ält«ngr PragXll., Fochova 62- Telephon 56077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Sozialdemokrat Zetttralorgan der Deutsche» sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Deutsches Luftsperrgeblet Ungs der polnischen Grenze Ei., Errltn. Im„Reichsanzeiger" wurde am Mittwoch eine Verordnung des Reichsluftsahrt. Ministeriums kundgemacht, durch welches bis auf weiteres die Ueberfliegung eines Vierecks, welches auf dem rechten Ufer der Oder zwischen diesem Flug und der polnischen Grenze gebildet wird, verboten wird. Das Sperrgebiet wird im Norden von der Warthe bet L a n d S b e r g.-im Tilden von,der Oder zwischen den Städtchen Trossen und Tschicherzig, begrenzt. Eine Begründung deS Verbotes wird nicht angeführt, doch ist man der Ansicht, daß«» sich nm eine rein militärische Maßnahme handelt nnd daß Deutschland den B a u von des e st i g n n g e n in dem waldreichen Ge- biet zwischen der Oder und der polnischen Grenze plant. ES ist dieS das erste Mal, daß an der pol- Nischen Grenze«in solche» Lustsperrgebirt ge- schaffen wird. ein Dementi aus Berlin Berlin. Zu den im Auslande verbreiteten Gerüchten, daß der Reichskanzler am 80. Jänner, dem vierten Jahrestag der Machtergreifung, den Reichstag abschaffen und Mitteilen werde, daß er in Zukunft nur,das Amt eines Staats- ch e f S ausüben und das Amt des Regierungschefs an General Görina obgeben werde, wird von Berliner unterrichteten Kreisen darauf hingewiesen, daß solche Gerüchte periodisch wiederzulehren Pflegen und daß sie jeder Grundlage entbehren. Heu’e deutsche Antwort Berlin. Der britische Botschafter in Berlin SirEric PhippS fand sich Mittwoch im Reichs« autzenministerium ein, nm gemäß der ihm aus London ertellten Weisung die deutsche Regierung in freundschaftlicher Weise zu ersuchen, sie möge bis zum Ende dieser Woche die französischbritische Note in der Frage der Entsendung von „Freiwilligen" nach Spanien beantworten. Die deutsche Antwort wurde dem Botschafter für Donnerstag versprochen. Nur eine Schelnkontunktur... Berlin. Der Halbjahresbericht der in deut« schem Reichsbesitz befindlichen Reichskredit-Gesell- schäft knüpft an die Darlegung der Fortschritte, welche die Konjunkturbelebung im Jahre 1S86 gemacht hat, den Vorbehalt, daß sie zum erheblichen Teil durch eine einmalige Rüstungskonjunktur erzielt seien. Bei der Aufrüstung Deutschlands ist zu berücksichtigen, daß Deutschland durch die Entwaffnungsbestimmungen deS Versailler Vertrages in den Jahren 1820—1884 reichlich 20 Milliarden Mark weniger aufwenden konnte, als im Hinblick auf die Rüstung der anderen Großmächte hätte angebracht,werden müßen. italienische Rundfunkhilfe für Dearelle Brüssel. Das Organ der Rexistenbewegung „Le TayS Riel" teilt mit, daß der Vorsitzende der Rexlstenpartei, D e grell e, zu kurzem Aufent-, halt nach Italien abgereist ist, wo er im Rundfunk sprechen werde. Seine Rede wird über die Rundfunkstationen Turin und Triest verbreitet werden. Unmittelbar nachher werde er wieder nach Brüssel zurückkehren. Die Äexisten- partet hat öffentlich- versämmlungen einberufen, damit ihre, Anhänger in den einzelnen Orten geschlossen den Rundfunkvortrag DegrelleS aus Jta» lien abhären können., Amerikas Staatsschuld — eine Billion KC Washington. Die amerikanische Staatsschuld betrug am 30. Dezember 1886,84.4 Milliarden Dollar, das sind 880 Milliarden oder fast«ine Billion XL. Sie hat damit" ihren bisherigen. Höchststand im Juni 1886 um 87 Millionen Dollar überschritten.' Oesterreich wie es leibt und lebt... nhn. Der Oberste BundeS-Sportführer hat den gesamten Ausschuß des SlivereineS in Dornbirn in Vorarlberg wegen der Beteiligung an der nationalsozialistischen Propaganda ab» gesetzt und ete« G-S-ü-msschuß ernannt. Valencia bleibt fest Protest beim Völkerbund eingelegt G« n s. Die spanische Regierung hat«ege« deS Borgehen» deutscher Kriegsschiffe in den spanischen Gewässern einen Protest beim Völkerbund eingelegt. Reuter meldet hiezu, daß da» Schriftstück der am Dlen»Mg vom spanischen Botschafter im britischen Forelgn Office überreichten Rote ähnlich ist, worin di« Regierung Großbritannien» auf die Verletzung de» Richt- «inmischungSpakteS durch Deutschland aufmerksam gemacht wird. Diese Rote wird in zuständigen spanischen Kreisen London» dahin erläutert, daß sich die spanische Regierung dem deutschen Ultimatum nicht unterwirft, sondern aiwarten wird, bi» der Fall de» Dampfer»„PaloS" vor allem vom Londoner RichteinmtschungsauSschuß geprüft werden wird. Internationale Blockade Im Bereich der Möglichkeit? deutschen Dampfer„Polos" dem Richteinmi- schungSauSschuß verlegen, wird in Whitehall n i ch t alS dringende Angelegenheit behandelt. Das Sowjetmotorschiff.^komileS", das mit einer Kohlenladung aus Nikolajew nach Amerika unterwegs war, wurde am 8. Jänner in der Meerenge von Gibraltar angehalten und nach Teuta gebracht. Ungeachtet der am selben Tage beendeten ergebnislosen Durchsuchung wurde da» Motorschiff erst am 4. Jänner abends sreigegeben. wie der Präsident de» VaSkrnlande» selbst sind fromme Katholiken. Die Mehrzahl der Priester sticd dem Volk und der republikanischen Regierung treu geblieben. Diese Tatsache widerlegt wohl am schlagkräftigsten die Lügen von RtligtonSverfolgungen in Spanien. Zur Bolschewlkenhetzel Im Baskenland ist die stärkste Partei in der -Regierung der BolkS front eine katholische PH» r t e i. Sowohl der Minister, der da» Baskenland ten Europa» realisiert«erden. Da« HLUptzÄ^bu- der republikanischen Aintralrezierun« vertritt, der britischen Diplomatie bleibt auch weiterhin'“'' die m ö g l i ch st schnell«Erlassung eine» internationalen Verbo tes d«r Anwerbung und Entsen dung.von Freiwilligen nach Spa nien. LaS Ansuchen der spanischen Regierung, Großbritannien möge de» Zwischenfall mit dem Zu dm Gerüchten, di« in Pari» kursieren, er»; fährt das Reuter-Büro, daß die britische Regie-• tuns sich mit der Frag«"einer britisch- , r a n z ö s i s ch e n Blockade der fpn- nischenKüste nicht befasse. ES wurde keine Initiative in diesem Sinne ergriffen und auch Vorverhandlungen über diese Angelegenheit haben nicht stattgefunden. Dir Frage einer Blockade der spanifchm Küste war in den letzten Monaten auf rein Hhpo- thetischrr Grundlnge aufgetaucht. Dieser Gedanke wird in einer konkreten Form■ ganz bestimmt nicht früher in Erwägung gezogen werden, bevor nicht die italienische und die deutsche Antwort auf den tritifch-ftanzöflschm Vorschlag in Angelegenheit der Freiwillige« übergeben sein' wird, und er könnte nur durch die Zusammmar- beit mit anderm nichtintervenierenden Sremächn ten Europa»- realisiert werdm. Da» HaUptzW Schwere verstimmung In England Ober die neuen ita'lenlschen Truppensendungen London. Die britische Presse ist«ach wie vor über die nmm Truppenlandnngm seitens. Italien» in Cadiz sehr ungehalten. So schreiten di«„Time»": Dir Ausschiffung der 10.000 Italiener in Cadiz bedeutet keineswegs eine Verletzung de» englisch-italienischen Abkommens. Die Frage der Freiwilligen wurde in dm dem Abschluß de» britisch-italienischen Mittelmeer-AtkommrnS vorangegangenm Beratungen nicht berührt. Trotzdem erweckt die Ausschiffung dieser Ber- stärkungm für Gmeral Franco emste Befürchtungen bei den zuständigen Londoner Stellen/ Dieser Vorfall hat— weit entfernt davon, zur Wiederherstellung vertrauensvoller Beziehungen beizutragen— einen ungünstigen und deprimierende« Eindruck hervorgerufen. »Manchester Guardian" schreibt: Di« AuS- schiffung der Freiwilligen ist Cadiz tangiert zwar de facto da» kritisch-italicnische Abkommen nicht, ist aber jedenfalls eine schlechte.Ein lei- t» n» der neuen Etappe, welche in den italienisch- iritischm Beziehungen cintrctcn soll. Es erscheint zweifelhaft, ob diese Verstärkungen au» Italien hinreichen werden, dm Aufständischen den Sieg zu sichern, doch können diese Verstärkungen im Verein mit weiteren Smdungen von Flugzeugen und Tank» au» Deutschland hinreichen,« einen Sieg der Regirrungstruppen in Spanien zu«erhindem. Britische Nottenverschlebungen London. Nach einer Mitteilung der eng« lischen Admiralität werden 18 Einheiten der bri- tischen Mittelmeerflotte, wie planmäßig vorgesehen war, in der nächsten Woche ihren Standort verändem. ES, sollen die in den spanischen Gewässern liegenden Kriegsschiffe abgelöst werden. Vor Madrid unverändert Wichtiger Erfolg der Regierungstruppen vor Oviedo Madrtd. Der Ausschuß für dir Verteidigung Madrid» teilt mit: An der Madrider Front werdm durch di« ungünstige wittrmng wirksam« Operationen der Infanterie«nm»»lich gemacht. Republikanische Artillerie beschoß erfolgreich die starkm feindlichen Truppenzusammenziehungen in dm Abschnittm bei Majada Honda und tri La» Rosa». An der Guadamja-Frmt setzte« di« Regie- rungSatteilnngen ihren. Vormarsch fort und hatm RenaleS besetzt. An der asturischen Front haben di« Regie- rungStruppen die Höhe Rara«e» zurücker- obert. Diese Höhe blldrt den Schlüssel zur Eroberung von Oviedo. Die Stadt Oviedo liegt im Feuerbereich her Regierungstruppen und verlor nunmehr da» einzig« Boll- > werk ihrer verteidig««». Die Tätigkeit der republikanischen Flieger hat sich auf einig« Erkundungsflüge an verschie- dmen Fronten teschräukt. Weitere Aktionen der Flieger wurden durch den Rebel verhindert. Damit bestätigen sich dir Meldungen, daß auch die ne«ste Offensive Franco» vor Madrid ti»h«r keine« nenn«n»wertm Erfolg erringen konnte. Dir Aufständischen begnügen sich damit, dikZnr.ückWeisung von Angriffen im Abschnitt'von Villa Real und. Sa» Pedro zu melden und. von großen Verlusten der Regie- rungStruppen zu erzählen. DimStag. mittag» find «ach Meldungen au» Avila di« Aufständischen vor Madrid 1500 Meter in der, Richtung aus La Coruna vorgerückt? sie wollen hier offenbar an dir' Straße nach dem E Seo r i a t herankommen, um die dort kämpfenden Regierungstruppm< ak- schneidm zu können. VkSllfr Schützenhilfe für Goebbels Gestern wurde von den Sendern des Dritten Reichs wieder das Märchen über die sowjet« mssischen Flugplätze in der Tschechoslowakei ausgewärmt. Diesmal berief sich der deutsche Rundfunk auf die Meldung eines Antwerpener Blattes, dessen Namener allerdings nicht nannte. ES ist also klar zu erkennen, daß die Lügenzentrale deS Herrn Goebbels im Rahmen ihrer bekannten antibolschewistischen Hetze di« Angriffe auf die Tschechoslowakei fortsetzt; ja es ist, wie die„Basler Nationalzeitung" vor kurzem sehr richtig bemerkte, anzunehmen, daß die ganze antibolschewistische Propaganda der hitlerdeutschen Hehzen- tralen die Vorbereitung des in erster Linie geplanten Angriffs aus die Tschechoslowakei verschleiern soll. Bei diesem Bemühen wird Herr» Goebbels am eiftigsten von der sudetendeutschen Provinzpreffe und von der„Zeit" sekundiert; die „bolschewistische Gefahr", in der sich die Tschechoslowakei befinde, wird in den grellsten Farben gemalt. Aber es ist nicht zu übersehen, daß die Hetzarbeit des Goebbels und der ihm ergebenen beimischen Presse auch von der tschechisch« agrarischen Presse eifrigst unterstützt wird. In der letzten Zeit sind die Spalten des „Beier" und des„Venkov" mit Nachrichten über die bolschewistische Gefahr in der Tschechoslowakei angefüllt. Neuerdings hat es der agrarischen Presse der angebliche Vertrieb bolschewistischer Literatur auf dem Wenzelsplatz angetan und im- mer ist die. agrarische Journalistik um den Nachweis bemüht, daß die Ausbreitung der„bolschewistischen Gefahr" auf das Konto der sozialdemokratischen Parteien zu buchen ist. So werden die reichsdeutschen Lügen über die„bolschewistische Verseuchung" der Tschechoflowakci auch jenem Ausland glaubhaft gemacht, das ansonsten der Goebbels-Propaganda sehr kritisch geqen- übersteht. Jede antibolschewistische Bemerkung des „Venkov" und des„Beier" wird von der Hen- leinpresse mit größter Genugtuung wiedergegeben und auS dieser Quelle wird die Nachrichtenzentrale des deutschen Rundfunks gespeist. Die Gefährdung unserer außenpolitischen Interessen durch diese Art politischer Brunnenvergiftung veranlaßt uns, die antibolschewistische Propaganda der agrarischen Presse etwas näher zu betrachten. ES gab«ine Zeit, da der Bolschewismus bei uns wirklich«ine entscheidende politische-Nolle spielte. DaS war während der Spaltung unserer sozialistischen Arbeiterparteien und viele Jabre nachher der Fall. ES war ein tschechischer Agrä» rier, der das Wort von dem Bolschewismus als dem„Pfahl im Fleische der Sozialdemokratie!" prägte. Und es ist noch nicht solange her, daß dl« tschechisch-agrarische Presse jeden kommunistischen Angriff auf die Sozialdemokratie mit Fteude wiedergab und unterstützte," sich also direkt zum Verbündeten des„Bolschewismus" im Kanipfe gegen die Sozialisten machte. Den tschechischen Agrariern paßte der Bolschewismus als Gegengewicht gegen die Sozialdemokratie und ihnen hätte kein größeres Unheil widerfahren können, als i die Liquidierung der kommunistischen Partei. Den geistigen Klarungsprozeß unter den kommunistischen Arbeitern verfolgte die agrarische Presse mit sehr beklommenen Gefühlen, ganz abgesehen davon, daß sich die Agrarier weder damals noch heute bereit finden, die letzten innerpolitischen Konsequenzen aus ihrer angebiirben antibolschewistischen Gesinnung zu ziehen. Einem Verbot der kommunistischen Partei hätten sich die Sozialdemokraten aus grundsätzlichen Erwägungen widersetzt; aber den"Agrariern ist gar nicht eingefallen, es zu fordern. Denn das hätte doch wahrscheinlich eine Stärkung der Sozialdemokratie bedeütetl Die Unaufrich tigkeit«der agrarischen Politik wird jedoch besonders im Hinblick auf di« Tatsache offenbar, daß sie seinerzeit, als der Bolschewismus bei uns eine politische Macht war, den Kampf gegen ihn der— Sozialdemokratie überlassen hat, nichts sehnlicher wünschend, als daß der«Pfahl im Fleische der Sozial, demokratie" diese soviel wie möglich schmerze. Heute aber macht die agrarische Presse aus dem polittschen Nicht S, das die Kommunisten gegenwärtig bedeuten, ganz iin Sinne und nach dem Wunsche der Goebbels-Propaganda einen fürchterlichen Popanz. Dabei aber hätten die tschechi» -scheu Agrarier^ die über den entscheidenden Ein» fluß auf die Exekutive verfügen, öle Möglichkeit, Seite 2 Donnerstag, 7. Jänner 1037 Nr. S die angeblichen Auswüchse der»bolschewistischen Gefahr" zu beseitigen, ohne daß Herr Vranh auch nur einen Trppfen seiner kostbaren Tinte verspritzen müßte! Der Tschechoslowakei droht vom Bolschewismus leine Gefahr, Wohl aber von jenen» Nationalsozialismus, der Wie die diesen» ergebene hei- inische Presse aus dem»Antibolschewismus" fein kümmerliches geistiges Dasein fristet. Die hitler- deutschen Lügenblätter, die gegen die Tschechoslo- walei in der rüdesten Weise schreiben, verletzen das empfindliche antibolschewistische Gemüt der agrarischen Redalteure überhaupt nicht, obzivar sie auf deü» Wenzelsplatz viel öffentlicher feilgeboten werdest als angeblich jene gefährliche bolschewistische Literatur. Und die offene» und versteckten Feinde der Republik, die in allen nationalen Lagert» zt» finden und an ihrem anlibolschewtstl« scheu Geschrei zu erkennen sind, genießen die wohl- MerkblStter für Haushaltungen Wir haben bereits einige Male darauf auf- »nerksam gemacht, daß die größten Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung des Deutschen bleiches in der Fettfrage liegen. Schon seit November bekommt man in Deutschland Fett nicht frei zu kaufen, sondern der Fettbezug ist auf Grund der sogenannten Kundenlisten bei jedem Kaufmann geregelt, wobei jedem nur 80 Prozent deS bisherigen Fettbezuges geliefert werden soll. In Deutschland wurde nun allen Haushaltungsvorständen ein „Merkblatt über Fettbezug ab Jänner 1037" zugestellt, das uns vorliegt. Cs beginnt zunächst mit einer allgemeinen Darlegung, der Situation. ES heißt da: „Bekanntlich ist Deutschlands Fellversorgung ■ noch zu einem verhältnismäßig hohem Anteil vom AuslandSbezuge abhängig. Die Bevölkerung wirb daher ihre« Fettverbrauch so regeln müffen, wie es die Möglichkeiten deS AuölandSbczugeö im Rahmen des BierjahrrSplanes erfordern." D. h. mit anderen Worten, die Bevölkerung wird den Fettverbrauch einschränken und den Riemen enger ziehen»nüssen. Bevor von den übrigen Fetten die Rede ist, wird dargelegt, daß die sogenannte Konsummargarine, welche pro halbes Kilogramm 0,63 RM kostet „noch noch gegen Verbilligungsscheine B und besondere Margarinebezugscheine nach hiefür erlassenen Richtlinien" ausgegeben wird. Was die anderen Fette betrifft, wird gesagt:. Der Absatz der..ührigest Fette von Erzeuger ... bis zum Einzelhändler wird durch besondere Anordnungen des Reichsernährstande» geregelt und überwacht. Die Einzelhändler und Metzger beab- ■ sichtigen die Verteilung dieser Fette an den Verbraucher unter Beachtung des eingangs erwähnten Grundsatzes ab Jänner 1937 an Hand von ,F«nbe«liften" durchzuführen, um zu vermelden, daß ein Kunde zum Nachteil der andern im gleichen Zeitraum mehrmals oder verhälMiSinäßig günstiger beliefert wird. Ohne Eintragung in die Kundenliste wird kein Fett abgegeben werden, auch nicht an Inhaber von FetwerbilligungS- und Margarine-BezugS- scheinen. wallendste Förderung der agrarischen Journalistik I So stellt sich denn,, da» antibolschewistische Treiben der agrarischen Presse picht nutz/' al- höchste politische Unaufrichtigkeit dar, sondern al- offener Verrat an den? außenpolitischen Interessen des Lander, als Hilfeleistung für Herrn Goebbel-, der fein hetzerische», vornehmlich aegest dieTschechoslow a l e i gerichtetes,„antibolschewistisches" Wirken vor der Weltöffentlichkeit von der Presse der größten tschechoslowakischen Äoalitionspartei gerechtfertigt erhält. Die„Patrioten" in der agrarischen Journalistik scheinen weit davon entfernt zu sein, vor den Folgen ihres politischen Spiels Sorge zu empfinden. Umso nachdrücklicher sei die demokratische Oefsentlichkeit auf die Gefahr aufmerksam' gemacht, die aus der antlbolschewlstischen Hetzarbeit der agrarischen Journalistik erfließtl Um zu gleichmäßiger Verteilung zu kommen, wird ferner der Personenstand de» Kunden berücksichtigt werden. Jeder Kunde darf für Speck, Schmalz und Talg nur in einer Kundenliste eingetragen sein, für alle übrigen Fette lButter, Pflanzenfett, Speiseöl, Margarine-Mittel» und Spitzensorte) nur in einer weiteren Liste. Um Doppeleintragungen zu vernieiden, wird die Eintragung in die Kundenllsten nur auf Grund von „HauShaltunglnachweisen" vorgenommen werden. Die Eintragung ist auf den HauShalwngönach- weisen zu vermerken. Der Haushaltungsvorstand hat für alle zu seinem Haushalt gehörenden und in seinem Haushalt mindestens einen Monat voll beköstigten Personen sVerpslegungSgeineinschaft) den Antrag auf Seite 1 auszustellen. Die Formblätter werden von den Gemeinden in gleicher Weise verteilt und wieder eingezogen wie bei der Personen- standSaufnahme vom 10. Oktober. Wohnen, mehrere Familien in einer Wohnung, so hat jede Familie, die einen eigenen Haushalt sührt, einen besonderen Antrag auSzustellen. Das gleiche gilt für Untermieter, die nicht im Haushalt ihre» Vermieter» volle Kost erhalten. Der Antragsteller hat nicht nur den Antragsvordruck auszufüllen, sondern auch in dem anhängenden Vordruck für den HaurhaltSnachwei» die Bezeichnung de» Haushalte». Die für die Ausfüllung vorgesehene Frist ist auf alle Fälle einzuhalten, Anträge, die nicht rechtzeitig durch den Hausbesitzer oder dessen Vertreter(Hausverwalter, Haurwgrt) übergeben werde«, können erst Anfang Jhnner durch, Ein-, zelabstrtigung" erledigt wtrdtsi. Er finden sich dann Bestimmungen über sogenannte Selb st Versorger und Teil- selbstersorger. Die ersteren sind solche, die mehr al» 80 v. H. ihre» bisherigen Fettverbrau-, che» aus eigener Wirtschast oder durch Postpaketbezug bzw. Deputat beziehen und überhaupt keine Haukhaltsnachweise erhalten. Teilselbstversorger sind solche, welihe nur einen Teil ihre» bisherige»» FettverbraucheS aus eigener Wirtschaft oder anderen Quellen beziehen. Bon diesen beiden Kategorien heißt es: ES wird erwartet, daß die Selbstversorger und Teilselbswersorger sich in ihrem Fetwerbrauch derselben Beschränkung unterwerfen, wie die anderen Volksgenossen. Die Richtvorsorgon, als», die städtischen Konsumenten, die bekommen allenfalls weniger Fett -«geteilt als früher. Bon,den Bauerst" wird nur erwartet, daß sie sich einer Beschränkung des Fetwerlranche». unterwerfen, ohne das» irgend ein Zwang auSgeübt wird. Aus dieser Bestim- mung allein ist schon zu ersehen, wie ungleichmäßig die Einzelnen. Schicht« der Bevölkerung jene, Opfer"zu tragen haben,, die dein deutschen Volk durch die foreierte Ausrüstung aufgebürdet Werden. Im übrigen sind die ausgegebenen Merkblätter ein d'ok um entartscherBeweiS Washington. Im Kongreß waren Be- mühnngen im Gange, die Flugzeugsendung sür die spanische Regier»«-, die der Waffenhändler Richard Din le« eben im New Barker Hafen abfertigt, durch gesetzgeberische Maßnahmen»»»ch im letzt« Moment zu vereitel». Die Emdung, die au- 18 Flugzeugen besteht, soll einen Wert von 2.8 Millionen Dollar haben u»»d auf Rechnung deS spanischen Gesandten in Mexiko gehen. Die Sendung kam den amerikanischen Behörden, die eine strenge Neutralitätspolitik einschlagen, sehr ungelegen, doch bot daS bestehende Neutralitätsgesetz bei Bürgerkriegen keine Handhabe zu einem Verbot. Der Vorsitzende des AuhenauSschuffeS Pitt- m a n hatte jedoch eine Resolution auSgearbeitet, durch welche die Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Spanien ausdrücklich verboten und unter strenge Strafen gestellt werden soll. Man erwartete, dah die Resolution, die von» Präsidenten untersertigt werden muß, bi» Donnerstag von beiden Kamme« angenommen werden und sofort in Kraft treten lärmte. Inzwischen suchte der betreffende Exporteur die Verladung der Flugzeuge nach Möglichkeit zu beschleunigen, um,die Fracht an Bord de» Dampfer»„Marcantabrico" noch rechtzeitig aus dem Pari». Die Agentur HavaS meldet auS Istanbul, daß der türkische Ministerprästdent, die Minister für auswärtige Angelegenheiten und deS Inne« sowie dervhrfdeSGeneralsta- b e s und der Leiter der Staatspolizei am Mittwoch in ESki-Chehir in Südanatolien eingrtrof- fett find, wo am Nachmittag auch dfr Präsident der Republik A t b t Ürk eintreffen fasste»md wo ein wichtiger Ministerrat stattfinden wird. An politischen Stellen mißt man der gegenwärtigen Lage und dieser Sitzung große Bedeü- tustg bei. Am Abend kursierten in Parts Gerüchte auS Londoner Quelle, wonach die Türkei die Absicht habe, fichdeSÄandschakS von Ale- »andre tteznbemächtige«.Dies» Gerücht« haben durch die Agentur HavaS bisher weder eine Bestätigung noch ein Den»«ti erfahre». An türkischen parlam«tarifchen Stellen wird die Annachgiebigkeit Frankreich- in der Frage deS Sandschaks von Alexandrette stark kritisiert und au» der türkischen Verstimmung kein für den Fetlmangelin Deutsch» land,,.der sicher nicht dazu.beitragen wird die Gesundheit der deutschen,Rasso>zu heben und die Popularität. des nativnalsbzlalistischtn Regimes zu steigern..' Es wäre übrigen» eine dankbare Aufgabe Mr die.„Zeit", das Hauptorgan der sudeteniwut» scheu Partei,-ihre Leser über die Schwierigkeiten der Nährung-mittelversorgung ist» Dritten Reich zu informieren.' Das iväre allenfalls wichtiger als die Abbildung des Olympia-Ehrenzeichen-, da» der Führer und Reichskanzler Herrn Konrad Henlein verliehen hat) Bereich der Dreimeilengrenze zu bekommen. Eine Menge Dockgrbeiter arbeitete fieberhaft die ganze Nacht, um noch zur Zeit fertig zu werden. Doch die gesetzgebenden Körperschaften ar- beitetm in diese»» Falle außerordentlich schnell: Die Resalntion, di« die Waffenausfuhr verbietet, wurde auch vom Senat»roch am Mittwoch Nachmittag mit erdrückmder Mehrheit angenommen. Inzwischen war der Dampfer„Mareanta- brieo" mit der Flngzeugiladima bereits um 13 Uhr 4b Ortszeit auö dem New Aorker Hafen ausgelaufen. Der Bericht über den Senatsbefchliist wurde jedoch sofort telephonisch' nach New Bork übermittelt m»d unverzüglich verließen Küstenwachschiffe sowie ein Flugzeug den Hafen, welche de» Damöfer bei Sydny Hook, als» noch innerhalb der amerikanischen HoheitSgewässer, einholten und zur Rückkehr nach Brooklyn zwangen. Nach den letzten Meldung« erfolgte die Einholung des DampferS jedoch nicht im Zusammenhang mit der Resolution über daS Berbot der KrlrgSmaterialauSfuhr, finde« nur wegen einer Zollformalität, nach deren Erledigung der Dantpfer wieder auSlanfen konnte. Er befindet sich bereits anf hoher See in voller Fahrt nach Earthagena. Hehl gemacht. An politische» Stell« wird die Entwicklung mit Besorgnis verfolgt m»d di« Befürchtung ausgesprochen, daß Komplika.tio» ne« eintreten könnten, welche zu einem emst« französisch-türkisch« Konflikt führen, könnten. Auch Rückgabe Mossuls verlangt? Wie„Daily Herald" auS Jerusalem'berichtet, beabsichtige dse'TÜrktl,'d"eMälhsti>le Rückgabe der O e l g e b i e t e v» n M o s s u l zn verlangen» die die Türkei nach dem Kriege nur unter Protest an d« Irak abgetreten hat. DaS Blatt meint,. daß die Rechte der von britischen Interessen kontrollierten Jmk-Petroleumgesell- schaft im Falle einer Rückgabe deS Gebietes nicht berührt werden würden. Die Türkei rechn« auf «in freundschaftliches Einverständnis Englands, daS dieses schon bei der Behandlung der Dardanellen-Frag« bewiesen habe. AlS Alternativlösung für die Wiedereinverleibung deS Mossul- GebieteS in die Türkei werde die Gründung einer unabhängigen kurdis^e» Republik unter türkischem Einfluß vorgefchlag« werden. Ole Fettnot in Deutschland Dramatischer* Kampf um Minuten USA-KongreB wollte Flugzeugsendung nach Span en verhindern Türkischer Handstreich gegen Alexandrette! Das Kaffeehaus in der Seitengasse „Ersten» will ich ihn einem Onkel schenken, der ein leidenschaftlicher Bienenzüchter ist. Und zweiten»—", Er beugte sich über den Ladentisch, sagte ganz leise, sie mußte nahe kommen, um ihn zu verstehen: „... und zweitens gefällt mir das Fräulein, da» den Leitfaden für Bienenzüchter verkauft". „Ich bin im Dienst, mein Herr". „Wie lange?" „Bis halb sieben". „Also um sieben im East". „Pünktlich»»m sieben". „Auf Wiedersehen, Carola!" •'„Auf Wiedersehen, Billy".— ES regnete, eS regnete seit drei Stunden mit lähmender Monotonie. Die Leuchtschrift de» Cafi Finsterbusch schlvamm in einem rötlichen Nebel, vom Schirmständer rann ein kleiner Bach in langem Zickzacklauf quer durch den Raum. Ca» rola tanzte mit Drexler, Billy sah zu ihr herüber, auf seinem Klavier lag ein schmächtige» Buch, auf grünem Grund braun und gewölbt ein Bienenkorb. Auch Jsckbella tanzte, mit Baal, mit Genno, Mit Mittelmeier,),, Sie trug ein neue» Kleid, Hugo kannte es nicht, sie sah schlank au» in diesein Kleid, jung, sie lackite, das Lachen saß ganz tief in Ihrer Kehle, in diesem weichen, faltenlosen Hal». Sie tanzt mit Baal, mit Genno, mit Mittelmeier, dachte Hugo, aber ich werde diesen Hals küssen, heute Nacht, meine Hände werden auf ihrer Haut brennen, sie ist nur für mich da. Pelikan fuhr ihn an, er bediene zu langsam, er sei faul geworden, der Herr vom Tisch neun sei weggegangen, weil er nicht eine halbe Stunde auf den Kaffee warten wollte. Der Herr sei keine drei Minuten dagesessen, erwiderte Hugo, er sei kein Zauberer, er könne den Kaffee erst bring«, fobald Ludmilla ihn eingegossen hatte. Pelikan solle sich an Ludmilla wenden. „Du hast mir nicht zu widersprechen", sagte Pelikan. „Ich lasse mich von Ihnen nicht zurechtweisen". „Ich werde es, Herrn Finsterbusch sagen. Du hältst Maulaffen feil, statt zu arbeiten, und bist obendrein frech". „Sie können es sagen, wem Sie wollen". Pelikan sah Hugo scharf an. Er sagte langsam, Wort um Wort:' „Ich würde an deiner Stelle vorsichtiger sein. Ob du Liebschaften hast oder nicht, geht da» Taft nichts an. Aber der Dienst darf nicht darunter leid«, daß du eifersüchtig bist". Hugo packte Pelikan an der Brust, drängte ihn an die Mauer. „Was geht das Sie an? Sinh Sie mein Vormund?" „Ich bin dein Vorgesetzter, und ich habe darauf zu achten, daß du deinen Dienst versiehst, weiter nicht»". .„Aber Pelikaü", rief Ludmilla,„lassen Sie Hugo doch in Frieden". Pelikan lehnte ast', der Mauer, fei««,Füße brannten, jeder Schritt bereitete ihm Schmerzen. Schweiß trat auf seine Stirn, er riß den Krage»» auf, warf die Serviette in den Winkel, fiel in einen Sessef. „Ich kann nicht mehr weiter", jammerte er. „Ich schaff'» nicht mehr, e» wächst, mir über de» Kopf". Ludmilla brachte ihm ein Glas Wasser. Finsterbusch kam, fragte, horchte sie au», sie gab keine Antwort. Finsterbusch schrie: „Ich will wissen, ivaS hier los ist! Ich dulde keinen Zank unter meinem Personal. Ihr fliegt alle, wenn ihr euch gegen mich verschwört". „Niemand zankt und niemand hat sich der« schworen?» sagte Ludmilla und ging zu, ihre»» Kesseln.„Pelikan ist müdgelaufen, jede» Lastpferd wird einmal müd, und Hugo ist nervös. Die Schinderei richtet ja den Stärksten zugrunde". Hugo nahm die Tassen, trug sie an die Tische. Du bist nur eine Hand, sagte er sich, sie brauchen nur deine beiden Hände, du bist nur ein Stück Hirn, ein Gedächtnis, du mußt dir merken: Tee Mit Zitrone, Kaffee, nicht zu dunkel, ein Butterbrot, Bier. Auf ein Herz hast' du kein Recht; Mange da» Licht in diesem Raum brennt, steht dein Herz still, sie bezahlen deine Hände, sie wollen, daß du nichts anderes bist als Hand.Wenn Gerlcitner sein Messer zieht und deine Hände abschneidet, bist du überflüssig,^' wenn sie' deine Hände begraben, verwest Leist ganzer Leib,, du katinst durch die Straßen laufen und tzusen: Ich hab' doch noch mein Herz; sie lachen dich aus und ihr Gelächter fegt dich fort, „Pelikan," rief Genno,«ich will zahlen, ich hab heute Geld, ich zahle heute, die ganze Rech- nung." Pelikan rafft« sich auf, er tastete sich an der Wand entlang, an der Säule blieb er stehen und schöpfte Atem, die Luft war heute keucht, sie legte sich auf, die Lungen, seine Augenlider waren schwer, in der Stirn saß stechender Schmerz. „Ich hab wa» Mr Sie-" rief Drexler)'Er zog seine Brieftasche, zwischen' den Banknoten lagen'Kuverts.«Da schauen Sie, Pelikan, idle ist selten," Er wie» auf eine Marke.„Wollen Si-. sie haben?" Pelikan nickte, er ,sah die Marke nicht, er wollte zurück, in seinen. Winkel, es war gleichgültig, ob die Marke selten war oder wertlos, ein bunter Fleck mehr in dem Heft, er wollte seine Füße endlich von dem brennenden Schmerz befreien, ein Pulver nehmen, damit es stiller wurde hinter der Stirn; er sah auf di« Uhr, es war halb zehn, vor halb ein» kam er nicht in» Beit. Zwischen den Briefen in Drexlers Tasche lag ein Blatt, mit der Maschine geschrieben, das in der linken Ecke, grellschwarz, da» Zeichen trug, jenes, Zeichen, das auf den Fahnen und Armbinden über die Straßen gespenstert«, das bei beit Aufmärschen vorangetragen wurde wie ein Tabernakel. Billy beMerkte daS Blatt, Drexler schlug die Tasche schnell zu,'schob sie in' den Rock. Er trank'sein Bier aus, zahlte u«d ging. „Haben Sie den Brief.gesehen?"'fragte Carola. Billy nickt«. «Sie kennen Drexler doch gut. Glauben Sie, daß er zu denen gelaufen ist?", Billy hob die Achseln.„Er hat in der letzten Zeit viel Geld. Früher geizte er mit jedem Groschen. Die Sache kommt mir verdächtig vor, Carola." „Sie sind sein Freund. Sie können,ihn offen hur Rede stellen." „Es geht mich schließlich nicht» an, Er kann tun und lassen, was er für güt hält,. Aber es ist eine große Gefahr für ihn. Er. ist Soldat. Wenn er zu jenen gehört, spielt er, ein doppeltes Spiel,- Es kann ihn sejm Karriere kösttzn." .„Sie(müssen mit ihm darüber reden. Si« sind al» sein Freund dazu verpflichtet. Sie, dürfen nicht wart«, bis er sich, soweit damit einge« lassest,hat, daß er' nicht mehr zurückkann."• ,'„Ich hab meine eignest Sorgen, Carola. Ach soll in ein paar Wochen eine ,Prüfung''ablegen, und habe' noch nicht die Hälfte deS Pensums erledigt. Ach werde es auch, nicht erledigen,' ich hgbe weder die; Zett dazu,, stoch die Ruhe. Das klügste wäre, alles stehest ustd liegen zii/lassen/ die dummen Formeln, die man nicht im Kops behält',rstnd- die dummen Noten, die mir den Schädel zersprengest, und mit Drexler zu gehen."' .(Fortsetzung folgt): Nr. 6 ttonnetgtag, 7. Jänner 103? Seite 3 fudetendeutsefie r Xeitepiegcf Wenn die SdP In die Gemeinden einzieht... dann wird der nationale Durchbruch auch in der Kommunalpolitik erfolgen, dann wird dem nationalen„Verrat" der„Splitterparteien" ein Ende gemacht werden, dann werden die Gemeindestuben Stätten mannhaften nationalen Kampfes fein, dann wird man es den Hraniöaki schon zeigen I So ähnlich hären wir seit dem Mai 1088 die' Agitatoren und die Presse der Henleinpartei drohen und verkünden. Inzwischen ist die SdP in einige Gemeinden eingezogen. Rühmliche» und besondere Erfolge hat sie nicht zu verzeichnen. Oder doch? In Hareth bei Brüx ist die SdP am ü: Dezember 8 Mann stark als stärkste Fraktion in die Gemeindestube eingezogen. Die Gemeinde hat eine deutsche Mehrheit'(11:7) und hatte bisher einen deutschen Vorsteher. Als nun am 80. Dezember die Borsteherwahl durch die neue Vertretung stäitfand— die„F r e i h e i t" hat darüber bereit» am 6. Jänner berichtet— reklamierten die acht SdP-vertreter ihren gesetzlichen Anspruch auf dzn ersten Stellvertreter. Den bekamen sie, aber sie schieden nun auch au» der Wahl im Plenum au», wo sechs Tschechen den zwei deutschen Sozialdemokraten und einem deutschen und einem tschechischen Kommunisten gegenüberstavden, Infolge dieser BerhältniffeS wurde nun natürlich ein Tscheche,_ der Nationalsozialist Sova gewählt. Dabei wären die Tschechen mit einem deutschen Vorsteher einverstanden gewesen und wollten ihre Stimme dem deutschen Sozialdemokraten Drescher geben. Aber man kann schließlich von den Tschechen nicht gut verlangen, daß sie deutscher sein sollen als die SdP und auf die ihnen von den Henleinleuten verschaffte Mehrheit verzichten sollen. Für die deutsche Treue und Mannhaftigkeit der Henleinbertreter ist bezeichnend, daß sie vor der Wahl selbst erklärt hatten, Drescher sei der einzige zum Vorsteher befähigte deutsche Vertreter. Dann kamen sie mit der Ueberrumpelung, durch welche die zur Mehrheit deutsche Gemeinde zum erstenmal einen tschechischen Bor st eher erhielt. Run wissen wir also ungefähr, wie es sein wird, wenn die SdP in die Gemeinden einzieht. Für kommende Gemeindewahlen eine recht nützliche'Lehre! Henlelnarbelter fdr den Klassenkampf Wir hchben in unserer vorgestrigen Ausgabe auf einen Arbeiterbrief an die„Zeit" hingewie- fen, in dem Beschwerden gegen das unsoziale verhalten der deutschen Industrie erhoben wurden. Heute können wir mit einer anderen, viel deutlicheren Stellungnahme eines HenleinarbeiterS dienen. Die in Mährisch-Schönberg erscheinende Henleinzeitung„Die Front" druckte in ihrer letzten Ausgabe den Bericht über eine Betriebsstillegungsverhandlung ab, in dem es u. a. heißt: „... Wit geben der Hoffnung»«»druck, daß n«n endlich einmal der gute Wille und auch ein wenig Bescheidenheit lei den Herren Arbeitgebern . am Platzt' wäre.— Eine» müssen wir aber den Steinarbeiten» gnrufen: Organisiert Euch, steht hinter Euren Gewerkschaften«nd ihre» Vertretern, wie der Unternehmer heute hinter seinen Organisationen und ihren Vertretern steht. Wir wollen keinen Kampf, e» liegt nur Prager deutsche Abendsendung Im Dezember In objektiver Weise haben wir da» ganze Jahr hindurch versucht, jenen Teil der deutschen Sendungen, der durch die günstigere Sendezeit, also täglich zwischen 18 und 10 Uhr, zum wesentlichsten geworden ist, zu würdigen, Mängel fcstzustellen und deren Abhilfe zu fordern und so al» einzige deutsche Zeitung in der Republik,, einen Kontakt zwischen Hörer und Sendeleitung herzustellen. /Zum Schutz de» Abhären»— wenigsten» zu den Wend« und Feiertagsstunden— fehlt noch immer, da» S t ö r g e s e tz, wie ja der deutsche Sen der vorläufig auch erst ein versprechen ist, obwohl dem Postministerium an Rundfunkgebühren der Deutschen, Millionen von Kronen jährlich zufließen.' Unser Wunschzettel an die für da» Pro-' gr a mm verantwortlichen Stellen ist nicht kleiner geworden. Die von Politikern erfolgreich begonnenen A u» s p r a ch e n über die verschiedensten Probleme di» Staate» sind stecken geblieben, diesozia- Ien R.Vortagen au» unseren Randgebieten fehlest, A u» t au fchsendungen mit dem tschechischen Rundfunk müßten organisiert werden, um die kulturelle.Annäherung zu fördern, die 8 u st k w o ch en schau durch Originalaufnahmen ergänzt und aulgebaut, der K u l t u r b e r t ch r vom Tage irchalt»reicher werden; im wirtschaftlichen R eli.eff vermissen wir moderne Gedanken,, wie wir Borträge über: andere Lände r. vermissen, weil wir den Lügen unserer GoebbeUpresse entgegentreten müssen, die die Zu- an den anderen Herren,«n» nicht den K a m P f aufzndrängen, denn dann sind wir te- reit, ihn für die A r b Eiters ch aft durch zuführen. Die Arbeiterschaft wird‘ es verstehen, ihre letzte« Rechte zu behaupten,\ auch wenn Gesetze ander» anSgelrgt«erden sollten." Da» Ist eine treffliche Illustration zu dem VolkSgemeinschaftSschwefel der Henleinabgcord» neten. Während diese den Armen zur Freude der Reichen Versöhnlichkeit predigen, lernen die Armen am eigenen Leibe die Notwendigkeit erken- »eg, gegen die besitzenden VolkSgemeiNschaftler mit den Mitteln de» Klassenkampfes zu Felde zu ziehen. ES ist erfreulich, daß der Mißerfolg der von Henlein zugesagten sozialen Erziehungsversuche nicht einseitig ist und daß sich die Henlein-Arbeiter Verstand genug bewahrt haben, da» betrügerische Spiel zu durchschauen, da» im Namen der Volksgemeinschaft mit ihnen getrieben werden soll. Dia SdP und unsere Theater In der„Zeit" reibt ein Herr I. Mehle seinen Kren zur sudetendeutschen Theatersrage. Die„Volkszugehörigkeit" der Autoren paßt ihm nicht und auch nicht die«Zusammensetzung unserer Schauspielertruppen". Da er aber anderseits„wertvolle Stücke der anderen Völker" aufgeführt wissen will, enttarnt er sich selber: Einerseits der Antisemitismus soll die sudetendeutschen Theater retten, anderseits größere Bevorzugung der dramatischen Produktion des zeitgenössischen Deutschland, die er für„hochwertig" erklärt. Mit all dem erklärt sich die„Zeit" selber einverstanden, indem sie in einem Motto(das lustiger Weise von Friedrich Hebbel unterschrieben Istl), nur den konkreten Vorschlägen de» besagten totalitären Theatermannes gegenüber Vorbehalte niacht. Wahrscheinlich sind diese Vorschläge, läppisch genüg, selbst der„Zeit" zu dumm. Man stelle sich nur vor, daß unter anderem der Turnverband in jeder Theaterstadt Arbeitsstellen schaffen soll, die einer tzauptstelle unterstehen, und daß alle diese„Stellen" das sudetendeutsche Theaterwesen entscheidend beeinflussen sollen I Wir sind überzeugt, daß ein Rest guten Geistes das Sudetendeutschtum davor bewahren wird, seine Theater den„Karteien" auSzuliesern, die dem I. Metzle vorschweben. Wo immer bisher die SdP sich inTheater» angellpgon h e i t.e n, e j st g e.m j s ch t hat, erlitt sie kläglich Schiffe b r u ch. Mit ihren eigenen Theatergründungen hat sie unvergeßliches Pech gehabt und nicht minder mit ihren kleinen Revolutionen gegen diverse Stadttheater. Relchenberg und in oen jüngsten Tagen Gablonz lieferten deutliche Be- weise. Schön sähen die sudetendeutschen Theater aus, wenn ihre Spielpläne, wie es der Mehke wünscht, sich nach denen im Reiche richteten, wo die zeitgenössische dramatische Produktion vor leeren Häusern feilgeboten wird. Und daß dem sudetendeutschen Theater damit geholfen wäre, wenn die Großmütter sämtlicher Schauspieler den Anschauungen der„Zeit"- entsprächen, dürfte im Grunde nicht einmal die Großmutter des Herrn Metzle glauben. - Natürlich verkennen tvir nicht, daß derartige SdP-Aspirationen eine gewisse Gefahr für unsere Bühnen bergen. Aber wir überschätzen diese Gefahr auch nicht, denn insbesondere auf dem Gebiete der Kunst wird sich gerade in. unserem Lande da» Volk nicht. von öden Rasse« stände besonders in demokratische« Ländern verzerren. Die Akt» a l i t ä t e st' dse» Pressebüros benötigten dringend, einer Verlebendigung, wie wir wünschten, daß der schwächste Teil der deut« schest^Abendsendung, der L a n d wirte fun k. endlich zu positiveren Leistungen käme. Die Beunruhig wn g Eu r.o p.a», die Gefahren für den Frieden, verdrängten«n Dezember fast alle anderen, sonst üblichen Vorträge au» dem Interesse de» Hörer» und er verfolgte'mit Spannung jene Sprecher, die sich mit den Fragen der Gestaltung des politischen Leben» in Europa befaßten. Dir wollen an erster Stelle chie Rede!» Staat»- p rästd en te n Dr. B e nej erwähnen, die in qllen Zeitungen ihren Widerhall fand. Wir freu«, ten un», daß ein tschechischer Staatsmann in unserer' Sprache aufrichtige.und wahr« Morte sprach, die girade in dieser Zeit, uuM düngender waren.— Prof. Oskar Ara u» wÜRfigte al»,Philosoph, nicht al» Politiker, die menschliWÄufgabe des Präsiden- im,. dessen Politik der Demokratie au» den wissen«., schaftlichen Erkenntnissen der Humanität schöpft,—t Mt. 8 äk beschäftigte sich mit D em o k r a t i e und F r i e d e nunderklärte, daß auch die nationale Frage nur friedlich gelöst werden kann. Genosse Jaksch sprach im' Rahmen der Arbeiter-, spndung über Raum, Zeit und Nation. Sein Vortrag wird da» Berständni» für den tieferen, Sinn der-Nation gefördert haben. Genossin Erna H,a b, e.r z e t t e l fand ergreifend schöne Gedanken' zur Weihnachtszeit; die Welt von heute, in der Bom- I bett und Grämten auf wehrlose Frauen und Kinder ! geworfen werden, wurde einer zukünftigen friedlichen, und- sozialistischen entgegengestelli. Kein Priesterwort war. so...wirksam,, wie die.dichterisch hohe Sprache dieser Frau, auf die wir stolz sein können. In einer Politikern gängeln, sondern einzig und allein von den Werten und Unwerten de» Spielplan» und der Ensembleleistungen bestimmen lassen. Wir ' haben schwere Mängel im sudetendeutschen Thea» \ terbetrieb zu einer Zeit schon festgestellt und bekämpft, da Volk und Land noch vom SdP-Thea- ter verschont war. Und wir sind fest davon überzeugt, daß die Abwegigkeit henleinistischer Theaterforderungen e» uns nur erleichtern wird, bei der inneren Belebung und Verbesserung unsere» Theaterwesens mitzuwirken. Leo Trotzki und— Kurt Lindner. Die „Rote Fahne" vom 8. Jänner bringt eine Notiz, daß am 20. Dezember in GraSlitz der deutsche Antifaschist Kurt Lindner verhaftet wurde; man beschuldige ihn, politisch„gegen Deutschland" gearbeitet zu haben; am 6. Jänner werde er nach Deutschland ausgewiesen werdet» und diese Ausweisung nach Deutschland würde für ihn den sicheren Tod bedeuten.„Wird sich da", so fragt da» Blatt schließlich,„Ivenigstens einer der Herren rühren, die sich so wann für das Asyl des konterrevolutionären Terroristen Trotzki eingesetzt haben?" Auf diesem letzten Satz liegt das Schwergewicht dieser Notiz der kommunistischen Zeitung; er zeigt, daß gewisse Leute in der kommunistischen Bewegung selbst die erbärmlichste Gelegenheit benützen, um den Sozialdemokraten eine» auSzuwtschen, tveil wir seinerzeit die Treibjagd gegen Trotzki nicht mitgemacht haben. Zudem haben unsere Erhebungen ergeben, daß die erwähnte Notiz in ihrem wichtigstem Teile nicht ivahr ist, Lindner hat die Aufenthaltsbewilligung in der CDR, jedoch beschränkt auf den Bezirk Laun. Weil er sich aber unberechtigt zuerst in Prag und dann in GraSlitz aushielt, wurde er verhaftet. Die Aufenthaltsbewilligung ist zwar mit 81. Dezember 1080 abgelaufen, doch hat Lindner rechtzeitig um Verlängerung angesucht. Solange sein Ansuchen nicht erledigt ist, darf er sich unbehelligt im genannten Bezirke Laun aufhalten. Lindner kann sich also ohneweitereS nach seiner Freilassung nach Laun begeben und dort die Entscheidung über sein Ansuchen abwarten. Die„Freunde de» Konterrevolutionärs Trotzki" haben also gar keine Gelegenheit, sich für Kurt Lindner einzusehen und der von der„slioten Fahne" abgeschossene Giftpfeil prallt auf sie selbst zurück. Neubau der Saazer Post. Dienstag fand eine Baukommission wegen deS Neubaues eine» Postamtes in Saaz statt. Es wurden der Ktaupnerj- hof und ein Ten des MariannenhoseS besichtigt und schließlich vereinbart, mit der Abtragung der in Frage kommenden Baulichkeiten spätestens End- Jänner zu beginnen, da am 1. April bereits der fertige Bauplatz zur Verfügung gehalten werden soll. Die ebenfalls zur Kommission gekommenen Anrainer haben gegen den Beginn der Abbruchsarbeiten nicht» eingcwendet. Da da» Postministerium den Bauplatz so bald haben will, ist zu erwarten, daß auch Heuer noch mit dem Pau begonnen werden wird, wa» natürlich nur im Interesse der Stadt und ihrer Bewohner läge. Allerdings müßte das Ministerium daran denken, daß es in Saaz selbst eine große Anzahl tüchtiger Baumeister und Gewerbetreibender gibt, die ganz gut die in Frage kommenden Arbeiten leisten könnten, so daß eine Ausschreibung in hiesigen Blättern wünschenswert wäre. Das von». Abbruch entstehende Schuttmatevial wird zum Zuschütten de» toten Egerarme» verwendet, während brauchbare Steine zur Straßenpslasterung verwendet werden. .Nachtsendung wurde ein Vortrag Dr. M a r a» vorgelesen, der sich gleichfalls mit dem Wert der D e m o k r a t t'e gegenüber den Diktawren befaßte. Nur wurde sein Bortrog recht mangelhaft vorgelesen, wodurch er an Witcksamkeit große Einbuße Witt. . In den Arbeitersendungen wurde im Rahmen der aktuellen zehn Mi nuten gleichfalls nicht versäumt, der politischen Lage de». Staate» und der Ereignisse im Ausland, insbesondere in Spanien, zu gedenken, wobei nie der Gefahren eine» neuen Deltbrande» vergessen wurde. — Josef Blau gelang e» in einem Vortrag über die B ä h m erw ä l d l e r Haust ndustrie Mehr zu sagen,,al» e» da» Thema verlangt. Karl Mob. S ch w arz.stellte am Ende de» Jahre» eine w i r t- s ch a f t l i ch e Betrachtung an, die, wie immer. wenn erhübet: wirtschaftliche Dinge spricht, klärend lebe« verständlich formuliert war. Ein Kotmagender von der deutschen Bau e r n s rh u l e in Uller»dorf kam auch auf die Volkshochschulen in Dänemark zu sprechen. W i r waren immer diejenigen, welche auf diese» Beispiel her Zusammenarbeit zwischen Bauern und Arbeitern auf kulturellem Gebiete hinwiesen, unserem ,Hung- bauern" über paßt der heutige Zustand in Dänemark nicht. Soll daran vielleicht die demokratische Zusammenarbeit zwischen Arbeitern- und Bauern schuld sein. Dr. Viktor Aschenbrenner hatte e» wiederum darauf angelegt, hen Bauern zu sagen, e» hätte für sie keinen Sinn, wenn sie für ihre Ge« m e i n d e b sichersten Klassiker und Philosophen(wie z. B. Hegel) anschafften; e» lese sie spwteso keiner! Solchen Wegen der Bauernbildung wsrde« wir nicht folgen können.- Au» diesen drei Vorträgen spricht ein Geist, der nicht au» diesen Lan- Agrarbches Neuheldentum In der letzten Zeit haben die Auseinandersetzungen zwischen der agrarischen und katholischen Presse im tschechischen Lager schärfere Formen angenommen. Urheber dieses Pressekampfes ist der„Venkov", dessen Leitung wahllos auf alles loshaut, bald auf die Sozialisten, bald aus die Klerikalen, bald auf die auStvärtige Politik. Die katholischen Blätter lasseit die Angriffe nicht unerwidert und machen ihrerseits auf gewisse antichristliche Anschauungen aufmerksam, die sich in der Agrarpartei regen. Als eine solche geradezu heidnische Anschauung bezeichnet man in katholischen Kreisen das sogenannte„Gesetz de» Bodens", aus dem geradezu ein neuer Gott gemacht wird, lieber diesen landwirtschaftlichen Herrgott war in der agrarischen„Domovina" Nr. 46, Jahrgang 1086 folgender Erguß zu lesen: „Beten wir zn unserem ewigen Gott, zu unseren Feldern, Wiesen, Wäldern, Hügeln und Bergen, znm Wasser und zur Sonne, beten wtr zum landwirtschaftlichen Gott, zu unserer Mutier Natur, ihr sei für immerdar Ehre und Lob där- gebracht". Solche Stimmen, die einen besonderen landwirtschaftlichen Gott, sozusagen einen eigene» Gott siir die tschechische Agrarpartei predigen, erwecken naturgentäß die heftigste Opposition auf katholischer Seite. So schreibt der katholische „Venkovan": Wir haben nichts dagegen, will jemand glauben, daß er die Schöpfung irgend eine» Gesetze» de» Boden» ist, da» seine grüne Seele sonnt, aber dann darf er nicht sagen, er sei ein Christ, geschweige denn ein Katholik. Für einen Katholiken, der glaubt, daß Gott die Welt verwaltet und lenkt— und nicht irgend ein Gesetz des Boden»— ist das„göttliche" Gesetz des Bodens ausgesprochenes Heidentum." Deswegen könne lein gläubiger Katholik, so meint das Blatt zum Schluß, in der Gesellschaft jener bleiben, die das Gesetz des Bodens predigen. Wohin Herr Branh die Agrarpartei noch hinführen will, ist ein Rätsel. Wenn Füchse aufs EiS tanzen gehen. Auf dem Schulteich bei Karbitz beobachteten schlittschuhlaufende Kinder wiederholt Tiere auf dem Eise, die jedoch nicht in die Nähe der Kinder kamen.(Eilt Gutsbesitzer stellte fest, daß cs sich um Füchse handelte. Eines der eislaufenden Raubtiere ivurde erlegt. In der Nähe des Teiches fand man in einem Strohschober eine Höhle, in der sich die Fuchsfamilie aufgehalten hatte. . Zwangsversteigerung■ eine»- Karlsbader GrosjeaftS. Der wirtschaftliche Verfall der großen Gaststätten in den westböhmischen Kurorten schreitet weiter fort. Ausgleiche und Zwangsverwaltungen sind an d«c Tagesordnung. Für den 28. Juni d. I. wurde die ZwangSper- steigerung des bekannten Etablissement» Schweizerhof in Karlsbad angesetzt, die von der Ofenfabrik Hofmann in Hokowie betrieben wird. Der Schätzwert des Unternehmens beträgt nahezu zweidreiviertxl Millionen K6. Ob sich ein ernster Interessent finden wird, ist freilich eine, andere Frage. Geburtenrückgang im Erzgebirge bis zu 8» Prozent. In der Mehrzahl der Erzgebirgsgemeinden, die zum politischen Bezirk Brüx gehören, wird ein besonders starker, bis 80prozentiger Geburtenrückgang festgestellt. So kamen z. B. in Neudorf während des ganzen Jahres 1036 nur 10 Kinder zur Welt, gegen 40 bis 48 Geburten in den Vorjahren. Die Zahl ter Todesfälle überwiegt nahezu durchivegs die Nengeburten. deSgrenzen kommt, sondern von drüben, und der, wenn er einmal Früchte tragen wird, dem deutschen Bauern schwereren Schaden zufügen dürfte, al» es Mißernten und Naturkatastrophen zu tun vermögen. Franz Ritter vom DHB konnte sich erst jetzt, vor aller Oeffentlichkeit, mit dem Problem eigener Angestelltenkrankenkassen beschäftigen, worüber von un» seit Jahren gesprochen wird. Er tat eS nicht gerade objektiv, war wahrscheinlich davon befangen, daß die„eigene DHB-Kafka- Kranlenkassa doch noch manchen Schönheitsfehler aufzuweisen hat. Sein Vortrag trug nicht dazu bet, da» B rirauen de» Angestellten zu den eigenen Angestell« tenkrankenkassen zu heben. Es gab im Dezember einige gute Hörspiele, vor allem Front. Langers„Reiterpatrouille". Das Spiel„Hie Räuber von Maria-Kulm" wat zu konstruiert, um restlos befriedigend zu wirken. In musikalischer Hinsicht brachte der Dezember ein schöne» Konzert au» Ostrau unter Georg Singer» Leitung, Pros. Langer am ilemballo mit alten Weihnachtsliedern war HörenI- wert, dann in einer Hörfolge über- Josephine Du« schak, eine berühmte Prager Sängerin, die schöne Stimme Fine Reich-Dörichs. Auch dis'Lieder Arthur W i l l n e r S sollen belobt werden, nut wäre e» auch einmal an der Zeit, einen guten Sänger an da» Mikrophon zu lassen. Eine Dichter stunde zu Rilke» .10. Todestage war stimmungsvoll und mit guten Sprechern versehen. Zwei Kulturberichte — von L. G o I d s ch m i d t und Dr. Mara» — bauten sich ausgezeichnet in den Rahmen her kulturell wertvollen Sendungen ein- RichardB äuml> Sette 4 LonnerStag, 7. Jänner 1037 Nr. Ü Vom Rundfunk Empfehlensmerte» an» den Programme»!■ Freitag:. Prag, Sender I: 7: Morgenkonzert, 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Opernszcncn, 17.05: Mozart: Quintett ES-Dur, 18.10: Deutsche Sendung: Abg. Schütz: Die Wirtschaftsnot und der sodeten« deutsche Verständigungswille, 18.20: Heimat, Staat und Volk, Paul Leppin:„Prag"um 1000", 18.85: Arbeitersunk: Aktuelle zehn Minute«, 18.55: Deutscher Kulturbericht vom Tage, 19.85: Mifitär- konzert, 22.25: Tanzmusik. S end er II: 7,80: Sa- lonorchesterlonzert, 14.15: Deutsche Sendung: Klassische und moderne deutsche Lyrik, Hörfolge, 14.50: Deutsche Presse, 18.20: Salonguartett.— Brünn: 15: Rundfunkorchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Sportnachrichten.-— Preßbnrg: 12.85: Mit- tflgskonzert, 10.10: Slowakische Lieder.— Mähr.» Ostrau: 18.10: Populäres Konzert, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Machatschek: Erblichkeit und ihr« Bedeutung, Flötenkonzert. Während die.„nationalen" Soldaten meist nur blaue Bohnen und Flissgerbomben an die Bevölkerung verteilen, sind sie hier also überaus humäm Das Bild mit"den. spanisch.kostümierten Leuten hat nur einen Fehler: Das Au to hat, d e.u tlich si chtba r, e in e re i ch s d e u t sch e Nu mm e rl Was ist da passiert? Entweder benützen die„nationalen" Truppen infolge der strengen Nichteinmischung Deutschlands d eut s che L a st wa g e n: die sogar.mit ihrer deutschen Nr. in Spanien' herumfahren, öder—; was in diesem Fall mehr Wahrscheinlichkeit füt sich'hat—.‘hie deutschen B i ld aü'f n a h m e n„aus Span ien"si n dgefälscht, sind-in de u-tschon Ateliers hergestellt und stellen wie' so'viele Prodülte-des Dritten/ReicheS einen-groben S ch w i n d e l dar. Für dieArbeitSmSthoden der deutschen Propaganda jedenfallS eincharakteri- stischeS Beweisstück! N-esneuigLMn. 75, In der viertcn immerhin noch auf 50 Gulden. Balkonplätze gar'werden unter-der Hand bis zu 200 Gulden' gehandelt. Von den meisten Geschäftshäusern, durch deren Strasten, der Hoch- zeitSzug kommen wird,- ist bereits bekannt, dast sie ihre Schaufenster an das Publikum vermieten und. auf diese Weise an einem einzigen Tag be- Riickgang des Fremdenverkehrs. Der„Beker« nik Prävo Lidu" macht darauf aufmerksam, dast im Jahre 1036 viel weniger Fremde in die Tschechoslowakei gekommen sind als«in Jahr zuvor. Während im Jahre 1035 der Monatsdurchschnitt jener Ausländer, die in der Tschechoslowake» wenigstens einmal übernachtet haben, 300.000 betrug, sank dieser Durchschnitt im Jahre 1036 auf.-150.000,. der.Ausländerverkehr war also, im Jahre-1086- nur- einhalbmal so grost wie 1035. Das Mait schätzt, dast die Ausgaben der Ausländer von 1085 bis 1036 von 180 auf 00 Mil. lioncn KL zurückgegangen sind. Hier müßte energisch. durchgegriffen werden. .. Zusammenstoß in den.Lüften.. Zwei von zwei Unteroffizieren gelenkte, von einem stimmt mehr verdienen werden, als ihnen ein gewöhnlicher Warenumsatz einbringen kann,. Bon .einem Konfektionshaus erzählt man sich, daß es an einen: einzigen Schaufeustcr alleiy 2000 Gulden verdient.... Auch In Bellsien ist da» Interesse'an der Hochzeit grost:-Schon End« Dezemher waren fast sämtliche.Fernfahrt-Autobusse ab Brüssel ftir Anfang Jänner ausverkauft und ab Antwerpen wird man zu Schiff nach Schcvcningen und das kleine Reftstück zum Haag mit der Eisenbahn zu- rücklcgen. Zuversicht Bon Max Hermann-Neisse (Aus dem Gedichtband„Um uns die. Fremde", erschienen iin Verlag Oprecht in Zürich.). Mag ringsum sich Haß und Zwietracht ballen unduldsam Mann gegen Mann bestehn, überall Signal zum Angriff schallen, Fahne mörderisch an Fahne weh«, wieder Kriegerisches fich entfalten und geduckt im Dunkel Blutrausch lauern, dennoch wird der Frei« sich erhalten und den Sieg des Bösen überdauern. Wenn gewissenlos und ohne Zügel Die Gewalt da» Leben an sich reißt, über Ihrer Burg mit weißem Flügel bleibt in seiner klaren Luft der Geist. Muß di« Wahrheit abgewürgt verstumme» und Gerechtigkeit sich selbst verraten, atseit».#»» den blutbefleckten, krumme« Wege» führt der Steig zu Menschheitstaten. Fester find dl« wenigen verbunden, die. der rohen Lockung widersteh» und in friedlich schöpferischen Stunden durch den Garten ihrer Lieder gehn, guten Willen» ihre Werk« bauen, ob die Welt auch ring» in Hatz erkaltet: .denn der Zukunft kann getrost vertrauen, wer dl« reine Flamme wohl verwaltet. UebungSfluge helmkehrende italienische Wasserflugzeuge stießen bei der Landung zusammen und fielen aus einer Höhe von 300 Metern in den Braccianö-See. Die beiden Piloten fanden den Tod. Fakirkunststücke mit tödlichem AuSgang. Bel der Silvesterfeier in Boulah(Elsah-Lothringen) führt« der 81 Jahre alte Nicolas Muller, verheiratet und Vater von drei Kindern, im Kreise einiger Freunde im Cask Bachap verschiedenerlei Kunststücke auf, mit denen er auch, als durchtrainierter Sportler angesehen, an der Tischrunde großen Erfolg erzielte. Durch seine Erfolge wurde er immer ausgelassener und begann schließlich, sich Wangen und. Hals mit Nadeln zu durchstechen. Anscheinend ohne Schmerz zu. verspüren, wiederholte er einige Male diese Fakirkunststückchen. Damit nicht genug, zog er plötzlich sein Taschenmesser aus der Tasche. Ein Stoß und Muller hatte sich das Messer in die Brust gerannt. In aller Gelassenheit zog er die Klinge wieder aus der Wund«, klappte sie za und steckte das Messer in die Tasche, indem er sagte:„Das macht mir ebenfalls nichts auSI" Plötzlich aber klagte er über ein Unwohlsein und gab kurz darauf vor den entsetzten Augen seiner Kameraden den Geist auf. (E%t Passagier springt au» dem Flugzeug. Ein Passagier stürzte sich am 4. Jänner aus dem Flugzeug Köln—Brüssel, das um 14.20 Uhr in dieser Stadt«intraf. Man glaubt, dast Selbstmord vorliegt. Den erlangten Auskünften zufolge hatte das Flugzeug zehn Passagiere an Bord, darunter Herrn W., dessen Nationalität noch nicht bekannt ist. Herr W. traf in Köln- im Taxi zwei Minuten vor Abfahrt de» Apparates ein. Herr W. soll sich aus dem Flugzeug gestürzt haben, als dieses in 1000 Meter Höhe bei ruhigem Wetter über den Wollen flog. Diese Hypothese ergibt sich aus der Tatsache, dast der Pilot einen kleinen Stost verspürte. Herr W. begab sich zuerst nach dem Waschraum. Seitdem sah man ihn nicht wieder. Neben der Tür fand man Spuren eines Versuchs,- der darauf schließen lästt, daß der Passagier die Tuchumhüllung zerreißen wollte. Ein Brite in China ermordet. Einigen Nachrichten zufolge haben Schmuggler einen-dem chinesischen Zollamt in Ktvantschuan zugeteilten bri» ilschen Beamten ermordet. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet. DaS Flugzeug„Praga-Baiy", welches die französischen-Flieger Raynaud und Fauvel-zum Rekordflug Paris—Dakar verwenden wollten, Wenn die Thronfolgerin heiratet Pläfcehandel Im Haag— Am Laterhenpfähl Dia Geschäfte der Photographen— Im Schaufenster Den Haag.- Jeder will teilhaben an der königlichen Hoch- zeit am 7. Jänner— der eine, indem er.zu schaut, der andere dadurch, dast er seinen eigenen Platz einem Dritten gegen Bezahlung überläßt. Ein Summen und SNrrcn geht durch diese knapp -100.000 Menschen umschließende schöne Stadt in der Nähe der Nordsee. Ueberall, wohin man hört, ist da» Thema der Unterhaltung immer nur die Trauung am 7. Jänner 1037... „Promrnadensitze" auf der Latem« ES war bisher nicht möglich, einwandfrei herausznbekommen, durch welche Straßenzüge der Hochzeitszug führen wird. Eben diese Unklarheit bedeutet ein großes Geschäft für alle diejenigen, die es verstehen, ihr Köpfchen anzüstrcngen. Kurz und gut: mindestens ein Drittel des ganzen Haags lebt zur Zeit von einem erstllassigen Handel mit Zuschauerplätzen aller Art. Je findiger der betreffende Kopf, um so origineller die Idee. Nicht allzu tvcit vom Zen trum der Stadt hat ein Geschäftsmann ztvei ihm gehörende Laternenpfähle vor seinem Hau8 stehen. Wie diese Tatsache lukrativ verwerten? Nun, man vermietet sie au einige Photographen. Jeder Pfahl hat drei eiserne Ringe, an denen sich jeweils ein Photograph fcsthalten oder„an seilen" kann. Bei einem Preis von 25 Gulden pro„Ring-Stehplatz" bedeutet das ein solides Geschäft von 75 Gulden pro Pfahl, zusammen 150 Gulden I Drei Gulden für«In HochzettStild ES ist natürlich unmöglich für einen Photo graphen, derartige Platzmieten auszuwerfen, wenn er nicht weist, dast er seine Ausgaben wieder herciubelommt. Aber in dieser Beziehung herrscht nirgends im Haag Sorge. Eine ganze Reihe Photographen sind schon jetzt im Besitz von festen Aufträgen, die ihnen 3 Gulden für eine einzige Aufnahme bringen! Die Besteller sind meistens bessergostellte Kaufleute und dergleichen, die diese Bilder teils sür ihre eiqenen Alben(fast jeder Holländer schließt in seine Familiensamm lung die Bilder der königlichen Familie ein) kaufen, teils si« unmittelbar mit der Luftpost nach Riederländisch-Jndien weitersenden, um ihren dort in den Kolonien tätigen Verwandten, Freunden usw. eine Ueberraschung zu bereiten. Spieglein, Spieglein an dem Stiel... Das größte Geschäft aber ist unzweifelhaft die Vermietung der„Besenstiel-Gucker".. Mehr als ein Duhend,.-Fabrikänten sollen bereit» nach dem Haag gekommen sein, um hier ihren Groß angriff mit„Besenstiel-Guckern" dürchzuführen. Was das ist, ein„Besenstiel-Gucker"? Nun, viele werden sich noch erinnern, daß man sogenannte „Spiegelreflex-Gläser" bekommt, die an der Spitze eines langen Stiels angebracht sind Und mit denen man Hinwegschauen kann über die Köpfe der davorstehenden Menschenmenge. Davon gibt es eine ganze Reihe Systeme, englische, bel gische..£nt weltberühmten„Tivoli" in Kopen hagen sind diese„Besenstiel-Gucker"— diesen prosaischen Namen haben übrigens die Amster damer geprägt— schon seit Jahren sehr beliebt. besonders beim„Japanischen Theater". Mit dem Spieglein an dem Stiel sieht man von der Hoch zeit viel— so ungefähr preisen die Fabrikanten ihre„Volks-Operngläser" an: und der. Erfolg lästt auch nichts zu wünschen übrig: Man red: bereits von 10.000 verkauften Exemplaren. De Vorteil bei dieser Sache ist der, dast man mit de: „Besenstiel-Gucker" überall hingeben kann: wohi mau Lust hat, während die Mieter von feste Fenster-' oder Dachplätzcn^festgenagelt" sind im nichts dagegen machen können, wenn der Hoch zcitSzug plötzlich andere Straßenzüge bevorzug als man vorher angenommen hat. 40 Gulden für einen Dachsltz Trotzdem gehen natürlich auch Fcnstcrplät und Dachsitze reißend ab. Besonders findis Hausbesitzer, deren Häuser über flache Däch: verfügen, haben bereits eine Reihe von„Plätzen sür 30 bis 40 Gulden das Stück vermietet. Ai begehrtesten sind natürlich die Fensterplätze i der ersten oder zweiten Reihe—100 Gulden dc Stück! Plätze in.der dritten Reihe stellen sich a: Wie Aufnahmen von spanischen Bürgerkrieg entstehen In dem Heft 84 der hitlerdeutschen Zeitschrift„Der deutsche.Rundfunk" sind«ine-Reihe „B i l d c r v o m span ischen Bürger! eieg" erschienen.’• Photos, und zwar Aufnahmen: Scherl, Weltbild und Atlantic. Unter den interessanten Originaläusnahmen findet-sich-auch die hier folgende mit-dem Titel: Soldaten der nationalen Mllltärgruppe verteilen Vorräte an die Bevölkerung Start In Zlln Zu einem(Seschäftsflüs um die Weit Zlin.(Tsch. P.-B.) Nach einer Reihe sorgfältiger Vorbereitungen ist' Mittwoch vom Flugplätze in Zlin-Bakov um halb 11 Uhr vormittags der zweimotorige Eindecker„Lockheed. Eleetsäk' mit I. A. B a t a, vier Reisenden und vier Mann Besatzung an Bord zu einem GcschäftSfluste um die Welt gestartet. Dieser Fluh ist das größte Unternehmen in der Geschichte der HandclS- Flugexveditionen. Der Chef der Baka-Werke will aus eigener Anschauung die Bedürfnisse und Wünsch« der Kunden kennen lernen und persönlich die Voraussetzungen und Bedingungen ermitteln, unter denen eine Entfaltung des Exportes ans der Tschechoslowakei möalich ist. Zum Flugplätze in Bakov strebten seit deut frühen Morgen nicht nur aus Zlin, sondern auch aus der nahen und fernen Umgebung ganze Reihen von Automobilen und Autobussen. Bis zum Start hatten sich auf dem Flugplatz über 1000 Personen auf dem Gelände vor dem Startplatz versammelt. Während der Apparat sich zu einem Probeflug erhoben hatte,- verabschiedete sich I. A. Bata im Werksrundfunk von allen Mitarbeitern in den Werkstätten mit einer Ansprache. Nach dreistündigem Fluge ist das Flugzeug InVenedig gelandet. Die Expedition beabsichtigt, einige der leistungSfähiasten italienischen Unternehmen zu besuchen und dann In der weiteren Etappe nach Nordafrika weiterzufliegen. war gezwungen, unweit von Lyon zu notlanden. DaS Flugzeug wurde beträchtlich beschädigt, di« beiden Flieger kamen aber, ohne Verletzungen davon. Hotel zur GtftgaSkultnr. Für den Dau von Hotels in Jtalienisch-Ostafrika sind zwei Gesellschaften gegründet worden. DaS Grundkapital der einen Gesellschaft.beträgt 12 Millionen Lire und kann bis auf 100' Mill. Lire erhöht werden, das Grundkapital der zweiten Gesellschaft, welche den. Betrieb in den Hotels besorgen wird, beträgt 1,800.000 Lire und kann auf 15 Millionen erhöht werden. O, wie human! Der RelchSerzlehungSmInister macht in einem Erlaß hinsichtlich der Frage der Entziehung der Doktorwürde darauf aufmerksam, daß sich einer deutschen Doktorswürde in jedem Falle als unwürdig erweist, wer gemäß dem Reichsgesetz über den. Widerruf von Einbürgerungen der deutschen StaatSzugehörigkeit für verlustig erklärt worden ist, nicht aber schon derjenige, dessen Einbürgerung lediglich aus rassischen Gründen widerrufen wurde. Auch rechtfertige die Tatsache der jüdischen Abstammung allein nicht die Entziehung der Doktorwürde. — Und da sage noch jemand, daß Hjflzr die Juden unterdrücke! Er läßt sie zwar verhungern» aber-al» Doktoren. Die Pariser Polini verhaftete in den vergangenen Tagen auf dem Pariser Ostbcchnhof die beiden ungarischen Staatsbürger Weist und Lebowitz und. den Tschechoslowaken Ernst Jckovicz, da in den Doppelböden ihrer Koffer sür 400.000 Franken Gold gefunden wurde, das sie aus Frankreich schmuggeln wollten. Das Gericht hat die Angeklagten auf ihr Verlangen provisorisch in Freihett gefetzt, nachdem sie eine Kaution von 20.000. Francs erlegt hatten. Parade der Homo-Fleet: Im Rahmen de« Krönungsfeierlichleiten wird König-.Geoxg VI. von England am 20. Mai auf der Höhe von Spithead eine, große Flottenparade abnehmen, an der die gesamt«' britische Heimatflotte mit etwa 50 Einheiten-aller Klassen teilnehmen wird. ,- Konjunktur in Tribünen. Das englische Sön« deramt für den Bau der Tribünen anläßlich des KrönüngSumzuge» hat seine ersten Arbeiten-abge- lchloffen, das'sind Vergebung an- verschiedene- Baumeister und Baufirmen. Das Rtinisterium-für-öffentliche Arbeiten hat angeordnet, dast die zu errichteten Tribünen strenge» Belastung-Proben unterworfen werden, damit absolute Sicherheit garantiert les. Von den großen Ausmaßen der Tribünen zeugt bttlim* stand, dast nur jm The. Mall- und Hyde-Park-Ab- schnitt an 80.000 Sitzplätze sein werden. Der Preis wird wahrscheinlich 5 Pfund 5 Schilling(zirka 785 XL) für e i n e n Sih betragen. Der„Lallor-Üing"(Segler-König). Aehnlich wie König Eduard VIII., der eine graste Vorliebe sür da» Flugwesen an den Tag legt«, ist König Georg VI, ein leidenschastlicher Seefahrer, und ist auch- Ingenieur der königlich-britischen Flotte. In der nächsten Zeit wird mit dem Bau der neuen königlichen Nacht unter der fachmännischen Aussicht des König» selbst begonnen werden, der-die Maschineneinrichtung de» neuen Schisse» selbst überwachen, wird., Der Prei» der Freiheit,(j) Der Landarbeiter Berger,'der.in Budapest vor Gericht kam, will-er die Tochter eine» Gutsbesitzers, bei dem er arbeitete, ermordet hat, stach sich im Gefängnis beide Augen aus. Laut den ungarischen Gesetzen brauchen Blinde-keine Gefängnis» und keine Zuchthausstrafe zu verbüßen. Auf-diese Weise wird Berger wieder freikommen.' Di«„SteschlchtSsirschungen" de«- Fra»' Ludendorff.(j) Frau Mathilde Ludendorff, die sich einen Weltruf(der Lächerlichkeit allerdings) durch' ihre „Feststellung" erworben hat, derzüsolge Schiller: von Goethe vergiftet worden sei.ist jetzt wieder-einen) „schaurigen Mord" auf di« Spur gekommen: Soeben erschien ihr neu«» Werk:„Da» Leben-und derge« waltsame Tod von Mozart", in dem' sie.„nachweistl-, daß Mozart ebenfalls vergiftet worden sei, und zwar Von niemanden-anderen als vom. Bischof.-von Salzburg. In Oesterreich, würde dar Machwerk per« botem--< Nr.L TonnerStag, 7. Jänner 1037 Seite 5 nung des spanischen Staates hatten im Herzen der ff b t Jugend unir’itv den breiten Massen freudigen llllfiffllVjr regierte über den niedergeschlagenen Massen der« gänge, di- zwischen 1910 und 1984, als cs keine ...» 4««! hmfIirfit nnß. fcinp.rsHr fcttit* 9IitÄfiHhitnr» li?-, 1)MstMscKast tuul StMÖulpolttife Streiktage 707.000' 887,000' 221.000 Streiks 201' 288 229 Frankreichs und Deutschlands" Streitkräfte, (ie) Der eben veröffentlichte Bericht zuin Etat des französischen Kriegsministeriums für 1987 1 enthält einige interessante Angaben über die relative Stärke der Landheere, über die Deutschland und Frankreich im Jahre 1987 verfügen werden. Danach wird Deutschland bereits im Frieden über ein« Armee von 1,080.000 verfügen. Die Zahl der ausgebildeten Reservisten wird auf 8.8 Millionen geschätzt. Außerdem gibt es noch 1,800.000 Menschen, teils Teilnehmer des letzten Krieges, teils Personen, die eine abgekürzte militärische Ausbildung genossen haben. Boi dieser letzten Kategorie handelt es sich offenbar um jene Jahr- zlvar kein« permanente Revolution, aber einen permanenten 80. Juni).,'...DI« Hochschulgrupp« des NSDStB... dient der Charaktererziehung,..> um- Widerhall gefunden. Unterirdisch wurde der; Kampf gegen die herrschende MIlltärlamerilla weitergeführt. Zehn Monate nach jener Rede Unamunos im Athenäum in Madrid trat der spanische Diktator unter dem Druck der Massen, zurück. Die ausgeschriebenen Wahlen bestätigten die Boraussage des Dichterphilosophen: der Geist ist gegen die Bajonette Sieger geblieben. Der 14. April 1981 wurde zum Geburtstag des mündiggewordenen spanischen Bolles. Doch die neugewonnenen politischen Rechte «nutzten durch soziale Maßnahmen im Bolle verankert werden. Wieder entbrannte ein erbiitertec Kampf zwischen den Mächten der Reaktion. Blutig wurden die Arbeiterinaffen, die gerechten Lohn forderten, niedergeknüppelt. Achtzehn Monate Aus dem Falkenauer Revier Antrag auf Verlängerung der„Prager Vereinbarung** Das Falkenauer, Reviersekretariat der Union der Bergarbeiter richtete, wie wir dem„Glückauf" entnehmen, im Name«« der vertragschließenden Verbände des Falkenauer KohlenreviereS an den „Berg-"und hüttenmännischen Verein" eine Zu« schrist mit dem Verlangen nach Verlängerung der sogenannten„Prager Vereinbarung" zum Schuhe gegen Massenentlassungen von Betgar- beitern. ES wird beantragt, den PaffuS betreffend He'Einzelkündigungen wie"folgt zu formulieren:-«Die Einzelkündigungen dürfen bei den «sstzelnen Betrieben monatlich«in Prozent des Mannfchastsstandes vom l. Jänner 1987 nicht Übersteigen". . Bor einigen Tagen ist das ereignisvolle Leben des spanischen Dichterphilosophen Miguel de, Unamuno.lautlos zu Ende gegangen. In Salamanca ist er zur lehten Ruhe getragen worden. Seine beiden Söhn« gaben dem Toten das Gclejt. Die faschistische Behörde hat keinen Vertreter zu der schlichten Trauecfeier entsandt. In der gesamten Weltpresse konnte man lediglich eine kngppgehaltene Notiz lesen, die vom Hinscheiden Miguel de Unamuno berichtete, während die gleichen Blätter dem Tod der Waffenhändlers Zaha- roff vielspaltige Artikel widmeten. Aber der greise Gelehrte und Dichter, de« einsam, mißverstanden und verleumdet In Salamanca starb, verdient, datz seinem jahrzehntelangen literarischen Wirken, seinem leidenschaftlichen Kampf für die Erweckung und Verwirklichung demokratischer StaatSideen im spanischen Volke ein« verständnisvolle Würdigung zuteil würde. Im Kanondonner de» furchtbaren Bürgerkrieges, der die besten Söhne de» Volkes, Frauen und Kinder mordet, der die mordgerüstete Macht des Faschismus in seiner ganze«« Brutalität offenbart, in dieser Stunde des Grauens, ist nicht Raum noch Zeit, um das Bild dieses selbstlosen und aufrechten Geisteskämpfers aus dem EhaoS parteipolitischer Kämpfe zu lösen. Wenn hier trotzdem- versucht werden soll, einen flüchtigen Abriß vom Wesen und Werk dieses Manne» zu neben, so vornehmlich aus dem Grunde, weil das Bild seine» Charakters in' den politischen Wirren der lehten Monate sich verdunkelte, weil Freund und Gegner der Ideenwelt Unamuno» seine Person als Kronzeugen für die Richtigkeit ihrer Handlungen aufgerufen haben. Die politischen Rechtsparteien haben in dem spanischen Dichtcrphiloso- phen den Träger einer neuen demokratischen Ordnung bekämpft— die politische Link« hat seine »Flucht" au» Madrid mißdeutet— so stand ec am Ende seine» Lebensweges, umwittert vom Hatz der Parteien. Er, dessen ganzes Sein der Befriedigung und Demokratisierung seines Volkes gegolten hat. ' Wenn Unamuno, der die Macht des Geistes stet» höher schätzte als die Gewalt der Bajonette, in der Stunde des Bürgerkrieges zur Seite trar (keineswegs ins faschistische Lageri), so kann an daS Beispiel eines andern humanistischen Kämpfers erinnert werden, der In nicht minder großer historischer Stunde e» ablehnte, in einer der kämpfenden Parteien einzutreten, weil er glaubte, seinem Lebenswerk so am besten zu dienen—«S war der gröhe Humanist EraSmuS von Rotterdam. Gleich 1inem"föelliMsen Gelehrtest dcssch'eideüdtrt Mittelalters, der in der weltgeschichtlichen Auseinandersetzung zivischen Papsttum und Reformation freiwillig in den Schatten des selbstgewählten Exils trat, versuchte der hohe Siebziger Unainu» noS abseits der kriegführenden Elemente sein LebenSwerl zu beenden. Wenn es Miguel de Unamuno auch nicht mehr vergönnt ist, dei« sieghaften Triumph einer neuen demokratischen Ordnung über den faschistischen HerrschaftSklünget zu erleben, so hat er doch seinen politischen Freunden keinen Zweifel darüber gefasst», daß es für ihn weder eine Versöhnung noch gar eine Bindung gibt zwischen jenen faschistischen Abenteurern, die sich als„Vaterlandsret- ter" ausgeben und seiner eignen demokratischen Zielsetzung., Noch kurz vor seinem Tod verstän- ! digte er die Weltpresse, daß seine so vielfach miß. deutete„Flucht" aus Madrid nicht, eine Rechtfertigung oder gar Zustimmung zur faschistischen Barbarei bedeute, sondern daß er nichts sehnlicher wünsche, als das der Gedanke der Menschlichkeit -— die große Volksdemokratie in Spanien siegen Möge. Die faschistischen Machthaber quittierten die aufrechte Gesinnung diese» Manne» durch demonstratives Fernbleiben bei der Trauerfeier. Bevor Miguel de Unamuno in die Arena des politischen Geschehens trat, wirkte er als Ge« fchichtsprofeffor an der Universität Salamanca, schrieb literarische Essays, biographische Abrisse, Romane, Novellen, Theaterstücke." Er hatte schon die Fünfzig überschritten, als die«uroväische Geisteswelt'sich mit der Gedankenwelt di-'cs eigenwilligsten Schriftstellers, Kritikers und Pädagogen des Modernen Spaniens zu beschäftigen begann. Dje literarisch bedeutsamst« Leistung Unamuno» stellt zweifellos sein- Werk'„Bida de- Don Opi« chotte ySancha" dar. Una,nuno knüpft mit seiner Darstellung vom Leben des Don Quichotte an das berühmte Werk von E-rvante» an und unternimmt es, die eigentümliche Gestalt'dieses spanischen BolkShelden zur symbolhaften Figur deS geistigen Menschen im neaenwartSnahen Svanien umzuwqndeln. Persönliches Erleben verbindet sich in dieser originellen Nachdichtung mit'fiitischen Erkenntnissen« denn Unamuno, als.erbitterter Feind alfts. Doktrinären, als. entschiedener Gegner jedes Dogmas, fühlte sich" in. der dumpfen spanischen GeisteSatmvsphäre gleichsam in di- Rolle des Don Quichotte.'gedrängt. Auch er muß ähnlich wse sein legendärer Held gegen die„Windmühlen" seine» Lande» kämpfen, wobei er stch mit bittrem Huitzor bewußt isst dsttz er genau so wenig, Wie sein sagenhafter Vorgänger, auf wirkliche Helden treffen würde, di«.er zueinemernsthgftenWett- kamyse herauSsordern könnte".' Denn jin Spanien der,Vorkriegszeit dominierte al» herrschend« Macht" ein«, hoWftsin« Aristokratie und ein reaktionäre'! Klerus«"Menschen, die im Winde der öffentlichen Melstüstg wohlgefällig uitd mit übertriebener Wichtigkeit Arme und Beine drehten, gleich jenen Wie sie die Löhne drücken! . Wir lesest in der„VerbandS-Zeitung", dem Organ de» Fabrikarbeiter-Verbandes« -'-.In der mährisch-schlesischen Press« ist vor kurzem folgendes Inserat erschienen:.Marmorschleifer in warmer Maschinenschlelftrei, für Akkordlohn KC 10.—: pro Quadratmeter, wird für Dauerarbeit.zum sofortigen Eintritt gesucht. W. Semeräk u. Co., Steinindustrie in Olmüh.".Diese Firmen glauben wohl, daß sich.ha von der Kris« auch die Marmor- Mauern noch Nötig und überhaupt Möglich ist) t.., Windmühlenfliigeln, gegen die ein Don Quichotte angerannt ist. Nicht durch sein umfängliches und vielseitige» literarische» Schaffen wurde Unamuno einer größeren OeffentUchkeit bekannt, sondern durch seinen unerbittlichen Kampf, den er gegen die korrupte Monarchie und später gegen die Militärdiktatur führte. Die aktive Geistigkeit Unamunos würde zum öffentlichen Ereignis, al» im Herbst 1928 Primo de Rivera die erst« spanische Militärdiktatur, errichtete und die Volksvertretung beseitigte. Damals bekannte sich Unamuno öffentlich als entschiedener Republikaner und radikaler Demokrat, der sich die Ausgabe gestellt hatte, gegen da» anachronistische KönigStum und die Diktatur des Säbels zu wirken. Als er, unterstüht von einigen Studenten und Intellektuellen, seinen Feldzug für die Erneuerung des politischen Leben» begann, in öffentlicher Versammlung den König al» einen Feigling und die herrschende Militärkaste als Volksfeinde bezeichnete, schickte man ihn in die Verbannung. An der Einsamkeit des Fsscherdörf« chenS Port CabraS stählte sich die Widerstandskraft des sechzigjährigsn Dichterphilosophen. Freunde entführten und retteten Unamuno nach Frankreich. Der Sturz Primo de Rivera» rief den verkannten Dichterphilosophen in sein Vaterland zurück. Sein Erscheinen auf spanischem Boden gestaltete sich zu einem Triumphzug. Im Athenäum in Madrid sprach Unamuno in den ersten Tagen des Mai 1930 vor einer vieltausendköpfigen Menge:«Ich bin stolz darauf, den Bajonetten de» Militärs meine Feder entgegensetzen zu können und den bewaffneten Soldaten meine Truppen de» Geistes— die Studenten— entgegenzuschicken.. Der Geist hat sich gegen den Säbel zur Wehr gesetzt und bereits der Militärdiktatur mehr geschadet als jede bewaffnete Revolte,... die Diktatur der Militärs wird vorübergehen und allen wird Gerechtigkeit widerfahren. Aetzt geht nach Haufe; ich aber werde auk die Straße gehen, um zu predigen und die Stein-, werden mich hören und rebellieren. Ihr aber werdet in der Stunde, die die Befreiung anzeigt, kommen und mithelfen, und zwar auf der Straße, die euch gehört I" Der begeisterte Jubel, der seiner kühnen Rede folgte, wiederholte sich in Salamanca, in Barcelona und vielen spanischen Städten. Spaniens Jugend erkannt« in Unamuno ihren geistigen Führer und ging ans Werk, di-, Universitäten zu Hochburgen der demokratischer« Idee auszubauen. Die gemilderte Diktatur des Generals.Berenguer schloß.zritweise.die. Universitäten' in"Madrid;'Barcelona' und'Salamanca." Gegen die Anhänger UnämunöS wurden" Strafmaßnahmen ergrifft»— der Vorkämpfer der Demokratte mußte ein zweitesmal ins Exil wandern. Doch Unamunos Ideen von der Neuord- Dle Streikbewegung Im 3ahre 1936 Die Arbeiterschaft kämpft unter Führung ihrer Gewerkschaften um die Wiedererringung von Löhnen, die ihr eine Menschenwürdige Existenz ermögliche«« sotten. Es ist die Schuld der Unternehmer, datz dabei in zunehmendem Matze die schärfst« Form des Kampfes, nämlich der Streik, in Erscheinung tritt. Denn die Lage der Mehrzahl.der Jndustrieünternehmungen hat sich durch die, Produktion»- und Absatzbelebung so. gebessert, datz eine Erhöhung der tiefen Krisenlöhne durchaus möglich wäre' Im Jahre 1988 hat sowohl die Zähl, der Streiks als auch di« Zahl der an ihyen beteiligten Personen und die Zahl der Streik,tage gegenüber dem Vorjahre erheblich zugenommen. IN den erstenzehn Monaten der lehten drei Jqhrp wurden gezählt:" arbeite«:. betroffenwurdem für diesen Lohn von Ui«J’m« 10^— pro Quadratmeter Arbeiter finden werden, wo bei anderen Firmen, soweit die» un» bekannt ist, für Marmorschleifen KC 28.—• per Quadratmeter bezahlt werden. Unerhört ist«8. wenn von den Ar«, bessern verlangt wird. Um einen so niedrigen Lohn, Ehrgesetz war längst reformbedürftig,(Methode zu arbeiten. Bei höchster Anstrengung kann«in 1 Reichstagsbrand)... Di« SS wird in dieser Be° Arbeiter in der Woche acht bi» zehn Quadratmeter'»t-hung... di« Studentenschaft entscheidend b-ein. Marmorstei««schleifen, Mn einem solchen«dienst; kann ein Arbeiter Nicht leben. Dazu kommt noch, daß bet Mann in der Fremd« lebest mutz und nutzer-..„. d-m noch für sein« Familie socken soll, die zu Häuft B«^^ftwÄd"d«^N''Ti»essAe» lebt. E» ist kaum faßbar, daß Unternehmer eSDWW"," ,'"' W'" M"'""" überhaupt wagen, unter solchen Bedingungen in der Was krumm'ist, mutz zurechtgebogen werden, j Zeitung Arbeiter anzuwerben.""""-" wer zuviel fragt, der gewöhnt es sich-ab-". Die Tragik des Don Quichotte Zum Tode Miquel de Unamuno* Von Friedrich Steiner Wehrpflicht gab, seinerzeit keine Ausbildung be- , kommen haben. Gegenwärtig ist das nachgeholt ihre^ j>:nMl'poIssischen' Rechte"«rständ'äur'de«"' worden. Zu dieser militärischen Masse von mehr Massen heran» ein mächtiger BolkSblock, der der**~ geeinten Reaktion eine vernichtendte Niederlage bereitete. Das demokratische Spanien begann nach neuen Prinzipien den Aufbau seine» Staats körpers. Auf dem Katheder in Salamanca sprach der noch immer rüstige Professor Unamuno zu den jungen Studenten Uber da» tragische LebenSg.efübl bei den Menschen und Völkern. Bis in den Juli tagen 1988 eine Rebellion machtgieriger Gene räle da» Fundament des jungen Staates auf» Schwerste erschütterte. Der greise Dichtcrphilo- soph hat fick vom politischen Parteileben zuriick- gezogen. Als in die Stille seiner Studierstube das Knattern der Maschinengewehre drqng, al» der furchtbare Zusammenprall der politischen Geg ner zu brutalen kriegerischen Auseinandersetzungen fiihrte, verließ Unamuiw die vom Kriegslärm er füllte Hauptstadt. In Salamanca, wo er so viele Jahre zu feiner J««gend gesprochen, hoffte er Ruhe zu finden. Seine politische Entscheidung hatte er in seinem Werk und durch sein Leben bezeugt. Er glaubte der Pflicht««traten zu kön nen, sich in die den Faschismus bekämpfende Par tei«Inzureihen. Schmähung traf ihn von der einstigen Freundesseite. Mißtrauen begegnete ihn« in seinem Zufluchtsort, wo die Rebellen die Macht an sich gerissen. Einsam und dunkel wurde e» um Unamuno. Vergessen war da» Wort, das er wenige Jahre vorher anläßlich der Ausrufung der jungen spanischen Republik gesprochen:„Ich wün sche, datz meine Stimme zu allen fielen Staaten I im Namen der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens dringt." Im Anbruch eines neuen Jah res, in der schicksalsschwersten Stunde seines Lan des, erlosch diese» beispielhafte Leben. Doch möge in den Wirren der Zeit da» Urteil über den gro ßen Wegbereiter der spanischen Demokratie schwanken-r- durch seinen unermüdlichen Kampf ' um Freiheit und Gerechtigkeit hat er allen Wider« fächern" der Gewalt zum Trotz deck' alten Wort zu neuem Sinn verholfen, da» sinnfällig über seinem Dasein steht:„Ihr könnt den Geist nicht töten!" 1988 " 1988 1984 In« Vergleich zuck Bvrjahr« hat sich' demnach die Zahl, der" Sfieikckge beinahe, verdoppelt und. gegenüber, der gleichen Zett ick Jähre 1984 sogar mehr als verdreifacht.. Aussperrungen wurden .1988 nur drei gezählt. Ist-.der überwiegenden Mehrzahl der Streikfälle".war.der Lohn das Kampfobjekt, und zwar handelt« es sich dabei keineswegs stur um Angriffstreiks, um die Perwirk- lichung der berechtigten" Forderung auf. Löhner« Höhung zu erzwingen, sonderst r» wärest auch Abwehrstreiks notwendig zuv Verhinderung"weiterer Lohnreduzierungen. Diese Abwehrstreiks konnten im vorigen Jahre bis auf einzelne Fälle mit vollem Erfolg durchgeführt werden. - IM gangen sind nahezu alle Streiks mit einem Teilerfolg für die Arbeiterschaft beendet worden. Ost stand ein- gröberer Erfolg in Aussicht, aber die gewerkschaftliche OrganisätionSreift hatte nicht, überall"jestest Grad erreicht, der zur Erringung dieses gröberen Erfolges Voraussetzung war. Polizeisäbel. Unamuno ging zun« drittenmal in j die Emigration. Im Kampf um die Erhaltung als sechs Millionen ausgebildeter Soldaten, die in der kürzesten Frist mobilisiert werden könne, kommen noch die Truppen der Grenzlandwchr (Grenzschutz), die vornehmlich dazu bestimmt sind, jene Grenzabschnitte zu schützen, die nicht unmtttelbar zum Kriegsschauplatz gehören werden. Die deutsche Friedensarmee von 1,080.000 Soldaten verteilt sich auf 88 Divisionen, zu denen noch die vier Panzer-Divisionen kommen, im ganzen also 40 Divisionen des FriedenSstandcS. Danach besteht die deutsche„Friedensdivision"" aus 80.000 Mann, niit anderen Worte», sic zählt bereits im Friedensstand zwei Rormaldivisioncn. DaS bclräftigt die Ansicht, daß gleich zu Beginn des Krieges das deutsche Heer 72 Divisionen zäh-. len wird.— Die französische Hcimatarmee, für den Schutz der europäischen Grenzen Frankreichs bestiinmt, ist inzwischen bedeutend vergrößert worden. Sie wird 1987 bereits 480.000 Mann zählen gegenüber 888.000 Mann iin Jahre 1988."' Diese Vergrößerung erklärt sich vor allem durch die Formierung der neuen ständigen Festungstruppen fiir die Maginot-Linie. Aus dem Bericht kann man ersehen, daß Frankreich in der Frie- denSzcit eine Armee unterhält, die etwa zweimal so klein ist wie die deutsche. Den 88 deutschen Divisionen stehen ,18 sranzösische Infanterie- Divisionen gegenüber, den vier deutschen Panzerdivisionen können zwei französische leichte mechanisierte Divisionen entgegengestellt werde». Von den 18 französischen Jnsantericdivisionen sind sieben voll, die übrigen bloß zuck Teil motorisiert. Der Student n»ch braunem Komment. Klau» Schicker«(der Name dürfte von Vorbedeutung sein) schreibt in 4>er, Zeitschrift„Volk im Werden"(Seite 84)88) über da» Thema„Setzen die Studenten einen neuen Lebensstil durch?":„Da» Leben der studen--. fischen Kameradschaft hat sein Vorbild in dem lager». Da'der Siudcnt säst ausnahmslos aus einem, wenn nicht au» mehreren dieser Gliederungen kommt, bringt er von dort ein GcmeinschaftSgut mit, da» die einheitliche Ausrichtung gctvährleistet(was ist daS? Ein Korporalrstock?). Aber da, eine studentische Kameradschaft weder HI noch SA noch Arbeitsdienst ist, hat sie außerdem ihre eigene Form zu finden, und zwar in steter Auseinandersetzung mit der überlieferten studentischen Form, die vorerst— wie die Erfahrung zeigt— noch überall durchbricht oder sich hintenherum wieder einschleicht. Der Kame- radschaftsabend ist keine Kneipe,... der Trinkkomment kann zwar zum, Lächeln Anlaß geben, sitzt aber den Alten in Fleisch und Blut(chronische Alkoholvergiftung?) und wirkt unversehens ansteckend, und wenn man auch weiß, wie man» nicht machen soll, wie soll man» denn machen? Lieder üben. Stoff zum Ausgestalten heraussuchen(??—), einen Leiter finden, der einem Abend mit Geschick und Findigkeit di« Geschlossenheit gibt, bis er(wer?) — ob mit oder ohne Alkohol— warm und anheimelnd wirkt. Die Aufgabe ist gestellt: so zu verfahren, daß auch derjenige überzeugt ist, der etwa» ganz" andere» kennt(??>—) und sich unter dem neuen Sttl nicht» Rechte» vorstellen kann. Ran muß innerlich bereichert nach Hause gehen....c» kann fechten wer will, sonst läßt er e» bleiben. An Hochschulen, die wenig Kameradschaft haben(wie da»? im Dritten Reich?), wird diese dritte Form eine Zukunft haben, denn nieitmnd kann zum Fechten gezwungen werden(um Gotteswillen, sagen Sie da» nicht zu laut, da» kann einerseits von Göring, andererseits von Schacht al» pazifistische ErfüllungS- politik aufgefaßt und geahndet werden!), niemand kann daher einer fechtenden Kameradsihaft beitreten, der selbst(?) nicht fechten will, die nichtfechtende Kameradschaft könnt« daher großen Zulaus(??tt),„ die fechtend« Mangel an Mitgliedern haben. E» wird sich ja Herausstellen, wie e» mit der Anziehungskraft de» Fechten»"" auf die"an" die"Hochschule kommende Jugend besteL ist. Al» ein Erziehungsmittel unter vielen andern soll da» Fechten seinen Platz behalten... E» muß so sauber und einwandftei ge» ' Methode Göring oder Schacht?'—), so fair(Methode Goebbels?), daß auch der Richtfechtende in' seinem Urteil schwanken« ge», macht wird.„...Wie ist die-Ehrauffassung- de-: Kameradschaften? Ein verbindliche»>Ehrgesetz besteht nicht mehr(daß wußten,wir längst). Da»'alte„ Seite 6 „SoAlnTbctnoTrnf Donnerstag, 7. Jänner 1837. Nr. S Gegen das Photographierverbot in Prag ivendct sich das„Testi Slovo". Es schreibt u. a.. daß das Photographierverbot in den Grenzbezir» ken oder in Orten, In denen sich militärische Einrichtungen befinden, begründet sei. Das unlängst erlassene Photographierverbot rund um die Mol- dau-Inseln.im Innern Prags betreffe aber Plätze, auf denen sich solche militärische Einrichtungen nicht befinden.. Welchen Sinn habe ein solches Verbot, wenn man Photographien mit den betreffenden. Objekten in allen Trafiken und Papierhandlungen bekomme? In Städten, in die Fremde kommen, insbesondere aber in Städten mit geschichtlichen Denkmälern, müsse man mit der Erlassung von Photographierverboten vorsichtig sein. Achttägige Pauschalfahrten in den Böhmerwald für 888 Xi und Ins Riese ngebirge für 410 Ki veranstaltet das Referat für Ausflugszüge der StaatSbahnen. Die Teilnehmer der Böhmerwald- fährt fahre» jeden Samstag um 18.88 Uhr vom Wilsönbahnhof und kehren Sonntag, am neunten Tage, um 18.58 Uhr zurück. Die Teilnehmer der RiesengübirgSfahrt fahren jeden Samstag von Prag- Wilsonbahnhof um 14.24 Uhr ab und kehren nach Prag am neunten Tage und zwar Sonntag um 21.48. Uhr, zurück. In den Fahrpreisen ist außer der Fahrt Unterkunft, Verpflegung, Bedienung und Versicherung inbegriffen. Anmeldungen mit einer Anzahlung von 80 KL nimmt jeweils bis Freitag der Basar im Wilsonbahnhof, Telephon 888-85, entgegen. Unter dem Protektorat« des Präsidenten Doktor Benes findet am Montag, den 11. Jänner, um 20 Uhr im Smetana-Saal des Repräsentationshauses ein Festkonzert zugunsten der Errichtung eines Smetana-Denkmals in Karlsbad statt. Die vereinigten Orchester der Tschechischen Philharmonie und der Prager Rundfunkstation werden unter Leitung des Professors Talich SmetanaS„Mein Vater» land" spielen. Kunst und Mssen, Joja GöhovL: Da» Herz der Welt.(George Sand in Böhmen.) Erstaufführung des Schauspiels am 8. Jänner im Ständetheater. Die Autorin hat ein Werk über dramatische Künstler der tschechischen Bühne geschrieben, ist durch ihren Mann, den Dra- maturgen des RationalthcaterS, in enger Fühlung mit der dramatischen Kunst, hat auch mit einem Drama(„Maria Antoinette") debütiert. DaS neue Stück zeigt wiederum, daß sie sich fleißig k>cm Studium der französischen Kulturgeschichte ergeben hat; und doch war dar Stück eine arge Enttäuschung, doppelt, was die Charakteristik der handelnden Personen anbelangt,— Um da» Jahr 1840 komm! George Sand nach Böhmen(nach einer unverbürgten,.Verswn nach Teplitz), ihn einen ihr von Pari» her bekannten wunderlichen Grafen Jiki Kokorin aufzusuchen, um die slawische Seele Lis auf den Grund kennen zu lernen. Sie steigt mit Chopin im Schloß des Grafen Solldringen ab, dessen Mutter sie.mit einer unverhohlenen Impertinenz behandelt, wird vom Grafen Kokokin abgewiesen und gerät mitten in die Händel der sich dort verbergenden russischen und polnischen Revolutionäre mit dem, ihr nachstellenden russischen Grasen Mclcchov. Sie benützt dessen Liebe, um den Flüchtlingen in die Heimat zu verhelfen und kehrt mit Chopin nach Paris zurück, nachdem sie genug von der slawischen Seele erfaßt hat!—• Von der großen und für ihre Zeit bedeutenden Schriftstellerin ist nichts zu verspüren, es bleibt nur eine exaltierte und deklamierende Fran Von 6er March bis zum Ural Man verwechsle die politische Geographie nicht mjt der Geopolitik, obwohl sie Berührungspunkte haben. Wenn beispielsweise die neudeutschen Blnt- und Bodenfreffer anstelle des beinahe„liberalisti- schen" Großdcutschlands,„soweit die deutsche Zunge klingt", lieber den„dynamischen" Deutschen Raum, ohne Deutsch-Südtirol, aber mit der Ukraine, dem Ural etc. etc. verwenden, haben sie eine terminologische Anleihe bei der Geopolitik gemacht. Die ganze politische Geographie ist überhaupt eine rein terminologische Angelegenheit. Sie hat für Städte, Landschaften, Länder und Erdteile Bezeichnungen zu prägen, die nicht unbedingt den objektiven Tatsachen, wohl aber den propagandistisch-weltanschaulichen Bedürfnissen bestimmter politischer Gruppen entsprechen müssen. Man muß zugcben, daß dieser Hilfswissenschaft der Demagogie manche Formulierung gelungen ist, die volkstümlich und so politisch wirksam geworden ist. Einige Beispiele: Vor der Erfindung des Fußballspieles und ter tazugehörenden Sprechchöre und noch einige Zeit nachher, war es üblich, die Erdoberfläche in Kontinente einzuteilen. Da begann eine gewisse Ausweitung, der Schaffenskräfte das intellektuelle Bewußtsein entsprechend zu reformieren.und die Erdoberfläche zerfällt fortab in mehr oder minder fröhliche S e ch st e l. Die ungarische Propaganda bezeichnet die S l o w a.k e i grundsätzlich nicht anders als das „Oberland" und ein" nicht zu unterschätzender Teil der Weltöffentlichkeit sieht sie als einen den Ungarn, zu Unrecht entrissenen Teil ihre» Landes an. Hätte unsere offizielle Propaganda den guten Einfall/ es wäre ihr erster, ganz Ungarn als„Südslowakei" zu bezeichnen, das Wort hätte seine Wirkung, ganz gleich welche„rationelle" Begründung man ihm gäbe, und d!«■ ungarische Propaganda wäre paralysiert. zurück,.die nicht mit dem.Geiste, fondern nur mit weiblichen Reizen spielt und an der alles falsch klingt. Auch der gräfliche Sonderling ist eine papierene Figur par excellence, ein mit allslawischen und kommunistischen Ideen angehauchter Mensch, der in der fortschreitenden Industrialisierung ein Unglück für sein idyllisch ausgedachtcS Leben mit freien Bauern fürchtet; auch seine exrevolutionären Partner deklamieren von der allslawischen Verbrüderung und Befreiung der Slawen, bis das Ganze al» eine nachträgliche Prophezeiung klingt.— Vlastimil Hoffmann hat eine gute Szenenausstattung geschaffen; das Panorama vom Erzgebirge deutete mehr an, al» der Inhalt zu geben imstande war, ebenso erging cs der Regie FrcjkaS. Bor allem wäre Herr Etepä- nek in der Rolle de» Fürsten Mclcchov zu erwähnen, weiter Frau Naskovä als alte Fürstin Solldringen, die menschlichste und echt weibliche Figur de» Stückes, und Herr Kohout, der es versucht«, seiner Figur aus der Erwcckerliteratur gerecht zu werden, m. i. Spielplan de» Neuen Deutschen Theater». Heute, Donnerstag, halb 8 Uhr: Monsignore» große Stunde. Es kommt nicht zum Krieg, C 2.— Freiten 7%: Liebe eine» Fremden, Gastspiel Ernst Deutsch, D.— Samstag 8%: Till Eulenspiegel, 7%: Zwei glückliche Tage, Gastspiel Fclir Bressart, All.— Sonntag 2%: Liebe eines Fremden, Arbeitervorstellung,-7%: Der Noien» kavalicr. C 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Donnerstag 8l4 Uhr: Liebe eines Fremden, Gastspiel Ernst Deutsch.— Freitag 8 Uhr: Matura, Theaiergcmeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 7 sh: Firma, Erstaufführung — Sonntag 8: Fuhrmann Henschel, 8: Matura. Verlanget überall Volkszunder Daß es nicht immer nur der Wille irgendeiner Propagandakanzlei ist, der neue politische Namen schafft und alte in Pcrgesscnhcit geraten läßt, daß manchmal auch die noch anonyme politische Entwicklung diese Rolle spielt, dafür bietet ein Beispiel das völlige Verschwinden„Deutschböhmen S", mit allen seinen Eigenschaftswörtern und Steigerungen, aus der bodenständigen Belangewelt und der Sicgcszug des Vokabels„s u d e t ende u t s ch". In seinem Zeichen werden nun. Schlachten der traditionellen Belangewahrer geschlagen. Die haben sich viel weniger geändert, als man gemeinhin anzunehmen geneigt ist. Sie tragen bloß keine Bärte mehr und wahren die Belange mit anderen Vokabeln.' Ohne Vokabeln geht das nämlich nicht. Das haben auch unsere Kommunisten ganz richtig erkannt, als sie vor Jahr und Tag, der fruchtlosen Beschwörung der Weltrevolution müde, sich aufs Belangewahren warfen. Ein Fehler, und zwar ein ziemlich dummer ist ihnen allerdings bei der Taufe unterlaufen. Weniger blutmäßig determiniert als ihre Üngeistesverwandten von ganz rechts, mußten sie größten Wert darauf.legen, für den Boden einen paffenden Namen zu finden.„Sudetendeutsches Siedlungsgebiet""ist zu langatmig und schon deshalb ungeeignet.„Sudetendeutschland"? Schon hefferl Aber einmal begegnete e» Zensurschwierigkeiten, dann hat e» auch schon ein« längere Geschichte als die ganze neobolschewistische Belangewahrerei und ließe sich nur schwer auf die Linie bringen. Da fiel einem ei»'— ich wette, daß er aus einem neologischen Kaffeehaus in Preßburg stammt— man sage und schreibe ganz einfach: „Die Endete n". Und so geschah es. DaS ist aber eine total verhätschelte-Namensgebung, die keine lob richtige oder falsche Ist hier einerlei), gar keine begriffsbildende Wirkung haben kann. Daß sie ein geographischer Blödsinn erster Ordnung ist, macht dabei wenig au». Da» steigert höchsten» da» JCindecs fceiutde. Montag, den 11. Jänner, im Parteihelm, Smeiky L8, ordentliche Generalversammlung.. Alle Mitglieder, sollen bestimmt erscheinen. Der Dim Kavaliere der Meerestiefen Der Film(der aus Hollywood kommt und dort „Der beste Mann gewinnt" hieß) gibt eine jener „männlichen" Magazin-Geschichten wieder, in denen rauher Ton und Kameradschaftlichkeit, sportliche Leistungen und Kriminalität, Kampf um ein Mädchen und.aufopfernde» Heldentum zu einem unwahrscheinlichen, bei aller Dramatik aber nüchtern wirkenden Ganzen vereint sind. Denn daß die Helden der Handlung angesichts des Tode» und auch der Liebe keine GefühISauSbrüche zustandebringen, da» eben ist der„männliche" Stil dieser Geschichten, der sie zwar nicht werwoller macht, sie aber wenigsten» vom pathetischen und rührseligen Kitsch angenehm unterscheidet. In diesem Film geht e» um die Freundschaft zweier Taucher, deren einer dem anderen das Leben gerettet und dabei einen Art» eingebüßt hat, und der invalide Held, der au» Stolz lieber in die Dienste eine» Verbrechers tritt als die Hilfe de»(inzwischen zum Hafenpolizisten gewordenen) Freundes anzunehmen, opfert am Ende sein Leben, um nicht vor dem Freunde(der ihn schon einmal vor dem Gefängnis gerettet hat) und vor der Braut(die um seinetlvillen auf den Polizisten verzichten wollt«) ehrlos dazustehen; Beinahe also ist das eine Tragödie de» Stolze», aber eine, die weder vom Verfasser noch von den Akteuren tragisch genommen wird. Die beiden Hauptdarsteller, Jack Holt und Edmund Lowe, spielen redlich rauhe, verschämte Helden, deren stumme Szenen unter Wasser, im Taucherkostüm, ihre besten sind.—cis— Unbehagen, das typographische Manifestationen de» Analphabetismus immer auslösen. Man stelle sich doch bloß die Meldung vor:„Die Kleinphilatelisten In Wien II., hären regelmäßig die große Philatelistensendung au» Moskau. Di« Polizei..." Und darüber der Titel:„Unser Vormarsch in den Alpen". Oder:„In Rom wurde vorige Woche ein Mitglied der Balilla verhaftet, weil eS statt mit dem rechten, demonstrativ mit dem linken Arm grüßte." Titel:„Steigende Unzufriedenheit in den Apeninnen." Oesterreich ist zwar«in Alpenland, aber keinesfalls ist Wien die Hauptstadt der Alpen, noch liegt e» überhaupt in ihnen. Das gleiche gilt von Italien, Rom und den Apenninnen, aber auch von Böhmen, Asch und den Sudeten. Aber wie schon erwähnt, würde die Konfrontation der„Roten Fahne",' die mit einer Konsequenz, di« sie im Grundsätzlichen längst vermissen läßt, das Erzgebirge als die Sudeten bezeichnet, mit dem Schul- atlaS, der Wirkung der„fudetlschen" Demagogie der Kommunisten keinen Abbruch tun, wenn sie überhaupt eine Wirkung hätte, haben könnt«. Die fehlt ihr aber völlig, nicht, xtwa wegen ihres mangelnden geographischen Wahrheitsgehaltes, sondern ganz einfach deshalb, weil die Landes- und Belangsbezeichnung„Sudeten" unwahr, abgequält klingt, wie jede aus Verlegenheit erfundene Wort» stümpere!.„Aussig in den Sudeten", das klingt und wirkt wie eine Kulturrede Konrad Henleins— von Herrn Nürnberg nachgesprochen. Eine Partei aber, deren LebenSelement die Demagogie ist und die dennoch keine glücklicheren Formulierungen findet, als die.„Sudeten", die „8000 Millionäre" ufw. braucht wirNich niemand ernstlich zu fürchten. Schon deshalb ist ei aufgelegter Unsinn von einer„bolschewistischen Gefahr" in der Tschechoflowakei zu reden. K. Ruprecht- Die Arbeiterf ürtorse bittet herzlichst, in allen Faschingsveranstaltungen elneZehnmlnutensammluns zu veranstalten! Eine Rächt an der Dona«. Ein Lustspiel, da» geeignet ist, den guten Ruf der Wiener Filme diese» leichten Genres zu zerstören. Zwischen Damenkapelle und ungarischem Weinlokal verliert eine dilettierend« Hoheit mehrmals ihr Herz, zum Schluß natürlich am rechten Fleck. Zur Darstellung der seichten Angelegenheit werden so ausgezeichnete Kräfte wie Gustav Waldau und Dorit KreySler bemüht, die neben Wolfgang Liebeneiner, Ida Wüst, und dem al» Welnwirt vortrefflichen Leo Slezak die sentimentale Geschichte immerhin halbwegs retten. E» war wohl finstere Nacht an der Donau, als man diesen Film gedreht hat. jk. Lteratur Ein paar Gedichtbücher „Die Auflage dieses Buche» beträgt 600 Exemplare." Dieser Satz, kennzeichnender für die deutsche Kultur der Hitler-Zeit al» lange und gründliche Abhandlungen, steht auf der Rückseite des Titelblattes des Gedichtbandes„Um uns dl« Fremde" von MaxHermann-Neisse. ThomasMann gab dem Buch ein sehr.herzlicheS, freundschaftliches, auf die Besonderheit der Dichtung Hermann-ReiffeS und di« Lebenssituation des Dichters liebevoll hinweisendes Vorwort mit. Hermann-Neisse, zu dessen fünfzigstem Geburtstag diese Gedichtsammlung erschien, ist einer der begabtesten, seit langem auch einer der bekanntesten deutschen Lyriker. Aber auch er ist einer der vielen, die ins Exil gehen mußten, einer von denen, die neuheidnisch-germanische Barden weder sein können noch wollen. Weil er Emigrant ist und weil die Ohren feiner Zeitgenossen durch Führerreden und Heldengesänge zu. verdorben sind, als daß sie noch fähig wären des Hören» so viel schönerer, aber auch so viel stillerer DikPer- worte, kann die Auflage eines Gedichtbuches Her- mann-Neiffe» nur 800 betragen, muß diese Zahl vielleicht sogar schon al» erstaunlich hoch erscheinen... Thomas Mann schlägt vor, diese Gedichte im. Freundeskreis, am Familienttsch zu lesen, ge« meinschdftlich zu genießen. Wie lyrische Kammermusik. Und so sind diese Gedichte zu erkennen, zu erfühlen: schmerzliche, aber doch auch tapfere Zeitgedichte, beglückte und beglückende Liebesgedicht«(wie tröstlich-zuversichtlich der AuSklang. eines„Liebesgedichtes in böser Zeit": ..... und wenn ich dich küsse, endet das Märchen gutl") und— Geschenk der Dankbarkeit de» heimatlos gewordenen Dichters an«ine Stadt der Fremde, die ihm Gastfreundschaft bot— eine ganze Anzahl der Stadt Zürich gewidmeter Gedichte. Den Weg zu den Herzen guter Menschen wünscht Thoma? Mann dieses Buch. ES möge auch den Weg zu denen finden, die noch«in wenig Liede zur deutschen Sprache haben, zur unverhitlerten, reinen, der Wohlklang» und der Tiefe und Wahrheit fähigen deutschen Sprache. ' Im Sclbswerlag erschien das bloß 28 Setten umfassende Bändchen„Das Fenster" von Johannes Förster. Förster, der vor kurzem in Prag eine dramatische Skizze vorla», die beifällig ausgenommen wurde, legt in diesem Bändchen seine ersten lyrischen Versuche vor. Sie ermöglichen kein, abschließendes Urteil. Neben rührend-unbeholfenen Gedichten steht plötzlich ein zarte», feine», wie da» .Manchmal träume ich leise, daß wir gar nicht find" — und zwingt zur Hoffnung auf Welter- und Höherentwicklung Försters. Auch Heinz Politzer, dessen Gedichtband „Fenster vor dem Firmament" im Berlage Juliu» Klttl» Nachfg. in Mähr.»Ostrau erschien, ist noch unfertig, unentwickelt. O ja, diese Gedicht« zeugen von echter Begabung, von Formgewandtheit. Aber Politzer» Begabung bedarf noch de» Reifen», der strengen Selbstzucht..Au» dem Grunde seine» Blaus schau st"— zweifacher Doppelklang, der Unbehagen weckt.«Ihr Herrn der Welt, wie gehl ei her, daß uns noch Elend hat?—. Ist er so frech. so arg, so satt, so schwer, was ich begehr?".— das ist ohne Empfindung gereimt. Aber nur deshalb wird das gesagt, weil Politzer begabt istl. Weil es also Sinn hat, auf Schwächen zu verweisen! Ist eS nun Vorzug, ist es Schwäche; daß viele», sehr viele»— daß Rhythmus, innerer Klang, Reim, äst Rilke erinnern? Doch eher, Jo schön gerade solch« Gedichte sind, Schwächei Rilke war Einmaliger!- C. A. Mennicke gibt in dem bei Allert de Lange, Amsterdam, erschienenen Bändchen„Der Mensch im All'- eine, von Verehrung und Liebe erfüllte.Einführung in das Verständnis RainerMariaRilkeS". Aber auch«ist Verehrender,. Bewundernder,. Liebender kann durch ein«, solche Einführung wie diese, di« klug ist und verstehend und den Dichter vor allem au» seinem Der! zu erklären versucht, nur'helfen, den Weg zum Dichter zu finden und zum Erleben de» Dichtet». Diese Hilfeleistung ist sehr dankenswert. Sie führt Hoffentlich viele zu Rilke. Soweit, daß sie nicht stur die Musik seiner Verse hören; sondern auch ernstlich um sein Verständnis ringen, darum, seine Bilhxr hr Gedanken und Gefühle umsetzen zu lernen. Th.. W«llwug., B e z n g» b« o i a gu n g<.n: Bei Zustellung ins Hau» oder b«> Bezug durch die Post monatlich XL 10.—, vierteljährlich Xp 48.—, Halbjährig XL 96.— ganzjährig XL 192.—.— Jaleräte werden lau« Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung, der Retourmarken.— Di« Zeitungsfrankatur wurde von der Post«, und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/198Ü bewilligt.— Druckerei:.tOrbi»", Druck-, Verlag»- und ZeitungS-A.»G. Prag, MATH WMU Oer Lehrer mit seinen Schülern in der Riesen-Badewanne Das Baden ist in den Tokioter Schulen Pflichtfach. Inmitten seiner Schüler sitzt der Lehrer in der Ricsenbadewannc. Es ist eine Unterrichtsstunde, die wahrscheinlich die größte Freude macht.