«i»,elprei»7ü(elnschli-bk.öHeller Porto) Aus dem Inhalt Richard Kat* berichtigt Blamage da*„Vater“ 17. Jahrgang Donnerstag, 14. Jänner 1937 Nr. 12 Offener Brief an das deutsche Volk schlagen und die Rückkehr einer Arbeiterregierung zu sichern, der allein zuzutrauen ist, daß sie die Welt zu Frieden und Wohlstand führen wird. Wir wollen nicht gegen Euch kämpfen. Wir glauben auch nicht, daß ihr gegen uns kämpfen wollt. Mit Trauer erinnert sich daS englische Volk daran, daß im letzten Krieg Deutsche und Engländer gegeneinander gestanden haben. Wir anerkennen eure guten Eigenschaften. Die Franzosen denken ebenso, die Russen hegen keine Feindschaft gegen euch und ebenso wenig die Arbeiter Italiens. Kein anständiger Mensch In irgend einem Lande hat Lust, andere Menschen zu täten. Dennoch, das verhängnisvolle Treiben geht weiter. Varlaganhalt der Kammuniaten eine Woche Semeaterferlen Paris. Die deutsche Botschaft in Paris teilte > Mittwoch nachmittags gleichzeitig mit dem Ber- liner Deutschen Nachrichtenbüro mit, daß Dr. ' Schacht, welchem der deutsche AuSstellungSkommss» für in der Pariser Internationalen Ausstellung Ruppelt den Vorsitz in der am Samstag, den 16. d. M., stattfindenden feierlichen Grundsteinlegung des Pavillons angeboten hatte, infolge Arbeitsüberlastung nicht nach Paris kommen könne. An deutschen informierten Stellen in Paris wird aber die Möglichkeit eines späteren Eintreffens Dr. Schachts in Paris nicht ausgeschlossen. •■ Der Berliner Korrespondent des„Paris )8oir" teilt mit, Dr. Schacht sei soeben aus Basel nach Berlin zurückgekehrt und habe seinen Cnt- ■ schlich, die geplante Reise nach Paris zu verschieben, erst Mittwoch vormittags gefaßt. An wirtschaftlichen Berliner Stellen wird betont, daß über da? Wirtschaftsabkommen mit Frankreich erst dann werde gesprochen werden können, wenn die vorangehenden Verhandlungen der Sachverständigen genügend weit fortgeschritten sein werden. Im„Jntransigeant" erläutert Jean Thou- vetiin die Verschiebung der Reise Dr. Schachts nach Paris folsfendermaßen: Der Ouai d'Orsay war nicht ßegen einen Austausch der Ansichten mit Dr. Schacht, bemerkte aber dessen ungeachtet, dah Höfern Frankreich und mit ihm auch England bereit Md', Deutschland-ine tatsächliche Hilfe zu gewah- -.xen, sie Garantien dafür erhalten muß« ten, da<- die neuen Vorteile, die Deutschland bekommen soll, nicht einer-weiteren, die Sicherheit ^-Frankreichs bedrohenden Aufrüstung zugesühn -würden. Die französische Regierung wollte feine ausdrücklichen Bedingungen für die Pariser Reise Dr.-Schachts vorlegen. Es war aber natürlich, daß die französisch-deutsche Zusammenarbeit auf Wirt- schaftlicheni Gebiete von einer R u s a m m e n- arbeit' auf politischem Gebiete Von Herbert Morrison Mitglied des Parlaments und Stadtpräsident von London Der„Neue Vorwärts" veröffentlicht tik verfolge. Der Erfolg mag uns dabei versagt in seiner nächsten Ausgabe folgenden! bleiben, doch werden wir auf alle Fälle versuchen, „Offenen Brief Herbert Morrisons an dar' unsere Regierung bei den nächsten Wahlen zu deutsche Voll". Der Krieg ist nicht unvermeidlich, aber di kapitalistischen Regierungen treipen eine Politik, die, wenn sie fortgesetzt wird, ihn unvermeidlich macht. Alle tragen ihr Teil der Verantwortung, unsere sowohl wie die eure, keine hat einen plan vollen und energischen Versuch gemacht, den Frie den zu organisieren. Alle rüsten zum Krieg. Aber die arbeitenden Völker wollen keinen Krieg. Sie wissen, was er bedeutet: Tod und Verstümmelung, Armut und Elend, schließlich Ent täuschung und schließlich• schwere Wirtschaftsnot für Sieger und Besiegte. Du, deutsches Volk, willst. den Krieg nicht. Wir wollen ihn auch nicht, und ebenso wenig wollen ihn die anderen. Trotzdem, wie die Dinge liegen, treiben wir immer näher zum Krieg. Wer sind di« Schurken in diesem Trauer spiel? Vor allem die Leute, die selbe« nicht kämpfen werden, die am allersichersten sitzen, eure auf geblasenen Größen und die unseren. Arbeiter und kleine Leute werden wieder die Opfer sein. Wa» können wir tun, wir Volk überall in der Welt? Wir Männer der Arbeiterbewegung in den demokratischen Ländern sind uns der Gefahren wohl'bewußt. In England kritisieren wir ünaus- gesetzt die schädliche und schwankende Politik unserek- Regievung und fordern,- daß unser Land bei der Organisierung-deS Friedens die Führung übernimmt. Wir stehen zur klaren Idee deS Völkerbundes, zur kollektiven Sicherheit. Wir wollen, daß England, Frankreich und Sowjetruß- land alle europäischen Mächte einladen zu gegen seitigem Beistand, Nichtangriffspakt und einem Friedensbund der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Rahmen des Völkerbundes, als einer wirk samen Organisation des Friedens und der Wirt schaftsbesserung für alle. Wir wünschen, daß euer großes Land mit dabei sei jund am Gewinn wie an der Verantwortung teilhabe. Wir werden alles tun, was in unseren Kräf ten steht, damit unsere Regierung eine solche Poli- rid geantwortet. Die Note wiederholt die in der Presse der Aufständischen bereits aufgestellten Behauptungen, daß die Beschießung von Seite der Regierungsflieger vorgenommen worden sei. Französische und englische Kriegsschiffe nach Ceuta Tanger. Der französisch« Torpedobootzer störer„Milan" ist Dienstag früh in Eeuta ein getroffen, wo er 48 Stunden verbleiben wird. Morgen wird In Tanger der Torpedobootzerstörer „Jfigenie" erwartet. London.(Reuter.) Der britische Torpedo bootzerstörer„Banoc" mit britischen Beobachtern tvird in einigen Tagen von Gibraltar nach Me lilla. auslaufen, und von dort nach Teuta fahren. » Madrid.(Havas.) Aus Gifon wird gemel det: Am IS. Jänner früh wurde die Besatzung des spanischen Schiffes„Maria Junquera", die am S. Jänner auf dem Wege von Bilbao nach Santander vom deutschen Kreuzer„Königsberg" gestrngengesetzt wurde, in der Küstenortschaft LastreS den spanischen Behörden übergeben. Die Mannschaft wurde in drei Booten des-deutschen KreüzerS, der 800 Meter von der Küste ankert«. gelandet: Sie wurden Voß einigen deutschen See offizieren begleitet. Als die Deutschen zurückkehr-.„ ten, grüßten sie mit dem HItlergrüß, worauf die. Warum sollfe sie auch? Sie hat alles Interesse Spanier mit der-erhobenen Faust antworteten,«daran:-den Aufbau einer planvollen fozialistischen o Cure Verhältnisse— ähnlich wie die in Italien und Oesterreich— sind, ich weiß es, von den unseren sehr verschieden. Wir können immer noch unserer Regierung sagen, was wir von ihr denken. Wir sind immer noch frei, die öffentliche Meinung in unserem Sinne zu bilden. Unsere Regierung muß mit uns rechnen. Darum möchte unser Volk nicht unsere Regierungen gegen eure, und nicht unser RegierungSsystem gegen daS eure eintauschen. Ihr seid Unterworfene" einer persönlichen Diktatur, gestützt auf eine politische Partei, die wiedet nur dem Diktator und nicht dem Bolle verantwortlich ist. Ich richte diesen Offenen Brief an euch. Doch Ich weiß, daß ihr ihn nicht lesen werdet. Denn euer Diktawr erlaubt euch nichts zu lesen, was ihm nicht gefällte(Gleichwohl, wenn jemand diesen Offenen Brief übersetzen und zur Verbreitung in Deutschland drucken wollte, so würde mir daS eine große Ehre und eine tiefe Genugtuung sein.) Was also könnt ihr, die ihr eure politifche und geistige Freiheit verloren habt, in eurem Lande für Frieden und Freiheit tun? Nicht allzuviel vielleicht im aktiven Sinn«! Und dennoch vielleicht! Ihr könnt nachdenken, könnt auf Gelegenheiten wa n, könnt versuchen, eure Gestnnung rein zu halten und könnt hoffen...1 Und wenn der Krieg der Welt aufgezwungen werden sollte,' dann können wir alle weiterdenken im Geiste des Friedens, der Menschenverbrüdc- rung, der Freiheit— und können auf unsere Gelegenheit warten. Wir ehren und verehren jene zahlreichen Deutschen, die sich allen Schwierigkeiten zum Trotz ihre Ueberzeugung bewahrt haben. ES Ist von unermeßlicher Wichtigkeit für die kommende junge Generation DeutjchlandS, daß sie wenigstens etwas vom Frieden und Sozialismus weiß. Das Licht darf nie ganz ausgehen. Denn der Tag des Volkes wird kommen! Hitler und seine Regierung des Kapitalismus und der Volksverelendung sind eine große Gefahr für die Welt. Euch erzählen sie, daß euer Land von Feinden umgeben sei, die seine Vernichtung wollen. Sie lügen; sie wissen, daß sie lügen. Frankreich mit seinem sozialistischen Ministerpräsidenten wünscht einen Dauerfrieden mit Deutschland und würde seinen Eintritt in einen alleuropäischen Friedensbund unterstützen. Die englische Regierung würde eine solche Entwicklung nicht aufhalten können, selbst wenn sie es wollte. Und Sowjetruhland, das Land der verruchten Bolschewiken, über das eure Nazi so viel Unsinn erzählen? Hat nicht gerade die Sowjetregierung Deutschland eingeladen, an einem Friedenspakt teilzunehmen, durch den es sich verpflichten wollte, Deutschland zu verteidigen, falls es angegriffen würde? Eure Regierung hat es abgelehnt. Beide, Frankreich und England, würden Deutschland al» Teilnehmer an einem erweitertet: Frankreich- Sowjetpakt begrüßen. Deutschland ist nicht eingekreist. Eure Regierung selber ha sich eingekreist. Kein Boll will euch angreifen. Ich glaube auch nicht, daß irgend eine Regierung euch angrei- fen will. Sicher will es die Sowsetreglerung nicht. Die Beschiessung dauerte ungefähr 1b Minute» und es wurden üv Schüsse gezählt. In der Stadt wurde sofort Alarm geschlagen und die Bevölkerung suchte die Unterstände auf. Da vermutet wurde, dass gleichzeitig auch ein Flugangriff auf die Stadt unternommen werden würde,- stiegen Regierungsflugzruge auf, um die Berttidi- gung gegen solche Angriffe»u sichern. Vor Madrid nur ArtHlerleklmpfe Madrid. Der Verteidigungsrat für die Hauptstadt meldete Mittwoch, daß in der Nacht von Dienstag an allen Abschnitten der Madrider Front sehr heftige Artillerieduelle wüteten. Die Positionen haben sich nicht geändert. Auch an der asturischen Front herrschte, bis auf Artilleriekämpfe, Kampfruhe.. v Im Laufe des Mittwoch verhinderten dichter Nebel und starker Frost größere KriegSopergtio« nen. Vereinzelt wurden Angriffe im Abschnitte LaS RozaS unternommen, und auch Vorposten hatte» hse und da Geplänkel. Die Artillerie der Aufständischen bombardierte vor allem die Verbindungslinien der Regierungstruppen. Groteske Ausreden Salamanca.(Reuter.) Die hiesigen Behörden haben, jetzt auf den britischen Protest gegen die Beschießung der britischen Botschaft in Äad« Heftiger Kampf zwischen hiess- lind Verständigungsnartei In Berlin Erscheint«tt Ausnahme de« Mantag»glich festh ^^ftimnmdDerwaltung. Prag XU., Fochova 62— Telephon 53077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redafteur: Karl Kern,Prag Göring In Rom Schachts Pariser Besuch abgesagt I AuSMen*d«r Sttttrvrelle rüde» Ibedingt ist. DaS Blatt ftagt zum Schluß, ob schon Afrika-Minister BiSna? Reichskanzler Hitler nicht eher weiteren Leiden wisse SS?Ä deutschen,Volkes und einer weiteren Verein- ist und die StaatSmänner^deS Westens M bemü" I amu? B f?°^land» den Vorzug gebe, als daß h-n besänftigend auf"dw aufgeregw öftentliche! K«"griffsprogramm verzichte. Meinung und mäßigend anf die Kabinette von U| ae ß ail terkU n«l u-i Rom und Berlin einzuwirken, ist in Berkin an-1 UcUlSCIHanCI gcDOten fdjcincnb der seit Monaten tobende Kampf zwi-, Werden SOll* fchen Kriegs- und Friedenspartei auf einem Gip-" felpunkt angelangt. Baris.(Tsch. P.-B.) Die französische Jene wirtschaftlichen, vor allem schwerindu- fresse schreibt über die Verhandlungsbereitschaft striellen Kreise, dir lange Zeit die stärksten Frankreichs ungrsähr in solgendem Sinn«: Kriegstreiber waren, haben es plötzlich mit der I. Frankreich wird nichts ohne«in volles Ein- Angst vor dem Hasardspiel deS Krieges zu tun vernehmen mit England unternehmen und wird bekonmeen und möchten einlenken» zumal da von ausserdem, wie Ministerpräsident Lkon Blum vor den Westmächten Vorschläge gemacht werden, die kurzem ausdrücklich erklärte, eine derartige Ge- für die Industrie verlockend genug sind. Hitler Währung von Hilfe von einer prinzipiellen Arn- abcr scheint allen Nachrichten zufolge, mehr als derung der deutschen Politik, hauptsächlich soweit je an sein« eigenen Worte zu glauben und sich in bie Rüstungen in Bettacht kommen, abhängig einem Rausch der antibolschewistischen Verzückung. machen. zu befind«». Jene radikalen Parttikreise, die mit| In Finanzkreisen verbreiteten Meldungen dem drohende» Ende der„dynamischen" Aussen-, sufolge handelt eS sich um di« Schaffung einer Politik, der Rüstungen und der unbehinderten^französisch-englisch-deutschen Propaganda aber auch daS Ende der eigenen Kolonial-Gesellschaft mit tzven- Herrlichkrit. kommen sehen, bestärken Hitler in«—------- seinem Willen zum Kriege. Diendtag schien eS, als solle die Reise Schachts nach Paris die Li» - quidicrung des spanischen Abenteuers" einleiten. .. Mittwoch Wird SchachtsBesuch unter kind lichen Ausreden plötzlich a h g e s a g t. Zur gleichen Zeit aber erscheint G S r ing i n R o m und soll, wie eS heißt, auch noch Spanien besu» chon. HavaS mcüit, dass Görings Rom-Reife u. a. dem Zweck dien«, Aufklärung über daS ita lienisch-britische Agreement zu holen, über daS Berlin jn gewissem Sinne beunruhigt sei. Der Kampf um Krieg oder Frieden ist jeden falls auf der ganzen Linie entbrannt-und so sehr es von den Vorgängen im HItlerstzstem felbst ab hängt, anf welche Seite sich die Waage neigen wird, so sehr müssten die f r i e d e n S w I l l i» gen KräfteEuropaS jetzt alles dar an f r tz e.n, die deutsche KriegSpa r- t e i durch geschlossenes Auftreten nieder,«- zwingen, ehe sie die Welt in Brand stecken kann. tueller Heranziehung der Brreinlsten Staaten von Amerika für einige Kolonien. Di« Engländer und Franzosen würden daS Kapital bringen. Deutschland würde dir technische Ausrüstung und die fachmännisch« Verwaltung übernehme». Dadurch würfe Deutschland"eine bedeutsame Genug-" ttmng bezüglich seiner Forderungen. nach einer kolonial«» Entfaltung zuteil werden. Die vereinigten Staaten von Amerika würden anf diese Weise«ine erhebliche Entschädigung für die Kriegsschulden erlangen. An französischen finanziellen Stellen würde | eine derartige Lösung im ganzen begrüßt werden, i doch wird an politischen Stellen gefordert, daß Deutschland, bevor ihm derartige Begünstigungen gewährt werden, tatsächlich wirksame Garantie» seines Friedenswillens in Europa, und zwar sowohl im Westen im Rhrinlande als anch inMittele uropa biete. Valencia bombardiert Kampfpause bei Madrid/ Francos Artillerie bereitet einen neuen Angriff auf die Hauptstadt vor Valencia. El« Kriegsschiff der Aufständischen bombardierte Mittwoch den Nazareth-Strand bei Valencia, wobei zehn Personen verwundet wurden. Ein Regierungs-Kriegsschiff erwiderte da- Feuer. Seite 2 DonnerStag, 14. Jänner 1987 fit. 12 Wirtschaft in Frieden fortzusetzen. Ihr tut jeder Pfennig leid, den sie unter dem Druck Hitlers und Japans für Rüstungen ausgeben muh. Kapitalistische Negierungen könne» unter Umständen kriegslustig sein. Eine sozialistische Regierung muh, ihrer Natur und ihrer sozialistischen Ausgabe entsprechend, den Frieden wollen. Die ganze Welt weih, das; ein friedliches Deutschland nichts zu fürchten hat. Nur das deutsche Volk selbst weis; es wahrscheinlich nicht, Iveil die Naziregierung keine Mühe scheut, die Wahrheit von ihm fernzuhalten. Leider aber macht die Politik eurer Naziregierung aüe friedlichen Länder gegen Deutschland aufs Aeußerste mißtrauisch. DaS ist für euch die grüßte Gefahr, das ist für euch die wirkliche Gefahr. Die Nazi preisen die Geivalt. Sie entwickeln kriegerische„Tugenden" schon bei den Schulkindern. Haben sie nicht ihre politischen Gegner in Deutschland mit Mord, Raub und Folter unterdrückt? Und gibt nicht daher auch ihre Tyrannei dem deutschen Volke das volle moralische Recht zur Rebellion, wann immer die Rebellion mit Aussicht auf Erfolg unternommen werden kann? . Ohne eure freie Zustimmung verschleudert die Naziregierung für Rüstungen Milliarden Mark, die Früchte eurer Arbeit und drückt mit solchen Ausgaben eure Lebenshaltung nieder. Haben nicht Heß, Göring und Goebbels geschrien:„Kanonen statt Butter!" Sie nehmen euren Rindern die Butter vom Brot, um die Generale mit Kanonen zu füttern. Dadurch geben sie unserer Negierung eine Entschuldigung,>venn sie desgleichen tut, obtvohl dabei gesagt werden muß, daß unsere Lebenshaltung in der Denwlra- tie. selbst die unserer Arbeitslosen, höher ist als die eure unter der Herrschaft des Faschismus. Jetzt tut eure Negierung alles, IvaS sie kann, nnt die Freiheit der Arbeiter in Spanien zu vernichten. lind die unsere weiß nicht, ob sie darüber traurig oder froh sein soll. Eure Negierung konspiriert in der ganzen Welt gegen das Volk und gibt dafür euer Geld a»s. Jeder Freund des Friedens und der Freiheit, jeder denkende Sozialist, Gewerkschafter oder Genossenschafter verabscheut die Naziregierung und betrachtet sie als Gefahr für den Frieden und die Freiheit der Welt. Bitte tadelt darum nicht die Welt: die Naziregiernng selbst hat das zustande gebracht. Sie war es, die euer Land einkreiste. Mehr noch, eure Negierung ntacht Deutschland zun: Gegenstand des Gelächters. Nehmt zum Beispiel die holländische Hochzeit. Entschuldigt, tuen» wir lachen— oder vielmehr, lacht mitl Verzeiht meine Aufrichtigkeit! Ein Freund nmß ausrichtig fein. Glaubt nicht-ich sei gegen daS deutsche Volk voreingenommen. Vor der Nazirevolution habe ich euer Land wiederholt mit Vergnügen besucht. Das deutsche Boll hat mich freundlich ausgenommen, und ich habe mich in seiner Mitte wohlgefühlt. Jedes Volk hat seine Unvollkommenheiten— weder wir sind eine Ausnahme von der Regel, noch seid ihr eS. Aber es besteht kein Grund zu irgend einer allgemeinen Voreingenommenheit gegen das deutsche Volk. Euer größter Feind ist eure Negierung, der wahre Einkreiser Deutschlands. Sie hat die militärische Stärke Deutschlands riesenhaft gesteigert. Das ist Ivahr! Aber sie 'bat trotzdem mehr getan, um Deutschland zu scktvächen, als irgend eine deutsche Negierung Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld sr Hol' nur die Polizei, dachte sie, sie wird mich von dir befreien. Aber er wußte, daß sie den Ber- satzzettel vorweisen, daß sie ihr Eigentumsrecht an dem Geld tvürde geltend machen können. Er sah nicht mehr ihr Gesicht, er wußte nicht mehr, mit wem er rang, er wußte nur: Hier ist eine Hand, diese hält die Banknoten umschlossen, die ich brauche, ich mutz diese Banknoten haben, morgen kommt Bogel, ich bin erledigt, ich bin bankrott, ich bin ärmer als ein Straßenbettler, tvenn ich diese Banknoten nicht bekomme. In seiner grenzenlosen Wut beugte er sich tiber ihren Arm, biß in das Handgelenk, grub seine Zähne tief in das Fleisch. Sie brüllte auf, die Hand öffnete sich, die Noten flatterten ays den Boden, zerknittertes Papier, graublau, rostrot, olivengrün. Er beugte sich schnell, sammelte die Noten ein, sie sah seinen breiten Rücken unter sich, sie hämmerte auf diesen Rücken ein, sie verkrampfte die Hände in seinem Hemd, sie fetzte es ihm vom Leib. „Du Lump," schrie sie,„du Betrüger. ES ist mein Geld. Gib mir mein Geld". Ihre Kräfte ließen nach, die Hand schmerzte, Blut rann über die Finger, auf seinem Hemd zeigten sich kleine rote Flecke». Er richtete sich auf, schwitzend, mit glühenden Augen, die Hände bebend, die die Banknoten entwirrten und in die Tasche schoben. „Der Streich wäre mißglückt," sagte er. „Nun steht es dir frei, zu gehen.'" jemals zuvor, Denn fie hat euch wirtschaftlich unendlich viel schwächer gemacht, als ihr sein müßtet. Andern Negierungen hat sie Rechtfertigungsoder EntschuldigungSgründe für-ihre Rüstungen geliefert, wobei ich keineswegs die Entschuldi-' gungsgründe vergessen will, die jene der euren geliefert haben. Wir englischen Sozialisten haben nie aufgehört, unsere Regierung tvegen ihres Anteils an dem Berrat an der Abrüstungskonferenz anzugreifen. Aber damit wird die Naziregierung mit ihrer hartnäckigen diplomatischen llnsähigkeit und Plumpheit, ihrer massiven und aggressiven Aufrüstung und ihrer Verschwörung gegen die Freiheit und den Fortschritt In der ganzen Welt in ieiner Weise gerechtfertigt. Dabei liegen die Dinge so, daß Deutschland, wenn eS sich in einen Krieg stürzt, so gilt wie sicher geschlagen werden wird. Teils darum, weil die Nazi selbst den Grund zu einer umfassenden Koalition gegen euer Land gelegt haben, teils weil der deutsche Mann in Neil, und Glied nicht mehr mit dem Herzen bei der Sache sein wird, sobald auch nur ein Teil der Wahrheit zu ihm durchdringt. ES ist zweifelhaft, ob Nnzideutschland eS auch nur mit einem isolierten Rußland ausnehmen kann. Denkt an die ungeheuere Weite der Gren zen und der Entfernungen, und an eure weit größere Verletzlichkeit bei LuftangriffenI Denkt auch dgran, daß die Rüssen für ein sozialistisches Vaterland kämpfet; würdeü, ihr aber für eine kapitalistische Despotie, die euch das Recht zu denken ge« nommen hat! Und laßt euch nicht einreden, daß die Rote Armee eine RachkriegSausgabe der forschen Zarenarmee ist! An Rußlands Seite steht jedoch Frankreich. Mag sein, auch England, mag sein, auch andere. Mag sein, sogar Italien. Denn Mussolini bringt eS fertig, sich sowohl auf die eine Seite, wie auf die andere zu schlagen. Und in jedem Lande werden die Sozialisten und Demokraten, wie immer auch sie über ihre eigene Negierung denken mögen, gegen eure Naziregierung stehen. Darum rettet euch, sobald ihr könnt, nicht vor einer verruchten Welt, sondern vor den verruchten Nazis? Reicht euren Brüdern in anderen Ländern die Sand ftir Frieden, Sozialismus und Detnokratie. Noch steht das Wort: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Jagt eure Verrückten davon, sowie ihr könnt, und wir werden das unsere tun, auch die unseren davonzujagenl Ich grüße euch freundschaftlich und respektvoll im Namen der Völker aller Länder Euer Herbert Morrison. „klgene spanisch« Resierunssform“ Eine Rede Edens London.(Reuter.) Außenminister Eden sprach auf dem Bankett der Londoner Bereinigung der ausländischen Pressekorrespondenten und sagte u a.: Wenn wir auf die heutige Situation in der Welt und in England blicken, vermögen wir lein besseres Mittel zu empfehlen als Ausdauer und gegenseitiges Begreifen. Er wäre lächerlich, verbergen zu wollen, daß der Beginn des neuen Jahres im Zeichen zahlreicher störender Einflüsse steht, die Europa bedrohen." Die Ereignisse in Spanien verursachen auch fernerhin große Unruhe in der gesamten Welt. Eden loiederholte den Standpunkt, daß über das Negierungssystem in Spanien zu entscheiden, ausschließlich Spanien selbst znstehe und daß es aus diesem Grunde notwendig ist, gegen jede Einmischung aufzutreten. Viele Menschen glauben, daß nach Beendigung des Bürgerkrieges in Spanien entweder ein kommu- n i st i s ch e s oder s a s ch i st i s ch e ä Regime herrschen werde. Ich bin, sagte Eden, im Gegenteil davon überzeugt, daß wederdieses noch jenes Regime— die dem Geiste des spanischen Bolles widerstreben— sich in Spanien aufrecht zu erhalten vcrwsig!' Die' Zeit wird dort eine eigene's Panische RegierungS- form herbeiführen. Die englische Regierung, sagte Eden Weiter erklärte bereits einigemale, daß sie die T e i l u n g Europas in zwei Lager abIe hn e und daß sie im Interesse des Friedens es für wichtig ansehe, daß sämtliche moralischen und politischen Kräfte gegen die Ausschließung dieser Doktrin zur Geltung gebracht iverden. In dieser Hinsicht spreche die englische Negierung als Wortführerin der gesamten englisch sprechenden Welt. Zum Schlüsse sprach Eden über die Verteidigung der englischen parlamentarisch:» Demokratie, die sich für die Zusammenarbeit aller Nassen und religiösen Bekenntnisse zur Verwirklichung des allgemeinen Wohles bemühen will. Kabinettsrat in London London. Mittwoch fand die erste Kabinettsitzung seit der vom Dezember erfolgten Vertagung/des Parlamentes statt. Zweifellos wurde über die mit dem Bürgerkriege in Spanien zusammenhängende Lage beraten. Die sozialistische Liga sandte an das Außenministerium ein Schreiben, in dem sie gegen die Stellungnahme der Regierung protestiert, welche britischen Freiwilligen die Ahreise nach Spanien verbietet. In dem Protest wird ausgeführt, daß dieser Standpunkt sehr ungerecht ist, wenn man bedenkt, daß Italien und Deutschland sich noch nicht verpflichtet haben, die Entsendung von Freiwilligen nach Spanien einzustellen. Schweden wird Herrn Flskowltch herauswerfen Paris. Einer Mitteilung des Stockholmer Korrespondenten des«Paris Soir" zufolge stellte die schlvedische Regierung dem ehemaligen spanischen Gesandten in Schiveden Fiskowitch, welcher zu den Aufständischen übergegangen ist, sich aher iveigert, das Gesandtschastsgebäude zu verlassen, eine 48stündige UeberlegungSsrist. Die Regierung erklärte, er werde mit Gewalt^ auSaewiefen werden, tvenn er nicht bis zum Ablauf oiefer Frist freiwillig die- Gesandtschaft verlassen Die Ge» sandtin der Regierung in Valencia, Frau Palenci, wohnt noch immer in einem Privathotel. Par Streik bei General Motors Washington. Nach einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des BerbandeS der vereinigten. Arbeiter der Automobil-Werke, Homer Martin, erklärte der Vorsitzende des JndustrieorganisationS- komiiees John Lewis, daß gemäß dem Borsprechen des Gouverneurs des Staates Michigan die S t a a t s p o l i z e i bei der Räumung der-besetzte» Fabriken nicht eingreifen iverde, daß den Streikenden Lebensmittel und Beheizung, während der Besetzung ge» Er Ivars die Tür zu; im Schlafzimmer plätscherte Wasser, der Kasten knarrte. Stiefel ! knallten auf den Boden. Finsterbusch holte fluchend seinen schwarzen Anzug aus dem Schrank, > eine Verlobung ivurde in seinem Cafö gefeiert, da mußte der Wirt Festkleidung tragen. Als er,.gewaschen, rasiert, in einem frischen Hemd, in dem schivarzen Anzug wieder durch daS Zimmer ging, ins Cafö hinüber, saß sie noch immer au ihrem Platz, die Hände auf den Tisch gebreitet, den Kopf in den Händen vergraben. Nun habe ich sie mürbe gemacht, dachte er. Nun wird sie bleiheu, und das Kin-d wird nicht geboren ivevden. DaS Kind wird in Hunger geboren werden, dachte Frau Finsterbusch, und es wird in Hunger leben. Billy hat nichts, Billy wird nie etwas haben, ich darf nicht zu ihm gehen, ich darf ihm gar nichts sagen, sonst verliert er Carola, und er brauch; sie, er ist verloren ohne Carola. Ich kann mich nicht an ihn hängen, er ist nicht stark genug, auch meinen Kummer zu tragen. Sie richtete sich auf, sie sah im Zimmer umher, die alten Mauern, die ihr Leben ausge- saugt hatten, standen stumm um sie und wußten keinen Rat. Hier werde ich wohl nicht bleiben können, und eS gibt keinen Flecken auf der Welt, keinen Menschen, bei dem ich Zuflucht fände. Das Kind wird nicht leben. Finsterbusch hat recht:. Das Kind tvird nicht geboren werden. Sie ging durch das Zimmer, der Boden knarrte, so knarrte frischgehobelteS Holz. Sie zog eine Lade auf, hier lagen ihre Handtaschen, ein paar Bücher, Spangen, Gürtel. Den braunen Gürtel aus blankem Leder hatte sie nie getragen; Finsterbusch hatte ihn einstmals von einer Reise mitgebracht, aber er paßte nicht zu dem blauen Mantel, den sie hatte. Sie spannte den Gürtel zwischen den Armen aus, die Wunde am Handgelenk schnierzte. Es war ein guter Gürtel, Leder aus einem Kernstück, unverwüstlich, wie für die 1 Ewigkeit gemacht. Als Ludmilla nach einer Viertelstunde das Zimmer betrat, schrie sie auf. Sie lief in die Küche, holte das große Messer, mst dem sie Schinken schnitt und Brot. Sie bettete die Frau auf dem Boden, dann jagte sie Ins Cast, sie zerrte Finsterbusch am Aermel, er fragte sie, was es denn gäbe, sie antwortete nicht. Er kniete neben seiner Frau nieder, er hob ihren Kopf, er legte das Ohr an ihre Brust. DaS Herz schlug noch? Er sandte Ludmilla nach Gerleitner, der Arzt tappte herein, schiver und schwitzend, die Frau wurde ausgekleidet, Gerleitner fühlte den Puls, hob ihre Augenlider. „Ein paar Minuten später, und eS wäre zu Ende gewesen," sagte er. „Ist sie gerettet?", fragte Finsterbusch. „Sie wird wieder zu sich kommen. Tragen sie sie in ihr. Bett hinüber, ich werde Ludmilla genau sagest, was noch zu tun ist." Carola kam. Finsterbusch schlich fort, er überlegte, ob er nicht die Verlobung absagen sollte; er wollte Hugo mit einem Brief zu Isabella senden, ein Zwischenfall, er bedauere, ob sie nicht die Verlobung auf moroen verschieben.könnten. Aber er schrieb den Brief nicht; war in den beiden Hoszimmern geschah, geschah in einer andren Welt, hatte mit dem Cast nichts zu schasstn. Bei einer Verlobung wurde Wein konsumiert, er konnte auf die Einnahme nicht verzichten. Morgen kam Vogel, er holte die vierhundertfünfzig, dann war kein Geld mehr in der Lade. Er schickte Hugo in das Schlafzimmer, Ludmilla sollte sich beeilen, man brauchte sie ist der Küche; eS seien Vorbereitungen S» treffen, am Abend fände eine Verlobung statt. XIII. Vaals Hände umklammerten den Rand der Tisches; seine Blicke hingen an dem Brief, fraßen sich in das Papier ein, lösten eS in einen weißlichen Nebel auf. Er war entlassen. Die Firma Kain Streikender mehr Im Liller Gebiet Lille. Die streikenden Ingenieure und Werkmeister der Liller Metallindustrie in einer Gesamtzahl von ca. 400 Personen erklärten Mittwoch abends, datz sie Donnerstag die Arbeit wieder ausnehmen.wollen, um den Arbeitern, welche lange gestreikt hatten, wieder Berdienstmöglichkeit zur Versorgung ihrer Familien zu bieten. Sie beharren jedoch auf ihren Fordekungen, insbesou- dere darauf, daß bei allen Strelkkonslikien auch auf daS qualifizierte Personal Rücksicht genomnten werde. Nach der Beilegung dieses Streiks gibt eS im ganzen Departement keinen einzigen Streikenden mehr. liefert werden und daß die Militärabteilungcn nicht deshalb mobilisiert wurden, um die Arbeiter einzuschüchtern. Der gleiche Sprecher sagte auch, daß seine Organisation eine Resolution für die Kongreßmitglieder vorbereite, in der sie die Utüersuchung der Finanzlage und der Geschäfte der General Motors Comp. verlangen werde. Der Gouverneur des Staates Michigan, Murphy, hat die Vertreter der General Motors und der Gewerkschaftsorganisationen der Automobilarbeiter aufgefordert, Donnerstag zu einer Konferenz zusammenzutreten, wobei über die Beendigung, des Streites verhandelt werden wird. Pia Vorkämpfer des Asylrechtes Mexiko City. Auf dem San-Lomingo-Platz und in den anliegenden Gaffen manifestierten Kommunisten gegen Trotzki. Ungefähr 00 Polizisten auf Motorrädern und 100 Mann Gardeinfanterie zerstreuten die Manifestanten. Ungefähr sieben von ihnen wurden verletzt, zahlreiche Manifestanten wurden verhaftet. Die kommunistische Partei hat eine neue Erklärung ver- öffentkicht, in der sie erklärt, daß Trotzki das gegebene Versprechen bereits verletzt habe, sich jeder politischen Tätigkeit zu enthalten, als er über die Sowjetregierung„in beleidigender Weise" sprach. Die kommunistische Partei fiigt hinzu, daß sie nicht aushören werde, die Ausweisung Trotzkis zu verlangen und daß die Mitglieder der Partei energisch bestrebt sein werden, eine politische Tätigkeit Trotzkis zu verhindern. Dar Aufstand In Schensl Nanking.(Reuter.) Die Nankinger Regierung ist bemüht, dem Aufruhr in der Provinz Scheust ein Ende zu setzen. Die Negierung dürste Tschangsueliang das Kommando in Sianfu Wieder übertragen. Dieser begab sich im Flugzeug zu Tschangkaischek, um mit ihm zu beraten. Die Zentralregierung sandte an den Auf» ständischen-General Janhutschen ein Ulimatum, in welchem sie ihn auffordert, mit seinen Truppen unverzüglich die Stadt Sianfu zu verlassen, General Janhutschan hat daraufhin sein Haupt» auartier tatsächlich aus Sianfu nach dem etwa 20 Km. entfernten Lintun verlegt, doch die Truppen Tschangsueljans lehnen cs ab,- ihn als ihren Führer anzuerkennen und erklären, 1>aß-sie in der Stadt Sianfu bleiben werden. brauchte ihn nicht mehr. Der Rückgang des Absatzes, die damit verbundene Einschränkung der Produktion machen es unmöglich, den alten Personalstand ausrechtzuerhalten. Man sei mit seinen Diensten stets zufrieden gewesen und werde, im gegebenen Fall, die beste Auskunft über ihn erteilen. Der Betrag, den er noch zu bekommen habe, sei nur um ein geringes höher als die Summe, die man ihm seinerzeit zum Kauf seines Autos zur Verfügung gestellt habe; nach Abzug seiner Schuld verblieb ein kleiner Ikeberschnß, der ihm mit der gleichen Post angewiesen werde; man bitte um eine Quittung. Niemand wird die Firma um Auskunft ersuchen, ich finde keinen Posten mehr, sagte sich Baal."Ich bin einfach zum Verhungern verurteilt. Ich könnte mich selbständig machen, aber ich habe kein Kapital. Wer wird mir Geld leihen? Ich kann keine Sicherheiten bieten. Wenn ich das Auto verkaufe, hab ich noch ein paar Monate zu essen. Ich kann mir auf dem Papier ausrechnen, bis auf Heller und Pfennig, wie lange das Geld reicht. Dann ist Schluß. Vielleicht kalkuliere ich noch einen Revolver ein, dann hab ich ein paar Tage weniger zu leben, aber die Bilanz ist klarer. Der Brief lag in der Mitte des Tisches, aufgeriffen, das violette Futter des Umschlages sing seinen Blick. Ich kann ein paar Briefe schreiben, an Freunde, ich kann ein paar Besuche machen,- ich kann als Bittsteller zu den Firmen lausen, fragen, betteln; sie werden mich vertrösten, wenn eine Stelle frei wird, werden sie-an mich denken. Doch, es wird keine Stelle frei werden; heute verläßt niemand seinen Posten, eS fei denn, der Tod ruft ihn ab; die Stellen, die der Tod freimacht, werden nicht neu beseht. Er schrieb die Briefe, sechs, acht, alle hatten den gleichen Wortlaut. Er warf sie in den Postkasten, aber er war davon überzeugt, daß er sie genau so gut hätte inS Feuer, werfen können; sie waren zwecklos, wie alles, was er beginnen würde, um sich vor dem Untergang zu retten,' .(Fortsetzung folgt.). 9lr. 15 Donnerstag, 14. Jänner 1037 Seite 3 fudetendeutscfte r 3teitspie£et Kalt und finster stehen sie nun da, die Nagelschmieden, in denen einst so viel Leben war, so viel Lärm. Als ich noch ein Kind war, da hatte solch ein« Nagelschmiede für mich etwas ganz Besonderes, Geheimnisvolles, ja ich möchte sagen Unheimliches an sich. Wie ost standen wir Kinder gruselig vor einer Nagelschmiede und starrten durch die Türritzen in das Inner«, das für uns lebendiger Begriff von Hölle wart Da drinnen trieben stch riesige Gestalten herum, wahrhaftig schwarz wie! die Teufel,— standen vor dem offenen Feuir, dessen Schein ihre Gesichter zu Krähen verzerrte, schürten mit Stangen in der Glut oder hieben aufs glühende Eisen und scheuten die ftunten nicht, die aus ihre nackten Oberkörper sprangen. Heute sind diese primitiven Arbeitsstätten ein Stück der Vergangenheit. Di« Maschine tut diese Arbeit billiger, besser, schneller. . Zwar hämmert eS in einer Schmiede, die zwischen Natschung und HeinrichSdorf steht, noch hi.' und da einmal. Aber nur zuweilen, nur für einige Tage, selten für einige Wochen. Dann ist eS auch in dieser lohten aller Nagelschmieden still. Sie ist ein langgedehntes Gebäude und viele Ar» halten. So hat der Nlelnlandwirt Ernst D u k e in FröhlichSdorf, Bezirk Dauba. im Jahre 1984 6 Schock Althopsen aufgelassen und dafür 5>/ 2 Schock im Jahre 1988 neu ausgesetzt. Dieser Vorgang erfolgte genau nach den Bestimmungen der Regierungsverordnung Nr. 86 vom 28. 3. 1984, der Hopfengarten wurde als Ersatz für den allen bei der Behörde angemeldet. Was aber tut Gott, bzw. die Bezirksbehörde in Dauba? Sie schreibt Ernst Duke eine Straf« von 278 KL, im Nichtein- bringungsfalle 48 Stunden Arrest vor, und beruft sich hierbei noch auf das Geständnis des Betreffenden. Selbstverständlich hatte Duke keinen Grund etwas zu verleugnen, weil er sich keiner Gesetzesverletzung schuldig gemacht hat. AIS Duke die Berufung bei der Landesbehörde einbrachte, wurde ihm von dort geantwortet, dass die Strafe zu Recht bestehe, weil er eben seinen Hopfengarten nicht angemeldet habe. Auch eine Intervention konnte an der Sache nichts mehr ändern. Der Vorfall ist in seiner Art unerhört und bedarf einer strengen Untersuchung, damit sich die Behörden künftighin nicht derartige Uebergriffo zuschulden kommen lassen. DNS Gesetz muss dort mit aller Schärfe angewendet tverden, wo es be- Ivuzt und aus Gewinngicr übertreten wurde. Mit Entschiedenheit aber nniss sich der Staatsbürger dagegen wehren, dass ihm Delikte unterschoben und Strafen diktiert tverden, für die keinerlei Gesetz eine Handhabe bietet. Die Gesetze sind dazu hier, dass sie gleichmässig auf alle Staatsbürger angewendet werden. Wir leben in einem demokratischen Staatswesen, was immer wieder in schönen Reden von massgebenden Politikern beglaubigt wird. Der Staatsbürger aber, der zusehen muh, wie dem einen die Gesetzesübertretung gestattet wird, während der andere grundlos Strafen erduldet, der kommt dann zu der Auffassung, dass in unserem Lande noch manches beseitigt werden mutz, bevor wir tatsächlich eine volle und reine Demokratie haben, die allen Staatsbürgern eine gleiche Behandlung vor dem Gesetze und den Behörden zusichert. AIS dl« Hopfenpreise wieder stiegen, haben eine Reihe von grösseren Besitzern, allen voran wiederum die Restgutsbesitzer, im Saazer Land und auch in anderen Hopfengebieten entgegen den gesetzlichen Bestimmungen die Hopfenanbauflüchen vergrößert. Das Ausmass der vergrößerten Flächen dürfte 1099 Hektar weit übersteigen. Durch den Kampf gegen diese unerhörte Gesetzesübertretung, bei dem der Kleinbauernverband die Führung inne hat, wurde endlich erreicht, daß für die Gesetzesübertreter Strafen vorgeschrieben wurden. Was aber hört man nun? Die meisten dieser'Herren Großagrarier denken nicht im Traume daran, ihr« Flächen einzuschränken, sondern haben angeblich Beschwerde gegen die Bestrafung beim Obersten BerwaltungSgericht geführt, obzwar die Landesbehörde zu entscheiden hat. Und so lässt man eben die Hopfenpflanzen Welter in den Gärten. Neuerdings soll sogar der Versuch gemacht werden, eine nachträgliche Sanktionierung dieser Gesetzesübertretung vorznneh- men. Das Landwirtschaftsministerium will angeblich 199 Hcktaroder noch mehr für den Mehr» aussah von Hopfen bewilligen. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn dieses Kontingent den bedürftigen kleinen Hopfenbauern zugute käme. Wer aber die Praktiken der Herren Grossagrarier von der Republikanska strana kennt, der weih schon im voraus, dqss keinem deutschen K'leinland« Wirt von der in Frage stehenden Fläche für einen Mehraussatz etwas zugeteilt würde. Das Unerhörte aber an der Sache Ist, dass man mit zweierlei Massstäben misst. Wenn Kleinlandwirte ihre Hopfenanbauflächen auch nur um eine kleine Anzahl von Pflanzen vermehren, werden sie sofort von der Behörde unter Androhung strengster Strafen zum Herausreihen der Pflanzen verhalten. Ein solcher Fall liegt wieder in L i t s ch k a u bei Saaz vor, wo ein Kleinlandwirt sieben Schock herauswerfen muß. Aber die Behörden gehen noch weiter und legen Strafen auch dort auf, wo sich die kleinen Besitzer streng« an die gesetzlichen Bestimmungen Der schwelende Brand Die Gilden kür ehrlos erklärt Die völkisch-studentische Monatsschrift„A u f- b r u ch" schreibt in ihrer Jänner-Folge: „Im Sommer hat ein von Konrad Henlein eingesetztes Ehrengericht den damaligen Leiter der Kanzlei Konrad Henleins Dr. Walter Brand für unehrenhaft erklärt. Es ist bezeichnend, dass die Prager G i l d e u s ch a f t, Vie Nachwuchskorporation des KamcradschaftSbundeS, diesen Spruch des VolkSchrengcrichtes bis heute nicht anerkennt und sich anmasst, einen eigenen U n t c r s u ch u n a s a u S s ch u ss einzusetzen, mit Berücksichtigung deutscher Offerte durch das Eisenbahnmlnlsterium Wir haben am Dienstag darauf hingewie- sen, dass das Eisenbahuministerium bei der Vergebung von LieserungSausträgen im deutschen Gebiet deutsche Unternehmer und Arbeiter berücksichtigen wird. Diese erfreuliche Absicht des Eisen- bahnministeriums, an dessen Spitze bekanntlich der tschechische Sozialdemokrat B e ch>> n i steht, wird nun auch noch hinsichtlich der Erstellung der Offerte klargcstellt. Das Ministerium will nämlich im Hinblick auf die allgemein teureren Lebensverhältnisse im deutschen Gebiet und die infolgedessen höheren Löhne und höhergejteUien Offerte nun auch diesen Umstand bei der Vergebung der Lieferungs-Aufträge in Erwägung ziehen, um für Arbeit im deutschen Randgebiet zu sorgen. Wir hoffen, dass diese Initiative des Eisenbahnministers vom Erfolg gekrönt sein iverde. Wenn dieses Ministerium jetzt verlautbaren lässt, dass bisher das Interesse deutscher Firmen an LieserungsaUSschreibungen für die Eisenbahn sehr gering war, so müssen Ivir doch darauf Hinweisen, dass deutscherseits sehr viele Offerte eben nicht cingebracht wurden, weil die betreffenden Firmen gar nicht damit rechnen konnten, ivirllich herangezogen zu tverden. Es wäre ein Schritt vortvärts, wenn cs fetzt anders würde. DaS Eisenbahuministerium hat schon durch seinen sommerlichen Erlass über die Beschäftigung Einheimischer bei Bahnoberbauten seinen ernsten Willen bewiesen, an der Behebung eines der übelsten Arbcitsloscn-Notstände sozial-nationalen Charakters mitzuarbeiten und cs wird uns auch von verschiedenen Stellen berichtet, dass dieser neue Modus tatsächlich auch schon praktisch ange- tvendet wird. wieviel bekommt nun'® er r Katz wirklich? Die 28.999 KL stellt er in Abrede. Na, vielleicht haben tvir uns v a l u t a r i s ch schlecht ausgedrückt. Etliche Zeitungen, darunter die„Lidovs Novinh", behaupten nämlich, dass Herr Katz monatlich 8090 Schweizer Franken erhalte. Wir lasen gestern, dass man für einen Schweizer Franken derzeit etwa 9.90 tschechisck>« Kronen bekommt. Sollte also die Angabe in Schweizer Franken stimmen, so kann jedermann sich ausrechnen, um wieviel wir geirrt hätten. Aber natürlich kann die Art der Bezüge des Herrn Katz vertraglich auch anders geregelt worden sein— eUva nicht in Monatsraten ausgerechnet— und dann könnte Herr Katz lviedcr berichtigen. Beispielsweise, wenn für ihn swaS wieder von anderer Seite behauptet wird) D i ä- ten festgesetzt wurden. Da käme eS dann wic- der nur daraus an, w i o ho ch dies« Diäten sind, damit man— berichtigen könnte, sic belaufen sich insgesamt monatlich nicht ans 28.900 KL. UcbrigenS sind wir, so gut wir auch über Herrn Katz informiert sind, nicht im Detail über Schweizer VerrcchnungS- u. Auszahlnngsforma- Ittäten unterrichtet, die in gewissen Fällen vereinbart zu iverden pflegen. Und schliesslich sollte Herr Katz nun selber sagen, lvaS er bekommt— womit freilich dann noch keineswegs ausgcsagt wäre, ob er so viel wert ist. Herr Richard Katz berichtigt Herr Richard Katz schickt unS zwei Bert ch t i g u n g e n, die dem 8 11 der Presse- novell«(Es ist nicht wahr— wahr ist dagegen) entsprechen, die wir aber auch sonst sehr gerne abdrucken. Die erste der beiden Berichtigungen bezieht sich auk unsere Notiz„Veränderungen im Prager Tagblatt" vom 0. Jänner 1987 und lautet: „Die in dem Artikel enthaltenen Nachrichten, dass ich von den Besitzern des„Prager Tagblatt" mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet wurde, und dass die Entlassungen der drei Redakteure W. Stark, Hornig und Szekler mit Ersparungen zusammenhängen, welche durch die aus meiner Tätigkeit erwachsenen Mehrkosten erforderlich wären, sind unwahr. Wahr ist im Gegenteil, daß ich von den Besitzern des„Prager Tagblatt" nicht mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet wurde, und dass die Entlassungen der drei Redakteure W. Stark, Hornig und Szekler nicht mit Ersparungen Zusammenhängen, welche durch die aus meiner Tätigkeit erwachsenen Mehrkosten erforderlich wurden." Die zweite Berichtigung des Herrn Katz bezieht sich aus unsere Notiz„Soziales aus dem Prager Tagblatt" vom 10. Jänner 1987 und lautet: „Die in dem Artikel enthaltenen Nachrichten, daß aus„ErsparungSgründen" im Zusammenhang mit den durch mich entstandenen Mehrkosten Entlaffungen vorgenommen wurden, dass ich ein Gehalt von monatlich KL Verlegenheit der Kommunisten Nach der Verbrüderung in Eger Der„Roten Fahne" ist ob unseres Leit« aufsaheS in der vorgestrigen Folge, in welcher wir gegen die Kommunisten die schwere Anschuldigung erhoben haben, sie verwirrten die Massen durch ihre Anbiederungen an die SdP, derart der Schreck in die Glieder gefahren, daß das deutsch« Blatt der KPE nur schwache Regungen der Polemik von sich gibt. Erinnert man sich der einstigen Forschheit und Lebendigkeit, mit der einst die Kommunisten den Kampf gegen die Sozialdemo- kraii« geführt haben, dann fällt einem das. Zitat ein: „Verflogen ist der Spiritus, das Phlegma ist geblieben." Was hat nun di«„Rote Fahne" mit schwacher Stimm« zur Verteidigung ihres Parteichefs zu sagen. Sie meint, daß die Henleinleute gedroht hätten, Gottwald dürfe in Eger nicht sprechen und di« KPC hätte mit der sonntägigen Versammlung gezeigt, dass er eS doch getan habe. Mit Verlaub I ES kommt nicht nur darauf an, daß Gottwald gesprochen, sondern auch w a S er gesprochen hat. Welche Wirkung diese Rede gehabt und welchen Kampfcharakter sie aufgewiesen hat, ermesse man daraus, wie sie auf die Zuhörer gewirkt hat. DwS ersieht man aus der„Bohemia", di« ihren Bericht mit folgenden Worten betitelt: Ruhige Diskussion mit der SdP in Eger. Abg. Wellner freut sich, vor Arbeiterkameraden zu sprechen! Der Ton also, in dem Herr Gottwald gesprochen hat, muß sehr freundschaftlich— gegenüber der SdP gewesen sein. Neber den Inhalt der Rede des Kommu» nistenhäpptlings aber«rzäh.t die„Bohemia" unter anderem: Er(nämlich Gottwald) macht« den Vorschlag, alle Parteien, denen das Wohl des Su- detendeutschtumS am Herzen liege, sollen in g e- m«insamenKundgebungrn mit donKommunisten, und zwar in energischerer und radikalerer Form, für die sudetendeutschen Recht« demonstrieren. Zählt Gotiwald nun zu jenen Parteien, „denen da» Wohl des Sudetendeutschtums am Herzen liegt", die SdP, und tvill er mit ihr gemeinsame Kundgebungen ä la Eger weiter veranstalten? Jedenfalls will Gottwald die Teilnahme der SdP an den Verhandlungen Mer die nationale Frage. Das wird klipp und klar bewiesen durch die Resolution, welche in der kommunistischen Versammlung angenommen wurde, die in der„Roten Fahne" auch veröffentlicht ist und in der«S heißt:• Wir fordern von ter Regierung, daß di« Verhandlungen über den nationalen Ausgleich in tat Parlament verlegt werden, damit alle Parteien, welche«wen gerechten nationalen Ausgleich wollen, die Möglichkeit haben, daran mitzuarteiten. Wieder finden wir da den Passus von den Parteien,„welche einen gerechten nationalen Ausgleich wollen". Ist damit auch die SdP gemeint? Verlangen also die Kommunisten die Zuziehung der„sudetendeutschen Franco»", wie di««Rote Fahne" noch am Sonntag die SdP-Leute genannt hat, zu den Verhandlungen? Di« Kommunisten fühlen, daß«ine solch« Forderung sie vor den Massen kompromittiert und darum sagen sie in ihrer heiseren Polemik gegen uns, daß„nicht wir Kommunisten, die Geschäftsordnung des Parlament» gedacht haben", auf Grund welcher Geschäftsordnung eben die SdP an den Verhandlungen Wer die nationale Frage teilnehmen würden. Das ist eine Ausrede, von der man nur sagen kann, dass sie schwach auf der Brust ist. Die Geschäftsordnung de» Parlaments soll die Ausrede dafür fein, daß die Kommunisten die SdP in die Verhandlungen hineinschmuggeln. Mit derartigen Mätzchen wollen sie di« Freundschaft zu Herrn Wollner beschönigen. «Uns Kommunisten", so schreibt die„Rote Fahne" vom Mittwoch, handelt«s sich„um eine Sammlung aller demokratischen Parteien und Kräfte gegen den nationalistischen Mißbrauch der unerträglichen Lage in den Sudeten durch die SdP-Führung". Deshalb verlangen sie die Zuziehung von Hitlers Statthalter Henlein zu den nationalen Verhandlungen, deswegen fetzen sie sich > für die„sudetendeutschen Francos" ein. Die Demagogie der Kommu« -nisten ist wieder einmal ent- h ü I l t. Mit solchen wendigen Politikern, dir sich nicht scheuen, sich den Faschisten, den Verbündeten Hitler» und Franco», anzubiedern, kann e» keine gedeihliche Zusammenarbeit geben. 28.000.—(sage und schreibe fünfund zwanzigtausend Kronen) erhalte, und daß von den drei Redakteuren vermutlich jeder im ganzen Jahre kaum mehr verdiente als nun ich in einem Monat, sind unwahr. Wahr ist im Gegenteil, daß die Entlassungen in keinem Zu sammenhang mit durch mich entstandenen Mehrkosten vorgenommcn wurden, daß ich kein Gehalt von monatlich KL 26.000.— erhalte, und dass jeder der drei Redakteure im ganzen Jahre mehr verdiente als ich in einem Monat." Es kommt uns vor, als hätte Herr Katz mit diesen beiden Berichtigungen sich selber einen sehr schlechten Dienst erwiesen. DaS fängt schon an bei der hohen Logik der nicht unumschränkten Vollmachten. Wir nehmen natürlich nicht an, Herr Katz habe etwa derart unumschränkte Vollmachten erhalten, dass er nun das„Prager Tagblatt" in der Sprache des„Venkov" oder in Esperanto er scheinen lassen könnte. Aber die Tatsache ist nicht aus der Welt zu schaffen, daß die drei Redak teure(und ausserdem, wie wir gleichfalls melde ten, auch zwei ständige Berichterstatter) des „Prager Tagblatt" glei^'zeitig und just zu dem Zeitpunkt aufs Pflaster flogen, da Herr Katz seine beschränkten Vollmachten auSzuüben be gann.(Da der Inhalt von Berichtigungen nicht bewiesen werden muss, braucht Herr Katz auch nicht zu b e w e i s e n, dass die durch die Entlassung der drei Redakteure bewirkten Ersparungen mit den durch Katz entstandenen Mehrkosten„Zusammen hängen"). Und wenn Herr Katz behauptet, dass jeder der drei Redakteure jährlich mehr verdiente als nun er in einem Monat, so hat er einerseiis über die Höhe seiner Bezü-e noch immer nichts verraten, anderseits wird dadu-ch das Schicksal der Entlassenen nicht besser. Und der Begründung, dass das Vvlköehrengericht nicht Vie Kleinen henkt man, die Großen läßt man laufen DlclcblaiNMtclsdunlcde Lang ist e» her, dass uns beim Gang durch das Dorf hart« eintönig« Musik schwerer schlagender Hämnier begleitet«. Da» war die rauhe, robuste Musik von Eisen auf Eisen und sie kam aus den Nagelschmieden. In vielen Nagelschmieden hat e» damals gehämmert und gedröhnt und gerußt und fast schien das alles schon mitrennbar vom Dorfe, nicht wegzudenken, hier heimisch seit Urzeiten. Die ungezählten Hammerschläge, die ruhenden Kamine, da» war einfach da» Dors selber und man wußte «S nicht ander», al» dass es eben so war, daß Kamine rauchten und Eisen klang, und ander» konnte man sich auch die Zukunft nicht denken. Und doch ist so viele» so ganz anders geworden! Eigentlich ist e» noch gar nicht so lange her daß au» den Kaminen der Nagelschmieden Rauch aufstieg, und doch scheint e» denen, di« arbeitslos sind,«ine Ewigkeit zu sein. Quälend lang, un- vom„Beker" so angegriffenen Tagung in Mol-1 endlich lang wird den ArbeltSgewchnten die Zeit bau teilgenommen hat, Wohl aber der Sekretär ideS Müßiggänge», diese Zeit, die nicht mehr die de» agrarischen Abgeordnetenklub» Dr. Stran- Kraft der Arm« braucht, dafür aber dem Arbeiter jlh und zwei Vertreter der agrarischen Jugend! 1 die seelische Kraft nimmt. beiter hätten darin Platz, aber wenn gearbeitet wird, dann haben immer nur ein paar Arbeiter zu tun, die sich selber wie verloren vorkommen in diesem Haus. Nie mohr hat man so viel Arbeit, dass man die Schmiede voll besetzen müßte. Und weil nur wenige Hämmer in dem grossen Gebäude an der Arbeit sind, ist der Klang nicht mehr so voll, so vertraut, so anheimelnd wie früher. Er ist so dumpf, so fremd Ivie ein Schall aus längst vergangenen Zeiten. Er ist wie ein Nachklang, der noch leis« weitertönt und einmal— ach, bald schon!— ganz verklingen wird. ES sind auch nicht mehr die lustigen Gesellen von früher, die da am AmboS stehen und hämmern. Aus ihren Bewegungen, ihren Gesichtern, ihten Roden spr.cht die Sorge um morgen, um jene Tage, an denen es auch für sie keine Arbeit mehr geben wird. ES ist gewiss weder leicht noch angenehm, in russiger, heisser Luft Nägel zu schmieden. Aber alle Nagelschmiede wären glücklich, wenn sie es Wieder tun könnten wie früher, wieder täglich am Amboß stehen könnten. Auch nach einer Hölle kann man sich zurückschnen, wenn sie die Wünsche I nach Arbeit und Brot erfüllen... 1 Marfa« Eine fürchterliche Blamage Auf die Meldungen der agrarischen Blätter über angebliche gemeinsame Beratungen der Henleinjugend mit den Jugendverbänden der tschechischen Sozialdemokraten und Nationalso» ziqlisten antwortet da»„Prävo lidu" vom Donnerstag mit einer Enthüllung, welche di« schwerste Blamage darstellt, welche die an solchen Erfahrungen nicht armen agrarischen Zeitungen seit langem erlitten haben.„Pr. L." stellt fest, daß zwar keiner der fatalistischen Jugendverbände, weder hin tschechischer noch ein deutscher,, an der Seite 4 Donnerstag, 14. Jänner 1887 Rr. 11 l Dl« Suche nach dem Kidnapper. Präsident I Roosevelt hat, wie aus Washington bekannt wird, «3 Neutralität! Martin Grill, Strt»efobunnBmitalirter^nb nintn“»nffidlete tttUtrt:® eif“« e® l,(' lcne- 1940 r-M>'»ml«aN'- I»«»«*?’ w.18. Klavier onzert. 18.18 Rundfunk- Parlament bereits ab 21. Jänner? Heute vormittags tritt das Präsidium des Abgeordnetenhauses zusammen, um u. a. auch den Termin der nächsten Plenarsitzung anzuberaumen. Ursprünglich war erst der 26. Lanner hiefür in Aussicht genommen; setzt wird bereits der 21. Jänner als nächster Termin für Sitzungen bei der Kammern genannt. An diesem Tage soll auch eine Rezeption der Mitglieder beider Kammern «uf der Burg erfolgen. nach akademischen Regeln vorgegangen sei. Eine' Prager Korporation, die sich über den Stand die» s:r Ehrenangelegenheit bei den Prager Gilden er. kündigte, erhielt die Anttvort, dah niemals die Ehrlosigkeit Dr. Walter Brands durch ein Ehrengericht sestgestellt und demnach die Satisfaktionsfähigkeit.nicht berührt wurde. Auf Grund dieser Anitvort hat die Prager Korporation auch die Gilden für ehrlos erklärt. Durch ihr Festhalten an Dr. Brand haben sich die Gilden selbst aus der Gemeinschaft der Prager Hochschüler ausgeschlossen. ES ist übrigens bis heute noch nicht bekannt» ob Dr. Brand noch Mitglied d e S T u r n v e r b a n d e 8 ist und ob der Verband die Folgerungen aus dem Ehrengerichtsspruch gezogen hat, die einzig und allein lauten konnte: Ausschluß." ES war ein Mann im Land« Sowieso, der baute sich rin HauS nach eis'nem Plan, grad wir rS ihm gefiel. Er schafft« froh, und bald, so schien's, war auch das Werk getan. Doch seiner Arbeit ward, ihr ahnt es schon, rin bitt'rer Lohn. ES kam«in Lump, schlug auf dir Kinder«in, gepeitscht vom wilden Hatz schlug er sie tot,— dann warf er Feuer in daS HauS hinein, da ward dir Erde und der Himmel rot. Bis dahin ivar der Mann zwar arm, doch froh und frei,— Schmerz, Hatz und Zwietracht in die Welt zu säen, daS war von ie deS Räubers Absicht nur. Wo bei zerfetzten Leidem Kinder weinend fteh'n, da zog er seine blut'ge Mbrderfpnr. Tragt ihr nicht Mitschuld, wenn ihr tatloS steht? Neutralität? DaS Märäderpack nach euren Garten schielt! Wacht auf»nd schaut der Wahrheit ins Gesicht! Ergreift Partei, wenn ihr als Menschen fühlt! Den Hastern Hatz, den Mörder vor Gericht! Nnd dieses übt, solang' ein Mann«och steht: Solidarität! Der Streik auf dem Milada-Schacht in Schiest, gluck beendet. Au dieser, in unserer Dienstagausgabe erschienenen Mitteilung ist ergänzend zu berichte», das; an den Verhandlungen neben dem Vertreter des Revierrates, Genossen Tichy, auch der linion-Sekretär Genosse Göpfert und für den „Svaz horniku" Genosse Soukek teilgenommen habe». Der BäderauSfall in Marienbad. Viel besser als die Frequenzzisser Marienbads tvährend der Kurzeit 1936 kennzeichnet die S'aiist'k über die während der Saison verabreichten Bäder den Rückgang der Erträgnisse aus dem Kurbetrieb Marienbads im vergangenen Lahre. Die Anzahl der Bäder ist in der Saison gegenüber dem Lahre 1688 um 48.660 gefallen. Lin» Fliegerbombe schlägt ein Ein Bild vom spanischen Kriegsschauplatz: eine Fliegerbombe ist eingeschlagen. Alle Mann haben auf dem Boden Deckung genommen. DaS war vorbei! Er sah die wilde Tat, verditz das Weinen, „Ihr Nachbarn, Heist, seht doch, was mir . gescheh'»!«'- Er wehrte sich'mit Fäusten, Knüppel; Steinen, doch keiner kam, ihm helfend ieiznsteh'n. „Die Sache hier", so sagten ste dem Man», „geht uns nichts an." Da kämm andere Lumpe» noch dazu, die brachten Dolche, Mester«ad Gewehre, die Nachbarn drückten beide Augen zu, so konnten sie nichts seh'», bei ihrer Ehre! Sie nannten das, datz ihr«» recht versteht, Neutralität! Neutralität ist's, wenn ein Wohnhaus brennt, «nd sich die Mensche» weigem, die» zu sehn'»? Neutral ist der, der keine Hilf« kennt, wmn neben ihm ein feiger Mord gescheh»? Er übt, wen» auch der Mörder bei ihm steht,— Neutralität! Ihr kennt die Partner in dem harten Streit: die blutige Szene ist ein ganzes Land, doch wisst ihr nicht, datz auch ihr Nachbam seid,— Dann sritzt sich auch zu eurem Hans der Brand. Doch wenn«8 einmal, dann ist's zu spät: Neutralität? falles noch nicht mitgeteilt werden können, wird> dennoch im Interesse der Wahrheit folgendes! amtlich bekanntgegeben: Professor Seewarih ist' begriindetermaßen verdächtig, daß er sich schwere Gesällsiibertretungen gegen das Gesetz zum■ Schutze der tschechoslowakischen.Währung zuschulden kommen ließ, und zwar dadurchs daß er teils ohne Bewilligung der Tschechoslowakischen Naiio- nälbank im Auftrage eines Wiener Kommittenten Wertpapiere im Werte von zirka 860.666 Ki in die Tschechoslowakei eingeführt hat, teils dadurch, daß er diese Papiere inländischen Banken verkauft und das dafiir erhaltene Geld wiederum ohne Bewilligung der Tschechoslowakischen Nationalbank im Auftrage jenes ausländischen Kommittenten einigen inländischen Firmen und Personen auSgezühlt hat. Nus Kollusionsgründen wurdestm 9. Jänner d. I. die llntersuchungshaft Uber Seewarth verhängt. Darüber,' daß der Genannte sich auch des Schmuggels mit Gold-und Rauschgiften schuldig gemacht hat, das; Flugzeuge iuitb Automobile in großem Ausmaße benützt wurden, daß Bratislava durch sein Zutun die Zentrale eines internationalen Konsortiums von Ba- lutaschmugglern geworden sei, daß er ,eine Kaution von 100.600 lvar Meister im Handgranatenwerfen an der Front., Er.wurde in einen Kriegsbetrieb abkommandlert und verdiente sehr gut. Und dann kam plötzlich der Friede und weder der Handgranatenwerfer galt etwas, noch der bisher bevorzugte Kriegsarbeiter. Er verstand die Welt nicht mehr, war entwurzelt. Da» Abenteuer lockte und Amerika lockte— er genoß Abenteuer und erreichte da» ersehnte Land. In Amerika gab e» noch größere Abenteuermöglichkeitcn als daheim in Sachsen, im Lande Karl May». Und Hmiptmann Ivar ein Mann geworden, der fähig war, kühl, beherrscht, klug erwägend und alle Chancen abschätzend, in Abenteuer nicht blind hineinzugehen, sonder» sie nach seinem Willen zu gestalten. Ein unheimlicher Mensch I Geschöpf de» Kriege», Opfer des Frieden», Rutstahlgebadet und verhärtet, zumindest Mitschuldiger an Entführung und Tod des Lindbergh-Babis und zugleich zärtlicher Vater/starrsinnig und zugleich geschmeidig, ein Mensch, in dem mancherlei Möglichkeiten lagen, aber ohne Tiefe dec Seele, ohne Weite de» Geiste». Ein sehr, sehr eigenartiger Mensch, und ihn dargestellt, wenn auch nicht enträtselt zu haben, ist Nürnberg» Verdienst. Th. W e l l w o g. Am Autosteuer auf der Filmstraße Eine große amerikanische Versicherungsgesellschaft hat in Verbindung mit dir Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft eine Anlage geschaffen, die jedem Autofahrer die Möglichkeit gibt, seine Fahrsichcrheit zu prüfen. Der Prüfling sitzt am Lenkrad vor einer kleinen Lcinivand auf der die„Filmstraße" abläuft. Der Zeiger darüber gibt genaue Auskunft, ob der Wagen auf dem richtigen Kurs gehalten wird In KUrze: Berlin. Am 16. Jänner wird In Fulda eine außerordentliche Tagung der deutschen Bischosrlon- ferenz stattfinden. Aus dieser Tagung soll der Standpunkt de» deutschen Episkopats zu einem neue» ReichSgesetz festgelegt werde», durch welches die Organisation für die sogenannte„StaatSjugend" in Deutschland geschaffen werden soll. Berlin. DaS deutsche Lufffahrtministerium erwartet am kommenden Sonntag- den Besuch von Offizieren der britischen Luftwasse unter Führung des LuftvizkmarschaIlS,Eourtney,-Die.enaljschen Ossi-,-,,, ziere werden während, ihre» einwöPigen.Anscnthaktcs;i Gelegenheit haben, eingehende Studien zu betreiben. Stadt des Vatikan». Wie der Renter-Bericht- erstatter meldet, hat sich dar Befinden de» Papstes so weit gebessert, datz er zum erstenmal seit sechs Wochen aufgestanden ist. Antiochia. Die Manifestation der Freunde der Türkei sand bei heftigem Regen ohne jeden Zwischenfall statt. Die Beobachter der Völkerbundes wohnten der Defilierung vom Gebäude der Residenz bei. London. In Kairo traf eine Abordnuna britischer Offiziere ein. die ans Grund de» neuen englischägyptischen Vertrage» als Ratgeber bei der Neu- organisation der ägyptischen Armee tätig sein werden, New York. Der Plan de» Präsidenten Roosevelt zur Neorganisiening der staatlichen Administrative wurde voni Kongreß nicht allzu günstig ausgenommen. Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Kampf gegen das Sclbstrasiercn. Di« Raseure und Friseure haben beim Handelsministerium beantragt, auf jede Rasierklinge eine Abgabe von 1 bis 2 KL einzusührcn. Gegen diese Forderung wendet sich die Kleinmetalllndustrie, und selbstverständlich auch alle die, die diese Belastung tragen sollen. Absatzstcigerntig bei Bala. Daka hat im Jahre 1036 den JnlandSabsatz von Schuhwaren wesentlich steigern können. An der tschcchoslowali- schcn Schuhausfuhr ist er mit einem Anteil von 88.6 Prozent beteiligt. Höherer Zementabsatz. Im Jahre 1036 wurden insgesamt 1,061.400 Tonnen Zement abge- seht gegen 958.260 Tonnen im Jahre 1935. Es ist somit eine Zunahme von 93.230 Tonnen oder etwa 9.7 Prozent zu verzeichnen. angenommene- Uebereinkommen Wer das- Mindestalter für die Zulassung zur Arbeit auf See/ Dieses MIndcstalter wurde von'14 auf 15 Jahre erhöht. Derselbe Jugendschuh soll für die Zulassung von Jugendlichen zur Arbeit in gewerblichen und in nichtgewerblichen Betrieben auf der JAK. im Jahre 1937 durchgeführt werden! Auch auf dem Gebiete der Ratifikation der Uebereinkommen'sind, int' Jahre 1936 Fortschritte erzielt Ivorden. ES wurden 53 Uebereinkommen von den Miigliedstaaten neu ratifiziert gegenWcr 43 im Jahre 1035. Die Gesamtzahl der ratifizierten Ucbereinkoiümen ist damit auf 732 gestiegen.- Durch den im Juni 1986 erfolgten Beitritt Aegyptens stieg die Zahl. der Mitgliedsstaaten der IAO. aüf 62. Das Internationale' Arbeitsamt hat auch im Jahre 10Ü6 seine planmäßige wissenschaftliche Forschungsarbeit fortgesetzt und verschiedene neue Studien veröffentlicht. Neben seinen periodischen Veröffentlichungen, von denen die„Inter« national« Rundschau der Arbeit" als Monatsschrift und die„Chronik der Unfallverhütung" als Zweimonatsschrift in deutscher Sprache erscheinen, sei noch besonders auf die„Gesetzreihe" und die„Internationale Sammlung der Arbeitsrechtsprechung" hingewiesen. In der Reihe der Studien und Berichte wurden von der wissenschaftlichen Abteilung veröffentlicht oder in An- Vie Internationale Arbeitsorganisation im Jahre 1936 (PM.) Das Jahr 1936 war für die Internationale Arbeitsorganisation(IAO.) sehr arbeitsreich. Außer der jährlichen Arbeitskon ferenz, die in der Regel im Juni in Genf tagt, fanden drei weitere Arbeitstonferenzen statt. Die erste tagte im Jänner 1986 in Santiago in Chile. Sie war eine Sondertagung aller Staaten de» amerikanischen Kontinents und wurde auf besonderen Wunsch der Vertreter der außereuro päischen Länder abgchalten. Die zweite und dritte Tagung war die im Oktober 1986 in Genf statt gefundene 21. und 22. Internationale Arbeits konferenz(JAK.), auf der das internationale Arbeitsrecht für SchiffSleute sowie der inter nationale Jugendfchutz«inen weiteren Ausbau fanden. Die Konferenz in Santiago, die Anfang 1086 begann, zeigte die enge Verbundenheit der IAO. mit ihren Mitgliedstaaten des amcrikani- fchcn Kontinents. DaS Jahr 1036 schloß mit der Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staate»' von Anterika, Roosevelt, die im Früh jahr 1987 in Aussicht genommene dreigliedrige technische Tagung für die Textilindustrie in Washington stattfinden zu lassen. Diefe beiden Tatsachen sind ein weiterer Beweis für die Le benskraft der IAO. Sie zeigen, daß sich auch- die außereuropäischen Länder in steigendem Maße für die Arbeit des Internationalen Arbeitsamtes interessieren und daß sie mit dieser Einrichtung möglichst eng zusamntenarbeiten wollen. Die Weltwirtschaftskrise hat weder die Aktivität der IAO. lahmgelegt noch die Entwick lung und den Ausbau des internationalen Ar beitsrechtes verlangsamt. Dies kam besonders auf der im Oktober 1936 stattgefundenen 21. JAK. zum Ausdruck, die nicht weniger als fünf neue internationale Arbeitsübcreinkommen zur Rege lung des Arbeit-rechtes für SchiffSleute annahm. Die Bemühungen zur internationalen Rege lung der Vierzlg-Stunoenwoche führten auf der 20. JAK. im Juni 1986 zur Annahme eines Uebereinkommens über die Verkürzung der Ar beitszeit bei öffentlichen Arbeiten. Auf der im. Juni 1037 beginnenden 23. JAK. werden diese Bemühungen fortgesetzt. Dort soll unter anderem Wer die Durchführung des Grundsatzes der Vierzig-Siundenwoche in der Textil» industrie, im graphischen Gewerbe und in der chemischen Industrie verhandelt werden. Die'20."FAK'"hak^WkisicnS/ AeVen"deut Uebereinkommen Wer die Vierzsg-Stundcnwoche bei- öffentlichen Arbeiten noch zwei weitere Uebereinkommen angenommen. Es sind dies das Uebereinkommen über den bezahlten Ur laub für die Arbeitnehmer in Gewerbe und Handel und das Uebereinkommen Wer die An werbung eingeborener Arbeitnehmer. Das letztere bringtbereits die zweite internationale Regelung für Arbeitnehmer in den Kolonien. Die erste Kie fer Art wurde bekanntlich auf der JAK. von 1980 angenommen und vervot die Zwangs- und Pflichtarbcit in Kolonien. Einen weiteren Fortschritt auf dem Gebiete des internationalen Jugendschuhrechtes bedeutet das auf der 22. JAK. im Oktober 1936 War Hauptmann schuldig! Erst vor wenigen Tagen sind wieder Gerücht« laut geworden, die de» auf dem elektrischen Stuhl Hingerichteten Bruno Richard Hauptmann» Unschuld behaupten. Wieder l Denn daß Hauptmann bis zur letzten Sekunde seine» Leben» die Tat bestritten hat, eine Tat, die ihm nicht völlig zweisello» nachgewiesen werden konnte, und da» Ungeheuerliche,, Sensatio nelle, Grausige der Tat haben Wahrheitssucher und Phantasten, Juristen und Journalisten und Psycho loge», Abenteurer, pathologische Gerüchtemacher und ÄerechtigkeitSsreunde angelockt, sich, mit dem Fall LIndbergh-Hauptmann zu befassen, mit den in diese Tragödie, verstrickten Menschen, diese» auswühlende Geschehen zu deuten, zu erklären, zu enträtseln zu versuchen, aber auch eS umzubeuten, weiterzuspin nen, tiefer in» Geheimnisvolle zu stoßen. Und da Hauptmann ein sehr eigenartiger und nicht leicht zu erklärender Mensch war, umweht von einem Hauch der Geheimnisvollen, reizt er noch nach seinem Tode geradezu zu dem Versuch, ihn al» unschuldig und dadurch noch geheimnisvoller, tragifcher erscheinen zu.lassen.-------.... In einem sehr gründlichen, sehr umfangreichen Buch hat Rol,f Nürnberg alle», wa» an Tat sachen-zu finden war, zusämmengetragen und über sichtlich datgestellt, in dem im V« r l a g Dr. Rolf Passer in Wien erschienenen Buch„Lindbergh, Hattptmann und Amerika".— Und AmerikaI Dar stellung de»-Ruhme» LIndberghS, de» Sensation»- betriebe», der die Entführung seine» Kinde» und dann'.de» Prozesse» gegen Hauptmanit zu großem UNd gräßlichent Geschäftemachen au»nühke,— Schil derung der au» echter Menschlichkeit, und häßlicher> mann» Bruno Richard Hauptmann. Neugier,gemischten Anteilnahme de» amerikanischen*.“".Z,. Volke» an Lindbergh» Unglück, Zeichnung der Ge« richtet. Eineinhälb Jahre lang hatte die Untersuchung sellschaft und der Lande», di« Rahmen und Boden' und der Prozeß gedauert, der zähe Kamps, um» dell'Geschehens waren,— da» alles muß auch ein~'""" Katholiken Uber Spanien I» einem im„Eveil des PcuplcS" vom 8. Jänner 1937 erschienenen Artikel.ist folgender Passus zu lesen; „Für den Frieden in Spanien, abgegeben von der k a t h o l i s ch e» baskischen Jugend auf dem Kongreß der Jungdemokratcn: a) Wir sind Barken durch unsere Heimat, katholisch durch unsere Religion. Unser Programm re- siimicrt sich in folgender Devise;„Jaun Goikuja, eta lege zarra"(Golt und die alten Gesetze). b) Wir kämpfet; an der Front der Oiepublik gegen die Militaristen und ihre Verbündeten, die Earliften und Phalangiften. Wir handeln in N o t-. wehr gegen jene, welche die Taten, die die baskischen Nationalisten ans politischem, sozialem und knltnrellem Gebiet aufgebaut haben, vernichten wollen. Wir verteidigen die Demokrn- t i e gegen bett faschistischen BarbariSmu», um Im Baskenland ein Regime der Freiheit, der Demokratie und de» gegenseitigen Respekte» einzusühren.., e) Wir protestieren gegen die Mord- und Greueltaten der Franco- Partei und hauptsächlichft gegen daS Hinmorden von Priestern und Frauen, gelchehen in Gui- puzobä durch die Olebellen." Einer der Führer der spanischen Katholiken, Don Angel Ossorio Gallardo, erklärte kürzlich:„Der Aufstand ist rin rein militärischer und faschistischer, ein wahrer und aufrichtiger Kaiho- lil ist auf feiten der legalen Oiegierung, dies be- weist auch am besten, daß die große katholische Zeitung„Cruz y Slewa" auf feiten der Regierung ist..." Und der Bischof von Vitoria, Er. Muyica, wurde in das Gefängnis gesteckt von dcit Militaristen, weil er sich getveigert hatte, für sie zu marschieren. Der Chanoine von Cordoue, Don Josuö Manuel Gallegos Rocafull sagte:„Wenn Franco gewinnen würde, wäre die katholische Religion die Religion der Neichen, und wenn Christus zu wählen hatte zwischen Franco und Caballero, so würde er auf der Seite Caballeros stehen." Grritt 0 „®o,Unfbcmofnil* Llebestragödle In Präs Der Dinr dua der Tarter Lteratar Xunst und WU&ea S.ylvia Slbiicl;«nd Herbert Marffjall in dem Film„Dir Zwanzigjährige Sedeutende Fnauen unserer Zeit Dr. P. Hus ä re k hat vor einigen Jahren eine Anthologie sudetendeutscher Lyrik herauSgegeben und damit auf sich aufmerksam gemacht. Im besten Singe: diese Sammlung gab eine umsassende Ueber- sicht über die lyrische Dichtung der Deutschen unseres Landes.— Findet man nun den Namen Husäreks als den des Herausgebers eines neuen, wenn auch ganz andersartigen Sammelwerkes, dann wendet sich diesem von vornherein Aufmerksamkeit und . Im Ncbcnraume sind gleichzeitig Zeichnungen von Emil F i l l a ausgestellt, die jeden überraschen werden, der Filia nur als den kubistischen Maler kennt. ld. Spielplan de» Neuen Deutschen Theaters. Heute, Donnerstag, halb 8 Uhr: Auf der grünen-Wiese, C 1.—■ Freitag, halb 8.- Der lebende Leichnam, Gastspiel- Ernst Deutsch, D.— Samstag halb 8: Orpheus(von Gluck) neueinstudiert, C 2. — Sonntag halb 8: Axel an der HimmelStür, halb 8;- Der lebende Leichnam,"Gastspiel Ernst Deutsch, A 1. Spielplan der Kleinen Bühn«. Heut«, Donnerstag 8 Uhr: Firma.— Freitag 8 Uhr: Firma, Theatergemeinde des. Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Matura.— Sonntag 8: Salzburg ausverkauft, 8: Firma. Auf der grünen Wiese Die versäumte Gelegenheit, dem Deutschen Theater zu Silvester aus die grüne Wiese zu folgen, trugen wir Dienstag durch den Besuch der ersten Reprise nach. Und wir müssen nun festftcllcn, daß tvir einigermaßen überrascht waren, einer ganz außerordentlich stimmimgslosen Borstellung zu begegnen, die die Einfallsarmut und Banalität der Musik Jara BeneSs geradezu peinlich unterstrich und die Anti-Originalität des Libretto!(die GutS- bcsiyerin verliebt sich in einen GutSverwalter) negativ eindrucksam zur Schau stellte. Wir bemerken leider nicht zuni erstenmal, das; Reprisen, insbesondere musikalischer Werke(man verzeihe den Ausdruck„musikalisch" bei Betrachtung der grünen Wiese), im Deutschen Theater dem Schlendrian unterworfen zu sein scheinen. Herr Preger, im Besitz einer der schönsten Tenorstimmen, begnügt sich mit Andeutungen, Frau Walter singt laut, aber nicht sehr schön, Fra» Carpentier zwitschert fast unverständlich und Herr Schipper empfiehlt seine komischen Anlage» dem Schutze eines nachsichtigen Publikum!. Lediglich Herr Dudek ist ganz bei der Sache und macht noch die ältesten G'spaß einigermaßen erfreulich. Schade um die wirklich schönen Bühnenbilder und die vielfachen Anstrengungen des Ballett!. Das mit Recht schwach besuchte Haus findet wenig Anlässe, vom Herzen Beifall zn wenden, lind jedermann, den man im Hause spricht oder hört, gibt sein Mißvergnügen über diese Aufführung kund. Wir habe» uns nie als Anwälte der„modernen" Schla- Bezirksorganisation Prag ter Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Die für morgen, den 18. d. M., vorgesehene Mitgliederversammlung kann wegen Verhinderung des Referenten nicht ftattfinden. ger-Operetie gefühlt; hierin lasten wir dem Geschäftsgeist der- Bühnenleiter und jenem Teil de! Gestern früh erschoß der 25 Jahre alte Tisch- Publikums das Wort, der da! leichteste oder seichteste ler Andor Slomovic seine frühere Geliebte Zdenka"""‘“ 1“*" 11 x Mikulaöovä und brachte sich dann selbst tödliche Verletzungen bei, denen er inzwischen erlegen ist. ES scheint sich um einen Racheakt au» gekränkter Liebe zu handeln..Die beiden hatten ein jahrelanges Verhältnis zueinander unterhalten, da! die Mikulaöovä vor einiger Zeit gelöst hatte. Zu Weih nachten hat. sie sich-mit einem Beamten verlobt. Elo- niovic bemühte sich, das Mädchen zurückzugcwinnen. Al! ihm das nicht gelang, scheint der Entschluß zu der furchtbaren Tat in ihm gereift zu sein. Gemälde da, die ihre volle künstlerische Gültigkeit behaupten. ES ist eine UebergangSzeit, aus de: heraus Kars di« ihm gemäße Synthese findet. Er gelangt in immer reiferer Entwicklung zur Bildgestaltung, die nicht mehr die bloße Darstellung anstrebt, sondern sowohl in der linearen und flächigen al! auch farbigen Komposition von einer künstlerischen Idee durchdrungen ist und so erst eigentlich „Kunst" wird. Sie gibt die klare Realität, erhoben auf«ine höhere Ebene künstlerischer Anschauung und Durchdringung. Diese Reifejahre führen- den Künstler zu einer Vollendung, al! deren bezwingende Meisterschöpfungen Bilder wie da!„Ballett" und die„Loge" gel-' ten dürfen, doch— man mußte ein Dutzend gleich wertvoller Bilder nennen. Auch in den Gemälden Aeineren Format! entdeckt man«ine schöne Fülle künstlerischen Reichtum!;«S sei nur auf daS„Porträt der Frau S." und seine Variante„Die schwarzen Handschuhe" und auf das reizende Kinderbild „Eristina" hingewiesen. In breiter, flächiger Pin- felführung, in glanzlosen, aber klangvollen Farben, wie von innen in transparenter Farbigkeit leuchtend, sind diese Bilder gemalt, und die feste Kontur, die die Flächen und Körper umzieht, gibt ihnen zeichnerische Klarheit. Aufschlußreich für die Deirach- tung der Bilder sind die Zeichnungen, darunter auch die Studien zu vielen hier ausgestellten Gemälden. Bei aller Weichheit des Striches der Kreide al! wundervollem Material sind sie straff in der Erfastung de! Körperlichen, wie von der Hand eines Plastikers modelliert und doch schon auch das Malerische enthaltend. Souverän ist das Sujet beherrscht, gleichviel ob Kar! Akte zeichnet oder Porträts und figurale Kompositionen, Landschaften oder Stilleben von geschmackvoll abgcstimmter Farbigkeit malt. v!e Zwanzigjährige Man merkt diesem Hollywood-Film an, daß er nach einem Theaterstück gedreht"wurde, man merkt es ihm zu sehr an: es gibt fast nur Dialoge und Büh- ncnsituationen— und kaum eine einzige echte Filmszene. Wer man kann auch verstehen, warum der Regisseur sWeSley Ruggle!) sich so eng an seine dramatische Vorlage gehalten hat: diese Komödie „Accent on Vouth" ist«in Kammerspiel, besten Wirkung in der Zeichnung weniger Figuren, dessen Witz in pointierten Dialogen besteht und dessen lleber- raschungen sich im intimen Umkreis der Junggesellenwohnung eine! Theaterschriststellerr vollziehen, der fein Balancieren zwischen persönlichen und zur Niederschrift erfundenen LiebeSerlebnisten eben auch nur in Worten ausdrückcn kann. Wer die Dialoge versteht, die diesen Film erfüllen, wird ihrem Mlauf mit heiterem Lächeln folgen: mit feinem Witz werden hier Schauspieler und Kammerdiener charakterisiert, und mit unaufdringlicher Ironie wird der Gegensatz zwischen Alter und Jugeild im Verhalten de! fünfzigjährigen Schriftstellers und seines um 88 Jahre jüngeren Nebenbuhler! vorgeführt, der zwar stürmischer als der ältere Rivale ist und ihn deshalb zuerst besiegt, den Kampf aber schließlich verliert, well sich seine Jugendlichkeit auf die Dauer al! unbequem erlveist— während der alte Schriftsteller inzwischen von seinem jugendlichen Gegenspieler da! Nötigste gelernt— und dar übrige nicht vergessen hat. Ein nette! Theaterstück also, da! aber für einen Film nur wenig geeignet sst. Auch von den Darstellern gilt, daß sie Theater spielen. Aber sie machen e! gut. Sehr fein spielt Herbert Marshall den Schriftsteller mit seiner teils gespielten, teil! echten Ueberlegenheit, sehr geschmackvoll und sympathisch heiter verkörpert Silvia Sidney die zwanzigjährige, erst gekündigte, dann verlorene und am Ende wieder zurückaekphrte Sekretärin, und auch in den kleineren Nollen erscheinen Darsteller, di« ihr« Nollen messtern.—ei!— Lebensgefährliche Wurst. In der Nacht aus gestern gegen halb 1 Uhr hörte die Polizeiwache vor dem Hause Nr. 725 in Michle ein Stöhnen; ins Hau! eingedrungen, sand sie den im zweiten Stockwerk wohnenden 20jährigen Buchbindergchilsen Josef Vlasäk und die 26jährige Arbeiterin Helene Lnkäö bewußtlos auf dem Bett liegen. Die beiden wurden Von der RettmigSgesellschaft in! allgemeine Krankenhau! gebracht: Auf der Klinik Pelnäk kam Diasäk zu j sich und gab an, vorgestern abend! in einer Michler Selcherei Salami und Würste gekauft zu haben, nach deren Genuß ihm und der Lukäi übel geworden sei. Der Zustand der beiden ist ernst. Eine weggeworfene Zigarette. Gestern nacht! bemerkte der diensttuende Polizist auf dem Strasch- nitzer Lastbahnhof, daß die hölzerne Umzäunung de! Kohlenlager! brenne. Ehe er«indringcn konnte, hatte da! Feuer auf einige der auf dem Bahnhof stehenden Kohlenwaggon! übergegrifsen, konnte aber trotzdem mit Hilfe des Bahnhofspersonal!"»och gelöscht wer- den, ehe die Feuerwehr einschreitcn mußte. Es wurde festgestellt, daß der Brand durch eine brennende Zigarette entstanden war, die ein. Vorübergehender über den Zaun geworfen hatte und die die auf der Hundehütte liegende Decke in Brand setzte, von wo sich das Feuer weiter verbreitete. Dietsjagd. Gestern nachmittags bemerkte der Glasarbeiter Franz Rest von seiner Werkstätte in an! dem Laden, holte den Dieb ein und hielt ihn ans; diefcr jedoch warf ihm da! Fahrrad ztvischen die Beine und lief davon. Zusammen mit den» herbeigeholten Polizisten verfolgte Reff den Dieb weiter, der auf der Wachstube al! der 26jährigc arbeitslose Franz Blajjek au! Prag VIII sichergejtcllt werden konnte. Er wurde nach Pankratz gebracht. Autozusammenstoh fordert drei Verletzte. Der S7jährige Wagenlenker Franz Tomäiek au! Zijskov fuhr gestern vormittag» mit seinem Lastauto P—9126, das mehrere Körbe Eier geladen hatte, auf den. Repubkikplatz, al! der Wagen P—80.588 bei 29jährigen Fabrikanten> Blahoslav JanonSek- aus Holleschowitz, auf der KönsgShofer Gasse kommend, von hinten in den seinen hineinfuhr. Beide Auto! wurden stark beschädigt und mußten von der Unfallstelle sortgezogen werden: JanouSek erlitt Schnittwunden an Gesicht und Hal! und biß sich außerdem die Zunge durch. Der Kaufmann Franz Sitter au! Prag II, der im gleichen Wagen fuhr, wurde ebenfalls leicht verletzt, während der in Tvmaöeks Wagen fitzende 24jährige Jan Vorel au! Zijkov«ine Rißwunde über dem rechten Ange erlitt. Von allen Infassen blieben nur Tomaöek und Janouseks Bruder Wenzel unverletzt. Außerdem waren aber von den Eiern, die Tomäöek geladen hotte. 51 Schock zerschlagen worden. Der Vorfall hatte«inen größeren Menschenauflauf zur Folge. Die Verletzten wurden sämtlich auf die Klinik Jiräsek gebracht. Im Nahmen der Vortragsreihe über„Aktuell« Probleme der Sozialversicherung" sprechen heute, den 14. Jänner, um halb 20 Uhr abends Dr. Petr Zenkl über„Die Bedeutung der Sozialversicherung für die Volksgesundheit" und Dr. Aladislav Klumpar über „Die Finanzpolitik der Sozialversicherungsanstalten".— Ort: Winter-Saal dc! Fürsorqcmini- steriuni! in Prag II, Palackiho näm. 4. Eintritt frei. B e z» g S b e d i n g u n g ,. n: Bei Zustellung in! Hau! oder bei Bezug durch die Post nionatlich Xi 16.—, vierteljährlich Xi 48.—, halbjährig Xi 98.— Tarif billigst berechnet. Wei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsenduiig der Rewurmarken,— Die graphendirektwg.mit Erlaß Nr. lL-Sll0jVllll9gü bewilligt.— Druckerei; ,KrbiS",, Druck-, Verlags- und Zeitung Georg Kars Eine sehr sehenswerte Ausstellung im M a n e S bleiet«inen reichen Ueberblick über da!, dreißig Jahre füllende Schaffen diese! in der internationalen Kunstwelt längst anerkannten Künstler!.. GeorgKars, In Kralup geboren und mit Prag ständig verbunden, steht heute im 57. Lebensjahre." In lvSünchen und Paris hat er studiert. Dann aber, hat er an der spanischen Mittelmeerküste, in Katalonien, seine künstlerische Heimat gefunden. Dort und abwechselnd in Paris lebt er seit Jahren. Seine Gemälde au! der Zeit von 1906 bi! etwa 1912 huldigen einem Impressionismus, der an Liebermann, Slevogt, in einigen grünen Bildern auch an Wilhelm Trübner erinnert, und ein Damenbildnis läßt an Hugo v. Habermann denken. Es sind Zeitenklänge, aber auch diese Bilder lassen schon die persönliche Hand erkennen; wenn Kars bei dieser Malweis« geblieben wäre, so würde er in der Nachhut des Impressionismus nicht der Geringste sein. Kar! aber wendet sich bald neuen Problemen zu. Eine Zeitlang regt ihn der Kubismus zu neuen Prag XII, Französische Gaff« 80, au!, wie jemand Formgestaltungen an, ohne daß er sich»hm ganz sich auf da! draußen stehende Fahrrad, da! Rests ergibt. Mer auch au! dieser Zeit, in der KarS ein Meister gehörte, setzte und davonsuhr. Resl sprang j stumpfe! Blau, Grau, Braun bevorzugt, hängen Genre, begehrt. Mer wir denken doch darüber nach, wieso e! möglich ist, daß diese„Grüne. Wiese",-die j nicht, nur in Prag(tschechisch) und Wien Serien- ! Erfolge. erzielte, sondern auch in sudetendeutschen , Provinzstädten der Erfolg dieser Spielzeit ist. im Prager Deutschen Theater, wie man" zu sagen pflegt, abzustinken scheint. Soweit an diesem Eindruck die besondere Ledernheit des ersten Reprisen-Abend! schuld sein sollte, wäre doch zumindest einem Geist entgegenzuarbeiten, der sich ungefähr, folgendermaßen ! manifcUert: Gott, heute ist ja der Doktor und die Presse nicht im Hau!— cs wird schon au! werden! Im übrigen aber scheint uns unsere Operette gerade „von oben" nicht sehr liebevoll betreut zu-werden: L. G. Donnerstag, 14. Jä-ner 1037. Rr. 18 Karin Hardt .japanisch"(in„Port Arthur") Sympathie zu. Das groß angelegte Werk„Bedeutende Frauen unserer Zeit", da» von der„Inte r, national Biogra,phie Edition", Prag I.-, U- 28. Rijna 9, unter der Leitung Dr. Husäreks herausgegeben wird, will über die große und leider vielfach so wenig beachtet«, kulturelle Leistung der Frau auf allen Gebieten de» Leben! berichten. Und da eS von Frauen aller Nationen und aller Länder spricht, wird eS große» internationales„Who S Äho?" der Frauen werden. Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, aber auch Frauen; die al» Organisatorinnen auf sozialem und Humanitären» Gebiete wirken, sollen genannt werden. Auf großen Bogen werden— zumeist auch mit einem Porträt, in drei Sprachen: tschechisch, deutsch, französisch, nebst den Personalien auch alle sonstigen wichtigen und wissenswerten Angaben gemacht, bei schreibenden Frauen zum Beispiel alle Veröffentlichungen genannt, bei darstellenden Künstlerinnen ihre Rollen, bei politisch oder sonstwie öffentlich tätigen Frauen deren Acmter und Funktionen.— Die losen Blätter können durch einfachen Handgriff in die Einbanddecken eingelegt werden, so daß die Gesamtheit- der Lieferungen«in sechsbändige» Prachtwerk ergeben werden." Die erste Lieferung enthält Biographien von 64 Frauen aus 26 Staaten, sie läßt also schon die Buntheit, die Allgemeinheit de» Werkes erkennen. Hoffentlich wird e» so weitergeführt, daß wirklich a l l e Frauen, die etwas geleistet haben und lei« sten, genannt werden— auch wenn Gesinnung, und Werk dieser Frauen nicht in allen Staaten„zeitgemäß" ist. ES gibt zum Beispiel in Oesterreich Frauen, dir für deg Fliehen, für die W.ghlfahrt der Massen, für die Emanzisiation der" Fraiien zweifellos mehr geleistet haben als Helene Granitsch. Werden auch sie. die sich nicht so bereitwillig in'eine .Frauenschaft" eingegliedert haben, genannt werden? Erst dann, wenn— wie die Anlage der Werke! vermuten läßt— alle„Bedeutenden Frauen unserer Zeit" vorgestellt werden, also auch die vorübergehend durch den Sieg frauenfeindlicher politischer Syftnne in den Schatten und in die Stille gedrängten, wird diese» große Sammelwerk auch ein für Gegenwart und Zukunft gültige» Dokument der Zeit sein. jh.:" Vom deutschen Faschismus sprechen zwei Bücher, die im Verlag„Edition! du Carrefour", Pari»,- erschienen sind, und beide sind wichtig.„Die große Lage." HitlerSVersch w-ö- rung gegen den Frieden"(Verfasser S. Erckner) bespricht alle Probleme der deutschen Außenpolitik und deckt dabei die große, im. Grunde doch so leicht zu durchschauend« und von Staatsmännern und Politikern doch so gern geglaubte Friedenslüge de» Nationalsozialismus auf. Di« Kolonialforderungen, der„Drang nach dem Osten!', die Rohstosfrage, die alldeutsche und antibolschewisti- I schc Ideologie werden besprochen,, also die materiefe len KriegSgründe und deren ideologiche Verkleidungen- Nicht zu kurz kommt dabei der Schauplatz der neuesten außenpolitischen Abenteuer des Dritten Reiche» und der bisher für den Weltfrieden gefährlich- sten: Der Verfasser nimmt an,- daß Spanien als Stützpunkt Deutschland!' im Mittelmeer und' al! Basis für einen eventuellen„Blitzkrieg" ausersehen ist.— Nicht minder aktuell und Ergänzung, diese» Buche» ist Franz Spielhage n» Werk. „Spione und Verschwörer in Spanien", da» auf Grund der v i e r z i g t a u s« n d Lei der Landesleitung der NSDAP in Barcelona beschlagnahmten Dokumente ein sehr anschauliche» und sehr"et«. bitterndes, aufwühlendes Bild der Tätigkeit der", Nazi in"Spanien schafft-'Da gab«S ein dichte»,>lm» ganze Land umspannende» Spionage-Netz,. Spitzewi. aller Art, Bestechung,. Beeinflussung-, Entführung. Material- und-.Waffenschmuggel, da gab«» Plan-, mäßige Vorbereitung de»-GeneralSaufstande»,'tat gäb e» Aufhetzung der Eingeborenen in Marokko. A-" es gab einen nationalsozialistischen Geheimstaat in- Spgnienl lind es gibt ihn wahrscheinlich" iN-jedeM Staate! Wahrscheinlich hat e» nie noch,-zu keim» Zeit, eine-ähnliche Durchseuchung,der ganzen Welti durch ein verbrecherische»,' nach der Weltherrschaft! strebende» Gewaltsystem gegeben wie daSder-Nazll: - Verlanget überall ganMhng Xi 192,-sInserat« Leitungsfrankatur wurde von der Post» und Tele« S«A.»G.-Nraii,..