DWWmokLt Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in'der Tschechoslowakischen Republik """—«Ä—"""""""""""""""" Erscheint mit«na»,h«e de« Montag tSgiich früh und Verwaltung. Prag XU., Fochooa SS— Telephon 58077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: KarlK ern, Prag 17. Jahrgang Dienstag, 5. Jänner 1937 Sinz«lprel»7ü Akükk(einschlleßl. 5 Heller Potto) Aus dem Inhalt: KonjunMurlöhne bei Mannesmann Ola Forderungen der Keramarbeiter Vorausgehörter Rundfunk In Asch Nr. 4 Vor Madrid starke Angriffe abgewiesen ■» nicht zuzulasten, und werden ihn, wen« Parts. Die«nfmettsamkell der politt, es notwendig sein sollte, unser« ns scheu veffentltchleit in Pari» ist hanptsächtich auf der der » Paris erwartet MMIgung Deutschlands Die Front bei Madrid nach rund zweimonatigen Kümpfen Man beachte die Abschnürung der Marokkaner im Universitätsviertel(links oben)! Die„Aragon“ freigegeben I Rabat.(Reuter.) Wie das FunK- station Tetuan meldet, wurde das do» dem deutsche« Schlachtschiff»Graf Spee" mit Beschlag belegte Schiff de» spanischen Regierung»Aragon" frei» gegeben. Ri» S.f t e« ent s p r e ch e« d, b e- a n t w ort e a. Es wurde der Befehl gicheben, geg-e« iedwede« An- griff,'»«r See mit allen Mit» t e i n v o r z«gehe«. Die Dera«t» Wörtlichkeit dafür, was folge« wird» 'werde««tcht wir trage«.", Ultimatum deY belgischen Bergarbeiter ; ArbeltueltverkUrsunn oder Streik '■■ B r ü s f el. Die gesamtstaatliche»rrgar. heiter,enttale ist brate ist Brüssel»nsammenge- treten, um»a d«»rage der Vertzürzun, der Ar- britSzrit auf den Gruben Stellung zu, nehmen. ES wurde«ine Resolution angenommen, die de» in dieser Angelegenheit bereits früher gefaßten Beschluss bestütigt und dem- ReichSauSschuss der Bttgartriter daß Vertrauen zu den Verhandlungen mit der Regierung wegen Erfüllung der Forderungen der Bergarbeiter, bi- hum 15, Jauner auSfpricht. Wenn, die Verhandlungen zu feinem Ziele führe» sollten, wird am 18. Sanner der Btreik»rollamtert werdkn. Madrid. Der Ausschuss»ur Verteidigung der Stadt teilte Montag mittags mit: Di« Auf. ständischen unternahmen Sonntag unter Teilnahme starker deutscherAb- teiluugrn ein« Angriff, während dar Dämmerung wurde« die Aufstäudtscheu auf^ellda- Setten zurSikgrdrSngt. Im Verkaufe der Flieger» kämpfe wurden drei feindliche Flugzeuge abge» schossen. Der Angriff galt dem Bieriel, das nach der Zusage des Generals Franco als neutrale Zone angesehen werden sollt«, ES geschah zum erstenmal, dass Häuser in diesem viertel, in dem sich auch die britische Botschaft befindet, bombardiert wurden. Man befürchtet, dass die Zahl der Opfer grob ist. Aufständische Flieger bombardierten Montag vormittags daS Stadtzentrum von Madrid. Die republikanischen Truppen besetzten Montag beim Morgengrauen die etwa S0Ü Meter von dem Dorf Villa Berdrrbajo entfernte Fabrik E m e a l d« n a, in der bisher Krieg»- matertal hrrgestellt wurde. An der Guadarrama-Front haben die Re- glerimgstruppen nach dreitägigem heftige» Kampfe Almadrone genommen. Sm Zuge deS Vormarsches in der Provinz B u r g o ö haben die RegienmgStruppen die die Stadt ESplnofa de LoS MonteroS beherrschenden Höhen besetzt. Sn britisches Schiff beschossen Weiter- haben sich di« Aufständischen neu« Uebergrifse gegen britische Schiffe zuschulden kommen lassen. Bier Schaluppe» der Aufstän. dischrn haben den grossen englischen Handelsdampfer ,,B l a ck H i l l", der von Bayonne nach Santander fuhr, am Neujahrstage in der Nähe von Lequita mittags verfolgt und mit 10 Kanonenschüssen bombardiert. DaS Schiff wurde allerdings nicht gettofsen und konnte sich dm verfol» grndm Schaluppen mtzirhm. Der britische Botschafter in Hendaye hat sofort den Aufttag erhalten, bei der BurgoS-Regl«» rung in entschiedener Weise gegm di« Anhaltung der»Black Hill" zu p r o t«st i« r r n, ebenso gegen die Anhaltung deö Dampfer-„E t r i v", welcher von Haifa nach England mit«inet Ladung Orangen an Bord unterwegs war. von dm Aufständischen wurden weiter- in der Meerenge von Gibraltar die zwei Sowjetdampfer„Postischrw" und„Krasnyi Prosintent" angehalten, nach erfolgter Durchsuchung aber wieder freigelaffen. Kein Ruhmesblatt fflr die„Königsberg“ Die erste„Repressalie" von deutscher Seite, die am Neujahrstage erfolgte Beschlagnahme des spanischen Dampfers„Soton", ist überdies, wie man jetzt erfährt, für die ,Königsberg" nichr allzu rühmlich verlaufen. Bekanntlich, setzte Kapitän nach den erste» Warnungsschüssen der .Königsberg" das Schiff auf Grund,. um' Untersuchung zu entgehen. Inzwischen entsandte der Kommandant der spanischen KriegSflotte^tn der Cantabera-See zwei Untetzseeboote und einen Zerstörer an Ott und Stelle, um zu verhindern, dass die„Solo»" nach dem Flottwerden neuerlich angehalten werde., Der Regierung»- kommissär von Santander protestierte energisch gegen die Anhaltung des Dampfers. ' Tatsächlich gelang cs, die„Soton" wieder flottzumachen. Der Dampfer lief dann unter dem Schutz der HilfSeSkadre der baskischen Re» gierung-und einiger Flusszeugeskader der Regierung trotz der„Königsbergs die nach dem offiziellen Bericht der baskischen Regierung bei der Hafeneinfahrt hielt und sich heraus»' fordern d benahmen den Hafen vonSantonr ein. Die Anwesenheit der spanischen Regierung-» Untersecboote dürfte, offenbar dazu belgetragen haben, daß' die-„Königsberg"'ähre erste Brise doch-wieder entkommen liess.■■ CARAS ALTO die deutsch-spanischen Zwis ch e n- fäll« gettchttt. Äusser dm deutschen amtliche«' Bettchtrn verbsfentlichm die Blätter die Sttlä» rangen der Rrssirrnng von Baleneia- und der spanischen Botschaft in Paris, welch« mit der deutschen Behauptung polemisierm, und darauf hinweifen, da e» sich nicht nur, um rin« offm- kundig« Verletzung deS internationalen Rechtes und deS Londoner RichtangriffS-Abkommms handle,„sondern um«ine tatsächliche kriegerische Handlung gegm die Spanisch« Republik. In Pari- erwartet man, dass Deutschland keine«eiterenM ass« ,h m e n treffet« werde, welche dm Konflikt verschärfen könntm. Die sich häufend«« Zwischenfälle in dm spanische« Gewissem werdm an den französische» politischen Stellen«nd in der Press« aufmrttsam verfolgt. Bo» zahlreichen Settm wird die ulachsende H i t l t r g e f a h r in Spanien für Frankreich hervorgrhobm und der Ansicht Ausdruck gegrtm, dass da- Verhaltm Deutschland- drratt.stt» alSwollte«S aSfi fit- lich neue K o m p l i ka t i o«« n der au und für" sich schm sehrschwierigenLage hervor- rufen.'' Spiel mit den* Feuer Weitere Kriegshandlungen deutscher Kriegsschiffe Spaniens Außenminister kündigt„Abwehr mit allen Mitteln" an DurchdieBeschlagnahmezweierwettererspanischer R-» "eE-- Kriegsschiffe hat sich die Lage äußerer, bas Schiff»Aragon", daS von Alme- L^.^Malaga unterw-gs war und bei Punto Sapinal von einem deutsche« »n^« r?Ä""gehalten und in einen Hase« der Aufständische« dirigiert um den kleinen Dampfer„Matra Jugquera"(«00 Tonnen), "Sonntag mittag« vo« dem Kreuzer„Königsberg" a« der nordspa- Nischen KSste aufgebracht wurde. Der deutsche Kreuzer„Königsberg" hat an dir spanisch, Regierung folgendes Radio gramm gerichtet: „Der deutsche Admiral i« dm spanischm G«. wäffem ist bereit, das mit Beschlag belegte sp,. Nische Schiff„Aragon" freizugetm und für derhin VM weiteren Vergeltungsmassnahmen gegm Schiff» der spanischm Regierung Abstaud zu neh- mm, fall» der an Bord des deutschm Schifte» »Pal» S" angehaltene Reisend« freigelaffen und der beschlagnahmte Test der Fracht des deut schen Schifte»„PaloS" zurückgestellt wird. Di« Antwort wird mittel» Radi» erwattet." Die spanische Regiemng trat unverzüglich 1« einer Beratung zusammen. In einem später auSgegebenm Kommunist verwahrt sich da» spanisch« Aussenutinisterinm gegm die offrnsicht- lichr Verletzung de» internationalen Rechtes, die sich der druftche Admiral zuschaldm kommm liess. Gleichzeitig wird ettlätt, dass dir spanische Regie rung auf da» Telegramm de» dmtschm Admiral nicht nur wegen der Form, sondem auch wegen de» Tone», dersonstnur bei Berhandlungm mit Staatm angewendet werde, die kein« eigen« Souveränftät besitzen, nicht antworten werd». ■ Die spanische Regiemng lenkt in dem Kom munigut die Aufmerksamkeit weiterS darauf, dass durch rin ähnlich«» Vorgehen di« Gefahr eine» Konfli k t e S wächst, anf die sie bereit» früher aufmrttsam gemacht hat. Sie ver heimlicht auch nicht die Befürchtungen, dass eine ähnliche Tat ireparable Konsequen zen Haven könnt«. Wegen de» Emst«» der ge samten,Lage hat die spanische Regiemng be» schlossen, sofott auf diplomatischem Wege dir ent- sprrchmden Schritte zu untemehmen. » i'. Aussenminister d e l B a h o tetontt in einer Rede vor dem Kongress der sozialistlschm Jugend, dass ein Land, daS fünf Monate für seine Frei heit kämpfe, e»«ich» zulassm könne, dass man mit ihm wie mit einer Kolonie umgehe. Spanien übe nur sei« unleugbares Recht auö, das für dir Auf- ständischm bestimmte KriegSmatettal z« suchen und zu konfoszicren. Aus diese Ausübung deS Rechtes eine» souveränen Staate» werde mit An» griffen t« de« rigmen HoheitSgewässem geant wortet. „Wir find fest entschlossen, sagte der Minifter, wa«, immer auch geschehe« möge, de« deutsche« Angriff zur See Msknunz sn Sowjetrußisnki Wer wissen will, wie Sowjetrussland von heute im Kopfe eine» wohlwollend-sozialistischen und nur aus Liebe kritischen Mannes von Bedeutung sich vor allem sozial-psychologisch spiegelt/ empfängt darüber mehr und authentischer als aus früheren Berichten noch so aufmerksamer Nusslandfahrer Belehrung und Aufklärung durch das Zeugnis AndriiGideS, niedergelegt in seinem Büchlein„Retour de l' U. R. S. S."(Rückkehr aus URSR).. Andrö Gide ist nicht irgendjemand. Als einer der berühmtesten Schriftsteller des zeitgenössischen Frankreich hat sein Wort Sondergeltung im Kulturleben nicht nur des Westens, sondern ganz Europas; als glühender Sozialist, dessen Appell zum Umbau der Welt jahrzehntelang Ruf in der Wüste blieb, dürfen wir Gide, den intimen Freund Lton BlumS, als Fleisch von unserem Fleische betrachten; und als rückhaltloser Bewunderer der Russischen Revolution, als lateinischer Bannerträger der sowjetrussischen Sache, Kamerad Gorkis, Ehrengast Stalins, ist und bleibt er gesin- nungSmässig, weltanschaulich und moralisch Auw- rität auch für alle Kommunisten(so sehr auch die von der Linie mit Blindheit geschlagenen von ihm „abrücken", weil, nun weil er kompromisslos die Wahrheit sucht und ausspricht, was ist). Andrö Gide eilte im Juni 1SSS nach Moskau, alarmiert von der Nachricht über das Hinsterben Maxim Gorkis; bei den Leichenfeierlich- keiten für den grossen russischen Dichter hielt Gide auf dem Roten Platz in Moskau«ine Red«, die noch voNllMWifchrankteist Liv für'daS'Mtssländ von heute überfloss. Dann äber sah er sich im Lande um, durchforschte dessen Seele, die Seele des russischen"Menschen von 1V80; mit dem Auge des Marxisten sah er neben imponierenden Höhen russischen Lebens gähnende Abgründe, mit dem Auge des freiheit-geborenen Franzosen gewahrte er enttäuschende, erbitternde, furchterweckende Unfreiheiten und, immer in Hingabe an die proletarische Revolution, schrieb er sein Büchlein, das nicht anders denn als eine Mahnung an die Lenker SowjetrutzlandS, aber auch an die Ar- beiterfchaft der ganzen Welt aufzufassen ist. Andri Gide, der nicht müde wird, zu beteuern, dass er das Schicksal der Kultur als an das Geschick Sowjetrussland gebunden erackuet, das darum untgr allen Umständen zu verteidigen ist, sieht sich genötigt, zu erklären, dass er sich in vielen wesentlichen Dingen Sowjetrusslands getäuscht habe, und hält eS für seine Pflicht, seine Irrtümer einzubekennen, denn„es gibt Dinge, wichtiger als URRS: die Menschheit, ihr Schicksal, ihre Kultur". Gide sah in Russland neben Grossattigem(das er überaU in seinem Buche würdigt) Schlimmes. Dabei geht es ihm nicht fo sehr um das Wirtschaftliche, Industrielle, um Erzeugung und Verteilung der Waren— so sehr ihn auch die endlosen Schlangen vor den Magazinen befremdeten, die unzulänglichen Quantitäten und noch mehr die schlechten Qualitäten der Waren, der Lebensmittel wie der Gebrauchsartikel, die durch die Konkurrenzlosigkeit des allein erzeugenden und"verkaufenden Staates nicht nur keinen besseren Geschmack zu befriedigen vermögen, sondern jede Geschmacksbildung des Volkes unniög- lich machen. Bürgerlich im schlechtesten Sinn und kleinbürgerlich würden auf diese Weise die Ansprüche der Menschen, deren Gleichgültigkeit und Stumpfheit den Stachanovismus mitbegründe, eine neue Art der Anpeitschung dort,"wo früher die Knute herrschte. Dem Konformismus.(der Gleichschaltung) stehe in diesem Lande der Gegensätze wachsende Ungleichheit der Löhne gegenüber und so rühmenswert, die Wirtschaft und das Leben in den Musterkolchosen sei, so bedrückend wirken daneben zurückbleibende Kolchosen, in denen der Mensch, in ärmlichsten Massenguaftie- ren bet schlechtester Nahrung zusammengepfercht, entpersönlicht werde. Am bösesten aber ist der Konformismus des Denkens, die Gleichschaltung der Gedanken, des Urteils, jeder Meinung. Der russische Mensch lebt dahin ohne Ahnung von der übrigen Welt, über die er nicht oder nur ganz mangelhaft informiert werde, und zwar so, dass die jungen Leute in dem Glauben aufwachsen, jenseits Sowjetrussland herrsche überall Nacht. Russische Jugendliche vermeinen," nur in Moskau— keineswegs aber in Paris— gebe es Untergrundbahnen und Tramways und in den französischen Schulen werden ; die Kinder geschlagen.-. Man lernt keine krem« Seite 2 Nr. 4 dm Sprachen, weil der Russe von den anderen Rationen nichts inehr lernen könne. National« russische lieberhebtichkeit wird auf solche Weise großgezüchtet, während zur gleichen Zeit eine Aristokratie innerhalb des Volkes sich bilde, eine Klaffe im klassenlosen Staat, die aüf niedrige Bedienstete, Handlanger, Taglöhner mit Gleichgültigkeit, wenn nicht mit Verachtung herabblickt. Allbeherrschend ist die»Linie". Und nicht sie darf man diskutieren, sondern nur darüber, ob dieses Werk, jene Handlung, jene Theorie der geheiligten Linie entspreche. Der geringste Protest gegen irgendetwas, was in Sowjetrußland geschieht, wird schwer bestraft und unterdrückt. »Und ich zlveifte daran", sagt Gide an einer fast zu scharf erscheinenden Stelle feiner Buches,„dass deute in irgendeinem anderen Lande, sei er selbst im Deutschland Hitlers, der Geist weniger frei wäre, gedrückter, geängstigter(terrorisierter)" als eben in Sowjetrußland. Gide erzählt Unerhörtes über den Byzan- tlnISinnS, der für Stalin gepflegt wird, Lächerlichleiten der Verhinnnelung dieses Mannes, der alleiniger Diktator Solvjetrusjlands ist, während es eine Diktatur des Proletariats nicht oder nicht mehr gibt. Wer unzufrieden ist, wird als Trotzkist betrachtet.»Man fragt sich, ob Lenin selber heute ans die Erde zurückkehren dürfte..." Und bringt politisch die Unterdrückung jedes freien Worts die Gefahr des»Terrorismus" mit sich, so sieht Andrt Gilde in dem unerbittlichen Zwang, der aus Kunst und Künstler auSgeübt wird, eine nicht minder schwere Gefahr für die Kultur, die sich nicht entfalten kann, wenn man nicht nach dem inneren Wert eines Werkes fragt, sonden» es nur danach beurteilt und gelten läßt, ob es der Linie entspricht. In Russland wird heute im allgemeinen nur daS mehr gelesen, was von oben empfohlen wird. So entwickelt sich Orthodoxie in der Literatur, in der Kunst, Intoleranz sogar, gegen moderne russische Musik, sofern sie den „Konformisten" nicht als genehm erscheint. Bourgeoise Instinkte bestimmen neue Gesetze, über die Wiederherstellung der Familie, des Erbrechts, des Eigentums, gefährliche Wendungen zeigt das Gesetz gegen die Fruchtabtreibung, über die Strafbarkeit der Gleichgeschlechtlichkeit. Ist man früher auf manchem Gebiet, so im Kampfe gegen die Religion, zu weit gegangen und hat man damals das Kind mit dem Bade ausgegossen, so lässt die sich ankündigende Umkehr zu gewisser Toleranz befürchten, dass man das Bad wieder mit schmutzigen» Wasser füllen werde, ohne dass man mehr das Kind darin habe. Mit nassem Auge blickt Andri Gide auf die „Bezprisörni", die heimatlosen russischen Kinder, und es spricht für die Aufrichtigkeit seiner unendlichen Liebe zu Sowjetrußland, dass er aus dein' sanften Strassengespräch eines eskortierende»» Schutzmannes mit einem dieser armen Kinder .auf die ewige Kraft der Aufbauer Sowjetruh« lands und mit einer optimistischen Wendung daS trübe Bild und damit sein Buch schliesst. Sehr nachdenklich stimmt diese Niederschrift der Gedanken eines grossen revolutionären Menschen Wer die Risse, die sich im gigantischen Aufbau des ersten antilapiialistischen Landes der Welt zeigen; nachdenklich, weil jedes Wort in diesem Buche durch die fühlbare Gewissenhaftigkeit des Autors überzeugt. Erschüttert war er, als er in den ersten Wochen seiner Anloesenheit In Rußland, knapp nach dem Beginn des blutigen Ringens in Spanien, Zeuge dessen war, dass bei einem Bankett der Trinkspruch eines ausländischen Mitreisenden Gides auf den zu erhoffenden Sieg der spanischen Volksfront fast ohne Wider- Das Kaffeehaus in der Seitengasse, Roman von Fritz Rosenfeld et) »Sie müssen ihn warnen", sagte sie.„Gehen Sie' zu ihm, schicken Sie Billy zu ihm, schicken Sie Hugo, aber lassen Sie ihn nicht ahnungslos diesen Kerlen gegenübertreten. Sie Hecken irgendeine Gemeinheit aus. Warnen Sie ihn". »Ich schick ein paar Zeilen in seine Wohnung", antlvortete Earola.„Hugo wird den Brief hintragen. Man»nutz de» arinen Teufel warnen". Feiertag erhielt den Brief, las ihn, warf ihn ins Feuer. Mittelnieier hatte geklatscht. Dieses Waschweib I Diesmal werde ich es ihm heimzahlen! Er soll an mich denken! Am nächsten Tag klopfte Feiertag ein paar Minuten nach sechs Uhr an Isabellas Tür. Sie war überrascht,. Feiertag hatte sie nie besucht, er »nutzte seine besonderen Gründe haben,, wenn er, ohne eingeladen zu sein und ohne sich angemeldet zu haben, in ihre Wohnung eindrang. „Sie waren krank, Herr Feiertag?" „Ich Ivar sehr krank. Nun ist das Schlimmste vorüber". Schweigen. „Darf ich Ihnen eine Tasse Tee anbieten?" „Danke vielmals, zu lieb von Ihnen. Bitte, machen Sie sich keine Mühe". Er blickte sich iin Zimmer um. Als seine Augen die Blumenkörbe auf der Tapete trafen, violette Blüten in rosaroten Geflechten, sah er zu Boden/ „Schön habe»» Sie es hier. So ruhig, so sauber"..' Dienstag, 5. Jänner 1037 hall In der Versammlung blieb, die sich durch diesen'Toast fast geniert fühlte und ihn'prompt.mit einem Toast stuf Stalin beantwortete; erschüttert^ weil, er, der französische Snternationalist, dem die innete Anteilnahme an solchem Freiheitskampf selbstverständlich war, erfahren mußte/dah man in Sowjetrußland ganz allgemein damals noch keine bestimmte Haltung zu Spanien elntzu- nchmcn wagte, weil— die„Prawda" Noch Nicht verlautbart hatte, was das russische Volk darüber zu denken habe., Inzwischen hat ganz Rutzland gerade in die« Er hatte sich alles genau zurechtgelegt gehabt, und nun wutzte er nicht, wo er beginnen sollte. Die Frau lauerte auf Mittelmeier. Aber Mittelnieier wollte nicht anbeitzen. Sie würde ihm mit Zinseszinsen zurückzahlen, war er an Feiertag verbrochen hatte; man mutzte ihn in die Falle treiben, sie klappte zu und Mittelnieier würde die Lust vergehen, seine Nebenmenschen zu verhöhnen. In einem italienischen Dorf, so stand vor einigen Tagen in der Zeitung, lietz ein Mädchen, das einen Mann liebte, Verlobungsanzeigen ohne das Wissen des Mannes drucken und versenden, uin den allzuschüchternen und ehescheuen Anbeter zur Heirat zu ztvingen. Die Intrige war plump, aber je plumper ein Mittel war, umso sicherer verfing es. Er mutzte nur vorsichtig zu Weite gehen, Isabella unauffällig den Gedanken einflötzen, Mittelmeier vor eine vollzogene Tatsache zu stellen. Der Tag würde kommen,-an dem er vor Mittelmeier hintreten und ihm sagen würde: Du zappelst im Netz, sie. kujoniert dich, du hast keine freie Stunde, sie zählt dir das Taschengeld zu, du lebst nicht mehr für dich, du bist ein jämmerlicher Pantoffelheld— und all- das verdankst du mir; erinnerst du dich, wie ich dich bat, zu schwelgen, und wie du hinliefst und mit grausamem Behagen mein Geheimnis verliesst?. Der von den Toten Wiederauferstandene, der heimgekehrte verlorene Sohn, der lächerliche Unsterbliche hat mehr Hirn im Kopf als du und deinesgleichen—. „Ich bin gekommen, um einen Rat von Ihnen zu erbitten", begann Feiertag.„Sie sind eine kluge Frau, Sie kennen das Leben besser als ich, und Sie haben sich durch all die bösen Erfahrungen, die wir machen müssen, das natürliche Empfinden bewahrt". „Sie tun mir zu viel Ehre an, Herr Feiertag. Ich bin nur eine einfache Frau und führe mein bescheidene» Dasein— Bescheidenheit, das Wort konnte er brauchen. Er fragte, ob er sich eine Zigarette anzünden dürfe, man spräche leichter, und es sei eine ser Frage die Richtung' eingeschlagen, die dem Sozialisten selbstverständlich zulommt und Andrä Gida darf, rechten»'sich der Hilfe mitfreüen, die Rußland unseren Spaniern gewährt.„Rußland", so meint Sram Ende des ersten! grösseren Teste» seines Buches,„har nicht aufgehört/ üns zu belehren und uns in Staunen zp'versetzen". Hoffen wir mit Andri Gide und Mit den'verständigen und beseelten arbeliendeis Menschen der ganzen Welt, daß uns Rutzland bald nur mehr das Gute lehre und uns nicht mehr durch Schlimmes in Erstaunen sehe! heikle Sache, in der er ihren Ratschlag hören wolle. „Ich habe gestern' einen Brief bekommen"/ sagte er.„Der Brief hat mich tief erschüttert. Er kam von meiner Schwester, die seit zehn Jahren als Witwe in der Provinz lebt; sie war die Frau eines Baumeisters, er hat ihr ein kleines Häuschen hinterlassen, sie hat ihr Auskommen, viel ist es ja nicht, aber immerhin— in diesen Leiten —. Wir haben als Kinder sehr aneinander gehangen, später entfremdeten wir uns ein wenig. Jahrelang schrieben wir einander nur die üblichen Briefe— wie geht es dir, bist du gesund, kommst du mich basd besuchen? Gestern kam ein. Schreiben: ein Schrei der Verzweiflung, der RettungS- ruf einer Versinkenden". Ich hab eigentlich mehr Talent zum Dichter als Genna— dachte Feiertag. Ich werde eine. Geschichte erfinden,, die ihr die Tränen in. die Augen treibt. Er fuhr fort: „Wir haben ünS.nte Wer.unsre persönlichen Angelegenheiten unterhalten. Ich wußte' nichts über ihre Ehe, sie wußte, nichts von meinen Liebschaften—, man hat/doch, früher, auch einmal:— ich meine,/man war doch jung—> Nun enthüllt sie Mir plötzlich ihre Seele. Sje liebe seir drei Jahren einen Mann, und sie.wisse, daß auch er. sie liebe. Sie gingen nebeneinander her, und er habe nicht den Mut,, sie um ihre Hand zu bit- ten. Ehescheu, nennt man das, glaub ich;' soll bei Männern in den, besten Jahren vorkommen". Er lächelte/sie gab daS Lächeln zurück.. „So ist das Leben nun einmal— wer will etwa» daran ändern? Meine Schwester fragt'nun mich, den einzigen Menschen, denl sie auf der Welt noch. hat,, ob Sie dem Mann den Vorschlag einer, Heirat machen dürfe. ES widerspräche dem Brauch, es könnte, als Mannstollheit ausgelegt werden-rr bedenken Sie, in der Provinz, Mast ist dort noch rückständig,, die Frau muß geduldig, warfen, bi» der Herr der Schöpfung sich ihrer erinnert/ Ich soll ihr raten, Aber ich stehe.ratlos da.. Ich.bin zu Ihnen gekommen, weil ein Frauenherz da besser Bescheid weiß. Soll ich ihr. hinrichten-lassen. Gudde wurde im Oktober ander Front gefangengenommen, als er mit. der Waffe in der Hand eint.feindliche Abteilung gegen die. Regierungstruppen führte. Er gestand;if r e i« w i l l t g i n d i e na t io na li ft fs ch e Phalanx ringe tret en zu sein,, wo er zum Korporal befördert wurde. Franco-Anhänger flüchten nach G'braltar Gibraltar. In der Nacht zum, Sonntag wurde beobachtet, daß in großer Zahl Angehörige» des spanischen Adels und der hohen Offiziersund Beamte»kreise, die als Anhänger der Auf- standsbewegung bekannt sind, größtenteils In Begleitung ihrer Familien nach Gibraltar fuhren. ES handelt sich um etwa 800 Spanier, die ausnahmslos in S e v i l l a wohnen und. sich in den Hotels von Gibraltar eimnieteten. Diese plötzliche Massenübersiedlung wird vielfach in dem Sinne erklärt, daß sich im Gebiete von Sevilla irgendwelche großen Ereignisse vorbereiten. In Gibraltar wird, behauptet, daß die Regierungspartei sich zu eMer großen Offensieve gegen Sevilla vorbereite. Zwei Seelen wohnen, ach... Berlin. In den katholischen Kirchen de» Reiches ist Sonntag ein Hirtenbrief zur Abwehr des Bolschewismus verlesen worden, der von den deutschen Bischöfen unterzeichnet ist. IN diesem Hirtenbrief erklären es die deutschen Bischöfe für ihre Pflicht, da» Oberhaupt des Deutschen Reiche» in dem Abwehrkampf gegen den Bolschewismus mit allen Mitteln zu unterstützen. Der Hirtenbrief geht weiter auf innerpolitische deutsche Fragen ein, insbesondere auf die Schul» frage und in diesem Zusammenhangs auch auf da» Problem der gesamten I u g e n d e r z i e- hung. Man müsse mit Sorge beobachten, daß die Heranwachsende Jugend dem Seelsorger und der Kirche entfremdet werde. Trotz getvisser Sorgen seien jedoch die deutschen Katholiken bereit, dem Staate zu geben, was de» Staates ist, und den Führer in der Abwehr des Bolschewismus und in seinen anderen Ausgaben zu unterstützen. Belgischer Oppositionsblock, gescheitert Brüssel. Die seit einigen Wochen zwischen der katholischen Partei und der Partei der Blä» mischen Nationalisten geführten Verhandlungen betreffend den Zusammenschluß der beiden Parteien sind, wie es heißt, gescheitert. Die vlämischen Katholiken bestanden namentlich darauf, daß die vlämischen Nationalisten ihrer programmatischen Forderung ngch Mer vlämischen autonomen Regierung entsagen. Man ist der Ansicht, daß das Scheitern dieser Verhandlungen einen großen, und zwar g ü n st i g e n Einfluß auf die Innenpolitik haben und die. Regierungskoalition noch mehr zusammenschließen wird. Stojadlnovlt fährt nach Rom? Rom. Die italienische Presse bekundet immer größere» Interesse für gute Beziehungen zu Jugoslawien. DaS Gerücht Wer eine geplante Reise de» jugoflawischen Ministerpräsidenten Dr. Slojadinoviä nach Rom würde amtlich noch nicht bestätigt, doch rechnen die itasienischen politischen Kreise mit diesem Besuch bereits für die nächste Zeit. schreiben: Greif zu, bringe den Mut auf, den der entschlühunfähige Mann nicht aufbringt? Oder soll ich ihr schreiben: Gedulde dich, wahre den Anstand, man wird dich verachten, du bist zu alt, um einer Leidenschaft leben zu dürfen, warte, auch wenn du darüber zugrunde gehst? Die Verantwortung, die ich trage, ist groß, Frau Merten». Ich bitte Sie: helfen Sie mir, indem Sie mir offen sagen, wie Sie' Wer den Fall henken". Er schwietz, erschöpft, stolz auf den kühnen Flug seiner Phantasie. Nun würde sich Mittel» meierS Schicksal entscheide»». Nicht«»^entschied es, nicht Isabella-entschied e»; Feiertag entschied es, der verlachte, der eitle Feiertags der sich in seiner Todesangst und'seiner TodeShoffnüng-aufgebahrt hatte unter Weißen Rosen wie der Kaiser vyn China! Isabella, stand, am Fenster,. Hugo, stand /immer an. dieser Stelle,, die Frau im Hause gegen- über bespitzelte ihn,, wenn er kam, wenn er ging; die ganze Gaffe wußte, wie lange er geblieben' War. Sie wandte sich um, sie ging auf Feiertag zu, sie sprach schnell und läut, sie sprach aus dem Herzen;«s ging um ihre eigene Sache:/ i' „Zupacken soll sie, schreiben'Sie ihr.zupak« ken! Den Mann nicht laufen kaffen! Wenn er ein Feigling,ist, soll sie füp jhn mutig sein. Sie.soff sich einen blauen Tegfel darum scheren, wä» dis andren sagen, die Klatschbasen und die Moral» Philister. Wenn eine Frau einen Mann heirgttn will; weil sie da»- Gefühl, hat: er paßt zu mir, ich paß zu ihiy, wir, werden«ine erträgliche Ehe führen, und ich werde geborgen sein! dann ,hat sie nicht nur da» Recht, dann hat sie die Pflicht, sich diese Ehe zu erkämpfen- Sie soff ihm in» Gesicht sagen,: Wenn' du mich siebst, heirate mich/ dsp. Jahre vergehen, e» ist schade uns jeden Teig, an. dem wir nebeneiyänder herlaüfen. Für eine Frau, gibt es. keine', andre,For»8 des Lebensglücks, als die Ehe, DaS Abenteiier verwüstet sie, die/Einsäinkelt. richtet sie hugrnnde.. DaS schreiben Sie. ihr, Feiertag, wenn' Sie es gut rnst ihr snelnen".,^(Fahtsetzllng,foM)K Das brithch-italiennche Abkommen Freie Schiffahrt Im Mittelländischen Meer Gegen territoriale Aenderungen London.(Reuter.) In der in Rom un- terzeichneten englisch- italienischen Erklärung heißt e»: Die Regierungen Großbritannien» und Italien», erfüllt von dem Wunsch«, immer mehr und mehr den allgemeinen Frieden, die Besserung der Beziehungen mttereinander und zwischen allen Mittelmeermächten' zu fördern, und entschlossen» die Rechte und Interessen dieser Mächte zu respektieren, anerkennen, daß die Freiheit der Einfahrt, der AnSfahrt und derDurchfahrt im Mittelmeere für verschiedene Bestandteile de» Britischen Reiche» und für Italien vitale Bedeutung hat und daß diese Interessen gegenseitig keineswegs unvereinbar sind. Beide Regierungen stelle» sich gegen jedwedes Bestreben zur Aenderung deS dir nationale»der territoriale Souveränität im Gebiete de» Mittelländischen Meere» betreffenden Status quo und verpflichten sich, soweit sie diesen StatuS geändert zu sehen ein Jstteresse haben, gegenseitig ihre Rechte und Interessen in dem erwähnten Gebiete zu respektieren. Sie stimmen darin überein, ihre besten Bemühungen aufzuwenden und jedes Unternehmen zu entmutigen, daS imstande wäre, die guten Beziehungen zu schädige«, die die gegenwärtige Erklärung konsolidieren will. Diese Erflärung dient der Sache deS Frieden» und ist gegen keine ändere Macht gerichtet. * Gleichzeitig wurde der Text der Roten.veröffentlicht, die in Rom am 81. Dezember zwischen dein britischen Botschafter'und dem italienifchen Außenminister auSgetauscht worden sind, und in denen Graf Elan» bestätigt, daß, insoweit Italien interessiert ist, die I n t e g r i t ä t d e S jetzigenspanischen Gebiete» unter allen Umstände» unversehrt und «nperSn.d/ert bleibest/werde. Italien gegen Jede deutsche Expansion Rom. In itasienischen Kreisen bekundet man große Befriedigung darüber, daß in dem mit Großbritannien abgeschlossenen Abkommen die nattonale und territoriale Integrität der Etäaten iin Bereiche deS Mittelländischen Meeres anerkannt wurde, denn dadurch weiche nach Ansicht der itasienischen politischen Kreise gleichzeitig erklärt, daß weder Großbritannien nach auch Italien die Schaffung eine», selbständigen kommun istift i s ch c n katalanischen Staates anerkennen würden. Italien und Großbritannien würden nicht nur die Schaffung eines kommunistische»» Staates unter dem Einfluß der Sowjetunion nicht gestatten, sondern auch nicht einen eventuellen versuch Deutschlands, mit Hilfe de» Bürgerkriege» di Spanien einen Territorialgewimr zu erzielen. Durch das Abkommen mit Großbritannien beweis« Italien klar, daß es den Versuch einer Ausbreitung des Einflusses oder gar einer territorialen Expansion Deutschland» im Bereich des Mittelländischen Meeres nicht zulaffen könnte. * England Überrascht durch neue italienische Freiwillige London.(Reuter.) In Londoner diplo- »natischen Kreisen hat e» große Ueberraschrmg hervorgerufen, daß Italien 84 Stunde» vor Unterzeichnung de» britisch-italienischen Gent- lemett» Agreement in Spanien 4000 Freiwillige für die Ausständlschrn-Rrmee anSschiffen ließ, vom offiziellen Stmidpunkt au» hat aber dabritisch-italienische Mittelmeerabkommm mit der Politik der Intervention»der Nichtintervention in Spanien außer der versicherung-bezüglich der territorialen Integrität Spaniens nicht» zu tun. Die spanische Botschaft hat bisher keine neuen Instruktion«» au» Baleneia erhalten, weshalb die diplomatische»» Schritte, welche dir Negierung in Baleneia in ihrem letzten Lommimiqus angekündigt hat, noch nicht bekannt sind. Großbritannien und Frankreich warten offenbar die Antwort«» Deutschlands und Italien» ans ihren Vorschlag betrefsend die Einstellung der Entsendung von Freiwilligen nach Spanien ab und werden sich erst dann gründlicher mit der letzten An»- schiffung italienischer Freiwilliger befassen. Die deutsche und die italienische Antwort werde« in -drei ober vier Lägen erwartet. Weitere Zwischenfälle Eine Berliner amtliche Meldung behauptet eine weitere Verletzung deutscher Hoheitsrechte durch spanische Bewachungsfährzeuge an der spanischen Nordküste. Der Zwischenfall liegt allerdings schon vierzehn Tage zurück. Arn 20. Dezeinber soll der deutsche Dampfer„P l u t o" 21 Seemeilen nördlich von Bilbao von Fischerdampfern der Regierung angehalien und»Wei Stunden hindurch zu einer Kursänderung auf Bilbao gezwungen worden fein'. Weiter wird von deutscher-Seite behauptet, daß die baskische Regierung am 11. November den deutschen Staatsangehörigen G u d d e habe Nr. 4 DirnStag, b. Sännrr 1987 Seite 3 ■fudetendeutscfier Zcitepic^cl Konjunkturlöhne bei Mannesmann Lohnvertrag aus dem Jahre 1929 wieder In Kraft Ein Erfolg des Internationalen Matallarbeitetverbandes* Arbeitern, die sich schließlich zu der Niederlage der Gelben Im Jahve 1934 auswuchs. Seither schrei« tet der Metallarbeiterverband von einem Wahl» erfolg zum anderen, denn die Arbeiter des Betriebe» wissen die Tätigkeit der Vertrauensmänner de» MW sehr wohl einzuschätzen. Die ManneSmannröhrenwerke in Komotau haben in der vergangenen Krisenepoche die Au»- tvirkungen der Wirtschaftskrise In vollem Ausmaße zu fühlen bekommen. Durch Jahre hindurch arbeitete die ganze Belegschaft, um Entlassungen größeren Ausmaße» zu verhindern, stark verkürzt. Dadurch gelang e» freilich, hundert« Arbeitslullegen vor dem vollkommenen Nicht» zu bewahren, aber die Lebenslage der gesamten Betriebsarbeiterschaft sank rapid. WaS hier von den Arbeitern getan wurde, gehört zu den schönsten Werken von Solidarität und Kameradschaftlichkeit, welche die modern« Arbeiterbewegung je gesehen hat. Ehe die Funktionäre zuließen, daß nur ein Bruchteil der Mitarbeiter in da» Schicksal der Arbeitslosigkeit verfällt, haben sie die Lasten der Krise auf alle aufgeteilt, solcherart größere Entlassungen verhindernd.' Während der fürchterlichen Krisenzeit ist den verkürzt arbeitenden ManneSmannarbeitern der Internationale Metallarbeiterverband Rettungsanker und Zufluchtsstätte gewesen. Die Vertval« tungsstelle in Komotau allein hat in den Jahren 1982 2,756.719 XL, 1983 8,727.788 XL, 1984 4,128.438 XL an Arbeitslosenunterstützungen ausbezahlt, die zumeist verkürzt arbeitende ManneSmannarbelter bezogen haben. Öl« Wende Ende 1985 fetzte eine teilweise Besserung ein, di« auf den Zerfall des Internationalen Röhrenkartell» zurückzuführen war. Für den ssch daraus ergebenden Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Röhrenfirmen wurden auch von der Ar- vciterschast Opfer verlangt. So wurden zum Beispiel im Röhrenwerk Hahn In Oderberg die Löhne um 2V Prozent gekürzt. Auch die Man- neSmannwerke traten an den Internationalen Metallarbeitewerband heran und verlangten, daß hei einer Produktion von 2909 Tonn«» beginnend, di? Verdienste um drei bis zwölf Prozent gekürzt werden. Nach langen Verhandlungen wurde in eiüer großen Versammlung der gesamten Belegschaft deS Werkes der Beschluß gefaßt, eine Regelung durch die Annahme eine» Abkommen» zu treffen, dessen wesentlichsten Bestimmungen lauten: . 1, Bi» zu einer Monatrproduktion von 2999 TonnenbleibendiebsiheriqenBerdiensteäbzuüSfrei. 2. Wird die Produktion von tzvvv Tonnen überschritten, tritt«in Abzug ein. der bi» zu einer Produktion von 8999 Tonnen bi» zu zehn Prozent de» Verdienste» ansteigt und von da ab mit zehn Prozent begrenzt bleibt. 8. Durch obigen Abzug soll ein Verdienst von 599 XL monatlich nicht unterschritten werden. 4. stör da» Jahr 1988 wird ein« außerordentlich« WeihnächtSzuweNdung in folgender Höhe autzbe- zahlt, und zwar: für Männer 199 XL, für Frauen und Kinder le 88 Xi. Ausdrücklich wurde aber auch vereinbart, daß dieser Abzug für jene Zeit gilt, da die ManneS- mannröhrenwerke außerhalb de» Kartelle» stehen. Neue Kämpfe— Erfolg., Diese» Abkommen, welche» mit Fug und Recht al» Krisenabkomm-n angesprochen werden kann, hat den Arbeitern der ManneSmannwerke groß« Opfer auferlegt und e» wäre interessant zu erfahren, welche Beträge die ManneSmannwerke darau» erspart haben. Man kann auch mit Recht behaupten, daß die Arbeiter mit diesen finanziellen Lasern zur Ankurbelung der Produktion ihre» Betriebe» beiqetragen haben. Schließlich ward« am 1. Oktober 1986 diese» Abkommen dreiuionatig»«kündigt und nach langen Verhandlungen, die einigemal« abgebrochen werden mußten, kam die Vereinbarung zustande, daß ab 15. Jänner 19-7 die Löhne in der alten, ver- traglichen Höhe wieder autbezahlt werden. Da- durch erlangt der Lohnvertra» au» dem Jahr« 1929 wieder sein« volle Gültigkeit. Die Beschäftigung de» Betrieber hat sich inzwischen bedeutend gebessert. Während durch ver« schiedene Ausscheidungen(Pensionierungen, Austritte, Tod) die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 1929 bi» 1985 von 1999 auf 1999 Mann gesunken war, wurde in der letzten Zeit der Bele gschaftSstand wieder aus über 2990 Mann erhöht, die voll beschäftigt sind. Da» Wirken der freien Gewerkschaft Im Mannermannwerk In Komotau haben die im JDW organisierten, freigewerkschaftlichen Arbeiter die Mehrheit. Eine einige Periode, 1988, (ein Jahr lang) war e» den nationalen Organisationen gelungen, die Mehrheit zu erobern. Die Folge waren verschiedene Verschlechterungen im im Betriebe, wachsende Unzufriedenheitunter den So hat die in ihrer Mehrheit freigewerkschaftlich organisierte A^eiterschaft«inen gewaltigen wirtschaftlichen Erfolg erzielen können. Darüber hinaus hat dieser Abschluß aber auch grundsätzliche Bedeutung, denn er beweist, daß die Unternehmungen, wenn sie den guten Willen dazu haben, auch in der heutigen Zett der Arbeiter menschenwürdige Löhne und Arbeitsbedingungen zu geben. Gerade Mannesmann beweist, daß die" gewerkschaftliche Organisation und die vertragliche Regelung der Betriebsverhältnisse auchfürdieUnternehmerschastvor- t-ilhaft ist. Die Arbeiter aber sollen damu» lernen, daß die Voraussetzung für wirtschaftliche Erfolge in den Betrieben der Zusammenschluß der Arbeiter in den freien Gewerkschaf t e n ist, die in Zeiten der Krise Zufluchtsstätten und Hilfsquellen waren und in Zeiten der Konjunktur wieder ihre alte Funktion, die Führung des Kampfes»m bessere Lebensbedingungen, aufnehmen. 7 Gedenkfeier für die„Nelson“-Opfer Die Stadt Ossek stand Sonntag im Zeichen dör Ehrung der bei der großen Grubenkatastroph«, die sich am 8. Jänner 1984 auf dem Nelsonschacht ereignete, um» Leben gekommenen 142 Bergarbeiter. Bon allen öffentlichen und zahlreichen privaten Gebäuden wehten Lrauerfahnen. vormittag» wurde in der Dekanalkirche ein Requiem gelesen. Nachmittag» versammelten sich die Be- Icgschaften des Nelson-Schachte» im.Hofe de» Schachte»„Nelson8",von wo aut sich um 15 Uhr der Abmarsch züjn Ehrenmal der verunglückten^ Bergarbeiter beim Nelson-Schacht bewegte/ wo Kränze niedergelegt wurden. Der Zug marschierte dann weitet zum Friedhof, wo auf den Gräbern der bereit» geborgenen Opfer ebenfalls Kränze niedergelegt würben. Sodann bewegte'sich der imposgyte.Trauyrzüg durch die Stadt zu dem von' der Regierung gewidmeten Denkmal. Nach den Gedenkreden jgveier Betriebsräte und nach der Kranzniederlegung. wurden 1 von tschechischen und deutschen Gesang»v«r«inen Lrauerchöre gesungen. Um?L5 Uhr, der Zeit der Erploflon, ertönten die SireUen der,.umliegenden Schächte. Sntblösten Hauptes sta»d die Menge nnd ehrte da» Andenken ver)aüf dem Felde der Arbeit gefallenen Berge letzte., Vie Pythia von Asch Die Ascher Zeitung hört einen Rundfunk- Vortrag, der nicht stattgefunden hat! Die Leitung der Deutschen Arbeitersendung schreibt un»: „In der„A s ch e r Z e i t u n g" vom 89. Dezember ist unter dem Titel„Gefährliche Probleme im Rundfunk" ein Artikel erschienen, in dem gegen den tschechoslowakischen Rundfunk und die deutsche. Arbeitersendung im besonderen mit den üblichen nazistischen Argumenten polemisiert wird. Die polemisch interessantesten Stellen de» Artikels lauten: „Valencia, Valencia I"— der aufpeitschende Rhythm»» de» längst in verdiente Vergessenheit zu- rückversunkene Schlager» rumort nun aufrührerisch tief in die Bürgerkriegsträume hiesiger ziviler, wirklich oder bloß eingebildeter Strategen hinein und saugt auch ihnen in rotem Erglühen die Seele aus dem Lesb. Selb st im Weihnachtsfrieden bereiten ihnen öffentlich angestellte Betrachtungen über die Möglichkeit eine»„weit vom Schuß" wenigsten» theoretisch fein ausgetüstelten.Bürgerkriege». man» 1 chen wonnigen Schauer und Nervenkitzel... So hat am letzten Sonntag, nachmittag zwischen halb und drei- vier teI drei, der Redakteur de»„Sozialdemokrat" Dr. Emil Franz! über den Prager Sender seine Ansichten über Bürgerkrieg» st rar tegie in alle Welt hinauSge- funkt. Wir können e» uns ersparen, näher darauf«In- gehen, schon einmal au» dem sicher entschuldbaren Grunde, weil wir in solchen Dingen sozusagen nicht versiert sind. E» genügt aber sicher, darauf hlnzuweisen, daß bereits in der Weihnachtsfolge de» Prager„Sozialdemokrat", also' au» der gleichen Quelle, eine Art strategische Betrachtung über„die miliiärisch-poltische Lage" in Spanien erschienen war, die, im wesentlichen auf antideutsche.» T e n d e n z m e l d u ngen fußendinichtsandere» darstellt al» ein notdürftig zu- sammengeklaubte» und gekleisterte» Grundgerippe jener gelahrten AuSeinanoersetzun en, die nun über all« Grenzen hinweg ihren Weg In die Athmosphäre fänden, trotz Zensor und Weihnachtsfrieden und sonst so eifrig betonter„korrekter" Beziehungen. An sich könnte«» un» ja ganz gleich sein, welche prwate Meinung ein sozialdemokratischer Redakteur hierzulande über militärisch« Vorgänge In Spanien hat, sobald aber der tschechoslowakische Rundfunk diese Meinung gewissermaßen al» muitär'wissen- schastliche» Ergebnis von Erfahrungen au» dem spanischen Bürgerkrieg in die Welt Linau» verbreitet, rückt sie selbstverständlich in den Bereich de» öffentlichen Interesse». Nicht bloß/ um ausgenommen, sondem auch, um beurteilt zuwerden. Indem wir den Rundfunk-Vortrag Dr. Franze!»„Militärische Problem« im Bürgerkrieg" nicht bloß wegen seiner Tendenz, sondem auch wegen seiner Unterlagen, schon einmal au» Gründen einer möglichst objektiven Berichterstattung zur Gänze äh» lehnen müssen, kommen w i r äu» den gleichen hier aber noch zwingender«rscheineneden Gründen zu einer vollen Verurteilung der tschechoslowakischen Rundfunkbeihilse. Bedenklich muß un» dann noch der politische Mißbrauch de« tschechoslowakischen Ruiwfunks stimmen, noch dazu mitten in dem— doch auch au» außenpolitischen Rücksichten gewünschten,— tiefsten welhnacht-ftied-n." Wa» di« Ausführungen der„Ascher Zeitung" so besonder» interessant, aufschlußreich und wertvoll macht, ist die Tatsache, daß der Rundfunk vor t r a g von Dr. Franze! über„Militärische' Problem« im DUrgerkri«g" zwar für den 27. Dezember angekündigt war, aber an diesem Lage und bisher überhaupt nicht stattgefunden häti Da» dürften die meisten Hörer gemerkt hichen, nur. dem Kritiker der„Ascher' Zeitung? ist e» entgangen. Die nahe Berührung' mit Henlein und Hitler scheint so anregend auf die Sinne zu wirken, daß ein sudetendeutscher Journalist in Asch einen Rundfunkvortrag, auch wenn«t n i ch t gehalten wurde, zu hören und zu kritisieren.vermag,_-iadaß er darau»„noch zwingender" aIS bisher„zu einer vollen Verurteilung" de» tschechoslowakischen Rundfunk» gelangen kann. Damach mag man di« Stichhaltigkeit der henleinischen Angriffe auf den tschechoslowakischen Rundfunk überhaupt ermessen! Um. der„Ascher Zeitung" aber ein« besondere Freude zu machen, teilen wir mit, daß der Bor- trag von Dr. Franze! am 17. Jänner stattfindet." Nur um den Eindruck von gründlicher Sachkenntnis und ehrenhafter Polemik, den die„Ascher Zeitung" macht, noch ein wenig zu verstärken, möchten wir erwähnen, daß der von ihr zitierte Artikel de»„Sozialdemokrat" über die„militärisch-politische Lage" a u ch n i cht vom Genossen Franze! geschrieben war, der zu der Zeit, da man ihn in Asch la» und Hörle, krankheitshalber weder in dem Rundfunk sprechen, noch für den„Sozialdemokrat" schreiben konnte.... Ein Henleln-Arbelter Uber die„Volksgemeinschaft“ vor dem 19. Mai 1985 versprachen die Henlein-Führer ihrer Arbeiter-Gefolgschaft auch die Lösung ücrsw z'ia len Frag«. Diese Lösung fällte vor allem durch„erzieherische Maßnahmen" erfolgen, di« nach der Lage der Dinge selbstverständlich in erster Linie an den Unternehmern zu erproben gewesen wären. Nunmehr lesen wir in einer der marxistischen Gesinnung nicht verdächtigen Zeitung, nämlich in der„Zeit", dem Hauptorgan der Hen- leinpartei, den folgenden Notruf eine» Cotton- Arbeiters: ........ Di« Löhne müssen einwandfrei und fachmännisch errechnet werden, wa» in dem Vertragsentwurf feststellbar ist. ES darf auch nicht Vorkommen. daß die Industrie im Welperter Gebiet und im Niederlande Löhn« zur Auszahlung bringt, die bestimmt»unter denen d«S Teplitzer Gebietes liegen. In diesem Falle wird unter der Industrie' selbst jener schädliche Konkurrenzkampf groß-, gezüchtet, der zu unterbleiben hat, wenn die Lage in der Wirk-, Strick- und Tottonindustrie stabil bleiben soll. Aus diesem Grunde müssen die Löhne für sämtliche Gebiete, in denen die genannten Industrien heimisch sind, aneinander angepaßl werden. Zur Illustration sollen folgende Feststellungen dienen, wie unterschiedlich die gezahlten Löhne sind, und zwar pro Dutzend von Xi—-.50 bis XL 1.— bei ganz glqtten Längen. Bei einer Leistung von 199 Dutzend in 14 Tagen macht dies 80 bi» 100 XL au». Dieser Lohnunterschied wird in den Be- wieben durch eine ungeheuerliche Leistungssteigerung, die von der Bewieb»führung verlangt wird, aujgeglichen. Der Großteil der Arbeiterschaft kann aber in der grfetzlichen Arbeitszeit dies« geforderte Leistung nicht erreichen, so daß Ueberstunden geleistet werden, au» Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren. Auch bei den anderen Qualitäten sind dieselben Zustände anzutreffen. Der Fgtwnarbelter muß aber für die: erhöhte Leistung und nervenzerrüttende Arbeit den ihm gebührenden Lohn erhalten, soll«ri nicht in wenigen Jahren ein W r a'ck sein. Denn.gerade in dieser Industrie gibt e» die meisten nervenkranken Arbeiter. E» wäre de»halb am Platze,.daß gerade jene, die«ine Leistungssteigerung erzwingen wollen, erst einmal an der? Cottonmaschine«» der Arbeiterschaft zeigen würden, wie«r gemacht wird... ■ Der Schreiber bemerkt einleitend, daß«die Wirtschaftslage der Strumpfindustrie ohne Zweifel ieine besonders gute" ist und erhebt gegen die Industrie den Borwurs, daß sie die Bertrag»- 'Verhandlungen verschleppe, obwohl in dem Vertragsentwurf keineswegs Spitzenlöhne, sondern nur Durchschnitt»l ö h n e gefordert werden. Selbstverständlich kann die„Zeit" den ifrtziett, Gewerkschaften, nicht auf den Namen kommen, die sich um den Abschluß de» vertrage» be- niühen, obwohl, wie man sieht, das Wirken der: freien Gewerkschaften von den. Henleinarbeitern al», segensreich Und notwendig angesehen wird. MJfirdlesem Zusammenhang intexe^i-rt. aber innerster Linie die Tatsache, daß die Zuschrift de» Henleinarbeiters die vollkommene Pleite der BolkrgemelnschaftS-Jdee aufzeigt. Wo bleibt also Herr Henlein mit der Erziehung seiner Unternehmer? Warum sorgt er nicht dafür, daß die Klagen seiner Arbeiter-Anhänger über dke Verständnislosigkeit der Industrie verstummen, indem er sein versprechen wahrmacht, die Unternehmer zu „Dienern der Volksgemeinschaft" zu machen? Mit dem widerwilligen Abdrucken einer Zuschrift aus Ärbeiterkreisen In. der„Zeit" ist e» nicht getan: e» ist, wie da» Schreiben de» Eotton-ArbeikerS beweist, eine Besserstellung der Arbeiter ohne den Kampf der freien Gewerkschaften, also ohne das Wirken der sozialistischen Arbeiterbewegung nicht zu erreichen. Die blauäugigen Spanier der„Zeit 1* In der„Zeit", dem Hauptorgan der Hen» leinpartei, schreibt ein gewisser K a l t o f e n Uber die vergessene deutsche Siedlung St. Elena in Spanien. Am Schlüsse seines Berichte» heißt e»; „vergessen, untergegangen sind Tausende schweizer und deutsche Kolonisten. Dünger im Dienst sremdcr Herrscher. Armselige Bergarbeiter hausen heute in den elenden Häuser», vielleicht erinnert ein blondes Haar, ein blaues Auge an die Väter, die einst vom Rhein, vom Rigi, Bodensee und sogar aus dem sernen Böhmen hierherzogen. Sie arbeiten nur um kärglicher Brot in den Gruben der„Los Guindos", die Blei, Wismut, Kupfer und Mangan fördern." E» kann kein Zweifel über die G e s i n» n u n g dieser„blauäugigen Spanier" bestehen. „Diario de Burgo»", das Hauptorgan der spanischen Aufständischen, schreibt über die Klassengenossen der Bergarbeiter von Eft- Elena: , In Asturien besteht die Mehrbeit der Bevölkerung aus Bergleuten und Fabrikarbeitern, die durch die Propaganda und durch die schwankend« Haltung schwacher iltegierungen schon seit Jahren sozialistlim und anarchistisch ist. Außerdem verfügen die Bergarbeiter über bettächiliche Kampfmittel, über Gewehre, die sie seit dem letzten Ausstand versteckt gehalten haben. Über Kanonen aus Trubia und über reichliche Mengen. Dhnamit, in dessen Anwendung sie sehr geübt sind. Sie wurden auch oadurch ermutigt, daß sie bei dem Aufstand im Oktober 1984 nicht genügend bestraft worden sind. Man kann sagen, daß die gesamte Bevölkerung Asturien» feind- l i ch gesinnt ist. Wir dürfen nicht verzagen. Solche Schwierigkeiten ensstohen immer, wenn die Regierung schwach ist und wenn die Politik sich in Dinge mischt, die nur militärisch zu erledigen sind.(Gemeint Ist der Befehl der Lerroux-Regierung an Franco im Jahre 1984, die Massenerschießungen elnzustellen." Die„Zeit" aber steht selbstverständlich nicht auf Seiten der„armseligen Berg- a r b e i t e r", sondern unterstützt. deren reiche Bedrücker,- ist dafür, daß die Bergarbeiter von St. Eldssa wiedet! l,D ü n g'e'r itn Dienste fremder Herrscher", im Dienste Hitlers, werden. vom deutschen Schulrundfunk. Der deutsche Schulrundfunk hat in den Wochen vor Jahresschluß eine Reih« sehr beachtlicher Sendungen gebracht, die den Schulen Stoff und Darbietungen reichten, wie sie sonst die Schule der Jugend nicht bieten kann. Zum Weltfriedenstag sprach Minister Krofta und daran schloß sich«ine Darbietung ans dem „Lied von der Glocke" von Schiller in Einzelrczi- tation, Sprechchor und Lied. Die Mittelstufe erfreute sich an den Funkszencn„In der Spiclstube", worin in Scherz und Vers Kindheiiserlebniffe, wie sie alle Kinder haben, dargestellt wurden. Professor Rudolf Krau» schuf für die Oberstufe einen Querschnitt durch die Oper„Die verkaufte Braut" und in der gleichen Woche hatte die Mittelstufe eine Sendung„Instrumente plaudern" von Josef Röhler, tvoran sich ein musikalisches Rätkelrateii schloß, das einen außerordentlich starken Widerhall hatte, lieber 890 Antworten liefen ein, darunter auch aus Polen, Deutschland, Oesterreich u. a. Für die Oberstufe sprach daun Dr. Theo Förster, der erste Sudetendcutsche, der den Kilimandscharo bestiegen hat, über seine Erlebnisse. Der Reisende, Dr. Baum, bot Funkbilder aus Hinterindien, eigene Beobachtungen und Erlebnisse. Die Reihe „Tänze" wurde fortgeführt durch eine Sendung „Tänze au» dem Norden", wobei Musik von Grieg und Sibelius neben Volksmusik aus Schweden geboten wurde.„St.-Nikolaus kommt" waren Funkszenen, die die Kleinen erfreuten. Innig und herzlich war die Mozartsendung„Aus der Kinderstube eines Meisters", worin den 11- bis 15jährigen der elfjährige Mozart vorgeführt wurde. Mit dem außerordentlich wirkungsvollen Märchenspiel von Karl Bergmann„Die Sterntaler" und Originalmusik von G. Werner schloß di« Sendefolge vor Weihnachten ab.' Lothar ivkcinlS Leumund. In einem Ehren- beleidigungSprozeh, den der unrühmlich bekannte und aus der Tschechoslowakei auSgcwiesene Lothar Meinl auS Bärringen angestrengt hätte, war ivon der Gegenseite die Einholung eine», Leumundszeugnisses gefordert worden, das vom vizebürger- meister der Stadt Bärringen ausgestellt würde. Durch den Inhalt dieses Zeugnisses fühlte' sich Meinl in seiner Ehre gekränkt und klagte. Das Bezirksgericht in Neudek erkannte auf F r«i- spruch und bei der samstägigen Berufungsverhandlung bestätigte da» KrciSgericht in Eger da» freisprechende Urteil mit der Begründung, daß der geklagte vizebiirgermeister nur in de« Erfüllung seiner Rechtspflicht gehandelt.hab«, die er, wie.festgcstellt worden war, auch i/cht überschritten, hat. Seife l DienStag, 8. Mnner: 1VS7--- «r. 1 I Luftschub In Barcelona Um"bas Zerspringen der Fensterscheiben zu berhiiten, überklebt.man sie mit Papicrstreifen, denen man„künstlerisch systematische Linien" gibt.. Spaniens Dank . an die Internationale (J.J.) Der Spanische GewerkschaftSbund hat an das Selrctariat der Sozialistischen Arbeiter-Internationale nachstehendes Schreiben gerichtet: Werte AenoffenI Bei der Sitzung des Exekutivkomitee» des Spanischen GewerkschaftLbunde» wurde über die Rede berichtet, die Genosse de BrouckSre bei der Sitzung des Internationalen AewerkschaftSiundeS.'krflnk, sondern. selber-elpJckenarzt'zuseinj keinen-. Glauben schenkte.. Die' Behörden von Southampton erwarteten jedoch. keinen Irren;'- fsir.- solche Fälle wird vor Ankunft der Schiffe- ein Signalement durchgegeben,, und das war bei.-der'„Stratford". nicht.der-Fall,gewesen Mgn sah sich also'den'Kranken näher an und stellt», alsbald tatsächlich,fes^7,dab.e»- siöh'.gär'nicht',tim eine«' Geistesgestörten handelte, sondern wirklich UM seinen Irrenarzt. Dieser■ sollte die Kabine auf, der'„St'rat- ,ord"- besichtigeni'die Tür. flog'.äbtr-zu und.-er, komue nicht mehr heraus. Der Transport deiKranken.'iut Auftragevon dessen Aiigehörigen der Arzt die Besichtigung vornehmen sollte, war aber, da die Familie von dem Arzt keine Antwort erhielt,' aufgeschohen worden. Boot mit Schülern kentert. Bei einem AuSflisg von Schülern an» Santiago(Chile) schlug bei der Ueberfahrt über den Maipoflüss ein Boot um. Fünf Schüler ertranken, zwei weitere erkrankten schwer. Mit dem N-Boet zum Pol? Der Forscher Sir Hubert Wilkin» ist in Sousampthon au» Netv Kork eingetrofsen. Er bereitet, wie bekannt, für Juli. 1087 oder 1988 eine Expedition vor, die mit Hilfe.eine» Unterseeboote» den Versuch unternehmen soll) von Spitzbergen über den Nordpol in da» Behringmeer vorzubringen! Die Expedition soll zwei Monate dauern, und wird 88.000 Pfund Sterling kosten,' Chemische Tinte für Pässe. Beginnend mit dem 18. Jänner werden in Ungarn neue mit einer besonderen chemischen Tinte geschriebene Pässe ausgegeben werden, welche übrigen» auch noch in anderer Weise so ausgestattet sein werden, bass ihre Fälschung ausgeschlossen sein wird. Der Olymp wird kein Zeuöhaupt tragen! Mehrere griechische Organisationen für den Fremdenverkehr hatten- beschlossen, da» Staatssekretariat füo Presse und Touckstik zu bitten, den Gipfel de» Olymps zu verändern: nach amerikansschem Vorbild sollte die äusserste Spitze zu einem Zeushaupte umgestaltet werden. Da» Staatssekretariat hat das Gesuch mit einer künstlerisch begründeten ErNärung abgelehnt: der mythologische Schleier, der'den Gipfel de» Olymp umgibt, ist so schön, gleichzeitig aber auch so zart, dass er durch eine sinnfällige Unterstreichung der Legende nur zerrissen werden könnte. Zeu» hat e» auch in unserem materialistischen Zeitalternoch nicht nötig, auf diese sichtbare Art verewigt zu werden. Zuviel Irre auch in Pack». Der Regierungspräsident de» Seine-Depackement» hat auf der Sitzung de» Generalrate»«ruf die erschreckende Zunahme der Geisteskranken iirPack» hingewiesen.»Die Zahl der Irren wächst mit katastrophaler Geschwindigkeit", erklärte er wöcklich und setzte e» durch, dass man fast 200 Millionen Franc» für die Pflege der Geisteskranken im Jahve 1087 bewilligte. In der Tat sst die Zahl der Irren, die 1872 28 auf 10.000 der Bevölkerung betrug, heute a««f 85 gestiegen. Ende vorigen Jahre» waren 18.582. Geisteskranke in den Anstalten und schon am 1. Oktober vorigen Jahres war die Zahl 19.697, so'dass da» Jahr 1086 mit zehn Prozent-Zunahme abschliesst. Die» hat dazu gefühck, dass die Anstalten überfüllt sind, und dass in manchen Schlafsälen, die auf 26 Betten berechnet sind, über 40 Kranke untergebracht werden müssen. Die„EhemaUgen". Auf der Fahck zum Leichenbegängnisse Friedrich von Habrburg» in Magyarovar fuhren Sonntag und Montag, wie- aus Oester-- reich gemeldck wird, der ehemalige- Kronprinz Rupprecht von Bayern, der Herzog von Kent, der ehemalige König von Bulgarien Ferdinand und der ehemalige König von Spanien Alphonr XIII. durch Wien. Krönung in London, Hochzeit in Wien. Einer Meldung de»„Jntransigeant" zufolge becwsichtigt der Herzog von Windsor seine Vermählung im Mai.in Wien zu feiern. Wie verlautck, wird die Hochzeitszeremonie nicht öffentlich sein und er werden an ihr nur einige nahestehende Freunde teilnehmen.'- Die tschechoslowakischen Staatsbahnen veranstalten in der Wintersaison 1986/87 achttägige Pauschalfahrten in. den Böhmerwald zum.Preise von 885 Xi und in das Riesengebirge zuM Presse' von 410 Kd. Die Teilnehmer der Böhmerwaldfahrt reisen jeden Samstag um 15,88-Uhr voyr Prager-Wilsonbahnhof ab und kehren nach Prag-am Sonntag, d. i. am neunten Tag, um 18.58 zurück. Die Teilnehmer an den Fahcken ins Riesen« gebirge reisen jeden Samstag von Prag.Wilsonbahnhof-um 14.24 ab und kehren nach Prag-am neunten- Tage, dem Sonntag, um 21,45 Uhr zurück. In den Preisen ist äusser der Fahck die Unterbckn« gung, Verpflegung,. Bedienung und Versicherung enthalte««. Anmeldungen mit-Angabe von 50 Ki im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. 88888. Der sommerliche Winter. Da» leichte Tauwetter- Hat nunmehr auch die Birggipfel erreicht. Da dick Zufuhr wärmerer Luft vom Ozean her gegen da» Festland andauert, ist eine wesentliche Aenderung des Wetter» noch nicht zu erwarten."— Wahrscheinliche» Wetter Dienstag: Andauern der.uitbe» ständigen Witterung mit Neigung zu Schauern-und' zu übernormalen. Temperaturen. Auch in Karpatho« russland weitere Erwärmung.— Wetteraussichten für Mittwoch: Veränderlich,- Neigung.zu Schauern, vom Nordwesten her Abkühlung-und'Auffrischung de» Winde».. Vom Rundfunk Wnpfotzleumoorto, an» den Programmen« . Mittwoch Prag I« 7.40 Populäre» Schallplattenkonzert:. 8.00 Konzert au» Karlsbad. 0.00 Alttschechische Lieder. 11,15 Rundfunkörchesterkonzert.-13.48 Opernarien. 17.85 Deutsche.Sendung« Arbeitersunk: Joses Hofbauer«- Befürchtungen, Wünsche,-Hosftlimgen, 17.55 Ein Bauerndichter, Hürspiel.18.80 Deutsche Presse. 19.20 Au» dem Äationaltheater: Zar- Salta». von Puschkin.-. 22.85 Tanznmsik-— Prag Hi 14-80 Deutsche Sendung:-Zwiegespräch.in Liepern- 15.00 John Field,unb die" Klavierromantik,— Brünn« 17.85 Deutsche Sendung: Werner« Entwicklung der Wehrmacht unsere» Landes,.— Presstmgr. 10.80 Populäre Geigenkompositionen.' 17.20 Salon«, orchester.— Kaschau: 12.20 Rundsnnkorchesterkon» zert.— Möhr.-Ostrau: 16.00 Unterhaltungskonzert. Seite 8 Dienstag, 8. Jänner 1937 Die Forderungen der Glas* und Keramarbetter Am 8. Jänner sand in Teplih-Schönau«ine erweiterte Sitzung del Vorstander und Beirater der Verbandet der Glas- und Keramarbeiter und i■'»Arbeiterinnen statt, welche sich eingehend»mit den tvlrtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in der , GlaS« und Keramigdustrie befaßte. Dar Ergebnis dieser Beratung wurde in einer Kundgebung zusammengefaßt, der wir folgender entnehmen: Infolge der günstigen Entwicklung der Welt» , wirtschaft hat auch die Gesamtwirtschaft Unseres Staates einen nennenswerten Auftrieb zu der» zeichnen. Die Durchschnittszahl der Beschäftigten.der tschechoslowakischen Gesamtindustrie Hai bereits den Stand dom Jahre 1982 erreicht. Trotz der begrüßenswerten Besserung unserer Wirt» schast im Jahre 1939 muß konstatiert werden, daß die Glas» und Porzellanindustrie beinahe unverändert in'einer schlveren Produktionskrise verblieben ist und daß die Ausfuhrsteigerung der Glasindustrie gegenüber dem Vorjahre nur vier Prozent beträgt, während die Porzellanindustrie für die gleiche'Zeit einen weiteren Rückgang tzeSExportS aufzuweisen hat. ' Es ist infolgedessen dringend notwendig, daß in beschleunigter Form die von der Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit für-die Exportindustrie vorbereiteten Hilfsmaßnahmen zur Förderung des Exports verwirklicht werden, um weitere schwere wirtschaftliche Schäden zu vermei» den. Für die Porzellan- und Glasindustrie werden hauptsächlich zu Beginn der Jahres und im Herbst die meisten Exportaufträge hereinkommen. Wenn die Maßnahmen der Regierung nicht sofort zur Durchführung gelangen, geht der GlaS» und Porzellanindustrie wiederum ein Zeitraum von mindestens sechs Monaten für einen erfolgreichen Kampf auf den ausländischen Absatzmärkten verloren.. Im Interesse der Arbeiterschaft muß eine dringende Erledigung der ExportförderungSmaß- nahmen gefordert werden. ES gilt aber nicht nur, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch den berüsSzuständigen Menschen den Arbeitsplatz zu sichern sowie eine stabilere Existenzgrundlage herbeizuführen, durch ver- tragirechtliche Regelung des ganzen Lohnsystems, wobei, der Grundsatz der wirtschaftlichen Beffer- stellung der Arbeiterschaft und Steigerung ihrer Kaufkraft zu gelten hat. Die Moral des Ber- trägSrechteS und des berechtigten sozialen Anspruches muß allgemeine Geltung haben und es darf nicht der Unternehmer als der wirtschaftlich Stärkere die Rot der Arbeiter als Druckmittel für^Ver- tragsverletzllngen--ünkv'Lohnreduzierungen'-söwie- GesetzeSbrE'bAlützen. Der Arbeiter" hat das Recht auf einen entsprechenden Anteil an dem Ertrag der Produktion, welcher ihm in der Zeit der preise bedeutend geschmälert wurde. -' Der GlaS-und Keramarteiterverbanb bringt mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck, daß er an der Erledigung folgender von ihm aufgestellter Forderungen mit aller Kraft arbeite« wird: Wiederaufbau der Exportindustrie zur Arbeitsbeschaffung für die GlaS- und Keramarbetter, Sicherung deö Arbeitsplatzes und Schutz desselben gegen den Druck der Unternehmer, durchgreifende Gestaltung deS LohnfystemS, Schaffung einer gesicherten Existenzgrundlage und Schutz derselben, Sicherung und Verteidigung der sozialen Errungenschaften Und deren weiterer Ausbau, Die Beschäftigung der Industrie Im November und Anfang Dezember . Dem Monatsbericht der Nationalbank entnehmen wir: Kohlenindustrie. Die bestehende stärkere Nachfrage nach Kohlinbrennstoffen erfuhr in den letzten Monaten de- Jahres auch aus Saisongründen durch die Absatzbelebung in Hausbrandkohle eine Steigerung.. Dio Novemberdaten Mer die Förderung von Braun- und Steinkohle erreichten, wie au» den seiperzeit bekanntgegebenen Produktionsziffern hervorgeht, beinahe dar Niveau der letzten Hochkon» junkturjahr«.'Die hohe DeschSstigungsintensttat in der Hüttenindustrie trug ebenfalls zur Steigerung deö Koksproduktion bei, die bei 199.899 Tonnen im November beinahe mit den Novemberdaten au» dem Jahre 1989 identisch war. '.fDie Metallindustrie meldete, im.November einen höheren Einlauf, von JnlandSaufträgen, während, die Situation im Export unverändert geblieben war. Die Produkttonszlffern' für Roheisen und Rohstahl'beginnen»sich bereit» den Ergebnissen au» dem November 1929 zu-nähern und stellten sich Höher al» itU. ganzen Zeitabschnitt 1989 bi» 1988. Die Beschäftigung der.Walzwerke,, der Draht», Röhren«, Brücken- und Eisenkonstruktionranlääen weist nah geringfügigeAenderungen in beiden Richtungen au». Der Absatz von Messing- und Kupser- halhfabrikaten war im November lebhaft, der Jn- landlabsatz von Emailwaren hielt sich" im November ebeNfall» über Vörjahr»höhe, so daß mit einer Ab- satzfteigerung um 12 bis 1» Prozent gerechnet wer« den- kann. Im Exportgeschäft zeigt- sich rege Nachfrage, doch kann ein Teil davon infolge der PretS- kch«m!«nz einiger ausländischer Produzenten nicht übernommen werden, ■Wi Maschinenindustrie. Im allgemeinen Maschinenbau und in dec elektrotechnischen Industrie waren im November kejpe nennenswerten AenderuNgen zu verzeichnen. Der Absatz von Personenautomobilen WLt"aü»'Daiso»grllUden schwächer als im tzorange» gantzenen' Monat, der Absatz- von. Lastäutom-bilen war ebenfalls noch nicht befriedigend: . In der keramischen: Industrie-wird im ganzen befriedigend gearbeitet. Soweit feuerfeste Materialien in Betracht kommen, zeigte sich im Zusammenhänge mit den Renovierungsarbeiten der.Hüttenindustrie lebhasie Inlandsnachfrage.' Im Export ist gleichfalls stärkere»- Interesse festzustellen,» doch wird die Abwicklung'der Aufträge vielfach, die bestehenden Kontingent»^ und Devisenschwierigkelten gestört. In der. Baukeramik ließ sich da» JnlaNdSge» schäft lebhafter an-al» in der gleichen BorjahrSzeit, während sich der Export auf der gleichen Höhe, wie im Vorlahre hielt. Der JntandSabsätz von Porzellanwaren hält sich auf-dem Durchschnitt. Der GlaSexport hielt sich im November auf der Höhe deS Vorjahres. Die Verkauf-ergebniffe der Flaschenfabriken-waren, um 16.7 Prozent schwächer, während im HohltzlaSexport eine Steigerung um 7 Prozent und bet Tafelgla» um 18 Prozent zu verzeichnen war. In der Bautätigkeit machte sich- natürlich die Saisonabschwächung bemerkbar.' Symptomatisch ist jedoch/ daß'da» Interesse für Neubauten insbesondere auf den Hauptstraßen weiter anhielt, inSbeson» dece für Objekte,-die dem Geschäftsverkehr» dienen. Darin spiegelt sich. indirekt ebenfalls- die" höhere Wirtschaftraktivität" wider.- Auf dem Holzmarkte ist die reguläre Winterpause bisher nicht«Ingetreien. Auf dem Inland»» markte hält die Nachfrage infolge der besseren In» dustriebeschäftigung und der relativ starken Bautätigkeit an. Sehr bedeutend ist auch die Nachfrage nach tschechoslowakischem Holz im ÄuilaNde. Die aufsteigende Preisentwicklung hielt an und sie wird insbesondere durch Vie günstige Situation auf dem internationalen Holzmarkte verstärkt. In der Papierindustrie machte dl« Besserung der Beschäftigung weitere Fortschritte, bei Rotationspapieren war eine deutliche Absatzbesserung zu verzeichnen, ebenso war auch die Nachfrage für Pack» und graphische Paviere lebhaft, wa» um so bemerkenswerter ist. als di« Saison bereit» ihrem Ende entgegengeht. Auch erhöhte ÄorratSblldung ist in den meisten Handelszweigen zu beobachten. Die Beschäftigung der Textilindustrie hielt sich mich im November auf dem im ganzen leicht gebesserten Niveau der vorangegangenen Monate. Allerdings ist bisher eine Klärung"der Situation«urständig. au» der auf die Stabilität des gegenwärtigen Beschäfiigungsstandes geschloffen werden könnte. Vergeblich suche ich de» Absender des Glücksbriefes zu erraten. Aus kleine» Nebenumständen' der Adresse geht hervor, datz der Absender mich kennen mub. Wer aber in meiner Bekanntschaft ist so'abergläubisch, Kettenbriefe zu verschicken? Und wer' vermag Kettenbriese mit so vielen Fehler»» abzuschrei- ben? Die vierundzwanzig Stunden sind verstrichen. Die Kette ist zerrissen. In neu» Tagen wird das Glück an mir vorbeiziehen, ohne mich zu'beachten. Und nie werde ich Glück haben. Der Brief prophezeit das. So leschtfertig tritt der gottlose Mensch fein Glück mit Füßen. Aber ich habe ja auch bas Glück andrer Menschen zerstört dadurch, dab ich den Brief nicht neunmal abgeschrieben und weitergeschickt Habel Die Kette ist ja nun.auch für alle zerrissen, die ihren Hoffnungranker daran gehängt hatten. Bierundzwanzig- mal sollte die Kette um die Erde gehen. Da» ist keine Kleinigkeit. And nun liegt sie zerrissen da— klirrt der Brief nicht? Melden nicht Radiowellen die Seufzer der»»m.ihr Glück Betrogenen in Amerika? Es ist gar nichtso einfach, abergläubisch zu sein —- ein einziger ungläubiger Mensch kann tausend Hoffnungen vernichten; ohne dass er«twaä.tut— eben iveil er nicht» tut. Und der Zerstörer bin diesmal ich.' Schwer fällt die Schuld auf mich— die werde ich am Silvesterabend nun auch stoch abzuspülen haben. Gott, da» Leben ist nicht einfach. Ich betrachte noch einmal den Zettel. ... sende«r neun Menschen, denen du Glück Wünschest... So steht da. Und der mir den Brief- schickte, hatte dasselbe Gebot zu erfüllen. Und er setzte diese» Wunsch-in- Handlung' um, tn eine lächerliche abergläubische Hstndlung, aber., doch in eine sichtbare Handlung; Er selber bleibt namenlos und unerkannt,; nur sein guter Wünsch erreicht mich und fast möchte ich ihm dafiir hankey, denn-ein Mensch, der einen» Glückwunsch!, ohnesich selber zu erkennen zu gebe»», wünscht es. einen». sicher' aufrichtig. Der Kettenbrief 'erinnert»stich an di«'mit ungelenkem Bleistift hin» ihre Beschlüsse in der Causa Bralne zu tätigen. Wie verlmttet, soll Beerschot der Sparta ein Anbot von 129.999 belgischen Franc» für die Freigabe Braine» gemacht' Haven- Bestätigt hat sich diese Bersion jedoch micht- Doch was hier ein gewisser„Stolz" verbietet, einzugestehen und reinen Wein einzuschenken, dar— siehe- oben— ist in Belgien schon«Ine Melodie der Spatzen.--. Prager Winterturniere Im Wrschowitzer Turnier, welche» am Sonntag fortgesetzt wurde, machte der D F C seinen llmfasler vom Freitag wieder wett, indem e.r Union ZiZkov mit 9:9(4:0) schlug. Die Ueberraschung brachte jedoch da» zweite Spiel, denn SK Libeä gelang e», auch BohemianS zu besiegen, und zwar mtt 6:1(2:1). Im Nusler Rundspiel simte Ccchie Karlin über ABE Branik mit 5:2 und SK Kladno fertigt« die Nusler Viktoria 8:2 ab. Da» K o s i k e r Turnier aetstann Sparta, die im Endspiel Ihren OrtSrivalen Cechoslovan mit 4:8 (1:9) besiegte. Im Vorspiel gewann Cechie Smi- chov über Walter 8:1(8:9). ■ Die Prager Sparta eröffnet« am Sonntag die Saison mit einem Spiel gegen AFK Kolin und blieb mit 4:9(4:9) Sieger- Sparta mutzte sich erstmal» ohne Braine behelfen und zeigte sich nicht in einer meisterlichen Verfassung; obwohl die Koliner bekanntlich nicht» mehr bedeuten, hatten sie nach der Pause mehrmals Gelegenheit, das Skore zu verbessern, doch versagten die Stürmer. Sonstige Fußballergebnisse. Karlsbad: KFK gegen DFK Dachau 9:1.— Teplitz: TFK gegen Gut» Mut» Dresden 8:1.— Wien: Helfort gegen Postsport 2:2(2:9), Wgcker gegen Vienna 4:4 (9:2), FloridSdorfer AE gegen Austro-Fiat 2:1.— Toulouse: KiSvcst Budapest gegen Sportklub Wien 2:9.— Oporto: FercncvaroS Budapest gegen SC 9:2!— Malta: Hungaria Budapest gegen SibernianS 5:1, Rapid Wien gegen Florian» La Valette 4:9.— Lissabon: Austria Wien gegen Benfieo 1:1.— Algier: Slavia Prag gegen Veo-radski SK 2:1.— Chemnitz: BC gegen DSV Saaz 6:4. Der DFB-Vorstand hat am Sonntag wieder in Prag eine Sitzung abgehalten, die, nach einem Kom» muniquee, alle bestebenden Differenzen geklärt »md alle Angriffe widerlegt habe. Der Vorstand werde vollkommen einig, trotz der Schwierigkeiten. den gestellten Anforderungen gerecht werden. Ob da» alle» sowett stimmt, wird der WarnS- dorfer VcrbandStag zu beweisen haben. ' Sibylle Schmitz in dem Film„Die Leuchter des Kaiser»". gekritzelten Bitten an den Wänden der Wallfahrtskapellen:„Eine schwer bedrängte Seele bittet um ein Gebet". Diese Bitte wendet sich vertrauensvoll und gläubig an das Mitgefühl unbekannter Menschen. Und dieser Glückrbrief«ine» Unbekannten scheint dein Glauben an die uneigennützige Güte der Menschen recht zu geben. -» Doch da fällt mir ein: der unbekannte Absender de» Briefes rechnet ja selbst auf Glück. Glück für sich. Und nur um es sich zu sichern, erfüllt er da» Gebot, schickt Briefe an neun Mensihen, gleichgültig an Wen, die' ersten besten neun Menschen seiner Bekanntschaft, die ihm gerade«infallen. Vielleicht destkt er nun: hoffentlich schickt der Ochse die neun Briefe auch fort, damit die Kette nicht zerrissen und mein Glück nicht zerstört wird'. Vielleicht diktierte diese Sorge den Satz:„Wer sie zerreibt, hat nie Glück". Vielleicht ist der Absender«in Mensch, der mich gar nicht leiden kann, dem ich-nur gerade einfiel. Und er wünscht mir Glück, nur um sich das seine zu sichern, der Egoist...- Ich habe selten über einen Brief soistel nachgedacht wie über diesen Kettenbrief. Aber was nützt das dem Absender? Er klammert sich an seinen Aberglauben. Er rechnet darauf, datz-ich nun auch, neun solche Briefe schreibe und verschicke. Und, da» habe ich nicht-getan., Die Kette ist zerrissen. Da»»chge- rissene Ende liegt vor mir«ms dem, Tisch. Ich Werse die Hoffnungen vielleicht Tapsender in den Papier« korb und habe mich nun damit abzufinden, datz ich nie mehr Glück habest- werde; Elvige» Pech ballt' drohend sein« Wolken über mir. E» hat'darum' auch gar keine» Zweck, mir Glück zu wünschen., ad. in dem B. Werner-Film„Menschen auf der Eisscholle".'. Eishockey. Um den Meistertitel der deutschen Eishockeyverbandes spielten in Komotau der Olmützer EB mit dem DFK. Di« Olmützer gewannen 4:1 und werden nun da»-Endspiel mit dem Troppauee EB'bestreiten-— Die tschechoslowakische Eishockey- Liga setzte mit zwei Spielen ein: In Äitkowitz spielte Sparia Prag mit dem SSK 1:1 und in Poprad schlug der HC Tatra die Prager Slavia 2:1;— Gablonz: HOMS Prag gegen EB 1:9.— Eger Olmützer EB gegen EV 5:1.—St. Moritz: HC gegen Cambridge 6:2.— Basel: HC gegen Oxford 2:1. »Urania« Thomas Mann, der berühmte Dichter, liest nach einführenden Worten au» seiner neuesten Dichtung; der Novelle.Lotte in Weinmr" deren Stoff eine Episode au» Goethes Leben behandelt. Montag 8 Uhr. Da sich für diese Vorlesung ein ungewöhnliche» Interesse kundgibt, empfiehlt sich sofortige Kartenbesorgung. Karten: IlraNia: Wetzler, Deutsch.: VrremsnoekMteN' p Falken, Achtung! Mittwoch, den 6, Jänner (Freitag), Wanderung.- Treffpunkt um 19 Uhr vormittag» an der Gndstatiön der Strassenbahnlinie« Nr. 8 und 4 in Kobylis. Der Internationale Promlnenten-lhenS am 7. Jänner 1837 den die Solisten im Lucernasaal veranstalten, wird durch die Mitwirkung Paul Hörbiger» und vielin anderen Grötzen der Bühne und de» Film» ein geradezu sensationelles Kunst- und Gesellschaft»- ereignis werden. Vorverkauf bei Truhläk(Koruna, Valdek). 8846 filme In Prager LIcMtpielhliiirn Uraniä-Kino:„Schloss Vogelöd". Auf der Bühne: Beda Lak, Komiker.— Adria:„Herren im Zylinder." F.- Astaire. A.— Alfa:„Romeo und Julia." Norma Shearer, L. Howard. A.— Apoll»; „Im Sonnenschein-" I. Kiepura. D-— Avion: „Eine Nacht in der Oper." Marx Brothers- Ä.— Beranek:„Mädchen im Schlafsaal." Simon« Simon. A.—, Fenix:„Anna Karenina." Greta Garbo. A.— Flora;„Die Stadt Anatol," D.— Hollywood:„Das Hoskonzert." D.— Hviizda; Mickey Mouse.— Juli»;„Die Spionin der Kaisers." D.—Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Kotva:„Die Sensation der Jahre»." E» — Lucerna:„Anna Karenin a." Greta Garbo. A.— Metro:„Pater Adalbert." Tfch.— Passage; „Das Hofkonzert." D.— Praha:„Die Spionin de» Kaisers." D.— Radi»;„Die Welt in 199 Jahren" Nach H. G. Well». Engl.— Skaut;„Ein, zwei drei." Laurel und Härdy. A.-—- Svitozor;„Kapitän Ja« nuary." Sh. Temple. A.— Alma:„Frau oder Sekretärin." Plastischer Film.— Bajkal;„Ein», zwei, drei" Laurel und.Hgrdy-,, A.— Belvedere: „Die Schneiderin." Tsch.— Besedar'.'.Ein», zwei§ drei."' Laurel und Hardy. A.— llarlwn;„Dia Schneiderin."' Tsch.— JllfioiE.E in-aü sserg e« wöhnliche» Ereignis." G. Cooper. A.'•— Lid» ll:„Eins, zwei, drei," A.^-Maeeska»„EinSl zwei,'drei." Ai— Olympie:„Die Stadt, Anatol," D.— PerStyn:„Ein aussergewöhnliche» Ereignis." G. Cooper-,A.— Roxy:„Frau oder Sekretärin." A.— Tatra;„Die, Schneiderin" Tfch. — U Bejvodu:„Die Schlacht." Annabell». Fr. Baldekt.;„Ein, aussergewöh-n l'icheS' Ereignis." Sl. Beletrhy:„Das Frauenparadies." D.'-, !SH525H525BSHS2525252S2SB5B52Sa5E525BSa5B525B Verlanget überall Volkszünder ’sasHsasasHsasBSBsasHsasasasasasasaüaszsaHK Bez u g» b e d i n g u n g e n: Bei Zustellung in» Haus oder bei Beziiss durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährlich, sich 48,—, halbjährig K8 96,-r, ganzjährig Xö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet/. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.—Rückstellung von Manuskripten erfolgt(nur bei Einsendung der Retounnarken. Die Zeitnngösrankatur'.wnrde tion der Post-'und Tele«' graphendirektwn mtt Erlass M. 1ö.89ll/V1I/19S9 bewilligt.— DtUckereti.KrbiS", Druck-, Verlag»- Uiü» Z«itungS-A.-G. Prag.'