Ur. 143. Abonntments-Kedkngungt»: Abonnement»-Pret« pränumerando: vierteljährl. SL0 Mk., monall. I.ioMt., tvöchenllich SS Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage„Tie Neu« Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für lSSS unter Sc, 7830- Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland S Mark pro Monat. Srsckzelitk täglich»usjer Wonlag». Vevliner VolKsblskt. 16» Jahrg. yte Insertwns. Gebühr beträgt für dte sechsgespaltene Kolonel- zetle oder deren Raum so Psg., für politische und gewerkschastliche VereinS- und«erfammlungs- Anzeigen 20 Pfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fettl. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» S Uhr nachmittag» inderExpedition abgegeben «erden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» s Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher; Sml I, Sc. 1608. Telegramm-Adresse: «Sorialdemolrrat Berlin" Centrawrgcrn der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19. Beuttz-Skraste 2. Expedition: 3�. 19. Brnth-Skrahe 3. Das Znchthansgesetz vor den Schranken des Reichstags. in. Drei Tage hat die Schlacht gedauert. Und noch nicht zu Ende I Schlacht? Wo das Kräfteverhältnis ein so ungleiches ist, kann man von einer Schlacht nicht gut reden. Da gilt das Wort des Dichters:„Ein Schlachten war's, nicht eine Schlacht zu nennen." Zu mal der eine Teil sich gar nicht wehrte. Der dritte Tag des Schlachtens— für die Socialdemokratie ein richtiges Schlacht f e st— sah nur einen zerschmetterten, zersprengten Haufen, der kein anderes Verteidigungsmittel mehr hatte, als den Anruf des Mitleids. Eine Rede, wie sie gestern zu Be ginn der Debatte der Vicekanzler von Posadowsky hielt, ist in keinem Parlament der Welt noch gehalten worden. Der Minister eines großen Reichs, der sich vor die Volksvertretung hinstellt und zerknirscht erklärt: ich bin's nicht gewesen l alle Regierungen haben das Zuchthausgesetz ge- wollt und beschlossen, und ich, ich bin doch nicht Schuld daran— das ist ein Schauspiel, welches noch nicht da gewesen ist— ebenso wenig wie ein solches Gesetz und eine solche Begründung und eine solche„Denkschrift". Um den Eindruck seiner Worte zu erhöhen, schob der unglückliche Vice-Reichskanzler noch— was der äußerste, der höchste Appell ans Mitleid ist— schob er noch die Kinder vor, hielt sie als Deckung vor sich, und erzählte uns eine Schauermär, wie sogar Schulkinder die Opfer socialdemokratischen Streik-Terrorismus geworden sind. Wenn sich Graf Posadowsky während der Vertagungsferien die Sache also weiter überlegt, wird er uns vermutlich im nächsten Herbst einen neuen Zuchthausgesetz-Paragraphen vov schlagen, der die armen Kindlcin gegen den Streik-Terrorismus schützt. Und schließlich kommt er uns dann noch gar mit Kleinkind er-Bewahran st alten, wo die Säuglinge vor dem socialdemokratischen Gift bewahrt und bloß mit der polizeilich approbierten und patentierten„Milch der frommeil Denkungsart" genährt werden. Fürwahr, es ist schwer, da ernst zu bleiben. Und doch ist die Sache so furchtbar ernst. Daß ein Staat wie der deutsche, ein Staat, bewohnt von einem Kulturvolk, Männer an seiner Spitze haben kann, die derartige Anschauungen haben und derarsige Dinge aussprechen— das ist in der That ein Rätsel, vielleicht das tragischste Geschichts-Rätsel der modernen Zeit. Ein Rätsel, zu dessen Lösung nur die genaueste Kenntnis der deutschen Geschichte befähigt, die Kenntnis der zwei Jahr hunderte, die Deutschland nach dem Bauernkriege verloren, und die Kenntnis des unheilvollen Schicksals, durch welches das deutsche Bürgertum verhindert worden ist. die historische Rolle des Bürgertums zu erfüllen: das heißt, den junkerlichen Plunder des feudalen Mittelalters zu beseitigen und die bürgerliche Freiheit zu begründen. Was die Engländer vor LciO Jahren sich vom Hals schafften, das ist in Deutschland noch nicht weggefegt, liegt wie ein Alp auf uns, erstickt das politische Leben, lähmt alles Lebendige. Was ist über die gestrige Debatte noch weiter zu sagen? Was war gestern überhaupt noch zu sagen? Die Wahrheit für jeden, der Augen hat zu sehen, ist in diesem Falle ja so sonnenklar, so handgreiflich, daß von vornherein die Grund- lagen für einen wirklichen geistigen Kampf fehlten. Hier gabs nnr zornigen Protest, flammende Anklage. Nichts konnte im Reichstag gesagt werden, was nicht in der Presse, nicht in Versammlungen schon über und über gesagt war. Und am dritten Tage, was konnte da noch zu sagen sein? Nur Thatsachen haben noch das Wort. Gespannt sein konnte man nur auf das, was die Regie- rung, ihre Vertreter und ihre Verteidiger sagen würden. Und die Regierung selbst, ihre Vertreter und Verteidiger haben nichts gesagt. Das entschleierte Bild von Sais, das dem Fürsten Bismarck so gut gefallen hat, konnte nicht verschwiegener und nicht— weniger anziehend sein, als die preußisch-deutsche Regierungsweisheit, welche das Zuchthausgesetz geboren hat. Als Graf Posadowsky gestern zerknirscht zu beichten begann, konnte man einen Augenblick hoffen, er würde die Geschichte des Zuchthausgesetzes von Anfang, vom embryo- nischen Zustand an erzählen. Das wäre interessant ge- Wesen. Der Hofmann siegte jedoch über den zerknirschten Minister, der das Bedürfnis hat, sich zu rechtfertigen. Er sprach nicht und begnügte sich damit, die Schuld auf „alle Regierungen" zu wälzen. Er hätte merkwürdiges er- zählen können: von Neunkirchen, von Bethel-Bielefeld, von Oeynhausen und wiederum von Neunkirchen, und noch einmal von Neunkirchen. Er schwieg— und er bleibt Mininister. Das ist die Moral der Geschichte. Die echte preußisch- deutsche Moral. »Ist denn kein Stumm da?" fragte ängstlich henimirrend das Auge des, trotz zur Schau getragener Maske der Ruhe, ins innerste erregten Posadowsky. Ach, Stumm weilt nicht in Berlin— aber dem„geistigen Vater" des Zuchthaus- gesctzcs werden in diesen Tagen die Ohren gebrummt haben, wie nach Empiang einer kräftigen Ohrfeige. Und so kräftige Ohrfeigen hat der„König" von Saarabien noch nicht er- halten. Nun, wenn kein Stumm da ist, dann wenigstens ein Stumm Manne: der königlich preußische Handelsminister und prenßisch-deutsche Staatssekretär Brefeld.� Herausgelockt durch eine überaus scharfe Rede R ö s i ck e s, der, berufen wie keiner in höherem und nur wenige in gleichem Maße, ein unbefangenes Urteil zu fällen, die Zuchthausvorlage mit weißglühendem Eisen gebrand markt und die Parteinahme zu Gunsten der Arbeit- geber mit Peitschenhieben gegeißelt hatte— ergriff„Kollege" Brefeld das Wort und rettete nicht den Freund. Im Gegenteil, er zog ihn vollends in die Tiefe. Durch eine Lobrede auf die Unternehmer syndikate wurde er Krön zeuge gegen die Zuckthausvotlage und durch eine taktlose Aeußerung hyperloyaler Gesinnung griff er in den Machtbereich des Präsidenten ein und zog sich einen Ordnungsruf zu der vom Hause mit großer Genugthuung begrüßt ward. Herr Brefeld konnte nun mit Herrn Posadowsky Betrachtungen darüber anstellen, wer von beiden am besten wcggekomnien. Der säcksische Bevollmächtigte Fischer glaubte sich den beiden Ministern als Gefährte zugesellen zu müssen: er suchte das fatale Urteil des Berliner Landgerichts über das Dresdener Oberlandesgericht durch einen Geniestreich aus der Welt zu schaffen, indem er erklärte, es sei unmöglich, daß ein solches Urteil gefällt worden sei. Ergo ist es nicht gefällt worden. Der Zauberer vergaß, daß Berlin nicht in Sachsen liegt. Für die Zuchthausvorlage— auch das ist bezeichnend— sprach gestern niemand aus dem Hause. Gegen sie noch der Volksparteiler Hausmann, der Pole Ezarlinski und der Elsasser W i n t e r e r. Gerichtet ist die Vorlage. Aber der Vorhang wird erst am Donnerstag fallen über dem Trauerspiel des deutschen Zuchthaus k u r s e s._ Reichstagsbild. Man schreibt uns ans dem Reichstag: Der längste Tag des JahrcS brachte uns auch die längste Paria- mcntarische Debatte. Wenn man sich in die ZnchthanSluft bcgiebt, so kommt man nicht so schnell wieder heraus. Am Dienstag hatte man bereits Neigung, die Debatte über die Znchthausvorlage zu schließen; die Rechte und ein erheblicher Teil der National- liberalen stimmten— trotz Bassermann— nicht für die Vertagung. Jetzt muß sich die Regierung auch noch am Mittwoch vor dem Rcickstag zu der Zangengeburt bekennen, die nur mit Hilfe des Kaiserschnitts das für solche Geschöpfe recht unzuträgliche Licht der Welt zu erblicken vermochte. Es war ein ironischer Zufall, daß Karolinen- und Zuchthaus- Vorlage am gleichen Tage nacheinander beraten wurde. Auf der einen Seite die ins Weite strebende Uebersee-Romantik, die sich ver- mißt, deutsche Kultur in alle Welt zu tragen, auf der anderen Seite die Varbarisienuig des Mutterlandes. Liebknecht stellte in der Debatte über den Karolinenvertrag recht wirksam den unversöhnlichen Widerspruch bloß, der darin liegt, daß ein durch die offizielle Wirt- schaft in den heiligsten Kulturerrungenschaften einer kämpfereichen Volksentwicklnng fortwährend bedrohter Staat die Fähigkeit be- anspnlcht, Kolonisationspolitik zu treiben. Gegenüber dem englischen Sprüchwort der persönlichen Freiheit heißt es bei uns: Mein Haus ist mein Zuchthaus. Und das will kolonisieren l Die Debatte über die neueste Jnselpolitik des Reich? trug sonst einen geschäftsmäßig kühlen Charakter. Was bringt und was kostet die Erwerbung der Karolinen— daS wurde gefragt, und die Agrarier verschärften den geschäftlichen Charakter, in- dem sie die Gelegenheit wahmahmen, ihre Sorgen wegen der kommenden Handelsverträge zu äußern. Herr v. B ü l o w empfahl den Kauf. Er ist der TyPuS eines gesellschaft- lich gewandten Salonpolitikers. Er sprach im Reichstag, wie er wohl TagS zuvor mit den Damen geplaudert haben mag, die sich im Park des Auswärtigen Amts eingefunden hatten, um ini Dienste der christlichen Barmherzigkeit ein elegantes Gartenfest zu eiem. Herr v. Bülow liebt die Suppenwürze kleiner, seichter, sonst und leicht eingehender Späße, die im Reichstag stets dankbar willige Abnehmer finden. In einem etwas fatalen Gleichnis be- kannte er. daß Deutschland die Karolinen von Spanien im Abbruch gekauft hat. Nicht uninteressant war eS. daß Herr v. Bülow verriet. Bismarck habe seinerzeit auf die Karolinen verzichtet, weil er die spanische Monarchie habe stützen wollen. Haben wir aus dem gleichen staatSmännischen Beweggrund, den der Staatssekretär lebhaft pries, jetzt die Insel ihnen abgenommen? Als Herr v. Bülow seine zweite Rede— unter Anspielung auf die Namen der Karolinen und Marianen— mit der Wendung chloß:„Schlagen Sie nicht den jungen Mädchen, die Einlaß in das deutsche Haus begehren, die Thür vor der Nase zu. hätte der Reichstag, wenn dem Geiste des Herrn v. Bülow kongenial gewesen wäre, unverzüglich daS schöne Lied„Komm Karlineken!" anstimmen können. Aber der Reichstag war nicht so geistreicki, sondern begnügte sich die Vorlage anzunehmen— nur die beiden Volksparteien und die Social- dcmokraten stimmten gegen diese zweifelhaste Bereicherung des insularen Deutschlands. Gegen Ende der Kaufdebatte war Fürst Hohenlohe erschienen. der auch einem kleinen Teil der folgenden Erörterung 'ler ZuchthauSvorlage seine gramvolle Aufmerksamkeit ckicnkte. Zu Beginn erhob sich der Graf Posadowsky. Allgemeine Spannung. Jetzt kam die Zcrschmetterungsrede. die den Bebel. Bassermann und Lenzmann fürchterlich wurde, jetzt kamen die Patronen, die an den vorhergehenden Tagen noch in den grünen, roten, rosa Aktenhaufen verborgen blieben, die sich im Hintergrunde deS Bundesratstisches türmten Aber— man machte wiederum die Erfahrung, daß man viel zu sehr sich durch eine statt- liche Erscheinung bestechen läßt; man nimmt immer wieder an, ein so anspruchsvolles körperliches G e r ü st müsse auch einen cut- sprechenden geistigen Bau voraussetzen. Aber die Natur treibt oft den Luxus der Unzweckmäßigkeit. Graf Posadowsky be« gnügte sich mit einigen wuchtigen Hieben, die Zuchthausvorlage in Grund und Boden zu begründen. Er sah ein, daß das Baro« metcr des Entwurfs wesentlich gesunken sei, und er versuchte, die Aussichten zu heben, indem er die Gesamtheit der verbündeten Regierungen mit der Schuld dieses Gesetzes belastete. Es besteht kein Gegensatz zwischen Rcichsamt des Innern und Rcichsamt der Justiz— der sei staatsrechtlich unmöglich. Beide Minister verteidigten also die Vorlage, weil sie es für staatsrechtlich unmöglich halten, den Verzicht auf das Portefeuille einem derartigen Fiasko vorzuziehen, das eine Zuchthausvorlage ihren Vertretern bereitet. Wenn Graf Posadowsky ferner alle deutschen Regierungen für das Gesetz verantwortlich zu machen suchte, indem er erklärte, der Beschluß im Bundesrat sei ein» st i m m i g erfolgt, so bleibt für die. welche von einigen Regierungen des Reiches eine bessere Meinung haben, immer noch die Hoffnung, «S iiiLchtcn die Vertreter der einsichtigen Regierungen bei der Abstimmimg gefehlt haben. Vielleicht ergänzt Graf Posadowsky seine heutige Erklärung morgen dadurch, daß er noch verrät, wer bei der einstimmigen Beschlußfassung im Bundesrat gefehlt hat. Das ist er dem Ruf der verbündeten Regierungen schuldig! Tie weiteren Patronen, die dann losgeschossen worden, hatten eine wahrhaft verheerende Wirkung. Jede Patrone riß eine klaffende Lücke in— die Zuchthausvorlage. Graf Posadowsky rettete die Denk« schrift, indem er feierlich erklärte, Staatsanwälte und Polizeibehörden seien die unparteiischen Orgaue des Staates, wenn es gelte. Material gegen die Arbeiterbewegung heranzuschleppen. Und nun explodierte die vernichtendste Patrone. Es war schon mehr die Explosion einer Batterie von Höllenmaschinen. Graf Pasadowsky verkündete, daß er das fürchterliche Material, daS die Denkschrift bereits über den Arbeiter-Terrorismus gehäuft hat. noch durch einen allcriieuesten Fall vermehren wolle. Atemlos hängt alles an den Lippen des Ministers. Ein zuverlässiger Mann hat«S ihm berichtet, ein Mann, an dessen Glaubwürdigkeit niemand zu zweifeln wagen wird, der seine Stellung kennt... Tiefe Bewegung im Hause; der Abg. Arendt zeigt unter dem Eindruck der zu erwartenden Greuel die starren Züge einer allerdings ein wenig verfetteten Meduse... In einer nord« deutschenStadt hat sich das Ungeheuerliche ereignet... Des Abgeordneten v. Kardorff Nase oxydiert vor aufgeregter Empörung... Graf Posadowsky hat keine Kosten und Mühen gescheut, um die ganze schreckliche Wahrheit zu ergründen. Er hat sofort telegraphisch Be- richt eingefordert. Die Antwort liegt zwar noch nicht vor, aber an der Richtigkeit ist jedoch nicht zu zweifeln... Die Spannung hat einen unheimlichen Grad erreicht; aus dem rechten Auge des gelblich» grauen Laudrats vom auf den Bänken der Reichspartei entgleitet in der Erregung das Monocle, und der unifangreiche Leitartikel» Dichter der„Deutschen Tageszeitung" schreitet in der Pracht seines strohgelben Rockes, seiner schwarzen Beinkleider und seiner rotbraunen Stiefel unruhig auf und ab, wie eine Hyäne im Zoologischen Garten vor der Fütterung... Gras PosadowskyS Stimme erhebt sich zu tragisch anklagender Wucht... Herr Kropatscheck stellt selbst das Niesen ein und die gesamte Social» demokratie schlottert vor Angst....... Stellen Sie sich vor, m. H., der Terrorismus der Arbeiter geht so weit, daß in dieser norddeutschen Stadt selbst in der Schule die Kinder der Streikenden sich mit den Kindern der Arbeitswilligen zanken..." Alles sieht ich verblüfft an. Will sich der Herr Staatssekretär über di» Vorlage, ihre Begründung und ihre Denkschrift lustig machen? Aber Herr Posadowsky hat mit dem tiefen Emst gesprochen, der ihn ziert... Das haben wir uns nie träumen lassen, daß wir Berliner Gymnasiasten des zweiten Wahlkreises damals, als wir nach der Parteistellung unserer Väter unter dem Kampfmf: Hi» Stöcker I hie Virchow I gewaltig haderten, Material für die Zuchthaus- Vorlage lieferten... Graf Posadowsky versprach auch, die Entstehungsgeschichte de? Entwurfs zu erzählen. Er löste das Versprechen aber auS triftigen Gründen nicht ein. Dafür aber verriet er in einem unbedachten Augenblick das Geheimnis der Zuchthausvorlage, das als ein Gesetz zur Verhinderung von Streiks von Anfang an geplant war. Die Unternehmer wollen nicht nur Herren im Hause sein, sondem auch Ruhe im Hause haben— das soll die Vorlage schaffen. Und das gestand Herr Posadowsky, indem er davon sprach, daß durch die schwarzen Listen auch Arbeiter gettoffen werden, die es gar nicht„verdienten", weil sie sich nicht an Streiks beteiligt hätten. Wer also stteikt, verdient es, ausgehungert zu werden. Ganz unumwunden gestand diesen Zweck der Vorlage der zweite Regiemngsredner. der preußische Minister Brefeld zu. der sich erhob, um dem Eindmck der trefflichen Rede des Liberalen R ö s i ck e zu begegnen, dessen Vernichtung der Vorlage um so stärker wirkte, als hier ein großer Unternehmer sprach. Außerdem nmßte Preußen auf die Schanze steigen, nachdem das Reich in Gestalt des Staats» sekretärs Nieberding die Vorlage um allen Kredit geredet hatte. In diesem preußischen Minister lernten wir endlich eine Persönlichkeit kennen, die mit Eifer und Leidenschaft die Vorlage vertritt. Und so hielt er denn eine wilde Rede gegen die Ruchlosigkeit der Streiks, deren Zuchthauswürdigkeit er geniäß dem Z 8 der Vorlage bewies, indem er die gemeine Gefahr eines Bergarbeitcr-AnSstandS in brennenden Farben schilderte. Herr Brefeld erlvies sich als ein begabter Arendt deS Bundesrats- Tisches. Stur war er auch innerlich scharf. Er schlug auf den Tisch, beschwor, klagte an, malte düstere Gefahre», schluchzte in ttefcr Seelen- pein,«r bemühte sich, jeden Bordersatz durch den Nachsatz zu er- drosseln. Hatte PosadowSky Sie Äindergeschichte inZ Feld geführt, so operierte Brefeld mit der scheusäligen Ausschreitung von Arbeitern, die behauptet haben, alle Räder stünden still, wenn ihr starler Arm es wolle. Was doch diese Arbeiter für teuflische Gedanken aushecken I Dieser temperamentvolle, wenn auch ziemlich wirre Vertreter deS Unternehmerfeudalismus verteidigt jede Bestimmung des Entwurfs. er verherrlicht den SyndikatSterrorismus, er lehnt jede socialpolitische Gesetzgebung freiereu Geistes ab, weil das„schwierigste Probleme" seien Brefeld hatte geendigt— unter der stürmischen Heiterkeit des Hauses. Da traf ein schwerer Schlag das Haupt des Mannes. Herr Rösicke hatte sich auf die Kaiserworte von Bielefeld bezogen, der Präsident Graf Ballestrem untersagte ihm das unter Hinweis au sein früheres Reglement über die parlamentarische Kritik kaiserlicher Acußeruugen. Herr Rösicke aber war gerüstet, er machte den Prä sidenten darauf aufmerksam, daß die Rede amtlich veröffentlicht sei. also gerade nach der Anschauung des Präsidenten im Reichstag erörtert werden dürfe.„Dann ist es etwas anderes", erklärte darauf Gra Ballestrem, und der Abg. Rösicke durfte ungestört über Bielefeld und sogar über Oeynhausen sprechen. Das verdroß aber den Minister Brefeld und er bedauerte eingangs seiner Rede das Hineiw ziehen des Kaisers, ein Verfahren, das in der ganzen gesitteten Welt unerhört sei. Diese Censur über eine parlamentarische Kritik, die der Präsident eben für zulässig erklärt hatte, ließ sich aber Herr v. Balleswem nicht gefallen. Er verwies dem Minister seine tadelnde Bemerkung mit der größten Schärfe und machte ihn darauf auf merksam. daß seine bedauerliche Wendung dazu diene, das Ansehen des Präsidenten herabzumindern. Brefeld war nach dieser Lection wie versteinert. Er stammelte eine Entschuldigung und wiederholte dabei seine unparlamentarische Bemerkung.„Es bleibt bei dem, was ich gesagt habe", erklärte der Präsident mit fast verächt lichem Ton. AuS dem Hause kamen heute nur Gegner des Entwurfs zu Worte: Rösicke, der Volksparteiler Conrad Hausmann, ein Pole und ein Elsässer. Wenn die Regierung morgen die Wirkung der Posa dowsky und Brefeld noch zu steigern beabsichtigt, so sollte sie Herrn v. d. Recke zu Hilfe rufen, a�~-' Freude zu verlangen Der Reichstag hat ein Recht, diese A�olikifiche Ttebevfidjk. Berlin, den 21. Juni. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus trat heute in die zweite Lesung deS Gesetzentwurfs betreffend die Versetzung älterer richter. licher Beamten in den Nu he st and. Die urstmin gliche Regierungsvorlage bestimmte, daß Nichter, die mindestens öS und höchstens 75 Jahre alt sind, auf ihren Wunsch zur Zeit des Jnkraft- tretenS des Bürgerlichen Gesetzbuches peusioniert werden und ihr volles Gehalt drei Jahre hindurch weiter beziehen. Die Kommission hat nun die Altersgrenze von 75 Jahren gestrichen und außerdem einen Zusatz gemacht, wonach richterliche Beamte auf ihren Wunsch auch schon mit derselben Wirkung vor dem t. Januar 1000, frühestens jedoch mit Ablauf deS 30. September, in den Ruhestand versetzt werden können. Nach unwesentlicher Debatte, in der sich auch die Minister Schön st edt und Miguel, allerdings nur für ihre Person, mit den Aenderungcn der Komnussion'einverstanden er- klärten, gelangte die Vorlage heute in dieser Fassung zur Annahme Unverändert nahm das Haus sodann in zweiter Lesung den Nachtragsetat an, ferner die Anträge betreffend die Ergänzung der Gesetze über die Verteilung der öffentlichen Lasten b e' Grund st iicksverteil rangen und bei der Gründung neuer Ansiedelungen, betreffend die Beförderung der Errichtung von Rentengütern und betreffend die Bildung von eigenen Jagdbezirken. Morgen steht die Medizinalreform in zlveiter Lesung auf der Tagesordnung.—_ Das Urteil der 4. Berliner Strafkammer, welches unser Blatt von der Beleidigung des sächsischen Oberland- a e r i ch t s freisprach, wird von der sächsischen Rcaktionspresse als Stoß vor den Kopf empfunden. Die Rechtsbegriffe der sächsischen „Ordnungsparteien sind so verwirrt und korunipiert, daß es ihnen unmöglich ist, ein gegenüber der Scoialdemokratie objektives Urteil zu faffen. Das Regierungsorgan»Leipziger Zeitung" de kinert also: »Ob darin eine Verurteilung der sächsischen StaatSweiSheit" liegt, überlassen wir der Beurteilung unserer Leser. Nach unserer Auffassung beruht diese„Staatsweisheit" auf dem folgenden sehr einfachen Gedankengang: Die Socialdemokratie hat niemals ein Hehl daraus gemacht, daß sie im Gegensatz zu anderen politischen Par- teien den Staat nicht im Einzelnen reformieren und einzelne seiner Einrichtungen zum Gegenstand der Kritik machen, sondern daß sie ihn in seiner Totalität beseitigen, die jetzigen Regierungen stürzen und dieses Ziel nötigenfalls m i t G e w alt durchsetzen will. Daß sie diesen Zweck neuerdings aus taktischen Gründen zu verhüllen sucht, ihn nicht mehr so oft und so offen ausspricht, wie früher, ändert nichts an der Sache, Eine solche Partei ist nicht mehr eine Partei wie jede andere, sondern verfolgt mit verbrecherischen Mitteln verbrecherische Zwecke. Jede einzelne Lebensäußerung dieser Partei steht daher im Dienst dieses verbrecherischen Zwecks, dem die staatliche Gerechtigkeit entgegentreten muß. wenn sie sich nicht selbst aufgeben will. Nicht minderes Recht haben die An- Hänger dieser Partei vor Gericht zu genießen, sondern dasselbe Recht, dem jeder zu unterstellen ist, der denselben ver- brecherischen Zweck mit denselben verbreche- rischen Mitteln betreibt. Ob das Mittel im einzelnen Falle ein verbrecherisches oder an sich erlaubtes, z. B. die Herausgabe eines Flugblattes oder die Veranstaltung einer Sammlung ist, ändert nichts an dem Endziele; dem Umsturz des Staates mit gewaltsamen Mitteln. Jede einzelne Handlung der Partei, auch die an sich erlaubte, steht im Dienste des ver« brecherischen Endzwecks und muß daher von Rechts wegen als ungesetzlich verfolgt werden. Der Berliner Gerichtshof scheint dieser Meinung nicht zu sein; wir werden sie trotz seines Rechts- spruchs auch ferner für die richtige halten," Sollte diese köstliche Darlegung vom Wesen des Staates und der Justiz den Beifall der sächsischen Regierung haben, so zweifeln wir nicht, daß diese Regierung unverzüglich sämtliche Staatsantvälte und Richter des lobesamen Sachsenlandes in Haft nehmen läßt und ihrer Stellungen verlustig erklärt. Denn sie haben sich sämtlich der schwersteuAmtsvergchen schuldig gemacht. Sie haben, nach der.,L.-Ztg.", eine ganze Partei von Verbrechern ungestört„ihre verbrecherischen Zwecke mit verbrecherischen Mitteln" verfolgen lassen, ohne pflichtgemäy ein- zugreifen. Die geringen Anläufe dieser Justiz, socialdemokratische Flugblätter nud Hochrufe auf die Socialdemokratie für strafbar zu erklären, müßten als erschwerender Umstand angesehen werden, denn sie beweisen das Bewußtsein der Justizbeamteu von der Verbrecher- natur der Socialdenioiraten. Diese Verbrecher aber dennoch frei wandeln und ihr hochverräterisches Treiben ungestört ausüben zu lassen, wäre offenbar selbst ein schweres Verbreche». Auch die„Dresdener Rachrichten", eines der erfolgreichsten Klatsch- und Streberblätter Sachsens, das sogar die besonderen Sympathien des ReichstagL-Vieepräsidenten v. Frege errungen hat, ist ganz entsetzt über das Berliner Urteil: „Die in dem Berliner Urteilsspruch liegende Kritik ist von ganz unabsehbaren Konsequenzen, sie nmß, wie kein Urteil vorher, die Autorität der ganze» Rechtsprechung untergraben; mit diesem Urteil ist die Achtung vor allen richterlichen Erkenntnissen hinfällig geworden." Vortrefflich! Gerechte Urteile untergraben die Rechtsprechung! Auch nicht übel! Die„Märkische Volks- Zeitung" kommt ihrer Glaubens schwester der„Germania" zu Hilfe und leitartikelt über„Social- demokratische Unwqhrheiten und Entstellungen". Auch sie behauptet frisch, fromm, frei, daß es uns nicht gelungen sei, die von ihr und anderer Seite vorgebrachten»unerschütterlichen Thatsachen" zu wider legen. Wir müssen bekennen, wir stehen dieser Kanipfesweise macht los gegenüber. Die Centrumsblätter behaupten, die»socialdemw kratischen" Gewerkschaften trieben„Terrorrsmus". Währenddem sie sich aus allgemeine Redensarten beschränken, keine positiven Thatsachen anzugeben vermögen, es auch Unterlasten, die Namen der Missethäter zu nennen, wie versprochen worden war. haben wir den Nachweis geführt, daß die gewerk- schaftlich organisierten Arbeiter in gesetzlich zulässiger Weise ihren Widerwillen gegen die Streikbrecher vom Verein.Arbeiterschutz bekundet und gegen diese vorgegangen sind. Freilich begreifen wir einigermaßen, daß der„Märk. Volksztg." unser Vorwurf, ihre Schützlinge betrieben Streikbrecherei, nicht in den Sinn will. Denn wir sehen, welche jammervolle arbeiterfeind- liche Haltung das Blatt in den ernsthaften Kämpfen zwischen Ar- beüeni und Unternehmern mit seiner angeblichen Vertretung von Arbeiteriuteressen zu vereinen weiß. Die„M. V." sagt: „Daß die christlichen Arbeirer nicht in frivoler Weise den Frieden zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern brechen wollen, wie dies die socialdemokratische» Centralisten durch die Provozierung des gegenwärtigen Kampfes im Baugewerbe gethan haben, gereicht ihnen nur zur Ehre." Wir können uns jeder Antwort hierauf enthalten. Hören wir nur. wie der nationalliberale Abgeordnete B a s s e r- mann über die Streikbrecher-. Ehre" der„Märk. Volksztg." denkt. Er äußerte in seiner Rede zum Zuchthausgesetz: .Der jetzige Maurer st reik zeigt wieder so recht, welche Macht die Arbeitgeber-Koalitionen besitzen. Da werden Arbeiter ausgesperrt, die gar keine Forderungen gestellt, nur» weil sie einer Organisation angehörten. Die kleinen Arbeitgeber werden in die Arbeitgeber-Koalitionen hineingezwungen; ob sie all das aushalten, das kümmert die großen nicht. Wir sehen, wie enorm bereits die Machtmittel des Unternehmer- tums sind." Wie gefällt dem„christlich-dcmokratischen" Blatte die Znrecht- Weisung seitens eines NationaUiberalen?— Ponr Is rol de Presse. In gar weinerlichem Tone beklagen sich die.Berliner Neuesten Nachrichten" über die Gewerbegerichte im allgemeinen und über Herrn O. Weigert, Unternehmer-Beisitzer beim hiesigen Gewerbegericht, im besonderen, allerbeionderst aber über Herr» Assessor v. Schulz, den Vorsitzenden des hiesigen Gewerbe gericbts und den unter dessen Vorsitz gefällten Schiedsspruch im Steinsetzerstreik. Die Gewerbegerichte Habens ihnen angethan, weil in ihnen meist nur Socialdemokraten als Vertreter der Arbeiter sitzen und weil sie„die Aufrechter Haltung des Autoritäts- Verhältnisses der Betriebsleitung gegenüber den Arbeitern" nicht zu ihren Aufgaben zählen. Herr Weigert gilt ihnen nicht mehr als„unparteiisch", weil er nicht zugeben will ,' daß die Uniernehnier allein über den Arbeits- Nachweis verfügen. In der Möglichkeit, daß ein solcher Mann als Vertreter der Unternehmer im Gewerbegericht sitzen kann, sehen sie die schärfste Verurteilung des für diese Gerichte geltenden Wahl- Verfahrens, das den Unternehmern allein die Wahl ihrer Vertreter überläßt. Auf die socialdemokratische» Vertreter der Arbeiter hofften sie elbstverständlich nie; ihre Hoffnung auf die von ihnen selbst ge- wählten Vertreter ihrer eigenen Klasse schwindet ihnen angesichts eines Weigert auch, und so blieb nur noch die Hoffnung auf den unparteiischen Vorsitzenden. Jetzt hat ihnen Herr v. Schulz durch seinen Spruch im Steiusetzerstrcik auch diese letzte Hoffnung genommen. Der Schiedsspruch beschränke sich nämlich darauf, sämtliche Forderungen der Arbeiter für begründet zu erklären und deren Er- üllung den Steinsetzmeistern aufzuerlegen.„Das Entscheidende bei diesem' Urteil, dem s i ch die Arbeitgeber naturgemäß nicht unterwerfen konnten, ist, daß ustv." Und das Humoristische an der Sache ist, daß die Steinsetz- meister, während die„Neuesten Nachrichten" ihren Klage- Artikel druckten, ein Abkommen mit den Gesellen unterschrieben, worin sie die über die Bestim- mungen des Schiedsspruchs noch hinausgehenden ursprünglichen Forderungen der Arbeiter bis um 1. Januar 1301 bewilligen. Wofür haben sich nun die„Neuesten Nachrichten" angestrengt?— Der künftige Gctreidezoll und die Industrie, In den Berliner„Neuesten Nachr.", dem Blatt deS CenttalverbandeS deutscher Industrieller, liest man: Der Entwurf des neuen deutschen Zolltarifs wird in erster Reihe eine Revision nicht allein der Getreidezölle, sondern der gesamten landwirtschaftlichen Zölle inS Auge zu offen haben. Denn die Landwirtschaft bedarf nicht nur für den 1'örnerbau, sondem auch für ihre übrige Produktion deS ver« tärkten Schutzes, wenn sie existenzfähig gemacht und erhalten werden soll. Seitens der deutschen Industrie werden die Freihändler Succurs für Bekämpfung eines erhöhten Schutzes der laudwirtschast- lichcn Produkte Deutschlands sicherlich nicht finden. Man wußte schon bisher, daß die Großindustriellen sich mit den Agrariern zu einen: gemeinschaftlichen Raubzug auf die Taschen der deutschen Steuerzahler verbünden wollen.— Ein Reichs-WohnungSaesetz werde nicht in Angriff genommen werden, erklären die„Bert Pol. Nachr." Die Reichsregierung sei zwar durchdrungen von der hohen Bedeutung der Wohnungs- Verbesserung für die ärmere Volksklasse. Es sei aber zu be- j weifeln, daß gerade das Reich hier zum Eingreifen berufen ei und nicht vielmehr den Bundesstaaten die erforder- lichen Maßnahmen zu überlassen seien. Das gelte sowohl von der Wohnungspolizei. d. h. vom Erlasse bau- und gesundheitspolizeilicher Borschristen über die Herstellung, Beschaffen- hcit und Benutzung von Wohnungsräumen, als auch von der o h n u n g s f ü r s o r g e, d. h. von der Förderung der Be chaffung billiger und geeigneter Wohnungen für die ärmeren der Bevölkerung. Nur durch die Landesbehörden das Bedürfnis nach Herstellung gesunder und kleinerer Wohnungen und nach öffentlicher, inS finanzieller Unterflützung der hierauf gerichteten Be in hohem Maße verschieden sei, dieses sachgemäß Stellung noch bedeutend schwieriger gestaltet. ES wird also auch diesmal wieder einen heißen Kampf geben, aber die socialdemo- kratische Wählerschaft Nürnbergs, die' sich schon in so manchen Kämpfen bewährt hat, wird auch aus diesem siegreich hervorgehen. Was unsere Situation gegenüber den Gegnern betrifft, so hat sich gegen 1888, als die Socialdemokratie erstmals die 4 Nürn- berger Landtagsmandate den Gegnern entriß, nichts geändert. Damals standen Freisinn und Nationalliberale miteinander im offiziellen Bündnis, was jetzt nicht gut möglich ist, da es in der letzten Zeit zwischen den beiden Parteien sehr gehässige Aus- einandersetzungen gegeben hat. Der Freisinn aber rechnet darauf, daß schon der Haß gegen die Socialdemokratie die Nationalliberalen ihm in die Arme treiben werde. In dieser Annahme hat auch der Ausschuß der freisinnigen Parteileitung beschlossen, nur drei Kandidaten aufzustellen und die Aufstellung des vierten „einer der rechtsstehenden Parteien" zu überlassen. Als solche kann aber nur die nationalliberale in Betracht kommen. Alle bisher ge- machten Beobachtungen lassen darauf schließen,,' daß der Freisinn sich in seiner Erwartung nicht getäuscht hat. Im freisinnigen Lager rechnet man mit Bestimmtheit darauf, diesmal die 4 Mandate den Socialdemokraten wieder entreißen zu können. Nun, die socialistische Arbeiterschaft Nürnbergs wird auf dem Plane sein und alle Kom- binationen zu Schanden machen.— Chronik der MajestätsbclcidiguugS-Prozcsse. Ein„Majestätsbeleidiger" stand in der Person des Knechts Jo- hanncS N i e m a n n aus SchlagLdorf bei Schönberg, zur Zeit in Äletzin bei Mecklenburg dienend, vor dem Schweriner Landgericht. Er soll nach Ansicht desselben eines abends in der Leutestube in Bezug auf den Großberzog und den Herzog-Regenten sehr un- pastende Aeutzerungen sich erlaubt haben, unter Berufung darauf. daß er kein Mccklenburg-Schtvcriner sei. Er wurde zu zlvei Mo- n a t e n und zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Vor dem Landgericht in Nürnberg wurde gegen den Arbeiter Joh. Meier wegen Beleidigung des deutschen Kaisers, des Prinz- regenten und des bayrischen Generalstabes verhandelt Ende Mai ließ er in einer Wirtschaft Reden vom Stapel, die nur dem Hirne eines Verrückten oder Betrunkenen entspringen können. Letzteres war er nicht, nach Aussage der Zeugen; gegen erstereS spricht das Gutachten des könioh LandgerichtS-Arztes Dr. Burkel. Dieser erklärt ihn für einen aufgeregten Menschen, der viel gelesen und wenig verdaut habe, aber zlirechnungsfähig sei. Das Urteil, das im Militör-Wochenblatt" veröffentlicht wird, lautet auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis! Wegen Kaiserbeleidigung wurde von der Sttaskammer zu Torgau der Handelsmann Ad. B o i g t aus Schmiedeberg zu einer Gefängnis- strafe von 4 Monaten verurteilt. Das Landgericht zu Zaber»(Elsaß) verurteilte den Tagner Anton Wagner aus Hagenau ivegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängnis. Wagner hatte in angetrunkenem Zustande von der Dragonerkaserne in Hagenau in Gegenwart einer Anzahl von Soldaten wiederholt Beschimpfungen gegen die Person des Kaisers ausgestoßen._ Friedenskonferenz. Die zweite Kommission hielt am Dienstag eine Vollversamm- ung ab. Zehn Artikel betreffend die Anwendung der Grundsätze der Genfer Konvention auf die Seekriege gelangten zur Annahme. Der persische Vertreter beantragte, als Abzeichen der Genfer Kon- vcution solle eine rote Sorine in weißem Felde angenommen werden. Artikel 10 wurde mit einer vom niederländischen Dele- zierten Asser beanttagten Abänderung angenommen, die den Fällen Rechnung trägt, in welchen neuttale Staaten mit Kriegführenden eine Vereinbarung betreffend die durch Artikel 10 auferlegten Ver- pflichtungen gettoffen haben. Der amerikanische Delegierte Kapitän Mahan beantragte drei Zusatzartikel betreffend die von Hospital- 'chiffen oder Neutralen aufgenommenen Verwundeten oder Schiff- brüchigen, die während des Seekampfes ins Wasser gerieten. Diese Artikel wurden dem Redaktionsausschusse zur Beratung überwiesen. Sodann wurde einem vom Professor Asser gestellten Antrage ent- prechend der formelle Wunsch ausgcstirochen, daß binnen kurzer Frist eine besondere Konferenz zum Zwecke der Revisionder enfer Uebereinkunft abgehalten werden solle. Die Kom- Mission ernanilte nach endgültiger'Annahme von zehn Zusatzartikeln zur Genfer Konvention den RedaltionsauSschuß für die Herstellung öeS Hauptprotokolls.— Ausland. Regierungskrise in Frankreich. zum Mittwochabend war noch keine Lösung der Krise ab- Schichten da billiger besondere Irebungen örtlich zu beurteilen. Dagegen ist das Reich natürlich sehr geeignet, durch Zucht- hauSge setze den Arbeitern den Kampf' um Verbesserung ihrer allgemeinen Lebenslage zu erschweren und cS ihnen damit auch un- möglich zu machen ,' aus eigener Kraft für Verbesseung ihrer Wohnungsverhältniffe zu sorgen.— Zur Laudtagswahl-Bewegung in Bayern. Die Social- demokratie Nürnbergs trat am Sonntag mit einer großen Wähler Versammlung in die Wahlbewcgung ein. Nach Entgegennahme des Berichts der socialdemokratische» LandtagSfraktion, den die Abgg. S ch e r m und S e g i tz erstatteten, erklärte sich die Versammlung mit der Thätigkeit der socialdcmokratischen Vcrtteter im Landtage einverstanden und drückte ihnen ihre Anerkennung aus. Es soll mit aller Kraft in die Wahlbewegung eingetteten werden, um auch dies- mal wieder der Socialdemokratie den Sieg zu verschaffen. Bezüglich der Landidatenfrage wurde noch nichts Definitives beschloffcn, es soll zwar an dem Priucip festgehalten werden. daß bei einem Siege die alten bewährten Vertteter wieder aufzustellen sind, da es aber nicht ausgeschlossen ist. daß wir auch in Fürth und Ludwigs» Hafen siegen und dann Segitz und Ehrhart für Nürnberg außer Be- «acht kämen, wurde die ganze Frage noch offen gelassen. Sie soll nach vollzogener UrWahl erledigt werden. Die Suuation unserer Partei bei dieser Wahl ist eine sehr chwierige, erstens durch das verrottete Wahlsystem, das den Gegnern ungemein günstiger ist. und dann hat der Stadtmagistrat wieder eine wunderbare Wahlkreisgeometrie zu stände gebracht, die unsere Bis zusehen.'Auch Löou Bourgeois, der aus dem Haag herbei- gerufen wurde, scheint die Kabinettbildung abzulehnen, ob- gleich die meisten republikanischen Blätter der verschic- denen Parteirichtungen, abgesehen von denjenigen, welche der Richtung MelineS angehören, erklären, daß sie bereit seien, ein Ministerium Bourgeois ohne Rücksicht auf die Zusammensetzung zu unterstützen. In seiner Unterredung am Mittwoch mit dem Präsidenten L o u b e t sagte Bourgeois, die Lage sei durchaus nicht so kritisch, wie gewisse Blätter sie darstellten; die Ereignisse in Frankreich lvürden im Auslände nicht so pessimistisch aufgefaßt. Bourgeois erklärte, er halte das Werk, an welchem man im Haag arbeite. für eins der schönsten, aus welchem glückliche Folgen für Frankreich und. die Menschheit sich ergeben könnten. Er sei mit Leib und Seele bei jenem Werke, und habe die Ueberzeuguug, daß seine Bemühungen nicht vergeblich sein würden. Es würde ihn deshalb wahrhast mit Kummer erfüllen, wenn er auf seine Mission verzichten müßte. Bourgeois bemerkte weiter, er sei Führer einer Partei und man erwarte nicht, daß jetzt eine einzige Pattei die Leitung der Geschäfte übernehmen ivcrde. Was man envarte. sei eine Regierung, deren Weg deutlich vorgczeichnet sei. ES handle sich im Wesentlichen darum, der Gerechtigkeit Achtung bei jedermann zu verschaffen und die D i s c i p l i n im H e e r e aufrecht zu erhalten. Ilm letzteres zu erreichen, dürften Maßregeln gegen einige Persönlichkeiten genügen. Jin übrigen stellte sich Bourgeois dem Präsidenten als Vermittler zur Ver- fiigung. Paris, 21. Juni. Die Deputiertenkammer beschloß trotz des Widerspruches der äußersten Linken mit 382 gegen 175 Stimmen, sich bis zum Montag zu vertagen. Belgien. Eine große Socialistcnvcrsammlung fand am Montag in Brüssel statt, in welcher beschlossen wurde, gegen die RegierungS- Vorlage mit allen Kräften einzutreten. Die Hauptausprache hielt van der Velde, welcher erklärte, die Liberalen rufen den König, die Socialisten das Volk an. Die Revolution von oben müsse von der von unten begleitet sein. Am nächsten Donnerstag findet eine neue Protest-Versammlung statt England. Von England auS wird gewaltig in die Kriegödrommcte gestoßen, um den Anschein zu erwecken, als ob die Briten drauf und dran wäreil, die südafrikanische Republik init Krieg zu überziehen. Der„Daily Telegraph" will wissen, für den Fall des Ausbruchs von Feindseligkeiten mit Transvaal werde der General Sir Redvers Buller zun» Kommandeur der britischen Streitkräfte in Südafrika ernannt werden. Im Hauptquartier seien thatkräftige Maßnahmen im Gange, um wirksame Vorkehrungen für eine Verwendung großer Massen von Kavallerie und Artillerie zu treffen. Die Militärbehörden in Kapstadt haben die Konttakte auf be- stimmte Lieferungen für das Militär einstweilen aufgehoben mit der Begründung, daß die Regimenter sich bereit halten müßten, auf kurzen Befehl Kapstadt zu verlassen. Andere Anzeichen für Vor- bereitungen zum aktiven Dienst sind, daß die Detachements des Lanka- shire-Regiments in Wynberg und Stellenbosch sich mit dem Regiment in Kapstadt vereinigt haben. ES ist zu hoffen, daff sich die erhitzten Gemüter wieder beruhigen werden und doch noch eine Einigung mit dem etwas halsstarrigen Ohm Paul zu stände kommt.— Spanien. Revision deS NnarchistcnprozesseS. Madrid. 21. Juni. In der gestrigen Sitzung der Tcputiertenkammer verlangte Pi y Margall die Revision des Prozesses der Gefangenen von M o n j u i ch. ES wurde kein Beschluß gefaßt.— Türkei. Rcpatriiernng dcrZlrmcuicr. Konstantinopel.21. Juni. Der russische Botslbafter Sinowjew berührte bei einem Besuche, den er dem Minister deS Aeußeren Tewfik Pascha abstattete, neuerdings die Frage der Repatriierung der armenischen Flüchtlinge. Die russische Regierung besteht nach wie vor auf der Repatriierung und verlangt, daß die Flüchtlinge wieder in den Besitz ihres von den Kurden ihnen größtenteils ent» riffenen Eigentums an Gnind und Boden gelangen, doch dürften trotz des Drängens Rußlands die betreffenden Verhandlungen noch längere Zeit erfordern.— Konstantinopcl, 21. Juni. Im Sandschak Gentsch sMIajet BitliS) haben seit einigen Tagen zwischen zwei Ku r d en st ä m m e n blutige Kämpfe stattgefunden, bei denen mehrere armenische Dörfer verwüstet wurden.— Numänien. Gmeute Vanerunnrnhen in Rumänien. Wir verzeichnen die folgende Meldung des olfiziösen Telegraphen aus Bukarest vom 20. Juni, wobei wir jedoch nicht wissen, was Wahres an der Sache ist, und wieviel die Mitteilungen auch in den Einzelheiten stimmen: Gestern suchten etiva 1LOO. zum Teil bewaffnete Land leut e in die Stadt S latina unter dem Vorivande einzudringen, sie wollten gegen die dortigeDeputiertcnivahl protestieren, bei welcher ein geivisser. wegen.anarchistischer Umtriebe" aus Frankreich aus- gewiesene Bogdan Pitesti unterlegen war. Auf die Er- Mahnungen, auScinmidcrzngehcn, griffen die Bauern das herbeigeholte Militär mit Steinen. Stöcken und Revolver» an, lvobei mehrere Soldaten verwundet wurden. Nach drei fnichtloscn Versuchen, die Bauern auseinander zu treiben, feuerten die Truppen zuerst in die Luft und dann auf die Angreifer, von denen mehrere, danmtcr einige tödlich, verwundet wurden. Die Schöffe wurden einzeln, nicht in Salven abgegeben. Schließlich wurde die Ordnung wiederhergestellt. Die Urheber der Unruhen sind verhaftet rmd sehen eincr strengen Bcslrastmg entgegen. Wie die Untersuchung ergab, ist der Hauptanstiftcr Bogdan Pitesti, welcher an der Spitze der socialistischcn Bewegungen im vorigen Winter stand. Der Ministerrat ordnete die strengsten Maßregeln an, um eine Wiederholung der Ruhestörungen zu verhindern.— Der ehemalige Sekretär der freikonservativen Partei als Kläger. In der Privatklage deS Schriftstellers und ehemaligen Sekretärs der srcikonservativen Partei Karl E. Fink gegen denRedacteur des .Vorwärts" August I a c o b e y und den Reichötagsabgeordnetcn August Bebel stand gestern vor der 148. Abteilung des Amts- gerichts I wieder Termin an. Der letzte Termin ist am 2g. Juni vorigen JahreS abgehalten worden und es dürfte wohl abermals ein Jahr vergehen, che der Prozeß zum Abschluß kommt, was aller- dings zum Teil wohl in der Schwierigkeit liegt, daß das Berliner Amtsgericht unter Vorsitz des AmtSgcrichtsrats H a a ck über Vorgänge entscheide» soll, deren Zeugen in Chikago wohnen und der Privatkläger selbst inzwischen seinen Wohnsitz nach Sbangai verlegt hat. Wie erinnerlich sein dürfte, hatte in der Sitzung des Reichstags vom 15. Dezember 1897 der Abgeordnete Bebel dem Privatkläger, der die bekannte Broschüre des Korbmachers Fischer redigiert hat, den Vorwurf gemacht, daß er von dem Vorstande des Vereins Berliner Prcffe den Rat erhalten habe, auf Grund ihm bekannt ge wordener ehrenrühriger Handlungen des Fink auS dem Berein aus getreten. Diese ehrenrührige Handlung habe darin bestanden, daß der Privatkläger vor einigen Jahren bei seinem Aufenthalt in Amerika Wechselfälschungen begangen habe. Diese Beschuldigungen erklärte der Privatkläger zwer Tage darauf in der.Post" für Verleumdungen. Bebel erwiderte am 18. De- zember im.Vorwärts", daß es sich allerdings nicht um eine Wechselfälschung, sondern um die Uebergabe wertloser Checks als Zahlung gehandelt habe, von denen der Redakteur Fink gewußt habe, daß sie wertlos feien. Nachdem die Prcßpolemik noch eine Zeit lang hinüber und heniber gegangen war. veröffentlichte Abg. Bebel am 19. Januar 1898 im.Vorwärts" abermals eine Erklärung, die nun die Grundlage der Privatklage bildet. Abg. Bebel behauptete darin, daß die erste Angabe seiner Gewährsmänner richtig gewesen sei, und daß der Redacteur Fink sich in Chikago in einem Falle auf einen gefälschten Wechsel Geld verschafft und in einem zweiten Falle dem Oekonom deS Chikagoer PreffeklubS einen wertlosen Check als Zahlung übergeben habe. Es handelt sich um einen Wechsel, welchen am 11. März 1893 die Finna C. D. Sweetland u. Comp, in Chikago auf die Firma Jackson Lumber u. Comp, zu South Beut. Indiana, über 25 Dollar an die Ordre des Privatklagers ausgestellt hatte. Die Tratte ist am 14. März 1893 der Finna Jackson Lumber u. Co. präsentiert und da die Bezahlung verweigert wurde, protestiert worden. Im zweite» Falle handelte es sich darum, daß Herr Fink am 27. Mai 1893 einen von Herrn Newton Jackson ausgestellten Check über 3V Dollar an den Oekonom des deutschen Pressctlubs in Chikago, Herrn Theobald Heinrichs, iveitergegebcn hat. Da die Behauptung aufgestellt wurde, daß in dem ersten Falle ein Ivertloser Kellerivechsel vorgelegen habe und im zweiten Falle die Unterschrift des Herrn Newton Jackson gefälscht worden sei. strengte Herr Fink gegen die Herren Jacobcy und Bebel die Privatklage an. In dem ersten Termin wurde eine umfangreiche Beweisaufnahme durch Vernehmung zahlreicher Personen in Amerika beschlossen und diese Vernehmung hat inzwischen stattgefunden. Auch die Behauptung Bebels bezüglich feines Austritts aus dem Verein Berliner Presse bezeicbnel Fmk als unwahr und beruft sich zum Beweis dafür auf ein Schreiben des Vorstandes des Vereins, der ihm bestätigt hat, daß er seinen Austritt freiwillig erklärt habe. In der heutigen Verhandlung ivar der Privatkläger Fink n i ch t e r s ch i e n e n. er wurde durch den Rechtsanwalt Marwitz vertreten, während den Angeklagten Rechtsanwalt Dr. Herzfeld als Verteidiger zur Seite stand. Gleich vor Eintritt in die Verhandlung beantragte Rechtsanwalt Marwitz die Vertagung der Sache, da die Aussagen der in Amerika vernommenen Zangen weit auscinaiidergchcn. Der Privatkläger habe mittlerweile eine Stellung in Shanghai an- genommen, nicht etwa, um sich der Sache zu entziehen, sondern weil seine Stellung bei der.Post" unhaltbar geworden sei. Auf die Erlundigungeii, die der Verteidiger bei Herrn Fink eingezogen habe, sei bisher eine Antwort noch nicht erfolgt. Er hoffe, daß dem VertagungSantrage stattgegeben werde, denn bei den auseinander- gehenden Aussagen der Zeugen glaube er, werde das Gericht höchstens zu dem Schluß kommen, daß der Vorwurf der Wechselfälschung nicht bewiesen sei. Ihm und seinem Klienten liege aber nicht daran, daß das Gericht ein von liguod aus- spricht und daß die Angeklagten formell bestraft werden, sondern cS komme darauf an, daß das moralische Ansehen von Fink wiederhergestellt wird. Er sei überzeugt, daß die An- geklagten ausreichendes Material in Händen haben, während ihm solches fehle. Wenn auch formell Bebel und Jacobeq die Angeklagten seien, so sei thatsächlich doch Fink der Angeklagte; es sei billig, diesem Gelegenheit zu geben. sich auf die Zeugen- aussagen zu äußern. Da er glaube, daß es auch Bebels und Jacobey nur auf die Feststellung der Wahrheit ankomme, so hoffe er auf An- nähme seines BcrtagungSantragcs. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wird zunächst in die Verhandlung eingetreten, über den VertagungSantrag soll später entschieden werden. Einen weiteren Vorschlag des Vorsitzenden, den Zeugen Schriftsteller D a h m S, der über die Vorgänge im Verein Berliner Presse Aus- kunft geben soll, zunächst zu vernehmen, damit der Zeuge nicht unnütz lange zu warten brauche, widersetzt sich Rechtsanwalt Marivitz. Ferner beantragt der Verteidiger von Fink, zu einem neuen Termin auch den Schriftsteller Schweizer zu laden. Angekl. Bebel: Wenn der Verteidiger neue Zeugen laden will, so bitte ich auch den Abg. Freiherrn v. Stumm zu laden, der Aussagen über die Glaubwürdigkeit des Fink machen soll. Es sind mittlerlveile Briefe des Freiherrn v. Stunim über den Fall Fink durch den„Vorwärts" veröffentlicht worden, die so ungünstig für Fink lauten, daß ich eS für sehr wichtig halte, durch den Frciherrn v. Stumm bezeugen zu lassen, daß er diese Beicfe geschrieben hat und daß er dadurch, daß Fink sein Wer« trauen mißbrauchte, gezwungen wurde, im Reichstage eine Erklärung abzugeben, die sich später als unwahr herausstellte. Gerade dies Verhalten des Fink ist es gewesen, das ihn veranlaßte. ins Ausland zu gehen, weil nach diesem Vorgang in Berlin kein Boden mehr für ihn war. Es wird nun zunächst die Beweisaufnahme vor- genommen. Rechtsanwalt Marwitz betont, daß der Restaurateur Heinrichs, dem Fink den einen wertlosen Wechsel gegeben haben soll, im Januar 1898 Fink brieflich angefragt habe, um welchen Preis er den Check einlösen lassen wolle. Sollte er ihn nicht einlösen, so werde er den ihm anderweitig von„prominenter" Seite angeratenen Gebrauch davon machen. Angekl. Bebel: Für den Fall, daß auf diesen Brief Gewicht gelegt werden sollte, will ich mit Rücksicht darauf, daß darin von „prominenter Seite" die Rede ist. bemerken, daß von meiner Seite in der Sache nichts gethan ist und nichts g e t h a n werden konnte; ich bin im Dezember 1897 gleich nach jener Rcichstagsverhandlung nach Zürich gegangen und bin erst von der Redaktion"des„Vorwärts" davon unterrichtet worden, daß telcgraphisch die Nachricht eingegangen ist, daß thatsächlich ein falscher Wechsel von Fink vorhanden sei. Nunmehr werden die Aussagen der in Amerika eidlich vernommenen Zeugen verlesen. Der Kaustnann Charles D.. S w e e t I a n d hat ausgesagt, daß er ein Geld- und Grundstücks maller sei, der im Jahre 1393 seine Geschäfte unter der Firma C. D. Sweetland u. C. geführt habe. Der Wechsel über 25 Dollars auf Jackson Lumber u. Ko. sei in jedem Detail echt und in keiner Weise gefälscht gewesen. Demgegenüber lautet die Aussage des Rcstaurateurs Jung, an den Fink seiner Zeit den Stveetlandschen Wechsel giriert hat, dahin, daß eine Firma C. D. Swectland u. Co. niemals in Chikago oder sonstwo existiert habe. Fink sei nachher nicht mehr zu ermitteln gewesen, der Wechsel sei nicht bezahlt worden. Ob Fink jemals erfahren habe, daß der Wechsel nicht bezahlt worden sei, könne er nicht sagen., Der Restaurateur des Chikagoer Prcssellubs, Heinrichs, hat eidlich bekundet, im Mai 1893 habe Fink, als er bei ihm zu Mittag speiste. dcrKassiererin einenWechsel gegeben, wofür ihm 30 Doll.bar ausgezahlt seien. Der Wechsel sei ohne Protest mit der Benierkung zurück- gekommen„I�ot, in Town"(Wicht in der Stadt). Er habe sofort Fink aufgesucht. Dieser habe ihm zugestanden, daß er ihn um 30 Dollar betrogen habe und daß die Acceptunterschrift des Trassaten gefälscht sei, er habe geweint und gejammert und an sein Mit- leid appelliert, da seine Gattin auf dem Wochen- b e t t liege. Auch habe er ihm die 6 Dollar, die er noch in seinem Besitz hatte, angeboten, wenn er ihn nicht blamieren wolle. Von wem die Unterschrift herrühre, habe Fink nicht angegeben. Der Wechsel sei niemals bezahlt worden. Der Notar B u g b e e hat ausgesagt, er habe von der Ersten Nationalbank in Indiana den Wechsel mit der Weisung erhalten, Protest zu erheben. Die Firma Newton Jackson habe die Zahlung verweigert und dabei zu wissen gegeben, daß eine Gesellschaft Jackson Lumber u. Co. nicht existiere und nicht existiert habe.— Die Aussage des Kassierers der South-Bauc, Campbell, lautet dahin, baff im Jahre 1893 eine Firma Jackson Lumber u. Co. nicht existiert habe. Newton Jackson habe keine eigenen Mittel besessen und bei der Bank ein Conto unter dem Namen N. Jackson, Agent gehabt.(Der Wechsel ist nicht auf die South-Bauk, sondern auf die First-Bank gezogen.) Im krassen Widerspruch zu der Aussage von Charles D. Swectland steht die von Newton Jackson. Dieselbe lautet, daß es eine Firma Jackson Lumber Co. weder im Jahre 1893 noch überhaupt gegeben habe. Von den 25 Dollars, die er nach Angabe von Sweetland diesen infolge der Transaktion schulden solle, wisse er nichts. Er habe mit Sweetland im März 1893 geschäftlich zu thun gehabt, aber cS habe für diesen kein Grund vorgelegen, sich für be- rechtigt zu halten, die Summe von 25 Dollars auf ihn zu ziehen, ins- besondere da Sweetland ihn immer Geld schuldete. Er habe weder 1893 noch zu irgend einer Zeit bei der ersten Nationalbank in South Beut ein Vermögen gehabt und niemals Charles E. Fink 30 Doll. oder eine andere Summe geschuldet. Er habe einen auf ihn gezogenen Wechsel von Charles E. Fink nicht angenommen; das Bankkonto lautete auf N. Jackson Agent. Er habe im Mai 1893 nicht in South Beut gewohnt und auch kein Geschäftszimmer dort gehabt, weil er damals nach Chikago übergesiedelt sei. Damit schließt die Beweisaufnahme. Rechtsanwalt Marwitz beantragt nochmals Vertagung, um über die Person des Jackson Erknndiguiigen einzuziehen. Fink habe sich lebhaft bemüht, Jackson aufzufinden, es sei ihm aber nicht gelungen. Demgegenüber weist Dr. H e r z f e l d auf ein bei den Akten befindliches Affidavit hin, worin Jackson unter seinem Eid aussagt, daß Fink sich lange vor der ersten Verhandlung an ihn gewandt und ihn um sein Zeugnis gebeten habe. Fink habe also gewuyt, wo Jackson wohnt. Rechtsanwalt Marwitz bemerkt, wenn nach- gewiesen wird, daß Jackson gelogen habe, so könne auch die Ab- leiignung der Unterschrift durch ihn eine Lüge sein. Es sei also wichtig. Erkundigungen über Jackson eiinzuziehen. Vorsitzender: Allerdings steht und fällt die ganze Sache mit dem Beweis der Wahrheit oder der Unwahrheit des Herrn Jackson. — Verteidiger Dr. Herzfeld: Die Beklagten haben doch bewiesen, daß Jackson die Unterschrift nicht ge- macht hat. Er selbst hat eidlich ausgesagt, daß sie nicht von ihm herrührt�_ Mehr kann man von den Angeklagten Kläger weiter gehen, so muß was wir bewiesen haben, Marwitz: Nein, ich glaube, ist, durch glaubwürdige Zeugen eine Wechsclfälschung vorliegt. sich widersprochen. Einer von nicht verlangen. Will der er nachweisen, daß das, älsch ist.— Rechtsanwalt daß Herr Bebel verpflichtet nachzuweisen, daß thatsächlich Jackson und Sweetland haben beiden ist also im stände, unter Eid' etwas falsches zu bekunden. Würden wir keinen anderen Beweis finden, so würde das Gerücht zu einem nou liquet kommen. Ich bin bereit, mir das nötige Material zu vcrichaffen und wiederhole deshalb den Antrag auf Vertagung. Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l d: Dann stelle ich folgende Beweis- anträge: 1. Bezüglich der Glaubwürdigkeit des Herrn Sw cetland beantrage ich. verschiedene Kauflcute in Amerika darüber zu vernehmen, daß derselbe vor dem Jahrel88ü im Holzgeschäft in Kalamazoo im Staate Michigan war und dort fallierte. 1886 kam er nach Chikago und wurde Mitglied der Holzfirma Swectland u. Stevens. Diese Firma ging 1887 zu Ende unter Hinterlassung zahlreicher un- bezahlter Forderungen. Danach begann Sweetland ein Hut- und Schuhwarengcschäft. da§ nach einigen Monaten auf Grund eines Ancrkenntnis-Urtcils geschloffen und vom Gerichtsvollzieher auS- verkauft wurde. Seitdem bis auf den heutigen Tag und ins- besondere im Juni 1892 und März 1893 war Swcetland vollständig mittellos. Er ernährte sich. indem er Wucherern beim Ankauf von Wechseln und Hypotheken als Mittelsmann diente. 2. beantrage ich, den Superintendenten der Chikagoer Geheimpolizei darüber zu vernehmen, daß Sweetland unter semer Aufsicht steht, weil er wiederholt in Untersuchung gewesen ist und sich wiederholt verdächtig geniacht hat dadurch, daß er Kellerwechsel gezogen und sich unter falschen Vorspiegelungen Geld verschafft hat; 3. beantrage ich, den Superintendenten darüber zu vernehmen, daß Sweetland im Ruf eines Mannes steht, dem in Chikago unter seinem Eide kein Glauben geschenkt wird, 4. beantrage ich die Vernehmung des Chikagoer'Rechtsanwalts Riese darüber, daß er in feiner amt- lichen' Thätigkeit verschiedene Male Wechsel einzuklagen hatte, welche Sweetland an Dritte weitergegeben hatte, die aber unbezahlt zurück- kamen, weil eS sich herausstellte, daß die Firma, die als Acceptant darunter stand, nicht existierte; 5. beantrage ich Vernehmung des Rechtsanwalts Riese darüber, daß Sweetland allgemein in Chikago für einen Mann gilt, dessen Ruf so ist, daß seinem Eid'kein Wert beigemessen wird. 6. beantrage ich Ladung deS Frciherrn v. Stumm, der darüber vernommen werden soll, daß ihm Fink in Bezug auf die zur Verhandlung stehende Sache wieder- holt falsche Angaben gemacht und ihn so genötigt hat, im Reichstage etwas auszusagen, was sich hinterher als unwahr heraus- stellte. Nachdem der Vertreter des Privatklägers, Rechtsanwalt Mar- witz, der Vernehmung des Freiherr» v. Stumm widersprochen hat. beschloß der Gerichtshof die abermalige Vertagung und gab den Parteien auf. ihre Beweisanträge innerhalb drei Monaten bei Gericht einzureichen. lies Verbattlies her dentslhen BliDrlllker. Mainz, den 20. Juni. (Zweiter Verhandlungstag.) AuS ZweckmäßigkcitSgründen wurde der Tagesordnungspunkt: Besprechung über den„Korrespondent" zunächst verhandelt. Hier lagen in der Hauptsache Anträge auf Einführung des Obligatoriums des„Korrespondenten" vor. Von feiten der Befür- Wörter dieser Anträge, darunter auch der Redacteur Rcxhäuscr, wurde ausgeführt, daß jene Einrichtung in hohem Maße zum Ausbau der Organisation beitragen würde und die Wege zur zweckmäßigsten Verteilung des Organs unbedingt gefunden werden würden. Die Gegner dieser Anträge hielten einer- seits diesen letzten Punkt für besonders schwierig wegen des fort- währenden Wechsels der Konditionen und andererseits die durch das Obligatorium entstehenden Kosten für zu hoch, da sie bei dem jetzigen Mitgliederbestände von 26000 ca. 60000 M. betragen wuroen. Ferner standen Anträge auf Vcrbilligung deS Abonnements pro Quartal von 1 M. auf 75 bczw. 65 Pf. zur Beratung. Nach zweistündiger Debatte wurde ein Schlußantrag angenommen (bei noch 30 vorgezcichncten Rednern) und die Einführung des Obli- gatoriums im Princip mit 45 gegen 30 Stimmen abgelehnt, da- gegen folgender Beschluß gefaßt: „Das Abonnement für den„Korrespondent" wird auf 65 Pfg. pro Quartal festgesetzt. Das Obligatorium ist den einzelnen Gauen zu überlassen." Die weitere Diskussion betraf die Einsetzung einer Preßkommission, die Ausstattung des„Korrespondent", Wünsche der Specialbranchen und Beschwerden gegen die Redaktion. Sämtliche Redner sprachen sich gegen Schaffung einer Preß- kommission aus. Der Redaktion wurde allseitige Anerkennung gezollt und einige vorgebrachte Beschwerden wegen Ablehnung von Artikeln durch erklärende Aussprachen erledigt. Die Abstimmung ergab die einstimmige Ablehnung sämtlicher, die vorstehenden Punkte betreffenden Anträge. Bei der nun folgenden Festsetzung des Geholtes für den Redacteur lvurde dasselbe von 2200 auf 2500 M. erhöht. Ferner soll den Redaktionsbeamten pro Jahr ein Urlaub von 14 Tage» ge- währt werden. Als Redacteur wurde Rexhäuser einstimmig wiedergewählt. Nunmehr wurde in die Beratung der Abändcrungsantrage zum Statut eingetreten. Die Aenderuug des Organisationstttels wurde abgelehnt, ebenso sämtliche Anträge zu den ßß 2 und 4, außer einer redaktionellen Aenderuug in letzterem betreffend den Beitritt von Auslernenden. Der§ 5, welcher den Ausschluß von Mitgliedern betrifft, zeitigte nach eingehender Debatte das Resultat, daß der Paragraph in der alten Fassung bestehen bleibt und demselben noch cin Zuiatz angefügt wird, wonach in außergewöhnlichen Fällen der Verbandsvorstand nach Zustimmung der Mehrheit der Gauvorstände einen Ausschluß vornehmen kann. Sämtliche anderen Anträge zum§ 5 waren damit erledigt. Die Schaffung eines Ausschusses begründete S e i tz- München. Er versuchte die Nützlichkeit einer solchen Einrichtung nachzuweisen an Fällen, wo der Centralvorstand verkehrte Maßnahmen getroffen und den davon Betroffenen keinerlei Berufungsinstanz zur Verfügung gestanden habe. Nicht gegen Personen soll sich der Antrag richten. I andern um die Interessen des Verbandes zu fördern, sei er gestellt worden. Da der Schluß der TagungSzeit herangerückt war, wurden die Verhandlungen abgebrochen. Der Riesenkampf im Baugewerbe scheint an einem Wendepunkt angelangt zu sein. Die Vermittlungs- versuche, die seitens deS EinigungSamtes des Gew e rb'e« gerichtS unter der Leitung des Vorsitzenden Affeffors von Schulz am gestrigen Tage fortgesetzt wurden, haben nunmehr das Ergebnis gezeitigt, daß sich beide Parteien bereits erklärten, auf einer bestimmten, allerdings in mehreren Punkten abweichenden Grundlage vor dem Einigungsamte des Berliner Gcwerbcgerichts zur Beilegung des Kampfes in Verhandlungen zu treten. Die Verhandlungen werden voraussichtlich am Sonuabendvormittag vor dem Berliner Gewcrbegericht stattfinden. Nachdem nun auch bei einem großen Teil der Unternehmer besonders in den letzten Tagen die Stimmung für eine Einigung zugenommen hat. erscheint eine baldige Beilegung des Kampfes auf dem Wege der angebahnten Verhandlungen nicht ausgeschlossen. Im übrigen hat sich die Situation im Laufe deS gestrigen Tages nicht wesentlich verändert. Arbeitseinstellungen haben nicht stattgefiiudcn, aber ausgesperrt wurden die Arbeiter auf zwei Bauten. Von einigen weiteren Firmen wurden die Forderungen bewilligt, so daß die Arbeit bei diesen aufgenommen werden konnte. Dadurch ist in der Zahl der Ausständigen und in der Zahl der Arbeitenden fast keine Veränderung eingetreten. Währenddem, wie es also den Anschein hat, die Berliner Unternehmer zu einer Verständigung bereit sind, suchen in einigen Provinzstädten die Maurermeister den Kampf auch auf die Provinz auszudehnen. So wird uns aus Waldenburg i. Schi. berichtet:„Hier wird jetzt eine große Bauthätigkeit entfaltet. Außerdem Bau einer katholischen Kirche wird auch der eines Hüttenwerks und vieler Privathäuser ausgeführt. Trotzdem konnten aus Berlin kommende Maurer keine Arbeit erhalten, sie wurden von den JnnungSmeistern zurückgewiesen. Diese wollen sich billige, g a l i z i s ch e Arbeitskräfte verschaffen.— Viel wird daS den Berliner Unternehmern nicht nützen, die ca. 2000 Maurer, die seit Ausbruch des Konflikts von hier abgereist sind. sind damit doch nicht ersetzt, und, so viel wir wissen, ist bis jetzt Zuzug aus der Provinz so gut wie gar nicht zu verzeichnen. Zum 27. Juni hat der Vorstand deS deutschen Arbeitgeber- bundes für das Baugewerbe alle Vorstände der in Deutschland be- gehenden Arbeitgeberverbände, Innungen und sonstige Korporationen nach Berlin eingeladen. Die Tagesordnung lautet: Stellung- nähme des deutschen Baugewerbes zu der Ar- beitseinstellung der Maurer in Berlin und den B o r o r t e n. Am Mittwochadeud haben eine Reihe don Arbeiterkategorien, die durch den Konflikt mit berührt sind, Versammlungen ab- gehalten, um ihre Matznahmen zu treffen. Ueber die einzelnen Versammlungen liegen unS folgende Be- richte vor: Die Rabitzputzer haben in einer am Mittwoch stattgefundenen Versammlung beschlossen, sich mit den ausständigen Maurern Berlins solidarisch zu erklären. Gegenüber den mehrfachen Versuchen, Rabitzputzer als Streikbrecher für die ausständigen Maurer zu verwenden, wurde allen Rabitzputzern zur Pflicht gemacht, alle derartigen Versuche seitens der Unternehmer entschieden zurückzuweisen und eher die eventuelle Entlassung ent- gegenzunchmen. Der Antrag: datz von dieser Woche ab jeder Rabitz- putzcr 3 M. pro Woche als Unterstützung für die ausständigen Maurer zu entrichten hat; ferner, datz an die Hauptkasse der Maurer eine sofortige Unterstützung von 500 M. gezahlt wird, gelangte nach längerer Besprechung einstimmig zur Aimahme. Die Bauarbeiter(Hilfsarbeiter) lokaler Richtung beschlossen, um ihre durch die Aussperrung der Maurer in Mit- leidenschaft gezogenen Kollegen genügend unterstützen zu können, datz die Arbeitenden von ihrem Verdienst 10 Proz. an den Streikfonds, so lange die Aussperrung dauert, abzuführen haben. Die Zimmerer der lokalen Richtung nahmen am Mittwochabend in einer sehr zahlreich besuchten Ver- sammlung Stellung zur Aussperrung der Maurer. Nach einem Referat des Vertrauensmannes Fischer und einer demselben zu- stimmenden Diskussion wurde eine Resolution angenommen, worin die Zimmerer den ausgesperrten Maurern ihre volle Sympathie er- klären und sich verpflichten, um etwaigen neuen Angriffen des Unternehmertums gerüstet gegenüberzustehen, wöchentlich IM. zum U n t e r st ü tz u n g s f o n d s zu zahlen, und zwar vom Sonn- abend, den 2t. Juni an. »» » An die Maurer Deutschlands. Vertrauensmänner- Centraltsation. Kollegen! Seit dem 14. Juni d. I. sind die Maurer Berlins von den Unternehmern in frivoler Weise ausgesperrt? auch unsere Kollegen sind durch diese Matzregel betroffen. Kaum sind die Streiks in Braunschwcig, Stralsund usiv. zu Ende geführt, so haben es sich die Berliner Unternehmer zur Aufgabe gemacht, die Organisation der Berliner Maurer zu zerstören, was ihnen natürlich nicht ge lingen wird. Da nun Streiks resp. Allssperrungen auch Geldkostcn verursachen und die Berliner Maurer immer die ersten waren und sind, welche andere Städte resp. Gewerkschaften unterstützten, so ist es nun auch Eure Pflicht, Kollegen, die Maurer Berlins zu unterstützen. Unterzeichneter ersucht nun alle Vertrauensleute unserer Richtung sofort alle überschüssigen Gelder an den Unterzeichneten, einzusenden und auch vor allen Dingen Zuzug nach Berlin fernzuhalten. Thue nun ein jeder seine Pflicht, Kollegen, damit nicht die Unter nehmer, sondern die Berliner Maurer den Sieg davontragen! Mit kollegialischem Grutz Carl Knöpchen, Thaerstr. 56, H. II, Berlin, Erster Vertrauensmann der Maurer Deutschlands. VertranenSnlänner- Centralisation. Parteilitteratur. Im Auftrage der Reichstags-Fraktion giebt die Buchhandlung Vorwärts den stenographische» Be- richt der Reichstags- Verhandlungen über die ZuchthanS- Vorlage als Agitationsbroschllre zu billigstem Preise zwecks Massenverbreitung heraus. Bei der voraussichtlich hohen Auflage bitten wir Bestellungen auf diese Schrift, die anfangs nächster Woche erscheinen wird, nicht an den Parteivorstand, sondern an die Buchhandlung Vorwärts, Benthstr. 2, Berlin SV., umgehend gelangen zu lassen; die Bestellungen werden in der Reihen folge des Einganges expediert werden. Genoffe Staroffon, Redacteur unseres ParteiblatteS in Rostock, hat am Dienstag eine Strafe von sieben Monaten Gefängnis an- getreten, weil er Minister und Richter beleidigt haben soll. Er wird sie hoffentlich ohne allzu große Schädigung seiner Gesundheit über stehen. Die ungarische Socialdemokratie hat im Alföld einen schönen Erfolg zu verzeichnen; in Mako, der Hauptstadt des Csanader Komitats, wurden bei den jüngst dort vorgenommenen Gemeinde- wählen vier Socialdcmokraten m den Gemeinderat gewählt. Es ist dies ein erfreuliches Zeichen des Anwachsens der socialistischen Feld- arbeiter-Bewegung. Dieser Wahlerfolg wird vor allem beivirken, datz die städtische Polizei von Mako in Zukunft das Versammlungs recht der Arbeiter mehr respektieren wird. Polizeiliches, Gerichtliches«Nv. — Wegen Beleidigung eines Mühlenbesitzers in Dobritz bei Meitzen, angeblich begangen durch eine Notiz im„Volksfreund", wurde dessen verantwortlicher Redacteur, Genosse Beyer in Dresden, vom Landgericht sBerufungsinstanAj z�u 2S0 Mark Geldstrafe oder 50 Tagen Gefängnis verurteilt. GewevkNsZÄfttichrs. Berlin nnd Umgegend. Lohnbewegung der Dachdecker. Eine Versammlung der Dachdecker und Berufsgenossen tagte am Mittwochabend im„Engl. Garten", um Stellung zu nehmen gegenüber denjenigen Meistern, die bisher die von den Arbeitern gestellten Forderungen nicht bewilligt haben. Nach dem Bericht der Lohnkommission haben bisher 65 Unternehmer die neunstündige Arbeitszeit und den Stundenlohn v o n 55 P f. bewilligt, so datz etwa 550 Dachdecker zu den neuen Bedingungen arbeiten. Es kommen noch 15 Unternehmer in Betracht, die die Forderungen noch nicht bewilligt haben, trotzdem die Innung die Forderungen der Arbeiter anerkannt hat. Nach einer längeren Diskussion wurde beschlossen, datz über die jenigen Geschäfte, wo die Forderungen nicht durchgeführt sind, die Sperre verhängt werden soll, wenn dies von mindestens der Hälfte der daselbst beschäftigten Arbeiter bei der Lohnkommission beantragt wird. Die Fliesenleger haben in der gestrigen Versammlung den Eintritt in eine Lohnbewegung beraten. Die Beschlußfassung wurde bis Montag ausgesetzt nnd eine Kommission mit der Aus- arbeitung eines Tarifs beauftragt. Bei der Firma Rosenfeld u. Co., Mohrenstr. 11/12, haben 47 Fliesenleger gestern die Arbeit eingestellt. Das Vorgehen derselben wurde von der Versammlung gutgeheißen und über diese Firma die Sperre verhängt. Den Ausständigen wurde eine Unterstützung von 3 M. pro Tag zugesichert. Der Beitrag wurde von dieser Woche auf 3M. pvo Woche festgesetzt. Der Streik der Steinsetzer ist beendigt. Die Innung hat gestern die sämtlichen ursprünglich von den Steinsetzern aufgestellten Forderungen unterschriftlich bewilligt nnd zwar bis zum 1. Januar 1S01. Die Steinsetzer haben also nunmehr die neunstündige Arbeits- zeit und 65 Pfennige Stundenlohn; Ueberstunden werden mit 25 Proz., Nacht- und Sonntagsarbeit mit 50 Proz. Aufschlag bezahlt. Die Zahl der Fünfzehmninnten- Pansen beträgt täglich sechs. Satten die Arbeltgeber vor acht Tagen den Schiedsspruch des inigungsamts acceptiert, dann wären sie wesentlich vorteilhafter davon gekommen. Datz dieselben jetzt so schnell nachgeben mutzten, ist aus das anerkennenswert objektive Ver halten der Behörden zurückzuführen, die nach dem Bekanntwerden des Schiedsspruches ihre abwartende Stellung aufgaben und auf die Fertigstellung der Arbeiten drängten. DaS mutz sogar von solchen Behörden konstatiert werden, die sich bei Beginn des Streiks offen gegen die Arbeiter erklärt hatten. Allerdings haben die letzteren es auch durch eine sehr geschickte Taktik verstanden, die Arbeitgeber fortgesetzt moralisch in Unruhe zu setzen. Sicher haben aber auch die Ausständigen durch ihr musterhaftes Verhalten während des ganzen Ausstandes dazu beigetragen, das moralische Ansehen der Steinsetzer, welches bisher— wenn auch vielfach mit Unrecht— kein allzu hohes war, in ganz bedeutendem Matze zu heben.Jst doch in den nahezu vier Wochen, die der Ausstand gedauert hat, nicht eine einzige Aus- schreitung, ja nicht einmal eine Verhaftung vorgekommen. dabei betrug die Zahl der Ausständigen anfänglich weit über 400. Vielleicht lernen gewisse Leute daraus, datz diejenigen, die die Leitung von Streiks«als Geschäft" betreiben, doch mitunter ganz nützlich sind. Es wird hiermit noch besonders darauf hingewiesen, datz die im Inseratenteil publizierte Versammlung unter allen Umständen heute abend stattfindet, nur daß die Tagesordnung entsprechend ge- ändert wird. Deutsches Reich. Zum Formerstreik in Leipzig erhalten wir mit der Bitte um Abdruck vom Streikkomitee folgendes: Es wird uns von verschiedenen Seiten die glaubhafte Mitteilung gemacht, datz von auswärts viel Gütz nach Leipzig kommt, also, daß viel Leipziger Arbeit auswärts gemacht wird; so zum Beispiel liegen Meldungen vor von Gera sChristian Kühn), Döhlen bei Dresden(Sächsische Gutzstahlfabrik). Wiltigsthal bei Johanngeorgen stadt(Nestler u. Breitfeld). Schönheider Hammer(Edler v. Querfurt), Dessau(Green u. Co.), Buckau bei Magdeburg(Gruson und Krupp), Schwelm i. Wests. Wir ersuchen die Kollegen allerorts, dem unterzeichneten Komitee Mitteilung zu machen, wenn Modelle aus Leipzig ankommen. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck ersucht. Das Streikkomitee der Former Leipzigs. I. A.: M. P füll er, Pantheon, Dresdenerstr. 20. Die lokal und central organisierten Metallarbeiter in Frankfurt a. M. haben sich geeinigt. Die Lokalorganisation löst sich auf und tritt mit ihren Mobilicn in den deutschen Metallarbeiter- verband über. Das ist angesichts der den Arbeitern bevorstehenden Kämpfe ein nachahmensiverles Beispiel von Einigkeit. Zimmererbewcgnng in Bade». Am Sonnabend kündigten sämtliche Zimmerer in Freiburg i. B.. da die Meister es ablehnten, mit der Lohnkommission zu verhandeln. Zuzug ist fernzuhalten. Die Arbeiterblätter werden um Abdruck ersucht. W. Engler, Turm seestratze 31, 3 Treppen. Freiburg i. B. AnSland. 4 Die Maffcnausspcrrung in Dänemark. Kopenhagen, den 20. Juni 1899. Gestern abend kam in der Stadtverordneten- Versammlung die von liberaler Seite an den Magistrat gestellte Interpellation über dessen Stellung zur Aussperrung zur Verhandlung. Die Vcrhand- lung gab den socialdemokratischen Vertretern Gelegenheit, die kapitalistische Brutalität, die sich in der Aussperrung offenbart, in scharfen Ausdrücken zu geißeln, sowie mit Nackdruck zu verlangen, datz die kommunalen Arbeiten, Bauunternchmungen usw. von der Kommune in eigener Regie ausgeführt lverden sollen. Die Antwort des Magistrats war, wie erivartet, sehr zahm. Bis jetzt. hat er auch nichts gethan, um etwas von dem Schaden zu heilen, welchen die Aussperrung angerichtet hat. Ja, der Magistrat mutzte sogar zugeben, datz er den Unternehmern das Zugeständnis gcniacht hat, die Ausführung der Kommunalarbeiten bis nach Be- cndiguna der Aussperrung zu verzögern. Auf der anderen Seite fielen seitens des Magistrats zedoch auch Acutzerungen, welche den socialdemokratischen Forderungen gegenüber, die Arbeiten in eigener Regie ausführen zu lassen, entgegenkommen. Die Debatte gestaltete sich zu einer Niederlage für die aussperrenden Kapitalisten, welche sowohl von den Socialdemokraten als von den Liberalen scharf angegriffen wurden. Die reaktionären Vertreter der Kapitalisten wagten nickt einmal den Versuch, sich zu verteidigen. Man darf deshalb jedoch nicht glauben, datz eine Aussicht vorhanden ist. die Aussperrung sobald beendigt zu sehen. Im Gegenteil, sie wird mit derselben Rücksichtslosigkeit fort- gesetzt wie bisher. Denn was kümniert die Kapitalisten eine moralische Niederlage, so lange sie die Macht haben, die Ar- beiter tyrannisieren zu können. Man ersieht das am besten aus ihrer Stellung zu dem auf ihre Initiative ins Leben gerufenen Schiedsgericht. Diesem gegenüber fahren sie fort, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen, und deshalb ist vor der Hand noch keine Aussicht vorhanden, datz das Schiedsgericht ein Urteil abgeben oder datz die Aussperrung bald beendet werden wird. Gevufzks-Äettung. Unsere Edelsten und Besten. Es steht nunmehr endgültig fest, datz die beiden in der Sckwebe befindlichen Niesenprozesse gegen v. Kriegsheim und Genossen und gegen die Spieler vom Klub der Harmlose», v. K a y s e r und Genoffe» erst nach Beendigung der Gcrichtsferien zur Verhandlung gelangen können. Der Spieler- Prozeß hätte noch vor den Ferien erledigt werden können, wenn nickt seitens des an der Verteidigung beteiligten Rechtsanwalts D r. S ch a ch t e l auf einer Hinausschicbung des Ternnns zivecks weiterer Vorbereitung der Verteidigung verharrt worden wäre. Welchen Umfang der Prozetz v. Kriegsheim annehmen wird, geht sckou aus der Thatsache hervor, daß die Anklageschrift über 250 Foliosciten füllen soll und über 200 Zeugen geladen werden müssen. Um einigermaßen eine Ucbersicht über daS Zeugcnhecr zu ermöglichen, hat ein alphabetisch geordnetes Verzeichnis der Zeugen angelegt werden müssen. Die Anklage ricktet sich gegen 6 Personen: gegen'». Kriegsheim, dessen Frau und Schwägerin. seinen Prokuristen Witzmann, sowie die Agenten Jacob und Puchert, die nur in einem Falle der Beihilfe beschuldigt sind. Als Verteidiger werden in dieser Sache die Recktsanwälte Dr. Schwindt, Morris, Justizräte Dr. S e l l o und Staub und die Rechtsanwälte Lublinski und Schneider auftreten. Gegen die beiden weiblichen Angeklagten wird das Verfahren aus- gesetzt werden müssen, da sie sich außerhalb Deutschlands aufhalten. Beide Ricsenprozefse werden, obwohl sie vor verschiedene Kammern kommen, doch nicht gleichzeitig verhandelt werden können, da Justiz- rat Dr. Sello und Recktsanwalt Dr. Schwindt bei beiden Prozessen als Verteidiger thätig sind. Ein Diebstahls- und Hchlereiprozest besonderer Art beschäftigte gestern die achte Strafkammer des Landgerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurden der 22 jährige Goldarbeiter Rudolf Schlüter und der Uhrmacher Richard S w e n n vorgeführt. Schlüter legte ein offenes Geständnis ab. Er sei bei der Finna Belinonte u. Co. in der Königstratze seit Herbst vor. I. in Stellung gewesen. Um sich Geld zu verschaffen, habe er den ersten Diebstahl dadurch be- gangcn,>datz er eine Brosche entwendete. Er habe sie bei Sweun für M. verkauft. Die Brosche habe einen Wert von 30 M. gehabt. Von dieser Zeit an habe er sich vollständig unter dem Ein- lusse des Swenn befunden, der eine unheimliche Gewalt über ihn ausgeübt habe. Derselbe habe ihn aufgefordert, immer neue Sachen zu bringen. Er, Schlüter, habe von der Zeit an auch gestohlen, wo sich die Gelegenheit dazu bot, Brillantringe, goldene Ketten und sonstige Goldsachen seien zu Swenn gebracht worden, der Sachen, die einen Wert von annähernd 400 M. hatten, mit 30 bis 40 M. bezahlt habe. Wenn Schlüter nicht mit dem Erlöse zuftieden gewesen sei, so habe Swenn ihn mit Anzeige, mit Erwürgen und Tötschietzen bedroht. Als die Diebstähle entdeckt und beide Angeklagte verhaftet worden waren, seien sie gemeinsam in eine Zelle gesperrt worden. Hier habe Stvcnn auf ihn eingewirkt: Schlüter möge ihn nicht mit hineinziehen, Gwenn wolle ihm auch einen Verteidiger besorgen und im Gefängnisse die Selbst- beköstigung besorgen. Wenn er aus dem Gefängnisse herauskomme, wolle er ihm 1000 M. geben, damit er sich eine Existenz gründen könne. Auch möge Schlüter im Termine bekunden, daß Swenn ihm für die abgekauften Waren noch 200 M. schulde, damit der Kauf- preis nicht in einem so schlechten Verhältnisse zum Wert der Ware stehe. Der so bezichtigte Mitangeklagte Swenn behauptete, datz alle Angaben des Schlüterjunivahr seien, derselbe wolle ihn nur zu Grunde richten. Er räume ein, die Sachen gekaust zu haben, ohne aber zu wissen, datz sie auf unreelle Art erworben waren. Er habe Schlüter für einen Handelsmann gehalten und ihm wiederholt auch goldene Uhren in Zahlung gegeben. Schlüter gab zu, einmal eine solche er- halten zu haben, beim Versatz habe er dafür 10 M. erhalten.— Der Inhaber der Firma Belmonte u. Co. berechnete den ihm zu- gefügten Schaden auf 1100—1200 M. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten Swenn für den am schwersten zu Bestrafenden, er beantragte gegen ihn wegen getverbs- mätziger Hehlerei eine Z u ch th au s st r a's e von 2 Jahren und 5jährigen Ehrverlust, gegen Schlüter I Jahr 6 Monate Ge- f ä n g n i s. Der Verteidiger des Angeklagten Swenn. Rechtsanwalt Leonh. Friedmann, focht die völlige Glaubwürdigkeit des Mit- angeklagten Schlüter an, und suchte vor allen Dingen dem Swenn mildernde Umstände zu erwirken, indem er nur einfache Hehlerei für erwiesen hielt. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten Schlüter zu einem Jahre Gefängnis, den Angeklagten Swenn zu einem Jahre sechs Monaten Zuchthaus. fünfjährigen Ehrverlust und Polizei-Aufsicht. Eine Geschichte aus dem Tchöneberger Ratskeller. Ms in Schöneberg der dortige Ratskeller im Herbst 1396 verniietct werden sollte,' hatte der damalige Gemeindevorstand auch mit einem Angebot des Weinhändlers Böttcher zu rechnen. Und zwar hatte Böttcher am meisten geboten. Den Zuschlag erhielt jedoch ein anderer. dessen Angebot etwas geringer war. Herr Böttcher führte das auf eine Aeutzerung zurück, die der Gemeindcschöffe Seelmeyer in der nicht öffentlichen Sitzung des Gemeindevorstandcs ge- than hatte und die sich auf sein sittliches Leben bezog. Angeblich handelt es sich um die Wiedergabe der Mitteilung eines Gemeinde- Vertreters. B. strengte gegen Seelmeyer die Beleidigungsklage an und verklagte ihn zugleich auf Schadenersatz. Zu einem Urtei'l kam es vorläufig nur in der Strafsache. Seelmeyer wurde fteigesprochen. Die als Zeugen vorgeschlagenen Schöffen hatten vom Regierungs- Präsidenten die Erlaubnis zu einer Aussage über die Vorgänge in der Sitzung des Gemeindevorstandes n ich t erhalten. Das Schöffengericht führte aus, datzderAngeklagte straffrei bleiben mützte, selbst wenn erjene Aeutzerung gethan hätte, da eine Vertretung berechtigter Interessen in Frage komme. Als Mitglied des Gemeindevorstandes habe er in dessen Sitzung sagen können, was ihm über den Privatkläger mit- geteilt worden sei.— Die Regierung erhob den Konflikt zu Gunsten des Herrn Seelmeyer, indem sie betonte, datz S. auf keinen Fall seine Amtsbefugnisse überschritten habe. DaS Ober- Ver- Ivaltungsgericht erklärte indessen den Konflitt ftir nicht begründet, so datz dem Strafverfahren, wie auch den Civilstreit wegen der Entschädigung Fortgang zu geben ist. Präsident Persius bemertte m der Urteilsbegründung folgendes: Eine Ueberschreiwng der Amtsbefugnisie könnte nicht angenommen werden, wenn S. die Mitteilung eines Dritten in der ftaglichen Sitzung lediglich wiedergegeben hätte. Der Senat habe aber nicht die volle Ueberzeugung zu gewinnen vermocht, datz jene Mitteilung dem Angeklagten thatsächlich durch einen Gemeindeverordneten gemacht worden wäre. Da nun ein Konflikt nur dann begründet sei, wenn die Nichtschuld voll- ständig außer Zweifel stehe, so habe er hier nicht für be- gründet erklärt werden können. VerpÄknmlungen. Holzarbeiter-Berband. In der Bezirksversannnlung für W. und SW. wurde» nach einem Vorttage von B ö s k e folgende Wahlen vorgenommen: Als Bezirksleiter wurde W or litz�er und als Schrift führet Baumgart gewähtt, kommission für SW. H öfler, für W. F leischer, Dalle, ferner in die Werkstatt- Kontroll- Schmidt und BraunSdorf, Breitmann. Die Vergoldcr hörten in ihrer gutbesuchten Mitglieder- Ver« sammlung am 19. d. M. einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag des Dr. med. Freudenberg über:„Die Schwindsucht und ihre Bekämpfung." Keine Gewerbe, keine Arbeiterkategorie habe eine solche hohe Sterblichkeit in der Tuberkulose zu verzeichnen, wie die Vergoldcrei, nämlich 65 Prozent. Die vielen Staub- entwicklcr, als Metall. Bronze und Schachtelstaub, die Dämpfe von Leim, Masse, Lack, Terpentin und denaturierten, Spiritus, die häufige Unsauberkeit in Werkstätten und)Fabriken, die schlechte Luft, sind die Erzeuger von Tuberkelbacillen, oder der Todeskeime. Redner plädiert für thunlichste Verkürzung der Arbeitszeit, best- möglichste Ernährungsweise und viele Bewegung im Freien.— Hierauf bringt der Delegierte zum Frankfurter Gewerkschaftskongreß. S p ä t h e,>cinen Bericht.— Den m Brüssel im Ausstande befind- ticken Kollegen werden 200 M. als 2. Rate bewilligt.— Intern« Filialangelegeuheiten bildeten den Schluß der Versammlung. Verantwortlicher Redacteur: Rngust Jaeobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlaa von Max Babing in Berlin. Uehke Ltelszrirfsken und Vepesrszen. Dortmund» 21. Juni.(Privatdepesche.) Der Genosse Block, früher Redacteur der hier erscheinenden„Rhein. Wests. Arb.-Ztg.". jetzt an der„Sächs. Arb.-Ztg." in Dresden, wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wegen Beleidigung des Betriebs» führers der Zeche„Borussia." Stuttgart» 2t. Juni.(W.T.B.) Die Kammer der Abgeordneten nahm das neue Volksschulgcsctz mit 77 gegen eine Stimme an. Durck daS neue Gesetz wird eine erhebliche Gehaltserhöhung für die Küster und Abtrennung des Küsterdieustes vom Sckulamt,'ferner Extrabezahlung des Organistendienstes für die Volkssckullehrer, so« wie die definitive Anstellung und Gehaltserhöhung für die Lehrerinnen an Volks- und Arbeitsschulen geschaffen. Paris» 21. Juni.(W. T. B.) In den Wandelgängen der Deputicrtcnkammer wird versichert, D c l c a s j v habe das Ersuchen, ein neues Kabinett zu bilden, abgelehnt. Paris, 21. Juni.(W. T. B.) 7 Uhr 30 Min. abends. Bourgeois hat offiziell abgelehnt, die Kabinettsbildung zu übernehmen. London» 21. Juni.(W.T.B.) Unterhaus. Der Par- lamentssekrctär des Krieges W y n d h a m legte dem Hanse eine Bill betreffend militärische B a u t e n vor und erklärte, es handele sich hier um die Fortsetzung des militärischen Bautc>y-,csctzcS von 1897. Er verlange eine in Jabresraten rückzablbare Anleihe von vier Millionen Pfund<80 Mill. Mark) für Vcrteidignngswcrke, Kasernen und Schietzplätzc. ES werde mit der Vorlage keine neue Politik verfolgt, sondern die Regiening verlange nur, was augenblicklich dringend notwendig und auch für die Zukunft nützlich sei. Die Reichsverteidigung'müsse auptsächlich au; dem Mutterlaude und zwar auf einer Ueberlegen» irit zur See beruhen, obwohl Heer und Flotte zusammenwirken müßten. Rom, 21. Juni.(W.T.B.) Depntiertenkammcr. In nament- licher Abstimmung wird mit 221 gegen 15 Stimmen ein Antrag Mezza abgelehnt, welcher die Abänderungen der Ge» schäftsordnung verschieben will. Darauf wird die Sitzung geschlossen. Konstantinopcl» 21. Juni.(W. T. B.) Der SanitätSrat hat die Quarantäne für ägyptische Anküufte auf 12 Tage erhöht. Hierzu» Beilagen und llntrrhaltungellatt. nt. 143. iß. wm i. Ke'llllge des„JotiDürte" Kerlilltt lolblilntt. smkM. N I°°1 18SS. Neichsksg. V3. Sitzung Mittwoch, 2t. Juni 189S. 11 Uhr. Am Tische des Bundesrats: GrafPosadowsky.v. Blllow, Frhr. v. Thielmann. Eingegangen ist die Vertagungsvorlage durch die der Reichs- tag bio zum 14. November vertagt wird. Aus der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der d r i t t e n Beratung des Handclöprovisoriums mit England. Die Kommission an die es am Montag verwiese» worden war, empfiehlt unveränderte Annahme nach den Beschlüssen der zweiten Lesung. Das Haus beschließt demgemäß. Es folgt die e r st e Beratung dcszweitenNachtragSetats bctr Abtretung der Karolinen-, Palau- und Mariancn-Jnscln an Deulichland, in Verbindung mit dem Nachtrag zu dem Kolonial- erat, dem Anleihegcsetz und dem Handelsabkommen mit Spanien. �l�fäüdignng an Spanien für die Abtretung der Inseln werden 1K 750 000 M. gefordert und als Zuschuß zur Bestreitung der Ausgaben für die Verwaltung der Inseln 465 OOO M. Staatssekretär von Bülow: Durch die Erwerbung der Karolinen, der Marianen und der Balau-Jnseln wird unser Besitz in der Südsee zu einem zusammen- bangenden Ganzen gemacht. Wären diese Inseln in den Besitz einer andereren Macht übergegangen, so wäre unser Schutzgebiet dort zerrissen. Die Erweiterung unserer dortigen Macht- Iphare ist nützlich und notwendig. Dadurch wird auch un, er bisheriger Besitz ergiebiger. Dazu kommt, daß Handel und Verkehr aus jenen Inseln fast ausschließlich in den Händen der deutichen Jaluit-Gesellschaft liegt. Ich will hier nicht an die kühne Seglerin Phantasie appellieren, ich will es nicht niachen, wie das Milchmädchen in der Fabel von Lafontaine. Aber es muß gesagt werden, daß in unsere», Besitztum dort Keime vorhanden sind, die weiterer Entwickelung sähig sind. Ohne der spanischen Verwaltung zu nahe zu treten. muß ich doch sagen. daß sie der bisherigen Entivickelung nicht förderlich war. llntcr deutscher Herrschaft wird der Plantagenbau aufblühen, deutscher Fleiß und deutscher Unternehmungsgeist werden bald die erfreulich st en Ergebnisse hervorbringen. Von besonderer Wichtigkeit ist, daß nnsere ncucrworbenen Inseln vorzügliche Häsen und Ankerplätze cnt- halten. Zwischcii China und Nenguiuca besitzen wir bis jetzt keinen ein- zigen guten Hafen. Die Bevölkerung der»euen Inseln wird uns als gut- artig, anständig und geschickt geschildert. Wir>v erden nicht dieser bild- samcn Menschengattung sehr human umgehen, eingedenk unserer höheren Kultur und christlichen Gesittung. Die deutsche Verwaltung will dort von vornherein auf den kostspieligen militärischen Apparat der spanischen Regierung verzichten. Ich komme jetzt zu dem Punkt, wo die Gemütlichkeit aufzuhören pflegt, zu dem Kostenpunkt. Unisonst waren die Inseln wirkliä, nicht zu haben sHeiterkcit). auch gicbt es für Südsee- Jnscln noch keinen Preiskurant(Heiterkeit). Doch glaube ich als getvissenhaster Mann Sie versichern zu können, daß wir sie preiswert erhalten haben(Heiterkeit). Ich erinnere daran, daß Amerika seinerseits zehn Millionen Dollars für die Karolinen geboten hat. Der Preis, den wir bezahlen, ist wesentlich niedriger, nmsomehr, als wir uns keinerlei Bedingungen haben auferlegen lassen. Das Geschäft, das wir mit Spanien abgeschlossen, ist ein ehrliches Geschäft, bei dem es keine llebervorteilung giebt. Für Spanien waren die Inseln Bnichstücke eines eingestürzten Baues, für uns sind sie Grundsteine eines neuen das so Gott will, hoffnungsvollen Gebäudes. Wir hoffe», daß und von Jhneii, meine Herren, gutgeheißen werden wird.(Beifall.) Abg. Lieber(C.): Meine politischen Freunde sind geneigt, die zur Erwerbung der Karolinen notwendigen Mittel zu bewilligen. Wir betrachten diese Erwerbung zwar nicht als ein wclterschütterndcs Er- e i g n i S. Es wird eine schwere, hingebende Arbeit der Deutschen noiwendig sein, damit die Hoffnungen, die der Herr Staatssekretär hier ausgesprochen, sich erfüllen. Was der Herr Staatssekretär über die Inseln und ihre Bewohner geäußert, deckt sich niit dem, was wir auch anderweitig durch zuverlässige Berichte erfahren haben. Wir müssen anerkennen, daß es sich bei diesen Erwerbungen um einen neuen großen diplomatischen Erfolg Deutschlands handelt. Auch der Preis dürste angemessen sein. Wir sind daher dem Herrn Staatssekretär und unscn'n Botschafter in Madrid alle Anerkennung schuldig. Redner äußert dann noch einige Wünsche bezüglich ausreichender Gewähr für die Thätigkcit der deutschen Mlssioiisgesellschasten in den Neuerwerbungen. Wir sind ferner für geregelte Handelsbeziehungen mit Spanien, und auch für die vorläufige Auftechterhaltung des Meistbegünstigungsverhälmisscs. doch so, daß uns nach Ablauf des Handelsvertrages volle Freiheit bleibt. Im allgemeinen halten meine Freunde eine Kommissions- Verhandlung für alle Dinge, wo Gcldforderungen in Betracht komii en. für durchaus notwendig. Doch wollen sie diesmal von der- selben abschen und haben nichts dagegen, daß die zweite und dritte Beratung sofort im Plenum vorgenommen wird; aber nur als Ausnahme. Staatssekretär Frhr. v. Richthofcn erlvidert dem Vorredner, die Meistbegünstigung solle Spanien ein halbes Jahr über die Dauer der Handelsverträge behalten, doch sei das ohne Bedeutung, da Spanien dann nach den Sätzen des neuen Zolltarifs behandelt werden würde. Abg. Hasse(natl.) erklärt sich im wesentlichen mit den Ausführungen de? Abg. Lieber cinverstandem Den Preis für die Jnscln betrachten auch wir als an- gcinesscn. Abg. Graf Kanitz(k.) schließt sich der Ansicht dcS Abg. Lieber bezüglich des Meist- begünstigungsverhältnisses an. Es wäre vielleicht gut, ein Zusatz- abkommen mit weitergehenden Zugeständnissen von Seiten der spanischen Regierung zu vereinbaren. Abg. Wiemer(frs. Vp.): Wir sind nicht grundsätzlich Gegner jeder Kokonialpolitik. Doch die Erwerbung der Südsee-Jnscln scheint uns das Muster für die Kolonialpolitik, wie sie nicht sein soll. DaS Kaufgeschäft erfüllt uns nickit mit überschwenglicher Begeisterung. Ich verkenne die diplomatischen Fähigkeiten des Herrn von Bülow keineswegs, aber wenn sein Ruf allein von diesem Kaufgeschäft abhängen sollte, so würde er sich des Vertrauens nicht erfreuen, das er jetzt genießt. 17 Millionen sind eine hübsche Summe. Wir wollen sie nicht zum Fenster hinauswerfen. Die Bevölkerung der Jnscln besteht aus Spitz- bliben, Räubern u. dgl.; und diese sind wirklich zu teuer bezahlt. Fürst Bismarck hat schon die Karolinen eine Lumperei ge- nannt, wegen deren ein Krieg mit Spanien nicht lohne. Diese neuen Kolonialcrwerbungcn werden sicher zu immer weiterenAns- gaben führen. Denken Sie an die wieder anfs neue entfachte Flottcnagitation! Wir sind deshalb nicht geneigt, uns auf die Sawe einzulassen; wir halten diese neueste Erwerbung für über- flüssig und unnütz.(Beifall links.) Staatssekretär v. Bülow: Ich werde mich möglichst kurz fassen. Ich glaube, daß wohl eine ungeschickt insccnierte, aber nicht eine mit Bedacht ins Werk gesetzte Kolonialpolitik gegen den Wunsch weiter Kreise des Volkes ist. Und daß die neueste Erwerbung nicht ungeschickt bewerkstelligt ist, ist aus der Mitte deS bohen Hauses in einer Weise bestätigt worden, für die ich mich zum wärmsten Danke vcrvflichtct fühle.' Bei der Schilderung der Inseln, die der Herr Vorredner gab, haben mir die Haare zu Berge gestanden(Heiter- keit), doch tröste ich mich damit, daß er die Inseln so wenig kennt, wie ich. Die Schilderungen, die Augenzeugen, Vice-Admiral Knorr zum Beispiel, entworfen haben, lauten ganz anders. Die große und namentlich die auswärtige Politik kann nicht lediglich nach Grundsätzen von Adam Riese geleitet werden. Die blühenden australischen Kolonien sind aus der Nicderlaffung von Deputierten(Große Heiterkeit), verzeihe» Sie, meine Herren, von Deportierten hervorgegangen. Die meisten Ausführungen des Herrn Vorredners erinnere ich mich, in der„Freisinnigen Zeitung" gelesen zu haben.(Heiterkeit.) Wir werden die Verwaltung dieser Jnscln nach weitherzigen Grundsätzen regeln. Wenn Fürst Bismarck erklärt hat, die Karolinen seien leinen blutigen Krieg wert, so ist das richtig; aber an und für sich sind diese Inseln keine Lumperei, sondern etivas GutcS.(Heiterkeit.) Fürst Bismarck hat auch deshalb keinen Krieg um die Karolinen begonnen, um die monarchische Staatsform in Spanien nicht zu erschüttern(Bravo! rechts und im Centrum); er sagte. um diesen Preis wolle er die Inseln nicht erwerben, selbst wenn sie mehr wert seien, als in der That der Fall.(Hört, hört! links. Heiterkeit.) Ich bin überzeugt, noch unsere Enkelkinder werden sich unseres schönen Südseebesitzes freuen.(Lebhafter Beifall rechts, im Centrum und bei den Nationalliberalcn.) Abg. Graf Arnim(Rp.) begrüßt die Erwerbung. Es kommt nicht auf die Einwohner, sondern darauf an, was sich aus dem Lande machen läßt. Herr Wiemer vergißt ganz, auf das Gcivinnconto die nationale Bedeutung des Erwerbs zu setzen, denn dafür haben die Herren keinen Sinn. Die Inselgruppen eigne» sich sehr wohl zur Arrondiernng. Abg. Liebknecht(Soc.): Es ist heute nicht der Tag um auf unsere gesamte Kolonial- Politik ausführlich einzugehen. Geiviß gicbt es auch eine Kolonial- Politik, die gebilligt werocn kann, aber das ist nicht die, wclcke heute in Deutschland getrieben wird und sie ist auch heutzutage in Deutsch- land gar nicht möglich. Eine Politik, die einen ganze» amerikanischen Weltteil, die Asien, die Australien besiedelt hat, das ist Kolonial- Politik, die jeder verteidigen wird. Jetzt ist ja aber bereits alles verteilt, was sich irgend wie als neue Kolonie eignen könnte. Als Fürst Bismarck hier mit seinem Samoaplane kani. da sagte ich ihm schon:>vir haben bloß noch die Splitter, sonst ist alles im Besitz anderer Volker. Was haben wir denn bis jetzt? Zunächst die aftikanischcn Kolonien. Ich glaube es brummt dem Herrn Staatssekretär der Kopf, wenn er diese nur nennen hört. (Heiterkeit.) Dort haben wir nichts als Schinipf und Schande und Nachteil für unseren Ruf gehabt.(Sehr richtig! bei den Socialdemokratcn; Widerspruch rechts.) Ebenso haben wir von unserer Erwerbung in China keinen Vorteil gehabt, in den Besitz von China teilen sich England und Rußland. Ich komme nun zu den Karolinen. Sind dieselben denn etwa das wert, was wir dafür bezahlen sollen? Wenn man nach der uns vorgelegte» Denkschrift urteilt, die allerdings weit verständiger abgefaßt ist als die Denkschrift, von der gestern die Rede war, so ist der Wert dieser neuen Kolonie absolut gleich Null. Einen Vorteil hat ja der Erwerb dieser Kolonie, wir haben daS Land nicht geraubt, sondern gekauft; aber es ist ein sehr schlechter Kauf. Die Spanier sind jedenfalls nicht die Betrogenen dabei. Die Amerikaner, denen sie angeboten waren, haben diese Inseln verschmäht und haben sie den Deutschen gelassen. Wir haben sie viel zu teuer bezahlt, ganz abgesehen von den Ausgaben, die die Verwaltung uns noch verursachen wird, für das nächste Jahr allein ist ja bereits fast eine halbe Million gefordert. Das Klinia soll ja dort sehr gut sei», so daß sich die Errichtung cincS Sanatoriums empfehlen würde. Aber des- wegen werden von Deutschland keine neuen Kolonien erworben, sondern nur,»m neue Flottrnstationcn zu haben. Deshalb ist meine Partei principiell gegen alle derartigen Neu- Erwerbungen. Es handelt sich hier gar nicht um die Zivecke, die öffentlich dargelegt werden, sondern es wird mit aller Macht darauf hingearbeitet, Teutschland dem Chauvinismus zu Wasser in die Arme zu treiben. Es ist ja ausgesprochen worden: Deutschland solle nicht nur durch seine Militärmacht die größte Macht sein, sondern mit seiner Flotte wenigstens den' größeren Mächten gleichkommen. DaS ist aber eine Aufgabe, die Deutsch- land unter keinen Umständen erfüllen kann. (Sehr richtig I links.) England würde ebenso zu Grunde gehen, wenn es neben seiner Seemacht ein solches System des Militarismus einführen wollte, wie Deutschland. Eine große Militärmacht und Flottenmacht zugleich kann eben kein Staat sein. Es ist daS thöricktste Wort, das jemals gesprochen ist: Die Zukunft Deutschlands liegt auf dem Wasser. Nein, die Zukunft dcS Deutschen Volkes liegt hier im eigenen Lande(Sehr wahr! links). Wie wenig für die Freiheit im eigenen Lande gesorgt ist, beweist schon, daß wir jetzt in kurzem hier im Reichstag wieder das Zuchthausgesctz berate» werden. (Sehr gut, links). Heute haben es die meisten bereits begriffen, wozu Kolonialpolitik gemacht wird. Die Regierung braucht glänzende Aktionen nach außen,' um den Blick von den Zuständen im Innern des Landes abzuwenden. Eroberungen zu Lande können jetzt von Teiiftchland nicht gemacht werden, da macht man Eroberungen zu Wasser. Wenn die Regierung aber wirklich das Wohl Teiitschlands im Auge hätte, dann würde sie zunächst ihr Augenmerk auf die entsetzlichen Zustände im Innern richten. Während man aber, um die Freiheit des deutschen Bürgers im Auslände zu schützen. Kriegsschiffe ausschickt, ist in Deutschland selbst jeder Bürger gewissermaßen vogelfrei und kann von dem ersten besten Polizisten anrticrt werden. Darum macht unS unsere Kokonialpolitik lächerlich und verächtlich in der ganzen civilisierten Welt.(Sehr wahr, links, Unnihe rechts. Glocke oeS Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Der Herr Abgeordnete Liebknecht darf nicht sagen, daß die Kolonialpolitik, welche die verbündeten Regierungen treiben, lächerlich und verächtlich ist. Ich rufe ihn dcS- halb zur Ordnung.(Bravo I rechts.) Abg. Liebknecht(fortfahrend): DaS habe ich nicht gesagt; ich habe gesagt, sie hat unS lächerlich und verächtlich gemacht. Heiterkeit.) Präsident Graf Ballestrem: Ich bitte fortzufahren. Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Abg. Liebknecht(fortfahrend): Die Engländer können sagen, wir ind wenigstens ein freies Volk zu Hause und wohin wir gehen, dahin bringen wir unsere Kultur und unsere Freiheit, was hat aber der Deutsche bisher im Ausland für die Kultur gethan? Nichts. Da sind die Wehlan und Leist, die am Schandpfahl der Geschichte 'teben.(Sehr richtig! links.) Der Engländer kann sich als freier eivis romauus fühlen, der Deutsche muß demütig sagen, n> c i» Haus ist das Zuchthaus.(Lärm rechts, sehr richtig! links.) Es ist öfter der Vergleich gezogen worden zwischen den Zuständen der römischen Kaiserzeit und der jetzigen. Damals gaben die Kaiser dem Volke wenigstens xaoem et, eirconses, Brot und Spiele. Die Spiele werden dem deutsche» Volke auch jetzt geboten aber mit den: Brote ist es schlecht bestellt. Während das römische Kaisertum dem Volke Brot umsonst gab, wird cS heute dem Volke verteuert.(Sehr wahr, links. Lachen rechts.) Nach Herrn Miguel soll ja jetzt der Zoll auf Getreide 5- bis kfach erhöht werden. Das gehört alles zu Ihrer Kolonialpolitik.(Zuruf rechts.) Auch mein Kollege Schippe!,� auf den Sie sich berufen, hat gegenüber der Kolonialpolitik gesagt: Außen hui und innen pfui! und er hat sie damit sehr gut gekenn- zeichnet. Wir sind also principiell gegen diese gesamte Kolonial- Politik, weil auch sie ein Teil dessen ist, was Deutschland die Signatur giebt: des ZuchthauSkurjes.(Lachen rechts; Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Mg. Dr. Paaschs(natl.): Wenn das Deutsche Reich so ein Zuchthaus wäre, wie der Abg. Liebknecht behauptet, dann müßte man allerdings die armen Ein- geborenen bedauern, die unter die Gewalt eines solchen Staates kommen. Weder Herr Liebknecht, noch Herr Wiemer haben etwas vorgebracht, was nicht schon in der Oppositionspresse zu lesen ge- ivesen wäre. Den vortrefflichen Ausführungen des Herrn Staats- sekretärs habe ich nichts hinzuzufügen; mit den weitesten Kreisen unseres Volkes freue ich mich über diese Erwerbung; desgleichen freue ich mich, daß durch den Vertrag, durch die Geschicklichkeit unseres Vertreters zu Madrid, des Herrn von Radowitz. der unsere Industrie sehr schädigende Zollkrieg mit Spanien beendet ist. Ich hoffe, daß, wenn wir einen neuen Handelsvertrag mit Spanien schließen werden, derselbe die Fehler des jetzigen vermeiden und für Deutschland günstiger sein wird. Abg. Schräder(frs. Vg.) erklärt im Namen seiner Freunde, daß sie nicht allen Kolonial- erwerbungen zustimmen können, aber auch nicht principiell solche verwerfen. Was die jetzige Erwerbung anlange, sei anzuerkennci?. daß sie auf ehrlichem Wege erfolgt sei. Auch sei zuzugestehen, daß die diplomatische Aktion der Regierung sehr geschickt ms Werk gesetzt worden sei. So könne er sich trotz mancher Bedenken, die er nicht unterdrücken könne, im Namen seiner Fraktion für die Vorlage aussprechen. Zu hoffen sei, daß die Behandlung der Angeborenen eine menschenwürdige und die Verwaltung eine weitsichtige sein möchte. Abg. Deinhardt(natl.) (auf der Tribüne unverständlich) spricht über die Konkurrenz der spanischen Weine. Abg. Dr. Rösicke- Kaiserslautern(B. d. Landw.) teilt die Bekürchtungen des Abg. Deinhardt bezüglich der gefähr- lichen Konkurrenz, die den deutschen Weinen seitens der spanischen Weine droht. Die Karolinen seien nicht eine absolute, sondern höchstens eine relative Lumperei. Gewiß seien die nationalen Gesichtspunkte in erster Linie maßgebend, dock müsse man sich auch fragen: sind die Inseln der Opfer wert? Der Staats- sekretär habe gesagt, nnsere Enkel würden sich der Erwerbung freuen; möchten sie aber'auch nicht in die Lage versetzt werden, den dafür gezahlten Preis zu teuer zu finden. Unterstaatssekretär v. Richthofcn erklärt, die Festlegung der Meistbegünstigung auch über den Ablauf der Meistbegünstignngs- Verträge heraus könne der deutschen Industrie keinen Nachteil bringen. Abg. Dr. Lieber(C.) hält die Erllärnngen der Regicrnngsvertreter für ausreichend und fragt an. ob den Jesuiten die Missionsthätigkeit auf den neu- ettvorbenen Jnscln gestattet werden würde. Staatssekretär v. Bülow erklärt, das Jesuitenacsetz gelte in den Schutzgebieten nicht._ Die Missionare der verschiedenen Konfessionen, auch die Jesuiten, wurden gleich behandelt werden. Nach einer kurzen Polemik zwischen dem Abg. Rösicke« Kaiserslautern und dem Unterftaatsselretär v. Nichthofc» schließt die Debatte. Damit ist die erste Lesung beendet. In der unmittelbar sich daran anschließenden zweiten Lesung werden der Nachtragsetat und die vier Vorlagen dcbatteloS angenommen. Hierauf wird die erste Beratung des ZuchthauCgesetzes fortgesetzt. Staatssekretär Graf PosadowSky: Meine Herren, es sind gestern Aenßerungcn gefallen, die un- widersprochen zu lassen ick mit meiner Pflicht nicht vereinbaren könnte. In dein Augenblick, wo es bekannt wurde, daß ein Gesetz, wie das vorliegende, eingebracht werden würde, wurde in der Presse bis tief in die demokratische hinein die Not- wendjgkcit anerkannt, gewissen Ausschreitungen der Koalitionsfreiheit entgegenzutreten.(Widerspruch links.) Als das Gesetz selbst dann kam, war man überrascht darüber, daß nicht schärfere Bestimmungen darin enthalten waren. Seitdem ist der Barometerstand gegenüber diesem Gesetz erheblich gesunken.(Allerdings.) Welche mereorolo- gischen Einflüsse dafür maßgebend gewesen sind, daS wage ich uicht zu entscheide». Ich muß aber gegenüber manchen gestrigen Ausführnngen feststellen, wie das Geietz zu stände gekommen ist (Zuruf: Oeynhausen!) Herr Lenzmann versuchte es. einen Gegensatz zwischen dem Rcichspolizciamt— wie er das Reichsamt des Innern nannte— und dem Reichsjustizamt zu konstruieren. Das ist sehr verfehlt. Beides sind Organe des Reichskanzlers. Eine verschiedene Auffassung zwischen den beiden Ressorts ist staatsrechtlich ausgc- schlössen. Das Reichsjustizamt war bei allen Phasen der Aus» arbeitung vollständig gleichberechtigt beteiligt.(Hört! hört!> Und um jeder Lcgcndcnbildung vorzubeugen, erkläre ich, daß daS Gesetz in dieser Fassung einstimmig von allen Regierungen beschlossen worden ist.(Hört! hört!) Es sind hier auch Angriffe gegen die Denkschrift laut geworben. Herr Nieberding hat bereits gesagt, daß die Denkschrift gar nicht dazu ist, um die einzelnen Paragraphen des Entwurfs zu begründen, sondern lediglich, um ein Bild von den Arbeiterkämpfen der Zeit zu gebe».(Zuruf: Und was für eins!) Bei der Zusanmienstellung sind ivir ganz unparteiisch verfahren(Große Heiterkeit), indem wir sogar Aeußcrungen aufgenommen, die vielleicht einer berechtigten Kritik unterliegen(Schallende Heiterkeit), nur um das Material Ihnen vollständig vorlegen zu können. Wenn wir vorwiegend nur Polizeibehörden. Staatsanwälte usw. gehört haben, so war dies in diesem Falle der einzig richtige Weg.(Heiterkeit) Wir konnten doch nicht die Parteien selbst, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer fragen, wie fragten daher d i t unparteiischen Organe des Staats(Stürmisches Gelächter). Ja, meine Herren, wenn Sie die Unparteilichkeit der Staatsorgane angreifen wollen, so wird das im Ausland nicht schmeichelhaft für uns wirken: ich würde das als Abgeordneter nicht tyun. Bei der Kritik der Statistik wurde in gehässiger Weise gegenüber- gestellt die Bestrafung von Unternehmer» und Arbeitern. Ich habe selbst hier erklärt, ich wünschte, daß die Vergehen der Unternehmer mit der vollen Strenge des Gesetzes geahndet werden(Ruf: Geschieht aber nicht!) Aber jene Gegenüberstellung ist nicht zutreffend. Denn bei dem Terrorismus der Arbeiter kommen deren meiste Vergehen gar nicht zur Anzeige, zudem ist eine Masse dieser Ausschreitungen gesetzlich gar nicht zu fassen. Dazu ist ja gerade das gegen- wärtige Gesetz da. Man hat sich auch darüber aufgehalten, daß in der Denkschrift derselbe Streik immer wiederkehrt. Das ist aber ganz natürlich. Denn bei einem großen Streik kommen eben die verschiedensten Vergehen vor. Was den Terrorismus der Arbeiter betrifft, so will ich Ihnen nur ein Schreiben anführen, das mir gestern von einer sehr an« gesehenen Person Lbersandt wurde— ich habe bereits telcgraphisch recherchieren lassen, aber leider bis jetzt noch keine Antwort erhalten. (Heiterkeit.) Der Betreffende teilt uns da mjt, daß in der Stadt, wo er lebt, der Terrorismus der Streikenden so zugenommen hat, daß er .sich auch auf die Schulkinder in der Schule er st reckt. (Große Heiterkeit.) Die Schulkinder der Streikenden maltraiticren und chikanieren die Schulkinder dcrArbeitswilligcn in eincrWeise, daß letztere gezwungen sind, die Arbeit niederzulegen, nur um ihre Kinder zu schützen.(Schallende, lang anhaltende Heiterkeit. Redner, erstaunt, inackt längere Pause. Zuruf: Wo war denn das?) Ja. das kann ich Ihnen erst mitteilen, wenn meine Recherchen zurückgekommen sind.(Erneute Heiterkeit.) Herr Bebel hat gesagt, die Regierung hätte Jahrzehnte hin- durch bestritten, daß der 8 133 der Gewerbe-Ordnuna auch auk llnteniehmer anwendbar sei.(Abg. Bebel: Habe ich gar nicht gesagt!) So, dann hat das einer Ihrer Freunde gesagt(Zuruf: Hat ja noch keiner gesprochen!) oder ein anderer Abgeordneter. (Grobe Heiterkeit.) Jedenfalls war dieser Angriff nicht' berechtigt. Die Regierung war stets der Ansicht, dah er anwendbar sei. Nur »iicmte sie. tue Judikatur sei da zu verschieden, und daher hat sie jetzt exprossiz verbis den Antrag Hirsch in das Gesetz aufgenommen. Ich bleibe auch dabei stehen, daß 18S1 die Socialdcmokraten der Ansicht waren, daß die Anwendung jener Mittel, die wir jetzt unter Strafe stellen wollen, wirklich straffällig sei. Was die schwarzen Listen anlangt, so sind dieselben vollkommen identisch mit dem Bovkott der Arbeiter gegen Unternehmer.(Wider- spruch links.) Ich gestehe ein, das; auch ich sie für bedenklich halte, da sie häufig Unschuldige mit den Schuldigen treffen. Aber auch beim Boykott werden viele Personen geschädigt, die mit dem ganzen Arbeiterkampfe nichts zu thun haben. Wenn wir die schwarzen Listen bestrafen, dann müssen wir auch den Boykott bestrafen. Und diesen Eingriff in den wirtschaftlichen Kampf wollten wir nicht machen. Im übrigen waren die Ausführungen von einem Teil der Redner eigentlich für die Vorlage(Z„ruf: Ig wohl, von Arendt!), denn cS wurde dargelegt, daß in Unternchmerkrcisen terroristische Mittel von Syndikaten angelvendet werden. Nun, diesen Unter- »ehniern soll ja gerade die Vorlage zu Leibe gehen.(Laiben links.) Ein Redner hat sich auch darüber beschwert, daß nur die Arbeits- willigen gegen die Streikenden geschützt werden sollen, nicht aber die Streikenden gegen die Arbeitswilligen. Nun, wir sind ja mit Freuden bereit, diese Lücke in dem Gesetz auszufüllen. Ich mutz aber sagen, batz wir noch nie etwas von einem Terrorismus der Arbeitswilligen gegen Streikende gehört haben. Wenn schlictzlich gesagt worden ist, daß eines der ersten Opfer des Gesetzes Herr von Podbielski sein würde, so haben die Herren eben vergessen, daß die DiSciplinargewalt der vorgesetzten Behörde durch dieses Gesetz zum Schutz des gewerblichen Arbeits- Verhältnisses überhaupt nicht berührt wird. Im allgemeinen will ich Ihnen noch eins nahe legen: Wollen Sie sich gütigst der politischen Kämpfe um die Erlangung einer Verfassung erinnern. Da geht als das Palladium der Ver- fassung stets der Schutz der persönlichen, der bürgerlickicn Freiheit. Und hier ist Ihnen die persönliche Freiheit der Arbeitswilligen so gleichgiltig, daß Sie sie einer Minderheit oder einigen Agitatoren preisgeben wollen(Heiterkeit und Unruhe). Der Streik wird durch Proklamation von wenigen Personen eingeleitet, die leider gleichzeitig Geschworene, Richter und Excku'toren sind. Darin liegt eben das Unerträgliche. daß die Mehrheit sich diesem Despotismus fügen muß. Mit welcher Härte wird es doch von Ihnen stets beurteilt, wenn irgend ein unter- geordneter Polizeibcamter sich gegen die persönlickie Freiheit eines einzelnen vergeht. Da sind Sie über alle Maße» empfindlich. Aber gegen einen Arbeitswilligen lassen Sie dasselbe ruhig hin- gehen. Es wurde uns ferner vorgeworfen, daß wir uns auf die ausländische Gesetzgebung bezogen haben.(Ruf: Nein, daß Sie sich salsch bezogen haben I) Herr Lenzmann berief sich gestern auf ein ErkenntmS des Hauses der Lords. Ich habe gestern tofort nach London telegraphiert, aber leider bis jetzt noch keine Antwort erhalten.(Große Heiterkeit.) Nur das begreife ich nicht: In vielen anderen Fällen wird uns vorgeworfen, daß wir nicht die Gesetzgebung des Auslandes studieren, und hier, wo wir das ethan haben(Sehr große Heiterkeit), da machen Sie uns wieder araus einen Vorwurf. Zum Schluß noch eine Bemerkung: Der englische Socialpolitiker, den ich bereits vorgestern citiert habe, und der einen erhöhten gesetzlichen Schutz der Unorganisierten gegenüber dem Dcipotisnnis der englischen Gewerkvereine verlangt hatte, hat jetzt, 18S9. eine Broschüre ge- schrieben, in der er sagt: Er habe die Ueberzeugung, daß die eng- lische Arbeiterbevölkerung bereits ein so großes Schwergewicht im öffentlichen Leben erlangt habe, daß nicht mehr daran zu denken sei, ein Gesetz gegen die Himmel- schreienden Ausschreitungen der Trabes- Unions zu schaffen. Daher müsse das Publikum und die Unter- nchmerschast sich vereinigen, um jeden Arbeiter, der sich an einem Ausstande beteiligt, rücksichtö- loS von der Arbeit auszuschließen. Meine Herren, wenn es bei uns dazu kommen sollte, so wäre daS die be- dauernswerteste Erscheinung, die ich mir denken könnte. Es würden dann Monstre- Ausstände und Monstre- Aussperrungen entstehen. Eine Erbitterung ohne Gleichen würde Platz greife», die unicnn anzen innern Leben die schwersten Wunden schlagen würde. DeS- alb haben die verbündeten Regierungen die Vorlage eingebracht, in weiser Vorsorge, um durch eine verständige Beschränkung der Koalitionsfreiheit jene Zustände zu verhindern.(Beifall rechts. Lachen links.) Abg. Rösicke-Dessau(wildlib.): Besonders bedauerlich war es für mich, daß der Herr Staats- sekretär in seiner Rede den Glauben zerstört hat, daß das SieichS- Jnstizamt vielleicht doch einige Bedenken gegenüber der Vorlage ge- habt habe und ebenso bedauerlich, daß die Vorlage von den ver- kündeten Regierungen einstimmig angenommen ist. Ich hatte in der That geglaubt, daß einzelne Regierungen das Gefühl des BolkeS doch besser kannten.(Sehr gut I links.) Der Herr Staats- sekretär hat es getadelt, daß wir die Berufung auf daS Ausland nicht gelten lassen. So habe ich die Aeutzerungcn der Herren Vor- redner nicht verstanden. Man hat es nur nicht richtig gesunden, daß die Regierung sich immer nur dann auf das Ausland beruft, wenn es ihr paßt(Sehr richtig I links), niemals jedoch, wenn im Auslande Fortschritte zu verzeichnen sind. Herr Bassermann hat darauf hingewiesen, daß auch die Arbeit- aeber seiner Partei der Vorlage ablehnend gegenüber stehen. Mir scheint diese Erklärung von größter Bedeutung zu sein. Auch ich kann mich diesen Arbeitgebern anschließen. Ueberhaupt steht ja wohl die große Mehrheit dieses Hauses auf demselben Standpunkt, selbst die Konservativen, denn Herr v. Levctzow hat ja nur sein Einverständnis mit den ersten beiden Paragraphen erklärt. (Widerspruch rechts.) Nein? Dann bedaure ich, daß ich diese gute Meinung unrechtmäßigerweise von Ihnen gehabt habe. Bis jetzt traute ich nur Hern, Arendt eine vollständige Uebereinstimmung mit der Vorlage zu.(Heiterkeit.) Herr Arendt sprach ja wohl gestern als Vertreter des geistigen Vaters dieser Vorlage, des Herrn von Stumm. Ich muß gestehen, daß ich in diesem Falle Herrn v. Stumm lieber selbst gehört hätte. Er hätte seine Vorlage doch wohl besser verteidigt, allerdings ist ja gewiß schwierig von Dingen zu reden, von denen man gar nichts versteht;(Sehr gut, Heiterkeit links. Unruhe rechts.) denn die Rede des Herrn Arendt gipfelte schließlich darin, daß er sagte, wir sind sür Koalitionsfreiheit, aber die Vorlage bedeutet nur den ersten Schritt auf diesem Wege. Das Verständnis für diese Logik geht uns ab, die wir der Meinung sind, daß der Gesetzentwurf den ersten Schritt zur Untergrabung der Koalitionsfreiheit bildet.(Sehr richtig links.) Dieser Gesetzentwurf bedeutet nicht nur einen Schlag gegen die Koalitionsfreiheit, sondern auch einen Schlag gegen de» Reichstag.(Sehr richtig! linls.) Der Reichstag hat wiederholt zu erkennen gegeben, daß er die Koalitionsfreiheit, wie wir ste haben, nicht für genügend hält. Er konnte eine solche Vorlage um so weniger erwarten, als von seiten der verbündeten Regierungen die feierliche Erklärnng abgegeben ist, daß das Verbot des Jnverbindungtretens politischer Vereine ausgehoben werden solle, und diese feierliche Er- klärung noch biS heute nicht eingelöst ist.(Sehr richtig! links.) Am allerwenigsten ist aber der jetzige Zeitpunkt geeignet zum Ein- bringen einer solchen Vorlage. Wir stehen in der Zeit einer ge- waltigen industriellen Eiitwickelung und da wäre eS die Aufgabe der Regierung, dafür zu sorgen, daß womöglich alle Klassen der Be- völkerung von dieser EntWickelung Nutzen haben, und nicht an letzter Stelle die Arbeiter. Ich stimme mit Hern Bebel aber durchaus darin Lberein, daß die Löhne der Arbeiter lange nicht in dem Verhältnis gestiegen find, wie man es erwarten tonnte. Die einzige Waffe für die Arbeiter aber,. um sich höhere Löhne zu erringen, ist das KoalitionSrccht und daS darf ihnen nicht beschränkt werden. Die Unternehmer finden es ja ganz selbstverständlich, daß sie die Konjunktur ausnutzen, um ihre Preise nach Möglichkeit zu erhöhen. Man würde denjenigen für einen schlechten Geschäftsmann halten, der das nicht verstände. Wenn es sich um Forderungen der Arbeiter handelt, sind die Unternehmer leider meist geneigt, dieselben ohne weiteres zurückzuweisen, ste machen immer gleich eine Machtfrage daraus, wie es den Arbeitern immer vorgeworfen wird.(Sehr richtig! links.) In meinem Wahlkreise z. B. haben sich Arbeitgeber geweigert, eine Lohnerhöhung einzuführen, bei der es sich nur um Pfennige handelte, ja überhaupt' nur in Verhandlungen darüber mit den Arbeitern ein- zutreten.(Hört! hört! links.) Und nur weil sie glaubten, sich in ihrem Rechte etwas zu vergeben, gingen sie nicht darauf ein. Wenn die Dinge so liegen, muß man sich' nur wundern, daß die Arbeiter von ihrem Recht, zu streiken, bisher so wenig Gebrauch gemacht haben. (Sehr richtig! links.) Man beruft sich auf den Entwurf von 1891 und auf Herrn v. Berlepsch. Nun, ich bestreite ganz entschieden, daß Herr v. Berlepsch heute den vorliegenden Gesetzentwurf als Minister eingebracht hätte. Diese Vorlage geht viel weiter als der Entwurf von 1891. Wie man etwas so kautschukartiges wie die§ 7 und 8, die sog. Znchthaus-Paragraphcu einbringen konnte, verstehe ich über- Haupt nicht. Besonders hinweisen möchte ich noch auf 8 6. Nach dem- selben sind verschärfte Strafbestiinnnmgen auch vorgesehen sür Drohungen nicht nur während eines Streiks sondern auch nach dem Streik, vielleicht noch nacb drei, vier, fünf Jahren. Dieses Gesetz ist ein Ausnahmegesetz, das bei weitem schlimmer ist, als die Umsturzvorlage und das Socialisten- g e s e tz, insofern als es sich nicht gegen eine politische Partei, sondern gegen die gesamte deutsche Arbeiterschaft wendet. (Sehr richtig! links.) ES kommt mir wirklich wie ein Hohn vor, wenn da noch immer davon geredet wird, Licht und Schatten seien gleich verteilt. Nicht nur werden Verstöße von Arbeitgebern milder behandelt, man hört nieist überhaupt garnickits von ihnen. da sie sich hinter verschlossenen Thürcn abspielen.(Sehr richtig! links.) Ich stehe ja mitten drin im Gewerbe, ich muß doch also wissen, was im ge- werblichen Leben vorgeht, und habe ein größeres Recht darüber zu sprechen, als die Herren von der Regierung, die keine praktische Er- fahrnng haben. Daß ein gewisser Terrorismus von seilen der Arbeiter ausgeübt wird, kann niemand leugnen, soweit ivirklich Aus- schrcitungcn vorkommen, finden sie ihre Sühne durch die Bestrafung auf Grund des jetzigen Rechts. Herr Lieber hat sich gestern einen Ordnungsruf zngezogen, als er von einer hiinmelschrcicndcn Parteilichkeit der Gerichte sprach. Ich glaube, er hat damit nicht gemeint, daß die Richter bewußt parteilich geurteilt haben. Uebrigens verweise ich Sie da auf ein Urteil, das Berliner Richter selbst' vor einigen Tagm erlassen haben, und zivar an der Strafkammer II des Landgerichts I. Der Redactcur des„Vorwärts", Hcrr Jacobch, war angeklagt wegen folgenden Satzes aus einem Artikel anläßlich des Löbtauer Urteils.„Wohlbekannt ist die Sprnchpraxis des höchsten sächsischen Gerichtshofes, der oft und ohne Umschweife Angehörige der Arbeiterpartei für minderen Rechtes er- klärt hat, denn andere Staatsbürger." Das Gericht hat aber ent- schieden, daß der Angeklagte in' drei Fällen den Beweis für diese Behauptung erbracht habe.(Hört! hört! links.) Hätten die Richter das Urteil hier ausgesprochen, so hätten auch sie einen Ordnungsruf erhalten.(Heiterkeit.) Ohne einen gewissen Terrorismus ist übrigens ein Streik gar nicht möglich.(Sehr richtig I links.) Wenn eine so große Zahl von Leuten unter einen Hur gebracht werden soll, geht es ohne allen Zwang gar nicht ab. Ich begreife nicht, wie der Herr Staatssekretär daS nicht einschen kann. Auch die Arbeitgeber können ohne Tcrrorismus nicht auskommen. Nur brauchen sie nicht die Mittel der Arbeiter anzuwenden. Sie kommen mitKonventional- strafen, und mit gesellschaftlicher Aechtnng derjenigen aus. die sich ihren Vereinbarungen nicht fügen.(Sehr richtig! links.) Die Arbeit- gcbcr setzen auch nicht ihre Existenz aufs Spiel, ivenn sie die Arbeit einstellen, während es sich bei den Arbeitern stets um die Existenz- 'rage handelt. Uebcl nehmen kann man es den Arbeitern doch da nicht, wenn sie sich gegen Leute wehren, die ihnen als Streikbrecher in den Rücken fallen und so den Erfolg des Streiks verhindern. Ich halte auch die Arbeitswilligen durchaus nicht für die besten Arbeiter, wie der Herr Staatssekretär. Wenn alle Arbeiter so wären, würden sie sich auch mit den niedrigsten Löhnen zufrieden geben und daS würde nur die Konsumfähigkeit der Arbeiterwelt vermindern und damit unserem ganzen Handel und der Industrie schaden.(Sehr richtig! links.) Dem Staatssekretär Graf Posadowsky muß ich sagen, wir alle mußten die Denkschrift als Begründung der Vorlage auffassen. Der Staatssekretär hat selbst in seiner einleitenden Rede den Wunsch ausgesprochen, daß das Publikum die Denkschrift eifrig studieren möge, da sie die Grundlage für die einzelnen Bestimmungen der Vorlage bildet. Der Staatssekretär hat uns heute von dem TerroriSmuS der Schulkinder berichtet. In welcher Be- ziehung steht denn dieser angebliche Terrorismns zur Vorlage. Höchstens könnte man doch daraus ein Gesetz zum Schutz der Schul- linder herleiten.(Heiterkeit.) Was wird denn arg geschehen sein. Die Kinder werden sich, tvie das ja auch bei Wahlen vorkommt, ge- stritten haben. Der eine Junge sagt, ich bin für den Streik, der andere ist dagegen und wenn sie sich nicht einigen können, dann hauen sie sich, wie wir das in unserer Jugend auch gcthan haben(Heiterkeit und sehr richtig links). Ich habe noch nie gehört, daß über solche Dinge die Eltern sehr empört waren(sehr richtig, links). Die Strafen sind heute schon durchaus ausreichend und die Fälle. wo einmal das Strafgesetz versagt, sind überaus selten, führen durchaus nicht zur Nothwcndigkeit eines gesetzgeberischen Vorgehens. Die Denkschrift ist einseitig und subjektiv abgefaßt, die Beamten sind die richtigen Gewährsleute nicht. Man hätte die Arbeiter selbst oder wenigstens ihre Vertreter bestagen sollen. Schon die Gewerbeaufsichtsbeamten sprechen sich ganz anders aus wie die Staatsanwälte in der Denkschrift. Das Geictz macht die Ausübung des Koalitionsrechtes nichtig; schon allein wegen der Dehnbarkeit der Bestimmungen. Hier zeigt sich die Arbeit vom grünen Tische, die die Verhältnisse nicht aus der Nähe kennt. Wie oft werden durch die Parteilichkeit der Behörden und von den Unternehmern die Arbeiter zum Streik gereizt, wie werden sie durch schwarze Listen und Aussperrungen malträtiert. Wir sehen es ja jetzt beim großen Berliner Maurerausstande. Trotzdem steht nicht ein einziger solcher Fall in der Denlschrist verzeichnet. Der Berliner Arbeitgeberbund im Baugewerbe geht mit sehr starkem Terrorismus gegen die Lieferanten von Baumaterialien und gegen die Mörtelwerke vor. Herr Staatssekretär, ich frage Sie. hallen Sie das etwa nicht für Terrorismus? Warum haben Sie darauf in Ihren Reden noch nicht mit einem Worte Bezug genommen? Die Herren Arbeitgeber wollen ja die Aus- sperrüng auf ganz Deutschland ausdehnen. Ich lege Protest gegen ein solches Vorhaben ein und würde es lebhast bedauern, wenn eS zu einem solchen Schritt käme. DaS würde zu berechtigter Er- bitterung führen. Mit der Waffe desArbeitsnachweises üben die Arbeitgeber oft einen sehr starken TerroriSmuS au». Die Sekretäre der Arbeitgeberverbände sind ebenso Agitatoren wie die Sekretäre der Gewerkschaften. Reden des Herrn Bueck z. B. sind gerade so Hetzereien, natürlich nicht in so anstößiger Weise, in etwas gewählteren Worten, als eS manchmal socialdemo- kratische Agitatoren thun mögen.(Sehr richtig! links.) In der Arbeiterschaft will man die Vorlage nirgends, sie wird nur gewünscht von gewissen Unternehmerkreisen, derjenigen Gruppe, die der Centraiverband deutscher Industrieller repräsentiert. Der Herr Staatssekretär hat vorhin über die Ent- stehung der Vorlage Mitteilungen gemacht. Er hat dabei die Rede des Kaisers vergessen, die er in Bielefeld gehalten hat und in der es hieß:„schärfste Strafe demjenigen, der einen anderen an frei- williger Arbeit hindert". Präsident Graf v. Ballcstrem: Ich bitte den Herrn Redner, unbeglaubigte Reden Er. Majestät des Kaisers nicht in die Debatte zu ziehen. Abg. Rösicke(wildlib.): Ich habe geglaubt, der Herr Präsident will nur die Erörterung solcher Reden nicht gestatten, welche nickt amtlich publiziert worden sind. Ich mache darauf aufmerksam, daß die von mir citierte Rede in Nr. 142 des„Preußischen Staats- und Deutschen ReichsanzeigerS" veröffentlicht worden ist. Präsident Graf v. Ballcstrcm: Dann ist es etwas anderes.(Heiterkeit.) Abg. Röstcke(fortfahrend): Ich weise also nochmals auf diese Rede des Kaisers hin, die den Anlaß zu dieser Vorlage gegeben hat und richte die Anklage gegen die Räte der Krone, daß sie den Kaiser nicht dahin be- raten haben, daß die in dieser Rede niedergelegten Ansichten irrige sind. Wie sollen denn die einzelnen Fürsten auch ein ganz richtiges Urteil über die ihnen doch fern liegenden allgemeinen gelverblichen Verhältnisse bekommen. Pflicht der Räte der Krone wäre es nun, dem Monarchen zu sagen, daß sich die Dinge in ganz anderer Beleuchtung darstellen, wenn diese Darstellung inckt von Arbeitgebern, sondern von Arbeitern ausgeht. Hütten die Räte der Krone diese Pflicht erfüllt, so hätte der Kaiser gewiß nicht die zweite Rede i» Oeyuhansen gehalten, die auch im„Staatsanzciger" publiziert war und in der das Zuchthaus angedroht war. Dem Herrn Staatssekretär möchte ich aber sagen, er irrt sich gewaltig, wenn er glaubt, daß mit einem solchen Gesetz d i e Socialdemokratie bekämpft werden kann.(Sehr richtig. links.) Ja. wenn ein Prämie für die beste Förderung der Social- demokratie ausgesetzt worden wäre, die Verfasser dieses Entwurfs müßten sie zugesprochen erhalten. Zum Schluß will ich nur mein Bedanern darüber aussprechen, daß am Ende der Session, in welcher das Jnvaliditäts-Gesctz zu stände gekommen ist, ein solches Gesetz vorgelegt ivorden, das die Arbeiterfeindlichkeit so an der Stim trägt. Das Koalitionsreckt ist das einzige Recht der Arbeiter, es darf nicht angetaster werden. Man spricht ja von einer Auflösung des Reichstages im Falle der Ablehnung der Vorlage. Das gäbe dann eine eigenartige Konstellation, wenn auch das Abgeordnetenhaus wegen der Kanalvorlage aufgelöst würde. Dort müßte die Regierung gegen die Partei des Abg. Arendt zu Felde ziehen und hier wäre diese Partei die einzige Verbündete der Regierung.(Heiterkeit.) Wir könnten einem solchen Wahlknmpf mit Ruhe entgegen � sehen. Ich würde mich schämen, einem Reichstag angehört zu haben, in dem ein solches Gesetz angenommen wurde.(Lebhafte Zustimmung links.) Wenn ein Teil der Arbeitgeber besonders unter dem Fabrikanteuadel nicht meiner Meinung ist. so bedauere ich das. Aber die Zeit wird mir recht geben. Im XX. Jahrhundert sind Grundsätze, wie sie die Vorlage vertritt, unmöglich, und ich kann nur wünschen, daß dieser Gesetzentwurf möglichst scknell noch im XIX. Jahrhundert begraben wird.(Lebhafter Beifall links. Zischen rechts.) Preußischer Handelsminister Brefeld: Der Vorrdncr hat seine Majestät den Kaiser in die Debatte ge- zogen, indem er auf eine Rede des Monarchen hinwies. Ich darf wohl darauf aufmerksam machen, daß es parlamentarischer Gebranch in allen konstitutionellen und monarchischen Staaten ist. die Person des Monarchen nicht in die Erörterung zu ziehen.(Unruhe links). Dieser Gebrauch die Person zu schonen Ivird in allen gesitteten Staaten gewissenhaft geachtet.(Oho I links. Große Unruhe und Lachen.) Für alle Regierungshandlungen des Monarchen steht der Reichskanzler ein: an ihn haben Sie sich zuwenden, wenn Sie etwas zu kritisieren haben.(Oho! links und große Unruhe.) Ich habe auch meine Stellung zu der Vorlage klarzulegen. Schon 1391 hat mein Amtsvorgängcr Herr v. Berlepsch ausdrücklich hervorgehoben, als der Reichstag bei der Novelle zur Gewerbe- Ordnung eine Verschärfung des§ 153 ablehnte, daß weitere Er- fahrungen auf dem Gebiete der Arbeiterbewegung schon dazu führen Ivürdcn, den jetzt abgelehnten Weg zu beschreiten. Diese Voraus- sctzuug hat sich als richtig erwiesen. Seit 1391 sind eine große Zahl Arbcilseiustclluugen von größter Ausdehnung und Tragweite vorgekommen, bei denen die schlvcrsten Ansschreittmgen gegen die Arbeitswilligen zu beklagen getvcsen sind. Das zeigt die Denkschrift. Es ist gegen sie die Aussitllung erhoben worden: Weshalb sind die Gewcrbe-Jnspektorcn nicht befragt worden? Es sind die Regierungen gehört worden und die Obcrbergämter, und eS ist Sache der Regierungen, die ihnen nachgeordneten Beamten, die Fabrikinspektoren zu hören, solvcit sie es für nötig halten. (Rufe links: Es ist aber nicht geschehen!) Woher wissen Sie das? (Abg. Rich. Fischer: Weil in den Berichten der Fabrikinspektoren das Gegenteil steht, als in der Denkschrift. Heiterkeit. Glocke des Präsidenten)... Präsident Graf Ballcstrem: Lassen Sie doch die Zlvischenrufe und Privatgespräche. Wir kommen ja sonst nie zu Ende.(Große Heiterkeit.) Minister Brefeld: Ich erinnere an die großen ArbeiterauSstände 1892 und 1893 im Ruhr- und Saarrevier. Ein Redner a»S dem Hause hat be- hauptet, die Ausschreitungen, die dort vorgekommen sind, seien nur eine Summe verschiedener Ungezogenheiten der Arbeiter. Damit hat er die Ausschreitungen als Kinderei entschuldigt. Ich will Ihnen nahe legen, in welcher Weise dort Ausschreitungen verübt worden sind, welche schwere gemeine Gefahr mit jenen Ausständen ver- bunden gewesen ist. Wie wurde im Saarrevier der Streik in- sceniert? Besondere Boten eilten von Grube zu Grube. 24 000 Arbeiter legten dann an einem Tage ohne Kündigung im Kontraktbnich die Arbeit nieder. Nicht einmal be- stimmte Forderungen waren vorbanden. Erst im Laufe des Ausstandes wurden sie nachträglich aufgestellt. Der Aus- stand war thatsächlich frivol(Widerspruch links) und die schwersten Ausschreitungen hatte er im Gefolge. Die Ausständigen bedrohten die Arbeitgeber und ihre Angestellten, Angriffe auf die Maschinen kamen vor, die Arbeitswilligen wurden von den Ausständigen um- stellt. Zusammenrottungen' von 2000 Menschen kamen vor, die Arbeitswilligen wurden mit Stcinwürfcn verfolgt, geprügelt, miß- handelt, es wurde auf sie geschossen, die Streikenden drangen in ihre Häuser und bedrohten ihre Angehörigen, Dynamitaiischlöge wurden versucht(Große Unruhe und Gelächter links. Rufe: Hu! hu! Abg. Singer: Ist das nicht heute schon strafbar?)... Präsident Graf Ballcstrem: Herr Abg. Singer, ich bitte nicht zu unterbrechen.(Heiterkeit.) Minister Brefeld: Sind das nicht Kindereien? DaS muß eine wunderbare Vorstellung von Kindern und Kindereien sein. Es war ein Arbeiterausstand, der den Zweck haben sollte, im ganzen gewaltigen Gebiet. das auf die Saarkohlen angewiesen ist. die Industrie zum Sttllftand zu bringen. Ich habe hier noch eine ge- druckte Aufforderung der damaligen Führer. Darin heißt es: „Erkenne nun Deine Macht, Bergmann!(Mit erhobener Stimme) Wenn Dein starker Arm es will, dann stehen alle Räder still I" (Große Hctterkeit links).«Betrachte Dir die Gegner alle!" Man wollte also die ganze gewerbliche Thätigkeit lahm legen. Glücklicher- weise hatten sich die Werke auf drei Wochen mit Kohlen versehen, weil sie ahnten, daß die Gährung unter den Bergleuten zu. einem Streik führen würde, und ein Kohlenmangel trat nicht em. Aber denken Sie, daß der Ausstand länger gedauert und Kohlenmangel sich eingestellt hätte. Dann wären die Fabriken zum Stillstand ge- kommen. Schon wurde im Ruhrrevier ein Sympathiestreik insceniert, zu dem ebenso wenig Ursache vorhanden war, wie im Saar- revier. Auch dort sind Ausschreitungen der schwersten Art vorgekommen. Wenn in zlvei bedeutenden Revieren die Kohlen- fördcrung längere Zeit thatsächlich ruht, dann müssen die Fabriken ihre Thätigkeit einstellen und die Arbeiter entlassen, der Eisenbahn- betrieb gerät ins Stocken, die großen Städte können ihre Zufuhr nicht mehr erhalten, die Gasbeleuchtung hört auf, auch in den Krankenhäusern und Strafanstalten. Vergegenwärtigen Sie sich das und dann bestreiten Sie, daß hier nicht eine gemeine Gefahr vor- liegt. Wir haben ähnlicke Fälle bei uns ja nicht erlebt(Ruf links: Na eben! Heiterkeit.), aber in anderen Staaten finbcn sie sich ereignet. Deuten Sie an den großen Eisenbahnarbeiterstreik 1894 in den Vereinigten Staaten. Er dauerte ivochenlang, große Beschädigungen am Eisenbahnmaterial wurden verübt und der gesamte Schaden wird auf eine viertel Milliarde berechnet. Hunderte von Menschenleben gingen zu Grunde und schließlich mußten 14(XX) Mann regulärer Truppen gegen die Streikenden aufgeboten werden. DaS sind Zustände, zu denen wir es nicht kommen lassen wollen. Und Sie können dem Staat un» möglich die Mittel veriveiqern, wenn die Regierung sie erbittet, um diese Gefahren, die sie befürchtet, abzuwenden. Und da wollen Sie sich nicht einmal zu einer Kommissionsberatung verstehen? (Lachen links.) Ich wundere mich, daß die Regierung keine größere Unterstützung findet.(Großes Gelächter links.) Es handelt sich zunächst um die Ausgestaltung des§ 153 im vorliegenden Entwurf, wie sie in gleichem Sinne mein Anits- Vorgänger gewünscht hat. Sämtliche OrdnungSparteien sollten doch darin einig sein, daß diese Ausgestaltung in den§Z 1 und 2 voll- kommen rationell ist. Der ZI bringt das Strafverbot gegen den Miß- brauch des Koalitionsrcchtcs, denn der Schutz der freien Arbeit ist doch viel ivichtigcr als wie der Schutz der Koalitionsfreiheit. Der 8 153 der Gcwcrbe-Ordnung trifft nur den, der zum Beitritt zwingt und den, der vom Rücktritt abbält. Er trifft aber nicht den, der am Beitritt hindert und zum Rücktritt zwingt. Die vorgeschlagene Ausgestaltung ist also nur eine logische Konsequenz; eine so gesunde, so verständige Forderung können Sie doch nicht ablehnen.(Gelächter links.) Das ist die Hauptbedeutung der Bor- läge. Der zweite Teil ist gleichfalls aus Erfahrnng und Bedürfnis bcrausgeivochsen, aber sind Sie mit dem nicht einverstanden, dann soll er doch ivenigstens in der Kommission geprüft werden. Dort werden wir die Gründe entivickcln, die uns zu den einzelnen Bor- schlügen veranlaßt haben und die hier darzulegen doch nicht in den Rahmen der Erörterungen paßt. Es handelt sich da um ein billiges und verständiges Verlangen.(Lachen links.) Namentlich hat man am Z 8 Anstoß genommen. Hier liegt offenbar ein Mißverständnis vor. Die§Z 1 und 2 betreffen die Ausschreitungen gegen die Koalitionsfreiheit,§ 8 betrifft dieselben Ansschrcitunqcn, wenn sie sirti in solche» Betrieben ereignen, wo sie besonders gefährlich wirken , nüssen. Ist denn das unverständig? Ich glaube, e's liegt alles auf der flachen Hand.(Große Heitcrkctt links.) Der Z 8 bringt nur ein durchaus gesundes Prinzip zum Ausdruck. Sie mögen ja verschiedener Meinung>ciii über die Abmessung und die Art der Strafe, aber das sind doch Dinge, über die wir uns in der Kommission unterhalten können. Eine glatte Ablehnung ist doch geradezu unmöq« l i ch.(Große Heiterkeit links.) Besonders vermißt hat die Kritik die paritätische Be- Handlung in der ganzen Vorlage zwischen Arbeitern und Unter- uehmern. � Aber die Grundidee des Gesetze» ist doch die vollkommen gleichmäßige Behandlung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer.(Lachen links.) Wenn Lücken vorhanden sind, da sagen Sie es doch, da stellen Sie doch Anträge I(Viele Zwischenrufe bei den Socialdcmokratcn. Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Lasten Sie doch die Zwischenrufe, eS führt ja zu nichts, Sie können ja dann erwidern.(Große Heiterkeit.) Minister Brefeld(fortfahrend): Der Herr Vertreter des Reichs- Justizamts hat bereits hervorgehoben, daß die praktische Siuvendung deS Gesetzes immer ergeben wird, daß die Arbeiter in viel höherem Maße getroffen werdet,, als die Unter- nehm er. TaS liegt aber eben in den Verhältnissen.(Hört! Hort! und Zustimmung links.) Daß der Arbeitgeber weniger Aus- schreitungen begeht, ist doch selbstverständlich. Er befindet sich doch in günssigeren Lebensbedingungen, als der Arbeiter, er hat eine höhere Bildung, die ihn leichter vor Ausschreitungen bewahrt. Deshalb müssen die Verfehlungen der Arbeiter auch milder beurteilt werden.(Rufe bei den Socialdcmokratcn: Man sieht es ja!___ Also deshalb Zuchthaus!) Wenn ein Streik lange andauert, wenn die Streikkassen leer werden, dann kommen die Ausschreitungen, die wir durch den Gesetzentwurf eben verhindcnr tvollcn. Wir sind in der Debatte gefragt worden: Ja weshalb schreitet die Regierung nicht gegen die Unternehmersyndikate ein, gegen die R, n g e, die die Konsumenten auf die Knie zwiiigen und die Preise diktieren. Ich kann Ihnen sagen: die Syndikate wirken günstig.(Unruhe links.) Sie haben den Erfolg gehabt, sowohl das plötzliche Hinauffchnellen der Preise, wie das plötzliche Sinken der Preise und Löhne, das der Arbeiter am wenigsten vertragen kann, zu verhüten. Durch diese Bereinigungen ist eine ruhige, gleichmäßige Entwicklung garantiert. Ich verkenne keineswegs, daß die Syndikate auch grotze Gefahren in sich bergen. daß die Zeit kommen kann, wo die Regierung sagt: Das geht uns zu weit, wenn etwa die Preise so hoch getrieben werden,' daß die Konsumenten nicht mehr dabei bestehen können. Dann müssen wir einschreiten. Die östreichische Gesetzgebung hat eS versucht. Aber ich habe mir bei der Prüfung deS östreichischen Gesetzes gesagt: hier handelt eS sich doch um ein Problem allerschwierigster Art. Zunächst kann die Gesetzgebung nur die Grundlagen schaffen, durch eine statistische Aufnahme einen vollständigen Ueberblick über alle diese Arten von Verbänden, über ihre Wirkung, ihren Umfang, ihre Gliederung zu bekommen. Mehr ist zur Zeit nicht zu erreichen. Ich habe mich zu diesen Ausführungen für verpflichtet gehalten, um zu zeigen, daß uns daS Schicksal der Vorlage keineswegs gleichgültig ist. Nur noch einen Gesichtspunkt habe ich anzuführe». Herr Dr. Lieber hat sich gegen die Ausgestaltung des Z 163 der Gewerbe-Ordnung durchaus nicht grundsatzlich gewendet. Aber er hat die Meinung vertreten, daß ebenso auch der§ 162 einer positiven Ausgestaltung bedarf, weil in ihm nur die Ansätze zu einer gesetzlichen Ordnung vorhanden seien. Diesem Grundgedanken kann mau eine gewisse Berechtigung einräumen. Herr Dr. Lieber hat ober verlangt, daß eine ganze Reche gesetzlicher Regelungen gleichzeitig mit diesem Gesetz vorgenommen werden. Er hat genannt die Rechtspersönlichkeit der Berufsvereine, die Arbeitskammern, die gesetzliche Organisation des Arbeitsnachweises. Aber alle diese Fragen gehören doch zu den allerschwierigsten Problemen.(Stürmisches Gelächter links.) Was notwendigerweise jetzt gewährt werden muß, soll zurückgestellt werden, bis weit- gehender« Aufgaben erst gelöst sind. DaS geht nicht. Hier müssen »vir sofort eingreifen und durch daS Gesetz helfen. Wir müssen deprimierend wirken gegen die Ausschreitungen der Arbeiter, anderer- scits aber auch alles unterstützen. waS geeignet ist, die Lage der arbeitenden Bevölkerung zu bessern. Darin liegt der Accent unserer ganzen socialen Gesetzgebung, er liegt in socialer Gerechtigkeit! (Lebhafter Beifall rechts.) Präsident Graf Ballestrcm:| Der Herr Bundesratsbevollmächtigte hat im Eingange seiner Rede die Ausführungen eines Abgeordneten, die ich bereits rektifiziert hatte, noch einmal zu rektifizieren für nötig befunden. Das ist ein Verfahren, daS bisher bei den Mitgliedern deS Bundes« rats nicht üblich war. ES ist durchaus geeignet, d i e Thätigkeit deS Präsidenten zu erschweren und sein Ansehen vor dem Hause herabzusetzen(Lebh. Bravo! links). Preußischer Handelsminister Dr. Brefeld: Meine Herren, es ist selbstverständlich, daß eS nicht meine Ab« ficht war, durch meine Aeußerungen den Herren Präsidenten herab« zuwürdigen und Kritik anzulegen an eine)«eußerung, die er bereits gerügt hatte. Aber ich möchte meinem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß hier Dinge erörtert werden, wie e» in keinem anderen Parlamente der Welt' üblich ist.(Beifall rechts.) Präsident Graf«allestrem: Ich kann nur dabei bleiben, was ich gesagt habe.(Beifall links.) Sächsischer Bundesbevollmächtigter Geheimrat Fischer: In dem„Vorwärts" habe ich gelesen(Lachen bei den Social« demokraten)— ja. meine Herren, ich gehöre zu den eifrigsten Lesern des„Vorwärts"(Heiterkeit)— daß in dem Urteil deS hiesigen Landgerichts die Rechtsprechung deS sächsischen Ober« Landesgerichts einer abfälligen Kritik unterzogen worden ist. Das betreffende Ur« teil hat mir bisher nicht in semem amtlichen Wortlaute vorgelegen; bis dies der Fall, muß ich aufs entschiedenste in Abrede stellen, daß jemals von dem höchsten Gerichte des Königreichs Sachsen Social- demokraten gegenüber eine andere Rechtsprechung als gegenüber Mitgliedern anderer Parteien beliebt worden ist(Widerspruch links.) und bitte auch Sie, wenigstens auf die amtliche Publikation deS betreffenden Urteils warten zu wollen, ehe sie mit einem ab« sprechendem Urteil über das sächsische Ober-Landesgericht fertig sind. Abg. Hanffmann-Böblingen(südd. Vp.): Wenn daS geehrte Mitglied deS Bundesrats davon gesprochen hat, in keinem anderen Parlamente der Welt seien Aeußerungen möglich, wie sie heute hier gefallen, so muß ich darauf sagen, daß kein Parlament der Welt von einem Regierungsmitgliede sich vor- schreiben läßt, was...(Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Herr Abgeordneter Hauhmann, ich habe bereits vorher Gelegen« heit genommen, zu erklären, daß eine Kritik meiner Geschäftsführung den Herren Bundesratsmitgliedcrn nicht zusteht. Ich muß es aber für ebenso unangemessen erklären, daß Sie Ihrerseits nun das von mir bereits rektifizierte Mitglied deS Bundesrats noch einmal rektt« fizieren, und bitte Sie daher, aiff die Sache nicht weiter zurück« kommen zu wollen.(Beifall rechts und im Centrum.) Abg. Hauffmann: Ich wollte nur meiner Freude über die Entschiedenheit Ausdruck verleihen, mit der Sie, Herr Präsident, die Würde des Hauses zu wahren verstanden haben. Präsident Graf Ballestrcm: Herr Abgeordneter, ich wünsche weder eine zustimmende noch eine abfällige Kritik meiner Geschäftsführung.(Heiterkeit.) Abg. Hauffmann(fortfahrend): Das Gesetz, sagt man, läßt den Arbeitem die Koalitionsfreiheit. Mag sein: es beraubt sie aber der Mittel, von dieser Freiheit Gebranch zu machen. Um ein Bild zu gebrauchen: man läßt den Arbeitern einen schmalen Fußweg, legt aber Fußangeln auf beide Seiten desselben.(Heiterkeit und Sehr richtig I) Der Herr Haudelsministcr hat zugestanden, daß die Fabrikanten unter Fornien verhandeln, die vom Gesetze nicht zu treffen sind: wie schon Herr Baffermann und andere Redner mit Recht angeführt haben, ist es viel leichter, daß 20 Fabrikanten, als daß sich KXX) Arbeiter verständigen. Was erreicht man denn eigentlich mit dem Gesetze? Wie Herr- Kollege Basscrmann bereits mit Recht bemerkt hat, wird man eine breite Furche von aufregenden Prozessen hinter jedem Lohnkampfe herziehen.(Sehr richtig! links.) Wie meinen Sic. wird ein Gesetz auf das RcchtSgefühl des Volkes wirken, welches leichte AuS« schreitnugcn, die nu Lohnkampfe— also im Kample zur Erringung einer menschenwürdigen Existenz— vorfalle», mit Raub und Dieb- stahl auf eine Stufe stellt— oder vielmehr, welches einen, der eine silberne Uhr gestohlen, auf ei» paar Tage, einen, der ein leichtes Streikvergeheii begangen, auf ein paar Monate ins Loch steckt. (Hört, hört! links.) lieber die befremdlichen Urteile unserer Gerichtshöfe bei Streik- vergehen usw. brauche ich nach den treffenden Ausführungen der Herren Kollegen Lieber und Bassermann nichls hinzuzufügen; ich möchte nur sagen: die A eußerung des Abgeordneten Lieber über die d c u t s ch c n G c r i ch t S h ö f e, d i c i h m einen Ordnungsruf zuzog, war weiten Kreisen des Volke« aus der Seele gesprochen.(Lebhafter Bei- fall links, zum Teil auch im Eentrum.) Allerdings: legt der Staat wirklich so großen Wert darauf, den letzten Rest von Zutrauen zu verlieren, den er unter der arbeitenden Klasse besitzt, dann mag es sich ja empfehlen, diesen Entwurf Gesetz werden zu lasten, der in Gefängnis und Zuchthaus wirft, wer immer für die vitalsten Interessen der arbeitenden Menge einzutreten sich erkühnt.(Lebhafter Beifall links.) Wenn die Herren von der Nechten, die jetzt fiir das Zuchthausgesetz schwärmen, Arbeiter wären, ja, dann würden sie anders urteilen, dann würden sie empört sein, daß sie nicht mehr Streikposten stehen sollen, dp im würden s i e in den Leuten, die ihnen mit solchen Gesetzen kommen, ihre gefährlichsten und vcrhafftcste» Feinde sehe».(Sehr richtig! links.) Der Herr Abg. Arendt hat es fertig gebracht, zu erklären, die nicht-socialdemolratischen Arbeiter seien für das Gesetz. Nun. meine Herren, die Hirsch-Dunckerschcn, die National- Socialen, die Christlich-Socialen haben sich gegen das Gesetz er- klärt; nicht bloß die Basscrmannschen, sondern auch die Liebe rmannschen Ge st alten.(Stürmische Heiterkeit.) Herr Bassermann hat mit Recht schon die Einbringung der Borlage als einen vcrhängnitzvollen Fehler bezeichnet. Ich schließe mich ihm vollständig an. Wir haben heute gehört, daß der Reichskanzler allein für die Vorlage der Regierung verantwortlich sein soll. Re- gieren heißt nach einem alten französischen Sprichwort: Vorhersehen. Nun hat der Reichskanzler hier erklärt, er sei überrascht ge- wesen, daß auch so viele bürgerliche Parteien gegen die Vorlage seien. Er hat also sehr wenig vorhergesehen.(Sehr richtig und Heiterkeit lmkS). Wir haben weiter gehört, daß die Regierungen ein- stimmig der Vorlage zugestimmt haben. Wir sind asio wieder um eine Hoffnung ärmer. Hätte man mehr Fühlung mit der Bevölkerung, ja mit diesem Hause hier gehabt, man hätte die Vorlage nicht einbringen dürfen. Herr Baffermann hatte recht, als er sagte, zwei Weltanschauungen stehen sich hier gegenüber: die Methode des Vertrauens und die Methode des Mißtrauens.— Das Mißtrauen der Arbeiter bekämpft man aber nicht mit Polizei- maßnahmen, sondern mit Verständnis und.Gerechtigkeit. Herr von Bennigsen hat einmal gesagt, das Bürgerkum in Deutschland nehme nicht diejenige Stellung ein, die ihm gebühre. Er hatte recht. Wenn die nattonalliberale Partei aufrecht den Weg weiter gehen würde, den gestern Herr Bassermann gegangen ist, das Bürgertum könnte bald die ihm gebührende Stellung im Staate erringen. Ich wage das nicht zu hoffen. Aber anerkennen will ich, daß sich die nattonalliberale Partei in einem bedeutsamen Augenblick in einer hochpolitischen Frage ihrer Pflicht nicht entzogen hat, die Interessen eine» freien Bürgertum? zu vertreten und der Regierung eine entscheidende Niederlage zu be- reiten.(Sehr richtta l) Mit welchem Aplomb ist die Einbringung dieser Vorlage ein. geleitet worden. Ich will an die Borgeschichte gar nicht ennnern, nur auf die Ankündigung in der Thronrede hinweisen. Mit heißem Bemühen ist die Regierung monatelang an der Arbeit gewesen, dieser Ankündigung nachzukommen. Herausgekommen bei dieser Arbeit ist dieses Gesetz, das hoffentlich niemals Wirklichkeit werden wird. Nein, wir brauchen nicht mehr Zuchthaus, sondern mehr Freiheit, nicht mehr Urteile, sondern mehr Urteil.(Lebhafter Beifall links, Zischen rechts.) Abg. v. CzarlinSN(Pole): Im Haufe wird wohl von uns Polen niemand eine andere Haltung erwarten, als eine strikt ablehnende. Die Regierung will die Vorlage gegen Zwang, Bedrohung, Terrorismus haben. Bei den letzten Wahlen hat die Regierung gegen uns Polen gar viel Zwang, Bedrohung«nd TerrorismuS geduldet. Wir lehnen das Gesetz einmal grundsätzlich ab, dann weil eS im fpeciellen den Richtem zu viel Spielraum läßt. Wir sehen in dem Gesetz ein Ausnahmegesetz und stehen ganz auf dem Standpunkt der Kollegen Lieber. Bassermann, Bebel und der anderen Herren, die hier sich ablehnend ausgesprochen haben. Der Zuchthans-Paragraph ist wohl nur der Ausschmückung wegen in daS Gesetz gekommen, er betrifft nur ein begrenztes Verschuldungsgebiet. aber er ist in dieser Fassung auch völlig unannehmbar. Wir werden gegen da« ganze Gesetz, aber auch gegen jede Kommissions« beratung stimmen. Wir sind für die sociale Versöhmmg, der Streik ist nicht unser Ideal, aber Streik und Koalition sind in bestimmten Fällen das einzige Mittel, um die Rechte der Arbeiter zu schützen. Deshalb ist es uns nicht möglich, einer Beschränkung des KoalittonSrechteS zu- zustimmen. Die Ausführung der in der Vorlage niedergelegten Bestimmungen muß' zu einer Beschränkung führen. TaS Gesetz dient nicht dem socialen Frieden, sondem ist nur geeignet die Klassen- gegensätze zu verschärfen.(Beifall). Präsident Graf v. Ballestrem teilt dem Hanse mit, daß der Abg. B r o d b e ck(südd. Vp.) sein Mandat niedergelegt hat. Hierauf vertagt sich daS Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr.(Tagesordnung: Vertagungsordre des Reichstags, 3. Lesung deS Nachtragsetats, Handelsabkommen mit Spanien sowie(Fort- setzung der heutigen Beratung.) Schluß 5>/e Uhr. lokales. Achtung, Parteigenossen! In Treptow- Baum- s ch u l e n w e g sind uns alle drei für Versammlungen in Bettacht kommenden Lokale entzogen worden, nämlich die von E. Schulz, A. Ackermann(ftüher Laufs) und N e s e(Zur Walbecke). Die genannten Wirte entschuldigen ihr Vorgehen mit dem Drucke, den der Amtsvorsteher Schmock auf sie ausübe. Vor allem wollen die Berliner und Rixdorfer Genossen die hier bezeichneten Lokale meiden. Die Lokalkommission. Die Genosse» deS fünften Kreises werden auf die heute abend im„Alten Schützenhause", Linienstr. 6. stattfindende Ver- sammlung aufmerksam gemacht, in der der Genosse Dr. W e y l über folgendes Thema spricht:„Was hat der Tuberkulose-Kongreß dem Proletariat gebracht?" Um zahlreiches Erscheinen ersucht _ Der Vorstand. Ei» neuer Kämpfer für Ordnung, Religion und Sitte. AuS unserm Vorort Treptow erhalten wir folgenden Beitrag zur Charakteristik der rechtlichen Auffassung in Staalsrettungs-Kreisen: Der in Schönebcrg von der Bürgerschaft dankend abgelehnte Amts- v o r st e h e r Schmock ist bekanntlich besoldeter Amtsvorsteher in Treptow geworden, nachdem die Herrlichkeit in dem zur Stadt erhobenen südwestlichen Vorort zu Ende war. In seinem neuen Wirkungskreise führte Herr Schmock nun bald das oben so sehr beliebte scharfe Regiment gegen die Arbeiterschaft ein. Jahrelang war das Verhältnis der Arbeiter zu den Saal« b e s i tz e r n für beide Teile zufriedenstellend, da der Vor- gänger deS Herrn Schmock, Amtsvorsteher Hoffmann zwar streng. boch gerecht in seinen Obliegenheiten war und der Social- demokratie Ivcgen keinen Saalbesitzer Steine in den Weg legte. Dies änderte sich bald nach dem Amtsantritt deS Herrn Schmock, wie einige Beispiele Ichren mögen. Nachdem Gastwirt Ackermann durch das Verbot der Maifeier schon empfindlich geschädigt ward, ist er jetzt durch die Androhung der ÄonzessionS- e n t z i e h u u g und durch sonstige Hinweise auf die Nach- teile, die ihm noch erwachsen könnten, veranlaßt worden, den„Socialdcmokratischen Verein Vorwärts" zu kündigen. Dieser Fall hat auch die übrigen Wirte ängstlich gemacht. Als die Zuchthausvorlage beraten werden sollte, wollte kein einziger Wirt mehr sein Lokal hergeben. Saalbesitzcr Schulz zog die bereits gegebene Zusage mit den Worten zurück, daß der Amts« Vorsteher"ihm für den Fall der Hergäbe seines Lokals zu social- demokratischen Versammlungen mit der Polizei st un de ge- droht habe; auch würde er den Kriegerverein ver« anlassen. daß dieser daS Lokal fortan meide. Einen fast erheiternden Eindruck machte eS, daß dem Gastwirt S taffe ld, der seine Räume nämlich zum erstcnmale dem socialdemokratischen Berein zur Verfügung gestellt hatte, am anderen Tage die Ausübung der ,.G a rt e n« S ch an k k o nz e s si o n" untersagt wurde, die seit Jahren darin bestanden hatte, daß die Gäste sich s e l b e r ihr Bier in einem kleinen Vorgarten trugen, um in frischer Luft ihr Gläschen zu leeren, So fördert ein Amtsvorsteher vor den Thoren Berlins den Frieden unter den verschiedenen BcvölkcrungSschichten. Es erübrigt sich wohl die Bemerkung, daß auch in diesem Falle die S ocialdemokratie es länger aushült, wie der neueste Socialistenvertilaer; gar mancher ist schön zur Strecke gebracht worden, der ebenso forsch ins Feld zog wie Herr Schmock. Vorläufig ist es selbstverständlich, daß die Ber- liner Arbeiter strenge die bekannten Lokale in Treptow- Baum schule»weg meiden und den Wirten so zu verstehen geben, daß die allzngroße Rücksichtnahme auf einen sich forsch fühlenden Amtsvorsteher ihre sehr bedenklichen Schatten- s e i t e n hat. Wir verweisen auf die entsprechende Veröffentlichung der L o k a l k o m m i s s i o n an der Spitze deS lokalen Teils. Akademische Bildung. Von einem Studenten der hiesigen Universität erhalten wir folgende Zuschrift: Zu Dienstagabend lli8 Uhr war eine„Allgemeine Finkenversammlung" in da« �.uäitorium Maximum der Universität einberufen worden. Es handelte sich, wie der Anschlag am schlvarzen Brett kund that, darum, eine Finken-Organisation, wie sie in Leipzig und Halle besteht, auch in Berlin in« Leben zu rufen. Ihre Haupttendcnz ist, der bei weitem größeren Zahl der Finken die gebührende Ber- tretung und die gleichen Rechte mit den Korporationen zu verschaffen. Da mir diese Idee als eine durchaus berechtigte und moderne ungemein sympathisch war, gab ich meinen ursprünglichen Plan, im Deutschen Theater„Die Räuber" zu sehen, auf und ging in die Ver« sammlung mit der Absicht, mich eventuell auch an der Debatte zu beteiligen. Aber ebenso schnell wie dieser Gedanke in mir auf- gestiegen war, schwand er wieder. Ich hatte einen eingehenden Disput über die Art der Organifatton erwartet und was fand ich? Wüstes Geheul. Getrampel und Scharren mit den Beinen. Die als Gäste eingeladenen Korpsstudenten— der Verein deutscher Studenten an der Spitze— hielten es für ihre Pflicht. Zeugnis von ihrer akademischen Bildung abzulegen. Die„Finken" wollten natürlich hinter diesen Herren nicht zurückstehen,«nd so mußte ich mich selbst ftagen, ob ich mich denn wirklich unter ge- bildeten Menschen befände und nicht etwa mitten unter der Schiller- schen Räuberbande. Der junge Herr, welcher den Borsitz führte, hatte wohl auch nicht das Zeug dazu, mit den Radau- machern umzugehen, obgleich er krampfhaft läutete und hin und wieder eine flotte Bemerkung wagte. Die beiden Delegierten der Halleschcn Finkenschaft, welche an der Versammlung teilnahmen, werden jedenfalls in ihrer Heimat viel von dem Herr- lichen Betragen ihrer Berliner Kollegen berichten können. Obgleich ich mich nicht zur socialdemokratischen Partei zähle, muß ich meinen Kommilitonen(inkorporierten wie nicht inkorporierten) doch dringend empfehlen, nur ja recht häufig socialdemokratische Ver- sammlungen zu besuchen, um dort Sitte und An- st a n d zu lernen. Ich habe an sehr vielen Arbeiterversamnilungen teilgenommen, aber noch nie eine von ihnen mit solchem Gefühl von Ekel und Widerwillen verlassen, wie diese Versammlung ber akademischen Bürger. Sie verlief denn auch ohne Resultat. Nachdem man den Radau zwei Stunden lang m, gehört hatte, erklärte der„Vorsitzende", daß Seine Magnifizenz, der Herr Rektor, den Skandal der Korpsstudenten voraussehend, die Erlaubnis zu einer neuen Versammlung, zu welcher diese Monsieurs keinen Zutritt haben sollen, in Aussicht ge- stellt hätte". Wir empfehlen den Scharfmachern jeglicher Kouleur die? neue Exempel von ber Verrohung der Jugend zur gefällige» Nottz- nähme. Die StraffcnreinignngS-Deputation beschäftigte sich am Dienstag mit dem vorläufig mündlich erstatteten Bericht über den Bettieb des M ü I l s ch m e l z o f e n S in der Gitfchinerstraße. Dieser Ofen ist von der Genossenschaft Müllschmelze(Patent Wegener) erbaut, die oer städtischen Verwaltung die Kontrobe de» Betriebes durch städttsche Beamte gestattet hat. Der Betrieb ist fünf Wochen hindurch unter Leitung deS RegierungSbaumcisterS Grohn, der seiner- zeit auch die MüllverbrennungSversuche nach englischem Muster leitete, genau beobachtet worden. Der Vorstand der Genossenschaft Hirt dabei mit der städtischen Verwaltung Hand in Hand gearbeitet. so daß die gewonnenen Ergebniffe für beide Theile von gleichem Werth sind. Der Ofen ist seit etwa 14 Tagen außer Betrieb wegen Vornahme von Ausbesserungen. Die Versuche sollen nach Wiedereröffnung werden. des Betriebes noch auf kurze Zeit fortgesetzt DaS Kuratorium der Berliner städtischen Sparkasse hat beschlossen, die Sparkasse fortan auch an den beiden letzten Geschäfts tagen des Monats offen zu halten. Mit dieser Einrichtung soll zu nächst versuchsweise schon mit diesem Monat vorgegangen werden Die Sparkasse bleibt also am 29. und 30. d. M. von 9—2 Uhr ge öffnet. Einen Ring verschluckt zu haben wird der Rentier H. be schuldigt, der deswegen des Diebstahls verdächtig nach der Polizei wache sistiert wurde. Der Rentier ist Strohwitwer und suchte sich während der Abwesenheit seiner Frau in Lokalen mit Damen bedienung zu trösten. In einem Restaurant in der Fricdrichstratze erregte die Kellnerin Paula E. die Aufmerksamkeit des Strohwitwers. die einen ziemlich breiten Ring, auf dem ein goldenes Fünfnwrkstück gelötet war, am Finger trug. Für diesen Reif interessierte sich H.; er zog ihr den Schmuck mehrere Male ab und plötzlich war der Ring verschwunden. Trotz alles Suchen? kam das Wertstück nicht mehr zum Vorschein und nun beschuldigte die Kellnerin den Gast des Diebstahls. Da der Ring bei dem Rentier nicht vorgefunden wurde, behauptet die E., daß ihn der mutmaßliche Dieb verschluckt habe. Der Strohwitwer bestreitet die Beschuldigung mit aller Eni schiedenheit, umsomehr als er bei seinem schwachen Magen so un» verdauliche Speisen gar nicht vertragen könne. Abermals die elektrische Straßenbahn. Vor dem Hause Prinzenallee 7 stießen gestern ein Wagen der elektrischen Straßen bahn und ein Geschäftswagen zusammen, wobei letzterer völlig zer trümmerte und die Insassen, Frau Henriette Zühlsdorf und ihr 9 Jahre alter Sohn, auf den Damm geschleudert wurden.s Die Frau kam mit einer Hautabschürfung im Gesicht und der Sohn mit einer Verstauchung des linken Knies davon. Bei dem Anprall zerbrachen auch die Scheerbäume, das Pferd zerriß das Geschirr und lief davon, wurde aber bald zum Stehen gebracht. In der bekannten Strafsache des Grafen von Egloffstcin ist eine neue Verhaftung erfolgt. Sie betrifft den Pferoehändler Isidor Levy, Karlstraße 32. der mit einem gewissen Wein- berg gemeinsam„Geldgeschäfte" macht und schon viele Existenzen auf seinem Gewissen haben soll. Auch ein hiesiger Rechtsanwalt soll nunmehr in der Sache verwickelt sein. Am Dienstag gegen SVz Uhr ist in der Ritterstraße zwischen Brandenburg- und Prinzenstraße ein Paket mit der Aufschrift „Räther", enthaltend 20 Billets für ein in der Neuen Welt statt findendes Sommerfest, verloren worden. Der Finder wird gebeten, das für ihn wertlose Paket im Verbandsbureau der Metall arbeiter, Annenstr. 39, abzugeben. An Herzschlag gestorben und nicht ermordet, wie von einem hiesigen Blatte erzählt wurde, ist die 33 jährige Seifenhändlcri» Hedwig Döring, die Linicnstr. 206 wohnte und' Montagnachmittag als Leiche in ihrem Bette aufgefunden wurde, nachdem sie seit Donerstag vergangener Woche nicht mehr gesehen war. Es hatte sich zwar bald' das Gerücht verbreitet, daß der Tod gewaltsam herbeigeführt sei, doch hat die Obduktion ergeben, daß lediglich Herzschlag vorliegt. Eine Untersuchung gegen verdächtige Personen hat daher auch nicht stattgefunden. Die Leiche der ISl/sjährigen Tochter des Gastwirts St. in der Badstraße, die, wie mitgeteilt, sich vor acht Tagen in der Havel bei Pichelswerder das Leben nahm, weil ihr bei einem Ausflüge ein Tucki abhanden gekommen war, ist jetzt von einem Pichelsdorfe'r Fischer zu Tage gefördert worden. Mit der AufklSruug eines Selbstmordes beschäftigt sich augenblicklich die Kriminalpolizei. Dienstagabend wurde Fehrbelliner- straße 30 die dort seit längerer Zeit wohnhafte Witwe Hedwig Biclke in bewußtlosem Zustande unter dem Ansflußbccken der Wasserleitung aufgefunden. Ein herbeigerufener Arzt stellte Vergiftung durch Schiveinfurter Grün fest, und es wurden auch Pulverreste davon sowohl in mehreren Schachteln wie auch in einer auf dem Tische stehenden Rumflasche vorgefunden. Die durch Gegen mittel ins Bewußtsein zurückgerufene Lebensmüde gab zwar an, daß ein aufdringlicher Bettler ihr gewaltsam das Gift eingeflößt habe. doch steht die Polizei dieser Angabe sehr skeptisch gegenüber. Es wird vielmehr angenommen, daß die an den Füßen vollständig ge- lähmte Frau aus'Lebensüberdruß das Gift nahm, an dessen Folgen sie denn auch bald nach ihrer Ueberführung nach dem Krankenhanse Friedrichshain verstarb. Ob. wie RachbarSleute behaupten, die Ver- storbene im Besitze einer größeren Geldsumme gewesen ist, die später nicht vorgefunden wurde, konnte noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden. DaS Polizeiprästbinm teilt mit: In dem vielfach vor- bestraften Kaufmann Otto Schlichteisen, aus Berlin gebürtig, hat die Kriminalpolizei den Mann ermittelt und zur Haft gebracht, welcher in letzter Zeit Berlin und die Vorotte Hein, suchte, indem er sich unter allerhand Angaben Fahrräder zu erschwindeln wußte. Schlichteisen ist in 35 Fällen geständig. Geschädigte, die noch keine An- zeige erstattet haben, wollen sich bei der Kriminalpolizei melden. Um 9000 Mark bcstohle» worden ist in der Nacht zum Montag ein städtischer Steuererheber R. Dieser hatte am Sonn- abend' seine Kautton zurückerhalten und außerdem einen großen Bettag von Steuern, die er nicht mehr abliefern konnte, in seine Wohnung mitgenommen. Als R. am Sonntag mit seiner Familie einen Ausflug nach einem Vororte machte, ließ er das Geld im nicht verschlossenen Schreibtische liegen. Bei der Heimkehr spät abends fand er die Wohnungstbür. die er verschlossen hatte, nur noch in das Schnepperschloß eingeschlagen, den Schreibtisch und alle übrigen Be- Hältnisse in der Wohnung erbrochen und den Inhalt durchwühlt und ?um Teil herausgerissen. Das Geld war verschwunden, alles andere hatten die Einbrecher verschmäht. Die Thäter sind noch nicht ermittelt. Man vermutet, daß es Leute sind, die wußten, daß R. die Kaution abgehoben und Steuern eingezogen, aver noch nicht ab- geführt hatte. Durch einen Geriisteinsturz sind am Mittwochabend um 5»/« Uhr auf dem Baugelände der Charit« vier Personen schwer verunglückt. Für den Neubau der Neuen Charit«. deren Gnindmauern sich eben über den Baugrund erheben, errichtet der Maurermeister Tesch ein etwa 8 Meter breites und 6 Meter tiefes Gerüst, an dem später mit Dampfttaft die schweren Bau- Materialien emporgewunden werden sollen. Gestern Nachmittag war der Maurerpolier Karl Bentblü mit sechs Zimmerleuten an dem Gerüst beschäftigt. Dieses war bereits bis zum dritten Stock gediehen. Als man um 5»/« Uhr dabei war, den letzten Balken vor Feierabend hinaufzuwinden, neigte sich plötzlich das ganze Gerüst von Osten nach Westen und brach dann unter großem Gekrach in sich zusammen. Drei Arbeiter konnten noch beiseite springen und sich retten, die anderen vier wurden unter den Trümmern begraben, der Polier Bentblü. der oben stehend die Arbeiten geleitet hatte und mit dem Gerüst in die Tiefe stürzte, und die Zimmerleute Hoock, Leopold und Richter, die unten gestanden hatten und von dem stürzenden Gebälk zu Boden geschlagen wurden. Die Wucht des Sturzes war so groß, daß die aus dem Erdboden hervorragende Grundmauer zum Teil zertrümmert wurde. Der Verwaltungsdirektor der CharitS, Geheimer Oberregierungsrat Spinola, erschien auf die Nachricht von dem Unglück sofort an der Unfallstelle und traf die nöttgen Anordnungen für die Beregung und Unterkunft der Verunglückten. Mehrere Unterärzte der Charit« leiteten die von dem Personal des Krankenhauses und den geretteten Zimmerleuten energisch betriebenen Bergungsarbeiten. Leider sind alle vier Personen, von denen drei Familie' haben, schwer verletzt. Ann- und Beinbrüche. Verletzungen an Kopf und Brust machttn eme sofortige Ueberführung mit Tragbahren in die chirurgische Abteilung und den Operateursaal des Krankenhauses nötig. Dem Polier ist em Ben, fast ganz ab- gerissen, so daß es nur noch lose am Korper hängt. Ber der Schwere deS Unglücks ist es noch ein Glück, daß infolge des Streiks und der Aussperrung nicht mehr Personen augenblicklich an dem Bau ."veiteten Sonst wären wohl auch noch zahlreiche Maurer m Mitt leidenschaft gezogen worden. Die Ursache des Zusammen bruchs festzustellen, bedarf es noch einer genaueren Untersuchung Es scheint aber, daß das Gerüst nicht genügend verankert war und auch das verwendete Holz hat wohl nicht allen Anforderungen ent sprechen; es scheint zum Teil zu alt zu sein. Feuer im Depot der Pferdebahn-Gesellschaft Köpenicker- straße 9S. Mittwochnachmittag 3/46 Uhr erging der Ruf„Mitteb feuer" vom Pferdebahn-Depot in der Köpenickerstraße. Mehrere Druck- und Dampfspritzen eilten herbei und fanden einen Teil des Dachstuhles vom linken Seitenflügel in hellen Flammen. Die Gefahr war eine sehr große, da in dem Dachgeschoß des sehr langen und tiefen dreistöckigen Gebäudes Riesenmengen an Heu und Stroh lagerten. Die anwesenden Angestellten der Gesellschaft brachten die in den Stallungen untergebrachten Pferde in Sicherheit und hielten sich bereit, den Wagenpark zu räumen, falls derselbe in Gefahr geriet. Glücklicher weise konnte dem Feuer durch einen von drei Seiten mittels fünf Schlauchleitungen erfolgten Angriff der Feuerwehr nach halbstündiger Arbeit der Weg abgeichnitten werden, sodaß dasselbe auf einen kleinen Teil des Dachstuhls beschräntt blieb. Immerhin mußte über eine Stunde Wasser gegeben werden, bevor die meisten Löschzüge wieder abrücken konnten. Der verursachte Schaden ist beträchtlich. da auch das nichtverbrannte Futter durch das Wasser wertlos ge- worden ist. Wie das Feuer entstanden ist, konnte noch nicht er- mittelt iverden. Straßensperrung. Das Kronprinzen-Ufer von der Beethoven- bis zur Herwarthstraße wird behufs Umpflasterung vom 12. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Fenerbericht. Nach längerer Pause hatte die Feuerwehr inner halb ver letzten 24 Stunden mehrere erhebliche Brände zu beseitigen. In der Nacht zum Mittwoch ging K l o p st o ck st r a ß e 26 ein Dach- stuhl in Flammen auf. Mittwoch früh 7 Uhr mutzte auch War- s ch a u e r st r a ß e 78 ein Dachstuhlbrand abgelöscht werden, der bei Ankunft der Wehr schon große Ausdehnung angenommen hatte. Der größte Teil des Dachstuhles wurde eingeäschert. Dienstagabend 10 Uhr war Steinmetz straße 12 in einem Weißwaren-Geschäst ein größerer Brand zu beseitigen. Vorher erfolgte Alarm nach Linien st ratze 126, wo in einer Papierfabrik ein Schaden- feuer ausgebrochen war. Andreas straße 3 brannte im Keller die Balkenlage. Außerdem waren Weidenweg 7 und Alte I a k o b st r a ß e 2 noch kleinere Brände abzulöschen. Theater. Im Schiller-Theater wird Sonntag, den 25. Juni, die letzte Sonntags-Schauspielvorstellung in dieser Saison stattfinden; gegeben wird das Shakespearesche Lustspiel„Biel Lärm um nichts". Mitt- woch, den 28. Juni, schlicht die Schauspiel-Saison, am 2S. Juni beginnt bereits die Oper mit Lortzings„Der Wildschütz". Die vier Einakter„Liebes- ttäume",„Die schnelle Verlobung",„Ein SchSierstündchcn",„In Civil" werden heute, Sonnabend und- von Montag bis Mittwoch wiederholt. Freitag ist die letzte Ausführung des Schauspiels„Die Frau vom Meere" von Ibsen.— Jm Ccntral-Theater findet die letzte Aufführung des Waldmeister" und zugleich der Schluß der Operetten-Saison am Donners- tag, den 29. Juni, statt. Die Vorstellung beginnt ausnahmsweise um 7 Uhr, da das Ensemble noch an demselben Abend um 11 Uhr per O-Zug nach Petersburg fährt, wo die Gastspiel-Borstellungen im Aquarium-Theater bereits am 1. Juli beginnen. Die Ans de» Nachbarorten. Mitglieder des Wahlvereins wohnhafte Maurer Otto auf einem Berliner Neubau verunglückt. Er erlitt WW für Teltow- Beeslow-Charlotten bürg werden auf die heute abend 8tt2 Uhr bei H. Wernicke stattfindende Volksversammlung aufmerksam gemacht und um pünktliches Erscheinen ersucht. Der Vorstand Auf Abenteuer waren zwet junge Mädchen aus Nieder- Schönhausen ausgegangen, die man seit acht Tagen vennißte. Eine 14jährige Tochter des Kaufmanns C. verschwand heimlich aus der elterlichen Wohnung, während ihr Vater sich auf Reisen in Hamburg befand. Mit ihr brannte eine 14�, Jahre alte Tochter des Monteurs O. durch, der in Lübeck beschäftigt war. Die behördlichen Nachforschungen hatten gestern Erfolg. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß die beiden Mädchen sich in Berlin in der Admiralstraße eine Schlafstelle gemietet hatten. Als gestern die beiden Väter kamen, um ihre Töchter abzuholen, waren die Mädchen ausgeflogen. Durch einen Zufall aber wurden sie doch bald ergriffen. Die junge O. ergab sich in ihr Schicksal und folgte der Mutter willig nach Hause, die C. aber widerstrebte heftig und nahm, zu Hause angekommen, Morphium, das in einer Flasche auf dem Fensterbrett stand. Ein Arzt mußte schleunigst Gegenmittel anivenden und dann die Vergiftete nach Berlin in eine Anstalt bringen laffen. FriedrichShagen. Der hier Schröder ist am Montagnacbnnttag bei Aufbringen eines eisernen Trägers bedeutende Quetschungen und den Bruch einiger Zehen am rechten Fuß.— In dem benachbarten S ch ö n e i ch e fand am Sonntag die Krcmserpartie einer Berliner Herrengesellschaft ein trauriges Ende. Von dem Gewitter überrascht, scheuten die Pferde des Kremsers. Ein Teilnehmer der Pattie wollte die unruhigen Tiere festhalten, diese gingen jedoch durch und rissen den Mann zu Boden. Hierbei wurde ihm der rechte Fuß gebrochen und das linke Bein verletzt. Nach Gewährung der ersten Hilfe wurde der Verletzte noch in der Nacht nach Berlin geschafft. In Reinickendorf hat die letzte Sitzung der Gemeinde- Ver- tretung sich mit dem Kanalisationsprojett beschäftigt. Der Kosten- aufwand beträgt bei Verlegung der Rohre mit Spundwänden 325 000 M. Dem vom Ingenieur Rothe vorgelegten Projekt wurde zugestimmt und man erwartet, daß auch die Regierung darin ein- willigt. Ferner beschloß die Gemeindeverwaltung, die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr gegen Bcrufsunfälle zu versichern.' Ter Verein der ftciwilligen Feuerwehr sOst) giebt bekannt, daß die �euermeldestellen wie folgt festgestellt sind: Hollbnich, Schützen- hauS, Residcnzstraße 63; Schorsch, Restaurant. Residcnzstrahe 41, Wolframs Restaurant, Restdenzstr. 19, und GäblerS Restaurant, Bürgerstt. 1/2. Unter dem dringenden Verdacht der Veteilignng an dem Totschlag, durch den der wegen seiner Rauflust gefürchtete Sohn des Gärtnereibesitzers Schwarzburg in Pankow ums Leben kam, wurden durch den Gendarmerie- Wachtmeister Kawischat in Nieder- Schönhausen drei junge Burschen im Alter von 18 bis 20 Jahren in Haft genommen. Nach vorläufiger, eingehender Vernehmung auf dem Amtsbureau in Rieder-Schönhansen erfolgte ihre Ueberführung nach dem Untersuchungsgefängnis Moabit. Beim Spiele« ertrunken ist DicnSag ein 2Vz Jahre altes Kind einer Familie Förster, die sich in der Sommerfrische auf dem Schwanenberg, einer Insel gegenüber der Liebcsinsel bei Treptow, aufhielt. Das Kind war, während mau sich im '-reien erging, einen Augenblick ohne Aufficht gelassen und bald ver- chwunden. Nach einigem Suchen fand man es als Leiche am Wasser wieder._ Versammlungen. Schöncberg. Am Sonnabend, den 17. Juni, fand bei O b st, Gruncwaldstt. 110, eine öffentliche Holzarbeiter-Ber- ammlung statt, in welcher Kollege Bruhns über das Zuchthaus-Gesetz referierte. Redner unterzog die einzelnen Paragraphen einer scharfen Kritik. Für seine Ansfühnnigen wurde ihm reicher Beifall seitens der zahlreich Erschienenen zu teil und wurde eine im Sinne der Ausführungen gehaltene Resolution timmig angenommen. Mit der Aufforderung zum Beittitt Organisation wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. Lese- und TiskutierklnbS. Donnerstag.„Neue Zeit", Kießel, Boyenstr. 49.—„Süd-Ost", Tolksdorf, Sorauer- u. Görlitzeistraßeil-Ecke.— „Klub der Freunde", Bachgänger, Swmelliündcrstr. 96.—„Socialist. Lese- und DiskutierN.", Reichenbergerstr. 157.—„August Gelb", Streit, Naunynstr. 87. ein- zur —„Ost", Schumann, Tilstterstr. 85(jeden Donnerstag vor dem I. und IB.). —„Morgenrot", Wille, Liebenwalderfir. 43(jeden Donnerstag nach dem 1. und 15.).—„Brüderlichkeit", Haseloff, Landsbergerstr. 8(jeden Donnerstag nach dem 1. und 15.).—„Friedrich Engels II", Thäder, Görlitzerstr.<«.— „Gleiches Recht", Lange, Reichenbergerstr. 83.—„Freies Wort",(jeden Donnerstag nach dem I. u. 15. im Monat), Franke, Pallisadenstr. 9.— „Emancipation", Spät, Weinstr. 28.—„Johann Jacoby", Lietzke, Schwedter- straße 33. Zlrbeiter-Tängerbund B erlins und der Umgegend. Vors.: Ad. Neu- mann, Brunnenstr. 150. Alle Acnderungen im Vereinskalender sind zu richten an Friedrich Kottum, Lausitzerstraße 33. Toniierstag. Abends 9—11 Uhr: Uebungsstunde und Aufnahme neuer Mitglieder.— Männer- chor„St. Urban", Protz, Annenstraße 8.—„Vorwärts H", Ad. Neumann, Brunnen che. 150.—„Süd-Ost I", Becker, Köpnickerstr. 191.— „Borax", Scholz, Naunynstr. 6.—„Flöterffcher Aesangv.", Wiedemann, Friedenstr. 67.—„Gcfangv. Berliner Kürschner", Feind, Weinstr. 11.— „Einigkeit I", Gr.- Lichterfelde, Pagel, Chauffeestr. 104.—„Liedeslust I", Fürstenwalde a. d. Spree, Henkel, Schloßkellerei.—„Morgenroth II", Köpenick, Stippekohl, Schönerlinderstr. 5.—„Zukunft II", Velten i. d. M.,Grunow, Wilhelm- straße 19.—„Fröhlich", Rummelsburg, Schröter, Mozartstr. 7.—„Vincta", Schmidt, Swineulünderstr. 65.—„Alpenröslein", Hilgenfeld, Bergstr. 60— „Alpenrose", Kunze, Forsterstr. 36.—„Sangeslust I", Reimann, Puttbuser- straße 30.—„Deutsche Eiche II", Brandenburg a. H., Winkels Salon, Hauptstraße. —„Freiheit III", Neu-Weißensee, Königchauffee 38.—„Loreley", Hemmcrling, Grünthalerstr. 3—4.—„Sangestteue", Brandenburg a. H, Wollen- weberstraße 3.—„Kornblume", Gold, Gr. Franlfurterstraße 133.— „Liedcs-Echo", Drathschmidt, Skalitzerstr. 102.—„Oberon", Gründer, Köpnickerstr. 100.—„Sorgenfrei", Möhring, Admiralstr. 18c.—„Morgengrauen" (Bäcker), Neumann, Brunnenstr. WO(nachm. 4—6 Uhr).—„Süd-Ost II", Ludwig, Wrangelstr. 86.—„Möbelpolirer", Kautsch, Fruchtstr. 61.—„Fort- schritt", Fürstenhof, Zölz, Köpnickerstr. 137/38.—„Gerstenähre", Sommer, Grün- straße 21.—„Waldkapelle", Ladewig, Kommandantenstr. 65.—„Liederlust II", Rempfer, Moabit, Beusselstr. 25.—„Oranienburger Vorstadt", Dicke, Acker- straße 123.— Arbeiter-Gesangv.„Freiheit I V", Bernau, Elysium, Berliner Thor. —„Steinnelke", Sachs, Lindowerstr. 26.—„Sängerlust", Werder a. H., Martin, Kugelweg 58.—„Hoffnung III", Friedrichsberg, Böker, Friedrich Karlstr. 34.—„Senefelder II", Brandenburg a. H., Lehmann, Kl. Garten- straße la.—„Süd-West", Ladewig(Klosterglocke), Kommandantenstr. 68. —„Felsenburg", Scheere, Blumenstr. 38.—„Rütli", Friedenau, Grube, Stubenrauchstraße und Kaiser-Allee Ecke.—„Solidarität U"(Maurer), Potsdam, Voigts Blumengarten, Spandauerstr. 33.—„Melodia I", Ripdorf, Münzer, Bergstr. 7.—„Freiheit I", Werner, Bülowstr. 59.—„Grüne Eiche", Ripdorf, Dick, Hermannstr. 116. Arbeiter-Raucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Vereinskalender sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdors, Mahlower- straße 1, IV. Donnerstag:„Mehr Licht", Weißensee, Sorrer, Straß- burgstr. 56.—„Columbus", Conrad, Kamphausenstraße 3.—„Glüh- licht U", Purman», Liebenwalderstr. 27.—„Kamerun", Müller, Weidenweg 97.—„Glühlicht I", Neu-Weißensee, Stegemann, Streustr. 3.— „Unverzagt I", Lehmann, Koppenstr. 17.—„Grüner Hain", Heide, Elbingerstr. 14.—„Veronika", Weber, Görlitzerstr. 3Zd.—„Feste Brüder", Rixdors, Schöntag, Hermannstraße 232. Gesang-, Tnrn- und gesellige Bereine. Donnerstag. Geselliger Verein„Unter Uns", Fischer, Beuffelstr. 66.— Orchesterverein„Allcgro", Richter, Dresdenerstr. 116.— Rauchkl.„Süd-West", Michaelis, Simeon« straße 13.— Rauchkl.„Kernspitze", Böhl, Rüdersdorferstr. 8.— Skatklud „Unter Uns", Bauer, Eisenbahnstr. 7.— Orchesterchor„Vorwätts", Ripdorf, Victotta-Säle, Hermannstr.— Skatkl.„Süd", Krebs, Boeckhstr. 21.— Gesangv. Sängertteis"(Munkinstrumenten-Ardeiter), Raabe, Fichtcstr. 29.— Ruderv. Vorwärts", Arminhallen, Kommandantenstr. 20.— Skatkl.„Gemüthl. Ramsch", Jonas, Blumenstr. 21a.— Skatkl.„Grand-Schwarz", Dincke, Winsftr. 56. — Gesangv.„Eintracht", Mauß, Schönhauser Allee 139.— Rauchklub„Ohne- sorge", Münsberg, Louisenufer 52.— Gesangv.„Ritterhof", Zubeil, Linden- straße 106.— Pflanzerv.„Veilchen". Rixdors. Jeden Donnerstag nach deni 15. Elsenstr. 73.— Tanzkl.„Union", jed. Donnerstag nach dem 1. u. 15. Perle- bergerstr. 23.— Schachkl.„Nordstem", Fennstt. 3.—„Berliner Schach- verein", Kommandantenstr. 20.— Musiw.„Kosack'scher Bläserchor", Genz, Kolbergerstr. 2.— Skatkl.„Karo Sieben", Kürsten, Koppenstr. 28.— Gesangv.„Hoffnung", Friedrichsberg, Frey, Friedrich-Karlstr. 34.— Theaterverein„Edelweiß", Altmann, Neue Hochstr. 49.— Bergnügungsv.„Glocke", Benharzig, Jnsterburgerstr. 6. Arbeiter- Turnerbund. Donnerstag: Tuntv.„Fichte", Berlin, abends von 8—10 Uhr: 7. Männer-Abt., Reichenbergerstr. 131; 2. Damen- Abteilung, Ackerstr. 67; 7. Lehrlings-Abt., Waffetthorstr. 31.— Turnverein „Eiche", Köpenick, Damen-Abt. von l/j8— VjlO Uhr, Hotel Klein. Wilhelmsplatz. Arbeiter-Radfahrerverein Berlin. Monatsversammlungen:„Be- zirk I", jeden 1. Donnerstag, Wilke, Andreasstr. 26.„Bezirk II", jeden 2. Donnerstag, Raabe. Kolbergerstr. 23.»Bezirk III", jeden 3. Donnerstag, Ewald, Schönleinstt. 6. Hauptversammlung, jeden 4. Donnerstag, Wilke. Andreasstr. 26. Arbeiter- Stenographenverein„Stolze"(Einigungssystem),«e- zirk Süden, Grösestr. 82, bei Jahn, abends 8»/, Uhr.— Bezirk Nord-Wcst, Moabiter Klubhaus, Beusselstr. 9, abends 8V, Uhr. Hannover. Wir glauben nicht, daß es nötig ist, die Sache aüch'im „Vorwärts" zu behandeln, da sie ja im„Bolkswillen" genügend klargestellt wurde. Alter Abonnent. Gehött zum 3. Armeekorps, l. und 2. Abteilung, je 3 Batterie», in Brandenburg, 3. und 4. Abteilung, zusammen 5 Ballette», in Perleberg. Dreijährige Dienstzttt. Vevmipltzkes- Ein Landgendarm ermordet. Gestern morgen wurde"wie der„Dresdner Anzeiger" aus Medingen meldet. dort ein Land- gendarm von zwei Geisteskranken überfallen und ermordet. In einer kritischen Lage befanden' jsichI die Paffagiere deS vorgestern abend in München aufgestiegenen Fesselballons der Sportausstellung, indem die Eiiiholwinde bei plötzlich auftretender Gewitterbö infolge Kurzschlusses der Maschine versagt». Mehr als 300 Personen waren nötig, um den Ballon, der ein Spiel der tobenden Winde geworden, zur Erde niederzuziehen, und die Passagiere, unter denen sich auch eine Dame befand, aus ihrer un» angenehmen Sittiation zu befteien. ZluS dielen Orten Ungarns wird gemeldet, daß Tonntag und Montag starke Regengüsse, stellenweise mit Wolkenbrüchen und Hagelschlägen, niedergegangen sind. Marktpreise von Verlin am 20. Juni 1899 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. ')Wetzen /Roggen /Futter-Gerste„ Hafer gnt „ mittel . genug Richtstroh„ He» s-)Erbsen -sjSpeisebohncn 1-)Li»sen Kattosscln, neue Rindsseisch, Keule 1 kg do. Bauch„ ) Ermittelt pro 16,40 15,10 13,50 15,00 15,— 14,40 4,- 7,- 40,- 50,- 70,- 6,— 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalblcisch Hamweiffeikch En. Km ose» Aa.c Zc.:!>er Heevte Be rsrt-t Sa cie Bleie Krcvje vv «inck 1 kg yei scyock 1,60 1,60 1,60 2.40 5 60 1,80 3,80 2,60 2,40 1,60 2,50 1,20 18.- 1,10 1,- 1,- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,- 15,20 13,90 12,90 15,10 14,50 II- 3,32 26,1 25,- 30,- 4.- 1,20 1- von der Eenttalftell« der Prenß. Landwitt- schaftskammer— Nolieningsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Toppel-Ccntner. t) Kleinhandelspreise. Produktenmarkt vom 21. Juni, Der Getreidemarkt lag ziemlich still, die Tendenz war matter auf günstigen SaatcustandSbericht aus Oestrcich und weichende Weizenpreve in New Jork und Chicago, wo reichliche Zu, fuhren und Abgaben der BaiisierS die Preise nach unten beeinflußten. In Berlin war namentlich Weizen gedrückt; der Attikel schloß co. IV, M. unter gestern. Roggen war anfänglich schwach behauptet, späterhin 0,50 M. nachgebend. Haser lag etwas fester, Rüböl aus höhere Rapsprcise in Indien. — Am Spiritusmarkt waren die Termin- und Lokopreise behauptet. Lvko 70er 40,40. Umsatz 35 000 Liter.. Städtischer Schlachtviehmarkt. 21. Juni 1899. Zum Verkans standen: 286 Rinder, 2252 Kälber, 2019 Schafe, 7533 Schweine. Bezahlt für 100 Psund Schlachtgewicht Rinder—, Bullen, gering genähtte 48-52 Ps.. Färsen, mäßig und gering genähtte 45-51 Ps.. Kälber 44-<0 P,., Schafe 51—62 Pf., Schweine 39-46 Pf. Von den Rindem bltcben ungefähr 75 Stück unverkauft. Der Kälberhandcl gestaltete sich langsam. Bei den Schafen fand nur knapp ein Viertel deS AuftttebS Absatz. Ter Schweine- mattt verlies langsam und wird kaum ganz geräumt, sette Ware war stark vewachlässigt.__ Wetter-Prognose für Donnerstag, den 22, Jnni 1899. Ein wenig kühler, zeitweise heiter, vielfach wollig bei ziemlich fttsche» südöstliche» Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterb ureau. Verantwortlicher Redacteur:«ngust Jacobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwottli«: T».«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. m.* ics Jormiittö" Knlim JolWInlt.-->» VevsÄntinIunsett. ,®cr Wahlvcrcin für den vierten Reichstags- Wahlkreis (Tüdost) hielt am Dienstag in der Waldcmnrstr. 15 eine gut besuchte Versammlung ab. Zunächst wurden Vereiusangelegenheitcn erörtert. Der Vorsitzende, Genosse Weise, ersuchte um rege Be- teilignng bei der am 2. Juli in einigen Bezirken statlsindenden Vcr- brenung des„Vorwärts". Zeruer teilte er init, das; die verlangte Ausnahme einer Bcrnssstatisiik unter den Verciiismitglicdern in An- griff genommen worden sei. Um die Statistik fertig stellen zu können, lei es notwendig, daff diejenigen Mitglieder, welche bei der Ausnahme im Verein keine Angaben über ihren Berus gemacht haben, dies nunmehr nachholen. Peter führte aus, es sei in einer politisch und gcwcrlichaftlich ereignisreichen Zeit, wie der gegenwärtigen, sür die Arbeiter ein dringendes Bedürsiiis, daß der„Vorwärts" eine Abendansgabe veranstalte. Was den bürgerlichen Zeitungen möglich sei, das müsse sich bei unserm Parteiblatt auch durchführen lassen. Die Preßkommisston solle dieser Frage nähertreten. Redner werde zum Parteitag einen Antrag in seinem Sinne stellen. Da Genosse M o I k e n b u h r, welcher einen Vortrag über das neue Alters- und Jnvalidengcsctz übernommen hatte, nicht erschienen war, so trat Dr. Kurt Freudenberg stait dessen ein und hielt den angezeigten Vortrag. Ter Redner unterzog die Aenderungcn des genannten Gesetzes einer kritischen Beleuchtung und kam zu den, Schluß, daß die Interessen der versicherten Arbeiter anch nach den neuen Abänderungen noch nicht genügend berücksichtigt werden, und die socialdemokratische Fraktion sicher bemüht sein iverde, bei einer künftigen Beratung des Gesetzes weitere Verbesserungen durchzu- setzen. Ter Wahlvcrcin für den 6. Wahlkreis hielt am Dienstag für die Roscnthaler Vorstadt in der Swinemündcrstraße eine gut besuchte Versammlung ab. Genosse Jahn referierte über„Handels- Politik und Handelsverträge" unter den« lebhaften Beifall der An- wcscnden. Da über dieses Thema bereits mehrfach berichtet, glauben wir auf eine ausführliche Schilderung verzichten zu können. Ilm den Eindruck des Vortrags nicht- abzuschwächen wurde seitens der Ver- sammlung von einer Besprechung Abstand genommen. Ter Bor- sitzende giebt hierauf noch bekannt, daß die Beschwerden über die vermeintliche Zurückweisung den vom Wahlverein verabfolglcn Karten für die Sonntagsvorstcllungeu auf der Sternwarte in Treptow auf irrtümliche Auffassung beruhen und wohl nur auf Ueberfüllung des Raumes während einer Vorstellung zurückzusnhren find. Denn die Direktion der Sternwarte habe in zuvorkommender Weise erklärt, daß alle entnommenen Karten sür sämtliche Vorstellungen an Wochen- und Sonn- tagen jederzeit Gültigkeit haben. Ferner richtet der Bor- sitzende die ernste Mahnung an die Genoffen, auch während des Sonnners nicht nur die Versammlungen des Wahlvereins zahlreich zu besuchen, sondern auch für dessen weitere Ausbreitung durch An- werben neuer Mitglieder rege thätig zu sein, um• den Zweck der Wahlvereine voll und ganz zu erfüllen: ein Hort gegen die An- stünne der Reaktion zu sein. Mit einem kräftigen Hoch auf die Socialdemokratie wurde hierauf die Versammlung geschloffen. Rfiir heu Inbalt t>er Inserate uberiiiiiiint die Vevnktio» dem Pnblikniii geftcuiiber keinerlei VeranttiiortUlig. Tlirotov. Donnerstag, den 22. Juni. LperiiHmiS. Der Ring des Nibc- luiigc». Siegfried. Anfang 6'/, Ulir. Schnuipielhans. Faust. Anfang 7 Uhr. Tentickics. Die drei Neiherfedern. Anfang 7Vj Uhr. Siefideuz. Der Schlafwagen- Co»- tralenr. Vorder: Zinn Einsiedler. Anfang 71/2 Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Vorher: Pictro Caruso. Ansang 7'/, Uhr. Wcsicu. Die lnftigeil Weiber von Windsor. Anfang 7 Uhr. Neutral. Waldmeister. Anfang 7V, Uhr. Schiller. Liebesträume. Ein Schäfer- stündchen. Die schnelle Verlobung. I» Civil. Nlifang 8 Uhr. Aclle- Zllliaiiee. Dörchläuchting. Hieraus: Jochen Pasel. Ansang 8 Uhr. Friedrich- ZVIlhrluiflädltsckies. Der Rachtoulilibus- Controlcnr. Ansang 8 Uhr. Sileraudcrplatz. Nana. Anfang 8 Uhr. Cfii-nS. Tie rote Mühle. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr. Slpi-llo. Sprcialitiitcil-Linskllmia. Anfang 8 Uhr. Neichshalle». Sletliner Sänger. Anfang 8 Uhr. Poi'age< Panoptikuni. Speciali- lätcu-Vorflellling. llrauia. Tanbenstraste 48—�!». Nalnrlnndliche AnSstellung. Täglich geöffnet von l» Uhr vor- niitlogö ab. Eintritt aO Pf. Abends 8 Uhr:„DaS Land der Fjoide". Spenitelephou. 5,»»>al>dr»s«r,>stc.>7/t>�. Täglich abcnls von ö— 10 Uhr: Stern- warte. /'V S chjllerÄjtllter tBSallucr-Thcater». Donnerstag, abends 8Ukr: I.lokostritriino.»tonlSdie in l Akt von Max Dreyer. I»ie Hchncllc \ vrlobnng. Lnstspiel in 1 Akt von Paul Ernst. Ei» SchiiCvr- stünilchcii. Spiel in 1 Akt von Georg Engel, l» ElvU. Schwank in 1 Alt von Ällstav Kadclburg. Freitag, abends 8 Uhr: IH« Flu» vom.Tlccre. Sonnabend, abeudS 8 Uhr: Elobc�tHUinic. 11 1c ochnolle Vcrlolmng. Ein ScliiirorftUiiuIchcn. 1» Civil. CCvnf vnl-C kirotor T irellio»: 1o»« ssaraneir.f 53�* Nur noch 8 Vorstellungen. Lr»lee Werk von Johauu S traust. W a l d u» e i ft e r. Lperette i» drei Allen von Ä. Davis. Musik von Johann Straub. Morgen und folgende Tage: Waldmeister. Mnil-Kiltl Wtiv- Theater. ttlr. Frankfurlerstraste Uiti. LxKIu» volleillimllelier Vorstellungen. Kleine Preiic! 1. Parkett 1,10 M. Nur noch 2 Aufführungen. Die rote Miihle. Ausstattungsstück in 8 Bildern von G. Okonkowsky u. E. Sondermann. Anfang 8 Uhr."9® Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Sonnabend, ziim erstenmale: lilUte, die Weite Man. «chauipicl nach dein gieichnamigeil Roman der Marlitt, bearbeitet von H, 38. Merls. Heut, Donnerstag, im Garten: Konzert, Specialitätcn- und Theater- Vorstellung. Stur Kräfte 1. 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Grosses Mal- und Iiislrnraenlal-Konzert. n�S?85S5SSPWr GrofteS Feuerwerk und TPeeialitäteii-Vorstelluiig.— Für die Damen ist die Kaffeeküche von 3 Uhr nach mittags an geöffnet. Anfang nachm. 4 Uhr. Billet 20 Pf. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. �30/18 I»ain l''cHtkoiiiitcc. Stoutag, den 20. Juni, früh S'/a Uhr, Abfahrt: Stralaucrbruckc 3 JaWftr- Partie Alt Musik nadi Nentt Krnlj— Ntil-Rahilgbers. Preis für Hin- u. Rüdfahrt(inkl. See-Rundfahrt) 1 Mark. Schulpflichtige Kinder 30 Pf. I" Der sich ergebende Ueberschnb ist zum Besten des BanfondS der Freireligiösen Gemeinde bestimmt."Vß Billeto stnd nur noch in beschrönkter Anzahl, d. h. so weit Platz, bei den Unterzeichneten zu haben. Schleunige Bestellung erbeten. A. Hoffmann, Blumenstrabe 14, I. W. Mobs, Am Oberbaum 2. H. Peoge, RUdersdorferstr. 48, Quergeb. II. 1 I aitf Teilzahlung. J. Kellermann, l'rin/.eiiKtr.OT, parterre, Eingang vom Flur, f Berliner Kranken-ünlerslülzungs- und Begräbnis-Verein Ä1222: für Frauen und Mädclien. Sonntag, den 23. Juni 18S9, nachmittags 4 Uhr: Tomms�Fssi in den Ariulnhallcn, Konimandanteustraftc 20. Konzert. Speeialitäteu. Tanz ic. ,,, BilletS a2SPfstnd in den folgenden Zahlstellen zu haben: Frau Waocbau, Eichenoorffftt. 2; Frau Schmidt, Oderberqerstr. 35; Frl. Schllchtlna, Ptmz Eugenstr. 2; Frau Berger, Wahmnnnstr. 36; Frau Sachse, Kovpen- strave 57; Frau Fehlauer, Dresdenerstr. 13; Frau Michaelis, Alexandtinen- strasze 117 a; Frau Gegus, Schöneberg, Belzigerflr. 5; Frau Radtko, Char- lottenburg, �snabruckerstr. 2 und beim Kassierer Gerlach, Adalbertstr. 23 MW"' Ballschinieclers Salon Bad-strawsc 10. Sonnabend, den 21. Juni 1899; Grosses Sommerfest verbunden mit Dinner rnettze arrangiert vom trbeiler-Vesangierein üranienburger Vorsladt (Mitglied des Arbeiter-Sangorbundes). Festrede, gehalten vom Genossen Max Kiesel. Programme an der Kontrolle gratis, Billcts für Freunde und Gönner des BereinS sind bei den Mitglicdcm a 25 Pf. zu haben, Nach der Bannerweihe: Tanz. „ NB- Das Banner ist das erste, welches die Witwe des verstorbenen Reichstags-Abgeordneten Karl Grillenberger in Nürnberg für Berlin licferle. b70d icnmitee. »»»»« ff-"»l. 1 M 11 aal■ zu Grog u. Thee sehr beliebt. I inilftlll'a v. überraschcud tltjUtjU! L seinem Wohl- geschmack, viel belobt, Fl. M. 1,23 � � fem alt, frei von uOflücll!. Essenz,!2064!6 Fl. M. 1,25, liefert die Grosideftillation KärmaidNr.40 nurH.p. auch Gräfestr. 0, im Lade». Restaurant, NÄ- ciiiszimmcr, eignet sich gut zur Zahl- stelle, ist wegen Todessalls zum In- ventarpreis sofort zu verkaufen. 01/1 Wilhelmshavenerstr. 10. Hohen-Schönftausener Helles«. halbdunkles Export, 20 Flaschen f. 1 M. 50 Pf., sendet frei ins HauS 11. �ienmann, DreSdenerftr. 102. Otto Malicke, Relchcnhcreerstr. 15. am Kottbufer Thor.' Speck, fetter a Pfd. 5», bei 5 Pfd. 50 Pf. „ mager 65,„ 5„ 60„ HallcfcheZwiebclleberwurst a Pfd. 55„ Thüringer Rotwurst...„ 65„ ff. Leberwurst.......„ 75„ Pomm. Landleberwurst.„ 85„ BrauufchweigerMettwurst„ 75„ Polnische Bratwurst...„ 65„ Prima Schlackwurst...„ 105„ Salami......„ 105„ Borderlchinleu, im ganzen„ 54„ Echt ostpr. Landfchinfen.„ 85„ Margarine...... 60, 70 n. HO„ Kasseler ohne Knochen a Pfd. 65„ Pianinos. graste Auswahl, umzugs- halber von 150 M. an. Flügel, Salon- orgcl v, 100M. an Elfafferstr. 70, 1, f744b Verein der ümmerer Berlins und Umgegend. Todcs-Auzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied und Ver- trauensniaun, der Kamerad Uilkelm krised im Alter von 27 Jahren, am Dienstag, den 20. Juni, verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle zu Zehlcndors statt. 257/11 Ter Vorstand. Tauksaguug. Allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gcsangocrciil„Schildhorn", sowie den Kollegen, Arbeitern und Arbeiterinnen der Gummiwaren-Fabrik C. Müller für die schönen Kranzspenden und herzlichste Teilnahme bei der Be- erdlgung unseres lieben Sohnes und Bruders Otto Weinreich sagen hier- mit unseren tiefgefühltesten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen, s-f-4 �Hillen Freunden und Genossen teile ich hierdurch mit, dost ich am 21. d. 93t. JPF" Koj enstr. 3» ein Rasier-, Frisier- nnd Haarschncide-Salon eröffne. In der Hoffnung auf allseitige gütige Unterstützung meines Unter- ncbmenS, zeichne Hochachtend 7545] Rerinunn l'radcl, biSh. Geschäftsführer d. Firma Funke. Zocialdemokralisilier Zserein fiir den S. Derllner Zieilliosiigs- Wuhlkreis. Heute Donnerstag, den 22. Juni, abends 8V2 Uhr, im Saale des alten Schiitzcnhauses, Linien-Strasse Nr. 3: Uersammlung"HW Tagesordnung: l. Vortrag des Genossen vr. IVez�I über: Was hat der Tuberkulose-Kongrest deni Proletariat gebracht? 2. Diskussion. 3. Vereinsangelcgenheiten. DB?" Gäste sehr erwünscht."Vü 245/8_ Per Vorstand. Ällitiiiig! Putzer. Ächtmig! Donnerstag, de» 22. Juni, nachmittags 1 Uhr, in Louis Kellers Festsälen, 5tovpcttstraste Nr. 29: Große öffentliche Versamnilnilg der Putzer Berlins und Umgegeud. Tagcs-Ordnung: Tic Aussperrung der Maurer und die weitere Stellung der Puder zu derselbe». 133/11 Kollegen, erscheint alle in der Versammlung. Ole Lohnkommission. Mnturr0ei1er! Freitag, den 23. Juni, vormittags 10 Uhr, in Cohns Festsälen, Benth- Straße Nr. SU— 21: Große öffentliche Persamminng der bei der Aussperrung der Maurer iu Mitleidcil- schuft gezogenen Ballarbeiter Berlins u. Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Lage und den Stand der Aussperrung. 2. Bericht über die vorgenommene Baufontrolle. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ferner macht die Loynkommisston bekannt, daß vom Frcilag ab in folgenden Filialen die Abstempelung vor sich geht: 1. Friedrichsberg: bei Heinicke,'' Friedrich Karlstr. 11, von 10-12 Uhr vormittags. sömpfehle allen Freunden u. Bekannten «mein Weiss-, Itayrischbier- und syr. SpeisefrcscIiUtt. Ncich- haltigcs Fnibstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendlisch ä In carte von 30 Pf. an. 2 Vercinszimmcr mit Klavier für 20—50 Personen.' R. Stramm. Rest., Ritterstr. 123. Billig! Knavenanzüge. Billig! Mädchenkleider in großer Auswahl. 0. Hoffmann, Vetcrailenstr. 14. Fahrräder, verschiedene Marken, auch wenig gebrauchte, zu den billigsten Preisen liefert Gar! Karras, Langesir. 17, pari., kein Laden. Eigene Levrvah». Teilzahl. Sämtl. Zubehör. Ä � v % Welche Cigaretten halten Sie für die besten der Gegenwart? Sulimas„Ideal des Kenners" 100 Stück 3 Mark. + Snllmas„Perle für Berlin"— 100 Stück 2 Mark.[18478*] Diese anerkannt besten Qualitäten sind in allen Cigarren-Gesohäften käuflich! 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Die Aussperrnng der Maurer Berlins. 2. Der neue Abstim»mngs> mvdNS in der Kommission bei wichtigen Fragen. 3. Bericht über den Streit der Steinsetzer. 4. Gewerkschaftliches. Die Delegierten sind verpflichtet alle zu erscheinen. 75Gb Der Ausschuft. I. A.: Ruck. Mlllarg. Achtung, Steinsetzer! Heute abend 8 Uhr, Brnnnenstraste Str. 188: Versammlung. Tagesordnung: Die Situation des Streits und Beschlußfassung über eventuell weitere Maßnahmen. Zu dieser Bersamnilung uiüsseu setzer erscheinen.__ 174/7 auch alle in Arbeit stehenden Stein- Tie Lohnkommission, Arbeiter-Berufsartikel«.Wäsche ausschließlich eigenes Fabrikat.— Speeialität: Arbeiter- Berufs- kleidung: Blau Küper-Jacken M. 1,65, steigend je nach Größe um 10 Ps., blau Köper-Hose», in allen Längen, M. 1,65. Arveiterhemdeu, Blusen, Maler- kittel n. Monteurhemde». P. Wurzel& Co., Wrangelstr. 17 TU: t«M m II M 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzloses Zahn- /tilinR/ in ziehen I M. Plomben 1,50 M. 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In der Tischfabrik von SCllOlZ, Wcberstrabe 7, 2. Hof, II, haben sämtliche Tischler wegen Differenzen die Arbeit nieoergelegt. Zuzug femhalten. Berantwortttcher Redacteur: August Jacobetz in Berlin. Für den JnseratmteU verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.