zu machen oder wesentlich zu vermindern. Die Versuche werden mit zwei schwingenden Flossen ausgeführt, die an den Seiten de» Schiffe», und zwar ungefähr in der Mitte, unter der Wasserlinie angebracht sind. Die Auf- und Abbewcgung der Flossen wird von einem Instrument kontrolliert, da» bei jeder seitlichen Bewegung de» Schiffe» durch elektrischen Strom auf die betreffenhe Flosse«inwirkt und da» Gleichgewicht wieder herstellt. Man hat festgestellt, daß ein Schiff, da» ohne Flossen um 16 Grad rollt, Infolge der Flossen überhaupt nicht mehr rollt. Die Versuche werden noch fortgesetzt. Fall» sie weiterhin erfolgreich sind, dürften die Flossen einen umwälzenden Einfluß auf alle-künftigen Schifsrbanten ausüben. Jazz in Sowjetrußland. Zwischen der ,L»we- stija" und der„Pravda", die beide selbswerständlich bocboffiziell sind, ist«ine seltsame Polemik au»ge- brochen, die sich mit der Jazzmusik beschäftigt. Die „JSwestija" veröffentlichten eine Zuschrift, in der Jazz auf da» schärfste abgclehnt-wird, weil diese Musik den Lebensformen de» neuen Rußland in keiner Weise entspricht. E» wird von den Einsendern gefordert, die Ausübung der Jazzmusik zu verbieten oder mindesten» auf private Veranstaltungen zu beschränken. Gegen dies« Veröffentlichung wendet sich da» allrussische Kunstkomitee in einer Zuschrift an die„Pravda", in der die Autoren der „JSwestija"-Zuschrift an die„Pravda", in.der, die Autoren der„JSwestija"-Zuschrift al» bürgerlich und völlig kunstfeindlich gebrandmarkt werden. Solchen kleinbürgerlichen Instinkten, die nicht einmal für die Begeisterung von Millionen Menschen auf der ganzen Welt für den Jazz Berständni» aufbringen, müsse in Sowjetrußland da» Handwerk gelegt werden. Die„Pravda" fügt dieser Einsendung eine redaktionelle Bemerkung bei, in der sie beruhigend darauf hinweist, daß die Veröffentlichung der„Jrwestija" nicht amtlich ist, und daß irgendwelche Beschränkung für die Jazzmusik nicht in Aussicht genommen ist. .."Ein unbestellbarer Bripf. In Genf.lacht man über die Findigkeit" einer Pariser Kunstzcikschnft, die' Belegexemplare über den Internationalen Kunst» historikcrkongreß an zahlreiche Interessenten versendet und eine» davon auch an„Monsieur Conrad Witz, Artiste et Peintrc, Bale, Suisse", adressierte. E» war nicht leicht, das Schreiben znzustellcn; zwar hat Witz einmal in Basel gelvohnt, aber schon vor längerer Zeit, ziemlich genau vor einem halben Jahrtausend. Aber auch die Post wußte da» nicht so genau. Jedenfalls kam ein Beamter darauf, daß da» Meisterwerk Witz', der„Genfer Altar", in Genf hinge, und deshalb ging der Brief nach Genf weiter. Diese» Werk stammt aus dem Jahre 1144, und da direkte Nachkommen von Conrad Witz nicht zu ermitteln Ivären, mußte man den Brief nach Pari» zurück« fcnden. Aegtzptifche Plage über Nomv Dwor. Der polnische Amtsschimmel hat einen tollen Sprung‘ gemacht, worüber sich ganz Polen freut: da war ein Mann Im Städtchen Sloiifl) Dwor, der verlegte sich, auf die Zucht von Mäusen und Ratten, die er an. Kliniken lieferte. Die Behörde kam darauf, daß er kein« Konzession hätte, und schloß den Betrieb. Was ge-, ichah mit den Nagetieren? Sie wurden, da der Mann sic ja zu Unrecht gehalten hatte, in Freiheit gesetzt. Jetzt ist Nowy Dwor von wohlgenährten Natten und Mäusen überlaufen, und wenn eingangs gesagt ist, daß sich ganz Polen freut, so sind die Einwohner, von Nowy Dwor davon auszunehmen. Den Schaden aber wird die Stadtverwaltung bezahlen müssen. Ein Drittel der Akademiker überzählig. In der Generaldebatte des österreichischen BmweStage» über den Staatsvoranschlag für 1987 machte Universitäts- Professor Dr. Arzt die maßgebenden Stellen nachdrücklich auf die Gefahr der. Arbeitslosigkeit unter der akademischen Jugend aufmerksanü Genaue' Be<" rechnungen hätten ergeben,- daß jährlich 8000 Hochschüler ihre Studien beenden, von denen-höchsten» 2000 in Berufen untergeb.racht werden könnten. El»» Weltstadt blutet"'' m:;■ Die wochcnlangcn Kämpfe nm Madrid haben zahlreiche Brände im Gefolge,. die bei Nacht den Himmel rot färben * Die Feier der rumänischen Einigung in Bukarest In Bukarest fand aus Anlaß der militärischen Feierlichkeiten zur Wiederkehr des Tages der Einigung Rumäniens eine Parade vor König Carol statt, bei der, wie unser Bild zeigt, die Mitglieder des r u m ä n i.s ch e n Ritterordens zum erstenmal in. ihrer neuen Uniform ausmarschicrten. Im Hintergrund der zu dieser Gelegenheit errichtete Triumphbogen. Ez wachse so ein intellektuelles Proletariat heran, da» außerordentlich gefährlich werden könne, Juwelen für«In« Biertilmillion Ai gestohlen und wiedergefunden. Vor einigen Tagen wurden einer Juwelenfinna im Hause Nr.400 in Prag.XIX. Juwelen im Werte von fast einer Biertelmillion von zwei unbekannten Tätern entwendet. In.der Nacht auf gestern fanden Detektive, der Sicherheitsabteilung in einem Wald hinter der Gemeinde Brodee zwei Koffer vergraben, die die Juwelen fast vollzählig enthielten. Sie wurden der Firma zurückgestellt. Gleichzeitig gelang e», die-Täter festzustellen; der«ine, der 88jährige Chauffeur Anton Halik aus Bievnov, wurde verhaftet und nach Päw- kratz eingeliefert, der ändere, der 22jährige' Bäcker Bohdan Sulc, derzeit arbeits« und wohnungslos, wird noch, gesucht,,.-,• Straftcnbnhndieb verhaftet. Gestern gelang es. den" internationalen" Taschendieb" R.""Zinner" au» Kascha» zu verhaften, al» er gerade einer FräU, die in einen Straßenbahnwagen"beim Pulverturm in Prag eingestiegen war, das Geldtäschchen mit Kc 800.— gezogen hatte. Er gestand die Tat, doch konnte da» Geld nicht bei ihm gefunden werden. Er behauptet, e» weggcworfen zu haben, sobald er sich von der Bestohlenen bemerkt sah.. Zinner wurde nach Pankratz eingeliefert. Schneebericht. Raturfreundehau»„KönigShöbc" lSeehöhe 880. Meter)..Schneehöhe: 40 Zentimeter, Skifährte: sehr gut, Rodelbahn: gut, Temperatur: 7.Grad minus, Wetterlage:".günstig,- Raffer Sonntag. Die Entwicklung.. der Luftdruck- und Luftjemperaturverteilung-über Europa scheint darauf hinzuwciscn, daß sich der allgemeine .Witterung»chqrakter allmählich beruhigen wird. Die Störungen, die von den britischen Inseln her gegen da» Festland fortschrciten, lösen sich auf!- Nichtsdestoweniger dürften sie bei un» Bewölkungszunahme und vereinzelte Schauer veranlassen. Wahrschein- liche» Wetter heute: Noch!unbeständig, Temperaturen ohne wesentliche Aenderung,. vereinzelte Schauer, West« bis Südwestwind. W e t t e r« a u S f i ch t e n für Montag: Wechselnd bewölkt, im ganzen trocken, etwa» kühler,:ruhig. Vom Rundfunk Empfehlenswertes au» den Programmen« Montag Prag. I: 7.00 Salonorchesterkonzert. 10.08 Deutsche Presse. 17-88 Förster:- Klavier-Trio.- 18-10 Deutsche Sendung: Direktor Czermak: Wintersport im Riesengebirge. 18.28 Dr. Eisner: Heimat in zwei Schrifttümern. ,18.48 Deutsche Presse..19,80 Au» dem Rejchenbergcr Theater:»Flucht au», dem Serail"-, von Mozart. 21.28- Sängerkonzert. 22-40 Deutsche Press«.— Prag II: 7.80 Salonorchestirkonzertz- 14.20 Deutsche-Sendung: Donath: Prager Kunst», jubiläum.. 14.88 Kreitner: Altprager Weihnachts- Märkte. 14.80 Deutsche Presse". 18-10 Kompositionen, von Martinovsky. 19.10 Saxophonsylo.— Brünn: 16.10 Konzert. 17.40 Deutsch« SenduUg: Dr. Win- ternitz: Di« Einigkeit des. menschlichen Geschlechte»." 21.40 Klavierkonzert.—Preßburg: ,12.88 Ründ- fuukorchesterkonzert..22.80. Tanzmusik,—Kascha«: 12.08 Chansons. 18.00 Rnndfpnkorchcsterkonzert.-—' Mähr.-Oftrau: 18.10 Deutsche Sendung: Dr. Kolb: Demokratie'tst schöpferisch. 20.40 Konzert.' .- Dienstag . Prag I: 7.40 Orgelkonzert. 8.00-Konzert" au» Karlsbad. 11.03 Rundsunkorchesterkonzert..18,00 Aus dem Natjopastheater: Verdi:„Äigoletto". 17.88 Deutsche" Sendung":.Egerländer KünterbuM,18chsk Merker: Äunstsüno Kütistter; Streichquartett. 18.80 Deutsche Press«. 18.88 Deutscher KUltutberichtl 20-80' UebertrggPig aus London: Europa-Konzert.'— Prag II:. 14,80 Deutsche Sendung: Bunte Musik. — Brünn: 22,80 1 Radioschrammeln:•— Preßburg: 1T20 Operettenistüstk/—- Kascha«: 17,18 Slowakische-Lieder/— Mähr-Ostrau: 9.00: Pundsünkor» chestcrkonzert. Nr. 284 Sonntag, 6. Deembrr 1936 Sekt« 7 Wer war Gustloff? Aus der Schweiz wird uni geschrieben: Wenn am 9. Dezember der Medizinstudent D a v i d Fr ankfu r t« r vor dem Graubündner Kantonjgericht von Chur stehen wird, um sich zu verantworten wegen der Lötung des Deutschen Wilhelm Gustloff am 4. Februar 1986 zu Tavos. daun werden al»„Anlläger ad. hoc" Du. Fr. Brügger und al» Verteidiger de» Angeklagten der Zürcher Rechtsanwalt Eugen Curti fungieren. Da- hat die Schweizer Depeschenagentur schon' Anfang Oktober mltgetcilt und gemäß ihren Informationen noch hinzugefiigt, dqh der von der Gerichtsbehörde, beauftragte Psychiater die vollkommene Zurechnungsfähigkeit des Häftlings sestgejtellt hat. '.'lieber zehn" Monate. hat die Affäre den Schweizerischen BundeS-Rat und die öffentliche Meinung jetzt-in Atem gehalten. Während dieser Zelt hat allein David Frankfurter geschwiegen. Ein bis in die Knochen schwindsüchtiger jünger Mann von sechSundzwanzig Jähren, wartet er ochf dt'n'Srüch des Gericht». Ob er selber den Wllen und,di« köyperliche Kraft besitzen wird, uch.über dje Motive seiner Tat genügende AuS- künft zu geben, oder ob er dem-Verteidiger und Ankläger' ausschließlich das Wort überlassen wird, dar ist noch ganz ungewiß/ Gewiß ist nur, daß-der. getötet« Dr. G u st l o f f, ehemals Obkervätoi anl Meteorologischen Institut von DävcÄ, also B e a m t e r.im schweizerischen D i e n st, schon lang« vor der an ihm behangenen Tat«in«. Emsigkeit entfaltete, die weher dar Amt noch die Pflichten respektiert«, die ihm als einem von der Schweiz beherbergten Ausländer oblagen.. ,?'■ Gustloff war der Landesleiter der deutschen N. S. D. A. P. in der Schiveiz. Vereidigt auf seinen Führer Hitler, hatte er e» übernommen, im Gesamtgebiet der Eidgenossenschaft die Geschäft« der.Partei zu organisieren. ES war das eine vielfältige Aufgabe. Sie bestand zunächst darin, alle„deutschftämmigen" in der Schweiz lebenden Bürger des Dritten Reichs in die.Pgrtei und in ihre genau nach der deutschen Vorschrift aufgebauten. Unterabteilungen hinein« zutreiben. Er hatte an den eidgenössischen Hochschulen nach nationalsozialistischer Methode und Satzung Studentengruppen zu schassen und er schuf sie. Er begründete in der Schweiz die Arbeitsfront der N. S. D. A. P. Aus Schweizer Böden rief er'Sportverbände der N. S. D. A P. in» Leben. Sie wurden unter seiner Initiative und. Aufsicht militärisch ausgebildet und hielten im Inneren des Lander, besonders gern aber im Basier Grenzgebiet- Uebungen ab. Alles, was zu Ehren des Dritten Reichs arbeitet«, schuldete dem Dr. Gustloff, dem Stellvertreter de» Führers in der Schweiz,, Gehorsam. Ihm:MihrstänD-der'.-MiideSpröp'agSN'däleiier",. der ist Zürich wohnende Dr. Klötzel, Frau Klötzel, die,'.Landesleiterin der Frauenarbeit-gemein« schäft": der„Landesschlichter".' Dr. G. Ashton, wohnhaft in MSnacht, und schließlich der„Lan- deSführer der Deutschen Studentenschaft",«in Herr Georgs Th. Meyer. Di« Generalliste aller Parteimitglieder, also auch der geheimen Staatspolizisten, war in der Verwahrung des Dr. Gustloff: Diese Lifte gab e» in doppelter Ausführung; ein«.zum Gebrauch für die Schweizer Behörden-und ein« zweite für sein« Machthaber jenseits der Grenze. Es wurde das bet einem besonder- aufregenden Zwischenfall ruchbar. Der Füll betraf den Deutschen Dr. Kittelmann, der durch eine Personallompltkätion eine doppelte Staatszugehörigkeit besaß, die deutsch« und die schweizerische. Als Schweizer wurde Dr. Kittelmann im Stenographendienst des Bemer Bundeshauses beschäftigt. Da erfahren seine Schivei- zer Vorgesetzten, daß er eingeschriebenes Parteimitglied der R. S. D. A. P. war. Man verlangte vosi- ihm Verzicht auf sein Schweizer Amt pder Verzicht auf'die deutsche Partei-Matrikel. Zum Schein gab Dr. Kjtielmann nach— um sein Brot zu retten. Biild geigt« sich jedoch, daß er betrogen hatte, Dr. Gustloff hatte ihn zwar auf der dem BupdeSxat unterbreiteten Liste gestrichen, abkr. auf..seiner geheimen Privatlist« als Parteimitglied nach Hamburg überschrieben. Und Dr. Kittelmann tvurde nach dieser Entlarvung gehindert/ sein mit Dr. Gustloff eingefädelte» kom- plott weitcrzuspielcn. Damit er'.seine ungeteilte Kräft der N. S.'D. A. P. widmen könnte, wurde er von Bern seines Amtes enthoben. Der Landesleiter Dr. Gustloff wurde von felnen. Auftraggebern als«ine Persönlichkeit be- soNderen BangeS cuigesehen. Er war ein charmanter, mit seiner Persönlichkeit und noch reel« leren- Mitteln-nicht sparender Werber.- Die „Frönt", die sich in der Schweiz bildete, die aus dem' Milieu der-jungen Akademiker, in die Bürgerschaft hlnübergreifende„Kampfgenosscnschast gegen Demokratie, Marxismus und Verjudung", war sein Werk. Dr. Gustloff lieferte der„Front" die Gedanken. Daß er ihr noch Handgreiflicheres liefert«, ist nicht zu bezweifel»; wenn man erfährt,''daß. die Fröntler stets mehr Elan al» Druckpapier.für ihre Zeitung»» in der deutschen und in her welschen Schweiz besaßen. Mit Schmerz sah Gustloff.die äußerst gering« Wirkung seiner Mühe. Hatte tp sich zunächst vorgenommen, nur mit besseren Leuten Brüderschaft zu schließen, so. sah er sich bald zu kriminellen Maßregeln gezwungen/ Sie' waren am-End«' sein«). hauptsächlichsten...Mittel....Er. brachte weder- die stifte Idealiftengrüppe, von- der er geträumt hatte- stoch die'kühne Kntippelgarde zusammen: Aber der Eid, den er dem Führer««•' leistet.hatte, war da. Der Eid perpflichtete ihn VEsMrtsckast uml äoÄakpoitM rschechoslovalclsche Wirtschaftsnachrichten Steigerung der Musikinstru« mentenauSfuhr. Die Ausfuhr von Musikinstrumenten aller Art stellt sich in den ersten zehn Monaten d. I. bedeutend höher als in der gleichen BorjahrSzeit. So ist der Wert der Mundharmonikaausfuhr von 1,1 auf 1,4 Millionen Kronen gestiegen. Bei Streichinstrunien- ten ist der AuSfuhrtvert von 8,1 auf 8,7 Millionen Kronen und bei Blasinstrumenten aus Holz von 1,2 auf 2,1 Millionen Kronen gestiegen. EisenbahnmaterialfürChina. Die Witkowiher Bergbau- und Eisenhüttenwerke, die Berg- und Hüttengesellschaft und die Prager Els«n-A.-G. haben einen großen Lieferungsauftrag für die Eisenbahngesellschaft Chekiang— Klangst erhalten. Es sollen bis spätestens April 1987 29.909 t Schienen- und Kleinmaterial im Werte von 42 Millionen Kronen geliefert werden, llnbegründer«Preiserhöhung. Die Seifenfabrikanten haben jetzt der im Vorjahr beschlossenen Preiserhöhung für Kernseife «ine solche für Toiletteseifen folgen lassen. Von 9 Kronen wurde der Preis auf 11.80 Kronen heraufgcsetzt. Die Preissteigerung beträgt demnach beinahe 80 Prozent., Betri ebsetn st ellung wegen Gerste»mangel. Infolge Gcrstenmangel haben 10 Mühlen, die sich mit Graupenerzeugung befassen, ihren Betrieb wesentlich einschränken und zwn Teil sogar gänzlich«instellen müssen. Bierverbrauch zurückgegan- d«it.• In den ersten zehn Monaten 1986 wu» den 6.8 Millionen Hektoliter Bier auSgcstoßen. Das sind 200.000 Hektoliter oder 2,9 Prozent weniger als in der gleichen BorjahrSzeit. Weltwirtschaftliche Kurzberichte Die im Welthandel umgesetzte Warenmenge liegt im dritten Vierteljahr 1936 um etwa 8 Prozent höher als in der gleichen Vor- jahrszcit. Die wertmäßige Steigerung beträgt 10 Prozent. Die Goldgewinnung der Welt ohne Sowjetrußland hat in den ersten drei Vierteljahren 1986 20,64 Millionen Unzen betragen. In derselben Vorjahrszeit sind 18,8 Millionen Unzen gefördert worden, so daß eine Produk- zu allem, auch dazu, sich mit'den Lumpen zu verbünden. Der Nationalsozialismus faßte in der Schweiz, keine Wurzeln. Gustloff mußte sein« Tätigkeit rechtfertigen, und sein Hauptinteresse war künftig darauf gerichtet, die deutschen Emigranten dorthin zu expedieren, wo sie hinter dem Stacheldraht unschädlich gemacht werden konnten. Hier beginnt Gustloffs Kriminalistenlaufbahn, sein Bündnis mit Spitzeln der Gestapo. Di« eklatantesten Fälle der Verschleppung von Emigranten wurden bekannt. Vieles von dem, waS Gustloff einfädelte, damit noch im Reiche lebende Angehörige von Emigranten gepeinigt wurden, erfuhr man nicht. Immerhin aber genug, um zu verstehen, daß der Nteteorologe Gustloff die Kontrolle seiner Spione eifriger betrieb als die Beobachtung der Sphären und Sterne. - Er installierte seine Gauleiter in den einzelnen Schweizer Kantonen. Die Strategie dieser. Aemter« und Pflichtenvertetlung ist charakteristisch für Gustloffs beträchtliches Talent zum Spitzel-Chef. Kompromittierende Briefe bewahrte er nicht bei sich selber auf, sondern in Solothurn bei seinem„Stühpunktvertrauenr« mann", einem Hern Fink. Die Kartothek über die Emigrautenbefpihelimg- wurde im Tessin, in Lugano, bei einem Kapitän zur See a. D. Grum- mer untergebracht. Das war Gustloffs besonderer Kniff, das Spitzelquartier weit vom eigentlichen Aktionsfeld einzurichten, tzs funktionierte so lange, bi» der deutsche Kapitän von den Schweizer Behörden eingeladen wurde, sich persönlich im Reich den Dank fün seinen Fleiß einzuholen und sich künftig von der ihm so unsympathischen Eidgenossenschaft-fernzuhalten. Gustloff» Mittelmänner von Davos nach Lörrach, von. Davos nach Lugano waren aber nicht etwa Deutsche, sondern Schweizer, Schwei- zer von der„Nationalen Front". Diese Gustloff- leute waren sozusagen di« Spitzel für die niedrige Klaffe de» Gestapowild». Für'die besseren'Leute au» der akademischen Jugend hatte der wendige Mann sein« geistigere Methode. Er-inspirierte fröntlerischen Studenten von Bases die Gründung eines Verein». Auf seine Veranlassung hin unterbreitet« der Verein der Generalversammlung der gesamten Studentenschaft einen Antrag, nach dem au» dem akademischen Lesesaalialle„hitler- feindlichen" Zeitungen zu entfernen wären. Alle Stifdentenbünde Gustlosffcher Inspiration gruppierten sich um di« reich-deutsche Organisation „Der deutsche Student im Ausland". Sie hatten das Programm, in der Schweiz die„traditionel«, len Revolutionsideen der Brüderlichkeit und. Gleichheit" abzufchaffen zugunsten des Program-, me» dir deutschen N. S. D. A/P» * Kaum war Gustloff tot. al» in Deutschland die Hetze gegen die Schweiz-begann. Der„Vül- tionSsteigerung um 12,8 Prozent zu verzeichnen ist. Am stärksten ist di« Zunahme der Goldgewin- nung in den Vereinigten Staaten. Sic erreichte in den ersten neun Monaten 1986 einen Gesamtumfang von 8,099.090 Unzen gegen 2,884.000 Unzen in der gleichen BorjahrSzeit. Der Wert der Goldgewinnung der Welt ohne Rußland wird für daS ganze Jahr 1086 auf etwa 970 Millionen Dollar geschäht, während er 1938 nur 880 Millionen Dollar betragen hat. Der Goldstcom nach den Vereinigten Staaten ist im Jahre 1986 außerordentlich stark gewesen. Die Goldbestände der Vereinigten Staaten sind von 10.128 Millionen Dollar Ende 1985. auf 11.113 Millionen Dollar Ende Oktober 1936 gestiegen. Die Zunahme innerhalb neun Monaten beträgt demnach rund 1 Milliarde Dollar. Die Vereinigten Staaten haben demnach nicht nur die gesamte Goldgewinnung der Welt in diesem Jahre aufge- kaust, sondern darüber hinaus auch noch aus anderen Ländern einen Teil der Goldreserven an sich gezogen. Infolge der internationalen RüstungSwelle hat der Weltverbrauch an Blei eine starke Ausdehnung erfahren. Im Monatsdurchschnitt des Jahres 1938 betrug der Bleiverbrauch der Welt nach den Berechnungen des amerikanischen MetallbureauS 89,000 t. Für das dritte Vierteljahr 1986 ergibt sich ein durchschnittlicher Monatsverbrauch von 97.900 l. Ebenfalls durch die Rüstungswellc hervorgerufen ist die« starke Nachfrage nach Kautschuk. Die Weltvorräte nehnien rasch ab und die Preise am Weltmarkt steigen. Seit dem Vorjahre haben sich die Kautschutpreise bereits um annähernd 80 Prozent erhöht. Die Internationale der Eisenkapitalisten, die Internationale R o h st a hl- gemeinschaft, begnügt sich nicht allein mit den horrenden Gewinnen, die den Eisenkapitalisten in allen Ländern aus dem Rüstungsgeschäft zusließen, sondern sie fordert eine weitere Erhöhung ihrer Profits. Zu diesem Zweck hat sic eine Heraufsetzung der Preise für die wichtigsten Eisensorten beschlossen. Es entsteht die Frage, ob die staatlichen Organe, die jede unbegründete Preissteigerung energisch bekämpfen, dieses Preisdiktat der Eisenkapitalisten einfach hinnehmen sollen. kische Beobachter" forderte, die Eidgenossenschaft solle eigens tvegen des Falles Frankfurter in ihr eben vorbereitetes Strafgesetzbuch die Todesstrafe aufnehmen. Es hieß weiter in dem Blatt: „Wir klagen an des gemeinsten Meuchelmordes ein System des Hasses und der Verhetzung.". Als Träger dieses Sisstems wurden also unverblümt die Schtveizer Regierungsbehörden genannt, nicht nur die Emigranten. Gustloffs Beauftragter, Herr Enger, Leiter des nationalsozialistischen Presse-Büros in der Schweiz, nannte die Schweizer Journalisten durchwegs nicht nur Marxisten, sondern auch wörtlich „Mordgesindel" und„Verbrcchernaturen", Der Schweizer Bundesrat reagierte auf diese leidenschaftlichen Attacken mit Würde und Energie.„Die Gerechtigkeit wird ihren Lauf nehmen", hieß es schon im Februar 1986 in der stet» sehr gemäßigten„Neuen Zürcher Zeitung". Und dann weiter:„Unterdessen sollte unsere Landesregierung höflich aber bestimmt alles ablehnen, was einer Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten verzlveiselt ähnlich zu sehen beginnt". Die Landesregierung handelte nach diesem Rat. Wäre die Tat auch nicht geschehen, so kießen di« Berner Behörden verlauten, die Schweiz würde da» Stifte in Gustloff auch ohne daS tief zu beklagende Ereignis beseitigt haben. Schon am 19. Februar 1936 verbot dec Bundesrat, daß ein Nachfolger Gustloffs inthronisiert werde. Die Organisationen der N. S. D. A. P. wurden in der Schweiz verboten. Vor allem die„Wirtschaftsstellen", die nichts anderes als Spitzelstellen, geschaffen zum Ausschalten solcher schweizerischen Kaufleute, die den Deutschen raffemäßig und politisch nicht paßten. Verboten wurden di« nationalsozialistischen Studeuten-Ver- eine, die sich auf da» Programm Hitlers festgelegt hatten. Verboten wurden schließlich auch die Sportverbände, die so fleißig- an der Basier Grenze exerziert hatten. - Beseitigt ist, wenigstens offiziell, die deutsche „Parteigesandtschqft" in der'Schweig,'Daß sie unterirdisch im Geist« Gustloffs- weiterzuleben und weiterzuschüren versucht, das ist kein Geheimnis. Doch er ist zu sagen, daß di« Eidae- noffenschaft mit rühmenswerter Borsorglichkeit Ihr ReinigungSwerk durchgefübrt hat. Worum es sich ist der Schweiz dreht, das hat die„Neue Zürcher Zeitung" dargelegt. Indem sie an die Ermordung von Erzberger, Rattzenau,, Professor Lessing und Dollfuß erinnert«! schrieb'sie:«Diese als Heldentaten verherrlichten politischen Morde und-n,ich t, wie behauptet wird« die marxistische P^ffe, waren es auch,/ die den Entschluß" David Frankfurters zu seiner unglücklichen Handlungsweise, reifwerden-sieben,"- tij.i Oute sind das beste Geschenk für Kinder am Weihnachtsabend I Wir empfehlen: Mark Twain: Tom Sawyer und Huckleberrh Fin, Ganzleinen, mit vielen Bildern, 503 Seiten Kt 80.— Loftin«! Dr.' Dolittle und seine Ti«r« und zehn andere Titel dieses ausgezeichneten Autors. Ganzleinen, mie vielen Bildern."Ki 83.50 Kästner: Emil und die Detektive, Ganzleinen, 198 Seiten, mit vielen Bildern... Kt 80.— Kästner: Pünktchen und Anton, Ganzleinen, 190 Seiten, mit vielen Bildern... IW 80.— Kästner: Der 85. Mai, Ganzleinen, 182 Seiten, mit vielen Bildern Ki 25.— Kästner: Das fliegende Klassenzimmer, Ganzleinen, 221 Seiten, mit vielen Bildern. K£ 85.— Rosenfeld: Tirilin reist um die Welt, kartoniert, mit Bildern K£ 12.— Zu beziehen durch die Zentralstelle für daö BildmigSwesrn, Prag XII., Slezsit 13. Drittes Reich, Süden und Mongolen Hitler und der Jude Juan March Wir lesen in der„Arbeiter-Zeitung": Adolf Hitler kämpft um die Größe und Ehre der arisch-nordischen Rasse. Zu diesem Ztvcck unterstützt er die spanischen, Faschisten. Der General Franco hat die afrikanischen Mauren, ein Mischvolk aus Berbern und Semiten, gegen das spanische Volk aufgeboten. Der Jude Juan March, einer der reichsten Kriegsschieber der Welt, finanziert Francos Ausstand gegen die verfassungsmäßige spanische Regierung. Hitler-Deutschland aber liefert um Juan Marchs Geld den marokkanischen Afrikanern die Waffen, mit denen sie gegen die arischen Spanier kämpfen I Denn Hitler-Deutschland bekämpft den„Bolschewismus". Um ihn wirksamer zu bekämpfen, hat Hitler ein Bündnis m itJapan geschlossen. Nach Alfred Rosenbergs, des Haupttheoretikecs der Nazi, Lehre ist der Bolschewismus nichts anderes als der„Aufstand der Mongoloiden". Um die Mongoloiden zu bekämpfen, schließt Hitler eine Allianz mit den japanischen Mongolen. Mit den kleinen, schtvarzhaarigcn, schlitzäugigen Japanern gegen die hochgewachsenen, blonden, blauäugigen Russen! All das zu Nutz und Ehre der nordjfch- arischen Raffel■',-,,', Hitler möchte in Spanien losschlagrn. (Nu) Der sonst über deutsche Angelegenheiten sehr gut informierte Pariser„Oeuvre" teilt folgende intereffante Einzelheiten über die Res- bungen, die gegenwärtig zwischen Hitler einerseits und der Reichsivehrgeneralität und Schacht andererseits betreffend die spanische Frage bestehen, mit: Bei der letzten Konferenz soll Schacht gegenüber dem Vorschlag des Reichs-, kanzlers, zur direkten Intervention zu schreiten,' die Ansicht vertreten haben, die deutschen Finanzen gestatten nicht, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Ein bekannter Reichswehrgene- r a l habe dazu bemerkt, daß eine offene Intervention in Spanien mit dem Risiko eines europäischen Krieges verknüpft fei. Für einen solchen Krieg fthls cs aber in Deutschland an etwas sehr wesentlichem, nänilich an der einmütigen U n- terstützungder Arbeiterklasse» die 1914 durch die Gewerkschaften gewährleistet wurde. Darauf habe Hitler erklärt, daß die Reichsregierung im Falle einer Intervention in Spanien auf die Unterstützung der„A r b e i t S- front" rechnen könne. Der General erwiderte jedoch, daß eine solche Garantie für die Reichswehr unzureichend sei. Die endgültige Entscheidung über die Landung von deutschen Truppen in Spanien sei daraufhin auf einige Tage verschoben worden. Berlin schwankt offenbar und sucht nach einem Mittelweg, de« einerseits dem deutschen Ansehen nicht schaden würde, andererseits Deutschland nicht zwingen würde, sofort in einen Krieg einzutretcn unter Umständen, die von den Fachleuten noch als ungünstig bezeichnet werden. Vielleicht glaubt Berlin diesen Ausweg In der Landung der „Touristen" in Cadiz und Sevilla gefunden zu haben.- Gegen wen rüsten die USA? Wie verlautet, wird Präsident Roosevelt nachseiper Rückkehr aus Buenos Aires den Auftrag zum Bau zweier Grohschlachtschiffe geben,.di« 88.000 Tonnen groß sein und«ine Geschwindigkeit von mindesten» 28 Knoten erreichen-werden. Jp deilf» scheu Blättern wird geflissentlich der Eindruck-r- weckt, als ob die» eine Antwort auf- di: englijche Flottenrüstung sei. Diese Darstellung ist Misch für di« nationalsozialistische Propaganda, die natürlich gern« England und Amerika entztphwn möchte. Der Versuch wird jedoch nicht gelingen. Die englisch-amerikanischen Beziehung«» werden immer enger, schon im Hinblick auf die iapa- n i s ch e Gefahr. Da» deutsch-japanische Ab- kommen hat diese Tendenzen noch weiter gefördert. Die Ursachen für die amerikanischen Flottenbauten sind also in ganz anderer Richtung zu suchen, und die BerwirrungSmanöver von Berlin haben Wenig Sinn» Seite 8 „Sozialdemokrat' Sonntag, 6. Dezember 1986. Nr. 284 i Literatur typische Programm des konzertierenden Opernsän- unser« Abonnenten unck Eenössenl Wir werden wie iw Vorjahre die Neujahrs-Enthebunsen Runst unä MsLen- Dia Verwaltung Ich bestelle hiemit unter dem Nähten: Beruf:. Unterschrift Mttetklmgeir tu»Urania« eine Neujahrsenthebung zum Betröge von K610.—und sende ihnen'diesen Betrag per Erlagschein ein. Colette r„Die Katze."(Zeitbildverlag. Wien.) Die» ist ein merkwürdig wilder und'chöner Roman. Er schildert den Kampf einer Katze und. einer Frau um die Liebe eines Mannes, das Bestreben einer heißblütigen, eifersüchtigen Frau, die Neigung der ManncS nicht mit einem Tier zu teilen. Mit einem Tier, das dem Manne zum guten Teile Lebenlinhalt geworden ist. Die Frau und die Katze bassen einander. Und die junge Ehe geht an diesem Hatz zugrunde.— Mit sicherer, meisterhafter Hand macht Colette die Gefühle lebendig, von denen die drei Der seltsam» Gast.- Em deutscher Kriminalfilm nach einem Roman von Edgar Wallace. Der Schauplätzajst ein anrüchiges Hotel, in dem ein Mord geschieht, und der Zuschauer hat Auswahl un» Mittellungen aus dem Publikum . Und Uiiederum etwas ReyS.»— wieder etwa», das Äe mit seinem einwandfreien Aeutzeren überrascht, mit seiner Leistung fesselt, mit seiner Wieder-, gäbe verblüfft. Was ist das?— Es ist dies der neu» konstruierte Zwei-Röhren-Empfänger Mikrofana Panfon LuxuS, der in seinem länglichen Gehäuse au» dunklem Edelholz in Kombination mit solchem»» Elfenbein, in der heurigen Wintersaison die beliebten Typen der Radio-Empfänger Mikrofons reptäsen- teirt. War Sie aber am meisten interessieren wirs, ist der Preis,, nur Ui 887.—, ist in dieser LuxuS- AuSführung wirklich ein Volkspreis.' Heute halb 3 Uhr: Arbeitervorstellung„Die lustigen W e iber von Windsor. Karten an der Theaterkqsta. Wochonsplclplan deS Neuen Deutschen TbeaterS. Sonntag%8 USt: D i e l u st i g e n SB ei» Jet v o n W! n d s o r. Arveitervorfwllung. 716: Eh e, C 1.— Montag 7%: MadameBut« terfly, volkstümliche Vorstellung, Abonnement ausgehoben.— Dienstag 6%: Lohengrin, A 2. — Mittwoch 716: Eh e, B 1.— Donnerstag 716: F r ö HI ich d.r e h n w I r u n S im Kreise, CI.— Freitag S:Äoris Godonow, Theater-. gemeinde der Fugend, 1.' Serie, rote Karten und freier Verkauf, Abonnement aufgehoben.— Samstag 7%: Axel an der Himmelstür, A 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Sonntag 3: Salzburg ausverkauft, 8: Axel an der H i m m e l s t ü r.—- Montag 8: Une n't- s ch u l d i g t e S t u n d»,. volkstümliche Vorstellung. — Dienstag 716: Fuhrmann Hensch e l, neuinszeniert.— Mittwoch 8: Axel a n der Himmelstür.— Donnerstag 8: Der Illusion i st.— Freitag 8: Fuhr man»Henschel, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Berkaus.— Samstag 8: SB e.n scheu auf der Eisscholle,,volkstümliche Vorstellung. Virginia Brnnce in dem Film„Die mörderischen Augen in unserem Blatt veröffentlichen, wodurch den Genossen die mit' den Neujahrsgratulationen verbundenen erheblichen Unkosten erspart bleiben.. Die Enthebung kostet K6 10— und wird nach Orten geordnet, lediglich Namen.und Beruf enthalten. Wir ersuchen Valle Abonnenten d|e. tieferstehende Enthebungsbestellung freundlichst äuszufilllen und umgehend an. uns ein-"■ zusenden. Die Bestellungen müssen bis spätestens 18. Dezember bei uns einlangen. Präser Konzertsaal '-'Der Konzertüberflnß in. den Prager Konzertsälen dauert weiter an. lieber ein Dutzend Konzerte ist diesmal zu berichten. Kammermusik wertvollster Art- in. progrmirmlicher und künstlerisch-reproduk- tivcx.Hinsicht wurde in der letzten Aufführung des Deutschen Kammermusikvereins geboten. Georg S t-e.s.n e r, der bekannte. Wiener Geiger^ und Christa. Richter, die sudetendeutsche Geigerin, spielte» erlesene Musik für zwei Violinen, darunter eine.besonders in der Form schöne und satztechnisch gekonnte Sonate des deutschböhmischcn Komponisten Arthur Willner, und die Rcichenbergcr Pianistin Mari» H e l l e r bewährte sich neuerdings als delikate spielende. Cembalokünstlerin.—.Eine neue su- dctcndcutsche Äammermusitvereiniguiig lernte man in dem Schn a u b e l t-Trio.kennen; Alfred Schn« ub e l t lKlavier), Fritz W.e r n e r lGeiget und Josef Merz(Cello)— sind Absolventen der Präger Deutschen Musikakadcmie. Das; sie zlne in jeder Hinsicht vortreffliche Ausbildung genossen haben, bewiesen sie in ihrem ersten Konzert:' da» schon pcogcammlich vielverheißend(Trio» von Mozart. Reger und' Smetana) und dessen künst- lerische Darbietungen ebenfalls da» Beste für die Züknnft des jungen. Ensembles erwarte». lasten. Da» Neujahrs-Enthebung für„Sozialdemokrat* Aber wer gerne das alte und be- .....— Tk-ijAy-u«— huschende Schatten in Hotelkorridoren,'Verbrechervisagen. Kirrende Fensterscheiben usw.— gut photographiert sehen will, mag es sich eine Stunde ansehen, um dann enttäuscht zu sein. Trotz des guten Spiele» von Hermann Speelmän», Rudolf Klein-Rogge, Alfreb Abel zi. a., die man schon aus besseren Kriminalfilmen kennt, bleibt man ohne Spannung und Aufregung, lind wozu geht man eigentlich in einen Kriminalfilm? jl Da» Verbrechen in der Damengarderobe ist hier der Titel eine» FilmS,. dem seine Hersteller den schlichteren Namen„Angeklagt" gegeben haben. E» ist ein englischer Film, der eine von den üblichen Zusammenspiel der pastionierten Musiker ist namentlich rhythmisch ausgezeichnet gestützt, während es hinsichtlich der Vortragsdynamik noch auf größere Ausgleichung sehen müssen wird, da Geige und Klavier bie Cellostimme. allzusehr decken.— Am diesjährigen Wohltätigleit»konzert zugunsten der, sozialen Hilst trat eine neue heimische Sängerin, die Altistin Dr. Amelie Dura», zum ersten Male vor die Prager Konzertöffentlichkeit. Außerordentlichen künstlerischen Geschmack und. große» Stilgefühl konnte» sie vor allem in der Gestaltung ihre» Programme» erweisen, das kostbare Lieber von Hugo Wolf, Gustav Mahler, Alexander Zemlinsky, Arnold Schönberg, I. B. Foerster und Max Reger enthielt. Aj» Sängerin freilich hat sie noch oiel zu lernen. Ähre Atcmtechnik ist nicht immer zuverlässig, der Registerwcchsel erfolgt noch zu unmittelbar, die Höhe muß noch freier werden und die Artikulation noch schärfer. Klavierbegleiter der neuen Künstlerin war der vortreffliche Musiker und Kapellmeister Viktor U I l m a n n, der sich auch soltstisch betätigte und eine mehr intereffante al» gedankenreiche einsätzige Sonate von Alban Berg vortrug.— Unter den letzten Konzertveranstaltungen des tschechischen Kunstvereines„P k i t o m n o st" verdiente ein Ätla Bartük-Abenb besondere Beachtung. Sein allzu umfangreiches Programm brachte Werke der führenden ungarischen Musikmodernisten für Klavier, Violine, Gesang und ein Streichquartett, Werke, in denen Bartük» persönlicher,' oft durch nationale' Musikelcinente bestiinmter Stil anschaulich zum Ausdruck kam. Die künstlerischen Mittler Bar- iükz waren: Das Ondriiek-Quartett, die Pianisten S ü ß k i n d und M a x a n, die Sängerin V a v r d a. die Geiger Z i k a und P e- Wesen beseelt sind, macht sie un» die Sehnsucht'der Frau begreiflich und die kindhafte Neigung des Manne» zu. seinem Tier,.eine Neigung, die tiefer ist al» der Rausch der Sinne," der die'beiden" Menschen.in ihrem siefsten Wesen, einander verbarg. n. Bezug» b'e'd i n g ü'n'g u n: Bet Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich, sti 6.—,. viekieliährlich Kc 4v yalv,äyrig Kd 96-• ganzjährigKölbL.—:— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarkcn.— Die Zeitungsfrankatur Uw-»« von der Post- und Tele« graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.8P0/VU/1980 bewilligt,— Druckerei:„OrblS",. Druck-, Verlag», und Zeitungr-A.-G. Prag.... Hirne In Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Die große und hie kleine Welt." Bühnenschau: 2 de Bert».— Adria:»Die Schneiderin." Tsch.— Alfa:.Ich lebe mein Leben." A. — Aviont»Die mordenden Äugen." A.:— Bcranet: .Herzen im Dämmerschein." Tsch.— Fentx:.Die Tochter de» verwunschenen Walde»." A..— Flora: .Da» Verbrechen in der Damengarderobe." A.-— Gaumont:.Ein seltsamer Gast." D.— Hollywood: .Bojnarka." Tsch.— Hvizda:.Da» Verbrechen, in der Damengacderobe." A.— Jul,'S:.Die Schneiderin." Tsch.— Klnema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Kotva:.Mädchen im Schlafsaal." Simone Simon. A.— Lurerna:.Die Tochter de» verwunschenen Walde»." A.— Metro:»Vojnarka." Tsch. —Passage:.Blumen au» Nizza." Erna Sack. D. — Praha:.Ein seltsamer Gast." D.— Radio: .Herzen im Dämmerschein." Tsch.— Staut:.Die Versuchung." M. Dietrich, Ä. Cooper. Ä.— Tvttozor:»Mädchen im Schlafsaal." Simone Simon. A.— Alma:.Margarita." Grace More. A.— Baikal:.Spionage." A.— Belvedere:.Luiöchen." Tsch.— Vefedn:.Allotria." D.— Carlton:.Marja Balevsta." D.— Illusion:.Herzen tm Dämmerschein." Tsch.— Konvikt:.Arzt aus Leidenschaft--" D-—- Lido II:»Der Landarzt." Kanadische Fünflinge. A-— Louvre:»Herzen im Dämmerschein." Tsch.— Maccöka:„Die Versuchung." G. ,C o o p e r, M. DI e t r i ch. A.— Olympier»Herzen im Däm» merschein." Tsch.— Perttyn:„Die Versuchung." G- Cooper, Ä. Dietrich. A.—'Roxy;.»Herzen im Dämmerschein." Tsch.— tt Vcjvodu:„Ich sehne mich nach dir." D.— Valdek:„Margarita." Grace More. A.— Veletrhy:„Herzen im Dämmerschein." Tsch. ter mehreren Verdächtigen, wenn er den eigenen Spürsinn bewähren will. Er täuscht sich, denn e» „.....„..•»•--1 tvmmt ander» al» er denkt. Der Handlung fehlt die k e l s k h und al» Werber im Worte der tschechische,! Logik und die Wahrscheinlichkeit, die da» Rätsel» Konwonist Alois H ä b a.— Spezielle Kammer-1 raten genußreich macht, und ein Kriistinalbeamtcr musik für Cello und Klavier hörte man in einem findet im Film am Schluß mit Recht: ES war«in Konzerte des italienischen Cellisten Arturo Bo- sinnloser Mord, k".*"*" n ucci und des italienischen Komponisten und 1 währte Requisit der Kriminaldramatik Pianisten Alfredo Casella: Eine Sonate von Beethoven, eine inveniionSstarle Sonate von Casella und Heinere Stücke von Respighi, Pizeiti und Oss Arsenal in. der Wohnung des Waffenliebhabers Prag,-rb- Im Oktober v. I. wurde in einer Kladnoer Delikatessenhandlung ein großer Einbruch verübt, bei welchem verschiedene Waren im Werte. JH........ Wn 1650 KS und 500 KC in bar gestohlen wurden, j Casella. Arturo Bonucci ist ein Cellist, der nicht nur Die' Gendarmerie nahm die Erhebungen auf und, ein vollendeter Meister der Technik seine» Jnstru- der Verdacht konzentrierte sich schließlich auf den 82-1»icntes ist, sondern der auch durch die Schönheit jährigen Jaroslav T l n st o i, der bereits wegen: und Wäruie seines Tones wirkt und durch die edle, Diebstählen verurteilt und einmal sogar vom Pil- abgeklärte Art seines Bortrage». Da auch Casella sellcr Schwurgericht auf acht Jahre tn den Kerker ein Pianist von hervorragenden künstlerischen Eigen- ..m.-.ji 1—-*’••«»•>»«*•—■ schqften ist, ein Pianist, der Klangkünstler, Virtuose \ und Meister der Reproduktion in gleich vollkomme ner Weise ist, da die beiden Künstler sich auch al» i glänzend zusämmengespielte Kammermusiker erwie-....... | seu. gab es ungcwübte musikattsche Genüsse.— Die 1 Kriminalgeschichten enthält, die zur Hälste in einem »Von Prag nach Prag." Lichtbilderbortrag Prof. Hugo Steiner- Prag. Montag 8 Ubr. Karlen Urania. Wedler. Audrö. Für die Erzgebirg»- hilfe. „Nnvcrgchlichc Filme":„Die blonde Venus" mit M. Dietrich. Montag, Halh 6, viertel v Uhr. Urania-Kino '„Die große und die Keine Welt" mit A. S a n- drock. 2 de B ert», Parterre-Akrobatik. Iw- gendfrei. Heute 11, 2, 4, 6, viertel 0 Uhr. Dienstag 2, 4, 6, viertel 9, Mittwoch und Donnerstag halb 6, viertel 9 Uhr. geschickt worden war. Tlustoö gestand den Diebstahl ein und denunzierte seinen Ouarticrgcber Karl B e j i e k und desien Frau Marie, daß diese beiden ihm bei der Bergung der DiebSbcute gehol fen hätten. Bei der Haussuchung im Haus der Beschuldig» ten'in M o t y k i n hei Kladno machte die Gendar-... ,. metie eine überraschende Entdeckung, die die Auf» rers der Deutschen Musikakademie Franz L a n- merksamkeit von Tlustoö ablcnkte und seinen Ouar- g e r in repräsentativster Weise vertreten. Blendende ticrgcbcr und Helscrshclser in den Alittelvunkt des Technik, wundervolle ÄnschlagSlultur, hohe Vor» Interesses rückte. Man fand nämlich im Hanse iragSintelligenz und vollkommenste Musikalität ver- Bcjkcks ein wahres Wasfcnlager auf: 2 Mannlicher-' einigen sich in diesem Meisterpianisten zu harmoni- und. 8 Mausergewchre, 6 Kugelbüchse», 2 Luftslin- schcster künstlerischer Einheit. Langer spielte dieS- ten, verschiedene Pistolen, 3 Karabiner, 50 Gewehr»' mal ein Musterprogvaimn klastischer und romanti- läuse, 20 Vcrschlüste und 85 Pistolenschlöster, 28 scher Klaviermusik: Eine Fantasie von Mozart, Schäfte, 8'Bajonette, 21 zu Küchcnmcstcr umgear-: Beethovens Ä-Dur-Sonate opus 101, Franz Schu- i beitete oder noch in Bearheitung befindliche Dolch-1 Verls„Wanderer"»Fantasie und die»Vierund- mcsser, 2 Schalldämpfer für Maschinengewehre, 500; zwanzig Präludien" von Chopin.— Einen neuen, scharfe Patronen und noch einige andere Sachen technisch beachtlichen Violinisten lernte man in- dem dieser Art. Pejiek, der nach dem Umsturz bei der amerikanischen Russen Oscar Schumsk y kennen) „Prager Eise«.mit Sorkleceil Uten SlnenÜmaH» t eine neiie ambitionierte Sängerin in der Englän- .rials beschäftigt gewesen war, gestand, er habe die-, derln Anhrcy M i l d m a y- C h r i st i ei— Ein scS Material seinerzeit beiseitegcbracht, und zwar■ sehr schönes Konzert gab das ehemalige Mitglied deshalb, weil er für Waffen eine außerordentliche des Prager Deutschen Theaters und Prager tsche- Liebhaberei habe. Er erklärte u. a. auch, er habe chischcn Nationalthcaters, der tschechische Tenor einen neuen Schießapparat für Schlachthäuser kon-, Richard K u b l a. Zwar war sein Programm da» struierl.>'"... Die Behörde argwöhnte indessen, daß dieses gers, der an Opernarien mehr Freude hat als an Arsenal für undere Zwecke bestimmt gewesen sei j Liedern: aber man durfte sich wieder der schönen und. sührtc eine strenge ilntersuchung üher die Po-. und gut geführten Stimme diese» sympathischen . litische Einstellung und etwaige Verbindungen Sängers freuen, der auch im Vortrag immer zu Bescek» mit verdächtigen Faktoren durch, die aher fesseln versteht— Als wahrer Pionier der moderergebnislos blich.~ Verhandlung vor dem Strafsenat des OGR Dr. H o m a n, er gehöre keiner politischen Partei an, habe sich niemals irgendwie' politisch betätigt, sei ein. guter Staatsbürger und langjähriges Mitglied des patriotischen und Unterstützlingsvereinck der „Barätnici". Da aber die heimliche Aufbewahrung von Waffen und Kriegsmaterial ohne behördliche Genehmigung nach Paragraph 13 deS Schyhgcscbes als Verbrechen gestraft wird, wurde Bejkek dieses Deliktes schuldig erkannt, seiner des Verbrechens des Diebstahls>- stvö cxhiclt für den Einbruch zehn Monate und Bej- kekS'Ftau'wegen Mittäterschaft zwei Monate.