Sonntag, 13. Dezember 1936 Nr. 290 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Hellet (einschließlich 5 Heller Porto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, REDAKTIONUNDVERWAITUNG mag xii..fochova a. thron am HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ KARL KEIN, FRAG. Nichtssagende Empfehlungen Der Vermittlungsversuch wird begrüflt des Rates Genf. In der öffentlichen Sitzung des Bölkerbundrates wurde am SamStag nach kurzer Debatte über den spanischen Konflikt eine Reso- lution angenommen, in der alle Staaten an die Pflicht zur Respektierung der. Integrität und der politischen Unabhängigkeit"der anderen Staaten gemahnt und aufgefordrrt, werden, einer Ein» Mischung in die inneren Angelegenheiten ander« Staaten ans dem Wege zu gehen. Der Rat empfiehlt den im Londoner Aus- schütz uertreteneu Mitgliedsstaaten, nichts zu unterlassen, waS die Berpflichtungeil der Nichteinmischung stärken könnte, und all« zu einer rasche« und richtigen Kontrolle der richtigen Geltendmachung der Nichteinniischungöverpflichtnngen geeigneten Maßnahmen zu treffen. Der Rat begrüßt die Anregung Englands und Frankreichs, auf Grund deren die durch Verlängerung der heutigen Lage in Spanien entstandene Gefahr für den Frieden und das gute Einvernehmen der Völker ans einer international len Basis gebannt werden kann. Der Rat stellt fest, dast Fragen Humanitären llharaktcrs bestchen, veren Lösung eine beschleunigte international« Aktion erheischt.! Außerdem anerkennt er, daß eS wünschenswert ist, daß Spanien»N keiner Rekonstruktion in» ternationalrHi l f e zuteil«erd». Der' Rat betraut de» Generalsekretär des Völkerbundes, daß er einer solche» Hilfe die technische« Dienste des Völkerbundes zur Verfügung stelle, sobald sich dazu Gelegenheit bieten wird. Minister D«l v a y» stimmt« der Resolu« tipn zp, behielt sich jedoch das Recht der spanischen Regierung vor, die ganz« Angelegenheit neuerlich dem Rat« zu unterbreiten, da das W«sen des Ansuchens der spanischen Negierung bisher noch nicht behandelt worden sei. Spanien sei jedoch bereit/ über alle ergangenen Anregungen zu verhandeln. Lin Hoffnungsschimmer? Paris.(Havas.) Die Antwort der deutschen Regierung auf den britisch-französischen BermittlungSvorschlag im spanischen Bürgerkrieg Ist in. den.politischen Kreisen noch nicht genä« bekannt, es scheint jedoch, datz Deutschland n.i ch t ablchnen d geantwortet hat. Die französischen .politischen Kreis« begrüßen daS mit um so größerer Befriedigung, als, wie behauptet wirb, die i t a l i e n i s ch« Antwort den gleichen Wortlaut hat. Es kann nicht bestritten werden, datz es noch viele Schwierigkeiten geben wird, dennoch ist bereits eine ganz bestimmte Hoffnung aufgetaucht, datz rin gemeinsames Borgehe» verwirklicht werden wird.... Portugal lehnt ab I ,. L i ffabon. Di« portugldsisch« Regierung hab"4«m englischen und dem französischen Botschafter die Antwort auf den französisch-britischen Vorschlag überreicht,' wonach sich Portugal der Aktion der beiden Regierungen zwecks Einstellung der Kämpf« in Spanien, anschlietzen möge. Die portugiesische Antwort ist a b l e h n e n d. Feierliche Königsproklamation London. Unter dem traditionellen mittelalterlichen Zeremoniell wurde SamStag nachmittags'der Regierungsantritt Georg VI. feierlich verkündet. Die Proklamation wurde vor dem St. AameS-Palast auf dem Eharing Groß-Platz, vor dem Tempel-Bar und vor der Königlichen Börse in London verlesen. Während der Zeremonie erdröhnten Geschützsalven, die den neuen König begrüßten. Während der Verlesung der Königöprolla- niation durch dir Wappenherold« in.der Stadt trat«» daS Unterhaus und das Oberhaus zu einer feierlichen Sitzung zusammen, in der dir Abgeordneten den Treueid auf den neuen König leisteten. Im Oberhaus sah man unter den zahlreichen LordS, die de» Treueid leisteten, auch den Erzbischof von C a n t e r i u r y, daS Oberhaupt der englischen Kirche. Dublin. DaS Gesetz über die Verfassungsänderung des irischen Freistaates wurde vom Parlament mit' 79 gegen V4 Stimmen angenommen. Kr0nungstermln unverändert •-. Der- Lordpräsident des- Geheimen' Rates Ramsay MacDonald wurde vom König in Audienz vüpsangen, der bestimmt, hat, daß der. Tag der Krönung unverändert bleibt. Die Krönung findet als,, am IS. Mai. statt. Eder Fahrt In die Fremde ;'! London. Exkönig Eduard begab sich in dar Rächt auf SamStag in Portsmouth auf den britischen Zerstörer„W o l f h o u n b", der SamStag früh mit einem zweite» Zerstörer und der AdMiralShacht„Enchantretz" mit unbekanntem Ziel aus Portsmouth auSlief. DaS Kriegsschiff traf SamStag um IS Uhr 50 in dem französische» Hafen Boulogne ein. ES konnte festgestellt werden, daß der neue»Herzog von Windsor" tatsächlich an Bord ist. Der. Exkönig blieb biS SO Uhr an Bord deS TorpedobootSzerstörerS„Wolfhound". Als ihm Besuche gemeldet wurden,«rllärte er, er könne niemanden empfangen, da er streng ineognit» reise. Um 20.30 Uhr fuhr er mit dem Schnellzug nach Zürich, von wo er angeblich nach Oesterreich reisen wird.. Die Abreise des Exkönigs vollzog sich in aller Heimlichkeit. Um Mitternacht traf in Portsmouth das Automobil des Exkönigs ein. Es hatte die Vorhänge zugezogen,»nd hinter ihm fuhren zwei weitere Automobile, sowie der Wagen, der auf Schloß Belvedere der Gepäckbeförderung gedient hatte. Das Automobil fuhr direkt zum Gebäude des Oberstkommandierenden Admiral Sir William'Fisher. In der Begleitung des ehemaligen Königs fuhr dessen Marschall Oberst Megh, ein Polizeiinspektor, der..während der Regentschaft des Wnigs der.Leibwache zugeteilt war, und-efn Käinme.rdieNer.. Hach. Oesterreich? ' Wien. Es kursiere» noch unbestätigte Ge» rächte, daß der gewesene König Eduard' Sonntag abepd'S nach Wien kommen wird. Am Montag werd« er nach Enzerskeld weiter reifen,, wo er den Baron Rothschild besuchen werde, dessen Gast Eduqrd bei seinem, letzten.Besuch in Oesterreich war,' Hemds von Windsor London. 88.990 Tonnen betragen.■ Panamerikanisches Schiedsgericht Buenos Aires.- Die argentinische Delegä« rion auf.der' panamerikanischen'(Konferenz-hat den. Entwurf, für.die Konstituierung eines pan« amerikanischen Gerichtshofes vorgelegt,,'der' die Vollmacht für'die Lösung von Wnftikten zwischen den Staaten.hätte,..falls sich solch« Konflikte auf diplomatischem Wege'nicht lösen-ließen.-./- Auflösung| der österreichischen Legion? Wien. Neber die österreichische Legion in Deutschland wurde bereits mehrmals gemeldet, datz sie aufgelöst oder in eine Zivilorganisation verwandelt worden sei, doch haben diese Nachrichten bisher keine Bestätigung erfahren. Nunmehr teilt die„Reichspost" mit, daß die öster- retchifch« Legion in den nächsten Tagen definitiv aufgelöst werden soll«nd daß ihr« ehemaligen Mitglieder in verschiedenen reichsdeutschen Fa- Vrikunternehmungen Aufnahme finden sollen. Dagegen wird' die Organisation Hilfsbnnd der Deutsch-Oesterreicher, welcher eine Zweigorgani- sation der österreichischen Legion ist«nd seit seiner Gründung Propaganda, gegen Oesterreich betrieben Has, nicht aufgelöst werden. Verschärfung des Konfliktes In Lille . Lille.(Havas.) Der Metallarbeiterkonflikt In Lille Nnd' Umgebung, der auf Grund des von den Arbeitern.dem Innenminister gegebenen Versprechens, daß sie die.besetzten Fabriken räumen werden, als beigelegt betrachtet wurde, hat am SamStag neuerlich eine Berschärfmrg erfahren. Die Arbeiter haben zwar die Fabriken geräumt, doch besetzten sie alle Eingänge und halten sie bewacht. Unter diesen Umständen haben die Arbeitgeber, welche versprochen hatten, daß sie mit den Vertreten» der Arbeiterschaft verhandeln werdeji,..erklärt, daß sie sich durch chr Versprechen nicht gebunden erachten. , fsthangkalschek In der Band von Meuterern ' Londons lReüter) Nach einer Meldung aus Dokio ist in Siansu, der Hauptstadt der Provinz Dchenei/etn militärischer Ausstand- ausgebrochen. DgHWisithr hat deshalb' gemeutert, weil es nach' der Provinz FHkien gesandt werden sollte. Marschall' Ts ch an g keif ch e k; der-in einein kleinen Badto'tt,' unweit'-Siansu auf Urlaub weilte, ist den- cküfständsschen' Truppen! in die Hände gefallen. ' Der Sohn des'-Marschalls. Tschangsuellang telegraphierte nach Schanghai, daß.seine Truppen hitt.'MqrschallTschängkaischek'in Hast, genommen! hättest^ doch fei für seine persönliche Sicherheit^ gssorgt:!.' Köniz und Krone Ein Nachwort zur Krise In England Wir haben ait dieser Stelle bereits Freitag zum Thronwechsel in Groß-Britannien Stellung genommen. Er wird jedoch unsere Leser interessieren, wenn wir heute unserenl Londoner P. F.-Mitarbeiter dar Wort geben, der in einem— von uns etwas gekürzten— Artikel die Kompliziertheit dec. ganzen Angelegenheit darstellt. D. Red. Eine Woche lang lag das Britische Weltreiw im Banne einer schweren dynastischen Krise. Tic hat nun die einzige Lösung gefunden, die sic ohne die schwersten Erschütterungen finden tonnte. Man hat auf dem Kontinent ihrc.Bcdcntnng vielfach mißverständen, indem man sie von der menschlich-sentimentalen oder aber von der sor- 'mal-jnristischen Seite zu begreifen suchte. Tie hat in Wahrheit' den in Jahrhunderten gebildeten und eben noch aus Jahrhunderte gesichert scheinenden Bau der britischen Gesellschaft bedroht. Im Lichte des jäh aufgcflammtcn Konfliktes tvnrde die höchst eigenartige Struktur dieser Gesellschaft mit einemmal transparent. Auf eine Formel gebracht, kann n>an sie ats hierarchische Pyramide auf- breitester demokratischer Basis bezeichnen..-An. der Spitze der Hierarchie steht der König.- Er.hat keinerlei Macht, aber eine, entscheidende GleichgcioichtS- funltion: der Reif.seiner. Krone hält das. kunswoll aurbalancterte Bauwerk zusammen. Mit ihm steht und fällt die ganze Hierarchie der britischen. Gesellschaft, die ökonomisch eine moderne, fortgeschrittene kapitalistische Gesellschaft ist, sich .soziologisch aber ungleich schärfer als in irgendeinem kontinentaleuropäischen Land gliedert. Einige wenige aus dem Mittelalter überkommene Gesetze stützen diese Gliederung; was sie aber in Wahrheit ausrechterhält, ist eine lange und völlig lebendig gebliebene, durchaus nicht starre, sondern ungemein anpassungsfähige Tradition, die von den breiten Massen, denen die Staatsverfassung alle politische Macht verleiht, vertrauensvoll angenommen wird. In der Person, oder besser gesagt, der Figur des Königs kulminiert diese Tradition und dieses Vertrauen. Mer nicht nur soziologisch, auch staatsrechtlich hat der König eine bindende Stützenfunktion im Gefüge des Britischen Weltreiches: seit 1981, seit dem Statut von Westminster, sind die britischen Dominions völlig freie, selbständige Staaten— einzig und allein durch die Krone mit Großbritannien verbunden. Georg V.-war der ideale Träger dieser Krone; ohne Eigenleben, wußte er genau die Figur zu verkörpern, die sich der Durchschnittsbrite an der Spitze der Gesellschaft und des Weltreichs wünschte. Eduard VIII. ist unzweifelhaft die ungleich stärkere und menschlich ansprechendere Persönlichkeit. Aber Symbole brauchen keine Persönlichkeit. Die konstituionelle Monarchie verträgt keinen starken Monarchen. Eduards Heiratsabsicht hat seiner Person di« menschliche Sympathie all derer getvonnen, die die Heuchelei höfischer Konventionsehen verabscheuen. Wer sie hat die ideale Vorstellung von der Monarchie in der Masse erschüttert. Kein Gesetz veihletet es dem König von England, eine Bürgerliche, eine Amerikanerin, oder eine, geschiedene Frau zu heiraten.' Die britische Regierung -jedoch erhob Einspruch gegen den Heiratsplau. Kirche und Adel und alle konservative» Kreise des Reiches standen an ihrer Seite. Der Monarch als Person gefährdete die Institution der Monarchie. Und di« Monarchisten wandten sich gegen den Monarchen. Die RegierNg ist konservativ, diö korser-' vative Partei hat die Mehrhest im Parlament. Die Arbeiterpartei- sah nicht auf die Person des Königs, die den Konservativen zu liberal. Nicht auf-die geplante Heirat,' die den Konservativen geradezu revolutionär-erschien, sie sah nur den Konflikt zwischen- der parlamentarischen Regie- rung und der KroNe und sie-stellte-sich' ohne Zaudern' auf die Seite der Regierung. Professor Harold-Lasks, der Theoretiker der Partei, der sich -in' seinen' Schriften bis zum Marxisten entwickelt hat,-'begründete diese Haltung: Die Arbeiterpar- >t«i strebt im Rahme» des britischen politische» Systems die Umwandlung der kapitalistischen in Seite 2 Soioitnn, 18. Dezember 1936 Nr. 290 Wochen-Riickschau lieber die Geineindewahlen vom- letzten Sonntag hat auch die bürgerliche Presse ziemlich einmütig festgtstellt, dah die deutschen altivisti- schen Parteien ihre Stellungen gut gehalten und zumeist verbessert haben. Dagegen ist die Henleippartei hinsichtlich ihrer eigenen Erfolge ziemlich Ileinlaut geworden. Mau. brauchte nur die„Z e i t" nachzulesen, um zu erkennen, daß die Hcnleinleute Uber den Wahlausgang furchtbar e n ttä u sch t sind. Ihre Annahme, kte würden diesmal 80 oder gar 90 Prozent aller deutschen Wähler auf sich vereinigen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Und nicht nur dar; Mr jeden, der die Verhältnisse im deutschen. Gebiet nur einigermaßen kennt, ist es klar, daß mst diesen Wahle» das Abflaue nderganzenBewegnng eingesetzt hat. Um so verwunderlicher war es, dah die tschechischen Agrarier sich in ihrer Presse trotz allem krampfhaft bemühten, diesen Mißerfolg ber Hcnleinleute(der bei der nächsten Gelegenheit in Niederlage übergehen würde, wenn gerade die Leute um den»Vcnlov" etwas mehr Verständnis für di« Notlage der deutschen Bevölkerung hätten und dementsprechend handeln würden!) möglichst zu verschleiern. Mit allen niöglichen Äunststückchen hat die agrarische Presse zu errechnen versucht, daß Herr Hen» lein doch keinen Abfall zu verzeichnen hätte.. * Nach offiziellen Verlautbarungen wird die Kolportage des„N e u e n B o r w ä r t s", der Wochenschrift der deutschen sozialdemokratischen Emigration, auf dem Gebiet der Tschechoslowakei verboten. Inoffiziell erfährt man auS einer Polemik des„B e n k o v" gegen das»Närodni Osvobozsnt*, daß dtiiüber hinaus''in der Koali-s tion, bczw. von den politischen Ministern gär schon beschlossen worden sei, man werde überhaupt jede politische Tätigkeit der Emigration einstellen. Uns ist von einem derartigen Beschluß der Koalition nichts bekannt. Unseres Wissens haben sich loedcc die Koalition noch die politischen Minister mit diesem Problem auch nur beschäftigt, und eS kann daher die Mitteilung des„Benkov" nur auf einer falschen Information beruhen. Immerhin geht aus allem hervor, daß man bei uns jetztforgsam daraus bedacht ist, jedweden Angriff auf das Dritte Reich zu unterbinden. Es ist sehr eigenartig und kann gewiß nicht als Zeichen besonderer politischer Festigkeit■ ausgelegt werden, wenn man die ungeschlachten Siebe, die die rcichSdeutsche Propagandazentral« in Presse und Rundfunk Tag für Tag der Tschechoslowakei versetzt, hier damit zu parieren sucht, daß man der reichSdeutschen Emigration jede Betätigung unterbinden will. Vor einem solchen Vorgehen kann man nur nachdrücklichst warnen. Bisher fehlt zumindest in der Politik des Dritten Reiches jeder Beweis, daß es ein solches Entgegenkommen auch zu würdigen verstände. Im Gegenteil. Wohin unangebrachte Nachgiebigleit führt, zeigt ja die ununterbrochene Reihe voll Vertragsverletzungen, die Berlin Unter dem heutigen Regime bisher auf dem Gewissen hat; er ist mehr als fraglich, ob diese Reihe jetzt schon als abgeschlossen gelten kannl<•-'' llebcrdieS benimmt sich sowohl die deutsche, als auch die österreichische Emigration auf unse- rcm.Boden außerordentlich takwoll.und zurückhaltend und eS ist.noch in keinem einzigen Fälle irgendeine Einmischung von dieser Seite in unsere^ innerpolittschen Verhältnisse festgestellt worden. Selbstverständlich sieht sie aber ihre Aufgabe darin, zu dem Regime in ihren Heimatsstaaten, da» von dem leisesten Hauch einer Demokratie himmelweit entfernt ist, kritisch Stellung zu nehmen. Kein objektiver Beobachter kann aber der Emigration die Anerkennung versagen, daß sie dies in einer Form tut, die vom Standpunkt der- internationalen Beziehung vollkommen unanfechtbar ist. I» der Borwoche konnten wir an dirser Stelle darauf hüiweisen, datz dir Senatsfraktiom der Henleinpartei«S bereits für unbedenklich und, ungefährlich hält, tn einer Interpellation der Rr-i gierung offen iitit einer englisch geschricdeueu Propagandabroschüre über die„Tschechisierung MarleniadS-' zu drohen und ihr förmlich rin Ultimatum-»stellen. Heute liegt unS Beweismaterial vor, wie die sudetendeutsche Rot von der offiziellen reichSdeutschen Press« in..der schamlosesten Weise zu Angriffen gegen di« Tschechoslowakei mißbraucht wird. Im„A r b e i t e r t u m", dem amtlichen Organ der Deutschen Arbeitsfront» erschien vor einiger Zeit ein. wüster Artikel’„Sudeten- deutscherTotentanz", in dem daS Jn- dustriesterben im deutschen Grenzgebiet, über dessen engen Zusammenhang mit derWeltkrise und dem Ezportrückgaug man keine Worte zu verlieren eine sozialistische Gesellschaft an. Entscheidend in dieser Konzeption ist, dah eine Arbeiterregierung, die über eine Mehrheit i>n Unterhause verfügt, ihren Willen beim König durchsetzen kann.' Dieser Erwägung gegenüber erscheint eS irrelevant, daß Anzeichen dafür sprechen, dah König Eduard, vor allem in den Angelegenheiten der Annenpoli« tik, mehr mit der Haltung der' Arbeiterpartei spinpathisiert als mit der der konservativen Regierung. Aber sich dem König al» MinderheitSreaie- rung zur Verfügüng zu stellen,'ihm die Möglichlett zu geben, in allgemeinen Wahlen gegen den Willen der verfassungsmäßigen MchrheitSrcgie- riing an das Land zu appellieren, tvürdc den König wiederum als selbständige Macht im Lande etablieren und die Ergebnisse der Vcr- fassungSkämpf« einer Vierteljahriauscnds zunichte mach«». Diese Argumentation ändert nichts an der Tatsache, daß sich objektiv auch die britische Arbeiterpartei tn Lieser Krise als staatserhaltende Kraft neben di« konservativen Kräfte daS Landes gereiht hat.■ ,.> Im ganzen hat die schwebe. Krise trotz der Welle wohlverdienter menschlicher'Sympathie; die der Person deS Königs enigegenschlug, di«, innere Stärke des seltsamen und widerspruchsvollen Systems erwiesen, auf dem die britische Gesellschaft und daS britisch« Weltreich beruht. Sie ist gewiß nicht spurlos vorübergegangen, hat Manche Verwurzelung gelockert, manche Bindung zer- risscN. Sie endet nun-mit einem Sieg der Konvention und Traditio», niit einem Sieg der Aristokratie über die Bürgerliche, des Nationalismus über die Amerikanerin, der Kirche über die geschiedene Frau, aber auch mit.einem Sieg der Volksstimmung und einer Stärkung der Volkssouveränität, mit einer Niederlage gewisser persönlicher FUHrertendenzen, die in dem komplizierten Konflikt keimhaft verborgen-waren. Der König fällt, die Krone bleibt.. lväre,. die Märgarineprodultion in» Innere de» Landes zu verlegen, das heißt auf deutsch i-völlig den tschechischen Produzenten zu überliefern/Wir brauchen wohl nicht.zu betonen, daß diese-Bestrebungen auf unseren s ch ä r f st e n Widerstand stoßenwerden. Dem deutschen Gebiet ist von autoritativer Seite der Wiederaufbau seiner Industrie in Aussicht gestellt worden, Ci» Abbau eines»och dazü.vollkommen lebensfähigen Industriezweiges im deutschen GÄict würde diesen Bemühungen direkt ins Gesicht schlagen. Hoffentlich sehen die Proponenten dieses Vorschlages das bald selbst ein und lassen ihn sang- Und klanglos in der Versenkung, ver- schwindenl'—■ Keine neue Zinsffußherabsetzuns Bestimmte Zusicherungen des Finanzministers Finanzminister Dr. KalfuS erklärte?.aM Samstag im BudgetanSschuß des Senats ui ar, daß der Anstieg der Staatseinnahmen in de» erste» zehn Monaten 1986 zu der Hossnung-berechtige, daß die präliminierten Einnahmen erreicht werden können. Die Situation der Staats- sinanzen und der Staatskaffa ist freilich ernst. Uebertriebene Auffassungen über»trügerische'' Grundlagen des Budgets würden jedoch das Prestige nicht nur der Regierung,-sondern auch des Parlamentes schädigen. All« Nachrichten, als ob neuerdings über ein« Regelung deö-Zinsfußes auf Kosten der Sparer verhandelt würde, stnd unrichtig. Dir Regierung war sich bei der letzten Regelung des ZütS- fußoS dessen bewußt, daß die- Einlagezinsen Nicht weiter, herabgesetzt werden können. Alle andere» Gerüchte sind unbegründet. Das Ministerium arbeitet u. a. an der Unifizierung des Gebührenrechtes und gedenkt in der tragimgsgebühren vorzulegen.' Der- Minister nächsten Zeit eine-Vorlage über die Ueber- wünscht, daß die Finanzverwaltung ihre Ausgabe mit Takt und mit Rücksicht auf die Tragfähigkeit der Steuerzahler erfülle. Das Ministerium veranstaltet Fachkurse für die jungen Beamten,'«'S Wird auch für Sprachkenntnisse der Beamtenschaft gesorgt und jeder Steuerträger erhalte die Erledigung seiner Angelegenheiten sowie auch Jn- fortnationen in seiner Sprache. An eine Aufhebung der Steuerämter wird n t ch t gedacht; es sollen aber niöglichst alle Finanzämter in einem Gebäude zentralisiert iocrden. * Bet der Abstimmung über das Budget wurde vom Ausschuß eine Reihe von Resolutionen angenommen, in' denen u. a. gefordert wird, daß alle Staatsangestellten, di» vaö 60. Lebensjahr«r- tsion be- wer- e liech'nicht die vorgfschrieden«' Dienstzeit auSwctsen, sollen die Aus einer Notiz in der tschechischen Presse geht hervor, daß eine'Tnteressengemeinfchäft aller! tschechischen Margarineerzeüaer zustande gekommen ist,-die bereits ganz offiziell den-Standpunkt! vertritt, daß eS»;im.Staatsinteresse"- gelegen. braucht, so gut wie a,u»schließlich als Ergebnis eines bis i»S. kleinste aitsgearbeiteten, präzis fungierenden und«tbarmungSloS durchs«; führten TschechisterungSplnneS dargestellt' wird. Als Btldschmuck dient«tu Plakat an der Maner einer stillgelegten Fabrikr '„Verpfändet zugunsten der Anglo-Eecho» skowakischrn mid Prager Kreditbank, Filiale B..L«lpa'< weiterS da» Innere einer amSgeriumten Fabrik» daS unvermeidliche Elendöbild. einer Arbeit», losenfamllie uind zum Schluß natürlich— ein Bild von der Sndetrndeutsche.u B o l k S h i l f e, die selbstredend einzig und allein für die deutschen Arbeitslose» sorgt! DaS ist nur eines von den vielen Beispielen,. wie mit der sudetrndeutschen Rot im Ausland unbekümmert eine verhetzend« Propaganda gegen dir Tschechoslowakei und für«ine gewisse sudetendeutsche Partei betrieben wird. W o- her daS Material geliefert wird, ist unschwer zu errate». Die ganze Dar» .stellung könnte RS auf kleine Details, wie z. B. die rhetorische Schlußfrager „Woher kommt unseren dreieinhalb Millionen Volksgenossen die Hilfe?" der Rede irgend»iu»S SdP-ManneS im tsch«. choflowakischen'Parlament entnommen sein. Die zitierte Frage würde sich der Mann vielleicht aufheben, bis er mit verläßlichen SdP-Kamrraden unter sich ist. Wie sie in diesem SretS beantwortet würde» darüber möge sich do»-Innen» Ministerium vielleicht bei seinen Beamten infor» miercu, die im deutschen. Gebiet amtieren und Ohre» haben» zu hören.... Mir haben es gern vermerkt, daß der Mi- nisterpräsident die Aufforderung an die deutschen Regierungsparteien gerichtet hat, ihre Vorschläge zur Befriedigung der nationalen Wünsche der deutschen Minderheit vorzulegen. Wie auS den nunmehr von allen drei deutschen Parteien vorliegenden- Mitteilungen hervorgeht, haben diese Parteien bereits ihre Wünsche ausgcarbeitet und im Laufe der nächsten Woche wird sicher schon eine gemeinsame Beratung dieser Parteien stattfinden, um die Vorschläge, gegeneinander abzuwägen und zu überprüfen. Dagegen ist die Rede, di« Dr. Hodja im BudgetauSfchusse des Senats gehalten hat, weniger zufriedenstellend, da sie di« Frage der proportionellen Anteilnahme der Deutschen an den staatlichen und öffentlichen Stellen überhaupt al» nicht aktuell bezeichnet. Wir hoffen, daß das nicht da» letzte Wort ist und daß es in den kommenden Verhandlungen möglich sein wird, auch darüber«ine befriedigende Einigung herbeizuführen. ..............st Der-agrariiche-LaNdwirtschaftSmiiustcr-.nnd auch derdßkMrrSMtz der tschSchlsW-AM rier haben'dieser Tage eine Reihe von-Forderungen angekündigt.. ES sind die alten Forderüngetu hinsichtlich Entschuldung, Blehmonopol, Milcht wirtschaft, DpirituSbewirtschäftung eic., und sie sind nicht gerade sehr bescheiden. Es ist.wohl' außer Frage,' daß'diesen Wünschen indem'Um^ fang keineswegs'wird Rechnung getragen'werden! können.... restlichen Jahre eingerechnet werde».."" '■> Die Tagung de'S Vollzugsausschusses der tschechische:» Agrarpartei beendet»-nach zweitägigen Beratungen-am Samstag nachmiltags ihr« Verhandlungen. Minister des Innern Dr. 2er» Nh sprach über die' aktuellen, politischen und staatspolitischen Fragt». An der Debatte', die sich über die vorgebrachten'Refer.at««»schloß, beteiligten sich'19-Redner. Es-wurden Resolutionen betreffend wirtschäftlicht,'sozialpolitische, kulturelle und autonome Angelegenheiten> angenommen.■’.'-- Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld 32 Finsierbnsch nickte. Die Dinge begannen über seinen Kopf emporzuwachscn und ihren eigenen Weg zu gehen. DaS East entglitt ihm, wurde frenid. Andere Menschen schufen c» um, anderen Menschen würde eö gehören. Nur sein Winkel sollte bleiben, die-beiden Zimmer drüben, der Schrank mit der Kognakflasche.: Wenn der ttmbau vorüber ist, dachte'er, ernenne ich Pelikan zum Geschäftsführer und ziehe mich zurück. Ich führe ein Kaffeehaus, damit eS mich ernährt, nicht damit, es Mich verrückt macht. Die Summe war errechnet, der Entwurf LeS Verträge» lag vor. Vogel brachteihn, der Rechtsanwalt begleitet« ihn, ein große» Männlein, sein Kragen lvar schmutzig, seine Fingernägel schtvarz, ein Zwicker baumelte an einer dunklen- Schnur über dem Bäuchlein. Finsterbusch nahm die Papiere entgegen,' sie brannten-in seinen-Fingern, er wußte, in ihren Zeilen barg sich Gefahr; er wollte Wort, um Wort umwenden und prüfen,«he er unterschrieb.- Am Wend wurde der Vertrag Paragraph nm Paragraph untersucht. Einige Bestimmungen erschienen völlig sinnlos; sie waren die- gefährlichsten. Feiertag machte den Eäfetier auf- sie aufmerksam. Wenn er mit einer Rate länger als einen Monat im Rückstand blieb, konnte Bogel die Möbel, das ganze-Inventar fortfi'chren, und hie bereit» bezahlten Summen waren verfallen.. „Tas ist eine Sicherheitsklausel für Vogel", jagte Baal,„sie kommt praktisch nicht in Frage. Erstens wird Herr Finsterbusch mit den Raten nicht im Rückstand bleiben und zweiten» würde Vogel im gegebenen Falle von seinem Recht keinen Gebrauch machen". Sie schlviegen. Gerleitner las den Vertrag stumm durch, gäb ihn an Burger weiter. Burger verstand nicht» von Verträge», legt« da» Blatt vor Genno auf den Tisch. Genno paffte ein paar Wollen aus seiner Pfeife darüber hin, schob es tveitcr. Isabella tat, al» interessierte sie.sich für das Schriftstück, sie schielte zu Hugo, der an der Säule lehnte, sie nicht aus dem Auge ließ. Pelikan verzog die Mundwinkel. „Es steckt sicher ein Schwindel dahinter", sagte er. Finsterbusch nahm da» Papier, las nochmals Zeile.für Zeile. Seine Frau'saß neben ihm. ZüsperreN oder unterschreiben, ging es durch feinen Kopf.' Zusperren,...'unterschreiben; unterschreiben, zusperren. Die Reihenfolge wär gleichgültig, dacht« er; mit einer jähen Bewegung riß er die Kriegskarte aus der Tasche, warf sie auf den Tisch,, legte den Vertrag darauf, bat Äerleit- ncr um die Füllfeder, die er in der Rocktasche trug, beugte sich über das Blatt,'die Ellenbogen weit gespreizt, und unterschrieb. Vaal nahm den Vertrag-hastig an--sich.' „Morgen brjngt Vogel das Geld"» sagte'er/, ein, heiserer Ton klang in seiner Stimme nach/»,In drei.Tagen könne» die Arbeiten-beginnen.- Biel Glück, Herr Finstevbusch".- : Finsterbusch starrt«, auf die KrtegSkqrte. Dprr .verlief der Schützengraben, Juni 1917. Drüben zuckte da» Geschützfeuer auf,«in«. Batterie brüllt« durch dj«. Nacht, da» ging yun schon eine ganze Woche. Für morgen Halbfünf lvgr Sturmangriff angesetzt. Ein Faß Rum war- geliefert worden, e» lag im-Unterstand, der Leutnant bewachte es selbst,---.;... .., Neber dem Graben, weit draußen im vorstüm« mellen Feld, zwischen den Bäumen, deren Acste zerschossen waren, kreischte der Totenvogel. Zweiter Teil. I. Die viereckige Säule in der Mitte des Eafös sollte wie ein Marmorsockel aussehen, darauf bestand Finsterbusch; und die Wandarme sollten goldene Leuchter sein, die elektrische Kerzen trugen. Der Marmor- war aus Holz, und die goldenen Leuchter wären aus Holz. Ein« Wand au» braunem Packpapier teilt« das Taft in zwei' Hälften; auf der einen Seite standen Kalkkübel, lagen Kellen und Pinsel auf dem buntfleckigen Boden, verrammelten Leitern den Weg; auf der andren lvaren die Tische eng nebeneinandergeschoben, hockten die Gäste, verärgert und unruhig. Der Kaffee schmeckte nach Farbe, behauptet« Feiertag, Mittelmeier suchte vergebens eine Zeitung, selbst, Pelikan wußte nicht, wo sie lag. Das Hämmern nebenan bohrte sich in» Hirn, Staub drang herüber, eine seine Schicht gelben Sandes, in. dem Holzsplitter schwaMmen, lag auf den Tassen. Eines Tage» waren Genno» Papiere verschwunden,- sie waren mit den Noten in einen Schrank gesteckt worden; er wollte schreien, er ballte die Faust: aber«r erinnerte sich rechtzeitig, daß er seit zwei Wochen keinen Groschen bezahlt hatte, und. würgt« den.Aerger hinunter; er bangte ohnehin, oh man ihn tn dem. neuen Safi, in all dein Glanz und der Herrlichkeit, die sich hier vorbereiteten, dulden würde. Finsterbusch trüg die Plakat« zusammen, die von den. Wänden genommen wurden; di« alten Spiegel stellte er in seiner Aohnüüg hinter«inen Kasten,, dfe alten Aschenbecher schichtete er auf dem Schreibtisch äüf. Er konnte sich von Ihnen nicht trennen. Baal-brachte«inen Trödler, ein Wagen kam, holt« einen Teil der Tische, die'wackligen Gessel, die chbgeschraubten Lampen och; al» sie- schon verladenlvaren, holte ereinenWand- arm wieder zurück, trug ihn in die Stube, er sollte, über dem Bett befestigt werden,.-.eg' war schade därum,,.. ', In der Küche staNdeit Kisten,''Holzwolle lag äüf den Regalen,. die'frisch gestrichen. waren und nach Färb'«' rochen.-'LUdMillä wusch.',seit zwei Tagen, die neuen Gläser, die neuen Schälen, neue Kessel standen äuf dem Herd, mit fremden Gesichtern, fremden Griffen. Bimba kletterte verwirrt über ein Gespinst von Drähten, er wetzte den Kopf an den Eimern, Farbslecken-glänzten auf seinem Fell, er schlich in«inen Winkel und wusch-sich, stundenlang. Pelikan schritt durch da» Säfi, mit eingezogenen Schultern, al» ivollte er abwehre;», was ringsum geschah. Neue Tapeten: sie würden verblassen, wie die alten. Neue Bänke: die Polster würden speckig werden und Plätzen, wie die alten, Neues Geschirr; die Henkel, der Tasse,'«.würden abbrechen, Sprünge über das Porzellan laufen', es Ivar kein Unterschied. Es gibt lein Heul«. Nur ein Morgen gibt eS, und däs Morgen ist Versals ist Fadenscheinigkeit und Bergikbtheit; alle» Lebe» ist nur ein Weg zur Verwesung, wie Gerleisii'er sagte. Bürger bestaunte d!« neue Sause; so sqh das Hotel au», in dem er im Jahre'1911 gewohnt hätte, in Nizza, al» er da» Pferd ritt,'da», gewann. Mittelmeier bewunderte die neuen Stjihse; so sahen die Stichle im Schloß de» Baron» Sil« Hermann aus, im Jahre 1908, als dieälten Re- naissäncemöbel in die Bildergalerie'gebracht.und die Wohnräume neu auSgeftältet wurden; Isabella betrachtete di«'neuen Tassen; so sah das Geschirr bei Professor Kroll aus, in der Villa vor der Stadt; in di« sie manchmal geladen wupdej am Sonntag zum Tee. Nur Genno schwieg: Hier waren Hände qm Merk und bauten; wä» er schuf, In. seinem Hirn, in' seiner müdgelaufenen, uferlosen» überströmenden,.nie geformten, nie. ausreifenden Phantasie, zerrann immer wieder, lchfe nicht, moderte Mgeboren.in seinen Gedanken.- (Fortsetzung folgt.)-- i" dir. 200 Sonntag, 13. Dezember 1030 Seite 3 fudetendeutsdierZeitspiegct Prag auch In dieser Hinsicht etwas zn i Vielleicht denkt man hier einmal darüber nach, ob die Tatsache, daß man hier nicht hilft, auch von Staats wegen völlig unnatürlich ist. 00 Prozent der gesamten schlesische» Mctallarbeiterschast stehen in unserem freigewerlschaftlichen Verband,, bei Hohlbaum in Jägerndorf ist die ganze Belegschaft Ein Blick In Schlesiens lnduslrle*Metropole beim Internationalen Metallarheitcrverband organisiert, der ganz allein den BetricbSanSschuß dort beseht. Fast nur deutsche Sozialdemokraten Erholung der JMserndorffer Textll-Produktlon Blick auf Jägerndorf Jägerndorfer Tuchmachers tube• aus dem Jahre 1870 >» Mitteln Jahr für Jahr während der ganzen Periode der schtveren Krise mehr als je eine halbe Million aufgewendet, um den Krisenopfern durch Ausspeisungen, LebenSmittclzubusten, Kleiderund Mietzinsaushilfen das Los zu erleichtern. massenhaft umlagert waren. Tatsächlich waren hier noch im Jänner dieses Jahres aus dem ganzen Bezirk 5341 Arbeitslose gemeldet, während für Oktober nur mehr etwa 8800 ausgewiesen Wurden. Und der November verlief noch günstiger. EinNundgang durch Jägerndorf zuEnde November' 1088 ergibt nach Besuchen und Aussprachen in den Sekretariaten der Partei,. der Textilarbeiter, der Metallarbeiter, der Arbeitsvermittlungsanstalt und der BezirkSkrankonver- ficherungSanstalt(Und nach einen« Blick in. die Deutsche Staatsfachschule für Weberei) folgendes. Bild: Während in der weiteren Umgebung Jägern» dorsS— wir haben nnS ja erst dieser Tage mit der entsetzlichen Not im Goldoppatal beschäftigt — von einer Milderung des Wirtschaftselends noch keine> Rede sein kann, ist in Jägerndorf selber ein- 1:' fühlbarer Aufschwung zu verzeichnen, der sich allerdings lediglich aus die Textilindustrie.erstreckt, während die Metallbcanche am Ort weiter gegen eine- arge Stagnation zu kämpfen hat. Wenden wir uns zunächst dem Erfreulichen — wenn auch nur v erhält« i s mastig Erfreulichem— dem Stand also vor. allem in der Textilindustrie zu...Schon die erste-Antwort des Sekretärs- der-Union der-Textilarbeiter-.lautet günstig:. ES ist b e d eute««d be ss er g e» worden. In den Jahren 1932 bis 1985 war die Zahl der-in der Jägerndorfer Textilerzeugung beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen- aus etwa'8000 gesunken, während vor dem. Einbruch der Krise, dort ungefähr füNfelnhalbtausend Menschen-in Arbeit standen. Nun-stehen immerhin bereits wieder rund viertausend Menschen in den Fabriken, Und wählend in den ärgsten Krisenfahren allein die Union der- Textilarbeiter wöchentlich' bis.zu-achthundert Menschen Unter» stützung ausbezahlte, sind, es derzeit nur etwa 180, bei ungefähr gleich gebliebener Mitgliederzahl. Diese Besserung in der Beschäftigung ist «über keineswegs auf eine Hebung-des Exports gürückzuführen, sondern hat ihre Hauptsächlichenursachen- einerseits im-frühen Beginn des Heurigen rauhen Herbstes fowie-in der a-llg e m ei» nen-leichten wirtschaftlichen Belebung und-der damit verbundenen mäßig ansteigenden. Kaufkraft. Jägerildorf rechnet damit» dast diese-Besserung Das alles Ist auf die weit bessere Beschäftigung- der qualifizierten und Hilfsarbeiter in der Textilindustrie.zurückzuführen, Ivährend es in den anderen Branche«, insbesondere bei den Bauarbeitern, böse auSsieht. Die Kartothek und überhaupt das ganze Verfahren dieser Arbeitsvermittlungsanstalt ist bei» spielhast und diente wirklich. bereits vielen Schwesteranstalten zum Muster..Um so bedauer- gibt eS da. Es wird Zeit, dast man sich um das rein deutsche Jägerndorf etwas kümmert I Und um das Goldoppa-Tal, um Olbersdorf, Hennersdorf und Hotzenplotz, nm das Elend ihrer Holzarbeiter, Handschuhmacher, Spisrcnklöpplcr. Denn wenn wir auch den Wicdcransticg des Arbeitslebens in Jägerndorf selber mit Freude, fcststcllcn, so ist doch hinzusügcn, dast, was eben das g e- s a m t e Gebiet anlangt, zu Befriedigung gar kein Anlast ist. ein« kleine statistisch« Erhebung in der Bezirkskrankenversicherungsanstalt ergibt: im Jahre 1920 hatte die Anstalt an 20.000 Mitglieder; 1983 waren cs nur mehr 12.600 und von da ab bis zum Frühling 1934 käin die Anstalt über etwa 11.100 Mitglieder nicht mehr hinaus. Erst von da ab begann die allmähliche Steigerung, die aber im Oktober dieses Jahres über 13.000 noch nicht hinansgeratcn war. Das zeigt Wohl deutlicher als alles andere, das SchlesienKrisen gebiet geblieben ist; und dast man schon kräftig zupacken müstte, um die sechstausend arbeüSfreudi- gcn Händcpaare nicht länger feier» und verzweifelt sein zu lassen! Qualifizierter Nachwuchs für die Textilindustrie Sehr aufschlußreich und belehrend Ist ein Gang durch die Jägerndorfer Deutsche Staatsfachschule für Weberei, eine Gründung aus dem Jahre 1875 und nunmehr eine vorbildliche moderne Anstalt, deren insgesamt zwölf Lehrkräfte zur Zeit 45 Schüler und 10 Schülerinnen zu Werkmeistern, Manipulanten, qualifizierten Mitarbeitern hcranbilden. Die Schule verfügt über ein staunenswert reiches Arsenal alter und moderner Maschinen, über schöne Lehrräume und Werkstätten, und hinter- lästt bei dem Besucher schon durch die mustergültige Ordnung und blitzblanke Sauberkeit jedes Winkels den allerbesten Eindruck. Bemerkenswert ist, daß auch während der bösesten Krisenjahre fast alle Absolventen dieser Schule Beschäftigung in der Industrie fanden— freilich bei sinkender Bezahlung. Nicht ohne Bewegung aber hört man den .Leiter der Anstalt, und einen der Professoren von der notorischen Unterernährt- h e i t eines Großteils der Schüler sprechen, die ja fast durchwegs Proletarierkinder sind und die am eigenen Leibe im einpsindlichsten Alter die Auswirkungen des jahrelangen Wirtfchaftselends am bittersten zu spüren bekommen. Und dabei sind das doch schon die„Auserlesenen", die in diese Schule geschickt werden! Daß auch hierin Wandel geschaffen werden must, wird wohl von niemandem in Abrede gestellt werden. Es handelt sich um einen prächtigen, arbeitsamen, bescheidenen, Uugen und nachdenklichen Menschenschlag und um ein Gewerbe, das, in Schlesien bis ins sechzehnte Jahrhundert zu- rückrcichend, durch die Qualität seiner Erzeugnisse eine Zierde des Stainmcs, des Landes und nun der Republik ist. Die Jägerndorfer Schafwollwaren stehen von jeher In erfolgreichem Wettbewerb mit den Brünner, mit den reichsdeutschen und init den englischen Fabrikaten. Trotzdem war bis vor wenigen Monaten eine rückläufige Bewegung zu verzeichnen, deren traurige Zeugen etliche völlig zusammengebrochene Betriebe sind; man möchte hoffen, dast man bei einem nächsten Gang durch Jägerndorf nicht mehr den öden Fensterhöhlen begegnet, in denen noch das Granen schlimmer Jahre wohnt. L. G. V o n D aue r sein werde, was aber eben- nur dann der Fall sein könne, wenn die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung im ganzen Lande anhalten sollte! Und.'eine-weitere.Ankurbelung-wird lediglich durch Erhöhung der Erzeugung' für. den Export-erfolgen können. NötstandSarbeiten in diesem Gebiete werden immer nur teilweise Hilfe zu öringe« vermögen; hier besonder- deswegen, weil durch sie jenen in der Textilindustrie bc« schäfiigten Ä:rb e i t e-ri n n e«, dst.'immer noch ohne Beschäftigung'sind,,.nicht geholfen" werden kann.(Unierden"1800 Menschen,:'die noch,"sm Oktober in der Jägerndorfer.Textilbranche als arbeitslos gemeldet waren; befanden"'-sich, nicht weniger ass achthundert Frauen!-) Die L o h n v e r h ä l t nä s s e lasse«' sehr- viel"zil-wünschen übrig,--Der qualifizierte Arbes» ter.bringt eS in'.der Woche"aus höchstens-150- Xi, der ledige Arbeiter aüf nür etwa 100 KC. In der Zett-der' schwersten Krise würden' die- Aushilfen-unh.-die"Akkordlöhne abgcbaut;-Md" trotz des besseren'GeschaftsgqngeS wölsestidie Unternehmer, , die berechtigten alt-neuen Ansprüche der Arbeiter' nicht hefrievigeni-7".., Eine vorbildliche 1- Arbeltsvermlttlungsanstalt' - Das Erfreuliche beginnt- hier-schon.-Wo r dem- Hahse-MW im Haüptraum; obwohl wir just am eiüew.Ättitag; hiniommeni zesstt) sich', sip anderes. Bild, als wir es seit Jahren. zus. sehest gewöhnt waren:'nur wenige- Arbeitslose Md", da, w-hrentz früher diese wie alte derartigen Stellen Die kolossale soziale Arbeit, die in Jägerndorf auf diesem Gebiete geleistet Ivurde, spiegelt sich aber auch in dem herzlichen Verhältnis des Großteils der Bevölkerung zu den sozialdemokratischen öffentlichen Funktionäre» wider, die hier alle namentlich angeführt zu werden verdienen wür- den— eine Liste, die erstaunliche Länge hätte! Man darf hoffen, dast das soziale Hilfswerk, das Heuer zum ersten Male endlich ein wenig entlastet sein wird, sich nunmehr erst politisch und psychologisch voll auswirken wird. Uebrigens läßt sich bereits jetzt,?.trotz- des.gewissen Terrors-'bei.-der. Besetzung freier Arbeitsplätze, bei-kontinuierlich erfreulichem Stand der Textiler- wie der Metaller-Gewerkschaft eine wesentliche Hebung auch im Leben und in- der Mitgliederzahl der Partei feststellen. Jeder der letzten Protokolle der Bezirksvertretung weist neue Beitritte auf und zur gleichen Zeit steigt die Zahl der Abonnenten unserer Troppauer„Volkspresse" in Jägerndorf. Und dennoch: das Gesamt* gebiet— Krisengebiet Dasselbe Bild, das wir jetzt in unseren sudetendeutschen Bezirken so vielfach antreffen, hietet auch Jägerndorf als politischer Bezirk: nur der GerichtÄezirk Jägerndorf selber darf, was die Textilindustrie anlangt, sehr vorsichtig als Gebiet wieder anfänglicher Konjunktur bezeichnet werden. Selbst in Jägerndorf steht eS, abgesehen von' der Saisonarbeit, schlimm vor allem um die Metallindustrie. Die Firma Hohlbaum, der""einzige größere Mctallbetrieb am Ort, leidet unter Auftragsmangel.- Von Export ist keine Rede, leider aber auch nicht von Staatslieferungen, obwohl-eine Verwendung dec Jägerndorfer Frei» laüsnaben im Heer mit einem Schlage Abhilfe schaffen könnte. Vielleicht lernt man endlich in licher also, die berechtigten Klagen des Leiters der Anstalt über die Unzulänglichkeit und Lückenhaftigkeit der . Regierungsverordnung(vom Juli d. I.) über die Arbeitsvermittlung anhören zu müssen. Solange der Unternehmer nur verpflichtet ist, alle freien, nicht aber, auch die wiederbesehten.Stellen zu melden, erhält das. Amt niemals eine zuverlässige Uebersscht,über die tat» sächlich freien oder besetzten Stellest. Dazu kommt, dqst daS Gesetz die Unternehmer, nicht verpflichtet, die ihm vomAmtauf Grund der gesetzlichen Bestimmungen zugewiesenen Arbeiter auszunehmen. Tatsächlich: nehmen die Uiitcrnchmer.Vielfach Leute-auf,.-die von"der- ArbeitsverinittlüiigSstelle n i ch t empfehlen werden,".und', die. Arbeiter, die den-,: erste«« Anspruch".anf. Bcschäftigüiig haben, haben daS Nachsehen. Es läßt sich denkest^.daß aus diese. Weise.eben nicht- nach". Recht,'Gerechtigkeit und Berechtigung gehandelt" wird,"sondern n a ch de.m". Belieben-des einzelnen Un- t e.rnehine r s oder Meisters,- die-.auf-solche Weise, vor allem nach p o l-t t i s.ch e m Gutdünken verfahren können, wobeisehroft gerade de« sozialdemokratische Aichetier. zu klirz ,kommt. .-Züdcn.überwiegend erfreulichen Beobach» tungen, die man in Jägerndorf schön"bei oberflächlicher Information Macht. gehört auch die der beispielhaften Riesenleiftung der Gemeind« an - Fürsorgearbett; Unter der Bürgermeisterschaft pnsereS. Genossen Emst Richter hat diese Gemeinde aus eigenen Seite 4 Sonntag, 13. Dezember 1936 Nr. 290 Vereinte Kraft und Arbeit Huf 65 Bezirksäppellen des AtuS und Aruk haben diele Hunderte Funktionäre und Mitglieder nach ernsten und gründlichen Beratungen den Willen der Mitgliedschaft für den Zusammenschluß des AtuS und AruK dokumentiert. Auf allen diesen Appellen in allen Gebieten der TSR wurde die schwierige verantwortliche Vorarbeit der Arbeitsgemeinschaft gutgeheitzen und die organisatorischen und vorbereitenden Arbeiten gebilligt. Dem Willen der Mitgliedschaft entsprechend wird nun die Arbeitsgemeinschaft gemeinsam mit den Bundesvorständen des Aruk und AtuS die letzten Borbereitungen zur Durchführung des Zusammenschlusses auf den zu Ostern 1937 statt» findenden Verbandstagen des AtuS und des Aruk und den konstituierende» Verbandstag der neuen Organisation treffen. Die beiden Verbände werden mit ihrer Vereinigung der Arbeiterkulturbewegung und der gesamten sozialistischen Arbeiterschaft einen wertvollen Dienst erweisen. Der Zusammenfassung aller Kräfte für den kulturellen Ausstieg des Proletariats in der ESN gilt diese und unsere zukünftige Arbeit. Aussig-Turn, am 10. Dezember 1936. Arbeitsgemeinschaft AtuS—Aruk. Bergarbeitertod Wie uns aus JoachimSthal berichtet wird, verunglückte dort der 39jährige Bergarbeiter Klement Eberle bei der Arbeit in einer sogenannten Abteufung durch Absturz tödlich. Der Unglückliche stürzte etwa 89 Meter tief ab, und ein Teil des ihm nachrollenden Gesteinmaterials traf ihn so unglücklich, daß er tödliche Verletzungen erlitt. Als eS gelang,. Eberle zu bergen, war er bereits verschieden. Der Tod des Bergmannes ist umso tragischer, als er erst vor kurzem geheiratet hat. Büdier und Fllzpotsdien Ein Herr T. I. in Tschechisch-Schlesien läßt in den Zeitungen folgeirde gewisslich beachtliche Anzeige erscheinen: ' Ein Fün s k ilop a k e t B ü ch e r, dazu ein PaarHaurpotschen(Filzschuhe) nur J 00 Kä.(Schuhgrösse erbeten!) Jetzt weiss man also, wie der Literatur, der Filzschuhs-Erzeugung und kalten Füssen gehol- sen werden könnte. . 37 Jahre für Mllltärverrat Ein Urteil In Prag Prag.(Tsch. P.-B.) Der Senat des Prager KreißstrafaerichteS für Angelegenheiten des Mtli- tärverrates verurteilte SämSiag, den 12. Dezember, nach' viertägiger BerhandlungSdauer unter dem Vorsitze des Gerichtsrates Ptäönik wegen deS Verbrechens des Militärverrates Georg Hansisch zu 29 Jahren schwerst» Kerkers, Maria Pechouschek zu zehn Jahren schiveren Kerkers sind zu einer Geldstrafe von 8999 Ui, eventuell zu einer weiteren Kerlerstrafe in der Dauer von 39 Tagen, ferner Hugo B r i x zu vier Jahren schweren Kerkers und 1599 Ui Geldstrafe, eventuell zu.einer weiteren Äerkerstrasse von 15 Tagen, und Erich Hujerzu drei Jahren schweren, Kerkers und 1599 UL Geldstrafe, eventuell zu einer weiteren Kerkerstrafe von 15 Tagen mit den entsprechenden Strafverschärfungen. Bei allen Angeklagten wurde der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und bet Maria Pechouschek die Ausweisung aus der Tschechoslowakischen vkepublik nach Verbüssung der Strafe ausgesprochen. Die Anklage vertrat Prokuratorstellvertreter Dr. Easlavslh. Olympia-Vorfreuden Im Rlesengeblrge Sportsonderzüge tragen an den Samstagen viele hunderte Menschen a>iS Prag und anderen Städten ins Riesengebirge. Der frühzeitige Winter Iaht wenigsten- einen Teil der Bevölkerung einmal freudig ausatmeten, Hoi:!.. Bahne» und Autobusse hoffen auf bessere Bilanzen. In Johannisbad herrscht ebenfalls regster Wintersportbetrieb. Die Arbeiterwintersportler del Riesengebirges haben sich schon auf Skiern die wichtigsten Olympiastrecken angesehen, gilt es doch, den gefürchtete» Nordländern und den in den Massenversammlung in Mähr.-Triibau Erfolgloser SdP-Besuch— Abgeordneter Hodlna abgeblitzt Mähr.-Trübau. Unsere Bezirksorganisation hakte für Freitag abend eine öffentliche Volks» Versammlung einberufen. Der Besuch übertraf alle Erwartungen. In dem grossen Kinosaal füllten etwa 899 Personen den Zuschauerraum, Mittelgang und Galerie. Die SdP hatte zu der Versammlung ihre Anhänger aufgeboten, doch blieben sie in verschwindender Minderheit. Abgeordneter Genosse I a k s ch erstattete, immer wieder von Beifall unterbrochen, das Hauptreferat und rechnete mit den sudetendeutschen Freunden Hitlers und Francos gründlich«ch. Während seiner Ausführungen erschien auch der SdP-Abgeordnete Dc. Hodina, der— wohl über höheren Auftrag— in der Debatte das Wort ergriff. Er brachte wiederum, wie schon in unserer letzten Trübäuer Versammlung, einige nationale Beschwerden vor. Auch wiederholte er die Behauptungen über die angeblichen Misshandlungen von Henlein-Leuten durch Gendarmen oder Gefängniswärter. Jaksch antwortete ihm sofort und riet Herrn Hodina, seine nationalen Beschwerden an die tschechischen Freunde der SdP zu adressieren. Auch muhte sich Herr Hodina daran erinnern lassen, dass dir KonzontrationSlagor im Drit- , ten Reich reichlich Stoff zur Entrüstung üben Misshandlungen bieten. Wer al» Demokiral die' Folterung Dvutscher durch Deutsche ablehnt,' hat ein«Recht, menschliche Behandlung unserer politisch«» Häftlinge zu sofern. Wer aber, Deutschland gegenüber als Faschist urteilt, dem fehlt die moralische Legitimatii« dazu, sich in der Tschechoslowakei als Demokrat zu entrüsten.,.. Die SdP-Anhänger, die sich während der ganzen Auseinandersetzung recht Neinlaut benahmen, steckten diese Abfuhr ein und schlängelten sich dann recht betroffen aus dem Saal. Als weiterer Debatte-Redner trat noch der kommunistische Senator Kreibich in Erscheinung. ES scheint Mode zu werden, dass sich die Kommunisten überall, wo sie selbst keine ordentliche Versammlung zustandebringen, an unsere Rockschösse hängen. Angesicht» der unmissverständlichen Erklärung des Präsidiums, dass kein Missbrauch der Redefreiheit geduldet werde, hteü sich Kreibich in gesitteten Bahnen. Rach einem kurzen Schlusswort des Genossen Jaksch wurde die prachtvoll verlaufene Versammlung durch einen kraftvollen Appell des Vorsitzenden, Gen. Friedl- geschlossen. klne Aufgabe Heute finden in verschiedenen größeren subekendeutschen Städten gemeinsame Kund- gedungen des Sozialistischen Jugendverbandes, der Partei und den freien Gewerkschaften statt, die sich mtt den dringendsten sozialen Forderungen der Jugend beschäftigen werden. Vor alleni handelt es sich um das Verlangen, die ürbettS- losen Jugendlichen in die ErnährungSaüion einzubeziehen. Gleichzeittg werden die Zei- tungSleser von der Kundgebung unseres Ratio- nalverteidigungsministerS über die Wehr- erziehung Kenntnis erhalten. Zwischen beiden Kundgebungen besteht insofern ein Zusammenhang, als die Durch, führung der Wehrerziehung und die Einreihung der Jugendlichen in die ErnährungS- aktion staatliche Mittel erfordern und beide Pläne, auf,ihre Weise der Steigerung.der stgat- lichen.Wehrkraft zugute kommen sollen.- E i n Unterschied ist allerdings festzustellen: Während sich der Plan deS Rattonalverteidi- gungSministeriumS der Verwirklichung nähert, ist die soziale Forderung der Jugend von der Verwirklichung noch wett entfernt. Dafür wird sie aber schon seit demBeginn der Krise erhoben.— Jahr um Jahr mtt dem gleichen negativen Ergebnis! Neber die Heim- stättenaktion ist man hierzulande nicht hinaus- gekommen, man hat sich im allgemeinen mit platonischen Bekenntnissen, zum Schutze der Jugend begnügt. Dabei hat man übersehen, dass sie nicht nur körperlich zugrunde geht, sondem auch geistig. Jedenfalls hat diese Behandlung der Jugendlichen dazu beigetragen, deren Ab- fall von der Demokratie, der sich besonders im deutschen Gebiet durch daS Anwachsen der SdP äußert, zu fördern. Dieser Zustand ist vom Standpunkte de» Staates und der Jugend unerträglich, und" er ist nachgerade zu einer Schande geworden. Die Fürsorge für die Jugend ist genau so wich- üg wie ihre militärische Ausbildung. Diese hat ohne jene nicht viel Sinn. Möge das Wort, das heute tausende junge Menschen an den Staat richten werden, endlich seine Wirkung tunl Weihnachtsbotschaft au» Wien.(JTF) Auf dem Zentralfriedhof in Wien wurde auf Befehl der christlichen Dikwtur auf dem KriegSgefalle« nen-Denkmal die Inschrift„Nie wieder Krieg!" entfernt. Aufschwung des fireiwilligen Arbeitsdienstes in der Schwei». Zürich. Die Zahl«der Arbeitslager in der Schweiz hat sich in den letzten vier Jahren von 36 Lagern 1988 auf 196 1986 erhöht. Die Kosten des Arbeitsdienstes stellen sich im heurigen Jahre auf fast zwei Millionen Frank. Trotzdem will der Bund den freiwilligen Arbeitsdienst weiterfördern. In Bulgarien wurden vier Erdstösse verspürt, die auch in Sofia wahrgenommen wurden. DaS Epizentrum der Erderschütterung ist in Süd-, und Westbulgarien ungefähr 85 Kilometer von Sofia entfernt. In der Stadt Tortur Dschu-; maja war die Erschütterung hon starkem unterirdischem Getöse begleitet. Schäden werden jedoch von irgend? gemeldet. Eine au» dem Weltkrieg stammende Mine, die an der Küste der Ostsee entlang trieb, stiess gegen einen Dampfer, dessen Zugehörigkeit bisher noch nicht festgestellt werden konnte. Durch die Explosion wurde das Schiff zum Scheitern gebracht. Es wurden Trümmer gefunden, au» denen sich jedoch auf die Nationalität de» Schiffe» nicht näber schließen lässt. In estnisck'en Marinekreisen glaubt man, dass es sich sim einen d ä N ischen Dampfer handelt, der auf dem Wege nach Tallinn unterwegs war. Man befürchtet, dass die Besatzung ertrunken ist. Nichtsdestoweniger wird in der Bucht von Tallinn nach weiteren Trümmern gesucht. Ein Bombenflugzeug der britischen Flngwaffe stürzte Samstag nachmittag» in der Nähe von Dun« raster ab; zwei Flieger fanden dabei den Tod. Alpen geschulten Schweizern eine ebenbürtige Konkurrenz entgegenzustellen. Eine besonders starke Delegation meldet neuerlich Norwegen; mit Hilfe der freien Gewerkschaften wurde diese bereit» sichergestellt. Günstige Nachricht liegt auch au» Polen vor, immer stärker wurde die polnische Arbeiter-Wintersportbewegung, mehrtägige Kurse in dem wunderbaren Gebiet der Tatra bereiten die polnischen Wintersportler auf da» Treften vor. Etwa» unzufrieden sind unsere finnischen Freunde, weil die Eisschnelläufe wegen Mangel an geeigneten Strecken entfallen müssen-. Der Aulfall der Eilschnelläufer wird sich in einer stärkeren Besetzung der Sprungläufe durch die Finnen aulwirken. Die Schweizer Naturfteunde organisieren eine starke Delegation zur Wintersport-Olympiade, in einein Appell rusen die Genossen zsi einer Demrnstraftm für die Friedensidee unter den Völkern auf. Die Schweizer Nawrfteunde teilen weiter mit, dass sie sich wegen der Arbeiter-Wintersport-Olympiade auch an die französischen Naturfteunde gewendet haben und diese zur Teilnahme bewegen. Selbstverständlich lassen e» auch die inländischen Verbände nicht an der notwendigen Rührigkeit seh-, len- Der DTJ-Verband der tschechisch enAr- beitertsirner bereitet den Start einiger Eil- hockehmannschaften vor. Die Skiläufer der DTJ werden in Gross-Hammer mich vor der Olympiade zur BerbandlauSscheidung antreten. Starke» Interesse zeigt auch der tschechische Touristenverb a n d. welch-r In Nord-und Ostböhmen starken Wintersportbetrieb aufrecht erhält. Bosi den deutschen Arbeiter-Sportorganisationen Ist el vor allen: der Atu», welcher mit starken Kräften nach Johan», nisbad kommt. Die Vormeldnng de» Atu» weist, heute schon 75 Wettkämpfer und Wettkämpferinnen auf. Eine grosszügige Aktion hat der 5. Kreisver band unter der Devise„Auf schmalen Breiteln in» weisse Wunderland" vorbereitet. Im 6. Kreis beginnen bereit» am 1. Jänner die Au»scheidung»läufe, welche an allen Jänner-Sonntagen fortgesetzt werden. Dass die nord- und ostböhmischen Atu»-Kreise(4. Kreis: Reichenberg und 7. Kreis: Ostböhmen) besonder» aktiv für die Olympiade rüsten, ist wohl felbstverständlich. Daneben liegen bereits Meldungen vom Arbeiter- Radfahrer- Verband vor, auch die Naturfreunde werden sich aktiv beteiligen. In der Olympiade-Kanzlei in Trautenau herrscht Hochbetrieb. 19.999 Einladungsprospekte in sauberer und übersichtlicher Ausführung sind im In- und Ausland bereits verbreitet, in den nächsten Tagen werden die farbenprächtigen Olympiade-Plakate versandtbereit sein. An 1999 Arbeiter-Sportvereine unserer Republik werden die Meldebogen durch die zugehörigen Verbände verschickt, bi» 15. Jänner Müssen die Vereine die Ouarttere, Festkarten und FahrtermässigungSlegitimattonen bestellt haben. Vom Ouartlerau»fchnh kann viel Erfteüliche» berichtet werden, unsere Genossen in Freiheit und Marschendorf haben schön ganze Arbeit geleistet. Schon beim testen Versuch haben sich 899 Familien gemeldet, welche kostenlöse Freiquartiere an Wettkämpfer und j unbemittelte Gäste abgeben werden. Die Gästfreuad-! schäft der Riesengebirtzler wird nicht hinter jener der Erzgebirgler zurückstehen, welche in StJoachim»- thal. anlässlich de»' Bundelwintersportfeste» 599 kostenlose Privatquartiere aufbrachten'und vielfach den Arbeiter-Wintersportlern.auch Verpflegung bei« •'teilten. In JohmmiSbad selbst.stehen 859 Hotel« :immer zu 19 AS und über 4k>0Sotelzstntner zu Preisen von 12 biS/25 Ai zur Verfügung.- Selbstverständlich werden auch billige Privatquartiere und Maffenlager bereitstehen. J Gasrohrbruch fordert 16 Opfer 58 e t l i n. Im Münchner Vororte Schwabing ereignete sich am Samstag ein schwere» Gaö- nnglück, dem bisher neun Menschen zum Opfer gefallen find, wührend sieben Personen mit schweren Gasvergiftungen noch im Krankenhaus liegen. DaS Unglück wurde vermutlich dadurch hervorgerufen, bah eine'Gasrohrleitung in einer Wohnstrasse geborsten ist,»nd zwar allem Anschein nach in der Winzerer-Strasse, wo in einem HauS drei Personen umS Leben kamen, wührend in einem zweiten vier Personen und in einem dritte» zwei den Tod sanden. In einer etwa IpO Meter weiter entfernten Strasse erlitten fieben Personen schwere Vergiftungen und mussten ins Krankenhaus übergeführt werden. Die Bruchstelle der Gasleitung ist bis zur Stunde noch nicht ermittelt worden. Todesurteil. Da» Schwurgericht in Krem» verurteilte zum Tode durch den Strang den 82jährigen ZimmermannSgehilfen Franz G a u b m a n n, der die 61jährige AuSgedingerin Barbara Bliiek mit Petroleum begossen und angezündet hatte, um sie nicht weiter unterstützen zu müssen. Meteorfälle. Im Donaugebiet von Pressburg bis Bö» tauchte Samstag nach. 17 Uhr ein sehr Helle» Licht auf, da» einige Sekunden lang anhielt, worauf in dem Intervall von mehreren Minuten ein dunfles Dröhnen zu hören war. ES handelt'sich wahrscheinlich um ein Meteor. Eine übereinstimmende Meldung hierüber erfolgte aus Bö», Klizska Rema und Pxessbucg.— Eine ähnliche Erscheinung wurde am 6. Dezember um 29.28 Uhr im Raum zehn Kilometer von Luöenee vom Finanzrespizienten Psota beobachtet, der in der angegebenen Zeit ein grosse», zunächst fast senkrecht über seinem Kopf l zwei bi» drei Sekunden lang fliegende» Meteor sah, da» scheinbar seine Richtung änderte und sich von Westen gegen Osten bewegte. Unmittelbar zu Beginn de» Fluge» war daS Licht sehr feurig, dann rosenrot, welche Farbe sich in Hellgrün und zum Schluss in Dunkelblau verwandelte. Der Himmel war umzogen, ei schneite und ein besonder» schöner Anblick war e», al» in der dichten Dunkelheit plötzlich ein Licht auftauchte, das durch den Wirbel des fallenden Schnee» drang. Diese Erscheinung war von einem Donnern begleitet, da» gedämpft und kurz war. Diese» herrliche Licht dauerte fünf bis sieben Sekunden. ! Pirandello.Anekdoten, lieber den verstorbenen I italienischen grossen Dichter erzählt man viele '' Anekdoten.— Als er einmal in München weilte, wo die tüchtigsten Köpfe Europa» zusammenkamen, belagerten ihn viele exzentrische Engländerinnen und baten ihn, eine Einladung zum Souper anzunehmen. Pirandello überlegte einige Augenblicke und sagte:„Montag bin ich bei Smith eingeläden, dann bin ich Dienstag, krank, Mittwoch speise ich bei Ho- wardl,'- dann^liege.'ich-Donnerstag" zu-Bety:FreUag wird beim Browns soupiert, dann bin ich Sonnabend todkrank. Patzt Ihnen also Sonntag?"— Einmal wieder in Paris wollte eine hübsche Französin ihn heiraten. Sie sagte:„Stellen Sie sich vor, in was für einer fabelhaften Ehe wir leben werden. Ich bin genügend reich/um Ihnen den grötzten Komfort in materieller uiü> geistiger Beziehung zu sichern. Und wenn wir einmal ein Kind kriegen sollten, dann wird es ganz bestimmt Ihren Verstand und meine Schönheit erben." Worauf Pirandello antwortete: ,Ja, gnädige» Fräulein, da» wäre alle» sehr schön, aber ich hkwe Angst, datz da» geplante Rind meine Schön- heit und Ihren Verstand erben könnte." Wahrscheinliche» Wetter von heute; Gröbere lokale Bewölkung»untecschiede, vorwiegend trocken oder bloß vereinzelt Sprühregen. In den Niedertln-j gen der westlichen und der mittleren Telle de» Staate» Temperatur etwa» über dem Gefrierpunkte, ün Osten andauernder Frost. Auf den Berggipfeln im ganzen heiter und relativ warm.— Wette r- au» sichteNf ii r Moni a g: Andauer des bisherigen Witterungscharakters, etwa» kühler. Vom Rundfunk IlhMnnrirtw aus 4«« PrairaMMii Montag Prag, Sender 1: 7: Salonorchesterkonzert, 12.19: Schallplatten. 12.85: Orchesterkonzert Fok. 17.85: Klavierkonzert. 18.19: Deutsche Sendung: Stumpf: Nikolaus, der beliebte Volkrheilige, 18.25: Kompositionen von Willner, 18.45: Deutsche Presse, 29.55: Sinfonische» Konzert. 22.15: Geigenkonzert. 22.49: Deutsche Sportnachrichten.— Sender II: 7.89: Salönorchesterkonzert, 14.29: Deutsche Sendung: Der unbekannte Beethoven. 14.59: Deutsche Preise. 18.19: Blechmusik.— Brünn: 17.49: Deutsche Sendung: Rundiunkspiel. 19.25: Unterhaltungsmusik.— Pressburg:.16,19: Ruitdsjtnk- orchesterkonzert. 22.89: Tanzmusik.— Kaschen: 12.95: Chanson», 15.29: Konzert.— Mährisch. Ostrau: 18.19: Deutsche Sendung: Arbeiters»»!. Machunre: Die Wirtschaftsordnung der Vergangen- hettl Klavierkonzert. Dienstag Pegg, Sender I: 19.15: Deutsche Sendung: Für die Frau,.11.95: Rundfunk, für deutsche Schv- len, 12.19: Schallvlatten. 15: I. S. Bach: Sonate für Flöte und Cembalo, 17.89: Noväk: Älavier- guintett. 18.19: Deutsche Sendung: Josesine Du- schek. eine berühmte Prager Sängerin. Hörbild. 18.55: Deutscher Kulturbericht vom Tage, 21: Puschkin: Der steinerne Gast. 224.5:' Englische Äeihnachtslieder.— Sender.II; 7.89; Populäre» Konzert, 14.15: Deutsche Sendung: Dr. Goldschmied: Geistferne Politik. 14.89: Volkslieder'. 14.50: Deutsche Bresse. 18.05: Schrammelmusik..— Brünnt 17.49: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk. Soziale Jnformationm, Dr. Brügel: Eindrücke au» Alhanien,. 18.85: Arbeitsmarkt. 20.15: Bolkskonzert. — Pressburg: 15: Runkfunkorchesterkönzeri, 17.40; Violoncellofonzert, 21.15: Konzert. Nr. 200 Sonntag, 13. Dezember 1930 Sette 8 Das internationale Agrarproblem I Nähr: Verschiebungen des Massenverbrauches betreffenden allein ist 1034 4.635 40.400 178.000 52.420 ■ : als i, Ge- Großbritannien rund 101, in Deutschland 107, in Franlreich 62, in der Tschechoslowakei 57, in Japan 24, in der Solojetunion 16, in Polen 14 und in Italien 12 Rundfunkapparate. Vermehr. 1034 gegen 1032 -t- 9% + 3% —14% + 18% Die W«ltproduktion an R ö h- zink, eines Metalls, nachdem infolge der internationalen Rüstungskonjunktur starke Nachfrage herrscht, ist erheblich gestiegen. An, den ersten zehn Monaten 1034 wurden 1,050.000 Tonnen produziert. In der gleichen Zeit der laufenden AahreS 1,337.000 Tonnen. Das Schicksal der Weltkonjunktur hängt in erster Linie auch davon oft, ob und in welchem Zeitraum es gelingen wird, die Agrarwirtschaft der neuen Entwicklung anzupassen. Wir haben in diesen Spalten mehrnials bereits über die Bedeutung der Landwirtschaft im Rahmen der gesamten Weltwirtschaft gesprochen. ES genügt hier darauf hinzuweisen, daß bei tveitem die größere Hälft« der Berufstätigen auf unserem Erdball in der Landwirtschaft beschäftigt ist und daß das Ausmaß der Kaufkraft dieser bäuerlichen Schichten letzten Endes über das Schicksal der industriellen Entwicklung entscheidet. Di« Weltkrise von 1020 ist ja zum großen Teil durch den katastrophalen Rückgang der Kaufkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung, vor allem in den überseeischen Ländern, zu erklären. ES handelt sich nun nicht darum, die alte Landwirtschaft wieder aufzubauen, sondern sie auf«ine neue Grundlage zu stellen. DaS umfaffendste Programm zur Ueberwin» düng der Weltagrarkrise stellt zweifellos der Plan' deS Internationalen Agrarinst itutS in Rom dar, der der Londoner Weltwirtschaftskonferenz im Sommer 1083 vorgelegt worden ist. Dieser Plan enthält im wesentlichen Vorschläge für die Gründung einer Internationalen Agrarkreditbank, für den allmählichen Abbau der Zollschranken und für die Ueberwin« düng der Arbeitslosigkeit der städtisch-industriellen Bevölkerung. In den Kreisen der internationalen Agrarpolitiker wurde gerade dem letzten Punkte eine besondere Bedeutung beigelegt, da der Rückgang der Kaufkraft der städtischen Bevölkerung die Hauptursache der stickenden landwirtschaftlichen Einnahmen ist. Alle diese Vorschläge, die auf zahlreichen internationalen Konserenzen immer wieder vorgetragen wurden, sind jedoch gescheitert, und so blieb den Regierungen der einzelnen Länder nichts andres übrig, als vorerst mit eigenen Mitteln die„Gesundung" der Landwirtschaft durchzuführen. ES scheint überhaupt, daß die erste Phase der wirtschaftlichen Gesundung, die nichts andres sein kann als eine grundsätzliche Umstellung, im volkswirtschaftlichen Rahmen durchgeführt werden soll, jedenfalls unter heutigen Umständen, Ivo der Zerfall der Weltwirtschaft in einzelne Wirtschaftsräume zur Tatsache geworden ist. So wenigstens wird das in Amerika aufgefaht, wo die Regierung alles unternimmt, durch die Sanierung der Landwirtschaft die gesamte Wirtschaft anzukurbeln, und zwar nicht ohne Erfolg. Die Entwicklung der amerikanischen Konjunktur berichte bis jetzt auf einer fortschreitenden Gesundung dir Agrarwirtschaft. Da einerseits das Schicksal der amerikanischen Konjunktur für die gesamte Weltlvirtschaft und auch für uns von entscheidender Bedeutung ist, und da andererseits di« Maßnahmen der amerikanischen. Regierung auf dem Gebiet der Landwirtschaft für aUe anderen Regierungen richtunggebend sind, wollen wir hier in Kürz« die grundsätzliche Richtung der amerikanischen Agrarpolitik der letzten Jahre darstellen. .. Zunächst hatte man noch geglaubt, durch Rationalisierung und verstärkte Maschinenanwendung, d. h. durch Erhöhung'der Agrarproduktion je Arbeitskraft, die verheerenden Folgen der Agrarkrise mildern und die Landwirtschaft wieder rentabel machen zu können. Insbesondere vertrat die Maschinenindustrie diesen Standpunkt. Im Laufe der Zeit mußte man aber angesichts der stets steigenden landwirtschaftlichen Ueberproduk- tiön erkennen, daß auch dieses Mittel versagt. Die wachsenden Proteste der Landwirte und die früher unbekannten Unruhen in ländlichen Bezirken sowie die Not der Industriearbeiter, trotz Ueber- sluß an Agrarprodukten, hatten schließlich dem Glauben zum Durchbruch verholfen, daß nur«Ine grundsätzliche Umstellung helfen kann. Dis gegenwärtige Agrarpolitik unterscheidet sich von der der früheren Jahre, als man Agrarkrisen lediglich mit Hilfe von Zöllen zu bekämpfen versuchte, vor allem dadurch, daß man die Landwirtschaft nicht mehr als ein Gewerbe, wie andere auch, betrachtet, sondern als die Gründlage des Staates, in den herauszuwirtschaften, vielfach, zu einer einseitigen Benutzung deS Bodens geführt. Insbesondere entwickelten sich überall dort, wo hohe Löhne bei gleichzeitigem Landreichtum zu rationellster Ausnutzung der Arbeitskraft zwangen, die sogenannten„Monokulturen", d. h. landwirtschaftliche Betriebe, die sich lediglich auf einen speziellen Zweig festlegten. Man kennt ja die Buiterfarm in Neuseeland, die Weizenfarm in Kanada, oder die Obst« und Hühnerfarm in den Bereinigten Staaten. Bekannt sind ferner die g e w a l t i g e n S ch ä d e n, die in den Ber« einigten Staaten durch den Umbruch weiter, fruchtbarer Präriestrecken zur Errichtung von „Getreidefabrikon" und durch die Abholzung von ausgedehnten Waldgebieten entstanden sind und die zu schroffen'Klimaschwankungen und ungeheuren Sandverwehungen geführt haben. In den Vereinigten Staaten werden die jährlichen Verluste durch Entwertung des Landes und Vermin» derung der Erträge auf 400 MiUionen Dollar geschätzt. Bon der gesamten Bodensläche der Vereinigten Staaten(ohne Hausgrundstücke und Ge« tväsier) von 772 Millwnen Hektar sind für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der letzten zwanzig Jahre rund 87 Millionen Hektar völlig oder so gut wie völlig verloren. Zum Vergleich soll nmn bedenken, daß di« gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche Deutschlands rund 29 Millionen Hektar beträgt. In den Vereinigten Staaten scheut man nun keinen Einsatz an Mitteln, um die Fehler der Vergangenheit wieder gutzumachcn. Zur Durchführung dieser Hilfsmaßnahmen wird der Regierung ein jährlicher Fonds bis zu 500 Millionen Dollar zugebilligt. Vor allem ist die Schaffung eines Waldgürtels von der kanadischen bis zur mexikanischen Grenze, also quer über das ganze amerikanische Gebiet hin, in Angriff genommen. Das eigentliche Ziel ist aber die Rückkehr zu einer sinnvollen Betriebsweise, die, soweit«s geht, alle klimatisch möglichen Betriebsweisen umfaßt und zu einem organischen Ganzen gestaltet. Wo aber keine landwirtschaftlich« Nutzung mehr lohnt, soll der Boden wieder in den natürlichen Wildzustand zurückgesührt werden, dessenNutzen. wie Klimaregelung, Ertrag,gnPee» ren, Pilzen, Fischen, Wild, Pelzen usw. häufig den Produktionswert schlechten Kulturlandes um ein Vielfache- übertrifft. Interessant ist, daß die veränderte Einstellung zu den Agrarproblemen zur Folge gehabt hat, daß man in der Maschinentechnik nicht mehr den Stein der Weisen sieht. Man will aber andrerseits keineswegs zur primitiven Handarbeit zurückkehren. Es wird sogar angenommen, daß die Maschinenverwendung in der Landwirtschaft noch stark steigen wird. Aber in Zukunft soll die Maschine weniger der planlosen Produktionsvermehrung als vielmehr der ArbeitSerleich- terung der Landwirte selbst dienen. Die Maschine, richtig angewandt, soll die Produktion nicht nur erhöhen und weitgehend erleichtern, sondern vor allem auch verbessern und verbilligen. Dies sei besonders wichtig, da eine allgemein« Verbilligung der landwirtschaftlichen Erzeugung allen Volksschichten zugute kommen wird. Die heutige amerikanische Agrarpolitik verfolgt den Zweck, die großen Produktionsschwankungen aufzuhalten, die Erzeugung dem Verbrauch anzupaffen, um so zu einer einigermaßen stabilen Preisentwicklung zu kommen. CS ist übrigens eine bemerkenswerte Tatsache, daß eine umfassende Regelung der Preise für landwirt- schaftliche Produkte nicht nur in Amerika, sondern auch in fast allen andern Ländern siegreich zum Durchbruch gekommen ist. Im Zusammenhänge damit hat'sich auch die Politik der agrarischen Schutzzölle auf der ganzen Linie gegen den Freihandel durchgesetzt. Aber man mutz doch bedenken, daß die moderne Technik eigentlich die Ueber- höhung der Preise für landwirtschaftliche Produkte verhindert. Die modernen Maschinen gestatten jetzt, die Erzeugung von allen wichtigen Lebens- und Futtermitteln und von landwirtschaftlichen Rohstoffen in demselben Augenblick« fast mit industrieller Schnelligkeit zu steigern, wenn eine geringe Gewinnspanne vorhanden ist. Infolgedessen werden stets die Außenseite mit billigen Produktionskosten den Nutzen aus solchen Vereinbarungen ziehen. Dies hat sich z. B. bei der Regelung deS internationalen Gummimarktes oder bei dem internationalen Plan für Zuckerabsatz gezeigt. Früher oder später muß es also auf der Grundlage der erneuerten nationalen Landwirtschaft zu einer neuen Arbeitsteilung zwischen verschiedenen landwirtschaftlichen Gebieten.im Rahmen der Weltwirtschaft kommen.' Weltwirtschaftliche Kurzberichte DieWelterze u'gfung in Silber lag in diesem Jahre wesentlich über Vor- jahrShöhe. Sie dürste 1986 rund 245 Millicnen Unzen erreichen. Im Jahre 1985 wurden 207 Millionen Unzen, und 1984 nur 184 Millionen Unzen Silber gefördert. Großbritannien USA... Frankreich., Deutschland, Japan... verbrauche- können die Angaben Wer das Nationaleinkommen geben, obgleich man nicht vergessen darf, daß diese Angaben in jedem Lande auf sehr verschiedenen und ziemlich bestrittenen Schätzungen beruhen. Mit diesem Vorbehalt geben wir nachstehend eine Zusammenstellung der Schätzungen des Nationaleinkommens im Laufe der letzten Jahre in den fünf wichtigsten Staaten. AutliMdUche NSel« Außlünd. v«rlä«Ie amerN. Wrrtoavtere amerll. WcrtvavUre In Millionen Dollar 1920 . 4.848 ,. 78.800 . 245.000 , 78.098 , 11.919 Bemerkenswert bei der Entwicklung des Nationaleinkommens, wie.sie in dieser Tabelle dargestellt wird, ist die relative Stabilität des Nationaleinkommens von Frankreich und besonders Englands in den Krisenjahren,. während solchx Länder wie Deutschland und die Bereinigten Staaten ungeheure Einbußen im Nationaleinkommen erlitten haben. Der größt« Teil des Nationaleinkommens — in Ländern wie Englgni» und Schiveden etwa 80 Prozent— wird für Ankauf von Lebens- mitteln verbraucht. Der Verbrauch von Lebensmitteln ist überhaupt als der wesentlichste ;.7'7.^.. ! völkerustg anzusehen. Leider verfügt man auch , auf diesem Gebiet lediglich Wer unzureichende Angaben. Dian muß da einzeln« wichtige Le- bensmittel herausgreisen und die Entwicklung deS Verbrauches im Laufe von mehreren Jahren auf internationaler Grundlage verfolgen. So hat der F l« i sch verbrauch in den letzten Jahren folgende Entwicklung genommen: f' Jährlicher Fleischverbrauch pro Kopf der Bevöl- leruno 1920—1934(in englischen Pfunden? 1 englische« Pfund— 5,11 Kg.) Internationale Kapltalwanderungen Im Mittelpunkt des welttvirtschaftlichen Interesses stehen auch weiterhin die großen Kapitalbewegungen zwischen bedeutenden wirtschaftlichen Zentren, die an einigen Punkten zur tveiteren Vergrößerung der überdies bedeutenden Geld- f I ü s s i g k e i t geführt haben. Die Bewegung dieser Wanderkapitalien läßt sich keiner lvirk- samen Kontrolle unterwerfen und kann, unter Umständen, zur großen Unsicherheit fiihren. So ist augeWIicklich ein großer Kapitalzu- st r o m nach der S ch w e i z zu beobachten: die aus dem Ausland nach der Schweiz hereinströmenden Wanderkapitalien haben in den letzten Wochen durchschnittlich 40 bis 50 Millionen pro Woche Schiveizer Franken ausgemacht. In London trat ein deutlicher Rückfluß von dem früher nach New gork abgetvanderten Kapital ein, was eine stärkere Abschtvächung des Dollars im Verhältnis zum Pfunde mit sich brachte. In London selbst hält man das fiir eine vorüber« gehende Erscheinung. In New Morl wird gegenwärtig die Bewegung der ausländischen Kapitalien scharf beobachtet,«8 soll in der allernächsten Zeit ein ausführlicher Bericht des Schatzamtes darWer veröffentlicht werden. Man erörtert die Frage, ob die beträchtlichen Zuwanderungen von Kapitalien aus dem Ausland« der amerikanischen BollSwirtschaft nützlich oder gefährlich werden könnten. Zweifellos war die erhebliche Kurssteigerung amerikanischer Wertpapiere, von denen sich viele seit dem Frühjahr 1935 im Werte verdoppelt haben, zum Teil auch aus ungewöhnlich große Auslandskäufe zurückzufWren. Nach nichtoffiziellen Schätzungen haben die Auslandskäuse im Laufe der letzten Jahre folgende Entwicklung genommen: £ fUr Len Lebensstandard einer B- bevölkerungSpolitisther, wirtschaftlicher und kul«| an-uHS-n. Leid«« v-rküat man ans tureller Hinsicht. ES. setzt sich mehr und mehr die i MWMWWWWWWW Erkenntnis durch, daß die ausschließlich nach kauf« 1 männischem Gesichtspunkt betriebene, gröhkapita« j listische Farmwirtschaft, wie sie bis.heute Mr Amerika kennzeichnend war, großen Schaden verursacht hat. ES handelt sich letzt nun darum? den amerikanischen Farmer bodenständig zu machen und ihm, darWer hinaus, eine lebenswürdige und befriedigende Existenz zu schaffen. Es handelt sich älso im wesentlichen um den Uebergäng vom kap i t a I i st i s ch e n Farmerbetrieb zumbäuerlichenFamiltenb«trieb: In engem Zusammenhang mit der oben gekennzeichneten Tendenz geht auch daS Bestreben, von Raubbau zu einer auSgeglicheneu B o d e n'6 enu tzung überzugehen. In den letzten Jahrzehnten hat das Bestreben,'eine mög lichst hohe Rente aus den landwirtschaftlichen Bö» Währung) Bermind. 1932 gegen 1920 —12% —40% —18% —89% —21% Jede Wirtschaft hat in letzter Linie die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse zum Zweck. Für die Kennzeichnung des Fortschritts oder des Rückschrittes der Wirtschaft muß mau demnach als den besten Gradmesser den Verbrauch der breiten BölkSmassen ansehen. Leider läßt uns hier die Statistik meistens im Stich; es ist g-- rade in diesem Fall sehr schwierig, durch den Ziffernschkeier zur Wirklichkeit vorzudringen. Einigen Anhalt Wer die Entwicklung des Massen- Entwiddung da« Nationaleinkommens 1929—1934 (in Millionen der 1082 4.286 48.000 208.000 46.500 9.818 Aber der Fleischverbrauch"s Gradmesser des Wohlstandes nicht genügend. rade in den letzten Jahren wendet sich der Ver brauch auch der Vollsmaffen vom Fleische ab und den vom wissenschaftlichen Standpunkt wertvolle- 11.118 Millionen Dollar betragen. Die letzthin ren Lebensmitteln zu. Es ist interessant, daß so- beobachtete Rückkehr des europäischen Kapitals von gar während der Krise die Einfuhr von Obst und namentlich von Apfelsinen und Mandarinen nach de» europäischen Ländern außerordentlich gewachsen ist. So ,hat sich die Einfuhr der Apfelsinen Nach Schlveden vom Durchschnitt 1924/28 bis 1983. verdreifacht. Innerhalb der Gruppe „Fleisch" ist eine Verschiebung des Verbrauches| vom Kalb« und Rindfleisch,zuip Schweinefleisch bemerkbar.'.In der Tschechoslowakei hat der Kalb» und Rindfleischverbrauch im Jahre 1929 pro Kopf der Beböllerung 13.05 Kg., im Jcchre 1934 bloß 11.58 Kg. betragen, während der' Verbrauch von Schweinefleisch von 12.18 Kg. im Jahre 1929 auf 13,52 Kg. im Jahre 1934 pro Kopf der Bevölkerung gestiegen ist. Ganz ähnliche Entwicklungen lassen sich auch für England und die Niederlande feststellen. Man sollte vielleicht statt des Fleischverbrauches al» Gradmesser des Wohlstandes den Verbrauch von WareH ist Betracht ziehen, die zu dem sogenannten entbehrlichen Verbrauch, gehören. Von diestzm-Standpunkt« kann zum Beispiel die relative Anzahl der Rundfunkgeräte al» Ber- gleichsmaßstab dienen. So gab es im Jahre 1985 in' den Bereinigten Staaten von' Amerika- auf j 1000.Einwohner rund.178 Rundfunkapparate, ist Aus dieser Tabelle kann man ersehen, daß auch auf dem Höhepunkt der Vorkrisenkonjunitur (1929) die Wanderungen der Kapitalien zwischen Europa und Amerika ziemlich beträchtlich waren. Aber es handelte sich damals wie in den späteren Krisenjahren doch im wesentlichen um Käufe und. Verkäufe, die sich gegenseitig ausglichen, gegenwärtig geht«S jedoch zweifellos um eine überwiegende Anlage von europäischen Kapitalien in amerikanischen Wertpapieren. Die kurzfristigen ausländischen Guthaben in Amerika wurden im Jahre 1935 aus 1.2 Milliarden Dollar geschäht, während die«isländische Investition in amerikanischen Wertpapieren auf etwa 5.3 Milliarden Dollar geschätzt wird. Im allgemeinen wird die gesamte ausländische Kapitalanlage in USA auf fast-7 Milliarden Dollar geschätzt, wobei die meisten dieser ausländischen Kapitalien aus Europa stammen. Der Goldzufluß nach Amerika hat sich dementsprechend ununterbrochen vergrößert: die gesamten amerikanischen Goldbestände stiegen seit Ende 1935 bis Mitt« 1986 von 10.123 Millionen auf 10.608 I Millionen Dollar und haben am 81. Oktober 1936 ! 11.118 Mlllinn-.n Flajka- b-traa-n QM» TpUifiiit l New Nork nach London, von der oben die Rede war, kann vorläufig bloß als eine vorübergehende Erscheinung gewertet werden. Die Zeit für eine massive Rückwanderung der europäischen Kapitalien ist noch nicht gekommen, aber die oben angeführten Ziffern über die europäischen Investitionen in Amerika beweisen, daß es sich gegebenenfalls um Kapitalverschiebungen von sehr bedeutenden Ausmaßen handeln kann. I 1929 1389 1054 1930 • ■• 1935 916 1931 589 495 1982 • 300 305 1933 760 580 1984 480 480 1935 1305 970 1929 1982 1984 Tschechoslowakei 78 72 — Großbritannien 189 145 148 Frankreich.. • 75 74 77 UsSA.•* ,'i 186 186 140 Italien.« ' B 44 85 84 Polen.■■ ■ 41 42 41 Seife 6 Sonttfnn, 13. Scjembet 103ft Nr. 290 Mit Spannung verfolgte London die Ereignisse des Thronwechsels Als die VerfaffungSkrife auf den Höhepunkt gelangt war, sanunelten sich in den Straßen vor dem Parlamentsgcbäude große Menschenmengen an, die aus nächster Nähe die Ereignisse verfolgen wollten. Hier fährt ei» Lautsprecherwo gen der englische» Polizei durch die.Straßen, um die Ordnung ausrcchtznerhalten. Wie veneö Bruder die Gendarmen verulkte Eine Geschichte aus der Kriegszeit Am Verlag der„Volnä Myilenka" in Prag ist ein Büchlein von St. Jandik erschienen: „Edvard Ben«! ve vzpominkäch svhch somo- zemü"(E. B. in der Erinnerung seiner Geschwister), dem. wir die folgende von Bruder Bedtich erzählte köstliche Geschichte entnehmen: Dann brach der Krieg aus. Der Bruder war In einem fort unterwegs, verhandelte mit den Mitgliedern der Maffia und oft kam er zu mir in die Mühle Soukentl in der Nacht oder am Spätabend, damit er.sich nicht zuviel zeige. Dann führte ich ihn auf die Bahn, nicht nach Planä oder Töbor, sondern auf eine andere entferntere Station. Manchmal fuhr ich, manchmal der Knecht, aber immer wurde cs so gemacht/ daß uns niemand sehen sollte.. Der Bruder wechselte die Bahnstationen, mn nicht die Aufmerksamkeit des Personals zu wecken, welches sich hätte an ihn erinnern und im Falle einer lintersuchung gegen ihn anSsogen können. Dann hätte er ganz leicht überführt werden können. Einmal war er bei mir und sagte mir, daß er nach tstcniov fahre. Ich führte ihn in> Wagen auf eine andere Station und von dieser Feit an haben wir einander schon nicht mehr gesehen. Dann singen die Gendarmen schon an, ihn bei uns zu suchen, und sie toaren sogar so naiv, daß sie mich am Bahnhof zusammen mit einem Menschen faßten, der von unS aus Planä war und von dem sie vermuteten, daß es der Bruder sei. Sie glaubten wohl, daß tvir uns zusammen zeigen werden, damit sie unS nur ja alle sehen, Inzwischen Ivar der Bruder schon auf der Fahrt in die Fremde und ich werde Ihnen erzählen, tvie sie ihn bei Mir suchten. Es war ungefähr Ende September. Da gab es schon ein Getümmel an allen Fronten, als ich einmal mit einem Mann von uns am Täborer Bahnhof aut dem Perron auf und abging. Es war der und der, den Namen niüssen Sie gar nicht aufschrciben, na, Gehalt nahm er vom Staat,— plötzlich kommt zu mir der Gendarm mit dem Bajonett am Gewehr, dem goldenen Adler auf der Pickelhaube, und sagt scharf zu mir:„Sie sind der Herr Bene!?" Ach bejahte.„Und wer ist der Herr?"— fragt der Gendarm daraufhin, und ich antworte ihm ganz ruhig, daß es der und der von uns ist.„Er soll sich legitimieren", verlangt der Gendarm, der Mann aber hatte leine Legitimation und so mußten wir am Bahnhof Bekannte aus Planä anpackcn, daß sie für ih» zeugen..Das haben Sie noch nicht gesehen, wie dieser Mensch, der mit mir ging, aussah, als ihn der Gendarm anfuhr l Er wurde blaß und blau, zitterte am ganzen Körper und konnte kein klares, WM^Her- ausbringcn7-so-daß-ich fiiv ihn antworten mußte. Ich glaube, daß er damals vor Angst in die Hosen gemacht hat. Der Gendarm ließ ihn- laufen, als ihm fünf Leute bestätigt hatten, daß er wirklich der und der sei, aber mich hielt- er" zurück: ich dürfe nicht nach Täbor fahren. Ich darauf:„Nun, das"wäre schön, haben Sie Befehl, mich zu verhaften?" Er sagt,„dos nicht."—„Also sehen Sie",-— sagte ich—„ich habe eine Fahrkarte und fahre jetzt nach Hause, nach Planä." Er brummte noch etwas, aber ich sprang schon in den Zug und luhr los. Aber er hinter mir her. An Planä überholte-er mich auf dem Wen zur Mühle und stellte mich; im. Namen des Gesetzes, ich müsse mit ihm nach Täbor zurücksahren. Wir setzten uns in Planä in den Zug und nebenan, sind ein"paar Bekannte aus Täbor. Gleich gab es einen großen Spaß: Nazdar Benes, was werde» Sie abends, in Täbor machen. Nun, ich erzähle, daß ich mir Täbor bei Nacht anschauen will, was. ich noch.nicht gesehen habe. Witze flogen hin und her, der Gendarm sagte aber nichts, und als der Schaffner zu uns kam und die Karten haben wollte, steht der Gendarm auf und sagt:„Dienstlich". Der Schaffner ging weiter und wollte nun die Fahrkarte von mir. Ach stehe auf und melde:„Auch dienstlich, hier mit dem Herrn Gendarni". Da hätten Sie die Gesichter ringsherum sehen sollen. Zuerst gab es nichts als Spaß und auf einmal Ivar alles wie abgehackt. Keiner sprach zu mir, sie setzten sich gleich ein Stück weiter und ich sagte ihnen:„Nun Jungens, irgendwie habt Ahr den Humor verloren? Habt nur keine Angst vor mir, ich beiße nicht." Sie aber reagierten nicht mehr, sie hatten Angst, daß sie nicht auch verdächtigt würden. In Täbor am Bahnhof war ein Beamter Sulet. Als der mich mit dem Gendarmen sah/ blinzelte er mir zu und gab mir zu verstehen, daß er schnell zu uns gehen würde, damit die Frau altes wcgscha^en könne. Ich sagte aber,, er solle sich nicht anstrengen, ich hätte schon alles eingerichtet, daß sie bei mir nicht das Schwarze hinter dem Nagel fänden. Mer er ließ sich, nichts sagen und machte aus dem Dienst weg einen Sprung nach Planä, tvo er den Unsrigen alles erzählte. Der Gendarm bewachte mich im Wartesaal und inzwischen kam aus Prag der Detektiv Spqiek. Sie verluden mich auf den Hüttelwagen und fuhren nach Planä, tvo sie im Hotel ein Zimmer nahmen. Nun begann das Verhör. Zuerst kam mir dieser Spakek auf Umwegen, llm mich zü verwirren/ fing er an, daß es sich um Getreide und Mehl handle. Ich aber chatte auch meine Erfahrungen und/wußte, daß sie dann nicht ins Hotel gehen würden, sondern'in die Mahlstube. Ach kannte das ja von verschiedenen"Müllern in der'Nachbarschaft:. Und so legte ich dem Geheime»:gegenüber gleich ordentlich los:„Sie werde» mir erzählen, daß Sie wegen des Getreides kommen, Sie machen Aagd auf mich tvegcn des Bruders." Der Gendarm und der Geheime zuckten nur so-zusammen und»im drangen sie i» mich, wieso ich gleich erkannt hätte, worum es gehe. Daß ich doch von seiner Tätigkeit wissen müsse, und auch tvo er sei, Ich darauf, daß ich das nur errate, lveil er mir aus Havre in Frankreich eine Karte geschickt hätte, wo er schreibt:„Entschuldige, daß ich mich von Dir nicht verabschieden kann. Wir fahren»ach Amerika mit der ganzen Familie. Es grüßen Dich Deine Emigranten." Das sagte ich dem Geheimen und fügte hinzu: Daran ist doch wohl nichts, daß cr nach Amerika fährt, aber daß er sich unterschrieb: Deine Emigranten, da scheint mir' was nicht zu stimmen. Ich hatte mir gleich gesagt: daß cr vor'm Militärdienst davonläufti— Der Geheime schaut mich irgendwie begriffsstützig an und fragt:„Was heißt daS, vor'm Militär?"— Nun, sage ich, Bojta sollte doch'einrücken/ und so hab ich mir gesagt, daß er deshalb davonging, damit er nicht einrücken muß.— Der Geheime schaut mich an, schaut und bricht dann los: „WaS? Bojta? Was für ein Bojta?" Und der Gendarm platzt heraus:„Wir suchen den Eduard Benes l"— Jetzt-spielte ich wieder den Dummen. Ich sage:„Na, daß der Bojta davonläuft, daS .verstche.iL.Er will wohl nicht, zum.Militär. Ahex dekEda? Wozu würde der wcglaufcn? Soldat ist er doch nicht, also wozu?"'.■£>•<.’ Der Geheimagent und der Gendarm sahen mich von der Seite an, aber ich stellte mich,' als ob ich nichts bemerkte. Ich sage-noch:„Na, da bin ich in eine schöne Familie geraten, die Burschen haben sich in tvas eingelassen und jetzt jagen ihnen die Gendarmen nach. Ich weiß nicht/ wo die ihren Verstand gelassen haben."— Der Geheime fing wieder an, ich hätte doch mit Eduard gesprochen, was cr gesagt und bei mir gemacht hätte, aber ich wand niich aus allem heraus. Beweise hatten sie keine, denn als Eda bei mir wär, führte ich ihn jedesmal auf einen anderen Bahnhof,, einmal nach Chotivin, einmal nach Sobislav-und anders tvohin, damit er nicht immer in derselben Station cinsteige, wo sie sich ihn sicher, gemerkt und sich daran erinnert hätten, wenn er'sich dort fünfmal hintereinander gezeigt hätte. Am Morgen.führlen sie mich dann aus. dem Hotel und wollten in der Mühle eine Haussuchung machen. Um 5 Uhr morgens kamen wir nach Söu- lenik; meine Frau machte gerade Hefenteig für Buchteln an. Das wissen Sie ja, wie die loSlegte, als sie uns erblickte. Gleich fuhr sie uns aß, wir hätten irgendwo gelumpt.- Ich sage:„Wir haben nirgends gelumpt. Daran ist dieser Herr da schuld, daß ich erst am zweiten Tag»ach Hause komme"— uNd- auf den Detektiv. Jetzt ging die Frau auf ihn loS, so wie sie tvar, mit den Händen voll Teig, es sehlte nur, daß sie ihm den Teig um'die Nase geschmiert hätte. Ich gebe ihr einen Puffer und sage:.Halt, das sind Amtspersonen." Aber es half alles nichts. Die Frau war nicht ruhig und sing immer wieder von neuem an, daß wir sicher irgendwo gelumpt hätten. Daß sic sich schon' vorstfllen kann, wieviel'so e'in-Gen- darm- austrinkt. Jetzt sage ich ihr, sie: soll den Herren die Schlüssel geben, daß sie eine Haussuchung halten. Aber da habe ich mir was eingebrockt.„Was, die Schlüssel?" antwortete die Frau.-„Was haben die uns in den Schubladen herumzukramen? Zum Schluß werden sie uns noch was. stehlen."; Als die beiden sahen, was sie ausführte, besänftigten sie sie/.fürchten Sie.sich nicht, Mutterl, wir schauen nur nach, wäs in den Briefen steht." Und die Frau wieder:„WaS geht euch daS an, was drin, steht.' Ihr' werdet ohnedies dort nichts finden. Wir-Jetzt.stupfte ich. sie schnell, daß sie schon-ruhig/sei.. Sie hatte, es schon auf der Zungen daß wir alles beseitigt hätten. Aber sie verschluckte das noch und so- untersuchten sie mir den Schreibtisch, die Schubladen/die ganze Handelskorrespondenz muf dem Boden, die Sachen im Hinterzimmer und fanden nichts.Jch zeigte-ihnen auch.die. Karte pinn.Bojta,. welche..sie-.beschlagnahmten, und sagte ihnen wieder:„Es ist mir gleich eingefallen, daß sich der Bursche da in etwas hineingemischt hat. Sonst würde er nicht schreiben: Eure Emigranten. Daß der Bojta vor dem Militär davongelaufen ist, das begreife ich, aber weshalb der Eda sich davonmachcn sollte, da! geht mir nicht in den Kops." Selbswerständlich fanden sie nichts und so führten sie mich aufs neue auf die Hauptmannschaft nach Täbor, wo sie erklärten, daß ich Wohl von nichts wisse.?lls mich der Spatel entließ, sagte er mir:„Sie haben Glück, Herr Benes, daß Sie von nichts wissen. Sonst müßte" ich Sie in? Internierungslager abführen. Da schauen Sic, den Befehl hatte ich schon in der Tasche." Sie liehen mich frei; aber unter Aufsicht blieb ich bis zum Umsturz und die Post zensurierten sie mir den ganzen Krieg hindurch. LescMckte einer kleinen Gasse „ES wohnen hier lauter arme Leute", erzählt mir die alte Frau, und ich notiere nur, was sie mir erzählt.„Einer kennt den andern, beim sie müssen alle an der gleichen Pumpe Wasser holen. Ich nicht, Gott seßDani^-tenn sch habe-mir eine Wgsserlciimm legen lassen, als einzige in der Gaffe"./ Sie-zeigt mit Stolz auf den Ausguß, und während ihre Sätze pausenlos und ohne Jnterpunktation fließen, blicke ich mich in dem vollgepfropften winzigen Raum um, dex wie eine Sawn-Kajüte aussieht- bei Schiffsuntergang; nebenan ist noch ein winziger-Raum, ein Air erhalten aus Barcelona den folgenden vom 8. Dezember datierten Lagebericht, Die wichtigsten Ereignisse der vergangene» Woche sind die-rapide Entwicklung der baskischen Front gegen Bittoria, der Vormarsch auf Burgos, die Niederlage der Faschisten im Abschnitt Pozuelo nordwestlich von Madrid und die Angriffe der antifaschistischen Truppen bei Talavera und in der Gegend vou Aranjuez. Der Versuch deS Gegners, in iagelangen -schweren Angriffen die von uns besetzte Linie Humera— Pozuelo— Maiadähonda— Villa- nueva de la Canada zu durchbrechen, um El Escorial abzuschneiden und vom Norden her Madrid angreifen zu können, ist vollständig mißlungen. Der Gegner hat hier so schwere Verluste an Menschen und Material erlitten, daß seine Kraft sich in den letzten Tagen völlig erschöpft hatte, so daß die antifaschistischen Truppen zu-Gegenangriffen übergehen konnten, die den Gegner noch weiter von seinem Ziel entfernten. Vor Madrid selbst ist die Lage im großen ganzen unverändert. In der. Universitätsstadt haben in de» ersten Dezembertagen schwere Kämpfe stattgefunden, ohne daß es den Truppen Francos gelungen wäre, auch nur einen Schritt weiterzukomnien, Die Lag« der Faschisten hier und im Casa de Campo, also an der Spitze des Keiles, den sie gegen Madrid vorgeschoben haben, wird immer unhaltbarer, je stärker unsere Angriffe gegen die Flanken dieses-Keiles werden. Daß der Feind die Hoffnung aufgegeben-hat, an dieser Stelle keilförmig in Madrid einzudringen, beweist die' Tatsache, daß et durch verzweifelte Versuche gegen Pozuelo versucht, seine Front-zp- verbreitern. Der sechste und siebente-Dezember sind- hier- ziemlich- ruhig, verlaufen.. Anscheinend versuchen die Faschisten'jetzt,- einen Vorstoß südlich von-Madrid, in der. Gegend-von. Getöse zu unternehmen. Die Gesamtläge vor Madrid ist.für die' republikanischen Truppen jedenfalls-durchaus günstig., V,, Zur Entlastung Madrids tragen die-fortge- sehten Angriffe unserer, Truppen, gegen Tala- verä und neuerdings, vqn Arqnju.cz ausgehend, gegen: Anover.-in ded Richtung Toledo bci.-Ano- komfortablcr Sarg.„Feucht sst es hier, vom Hirschgraben, aber die Aussicht ist schön. Oft kommt wochenlang keine Menschenseele herauf, dann ist eS scihr.einsam, hier oben, man möcht' nicht-glauben, daß üiän dicht an der Burg ist. Aber im Sonufter, wenn die Autobusse mit den Fremden- auf den .Hradschin fahren, kriechen die Leute auch hierher. Die Gaffe Ist ja weit und breit berühmt, eS ist doch "die kleinste Gasse der Welt, eine noch lleinere gibt er nicht-wioder, mein'- HauS„ sehen Sie, ist noch das größte, im letzten KrtegSjahr hab' ich's mir gekauft für 70.000 Kronen, alle Leute hier in den Häuschen sind Eigentümer von den-Großeltern und Urgroh- eltern her, deshalb ziehen sie auch nicht weg, obschon cS sehr unbequem ist, so eng. Man möchte vielleicht die Häuschen renovieren und abreißen, aber sie gehören ja den Leuten, und die möchten es sich nicht gefallen lassen, Ivie sollten.sie denn anderswo die Miete zahlen. Alle anderen Häuschen haben nur ein Zimmer. Wenn die Leute große Wäsche haben, schaut der Waschtrog zur Türe'raus. Aber die Berühmcheit kommt auch von mir.- Da schauen Sie her—" und sie zeigt mir Ansichtskarten au» Schweden. Aegypten uird Frankreich,'.lauter Grüße und Danksagungen für W a h r s a. g u n g e it. WaS sonst noch in dem Gäßchen paffiert ist,-möchte» Sie wissen? Da haben wir da» allerkleinst« Häuschen, das grüne,, das gesperrt ist, das gehört, einem Karlsbader Staatsanwalt, der ist«in ganz berühmter Mann, nach dem ist eine Straße in Karlsbad benannt. Der Herr hat sich das Häuschen gekauft unwohnt hier/ wenn er. nach Prag kommt, weil er nirgendwo so still ist wie bei uns. Und wo ich jetzt wohn', seit zwanzig Jahren, als mein Mann, der Weinberger Grotzapothekenbesther, starb, hat. ein Baron gewohnt, mit seinem Kammerdiener, der hat sich mit dem HilSner-Prozetz beschäftigt und nmge- bracht, der Baron. Und nebenan hat der Taglöhner Novotny gewohnt, der kam einer Tager ein bißchen leicht angesäuselt und fröhlich nach. Hause, setzt sich ans» Fensterbrett und fällt in den Hirschgraben, 80 Meter tief, aber nicht auf.einen Misthaufen,.wie.er schon einmal früher, her' ich,-glücklich paffiert-sein soll, sondern«r hat-mst gerochenem Rückgrat eine Witwe mit'fünf Kindern zurück- gelassen. Die Gräfin Lübkotvitz hat ihnen geholfen. Und was noch-paffiert-ist? Bei mir war einmal ein Gutsbesitzer aus Ostböhmen, seinen Namen mutz ich aus Diskretion verschwejgen, dem hab' ich die'Zukunft gesagt, nach astronomischer Berechnung, chiro- mantisch und nach alter, indischer Art, er war. sehr zufrieden, hat er mir später gesagt, aber.wie er mit seinem Auto die steil« Gaffe herunterfährt, versagt die Bremse, ist kaputt, mid er kann nicht halten. Er fährt auf die rechte Mmierseite und-dann auf die linke Mauerseite und dann wieder auf die rechte,- um da» verflixte Auto zum Stehen zu bringen, weil er sich sonst erschlage» möchte: DaS Auw war hin, aber cS stand. Sehen Sie, nnd.da» hab' ich,-zufällig nicht vorausgesehen, wiewohl, er doch schon in dcr-Nächsten halben- Stunde passierte und in den Sternen geschrieben stand, das ist schade/'— was für ein Erfolg, wenn ich ihn gewarnt hätte...." Mehr konnte ich von der Alten über da» Gäßchen nicht erfahren. Bon Kaiser Rudolf II,-, Kepler nnd den Alchymisten war nicht die Rede en. ver ist von unserer Artillerie völlig.. zerstört tvorden.- Die baskische Front verlängert sich mchr und mehr gegen Westen und-wird-gleichzeitig, gegen Vitoria vorgetragen. Sie verläuft, nach den letzten Erfolgen auf folgender Linie: Lequeitio—?, Marquinas- Eibar— Elgueta— Elorrio— Ochandia—Villareal—Murua. Bei der in diesen Tagen erfolgten Einnahme dieses letzteren Ortes gingen 150 Soldaten zu uns icher, und wir stehen etwa 15-Kilometer vor Vitoria. Weiter vom Westen her, von Orduna auf der Straße nach Miranda, wird in südlicher und östlicher Richtung angegriffen, um die Verbindung mit Murua herzustellen und eine durchgehende Front: gegen Vitoria zu schaffen. Der Vormarsch auf Burgos vom Norden her hat uns im Laufe der letzten Tage weitere 25 Kilometer vorgebracht, so daß unsere Vorposten heute nur noch etwa 48 Kilometer von Burgos entfernt sind. Sie mögen sich also etwa.-in der. Gegend von Escalada befinden. Genaue. Standorts kötmen augenblicklich noch nicht, angegeben werden. Kennzeichnend für die Stärke unserer Angriffe im-Norden der Halbinsel sind die schweren Verluste des Gegners an Manschen und Material und die Meldungen der Faschisten, die- immer lakonischer werden. Im Norden' verfügen wir über ausreichendes und, ausgezeichnetes Kriegsmaterial und. über außerordentlich-gut disziplinierte Milizen, deren Kampfmoral sehr hoch, ist: Die. Bedrohung der Faschisten au» dem Nörden. und in Asturien, kann.in der allernächsten Zeit zu großen Ueberraschüngen führen. Das Bild: der Gesamtlage; wie. sie sich-am Ende dieser Woche darstellt,—. Sonntag und Montag waten an fast allen Frönten-.Ruhetage — wäre nicht vollständig, würde man' Nicht die umfangreiche Tätigkeit unserer Flugwaffe> erwähnen/ Die Bombardierung, von Ibiza, Ceuta, Vitoria, Talavera,-de» Hafens von' Pasaje» und derfeindlichenStellnngenimNorden.bei-Madrid und Sevilla,-ist mit großem. Erfolg.durchgeführt worden.,Fast dreißig. deutsche.'.und italienische Apparate--sind-durch' diese Bombardements oder durch unsere rapiden Jagdflieger- vernichtet worden«'-'- /.----'' Die militärische Lase in Spanien Str. 800 Sonntag, 13. Dezember 1030 Seite 7 ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor« Sämtliche Kaffee« werden«chon seit vier Jahren nur gegen Austausch tachechoelo wakiechar Waren importiert. Iloffie-üttkaty ist Vertrauenssache! Die Fa Julius Meinl importiert Kaffees der besten Plantagen und hat eich' durch die unerreichte Qualität ihrer Kaffeemischungen Weltruf geschaffen. W eihnachts verkauf der bestbekannten MeinUKaffeemischnngea in geschmackvollen Blechdosen schon von Ki 22’- für‘/«kg Ki 11*' für'/«kg aufwärts (samt Dow) Lohnverhandlungen In der nord* böhmischen Wirkwarenindustrie Am Dienstag, den S. Dezember, haben in Warnsdorf die ersten Verhandlungen über den Abschluß eines Vertrages für die Tottonstrumpf» i Industrie stattgefunden. An diesen Verhandlungen! hat auch die Firma Kunert teilgenommen, die einen großen Teil der Arbeiterschaft in der Tot» tonstrumpsindustrie des Niederlande« beschäftigt. DevVerlauf der Verhandlungen zeigt« den bei» derseitigen Willen, zu einem Vertrag-Verhältnis in der Tottonstrumpfindustrie zu lammen, jedoch muß festgestellt werden, daß die Ansichten über den Inhalt der zu schaffenden Verträge noch nicht übereinstimmen. Die Unternehmer verlangen, daß die Akkordlöhne ohne Rücksicht auf den Zeitlohn I festgelegt werden, während die Gewerkschaften den Standpunkt vertreten, das; durch v e r t r ä g• l,i ch e Stundenlöhne Richtsätze für die Akkordlöhne geschaffen werden sollen. Die Ver» Handlungen wurden vertagt. In der Zwischenzeit werben die Vertrauensmänner der Gewerkschaftsorganisationen die Akkordlohnberechnungen und die Durchschnittsleistungen der Arbeiter in den Betrieben, untersuchen. ES ist damit zu«chnen, daß die Verhandlungen In einigen Tagen fortge» seht werden. Was gebührt den Angestellten am„Silbernen** und „Goldenen Sonntag"? Der Einheitsverband der Privatangestell- ten teilt uns mit: Gemäß der Regierungsverordnung Nr. 204/86 vom 4. Dezember d. I. gebührt dem Angestellten, der am«Silbernen Sonntag" oder am«Goldenen Sonntag" tm Rahmen des für diese beiden Tage zugelassenen Verkaufe- arbeitet, eine Entschädigung; die um 126 Prozent höher als der vereinbarte oder der ortsübliche, Lohn sein muß. Enthält ein bestehender Kollekiivvertrag«ine dem Angestellten gÜn» stigere Bestimmung, gilt diese. Die zu bezahlend« .Entschädigung ist so zu berechnen: Nach den Geisehen Über den Achtstundentag und über ha- Genter System steNt der Monatsgehalt eine Entloh» nung für 26 Arbeitstage(208 Arbeitsstunden) dK. Die Entschädigung für die am»Silbernen" odei;«Goldenen Sonntag" geleistete Arbeit wird darum einem Sechsundzwanzigstel de- Monatsgehaltes plu- einem Zuschlag von 128 Prozent gleich sein. Beispiel: Eine Verkäuferin hat ein Monatsgehalt von 780.— KL, Die Entschädigung wird darum ein Sechsundzwanzigstel dieses Betrages, d. f. 30 Ki plus 128 Prozent, d. s. 87.'Ü0 KL, im ganzen also 67.80 Ki sein. Die Bestimmungen der Verordnung vom 4. Dezember d. 2. gelten jür:die ganze Republik, und sind zwingendes Recht; sie können dprch«ine Sonozr« Vereinbarung weder gbg-iindert, noch au-geschal» tet werben.'. vahnverkehr wird stürker .Das Presserefergt des Eisenbähnmistlste« rhunS,teilt mit:..'XLU --.S.'* Personentransport auf den StaafSbäH« uen ist im Oktober im Vergleich zum szlöin Mo» Gat des Vorjahres, um 2.1 Prozent gestiegen. SANA IMMER FRISCH ir Mit feinem Empfinden bemerken die Familie und die Garte, wenn dar Welhnaehsstrlo» zel und das Chrislbaumgeböck besonders gut gelungen sind. Auf Sana kSnnen Sie«leb verlas* sen. Mit dieser feinen Margarine gehen Sie einen sicheren Weg. Dies das Rezepts Milch_f Eidotter— Kokosöl— Erdnußöl= Pflanzen-lezlthln— jp UL UW ' Den harten Kampf um Glück und Reichtum können Sie durch«in- üll Tsdiedioslunialtisdiini Klaisenlolterie gewinnen. Ein solche- Los hat schon den Wunsch und die Hoffnung von zehntausenden Gewinnern erfüllt. Am 18. Dezember beginnt die 86. Lotterie, Di« mittleren Gewinne sind wieder ausgiebig vermehrt werden. Hauptgewinn 1,000.000 Ki, Prämie 1,000.000 K& ■ Dieses wertvolle Los können Sie schon in Achteln um 18 Ki pro Klasse erwerben. 8840 Darstellungen studierten.— Ein General aus dem Stab der internationalen Brigade sagte mir, daß ztvei Kolonnen mit zusammen 4000 Mann an die Front geschickt worden waren und daß eine dritte dazu vorbereitet wurde, während eine vierte sich gerade in der Bildung befand. Neben den Truppen gibt es Hilfsformationen für Tanks, Artillerie, Kavallerie usw. Die Einheit einer Brigade pflegt so stark zu sein, daß sie genügt, um einen selbständigen Angriff zu machen, gleichzeitig aber ist sie nicht zu groß, um nicht mehr von einem einzigen Offizier befehligt werden zu können. Drei Batterien mit 78 Millimeter-Kanonen und eine von 108 Millimeter begleiten jede Brigade. Dies ist eine flüchtige Ucbersicht über das neue revolutionäre spanische Heer. Jack Standford. Folgen d«S 11. Juli. Das„Linzer VolkMait" hat Kenntnis von einem Befehl der SA-Stanharte v (ilmstetten) vom November 1030 erhalten. In dem Befehl wird angeordnet, daß bis Ende November die ganze SA vereidigt sein müsse. Der Eid lautet:«Ich bin mir des abgelegten Gelöbnisse- be« wußt und erkläre mich einverstanden, als Verräter mit dem Tode bestraft zu werden. Ich erkläre Mich für die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbctvcgung) voll und ganz einverstanden ustd alle Befehle meiner unmittelbaren Vorgesetzten pünktlich und gewissenhaft zu irsülleir." Daran sind am stärksten beteiligt der Transport in der zweiten Wagenklasse, auf den Eilzügen und im verkehr mit dem Ausland. Insgesamt wurden 18.0 Millionen Reisend« befördert, um 661.000 mehr als im September 1036. Der Lastentran-Port stieg gegenüber dem Vorjahr um fast 12 Prozent, und zwar vor allem unter dem Einfluß der größeren Beförderung von Baumaterialien für öffentliche Investitionen Und private Bauten. So stieg z. B. der Transport von unbearbeitetem Stein um 23 Prozent, von Ziegeln um 87 Prozent und von Sand und Erden um 86 Prozent. Ebenso wiesen Textil-, Gla-- und Papierwaren eine größere Menge befürder» ter Güter auf. Die Zahl der im Eisenbahndienst beschäftigten Personen stieg ebenfalls, und zwar die Zahl der definitiven und Hilf-angestellten um 0.3 Prozent, und der BertragSarbeiter um 40 Prozent. Dia gemeinsame Landeszentrale fordert: ordentliche Bau-Auf richt, und eine konsequente Aktion gegen die Teuerung^ Der Zentralrat der gemeinsamen Lande-zentrale der freien Gewerkschaften hielt am 10. Dezember«ine Sitzung ab. Er gedachte zu Beginn der Opfer der Bauunglücks in Prag und prot«stierte gleichzeitig gegen die ungenügende technische und soziale Aufsicht auf den Bauten, Der Zentralrat verlangte«ine streng« Untersuchung der Ursachen und eine exemplarische Bestrafung der Schuldigen. Bei Behandlung der Wirtschaft-fragen stellte der Zentralrat fest, daß die AntiteuerungSbeirät«, biShernicht-konstituiertwurdcn, obwohlsi« trm 10. November ernannt werden"follten."'Die gemeinsame Landerzentrale verlangt daher die schleunigste Behandlung der Geschäftsordnung und die Ernennung der Beiräte, wobei auf die Vertretung der Gewerkschaften entsprechend Rücksicht genommen werden soll. Die Aktion gegen die Teuerung darf nicht, durch Versprechen erledigt werden, sondern erfordert konkrete Taten, aus welchen hervorgcht,, daß die Regierung gegen die unbegründete Teuerung wirklich konsequent vorgehen will. Der Zentmlrat behandelte eingehend die Durchführung der Regierungsverordnung Über die Arbeit-Vermittlung und genehmigte die Anmerkungen, welche da- Zentralsekretariat dem Fürsorgeministerium vorgelegt hat. Schließlich behandelte er die Regelung der Heimarbeit und genehmigte den Antrag, welche der Ausschuß der beteiligten Gewerkschaften in der Frag« der Heimarbeit in d-r Bekleidung-Industrie vorlegte. llusicmä. Das neue spanische Volksheer Während die Putschisten ihr« besten Stoßtruppen nach Madrid' schicken und(ine starke Attacke vorbereiten, habe ich im Herzen de- antifaschistischen Territorium- die Vorbereitung der I neuen Kolonnen für diese Offensive gesehen. Ich sah, wie intensiv gearbeitet wurde an der In» I struktion von Artilleristen, Piloten, Infanterie I usw. Ich habe mit den Männern der internationalen Brigade gesprochen, und ich bin mir darüber,klär'geworden, daß di« Putschisten keine Ahnung hoch«», gegen welche Kraft sie zu kämpfen , haben, i I Jch hab« Flugzeuge gesehen, die eine Schnelligkeit von 270 Meilen in der Stund« enUvickeln und bi- zu 2000 Schuß in der Minute abgeben können. Ich habe moderne Artillerie gesehen, wie ■ st« biß hpite noch nie gebraucht worden ist, Luft» abwehrapparaturen mit allermodernsten Beob» achtung-geräten. Kanonen zur Tankabwehr, schwere" qnh leicht« Artillerie. ES gibt offenbar i gute Trem-portmöglichkeiten und Munition-» 1 reserven. Die Artillerie fürchtet heut« keinen Munitionsverlust mehr bei hen' Hebungen. Ich habe viele Batterien länge Zeit beim Zielschießen beobachtet, während,'gleichzeitig ununterbrochen , Gewehre und Maschinengewehre ertönten. Da- vitale Problem der Beschaffung von fompptentin Offizieren wird rasch gelöst. Di« neuen Offizier« sind von drei verschiedenen Arten: es gibt einige wenig« Offiziere des alten. Heeres, junge und alte; sie alle zeichnen sich durch ihre modernen militärischen Auffassungen au-, die im alten Heere ebenso unbeliebt waren wie ihr« liberale Einstellung. Es sind Männer wie die Obersten Porillo und Meha, die Hauptleute Marquez und Galan, die heute Brigadechefs sind, und andere. Es gibt auch spanische Nicht-Militärs, die sich als militärische Talente entpuppt haben, viele von ihnen Arbeiter: zum Beispiel Lister, Gar- cia und der schon gesallene Held Durruti. Außerdem gibt es, besonders in der berühmten internationalen Brigade, ausländische Soldaten, die früher in der Reichswehr und im französischen Kolonialheer gedient haben(diese beiden Arten sind am häufigsten), und die heute Befehlshaberstellen einnehmen, nachdem sie acht und zehn Jahre Lehre und Praxis im Auslande durchgemacht haben. Tharakteristisch ist sür die heutigen spanischen Soldaten ihre große Begeisterung beim Erlernen der Bedienung der so komplizierten modernen Waffen. Ein General forderte 80 Freiwillige für eine Spezialausbildung mit schwerer Artillerie, es wurden jedoch 8000 Gesuche eingereicht. Von denen, die heute ausgebildet werden, hat vielleicht einer vom Tausend vor dem Kriege schon ein Gewehr in der Hand gehabt.. Jetzt sind die Schießplätze voll von Menschen, die anstehen, um Schießen zu lernen. Die Mauern der Städte sind voll von Darstellungen, in denen der Gebrauch der Waffen gelehrt wird. Ich habe gesehen, wie große Gruppen von Rekruten diese PROMINENTFON-MK 407 Kc 1737- PANFON-LUXUS-MK 207 Kc 887- miHROFonA Verlangen Sie Prospekte und unverbindliche Vorführung b$i. fadem Radiohändler KOSMOFON MK 307 ■ K5 z I—I Seite 8 „Sozkakdemokraf" Sonntag, 18. Dezember 1986. Nr. 299 Praktische 3W hfeiUMulds^escUenUe Skidress- SportanzUge - Wintermantel- Große Auswahl- billige Preise. Spezialhaus für Bekleidung der Jugend „Hirse ft“, Sratf I 2eleznA 14. Teplltz-Sch., JO-GA, Masarykstr. 6. WcihnachtSbäume der Deutschen Jugendfürsorge. Seit Tagen leuchte» auf allen Prager Plätzen Riesentannen im Lichterglanze und erinnern die Boriibergehenden, auch der bedürftigen Kinder zu gedenken, welche nicht die eigene Familie ein Weihnachten bereiten kann. Die Deutsche Hauptjtelle für Kinderschuh und Jugendfürsorge, welche die deutschen Kinder Prags ohne Unterschied der Religion und Parteizugehörigkeit ihrer Eltern betreut, hat in der Vorhalle des Deutschen Hauses ziuei Bäumchen aufgestellt und richtet an die Prager deutsche Oesfentlichleit die dringende Bitte, den kleinen Weg nicht zu scheuen und durch Spenden zu ermöglichen, daß die Hauptstelle auch unseren deutschen Kindern ei» Weihnachten bereitet. Ter Tote im Hotel- Im Rimmer eines Hotels auf dem Wenzelsplah wurde gestern vormittags der 44jährige Kaufmann Emil M l i o ch mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe bewußtlos auf seinem Bett gesunden. Da er noch Lebenszeichen von sich gab, brachte ihn die Rettungsstation auf die Klinik Schlaffer, wo er jedoch bald nach der Einlieferung verschied. Das Motiv seiner Tat ist mate rielle Not.— Der Zufall wollte es, daß ungefähr zur gleichen Zeit ein anderer Selbstmörder, der gleichfalls Emil Mlkoch hieb, aber erst 19 Jahre zählte, gleichfalls in die Klinik Schlosser eingeliefert wurde. ES handelt sich um einen Automechaniker, der sich auf dem Abort eines Gasthauses in Präg II eine Kugel in die Brust gejagt und einen Lungen- durchschuli■ erlitten hatte. Das Motiv seiner Tat wollte er nicht angeben. Buchhalter unterschlügt 54.000 K6 Die Firma Mücke LMt.lder^Prgg II. hatte am 8. b. gegen ihren zuletzt.in Smichov wohnhaften Beamten. Kgrt Weigand die Anzeige bei der Polizei wegen Unterschlagung von 54.000 Ki erstattet. Gestern stellte sich Weigand freiwillig bei der Polizei und gestand'die Beruntreuungen ein. Er habe seit Juni 1938 dar von Kunden einkassierte Geld behalte». Ngch seiner Flucht fei ec nach Deutschland gegangen, um dort'eine Stelle>u suchen; da dies mißlungen sei, habe er sich gestellt. Er wurde nach Pankratz eingeliefert. Tod im Autobus. Der Obermagistratsrat JUDr. Wladimir Malee aus Prag III wurde gestern in der-Äreuzherrengaffe während der Fahrt im Autobus nach»seinem Bureau von einem plötzlichen Unwohlsein befalle» und starb, ehe ihn noch die Rettungsgesellschaft, ins Allgemeine Krankenhaus bringen konnte. Die Obduktion der Leiche wurde ange» ordnet-' Wurstvergiftung. In der Nacht auf gestern wurden der 58jährige Werkführer Franz KarbuS und seine zwölfjährige Stieftochter Johanna Blasjej, beide aus KobhliS, mit schweren BcrgistungSerschei- nungcn inS Krankenhaus auf der Bulovka gebracht. Ter Zustand KarbuS ist gebessert, der der Mädchens jedoch sehr ernst. Die Reste des Nachtmahls, das die beiden genossen hatten, wurden beschlagnahmt; die Untersuchung ergab, daß Wurstvergiftung vorliegt,'..:..• Eigenes Klublokal der deutschen und tschechischen Bühncuaugehörigen. Der Klub der deutschen und tschechischen' Bühnenangehürigen hat jetzt sein eigenes Klublokal. In der Prager Lützowova wurde eine SechSziinmcrwohnung gemietet, in. der das Klublokal eingerichtet wird. ES sind hier Sprachkurse, Kurse für Thcatergeschichle, Kostümkunde und Rhetorik vorgesehen. Dann werden im Klubheim gegen kleine Rcgicbeiträge Vorträge veranstaltet werden..• r.....'.. Die AiiSfliigSzügr der Staatsbahnen veranstalten folgende WeihnachtSerkurstonen: In den Tagen vom.23. bis 27. Dezember eine». Sonderzug. ins Gesenke für 270 AL, eventuell! bis. zum 8; Jänner Mitteilungen aus dem Publikum. Kartoffel-Stangerlm- Gekochte, geriebene Kartoffel werde» schnell mit dem gleichen Gewicht Sana und Niehl verarbeitet, der Teig wird.wie auf dicke Nudel» ausgewalkt; mit dem Teigrad. enge Streifen geschnitten, die'mit Ei' bestrichen,'mit Salz und Kümmel' bestreut,: schnell in heißer Röhre gebacken werden.- 5 Eine wirkliche Weilmachwfreude bereiten Sie Ihrer Dame, wenn Sie Schmuck schenken. Ein goldener Rigg,eine. Uhr oder ein Halsband wird nicht,nur dankbare Freude,, sondern,Jubel anSlösen und Sie werden sich. für den Beweis Ihres vornehmen edlen Geschmackes belohnt sehe»,' Juweliersirma Basch Nachf., Prag Il.JindkiSskä. 8888 ' 1087 für 880 US oder.in die Hohe' Tatra nach '.Strstt Pleso vom 28. Dezembtr bi» 8. Jänner. 1987 für 890.Ui oder in derselbe.» Zeit nach.Telgartsfür 690 Ui. In der Zeit vom 28. bis 27. Dezember 1988 ins Riesenaebirgt für 220 Ui, eventuell'.bis zum 8. Jänner 1987 für. 460 Ui.. In den Fahrpreisen. ist Logis, und Verköstigung; Führung'bei Ausflügen,. Versicherung; Trinkgeld«, Gebühren usw- niitinbegriffen. Anmeldungen nebst Anzahlungen nimmt der Basar neben dem WUsonbähnhof, Telephon 8.88-88, entgegen.^ JCuftsl tttul Wtesw Donnerstag„Der schiefe Hut"- musikalischer Lustspiel von Birabeau. Hauptrollen die Damen: Warnholtz, Macheiner, Panzner, Heincgg, Kuthan; die-Herren: Taub, Schmerzenreich, Dudek. Regie: Taub- WochensplelplaN des Reue» Deutschen Theaters. Sonntag 2 lb: Hofloge, 7t/ 2: Mignon, B 1, ncueinstudiert.— Montag 6: B o r i s Godunow, Theatergemeinde der Jugend. II. Setie, grüne Karten und freier Verkauf, Abonn..aufgeh.'— Dienstag 7%: Die lustigen Wei-b e r von. Windsor, Al.— Mittwoch 7^: 8 u h'r mannHensch e l, SB 2.— Donnerstag . 7^j: M'i g n o n, C 2.— Freitag 7 zh: E h e; D. '— Samstag 71/2: Aida, Preffevörstellüng der Verbandes, deutscher Journalisten, C 2.— Sonntag 2Vt' Cavalleria rüst i e a n a— D e r Bajazzo. 7)4: Ehe, A 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne; Sonntag 8: D a s H e r z..8: J-l l u s io n i st.— Mo»«, tag 8: Illusionist, Bankbeamte T und freier Verkauf.— Dienstag 8: Salzburg ausverkauft, volkstüml. Vorstellung.— Mittwoch 8: Axel an derHimm elstür,Bankbeamte 2und freier Verkauf.— Donnerstag 7lb: Dcrschiefe H u t. Erstaufführung.—Freitag 8: Stimm en > n und um uns. Theatergemeinde des Kul- turverbande» und freier Verkauf.— SamStag 8: Der schiefe H u t.— Sonntag 8: Un- e n t s ch u l d i g te Stunde, 8:-. Der schiefe Hut. Der Dim- Dli mordende Lüge Der Titel läßt einen tragischen Film vermuten. Und tatsächlich ist seine Handlung,,die- auf dem auch in Prag aufgeführten Theaterstück'»Ein Kind klagt an" basiert, so angelegt, daß sie folgerichtig nicht zum happy end führen sollte. Die.Lüge eines; Schulmädchens bringt die Schule im Verruf, deren beide junge Lehrerinnen, sich ihr Werk mühsam aus einer verfallenen Fann ausgebaut haben— mit Hilfe eines jungen Arztes-der eine der beiden Lchrerinnen liebt. Aber- dn-aUch. die andere Lehreriii mehr'als frestnd- schastliche Gefühle.für. den Arzt Hai, wird die,LLge de» verdorbenen Kindes beinahe zur Wahrheit. Und dieses Ineinander von Verleumdung' und' Wirklichkeit, von kindlicher.Schlechtigkeit und Vorurteilen der Erwachsenen, von Freundschaft, Liebe und. Mißtrauen, von Kampf umi Recht.und'Kampf ums Glück macht diesen amerikanischen Film streckenweise zu einem wirklich pspchologjschen, dramatischen und realistischen Lebensbild, wobei vor allem die Kinderszenen geradezu grausam echt wirken. Daß der Film dennoch nicht befriedigen kann, liegt daran, daß er öffentlich ein. Kompromiß zwischen der im Manuskript ängestrebken Realistik und der vom Hollmvood-Braüch befohlenen glücklichen Schluß- wendutig war. die recht abrupt durch da» verspätete Geständnis einer Schülerin, den Verzicht der einen Lehrerin und das schließliche Wiedersehen der beiden Liebenden herbeigeführt wird. Der Film hat deshalb im Original auch nicht den hiesigen Titel,'sondern den freundlichere» und nichtssagenden„Diese Drei". Unter William Wepler» Regie spielen chie Erwachsenen nicht ganz so packend, wie die Kinder, aber die beiden Hauptdarstellerinnen Merle Oberon und Miriaist Hopkin» sind nicht mir angenehm anzusehen.'sondern auch schauspielerisch nicht ohne Reiz,.,'«•—cis— Die.weisse Gefangene. Der amerikanische Ex- peditionSfilm, der jetzt hier mit' tschechischem fallzu Üppksienl) Begleltteri vorgefiitzrt wird,'Ist schön'Sl- ,irren Datum», waS' inan den Bildern mitunter deutlich änmerkt. Es sind Bilder von Hawai, Bali, den' Fidschi« und SonnlagSinseln und-von den ent- legeneren Gegenden Australien». Hier, in Australien, wird manches Interessante gezeigt: Eierlegende Riesenschildkröten, Känguruh», Delphine— und Vertreter primitiver Menschenrassen bei der Feuerbereitung, beim Bumerang-Schnitzen und bei kultischen. Tänzen. Die Protzige Behauptung, daß diese Filmerpedition den„lebenden Neandertaler" entdeckt habe, dürfte ebenso ins Reich der Fabel gehören wie am Ende die Geschichte von der weißen Napitänsfrau, die da» Weib einer Eingeborenen wurde und' nicht mehr nach Europa zurück will. —eis— Liebesmanöver. Dieser offenbar mehrere Jahre alte Filin gehört zu dem schlechtesten, waS man in der'letzten Zeit gesehen hat. DaS frisch-fröhliche Husarenleben, die Fülle glücklicher„Zufälle". Mißverständnisse und Duell, Verlobung und Entlobung, rührselige Pleite eine» Großgrundbesitzer», garniert mit billigen Kommsßwitzen— da» ist die bis zum Ueberdruß abgedroschene Handlung solcher OffizierS- filme. Angeblich war dieser Film seinerzeit bei un» Verboten, und»UN hat er, etwas beschnitten, au» einer KonkurSmaffe Auferstehung zu einer verspäteten Premiere gefeiert. Gustav Fröhlich, der auch mit der Regie' belastet ist, spielt die Hauptrolle'neben der hübschen Kamilla Horn. Auch einige andere beliebte Schauspieler, wie Tressler, Pointner, Tibor v. Halinay, sieht man und daS beste daran ist noch die Musik von Paul Abraham.— Auch der leichte Wiener.Film„Die Puppenfee", ein härmlos-heite- rcs Silvesterspiel mit Magda Schneider, Paul Hörbiger. Albach-Rettp und der Sandrock, der hier schon anläßlich der Pressevorführung besprochen worden ist, hatte seine Premiere. jk Verschollen. Harrh Piel ist diesmal ein Polizeisportler und die kühnen Taten, die wir in diesem Film zu sehen bekommen, erledigt er in zwei Stunden. Mischen der Ankunft in Lissabon und der Weiterreise nach Buenos Aires. Er erlegt einen, alten Feistd, der in Lissabon ein geheimnisvolle» Doppelleben führt. Die Handlung gruppiert sich um drei große Szenen: Einen Boxkampf auf dem Hauptbahnhof, ein aufregende» Ringen, das Harry mit einem Panther absolviert, den er schließlich mit bloßen Händen in den Käsig zurückdrängt, und eine wilde Verfolgung im Auto. Alle» übrige ist der bei solchen Filmen Übliche, recht unwahrscheinliche Rahmen, den in diesem Fall noch einige wirklich hübsche Landschaftsaufnahmen schmücken. Nicht zum Vorteil des Filmes ist die mangelhafte Besetzung der Nebenrollen. Aber Harry Piel macht seine Sache wieder mit aller Routine und Sportlichkeit und so hat der Abenteuerfilm bei der Premiere, die fast ausschließlich von Männern besucht war, offenkundige Zustimmung gefunden. jk. Cfai d er ffiuM Ausweis für den Monat November Die erste Zahl bedeutet ParteifondS, die ein-. geklammerte Wahlfond» Brünn: AL 1750.—<880.—), KarlS- b a d: AL 4860.—<1140), Lands kro n: AL 400.—<100.—), Pilfen-BudweiS: AL 1520—<880.—), Prag: AL 574.— <140.—), P r e ß b u r g: AL 875.—<85.—',, R e i ch e n b e r g: Ai 640.—(160.—), T eplitz- S a a z: AL 2400.—(600.—), T r a utena u: AL 1560.—(890.—), T r» p p a u: AL 1400.— (850,—). BezirkSorgonIsatlon Prag der Deutschen'sozial- demokratlschen Arbeiterpartei. Mittwoch, den 16. Dezember 1986, um 8 Uhr abends, im Parteiheim wichtige Sitzung der Bezirksvertretung. Sylvia Sliney und Henry, Fonds Raglans «k 145 100*-,*40*-j*00*-,SS0*-,SS0’- D1S 790 Ittr Jede Figur STRÄNSKY PRAOHubernskä BolkSfinggemelnde Prag. Dienstag, den 15. Dezember, um 7 Uhr Frauenchor, halb 8 Uhr AuS- schußfitzung, 8 Uhr Männerchor. Oer Internationale Promlnenten-Ibend an 7. länger 1937 den die Solisten im Lueernasaal veranstalten, wird durch die Mitwirkung Paul Hörbigers und vielen anderen Größen der Bühne und des Film» ein geradezu sensationelle» Kunst, und Gesellschaftsereignis werden.- Vorverkauf bei Truhlär(Koruna, Valdek). 884g iw»Urania« Univ.-Prof. Dr. Ernst Easflrer, der weltberühmte Philosoph und Kant-Forscher spricht' Über „Kant u n d R o u s s e a u". die klastischen Denker der Humanität. M o n t a g, 8 Uhr. Karten Urania, Wetzler, Andri. »Unvergeßliche Filme";„X—27", mit Marl. Dietrich, Mont a g l/£6, MO Uhr. Prof. Ferber spricht Über„Fernsehen". Lichtbilder und Filmvorführung. Donnerstag 8 Uhr. Karten Urania, Wetzler, Andri. ttrania-Kino „Allotria", Ren. Müller, Rühmann, Wohlbcück, Jugo. Li C h o n g, der Schlangenmensch. KeinZuschlag. Heute: 2, 4,. 6; llv, s o n st: V28, H O Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Allotria". Bühnenschau: Li Ehong,' der Schlangenmensch.— Adria:„Ein Mann, der Wunder wirkte." A.— Alfa:„Raubende Lüge." A.— Avion:„Mordende Augen." Ä.— Be- ranek:„Herzen im Dämmerschein." Tsch.— Fenizt „Die Tochterd. verwunschenen Waldes." Farbfilm. A. — Flora:„Ich lebe mein Leben." A.— Gaumont; „Verschollen." D.— Hollywood:„Vojnarka." Tsch. — Hvizda,„Das Verbrechen in der Damengarderobe." A.— Julis:„Liehesmanöver." D. i— itine- ma: Journale, Grotesken, Reportage».Koruna:. Aktualitäten,. Journale, Grotesken.—- Kotvar„Die weiße Gefatmene." Tsch. Expediiionsfilm.— Lu» eerna:',,Die Tochter de» verwunschenen Waldes," Ä.— Metro:„Vojnarka." Tsch.— Paffaget„Die Puppenfee." D.— Praha:„Verschollen." D.— Radio:„Du bist mein Glück." Jtal'. B. Gigli.— Staut:„Der Löwenbändiger." A.— W. Beery, I. Cooper.—• Svitvzorr„Die Puppenfee." D.— Alma:„Der Landarzt." A.. Kanadische Fünflinge. — Baikal:„Charlie Chan im Zirkus." A.—Webner Oland.— Belvedere:„Margarita." A.— Gräte- Moore.— Beseda:„Der Löivenbändiger,7 A.— W. Beery, I; Cooper.—Carlton: Ma- vid Copperfield." A. Nach Eh. Dickens.— Illusion:„DieVersuchung." A.— M. Dietrich. ®. Coop e r.—Lido II.:„Der Löwenbändiger." A.— W, Beery, I. Cooper..— Nlaeeöka:„Frau oder Sekretärin." A.— Perötyn:„Oestlich von Java:" A.— Rory:„Der Löwenbändiger," A. W. Beery, I. Cooper.— U Bejvodu:„Di e ganze Welt lacht." Ruff.— Üalbel:.„Der Löwenbändiger." A.— W. B eerh, J Eooper.-*- Beletrhy:„Herzen im Dämmerschein." Tsch.< mit vosonaoror Vrlavuratt und uvoumor Sait- Osrkelt. Karantlort reines Malzmehl und feinsten rekt als auch denut. Spiritus liefert .Bejfilner Zucker*. Spiritus* und PrcBhete-Fsbrlk vormals Brüder A.& II Mar A.-G..■■ i Ohnüti-nojein. 8M7 IOOOWWDWWOOOUVt,»OODDWMOOWWWOOOWVI Bez ii n 8 b e d i n g u ng e n: Bei Zustelliiny^in» Hau» oder bei Pezug durch die Post monatlich ÄL 6.^. vierteliShrlich AL.48.4-^ Halbjährig. AL 96.—.ganbiährig Ai 192,-.— Inserate: werden läut. Tarif billigst berechnet. Bei.öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.'-* RUMeUuitg von Manuitripien eriolgt nur bei'Einsendung der Retoürtnarken:— Die Zeitting»fratikntür wurde bon der Post,.'ünd Tele- .. graphendirektion um Erläß Nr. 18i800/VII/198üÜewwigt.-— Druckerei.-„OrbiS",