gtajtlpteuTO(einschliessk.8 Heller Port») 17. Jahrgang Nr. 8 Samrtan, 9. Jänner 1937 „Die Position Blums ist heute stärker als die irgendeines französischen Kabinettschefs im Laufe der letzten Jahre." „Time s" vom 6. Jänner 1937. Sozialdemokrat Antralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit««««ahm.»eo»ontng t»g»ch früh RsbaMon und Verwaltung; PragXII.,Fochova62- Telephon V8077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern,Prag Lcharfe Lurüc^elsung veutschlands London. lAmtlicheSbritische»Radio) Einige englische Zeitungen veröffentlichen in den letzten Tagen auS der reichsdeutschen Prelle stammende Nachrichten über die angeblichen Verhältnisse in der Tschechoslowakei, welche Nachrichten an massgebenden britischen Stellen Ueberra- schnng«nd Missfallen hervorriefen. Dies« Zitate an- den rrichSdeutschen Blättern beinhalten übertrieben gefärbte Meldungen über«inen weitreichenden Sowjeteinflutz ans die Tschechoslowakei«nd wiederhole» Gerüchte, welch« bereits einige Male autorativ von Prag de- m e n ti e r t wurden. Der Charakter dieser vnrch dir reichsdeutsche Press« verbreiteten Gerüchte unterscheidet sich absolut von der Ansicht, welche Grossbritannirn nnd ganz Europa allgemein über die Lage in der Tschechoslowakei hat. Dass derartige Gerüchte in einem Staate, welcher der Tschechoslowakei benachbart ist und mit ihr in einem korrekten Verhält»,» steht, öffentlich verbreitet werden könne», hat auf daS britische Fühlen einen sehr ungünstige« Eindruck hrr- vorgerufen. Durch Anfrage» bei berufenen britischen Stellen würde nün festgestellt, dass sich diese von der rrichSdeutschen Presse verbreiteten Ansichten in keiner Weise mit den Ansichten der gutinformiertrn Beobachter in London decken. Im^osken riecht man den Braten 1 Die»Timet“ über die Goebbels-Hetze gegen die Tschechoslowakei Was soll das Geschwätz von den roten Flughafen? D>e grosse Propaganda-Offensive Goebbels' gegen die Tschechoslolvakei hat zunächst im Wester a°'Ee Erfolge erzielt. Manche Briten begannen tatfachlich an die„Bolschewisierung" der Tschechoslowakei zu glauben, um so mehr, als sich der oeuMhe Propaganda-Dienst ja immer wieder auf zustimmende Urteile der tschechischen agrarischen Presse berufen kann. Nunmehr beginnt aber den Engländern, wie eS scheint, doch der- Seifensieder aufzugehen. Die samstägig«„Prager Presse" zitiert folgend« Ausführungen der„Time s", deS grössten britischen WeltblatteS, über die beut, sche Propagc..idahetze gegen die Tschechoslolvakei:- „ES ist mit Rücksicht auf die gegenüber der Tschechosiowakei verfolgt« Propagandapolitik nicht Weiter erstaunlich, das, Gerücht« dies«» Land Mit der deutsche«„Erplosion" in Verbindung brachte«, die Dr. Schacht für den Fall««kündigte, dass Deutschlaad sein« kolonialen Ziele nicht bald erreichen würde,«nd tatsächlich diskutiert worden ist, als «I« Ausweg für die Probleme, die sich auch aus andere« Aspekten der nationalsozialistischen Politik ergebe«. Dies« Erwägungen gehen jedoch vielleicht insofern fehl, als sie erwarten, di« Ezplosion würde die Form eines sofortigen«nd direkten bewaffneten Konfliktes annehmen. Die Methode» haben gewechselt- Der antitolschewiftlsch« Kreuzzug, durch dessen Führung-Deutschland wie dnrch Zufall viel von-der gewünschten Ausdehnung seiner- Stützpunkte f« Ost- und Mitteleuropa erhalten möchte, fordert eine n««« direkte Technik, die lener der Gegner angepasst ist. ES ist vorstellbar, dass der Kreuzzug einige Zeit so fortgesetzt werden kann, ohne einen dirüteu Kon- silkt zwischen Deutschland«nd. Russland- ES wäre ein ernste- Versehen, die forciert« Propaganda über den„roten" Einslus, in der Tschechoslowakei und di» Redereien, die in nationalsozialistischen Partelkreisen über die Möglichkeiten zirkulieren, dass dl« Tschechoslowakei«in„zweites Spanien" werden könnte, als ein blosse- Zusammentreffen»n erachten. DaS„rote Bollwerk in Mitteleuropa" ist ein Schlagwort, das den Forderungen der Sudetendeutschen nicht nur behilflich, solchem für sie. ausschlaggebend sein kann. Zur rechten Zeit scheint«S immer irgendein ausländische- Blatt zu gebm, von dtm man eine haarspalterische Beschreitung der bolschewistischen Einmischung in der Tschechosiowakei übernehmen kann, die, wenn sie wahr wäre, der allgemeinen Aufmerksamkeit nicht hätte entgehm können. Man muss sich hierbei di« Behauptungen, die auf dem Nürnberger Parteitag über da- Bestehen von 80 bis 50 Sowfetflnghäfen in der Tschechoslowakei gemacht wurden, ins Gedächtnis iu> rückrufen. Diese Meldung ist nicht nur ausdrücklich von Prag als eine Absurdität dementiert worden, sondern man Weitz anch, das, Führer der Sudeten» deNtschen selbst-«gäben, al- sie von privaten Ausländem diesbezüglich befragt wurden, datz ihnen darüber nichts bekannt sei, autzer datz einige Sowjetoffiziere In der Tschechosiowakei gewesen ftno i Wie der spanische Fall jedoch bewiesen hat, kann «ine! Ausdehnung der ausländischen Einmischung in ein Land leicht zur Angelegenheit eine» beissen«nd endlosen Streites«erden, au» dem ein fanatische» und hartnäckige» Propagandasvstem viel Vorteil zie- hm kann- Die Grundlage hi«sür ist überdies für di« Annahme jedes Gerüchte» über dl« Tschechosio- Wqkei durch;Mefort«es«tzte reich-deutsch, Rundfunkpropaganda über dl« Lage, in der sich dl« Sudetendeutschen angeblich befinden, vor- bereite« worden. ES verging während der letzten zwölf Monate kein Tag, ohne dass der reichSdeutschr Mundfunk mindesten» einer aber auch mehrerer deut- scher Stationen in trivialer Weis« gegenüber dm deutschen Hörern blnNchtlich de». Lose» der Sudeten^ deutschenagitiert hött«."' ' In sehr jlarer Weise hat übrigens, wie^wir gesternzitierten, vor einigen Tagen auch der Gras Carlo s f o.rz a, seinerzeit italienischer Aussen. Minister und eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der italienischen. Emigration, lnderBafler „Rat.I°n.al>Zeit»ng" auf die- Gefahren aufmerksam gemacht, die au».-der hltleristlschetz Propaganda gegen die Tschechoslowakei entstehen, und welche die Möglichkeit eine» plötzlichen Ueber- fall» in sich bergen..' Mit der Möglichkeit eines derartigen Ueber» falls hat sich im einzelne» ein Artikel in unserer Monatsschrift„DerKamps"(„Blitzkrieg odrc Friedensoffensive") befasst, den manche unserer Leser kennen werden. Insbesondere wurde da auf die möglichen militärischen und Politischen Hintergründe der albernen Redereien von den So« lvjetflugplätzen verwiesen. In diesem Zusammenhang ist er nicht uninteressant,, dass die „Münchner Neue st en Nachrichten" unter dem Titel„Die Spukflieger über Nordschweden— al» S v wi e t fl u»zeug c erkannt—Spähflüge in Verbindung mit Kriegsschiffen"«Ine Sensationsmeldung brachten, die durchaus jenem Prinzip von Blödmacherei und Ueberrumpelungs-Strategie entspricht/ das jener Artikel im„Kampf" aufzuhellen versuchte und dar nunmehr auch dem europäischen Westen langsam auffällt und verdächtig wird. Heroische Verteidigung Madrids Angriffe der Aufständischen abgeschlagen Maid. Da« KrlegSmlrüsterii^a meldet über die Situation an der mittlere- Front:. - 3m Abschnitt von Aranjuez führten Scharmützel zu keiner Aende- rung der Positionen. 3m Abschnitt von Guadalajara unternahm der Feind einen heftigen Angriff, wurde jedoch überall»urückgeschlagen- 3m M a.d.r i d e r Abschnitt wurde« den g a n z e n T a- über die Wüchse bei Pozuel» fortgesetzt. Der Feind wurde überall,erfolgreich abgewehrt. Regierungsslngzeuge bombardierten die feindlichen Positionen an fämllichen Stelle« de- Madrider Abschnitt-. Gin Flugzeug der Aufständischen wurde abgeschojsen. Wie au- G i j o a gemeldet wird, habe« die Regierung-abteilungen, die bereit- Puerto del Ponton beherrschen- einigeweitere Dörfer b e s e tz t, die gewisse strategische Vorteile" gewähren. Die Aufständischen setzten fast gar keinen Widerstand entgegen. Nächtliches Handgemenge - Sturmangriff am Morgen A v i l a. Die Umgebung von Madrid war, wie der Korrespondent der Agencr HavaS meldet, Freitag früh der Schauplatz zweier dramatischer Ereignisse. Roch vor Morgengrauen unternahmen die RegieruugSabteilungen eine».Angriff, um Easa del Eamp o zu befreie». Die Aufständischen, griffen indessen beiArava c n, auf der nach La CoruNa führenden Strasse» an. Der Kampf wär kurz und erbittert. Die lstegierungS» söldaten stürzten sich in die Grüben der Aufständischen«nd in.'der.,Dunkelheit kam e» zu einem Handgemenge. Tie RegierungSgbteilungen wurden jedoch in ihre ursprünglichen Positionen zurückgeschlagen. Gegen acht Uhr früh unternahmen die Aufständischen^inen heftigen Sturm.auf dl« Höhen, bei Humera und Pozuel». Wegen de» herrschenden Rebel» konnten die Flieger nicht eingreifen. Dir Artillerie beschoß unablässig die Schützengräben der Regierungstruppen und verursachten den Regierungsabteilungen grosse Verluste an Menschenleben. USA: Lieferungs-Verbot W a s hingt» n. Präsident Roos« v e l t unterzeichnete die P i tt ma n n.Entschliessung, die dir Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Spanien verbietet. Die Vorlage erlangt- dadurch Gesetzeskraft. Flic eine Blockade der spanischen Küsten Washington.(Reuter.) Nach der Unterzeichnung des Waffenausfuhrverbotes durch den Präsidenten Roösedelt wird von autorisierten Kreiseir. angedeutet, dass sich di« Reglerünn der Bereinigten-Staaten einer Blockade der'spanischen Küsten, nicht widersetzen würde,' falls sich-die europäischen Regierungen für eine- derartige Massnahme-entscheiden sollten. An-.einem. der artigen Fall würden alle erforderlichen Massnahmen getroffen tverden, um die Anwesenheit amerikanischer Schiffe in der blockierten Zone zu verhindern und dadurch gleichzeitig internationale Zwischenfälle unmöglich zu machen, denn die Regierung der Bereinigten Staaten wird alles daransetzen, um nicht in den spanischen Konflikt hineingezogen zu. werden. TBgllch Hilfe für Franco... Gibraltar.(Reuter.) Die in den letzten Tagen-aus Cadiz-in Gibraltar eingetrofsenen.Personen erklären, dass in Cadiz nahezu- täglich deutsch« und italienische.Abteilungen- in Uniformen-. auSgeschifft werden, welche von Schiffen hintransportiert werden, die weder eine Namensbezeichnung noch eine Flagge tragen. Such Mexiko schickt Flugzeuge Washington:(Reuter.) Der Vertreter de» mexikanischen Staatssekretärs erklärte einigen Nachrichten zufolge, dass die mexikanische Regirrung' stach den Ereignissen der- letzten Woche ihr« Entscheidung, derzufolge sie die Wiederausfuhr von'-Waffen und Kriegsmaterial amerikanisch-» Ursprungs nach Spanien verbieten wollte, geändert habe.- Nunmehr s werde sie diese Ausfuhr bewil«, legest und deshalb werde'sie'die sechs amerikanischen Flugzeuge, sobald sie in Vera Cruz eintreffen, an die spanische Regierung senden. Hinausgelehnt Paris. HavaS meldet aus- Stock h olm: Der- ehemalige'--spanische Botschafter FiSco» wich, der sich für die BurgoS-Regierung auSge» sprochen.sichaber geweigert hatte, da» spanische ÄesästdtschaftSgebäude zu- verlassen, erklärte gxstetn auf'D r uck der's chw ed i sch en Re». g i e r u n g, dass er daS Gebäude verlasse»-werde.! vstrh einigen Tagen ist nämlich in Stockholm Fr a'u Pal e n c ia/elngetroffen, welche- dem siönige-'ihre,.. BeglauhigungSschr'eiben-als Gesandter der Regierung'in. valeneia überreichte. Die Sudetendeutschen und die Zeit Versäumte Gelegenheiten und unerfüllte Aufgaben Am Jänner-Heft des ,Mmpf, Sozialistische Revue" verössentlicht unter dem obigen Titel Aosef Hofbauer«inen längeren Auf satz, in welchem er daS politische Denken eines grossen Teiles de» SudeiendeutschtumS daritellt und-die Ursachen, von dessen Haltung, zu den Aeltproblcnien zu erklären versucht. Wir geben nachstehend einen AuS,Wz aus diesem Artikel, damit dieser auch einen weiteren Leserkreis erreiche: Die freiwillige Preisgabe alles eigcnpoliti- schen Denkens, der Verzicht auf jegliche geistige Unabhängigkeit, die freudige, freiwillige Gleichschaltung ist begleitet von einem erschütternden Verfall der politischen Moral— einem Verfall der moralischen, sittlichen, kulturellen Werte. Man kann nicht rückhaltlos zu allem, tvas jenseits der Grenzen im Namen der Nation geschieht, ja sagen, ohne moralischen Schaden zu erleiden. Man kann nicht zu-einem Machtgläubigen werde», ohne den Glauben an andere, an sittliche und geistige Kräfte, zu verlieren. Man kann nicht jeden politischen Mord, wenn er nur im Namen deS Deutschtums begangen wird, billigen, ohne z» der vorzivilisatorischen Anschauung, zu. der Urmenschenmoral zu gelangen, dass es selbstverständlich ist, den anderen umzubringen, wenn er einem im Wege steht. Man kann nicht die R'echtSwillkür im Dritten Reich bejubeln, ohne schliesslich dahi>: zu kommen, jegliche Menschlichkeit über Bord zu werfen als unnützen hinderlichen Ballast. Man kann Nicht bereitwillig jede nationalistische.Lüge auS dem Reiche Hitlers übernehmend ohne zu'innerem Verzicht auf. die Wahrheit und damit zur Un- wahrhaftigkeit zu gelangen. Man vermag r.Icht der' Eimerkerung oder Austreibung und Ausbürgerung aller aufrechten Gelehrten und Schriftsteller auS Deutschland und der Versklavung der Wissenschaft sich zu freuen, ohne die eigene Urteilskraft einzubüssen und das Verständnis fiir geistige Werte zu verlieren. Und man kann nickt der Führervergottung verfallen, ohne Sklave zu werden. Hitler mag tun, was er will— wer hitler- gläubig Ist, bleibt gläubig. Auch hierzulande und erst recht hier. Und wer an Henlein glaubt, den vermag nichts, was über Henleins Unzulänglichkeit als„Führer der Sudetendeutschen" bekannt wird., in seiner Gläubigkeit zu erschüttern. In der Affäre Brand hat sich Henlein wahrlich.nicht als „gross" oder als„Führerpersönlichkeit" gezeigt und ebensowenig im Konflikt mit den völkischen Studenten. Macht nichis, er ist der„Führer".! Dem Führer folgt man, wie immer er ist, was immer er tut, eben weil er der„Führer" ist. So lange, bis die„herrlichen Zeiten!' da sind, in dse Noch jeder Führer der Deutsche» die Ration geführt hat. Dann bricht natürllch eine Sturzflut der Enttäuschungen über die Gefolgschaft herein und man muss•— nach einem neuen Führer suchen.... Wir haben hierzulande die absolute Führervergottung'upd wir haben Migst die völlige geistige Gleichschaltung. Es gibt keine, auch nicht die geringste Kri» tik'än der deutschen Politik. Vielleicht das beschämendste und zugleich erschütterndste Beispiel ist die Stellungnahme zum spanischen Bürgerkrieg.. Nie dringt ein objektiver Bericht in die Spalten sude- tcndeutscher bürgerlicher Zeitungen. Für- ihre Leser ist es selbstverständlich, dass Franco einen bolschewistischen Aufstand niederwirft. Das Erbärmlichste: e» gilt als ganz selbstverständlich, dass nicht nur Fremdenlegionäre und Marokkaner in den Kampf, gegen die spanischen Arbeiter und Bauern geführt werden, sondern auch Deutsche! ES gab eine Zeit, da Schillers„Kabale und Liebe" die Deutschen erschütterte und empörte. Eiste'Zeit, da sie mit Ladh Milford entsetzt waren über des Kammerdieners Erzählung vom Verkauf der siebentausend Landeskinder. Was ist das anderes als Berschacherung deutscher LandeSkin- ' der, wenn deutsche Truppen nach Spanien ge- . schickt werden,' um dort die spanische Freiheit im Blut zu ersticken? Der Landgraf Friedrich der Zweite von Hessen-Kassel, auch ein„Führer", bat au» dem Verkauf Deutscher an England einundzwanzig Millionen Taler„verdient", die.er für seinen Harem/brauchte. DaS Dritte Reick schickt seine Soldaten auch nicht aus Liebe zu Franco und Hass gegen die Freiheit nach Spanien, son- Sei»« 2 Samstag, 9. Jänner 1937 Nr. 8 der» weil«S dafür bezahlt wird. Bezahlt durch grohe wirtschaftliche Zugeständnisse und wahrscheinlich auch koloniale Verheißungen- für den Fall des Sieges der Faschisten. Vor hundertfünfzig Jahren profitierten ein paar LandcSsürsten an dem Blut verschacherter Deutscher,— jetzt ist eS die deutsche Kapitalistenllasse. Wenn cs einen Unterschied gibt, so nur«inen zugunsten des. Landgrasen, der ganz offen sein Geschäft machte, während heute das Scheußliche im Namen her Nation geschieht. Freiwillige gehen nach Spanien? Nun, solche wie jene Freiwilligen, von den«, der Kammerdiener,„fürchterlich lachend", Lady Milford erzählte:„.... lauter FreiwiUIge. Es traten wohl so etliche vorlaute Bursch' vor die Front heraus und fragten den Obersten, wie teuer der Fürst das Joch Menschen verkaufe?— aber unser gnädiger Landesherr ließ alle Regimenter auf dem Paradeplatz aufmarschieren und die Maulaffen niederschieben. Wir hörten die Büchse knallen, sahen ihr Gehirn ans das Pflaster spritzen, und die ganz« Ärmer schrie: Juchhe nach Amerilal" Welch eiti Fortschritt stither! Heute würde lein Frestvilliger mehr wagen, vor die Front zu treten I Die Deutschen haben gelernt, besser zu gehorchen denn je, in der Geschichte ihres Volkes, die doch«ine Geschichte deö Untertanengehorsams ist/Und welcher Weg der deutschen Freiheit seit jener Zettl Damals konnte Schillers ,globale und Liebe" in Deutschland erscheinen, konnte ein deutscher Dichter empört aufschreien über die Ver- schacherung deutscher Landeskinder,— heute wird in ganz Deutschland keine Bühne es wagen, Schillers bürgerliches Trauerspiel aufzuführen und keine Zeitung kann auch nur«in Wort über die Truppensendungen nach Spanien sagen. Und hier, Ivo das deutsche Wort noch nicht gefesselt ist, hier erhebt sich kein„fürchterliches Lachen", entrüstet sich kein« deutschbürgerlichc Zeitung, weil das sudetendeutsche Bürgertum an diesem blutigen Schacher nichts auszusetzen findet. Die deutschen Soldaten in Spanien kämpfen ja gegen die Arbeiter, gegen die Freiheit, für den Faschismus, für das Führerprinzip— und wenn irgendwo in der Welt gegen die Arbeiter und gegen die Freiheit loSgeschlagen wird, irgendwo in der Welt gegen die Demokratie, ist dieses Bürgertum begeistert. ES kann nicht genug Knechtschaft geben in der Welt. Ein kleiner Park und eine Keine Kapelle in Teplitz-Schönau tragen den Namen des Dichters, der seit 1819 in dem Grabe neben der Kapelle ruht: Seume. Und am Rande des Parks, nahe der Straße, die unten vorbeiführt, steht das Denkmal dieses Fremdlings. Ein Fremdling, war er nicht nur damals, als er, der Kurgast, müde seiner Wanderungen, in'Teplitz-Schönau Heilung gesucht und den Tod gefunden hatte. Ein Fremdling ist«r'ästch^heUii'Und'-henie-erst-techi/-detiti nichts, gar- Nichts"von dem/ was Seume dachte und schrieb/ ist lebendig im sudetendeutschen Bürgertum. Lernt« man nicht in der Schule das Gedicht„Der Wilde" und bliebe nicht davon die eine oder andere' Zeile im Gedächtnis, so wüßte man überhaupt nichts von Seume. Nun, Seume war«in Zeitgenosse Schillers und ein LeidenS- gciiosse jener.„Freiwilligen", die der gnädige Landesherr von Hessen-Kassel durch Werber-in- fangen ließ, um sie zu verkaufen. Er wurde nach Amerika verschickt, ja, und dort hat er, die Häuptlinge der Huronen mit den deutschen LandeSsür- ften vergleichend, gefunden, daß die Wilde» doch bessere Menschen sttrd.— Dieser heute so sehr vergessene Seume war weniger Dichter als poli- Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld 63 Sie ahnten nicht, daß nur bas Tier'den Menschen erlösen, daß nur die Heinilchr zum Gesetz des Leibes den Funken Seele wieder entfachen konnte, der erloschen war/ Wenn diese Frau, die an nichts andres dacht« als an das Geld, Geld für das Kleid, das sie trug, Geld für das Essen, das sie sättigte, Geld für. den falschen Schmuck, niit dem sie ihren Körper behängte, Geld für di« Farbe, mit denen sie Lippen und Wangen bemalte, wenn diese Frau ein Kind hätte: sie würde eS vielleicht lieben, ihr Griff nach dem Geld würde von der Sorge um das Kind geadelt, werden. Aber sie wehrte sich gegen daS Kind, weil sie wußte» daß sie ihm nicht mehr geben konnte' als den Trieb zum Leben, jenen Trieb, der ün Hunger verdorrte und unter den Stiefeln marschierender Kolonnen zermalmt wurde. So lief sie ün Kreis und fand immer nur die eigne Spur, bis sie abfaülte und zusammenbrach. Dann schleppte man ihre» Körper in den Scziersaäl und suchte in dem blutigen Rest ihres Seins den Sitz der Seele. „Ich geh nicht fort, ehe du mir da- Geld gegeben hast." Er stand vor dem Spiegel, band die Krawatte. Seine Hand fuhr in di« Hosentasche, er tvarf eine zerknitterte Banknote auf den Tisch. „Du hast mir mehr versprochen." .„Geh." „Du hast mir fünfzig versprochen. Dar sind nur zehn." „Geh." tischer Denker und Schriftsteller. Er war— man muß.eS sagen auch auf.die. Gefahr hin« daß niemals mehtz ein Kranz, auf stin Grab gelegt wird —«in Demokrat. Und einige^seiNer Aussprüche verdliinenf/den Heutigen ins Gedächtnis zürück- gerufen zu werden: Die Nation, welche nur durch einen einzigen Mann, gerettet werden kanü und soll, verdient Peitschenhiebe. Wo ein einziger Mann den Staat erhalten kann, ist der Staat in seiner Fäulnis kaum der Erhaltung wert. Niemand ist vor dem anderen ausgezeichnet groß, wo die anderen nicht sehr klein'sind. Zeitgemäß ist diese. Erinnerung an.Seume nicht nur seiner unzeitgemäßen Gedanken wegen, sondern nicht-minder deshalb, weil er ein Sohn des deutschen Volkes jeder Zeih war, in der dieses Volkes wirkliche Größe entstand: die hohe, herrliche Kultur, auf di« sich jene so gern berufen, die mit ihr nichts gemein haben und von ihr nichts wissen wollen. Seit dem Jahre 1988, seitdem in Deutschland systematisch das groß«, das reine, edle Deutschtum vernichtet, das groß« deutsche Kulturerbe zerstört, die Wissenschaft unter Kuratel gestellt und die Kunst nach dem braunen Exerzierreglement gedrillt wird, nun ist dem Sudetendeutschtum ein« besondere Kulturaufgabe erwachsen und ihm«ine zwar nicht willkommene, nicht ersehnte, aber doch ungemein bedeutsame Gelegenheit gegeben, kulturbewahrend und kulturschöpferisch zu wirken. Denn mögen die Deutschen in der Tschechoslowakei noch gar mancherlei Ursachen zur Unzufriedenheit haben, darüber können sie nicht klagen, daß hier der'Geist gefesselt wird I Hier kann ungehemmt deutsche Dichtung und deutsche Wissenschaft, hier kann frei« Forschung und freie Kunst leben! Und erfaßte das sudetendeutsche Bürgertum, erfaßte die sudetendeutsche Intelligenz die Gröhe der Zeit und die Besonderheit der Zeit,— man würde weder über die Grenzen schielen noch schauen, sondern hier im Lande, in der Heimat, diese zu einer des deutschen Geistes machend ünd aus dem Bewußtsein wirklicher Kulturverbundenheit sich abwenden von der braunen„Kultur" und sich der Welt und sich selber zuwenden. Sich selber: man würde nicht in Blubo-Kunst machen und nicht darüber klagen, daß man vom deutschen Schrifttum abgeschlossen ist, weil nicht jede nazistische Hetzschrift verbreitet werden darf. Man würde nicht nur anknüpfen an sudetendeutsche kulturell« Tradition, sondern an die große Tradition, des kulturellen Deutschland:.also an das vornazistische. Auch der Welt zuwendenk Unsere Großen waren der Well aufgeschlossen und darum v«-. 'währt' vor nationaler Engt. IlNd'gerade deshalb; weil sie Weltbürger waren, würden sie z» gtößen Deutschen! Aber was bedeuten sie denen,, die sich so gern auf di« deutsche Kulturverbundenheit be- rufen! Tot ist für sie Kants Ethik, Herders Humanismus, Lessings Toleranz, Schillers Freiheitsliebe und' Goethes Weltbürgertum. Der in seinem Vaterlande heimatlos gewordene Dichter Thomas Mann, im edelsten Sinne des Wortes Bewahrer und Fortentwickler deutschen Kulturgutes und als großer Deutscher auch Weltbürger/ fand zwar in der Tschechoslowakei eine neue Heimat, aber in einer tschechischen Gemeindet In jedem deutschen Orte hätte sich hesttger Widerspruch der Henlein-Leute gegen seine Einbürgerung erhoben. Wer hätte— außer den nationS- verräterischen Roten— etwa gar gedacht, daß den, Sudetendeutsche» keine größere Ehre zuteil werden könnte, als ds«, Thomas Mann zu den Ähren zählen zu dürfest? Was bedeutet ihnen noch Thomas Mann, Wenner ist'Deutschland ausge» Kirgert wurde? Ein„Nationsfeind"! Der Mensch, der schlechtestes Deutsch schreibt, konnte den Denker und Künstler,'der edelstes und' schönstes Deutsch schreibt,»aus der Nation auSschließen" — und nicht eine Stimme des Protestes erhob sich im sudetendeutschen Bürgertum! - DI« große Möglichkeit-wird verpaßt werden, daS sudetendeutsche Bürgertum wird, sich weiterhin mit Hitlerdeutschland und nur mit diesem Deutschland kulturverbunden fühlen, eS wird keine eigens freie Und deshalb große kültu^Ile Leistung, volbbringen,— es mag nicht,«S erfaßt die Bedeutung dieser Möglichkeit nicht und will nichts als hitlertreu, als führertreu sein... Wie anders könnte'«in innerlich freies Sudetendeutschtum, ein seiner kulturellen Mission sich bewußtes, ein demokratisches und deshalb eigener Höherentwicklung fähiges, dem tschechischen Boll« gegenüber stehen! Veränderungen Im„Prager Tagblatt** - Herr Kats als Betriebsdiktator?— Drei Entlassungen Prag. Durch die Presse ging vor einiger Zeit di« Nachricht, daß im redaktionellen Betrieb d«S „Prager Tagblatt" einschneidende Veränderungen bevorstehen. Die Nachricht wurde zwar formell dementiert, jedoch gleichzeitig dadurch bestätigt, daß der. bisherige Chefredakteur Blau „beurlaubt" würde und an seiner Stell« der Neiseschrlftsteller R. Katz die redaktionelle und offenbar auch die administrative Leitung des Unternehmens übernahm. Wie wir hören, tvurde er von den Besitzern mit unbeschränkten Vollmachten auSgestattet. Die Frage, ob sich dieser Wechsel auch in der politi- schen Einstellung deS Blattes auswirken wird, ist gewiß nicht unaktuell und sie wird auch bereits in den Leserkreisen des„Prager Tagblatt" lebhaft diskutiert. Es sind uns darüber verschiedene Anfragen und Mitteilungen zuzegangen, deren publizistisch« Verwertung unS jedoch verfrüht erscheint. Von Interesse ist auf all« Fälle die Tatsache, daß-bereit» drei Redakteure und zwar W. Stark von der Wirtschaftsredaktion des Tagblatt, Ho r n i g und Szekler von der„Neuen Morgenpost" gekündigt wurden. Wie wir hören, hängen diese Entlassungen mit Ersparungen zusammen, welch« durch di« aus der Tätigkeit des Herrn Katz erwachsenen Mehrkosten erforderlich wurden.-.„.\ : ssnd'.neügierttß'db sich dle'RdlchSßMktk« schäft der Journalisten ihrer einem forcierten kapitalistischen Profitstreben zum Opfer gefallenen Kollegen annehmen wird.. bankrott dar kommunistischen Seurerkschakten Wie bekannt, haben die Kommunisten«In« Aktion eingeleitet, welche die Verschmelzung ihrer Gewerkschaften mit den Freien Gewerkschaften zum Ziell hat. Wir haben schon vor kurzem in einer Notiz geschrieben, daß der Grund hiezu die hoffnungslose finanzielle Situation einiger kommunistischer Getverkschaften ist. DaS toird bestä„Jch werde eS allen erzählen. Du bist ein Schmutzian, du bist ein Lump." Er wandte sich um, er packte sie am HalS, er drängte sie zur Tür. «Wirst du jetzt endlich gehen?" Sie machte sich frei, lief zum Tisch, streckte hastig die Hand nach der Banknote aus.„Allen saz ich eS. DaS ganz« Cast soll«S wissen. Du Geiz» hals, du Lügner, du Lump." Marion knallte die Tür zu, schob die Banknote in die Tasche, fluchte den ganzen Weg lautlos Vor sich hin.. Sie wird schweigen, dachte Gerleitner, und morgen wiederkommen. Sie ist sticht mehr wert, als ich ihr gegeben habe. Täglich der Zank um da- Geld. Eigentlich ekelhaft. Man sollte sie zum Teufel jagen und ein neues Leben anfangen. Mit einer Frau, die nicht nur ein Körper war, den man kaust«. Mit einer"Frau, die weiche,- stille Hände hatte, zärtliche Hände, die über di« Stirn strichen in trüben Stunden. Di« lächeln konnte, nicht nur grell austachen wie Marian. Er-sah sein Gesicht im Spiegel, schlecht rasiert, Säcke unter den Augen, di«.Kopfhaut schiinmerte.durch das schütter«'Haar. Wieviel bist du noch wert, sägte er zu sich, welche. Frau wird dich nehmen? Reu'anfangen? Dazu ist«S zu spät. Du bleibst schon der alte Geizhals, der Lump. Du bleibst schon in dem Drzck, in dem du steckst. Niemand zieht dich heraus. Niemand. Aus. Schluß. Zu spät. Bis du krepierst.— „Neu anfangen? Dazu ist«S zu spät", sagte Frau Finsterbusch. Die KriegSkarte lugte über den Rand der Tasche. Der Rock hing.über einen Sessel. Finsterbusch ging ist Heindärmeln auf und ab, seit einer Stände. Er machte seiger Frau Vorwürfe. Das Geschäft ging nicht sa-gut, wie er erwartet hatte. Sic mußten sparen. Mit jedem Groschen rechnen. Sie dächte sticht- an seinen- Vorteil. Sie ließe alle» laufen, wie«» lies. Da» Personal stritt vor den Gästen. Die Köchln schleppte jeden Abend«ine Tasche voll Essen nach Hause. Pelikan schlief im Winkel, wenn er kassieren sollte. Frau Finsterbusch erwiderte, er habe sie ja auch nicht gefragt, als er da» Tast umbaut«, sie habe ihm die neue» Sorgen ja nicht auf den HalS geladen, sie sei überhaupt der letzte Niemand in diesem Betrieb,«ine Buchhalterin ohne Bezahlung'. Da war er weich geworden, hatte seine Hand auf ihre Schulter gc- legt. Auch die» solle anders werden. Sie lvollten «In neue? Leben beginnen. Neu anfangen. Auch Ist ihrer Ehe; mit neuem Berttauen, in einer neuen Gemeinsamkeit.. „Warum ist e» zu spät?" fragte Finsterbusch. Die Frau saß am Fenster,, die. Hände im Schoß gefaltet, blickte in'den Hof, zu den Mauern gegenüber, zu den Scheiben, in denen stch nie di: Sonne spiegelte. Sie sagte ganz leise, in sich hin» ein, mit einer Stimme, die tonst» war:, .«Ich werde eist Kind, haben." ., Er blieb stehen, steckt« di« Hände kn di- Hosentaschen, starrte sie an... „Du wirst ein Kind habest? Und las erzählst du mir,'als.ob du sagtest: Heut« ist Freitag und die Sonne scheint?" ,/Ich werde. ein Kind habest?" sägte di- Frau, nun wär ihre Stinnne sicher und'beherrscht, „und ich werde diese» Kind aufziehen. Ob du damit einverstanden bist oder nicht, ist mir vollkommen gleichgültig-. Finsterbusch war keine» Wortes mächtig. Er lebte mit dieser Frau zehn Jahre, st«, war vcr» schlossen, er wußte sticht, wa» in ihrem Herzen vorging, aber sie war ihm keine schlechte Frau gewesen, sie'hatte den HauShalt ist Ordnung, gehalten, sie hatte.sparsam gewirtschaftet, sie haft! seine Bischer geführt und ihren Schinuck versetzt, al» sie die Rechnungen.nicht bezahlen konnte:S>! wär- eist. Stück de» Tast», und gehörte- ihm, wie'-die». Cast. Nun erklärte'-sie au» blauem Himmel, sie»volle /ihren, eigene» Steg gehen, ste habe ein Kind. Sie wolle das Kind auf- tigt durch eine Mitteilung, die der»BeLernik . Präva Lidu" macht. Bor einigen Monaten hat «In« Gewerkschaftsorganisation,'welche Mitglied der tschechoslowakischen GewerkschaftSvereinigüng ist, mit Zustimmung der Zentrale probeweise Schritt« zwecks Bereinigung mit der kommunistischen Organisation gemacht. Bei den Verhandlungen kam nun heraus, daß der kommunistische Verband große Schulden habe und eS wäre das ganze schwer erworbene Vermögen der Freien Gewerkschaften notwendig gewesen, um diese Schulden zu bezahlen. Das hat aber die Frei« Gewerk» schäft, abgelehnt. Mit Recht bemerkt das zitierte Blatt, die-Kommunisten müßten, bevor Berhand« ' langen eröffnet würden, angeben, welche Schulden ihre Verbände haben. Angesicht» dieser Sachlage wäre«» besser, wenn di« Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaften ihre Verbände verließen, um sich bei den Freien Gewerkschaften anzumelden. belgischer Protest gegen die Turiner Rundfunkrede Degrelles Brüssel. Außenminister SPaak hat am Donnerstag dem italienischen Botschafter offiziell sein Erstaunen darüber mitgewilt, daß der belgische Rexistmführer De grelle ermächtigt worden sei,«inen italienischen Seither zu benützen, um eine Kampagne fortzusetzen,-die das politische Leben in Belgien angehe. Der Aussenminister betont« weiter», dass«tu solche» Geschehnis den guten Beziehungen zwischen Belgien und Italien nur schaden könne. f Der 30. Sänner In Deutschland Berlin,(Tsch. P.-B.s In politischen Krei- j sen rechnet man. mit der Möglichkeit der Einberu- ' jung de» Reichstage» zum 89. Jänner, dem vierten Jahrestag der Machtergreifung, und einer . Rede de» Reichskanzlers Hiller vor dem Reichs- ' tag, die stch mit rein in n e r p o l i t i s ch e n Fra- > gen beschäftigen werde. Auch die Abhaltung einer Kabinettssitzung am 89: Jänner Wird als möglich angesehen, da bekanntlich da» kurz nach der Machtübernahme verabschiedete und auf zunächst vier Jahre befristete Ermächtigungsgesetz für di: Reichsregierung am 80. Jänner abläuft und nunmehr zur Sicherstellung der staatspolitischen Kon- tinuität eine weitere gesetzliche Regelung- erforderlich sein dürft«. Daß der 80. Jänner wie. im Vorjahre im Zeichen größerer Veranstaltungen .stehey dürfte,, hält man in„poljtjsKm Kreisen ebenfalls-für feststverständlich^.Maä-Wcist jedoch nochmal» ausdrücklich darauf hin,' daß in der g«. samten Führung und in der Verfassung der Deutschen Reiche» keinerlei AeNdecung eintreten Werde. ein.Sozialdemokrat Bürgermeister von Lodz Warschau. Der ehemalige sozialistische Abgeordnete Norbert B a r l i ck i, der seinerzeit, im Brester Prozesse zu drei Jahren Kerker verurteilt wurde, ist zum Bürgermeister der Stadt Lodz gewählt worden. In der Stadt Lodz haben bekanntlich die Sozialisten bei den letzten Gemcindewah- len ein« starke Majorität erzielt. ziehen. Sie wolle stch um ihn nicht mehr kümmern. Sie wolle ihn vor 1 der ganzen Welt lächerlich machen. Sie wolle das Cast in den Ruin treiben. Das Blut stieg ihm in den Kopf. Er ballte die Hände in der Tasche, die Nägel schnitten- ins Fleisch. -„Du bist ja toll", schrie er. „Ich bin bei vollen Sinnen" erwiderte sie langsam. Ich weiß genau, was ich sage." Nun fuhr er auf.„Die gnädige' Frau hat «Inen Liebhaber. Die gnädig« Frau bekommt von ihrem Liebhaber ein Kind, Sie geht-hin und erklärt ihrem Mann: Du wirst da» Kind ernähren, es wird in deinem Hau» aufwachsen, ob du damit einverstanden bist oder nicht." Er lief zum Schrank, trank«in Glas Kognak „Ich hqbe manches begreifen gelernt, das ich früher nicht begriffen habe: Ich weiß, daß we Welt auf dem Kopf steht und die Gesetze, in denen wir erzogen wurden und die wir geachiet haben, nicht wehr gelten. Aber e» ist-mir unfaßbar,-wie du niir zumuten kannst, in dieser Komödie-mit» jüspielen." „Ich habe zehn Jahre Komödie gespielt/ vor allen. Menschen. Ich habe die glücklich« Frau gespielt, die zufriedene Gattin de» angesehenen Tasttier» Finsterbusch. Und ich war in Wirklichkeit nicht Mehr als' ein Dienstbote:.der' in der Küche sitzt und sein« Arbeit macht und-.ein gute» Kleid änzieht, wenn die Gäste kockm'en, damit der Hausherr sich nicht schämen müßte. Zehn Jahre habe ich Theater gespielt.' Jetzt will ich Mein Recht." ,,E» ist wohl dein Recht, von einem anderen MaNn ein Kind zu bekommen? Es ist wohl dein Recht, einen'Liebhaber zu halten?"' „Ich wollte'ein Kind, ganz egal, vpn wein. Verstehst du da» nicht: Ich will ein Kind. Ich Will eist Wesest haben, da» ich lieben kann mw da» mich liebt. Mer was verstehst du davon.". •.(Fortsetzung folgt.) Nr. 8 SamStag, 9. Jänner 1937 Seite 3 VWE^WWWWWW Zeitspie&el ======^=zs:sz=ss5=sssss=5sss=sas Erholunssaktion für Arbeitslosenkinder 1070 Kindler am NordMhmen Aehnlich wie im Vorjahre werden auch in diesem Jahre die bedürftigsten Kinder der Arbeitslosen vom Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen durch mehrere Wochen in Erholungsheime entsendet. Die im vorigen Jahre durchgeführte Aktion hat außerordentlich günstige Erfolge erzielt. Aus dem Bodenbacher Kreisgebiete sind folgende Entsendungen in Aussich! genommen: Die Aktion umfaßte im vorigen Jahre gesamtstaatlich 10.000 Kinder. S i e ist der ausschließlichen Initiative des deutschensozialdemokrattschenGe- sundheitsministcrDr. Czechzudan- k e n. Um so erfreulicher ist eS, daß auch in diesem Jahre die Aktion fortgesetzt wird. Sir bezieht sich in der Hauptsache auf I n d u st riebe z i r k e und in diesen vornehmlich auf I n d u- st r i e o r t e sowie auf solche Gemeinden, in denen Industriearbeiter oder nicht selbständig in der Heimarbeit beschäftigte Personen in großer Zahl wohnhaft sind. Es werden in die Aktion lediglich Kindermitbesonders angegriffener Gesundheit im Alter von sechs bis 14 Jahren eingegliedert werden Böhm.-Leipa. 180 Kinder Tetschen.. 270 Taub«... 29 Deutsch-Gabel 70 Rumburg.. 110 Schluckenau. 140 Aussig... 200 Warnsdorf. 80 und zivar lediglich Kinder, deren Ernährer arbeitslos oder beschränkt beschäftigt sind. In beschränkter Zahl können für die Aktion auch Jugendliche bis zu 21 Jahren in Betracht kommen, für welche dieselben gesundheitlichen und sozialen Motive gelten wie für die Schuljugend. Die Unterbringung der Kinder erfolgt grundsätzlich auf die Dauer von sechs Woche n, soweit nicht das Gesundheitsministerium in AuSnahmssällen anders entscheidet. Mit Rücksicht auf den rein gesundheitlichen Charakter der Aktion wird die Auswahl der Kinder in jenen Gebieten,' in denen die Einrichtung von Schulärzten besteht, von diesen, in den übrigen Gebieten von den staatlichen Aerzten(Bezirks- und Stadtärzten) durchgcführt. Mit Rücksicht daraus, daß im vorigen Jahre nicht alle ausgewählten Kinder an der Aktion teilnehmen kann« ,tcn, hat das Gesundheitsministerium verfügt, daß umbüProzent mehr Kinde rauSge- wählt werden sollen, als zur Ent- sendung in Frage kommen werden. Die Durchführung der Aktion erfolgt unter den« Vorsitz hes Vorstandes der Bezirksbehörde in Gegenwart des SanitätSrcfcrentcn und der Vertreter der im Bezirk wirkenden Gewerkschaftszentralen. Es sei darauf aufmerksam gemacht, dqß eS sich nicht um eine Ferienkolonie, sondern um eine Ge n e s u n g s a k t i o n für gesundheitlich geschwächte Kinder handelt, die augenblicklicher Hilfe -dringend bedürftig sind. Schweres Unglück Im Paul-Il-Schacht Donnerstag, den 7. Jänner, in den späten Nachmitta-^stunden ereignete sich im Paul II- Schacht in OberleutenSdorf«in schwerer Unglücksfall, dem leider wieder ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, Durch einen im ganzen Revier wahrgenommenen Pfeilerschiiß riß ein Lberhängendes Gesimse in acht Meter hohem Abbau und begrub die beim Bohren beschäftigten Häuer Joachim Baier aus Bruch und Ullrich Pohl aus OberleutenSdorf unter den her- abstürzenhen Kohlenmaffen. Während eS dem Hauer Pohl gelang, sich den Oberkörper freizu- mächen"sinlp'ihn die"schnell''"zur HilfenilendeN Kameraden In schwer verletztem Zustand zit bergen versuchten, konnte Baier nach schweren Mühen, wobei die helfenden Kollegen sogar in Gefahr kamen, leider nur als L e i ch c geborgen werden, Große Stücke hatten ihm das Genick gebrochen, die Kniescheibe zerschlagen und noch andere schwere Verletzungen beiacbracht, daß der Tod wohl sofort eingetreten sein mutzte. Baier ivar ein allseits beliebter Arbeitskamerad' und ein guter, aufrichtiger Gcnosie, der für die Idee des Sozialismus immer eingetreten ist. Er war verheiratet und Vater eines kleinen Mädchens.' Pohl wurde sofort ins Brüxer Krankenhaus eingeliesert. . Selbstmord in der Untersuchungshaft. Die wegen einer Gefällsübertretung seit dem 7. Jänner in Untersuchungshaft befindliche Pauline P a r b i e t aus Karlsbad wurde vom Gefängnisaufseher bei seinem Rundgang am Fenster erhängt aufgefunden. Arbeitsaufnahme bei Mautner-Grünwald Die am 8. d. M., im Finanzministerium in Prag stattgcsundenen Verhandlungen hatten das Ergebnis, daß der Betrieb Mautner in Grün- ivald am Montag oder Dienstag wieder zu arbeiten beginnen wird. Der monatelange Streik hat damit endlich einen Abfchluß gefunden. Die Prager Deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: Sonntag, 19. Jänner, 14.89—14.48: Moderne Wirtschaftsregelung(Bruno Schwab- Ausiig). Mittwoch, 18. Jänner, 18.29—18.49: Der Wiederaufbau des sudetendeutschen Lebens- ranme»(Dr. Emil Strauß). Freitag, 18. Jänner: 18.88—18.43: Aktuelle zehn Minuten. Sonntag, ,17. Jänner, 14.89—14.48: Militärisch« Probleme im Bürgerkrieg(Dr. Emil Franzel). Der Karbitzer„Schulschacht". Die Aushebung des Schachtes unter dem Karbitzer Klassen- zimmer wird fortgesetzt. Man hat jetzt eine Tiefe von 18 Metern erreicht. Ein Wünschelrutengänger behauptete, daß sich in der Nähe der Karbitzer Schule unterirdische Gänge von großen Ausmaßen befinden. Vorschlag zur Güte. Der ScktionSchef d:S Eisenbahnministerinms Jng. H a n i ch teilte dieser Tage mit, daß die Verbesserung der Bahnkörper bereits sehr weit fortgeschritten ist. In vielen Fällen könne eine 120 Kilometer übersteigende Geschwindigkeit gestattet werden.— Uns dünkt, daß es zweckmäßiger wäre, nicht unbedingt nach Rekordgeschwindigkeiten zu streben, sondern dafür zu sorgen, daß die Fahrpläne eingehakte,, werden.. „Heil Hitler!" Vor dem Kreisgerichte in E g e r sind im Jahre 1986 insgesamt 262 Schutzgesetzfälle zur Verhandlung gekommen, deren meisten sich auf den AuSruf„Heil Hitlerl" bezogen. Gegenüber dem Jahre 1938 ist ein Rückgang der Zahl der Schutzgesehassären im Egerox Krk.isg.exjchtSsprengel. zu verzeichnen, denn 193S.hatten:sich.vor dem Egerer'Kreisgs- richte in Schuhgesetzfällen 383 Personen zu verantworten. das, von über dir Einstellung der„8reiwillig«n"-TranS- porte ziach Spanien im ganze» günstig ist und das) die Antworten trotz der verschiedenen Bedingungen den W c g z u weiteren Verhandlungen öffnen..Di« französischen Stellen wenden dem vierten Absatz ihr« Aufmerksamkeit zu, in dem Deutschland srinen Willen bekundet, mit den übrige« Staaten bezüglich der Maßnahme« zur Einstellung der Freiwilligen- transport« nach Spanien zusammenzuarbeiten. Gegeir die zwei ersten Bedingungen der deutschen Negierung— Abkommen zwischen allen Interessierten Staaten und sofortige Behandlung aller übrigen Fragen der indirekten Nichteinmischung in die spanischen Angelegenheiten— werden in Frankreich keine Einwände erhoben. Hinsichtlich der dritten Bedingung, nämlich'Einrichtung.einer wirksamen K o n t r»l l r, ist man«m den fran- zöstschen amtlichen Stellen der'Ansicht, daß gerade diese Angelegenheit den Ausgangspunkt der gemeinsamen Bestrebungen und der'beschleunigten. Berhandlunge» allere interessierten Staaten bilden sollte. Wag die französische Regierung betrifft) so Ist sie bereit, sobald«in Abkommen zwischen allm Interestierten Staaten erzielt sein wird, alle administrativen Maßnahmen zu tref» sen, um sowohl die Durchfahrt ausländischer, als auch di»'Abreise heimischer Freiwilliger nach Spanien zu verbieten. »Populaire"sagt, in den von Deutsch- laud und' Italien vörgeschlagenen Bedingungen könnten keinerlei ernsthafte Hindernisse für die Verwirklichung der von Frankreich und England vorgezeichnetcn Ziele erblickt werden. Es dürfe keine-weitere Zeit verloren werden, da das einzige Mittel zur, Ueb'erwindung aller Schwierigkeiten-darin besteht!. die Politik der Nichteinmischung durchzuführen und ihre Durchführung im'ganzen-Umfange zu erzwingen und aus Spa» . Um»palos" London.(Reuter.) Der spanische Botschafter hat gestern im britischen Außenamt mitgeteilt, daß die spanische Regierung bereit sei) den Londoner NichteinmischungSauSschuß zu ersuchen, darüberzu entscheiden, ob der auf den deutschen Dampfer„PaloS" beschlagnahmte Teil der Fracht Kriegsmaterial darstelle. Sollte der Nichtein» mischungsausschuß entscheiden, daß eS sich n-i ch t um Kriegsmaterial handelt, sei die spanische Re» britischer Truppentransport Ins Mittelmeer London. Unter den ins Mittelmeer entsandt«» Schiffen lief auch das Schiff„D i l- w a r a" mit«ini g en B a t a t l l» n e n Marine-Infanterie und bedeutende« MünitionSvo.rräten aus Southampton nach dem Mittelmeer auS. Vas Echo der Antworten Besorgnis und Zweifel In London Ruhige Ueberlegung In Paris London. Das Reuter-Bureau meldet, daß die italienische«nd die deutsch« Antwort auf das französisch-britische Memorandum betreffend das Freiwilligenverbot für Spanien im Londoner Außenministerium sehrsorg- sältig geprüft werden. Nach britischer Ansicht wird auf diplomati schem Wege parallel mit den Arbeiten, des Nicht- interventionsausschusses weiter verhandelt werden müssen. Minister Eden konferierte Freitag vormit tags über die Lag«.in Spanien mit den Führern der liberalen und der Arbeiteropposition. Ferner wird gemeldet, daß Minister Eden «Uva vor drei Wochen mit dem' französischen Bot schafter Corbin über die Lage in M aro kk o ver handelt hat, welcher Frage die britische Viegie- rung ständig ihre Aufmerksamkeit widmet. An« DonnerStag fand sich der deutsche Ehargt d' affaireS in London aus Ausfordrrung des Ministers Eden im britischen Außenamt«in. Bei diesem Besuch hat Minister Eden, wie ver lautet, den dringen drnWnnschGroß- b r i tanntenS nach Ktnstell u n g des Zustro meS fremd er„Freiwl l- liger" nach Spanien zum Ausdruck gebracht. Der britisch« Standpunkt in dieser Hinsicht ist immerfrster. London.„Daily Herald" stellt fest: Die Antwort Hitlers und Mussolinis enthält nicht jenes„Nein",' das viele befürchtet haben. Man kann sich.,hierüber.freuen. Sind aber üie Antworten gu.f r i ch t i g? Sind nicht die Vorbehalte eiy Vorspiel. zu Verhandlungen, 1 die sich in die Länge ziehen und ermöglichen fpür- . den, daß. weitere Tausende Soldaten die Reihen jener stärken, di« für Spanien kämpfen? Das Ver- - halten der deutschen und der italienischen Dele- . gierten im Nichtinterventionsausschuß wird die erste Probe sein, nach der man die Aufrichtigkeit ihrer- Negierungen Wird beurteilen können. Paris. Au Pariser amtlichen Stell« heißt eS, daß der Ton der Antworten der deut- Der Zweck der„Nichteinmischung“ Paris.(HäVaS.)„Le Journal" meldet in seiner ProvinzanSgate aus Berlin: ES bestätigt sich, daß di« deutschen Behörden, um der Entwicklung. der Ereignisse in Spanien«tgcgeuzuwir-, ken, sich entschlossen haben, gemeinsam mit Jta- lim besondere durchgreifende Maßnahmen zu dem Zwecke, zu ergreifen, damit General Franeoin zwei Monaten derartige Erfolge aufzuweisen habe, daß an seinem endlichen Siege nicht mehr zu zweifeln ist. Zu diesem Zweck« wurden in daS Hauptquartirr der Armee der Ank- ständischen große Mengen von KriegSniaterial entsendet>md gleichzeitig wurden entsprechende Abteilung«. zur. Bedienung dieses Materials expediert. ES handelt sich um Einheiten ans technischen Formationen, di« besonders d« Garnl- soucn von Ruppin,.Lauenburg und Furth entnommen waren. ES wurde außerdem genieldet, daß weiter auch Abteilungen aus München nach Spanien entsendet wurden, doch wurde diese \ Meldung bisher nicht bestätigt. An deutsch« zuständigen Krrisrn wird darauf hiitgewieseiu eS sich ausschließlich um- dir Entsendung Freiwilligen gehandelt habe. schen und der italienischen Negiernnn auf den nien alle nichtspanischen Soldaten so schnell als Niepung. bereis diese beschlagnahmte Frach französisch-britisch« Vorschlag vom SS. Dezember i nwglich zu beseitigen.^Deutschland zurück-u stellen. Das Arbitrageverfahren erfolgreich Paris. Die Streikkonflikie in Frankreich sind hauptsächlich dank dem Arbitrageverfahren gemäß dem Gesetz vom 31. Dezember v. I. zum größten Teil bcigelegt. Sowohl in der Lebensmittel- als auch in der Metallindustrie haben die Streiks aufgehört. In den Mctallwerlen von Lille und Umgebung haben die Arbeiter nach siebenwöckii- gem Ausstand die Arbeit am Freitag wieder ausgenommen. Auch in zwei großen Zuckerfabriken in der Umgebung von Paris, Ivo der Streit fast zwei Monate dauerte, werden die Arbeiter Montag die Arbeit wieder aufnehmen. In den großen Wäschereien in Paris und Umgebung wurde Freitag vormittags der Schiedsspruch erlassen, der die Löhne und die Arbeitszeit regelt. Auch die Taxichaufseure haben sich mit ihren Arbeitgeber» geeinigt. Laut einer Erklärung des Innenministers Dormotz streiken in Frankreich insgesamt 6509 Personen, hievon in Paris rund 1800. Gablonzer Theaterbrief Die Spielzeit 1086/37, für die als neue Direktoren Dr. Richter uitb H. PH. Wenning zeichnen, begann zwar nicht In einer so optimistischen Stimmung wie die vorherige, aber man darf dafür hoffen, daß sie nicht mit den peinlichen Verstimmungen der Oeffentlichkcit endigen wird, die den Beginn offenbar vorbelastet hatten. Beträchtlich verringerte Abonnentenzahl, aufs äußerste herabgcdrückte Eintrittspreise und die von jeher im Verhältnis zu dem Rufe der Bühne unverhältnismäßig geringe öffentliche Subventionierung hatten die neue Direktion von vornherein vor die harte und vom künstlerischen Standpunkte nicht unanfechtbare Aufgabe gestellt, in voller Verantwortung der finanziellen Grenzen durch äußerste Sparmaßnahmen und Ausnützung aller technischen Möglichkeiten dennoch einigermaßen gediegene reguläre Theaterspielzeit zu gewährleisten. Höhere Erwartungen waren leider nicht am Platze und gewisse Schwächen kaum restlos zu vermeide». Das konnte keinem wirtlichen Theaterfachmanne auch schon zu jener Zeit unbekannt sein, als der SdP» »Kamerad" noch vom»einzigen deutschen Theater" schrieb. Bei der durch die wirklichen und vermeintlichen Erfolgsstücke gegebenen Parallelität der deutschen Provinzspielpläne und darüber, hinaus, erübrigt sich eine detailliert« Stellungnahme, ob es nun die unvermeidlichen Modclustspiele,-Operetten oder die Krüninalstücke seien, mit, denen.auch.sehr gute Bühnen ihr Repertoire füllen müssen.- Diese Werke des leichten Genres fanden, zumal hiefür wirklich Qualitäten im Ensemble vorhanden sind, eine gefällige Wiedergabe und oft dankbares Publikum. In klassischen Operetten wurde mit der Eröffnung durch die „Fledermaus"«in freundlicher Auftakt gemacht, allerdings durch weitere Einstudierungen die guten Eindrücke nicht immer bestätigt. Das liegt wohl an der Hast des SpielplaneS, aber auch an dem numerisch allzu kleinen Ensemble und an dem unzulänglichen Chor. Von den gelegentlichen Operneinstudierungen war nur die von d'Alberts»Tiefland" unter Kapellmeister Wiese eine glückliche. Einige Abende brachten Gäste, von denen Ernst Deutsch und Tilla Durieux unvergeßlich bleiben. Dauererfolge in der Operette stellten die beiden Werke von Jara Beneö,.»Der gütige AntoniuS" und nunmehr.»Auf der grünen Wiese", die auch in äußerer Aufmachung sehr wirkungsvoll herauSgcbracht wurden. In den Hauptfächern des Ensembles sind in den Damen Gasser, Artelj Angerholzer und In den Herren Diehl, Elstner, Alberich, Forrest, Pilz-Berger und Kapellmeister K. M. Pisarowih entschieden Kräfte von gutem Nwcau vorhanden. Wär di« Frage der SdP in beziig'aüf'daS Theater betrifft, so sind ja die GlcichschaltungSbestre- büngen keine Ucbcrraschung, obwohl sie sich lange in latenter Form hielten. Erst in jüngster Zeit trac die SdP mit einer öffentlichen Erklärung unzweideutig gegen die jetzig« Theatersührung hervor. Dabei wurde ferner offiziell bekannt, daß die Direktion unbegreislicherweise ein bestimmtes Uebercinkonimen mit jener Partei getroffen hatte. Der wahre Grund der geänderten Taktik stellt jedoch seitens der SdP offenbar nur einen Versuch dar, die gerade in den dcutschbewußten Kreisen feit jeher hervorragend ausgeprägte Interesselosigkeit gegenüber dem Theater zu verschleiern. So viel dazu im Rahmen dieses Be- . lichtes. Unsererseits können wir mit Genugtuung berichten, daß seitens der gewerkschaftlichen und kulturellen Organisationen der Arbeiter und Angestellten jetzt regelmäßige Sondervorstellungen durchgeführt werden, die stets vor ausvcrkauftem Hause in. Szene gingen und damit der Erhaltung des Theaters tatkräftig dienen. Eine mustergültige Aufführung von Nestroys»LumpacivagabunduS" mit Adolf-Müllers Originalmusik eröffnete die Reihi und das gut« alte Werk wurde zugleich Zugstück für den allgemeinen Spielplan. In weiterer Folge erzielte Vilöm- Werner» soziale Komödie»Menschen auf der Eisscholle"(unter Berg» Regie mit den Herren Wilforr, Hansen, Elstner und den Damen Berger, Pally und Weigel) wohl den nachhaltigsten Erfolg der bisherigen Spielzeit. Gerade dieser Erfolg spricht gegen die sonstige Vernachlässigung seriöser zeitgenössischer Prosawerke, um so mehr, als doch die Voraussetzungen, durch repräsentative musikalische Aufführungen die kulturelle Roll« des Theaters zu betonen,- erst recht nicht gegeben find, G. M. Selle 4 Sambtag, 9. SHitnct 1037 Nr. S Die Unbelehrbaren Zwei Münchener Kletterer, die eine Winterbesteigung der gefährlichen Watzmann-Ostwand durchführen woflten, sind in Bergnot geraten. Links: St. Bartholomäus mit der fäh abfallenden Ostwand des Watzmann. Rechts: Berg Wächter bei ihrer schweren Arbeit. Polzen-Talsperre beschlossen Bereits feit dem Jahre 1899 sind interessierte Kreise an der Arbeit, um die Errichtung einer großen Talsperre amPolzenbeiWes- s e l n zu ermöglichen. Diese Vorarbeiten sind nun soweit gediehen, daß in absehbarer Zelt mit den Arbeiten begonnen werden könnte, wenn es gelingt einen restlichen Betrag von ca. 4 0 0.0 0 0 XL aufzubringen. Am Montag, den 4. Jänner, fand in B.» L e i p a eine Versammlung der an diesem Projekte interessierten Gemeinden, Bezirke und Was» serwerksbesitzer statt. Der Versammlung, die unter dem Vorsitz« des Tetschner Bczirkshauptman« neS, Oberrat Dr. P i z l tagte, wurde vom Jng. Wenzel Philip aus B. Leipa ein ausführlicher Bericht erstattet. Diesem Berichte, der noch wirksam vom Obmanne des BauauSschusscS, Herrn P e t e r l e, ergänzt wurde, entnehmen wir folgendes:> Der Polzcnfluh ist in seinem mittleren und unteren Laufe sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Industrie von größter Bedeutung. Leider aber ist der Wasierstand des Polzen sehr ungleichmäßig. Hochwasser wechselt rasch mit fast völliger Trockenheit ab. Dieser Kalamität soll dadurch abgcholfen werden, daß eine Talsperre den Zufluß reguliert. DaS erste Projekt sah eine Talsperre direkt bei dem Orte Wesseln im Bezirke B. L e i p a vor. Der FassuugSraum sollte 6.2 Millionen Kubikmeter Wasser betragen. Leider hat dann aber eine Kommission der Landesverwaltung festgestellt, daß der Untergrund in Wesseln nicht zu derartigen Bauten geeignet erscheint. Es muhte also aus diesem Grunde di« Talsperre um S00 Meter weiter gegen K u m* in er zu verlegt werden. Durch diese Verlegung wird nun zwar guter Baugrund erreicht, jedoch tritt dafür wieder eine ander« Schwierigkeit auf: DaS Stauwasser würde in diesem Fall«, wenn der Inhalt der Sperre der gleiche bliebe, bis zur Gemeinde Kummer reichen und zwar bi» nahe an den Kummerteich. Leider wurden gerade in den letzten Jahren in diesem Gebiete, das nun überschwemmt würde, mehrere neue Häuser gebaut. Diese Häuser müßten nun entweder abgetragen werden oder man müßte sie durch einen kostspieligen Damm vor der Ueberflutung schützen. Aus diesem Grunde hat man sich entschlossen, den Stauinhalt von 6.2 Millionen auf 5.1 Millionen Kubikmeter Wasser zu reduzieren. Die Kosten dieses Projektes betragen nach verläßlichen Berechnungen ettva 7,8 0 0.0 0 0 Xö. Von dieser Bausumme ftnd nach den Mitteilungen des Vorsitzenden, bereits 90 Prozent durch Zuwendungen der verschiedenen Ministerien und des Landes gedeckt. Es verbleibt somit nur noch der verhältnismäßig geringe Betrag von 780.000 X6. Aber auch dieser Betrag wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach noch um etwa 50 Prozent verringern, Iveil das Ministerium für soziale Fürsorge noch Zuwendungen aus dem. Titel der produktiven Arheitslosenfürsorge machen wird. Cs wäre also nur noch mit einem fehlenden Beitrag von 400.000 XL zu rechnen. Herr Bezirkshauptmann Pijl teilt auch mit, daß der Bezirk Tetschen bereits den Beschluß gefaßt habe, 50.000 XL für diesen Zweck zu widmen und daß er ertvarte, daß alle übrigen Interessenten ebenso bereitwillig zu diesen Kosten beitragen weichen. Der Vorsitzende machte auch darauf aufmerksam, daß di« Versammlung über das Schicksal dieses Projektes zu beschließen hat. Er verlangte ein klares Za o d e r N e i n. i An der anschließenden Debatte beteiligten sich die Vertreter der verschiedenen Geinginden, meistens in zustimmendem Sinne. Der deutsche Sozialdemokrat K a h a b k a, der als BezirkSver- trcier dieser Sitzung beiwohnte: tvieS eindringlich darauf hin, daß jetzt der günstigste Zeitpunkt sei, um«in solch großes Werk beinahe geschenkt zu bekommen. Er bat die Interessenten cs doch nicht so zu machen, tvie es früher einmal bei verschiedenen Städten anläßlich des Bahnbaues gemacht wurde. Zum Schlüsse wurde dann von der Versammlung beschlossen, im Prinzip für die Beitragsleistung zu sein. Es Iverden freilich noch viele Sitzungen nötig sein, um alle damit zusammenhängenden Fragen zu klären, es ist aber doch die Verwirklichung dieses großen Werkes in greifbare Nähe gerückt. Kommt es zum Bau dieser Talsperre, dann würde nicht nur der Landwirt» schast und der Industrie des mittleren und unteren Polzentales ein großer Dienst erwiesen, es würden auch Hunderte Arbeiter Brot und Verdien st auf einige Jähre bekommen.—ka Das nafonale Verhältnis bei den politischen Behörden in Mähren- Schlesien Nach den Mitteilungen d«S Verbandes der deutschen Staätsängestellten-Verelnlgüngen war im vergangenen Jahre bei den politischen Behörden in Mähren-Schlesien das Verhältnis der deutschen zu den tschechischen Angestellten zahlenmäßig folgendes: Von 78 besetzten Aktuarstellen(zweite Dienstllasse) entfielen auf Deutsche drei, das sind 4.1 Prozent;'von 814 RcchnungSvenmtenstellen (zweite Dienstflassc) 58, das sind 18.4 Prozent; von 720 besetzten Stellest von Kanzleihcamten und KanzleihilsSpersonen 47, daS sind 0.5 Prozent,, und von 132 llnterbeämten- und Angestellten- Stellen 15, daS find 11.8 Prozent, In heroischen Bereichen* Juden zugelassen Durch die deutsche Presse geht die Nachricht über eine Entscheidung der obersten Gewalten deS Dritten Reiches, die ebenso für das schamlose Privileaiensystem im„sozialistischen" Hit- lerdoutschlanv zeugt wie zum Lachen anregt. Während bisher' die Nürnberger Gesetze mit aller Strenge auf allen Gebieten angewandt wurden und kein Deutscher, der mit einer jüdischen Großmutter belastet war, seines BroteS und seiner Sicherheit noch gewiß sein konnte, erscheint nun auf einmal eine Weisung, die zweiAuSnahmen von der Streicher'- schen Regel setzt: bei Offizieren und beim Adel können gewisse Schönheitsfehler in der Ahnentafel durchgelassm werden. ES spricht also zunächst für den Charakter der„A r b e i t e r p a r t e i", als welche die NSDAP sich noch immer in ihrer Firma vorstellt, daß für Offiziere und M>el ein Privileg geschaffen wird, und zwar gerade in jener Frage, wo es um Loben und Sterben geht, die für daS Fortkommen im Dritten Reich die ent» scheidende ist. ES ist aber auch ein Schauspiel für Göt- ter, ein Stoff, größter Satiriker würdig, wie dieses nordische Heldengeschlecht hochrassiger Edelinge gerade jene beiden Bereiche sozialen Lebens den Juden noch um Fingerbreite öffnet, die doch nach völkischer Lehre vor allem den Heldischen, den Rassereinen, den Edelsten der Edlen, dm Tapferen und Ultrablonden Vorbehalten sein sollten. Müßte man nicht annehinen, daß die AdeligenunddieOffi- ziere vor allem Muster an Ras- senreinheit sein sollten, schon deshalb, weil die von ihnen geforderten Tugenden doch angeblich dem„jüdischm Charakter" diametral entgegengesetzt sind? Im Dritten Reich aber hält man gerade die h elbischen Berufe.nicht für wichtig genug, um sie den Russereinm vor- zubehalten, und begnügt sich damit, die Berufe der Makler, Sensale, Händler, Agenten, Alt- warcngreisler für Juden zu sperren und den reinrassig nordischen Menschen zu reservieren. Ist es nicht der Gipfel der Komödie, daß der Enkel einer" jüdischen Großmutter im Dritten Reich vielleicht Feldmarschall oder Fürst, nickt aber Börsenmakler werden kann und daß den Wikingern ausgerechnet nur der Kommerzienrat reserviert ist! Unfall von Militärfliegern. Freitag nachmittag» um 15 Uhr ereignete sich in der Umgebung von Piestany in der Slowakei ein Unfall eine» Militärflugzeuges.' Das Flugzeug glitt beim Fluge am Flügel ab 7und havarierte. Di« Insassen de» Flugzeuges, Major des Flugwesens Jan Poledne sind Rottmeister des FlügwefenS Evzen Cech erlitten fchw're Verletzungen. DaS Land der Fürstensehnsucht. Die holländische Prinzessin Juliana, und ihr Gemahl Prinz Bernhard häben ihr Eintreffen in Tirol anze- kündigt. Schwere», Erdbeben. Es ist festgestellt worden, haß da» Donnerstag verzeichnete große Erdbeben sich in Osttibet ereignet hat, und zwar in der Gegend deS Mount Everest oder Kastchun« gan. Aus Singapore wird bestätigt, daß da» verzeichnete Erdbeben das s ch we r st e seit 1928 gewesen ist. Schiffer im Sturm. Im kasptschen Meer sind im Orkan etwa 800 Fischerboote mit ungefähr 1000 Insassen abgetrieben worden. Bisher tonnten 26 Boote gerettet werden, doch fehlt von einer Ainahl anderer Boot« jede Spur. G-genvber Sausset lSüdfrankreich), ist das Fischerboot „JnsoumiS" mit vier Mann Besatzung untergegangen. Bisher konnte nur eine Leiche geborgen werden. Die Eisenbahnattentäter gehenkt. Alois Strigl und Josef Scheinccker, die sich vor dem Standgericht in Linz wegen de» Eisenbahnattentate» bei Marchtrenk in Oberösterreich vom Avril des Jahres 1984 zu verantworten hatten, wurden Freitag nachmittags gemäß der Auflage schuldig erkannt und zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde um 15.80 Uhr verkündet und um 18.45 Uhr vollstreckt. Zwei Hitlerfliegrr abgestürzt. Zwei Flugzeuge des Jagdgeschwaders Richthofen stürzten Freitag vormittag» beim Verbandsfliegen in 600 Meter Höhe bei Nauen ab. Während der Flugzeugführer des einen Apparates sich durch Fallschirmabsprung retten konnte, fand der andere Flugzeugführer den Tod. Roda Roda über di« Spanier,(mb) Roda Noda, in"einer seiner Plaudereien:„Der Spanier arbeitet nur, wenn c» sein muß. Man hört immer wieder: ein Deutscher hat die und die Spanierin geheiratet; selben Tags legt« die ganze Verwandtschaft der Neuvermählten die Arbeit nieder— in Erwartung: der Deutsch« werde die Familie schon eriMren."— Humor ist schön; Uebertreihung ist manchmal auch ganz amüsant. Aber im gegenwärtigen Moment da» spanische Volk durch Wiederholung eines Geschwätzes, das man in Madrid gehört hat— und das im früheren Spanien für eine gewisse parasitäre Gesellschaftsklasse zutreffen mochte— zu diffamieren, ist nicht schön. Und Roda Roda» nicht würdig. Einen Namen zu verlieren, sollte er denen überlassen, die keinen zu verlieren haben. Di« national« Kunst für die nattonalen Bomben k Blättermeldunzen zufolge wird General Franco bei der französischen und bei der britischen Regierung zweck» Verhinderung der Ausfuhr der aus spanischen Museen entfernten und nach Valencia gebrachten Bilder von VelaSquez, Goya, Rubens und Muriflo, die ins Ausland geschafft werden sollen, intervenieren.— Es ist auch der Gipfel nationalen Verrat», daß die spanische Regierung die Kunstschätze der Nation vor der Zerstörung durch die nationalen Räuber und Mordbrenner bewahren Willi Di« Parfumindustrie in der USSR.(s) Die„Leningradskaja Pravda" berichtet; daß der Bau eine» neuen gigantischen Kombinat» der Parfumindustri« in Kaluga geplant ist, der die Märkte in Leningrad und Moskau zu versorgen haben wird. Auf einer Grundfläche von 200 Hektar sollen in. der Zeit vom Jahre 1988 bi» 1940 die Fabrikbetriebe mit einem Aufwand von 119 Millionen Rubel erbaut werden. In dem geplanten Kombinat sollen jährlich unter anderem erzeugt werden: 20 Millionen Flaschen E a u d e Cologne, 10 Millionen Flaschen Essenzen, 21 Millionen Dosen Puder, 128 Millionen Schachteln Zahnereme und 120 Millionen Schachteln Vaseline und Creme. In den Betrieben sollen 6000 Menschen beschäftigt werden.»In keinem einzigen Lande", schreibt die»L. P." stolz in ihrem Bericht,»hat man ein. ähnliche» grandiose» Unternehmen". Hoffentlich gibt, e» noch andere Dinge, auf di« man'in der USSR stolz sei» kann I ‘ Grippe, verschiedene Teile der USA melden eine außerordentliche Zunahme der Todesfälle infolge schwerer Grippe-Erkrankungen. In der Swdt New gork waren in den letzten 24 Stunden 88 Tpt dersälle zu verzeichnen. Die Zahl der Toten in dieser- Woche betrug in New gork 299 und in Chicago 189.— In England hat die Grippe-Epidemie auch die Londoner Polizei betroffen, von der 1400 Mann erkrankt sind. Anftern-Rekorb während der Festtag«. Noch niemals sind während- der Weihnachtr- und Neujahrsfesttage soviel Austern in Pari».gegessen worden, wie dieses Jahr. Selbst der Rekord deS Austern- Jochre» 1928 ist bei weitem geschlagen worden. Damals wurden von den hauptsächlichsten Austerbänken in Tremblade, Chaillevett» und Mornae 116 Waggon» Austrn täglich nach Pari» expediert, wäh- Sdineeberlchte unserer Schutzhütten Zinnwald:—8 Grad, 20 Ztm. Schnee, teilweise verweht, Ski gut, Nordwind. Mortachtzütt« Mückenberg: 15 Ztm. Neuschnee, andauernder Schneefall. Atus-Heim Hinterzinnwald: Seit Freitag nachmittag» andauernder Neuschneefall. Bit Sonntag vorau»slchtlich gute WInterspörunögllchkelt. rcnd in diesem Jahre 168 Waggon» täglich angefordert und abgelassen wurden. Dies« Mekordlie-, serungen hielten die ganze Festwoche über an. Zum Präsidenten der Akademie der Wissenschaften in den USSR wurde nach der.^Leningrad» fkaja Prawda" der Akademiker W. L. Komarow" gewählt, und zwar mit 68 von 70 abgegebenen Stimmen. Der letzte Präsident war der kürzlich verstorbene Akademiker A. P. Karpiuflij.(s) Wen» rin Goldgräber seine» Schatz verflert." Neun Jahre war der alte Goldgräber unterwegs' gewesen. Er hatte in Lakakamu einen schönen Schatz zusammengescharrt. In drei Koffern brach:- er sein Gold mit. Dar erste Mißgeschick passierte ihm, als einer der eingeborenen Gepäckträger«Inen der Koffer einfach im Zuge stehen ließ, weil er ihm zu schwer war. Nachdem der Goldgräber aber seinen Schatz zum größten Teil in Banknoten umgewechselt hatte, war er so unvorsichtig, nach einem guten -Trunk auf der Veranda eines Gasthauses«Inzuschlafen. Seine volle Brieftasche rutschte ihm au» der Tasche auf die Erde. Zum Glück kam ein Sheriff de» Wege», der still und leise die Brieftasche an sich nahm, sie versiegelte und einem Bankier zur Luf- belvahrung gab. Al» er ein paar Stunden später nach dem schlafenden Goldgräber fragte, telü« man ihm mit, daß dieser sich bei guten Freunden da» Geld zusammengepumpt habe, um wieder auf die Goldsuche zu gehen. Sein Schatz, sei ihm abhanden gekommen, aber er habe e» dem Schicksal nicht weiter übelgenommen. Neun Jahre Abenteuer und Goldsuche tat er also ab, wie wenn e» ein Spaziergang gewesen wäre. Er atmete dennoch auf, al» ihm die wohlversiegelte Brieftasche au»gchändigt wurde. Volkszählung in der SSDR.(s) Am 6. Jänner 1987 fand In der USSR die Volkszählung statt. An einem einzigen Tag— selbstverständlich nach entsprechenden Vorarbeiten— wurde auf einem Sechstel der Erdoberfläche unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen die Volkszählung durchgeführt. Bei der letzten Volkszählung im Jahre 1926 dauert« die Zählung I» den Städten sieben Tag«, auf dem Land« 14. E» wird freilich längere Zeit dauern, bi» da» gesamt« Ergebnis der diesjährigen Volkszählung bekannt und entsprechend verarbeitet sein wird. Der Leningrader Fleischkombinat hat im Jahr« 1986 nach der ,Leningradskaja Prawda" vom 1. Jänner 1987 insgesamt 66.000 Tonnen Fleisch und 48.000 Tonnen verschiedene Wurstwaren produziert. Die Leningrader Fleischindustrie hat auf diese Weise ein Fünftel dessen produziert, wa» ganz Deutschland braucht,(s) Staatliche Bibliothekarprüfungen. Die staatlichen Bibliothekarprüfungen für deutsche Kandidaten finden am 22. und 28 Feber d. I. vor der Prüfungskommission der Staatlichen Bibliothekarschule ln Prag statt. Kandidaten, die sich der Prüfung unterziehen wollen, haben ihr mit 5 XL gestempelter, an die Direktion der Staatlichen Bibliothekarschule adressiertes ZulassungSgesuch längstens vier Wochen vor dem festgesetzten Termine bei der Direktion der Schul«(zu Händen der Sekretärin I. Kuchakovä lin Prag III., Maltszsks näm. 1, mit folgenden Belegen«inzureichen: curriculum Vitae mit einer ausführlichen Schilderung de» Fachstudiums de» Gesuchstellers, WohlverhaltungSzeugni» (fall der Gesuchsteller nicht in öffentlichen Diensten steht oder an einer anderen Schule studiert), da» letzte Schulzeugni» und bei Kandidaten, die die Staatliche Bibliothekarschule nicht absolviert haben, «ine Bestätigung darüber, daß sie wenigsten» zwei Jahre in> einer Bibliothek erfolgreich beschäftigt waren. Di« Zufuhr kalter Luft von Skandinavien her gegen Mitteleuropa war bei un» von zahlreichen Schnee» oder Regenschauern begleitet. Besonder» auf den Bergen schneite e» Freitag srüh saft andauernd bei. Frost von mlnu» 4 bi» minus 8 Grad Celsius. Er ist zu erwarten, daß sich dort die Schneeverhältniffe am kommenden Sonntag günstig gestalten werden. Auch in den Niederungen wird voraussichtlich«ine weitere Temperaturabnahme eintreten und bet stärkerem Luftdruckanstieg wird der Wind übflauen. Wahrscheinliche» Wetter Samstag: Veränderlich, im ganzen jedoch abnehmende Bewölkung, Neigung zu Schauern, auf den Bergen Ganztag»ftost, Nordwestwind. WerterauSsichten für Sonntag": Noch unbeständig, nur'vereinzelt Nieder« schlage, Temperaturen ohne größere Aenderungen, Abflauen de» Winde». Vom Rundfunk Gmpfthl«»»»«rte» au» den Programmen« Sonntag Prag, Sender I: 8.00: Korizert au» Karlsbad. 9.10: Estalisch-Kür». 12.20: Eine Operette vdn Benes in Rundfunkbearbeitung. 17.85: Deutsche Sendung:. Klassische Zeugen. 17.40: Funkwochenschau. 17.50;. Uebertragüng de» Orchesterkonzertes aüs prüstm 18.50: Deutsche Presse. 20.50: Konzert, Italienische Musik: Rundfunkorchester. 22.85: Tanzmusik:— Sender II: 14,80: Deutsche Sendung: Artelterfnnl: Bruno Schwatz, Aussig:" Modern« ÄlrtschaftSregelung. 14.45: Konzert für jedermann. — Besinnt 15.45:" Schallplättenrevue., 17.80: Deutsche Sendung: Orchestralkonzert,— Prehkmrg: 17.40; Russische» Sängerkonzert.— Mähr. Ostraut 11.15: Klassische Musik. Nr. 8 Samstag, 9. Jänner 1087 Selle 8 Der Getreideaufkauf . des Getreidemonopols : In der letzten Sitzung des Vorstandes der GetrcÜegesellschaft Tente der Vorsitzende Doktor Feierabend die Ergebnisse der Anbotkonskriptionen vor. Danach ist das Gesamtquantum, welches der Getreidegesellschaft in der Zeit vom 16. Dezember 1986 bis 86. Juni 1987" geliefert werden wird (mit möglichen Abweichungen von zehn Prozent PluS oder Minus) in Waggons: Welzen 46.688, Roggen 18.466, Hafer 6621, Gerste 8699, Mais 6672. Mit dein bis 15. Dezember 1986 ausge» kauften Getreide der Ernte 1986(Weizen 46.846, Roggen. 22,244, Gerste 28.426, Hafer 11.884, MgiS 6g78) ergibt sich für den Gesamt aufkauf auS der Ernte 1986: , Weizen 86,884, Roggen 86.649, Gerste 82.124; Hafer 16.865, Mais 12.646. Die tatsächlichen Aufkäufe bis Ende dielcS Wirtschaftsjahres, also hiS zum 86. Juni 1987, können gegeniiber den angeführten Ziffern ab» weichen mit Rücksicht auf die Bestimmung, nach welcher die Landwirte berechtigt sind, um zehn Prozent mehr oder weniger zu liefern als sie an» geboten hatten. Beim Vergleich der Aufkäufe ans der Ernte 1986 mit der Ernte 1985 ernibt sich, daß"heuer der Aufkauf um fast 81.666 Waggons kleiner ist (Welzen um 19.837, Roggen um 14.945, Gerste um 6886 weniger, Hafer um 747 und Mai» um 8944 Waggons m e h r). Der Inlandsbedarf an Korn Ist bis zur neuen Ernte voll gedeckt,- insbesondere, wenn man die Vorräte aus der Ernte des InhreS 1985 berücksichtigt. Auch Gerste wurde so viel aufgekauft, um den Inlandsbedarf zu decken. Ebenso ist der Hafifrbedarf bis Oktober 1987 mehr als gesichert. Die Weizenanbote aus der Ernte 1986 und di« Vorräte ans der Ernte 1985 sind fo groß, daß die Getreideqesellschaft in das WirtschaktSiahr 1987/88 mehr als 46.669 Waggons überführen wird, auch wenn 26.666 Waggons Weizen exportiert werden sollten. Handelfverhandlungen mit Spanien Durch den spanischen Bürgerkrieg hat der Handelsverkehr der Tschechoslowakei mit Spanien weitgehende Änschränkungen erfahren. Dabei ist der Außenhandel mit der südwestlichsten Republik Europas für unseren Staat immer von beachtlicher Bedeutung gewesen. Im Jahre 1986 führten wir au? Spanien für 76.1 Millionen KL Waren ein und brachten für 89.6 Millionen KL Waren nach Spanien zur Ausfuhr. Die Handelsbilanz war demnach nahezu ausgeglichen. In den ersten zehn Monaten 1986 lieferte uns Spanien für 54:3 Millionen KL Waren, während die Tschechoslowakei noch für 29.8 Millionen KL ausführen konnte. In diesen Ziffern kommt bereits die durch den faschistischen Krieg hervorgcrufcne Störung unseres gegenseitigen Außenhandels zum Ausdruck.-Die Ausfuhr wurde-eingeschränkt, weil der Krieg: die ZahluiigSsichcrheit nicht mehr'- gewährleistete. Die spanische Regierung in Valencia"zeigt das größte Interesse für eine Nornialisierung des gegenseitigen Handelsverkehrs. Sie ist bereit,.ein Wkonimen abzuschließen, das eine gegenseitige .Verrechnung der aus der Ein. und aus der Ausfuhr entstehenden Forderungen in der Weise vorsieht, daß eine Verminderung der eingefrorenen tschechoslowakischen Forderungen erfolgt. Der Be» dars Spaniens an Waren aus der Tschechoslowakei Ist sehr rege, während andererseits auch die Tsche» choslowakci die Möglichkeit hat, den Bezug be« stimmter Waren, insbesondere Südfrüchte, aus Spanien zu steigern. Man muß hoffen, daß die noch für diesen Monat vorgesehenen Verhandlungen zwischen den Vertretern" der spanischen und der tschechoslowakischen Regierung recht bald zu einem günstigen Abschluß"gebracht werden können. Drautenaner Leinenllelchvrrtrag verbind, lich. stDer vom Kreis Trautenau des Deutschen Hauptverbandes der Industrie und den Gewerkschaften für di« Leinenbleichen, Färbereien, Appreturen, Mangeln etc.-der Gerichtsbezirke Trautenau, Marschendorf, Schatzlar, Hohenclbe und Arnqu abgeschlossene Gesamtarbeitsvertrag. wurde vom Fürsoraeministerium für verbindlich erklärt. Aufforstung in Böhm« unter Mitwirkung des LandesamteS. Im.Frühjahr wird eine systematisch«: Aufforstung in Böhmen unter Mitwirkung des-Landesamtes, und der-Landeskultur»: rate» durchgeführt"werden. In erster Reche werden die. Gründstücke der Gemeinden- und" öffegt» lichen.Bttbände und sodann Privatgrundstücke aufgefprsfet. werden; Die Aufforstung wird sich auf-jene Fälle konzentrieren, in denen" eine Ber» größerung de» WaldbestandeS das allgemeine Interesse erheischt. •> Die Auszahkmig der Zentralbank-Einlagen. Seiten? der Direktion der Eentralbank der deutschen Sparkassen werden wir um die Bcröffent» lichung Nachstehender Mitteilung ersucht: Gemäß Paragraph 8 der Regierungsverordnung vom 81. Dezember.1986 Slg. u. B. Nr. 888, wird den Tag, von" welchem-an die Ansprüche auf Befriedigung nach den" 88? und 4 geltend gemacht werden können:. der Finanz- Minister in der Samiylüng der Gesetze und Verordnungen kundmachen. Seit." dem 2. Jänner lausen in Prqg tagtäglich eine Unmenge schrift licher Anfragen ein,.bzw, sprechen an den Schaltern in Prag und bei den Evidenzstellen der ehemaligen Zweiganstälten Einleger vor, in der Meinung, schon in den allernächsten Tagen ihre Einlagen äusgclöst zu erhalten. Mit Rücksicht auf daS der Centralbank der deutschen Sparkassen -in der Tschechoslowakischen Republik heute nur noch beschränkt zur Verfügung stehende Personal,, werden die Einleger gebeten, sich bis zu dem Zeitpunkte zu gedulden, an welchem der Finanzminister den in der Regierungsverordnung erwähnten Tag kundmachen wird. Diese erbetene Geduld ist aus dem Grunde um so nötiger, als noch eine Unmenge von administrativen Arbeiten -zu bewältigen ist, was um so rascher und rei- -bungSloser geschehen kann, wenn der nur noch beschränkt zur Verfügung stehende Beamtenstand sich vornehmlichst"diesen Arbeiten zu widmen in der Lage ist." Was Ist das„Gentlemen’s Agreement“ wert? Eine Frese des„Daily Herald** Der Londoner»Daily Herald", daS Blatt der Labonr Party, bemerkt zu dem britisch-italienischen»Gentlemqn'S agreement": »Die britische Regierung hat sich entweder durch ein falsches Versprechen zu diesem Abkommen bewegen lassen, und dann ist sie genarrt und gedemütigt worden, ihre Diplomatie hat sich als schwach und schlecht erwiesen und da» Abkommen ist nicht daS Papier wert, auf dem«S geschrieben wurde. Oder aber: die britisch« Regie, rnng hat Spanien wissentlich verraten. Sie hat schweigend ihre Zustimmung zur Fort» setuina der Itallenischon Einmischung gegeben, um sich selbst Kich-rbeit zu erkaufen. ES ist nicht gelungen, Mussolinis Bcrpsl>chkungtm zur Richt- «inmisch'ing aiS Preis des. Abkommens zu erhalten. Mer die britische Regierung hat dennoch den PeeiS gezahlt, den der Duce verlangt hat. Weite«, das so ist. d-nn ist daS„G-ntkeman's agreement" wohl daSUebelsie, was bl«..nationale" Regierung je getan hat.- DaS Eden- Miiffslini-Abkammen wäre-dann noch um einiges schlimmer.alS daS Hoare-Laval-Abkommen."• Danziger Arbeiter ermordet In den Danziger Gefängnissen werden die Vergifteten brutal mißhandelt. Mitte November 1986 wurde der Arbeiter Karl Malinowski, wohnhaft in Danzig-Heubude, nach einer Haussuchung verhaftet. Der Grund der Verhaftung wurde nicht angegeben. Am 6. Dezember ephielr Frau Malinowski die Nachricht, daß sich ihr Mann in der Zelle des Danziger PolizeigefängniffeS erhängt habe. Durch Zeugen wurde feftgcstellt, haß der Leichnam auf bft rechten Schläfe ein«; tiefe Schlagwunde äuflvies und daß anr ganzen Körper große blutunterlaufene..Stellen wären, die von- Schlägen herrührten. Der Ermordete ist 41 Jahre alt und hinterläßt fünf Kinderi- Er hatte nach jahrelanger Arbeitslosigkeit zwei-, einhalb Tage vor seiner Verhaftung Arbeit gefunden. Goebbels will im Ausland zensurieren. Die Organisation des deutschen Buchhandels hat ein Schreiben an die ffändinavischen Verleger gerichtet, in dem diese aufgefordert werden, die Herausgabe von Büchern zu unterlassen, die bei der deutschen Reichsregierung Anstoß erregen. Dai Rundschreiben enthält, auch versteckt« Drohungen" für den Fall, daß die skandinavischen Verleger den Befehl nicht zur Kenntnis nehmen.»Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning" äußert sich in sehr scharfer Weise gegen" den Versuch, die Stimme der emigrierten deutschen Schriftsteller zum Schweigen zu bringen. Die alte kommunistische Methode. Bernhard M«n n e, der Verfasser der Buches .Lrüpp" teilt uns mit:„In Nummer 2 der »Deutschen Volkszeitung" vom 16. Jänner 1937 Wird«in Aufruf an das deutsche Volk veröffentlicht, unser dem als Sozialdemokrat mein Name genannt Ist. Ich habe diesen Aufruf nicht unterschrieben und" bin auch nicht-darum gefragt worden.". Mobilmachung".der Opfer., Mitte Dezember haben", lvie'qu» München, Augsburg und Kempten: gleichlautend berichtet wird,.- alle ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau" eine Zu- schrift erhalten,-in der sie angewiesen werben, am erstensilag'e nach.der«rfolflten Mobilmachung durch ben'deutschen Rundfunk um 8 Uhr vormittags sick> im. Polizeipräsidium in den Räumen der bayrischen politischen Paxtei zu milden,":" Dies« Zustellung haben aych Personen erhalten, di« längere Zeit in einem Polizelgefängni» in Schuhhast gewesen sind. Was hat das System mit diesen Menschen im KriegSfglle vor?' Versöhnlerischer Katholik in. der Emigration, i Da» katholische Organ.der deutsche»"Minderheit in Polen,>Der Deutsche in Polen"- da» über die Beziehungen zwischesi der. katholischen Kirche und hem Dritten Reich immer güt im Bilde ist, meldet»- daß-tzev Konsisiorial-Aviseur Dr. Element Eckil Scherer iqller seiner.Funktionen,entbunden wurde'und äus dem-Dritten Reich ins Ausländ geflüchtet ist.Dr. Scherer war einet der stärksten Befürworter einer Annäherung zwischen Nationalsozialismus, und. katholischer Kirche. Was Im demokrat'schen Prag möglich ist Unerhörtes Benehmen eines Schaffners und eines Polizisten Segen einen alten Arbeiter Von einem verläßlichen Augenzeugen erhalten wir nachfolgende Schilderung: Donnerstag um etwa viertel acht Uhr abends fuhr in einem Wagen der Viererlinie, vom Nationaltheater Richtung Holleschowitz ein älterer Arbeiter.. Er trug Werktagskleider mit blauer Schürze und war offensichtlich wegen Ueber- müdung eingeschlafen. Von einer Belästigung der wenigen Fahrgäste durch da» Hin- und Herschaukeln seines Oberkörpers konnte gar keine Nedo sein. Der S-'stlffncr, eü. junger Anfänger, machte auch gar keine Anstalten, den Mann zu Wecken oder zum Aussteigen airfzusordern. Bei der Haltestelle unterhalb- der Letnä bei der Stefaniktrücke rief der Schaffner ganz unmotiviert einen Wachmann, welcher den Arbeiter unsanft weckte und aus dem Wagen hinaus- beförderte. Der bedauernSwrrte Mann kannte sich momrntan in seiner Schlaftrunkenheit nicht recht auS und wurde von dem Wachmann Inder rohe st en Weife.von dem Wagen herunterge sto tzen. Er fiel dabei unglücklicherweise m i.t d e m 6)«s I ch t a u f d a s P s l a st e r nud trug anscheinend ernstliche Ber- leijunge». davon." Der Wagen fuhr weiter, wobei sich. dcd Schaffner um die Proteste des empörten Publikums nicht kümmerte. Seine Vorgangölveife und das Verhalten des Wachnmnnes stellen einfach einen R e k o r d a n R o h c i t einem allen Menschen gegenüber auf. Daß so ein Vorfall" bei einem städtischen Unternehmen ttnb In der Hauptstadt möglich ist, muß äls ein schwerer Skandal bezeichnet werden. Wir erwarten, daß die vorgesetzten Instanzen sowohl des Schaffners als mich des Wach- tvanncs eine strenge Untersuchung und auch die entsprechenden Maßnahmen einleiten, um eine Wiederholung solcher beschämender Vorkommnisse zu verhindern, die selbst In GoeringS Landen der Verborgenheit der KZ und SS-Kasernen Vorbehalten sind! Protestkundgebung der Bankbeamten Freitag abends fand Im Großen Saale der Prager Produktenbörse eine Versammlung der Bankbeamten statt, in der zu den Verhandlungen mit den Bankleitungen über Gehaltserhöhung und Avancement der Bankbeamten Stellung genommen wurde. Die Referenten König(für die Angestellten der Böhmischen Unionbank und der ESkomptcbank) und Ander(für die Bank- beamten-Geworkschaft) wendeten sich mit großer Schärfe gegen das Verhalten der Großbanken, di« vor drei Jahren die Gehälter ihrer Angestellten um 8666 bis 16.666 KL jährlich aügebaut und jedes Avancement gestoppt haben, jetzt aber — trotz zugegebener Besserung der Bankgeschäfte — die Forderung auf Gehaltserhöhung und Avancement nicht bewilligen wollen. Statt der von der Bankbeamten-Organisation verlangten Gehaltserhöhung von 1666 KL für die Skonti- sten und 1666 KL für die Schema-Beamten haben die Leitungen der Unionbank und der Bebca nach langem Zögern eine jährliche Gehaltszulage von 866 KL vorgeschlagen, was von den Referenten unter stürmischem Beifall der Versammelten als Hohn bezeichnet wurde. Im Hinblick auf die Konjunktur im Bankwesen und auf die Teuerung haben die Bankbeamten ein Recht, nun endlich eine .teilweise Wiedergutmachung der Opfer zu verlangen,- die-sie während.der Krisenjahre gebracht haben, während die Direktoren, die ihre Forderungen mit dem Hinweis auf die Erhöhung der Regiekosten absehnen, JahreSeinnahmen- von mehr als einer hälben Million beziehen: Auch von den weiteren Rednern der" Versammlung, die Uber ähnliche Verhandlungen bei den. anderen Prager Banken berichteten, wurde das Verhalten der Bankdirekttonen als unsozial verurteilt, und eS wurde allgemein der" Entschlossenheit Ausdruck gegeben, den Kampf zur Durchsetzung, der von der Organisation erhobenen Forderungen fortzuführen. Cs lebe der Fortschritt! Die Genossenschaft der Prager Friseure ha.- an die Handelskammer eine Denkschrift gerichtet und fordert gegen die Selbstrasierer, die Regierung möge Rasierklingen mit einer Stücksteuer von i:biS 2 KL belegen- Dem Bernehmen nach beabsichtigen noch einige weitere Berufe erst den AuSgang dieser ebenso fortschrittlichen wie berechtigten Aktion abzuwarten, um dann'ebenfalls mit ihren kleinen Sonderwünschen und-Forderungen herauSzukommen, So fordern die Dienstmänner dann mit bescheidener Zurückhaltung durchaus nicht gleich völlige Ejn« stelluyg des gesamten Fernsprechbetriebes, sondern nur, daß auf telephonische Mitteilungen und Bot« schqsten, die so vor ungefähr 46"Jahren noch durch ihre- ehrsam« Gilde überbracht wurden, ein kleiner Zuschlag von 5 bis 16.KL kommt,der an die.Dienst-" niänne'r abgeführt werden soll. - Die Seifensieder und Wachszieher werden dann- sofortiges Niederreißen aller bestehenden" Gas- und Elektrizitätswerke fordern. Die Kärrner und Frächter werden auf ihren uralten Stank Hinweisen und Einstellung des Bahn- ÜÄ"Kraftwagenverkehrs verlangen,«ntefftützt von den Fiakecn und Einspännern, soweit deren Standplatz nicht vor den Bahnhöfen ist, Die Hutmacher werden gegen die hntlos« Mod« eine jährliche Kopfsteuer"im Anschaffungswert«inet besseren Borsalinohutes fordern». Die Werkelmänner sind für sofortige Einstellung. aller Radio- und" Gnmnnophonfahriken, inklu sive. Vernichtung aller Apparate und Geräte; di« Hof« yytz Bänkelsänger hahsn sich mit ihnen"solidarisch erklärt. Zuwiderhandlungen sollen mit lebenslänglicher Nslpferdpeitsche, bei mehrmaliger Wiederholung. M. dem Tod ,bestraft werden. DleAerzte fordern, daß jedermann,'der ohne", ärztlichen Beistand ins. Jenseits fährt, strafweise in» Lehen zürsickgerufen wird und in dem irdischen Jammertal solange zu verbleiben hat, bis er eines inrtLr« lichen Todes, also bei ärztlicher Behandlung, stirbt. Die Seidenraupen, Kamele und Schafe bilden ein« gemeinsame Kampffront und verlangen ein gesetzliches Verbot der Herstellung von Kunstfaserstof- sen und berufen sich auf die Tradition, dergcmäß sie sich schon von alterSher der Menschheit mit Haut und Haaren verschrieben haben; die Kühe unterstützen dies« Aktion und verweigern die Milchabgabe zur Herstellung de» Kasein», als Bestandteil dieser Kunststoffe. Zuieht werden noch die drei Eisheiligen gegen die Frigadaire feierlich protestieren, weil da» Kältemachen ihr Beruf ist.— Max Eisler, Prag. Mysteriöser Uebe fall auf e nen Chauffeur Die Prager Polizei untersucht einen bisher noch nicht geklärten Kriminalfall. Ein" Taxichausseur namens Schneider, wurde Donnerstag abend» verwundet auf die Polizei gebracht, wo er angab, da» Opfer eine» Mordanschlage» geworden zu sein. Er schilderte den Hergang folgendermaßen: Donnerstag abend» nach 8 Uhr hätten er und seine Kollegen zwei Burschen bemerkt, die sich eine Zeitlang auf dem Standplatz am unteren Wenzelsplatz herumtrieben und jede» Auw einer näheren Betrachtung unterzogen hätten. Den Chauffeuren sei dies schließlich zu dumm getvorden und sie hätten sie weggejagt. Die Burschen seien aber wieder. zurückgekomnwn und hätten verlangt,-Man solle sie nach- Zizlou" fahren. -Da: sich seine Kollegen weigerten, habe er, Schneider, die. Fahrt übernommen.-Der eine hab« sich zu ihm neben den Führersitz, der andere in den Fond gesetzt. Ihrem Wunsche gemäß habe er nun die beiden nach Zijkov gefahren und dort- an der angegebenen Stelle angehalten. Di« beiden seien aber nicht ausgestiegen, sondern hätten sich lediglich einen Augenblick unigesehen, und ihn dann ausgefordert, sie In der Richtung gegen Jarow zu fahre». Während der Fahrt hätten sie noch einmal die Richwng geändert und verlangt, nach BosoLan zum Lagerplatz der„Böela" gefahren zu werden. In der menschenleeren Ncu-V»soLan«r Straße hätte er angehalten. Er habe gerade den vorderen Wagenschlag öffnen wollen, da habe ihm der neben ihm sitzende Bursche«inen Bellhieb aus den Hinterkopf verseht.(Eine» zweiten Schlag, zu dem der Angreifer schon ausgeholt hatte, habe«r nur dadurch ablvehren können, daß er mit der Hand schnell den Kopf bedeckte. Da er im-Aursteigen war, sei er nach dem Schlag vornüber auf die Straße gestürzt; er habe gerade noch die Kraft gehabt, laut um Hilfe zu rufen. Al» man die Schritte einiger durch die Rufe aufmerksam gewordener Passanten gehört hätte, seien die beiden über die Felder entflohen. Der Chauffeur Schneider wurde auf die Polizeiwache gebracht, wo der Arzt leichtere Rißwunden Rdolj Wohlbrück im Ulm„Port Arthur" ?riti ß .Sostnlbcinofrnl «amsitng. n. Siiltit't 1037. Nr. 8 Der Mm- lümst lmcl MsLetr Aus der Sattel Marxismus. Referent: Genosse Dr. Strauß. 2. Feber: Die sozialistisch« Bewegung inSkandi nav i en. Referent: Genosse Wan ka. 9. gebet: Die Geschichtsauffassung de« Marxismus. Referent: Genosse Weiß. Bi» bltotheksstunde: Jeden Mittwoch von 7 bis halb 8 Uhr abends. Gäste, die als künftige Mitglieder der MS SA in Frage kommen, sind stet» herzlichst eingeladen. am Hinterlopf und an der Hand feststellte. Er ordnete an, den Verwundeten zur Röntgenisierung in» Kranlenhau» zu bringen. Die SicherheitSabteilung lvurde sofort alarmiert und nahm die Verfolgung der beiden jungen Männer auf, die nach den An« gaben Schneiders und der anderen Chauffeure am Standplatz höchstens 18 Jahre alt sein können und mittlerer Statur sind. Bei dem Ucberfall hatte der Chauffeur nur einen kleinen Geldbetrag bei sich. Die beide» Burschen haben keinen Versuch unternommen, ihm das Geld zu entwenden. Rach Ansicht der Polizei äst eS umvahrscheinlich, daß der Schlag mit einem Beil auSgesiihrt worden ist, da sonst die Wunde größer sein müßte. Au» den vorliegenden Tatsachen läßt sich vorläufig noch kein Schluß auf das Motiv ziehe», das die beiden Burschen zu dieser Tat veranlaßt hat. halb 8: Der lebende Leichnam, Gastspiel Ernst Deutsch. A 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. SamStag halb 8: Finna, Erstaufführung.— Sonntag 8: Fuhrmann Henschel, 8: Matura.— Montag 8: Der Sterbendes Kind auf der Straß«. Bor dem Hause Nr. 26 in der Karldstraße in Zijsiov sanden Vorbeigebende gestern um halb 6 Uhr. nachmittag» ein Mädchen sterbend auf dem Boden liege»; der berbeigeholte Rettnng»wagen brachte c» ins allgemeine Krankenhaus, doch verschied eS während der Uebersiihrung. ES handelt sich um die 14jährige FleischerStochtcr Jaroslava Jareö. deren Eltern im gleichen Hause.wohneni Ob da» Mädchen. Selbstmord begangen hat oder zufällig aus dem Fenster gestürzt ist, steht noch nicht fest: di« Eltern behaupten, daß cs nicht den geringsten Grund züm Selbstmord hatte und daß auch keine derartige Besorgnisse bestanden. Der Fall wspp igstersuchi. .Selbstmord. Der 14jährige Schüler Jaroslav Maixner kehrte, gestern mittags aus der Schule-in die Wohnung seiner Mutier in Lieben zurück, konnte jedoch die Wohnung nicht.öffnen und ging i» die im gleichen Hause befindliche Mtilchhandlung, um sich nach dem Verbleib seiner Mutter zu erkundigen. Der Milchhändler ging mit einem bekannten Kutscher zur Maixnerschen Wohnung zurück und sah hier durch ein Fenster die 38jährige Anna Maixner, die Mutter des Knaben, blutüberströmt in der Badeivanne sitzen. E» gelang den beiden, in die Wohnung einzudringen und die RettungSgcftllschaft zu verständigen, doch konnte Frau Maixner nicht mehr'sprechen und starb — sie hatte sich den Hal» und die Pulsadern mit einem Rasiermesser durchschnitten— kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Von ihrem Sohn hatte sie sich in einem hinterlassenen Brief verabschiedet, den Grund ihres Selbstmordes jedoch nicht angegeben.- Die StaaiSbahndirektion Prag macht darauf aufmerksam, daß sie für die Wintersaison 1986/87 zur'Bequemlichkeit der Reisenden einen Sonder- Motorschnellzug ins Riesengebirge eingeführt hat, der um 18 Uhr von Prag-Wilsonbahnhof abfährt. Dieser Zug verkehrt jeden Samstag nach Johannisbad und kehrt am Sonntag um 22.36 Uhr nach Prag znrück. Der Fahrpreis beträgt tour-retour mit llebernachtung und Frühstück 74 ttö, mit Ueber- nachtung in der Sokolbaude Kä 89.—, in welchem Preise auch die Scilbahnfahrt eingerechnet ist. Anmeldungen mit Anzahlung im Basar neben dem Wilsonbähnhof, Tel. 388-86.. Rhtzthmik in. Gasmasken., Die Inhaberin einer bekamnen Schule für.Rhtzthmik in Prag III, Na Pokiäi, verwendete' beim Unterricht G a s m a S- ken, um die Widerstandsfähigkeit' und die Atemtechnik'ihrer Schülerinnen zu. überprüfen. In ihrem Unterricht-plane führte sie besondere Stunden ein, in weichest nur mit Gasmasken getanzt,und geübt wird. Für diese Stunden herrscht«in reger Interesse.'? Mitteilungen ans dem Publikum. Die Ballsaison naht,... In den Modenzeitschriften steht inan nur Balltoiletten nnd alles, wo» dazu gehört, vor' allem Äbendschuhe. Heuer trägt men herrlich ausgeschnittene Gold- nnd Silbersanda- .len auf niedrigem Absätze. In solchen Sandalen tragt' man' gepflegte Füße. Ucbcrlasscn Sie dis regelmäßige Pflege. Ihrer Füße unseren geschulten Pediküren. Bala. Es gibt noch Tiere, die man nicht kennt Was bisher noch ,keinem Mann gelang, brachte die Witwe des amerikanischen TibetsorschcrS Wil-' liam Härlne».fertig. Sie. sing ein Exemplar der sagenhaften tibetanischen B a m b u s bare n, der Panda, und brachte er lebend nach den'Ber«: weg» zur Zahlung bereit war. Der Wechsel wurde protestiert und eingeklagt und das Gericht trug dem erlauchten Wechselschuldner auf, den Schuldbetrag zuzüglich Zinsen und Kosten zubczahlen. Da auch der gerichtliche Zahlungsbefehl ohne Wirkung blieb, wurde die Zwangsvollstreckung eingeleitet, wobei sich aber ungeahnte Schwierigkeiten ergaben. Prinz Cyrill hatte nämlich inzwischen die Tschechoslowakei verlosten und so versuchte das ExekutionSgericht im Wege des langwierigen diplomatischen Verfahrens den Prinzen in seiner Heimat pfänden zu lasten, wo er übrigens den.Rang eine» Oberst der bMgarischen Armee bekleidet. Aber auch diese» Vorgehen jseigte sich als fruchtlos, denn' die bulgarischen Behörden teilten mit, daß Prinz Cyrill sich derzeit nicht in Bulgarien aüfhalte, wobei allerdings verwunderlich erscheint, daß eine solche Persönlichkeit keine pfänd- varen Werte besitzen sollte. Wie immer sich da» verhalten mag— alle zivilrechtlichen Mittel zur Eintreibung der Schuld erwiesen sich wirkungslos. Es heißt, daß nunmehr mit Strafanzeige vorgcgangen werden soll. Kennen Sie schon die„Starke Drei''? Dar sind drei' neue Arten von Damen-Winterstrümpien für, jene Damen, di«'elegant angezogen sein und dabei nicht frieren, wollen. Die Namen der Mitglieder.der „Starken Drei" lauten:»Ondra", das ist Wolle nut Seide,„Schwedin", Seide mit Garn, sind„Mary'',> Flor mit'Seide kombiniert. Die„Starke Dre:" wo- tet'ist allen Baka-Veikauf-stellen(selbstverständlich in allen Farben) auf Sie. ' Internationaler Künstler-Abend In der„Lacerna“ Wir, sind im allgemeinen weder Freunde der AstSspielenS sogenannter' Promiueüzen noch der Bunten Abende, weil da» eine, wie da» andere (geschweige denn beide» zusammen) sich leider zu oft als wahrhaft künstlerische» Wirkungen und Eindrücken abträglich erweist Aber jede Regel hat ihre Ausnahme. Und die Art, in der das P e n s. t o n s- institut de» P r a g' e r D e u.t s ch e n Theaters seinen„Prominenten"-Abend in der Lucerna durchführte, hatte so viel Gewinnendes und UeberzcugcndeS an sich, daß man zu ihm, nicht nur im Hinblick auf den sozialen'Zweck,! uneingeschränkt ja sagen kann und muß. Hocherfreulich vor- allem, wie sich bei dieser Veranstaltung tatsächlich die fortschreitende Erwärmung der Atmosphäre zwischen deutschem und tschechischem Kunstleben fühlbar machte und wie restlos da» Publikum ohne Unterschied der Nation den Künstlern auch in dieser Hinsicht Gefolgschaft leistete. Mit gemütlichem deutschem Wort leitete Dudek den Abend'ein. ein prachtvoller Dialog Voskovec' und' Werich' schloß ihn ab. Und dazwischen lägen deutsche, tschechische; italienische und englische Gesflngsvorträge,: die kluge Conference Taub» mit zweisprachigem Wortwitz, pak- kende tschechische Heine-Rezitationen V tz d r a S, «ine Goethe-Deklamation Ernst Deutsch', ein. Stra« tvinsky-Konzert für zwei Klaviere(Süßkind und Rieger) und, am andern Ende der Kunst, Wiener Humor, in gefällig fraulicher Interpretation durch Christi Giampetro, in urwüchsig männlicher durch den umjubelten Liehling PaulHörbiger. Im ernsten Teil ließen sich vom Prager Deutschen Theater die Damen Book, Hender» und Kindermänn und(in, ausgezeichneter stimmlicher Verfassung) Herr B aum hören, vom Nationaltheater die Altistin K r ä s o v ä, deten höchkulriviertem Schöngesang wohl die musikalische, Palme der Abends gebührte, der edlePariton Konstantin» und die rqs- »sige Diva.K ö i r o v ä. Im heiteren Teil marschierte dje Hooversträße mit den, Stimmen Else Lords, und der Herren Preger, Hagen, Bandler und Andersen auf. Als Begleiter brillierten' Riester,'Schick und Mandke. Der volle RIesensääl war von Stimmung, Anerkennung und vielfach' auch von Begeisterung durchtobt.> Ein ausgesprochener Erfolg der Veranstalter, der zweifellos auch von einem entsprechenden materiellen begleitet, war. ll g. Vas Exekutlonsaerlcht sucht einen Printen Prag,-rb- E»- ist eine alte Erfahrung, daß' Geldgeschäfte mit gekrönten Häuptern oder Angehö-' rigen von Dynastien zuweilen zu allerlei Schwierigkeiten führen. So hatte auch ein hiesige» Geldinstitut, mit'dcm bulgarischen Prinzen,C y r i l l v. o n Kobur'g.eine geschäftliche Beziehung angeknlspft, wobei der- ,Prinz einest',.Wechsel auf^isv.üvg iii- sentier? wurde, HÄstte e» sich,'dgbcher Prinz: keine»- „Dvnaunacht." D.— Kincma: Journal«, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Kotva:»Die Sensation de» Jahres." A.— Lucerna:»A n n a K a r e n i n a," Greta Garbo.: A.— Metro:»Ihr Kammerdiener." A.—Passage:.Kinder des Glücks." D.— Praha: Kavaliere der Meerestiefen." A.— Radio:»Der Kaiser ton Kalifornien." D.— Skaut:»Verschollen." D.— Svitozor:»Kapitän Januartz." Sh. Tempi«. A.— Alma:»Mädchen int Schlafsaal." Simone Simon. A.— Baikal:»Frau oder Sekretärin." A.— Belvedere:»Die Tochter de» verwunschenen Wallte»." A.— Beseda:»Die Puppenfee." D.— Carlton:»Die Puppenfee." D.— Illusion: »Da» Frauenparadies." D.— Konvikt:»Der Kaiser von Kalifornien." D.— Lido II:»Frau oder Sekretärin." Ä. Louvre:»Blumen au» Nizza." Erna Sack. D-— Maeeika:„Ein Mann, der Wunder wirkte." Nach Well». A.— Oltzmpic:„Die Puppensee." D.— PerStyn:»Vampire in Weih." A.— Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Mittwoch, den 13. Jänner 1937, um 8 Uhr abends im, Parteiheim ,4: wichtige Slfcung der Bezirksvertretung »Anwesenheit aller Mitgliedernotweüdig., „IVIarlaStuart" Nach Maxwell Andersons Theaterstück„Marie von Schottland" erzählt dieser Film(au» Hollywood) die Geschichte der Stuart-Königin vom Tag« ihrer Landung in Schottland bi»-zu ihrer Hinrichtung in England,. also ausführlicher als Schiller, der Maria Stuart schon im ersten Akt als Gefangene der englischen Elisabeth erscheinen läßt und die schottischen jtäinpse Maria» mit Adel und Voll, ihre Heirats-Affäre mit Lord Darnleh, ihre Liebesaffäre mit Bothwell und ihre Freundschaft mit dem seltsamen Sänger Rizzio nur noch al» Schatten einer reuevoll überwundenen Vergangenheit aufsteigen-läßt. Aber in der. Beurteilung de» Geschehest» und der Personen weichen der moderne Dramatiker und der Film nicht wcsesttlich von der Vorstellung ab, die un» Schiller gah; auch hier wieder ist da» Drama bedingt durch den Haß der Königin Elisabeth gegen ihre mit legitimeren Thron-Ansprüchen, mit mehr Schönheit und Jugend gewappnete Nebenbuhlerin, gegen die Elisabeth den schottischen Adel und den protestantischen Prediger John Knox aufhetzt, um dann die Vertriebene, unter dem Borwand, ihr helfen zu Ivosten, nach. England zu locken und mit falschen Anklagen zur Hochverräterin und Mord-Anstifterin zu stempeln. Di« psychologische und politisch-historische Motivierung diese» tragischen Konfliktes ist im Film nicht gerade tiefgründig geraten: er sieht mehr wie ein historisches Jntrigenstück alten Stil» au», mit vielen opernhaf» ten Massenszenen, mit Fackelschein, Schwerterklirren, stürmischen Zwiesprachen und flüsternden Berschwö- rerreden und einer großartig düsteren Gerichtssitzung— wozu als reizvolle Beigabe noch schottische Dudelsack-Musik kommt. Aber man darf dem Regisseur John Ford nachrühmen, daß er dieses dramatisch bewegte Geschichtsbild fast durchwegs stilvoll, gemeistert hat,«S nie ins rein Malerische ver- i schwimmen ließ und die umfängliche Handlung oft zu spannenden Höhepunkten emporgerisscn hat. Als Maria Stuart erscheint Katherine Hep«> burn, die für die Darstellung der schönen Königin mehr geeignet erscheint als fiw die Darstellung der- unglücklichen,,in den.Liebesszenen etwas beklommen wirkt, am Ende aber'den Weg zu tragischer Würde! findet. Fredric March zeichnet den Bothwell. mit Feuer und robuster Geradheit, und Florence! Eldridgedie Elisabeth mit einer so bestimmten! Charakterisierung(als herrschsüchtig Auge Hexe), daß sie zur glaUbhaftesten-Geftalt der Film».wird. » eiü.- Bez üä s be'd i'n g ün g i-'nnBei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Post'Monatlich Ak 16i—, pievtelsährlich Ak 48.—. halbjährig Ak,'9Sl— gänzfähttq Ak 192.—.— Inserate werden läut' Tarif billigst berechnet. Bet' öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung'von Maulistripten erfolgt nur bei Einsendung» der Retoür.;nä.tkyn.:— Di«'8iitüng»frankatUr würde von der Post-und Tele» - graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800/V1I/19S6 bewilligt.— Druckerei:„OrbjS", Druck-, Verlags-.und. ZeitüngS-A.-G. Prag. JCutdecs L freunde Montag, den 11. Jänner, im Parteiheim, Smekky 22, ordentliche Generalversammlung mit Lichtbildervortrag. Abend» 8 Uhr. Alle Mitglieder sollen bestimmt erscheinen. Iie erste IWsmMeill.Mlei in vratze«, BSHmerwald «mpsteylt Ihre erstklassigen arMignIsie 3897 Wochenspielplan des Reuen Deutschen-Theater». SamStag halb 4:- Till. Eulenspiegel, halb, 8:' Zwei glückliche Tage, Gastspiel Felix Brestart,' A 2.— Sonntag, halb 8: Liebe eine» Fremden, Arbeitervorstellung, halb 8: Der Rosenkavalier, CI.— Montag halb7:Cavalleria rusticana, Der Bajazzo, Abonnement, aufgehoben, Theatergemeinde der.Ju- gestd(erste Serie, tote Karten) und freier Verkauf.! -- Dienstag halb 8: Auf der grünen Wiese, A 1.^ Mittwoch 8:- Lieh«' eine» Fremden, Gastspiel- Ernst Deutsch, B 2.— Donnerstag halb 8: Auf der grünen.Wiese,.C 1-.— Freitag halb 8: Der lebende unnm vev-«e-v—•<—1 Leichnam, Gastspiel Ernst DeütM'D.,— Samstag unterschricb.-'AlS der Wechsel dann zsir.Zahlung Prä»- häw'8: Orpheus(von Glück), neuelnstudiert, C 2. sentiert würde, stüstte-S sich, dgß'der Prinz-, keine»-'— SamStag, halb 8: Axel an her: HimmelStür, Filme In Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:»Origlnal-Singing-DabieS" und Louis TtenkerS»Der Kaiser von Kalifornien".— Adria:„Maria Stuart." K. Hepburn. rl.— Alfa: ^Romeo und Jülia." N. Shearer, L. Howard. A— Apollo:»Maria Stuart." K. Hepbürn. A.— Avion: »Eine Nacht in der Oper." M a r x B r o t h e r S. A. — Beranck:„Verschollen" D.— Fcnix:»Anna .., M..—, Karenina." Greta-Garbo. A.— Flora:»Wann schiefe Hut, Bankbeamte I und freier Verkauf,—. ist unsere HochzeitSnacht?" A.— Hollywood:»Kin- DienStag 8: Menschen auf der Eisscholle.— Mitt- der des Glücks." D Hviizda: Mickey Maus.— woch 8: Matura, Bankbeamte II und- freier Ver- Julit:„Donaunacht." kauf.—• Donnerstag 8: Firma.— Freitag 8? werden'.' Unser«, erste.Veranstaltung ist«in- Bert-Brecht-' Abend:»'-Weitere Gruppenabende:- 19.' Jänner:.,. ri.•„■-. M'^tglie derverfammlumg:' Unser Kampf», Maaten- Der' Panda tst so- flug, daß und unsere Gegner an den'Prager Hochschulen. Reft- bisher nur gelungen war,/.ihn-.auf, der» Jagd- renteitt Genosse Glaser.und,ach««. 26..Jan- ,m einigen-wenigen.Exempsaren-zuerlegpn, aber ner; W i r.t s ch a f t»f r a g e n..imi I i ch t e. d e.S.nie seiner lebendig habhaft zu werden.,-,