Heute Spanien-Beilage Preis Ki 1*- ' Umfang 20 Selten 16. Jahrgang Freitag, 25; Dezember 1936 Nr. 300 liiede auf Erden und«len Menschen ein Wohlgefallen! Kraft sein,, den Kapitalismus zu überwinden. FaschiSmus.erzeugt. in. seinen Opfern, in. den von Denn^esist kirchlich gebunden und von den Kir- j ihm verstlgvten Köllern, wachsende. Freiheits- chen kann antikapitalistische Einstellung nicht erwartet, werden. Wohl aber, kann und wird durch die sozialistische Bewegung, durch die Beseitigung deS Kapitalismus, durch die Aushebung der Unterdrückung deS Menschen durch den Menschen, das Christentum frei werden..Erst in einer sozialistischen Gesellschaft kann der Mensch dem Menschen wirklich Bruder sein, kann- das Gebot der Nächstenliebe zu wirkendem' Lcbensgesetz werden. ES steht nicht im Widerspruch zum sozialistischen Humanismus, sondem ist in/ihm- eingeschlossen. ,’' Wir verhöhnen nicht die Friedensbotschaft, 'sondem. wir wollen sie erfüllend Und so düster -ünS.die Welt heute erscheint, diese vom Kapitalismus zerklüftete und verwüstete Welt».und so beklemmend, es ist, sich just-zu Weihnachten, da doch ein Abglanz der Friedensidee die Herzen der Verzagtesten ein wenig erhellt,-sich eingestehen zu müssen, daß es eine Kriegsgefahr gibt,— der Anblick dieser Welt stärkt doch zugleich auch unsere Zuversicht! Denn so scheußlich der. Faschismus ist-, so grauenvoll barbarisch,— er ist doch auch»ein'Teil''von-jener Kraft, die stets das Böse will-und doch daS Gute schafft". Denn.diese höchste und letzte„Blüte" deS Kapitalismus, der geS abhalten, kein Kapitalist wird durch, sein Christentum menschlicher gestimmt. Den BolkS- auSbeutern und den BolkSInechtern Ist das Christentum- Nur wertvoU— außer als persönliche Dekoration— als Mittel, die Massen der Unterdrückten zu bändigen, im Gehorsam zu erhalten. .'-. als an-die Lehre Ttzxisti.als„ün-den.Däieriellen.Besitz.der- Kirche Mmend»den. Eidesbrechern,! den Rebellen, den Rohamntedanern, den. NeUheidsn,' verbündet haben, dar macht keineswegs die christlichenMill« zionäre zu Antichristen,-4 eS lehrt sie nur mit aller Eindringlichkeit, daß Christentum und'Kir he W UWWWDW sHKxi«fass-- H s»& WM M Mse-Mi,«MW Seite 2 Freitag, SS. Dezember 1936 Nr. 300 fclmsncht und zugleich die Erkenntnis, daß Ber- tvirllichung der Freiheit nur durch Beseitigung nicht bloß Les Faschismus, sondern seines Auftraggebers, Les Kapitalismus, möglich ist. Der Nacht, in die der Faschismus die Böller gestürzt hat, wird der sozialistische Morgen folgen,— dann, iveun die Böller es wollen, wenn die Böller Europas erfüllt werden von jener leidenschaftlichen, opferbereiten, hingebungSuollen Frei- bciisliebe, die in Len.spanischen Helden lebt! ES gibt leinen dauernden Frieden auf Erden, solange es seine Freiheit gibt! Nur freie Völler wissen den Frieden zu schaffen und zu erhalten,„Frieden den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind." Die Arbeitenden, di« Werktätigen in der Industrie und auf dem Lände, in den Werkstätten und Kanzleien, sind guten Willens, des Willens, im. Frieden zu arbeiten. Es sind die KapitqlSgcwalttgen und ihre Söldner, die sie daran hindern. So gilt es denn, deren Herrschaft zu brechen, die Freiheit zu gewinnen und mit ihr südlich zur Wahrheit zu' machen die durch die Jahrtausende wandernde Sehnsucht nach 7, Friede den Menschen aus Erden I Um 185,000 mehr Versicherte als 1935 Im November 1036 waren bei den LOS KrankenverstcherungSanstalten, welch«.der Zcn< tralfozialvcrsicherungSanstalt unterstehen,»er- .sichert: a) nach dem Gesetz 221/24(Arbeiter) Männer... 1,370.289 Frauen«.... 836.407 zusammen... 2,206.696 d. ist gegenüber dein Oktober 1936 weniger unr 27.488, gegenüber dem November 1935 mehr mit 157.368; l>)»ach dem Gesetz 117/26(Pensionsversichert«) Männer.... 126.108 Frauen.... 65.405 zusammen... 181.513.- d. k. gegenüber dem Oktober: 1936 um mehr alb 2624, gegenüber dem November 1935 mehr um 8103.. Legen dat„Gesetz des Dschungels“ Scharfe Zurückweisung der deutschen Spanien-Politik Die Loche und den schönen Bart bekommt ein Vöglein al» Präsent, aufdatz man sein« rechte Art am Festtag wenigsten» ertennt. Wer nicht den Taunenbaum behängt, Behängt den Bauch sich— Stern an Stern. Wer seinem Bolkt Kanone» schenkt, Genießt die Butter selber gern. ; eie uur ranvi ajen ou«bk,--—... Die Lage der Aufständischen vor Madrid!*«“»»««/"gen, so daß im ganzen fünf von den .“...fixier i e 9tatunalüiHett aha hrttt»nnmi Aehrnmt iuerhcit Bo« Himmel hoch, da komntt,» her, Da» Spielzeug zweier Diktatoren, Di« sich«in Land am Mittelmmr Zu Probezwecken««»erkoren.' tragischen Hinscheiden» der sechs Leute, die zweifellos in den Rauchschwaden erstickt'sind, zu suche» ist, wird wohl di« gerichtliche Feststellung ergeben. Die Leichen wurden in verschimmelte» Zustand vorgefunden, wie auch die ganz« Stelle mit Schimmel überzogen war. kaner und schlugen diese in die Flucht. Dabei verloren die Aufständischen 69 Tote. wird immer aussichtloser. Sie warten auf deutsche Verstärkungen. D« Pater spricht mit frommem SImrr, Nun laßt',un» Welhnachtölteder singen.' t .Macht euch nicht» brau» und.hört nicht hin, Wcnii die Alarmsirenen klinge»! Wir habe« gestern über de» Begin» und Verlauf der Bergungsarbeiten im Prokopschacht brr Sobvrten berichtet und festgestellt, daß die Leuhe de» seinerzeit verunglückte» Bergarbeiter», H y b i geborgen wurde. Infolge der unglücklichen Wetter. Verhältnisse mußte« die Bergungsarbeiten eingestellt werden. Am Mittwoch nachmittag» wurde nun' mit den Rettung»arbeften von den Männern der Schächte Dagmar und Florian neuerlich begonnen, wobei es in der Zeit von 8 bi» 12 Uhr nacht» gelang, dir Leichen von vier weiseren BergL o« d o n. Zu der Unterredung de» Ministers D e l b o S mit dem deutschen Botschafter Grafen We l e z e k schreiben di« Londoner Blätter, daß die britische Oeffentlichkeit mit Unruhe erwartet, welch« Haltung Deutschland«Innehmrn wird. Man meint, daß di« spanische Krise sich den: GIPfelpmtkt nähere.„Manchester Guardian" Ist der Meinung, daß Deutschland die nächst« Offensiv« gegen Madrid abwarten wird, an der deutsche Abteilungen teilnehmen werden, bevor«S über die weitere Haltung bezüglich der Nichteinmischung Beschluß fassen werde. Da» Risiko«ine» eventuellen neuen Einschreiten», sagt da» Blatt, ist jedoch viel zu groß, al» daß r» sich lohnen könnt«. Außerdem würde e» Frankreich veranlassen, den Grundsatz der; Nichteinmischung aufzugrben. »News Chronicle" schreibt im Leitartikel, daß Hitler versuche, Europa die Doktrin der„Eiserne» Faust", welche«Hedem das kaiserliche Deutschland proklamiert habe, aufzuzwingen. Da» sei«ine Herausforderung, die Europa nicht mit' Stillschweigen übergehen darf, schreibt daS Blatt» weil hiedurch di« Existenz der Demokratie selbst bedroht werde. Wenn Deutschland im Falle Spanien Offensivmittel verwende, könne«» sie in einem anderen Falle, gegen Frankreich oder Groß» britamiien, in Anwendung bringen. Dies« Herausforderung unbeantwortet zu lassen, hieße, diese»»Gesetz des Dschungels" in den internationale» Beziehungen anzuerkrnnen. Vollmachten kür Blum Pari».(HovaS.) In der Nachtsihung genehmigte die Kammer mit 374 gegen 224 Stimmen de» Regierungsentwurf, mit welchem der Regierung Vollmachten auf Grund des Artikels 15 deS WährungSgesetze» vom 1. Oktober 1936 mittel» Dekret des Ministerrates, da» obligatorische Vergleichs- und Arbitrageverfahren, und'zwar aus allen Gebieten der kollektiven Arbeit» mögen die Kon fliktsursachen welcher Art. immer sei», zu organisieren, erteilt werden. Die Kammer genehmigte weiter» den Nachtragsentwurf, demgemäß di« Eingriff«, unter voller Bedachtnahme auf da» Recht der beiden Parteien erfolgen müssen. Noch vier Leichen Im Prokopschacht geborgen! Lerunglückten au» dem Schacht gebracht werden konnten. Der sechste Tote liegt noch unter der ver» bruchsmaffe. Zuber furchtbaren Tragödie selbst wäre noch zu'bemerken, daß nach den biSher vörliegendetr übereinstimmenden Meldungen am' 5. Oktober 1935 keine BrandgaSerploston stattgefunden hat, sondern lediglich ein Verbruch glühender Kohlenmassen imAuSmasi von 1.60 Meter r 1.30 Meter. Au» der Tatsache geht hervor, daß eine Rettung der vom Schachteingang abgeschnittene» sechs Bergarbeiter möglich gewesen wäre, wenn svfort nach der Katastrophe, also um halb 1 Uhr nacht», die Bergungsarbeiten eingesetzt hätten, so»war, daß man versucht hätte, dir zu Bruch gegangene Strecke zu durchstoßen. Warum diese Arbeiten nicht systematisch und sofort begonnen wurden, wer dafür ver» 1 antwortlich war und ob hierin die Ursache des Versteifte fronten vor Madrid Teilerfolge der Regierung Nach den letzten Nachrichten aus Madrid gab a am 28. Dezember bei Samosierra und Tara- cena hauptsächlich Artilleriekämpse. Die Auf ständischen unternahmen einige Flugangriffe auf die Frontlinien der Regierung. Nach der Wieder« eroberungxde» wichtige».Dorfes Boadillalonnten die Regiermigstruppen ihre Position um''fünf K ilometer~ vorverlegen.'‘ Regierungsflugzeug« unternahmen einen erfolgreichen Angriff auf Badajoz und Merida. Auf dem' Abschnitt Samosierra befinden sich enva 6999 Soldaten Francos unter dem Befehl deutscher Offizier«. An der Oviedo-Front sind deutsche Soldaten unter dem Befehl ArrandaS zu bemerken. Diese deutschen Soldaten kämpfen außerhalb der Verbände der Fremdenlegionäre »nd Marokkaner. In Oviedo wurde die Tele- g.aphenzentrale durch Regierungsartillerie bom bardiert, bei Gordona wurde der Vormarsch der Regierungstruppen fortgesetzt. Bei Teruel unter nahmen Abteilungen der Internationalen Brigade einen Angriff auf die Gräben der Marok- Unjee Neujahrsnummer erscheint am 1. Jänner 1937, früh In bedeutend verstärktem Umfange itt besonders schöner und reichhaltiger Aufmachung zum normale« ... Preise-..,«»>..zu.... Bestellungen für diese Ausgabe nehmen, alle Kolporteure entgegen. Die Kolporteure und Verschleisser haben ihre Mehrbestellun» gen bis spätesten- 28.De» z e m b e r bei der Verwaltung durchzuführe«. Am 2. Jänner erscheint uuser Blatt zur gewohnten Stunde, da am 1. Jänner gearbeitet wird. Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld 12 V. Nvette konnte noch einige» Versuchen, vier Tassen, ohne den Kaffee zu verschütten, zu den Tischen balancieren; Marion brachte es nur auf drei, Pelikan entschloß sich, ihr lieber nur zwei anzuvertraue». DaS neue Geschirr war lostbgr. Für die Stanungäste war ei» Tisch reser- viert, Blumen standen in einer Base auf der glitzernden Glasfläche. Nach der Sperrstunde sollte dann,, im Hoszimmer, noch eiste, kleine intime.'Feier stattsinden; Herr Finsterbusch hatte seine Getreuen ergebenst eingeladcn,«S würde ihm’ eine Ehra sein und ein Vergnügen, die Gäste, die Immer'zu seinem Unternehmen gehalten hätten, begrüßen zu dürfen, im Heine» Kreis, wie gute Freunde, und so weiter. Der erste Gast, der das neueröffnete Cast Finsterbusch betrat und über da» fremde Gesicht der Räume, die goldenen Leuchter, die nickelgerahmten Spiegel erstaunt«, war Mia Werner. Die Telephonzelle war.frisch gestrichen, ihre Scheiben blankgcputzt; der Apparat sah ihr.mit dein alten, ernsten Schwarz entgegen. Sie warf ein« Münze ein und stellte die Nummer;, es war eine andre Nummer, aber sie sprach dieselben Worte: Sie sprach schnell, und viel, am andren Ende des Drahte» hing nur ein Ohr, das selig Ivar, ihre Stimme in sich ausnehmen zu können; sie sprach lachend und lang, ihre Zähne blitzend, und als sic ging, weht«, ihr Kleid wie eimbinzigeS Lachen hell durch den Raum. Hugo blickte ihr nach, die Beine zeichneten sich in der Sonne.uttter dem flatternden Kleid ab; Mia lief die Straße hinunter, der Schatten ihres Köfferchen» rannte flink und geduldig hinter ihr her. Dann kam Feiertag, setzte sich an da» alt« Fenster, es sah ihn fremd an mit seinen Neuen, großen gläsernen Augen. Die alte, lederne Bank, auf der sich der Umriß von tausend Körpern abgezeichnet hatte, war fort, die neue mit grobem, geripptem Stoff bespannt, fühlte sich hart an und feindlich. Der Tisch wackelt« nicht mehr, eS hatte leinen.Sinn, einen zusammengefalteten Papierstreifen unter den linken Fuß zu schieben;, er schwieg, fest ugd trotzig. Feiertag trank seinen Kafsce schnell, er schlang das Butterbrot hinunter und lies in sein Büro; das alte Cast war kein Zuhause mehr, es war loie einer der vielen kalten, unheimlichen Räume, durch die man'auf Reisen schritt, in denen man eine hastige Mahlzeit einnahm, die man vergaß. ■ Ein paar unbekannt« Gesichter zeigten sich, Finsterbusch lief jedem Gast entgegen, er nahm an, daß alle, die heute kamen, sich seinem East für die Dauer als Stammgäste verpflichten.würden, es war nicht daran zu zweifeln- daß der Glanz und die Sauberkeit sie gewinnen, daß sie täglich kommen und ihnt helfen würden, die Last seiner Schulden abzutragen.. Sie saßen da und blickten um sich. Sie lächelten; da» Gold der Leuchter war Holz, der Marmor ier Säule war. Holz. Neugier trieb sie her; di« Inserate verhießen wahre Wunder. Der Kaffee war ja nicht schlecht, da» Bier frisch und da» Gebäck knusprig; aber die. Tische standen so nahe an den Bänlen, daß man. sich mühsam durch- zwängen mußt«, wenn man sich setzte, und daß man.sich, nur unter Kö""rverrenlungen wieder, herauizuwinden vetzmo.Die. Haken, für!, die Hüte glänzten in grünen und roten Farben, wie Früchte im Herbst; aber sie waren so hoch ang«-. bracht, daß. man sie nur errsichte, wem: man die Maße eine» Riesen aufwie». Pelikan stellte sich auf die Zehenspitzen, wollte er«inen Hut aufhängen.»Morgen schrauben wir sie ab und hängen sie tiefer", sagte er in der Küche zu Ludmilla. »Langsam wird ja alle» wieder so, wie«» war". Um fünf Uhr war daS East voll beseht; Billy spielte, auch er trug einen frischgebügelten Anzug, wenn die Einnahmen sich auf der erwarteten Höhe hielten, woNte Finsterbusch ihm da» Geld für einen Smoking vorstrecken. Sin paar junge Leute wagten sich auf da» Tanzparkett; Hugo schlängelte sich mit fünf Tassen zwischen ihnen durch, Pelikan ging ihnen vorsichtig in großem Bogen au» dem Weg. Das hatte noch gefehlt: Nun mußte er mit seinen kranken Füßen Umwege machen,, um nicht an die tanzenden Paare anzustoßen. Am Abend krochen die kleinen Bürger aus den Häusern der Ltliengaffe, der Zeltgasse, der Hauersteinstrahe und besahen, sich das Jahrmarktwunder. Sie saßen steif da mit ihren gestärkten Hemdbrüsten, in den, schwarzen. Anzügen, manche trugen Weiße Westen, di« an den Rändern und an den Knopflöchern gelbe Fleck« hatten. Die grauen hatten ihren Sonntagsstaat herauSge- ' sucht, die alten Seidenkleider.rochen nach. Motten«. Pulver-und. Naphthalin; sie trugen Rüschen und Boa» au» Federn um den Hal», trotz der Hitze; wa» man hatte, hatte man, und die Gelegenheit, es der Nachbarin zu zeigen,.ließ man sich nicht nehmen. Sie bestellten ein Glas Bier, eine Tasse Kaffee;, der Mann schmeckst da» Hier mit Rennermiene, schgalzt«, trocknet« mit dem Taschentuch den weihdurchslockten Schnurbart. ab; die Frauen gaben Sachverständigengutachten über den Kaffee ab, stellten Vermutungen an, von welcher Firma er stammte und wieviel Zusatz die Köchin unter ein Kilo Kaffee mischte. Die. Schalen stur- den’ allgemein al» zu klein befunden ssnd auch pom ästhetischen Standpunkt au» abgelehnt. Este Wären nütz,,mit /einfachen Streifen verziert, dst Blumen fehlten, der goldene Rand,«in Mnzert- cast, in dem die Preise sicherlich Hoch seien, müßte den Gästen wenigstens Blumen und einen goldenen Rand bieten. Billys Musik gefiel; er spielte die Lieder, die die Gäste kannten, eS macht« ihnen mehr Freude,«inen alten Schlager zum hundertsten Mal zu hören, als einen neuen zum erstenmal. Schön ivar, was man kannte, bedenklich und zweifelhaft, was den Augen, den Ohren nicht seit Jahrzehnten vertraut war... Als die Stammgäste erschienen, wurden, sie mit, den Titeln, angesprochen, die sie hatten oder die ste sich zulegten. Finsterbusch hatte den Kellnern Unterricht erteilt: Genno war„Herr Redakteur" zu benennen, das.klang. gut; Feiertag „Herr Oberbuchhalter", das war. ein Mang, her Respekt erweckt; Mittelnieier.wurde.mit einer' kleinen Wortveränderung von einem Kammerdiener zu einem„Kammerherren" erhoben, und Ger« leiiner durfte auf keinen Fall ander» angesprochen werden al»„Herr Professor"; die Titel„Redakteur".' und»Professor", sollten besonder» brüt und. besonder» ost ausgesprochen werden,«» gab dem Tast Ansehen, daß die Press«..und die.Ran» ner:der Wissenschaft' hier verkehrten. Buttster mgßt« sich mit einem einfachen„von" begnügen; er war ja gewöhnt, zu Pferd zu sitzen,''die» bracht« Ihn dem Adel nahe;.auch Isabella wurde sFrim von' Mertens". tituliert, eine Dame'.'m ihren Jähren gewann durch ein Adelsprädikät an Würtz«. Siädtlein, für den sich kein besserer Titel fand, würde„Herr Direktor"" angesprochen; er machte erstaunte Augen, al» ihm dies»'Ehre zum ersten Mal widerfuhr, aber auf den neuen; bunten, Härten Bänken de» Konzertcast Finsterbusch durfte, wohl nur-sitzen, wer zumindest Direktor wär,'''.-v.i> '.' Nicht nur Kaffee, Bietz und Limonaden ivutz;. den besstlst! ein. paar Gäste verlangten auch eins Speisekarten,'.'sie, wollten Nachtmahl essen.'*' ;•.(Fortsetzung folgt,),> Seite 3 Freitag, 2ö. Dezember 1030 9?r. 300 Alks tuH. um dem Kriege vornibcugcn! Sudetendeutscher Zeitspiegel glaube, daß es zum Kriege kommen wird, und daß ich wünschen würde, man möge bei unS nicht glauben, daß Deutschland die Tschechoslowa- lei Überfällen will, daß Ich im Gegenteil glaube, daß ein Einvernehmen zwischen Deutschland und Prämien von der„Rundschau" bezahlt werden sollten. Die Bersichcrtcn hätten gleichzeitig übernommen, die„Union" zu unterstützen. Die Behauptungen Sasums wurden damals von' der „Union" bestritten. Den Vertretern der wechselseitigen Versiche- rungsgenostenschaftcn war es klar, daß es sich diesmal»m einen großen Fischzug der SdP handle. Da sich die Tätigkeit der einzelnen Anstalten auf viele Bezirke erstreckt, somit einegroße Anzahl der geforderten Kanzleien notwendig wäre, hätte cs jährlich vieler Tausende bedurft. Die Vertreter der Anstalten konnten daher keine Bindungen cingehen, wagten es aber auch nicht, glattivcg abzulchnen. Sie mußten sich also verpflichten, am 18. Dezember in Aussig zu meiner neuerlichen Verhandlung zusammenzukommen./. Die Prager Sitzung hatte die Einberufer also nicht ans Ziel geführt. Es ist auf den ersten Blick klar, daß der springende Punkt gerade die Bildung von zahlreichen Bezirkssekretariaten war. Ist diese Absicht von der Sorge um die Bcrsiche- rungsgenosscnschaften diktiert? Diese üben doch ihre Tätigkeit nicht erst seit gestern aus und habe» doch mehr als einmal Gelegenheit gehabt, nach- znprüfen, wie groß ihr Werbe- und Verwaltungsapparat sein soll und kann. Wenn sich die SdP jetzt in die Geschäfte der Genoffenschaften in dies:: Weise einmischt, so kann nichts anderes daraus ge- ' Unserem Geiste, unserer gesellschaftlichen Struktur, unserer geschichtlichen Tradition entspricht einzig und allein die heutige,' ständige ruhige und fortschreitende Entwicklung. Darum wird sich unser heutiges Regime in dieser Hinsicht auch künftighin In nichts ändern. Eine starke Demokratie im heutigen zerrütteten Europa— das ist der Glaube an die eigene gute Mission, das ist die Bereitschaft, sich selbst und' den Staat würdig, fest und ohne Wanken auch mit dem Schiverte zu verteidigen— das ist der Mut und bie Herzhaftigkeit, sich und den anderen zu sagen, daß dieses heutige Leben trotz aller unserer Beschwerden wert ist, gelebt zu werden, denn es bietet uns mehr Möglichkeiten als je, Gutes zu tun und eine neue Welt zu schaffen. Westeuropa sowie den übrigen Staaten möglich ist, und daß auch wir, indem wir an unseren bisherigen Verpflichtungen festhalten und von unserer bisherigen Politik nicht abweichen, mit Deutschland zu einem Einvernehmen gelangen werden. Ich bin heute der gleichen Ansicht wie damals, als ich meine Rede in Reichcnberg hielt: Ich glaube, daß es möglich ist, dm Frieden in Europa zu erhalten, ich lehn« es ab, zuzugeben, daß der Krieg unvermeidlich ist und in diesem Geiste werden wir alles tun, um auch im Jahre 1037 dem Kriege vorzubeugen. Ich glaube, daß wir ihm verbeugen werden. ■ HHC WH Hl ! onwärtern unterbringen will. Unter ihrem Druck mußten sich die Versicherungsanstalten zu bedeutenden Zugeständnis!'n beauemen. Am 18. Dezember fand die in Präg beschlossene Sitzung, und zwar um 11 Uhr vormittags im Hotel»Töpfer" in Bodenbach stakt. Es waren Vertreter der Wechselseitigen in Warnsdorf, Haida, Böhmisch-Leipa, Brüx und„Florian" Eger anwesend. Direktor Herrmann nahm an diesen Verhandlungen nicht teil, das Wort führte Jng. Heidl von„Florian", ein. bekannter Hcnleinmann. Das Ergebnis war der Beschluß, einen„Verband zum Studium»nd zur Förderung der Volkswirtschaft" zu gründen. Mit der Förderung der„Volkswirtschaft" begann man sofort,-indem sich die Anstalten verpflichteten, insgesamt 200.000 K<5 aufzubringen, von welchen".rund 82.000 KC auf die Wechselseitigen entfallen.' ES sind gewaltige Beträge, welche die SdP in Fluß gebracht hat— für die Versicherten, welche di: Prämien zahlen?“, Im Laufe der Verhandlungen mußte von der SdP der Schutz, welchen sie den Mitgliedsinstituten versprochen. hat, genauer bestimmt werden. Die SdP wies auf die nächsten allgemeinen Gemeindewahlen hin und erklärte, daß sie dann überall dafür sorgen werde, daß die Gemeinden Versicherungen nur bei den Anstalten äbschließen, welche Beiträge für die SdP-Aktion zahlen../ Also ein schönes Geschäft! Die Versicherungsanstalten werden die Volkswirtschaftstudieren und fördern", in Nord- und Wcstböhmeu wird es einen Häufen Sekretariate geben, die SdP hat der Volksgemeinschaft wieder einen ihrer uneigennützigen Dienste erwiesen— und die Gemeinden und Privaten werden die Prämien zahlen 1 Di« Aufgaben der europäischen und der Welt-Demokratie Das bedeutet freilich für die Demokratien selbst, große eigene innere Widerstandskraft zu haben, Festigkeit und Glauben an das eigene. Regime, ideelle, moralische Festigkeit, aber aückp soziale, politische. und' wirtschaftliche Festigkeit, damit sie jederzeit jedem'Extreme von links R>er rechts Widerstand leisten können. Endlich bedeutet das, daß die Demokratien in der heutigen bewegten und zu Umstürzen geneigten Zeit zu ihrem Schutze ihre eigene materielle Kraft haben müffen, d. h, i h re große militärische M a ch t, die bereit und imstande ist, sich im Innern wie nach außen erfolgreich zu werden. Uns e r e Demokratie ist in d i e s e r H i n s i ch t f e st, r u h i g, f u r ch t- lo 8, mutvoll. Und unsere Armee würde in entscheidender Stunde ihre Pflicht demStaate gegenüber wie nicht bald eine andere europäische Armee bis in die letzten Konsequenzen erfüllen. Die tschechoslowakische Demökratie hat sich das ganze Jahr hindurch bemüht, die W i r t- schaftsk.rise zu überwinden. Sie hat in diesem Jahre große, fast unverhoffte E r f o lg e aufzuweisen: Die Arbeitslosigkeit Dazu.wjptz uns^yun von vcrMljcher. Serie gemeldet:' Vor einiger Zeit- wurden fünf wechselseitige VersicherungSgenossenschaften in Nord- und Nord-, westbohmen nusgeforderß ihre Vertreter in daS' folgert werden, als daß sie sich neue AgitationS- sogenannte Braune HauS der SdP in Prag II zu' zentralen auf Kosten anderer verschaffen und entsenden. Es handele sich um die Gründung eines. gleichzeitig eine Anzahl von ungeduldigen Posten- Dlc WcihnaditsDofschait des Präsidenten Donnerstag abends richtete der Präsident der Republik Dr. Bene« ein« WeihnachtS- botfchaft an die Bevölkernng des Staates,» wel che von allen tschechoslowakischen Sendern übertragen wurde. In dieser Rede, welche eine Rück schon auf das Jahr 1030 und ein Ausblick in' das kommende Jahr, aber auch eine neuerliche programmatische Erklärung war, sagt« der Präsident: Seite 4 Freitag, 28. Dezember 1036 Nr. 300- Nsläenlesenäe und Wirklichkeit —rb— In'einer Zeit, da ein Teil der Menschheit neuerlich dem bestialischen Maffen- mahnsinn zu erliegen droht, der in dem organisierten technischen Millionenmord einen heroischen Seelenaufschnnmg der Nation erblickt, wo Bürsch- lein, die die Schrecken des Krieges nie erlebt haben, mit dem.romantisch verlogenen..Kriegs« erlcbniö" einer unglücklichen Generation politische Geschäfte machen, ist es nicht ohne Interesse zu untersuchen, wie der Frontsoldat in Wahrheit das Fest erlebte, besten Tradition„Frieden den Menschen guten Willens" bedeutet. Ein englischer Kriegsteilnehmer(Kapitän N e u m a ii) schildert in seinen Erinnerungen die ersten Kriegsweihnachten im Jahre 1314 an der Flandernfront. Mit angelsächsischer Sachlichkeit schildert er.die Schrecknisse jener ersten Kriegszeit, wo von regelrechtem Stellungsbau, von Unterständen und Deckungen noch keine Rede war; wo„die faulenden Leichen der Kameraden die einzige Brustwehr bildeten".(ES ist die gleiche Epoche, die der damalige Ordonanz» gefreite Hitler als„jauchzenden Triumpfzug" bezeichnet!) In der Weihnachtsnacht geschah etwas Unerhörtes:„ES kam vom Süden her", schreibt der britische Offizier,„und pflanzte sich blitzschnell über die gesamte Front fort". Das Feuer verstummte wie auf Befehl. Aus den feindlichen Gräben tauchten hüben und drüben Menschen auf und winkten einander zu. Die Offiziere machten keine Ausnahme. Im„Niemandsland" zwischen den Gräben, zwischen den beiderseitigen Leichenbarrikaden, trafen sich die Feinde, schüttelten sich die Hände und luden einander zu Besuchen in dem Schlammhöhlen ein, in denen sie hausten. Man tauschte gegenseitig Adresten und schloß Freundschaften, die man nach dem Krieg fortzusetzen gedachte. Deutsche, englische und französische Weihnachtslieder erklangen. Bon den wenigen, die den Schluß des Krieges erlebten, haben sich manche der damals geschlossenen Freundschaft erinnert und stehen in ständigem schriftlichen Ber- lehr mit dem„Feind" von 1914 Die beiderseitigen„höheren Kommandostellen" waren außer sich über diese„Disziplinlosigkeit" und drohten mit dem Kriegsgericht für die„pflichtvergestenen" Offiziere. So waren jene Weihnachten in der flandrischen Ebene in den Tatzen jenes aufs äußerste aufgepeitschten Ratio» nachaffeS ein Augenblick beidersei- tigerSelbstbesinnung. Die höheren und höchsten Kommandostellen laten späterhin ihr übriges. Es gab blutigste Wei hnachtsoffensiven, von denen der tollgewordene Spießer mit Behagen in seinen Blättern las. Und doch wiederholten sich solche spontane Berbrüderungsaltionon zu allen Weihnachten an allen Fronten. Während Papst Benedikt seine ebenso ergreifenden als hilflosen Beschwörungen an die Dirigenten des Maschinen- iodeS richtete, lag zu Weihnachten 1916 furchtbarstes Trommelfeuer über der Jsonzo- und Südtiroler Front, verbluteten in den Dolomiten und in den Kärntner Alpen Tausende von Menschen. Zwischendurch gab es ruhige Frontabschnitte und überall dort, wo nicht auf höheren Befehl die Mannschaft zum Mord an den LeidenSgenoste» auf feindlicher Seite geztvungen war, tauschten die Grabenbesatzuugen Weihnachtsgrüße aus. Das gleiche geschah zu Weihnachten 1917. .FrontWeihnachten! Das bedeutete für den Frontsoldaten eine kurze Unterbrechung jenes grauenhaft eintönigen mörderischen Tagewerks, jener blutigen und dreckigen Scheußlichkeit, die eine verbrecherische Propaganda mit der Glorie des Heldentunis zu umkleiden sucht. Da Festtag Ivar, gab es„Zubußen", bestehend aus einer halben Menageschale verdorbener Marmelade und einer„Extraportion" Brot, daö heute bestimmt niemand genießen möchte. Auch verschiedene„Liebesgaben" kmnen zur Verteilung, wie z. B. Schreibfedern(ohne Federstil und Tinte), Bleistifte, Notizbücher u. dgl. und hie und da einige Aepfel und Rüste, wenn ein menschlicher Kommandant auf eigene Rechnung dergleichen besorgen ließ. In großen Mengen aber gab. eS überall K l o s e t t P a p i e r, was um so kurioser erscheint; als die Unterernährung der Mannschaft bereits zu Weihnachten 1917 so kraß war, daß nach Feststellungen unseres Bataillonsarztes, ein Mann sich durchschnittlich nur zweimal in der Woche entleerte Mer das Klosettpapier ging nicht verloren. Die Mannschast stellte aus diesem Material Papierketten her, mit denen sie die Weihnachtsbäumchen behängte, die. sie ,unter Lebensgefahr aus dem Vorgelände holte und die in jedem Unterstand zu finden waren. Um diesen Christbaumersatz saßen die armen Kämpfer mit zusammengebistenen Zähnen und geballten Fäusten und waS sie sprachen und dachten, hatte mit einem„heroischen Kriegserlebnis" verdammt wenig gemein. » Die Proste, die dafür bezahlt ist, für ein Völkermorden„vermehrter und verbesserter Auflage" Propaganda zu machen, wird es auch Große Vorbereitungen des Atus für die Wintersport-Olympiade! z* EH ir aus Ober-Preschkau, welche über 2999 freiwillige Arbeitsstunden geleistet haben, große Verdienste für die weitere gute Entwicklung der Wintdrsportbewe- gung im 5. Kreis erworben. Von den Bahnstattonen Böhinisch-Kamnitz oder Steinschänau ist die in einer windstillen Talmulde gelegene Anlage leicht erreichbar. Das wertvolle Springermatertal unserer Rie- sengebirgS-, Erz- und JsergebirgSvereine erhält nun auch im Lausihergebirge Nachwuchs. Besonders erfreulich im Hinblick auf die Olympiade-Eiilaufkon- kurrenzen ist, daß in Ober-Preschkau ein eigener Eis» lausplatz vorhanden ist, der 8. Kreis wird demnach am 24. Jänner dort feine Wettkämpferauswahl auch für das Eiskunstläufen treffen. «Ueber den Dreß der AtuS-Wintersportler wurde beschlossen: Blauer Pullover mit weißen Römern, AtuS-Äbzeichen auf dem Aennel; die Läufer tränen ein gleichfarbiges Stirnband. Zum Dreß gehört auch eine blaue Schildmütze. Der Atu» rüstet für die Wintersport-Olympiade, an der gesamten Arbeiterschaft liegt eS nun, durch weitestgehende Förderung unseren Atus zu einer starken Vertretung in Jobannisbad und zu einem guten Abschneiden zu verhelfen. Mehr als 199 Wettkämpfer de» Atu»■ werden in Johannisbad in den Tagen vom 18. bi» 21. Feber 1987 in ihrer schmucken AtuS-WIntersportkleidung die Stärke und die Qualität der sudetendeutschen Arbetter- Wintersportbeweaung unter Beweis stellen. Der Verbandsvorstand hat bereit» in der letzten Sitzung, die Vorschläge de» Bunde»« WintersportauSschuffe» zum Beschluß erhoben, gleichzeitig wurde au» den knappen ÄerbandSmitteln ein Fahrtzuschuß für unbemittelte Wettkämpfer bewilligt. Da» eingetretene Tauwetter hat die be- reit» begonnene praktische Arbeit leider. etwa» gedämpft, bi» an die Schneegrenzen von 890 Meter sind die Berge nicht mehr be- B, iahrbar. Dennoch werden die WeihnachtS» tage unsere AtuS-Wintersportler bei eifrigem M Training finden. Die Wettkämpfer de» 4.^P 1 und 7. Kreises(Jser- und RIesengebirgel M 1 haben die schneesicheren Felder ganz in der Nähe, die Wärmewelle hat an die Riesen» gebirgSberge nicht heraufgereicht. An den VW WeihnachtS- und Neujahrrfelertagen werden W| organisierte Gruppen im Olympiadegelände^P fleißig üben. Auch im 6. Kreis blieb in den Höhen genügend Schnee übrig, die»Rote W Schanze" in Bärringen trägt heute noch über 29 Zentimeter Schnee und ist sprung- fertlg. Am 29. und 27. Dezember findet in Bärrinpen ein Schulungskurs für Win- tersportfunktionäre und Kampfrichter statt, i Sonntag, den 27. Dezember, werden in den Vormittagsstunden die Springer des 8. Kreise» auf der»Roten Schanze" erstmalig an j' den Start gehen, gleichzeitig werden die für die zahlreich geplanten Bezirk»« und Kreiskämpfe notwendigen Kampfrichter geschult. Bereit» am 8. Jänner findet da» erste DezirkSwintersporttest de» 1. Bezirke» statt. Der GraSlitzer Bezirk, welcher seine Olympiade«Au»scheidung»kämpfe auf den 17. Jänner festgelegt hat, wird an den Weihnachtstagen ein Treffen im Aschberggebiet durchführen. Bei genügender Schneelage folgen weiter im Jänner Ge- bietitreffen in Karlsbad, Falkenau und Asch. Da» KreiSwinteriportfest de» 6. Kreise» findet am 89. und 81. Jänner auf dem Pleßberg bei Abertham statt. Eine ganz große Aktion hat der 8. AtuS-Krei» eingeleitet.»Mit dem Sonderzug zum KreiSwin- terfportfest nach Ober-Preschkau" so heißt die Losung. Am 24. Jänner wird der Krei» die erste große AtuS- Sprungschanze In Ober-Preschkau eröffnen. Die Schanze läßt Sprünge von 89 Meter erwarten, daneben steht eine kleine Schanze, welche bereit» vor einigen Tagen bei dem Probespringen 29-Meter- Sprünge gezeitigt hat. Der Bezirk Komotau wird am 16. Jänner seine Wettkämpfer bei einem Treffen schulen. Eine selbstgebaute Svrunganlage von 28 Meter Sprungweite steht bereit. Durch die Schaffung dieser großen Anlage haben sich die Genossen diese Weihnachten nicht an verlogenen Reminiszenzen au»„jener Großen Zeit" fehlen lasten. Frontweihnachten waren Stunden menschlicher Selbstbesinnung. Mögen auch die Weihnachten 1936 für alle, die sich klare Vernunft,Menschlichleitsund Berantwortlichkeitsgefühl bewahrt haben, eine Zeit der Selbstbesinnung sein!- Eine 90jährige.Braut. Wie aus Istanbul gemeldet wird, hat sich in der türkischen Stadt Jgirkap eine üüjährige Türkin nach viermaligem Witwenstand zum fünften Male verheiratet. Der Bräutigam ist 45 Jahre alt. Ueber Befragen gab die Frau an, daß ihr ein Alter von 129 Jahren prophezeit worden sei und daß' sie daher auf ihre alten Tage nicht ohne Mann bleiben wolle. Flugzeugabsturz. Bei Dallas(Texas) stürzte am Mittwoch kurz nach dem Start zu einem Bersuchsflug ein Passagierflugzeug ab. Zwei Besahungsmitglieder sowie drei Fahrgäste, darunter der Generaldirektor der Flugzeüggesell- schaft, welcher die verunglückte Maschine gehörte, fanden hiebei den Tod. Dieser Unfall ist der fünfte, von dem die amerikanische Luftfahrt.innerhalb kurzer Zeit betroffen wurde. Eine Gehirnhautentzündung? In der Gemeine Okala in Florida war vor drei Wochen ein Farmer an einer Gehirnhaut-Entzündung erkrankt, die sich in einer überaus merkwürdigen Form äußerte. Der Patient sprach Tag und Nachtununterbrochen zusammenhanglose Worte und alle Mittel der Aerzte, ihm zum Schweigen zu bringen, blieben erfolglos. Selbst bei Verabreichung der stärlsten Beruhigungsmittel sprach der Kranke ununterbrochen im Halbschlaf, Als schließlich gestern' der Tod eintrat und die Leichenöffnung vorgenommen wurde, konnte festste» stellt werden daß die Logorrhöe tatsächlich durch die Gehirnhautentzündung verursacht worden war. Der Gespenster-Klub geschlossen. Nach etwas über einem halben Jahrhundert ist einer der bekanntesten Exzentrischen Londoner Klubs jetzt geschlossen worden.' Es handelt sich um den„Ge- fpenster-Klub", der 1882 gegründet wurde und besten Mitglieder zunächst nur die Msicht hatten, die damals aufkömmende Mode spiritistischer Sitzungen auszuliben. Aber nachdem die wissenschaftliche Gesellschaft,„Societh of Psycholostieal Research" gegründet wurde, sind die wiffenschaft- lich interessierten Persönlichkeiten dem Klub fortgeblieben, in dessen Sitzungen immer mehr Ho- knSpoku» getrieben wurde. Alsbald wurde den Kluömitgliedern ein strenges Schweigeverbot auferlegt, was natürlich dazu führte, daß Gerüchte in Umlauf kamen, die von Gespenstererscheinungen im Klubhause wissen wollten. Zeitweise beschäftigte sich auch die Polizei mit den angeblich übernatürlichen Vorgängen, es gab eine Menge Aerger für die Klubleitung, die daraufhin jetzt die Auflösung und Schließung des sonderbaren Unternehmens beschloß. Ei» Sinken der Geburtenziffer auch in Bulgarien. In letzter Zeit weisen die Soziologen auf das ständige Sinken der Geburtenziffer in Bulgarien hin, das noch kürzlich neben Rußland, Polen und Rumänien den stärlsten Bevölkerungszuwachs in Europa zu verzeichnen hatte. Der Grund hiefür ist nach Ansicht der bulgarischen Soziologen in der Wirtschaftskrise zu suchen. In den letzten Jahren ist die Geburtenziffer in den bulgarischen Städten um acht Promille und auf dem Lande um sieben Promille gesunken. Das stärkste Sinken weisen die' beiden Großstädte Sofia und Plowdiw auf, wo die Zahl der Geburten um 21 bzw. 23 Promille zurückgegangen ist. Ein neues wissenschaftliches Filminstttüt. Das berühmte Pasteur-Institut hat ein neues, nach den letzten Errungenschaften der Technik eingerichtetes Filmlaboratorium in der Nähe von Paris in GarcheS in Betrieb genommen. In diesem Laboratorium werden systematisch biologische und mikrobiologische Filme hergestellt, die zunächst als Lehrfilme dienen sollen. E» ist aber auch beabsichtigt, einzelne von ihnen später zur Vorführung in Kinotheatern auszuleihen. Boa der Direktion der Staatsschuld in Prag wird bekmmtgegebeu: Die am 2. Jänner 1937 fälligen Kupon» der S.öprozentigdn IV. Staatsanleihe, der Sprozenttgen Entschädigungsanleihe für die Kriegsanleihen können behufs Boreinlösung bei der Rechnung»abteilung der Direktion der Staatsschuld In Prag III, Malostranskt näm. 2, bereit» vom 28. Dezember 1989 angefansten vorgelegt werden. Der Gegenwert dieser vor dem Fälligkeitstage behufs Boreinlösung vorgelegten Kupon», wird bei der Staatrzentralkäffa in Prag III/S zum 2. Jänner 1987 zur Auszahlung angewiesen werden. Die Kassastunden von 8 bi» 12 Uhr, am Samstag von 8 bi» 4b 12 Uhr. Die außerhalb Prag» wohnenden Eigentümer solcher Effekten können da» Inkasso bei den Steuerämtgrn beanspruchen. Sdineeberlcpta unsarer' Sdiufehütten Ratnrfreundehau»„Königshöhe"(Seehöhe 889 Meter): 9 Grad, 26 Ziin. Schnee, kein Neuschnee, Skifähre und Rodelbahn sehr gut, Sonne- Ein neues kommunistisches Einheits-Manöver Die„Rote Fahne" ist jetzt voll von Nachrichten über einen„Zusammenschluß" der Gewerkschaftsbewegung. E» tverden ununterbrochen „Stimmen aus Arbeiterkreisen" registriert, welche diesen Zusammenschluß verlangen. Flugs hat sich auch die bürgerliche Presse der Angelegenheit bemächtigt, der diese Propaganda ein willkommener Anlaß ist, ihre Antibolschewllenbetze auch auf die„bollSfronibereiten" Sozialdemokra-. ten auszndehnen. In Wahrheit verhält sich die Sache so, daß den kommunistischen Gewerkschaften sozusagen das Wasser in die Schuhe läuft, weshalb sie jetzt ein Dach suchen. Sie scheuen sich, der Mitgliedschaft ihren Bankerott einzugestehen. Und die ganze Bereinigungskampagne ist von der Leitung der Roten Gewerkschaften organisiert worden.■ Davon gibt ein am 17. Dezember auSgege- benes Rundschreiben der Moten Gewerkschaften Kunde, in der genaue Richtlinien für die Ber- einigungSpropagnnda enthalten sind. Außerdem ist diesem Rundschreiben der„Antrag eines Briefes einer roten Gewerkschaftsgruppe an die reformistische Gewerkschaftsgruppe" beigelegt. Der Text dieses Briefes entfpricht genau dem Wortlaut der in der„Roten Fahne" publizierten „Arbeiterstimmen"; das Briefmuster ist in unserem Besitz. Wir werden auf diese interessante Angelegenheit noch auSstihrlicher zurückkommen. Auch Belgien. Bei Außenminister Graf Tiano hat sich gestern auch der Leiter' der belgischen Gesandtschaft eingefunden und ihm mitgeteilt, daß die belgische Regierung beschlossen habe, ihre Gesandtschaft In Addis Abeba in ein Generalkonsulat umzuwandeln. Vom Rundfunk S«pfehlen»»erte» au» den Programmen« SamStag: Prag, Sender I: 6.48: Turnen, 7.40: Orgelkonzert. 8.99: Frühkonzert au» Karlsbad. 9.90: Schumann: Lieder. 9.40: Unterhaltungsmusik. 12.20: Ausschnitte au» der Operette.Mkirsti". 14.99: Deusscher landwirtschaftlicher Rundfunk: Ein Weihnachtsabend in der Einschicht. 18.80: Nachmittagskonzert. 17.88: Deutsche Sendung, ein Wunschprogramm: Allen zu Gefallen. 18.69: Deutsche Nachrichten. 19.89: Uebertragung au» den» Äattonaltheater: Dvokäk: Der Jakobiner. 22.29: Deutsche Nachrichten. 22.89: Kaffeehausorchester.— Prag, Sender Ur 14.80: Deutsche Sendung: Ein Besuch im Schallplattenarchiv.— Brünnr 11.10: Konzert. 18.60: Weihnachtsfrieden im. Bauernhaus (deutsch). 20.40: Hausmusik.— Presjburgr 10.16: Violinkonzert.— Kascha«: 14.00: Emil Pollers aus Granunophonplatten(Lieder).— Mährisch.Ostran: 21.18: Populäre» Konzert, Sonntag Prag Ir 6.46 bi» 7.80 Weckruf und bunte» Pro- granu». 7.49 Geistliche» Konzert. 8.00 bi» 8.48 Konzert de» Karlsbader Kurorchester». 9.00 bi» 9.88 Sinfoniekonzert auf Schallplatte,,. 9.88 bi» 9.86 Tschechische Arbeitersendung. 9.68 bi» 10.88 Salonquartett. 11.00 bi» 12.80 Übertragung au» Davos. Reportage vom Hockeywrnier. 12.40 bl» 18.20 Mi- litärmusik. 14.98 bi» 14.29 Landwirtschaftliche Sen- düng. 18.80 bi» 18.48 Schallplatten. 16.99 Konzert au» Mähr.-Ostrau. 17.88 bi» 18.68 Deutsche Sendung und Nachrichten. 19.96 bi» 19.46 Militärkonzert. 20.80 bi» 22.00 Operette au» Preßburg. 22.26 Deutsche Nachrichten. 22.88 bt» 28.80 Orchefterkon- zert.— Prag II: 14.80 bi» 15.80 Deutsche Sendung.— Brünn: 9.10 bi» 9.86 Hausmusik. 9.86 Prag. 14.06 bi» 14.89 Landwirtschaftliche Sendung. 16.00 Konzert aus M»Ostrau. 20.26 Prag. 20.60 Vreßburg. 22.00 bi» 22.80 Prag.— Preßburg: 20.00 bi» 20.60 Konzert. 20.60 bi» 22.00 Operette. 22.00 Prag.— Kascha«: 17.80 Blasmusik.— M.» Ostrau: 9.85 Tschechische Arbeitersendung. 16.00 bis 17.15 Rundfunkorchester. Montag., Prag I: 6.15 bi» 7.80 Weckruf und Konzert. 19.05 Deutsche Pressenachrichten. 11.05 bi» 11.55 Sinfoniekonzert auf Schallplatten. 18.80 Arbeitsmarkt(tschechisch).. 18.65 Deutsche Nachrichten. 14.15 bis 15.45 Uebertragung au» Davos, Reportage vorn Eishockeyturnier. 16.10 bi» 17.10 Kaschau. 18.10 bi» 18.46 Deutsche Sendung. 22.15 Konzert Maria Mil- haud. 22.40 Deutsche Nachrichten.— Präg II: 7.80 Frühkonzert. 14.20 bi» 14.60 Deutsche Sendung 18.10 bi« 18.56 Orchesterkonzert. 19.10 bi» 19.25 Zitherquartett. 19.86 bis 20.80 Unterhaltungskonzert auf Schallplatten. 20.80 I. S. Bach: Weih- nachtsoratorium.— Brünn: 17.40 Deutsche Sendung. 19.25 bi» 20.15 Unterhaltungskonzert. 20.80 bi» 28.00 Weihnachtsoratorium au» Prag.— Preßbur,: 14.05 Deutsche Nachrichten. 17.25 bi» 18.00 Uebertraguna au» dem Blindenheim. 22.80 Schall« platteitkonzert.— Kaschau: 16.10 Rundfunkorchester — Mähr.-Ostrau: 12.85 Blasmusik au» Bal. Me- ziktki. 18.10 Deutsche Sendung. Dienstag Pta, I. 6.15 bi, 7.80: Weckruf und«rsthkon- zert. 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.15 Deutsche Sendung für Frauen. 11.06 bi» 11.65 Buntes Schallplattenprogramm. 12.88 bi» 18,80 Mittag»- könzeri. 17.80 bi» 18.00 Bioloncellokonzert, 18.10 bi» 18.48 Deutsche Sendung. 21.00 bi» 22.00 Pro- köföv-Konzett. 22.18 bis 22.48' Tanzmusik aus , Schallplatte«.— Prag II. 14.18 bi, 14.80 Deutsche Sendung. 18:00 Schrammellonzert.:— Brünn .116.10 bi» 17.10 Rundfunkorchester. 17.40 Bi» 18.15 ■ Deutsche Sendung, 19.10 Ostrau. 21,00 Prag.— Preßburg. 14.00 Deutsche Nachrichten. 15 00 bis . 16.00 Nachmittag-konzert. 17,40 Orgel. 21.00 Prag. — Mährisch-Ostrau: 18.10 Deutsche Sendung. 10.10 'Populäre» Konzert- 21.00 Prag, Nr. 300 Freitag, 25. Dezember 1038 Seite 3 Grundtatsachen der spanischen Wirtschaft Hinter den Pyrenäen beginnt auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein Gebiet, das sich von dein übrigen Europa grundsätzlich unterscheidet. Spanien ist von der Natur aus eins der reichsten Länder Europas. Mitteleuropäische und subtropische., klimatische Verhältnisse auf. seinem Raume vereinigend, kann es eine Mannigfaltigkeit von Bodenprodukten hervorbringcn, wie es sonst nirgends in Europa möglich ist. Nicht nur die klimatisch anspruchsvollsten Getreidcarten und alle nur erdenklichen Gemüse, Früchte und Tabak können hier angebaut werden, sondern sogar solche europasremde Gewächse, wie B a u m- wolle und Zuckerrohr, sind bei sorgfältiger Pflege und unter Hinzufügung künstlicher Bewässerung kultivierbar. Spanien ist das einzige Land in Europa, wo die Dattelpalme zur Reife kommt. Es ist bekannt, daß die Obstkulturen und andere wertvolle Gewächse nach Spanien und damit nach Europa durch die A r a b e r verpflanzt worden sind. Bon diesen aus Afrika und Asien nach Spanien In der arabischen Epoche verpflanzten Gewächsen seien genannt: die Orange, die Dattelpalme, der Johannisbrotbaum, der Granalbaum, der Mandelbamn, das Zuckerrohr .und die Baumwolle. Auch der spanische Bergbau, der zur Zeit der phönizischen Kolonisierung und in der römischen Epoche geblüht hat, sväter aber vollkommen verfallen war, ist durch die Araber zu neuem Leben erweckt worden. Dabei wurde in der Verarbeitung der Metalle und der Herstellung von Geweben so Ausgezeichnetes geleistet, daß diese Waren einen europäischen Ruf genossen. Unter anderem ist von allen curopäis'ben Ländern in Spanien zuerst die Zucht der Seidenraupen einge- führt worden, die durch die Vermittlung der Araber von China aus übernommen wurde. Dir spanischen Bodenreichtümer machen das Land zu einem der reichsten Gebiete: von Kohle und Eisen bis zu den Edelmetallen kann hier alles gewonnen werden. Bei allen diesen Reichtümern ist aber Spanien ein sehr armes Land. Spanien ist ein ausgesprochenes Agrarland. Aber der Agrarcharakter der Wirtschaft kennzeichnet noch nicht genügend die wirtschaftliche Situation Spaniens. Man könnt« diese Situation als im höchsten Grade unproduktiv bezeichnen. Die letzte Volks- zählung hat In« Jahre 1080 stattgefunden. Aber die berufliche Gliederung der Bevöl« rung ist erst für fünfzehn Provinzen fertiggestellt. Di« übrigen 35 Provinzen müssen nach der Zählung von 1920 beurteilt werden. Für Gesamtspanien war die berufliche Gliederung nach der Volkszählung von 1020 folgende: nach Huelva. Ocstlich und südlich davon ist feder intensivere Landbau von künstlicher Bewässerung abhängig. Ueber die Verteilung des Grund und Bodens in Spanien haben wir bereits ausführlich auf diesen Spalten gesprochen svergl. Beilage zu Nr. 278). Spanien ist nicht nur das Land der Latifundien, der getvaltigen feudalen Besitztümer, sondern auch der„Minimifundien", der Zwergbetriebe, die die bäuerliche Familie nicht zu ernähren vermögen und den Bauern zwingen, seine Heimat zu verlassen, um sich anderwärts Brot zu verdienen oder gar jenseits des Ozeans sich eine Existenz zu suchen. Infolge der altertümlichen Anbaumethode mit den einfachsten, teils römischen, teils arabischen Geräten und der ganz extensiven Bewirtschaftung sind die Wcizenerträge so gering wie fast in keinem anderen europäischen Lande. So hat der W e i z e n e r t r a g pro Hektar im Jahr 1982 in Spanien bloß 10.5 Doppelzentner betragen, während er in der Tschechoslowakei in demselben Jahr 17.5, in Deutschland und in Großbritannien 21.9 u:»d sogar in Italien 15.8 Doppelzentner pro Hektar betragen hat. Die Ernten rei- auf den. Quadratkilometer zählende Bevölkerung zu ernähren. Die Kommunikationsmittel sind so mangelhaft, dass die dichter besiedelten Randlandschaften ihren Weizen nicht aus den Getreideregionen des Innern beziehen können, sondern sich auf überseeischem Woge verproviantieren müssen. Die gesamt« Länge. der Eisenbahnlinien beträgt in Spanien nach den letzten offiziellen Angaben 18.317 Kilometer(Tschechoslowakei: 13.705 Kilometer). Auf 100 Qudratkilometer lammen in Spanien 8.2 Kilometer Eisenbahnlinien, während in der Tschechoslowakei auf 100 Quadratkilometer 9.8 Kilometer Eisenbahnlinien, in Frankreich 11.6 und in Großbritannien 14.2 Kilometer Eisenbahnlinien auf 100 Quadratkilometer entfallen. Für das Verständnis der heutigen politischen und sozialen Verhältnisse in Spanien ist die sogenannte„Winkeltheorie" von Wichtigkeit. Diese durch die spanischen Soziologen aufgestellt« Theorie bringt di« Grundbesttzverteilung in Spanien mit der immer schneller fortschreitenden Rückeroberung Spaniens durch, die katholischen Könige in Verbindung. Die königstreuen Krieger, die gegen die Araber kämpften, wurden mit Ländereien belehnt, die, je weiter und je schneller die Rückeroberung nach Süden fortschritt, immer größer wurde». Deshalb konzentriert sich heute der grüßte Latifundienbesitz in der südlichen Provinz Huelva, am Golf von Cadiz, wo der»Winkel" der fortschreitenden Rückeroberung seinen Scheitelpunkt hatte. Der eine Schenkel dieses Winkels, dessen Scheitelpunkt etwa in Huelva (Golf von Cadiz) liegt, verläuft in der Linie Huelva—Cäceres—Salamanca—Läon— Asturien. Der andere Schenkel verläuft in der Richtung. Huelva—Sevilla—Cordoba—-Katalonien. Je mehr, die Schenkel des Winkels auseiimnder- gehen, desto kleiner wird der Anteil der Latifundien an der Gesamtfläche, bis er in den Provinzen Gerona, im äußersten Nordosten einerseits, und in Oviedo, im Nordwestsn des Landes andererseits, sein Minimum erreicht. Diese»Winkeltheorie" erklärt auch die Verteilung der politischen Sympathien zwischen dem Faschismus ünd der Republik: Je weiter nordöstlicher und nordwestlicher die Provinzen liegen, desto mehr republikanische Sympathien weist die Bevölkerung auf. Berufliche Gliederung In Spanien nach der Volkszählung von 1920 Berufsgruppe in v. H. der Berufszugehörigen 21—22 9 2 2.5—3 Landwirtschaft Industrie Handel.. . freie Berufe. Rentner und Pensionsempfänger 1.5 häusliche Dienste..... 33 Unproduktive(«inschließlich Schulpflichtige)..... 30 Aus dieser Tabelle kann man ersehen, daß etwa zwei Drittel der Bevölkerung mehr oder minder»unproduktiv" sind. Mehr als die Hälfte der produktiven Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. In vierzehn Provinzen sind nach der Zählung von 1920 über 50 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Charakter der Landwirtschaft Der wirtschaftlich sehr Ungleiche Wert der. spanischen Landschaften^ in denen sich Zonen größter Fruchtbarkeit mit solchen größter Armut abtösen, ist von entscheidender Wichtigkeit für die Gestaltung der Landwirtschaft, Von grundlegen- . der Bedeutung ist der Unterschied zwischen dem „trockenen"(Sccano) und dem»bewässerten" (dtegadio) Land. Bloß 36.2 Prozent der Ge- ' sanstfläche des kontinentalen Spaniens liegen in', den Zonen, die regelmäßig Niederschläge erhalten; 68.8 Prozent sind auf künstliche Bewässerung angewiesen, sollen sie intensiver kultiviert werden. Was die Bodenbenützung anbetrifft, so sind rund 41.2 Prozent' der 505.719 qkm betragenden Bodenfläche Spaniens(Kontinent mit den Inseln) bebautes Land, 49.8 Prozent sind Wie« ■ sen, Weiden und Wald, und 9.3 Prozent gänzlich unproduktives Land. Die TrennüngSlin!« zwischen dem-„feucht«n"^und dem„trockenen" Spa- . nie» säuft von Barcelona über HueSca—Bitoria Die spanische Industrie Ein industrielles Leben von modernem Zu«' schnitt liegt noch in den ersten Anfängen. Die klimatischen Verhältnisse sind der stetigen Arbeit in einer Fabrik wenig günstig; dazu kommt, daß es überall an gelernten Arbeitem mangelt. Die Neuzeitliche Form der Unternehmung, die Aktien« Gesellschaft, hat außer in Katalonien und int Jndustrierevier der Nordlüste noch kaum Eingang gefunden.' Die bedeutendste und vielseitigste Äewerbetätigkelt hat ihren Sitz in Katalo- n i« n, und sie ist auch die einzige, in der das Kapital größtenteils einheimischen Ursprungs ist. Aber auch in Katalonien walten die kleineren und initiieren Betriebe vor. All« großen Erz« l a g e r sind in den Händen fremder Kapitalisten, das.Eisen von Vizcaya(Baskenland), die Kupferminen von Rio Tinto(Provinz Sevilla), das Blei von Linares und vieles andere mehr. Von dem in der bergbaulichen Jnvüstrie tätigen Kapital sind rund Zwei Drittel in fremden Händen. Di« Kupferminen von Rio Tinto, die feit 1872 an«Ine englische Aktiengesellschaft verkauft sind,'sind einsraffeS Beispiel dafür, was für Erfolg« das Auslandskapital. Im Land« errungen , ihät:. Äm ersten Jahrzehnt nach der I'.ebernähme —Äon, westlich von Salamanca über. Caceres,! ,von Rio Tintodurch die Engländer wurde ein tveiter parallel der portugiesischen Grenze bis I durchschnittliches Jahresergebnis von'700.000 Tonnen erzielt, während es die spanische Regie- rung, der die Kupferminen vordem gehört hatten, durchschnittlich auf etwa 60.000 Tonnen jährlich gebracht hat. Die größeren industriellen Unter- nehnmngen, wenn man von Katalonien absieht, die EleltrizItätS- und Gasiverke, die Straßenbahn, die elektrischen Kraftwerke, manche Bewässerungsanlagen, sind meistenteils von Fremden geschaffen. Gleiches güt von den größeren Geschäften in Madrid und auch einer der wichtigsten Zweige des Außenhandels, der Handel mit Südfrüchten, Ocl und Wein, ist von Engländern,' Deutsche», Franzosen und Ainerüanern entwickelt worden.» Folgende Tabelle stellt die Entwicklung der bergbaulichen Industrie Spaniens in den letzten Jahren dar. Wir benutzen hierbei, wie auch sonst in diesem Bericht, die Angaben dcS spanischen Statistischen Jahrbuches für das Jahr 1934(Anuario Estadistico de Espaila, 1934), das im September 1935 erschienen ist. Das nächste Statistische Jahrbuch sollte im September dieses Jahres erscheinen, ist aber infolge des Bürgerkrieges ausgeblieben. Deshalb können wir meistens auch die Ziffern für die allerletzten Jahre nicht geben. Bergbauliche Produktion Spaniens 1925—1933 in tausenden Tonnen •*) In Kilogramm. 1925 1929 1033 Steinkohle u. Braun- . kohle(Braunkohle in Steinkohle um- gerechnet)... 6319 7828 6159 Eisenerze.., 4448 6552 8387 Kupfererze... 8681 4270 697 Bleierze.... 208 181 115 Zinkerze.... 168 145 95 Goldgewinnung"). — — 18241 Platingewinnung"). 93333 82713 104950 Der Schwerpunkt der bergbaulichen Produktion Spaniens liegt in der Gewinnung der Eisen« und Kupfererze. Die Weltkrise hat der Kupfererzgewinnung einen großen Schlag versetzt, während die Eisenerzgewinuung sich als verhältnismäßig stabil erwies. Aber Spanien verarbeite; lediglich einen ganz geringen Teil seiner Erze, was man aus der nachfolgenden Tabelle ersehen kann. Der größte Teil de: Erze wird aus Spanien ausgeführt und im Auslande verarbeitet, was natürlich für die spanische Wirtschaft von großem Nachteil ist. Metallproduktion Spaniens 1925—1933 in lausenden Tonnen 1925 1929 1933 Roheisen. ..-. 528 749 880 Rohstahl. ... 626 1008 472 Rohkupfer ... 21.8 28.5 17.3 Blei.. ... 158.6 142.8 88.4 Zink.. ... 15.1 11.8 8.5 Wie man sieht, ist die Metallproduktion In Spanien infolge der Weltkrise katastrophal gefallen. Seit 1988 ist diese Produktion beträchtlich gestiegen, wir verfügen aber leider nicht über genaue Ziffern darüber. Aber auch heute verarbeitet Spanien nur einen ganz geringen Teil seines großen Erzreichtums. Der Außenhandel Spaniens Der Außenhandel spielt in der gesamten Bilanz der spanischen Wirtschaft eine viel geringere Rylle als sonst der Außenhandel im Wirtschaftsleben eines europäischen Landes spielt. Die spanische Wirtschaft ist so primitiv, daß st«, auch ohne besondere Regierungsmaßnahmen, bis zu einem gewiss«« Grade selbstgenügsam ist. Den« noch hat der außerordentliche Rückgang des Außeichandels auf das spanische Wirtschaftsleben sehr niederdrückend gewirkt. Folgende Tabelle stellt die Entwicklung des spanischen Außenhandels in den Jahren 1927 bis 1985 dar. vor spanische Außenhandel 1927/1935 (in Million«; Goldpesetas) Jahve Einfuhr Ausfuhr 1927 2.576.1 1.887.2 1923 8.004.4 2.118.8 1929 2.786.7 2.108.0 1980 2.447.8 2.299.7 1981 1.175.5 961.0 1982 975.4 788.4 1988 835.4 668.6 1984 854.8 611.0 1985 875.2 583.4 Der katastrophale Rückgang des Außenhandels, der nur zu»; Teil auf den Preisfall zurück- zufiihren ist, hat die Isolierung Spaniens von der Weltwirtschaft noch mehr vergrößert und auf die Lebenshaltung der Bevölkerung niederdrückend gelvirkt. Spaniens Außenhandel ist im wesent- lickien auf die beiden atlautischen Erdteile, Europa und Amerika, beschränkt. I»; Jahre 1988 stammten 82.4 Prozent der spanischen Einfuhr aus diesen beiden Erdteilen, Ivobci weit mehr als die Hälfte, 57.5 Prozent, der Einfuhr aus acht Ländern stammte, nämlich— nach der Größe der Einfuhr geordnet— aus den Bereinigten Staaten von Amerila, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Schlveden, Italien und der Sowjetunion. Mehr als neun Zehntel der spanischen Ausfuhr gehen wiederum nach Europa und Amerika, wobei rund 70 Prozent auf die oben genannten acht Länder entfallen. Unter den spanischen Absatzmärkten stehen im Jahre 1933 Großbritannien und Frankreich an erster Stelle, dann folgen Deutschland und USA. Dem Werte nach entfallen von Jahr zu Jahr zwischen der Hälfte und zwei Dritteln der spanischen Ausfuhr auf Lebensmittel und Getränke, vor allem auf Obst u. Wein. Das starke Vorherrschen der Gruppe Lebensmittel und dazu noch entbehrlicher Lebensmittel, wie Obst, in der spanischen Ausfuhr, macht die letztere besonders kriscnempfindlich. Der Verlust aber, den die Produktionszweige der Lebensmittel bei der Ausfuhr erlitten haben, ist nicht bloß auf den Konjunlturabstieg der Abnehmerländer zurückzuführen, sondern auch darauf, daß der spanische Markt als Wnehmcr für die Waren jener Länder immer weniger in Betracht kam. Nach der spanischen Statistik hat der Außenhandel Spaniens mit der T s ch e ch o s l o w a- k e i in den Jahren 1929—33 stets eine Passivität zu Ungunsten Spaniens aufgetvicsen. Außenhandel Spaniens mit der Tschechoslowakei 1929—1933 (in tausenden Goldpcsetas) 1929 1930 1931 1932 1933 Einfuhr. 16.636 14.626 6.877 4.207 4.088 Ausfuhr. 280 1.142 8.157 1.568 002 Handels bilanz m. d. LSR passiv mit 16.897 18.484 3.720 2.644 8.046 Nach den Angaben der tschechoslowakische» Statistik hat im Jahre 19!lß l Jänner—Oktober) die Ausfuhr der CSR nach Spanien 29.9 Millionen Kö, die Einfuhr von Spanien 54.3 Millionen Kt betragen, die Handelsbilanz war also demnach mit 24.4 Millionen»K£ zu Ungunsten der CSR passiv. Bevölkerunsszunahme In Spanien Der Bevölkerungszuwachs des Landes (1910: 10.9, 1920: 21.3, 1980: 28.6 und 1938: 24.2 Millionen) kann nicht ohne weiteres als Zeichen wachsenden Wohlstandes gelvertet werden, besonders nicht in den letzten Jahren, in denen er eher das Ergebnis der überseeischen Rückwanderungen darstcllt. Die Bcvölkerungszu- nahmc ist auch ungleich über die einzelnen Teile des Landes verteilt: sie ist besonders stark in den industriellen Gebieten und in den Regionen in- tcnsiver Bodenkultur, regen Handels und mittleren und kleinen Bodenoigentums. In den Provinzen, in denen der Latifundienbesitz vorherrscht, Ist sie dagegen bedeutend geringer. Im Jahre 1857, also vor etlva 80 Jahren, als Spanien noch ausschließlich ein Agrarland gewesen ist, hat seine Bevölkerung 15.5 Millionen betragen. Sie hat also in diesen 80 Jahren um mehr als die Hälfte zugenommen. Trotz des landwirtschaftlichen Charakters des Landes ist die Konzentration der Bevölkerung ziemlich groß. Jin Jahre 1930 lebte rund ein Fünftel der spanischen Bevüllerung in Gemeinden von mehr als 50.000 Eiiuvohnern, während in der Tschechoslowakei nur etwa? mehr als ein Zehntel der Bevölkerung in Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern leben(1980). Dagegen wohnte allerdings in Deutschland int Jahre 1980 rund ein Drittel der Bevölkerung in Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern. Spanien weist zwei Gemeinden lveltstädtischcn Charakters aus: Barcelona mit mehr als einer Million EiiUvohncr und Madrid mit rund einer Million EiiUvohner. Von den Großstädten sind noch zu nennen:'Valencia, der heutige Sitz der republikanische» Regierung, mit 820.000 Einwohner, und Sevilla, die Hauptstadt der Rebellen, mit 228,000 Einwohner. Großstädtischen Charakter tragen außerdem Malaga, Zaragoza, Bil« bao, Murcia, Granada und Cordoba, die alle zwischen 200.000 und 100.000 Einwohner aufweisen. Alle anderen häufig in den Berichten genannten Städte zählen weniger als 100.000 Einwohner. Rrsltitftr 28.'SBjerrtfet 1030 Nr. 300 Ärife 0 Ein Weihnachtsmärchen Von Selma Lagerlöf Dieses Märchen ist schon ältere» Datums, wurde aber bisher nicht in deutscher Sprache veröffentlicht. Das Kind wurde kurz vor den: Fest geboren. Am Hcilgcn Abend sag die Mutter vor der Wiege, schaukelte sie langsam hin und her und hörte dem Heulen des drangen tobende» Sturms zu. Sie dachte über ihr Leben nach und über die Zukunft ihres Sohnes, der sorglos und ruhig iw der Wiege schlief. Was erwartete ihn im Leben? Was würde er einmal tvcrden?... Im Kamin brannte das Feuer nieder.. Als es'aber zwölf schlug, erschien, aus dem erlöschenden Feuer steigend, eine Fee und sägte zu der Mutter: „Alljährlich erfülle ich in dieser Nacht jcmands Wünsche. Bitte mich um was du Ivillst. ES soll dir alles gewährt tvcrden." Die Fran erwiderte:„Mach, dass mein Sohn gesund, kräftig und glücklich wird." Und die Fee sagte:„Ich verspreche dir, dass dein Sohn gesund, kräftig und glücklich wird." „Und kannst du auch machen, das; er reicher wird als alle Menschen in Schiveden?" •„Ach verspreche auch daS: dein Sohn wird reicher als sonst jemand in ganz Schweden." „Es wäre gut,, Iven» er das schönste Mädchen der Stadt zur Frau bekäme." „Gewährt. Niemand tvird eine Frau haben, die schöner ist." „Und dann niöchte ich noch, da st er nie weinen must."' .. Darauf schwieg die Fee und senkte den Kopf. „Warum schweigst du denn?" fragte die Mutter.„Du sagtest doch, ich könnte bitten, wor- mn ich will..." „Ja. Aber verlange nicht Unmögliches. Man kann nicht leben, ohne weinen zu müssen..." Ungeduldig unterbrach die Mutter:„Ich will abcrl Ich will, dast mein Sohn nie weint. Du musst mir diesen Wunsch.erfüllen!". • Die Fee senkte den Kopf noch tiefer. „Was ist also?" rief die Mutter.„Du willst nicht? Dann hast du ja anfangs gelogen..." „Ueberlcg cs dir genau, liebe^Frau-, begann die Fee. Aber die Mutter unterbrach von neuem:„Ich brauche nicht zu überlegen. Ich weih, um was ich bitt«. Ich habe selber zu viele Tränen vergossen, um für meinen Sohn nicht ein Leben ohne Tränen verlangen zu müstcn." Da erividerte die Fee leise:„Dein Wünsch wird erfüllt." Und mit diesen Worten verschwand sic. Vor dem Erlöschen stammte das Feuer im Kamin noch einmal grell aus. Die Mutter Ivandtc sich ab und beugte sich über die Wiege. Da sah sie, dast ihr Kind tot war. Es brauchte nie wieder zu weinen. (Deutsch von Gregor Jarcho.) „Leo Amamö TerriblcS."„Les Amants TerribleS" ist der Titel eines Filmes und eines Bühnenstückes von Roel Eoward, das lbohl auf allen Bühnen der Welt gespielt wurde und daS mit dem hier zu berichtenden Borgang nur insofern etivaS zu tun hat, als es den einzig möglichen Tiiel auch dafür abgibt. Denn Ivie sollte man sonst die sehr komplizierten Liebesverhältnisse von Barberon, Mutier und Sohn, anders bezeichnen, die jetzt eitlen polizeilichen Eingriff notlvcndig gemacht haben. Der Sohn, der 2öjäh- rige Monteur Georges Barberon, kam vor eini- geij Tagen nach Hause und muhte zu seiner Betrübnis erfahren, dast seine Frau ihn verlassen hätic. Er ging zu seiner Mutter, und siehe da, auch sie befand sich in der gleichen Verzweiflung, denn auch sie tvar am gleichen Tage von ihrem Geliebten, dem Italiener Santini, verlassen worden. lind um das Unglück vollzuinachen, kam es bald heraus, dast die Frau des jungen Barberon mit niemand anderem als mit eben jenem Santini das Weite gesucht hatte. Mutter und Sohn begannen wütend die Nachforschungen und stellten den Aufenthaltsort des Paares fest. Von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends postierte sich Georges Barberon vor das Haus. Als weder Santini noch seine Frau erschienen, läutete er an der WohnungStür. Niemand öffnete, das Paar Ivar allem Anschein nach irgendwohin abgereist, DaS ging GevrgeS Barberon zu weit.' Als Monteur fiel es ihm nicht schwer, die Tür aufzubre- chcn','Er'begab sich in die Wohnung, die wirklich leer war, und, schlug alles kurz und klein. Die Poriiersrau holte die Polizei, und Barberon darf jetzt seinen'Kummer über die Ungetreue Gattin in der Haft auSweinen. Der„Revisor" auf chinesisch. Während die klassische Komödie Gogols„Der Revisor" weder in. Russland noch im übrigen' Europa verfilmt worden ist, hat jetzt der chinesi sch e Film die bejhcndc Tarire des grossen russischen Dichters.auf die Leinwand. gebracht,. Der Revisor Chlestakow tvird von dem Schauspieler Hu-Pin gespielt und ist in chinesischer Auffassung ein durch europäische Einflüsse verderbter Klcinstadthcld. Mitten nr den chinesischen Dialog, der sich.ziemlich streng, au den Gogolschen. Text, hall,„sind fälsch ausgesprochene englische Worte eingesügt, und. dit chinesischen Zuschauer fasten daS Ganze mehr als eine Parodie auf europäische Bildüng und' auf die Grossmannssucht ihrer europäisierten Landsleute auf. Der Film ist vor kurzem in MoSkau gezeigt worden, wobei die russische Kritik den unzweifelhaft vorhandenen künstlerischen Wert des interessanten chinesischen Versuchs eiystlnunig anerkannte. Passende Weihnachtsgeschenke Einmal, als ich um die Weihnachtszeit durch die Prager Gasten schlendert«, die die Altstadt mit der Neustadt verbinden, sah ich Im Schatten einer der vielen Buden, die allerhand knusprige und glitzernde Dinge seilboten, einen armen slowakischen Rastelbinder, der am Strassenrand hockte und trübselig auf sein vor ihm liegendes kleines Warenlager starrte. Vielleicht mag er sich den Kopf darüber zerbrochen haben, wariW, gerade seine Erzeugnisse keine Käufer anlockten. Allerdings hatte er bloss— Mausefallen anzubieten. lind doch: warum sollen Mausefallen keine postenden Weihnachtsgeschenke sein? Warum gerade Mausefallen nicht, wo heutigentags noch weit seltsamere Dinge als„pastcndc Weihnachtsgeschenke" angesehen werden. Die Gemeindevorstehung einer kleinen ungarischen Stadt überraschte ihre Angcst-llten dieser Tage mit der Eröffnung, dast sie, die Angestellten, im heurigen Jahre an Stelle des bisher üblichen Weihnachtsgeldes Weihnachtsgeschenke erhalten tvcrden, nnd zwar—: Gasmasken.. Was neben sollst„passendem Weihnachtsgeschenk" am Gabentisch eventuell»och fehlt, tveist hinwiederum ein Wiener Geschäftsmann, der sich Heuer entschlosten hat, auch in sein Schaufenster - Spiet- Jföqxwpffeßc Arbeitsplan 1937 des Aruk Feber: Wintersport-Olympiad« derSASJin Johannisbad(18. bis 21.)— Bundcslehrgang für Techüiker in Mähren-Schlesien.— Technische Schulen der Kreise 1 bis 5. März: Bundestag in Teplitz-Schönau(27., 28. und 29.). April: Bundeskurs für KreiSrastaleiter und Konferenz.'— Bezirks- bzw. Kreiskurse für Rasta. J ul.i: Teilnahme.am Reichitreffen der RW In Aussig.'— 25. Juli bis 1. August: 8. Arbeiter- Olympiade in Antwerpen. August: BundeS-Radballmeisterschaft(Trau- tenau oder Reichenberg).— Jubiläumsrennen und Mannschaftsfahren Komotau—Tetschen. Die Kreismeisterschaften In allen Radsport- Bewerben finden 1987 nicht statt. Dieses Jahr soll den Vereinen für Vcranstältungen vollkommen freigegeben werden. Falsche Musik Die Pressestelle der RSJ in Prag hat In ihren Veröffentlichungen neuerdings einen Ton angeschlagen, der keineswegs der Einheit des Arbeitersports dient. Schon die Ueberschriften dieser Äeusterungen sind interessant, z. B-:„TASJ gegen eine gemeinsame Aktion zugunsten der spanischen Freiheitskämpfer". Dabei must dem Schriftleiter der RSJ-Pres- scstelle sicher bekannt sein,.was gerade die SASJ- Verbände für die spanischen Freiheitskämpfer tun- Auf diesem Gebiete sind Taten bester als viele Wort«. In der letzten„Arbeiter-Tucn- und Sportzeitung" des AtuS finden wir einen Artikel, der das Vorgehen der kommunistischen Presteleiter entsprechend behandelt. Wir glauben, dast ZcitungSpolemi- kcn nicht das Ilm und Auf der Ärbcitersportbewegung sind, fanden: dast die Organisationsarbeit wesentlich wichtiger ist. ES. scheint aber, dast auf der anderen NIVEA CREME gegen spröde Hanl eine jener Tafeln zu stellen, auf denen zu lesen steht:„Passende Weihnachtsgeschenke:" Was rund um diese Tafel in geschmackvoller Anordnung zu. sehen ist, sind— Grabsteine... Ernst Mache k.. Wttdtogwitkr»Ucafua« Heute und morgen 11 Uhr:„Unsere Soldaten", Premiere. „GroftmutterS Kino" mit vollständia neuem lustigsten Programm. Bcgleitvorirag Erich Juhu. Montag kl 9 Uhr, Arania-Kiiio „Schloss Bogelöd", Premiere mit Carola Höhn, HanS Slüwc, H. A. Schlettow etc. Heute und m o r g e n 2, 4, ü,%9 Uhr, sonst%6,%9 Uhr.— Silvester: Hll Uhr nachts ,,Tingel-Tangel". Reiches, lustiges, MItterngchtSprogramm. Seite die öffentliche Polemik die Hauptsacheund die ÖrgantsaiionSärbeit Nebensache ist.' Von besonderem Interesse ist jedoch jene Meldung der RSJ-Prefsestelle, die besagt, dast der BolkS- sportausschust in der Tschechoslowake: vom 18. bis 15. Feber in Destendorf Volks-Wintersportspiele durchführt. an welchen auch sowjetrussische Wintersportler (Skiläufer, Eishockeyspieler nnd Eiskunstläufer) teilnehme» sollen, bevor: sie nach Johannisbad fahren. Dast aber gerade einige Tage vor der SASJ- Wintcrsport-Olymviadc diese Veranstaltung durchge- siihrt wird, ist den' sozialistischen' ArbeitersporNern nicht sehr verständlich. Wie es dem Sport Im Dritten Reich ergeht Das Hitler-System spielt mit dem.Sport in Deutschland ein Doppclfpijes., Nach autzeä hin will' cs die Welf in'Staunen'versetzen über den Auf-, schwüng des-deutschen Sports unter dem Wohlwollen des Staatshakenkreuze» und es wird auch nicht mit Geld gespart, wenn es sich darum handelt, dem Aus lande die Augen zu verkleben.; Die Olympischen Spiele wurden mit einem Pomp sondergleichen durch- geführt, welcher kurzsichtigen Leuten fehs. gefiel und ebenso verhält sich dl« NaziePröpagandä, wenn es sich um Sportbeziehungen mit htm Auslande handelt.' Mit diesem Bluff kontrastieren jedoch gewältiz die Verhältnisse in den kleineren! Sportbetrieben und Pen Sportklubs. des Dritten Reiches..' Obwohl dies«! vor dem ÄuSlayde sorgWtigft versteckt'werden und! mit dem Nazi-Terror umgeoen sind,-dringt doch ab .unpi zu eine'. Nachricht hierüber, in„die Wett.' Wie es um die grossartige.Unterstützung der Sports, sm heutigen Deutschland wirklich bestellt.ist, charakterisiert die Nachricht, welche deck Nazi-Zensur scheinbar durchrutschte. Das ReichSamt für Leibesübungen in Berlin hat'Mit 1. Dezember 1986 tim' Betrieb von mehr als 1509.Klubs aller Sportzweigp! wegen absolutem Nichterfüllen der,Zahlungspflichten* L?°dast'? li' eS»V“ •sä’ der'kwwm 2cute non3 verwundert da Lci^ i ,°ditzt diesen Leuten auch-ost ganz aedankenlos -ine sogenannt-„deniokratische" Presse«-"an'-nlo- EIN JAHR GROSSER ERFOLGE DER ASAP ,.®'. c„ Tradition des heimischen Kraftfahr- wcsens ist mit der Jungbunzlauer Auiofabrik-na verknüpft, da dieses Werk als Wiege des Auto-' vaues in unserem Staate weithin berühmt ist. -..T?» abgelaufenc Jahr hat der Automobil- fabrik ASAP weitere durchschlagende Erfolge ge- dracht. so dass der Rückblick aus.das Jahr 1936 Ivirklich hocherfreuttch ist. Auf.sportlichem.Gebiet, erweckt«, ist,«oster. Reihe die-erfylgreiche- Wkltfahrt^- m:t einem Skoda-Rapid-Wagen IwderRekordzeit von ,9 7 Tagen Bewunderung und di« verdiente- Aufmerksamkeit der Weltpresse. Nicht weniger he-' achtenswert war das Unternehmen„100 Tage mit, de>n Populär" in die mexikanischen Tropen zum Fuste des Orizaba und Popocatepetl, über Dschungeln, auf fast unsahrbaren Wegen, trotz- Wirbelstürmen und'Höhcn über 8996 Meter. Ein weiterer internätionäler Erfolg waren die grossen Siege, bei der Rallyefahrt Monte Carlo und zur' Olympiade in Berlin, ferner durchschlagende Erfolge bei! heimischen. VerlählichkeitSfahrten. (Pieskany, LuhaLovicc, Kaschau, Gablonz usw.) nnd Eleganzwcttbewerbcn(Brünn, PieSkany, Bohdaneä, Lühäiovice, Jevany, PodSbrady ustv). Alle diese sportlichen und touristischen Gr-- folge beweisen die Verlässlichkeit, Schnelligkcit ünd Ausdauer der Skodawagen und haben ganz wesentlich zur stets wachsenden Beliebtheit dieser- Marke beigetragen. Zieht man die elegante Linie,; die gebotene Bequemlichkeit, den sehr mähigyn' Preis und namentlich den ausserordentlich wirr- schastlichen Betrieb dieser Wagen, in Betracht, dann' wird cs begreiflich, dass' ihr Absatz in, den letzten Monaten so rapid steigt und alle anderen Märken- weit übertrifft. In-den letzten-vier Monaten wurden In der- Republik 1080 SkodawagcN abgesetzt, d. i. um 107% mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Obzwar die Gesamtsteigernng der Anzahl von Motorfahrzeugen aller Marken in der Republik in den letzten elf Monaten gegenüber dec.' letztjähriaen Registrierung, nur 18% beträgt, verzeichnet Skoda ein Anwachsen um 42%, d. h. uni' ein Dreifaches über den Durchschnitt. ASAP hat demnach den Lätvenanteil am gesteiaerten Absatz von. Kraftfahrzeugen- in der Republik. Auch im Auslande gewinnt die Wagenmarke'' Skoda immer mehr Boden, was sich in einer kräf- tigcn Steigerung des Exportes nach allen Erdteilen kundgibt..- ... Die Automobilfabrik der Skodawerke, deren Erzeugung auf den modernsten und wissenschaftlich begründeten Grundsätzen basiert, hat Heuer auch, den Bq» von. Lflstwagen nach Mladä Boleslav chberirage'gi das GrzeilgungSprogramifl der.Werk.''. NMfasst-nun vier Typen Won Perfonenwägetku- (Populär, Rapid, Favorit und Superb.) und dreiX Ärundtypen- von' Lastwagen-(Tragfähigkeit 1 Äs.'6 Tonnen) mit Bestzin- oder'Dieselmotorei:^ oder fiir Holzkohlengasantrieb, --'.DaS! Krafttvägestwe'rk- ist. Voll beschäftigt und^. bietet rund 4009 Menschen Arbeit. ! Es! isv also klar, dass'die ASAP anSdaüemdu an.rde'r Wiederbelebung der gnten Kraftfährtpädir' tion"ünkereS LnüdeS ärbiltet ilnd! die' vottStvirr-' jchMiche.Kedeutung,.di^scS.Üntertwh>nenS!,IiNPep',.' mehr zür Wiuitg gelängt.-" 8SS8 Nr. 300 Freitag, 25. Dezember 1030 Leite 7 ielhnachtsmorgen ohne Sorgen! Ximal und WUaea •1 Mr-^assongen. ’i«i Kaufe nur bei unseren Inserenten! 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Achten Wenn da» Lwecksllber sinkt,, Wenn s immer kälter und kälter wird, dann stellen sich auch Schnupfen, Grippe, Rheumatismus:. und all diese Erscheinungen der rauhen Jahreszeit ein..— Fort mit ihnen. Ein gestählter Körper kaNw ihnen leicht widerstehen Und regelmüstige Hinryibuygenmst Uem Frcgizbranntwein Alva stählenhetzx eiwäs. Fragen Sie Ihren Arzt!■ Spielplan de» Neue» Deutschen Theater». Freitag 2'/,: Ehe, 75d: Aida, D.— Samstag 2s4: Arc l an d e r H i m m« l» t ü r, 75b: Monsignores grosseStunde, Es k o m mtnicht zum Krieg, Erstauffvh- rung, B 1..— Sonntag 2 5b: D i e verkauft« Braut, 8: Die Liebe eines Fremden, Erstaufführung, Gastspiel Ernst Deutsch, A 1. . Spielplan der Kleinen Bühn«. Freitag 8: D e r sch i e f e H u t. 75b: Matura, Erstausführung.— Samstag 8: D er I l l u s io tt i st, 8: M t-ft rä.— Sonntag 8: M c n s ch e naus d e r E'i» sch ol l e, 8: Matuö ä: Sie aber daraus, daß jeder Würfel die Prägung Mar» trägt. Nur dann ist er echt. Unnachahmliche Spezial sacken: „Sllbarseide“,„Cristallln",„Gold“ Amerikanisches Patent Nr* 1059701 Hoch'.elstunfls-Drehbanke, •I Fräsmaschinen, Radialbohimaschlnan, Bohrwerke, Shaplng- u. Hobelmaschinen Spannluller in modernster Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschinenfabrik Arno Plauert Warnsdorf, CSR. |„Die Schaubude" ist der Nome eines neuen Prager Kabarett», das sich an den Weihnachtsfeiertagen in der„Urania" dem Publikum zeigen will,-sich der Kritik abcrschan vorher bei der Generalprobe stellte..Da» Programm d«r„Schaubude" ist zym groben Teil Rückschau: Auf jene» Berliner Kabarett von 1825 bi» 1V82, in dem e» mehr Begabungen als Werte gab, dessen Witz« und Satire mit einem bestimmten Milieu und eisier bestimmten Zeit verbunden waren, so daß e» fraglich ist, ob sich heute in Prag ihre Berliner Wirkung von ehedem wiederholen lässt, noch dazu, wenn die Kabarettisten fehlen, für die Holländer, jkästner und Krüger damal» geschrieben hatten. Immerhin kann Lotte Morbacher zuweilen an Nse Boi» und Gloria Grand manchmal an Blondine Edinger erinnern. Die andereir Mtstvir- lendcn, voran. Jaro Fürth, aber auch Hilde Maria Krau» und Erich Freund erwiesen mehr schauspielerisches als kabarettistische» Talent,. und fitz brachten sich erst im zweiten Teil zur Geltung, in einer von Egon L a r s e«.. verfassten und von Leonhard Heinrich nach„Dreigroschenoper"- Motivcn komponierten„PfäudungSoper", die teil» parodistisch, teil» ernsthaft sozial'.«und teils nur ulkend schien,— eine Mischung, die für da» ganze Programm diese» Kabarett» charakteristisch ist, das mähr Aktualität und Eigenart gut vertragen könnte. — eis— Meür Freude an Theater und Sport durrfi gute Cptifz Zentrale Frag vil, Belsngstrapo 469, Telephon 74107 Brot- Gebäck- Konditorei Wir danken bestens für die genossen schaftliehe Gunst und bitten, uns diese auch im nächsten Jahre er elegante Herr- tragt Wäecha mi.td.er HGlochcn marke s Werden auch Sie Im eigenen Intereite Mitglied der• udÜCnOSf“ Zilina Urania-Kino, Kllmentsha 4. Fernsprecher 61623. I Kreditanstalt der Deutschen miMm. UW?— Filme in Präser Lichtspielhäusern Urania:„Schloss Vogelöd." lMontag: Gross, mutter» Kino. Silvester: Tingeltangel.)— Adria: „Herren im Zylinder." Astaire. A.— Alsa:„Romeo und Julia." Howard, Shearer. A.— Apollo:„Im Sonnenschein." Kiepura. D.— Avion:„Die Nacht in der Oper." Marx Brothers. A.— Fcnix:„Anna Karenina." Garbo. A.— Juli»:„Die Leuchtet de» Kaiser»." D.— Hollywood:„Hofkonzert." D- — Lueerna: Anna Karenina." G ä r b o. A.— Maceska:„Die Schneiderin." Tsch.— Metro: „Pater Adalbert." Tsch.— Passage:„Hofkonzert." D.— Praha:„Die Leuchter de» Kaiser»-" D.— Radio:„Unter zwei Flaggen." A.— Koiva:„Die kleine Diktawrin." Tolbert. A.— Svitozor:„Kapitän Jannary." Sh- Temple. A.— Hvizda: Milke y-Man»«Filme und Silly-Sym» p h o n i e n. Programm ab 2S. Dezember: Premiere nach dem Roman von Rudolf Stroh. Am 2.',., 26. und 27. Dezember» vormittags 11 Uhr: Juaend- und UuiturvorsteUuna:.»Unsere Soldaten", der erste heimische Armeesilm. Moniaa» den 28. Dezember, um Uhr abendS: Serie unveraehlicher ,>tlmc: Mino mit vollstündin neuem Proaramm. Begleitender Vortraa Erich Juhu. Am 31. Dezember: StivestervorsteUunq: V« nftel Der auSaelassene Tonfilm. Stuf der Bübne der Ltomiker Beda Lat. das Baar Earench, Berlosunaeu etc. Karten sichern. von Optiker Deutsch fTraÖ 11, Calais JÜor uno 7W6 OLLÄ ■ Bank der Cechoslovakischen Legionen 4 Plata-Exposituren n 22 Filialen in Vh»nL^Ul^.WWMMMiLi'' Aktienkapital; K< 70,000.000.—/ Reservefonds: Ki 65*000.000.*-* Telegr.-Adresse: Legiobanka, Prag. Telefon-Serie: 265-5-1, 301-4-1. Bankgeschilts aller Art Seife 8 „SoAtntbenwrrnt' ffreitnn, 2S. Dezember 1886. Rr. 800 hgpoteini banha ttskä frtlher Hypothekenbank des Königreiches Böhmen. Landesanstalt ZENTRALE In PRAHA- FILIALE In BRATISLAVA- EXPOSITUR In KOSlCE Uebernimmt Einlagen auf Einlagsbücher und In laufender Rechnung, Wertpapiere und andere Werte in Verwahrung und Verwaltung. Durchführung aller Bank- und Börsentransaktionen. 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Dieselmotoren 8854 zemshö hiki (früher Landesbank des Königreiches Böhmen) Zentrale Praha- Filiale Bratislava tt Alle Bank- und Börsen-Transaktionen Geldeinlagen in laufender Rechnung, gegen Einlügsbürhel und Kassenscheine Langfristige Kommunal-, Meliorations-, Eisenbahndarlehen- Baukredite Eigene Emission von Schuldscheinen mit der Haftung des Landes Böhmen, in der Slovakei und in Karpathorußland mit Staatsgarantie Individuelle Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren, getrennt von den eigenen Beständen und den Wertpapieren dritter Personen Sicherheits- Stahlschrankfächer-Vermietung Für die seitens der Bank übernommenen Verpflichtungen haftet das Land Böhmen BÖHMISCHE iHnSTRIAt|AHK Aktienkapital und Reservefonds K6 137,000.000'—< Zentrale in frag, Na PNkopI Nr. 16 FILIALEN in: Aussig, Beneüov, Beroun, Böhm. Krumau, Bratislava, Brno, Bfeclav, Cäslav, Ceskd Buddjovice, Cesky TüSin, Domailice, Dvür Krälovdn.L., Gablonz a.N.,. Hodonln, Hradec Krälovd, Iglau, Jindfichüv Hradec, Kladno, Klatovy, Komotau, Koäice, Kutnt Hora; Laibach, Louny, Mähr. Trübau, Mistek, Mladi Boleslav, , Moravskä Ostrava, Nfichod, Olomouc, Pardubice, Plzeii, Pferov, Pffbram, Rakovnik, v Roudnice n. L.,Seniily, Strakonice, Sternberg i. M.-,-Tdbor, Troppan, Ohtrtkb:!. Hradiäti, Üsti n. Orl., Vysokt M^to, VySkov, Weipert, Znaim, Zwittau EXPOSITUREN in: Prag VH.(Hoielbvice), Strossmayerovo nim. 976, Prag VIII. (Liben), Kr&lovski tf.890, Prag XI.(Zifkov), Husova tf. 45, PragXII.(Kgl. Wein- berge), Rubeiova uL 27, Prag XVL(Smichov), Palackdho tf. 20•..~l. BAHNHOF-WECHSELSTUBE in: Ceskd Velenice ß DURCHFÜHRUNG ALLER-BANK-, ' B ÖR S EN- U. W E C H S LE R G ESC HÄ F TE KREDITBRIEFE, UEBE^WEljSUNGEN UND AUSZAHLUNGEN AUF ALLE PLÄTZE DES IN- U. AUSLANDES INFORMATIONEN 4 IN FINANZIELLEN ANGELEGENHEITEN WERDEN BEREITWILLIGST UND KOSTENLOS ERTEILT Moderne Panzer-Schrankfächer(Safts) WER BAUT, SCH AEFTARBEIT Bezug 6 beb 1 n fl.iült’n- n: Bei 8uftellunn ins L>nitS obdr- bci QJcaiin durch tur'lieft monatlich Xt 10.—, bicttcijä5tIid;.'Kä;48.—; h'älJbfä^rifl.' W'Ööt—f iß2.—.—^dferate wJrbdn l bewilligt, Druckerei:„£)t6i3“, Druck», BerlastD» und 8eÜÄgD«A> so hemmendauf'die,Ent- tvicksüng Spaniens eingewirkt, haben. Dieser von Frankreich her eingeschlepptc Geist, eine furchtbare Reaktion auf die heitere, von aufgeklärter Gei-, stigkcit' und religiöser. Duldsamkeit'erfüllte Aräbxrzeit,. ist Spanien zum Verhängnis geworden. r ' Fioethundert Jahre lang war Spanien groß; nach dem Dreißigjährigen Krieg fallen die»Nie« verlande ab, zu Beginn des 19. JahrhündertS Mächen sich die amerikanischen Kolonien, selbständig, 1898. nehmen die Bereinigten Staaten sich,Kuba, Puerto Rico und die Philippinen. Spanien,bleiben an Kolonien nur noch einige Gebiete inMoi-afrila.,•-•>.. 7,. , Wieder MtzchülHi;, ■ Im Laufe dieser.Jahrhunderte-.hatte,! das Lemtz! immer wieher Ä n v a si 0 n e n zu erleiden: 2m vierzehnten Jahrhunderttfämp.ften Engländer- uyd.Franzosen für den König'Pedro den,Grän«' sameNf.beziehungSweise seinen Gegenkönig Heinrich von Traftamara. Als sich,lö4ll,Äqtalanle»! zur'unWängigenRepublik erklärt hatte, unternahm^Frankreich'- eine Intervention, zü''seinem Gunsten'.^'Jm'’Spänischen-' Edbfölyekrie'g-lämps-- ten"aufspanischem- Boden Frankreich auf der' eigen,' England,'Oesterreich) Holland, auf der- anderen Seit«. Frankreich setzte seinen Thron« .liberale Führer Riegy wurde gehängt. Der nächste- libetäle'SchlagÄrfolgte»schon 1840.'Das neunzehnte Jahrhundert ist von Hin und Her der liberalen und reaktionären Ausstände erfüllt: S p ä n i e n'r i n g t u m dieihm.gemäß-e st-aätli che un d. g e sellschaftl ich e F o-r m.'*'. Die Unheilige Allianzvon 1936 ■! In Spanien, das bis vor kurzem-abseits lag und für''die-'europäische Entwicklung belanglos ischihst.-ähf-diesem Vorposten Europas,' der,- durch ■b’ie^PijrenSen"böm/Hexenkeflel^europäischer Ereignisse.-getrennt, nicht einmal im Großen-Krieg' ins europäische Schicksal einb'ez^gen lourdes fallen heute Entscheidungen.-über zwei" politische Fäk« ,toren: über den Sozia l i S m- U S und.- über; ' E'ülr chpiä.- Äi«! Fröyt des spanischen Bürger- itrlsgS-lst zugleich die Frönt des KlassöNkriegS und -hie Front zwischen europäischer Demokratie und Faschismus. Die.-spanischen Ereignisse--sind.ein' heute zu gleicher- Feit das Fiel b e i d e r historischen- JNVasionsiendenzen ist:'der voM Mittelmeer und. der vom Norden her. Für-Mussolini liegt der-Äörstoß nach der iberischen Halbinsel selbstverständlich im Rahmen seiner Konzeption, die darauf auSgeht, das Mittelmeer wieder zu einem -römischen Binnensee zu machen. Hitlers Drang nach Spanien enthält zunächst einmal das Stre« ben'nach, dem Mittelmeer, das die Kaiser des Mittelalters nach Italien führte. Ueber-die Alpen, vorzustoßen, kann heute. nicht in Betracht kommest, ,da"dors ei»>.zeitweiliger Bundesgenosse sitzt,""der zudem'militärisch erheblich ernster zu Nehmen' ist als das zerrissene Italien der Stau« ferzeit'. Der Füg nach dem Süden-erleidet.darum eine kleine Richtungsveränderung. Der Einfall mnh>:die Festsetzung in Spanien oder die Gleich»' schältüng: Spaniens bedroht aber' außerdem »Deutschlands.„Erbfeind" F r.a'st k reich an -einer-bisher nicht gefährdetest Front. Das bedeutet:. Schwächung der. französischen Ostfront: ein strategisches Plus für Deutschland. Und schließlich soll Spanien das Sprungbrett nach Afrika werden, Ausgangspunkt für den Erwerb von Kolonien und Ansfallstor für die Attacke auf Englands Wcltvorherrschaft.(Daß auch der isolierte Posten Gibraltar in wesentlich schwierigerer Lage.ist, sofern ein von Deutschland beeinflußtes, womöglich gar organisiertes, faschistisches Spanien sein Hinterland bildet, als wenn er ein demokratisches, sozialistisches im Rücken hat, ist klar. Ein kleiner Ncbengcivinn für Hitlers Pläne.) Arbeitsteilung ES ist felbswerständlich, daß diese beiden AuSdchnungStendenzcn, die mussolinische und die hitlerische, einmal in Kollision gerate» müssen. Aber vorerst machen di« beiden faschistischen Mächte gemeinsame Sache. ES ist nicht. uninteressant, die Arbeitsteilung zu betrachten:'- Hitler hat die Arbeit auf der i b c r i s ch e».- Halbinsel übernommen, während Mussolini'. sich dort nur schivach, fast nur der Forni halber.; 1 betätigt und sich in der Hauptsache mit der Fest-- schung auf den Balearen begnügt. Der Jia-' i liener hat vor dem Deutschen, wie man seit Ian-. gem weiß, voran-, daß er ein Staatsmann nnd.. ein Kopf ist; er hat sich weist die weniger kost-- fpieligc nnd kräftevcrbrauchende Aufgabe gewählt. Die Balearen zu halten— militärisch oder politisch— ist weniger- schwer, als das iberische Festland zu erobern und nicderzuhaltell und seinen Besitz diplomatisch gegen Europa durchzufechten. Und im Falle eines ciittänscheu-- den Ausgangs ist cS tveitaus einfacher und dem Prestige kaum abträglich, auf die Balearen zn verzichten(von denen man ohnehin immer beteuert hat, man denke nicht daran, sie zu annektiere»), als geschlagen ans Spanien abzuzichen. das ersehnte Kolonialgebiet wieder dem Boll und- seiner Regierung zu-überlassen. Der wirkliche Gewinner bei einem Sieg Francos tväre Mussolini. Der wirkliche Verlierer bei einem Sieg des Volkes wird Hitler sein. Was die beiden Diktatoren zur derzeitigen Fusammenarbeit bringt, ist in erster Linie das Fiel, Frankreich zu schwächen. Eine Besetzung der Balearen durch-Italien-oder ein Franco-Re- gime würde Frankreichs»Verbindung mit seinen-> nordafrikanischen Besitzungen ernstlich gefährden, und seine Mittelmeerhäfcn entwerten. Wäre die Bedrohung der Pyrcnäeiifront nicht zugleich eine. Schwächung der französischen Rheinfront, so müßte einem der spanische Feldzug Deutschlands ebenso ungesund und phantastisch Vorkommen>vic der Versuch, England während des Weltkriegs in Palästina und Mesopotamien zu erledigen, in Jerusalem Apern zu erobern. Ein afrikanisches Kolonialreich ist, auch wenn Spanien und die- Kanarischen Inseln als Stützpunkte gegeben sind, nicht so leicht zu schaffen noch zn halten, wie man sich's in Berlin vorzustellen scheint. Da man aber gciviß sein darf, daß Deutschland, wenn der Franco-Hitlcr-Mnssolini-Plgn- gelingen würde, mit fanatischer Entschlossenheit alle nötigen Auf- Wendungen machen würde, ist der deutsche Vorstoß nach Spanien-Afrika von England durchaus ernst zu nehmen. Ole Niditlnterventlon Nun erleben wir, daß England und Franl- reich in der spanischen Angelegenheit offensichtlich ihren eigenen Interessen zuwiverhandcln. Frank-' reich ist in der sogenannten NichtintervcntionS- politik, die praktisch auf eine llnterstüyung dec-, Rebellen hinausläuft, nur Gefolgsmann Eng-- länds. Der Schlüssel liegt bei England. Die Gründe für diese Politik find: Erstens'die,'Pe»!.. socgnis, aus dein Spänienkönflikt könne ein allge-'- meiner europäischer Krieg entstehen. Fweitens Englands Desinteressement am westlichen Mittelmeer. Seit dem Fall Abessiniens hat man sich in London entschlossen, das westliche Mittelmeer Italien zuüberlassen und dafür die englische Position in den östlichen Mittelmcergcbietcn zu i festigen. Dieser Politik sind nun unwr anderem auch die französischen Mittelmeer- und Nord» asrikainteressen geopfert worden. England duldet;• sogar, daß das von London recht abhängige Portugal bei dem Versuch, Spanien zu vergewaltigen, eine Hauptrolle spielt. Mit Rom einigt ,-. sich London im Guten, und tassächlich hat cS erreicht, daß Mussolini nicht nur'seine diplomaZischen Offensiven auf dem Balkan bald nach dem Posaunenstoß der Mailästder AllerheiligeNrede stillschweigend abstoppte, sondern sogar, daß er- sich in den spanischen Dingen etwas zurückhaltender verhält uyd Hitler sich allein exponieren läßt,. Der Ausbruch deS europäischen Kriegs ist angMch durch die englisch-französische Politik verhindert worden. In Wirklichkeit hat er nie gedroht. ES ist Mussolini gar nicht, Hitler zur: Feit noch nicht darum zu tun, militärisch zu siegen. Sie haben-nur die Drohung mit-dem' Schwert benutzt,' um sich freie Hand in Spanien- zu erpressen.. Gegen die Koalition England-' Frankreich-USSR und Ihrer Verbündeieu /hätte» sienie aufzutreten gewagt. Der Erfolg ihres Suitbcrbcifnne Spanien n Freitag, 28. Dezember 1036 Bluffs und der englisch-französischen Reaktion darauf ist. da» nun auf spanischem Boden der europäische Krieg in Miniatur« a n* g a b e geführt wird. Dio. nicht heteiligten Nationen sieden mit gefalteten Händen im Dreiul» das Schlachtfeld herum, schaue» mit diskret geschloffenen Augen zu und leugnen leidenschaftlich, das; der Krieg, im Gange ist,, da sie dem merk« würdigen Aberglauben Perfallen sind, auszusprechen was ist, würde den Weltbrand bringen. Deutschlands Exerzierplatz . So läuncn die faschistischen Staaten, besonders Deutschland, iwSpanien seelenruhig willen: es ist ihnen erlaubt; Straffreiheit ist zugesichert, die.Beschlüsse des Nichtinterventionskomitees garäntierensie.Für.Deutschland ist der Spanien«, irieg-r- von den politischen Zwecken einmal ab« gischen■—, ein grosses, höchst wünschenswertes Manöver. Welche Gelegenheit« leine Scheingefechte, sondern«inen wirklichen Krieg zu führen, bei dem all« militärischen Faktoren erprobt werden können: Kriegsinstrumente, Mannschaften und Führeri Spanien ist.der Exerzier« p la b der neuen deutschen Armee;, statt auf Scheiben schiesst man auf lebende Ziele— wieviel kann da ein. strebsamer Soldat für spätere Praxis lernen I Die Osfiziere und sonstigen Fachleute machen Beobachtungen und Feststellungen über Tauglichkeit und'Wirkung, der Granaten, Geschütze, Flugzeuge, Abwehrgeschütze und lernen Taktik an der Ersahkung. Die Soldaten haben znm Teil noch gründlichere Erlebnisse: schon bekommen deutsche Eltern vom Heimattruppenteil teilnahmvolle Mitteilungen, dass ihre Söhne„bei den Manöver» tödlich verletzt" worden sind. Andere.wieder lernen aus den» spanischen Bürgerkrieg, wohin sie eigentlich gehören. ES scheinen nicht so wenige zu sein, die, einmal an der Front, zum Volk übergehen. Der„Diluvio" in Barcelona fordert sogar Hitler spöttisch auf, doch sa recht viel Leute zu schicken, damit die Milizformationen so erfreulichen Zuwachs bekommen. Klassenaspekt des Bürgerkriegs Der Klassenaspekt deS spanischen Bürgerkriegs soll, in diesem Zusammenhang, nur kürz skizziert werden: In einer Periode, da (äusser in Skandinavien) der Sozialismus Mer- all Rückzugsgefechte führte, war in Westeuropa ein Zentrum entstanden, das die Arbeiterbewegung wieder hätte zur Offensive führen können: die Volksfronten in Frankreich und Spanien. In Spanien ging der Sozialismus tatsächlich auch an die Umbildung der gesellschaftlichen Basis. Der Aufstand dec Reaktion machte auS diesem evolutionären Vorgang einen revolutionären, zwang die Sozialisten, sich den Mitteln der Gegner anzupaffen, d. h. zur Gewalt zu schreiten, und veranlasst« sie, Ziele, deren allmähliche Erreichung erstrebt war, als Tagesförderungen ins Sofortprogramck^äüfzunehMeii.'Vor dem faschistischen Aufstand vollzog ä u ch d a s d«'m akratische Bürgertum entschlossen den Bruch mit der Vergangenheit, r«ihte sich ein und akzeptiert« die Führung und das Programm der Arbeiterschaft— mit allen sozialen Konsequenzen, die dieses Programm einbegrcift. Das Ziel ist die reale, nicht nur die formale Demokratie, das heisst: die auch inhaltlich durchgefMrte Demokratie, der Sozialismus. Die Front des Sozialismus und der europäischen Demokratie liegt heute'in der Guadarrama, vor Madrid, in Asturien, in Aragün. Eine Niederlage des freiheitlichen. Spanien wär««ine Niederlage des Sozialismus, der Demokratie, der Freiheit Merhaupt. Vorschläge zur Güte Wir haben in den letzten Wochen verschiedene Vorschläge zur Erledigung des spanischen Konflikts ausgetischt bekommen. Man wollte einen Waffenstillstand herbeiführen, schlug eine Vermittlung zwischen den Rebellen und dem Volk vor, wollte ein Plebiszit anregen. Wer auch nur eine kleine Ahnung von spanischen Dingen und vom spanischen Voll hat, konnte diese Nachrichten nur mit Staunen über die Naivität der Diplomaten aufnehmen, die mit den hergebrachten Laxiermitteln zu kurieren gedachten, Ein Waffenstillstand— damit Deutschland und Italien in Ruhe Kriegsmaterial und Menschen heranschaffen und dem Ivackeren Franco Kriegsplan und Aufmarsch ausarbeiten können? Vermittlung— das heisst: Verhandlung von Gleich zu Gleich, Anerkennung des Marokkanerscheichs und Hitlersergeanten Franco als legitimes RegieruügShaupt? Plebiszit— Verzicht der Vertreter des Volkes auf ihre Vollmacht, Be» lohnuirg der Schlächter von Badajoz, der Zerstörer Madrids, mit der Ernennung zu anständigen Bürgern und Brüdern, die man fragt, ob sie selbst oder die Verratenen und Misshandelten regieren sollen? So müsste, die Reaktion in Spanien sein; und so war. sie. Man muss lesen, mit welcher grimmigen Ironie uch die Blätter über den„Witz vom Waffenstillstand", über das Plebiszit lustig. machen. Die Diplmnaten haben«Inen Korb erhalten. Er war verdient. Das Plebiszit wäre, toenn es unter unparteiische« Kontrolle durchgeführt worden wäre, zweifellos mit einer Mehrheit'zugunsten der Regierung ausgegangen, die nahe an die konunandierten Ergebnisse nationalsozialistischer, Volksabstimmung, gereicht hätte. Silier die Herren Diplomaten habest eines vergessen: der Spanier hat W ü r.d e und Sifln für Würde. Er kann unterliegen,,er kann vielleicht eine» seelischen Kollaps erleiden.und zusammen- tzrechen; aber die Zumutung, sich aus gleiche,Stufe zu-stellen mit Franco und seinen Komplicen, und' da« gar noch auf Anraten derjenigen^ Mächte, die nun seit Monaten die verächtliche tzlsNödie der„Nichtintervention" aufführen— da* ist etwas, was ausserhalb seines Verständnisses liegt. Bünde weg von Spanien'!! Nur einer der Vorschläge lotrd beim spanischen Volk Sympathie finden: der der strikten Durchführung der Nichtintervention. Wenn wirklich die hermetische Ab- schliessuug des Landes gegen ausländisches Kriegsmaterial und ausländische Truppen erbricht werden könnte; wenn wirklich das spanische Boll und das, was-an Helfern bisher auf beiden Seiten vorhanden sst, die Sache ungestört äus- tragcn dürften, so wäre alles entschieden:! die Vernichtung der Rebellen wär« nür«ine Frage der Zeit.; Nicht nur, dass das kampfbereite Menschenmaterial und die Waffenfabriken in den Händen des Volles sind, Franco von beiden keine Reserven hat: auch' daS Bewusstsein' deS güten Rechts ist ein militärischer Faktor von hohen: Wert; man unterschätze ihn nicht, besonders, im Bürgerkrieg nicht. Werden die Rebellen sich selbst überlassen, so wird der Aufstand langsam aber sicher abgewürgt werden; Man sagt oft: Wenn wirklich die grosse Mehrheit deS VoltzS im rebel« lenbesetzten Gebiet,auf Seiten, der, Regierung.steht — warm» gibt es keine Aufstände, leinen Partisanenkrieg? Darauf ist zu antworten: Erstens gibt es, vor allem in Galicien und Leün, immer wieder Aufstandsversuche und in den Bergen von Huelva führen die Bergarbeiter von Rio Tinto, von Palverde und Nerva ihr«. Guerilla, wie' der Rebellcngouverneur der Provinz feststellt; zweitens hat das Volk keine Waffen. In den von Franco unterworfenen Gebieten wartet das Volk mit blossen Händen auf den Tag, da auch nur eine geringe Chance des Erfolgs besteht. Dass sich die spanischen Arbeiter und Bauern zu opfern verstehen» wird nach den Ereignissen dieser. Monate niemand bezweifeln. Wirklich starke Stützpunkte im Volk« haben die Reaktionäre vor allem in folgenden Gegenden: Navarra, BurgoS, Valladolid, zum Teil in Lebn, zum Teil in Galicia, dann, in der Provüyz Salamanca. Man warte ab, wie' die Bevöllerung reagiert, wenn die asturischen Bergarbeiter in Leön und Galicia, die Katalanen in Aragün Vordringen. Die Francisten haben in den von ihnen besetzten Gebieten das Sicherste getan, was sie tun konnten: zu Tausenden erschossen, was sie an LinkSgesinnten finden konnten. Es wird sich zeigen, wie wenig sie damit ausgerichtet haben. Max Barth Zeugnisse des Verbrechens Befehle, Erklärungen und AusSprflehe von Fasehlstengeneralen Dem Züricher„Volksrecht" entnehmen wir folgende Zusammenstellung: In den ersten Tagen des faschistischen Aufstandes erklärte der General Qu e i p o de Llano bei der Besetzung von Sevilla durch di« aufständischen Truppen: „Wir»erden unsere Absichten durchsetzen »nd wenn dabei 800.600 Spanier tun* Leben kemmrn sollten." Einem Vertreter der englischen Zeitung „News Chronicle" gegenüber äußerte sich General F r a n c o über die Aussichten seines Sieges folgendermassen: „Sollte unser« Aktion zusammenbrechen, so »erd« ich all«* tun,»m einen internationalen Konflikt herbeizuführen." Aus einem Befehl General Franco* an die Flieger der Rebellen: „E* hat sich bereit* im Weltkrieg gezeigt, daß die Bombardierung von Krankenhäuser»»nd Schule»«in wirkungsvolles Kriegsmittel ist. Unser« Flieger solle» daher vorzugsweise Lazarett« zu« Ziel ihrer Bomben wähle». E* wird damit , zweierlei erreicht: Eine Bombe auf li» Lazarett hat zinz.pIH sicherer« Wirkung al* im AM. Feld, und außerdem trägt dies« Art der Kriegsführung dazu Hess die Moral de* Gegner* zu. schwächen." Ein ausländischer Birichterstatter veröffent» licht folgende Ausführung Queipo de Llanos bezüglich des Angriffs auf Madrid:... „Sowohl Mola, Franc», Cabanella* wie auch ich, halte» es für ein« B a r bar e ss da* Lebe» von 800.000»der 400.000 Mensche» in Madrid rette» zu wolle». Den» würde« ebenso» viel innerhalb Madrid* sterben, würde schon alle* beendet sei»»nd Fried« in Spanien herrschen. Wenn versucht werde« soll», a« irgendeinem andere« Punkte unsere« Vormarsch aufzuhalten, würde« wir nicht davor zurückschrecken, Frauen, Kinder»nd Greis« zu täten. Für unseren r n b g ü l t i g« n Die» müssen drei bi* vier Millionen Spanier sterb««'. Fallen sie nicht auf dem Schlachtseld, so versichere ich bei«einer Ehre, daß st« von unser«» Legionäre« und unsere« marokkanisch«» Truppe» erschoss«« werd«»." Wie es kam War es di« Ermordung deS Faschistenfüh- rers Calvo S o t e Io, waren«S di« Streiks der. Arbeiter in allen Teilen Spaniens, die zu dem Ausbruche, des Offiziersausstandes führten? War es die drohende„Bolschewistening" der Massen und der Regierung, waren e* die Kirchenzerstörungen, die Vertreibung von Mönchen und Non», nen? Der Pressechef des Generals Franco wurde geschwätziger in Tetuan, als er, einem französischen Journalisten erklärt«, dass der Aufstand aufs beste und seit dem 14. Avril 1081, dem Tage des grossen Wahlsieges der Republikaner in Spaniens vorbereitet worden war/ Franco war Monarchist,' die Generale Mola, Queipo und CabanelaS, waren es auch. Eje halten dem König den Eid gegeben und mussten ihn balten,, sie hatten aber auch der. Republik den Treueid geleistet, aber nur, um ihn nicht zu halten,.Die Gegenrevolution konnte am ungestörtesten in den Kolonien voche- reitet werdend dort, wo man den Militärs..und Hohen Beamten eine geradezu diktatorisch« Ge- walt überantwortete, Dl«, spanische Regierung war allzu sehr mit inneren Problesne» beschäftigt, sie wollte da* Versäumte, von 1Ü81-88 nachholen, die Agrarreform gegen den'Widgrstgnd' der alten königstreuen Beamten durchführen; Sie; allgemeine Schulpflicht endlich verlvlrklichen, die sozialen Gesetze au* d«r Zeit der erstenrepubsj^ konischen Parlamentsmehrheit. zur' Anwendung bringen und vieles andere. Man wollte nicht mehr in den alten Fehler verfallen, die.Unruhen auf General Franco Ende Juli zu einem Korrespondenten de*„News Chronicle": „ttai«ein Ziel z»«reichen, bi» ich bereit, wenn«* nicht«wer* geht, di« Hälfte de* spanische«. Bolle* zu erschießen." General Franco über die Einnahme von Madrid zu einem portugiesischen Journalisten: „Di« Beschießung von Madrid wird fortgesetzt werde«, bl* sich die Stadt ergibt. Wir werde» Stadtteil»ach StadtteU zu zerstören habe«, da* ist im AuMblick di, einzig mögliche Lü- fuuz." Bericht des Korrespondenten der schwerindustriellen Pariser Tageszeitung ,Le TempS", Gaswn Blanc, aus Avila über die bei der Einnahme von Madrid vorgesehenen Massnahmen der Rebellen:'' „Die Befehle de* Hauptquartier* der Re- belle» sind strittet Sei« Journalist darf de« in die Hauptstadt eindrwsenden Truppen folgen. Die ISO Vertreter ter Weltpresse, die sich t» Avila, Talavera und Toledo befinde«, werden . Madrid.nicht betreten können, eh, ihnen nicht • dafür die spezielle Erlauini*,„geben M ?" Der WtÄrsch 1 in Madrid wird keine anderen ' Augenzeuge« sehen al* hi« Madrid« selbst und die siegreichen Soldaten."(Dieselbe Maßnahme wurde von de« Rebellen general Fague tri der Einnahme Von Badajoz getroffen, al* die ver- ' tierte« Truppe» der Faschisten 1500 Wehrlose niedenuachten.) Ansprache eine* Kommandanten einer marokkanischen Brigade vor einem Sturm auf die Stellungen der Antifaschisten vor Madrid(Au*- säge eines.gefangenen Marokkaner*): .„Soldaten," auf zur Erstürmung von Ma- dridi I« einer Woche lasse« wir Euch frei, -dann k°önnt ihr tu«, wa* Euch g« f ä l l t. I» Madrid, gibt«* alle*. Wenn Euch «in« Bache gefällt und Ihr wollt sie hat«— wir drücken leid« Auge« zu.". Wir glauben, dass diese lleine Auswahl von Aeusserungen faschistischer Führer, die sich als .Hulturbünger" und„Retter" Spaniens bezeichnen, keine* Kommentar* bedarf. dem Land« durch Gendarmerie zu unterdrücken und zu diesem Behuf« da*. Innenministerium einem Reaktionären vom Schlage«ine* Miguel Mauro anvertrauen, der, statt beschwichtigend auf. dl« ungeduldigen, landhungrigen Haffen zu wirken, Blutbäder anrichtete und so die Reaktion von 1083 schuf. Anfang* arbeitete die Reaktion mit demagogischen Mitteln und durch tlgent*'Provokateur*. Bon den geflüchteten. Grossgrundbesitzern, der Kirche und einem Teil de* Ausland* reichlich Mit Mitteln versehen, bereisten die Söldlinge der Konterrevolutionäre da*'Land und predigten den ungebildeten KleinbauernMassen, dass sie verraten worden seien,'dass man.an ein« Landaufteilung' überhaupt nicht denke und dass Gotte* Straf« nahe Vevorstehe. Die Wahlen von. 1083 brachten die Früchte dieser leider von höchsten Stellen zu leicht genommenen Propaganda.-Vergeben* war der Appell der demokratischen PäPfien an die Geduld, die Reaktion trug ihren, erstes». Sieg— und da* bereits zwei Jahre nach dem Stürzende* Königtums— davon. Die Befürchtzmgen trafen ein: Stück um Stück wurden'die Errungenschaften der Arbeiter und Bauern abgebäut,'Aufstände wurden blutig unterdrückt, da* Massaker gegen die asturischen Bergleute kam und damit die Besinnung. Die rrzwung'tsten Neuwahlen i im heurigen Feber brachten der Konterrevolution.eine Niederlage, Jetzt wurde e* ernst, da* wussten diel Schrittmacher der Reaktion. Aber, man, war nichts genug vorbereitet, vor-Mein-fehlte f* noch an Geld. Die Hauptarbeit wurde nach Portugal verlegt; in dem kleinen.Seebad« Mont Estoril bet Lissabon liefen alle Fäden zusammen. Dort resi dierte der monarchistische General Sanjurjo, dort jagtest die Luxu*auto* der»armen" Emigranten auf der Strass« nach Lissabon hin und, her, dort hörte.man auf einmal mehr Deutsch al* je zuvor. Auffallend»kehrten sich die Besuch« Deüt- schcr, ein Schiff nach dem anderen brachte Unmengen„KrÄst durch Freude"-Reisende, die in schönen Auszügen'durch die Strassen marschiertest, die. Hotels bevölkerten und Versammlungen, Feste und Konzerte veranstalteten. Die öffentliche Meinung wär längst umgeschkage», Deutschland war an Englands Stelle getreten. Bei Umzügen sah man das Hakenkreuz, den Hitlergruss, auf Veranstaltungen wurden Toaste auf Hitler auSge- bracht und Geld swh in Strömen. Di«"Kuriere jagten einander und kreuzten ihre Wege vost. Portugal lind von jenseits der Strasse von Gibraltar. Während jeder Beobachter sehen und am Strande von Estortl hören konnte, dass grosse Ereignisse bevorständen, lebte man in Spanien in einer geradezu leichtsinnigen Arglosigkeit. Man nahm die Mordqnschläge.auf Republikaner, di« Todesdrohungen, die Vorgänge in den OffiziecSkasinoS leicht, mass den Berichten über auffällige Umtriebe in den Kasernen keine Bedeutung bei, lieh die Faschisten ungeschoren und duldet« ihre Aufmärsche mit Fahnen und Musik, hatten nicht di« Entschlossenheit, die ausländischen Bergwerk*-, Fabrik*- und Eisenbahnbesiher zu zwingen, die Gesetze einzuhalten, Mistimallöhne zu., zählen, Perträge zu ächten und wär sehr erstaunt am 10. Juli zu erfahren, dass der gegenrevolutionäre Ausstand in ganz Spanien auSgebrochen sei. Nicht die Regierung hat eS zu verhindern verstanden, dass'heute noch.nicht Franco in Madrid ist, eS ist das Perdienst, der zum Aeussersten entschlossenen Arbeiter und. Bauern Spanien*, wenn jenseits der Pyrenäen dem Faschismus ein Damm gesetzt .wurde. Die bange Frage ist nur: wie lange noch? Wer aber die entschlossenen Gesichter der roten Milizionäre auf den Bildern aller Zeitschriften und in der Kinowochenschau sieht, der kann bemerken, dass unsere kämpfenden Btüder.in Madrid, an.der katalanischen, und. asturischen Front fest daran glauben, dass der Endsieg ihnen gehört. GuBtav Herb 1g Das Programm der Sozialisten Im Mai 1086, also nach dem Wahlsieg det Vollsftont und vor dem Aufstand Franco*, stellten die spanischen Sozialisten folgende* Sofortprogramm auf: 1. Bestrafung derer, die an der Unterdrückung de* OktoioraufslandeS von 1084, besonder* In Asturien, tellgenommen habe». 2. Menschliches Gefängnisfpstem, ' 4. Repnblikanlslenmg der’ Behörden,' deS Heere* und der Staatsverwaltung.. 8. Revision des Gesetze* üb« die öff^-lllche Ordnung und da* Vagabundentum.(Diese„lep de vagoS tz maleanteS" war ein für jeden beliebigen Zweck verwendbares Gesetz; unter anderem wurde» unter Berufung darauf Bettler«ingesperrt, Landstreicher fremder ßtatwnalität, aber auch Polltisch mißliebige, mit Eristenzmttteln versehen« Emigranten auSgcwiesen und abgeschoben, spanisch« Schrift- . steiler und Journalisten wegen ihrer politische» Gesinnung«ingesperrt, wobei die Tatsache, daß sie nicht fest angestellt Ware«, sondern al* freie Publlgiften ihren Lebensunterhalt«warben, als Beweis für ihr« Mittellosigkeit, d. h. ihr Landstreichertum, geltend gemacht wurde.) 6. Unterdrückung des Wucher*. 7. Horabsetznng der Mietzins«. 8. Erweiterung des landwirtschaftlichen Kratts. 9. Aufhebung de» Pachtgesetzes; Erlassung Astes neue» Gesetzes, Revision der«folgte» Aasweisung von Pächtern. 10. Ausbau der landwirtschaftliche» Kollektivwirtschäfte». 11. Rückkauf der Gemeindegüter(au* dem Besitz der toten Hand und der Kapitalisten), 12. Enteignung der Adelsgüter. 18. 40-Btunden-Woche al» Höchstarbeitszeit. 14. Arbeiterkontrolle in dm Betrieben.(Betriebsräte.) 13. Staatshllfe an die Gewerkschaften,.damit sie die Arleitslosm unterstütze» könnm. 16. Bau von Wohnhäuser« in der Stadt und auf dem Land. 17. Einführung der Strafbarkeit für Lohnverschlechterung; Festsetzung von Mindestlöhnen, 18. Wiederherstellung»nd Revision der Sozialgesetz« der Konstituant«(vom Jahr« 1981).' 19. verstaatlicht«* der Bank» und der wich- tigften Jnduftrim. 20. Unterordnung ter Notenbank unter die Bedürfnisse de* Laiche*. 21. Fortgesetzte Schaffung von Prtmar'.nlm. (Der den der Republik■ 1981 1 ausgestellt»-Plan zur Schaffung neuer Schulen ist nur zum Teil ausge- führt wordm; al», von 1983 ab, der Rechtskurs einsetzte, wurde seine Ausführung gestoppt.) 22. Zugang der Arbeiters»gmd zur Universttit. ' 23. Berufsausbildung«nd wirschafttiche Unter stützung der Jugend, die di« Bernfsschulm«nd di, Universität besucht; : 24. Wiederherstellung der diplomatischen und -Wirtschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion. .- Das Programm zeigt, welche Probleme in Spanien Muellwaren. Es zeigt aber auch,.Die sinnlos die Behauptung, ist/ dass die Regierungstruppen„für den Bolschewismus" kämpfen,' Freitag, 25. Dezember 1036 M Sonderbeilage Spanten Goya auf der Flucht Von Edgar Hahnewald Goya: Die Erschießung der Aufständischen preisgeneben. Links im Hintergründe hängen an| Kunst spricht unsterblich zu uns. Eindringlicher Baumstämmen»och zwei audere Opscr, cleud und I noch in diesen Tagen, in denen die Schreckenskläglich auch sie. Rechts aber, dicht vor dein Ge-- szenen, die Goya in seinen„DcscstrcS" darstcllte, henkten sitzt breit hingclümmelt ein Husar, der von neuem blutige Wirklichkeit geworden sind— sich mit sadistischem Behagen am Anblick des Ge-| eine Wirklichkeit, vor der nach hundert Jahren henkten weidet. Dieses Blatt, knapp in den Mit-i noch der tote, unsterbliche Goya aus dem brennenden Madrid fliehen muh. -Spanien blutet im Bürgerkrieg. Arun, Badajoz, Toledo, Madrid sind Namen des Schreckens geworden^ Das Blut der Erschlagene» tränkt die spanische Erde, lind vor den Granaten und Fliegerbomben, die den Menschen gelten, flieht die Kunst. Tie Meisterwerke von Greco, VclaS- q u e z, MurilIo, Goyä, unersetzlicher Besitz des Prado, der Madrider Galerie, sind in Sicherheit gebracht worden. ES Ist, als sollte der Satiriker Goya»och nachträglich durch eine Satire bestätigt tverden: ein Jahrhundert nach seinem Tode noch muh Goya fliehen vor den Schrecken deZ Krieges, die er verdammt hat. ■ Blättern wir dieses Jahrhundert zurück. Am 10. April 1828 starb in der srauzösischen Stadt! Bordeaux Francisco Jost Goya. Ein spanischer! Maler, der an der Schwelle des 10. Jahrhunderts Spanien noch einmal an die Spitze europäischen Kunstschaffens geführt hatte. Es war ein Zufall, dah er sein Leben nicht in der Heimat beendete. Bier Jahre vor seinem Tode hatte epin.einem lothringischcnSchwese1lbädfr,H.eiluflft,ipon,seiner Gscht suchen wollen. Auf der Reise dahin hätte er sich jedoch bei Freunden in Bordeaux niedergelassen und war geblieben. Ein Sturz von der Treppe setzte seinem langen Leben ein Ende. In Bordeaux lag er auch beerdigt; erst im Jahre 1000 sind die Gebeine des Toten nach Spanien gebracht und in Madrid beigesetzt worden. Am 10. März 1740 wurde Goya als Sohn armer Bauern in einem Dorfe bei Sarägofsa geboren. Wie der junge Goya, der Bauer werden sollte"wie seine Väter, in die Malerwerkstatt seines Lehrmeisters in Saragossa gekommen ist, bleibt im Ungelvissen der Legende. Das heiße Blut seiner Jugend treibt ihn in stürmische Abenteuer. Wiederholt muh er fliehend Erst nach Miadrid, dann nach Rom. Als Dreißigjähriger kehrt er nach Madrid zurück. Dort arbeitet der Italiener Tiepolv, der geniale Maler barocken SchaugeprängeS, zusammen mit Raphael MengS, dem in Aussig an der Elb« geborenen deutschen Maler. MengS verschafft dem jungen Goya de» ersten grohen Auftrag. ES sind Entwürfe für Wandteppiche, die das Madrider KönigSschloh schmücken sollen. Und Goya legt gleich im ersten Anlauf Proben seiner starken persönlichen Künst- lerschaft ab. Er malt für diese Wandteppiche nicht die traditionellen, antiken. Götterspiele und Allegorien,, sondern er greift mitten, hinein ins spanische Volksleben und holt sich dort die Modelle für'feine Entwürfe, junges Bauernvolk bei Spiel und Tanz, Marktfrauen, Zecher und Lautenspic- ler, Wäscherinnen und- Wasserträgerinnen, Er malt, eine Wett, die jeder kennt, und jeder versteht. Mit einem Schlage ist Goya berühmt. Er bekommt Aufträge, Aber nicht nur.der heitere Abglanz des Lebens reizt Ihn. Er malt änch. das Grauen und die.Dämonie. Er geht in die Ge- fängnissc, in die Kranken, und Irrenhäuser und der religiöse Wähn einer Flagelläntenprozesflön ist ihm ebenso ein künstlerischer Stoff. wie das ausgelassen« Treiben eines KarnevalsesteS. Er malt das Spanien seiner Zeit,, in dem 1708 die letzte.„Hexe", öffcnflich verbrannt wird. ..-- Rasch steigt die Kurve- seines Ruhmes an. Er wird Mitglied der Akademie', dann.deren leitender Direktor. Und,mit vierzig Jahrein avan, xjc.rt er.zum Maler des.Königs.- Nichtnur dem Tit^l.nachfl schon, vorher, hat er die königliche Familie porträtiert und die höfische Gesellschaft, Staatsmänner und Minister,. Adel! und. Hochfinanz,. Gelehrte und Künstler- lassen, sich- von. Goya ihre Bildnisse malen.,„Geld, Geist.und Macht-sitzen,ihm Modell." Aber auch in tzie-Bildnisse.königlicher und-höfischer Auftraggeber dringt die unbestechliche Schärf«, seines Blickes ein,.die tmmer-bestimmter seinen. Werken. da» satirische Gepräge gibt. Auch die Königin malt er mit der Unerbittlichkeit seiner kritischen Augen; er-Mit sie'„wie eilte ausgepichte Megäre,, herrisch, mit dem Ausdruck unbeschreiblicher Impertinenz, gleich als wolle sie den,Fluch des Landes herausfordern". Und das Monumentalbild der- königlichen Familie hat der Berliner Kunsthistoriker Jüsti bezeichnet als„eine Satire, die die schlimmsten Erinnerungen der geheimen Geschichte aufregt und glaublich macht." In dieser. Zeit ist auch das bekannteste-Ge- inälde Goyas entstanden, das Bild der„Nackten Maja", dem er dann als Variante die„Bekleidete Maja" hinzugefügt hat. Die Legende erzählt, daß die schöne Herzogin von Alba das Modell der Maja gewesen sei. Aber die Herzogin, GoygS. aristekralisckie Geliebte, die er mehrfach porträtiert hat, stellt das Bild erwiesenermaßen nicht dar; eS ist einfach wohl nur eine spanische Kurtisane, die Goyas Kunst geadelt.hat. Als 1028 das Bild der nackten Maja auf den spanischen, i Goya-Gedenkmarken erschien, entrüsteten sich bc- icnderS in Amerika di« tugendhaften Sittenwächter ungeheuer— eine nackte Frau auf einer Arlesmarle! ES gab einen richtigen Maja-Skan- dal. Aber, so erzählt der amerikanische„Bricf- markenköuig" Mr. S., gekauft worden ist diese Marke gerade in Amerika zu Hunderttausenden. „lind," so fügte er hinzu,„ich muß gestehen,, es tvar das beste Geschäft meines Lebens." Genialer Satiriker seiner Zeit wird Goya als Graphiker. Radiernadel und Aehsäure, die handwerklichen Mittel graphischer Kunst, scheinen eigens- erfunden, um mit ihrer Schärfe die Satire Goyas zu durchdringen. Thema dieser Satire lute das Thema der revolutionären Kunst Goyas überhaupt ist die„B»te humaine", die Bestie im Menschen. IN den achtzig radierten Blätter», der„Caprichos"(Einfälle) geißelt.er, von revolutionärem Ethos getrieben, - im Namen der Vernunft, des Rechts, der Menschlichkeit Laster und Torheiten, Heuchelei und Aberglauben, Ungeist und Elend seiner Zeit, und weder König noch Bettler, Edelmann noch Mönch, Soldat noch Bauer verschont sein beißender Spott. Auf einem Blntt sind zwei Junker dargestellt. Sie tragen Schlösser vor den Ohren, denn sie hören nicht;-sie haben die Augen gesenkt, da- niit sie nicht zu sehen brauchen; die Gehirne sind Ihnen herausgenommen, damit sie nicht zu denken brauchen.' Und eine Frauengestalt mit langen Eselsohren, das arbeitende Volk, füttert'die Wichte. Dermaßen strotzen die ,',Caprichos" von umstürzlerischen Gedanken, und manche"dieser Blätter sind Revolutionsplakat« geworden.' Im Jahre 1807 rücken Unter einem Vorwande napoleonische Truppen in das. eben noch verbündet gewesene. Spanien ein,. Ihr Einfall ruft^ einest'Aufstand der Spänlil^herpor.'.' Der französische'Generäl Dupont wird mit 20.000 Mann gefangen gcnomnion. Daraufhin marschiert Napoleon selbst mit 180.000, Mann in Spanien ein, erobert' Saragossa und. dringt bis Madrid vor. Jahrelang sind die spanischen Provinzen Schauplätze eines zähen Guerillakrieges, bis die FraNzosen 1818 durch den entscheidenden Sieg Wellingtons bei, Vittoria aus Spanien vertrieben werdest.'' Das Erlebnis des Krieges macht Goya zuni Thema seines zweiten graphischen Zyklus. Auf den fünfundachtzig Blättern der„Desastres de sa Guerra"(Das Unglück des Krieges) schildert er die Schrecken des Krieges mit unerbittlicher Wahrhaftigkeit, wie schon Jacques Callot zwei Jahrhunderte zuvor sie geschildert hatte; die geistige Verwandtschaft zwischen Goya und Callot drückt sich ja auch darin aus, daß schon Callot seinen, graphischen Satiren- Titdl gab, die den gleichen Sinn haben:,„Les.Caprices" und„Les MisireS de la Äuerre" heißen-sie bei Callot. Auf einem dieser Blätter hat Goya einen-Gehenkten dargestellt. Das klägliche Opfer, im Hemd, mir herabgcstreiften Hosen an einem Baumstamm hängend, bildet den bezwingenden Mittelpunkt des Bildes, ein Mensch, durch schmählichen Tod erniedrigt und noch Im Tode lächerlichem Anblick teln der Darstellung, monumental in der Wirkung, ist ein Pamphlet, aus aktuellem Anlaß ent- siandcn, und es ist die Schmach der gegenwärtigen Zeit, daß es noch immer und lvicderunt aktuell ist. Aus diesen KricgSjahrcn stammt auch ein Gemälde GoyaS, das uus heute noch unmittelbarer auspricht. Es stellt die Erschießung aufständischer Madrider Bürger durch französische Soldaten in der Nacht des 8. Mai 1808 dar. Im Scheine einer auf die Erde gestellten Laterne knäueln sich die Todesopfer vor den Flinten der Soldaten, Tote und noch Lebende. Im Mittelpunkt, den Blick aus sich ziehend, steht einer der Männer in weißer Bluse. Mit ausgcbreitcten Armen erivartet er die tödlichen Schüsse, und das heftige Weiß der Bluse vor dem Schicferblau des Nachthimmels ist wie ein Schrei; Napoleonische Soldaten ivarcn damals die Mörder— uns aber packt das Bild wie eine der SchrcckenSszenön von Badajoz, wo die gefangenen Milizsoldaten zu ÄältseNvdst stItftr-'destSlhülsen' der' Freindenlegio» näre FräncoS zusammenbrachen. Auch dieses Bild hing im Madrider Prado, von wo es vor den Fliegerbomben Francos fliehen mußte. So ist es in doppelter Beziehuttg ein Symbol der Schrecken geworden, die es darstellt. Als Goya dieses Bild malte, als er die„Dc- sestreS" radierte, tvar er schon ein alter tauber Maun. 1811. wär seine Frau gestorben. Zwanzig Kinder hatte sie ihm geboren, von denen nur ein Sohn am Leben geblieben war. Goya ist einsam. Sein Landhaus schmückt er mit düsteren Szenen, mit dämonischen Malereien. Aber noch hat er die Kraft, die Lithographie, die von Aloys Senesclder soeben erst erfundene und 1818 publizierte Kuust, sich zu eigen zu machen; zufälligerweise ist es wie schon MengS lvieder ein Deutscher aus Böhmen, der für Goyas Schaffen Bedeutung gewinnt— in Prag, in der Rittergasse an der Stelle der heutigen Markthalle stand SenefeldcrS Geburtshaus. Goyas Lithographien, die Senefelders für den Musiknotcndruck ersonnene Erfindung erstmalig zur künstlerischen Technik erheben, entstehen in Bordeaux, tvo Goya 1824 sich nieder- gelasscn hatte. Vier Jahre später tötete ihn ein IlnglückSfall. Seitdem ist ein Jahrhundert vergangen. Aber das Werk Goyas, seine revolutionär gesinnte Die militärischpolitische Lage Prag, den 22. Dezember 1080. Mit aller Vorsicht, die geboten ist, wenn man weit vom Schuß über die täglichen Veränderungen ausgesetzten Verhältnisse auf dem spanischen Kriegsschauplatz beurteilen will, darf man doch sagen: die strategische Lage der Volksfront ist zur Zeit ausgesprochen günstig. Der mit so großem Elan und mit ruhmrediger Siegeszuversicht unternommene Handstreich gegen Madrid war Mitte November, nach fünftägigen Kämpfen, zu einer Niederlage der Rebellen geworden. Seitdem gibt, es-stur geringfügige.B«rWehungM,^eist Hin. und Her' an manchen Stellen, bei dem heute einige Straßen,-ein Gebäudekomplex, ein Streifen Land dem Sieger von gestern entrissen werden, um morgen von ihm zurückgeholt zu werden. Im ganzen genommen stehen aber die Fronten seit Mitte November unverändert. Die Aktion Francos war eine Niederlage; der Kampf, der sich seither abspielt, ist in Wirklichkeit schon die zweite Schlacht um Madrid. Diese zweite Schlacht ist nur möglich geworden, weil die Deutschen mit genügend viel Waffen- und Menschenmaterial eingreisen konnten, bevor die Volksfront zureichend ausgestattet war, um zum Angriff überzugehcn. Die derzeitige Periode des Stillstands ist loahrscheinlich für beide Teile vor allem eine Panse, in der die Rüstung vervollständigt wird, Truppenteile, die große Verluste erlitten haben, aufgesüllt, neue Fortnationen teils auS Deutschland hcrangeschafft, teils aus den der Negierung ständig zuströmendcn Freiwilligen, besonders aus dem Ausland, neugebildet worden und der Plan künftiger Operationen aufgestellt wird. Diese relativ ruhige Zeit fügt sich in die bisherige Strategie der Rogicrungsfront organischer ein als in die der Rebellen und Deutschen; denn nach den ersten Aufstandstagen, in denen das Volk ganze Provinzen mit einem einzigen Schwung den Aufständischen entrissen hat, war die Taktik der Volksfront im wesentlichen defensiv. Die Milizen mußten ausgebildet werden, Waffen mußten— unter den durch die heuchlerische„Nichtintcrven- tion" erschwerten Umständen— aus dem Ausland beschafft, die einheimische Rüstungsindustrie mußte entwickelt, andere Industrien mußten äyf Waffenproduktion, umgestellt werden. Die Zeit war für die Regierung. Das schlagendste Beispiel bietet- das Eingreifen der katalanischen Milizen und der internationalen Formationen, die im richtigen Moment nach Madrid getvorfcn wurden. Deren lange scheinbare Untätigkeit verschaffte der Madrider Regierung, als eine Entscheidung bevorstand, von einem Tag auf den anderen.einen ge-' schulten, disziplinierten, unverbrauchten; wirklich militärisch ernstzunehmenden Truppenkörper, den sie Franco-entgegenstollen könnte. Etivaö AehnlichcS spickte sich auf der. Gegenseite ab, als die militärisch geschulten-Deutschen in geschlossenen Formationen'anrückten. Indessen zeigte sich zu allgemeiner Ueberraschung, daß diese Vertreter von Europas gefürchtetster-Armee keineswegs im Handumdrehen die. Milizen überrennen und Madrid einstecken.konnten. Im Gegenteil: die militärischen Fachleute, die Hitler Mitgegeben hat, müssen zahllose-Versager feststillen: Pie verwendeten Flugzeugtypen bewähren'sich Goyas„Nackte Maja“ auf der Briefmarke ,' Coitbetbtifnne Spanien IV Freitag, 25. Dezember 1036 Spanische Lyrik I Frederico Sarcfa forca LUBOA. Ich | Wenig Engel gibt's, die singen; de .■' Weh, wie lang ist der Weg! Weh, mein schwarzer Klepper! Wehe, der Tod wartet mein, eh Ich nach CArdoba komme.? »Einst quälte Im Herzen mich sehr der Leidenschaft scharfer Dorn; ich riß Ihn aus voll Zorn— nun fühl ich das Herz nicht mehr.“ scharf pointierten, auf stachelnden Gedichte: „Penaranda de Duero'• tot ein Ortsname. CArdoba, fern und einsam. D* hast vier graue Maulesel, ein Herd davor, einen Wagen mit grünen Bädern,- und die ganae Landstraße für dich, Fuhrmann. Was willst du mebx> Gehören am 16. Desember 1906, Zögling des JesuitenkoUegs in Puerto Banta Maria, Provinz Cddiz. Aus angesehener bürgerlicher i und betont katholischer Familie, wollte ursprünglich kubistischer Maler werden, wurde Schwarzer Klepper, großer Mond, und Oliven In meiner ßatteltasche. Und ob Ich auch die Wege kenne; komm loh doch nimmermehr nach CArdoba.. Und einen Atemzug sinnt verstummt und düster das Land. In den Pappeln au Flusses Band klingt murmelnd nur der Wind. Im Dämmer ertrinkt aller Glans;' es schlängelt Ins Dunkel hinein der Weg sich mit bleichem Schein, verblaßt und verliert sich ganz. Von neuem klagt voll Schmerz mein Lied:„O goldener Dorn, o fühlte, dn scharfer Sporn, deinen Stachel wieder das Herz!" nicht; die Tanks haben keinen sonderlichen Wert nnd werden in manchen Fällen durch das heroische Vorgih'en eines einzelnen Mannes anher Gefecht gefetzt; die Mannschaften sind dem GesechtSwert nach ihren Gegnern offenbar nicht überlegen, oft unterlegen; es gibt— das steht, auch wrnn man manche Zahlen für übertrieben hält, fest—- zahlreiche Desertionen. In letzter Zeit laufen übrigens auch viele Marokkaner und spanische Reguläre über. Auch das widerliche System, die Zivilbevölkerung der Hauptstadt durch Bombardierungen zu demoralisieren, hat versagt: Die Verteidigung und ihre Organisation hat keinen Moment ausgesetzt; die städtischen Betriebe funktionieren weiter; die Feuerwehr und die SanitätSmann» schaften arbeiten unter dem Bombardement an der Rettung von Menschenleben und' der Verhinderung von Bränden.(Die Feuerwehr hat bereits eine lange Liste von Toten.) Und die Bevölkerung selbst bleibt und must zum Auszug gezwungen werden. Am 17. Dezember hat der CvakuierungSrat befohlen, dast alle Personen,, die erst nach dem 10. Ault zugezogen sind, die Stadt verlassen Müssen, sofern sie nicht Kriegs-, Sani- iäts- oder andere öffentliche Dienste verrichten. Die Deutschen haben bisher keinen Er« das Welpen Ist eine ungeheure Geige, die Tränen ersticken den Buf des Windes, und nichts anderes hört man als nur das Weinen. » (Rafael Mfterti Psftaranda da Duero Warum schaust du mich so einst an,. Fuhrmann? Durch die Ebene, durch den Wind, schwarzer Klepper, roter Mond. Stumm schaut der Tod mich an von ferne, von den Türmen von CArdoba. Ich träume Wege Ich träume Wege, gestreckt Im Abend. Goldenes Glühn der Hügel, die Pinien grün, die Elchen staubbedeckt... Dichter der Liebling des spanischen Volkes. Nie einer politischen Organisation zugshörig, aber leidenschaftlicher Revolutionär. Im Sommer 1936 von den Rebellen ermordet. Die Mörder gehörten der faschistischen „Falange“ an. . Juan Stamön Jimincx Geboren am BJ. Dezember 1881, Jetzt also genau 66 Jahre alt. Erzogen im Oolegio Jesuitas von Puerto de Bahta Maria, Pronins Cddiz.■. Das Kurzgedicht, das in wenigen Silben einen Gedanken, ein Gefühl, eine Stimmung abgerundet und vollendet ausdrückt, wird in den östlichen Literaturen mit besonderer Liebe und Sorgfalt gepflegt Solche Gedichte gehören sowohl in der ostasiatischen als auch in der arabischen und persischen' Literatur zum Schönsten ihres Bestands. In Spanien, wo sie. sich als Erbe und Frucht der Araberzeit besonders in Andalusien erhalten haben, versteht man sie ebenso zu würdigen, wie irgendein anderes, umfänglicheres Gedicht Machado hat sehr viele solcher Kurzgedichte geschaffen. Ein Beispiel: Stunde meines Herzens: die Stunde einer Hoffnung und einer Verzweiflung. Jlntonio JKadiado Geboren 1815 in Sevilla. Das geliebte Haus Das geliebte Haus, in dem sie wohnte, zeigt Jetzt, zerstört, vernichtet; auf einem Trümmerhaufen das schwarze, wurmstichige, schlecht gezimmerte Skelett aus Holz. Durch die Fenster gießt der Mond träumerisch sein klares Licht, das alles ü versilbert In schäbigem Bock und traurig geh Ich meinen Weg durch die alte Straße. Dich Sllborpappsl Droben singt der Vogel, und drunten singt das Wasser. Ued von oben, Lied von unten öffnen meine Seele. Zwischen'zwei UedAm die silberne Säule. Blätter, Vogel, Stern; Zweige, Wurzeln, Weener. Zwischen zwei Schwingungen’ • die silberne Säule. Und du, unvergleichlicher stamm, zwischen meiner Seele und meiner lä^le. Schaukelnd schwingt eich zum Hern ' die Welle zum hangenden zweig? Oben und unten gittert meine Seele, Das Weinen habe die Tür meines Balkons geschlossen, Wohin der Weg? Wer weiß? Ich gehe mit Gesang einsam den Pfad entlang... Schon fällt der Abend leis. folg gehabt. Ihre Zahl wächst jedoch, und iat.'0edanm Ende des letzten Jahrhunderts, sächlich ist da« Heer France zahlenmässig stärksten Teil t. macht— heute ein Teil dco deutschen Expedi tionskorps. Die Deutschen führen den Krieg und kommandieren; vön den verschiedensten Front abschnitten werden bereits Konflikte zwischen den deutschen Befehlshabern und ihren spanischen Ge folgsmännern berichtet. Nach einem sehr sachlichen und mit genauen Angaben versehenen Bericht eines aus Marokko zurückgekehrten Franzosen haben sie auch in Spanisch-Marokko die Leitung übernom- men. Unter ihrer Direktion werden zur Zeit die Stämme an der Grenze von Französisch-Marokko mit Waffen und Munition ausgerüstet und an der Grenze selbst militärische Arbeiten vorge nommen. Der spanische Bürgerkrieg ist heute eigent lich schon ein deutscher Feldzug in Spanien gegen die legale Regierung und das Voll, bei dem auf feiten des JnvasionSstaatS gewisse Formationen au» Spaniem oder Marokkanem stehen. Die deutschen Verluste an Toten betragen zur Zeit etwa 1200. Wenn Franco Madrid nicht er obern kann, so heiht das, dast die Deutschen cS nicht erobern können, dast Madrid das zweite Verdun der Deutschen geworden ist. Während zweifellos der Kampf um Madrid zur Zeit Zentrum, und Gipfelpunkt der spanischen Situation bildet, sind doch auch die Vorgänge im Norden nicht unwichtig. Dort kämpfen die Basken und Asturier in aller Ruhe, aber bi» jetzt ohne. Rückschläge, und erobern langsam, Schritt für'Schritt, Gelände in den angrenzenden Land schaften Altkastilien, Leön und Galicia. Auch an dieser. Front gibt eS zahlreiche Ueberläuser und vor allem einen ziemlich beträchtlichen Auszug der Zivilisten aus dem von den Rebellen gehaltenen Gebiet. ES wird sogar berichtet, dast selbst gut situierte Bürger, die politisch rechts stehen, sich schon unter denen finden, die ins Regierungs gebiet flüchten. Seit kurzem haben die Rebellen auch an dieser Front Deutsche eingesetzt. An der Aragünsront, der Domäne der kata lanischen Milizen, herrscht, von Emzelaktionen ab gesehen, Ruhe. Dieser Zustand befremdet nicht nur unsereinen, sondern auch katalanische Kreis«. Vor allem die linksrepublikanische Presse, so der „Dilüvio" und die.Humanität", beide in Barce lona, fragt nach den Gründen dieser Anaktivität. Die.Humanität" sagt mit Recht:»Die Front von Madrid ist in Madrid u n d in Asturias und in Cantabria u n d in Andalusien u n d in Ara gon." Der betreffende Artikel trägt die lieber» schrift:„Warum?" Da cS notwendig wäre, die Reiterlied CArdoba, fern und einsam. Gründe dieser Zurückhaltung an der aragonesi-! weil loh das Weinen nicht hören will, schon Front in innerkatalanischen politischen Ver-! Aber durch die grauen Mauern hältnisskn zu suchen, würde ihre Untersuchung zu hört man nichts anderes als das Weinen, weit von dem Hier gesetzten Thema abführen.| Wenig Engel gibt's, die singen; U-b-r den weiteren Verlauf der Dinge kann ly®" 1«<“ e d°U°"! J man natürlich keine detaillierten Vermutungen i tauBend Geigen faßt die hohlcHand: nufstellen. Die Entwicklung Wird davon abhän-»"er das Weinen Ist ein ungeheurer Engel, gen, wie weit sich Deutichland durch weitere Sen-\ düng von Material und Truppenteilen engagiert — und welche Hilfe von anderer Seite den Legalen zuteil wird. Man darf Wohl annehmen, tast sich Italien vorsichtig aus dem spanischen Aben teuer zurückzieht; die Bereitschaft dazu ist be stimmt eine— wenn auch nur stillschweigend ge machte— Voraussetzung für das Zustandekom men des englisch-italienischen Mittelmeerabkom- menS gewesen. Hitler dürste tatsächlich in di« peinliche Lage geraten, allein auSlösfeln zu müs sen, waS er gemeinsam mit Mussolini einge brockt hat. Auf eine Aufhebung des Waffenlieferung»,-k'' entschiedenste, kämpferischste und popu- Verbots durch die demokratischen Staaten ist kaum lärste der Revolutionäre in der jungen Dioh- zu hoffen. Die Vermittlung»- und Wasfenstill-' tergeneration. Der Titel des hier folgenden, slandsangebote haben von der spanischen Regie»| rung die verdiente Ablehnung erhalten. WaS günstigstenfalls zu erreichen wär«, da» wär« eine wirksame, wenn auch nicht vollständig«, so doch starke Verhinderung der Einfuhr von Material und Truppen. Mehr wird kaum zu erreichen sein. Die spanische Regierung hält natürlich ihren Standpunkt, nach dem sie völkerrechtlich Anspruch auf Waffenlieferungen hat, aufrecht; sie wird aber vermutlich eine eventuelle scharfe Kontrolle der Grenzen billigen, denn wenn den Rebellen tatsächlich die Zufuhr von Waffen und Menschen nennenswert unterbunden werden könnte, wäre der Sieg der Regierung und de» Volkes gewiss. Die nachfolgende kleine Auswahl aus zeitgenössischen spanischen Dichtern Ist nicht nach langem, sorgfältigem Suchen in den vollständigen Lyrikbänden der Autoren, sondern mit einer gewissen Hast durch schnelles Durchstöbern spanischer Anthologien zustande* gekommen. Es lag.an äußeren Umständen. Aus der. Auslese, die in den zur Verfügung stehenden Sammlungen an Einzeldichtungen vereinigt war, mußte gewählt werden, was ungefähr dem Zweck entsprach: Gedichte, die nicht zu lang, nicht zu artistisch waren und nicht inhaltlich zu sehr außerhalb unseres Interessenbereiches lagen. So war es zum Beispiel nicht möglich, ein sehr langes, eigenartiges Gedicht von Albertizu nehmen, das- noch mehr als das knapp und deutlich politische hier abgedruckte kürzere— ein Beispiel seiner revolutionären Inbrunst gegeben hätte. Von Garoia Lorca war kein Gedicht mit politischer Tendenz vorhanden. Immerhin gibt aber, Jias Weinen“ ein Beispiel seines starken Gefühls für das Leiden der Menschheit Zum Formalen ist zu sagen: Daran, daß, außer einem, alle abgedruckten Gedichte ohne Reim sind, ist nicht etwa meine Bequemlichkeit schuld, die mich veranlaßt hätte, kurz und bündig nur den Inhalt zu Übertragen, sondern die Tatsache, daß der Reim bei den spanischen Dichtern zumal den modernen, viel seltener angewendet wird, als bei den deutschen. M. B. trotzdem es den wahrscheinlich 1899, in Frentevaqqeros(Pro- ■ Jcllenarmce aus- vins Granada), Zeichner, Maler, Dichter. Als Pastorale Da sind schon die Wagen... es haben's Wind und Plnlenhaln gesagt, cs hat’s der gold’ne Mond gesagt, es haben's Bauch und Echo uns gesagt... Es sind die Wagen, die vorübe rzlchn des Abends, wenn die Sonne untersinkt, die Wagen, die vom Berge die toten Stämme bringen. Wie sie weinen, die Wagen, auf dem Weg nach Pueblo Nuevol Die Ochsen kehren verträumt beim beim Licht der Sterne, zurück zum warmen Stall, der nach Mutter und Heu schmeckt. Und hinter den Ochsenwagen schreiten die Fuhrleute, den Stab mit der eisernen Spitze auf der Schulter und den Blick im AbondhlmmcL Wie sie weinen, die Wagen, auf dem Weg nach Pueblo Nuevo! Dahinten, Im Frieden des Feldes; lassen die toten Stämme einen frischen, reinen Geruch zurück, Geruch aus Innerstem Innern, weltoffnem Herzen. Und das Läuten des Angelns fällt vom Turm des alten Dorfes über die abgebolzten Felder, die nach Friedhof riechen. Wie sie weinen, die Wagen, auf dem Weg nach Pueblo Nuevol ,Rauch und Echo”: der Hetdrauch; düs Abendessen, wird bereitet; das Echo des Tales. „Pueblo Nuevo“(auf deutsch: Neudorf): Name eines Ortes.„Stab mit der eisernen Spitze“(spanisch:„aijada“): ein mit Widerhaken versehener Stäb, mit dem die Ochsen gelenkt werden.,Angelus": das Abendläuten. Der Eindringling Von Blasco IbaSez An dem Roman„Der Eindringling", erschienen in der Büchergilde Gutenberg, schildert der groste spanisch« Dichter BlaSco Ibanez das Wirken der spanischen Jesuiten. Wir drucken, au» dem Roman eine Stelle ab, die ein Ge, sprach zwischen dem fortschrittlichen Arzt Aresti und seinem Vetter Sanchez Morueta wieder« gibt. Diese» Gespräch geht chon dem Versuch der., stvf'Äinchez WWD," d«n'?Be»'.' Herrscher der.Industrie von Bilbao,, mit Hisse seiner Frau Einflüst zu gewinnen: sein Jahsckt' hat angesichts der Ereignisse in Spanien besondere Aktualilät. Sanchez Morueta brach in ein schallendes Gelächter au». „Du bist verrückt, Luis, total verrückt! Umsonst nennt man dich ja auch nicht ein Origi- ■ nal. Die Lektüre hat dir den Kopf verdreht. Wozu lall dies Gerede von Phantasmen, Dramen, Eindringlingen und Teufeln mit Tonsur? Cs rührt i doch alle» nur daher, weil ich meiner Familie di? Freiheit lass«, sich in praktischen ReligionSübun«! gen zu ergehen und sich mit der hübschen, von den Jesuiten erfundenen Devotion zu zerstreuen.! Was kann ich machen, wenn sie Vergnügen daran l finden? Willst du, dast ich ihnen wie ein Tyrann I au» einem Theaterstück meinen Willen aufzwinge und befehle: Schlust mit allen Beziehungen zu den Patres; hinfort gibt es nur noch die Messe, die der Pfarrer von Portugalete in unserer Hauskapelle liest! Nein, Luis, das tue ich nicht. Ich bin sehr liberal, vielleicht liberaler als du." Mit der Ueberzeugung eine» Briten betonte er seinen Respekt vor der Freiheit des Individuums und seinen Abscheu gegen jeden Ge- wissenszwang. „Wie viel Familien gibt eS nicht in England, deren Mitglieder verschiedenen Religionen angehören, ohne dast sie sich deswegen feindlich gegenüberstehen. Rein, Luis, Gewissensfreiheit für alle!"- Aresti wurde, erregt angesichts-der heiteren Ruhe, mit der sein Vetter von der Freiheit sprach, f„Ich pflichte dir vollkommen bei, wenn«S I sich um ein Land handelt wie da», von dem du i sprichst!", rief er aus.„Ein Land, das weder An« > dersgläublge verfolgt, noch religiöse Intoleranz gekannt hat. Wie aber kann man hier bei uns von Freiheit reden, in diesem Spanien, da».der ganzen Welt al» da» Land der Inquisition und Heimat de» Ignatius von Loyola bekannt ist!.... Seit vier Jahrhunderten lastet die klerikale Tyrannei auf unseren Schultern. Der eiüheitliche^ katholische. Glaube steht keineswegs in der Verfassung, doch die Machthaberforgtn dafür/ ihp al» Sitte'und Gewohnheit zu verewigen',! Und da willst du) mit britischem Phlegma von Freihelt-Und? Achtung,für andere Kulte sprechen?... Das wird in dem neuen Spanien möglich sein-dessen Gebürt wir seit Jahrzdhütrn' erwarten;' das den Kopf hebt und' sich gleich darauf wieder verbirgt,, im- Mir noch unschlüssig, ob«s ganz aus den Eingen Ssndcib.Ilaae Spanien V fftcitnn, 35, Dezember 1938 weiden der Geschichte herauskriechen' soll. Nein, Joft, ich bin nicht liberal; ich bin ein Kind meiner Zeit— so, wie mich die Zustände in meinem Lands geformt haben. Ich bin Jakobiner, Ich möchte ein Inquisitor sein im umgekehrten Sinne, verstehst du? Ein Mann, der von Gewalttätigkeit träumt, von Feuer und Schwert als einzigen Mitteln, das Ämd von dem Elend der"Vergangenheit zu reinigen.", In Arestis Worten bebte der Haß gegen den geheimen Einfluß, der sein Leben zerbrochen, ihn in seinen Gefühlen als friedliebender Mann verletzt hatte. Gewiss war ihm die Freiheit teuer, dcih eine Freiheit zum Wohle der Menschheit. Vorwärts Wie sie sichren zu den neuen Idealen: Gewissensfreiheit, Schutz des Arbeiters gegen die Ausbeutung durch den Kapitalismus, sollte sich nicht reaktionär anklammern an tote Institutionen. Nein,' er konnte Doktrinen, die die Verneinung des Lebens besagten, kein Existenzrecht einräumen, er konnte die. Freiheit den traditionellen Feinden eben dieser Freiheit nicht zugestehen. «Fort mit diesen Feinden des Lebens," rief er,«die Sinnenlust als Sünde verfluchen, denen die Keuschheit der Jungfrau unendlich höher steht als die erhabene Freuchtbarkeit der Mutter, die der beschaulichen Faulheit das Lob fingen. Müßiges Umherstreifen und Armut tvollen sie zum Jdealzustand der Menschen machen, schmutziges Elend gilt ihnen als Zeichen der Heiligleit. Von allem, was diese Welt Schönes bietet, ziehen sie den Menschen ab, um seinen Blick auf einen erlogenen Himmel zu lenken; schmähen diese Erde das Tal der Tränen, das sie je eher, desto lieber verlassen möchten. Gut denn! Warum verfährt man mit ihnen nicht nach ihren Wünschen? Damit endlich freies Feld ivlrd für uns Sünder, Nr uns Böse, die diese Welt lieben, sich mit ihren Mängeln abfinden und es dahingestellt sein lassen, ob eS noch eine bessere gibt." Etwas wie Mordlust blitzte in des Doktors Augen. ,J!uiS, LuiS, du bist ja schlimmer als ein Inquisitor! Wie kann ein moderner Mensch wie du solche Reden führen!" „Glaube mir, Josö, das ganze neuerungsdurstige Spanien empfindet, wie Ich, nur hat es feine Impulse noch nicht mit dem Verstände zergliedert. Bei anderen vorgeschritteneren Völkern hat. sich die große religiöse Krisis, der Uebergang vom Glauben zur Vernunft, sacht und unmerklich, in völliger Freiheit vollzogen, wobei die Resor- mation mit ihrem Geist kritischer Untersuchung als Brücke diente. Bei uns hingegen heißt es, einen Gewaltsprung zu machen, ohne Zwischenstufe von' den alten Zwangslehren ins moderne Leben hkneinzutauchen. Ein brutaler Uebergang, der alles, was sich entgegenstemmt, zu Boden wirst! ES ist eine Utopie, unser Volk friedlich, Schritt für Schritt, zum Ziel bringen zu wollen, denn man muh die traurig? Erbschaft, die es belastet, in Rechnung sihen^seine nicht pon gestern dlftievende'"Erziehung zur Intoleranz. Einige Wenige Jahre modernes Leben— nicht einmal eigenes, sondern nur eine Reflexerscheinung— können nicht Jahrhunderte religiöser Wildheit aurlöschen. Inquisitor, sagst du? In vergangenen Zeiten bewiesen die zünftigen Katholiken die Reinheit ihres Blutes, um darzutun, daß es Weder mit jüdischem noch mit maurischem vermischt war. Wer wer in Spanien kann heute noch schwören, daß in seinen Wem nicht das Blut eirkks Mönches oder eines FamiliarS*) des Heiligen Offiziums rollt?... Ich habe genug Versammlungen beigewohnt, um die Steigerung in den Gefühlen und die Tendenz der großen Masse zu kennen. An die Monarchie denkt sie wie an eine überkommene Kalamität, die von selbst, ohne besondere Anstrengung, früher oder später verschwinden wird. Die soziale'Frage interessiert alle; doch sehen sie in der revolutionären Bewegung vorläufig nur den Vorteil einer etwas besseren Bezahlung und einer Vermin- derung der Arbeitszeit. Sobald man hingegen vom Jesuiten, vom Mönch oder vom Pfarrer spricht, springt die Menge unwillkürlich auf; ihre Augen funkeln diabolisch im Wunsche nach Rache Nr jahrhundertelange Knechtschaft; tobender Beifall bricht los; drohend heben sich die Fäuste gegen den traditionellen Feind, den schwarzen Mann, den Herrn Mer Spanien: Streik» um reiner Arbeitsfragen willen Weichen vom Ziele ab . und endigen mit Stelnwürfen gegen die Kirchen;. J bei den Manifestationen wird jede auf der Straße 'auftauchende Soutane geschmäht und ausgepfif« )fen, und sogar Protestversammlungen gegen die 'LebenSmittelteuerüng Nhren häufig genug zu», Brand irgendeines Klosters. Warum dieser Haß, könnte man-fragen, Nr den-scheinbar kein Grund vorliegt? Die Arbeiter der Städft gehen weder zur Messe noch, zur Beichte, und ihre elenden Löcher find vor den Besuchen der Mönche und Jesuiten,, die die Häu» sev der Wohlhabenden bevorzugen, sicher. Warum also, der Haß?... Weil die Masse instinktiv' in ihnen die Schranke gegen jeden Versuch zum Fortschritt ahnt. Jede Entwicklung de» Lande» hemmend, verschließen sie auch denen von unten den- Weg. Sie sind.es, die da» Volk Jahrhunderte-hindurch ijn.Unwissenheit erhalten Haven, die- ihm" predigten, daß der Arme kein'andere» Recht al» da»M Almosen hat, die ihm einen abergläubischen Respekt vor allen Machthabern einprägten und» da» Irdische Elend al» ein«: Schickung de» Herrgott» anzusehen zwangen, durch die ihm der Himmel'sicher war. ,*) Späher de» JnquisitionSgerichte». Linke oben: Eine bloBgelegte Wasserleitung in der Puerto del Sol.— Rechts oben: Detailbild aus derselben Straße.— Links unten:. Der englische Delegierte Mr. James in einer verwüsteten StraBe von Alicante.— Rechts unten: Eine vyWÜsbstq StraBe in Madrid. j|.»1A rzi 4»'.(unT seines Hauses gelebt hat, hat eine Wohnung darin frei und eine monatliche städtische Ren'e von 499 Pesetas als Ersah des bisherigen Verdienstes. Die Mieten fließen in die Gemeindekasse, die damit in die Lage kommt, eine von privatwirtschaftlichen Interessen freie Wohnbaupolitik zu betreiben.— Was diese kleine Gemeinde durchNhrte, wird nicht lange in den größeren Orten und Städten des republikanischen Spanien auf sich warten lassen: Die Kommunalisierung des städtischen Grundbesitzes ist auf dem Marsch. Auch der agrarische Besitz soll prinzipiell ins. Eigentum der Dorfgemeinden übergehen, die über die Art der Bewirtschaftung nach den Bedürfnissen und Notwendigkeiten ihrer Bevölkerung entscheiden werden.«Da» Land den Bauern", hieß die Mit Recht klagt die hiesige"Presse Europa der-Unkenntnis in allen spanischen Geschehnissen an:„Man weiß nichts von uns und unserer Revolution, daher fällt man ein schiefes Urteil über Spanien." Gewiß: die dramatischen Episoden de» Kampfes sieht man jenseits der.Grenze. Aber man vergißt darüber das neue Lebin im Hinterland. Und doch gehört eines zum andern. Gewaltig ist der Heldenmut des spanischen Volkes; gewaltig jedoch auch die Kraftquelle,, die ihn speist: die soziale Revolution. Krieg und Revolution laufen im gleichen Rhythmus; sie bedingen einander und treiben sich gegenseitig an. Das freiheitliche Spanien ist in einer tiefgreifenden Umwälzung. Nichts von ihr steht schon fest— höchstens, daß etwas Neue» wird, ein Wirischafts» und Sozial» typus eigenster, urspanischester Art, nicht nach ausländischem, etwa russischem Vorbild geformt, sondern nach dem Idealbild der revolutionären Strömungen des Landes selbst. Mein alles ist noch in Fluß, und auch die Generallinie wird viele Wweichungen erdulden müssen, ehe sie sich ,im neuen Gesellschaftsbau straff abzeichnen kann. Aus feinem-Wirten Mosaik sei Stein uni Stein abgeklopft: auf Konsistenz.und Fügsamkeit. Der Ausländer, der heute Spanien besucht, wird zunächst am eigenen Leibe die Besitzverschiebung im stgdiischen. Wohnraum verspüren. Fast alle Hotels findet er beschlagnahmt: da mit der Juli-Rebellion der- Fremdenverkehr ohnehin jäh abgerissenwar, gaben sie dis geeignetsten Räumlichkeiten für die-zahllosen neuen«KrtegSzen» tralen" ab, in die sich die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen plötzlich' verwandeln mußten. Zu den'Hotel» trat eine Reihe rechtsstehender KIM» und Kasino». Die Aufschrift:„Beschlagnahmt" liest der Fremde aber auch an'anderen Gebäuden, an privaten Wohnhäusern und Billen. und er hört, daß sie einst faschistisches Eigentum waren. Die Regierung wie"die sie.-tragenden Parteien ließen sich in ihren wirtschaftlichen Maßnahmen von ckilem Anfang an vom Grundsatz leiten, daß die Faschisten mtt ihrem Besitz Nr die Kosten der von ihnen provozierten' Rebellion aüfzukommen haben. In den Luxulvauten, wo die Verschwörer gearbeitet und gewohnt hatten, fanden soziale Institutionen verschiedenster Art und antifaschistische Kampf» l stellen Unterkunft. Weniger in die Augen springend, aber tief greifender Ivar das Gesetz über Mietzinssenkung. Bodenspekulation und Mietswucher hatten in den spanischen Städten wahre Orgien gefeiert. Der Preis der Wohnungen, die fast durchwegs schlecht und unhygienisch waren, riß selbst in das Budget eines gut verdienenden Arbeiters ein gewaltiges Loch. Nun hatten ober die Proletarier im Juli zwei Wochen lang nicht gearbeitet— sie standen auf der Barrikade— zwei Wochen hatten sie nicht kassiert, und das ganze Wirtschaftsleben war ins Stocken geraten. Das Dekret der Negierung, das alle Kleinmieten um 59 Prozent senkte, entsprach.DDWW also zunächst einem AugenblicksbedürfnlS; dar--Parole der russischen Revolution 1917 und über hinaus aber wurde es, zusammen mit einem andern Dekret, daS die Löhne generell um 15 Prozent erhöhte, zur umstürzenden Verbesserung deS Arbeiterhaushaltes.- Napoleon hat einmal erflärt, die-moralische Situation'eines Heeres sei abhängig von seine materiellen.-Waffen konnte zu jener Zeit die Republik ihren Kämpfern noch nicht in genügen» dem Maße geben. Aber sie hob den. Lebensstan dard ihrer Brüder und Väter auf eine niemals in Spanien noch erttäumte Höhe, und schon diese erste große Tat der Revolution, die es zu sichern galt und weiterzuführen, verwandelte die armen Strpiter der Freiheitsbewegung in selbstbewußte Kämpfer, deren Waffenmangel ihren Mut wenig beeinträchtigen konnte, weil ihn der Stolz über materielle Errungenschaften auf anderem Felo mächtig schwellte.- Mer noch kassierte wie ehedem der Hausherr — wenn er nicht gerade deklarierter Faschist war — die Miete ein und Mte sein Eigentumsrecht. aus, das ihm erst dann geschmälert und schließlich ganz entzogen werden sollte, als der Verlaus des Krieges einen neuen Schritt in der Bewirtschaf tung. des städtischen Wohnraums.erzwang. Flüchtlinge waren unterzubringen; ein Teil Madrids wurde Kriegszone und. mußte völlig evakuiert werden— damit hörte das private VerfügungSrecht Wer-Wohnungen und Häuser faktisch auf. Rechtlich hat eS nun auch ein kleines kata lanisches Städtchen:- der-Ort B a d a l o n a, auf gehoben. Sein Gemeinderat beschloß- dieser Tag» die Kommunalisierung»es gesamten HauSbesiheS. vis Agrarverhältnisse in Spanien Von unserem spanischen Berichterstatter „Kollektivisterung der Erde" hieß sie später. Die spanische Revolution hat sich weder auf die eine noch auf die andere Formel ftstgelegt. Ihre Losung:.„DaS Land den Dorfgemeinden", gestattet sowohl die Kollektivisterung wie die Einzelbewirtschaftung der Erde. Am 28. Oktober sind die beiden Gewerkschaften, die anarchistische und die sozialistische, In Katalonien übereingckommen, daß individuelle Bodenbestellung da fortdaucrn soll, wo die Bauern die kollektive ablehnen. Die Parzellen in ausreichender Größe werden ihnen, dann zum Nutzbrauch übergeben, so wie das andere Land den restlichen Dorfbewohnern zur gemeinschaftlichen Bearbeitung ausgehändigt wird, und jeder frei ist, sich Nr die eine« oder andere Form zu entscheiden. In den 8 ebieten, die die Regierung beherrscht, ist das Kernübel deS spanischen Agrär» problemS:. die LatlNndlenwirtschast, weniger- fühlbar als da, wo die Rebellen an der Macht sind..In der Provinz Sevilla, etwa ist 66 Prozent des Bodens— nach einer.änderen Zählung, i sogar 71 Prozent— in den Händen der Großgrundbesitzer,- in Cadiz 79 Prozent, in Caceres 61. Prozent. Die Regionen der Extremadura,' Andalusiens und Alt-Kastiliens, die leichte Beute. de» Faschismus wurden, sind auch- Hauptdomänen des LattfündienbesttzeS. In der' Levante dagegen, der alten, republikanischen Hochburg, im revolu- tionären Katalonien und im freien Norden' herrscht Kleineigentum, beziehungsweise Kleinpacht vor./ Eine ernsthafte Revolution hat Spanien nie t Kleineigentümer genießen weiter den Nutzbrauch mitgemacht. Wohl, ist eine Neuverteilung, des ihrer Häuschen, und wer vom den Mieterträgnissen' Bodens und eine Sanierung der Agrarkonstitution Freitag, 38. Dezember 1036 VI Sonberbeilage Spanien Largo Caballero, der sozialistische Ministerpräsident immer wieder versucht worden, aber immer wieder hat die Reaktion die Oberhand gewonnen und all.'s blieb beim alte». Das Agrarrcformgesetz dec Republik fand in ihrer reaktionären Periode— vom August 1083 bis Feber 1986— nur Anwendung auf 160.000 Hektar; dafür wurde die bis dahin durchgcfiihrtc Bauernbefreiung wieder zunichte gemacht. Mit dem Wahlsieg der Volksfront geriet auch die Agrarreform in neue Bewegung: Mehr als 700.000 Hektar wurden In den fünf Monaten bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges enteignet und etwa 70 Millionen Pesetas für Neusiedlungen, Meliorationen und Pachtsanierungen aufgeivandt. An den ersten beiden Monaten des Bürgerkrieges fetzte das Agrarreform-Institut feine Arbeit in noch schnellerem Rhythmus fort: Aller faschistischer Besitz siel entschädigungslos— nach dem bereits erwähnten Grundsatz— der Volksgemeinschaft zu. Beträchtlich mehr aber wurde durch direkte Aktionen geschaffen: Besonders in den im Kampf eroberten Randgebieten in Aragon, Granada und Cordoba schritt man zu einer völligen Umformung der Agrarverfassung, was die Betvohner dieser Regionen zu enthusiastischen Kämpfern sür die Freiheitsbewegung wachte. Dafür ist in den Kcrngebietcn der Republik mit ihrer anders gearteten Agrarstruktur„der Unxhai; auf manche Hindernisse gestößdn, wäS seinen Ausdruck in jenem Vorschlag einer Kompromißlösung fand, die das Eigentum an Grund und Boden kommunalisiert, aber dann die Entscheidung über kollektive oder Individuelle Bewirtschaftung dem Belieben der Einzelnen überläßt. Auch in der seincr- zcitigen Regierungserklärung des kommunistischen LandwirtschastSminislcrS am Tage seiner Amtsübernahme:„Alles Land, das bisher AuSbeu- tungöobjekt jener war, die zu Unrecht Herren darüber gewesen sind, wird in Zukunft Arbeitsobjekt aller Bauern und landwirtschaftlicher Arbeiter sein", umgeht eine Festlegung auf die Art der neuen Agrarordnung. Nebeneinander bestehen zurzeit in Spanien Riesenkolchosen und Klcinfamilienbesih, Kollektivgiiter und Bauernland. ES gibt Dörfer, wo die Revolution vor allem den Verkauf der Ernteerzeugnisse ersaßt' hat, die Produktion selbst jedoch noch nicht; ebenso gibt cs Gemeinden, wo vom ArbeitS» bis zu.n Verteilungsprozcß alles völlig kommunistisch organisiert ist, das Geld abgeschafft wurde und ArbeitSgutscheinc an seiner Stelle kursieren. Alles in allem gilt für die Vorgänge aus dem Lande der Satz:„Das spanische Volk macht seine eigene Revolution, eine, die seinem Temperament und seiner Oekononiie entspricht.", sSolidnridad Obrer» vom 1. Dezember.i Formeln jvie:„Alles Land den Bauern" oder„Vlllcr Boden Kollektiveigentum" müßten heute, da sie nicht den Bedingungen in jeder Region entsprechen, nur zersetzend wirken. Die Koordinierung der Bauern und Arbeiter aber ist Vorbedingung des Sieges über den Faschismus, der nichts anderes ist als die politische..Kampfform der Latifundienherren: Kazike», Großgrundbesitzer, Kirche und Militär. Generale und Priester In Spanien , Nach dem Militärjahrbuch gab es in Spanien bis zum Aufstand 850 Generale. 14 davon standen in der ersten, 411 in der zweiten Reserve. Da die Effektivstärke des Heeres 150.000 Mann betrug, entfiel also auf je 175 Mann ein General. Selbstverständlich bezogen alle entweder Gehalt oder Pension. Im Jahre 1027 gab es in Spanien 070 Män- ncrklöster mit über 12.00(1 Brüdern, 8728 Frauenklöster mit über 62.000 Nonnen, 62.000 Pfarrer und über 10.000 Seminaristen(angehende Priester). I» Madrid bestanden 808,1» Barcelona 877 Klöster. I» der Stadt.Lärida(In Katalonien) gab es aus 887 Einwohner et« Kloster und aus 88 Einwohner einen Geistlichen. Auf der Flacht vor Franco* Bomben Atahuallpas Ende Azana, Spaniens Präsident .. s?•A's'ttfcutgnjitt-die choldncn-chntz, silü«ryen-GegenstAiide «J in die Hand nahiiten, sie hinander zdigten.siö'be- ibm der Soldat Miguel de Estete die königliche Borla vom Haupte riß, bemächtigten Perrallu und ich uns des Thrones, er auf der einen, ich auf der ander» Seite, und zehn schreckliche Sekunden lang stierten wir uns mit blutunterlaufenen Augen an wie Todfeinde. Atahuallpa wurde als Gefangener in da» nächstgelegene Gebäude geführt, und zwölf Mann wurden damit betraut, ihn zu bewachen. Eine geisterhafte Ruhe hatte sich über den Platz und Straßen auSgebreitet. Aber von einer gewissen Stunde der Nacht an tönten weit von den Bergen herüber die Klagegesänge der ihres Gott» königs beraubten Peruaner, anschwellend, abschwellend, immer schmerzlicher uni wilder bis zum Grauen des Tage». Die Soldaten erhielten Erlaubnis, auf Beute auszuziehen, und sie brachten aus dem Lagerndes Inka viel goldenes und silbernes Geräte mit und viele Ballen Stoffes, so fein im Gewebe und so vollendet in der Kunst der Farbenverschmelzung, wie wir noch keine vorher gesehen hatten. Alles entwendete Gut wurde in ein hiefür bestimmtes Hau» geschasst, um zur bestimmten Zeit, nach Abzug des Fünftels für die kastilische Krone, verteilt zu werden. Tristoval Perralta und ich hatten aber den Thron 8eS Inka mit Hilfe einiger Leute in' einem Versteck untergebracht, einer' davon verriet uns an den Pedro Pizarro,, worauf uns der General kommen ließ und uns mit unheilvoller Miene aufforderte, den Thron auszuliefern. Das geschah alsbald, denn wir zitterten vor seiner drohenden Stirn. Um mich schadlos zu halten, durchsuchte Ich mit den Soldaten die Häuser der Stadt, und was irgend von Wert war, raubten wir. Die Eingeborenen wurden festgenommen, und wir rissen ihnen Schmuck und Zieraten vom Leib. Einzeln oder, in Gruppen zogen,.unsere Leute durch das Gelände und steckten die Wohnungen in Brand, nachdem sie sie ausgeplündert. Sie brachen in die Tempel, erschlugen oder vertrieben die Priester und schleppten fort, wa» sie tragen konnten an bünten Stoffen und schönen Gesäßen, Aber alles war ihnen nickt genug; sie lechzten nach mehr. Und auch mir war nichts genug; ich lechzte nach mehr. Eines Abends, als ein« Abteilung von Ihrem Raubzug, der besonders erfolgreich gewesen war, in die Stadt zurückkehrte, trat der gefangene Inka aus. den Inneren Gemächern feines Haufe» in die Säulenhalle und schaute zu, wie die Soldaten sich ihrer Beute, entledigten und wie arwre hineinen Abschnitt au» der Eroberung Peru» durch die Spanier. Der folgende Auszug au» dieser Novelle behandelt«aS Gemetzel um den Inka Atahuallpa und dessen Gcfangenahme. Al» di« vordersten Reihen de» Zuges den Platz betraten, öffneten sie sich nach beiden Seiten für daS königliche Gefolge. Unter lautlosem Schweigen seiner Leute schaute Atahuallpa suchend rundum, denn von den Unfern war niemand zu sehen, indes wir jede» Gesicht und jede Bewegung von ihnen wahrnehmen konnten. Da trat, wie es beschlossen war, Pater Valverde, unser Feldpriester, auS einer der Hallen. Die Bibel in der Rechten, da» Kruzifix in der Linken, näherte er sich dem Inka und redete ihn an. Felipillo, der wie sein Schatten hinter ihm huschte, so verhängnisvoll wie unentbehrlich, übersetzte seine Wort« Satz für Satz, so gut oder so schlecht er eS vermochte. Der Dominikaner forderte Atahuallpa auf, sich dem Kaiser zu unterwerfen, der der mächtigste Herrscher der Welt sei und seinem Diener Pizarro den Befehl erteilt habe, von den Ländern der Heiden Besitz zu ergreifen. Der Inka rührte sich nicht. Pater Valverde forderte ihn zum zweitenmal auf und fügte hinzu, wenn er sich dem Kaiser zinspflichtig bekenne, werde ihn dieser als treuen Vasallen beschützen und ihm in jeder Not beistehen. ES erfolgte das nämllche Schweigen. Da erhob der Mönch zum drittenmal feine Stimme und richtete im Namen unseres Herrn und Heilands die bewegliche Mahnung an ihn, sich zu unserm heiligen Glauben zu bekehren, durch den allein er hoffen dürfe, selig zu werden und der Verdammnis und höllischen Hast zu entgehen. ES hätte da anderer Worte bedurft und anderer Vorstellungen als sie dem Pater zu Gebote standen. Er war ein einfacher Mann von geringer Erziehung und hatte die Zunge nicht und hatte die Flamme nicht, um das Herz des Götzendieners zu rühren und es für die Lehre Christi empfänglich zu machen, der wir alle in Demut gehorchen. Der Inka antwortete auch dieses Mal nicht. Ein starres Bild sah er auf seinem Thron und schaute den Mönch halb verwundert, halb unwillig an. Dieser blickte ratlos zu Boden, sein Gesicht erblaßte, vergeblich suchte er Erleuchtung und neuen Anruf,' und plötzlich wandte er sich um und hob das Kruzifix in seiner Hand wie eine. Fahne. _„Da sah: dec General, Saß dix.Mts«kor" men'war unt^daß er i' j-------• Er wehte mit einer weißen Binde, das Geschütz wurde abgefeuert, der Schlachtruf San Jago ertönte, aus dem Hinterhalt brach wie.«in gestauter Strom die Reiterei hervor, und von Ueberraschung gelähmt, vom Geschrei und Knallen der Musketen und Donnern der beiden Feldschlangen betäubt, vom Rauch, der sich in schwefligen Wolken über den Platz verbreitete, erstickt und geblendet, wußten die Leute des Inka nicht, was sie tun, wohin sie fliehen sollten. Vornehme und Geringe wurden unter dem ungestümen Anprall der Reiterei miteinander niedergetreten, und ich sah nur einen Knäuel von roten, blauen und gelben Farben vor mir. Keiner leistete Widerstand, und sie besaßen auch nicht die Waffen, die dazu ausgereicht hätten. Nach einer Viertelstunde waren alle Auswege zum Entkommen mit Leichen geradezu verstopft, und so groß war die Todesangst der Ueberfalle- nen, daß viele in ihrer krampfhaften Bemühung die Mauern aus gebranntem Lehm, die den Platz umzäunten, mit den bloßen Händen durchbrachen. Ach kann mich nicht mehr entsinnen, wie lange das schauerliche Gemetzel dauerte. Mein Geist war verwirrt durch den Anblick des goldenen Thronsessels, auf dem der Anka noch immer saß. Den wollte ich um jeden Preis gewinnen, mit Zaubergewalt zog es mich in den Kreis seiner Strahlen, und ich hieb alles nieder, was sich mir entgcgenstellte. Die Getreuen, des Inka' warfen^ sich mir und den anderen Reitern in den Weg, rissen einige.von den Sätteln oder boten die eigene Brust dar, um den geliebten Gebieter- zu schützen. Am letzten Zucken des Lebens noch. Nam«- merten sie sich an die Pferde, ich schleifte immer drei oder vier mit mir, und. wenn einer.tot hinfiel, trat ein anderer an seinen Platz. Der Thron, von den acht Edelleuten getragen, schwankte wie ein Boot auf bewegter See', bald vorwärts, bald, zurück, je nachdem der furchtbare Andrang zu-' nahm oder nachließ. Atahuallpa starrte regungslos in das blutige Verderben, feiner Ohnmacht, es abzuwenden, mit schicksalsvoller Düsterkeit gewiß. Das kurze Zwielicht der Wendekreise verging,. der Abend sank, von unserer Mordarbeit ermüdet, fürchteten wir nur eines, daß der Anka entfliehen könne. Andrea della Torre und Tristoval de Perralta stürmten auf ihn Io», um ihm da» Schwert in die Brust zu stoßen. Da raste der General wie der leibhaftige Sturmwind dazwischen; am Leben des Fürsten Ivar ihm alles gelegen, und indem er den Arm zu.seinem.Schutz auSstreckte. erhielt er von Cristo- val de Perralta eine ziemlich schwere Wunde am Handgelenk. Zugleich fielen vier von den Trägern des Thrones aus einmal; den'übrigen wurde die Last zu schwer;, vor einem Berg von Erschlagenen 'brachen sie in die Knie; der Anka wäre zu Boden tasteten, sie geradezu liebkosten und durch Ihr ganze» Gebaren das trunkene Entzücken, die unstillbare Begehrlichkeit und wesenlos neidhaste Angst verrieten, die in ihnen tobten. Ach stand in der Mitte deS Platzes und hatte allmählich mein Augenmerk nur ai^f den Anka gerichtet. Er schien nicht recht zu begreifen, was sich vor seinen Blicken abspielte. Andem er angestrengt nachdachte, näherte sich ihm Felipillo. und sagte mit leiser Stimme und heuchlerisch demütigem Gebaren einige Worte zu ihm. Wie ich später von Hernando de Soto erfuhr, der es von Atahuallpa selbst wußte, war Felipillos Rede so:„Sie wollen Gold. Sie winseln um Gold, sie schreien um Gold, sie zerfleischen einander um Gold. Frag sie um den Preis deiner Freiheit, und du wirst sie mit Gold kaufen können. ES gibt nichts in der Welt, was die dir nicht für Gold geben würden, ihre Weiber, ihre Kinder, ihre Seele und sogar die Seelen ihrer Freunde.7 An jener Stunde ahnte ich nur den Sinn der wahren und furchtbaren Wort«. Was mich bis ins Annerste bewegte, war der Ausdruck de» Grauens und Grübelns im Gesicht Atahuallpa». E» ist sicher, daß- er von da ab unablässig über dies eine nachdachte, denn er vermochte nicht daran zu glauben, daß man für ein so nichtige» Ding, wie es das Gold in seinen Augen war, ein so wichtige» wie die Freiheit gewinnen, ja daß man überhaupt etwas damit erkaufen, etwa» dafür haben könne. Etwas haben: das war in feinen Augen ein ganz anderer Begriff als in unfern. Der Gedanke, etwas mit Gold zu erkaufen, mußte ihn im tiefsten Gemüt erstaunen und beunruhigen. In jener Stunde, beim Anblick meiner vom Gold berauschten Gefährten auf der einen Seite und der stummen Gestalt und staunenden Miene des Inka auf der andern, wurde mir zum erstenmal deutlich, wie fremd wir ihm waren, unfaßbar und schaurig fremd, nicht wie Menschen aus einer Welt, die er nicht kannte, sondern wie Wesen von einer ganz und gar un« erklärlichen Beschaffenheit. ES kamen aber nun seine Diener und Dienerinnen nach Caxamalca, seine Höflinge und seine Frauen und flehten mit emporgehobenen Händen, daß man sie zu ihrem Herrn lasse. Sie sagten, ihr Leben sei dem Anka zugeschworen seit ibrer Geburt und aus seiner Nähe verstoßen müßten sie nach dem Gesetz des Landes den Tod erleiden. Der General wählte ungefähr zwanzig von Ihnen aus, darunter den Prinzen Turaca». den Halbbruder des Anka, den dieser besonder» liebte. ES war ein schöner und sanfter Aüngling, dem Fürsten ähnlich an Gesicht und Gestalt. Die übrigen schickte der General wieder ihre» Wegs, und lyie wir kurz hernach vernahmen, begingen.' sie «..< Es kämen aber auch Tausende von ändern Bewohnern des Landes und der Städte, die ihren Herrn nur zu sehen verlangten. Sie wurden exst nach Caxamalca gelassen, wenn man sich vergewissert hatte, daß sie keine Waffen bei sich trugen. Es hätte dessen nicht bedurft. Sie waren in einem Zustand äußerster Verstörtheit. Sie konnten nicht glauben und nicht, begreifen, daß. der Sohn der Sonne ein Gefangener war.. Boll schmerzlicher Verwunderung schauten sie un» an, und wenn einer der Unfern zu ihnen redete. Kb« ten sie in abergläubischer.Furcht. Eine übernatürliche Mächt schien sie vor den Mauern sestzuhal« ten, die den Anka umschlossen; manche weinten, manche seufzten bloß still, manche lagen auf den Knien, das Haupt zwischen den Armen,.und in der Nacht sah ich ihre Augen au» der Dunkelheit leuchten, indes von den Bergen herüber die klagenden Gesänge schallten. Da» ganze Reich war in Trauer und Ber- zweiflung. Von Jakob Wassermann In der Meisternovelle„Da» Gold von• gestürzt, wenn ihn nicht Pizarro und della Torre Casamalca schildert Jakob Wassermann jn ihre» Armen aufgefangen hätten. Während Soubcrlicilnge Spitttfen vn Freitag, 25. Dezember 1950 Romantisches Spanien Von Frank Erck Von Arnold Heilbut, Madrid r Garten der Klosterbruder In Escorial Pas Schloß Aranjuez lich vor unseren Augen die Gestalt deS unglücklichen Königssohnes Don Carlos auf, der hier— dem starren Zeremoniell des Madrider HofeS entronnen— Erholung gesucht haben mag. Freilich, dieser unglückselige Jnfant entsprach so ganz und garnicht dem romantischen Idealbild, das Schiller von ihm entwarf. Er war ein armer, von der Natnr körperlich und geistig stiefmütter- den Typen von der Bühne. Sie hätte gesiegt, wäre ihr Kampf nur gegen das alte, blutleer gewordene Spanien gegangen. Das romantische Spanien hatte seine höchste Stunde in den Jusi- tagen; über die ganze Welt ist damals die Ide« Spaniens gekreist. Von Italien aus aber war die klassische Reaktion, neu gefügt und gefestigt, in die Welt hinausgegangcn, und jetzt stellt« sie sich in Jberien dem alten Gegner. Wollte er sie bestehen, muhte er das romantische Gewand abwerfen. Die romantische Literatur ist in den Realismus gemündet. Das romantische Spanien ist gleichfalls tot. Jetzt erst. Es hat die Realität seines grohen, erschütternden Kampfes erkannt. Und so kann es siegen. Wir nehmen gern, froher Hoffnung voll, von ihm Abschied. Seit« seines verbitterten, menschenfeindlichen Vaters ein trauriges Dasein geführt haben wird. Inmitten der starren, abgezirkelten Laubgänze, den streng abgeteilten Beeten und wohl ausgerichteten Wegen vermag man sich gut das unter, um sogleich mit neuen Kräften wieder zu erstehen. Nagelpeitschen, WUrgeisen, Daumenschrauben und Wippgalaen, die Folterwerkzeuge der Inquisition, kehrten nach der Verjagung. des fremden Tyrannen nach Spanien zurück. Neue Ausstände, Bürgerkrieg. Liberale und Ultrakatholiken bekämpfen einander. An der Frage der Thronnachfolge entzündet sich der Pacteienstreit. Die Guerillos haben rote Mühen und nennen sich Karltsten. Bis vor Madrid komnien sie gezogen. Von ihrem Feldherrnzelt sieht man die Fenster des königlichen Palastes in der Sonne blinken. Heroisch tvidersteht die Stadt. Aber ungezählte kleine Dörfer werden ihnen leichte Beute, und das Füsilieren,„die so miliärische, so spanische Tugend", hält Ernte. Das brach nicht ab: Krieg und Bürgerkrieg, Aufstände und Rebellionen gegen Pronnncia- mcntoö und Staatsstreiche gewittern pausenlos üüer Spanien dahin. Erinnerungsschwer sind die Menschen: Die unsichtbare Armee, die Napoleon beztvang und danach die grosse reaktionäre Belve- gung der Karlisten, lebt fort: Sie kämpft gegen die modernen Unterdrücker; ihr Heer trägt romantische Dreispitze und romantisch sind die Kampf» formen, denen es zu begegnen hat. Erst daS Bän- denlvesen im Süden, dann die jungsozialistische und junganarchistische Bewegung. Die Romantik ist eine revolutionäre Strömung. Aber dafür stecken auch in jeder Revolution romantische Strömungen. Groh und mächtig schäumen sie auf in den Julitagen, da die alten Feinde des spanischen Volkes zmn neuen Pronunciamento losschlagen. Pedro der Tischler, Jost der Schmied und Alvaro der Weber, wissen Bescheid. Die wäschewaschenden Fragen am Brunnen horchen auf, und vom verträumten Stadtwall kommen die Mädchen gerannt: Die rotmühigen Karlisten, von ihren Flintenpfaffen geführt, rücken wieder an, und hinter ihnen das grosse Heer der fremden Eindringlinge. Wutverzerrt sind die Gesichter. Sie ballen die Fäuste. Sie fiebern nach Waffen, Getümmel. Die .grosse Erhebung bricht an. Romantisch beginnt dieser Feldzug: Mil grossen Parolen und glänzenden Gesten. Mit Mi- lizianerinnen, Kriegrehen. Stierkämpferbataillonen. Mit wildlvehenden Fahnen, bunten Uniformen, leuchtenden Halstüchern, Paraden, Exotik, Trubel und Tumult. Mit verwirrenden Losungen von Volksgemeinschaft, ungezügelter Freiheit und LoLgebundenheit. Glänzend und sprühend, wie alle Romantik von aussen, und grausam und verzweifelt im Grunde. Wie die Revolution von 1789 und 1818. Romantik ist Auflösung. Sie verwischt die straffen Formen in ihrem aufrührerischen, chaotischen Gemälde. Sie taucht die durchsichtige Helle in einen verwirrenden Farbncbel und eine zügel- los-bewegte Menschenmenge jagt die wohlagierenLiebe Redaktion! Sie fragen mich, ob ich einen Artikel über das romantische Spanien schreiben wolle. Gern; die Aufgabe lockt mich. Obzwar wir, wie es scheint, in ganz und gar unromantischen Zeiten leben. Sie haben die althergebrachten Formen und Formeln über den Haufen geivorfen. Das romantische Spanien ist«in Klischeebegriff. Seine tra- ditionellen Requisiten: der Dust des Weins etwa, der Saft der Frucht, das höihe Lächeln einer schwarzen Frau,, was gelten sie noch? Aber das klingende Wort hat Bestand und da» nachhallende Echo des Kanonendonners. Und darüber will ich schreiben. Mein« Betrachtung des romantischen Spanien soll nicht unzeitgemäss sein. Auch Krieg und Kriegsgeschrei sind romantisch in Spanien. Neberhaupt: Romantik ist ein Kqmpswort. Ist der Feldruf der Jungen gegen das Alte. In unnahbarer Unbewegthcit schwang formschön die klassische Literatur über den Wogen de» ausgewühlten sozialen Leben» dahin.>' Zwischen Morgenröten und Morgenröten gab es keine Konflikte. Majestätisch schwebte der Sonnenball auf lvciter, in Berg und Tal und Wrum und Strauch stilvoll gegliederter italischer Landschaft. In ihrem klaren Licht sonnte sich das klassische Schauspiel. Das Drama der Romautik suchte Volksnähe und Belvegtheit. Jberien, das wüste, halbafrikanische Land, wurde zu seiner Bühne und dem starren Prospekt des Klassizismus wurden seine in wilden Farben gemalte Kulissen entgegenstellt, seine grossartigen Fluren, die vom zerrissenen Hochgebirge hinabsteigen über sturmdurchwehte zyklopische Steinwüsten zu einer kraftstrotzenden Erd«, die überzogen ist von einem Verlvirrenden Mosaik bizarrster Gewächse. DaS war die Erschaffung Spaniens zum romantischen Land als Protest gegen das klassische Italien, und di« neue Idee, über die Spaniens Flagge wehte, siegte gegen das blutleer gewordene italienische Gestern. Hcüte steht Spanien gegen Italien. Die hundertjährige literarische Opposition ist zur echten Revolution geworden: aus der Sphäre der Kunst ift’ sie hinabgestiegen in di« des Lebens. Das spanisch« Leben hat sich stets so präsentiert, wie der an der romantischen Literatur Orientierte es zu finden erhoffte. An den Strassenecken lagen malerisch hingestreckt die Bettler. Auf den Hauptplätzen promenierten die Elegants, in ihre faltigen Capas gehüllt, und feurige Blicke und heisse Worte schleuderten sie den Schönen zu. In der Mitte des Dorfes sprudelt der arabische Brunnen und Wäsche waschende Frauen standen um ihn gebückt. Alte Romanzen klangen auf, Kastagnetten schlugen drein; hart stampfen die Sohlen der Männer den Tanzboden; auf den Fussspitzen wirbeln die Mädchen und verheissend schlägt um ihre schlanken Beine der bunte Faltenrock. Die Männer haben adelige Gesichter. Die Frauen haben breite und leuchtende Augen. Des Sonntags versammeln sie sich am Bahnsteig und . sehen, anfstufzend den Zug vorbcifahren, oder sie gehen paarweise den Wall entlang, rings um die , schweigenden Städte, die die Geschichte längst ver- ' gessen' hat. Am Abend sitzen dann in kachelausgelegten Stuben beim weichen Schein des Oel- lichtes Pedro, der Tischler, Jost, der Schmied, und Alvaro, der Weber. Sie beginnen zu sprechen. Bi» dahin ist die romantische Literatur gekommen. Dann erzitterten die Rotationsmaschinen. Pedro, Jost und Alvaro hatten das Gewehr ergriffen. Carmen, Blanca und Dolores waren Krankenschtvestern geworden. Die Stierkämpfer ballten die Faust zum proletarischen Gruss, oder sie reckten den Arm und riefen:„Arriba Espaüal" —„Spanien erwache!" Um di« alten Festungen donnerten Geschütze. Lagerfeuer lodern zwischen Palmen und Rakteengesträuch. Wachen liegen auf den eisigen Berghöhen. Aufgeregte Massen durchfluten die Strassen.„Boll ohne Pulsschlag", hatten die Generäle gehöhnt.„Lieber aufrecht sterben als gebückt leben", hatten die Bolksredner geantwortet. Und:„Sieg oder. Tod" echot« die Menge. Den Bruch in der romantischen Literatur füllen die von ihr verschwiegenen Gespräche aus. ES sind grossartige, turbulente Gespräche. Nicht enden wollende Kriege durchziehen und durchzittern da» Land. Am 2. Mai 1808 steht das Volt von Madrid gegen die französische» BesatznngStruppen au?.' Mit Messern und Steinen greift«S sie an. Wutverzerrt sind die Gesichter der Bürger." Schreckerstarrt die der Reiter. Ihren sich hoch- ' bäumenden Pferden steht der Schaum'vor dem Maul. Getümmel. Das grosse Gemetzel hebt an. Vor den Toren Madrids dann wartet die lange Reihe der zum'Tod Verurteilten auf die Hinrichtung. Eine grosse gelbe Laterne beleuchtet die Soldaten. Sie halten das Gewehr an die Wange gepresst und den rechten Fuss vorgestellt. Die ihnen gegenüber sind in die Kni« gesunken. Einer presst die'Nägel in» Fleisch der Hand. Vom andern sieht man nur da» Weisse de» Augapfel». Feuer! An allen Ecken brannte da» Land; der grosse Un» abhängigkeitSkrleg. Ueberall ist das Voll in Waffen und wo sein« Heere geschlagen werden» tauchen seine GuerrilleroS auf,'die nach hünderttau- ' send Kleinaktionen sich wieder zu neuen Heeren sammeln: Sie marterten'Napoleon wie die Flie- gen den Löwenin der Fabel. ES war unmöglich^ -sich ihrer zu erwehren. Jmmerwarenste auf der Flucht Und immer auf» neue bereit zum.Angriff. Eine Gespensterarmee führte da Krieg: Unsichtbar war sie, unfassbar uyd unzerstörbar. Setzt« matt ihr. nach; tauchte sie im Schosse de» Bolle» Einst in glanzvollen Tagen... an da» Lustschloss de» Sonnenkönig». Aber genau genommen.ist»La Aranja" bei San Rafael, die schöy« Sommerresidenz der früheren spanischen Könige und der jetzigen Präsidenten, dem so viel' ÜPierten.BersailleS weit Unsicher. Aber Aranjüez ist nun einmal bekannt. Wer von untz hat,picht gelegentlich schon einmal das Zitat angewindet:»Die schönen Tage von Aranjuez sind nun zu Ende.. Und sicherlich hat er dabei den Namen unwissentlich falsch^ ausgesprochen!' ES heisst näMch Aranchuth, und der Don liegt auf der letzten Silbe. Schlendert man durch die zahllosen sich kreuzenden Hecken und dunklen Laubgänge(sie sind teilweise etwa» verwahrlost), so steigt unwilllür-. in höfischer Etikette erstarrte Gefolge des düsteren Königs vorzusteilen— ihn selbst, den eisigen, unnahbaren Philipp, die unglückliche Königin, den kranken Infante» und Herzog Alba, den hohläugigen Toledaner. Nein, dieser Garten mit seinen ernst und düster wirkenden Bäumen, Büschen, Beeten vermag das Gemüt nicht zu erheitern. Etwas freundlicher wirkt das Schloss, die zierliche Brücke, die den Tajo überspannt, der Ausblick auf die violett schimmernden Höhen des Guaderramagcbirges. Das Schloss, weit ausladend, bietet innen nicht mehr und nicht weniger als alle anderen derartigen Herrensitze. Kalte Pracht in ungemütliche» Riescnräumen, neben lächerlicher Primitivität der Privatgemächer. An- gehäufte Kostbarkeiten, einige Gemälde spanischer Meister— alles Nähere siehe Baedeker. Der Ort Aranjuez ist inmitten der dürren, reizlosen Hochebene Kastiliens immerhin eine Oase. Obgleich im Sommer der glühenden Sonne, im Winter den eisigen Sicrrawinden preisgegeben, ist er doch ein Frucht-, Gemüse- und Blu- menmarkt. Berühmt sind seine Erdbeeren, voll und gross die Artischocken, zart der Spargel. Ein beliebter Ausflugsort der Madrider und selbstverständlich ein stark besuchter Touristenplah. Deshalb muss man dort auch die Erdbeeren und den Spargel teurer bezahlen als in Madrid— „das hat mit seiner Empfehlung der gute Baedeker getan".— El Escorial— auch dieser Ort ist mit einem Schillerschon Zitat eng verknüpft.„Schlaf find ich im Escorial", sagt der grüblerische Philipp II. Als Philipp II., mit sich und der Welt zerfallen, einen Ort ersehnte, wo er in asketischer Zurückgezogenheit sein Leben beenden könnte, mussten seine Baumeister jahrelang suchen, ehe der geeignete Platz gefunden Ivar. Etwa 50 Kilometer von Madrid entfernt, fand man endlich auf ödem Felsplateau die Stätte, an der in langer Bauzeit das düstere graue Riesenschloss entstand, Wohnsitz und Grab zugleich. Da ragt es nun seit Jahrhunderten, kalt und abweisend, mit seinen vier trotzigen Ecktürmen und der kahlen, vielfenstrigen Front, man spricht von mehr als 1100 Fenstern. Aus seiner Mitte erhebt sich die stolze Kuppel der gewaltigen Basilika. Gigantisch ist dieser Bau und doch ist seine Wirkung nur eine nioderdrückende. Gewissermassen das steingewordene Synwol dieses menschheitsfeindlichen Monarchen. Die kostbarsten Schätze spanischer Kunst birgt dieses düstere Schloss. Die grossen Meister Spaniens gaben ihre herrlichsten Werke zum Schmuck der Galerien, Vestibüle und Säle. Ein Vclasqucz, ein Greco, Rubens und Raffael schufest im Dienste des Königs. Die weltberühmte Bibliothek weist mehr als 100.000 Bände auf, die seltensten Handschriften in allen Sprachen der Welt. Pracht und Luxus überall» kalter Marmor und gleissendes Gold, Juwelen und schimmerndes Silber, starrender Brokatstosf und glänzende Seide. Wie einfach und nüchtern dagegen die Wohn- und Schlafräume des Königs, wie schrecklich bedrückend düster und kahl jener kleine Raum, mit dem Blick aus den Hochaltar der Basilika, in dem der gichtkranke König einsam seine letzten Tage verbrachte. Und dann ist da jene Krypta, zu der mau auf gelvundonen Marmorsliesen hinuntersteigt, zu diesen marmor« und goldstrotzenden Grabgewölben, wo in den Nischen die prunkvollen Särge Karls V. und Philipps II. stehen, wo die Gebeine der Vorfahren und der Nachkommen dieser Fürsten ruhen, eine endlose Flucht von Gewölben und Nischen, überladen mit Marmor und purem Gold. Wieder oben, durchschreitet man das riesige Schiff der Basilika, den Vorhof von gewaltigen Ausmassen, den merkwürdigen Niaum, der den Namen„sala de los secretoS"(Saal der Geheimnisse) trägt. Ein dunkles, winkeliges Steingc- mach, in dem man sich in eine Ecke stellt und einige Worte gegen die Wand flüstert, die man ohne Mühe in der gegenüberliegenden Seite deutlich und klar vernimmt. Ma» durchschreitet den stillen Garten der Evangelisten und atmet auf, wenn sich der blaue Himmel wieder über einem wölbt, wenn man dem drückenden, beängstigenden Dunkel und der erstarrenden Kälte der Steine entflohen ist. Der kleine Ort El Escorial hat nichts mehr von dem unheimlichen Ernst des Schlosses. Er hat sich iin Lause der Jahre zu einem freundlichen» sauberen Städtchen entwickelt. Die gute Gesellschaft von Madrid hat dort ihr« Villen. Da, wo einst baufällige Hütten standen, erheben sich heute moderne Hotels, reizende Gärten laden zur Rast und in den hügeligen Strassen sieht man die modernsten Autotypen— in diesen Strassen, durch die sich einst der todkranke König in seiner harten, engen Holzsänfte dahintragen liess. Hinauf zu jener kahlen Steinhöhe mit dem eigenartig geformten Steist, der einen weiten Blick inS Land gewährt, und der noch heut«„la silla del rey"(der Sessel des Königs) genannt wird. Zwei Städte sind es, die man in diesen Tagen, da sich daS Schicksal der spanischen Metropole entscheide» muss, ost nennen hören wird: Aranjuez und Escorial Man bezeichnet daS klein« Städtchen A r a n j u e z oft als das„spanische Versailles", nicht ganz mit Unrecht, denn Bauart deS Schlos», seS und Anlage der Gärten erinnern in der Tat! lich behandelter Blensch. Ein Prinz, der an der H 1 1« ftccitng, 25. Dezember 1036 vm Sonbcrtcitaflc Spanien Zerstörte Häuser in Madrid k Wie Don Quixote den Helm Mambrins eroberte Von Miguel de Cervantes Durch die Jahrhunderte leuchtet der Name des groben spanischen Epikers Miguel de C e r v a n t e S, des Schöpfer» des„Ton Quixote", dieses unsterblichen Ritters von der traurigen Oc- «alt. Im Jahre 1604 erschien der erste, im Jahre 1615 der zweite Teil dieses grostcn Roman», der unzählige Auslage» in spanischer Sprache, llebersetznngen in alle Kullurivrachcn und vielerlei Bearbeitungen erlebte. Ton Quixote ist ein armer Junker, der, in der Zeit des Niederganges, des Endes des Rittertums lebend, für Ernst nahm, was er in Ritter-Nomanen gelesen hatte, der be» schlost, ein fahrender Ritter zu werde» und auS- zog, um Abenteuer z» erleben, der gegen Windmühlen focht, weil er sie für Niesen hielt, der wild auf eine Schafherde loSftürmie, weil er in ihr einen Trupp Feinde sah, der rin Nasierbecken für ■ einen goldenen Ritterhclm hielt. Nicht die An- cinanderreihung vieler phantastischer Abenteuer, die immer lächerlich sind, macht die Gröhe dieses Romans ans,— auch nicht allein, so wichtig das ist, seine Bedeutung als Satire auf das überlebte Rittertum und zugleich auf die bombastischen Abenteuerromane, sondern dafe Cervantes eine unsterbliche Gestalt schuf in Don Quixote, in dieser Berkörpernug wagenden und irrenden»nd mist, leiteten Menschentums, des Kampfe» des einzelnen gegen seine Umwelt, des Jdealisten-gegcn die Wirklichkeit, des Träumers gegen die Zeit.— Di« Episode, die wir abdrucken, vermag natürlich nur . auf das grobe Werk des groben Dichters Hinweisen, sie soll anregen, es zn lesen. ES währte nicht lange, so erblickte Don Quixote einen Menschen, der beritten lvar, und auf dem Kopfe ein Ding trng, das wie Gold glänzte. Kaum hatte er ihn bemerkt, als er sich auch schon gegen Sancho kehrte und sagte;„Wenn das Glück heut nacht die Tür vor uns zuschlofe, uns das Gesuchte nidit' finden liefe, und uns mit Walkmühlen täuschte, so schliefet sich uns zur Vergeltung seht ein schöneres und unbezweifclieS Abenteuer auf, wobei es nur meine Schuld sein dürfte, wenn ich es nicht bestände, denn jetzt kann Ich eS nicht auf meine Unkenntnis der Walken oder auf die Finsternis der Nacht schieben. Dieses wird gesagt, weil, falls ich nicht irre, uns dort einer entgegenkommt, der auf seinem Kopf den Helm Mambrins trägt, wegen dessen, ich den Schwur getan, wie dir wissend ist." „Bedenkt, gnädiger Herr, lvaS Ihr sagt, und seht, tvas Ihr tut", sagte Sancho,„dqfe es ja nicht wieder Walken sind, die uns am Ende noch recht walken und alle«inne zusammenllopfen möchten." „Du Satan statt Menschl" versetzte Don Quixote,„was haben denn Helm und Walken miteinander gemein?" „Das weife ich nicht", antwortete Sancho, „aber wahrhaftig, dürfte ich nur so wie sonH reden, sp lvürde ich schon solche Sachen sagen, da» Ihr einsehen, müsstet; Ihr irret Euch in'Eurer Behauptung." „Wie kann ich mich in meiner Behauptung: irren,. nichtswürdiger Zweifler?" versetzte Don Quixote,„sprich, siehst du. denn nicht jenen Ritter, der uns auf einem Apfelschimmel entgegcnkommt und auf dem Kopse einen goldenen Helm trägt?" „Alles, lvaS ich sehen und unterscheiden kann", autlvortcte Sancho,„ist nichts als ein Mensch,-er auf einem grauen Esel, so wie meiner ist, reitet, und auf dem Kopfe ein Ding hat, das blitzert." „lind dieses ist eben der Helm Mambrins", sagte Don Quixote;„geh irgendwo beiseite und las; mich allein mit ihm, so sollst du sehen, wie ich, ohne ein Wort zu sprechen, zur Ersparung der Zeit, dieses Abenteuer beendigen will und mir der. Helm verschaffen, den ich mir so herzlich gewünscht habe." „Das Bciseitegchen will ich mir gesagt sein lassen", versetzte Sancho;„aber gebe Gott nur, sage ich noch einmal, das; wir, wenn wir nach Wolle gehen, nicht in die Walke geraten." „Ich habe djr schon gesagt, Mensch, du sollst niemals, ja nicht in Gedanken einmal der Walken erwähnen", so rief Don Quixote,„oder ich gelobe ich will nicht mehr sagen, aber ich möchre dir die Seele zusammcnwalken." Sancho schwieg still, weil er fürchtete, sein Herr möchte das Gelübde'vollführen, welches ec ihm so kräftig in. den Bart geworfen hatte. Mit dem Hclin, dem Pferde und dem Ritter aber, welche Don Quixote sah, verhielt es sich also: In jener Gegend waren nämlich zwei Dörfer, von denen das eine so klein war, dass es weder Apotheke noch Barbier hatte, das andere benachbarte aber lvar damit versorgt, und daher bediente der Barbier des gräfeeren Ortes zugleich das kleinere, in welchem ein Kranker gerade einen Aderlafe nötig hatte, und ei» anderer sich wollt« den Bart scheren lassen, weshalb der Barbier eben kam und eia Bartbecken von Messing mit sich führte, und da eS das Schicksal um die Zeit gerade regnen liefe, und er seinen Hut, der wohl neu sein mochte, nicht gern verderben lasien lvollte, setzte er das Becken auf den Kopf, welches, da. es geschliffen war, ein- halbe'Meile weit schimmerte. Er ritt in der Tat wie Sancho gesagt hatte, auf einem grauer. Efe., und dies zusammen war dem Don Quixote der Apfelschimmel, der Ritter und der gbldene Helm, denn es war ihm nur ein Leichtes, alle Dingei die er sah, nach seiner verrückten Ritterschaft unfeinen irrenden Gedanken einzurichten. Als er nun bemerkte, dafe der arme Ritter ihm nahe genug war, legte er, ohne sich in weitere Reden cinzulaffen, den Spiefe im vollsten Trabe des Rozinante ein, mit dem Vorsätze,, jenen durch und durch zu rennen. AIS er ihm nahe genug- gekommen, schrie er ihm zu, ohne seinen wütenden Lauf anzuhaltc»;„Verteidige dich, nichtSlverteS Ge schöpf, oder überliefere freiwillig, was mir nach allem Recht« zukommt." Der Barbier, der, ohne an ihn zu denken oder ihn-zu fürchten, dieses Gespenst aus sich anrennen sah, fand kein bester«» Mittel, den Lanzen, stofe von sich abzuhalten, al» sich vom Esel herab, fallen zu lasten. Und kaum hatte er die Erde b«. rührt, als er sich leichter wie eine Gemse wieder »erhob und mit so grofeer Behendigkeit übe/; das Feld rannte, dafe ihn der Wind selbst nicht eingeholt hättc.DaSBartbecken liefe er aus der Erde liegen, womit-sich Don Quixote zufrieden stellte und sagte, dafe der Haide verständig genug gewesen. Er befahl dem Sancho, den Helm aufzuheben, der ihn in die Hände nahm und sagte;„Mein Seell Ein köstliches Bartbecken, unter Brüdem ist es eine» Taler wert." Zugleich gab er e» seinem Herrn, der eS sich strack» auf dem Kopf setzte uno eS rund umherdrehte, um die untere Oeffnung zu finden. Wie er sie aber nicht antraf, sagte;r: „Jener Heide, der nach seinem Mafee diesen berühmten Helm zuerst schmieden liefe, mufe in der Tat ein gewaltiges Haupt gehabt haben, und was noch schlimmer ist, so fehlt die eine Hälfte." Al» Sancho das Vartbecken einen Helm nennen hörte, konnte er da» Lachen nicht unterdrük« ken, aber da ihm der Zorn seine» Herrn wieder in Gedanken kam, brach er in der Mitte ab. „Worüber lachst du, Sancho?" sragte Don Quixote. „Ich lache nur", gab er zur Antwort,„wenn ich mir den gewaltigen Kopf denke, den der Heid- mufe gehabt haben, dem die Sturmhaube gehörte, die für mich einem Barbierbecken so ähnlich sieht, wie ein Ei dem andern." „Weifet du, war ich mir einbilde, Sancho? Diese» lveltberühmte Rüststück, dieser bezauberte Helm mufe durch einen ganz aufeerordentliche» Zufall in die Hände eines solchen geraten sein der seine Herrlichkeit nicht zu schätzen verstand, und so in seiner Unwissenheit, da er sah, wie er das fehlste Gold sei, die eine Hälfte abbruch, um >sich damit zu bereichern, und somit die andere Hälfte zu einem Ding machte, das, wie du bemerkest, einem Barbierbecken gleich sieht. Schein« dieser Helm aber, was er wolle, für mich, der ich La Passionaria die Witwe eines asturischen Freiheitskämpfers, eine FUhrerin des spanischen Proletariats ihn kenne, ist diese Verwandlung ohne Bedeutung, überdies will ich ihn im ersten Orte, wo sich ein Schmied findet, fertig machen, und zwar so, dafe Ihn jener Helm nicht übertrifft, ja Ihm nicht einmal gleichkommt, den der Gott der Schmiede für den Gott der Schlachten arbeitete. Unterdessen aber will Ich ihn tragen, so gut ich kann, denn etwas, ist bester als nichts, und wenigsten» Wirer doch hinreichend sein, mich gegen einen Steinregen zu beschützen." Spaniens soziale Neugestaltung Itn katalanischen Sektor Von unserem spanischen Berichterstatter „Wir standen auf der Strafe«, als die Faschisten losschlugen", führte der Generalsekretär der anarchistischen Gewerkschaft vor den Journalisten aus.„Wir kämpften und wir siegten. Als dann ein Teil der Arbeiterschaft wieder in die Betriebe zurückkehren konnte, sand er sie von ihren Besitzern verlassen. So begann.die neue Etappe jde» Krieges;- di«'Arbeitsschlacht, die uns vor-die -.Aufgabe stellte,-die Produklion aus»eigenem wie»; der in Gang-zu setzen".-'-. Das wat der Anfang der sozialen Umgestaltung Spaniens. Präziser lässt er sich nicht beschreiben.'Während auf der Strafee gekämpftwurde, hielten die Jndustrieherren und die Direktoren der grossen Werke ihre Koffer bereit, und sobald entschieden lvar, wohin das Wasfenglück sich wendete, verliehen sie das sür sie gefährlich gewordene Land. Die Arbeiter standen vor ver- schlostenen Betriebstoren. Das RegierungSdekret vom- 28. Juli legalisierte ihre Initiative, mit der sie das Wirtschaftsleben Ivicder in' Schivung gebracht hatten. Es verfügte die Beschlagnahme aller Betriebe, die von ihren Besitzern im Stich gelassen waren., Gleichzeitig nahm es die gesamte Kriegs- und' Kriegshilfsindustrie unter StaatSobhut. Die Rüstung der Republik war In die Hände der Rebellen gefallen; da die Regierung nicht vom Ausland unterstützt wurde, mufete sie im Inland die Mn Plakat der spa'aUstisehen Gewerkschaften Spaniens; „Dia Plünderung.entehrt den Triumph/. Vermeidet siel'.':! w Waffen zur Abwehr des Putsches finden. Die Beschlagnahme faschistischen Besitze» diente der Normalisierung des durch den Bürgerkrieg unterbrochenen Wirtschaftsganges, di« I n» tervenlion geschah im Hinblick auf den Krieg selbst und um seiner siegreiihen Beendigung willen. Viele. Betriebe liefe?» e» sich sehr rmgüegen^Hfsi, vpnx,KfjieMMnM^UM-,-,hinter-, venicrt"zu werden.' Chefs uno Direktorensähen darin einen Schutz gegen weitergehend« Mass» nahmen der Arbeiterschaft.. Sogar deutsche unitalienische Firmen bewarben sich darum.' Umstürzen- wux-e indes das Dekret vom 28. Juli nicht durch die Anordnungen über Intervention und Beschlagnahme, sondern durch, die im Zusammenhang damit notwendig gewordene Schaffung von Betriebsräten— ein Novum in Spanien. In den intervenierten Betrieben oblag ihnen die Kontrolle über Produktion und Warenverteilung und sie ersafeten sehr rasch die Möglichkeiten ihres Amtes./ Hätten Chefs und Direktoren diesen Effekt der Intervention vorausgesehen,.sie hätten sich keineswegs so danach, gedrängt. In Madrid erstreckte sich die SiaatSinter- vention zunächst auf die Preste und die Papiererzeugung, auf Automobilwerkstätten, Garagen, Flugzeug-, Erplosivstoff- und Waffenfabriken, Radiobetricbe, Textillager und die Herstellung von Medikamenten und Sanitätsmaterial. Die Beschlagnahme, die nur für„besitzloses" Eigentum gedacht war, ersafete nach und nach aber alle Grossbetriebe, intervenierte und nichtintervenierte, vorallem das Transportwesen in Stadt und Land, die gesamte Schwerindustrie— so speziell im Baskenland—, die zü Heeresbeirieben. umgewandelt wurde,, und schliefelich auch den Ver- . kaufSapparat, den eS fast völlig neu zu organisieren galt... Die BetriebSführung lag auch h;er in den Händen der Vertrauensleute, der'Räte, die gewaltige Aufgaben zu-bewältigen halten: eine Neüfchöpfung-von Grund auf, die nicht nur das System,, sondern auch die Technik der Erzeugung und der Verteilung betraf. Wo die Revolution'am'weitesten vorgeirie-. ben. würde, in der latalanischen Region, trat zu diesen beiden Eingriffen Noch, der. generelle der ,.Kontrolle" durch die Gewerkschaften. Jeder Betrieb jeder einzelnen Branche wird hier von den. Syndikaten der Anarchisten und Sozialisten kontrolliert, was faktisch auch da, wo ein Ehef noch vorhanden' ist, seine völlige' Beherrschung durch die Arbeiterschaft bedeutet, da ohne ihr Wissen und ihr« Zustimmung auch nicht die-kleinste ge« schäftliche Transaktion abgeschlossen werden kann. Jede Faktura trägt— wie jedes Äeschäftspapier — den Alkfdruck:„Kontrolle— Arbeiterkomitö des Betriebes X", jeder Geschäftswagen trägt neben'.der. Firmenbezeichnung die AüfsHrift der Kontrolle;'Lokomotiven und Waggons' der-Eiseti-. bahn, Taxi»,: Metro, Strassenbahn und- Autobusse führen die Bezeichnungen der beiden Gewerkschaften, der anarchistischen und der kömmüyi- stischen: in diesen Acusserlichkeiten gibt'sich dem Fremden der gewaltige soziale Umbruch des Lau- Sonderbcilag« Spanien IX Freitag, 25. Dezember 1930 bei zu ectenncn. Dank ihm konnte vor allem einh täglich sich' vervolllommend« Krieg-Industrie Seschafsen,werden, die die FrontkäMpfer von der Patrone bis zum Gürtel und Rucksack mit allem Nötigen versorgt, darüber hinaus aber wurde da» gesamte Wirtschaftsleben auf eine neue, gesund«, zukunftsträchtige BäsiS gestellt. Gr ist die Gründ« lagt der Kraft des freiheitlichen Spanien.’ DI« ,.Kontrolle" blieb nicht bei den Städten und FahrlkSzentreü stehen; sie erstreckte sich mehr und.mehr Wer das ganze Land und alle Wirtschaftsbetätigungen.selbst in den kleinsten Dörfern. NM in der"Sphäre der Gesetzgebung wollte man sie'---,- im ersten Stadium der spanischen Revo- lüftoN— nicht anerkennen, ebensowenig wie die BkschsttgNähmungen, die längst die Grenzen der Dekrets vom 28. Juli überschritten hatten. Die Regierungwar damals noch in bürgerlichen Händen«.'"Nie proletarischen Kreise erkannten,besser die Notwendigkeiten der Stunde. Der antifaschistische Kampf, liest sich nicht auf daö Schlachtfeld allein beschränken. Ein neues Dekret der Rc- gierung vom 14. August, das nicht angcordnete Beschlagnahmungen für rechtlich ungültig erklärte, blieb auf dem Papier. lieber den» Widersprach. zwischen"den faktischen Verhältnissen und dep".RegierungSideologie stürzte das Kabinett, Largo Caballero kam. Nicht lange danach, stiehen seiner Regierung auch die Anarchisten zu, die bereis» vorher sich an der Leitung der katalanischen Region beteiligt hatten. Hier entsteht da» umstürzendste WirtschastSgeseh, da» über di« Kolleltivierung der Industrie(Gesetz vom 27. Oktober): „Die verbrecherische Militärrebellion borg IS. Juli hat die Wirtschaft de» Lande».in völlige Verwirrung gestürzt. Der katalanischen Regierung obliegt e» nun, für die Wiedergutmachung der Schäden zu sorgen... Die Akkumu- lation de» Reichtum» in den Händen einer stet» kleineren Gruppe ging Hand in Hand mit der Ausbreitung de» Elends in der Arbeiterklaste, und die Tatsache, dah jene Gruppe zur Rettung ihrer Privilegien, ohne zu zögern,«inen grausamen Krieg entfesselt«, wird zur Folge habe», dyst der Sieg de» Volke» da» Ende de» Kapitalismus nach sich zieht... Die katalanische Regierung, di« da». Verlangen der Arbeiterklasse zu dem ihren macht, ninünt ihrs Reaktionen auf und orientiert das gesamte Wirtschaftsleben Kataloniens in Uebereinstimmung mit dem Willen de» Proletariat». Sie dekretiert..'. die Einteilung der katalanischen Industrie« und HandelSunternehmun- gen in: " A) Kollektivistert« Unternehmungen, in denen die Verantwortlichkeit und Leitung von de» BeiriebSarbeitern selbst getragen wird und... V) Privatbetriebe,- deren Direftion dem Eigentümer' oder' Geschäftsführer züsteht"-"Unter Mitwirkung und Teilnahme de» KontrollkomitöS der Arbeiter..* Diese Regelung kann generell al» di« der zu« künftigen Jndustrieorganisaiion ganz Spanienangesehen werden. Zu lollcltivisieren sind alle jene.Betriebe» di« am 80. Juni 1ÜSS mehr al» hundert. Lohnempfänger beschäftigten, sowie alle jene,.in denen bei einem Stand von 80 bi» 100 Beschäftigten eine Dreiviertelmasorität der Belegschaft."so beschließt. Ferner sind zu kollektivisieren alle Betriebe, die Eigentum von faschistischen Elementen waren, oder deren Ueberführung aus Privat- in Gemeinschaftsbesitz im öffentlichen Interesse. liegt, beziehungsweise im gemeinsamen Wunsch von Belegschaft und Besitzer. Di« Leitung der kollektivisterten Betrieb«, in denen die früheren Besitzer, die» nebenbei, Anstellung finden können, liegt in den Händen«ine» von der Belegschaft auf ßwei Jahre gewählten Betriebsräte», der mindesten» fünf" und höchsten» fünfzehn Mitglieder umfaßt. Ihre Betriebsführung hat sich nach den Normen de» Generalwirtschaftsrates abzuwickeln. Bon seiner Genehmigung ist auch in Großbetrieben mit mehr als fünfhundert Arbeitern die Wahl des Direktors abhängig. Desgleichen entsendet er in alle kollektivisterten lln- ternehmungen seinen Aufseher. Der General« Wirtschaftsrat selbst" ist nach Branchen getrennt; er setzt sich au» Vertretern der einzelnen Betriebs, räte und der Gewerkschaften, sowie au» Technikern zusammen."Dem obliegt vor allem die Aufstellung de» Arbeitsplanes der Industrien,, im einzelnen die Regulierung des Produktion»- und Preisproblem» und der einzelwirtschaftlichen Rentabilität." lieber ihm steht der WIrtschaftSrat der Regierung. Unter anderem hat" ex die Probleme det: Ausländsbeteiligung und des AuSlandSkredi- te» zu liquidieren. Was di« verbleibende Pri« vatlndustri« anlängt, so wird In ihr. wie erwähnt, ein Konirollkomitk der Arbeiterschaft gegründet, " da» nicht nür über Lohn« und ArbeitSzeitfragcn sowie Über den Sozialschuh wacht, sondern auch di« gesaistt« Betriebsführung selbst kontrastiert; Einnahmen wie Ausgaben, Banktransaktionen" untz alle sonstigen Geschäftsoperationen überhaupt. Natürlich auch" di« Produktion. t„Die Volksbewegung gegen dieMllstär« rebellion war so tiefgreifend", sagt das Gesetz in seinem Vorwort, lMß sie zü einem völligen Uly« stürz deS Wirtschaft«- und Gesellschaftsbau«» führt«, besten neues Fundament heute in Katalonien gezimmert wird". Hier Im Industriegebiet Spanien», hietet sich aiÜ esttivickeltsten dem Bt- trachterdicueiieWirtschaftSorganisation'deSfrei-" heiÜichdn Spanien dar. Der. San Martin-Turm In Tomei Spanische Notizen Spanlaehe Namen Spanische Familiennamen bestehen im allgemeinen au» zwei Teilen: au» dem Namen de» Vater» und dem der Mutter. Beide werden durch„y"(und) verbunden. Wer bei un».Lang" heißt, kann sich, wenn seine Mutter vor ihrer Verheiratung„Ritter" hieß, auf spanisch.Lang y Ritter" nennen. Ueber- seht er die beiden Namen in» Spanische, so heißt er .Largo y Caballero". Da da» ,ch" ost au» Bequemlichkeit weggelassen wird, kann er sich auch einfacher ,Largo Caballero" nennen..Latgo" im Namen de» Führer» der spanischen Sozialisten ist also kein Bor- name, soiwern sein«Oer,,. eigentlicher. Familien«: name, sein Vatersname. Steht vor einem..solchen zweiteilig« Namen„Sektor", so gehören beide Teile zum Familiennamen. Vor dem Vornamen wird immer„Don".gesetzt. Also„Don Francesco Largo Cabqll«ro", aber„Settor Largo Caballero";.. Witt etwa von einem Herrn Ramtn Salamero gesprochen, so ist„Rambn" der Vatername; liest man aber „Don Ramän Salamero", so ist Rambn Vorname, und Herr Salamero hält die Sitte, den Mutternamen auch noch zu führen, nicht hoch; er nennt sich nur nach dem Vater. Die Frauen führen meisten», auch amtlich, ihren ursprünglichen Familiennamen weiter, besonder» wenn sie auf ihre Familie au» irgendeinem Grund stolz sind. Sie können ihn aber auch fallen lassen und sich nach ihrem Gatten nennen. Wenn Herr Largo Fräulein"Caballero heiratet, so beißtn sie also im allgemeinen nach wie vor: er Largo, sie Caballero. In Urkunde» steht nur hinter „Juana Caballero" noch:„de Largo", um anzuzeigen, daß. sie dl« Frau diese» Largo ist. sachgemäße» Zusammenarbeiten niit den Parteien der Volksfront. Der Friedhof Der spanische Friedhof besteht au» Mauern. Da» ganze Gelände ist in Abteilungen aufgeteilr; jede ist ein Garten: Palmen, Agaven, Lorbeer, Thuja, Eukalypturbäume, Ziersträucher, Blumen, etwa ein Goldsischteich. Die Gartenmauern sind drei Meter hoch und vier Meter dick, bestehen unter dem sauberen hellen Verputz au» lauter schmalen Fächern, etwa» über mannkbreit, die sich in vier Reihen übereinanderliegender Kammern teilen. In ihnen ruhen Vie Toten, Scheitel gegen Scheitel, die Füße nach den ihnen zugehörigen Gärten zu beiden Selten der Mauer, gestreckt. Jede Grabtammer ist am Fußende sdurch^/eine Steinplatte verschlossen,- di«, wie- jede andere Grabplatte berichtet, wer da liegt. Die Mauer ist— unter dem hellen, weißen Verputz— au» Backsteinen; die Verwesung geschieht in der warmen, sonnigen Luft auf trockenem Wege. Da» Innere de» Friedhöfe» mit den au» lauter Waben bestehenden Wänden hat im'ersten Moment für un» etwa» Befremdende». Aber bald spürt man die schlichte Größe dieser Vestattungiorte. Keine Orgie der angehäuften Geschmackvollhcite» und Geschmacklosigkeiten wie auf unseren Friedhöfen, wo jeder nach seinem Gusto und Geldbeutel schlichte oder pompöse, schlechte oder gut« Monumente und Kreuze errichten läßt: hier ist die Gleichheit aller im Tode fast erreicht. DI« eine Grabplatte ist au» Hellem, di« andere au» dunklem Stein, die eine lvar etwa» teurer, die ander« etwa» billiger; in der«inen Ecke stehen ein paar Blumen mehr al» in der anderen. Da» sind die Unterschiede. Mn übrigen ist alle» einem einzigen, großen und undurchbrechbaren Formgesetz unterstellt; eine grandiose Einfachheit beherrscht da» Ganze; Schlichtheit nnd Grüße, monumentale Wirlung nur allersinchelsten Mitteln— man glaubt, irgendwie mitzuempfinden, au» welcher naiv-genialen Grundstimmung herau» da» klassische Altertum in de» Mit- telmeerländern gebaut und geschaffen hat. Mit ciucin eingeborenen Sinn für die Form, für di« Reinheit der Linie, für die sachgemäße Vertuend«»» de» Material» und die Darbietung de» Zweckmäßigen in äschctisch bester, vernunftgemäß richtigster. Form schaffen die ansässigen, von keinem Kunstalademiler geschulten Handwerker diese Friedhöfe, in denen ein Rest von Hella» nachlebt. Ohne daß sie es wissen, verwirNichen sie ein große» Prinzip, da» für das Künstlerische ebenso al» Forderung gilt Ivie fijr da» Gesellschaftliche: die Einordnung de» Individuellen in da» Allgemeine. Spanische Weisheit Von J o s'6 Ortega y Gasset Josk Ortega ti Gaffet ist einer der originellsten Denker de» modernen Spanien. Im folgenden bringen wir Zitat« au» den: Aufsatz: "„Wer herrscht In der Welt?", der im April 1931 in der„Neuen Rundschau" erschienen iit. Es kann zuweilen geschehen, daß keine öffentliche Meinung da ist. Eine in widerstreitende Gruppen geteilte Gesellschaft, deren Mcinunge» sich acgenseitig aushcben, gibt keine Gelegenheit zur Bildung einer Herrschaft. Und da die Natur kein Vakuum erträgt, wird die Leerstelle, die durch den Ausfall der öffentlichen Meinung entsteht, von der rohen Gewalt eingenommen. Im äußersten Fall also tritt diese als Ersatz für jene ei». Ohne Gebote, die uns zu gewissen LebenS- lveisen verpflichten, verharrt unser Leben in bloßer Bereitschaft. Daö ist die furchtbare innere Lage, in der sich heute unsere beste Jugend befindet. Rein weil sie sich-frei, der Fesseln ledig fühlen, fühlen sie sich leer. Ein Leben in Bereitschaft ist schlimmere LebcnSverneinung als der Tod. Denn leben heißt etwas AufgegebencS erfüllen; und in dem Maße, wie wir vermeiden, unser Leben an etwas zu fetzen, entleeren wir cs. Es wird nicht lange dauern, bis von dem ganzen Planeten lpio das Heulen unzähliger Hunde ein Schrei zu den Sternen aufsteigen und nach einer Kraft verlangen wird, die g e b i e t e t, die ein T a g- werk, eine Pflicht auferlegt. Rußland ist etwa auf dieselbe Art marxistisch, wie die Deutschen deS heiligen römischen Reiche» römisch lvaren. Ich warte auf ein Buch, das Stalin» Marxismus in russische Geschichte übersetzt. Denn wallt ussi scheS, nicht was Kommunistisch e S an ihm ist, macht seine Stärke. Wir werden noch erfahren,-was dies ist» Fest steht nur, daß Rußland noch Jahrh.undette.tiötig hat, ehe es sich um'die Herrschaft bewerben'kann. Weil«S vorläufig keine eigenen Imperative hat, mußte es tun, als hinge es der europäischen Lehre deS Marxismus an. Weil e» Jugend im llcberfluß hat, genügte ihm diese Fiktion. Der Jüngling braucht keine Gründe, um zu leben: er braucht nur Borwände. » Da sich nicht In gesunde Ordnung verwandeln läßt, waS seineni Wesen nach verbrecherisch und ordnungswidrig ist, wähl'- das Individuum den Ausweg, sich dem Unstatthaften anzupassen, dem Verbrechen, der Unregelmäßigkeit, die eS mit sich schleppt, ähnlich zu werden. Alle Völker haben Zeiten gehabt, in denen ein Unwürdiger sich die Herrschaft über sie anmaßte; aber ein starker Instinkt trieb sie sogleich, ihre Kräfte zusammenzufassen und den unbefugten Anspruch zurückzuweisen. Spanische Kathedrale Von Max Barth Selbstdisziplin Angenommen, Sie kommen auf» Postamr oder an einen Eisenbahnschalter oder in einen menschengefüllten Laden oder irgendwohin sonst, wo Leute warten müssen, bi» sie an der Rethe sind, und darum Schlange stehen. Die treten einund fragen:„Ouien c! ultimo?"(Wer ist der Letzte?), oder.auch nur: „Ultimo?". Der Letztgskommene meldet sich, und.Sie lvissen nun, nach wem Sie an die Reihe kommen: Ihre Aufgcche ist e», darauf zu achten,.daß derjenige, der nach Ihnen elntrifst, den Anschluß findet; d. h. wenn«nach dem-Letzten fragt, melden Sie-sich;-nnd nun hat er weiter aufzupassen. Jeder kennt also seinen Vorder- ustd seinen Hintermann; Vordrängen und Streiterei gibt«I nicht. Wollen Sie, bevor Sie an die Reihe" kommen, noch, irgendwo»" erledigen, so geben Sie dem, Hintermann Bescheid.und Sie können nach Jhrer Rückkehr ohne weitere» w'eder an Ihre» Platz treten. Sind Sie Letzter und wollen gleich wieder weg, so bitten Die den Vorletzten, an Ihrer Stelle sich zu pielden;«rwittdem Neukömm- ling sagen: hinter mir ist noch etn Herr, dann kommen Sie." Kommen Sie" zurück," bevor die Reihe, 'an den Schalter zu tx«t«ft,;an Unen ist. so haben Sie keine Zeit verloren; kmnmtn Sie zu spät, d. h. ist schon-- ein nach Ihnen Gekommener dran,, so mstffen Sie sich"von neuem al» Letzter anschließen. Diese" absolute HelbsÄisziplin unv Emordnung»- bereitschafl ist-ein nicht zu unterschätzende» Gegen- aewicht gegen den indiVidualisttHen Selbständigkeitsdrang, der den Spanier kennzeichnet. Im Politischen bedeusetlz», daß dem anarchistischen Instinkt durch die FähiAtit freltvilliger Anpassiing an die Notwendigkeit Zügel angelegt weroen. Don Erfolg steht man-•.iit der veräüttbörtuNaSbetilüßten Einstellung der Anarchisten aus die Realität, durch ihr In dunkler Halle hängen noch wie Rauch die schweren Wolken dumpfer Priestersänge, und in des Schiffes weitem", kühlem Bauch kniet stumm auf kaltem Stein die fromme Menge. Verwaist reckt sich im Osten der Altar, ein düstrer Block ragt aus des Volkes Mitte der Coro, wo, dem Volke unsichtbar, die Priester, walten nach verjährter Sitte. Da flammt kein Feuer, das die Wirren hebt und in erlösendem Gefühl vereinigt; Zerknirschung ist's, die in den Herzen bebt, und Glut, die schwelt und Sinn und Seele peinigt Das ist das Volk, das sich in Demut bückt und dort im Chor, die Schar der Eingeweihten; dem Gotte nah, dem Volke ganz entrückt hochmütig, stolz, geschwellt von Eitelkeiten. Der Priester ist nicht mehr der fromme Knecht, des Gottes Diener und der Seele Helfer; er ist ein Herr und spricht der Seele Recht, sein Urteil fällt mit zürnendem Gebelfer.< Er steht an Gottes Statt: die Welt ist sein. Sein Sprach: ilir habt in mir dem Gott zu fronen! So thront er mächtig, herrisch und allein hoch über jenen, die im Schatten wohnen. Doch aus dem dunklen, drohend dumpfen Raum führt seitwärts eine Tür ins helle Leben; ein Brunnen singt, es grünt ein Palmenbaum, und Gänse schnattern, weiße Tauben schweben. Hernieder strömt der Sonne blankes Licht' ins Hofgeviort mit breiten Kolonnaden, und silbern steigt der Brunnenstfahl, und bricht und stürzt ins Becken, wo die Gänse baden. Im Kreuzgang tummelt sich die Kinderschar, die Großen sitzen plaudernd an der Mauer, in einer Nische kost ein Liebespaar, in einer Ecke schläft ein müder Bauer. So ist die Kathedrale dreigeteilt: Coro und Kirchenschiff und Hof im Freien. Wo birgt der Balsam sich, der Wunden heilt; im Leben hier— dort in den Litaneien? Ein Tor nur und ein kurzer, leichter Schritt trennt jene dunkle Gruft vom hellen Leben; wer aus dem Dunkel in das Helle tritt, dem wird, was dort versagt ward, hier gegeben tJtcifng, 25. Dezember 1030 X Svndeibeilage Spanien ' Regierungssoldaten in der Madrider juristischen Fakultät Fern im Süd das schöne Spanien Kaum einer unter uns wühl hat in seinem gesamten Leben so viel über Spanien gehört, gelesen, gesprochen und nachgedacht, wie in den letzt?» vier Monaten. Aber vor allem in der Phantasie vieler dürste Spanien doch stets eine nicht unbe- trächtliche Rolle gespielt haben. Wann zum ersten Riale? Und wodurch und wie? Denken wir. einmal nach! Natürlich begann es in unserer Kindheit. Aber wann und wo? War es im Elternhaus, ehe wir noch.lesen und schreiben lernten, oder war es in der Schule? War es da oder dort etwa das ,,spanische" Rohr, das uns nach dem panischen Schrecken seiner Bekanntschaft die erste Frage nach hem Begriff Spanien entlockte? Kaum anzunch- me.u Denn wäre uns nach solcher Gelegenheit zum ersten Male dieses Land vorgestellt worden, dan> hätte etivas die Sehnsucht und Bewunderung gehemmt, die wir tatsächlich dock von frühester Kindheit an dunkel für ein in unserer Phantasie ganz Helles, in» ewigen Sonnenschein liegendes Stück Erd? empfanden;' für eine Nation, tie wir uns nicht anders als edel- und heldenmütig, als leidenschaftlich, kämpferisch und ritterlich zu denken vermochten. .... Ritterlich? Ritterlich? Vielleicht ergab einer vpn. diesen beiden Begriffen unsere erste Berührung mit Spanixst. Erinnerst Du. Dich? Der große Zirkus kam in Deine Heimatstadt und Du, kleiner Knirps, warst noch nie in einem gewesen lind da sähest Du endlich in dem verwirrende» Amphitheater der Zcltleinwand, der Holzbänke und Taue, die kleine Hand sicher in Vaters Rechte geborgen, der Wunder wartend— und vor allem der wilden Tiere.' Zuerst aber kamen fabelhafte und elegante Reiter auf wunderschönen rassigen Pferden und boten ein prächtiges Schauspiel. Und unter de» Antworten, die Dir Vater auf hundert Fragen gab, gab es auch eine über die„spanisch- Schule". Und nach der Zirkusvorstellung fragtest Du weiter und weiter— und damals vielleicht erhieltest Du Deinen ersten Gelegenheitsunterricht über Spanien. ES kann aber auch sein, datz einmal Vater lind Mutter im Gespräch sich über gewisse„spanische Dörfer" nicht recht zu einigen vermochten. Und vielleicht war cs damals, daß Du Deine kindlichen Gedanken zum ersten Male in das ferne Land sandtest, tveit weg von uns, im Süden, in das aus unseren Bezirken niemals einer kam, nicht in seine leuchtenden Städte! geschweige denn in spanische Dörfer... Du aber warst,»als Du damals zu Beit gegangen warst, zum ersten Male in jenem Wunderland, träumtest halbtvach mit ge'chlossenen Augen von einer Küste, von der, wie die Mutter sagte, die Orangen kamen und herrliche, teure Trauben, schwerer süßer spanischer Weilt, Datteln, Zibcbcn, ja sogar auch Palmen. Oh, welcher Zauber! Das alles gibt es dort? Und in Hülle und Fülle? Ach, wäre man bloß in Spanien! Nur an ganz hohen Festtagen brachte die Mutter eine öder zwei Orangen vom Markte nach? Hause— sie waren damals allgemein viel rarer hierzulande und bei armen Leuten ein.besonderer Luxus— und dann erhielt jedes von uns Kindern gleichviel Orangenspältchon als seltenen Leckerbissen. Wäre'man aber in Spanien,'dann könnte man auf einen Yrgngcnbaym klettern und iväbrend Man von dort' droben das' Meer und Städte ntit märchenhaft weihen Häusern bewunderte, könnte man) Orangen' Pflücken' und',essen nach Herzenslust!'-. Vielleicht aber erinnerst Du Dich auch, noch daran, daß— Dii illarst n'och IrNn'iel: ein winziger Kerl— bei Nuchbgrsleuten. ei».freundliches Dienstmädchen mär, das Dir, wenn Du ihm legeg- netest, Immer über.die'Haare fuhr, und dä» nach Deiner. Meinung'prächtig.singen.tonnte, A l. Samstagen stand'sie meistens; fest'gegürtet,'an den Fenstern und während sie sich wusch, schmetterte sie ein Liebchen! um das anyctt INS Freie. Und weiht Du noch,' wie Du die Ohren spitztest, wenn daS Mädchen schmachtend anhub: Fern im Süd das schöne.Spanien,.'Spanien ist mein Heimatland.,? Die.Marie war ganz bestimmtmuö Hintersiedel oder Oberdorf. Und dennoch war vielleicht sic cS, die In Deine Kinderscele den erste» Hauch aus dem Lande brachte, wo an des Ebro Strand die Kastanien glüh'n. lind dann—ja dann kam Dir, als Du schon tüchtig lesen gelernt hattest, ein Buch in die Hand von spanischen Stiftern mit wohlklingenden Namen, von schwarzhaarigen Kavalieren und dnnkeiäugigen Frauen, mit grohen Ringen an den Ohreli, Bilder von Estremadura und aus dem Escorial— oh, wie berauschend klang und blinkte daS!— von der uralten Universitätsstadt Salamanca, vom Cid, von Don Rodrigo, vom spanischen Reich, in dem die Sonne nicht unterginq. von Seefahrern und Abenteurern, von— ja richtig!— von Christoph ColmnbuS, von dem Du gerne mehr gclmiht hättest, als die gelehrten Schreiber von ih>n zu erzählen wuhten. Weißt Du noch, wie Dir die Wangen heih wurden, als Du zum ersten Male eine Geschichte von der Eiit> deckung Amerikas lasest? Kannst Du Dir noch auSmalen, wie Dein kleines Gehirn sich mit den Bildern von Häfen und Seglern, von einer mächtigen Königsgestalt, von Matrosen und dem großen Colnnibus und schließlich von wilden Indianern erfüllte?■ Ganz bestimmt aber weißt Du noch, wie daS war, als Du zum ersten Male den„Don Carlos" vor Dir liegen hattest, den Infanten von Spanien, Schillers hinreißende Verse, das Gespräch des edlen Posa mit König Philipp— das war noch schöner als die„Räuber"„und der„Wilhelm Test". Stolz will ich den Spanier, läßt Schiller den König sagen; und so hast Du Dir seitdem den Spanier immer vorgestellt. Ja und dann kam der Augenblick, da sozusagen die spanische Frau in unser Leben trat: Carmen! Herrgott, das war etivas! Sevilla, Schmuggler. Castagnetten, Berge versetzende Liebe, rasende Eifersucht, Stierkämpfer, Mord. Und all daS in und mit Musiki Auf in den Kampf, Torcrö! DaS vergißt sich nie. Späterhin freilich erfuhrest und begriffest Du freilich auch einiges.andere..Aber nicht davon — nicht von der spanischen Jnguisition, nicht von der blutigen und schmutzigen Eroberung Südamerikas durch die Spanier— sollte hier die Rede sein, nicht von Geschichte. Nur ein kleines Stückchen Jugend sollte hier das Wort Spanien ein wenig wieder aufschließen, schöne, starke, goldene Erinnerungen. Wie serNc jetzt bist Du, Ingens, mit Deinem mächtigen Glanz; Deinen berauschenden Phantasien, mit der Ahnung spanischer Son- nenlvimder, die-uns damals kein noch.so schwarzes Bild aus dem Mittelalter verdunkeln konnte. Und heute? Nun erlebt die Jugend Spanien als ein blutig-rotes Fanal, als ein Meer menschlicher Gemeinheit,' als Aufmarschfeld finsterster Gewalten und Gestalten, die die Welt bedrohen. Aber diese Jugend steht Spanien auch heroisch sich ansbäumen gegen solche Schrecknisse, gegen die uM elenden Sold schießenden, brennenden, plündernden und mordcUdon Marokkaner, angesichts deren die Sarazenen unserer Kindheit zu bewunderungswürdigen Helden und Lichtgestalten werden. Kehre wieder zu uns, Spanien unserer Jugend! Sende uns wieder den Strahl Deines leuch- lend-edlen Bildes! Unser aller Herzen sind bei Dir, beim, wahren Volke'Spaniens,' dessen Stolz, isnd Tapferkeit^ dessen Kraft und Wille, dessen .Todesycrychtung aus PebenSbejahung wir heute alles.Übertreffen sehen,'tvaS je wir als Kinder, 'als Jungen,; als Männer hörten, lasen, uns vor- .stellten,..- i l-, G. Die Sendung Spaniens in der Musik Die Geschichte der spanischen. Musik ist ruhmreicher im volkstümlich-nationalen als im kunstmäßigcn Sinne. Während die spanische Kunstmusik im internationalen Musikleben immer nur eine untergeordnete Rolle spielte, hat die spanische Volksmusik als Musik von ausgeprägtester Eigenart auf das internationale Musikschaffen seit jeher den stärksten Einfluß cmSge- übt. Wir finden in der Musikliteratur Tonstücke spanischen Charakters in Menge, während die musikalischen Kunstschöpfungen spanischer Komponisten ebenso gering an Zahl wie an Bedeutung sind. DaS heißt: die Werke, die vom spanischen Volks- und Tanzlied' inspiriert sind, sind viel zahlreicher und bedeutender in der Musikliteratur als die Originalkompösitionen spanischer Tonsctzcr. Es war immer so und ist auch heute noch so, daß die spanischen Komponisten als Repräsentanten der spanischen Kunstmusik an Bedeutung hinter den Tonsetzern anderer führender Musiknationen weit zurückstehen. Während fast alle bedeutenden Kultnrnationcn Europas in dieser oder jener Epoche der Musikgeschichte einmal eine führende oder Schule machende Stellung zu erringen wußten, hat das spanische Volk in den Kunstschöpfungen seiner Tonsetzcr nie Vorbilder zur Nachahmung.gegeben.- Ganz anders nun verhält es sich mit der spanischen Volksmusik, die siber die ganze Welt verbreitet ist und deren wiegender, den leichten Taktteil bevorzugender, eigenartiger Rhythmus nicht minder zu ihrer Beliebtheit beigetragen hat wie die Leidenschaftlichkeit und Süße ihrer Melodien. Es gibt aber auch kaum ein zweites Volk auf der Erde, dem die Musik und vor allem der Rhythmus der Musik so lebensnotwendig wären, wie das spanische. Denn kaum ein anderes Volk der Welt ist tanz-, sing- und musi« zierfreudiger als das spanische.„Tänzen, Singen und Spielen", schreibt im Vorworte einer Sammlung spanischer Volkslieder ihr Herausgeber,„gehört. beim spanischen Volke durchgängig zusammen. Man tanzt, nicht, ohne ein Lied dazu zu sipgen und einJnstrumenf, zu spielen. Uan Mt kein Lied und kein Instrument, ohne dem Körper die flüchtige Bewegung des Rhythmus zu geben. Weil aber Tanzen, Singen und Spielen zu glei» cher Zeit geübt, werden, so liegt darin auch eine Schranke dieser Belustigungen: der Tanz wird kein wildes Springen, das Lied kein Geschrei. Die begleitende Musik bleibt.einfach froh, wenn man will) seit Jahrhunderten, sellHahrtausen- dcn. Meist tanzen im. eigentlichen Nationaltanz Pie Geschlechter getrennt. Die betreffenden Paare ^beziehen sich in ihren Bewegungen aufeinander, doch ohne, die leiseste gegenseitige leibliche Berührung, da die Hände mit Tamburin.der Ca- stägneiten beschäftigt sind. Dies ist der nationale Tanz in Spanien, die nationale Lust am Rhythmus der Bewegung. Der Spanier findet dies alles so rein, so erlaubt,'so natürlich, daß er dem. Tanze sogar im Gottesdienst einen Raum gewährt."• Der spanische Tanz und das spanische Nationallied haben wegen. ihrer.melodischen und rhythmischen Besonderheiten Eingang in die internationale Musik.gefunden; in. originaler Fassung sowohl als auch und noch mehr in Bearbei- tungen, Musterbeispiele der. MUsikliteratur in diesem Sinne sind: Bizets,, des bedeutenden, französischen., Komponisten,.' Oper'„Carmen", Hugo.Wolfs, des großen deutschen Liederkomponisten, Oper„Der Coxregidor", Robert Schümanns„Spanisches Llcderspiel" für Gesang, upd Klavier, Moritz Moszfowskis Klavierzyklus«Spanische. Tänze", d' Alberts.'Opex,.„Wesland"- Regierungsartillerie vor Madrid Zum Verständnis des spanischen Frelheltskampfes vermag ein eben erschienenes sehr guter,. leicht verständlicher Büch, wesentlich. beizutragen,' dar. Buch i,Spanien, Land zwischen Afrika und Enropa", do» der schweizerische Nationalrat Dr. Arthur Schmid geschrieben hat und dar im Berkrg der Druckereigenossenschaft Aarau. erschienen, ist. lAus- lieferüng durch de» Verlag Oprccht, Zürich. Preis kart. Fr. L.öv.)‘ Schmid erzählt ganz knapp die Geschichte' Sva- nienr und'erzählt damit die Geschichte einer durch die Jahrhunderte sich hinziehenden Freiheitrkampfeö. die Geschichte immer wieder sich erneuernden Betruges und Berraies der Polles durch.die Asrrfchenden, vor allem durch dar Königtum,.'und die Geschichte der Beherrschung, Unterdrückung und Verelendung de» Lander und de» Volke» durch.di« verbündete» Mächte Großgrundbesitz und Kirch«. E» ist nicht nur wichtig für da» Verständnis der jetzt Spanien durchtobenden Kämpfe, diese Geschichte kennenzulernen: diese Geschichte gibt auch den Völkern.' die lerne» wollen und zu lernen vermögen,.eine sehr eindringliche Lehre, sie zeigt, daß ein Land, das nur nach außen groß ist, dessen„Führer" nur auf die Waffen sich stützen und nur an die Gewalt. glauben, und dessen Boll unterdrückt ist, innerlich um so schwächer wird und damit schließlich auch seine äußere Machtstellung verlieren.muß. Da» absolutistische despotische Spanien hat nach und nach die Völker aller seiner 'Kolonien gegen sich, empört,, es hat alle überseeische» Besitzungen.cingebüßt,.es hat seine Kriege verloren, es ist au» der Reihe der Großmächte ausgeschieden. Breiteren Roum nehmen.selbstverständlich' die Schilderungen aii» den letzten Jahren.«in. die-Darstellung der schmerzensreichen Geschichte' der. jungen Republik und dann de» verbrecherischen Aufstände» der Generäle. Schmid schildert den Verlauf dieser Rebellion und der Abwehr der auf die Arbeiter, Bauern und freiheitlichen Bürger gestützten Regierung vor allem durch den Mund von Augenzeugen, durch breit« Zitate au» Berichten namhafter Schriftsteller und großer, neutraler Zeitungen. Gerade diese Darstellung zeigt absolut eindeutig, daß. die Rebellion längst niedergeschlagen wär«, wären den Generälen nicht die faschistischen Siaafen zu Hilfe gekommen, — sie zeigt, daß. die Generale gegen die, überwältigend« Mehrheit des Volle» kämpfen. Au» dieser Darstellung darf man aber auch die Hoffnung schöpfen, daß zuletzt doch da» Boll, siegen witb. weil auf seiner Seite da» Rechtrgefühl, die Kreihelt»begei- sternna ist und weil die Volkkmasse» wissen, daß der Sieg der Faschisten ihre völlige.Versklavung bedeuten'würde und deshalb im.wahrsten Sinn« de» Worte» bi» zum letzten.Blutstropfen, zu kämpfen bereit sind............. Richard Strauß' symphonische' Dichtung„Don Quichote", Eduard LaloS Violinkonzert'^Symphonie espagnole", LeharS Operette.„Fräsgutta" usw. Und in den lleineren Kunstformen der Musik, in Klavier- oder Violinstücken und In Liedern, begegnen wir dem spanischen Tanz und der spanischen, VollStveise,— von den Tondichtern ddr verschiedensten Länder, und. Völker wirktzun verwendet,— auf Schritt und Tritt.., Die s p a N i s ch e K u n st m u s i k ist, wie schon erwähnt, von untetgeordrseter Bedeutung geblieben. Sie ist meist nie über di« engeren Grenzen des eigenen Landes bekannt. geworden. Man muß.recht, umfangreiche und vielfettige musikgeschichtliche Werke' sehr genau.durchsehen, uni hie und da. auch auf Namen spanischer Komponisten, zu stoßen, die allgemein musikgeschichtliche Bedeutung, erlangt haben.. Als die bedeutendsten älteren spanischen Tonsetzer sind wöhl die beiden Polyphoniker des Palestrinä-Zeitalters B a r to- lomeo de E s c o b e d o und Tomaso Lutz o Vic o d e Vitt o i:i a anzusehen, beide aber, nur spanische.Musiker nach Geburt,.'nicht über nach ihrem. Stil, den sie in- Italien suchten und. fanden, und.M a r tin y Sölar, der als Opernkomponist erfolgreiche Rivale Mozarts, Pa- sielloS und CimavosaS/ebenfalls nur. spanischer Musiker' der Abstammung,', nicht aber dem. Schaffen, nach, dessen.bedeutendstes Werk,«ine«echt' .italienische Buffv-Oper„La cosa rara", in wenigen Jahren, mehreres Dutzend Aufführungen erlebte.-...... .- In der neu« re nspanischen Kunst- m ns i k haben sich Vox allem zwei'Tonsttzer zu iuternationalev Musikbelanntheit> durchgesetzt:. Don Isaac A.l h e n i z, gleichzeitig ein hervorragender Pianist,.über außerhalb.Spaniens namentlich.durch-seine Klavierstücks bekannt ge- tvordep ist;. und M a n.u e l d« F.a l l a.-der ssch , sowohl.als Symphoniker in den- mitteleuropäi».. schen Konzerisälcn als. auch als Opernkompoyist an den. außerspanischen-Opernbühnen' Europas durchzusetzen vermochte; Manuel de Fall». ist; das Haupt der neuen Schule des„Espagniolismns" der. die Verwendung derreichen Schätze der,spanischen Volksmusik; zum Ziele hat. Er gilt über»; haupt als der bedeutendste Vertreter' der jmodep«! neu spanischen'Musik. Seine Tönsprache ist. eine. BerhindüngvöllStümlichnatlonaler undroman» tischer Mustkelemente, gestützt, auf den Klang« Impressionismus DehuffyS,. der> Fallas Lehrer, war, und. im Harmonischen anknüpfend, ay, bte- andalusische Volksmusik, . Spaniens Sendung in der Musik wäre nicht, vollständig nachgetviesen,' würde man. nicht auch ider r e pro Ku l tiv e n^s p a n i schen Tonkunst gedenken.-Unterdennächschckffen- d,eg.spanischen Musikern fanden sich zu alkn Zeiten.bedeutende.Männer;.,;; Virtuosen,^ die- ihre' Kunst auch außerhalb Spaniens bewtiüdern ließen. In der neueren.Geschichte dpr.nachfchafftn- den spanischen' Tonkunst Hähen drei. Hü'nsÜex' Iq-,. ternationalen Ruhm erlangt:.Pablo d« Sa- jetyf a te;» der/ unveiyWne.grofst.'.MIM, P a 6 lo Ta sä' I S, der König des CeltospliM,' unp A n d r e s'S e g o v ta," der-. Meiswr d«S' L-uitarrespieles.,..