begrüßen und zu bewirten. In der Wiener Innenstadt ist in jeder zweiten Auslage die Ankündigung zu finden,, daß Kunden englisch oder fran- zösisch bedient werden. In B u d a p« st z. B. wird mit deutschen Aufschriften nicht gekargt. Die Präger Stadtvätecmögen einmal'das St. Gellert- Schwere Spannungen In dar StIP Za Sen KMmpfen nm Malaga. Die Rebellen führen den Angriff Uber Estepona Die neue„Rundschau“ englischen Realer^.-'^t.ach-S durch di-Tsch-chosiowakei, wo der B-rtret-r der »m wird 7,"'?'°Ä°"lchen Einrichtung:» der Republik besichti- litten haü b empfindlichsten politischen Niederlagen, dir das Hitlrrsiistcm bisher er- gutem Anstand, aber der Pilöttvar verschwunden. Mgn nimmt, an, daß et nach Albrptvllle gegangen Ist und mit dem Auge in unbekannter Richtung wegfuhr..Sei der Durchsuchung des Flugzeuges pflühiin-feiüe-Papiere-.gefunden.- Äbänderungsantrag unseres Genossen Doktor Sch w« lb zu Fall.- Wäre diese peinliche Sache in Beraun oder Humpoleh passiert, so könnte man Wer eine derartige lokalpatriotische Engleisung zur Tagesordnung übergehen. Der seltsame Beschluß bezieht sich jedoch auf die Hauptstadt Prag, die in ihren ! Mauern eine ansehnliche deutsche Minderheit beherbergt und die immerhin auch ein politisches, I wirtschaftliches und kulturelles Zentrum für die dreieinviertel Millionen Sudetendeulschen ist. Daraus ergibt sich die Frage, ob die demokratische Repräsentanz der Haupt st adt Prag auf die Gefühle der deutschen Mitbürger, auf die Bestimmungen der Verfassung und auf den Geist der Staatspolitik gar keine Rücksichtzu n e h m e n b r a u ch t. Man muß doch einmal daran erinnern, daß Präg seine» großartigen Aufschtvung nach dcni Kriege nicht zum geringsten Teil auch deutschen Stcuergcldetn verdankt, die vor Beginn der Krise reichlich aus unseren gcwerbefleißigen Exportzentren in die Staatskassen geflossen sind und zur Finanzierung so mancher Staatsbauten am Moldaustrand dienten. Prag beherbergt ein ansehnliches Heer von Staats- und Landesbeamten, zu deren Besoldung die deutschen Steuerträger zu einem Viertel oder einem Drittel beitragen. Täglich bringen die Eisenbahnen und Autolinien hunderte von deutschen Besuchern aus der Provinz, die in der Hauptstadt ihr Geld verzehren und Einläufe besorgen. Nicht zuletzt soll daran erinnert werden, daß nach dem Kriege große industriell« Unternehmungen ihren administrativen Hauptsitz nach Prag : verlegt haben und hier Millionen an Umlagen bc- l zahlen, welche deutschen Städten(z. B. Aussig i und Teplitz) schmerzlich zum Fehlen kommen. , Kann angesichts solcher Tatsachen die Prager I Stadtvertretung die Beziehungen der Hauptstadt : zur deutschen Landesbevölkerüng nicht anders zum : Ausdruck bringen, als durch ein kleinliches Aus- >. schrifienvcrbot in den Geschäftsauslagen? Der Vorfall hat noch eine andere Seite. Seit ' Jahr und Tag wird viel über die Förderung des ' Fremdenverkehrs gesprochen. Es gibt aber kein besseres Mittel, fremden Besuchern, ein Gefühl gastlicher Geborgenheit zu vermitteln, als sie in ibrer Spräche zu empfangen und zu bedienen. Oesterreichische, bayerische und selbswerständlich auch die schweizerischen Fremdenverkehrs-Gebiete I haben sich darauf eingestellt, jeden Engländer, i Amerikaner oder Franzosen in seiner Sprache zu Madrid. Rach einer Mitteilung der Brr- teldigungSjunta haben die Aufständischen Samstag nachtS an verschiedenen Frontabschnitten, so bei Earabanchel und im Universitätsviertel, Angriffe unternommen, dir jedoch zurückgeschlagen wurden. Die Milizen konnten im Gegenangriff an einigen Punkten Terrain gewinnen. HavaS meldet, dass die Milizen nach dem.Scheitern der Ansständischen-Offensive im Abschnitt Aravaea und LaS RozaS zum Gegenangriff übergingen nnd nunmehr die früher bedrohte» strategisch wichtigen Punkte» beherrschen. AuS einigen Dörfern in der Madrider Umgebung wurden die Aufständischen »etlt l e b e n. Der Bormarsch der republikanischen Truppen schreitet fort. ‘ Von der Svdfront meldet Havas, daß die Aufständischen auf den Frontabschnitt bei Estepona einen, starke» Druck ausüben, wobei. Infanterie, Artillerie, Flieger und Kriegsschiffe Hand in Hand arbeiten. Die ebenfalls von Flugzeugen unterstützten republikanischen Truppen setzten sich hartnäckig zur Wehr. Zwei RrgierungSflugzeng«— berichtet Reuter— warfen Samstag über Algeeiras Bomben ab. Eine dieser Bomben explodierte un- Eln bedauerlicher Beschluß Die deutsche Verständnispolttik in der Tschechoslowakei kämpft schwer gegen den Pessimismus der eigenen Landsleute. Immer wieder stößt sie auf den skeptischen Einwand, daß die versöhnlichen Kundgebungen der führenden Staatsmänner in den Handlungen der Bürokratie, aber auch in der praktischen Haltung der einzelnen politischen Gruppen zu wenig Widerhall finden. Vorwenigen Tagen ist eine Entscheidung aus lom- niunalem Gebiete gefallen, lvelche leider wiederum Wasser auf die Mühlen derjenigen treibt, die an einen ehrlichen Verständigungswillen auf tschechischer Seite nicht glauben lvollen. In der Prager Sladtvertretung wurde Montag ein Regulativ beschlossen, welches die Bedingungen zur. Bewilligung von GcschäftsauSlagen fcstsetzt. Darin ist auch die Vorschrift enthalten, daß alle Beschriftungen in einlvandsreiem Tschechisch gehalten sein müssen. Bei der Beratung wurde von dem deutschen sozialdemokratischen Vertreter darauf hingcwiesen, daß die beantragte Fassung als ein indirektes Verbot jeder deutschen oder anderssprachigen Aufschrift in'den Geschäftsauslagen der Hauptstadt Prag aufzufassen sei. Eine solche Beschränkung widerspricht sowohl der Verfassung als auch dem Minderheitöschntzvertrag von St. Germain. Diese vernünftige Argumentation fand aber nur bei den tschechischen Sozialdemokraten, den Kommunisten und der kleinen Fraktion der Mieter Verständnis. Alle anderen weit veS Hotels„Königin Christine", in welchem General Oueipo de Llano fein Hauptquartier. anfgefchlagen haben soll. Der amerikanische Konsul in Gibraltar teilte dem Staatsdepartement in Washington telegraphisch mit, daß bei dem letzten Luftkampf über Malaga daS Gebäude des dortigen amerikanischen Konsulats zerstört wurde, ohne daß jemand verletzt worden wäre. Von der. baskischen Front wird nur gemeldet,' daß Negierungsartillerie einige Frontabschnitte beschossen hat, ohne daß die Aufständischen geantwortet hätten. In Bilbao sind fünf Handelsschiffe eingetrofsen, die Nahrungsmittel und Kohle löschten. Gleichzeitig wiiB aus London, gemeldet, daß der Dampfer„Cabo Sil- liero"/welcher für ungefähr 7 Millionen Francs Waren, hauptsächlich.Lebenbedürfnisse, geladen hak, nicht, wie. angegeben, nach Tajen, sondern nach Bilbao fährt. faschistische Gruppe in Barcelona entdeckt Barcelona.(Havas.) Die Mitglieder der politischen Sonderpolizei kamen einer Bewegung auf^I« Spur, die in Barcelona'für die Aufständischen gearbeitet hat. In dem amtlichen Bericht heißt es, daß die Mitglieder der Bewegung die'eventuelle Landung und Ausschiffung einer Arme«, der Ausständischen sn Katalonien In der Weife'.'voichereiteten, daß sie durch.Uebersall wichtige Stiategische Punkte in der Stadt undöffent- liche' Gebäude besetzten. Es wurden 14 Personen verhaftet, darunter drei Kapitäne der Infanterie, die die. Haupturheber wa.ren. Sämtliche Personen haben ein Geständnis abgelegt. Auf dem Weg zu Franco notgelandet? Amiens. Ein Flugzeug unbekannten Typs ist, Dienstag, nachmittags auf. Vein Flugplatz in Von der Gestapo ermordet! ' Der sozialdemokratische Funktionär und Sekretär deS Deutschen MetallarbeitcrverbandeS Otto Hampel aus Staßfurt bei Magdeburg ist, Ivie der „Neue Vorwärts" berichtet, von ver Gestapo ermordet worden. Hampel war führendes Mitglied der SPD, Leiter der Eisernen Front und Stadtverordneter in Staßfurt. Durch seine energische gcwerkschaftliche und politische Arbeit war der Ermordete in der ganzen Arbeiterschaft des Gebiete? sehr beliebt. In den ersten Monaten der Machtergreifung durch die Nazis wurden die^Industriestädte Staßfurt und Schönebeck bei Magdeburg, die beide ein«, sichere sozialdemokratische Mehrheit hatten, von brutalstem Terror ortsfremder Nazistürme heimgesucht. Anfang Feber.1888 wurde von einem Näzigymnasiasten der Staßfurter Bürgermeister und Abgeordnete Hermann K a st e n durch. Revol- oerschüffe ermordet. 'Otto Hampel gehörte zur Leitung de» riesigen Massendemonstrationen, die gegen diesen Mord an feinem-persönlichen Freund Im ganzen Gebis» durchgeführt wurden. Bald'darauf wurde von den SA-Mördern der Kollegs Hampels in Schönebeck. Sekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes und Stadtrat, Otto Kresse, ermordet. Die Nazistürme hausten in Schönebeck und Staßfurt wie die Vandalen. Alle Familien führender So- zialdemokraten wurden heimgesucht, die Wohnun- I flin, wurden verwüstet und di« zertrümmerten | Möbel auf die Straße geworfen. Zu Dutzxnden | mußten die Genossen sich an allen möglichen.Orten | bei- guten Freunden einen Unterschlupf suchen. | Otto Hampel hat sich so bei Bekannten und.Ver- | wandten bis zum Sommer 1888. dem. Zugriff-der I Nazis entzogen. Dann wurde er von der Gestapo laus, der Wohnung.seiner Tochter sn Harburg ver- I haftet und nach 1^ Tagen war er—«rm°rde i I seine Tochter durste, nur noch die Leiche b.i der I Polizei sehen. In der.Arbelterschafkselne» lang-. I jährigen' Wirkungskreises lebt er als Mahnung I weiter. . Keine Betriebsbesetzung mehr Im Pariser Gebiet PariS. Der französische Innenminister hat_ erklärt, daß in Paris und Umgebung kein Unter- s RaihauSpartcirn, einschließlich der tschechislbe» nehmen mehr von streikenden Arbeitern beseht Nationalsozialisten, brachten einen entsprechenden würde, daß die Nachrichten der deutschen Presse irrig seien. Im Gegenteil, diese Annahme bedeutet de« Willen, d e m D e m e n t t in e h r N a ch» druck zu perle ich en, Gleichzeitig bemerkt hig gleiche Quelle, dass hie Deutschen noch nicht.... auf die Einladung zur Teilnahme an der Unter», tid freiwillig dar letzte besetztgehaltene Unterneh- suchung geantwortet haben, die Ihnen von Prag' men, eine große Seifenfabrik' in einer Pariser a«S^«gegangen. tst„" Erscheint mit Ausnahme des Montag tSgttch früh ktl n und Verwaltung. Prag XU., Fochova 62— Telephon 58077— Herausgeber: Siegfried Tauch— Verantwortlicher Redakteur: KarlKern,Prag Weiterer Geländegewinn bei Madrid i Schwefe Kämpfe vor Meles* z Fronco-Hefen Alseclras bombardiert Der englische MiNtärattach« in der Tscheche- n n|l p.j.l J.. Uaimhhlll slowakci soN sich nach einigen Flugzentren bege- Uvl IlClSl UUl lidU|ll«öl^?_ e J tt russischer Bomber auf eine deutsche Stadt«— ergeben. . n Eben die Lüge von den roten Flugplätzen ganz offiziell vertreten. In ar?. W.° L e„ n brr- und Goebbels konkrete Behauptungen über die ausgestellt. Die„Militärwissen schaflliche. Rundschau" hat sich mit diesen Flug- Plätzen, beschäftigt und das Gebiet Prag—BndweiS—Jglau-lö Zentrum der russischen Luft- macht angegeben. Nunmehr wird dieses Märchen gründlich zerstört.' ,/.Dl«, englische Otfisentlichkeit hat in diesem Fall gemerkt, waS gespielt wird und eS ist nicht weiter blödmachen läßt. Die Reise deS britischen Attaches wird«in rix 3™“® oe^ eW Arbeit zuyichtemachen und dir Absage deS deutschen AttachkS ,mter- streicht nur die Blamage. D,e en,«schon Blätter, sogar di«„MornMgpost« schreiben übrig««» ganz offen- daß Gefahr im Verzug« war und«S galt,«Inen Gewaltstrrich der Razi gegen dir Tschechoslowakei abzuw ehren! Um dem Dementi mehr Nachdruck zu verleihen... Pa r i s. Der Londoner Berichterstatter deS HävaSbüro» erfährt, daß'di« englische Regierung die Einladung der tschechoslowakischen Regierung zur Teilnahme an der Untersuchung auf dem Gebiete der Tschechoslowakischen Republik angenommen hat, um sestzustellen, dass die kürzlichen Behauptungen der deutschen Presse über den Sowjetcinflug in der Tschcchosiowakel v o l l- kommen falsch sind. An britischen Stellm macht man darauf aufmerksam, daß dir Annahme der tschechoslowakischen Einladung in London absolut n i ch t bedeutet, daß Loudon irgendwie daran zweifeln Seite 2 Lonning, 17. Jänner 1037 Nr. 15 falb aus her Ofner Selle besuchen und sich über« zeugen, welche- Maß an sprachlicher Toleranz in her Hauptstadt eines Nationalstaates, bü aller» ding» auf fremde Besucher Wert legt, möglich ist. Nimmt man hinzu, daß unter allen ausländischen Besuchern Prags Deutsche und Deutschsprechende immer das weitaus größte Kontingent gestellt haben, dann wird esumso unverständlicher, war- :im selbst in den GeschästSauslagen das Deutsche neben dein Französischen und Englischen verpönt bleiben soll. Eine bessere Anti-FrenidenverkehrS« Propaganda könnte man wahrlich nicht ersinnen.. Die pragerische. Abneigung gegen die deutsche Sprache stammt aus der Vorkriegszeit, als Prag der Mittelpunkt des tschechischen AufstiegSringenS war. Damals ist aus jeder deutschen Firmatafel auf dem Graben ein Politikum geworden. Damals war Prag da- Zentrum,de- oppositionellen Tsche« chentumS— heute ist e». die Hauptstadt einer gemischtnationalen Staate»; mit starcker^ deutscher und ungarischer Bevölkerung. Glauben denn die Stadtväter von derhauPtstädtischenRathäuSmehc- heit auf einen solchen, gewiß nicht belanglosen äußeren Wandel gar keine Rücksicht nehmen zu müssen? SIS mögen sich von un» in aller Offenheit sagen lassen, daß sie mit solcher Stellungnahme der BerständlgungSidee einen schlechten Dienst'erwiesen haben. Der jüngste Spcachenbeschluß der Prager Stadtverwaltung war taktisch unklugund er ist verfassungsrechtlich.unhaltbar. Er sollte kör- rigiert werden, ehe sich eine feindselige AuSlandS- propaganda'seiner mit Behagen bemächtigt. setzimg eine» festen AusteilungSschlüssek», der nicht, mach irgendwelchen unsachlichen Gesichtspunkten jederzeit willkürlich geändert werde« kann,«Md Sicherung'wegmderPtrise. Zu denselben Ergebnisse» in. der Zurückziehung der agrarischen Forderungen gelangt dal„Prävo Lidu", welches zum Problem der Kunstfeit-Versor- gung Samstag in einer ausführlichen Untersuchung Stellung nahm. Gewerbepartei gegen Agrarier In Mähr. Ostrau,haben sich wie die„Lidovö Novinh" melden, die Gegensätze zwischen Agrariern, und Gewerbeparteilern in der letzten Zeit zugespitzt.-Die Angriffe auf die Agrarier gehen von der Ostrauer Fleischergenossenschaft aus, welche-die»Agrarier der Gewinnsucht auf Kosten breiterer Massen beschuldigt..Bor allem wird auf das. Sinken des Fleischkonsums hingewiesen. Trotzdem nehmen die Einfuhrorgastisationest, die ganz im Dienst der Agrarier stehen,'Mehr Geld ein al» früher. Ebenso hat die agrarische Molkereigenossenschaft an der. Einfuhr aus ländischer Butter genau so verdient wie, an der Ausfuhr tschechoslowakischer Butter. Im Dienst der Volksgesundheit . In diesen Tagen finden im Gesundheitsministerium wichtige Beratungen statt.. Sie betreffen die Frage der Bervollkommnung der Gesundheitsstatistik, die Regelung der Berichterstattung der Sdadtärzte und besonders eines regelmäßigen Berichterstattungsdienstes über den gesundheitlichen' Zustand der Bevölkerung sowie schließlich die Neuregelung der Schutzimpfung von Personen, welche von tollwutkranken oder tollwutverdächtigen Tieren verletzt wurden. Diesen Beratungen werden außer den Lan- deSsanitätSreferenten auch die Vertreter d-S staatlichen statistischen Amtes und der Staatlichen Ge- sundheitSanstalt sowie hervorragende Fachleute beigezogen werden. Die erste Beratung fand am Samstag, den IS. Jänner 1037, im Gesundheitsministerium statt. , Vortrag de» britische« Artetter-Abgeord- neten G. Grenfell in Prag. Ueber Einladung des Sozialinstitutes der Tschechoslowakischen Republik trug Abg. David Grenfell, Mitglied des Außenausschusses des britischen Unterhauses, am Freitag in Prag über das Thema„Die Pflicht des Staates gegenüber den Arbeitslosen" vor. Den Gast begrüßte der Vorsitzende der SozialinstitutS Professor Dr. Schoenbaum. Der Vortragende erinnerte an die Anfänge der Versicherung g e g e n Arche itslo sigle st in Eng« land. deren Grundlagen der liberale Minister Lloyd 1 George im Jahre 1011 gelegt hat..Zur 'Versicherung trügen der Arbeiter, der Ar» b eit g e b e r und der Staat bei. Die Beiträge' waren geringfügig und auch die Unterstützung war klein, eS wurde aber zum erstenmal hie Pflicht des Staate» verkündet, sich mn'den arbeitenden Bürger, der ohne eigenes Verschulden um die Existenz kommt, zu kümmern. Die Versicherung erwies sich als sehr vorausschauend, denn nach dem Kriege ist bisher in' England die Arbeitslosigkeit niemals unter eine Million P e r s o ne n gesunken. Die Arbeitslosigkeit vermindert, sich zivar, aber der Bergbau und die Textilindustrie 'haben bisher die Krss.se überhaupt nicht überwunden. Gegenwärtig werden in England an.ArüeitSlosen-UnterstützUng mehr al» 100 Milliosten Pfund Sterling jährlich auS- bezahlt und diese» Geld erweist sich als f ü r de n Kon sum notwen dig und ersp ri.e ß- li.ch, womit es eine sehr. Wert volle w. i r t s ch ä.f t jU ch e, Fun k t i p n au»« übt. Obwohl e» sich um eine ungeheure Ausgabe handelt, ist das N a t i o n a I e. i«k. o m m e n Englands dochgröße r als jemals vorher. Die Versicherung erlvie» sich als so notwendig und zweckmäßig, daß' ihre Geltung auch auf die l a u d w i r i s ch a f t l i ch e Arbeiterschaft, beginnend mit der Altersgrenze von 11 Jahren, ausgedehnt wurde. Zum Schluß machte der Vortragende darauf.aufmerksam,..büß.. der technische Fortschritt eine-Organisierung, de».Einkommen» und der Fürsorge UM die Kaufkraft der Verbraucher erfordert, weil gerade die maschinelle Ueberprodultion an den.Konsuin große Anforderungen stellt.— Der Vortrag tvürde mit lang- anhaltendem Beifall.belohnt, ,.... Der Präsident der Republik empfing am Samstag den englischen Abgeordneten David R. Grenfell. RechtSHUfeabkommen mit Oesterreich. Im Rahmen der Verhandlungen über die Regelung der Rechisverhältnijse mit Oesterreich, welche in Prag am 10. d. M. begannen, kam es Samstag im Justizministerium zur Unterzeichnung eines administrativen Abkommens, über die gegenseitige Zusammenarbeit bei Nachforschungen nach entflohenen Verbrechern und nach vermißten Personen. Diese Regelung hat für die- Erleichterung der gegenseitigen Beziehungen wegen Auslieferung der Verbrecher Bedeutung:. in Kurzes Stockholm. Der Gouverneur von Stockholm hat angeordnet, daß der bisherige spanische Gesandte Fiseowltsch binnen zehn Tagen das Gesandtschaftsgebäude der Vertreterin der spanischen Roten zu überlassen habe. Er- kann gegen diesen'Beschluß gerichtlich Berufung einlegen. Basel. Einer Pressemeldung zufolge ist die Frist zur Einreichung der Kassationsbeschwerde gegen dä» Urteil gegen David Frankfurter wegen Ermordung de» Landesgruppenleiter» Gustloff' ungenützt abgelaufen, so daß. nunmehr da» Urteil in Kraft tritt., London. Zur Reise des Direktor» der Bank'von England Otto Niematzer in die Bereinigten Staaten verlautet, daß er sich Verhandlungen iweö Angele- genheiten widmen wird, welche mit dem drei Staa- ten-WährungSabkommen zwischen. England, din Vereinigten Staaten und Frankreich Zusammenhängen.-,,........'; Brüssel. Die belgische Regierungsist.bereit» im Besitze der Antwort der^Regierung-iipchsgleneia aus -die 8osdenmg-7der,v»llzn.S.chMoühältFna kür hie Ermordung de» Baron» Borchgräve,,'«» heißt, daß die Antwort der Valencia-Regierung in' vielen Punkten befriedigen d ist.,,.,. Sofia. Die Polizei blockierte In der Nacht'auf Samitag das vorwiegend von Mazedoniern bewohnte Viertel.'Die Recherchen dauerten bi» SaMStag vormittags, Einem amtlichen Bericht zufolge- wurden 80 I Personen, die keinen Personalausweis besaßen, an- i gehalten. Es wird jedoch behauptet, daß diese Poli- zeimaßnahmen mit den Deinonstrationen züsamsnen- hängen, die, die Mazedonier gegen den bulgarssch- jugosiawischen Pakt planen. Tel Aviv. Während de»- vergangenen Jahres sind nach Palästina.insgesamt 2V,SIS,Juden eingewandert..' Die Margarine-Versorgung Ein Memorandum des GEC-Verbandes an das Fürsorgemlnlsterlum Derzeit schweben Verhandlungen über die Festsetzung des Viargarine-Kontingente» für da» Jahr 1937. Auch Heuer sehen die Agrarier aller daran, um da» Kontingent so lveit wie möglich zu drücken. Obwohl un ve'gangenen Jahr 7ö0 Waggons bewilligt waren und die Verhältnisse einen immer stärkeren Konsumbedarf mit sich bringen, scheuten sie sich nicht, für da» heurige Jahr ein Kontingent von nur 1300 Waggon» zu beantragen. Ter Gee-Verband hat zur Wahrung der Derbraucherinteressen an das Fürsorgeministerium ein Memorandum gerichtet, in welchem er u. a. au»- führt: Wir schätzen den Bedarf für 1037 ans 9000 Waggons, vielleicht wäre das Auslangen auch mit 8800 zu finden. Wir sind aber der Neberzeugung, daß auch 7800 Waggon», die für das ahr 1Ü3S bewilligt wurden, im Jahre 1037 nicht reichen würden. Die Behauptung der Agrarier, Margarine und Kunstspeisesette verdrängten Naturbutter, entspricht nicht den Tatsachen. Wir haben doch gerade im Jahre 1038 in den Monaten der größten Not an Kunstfett und Margarine— z. B. in der zweiten Septemberhälfte, aber auch im Oktober und November— gesehen, daß sich die größten Buttervorräte angesammelt haben, die keine Käufer fanden. Die Frage de» Kunstfettabsatzes ist ausschließlich eine Frage der Kaufkraft der breiten Bevöl- kerungimassen. Wenn statt der 7800 Waggon» Dlar- garine nur 4300 erzeugt loerden, so toerden höchstens um Iventge Dutzend Waggons Naturbutter mehr abgesetzt werden, während um die tausende Waggon», die a» Kunstfett weniger erzeugt werden, eben der Fetwerbrauch der breiten Konsumentenmassen geringer sein wird. Wegen 100 Waggon» Molkereibutter, die in der letzte« Zeit eingelageri waren,-habe«, die Großagrarier den Mitt, Sen breiten Verbranchermassen 3000 bis 4000 Waggon» Kunstfett vom Munde nehmen zu wollen. Wir erklären, daß un» die Bedürfnisse jener hunderttausend Verbraucher, die auf den Konsum der 8000 bis 4000 Waggons angewiesen sind, viel wichtiger erscheint, als die Interessen der Molkereien^ die zeitweilig 100 Waggon» Naturbutter einlagern müssen. 100 Waggon» Molkereibutter, da» sind insgesamt 1 Prozent der JahreSerzeugung oder der normale Bedarf von vier Tagen. 8000 bis 4000 Waggon» Margarinebutter ist der Halbjahreibedarf von hunderttausend armen Berbraucherfamlllenl Wenn beim Dutterexport verlustbringende Preise erzielt werden, dann ist auch dies ausschließlich Schuld der Molkereien, die es nicht verstanden haben, da» Butterexportgeschäft aufzubauen. Wenn die Butterproduktion und die Milchvenveriung passiv sind, dann ist dies nicht nur verursacht dürch die vorher erwähnten Umstände, sondern auch durch da» agrarische Getreidemonopol, welches die Futtelmlt- tel in starkem Ausmaße verteuert. Daß die meisten Rohstoffe für die Kunstfetterzeugung au» dem Au»lande kommen, ist richtig. Die Rohstoffe werden via Holland, England und Deutsch, land gekauft. Diese Länder kaufen unsere Industrieerzeugnisse, wie Glas und Eisenwaren, Porzellan, Textilien und andere Fertigwaren und führen diese in die Kolonien. Der Hinweis der Agrarier auf die wünschenswerte Einfuhr von Schweinefett anstatt lstohstosfen für Kunstfett ist nicht stichhältig. Bor allem ist Schtveinefett für die breiten Bolkimaffen, die Kunstfett konsumieren, viel zu teuer. Außerdem sind die Weltfetlvorräte klein, und wenn Schweinefett au» den Devisenländern importiert würde, wären die Devisenansprüche mehrmals so groß al» beim Import der Rohstoffe für Margarine. Ter Balkan kommt wegen geringer Fetlvorräte nicht in Frage. Würden wir aber dort wesentlich mehr beziehen als bisher, so würde die Eleariniabrechnung sofort in Anordnung kommen und unser eingefrorene» Guthaben in diesen Ländern noch größer werden. Direkte Kompensationen: unsere Jndustrieerzengnifle gegen ausländische» Schweinefett kommt nur in ganz geringem Ausmaße in Frage. Wenn aber den Agrariern soviel an dem Import von Schweinefett gelegen ist, warum haben sie dann die von uns verlangte Zollaufhebung verhindert? Die Agrarier haben unrecht, wenn sie erklären, daß die Margarine die Butterproduktion katastrophal gefährde. Au». Statistiken über den Verbrauch 'bon',Ngtur«--üNd KnnstfettxN, iw dt^TschechosiVww-‘ lischest Republik'in den Jähren 1Ü32 bis 1035- geht hervor, daß die Naturbutterproduktion mengenmäßig gestiegen, prozentuell nm eine Kleinigkeit geringerist. Genau so ist er bei Schweinefett-und Speck. Der Absatz an Kunstfett ist größer geworden: Die»,ist aber nicht nur in der Tschechoslowakischen Republik der Fall, sondern in aller-Welt, sogar in dem reichen England. Da» Memorandum nimmt dann eingehend zur Frage der Verwendung inländischer Oelsamen für die Margarineerzeugung Stellung und faßt die Forderungen der Konsumenten folgendermaßen zusammen: Aufhebung des Kontingent»»der aber Festsetzung eine» genügend hohen Kontingents, Fest- Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld m Nun war sie nahe, und er konnte ihr die Hand reichest; zum erstenmal berührte er ihre Hand, eine tveiche, zärtliche Hand, die streicheln kennte, stumm und schweigsam allen Schmerz der Welt von der Stirn streichen. Er ging, er druckte sich an der Wand entlang, als er das Cafö verließ, Isabella tanzte mit Genno, drei Paare drehten sich auf dem Parkett wehende bunte Kleider, lachende Gesichter. Er lief auf die Straße, wo, war Wimba, er wollte Bimba noch einmal sehen und die llelne graugestreiste Katze. Aber Bimba schlief oben, im ersten Stock, bei Frau Plesköt, in seinem Körbchen, die kleine Katze lag neben ihm, und im andren Zimmer, durch eine Mauer von ihm getrennt, Pipsi, mit einer dunkelblauen Schleife um den Hal», auf die sie sehr stolz war. Die Straßen waren leer, sein Schritt klang hinter ihm, als würde er verfolgt, er blickte sich um, vielleicht lief Mittelmeier hinter ihm her, um ihn zu züchtigen, ein Mann wie Mittelmeier ließ seine Braut nicht beleidigen. Ein Mann wie Mittelmeier hatte Geld, eine Wohnung, eine Frau, ein Mann wie Mittelmeier hätte seine Ehre. Hugo würde morgen den Rcst seines Lohns aurbe» zahlt-bekommen, wenn er es über sich brächte, seine Schritte.noch einmal in das Cafö Finsterbusch zu lenkerster- würde zu einer Stellenvermitt« . lung laufen und fragen, rb man. nickt einen Kellner brauchte, und, man würde-antworten: Jetzt, am Ende der Sommersaison,, in den Tagen, in denen die Kellner aus den Badeorten in die Stadt zurückströmten, in denen alle Aushilfskellner aus den Badeorten entlassen würden, jetzt suchte er einen Posten? Warum habe er denn seinen Arbeitsplatz verlassen? Er sollte wieder Nachfragen, in ein paar Wochen, vielleicht... doch die Aussicht sei gering. Er ging in ein Büfett, stürzte ein Gla» Limonade hinunter, der Trank Ivar warm und schal, ein fauliger Geschmack blieb auf seiner Zunge zurück. Er lief weiter, seine Augen blieben aa glühendem GlaS hängen, um die Kanten eines riesenhaften Kragens rann ein Lichtstrom, eine Füllfeder, meterlang, hing quer durch eine Auslage, ihre Spitze flammte In gelbem Glanz, in Ihrem Körper war ein dunkelblaues Flimmern. Aus den Kinos quollen Menschen, verloren.sich in de» Cafös, die hell erleuchtet dalagen, vor, einem Heer befrackter Kellner durchschwirrt. Hugo sah nur die Hände der Kellner, loSgerissene, an unsichtbaren Fäden hängende Hände tästzten durch die Luft und hielten Tassen, Gläser, Zeitungsblätter. Die Körper der Kellner hatte der Cafö» tier tief in den Schlünden des Hauses in Schränke gesperrt, er gab sie erst wieder heraus, sobald da» Licht in seinem Betrieb erlosch. In seinem Zimmer öffnete Hugo den Kasten, er griff in die Tasche seines SonntagSanzugeS. zweimal hatte er ihn erst getragen, und holte die Puppe hervor. Sie lag, auf dem zerfalteten, dünnen Papier, vor ihm, ein armseliges Gebilde aus Stoffresten und Knöpfen, grau vom Staub und bleich von der Sonne. Er nahm eine Schere und schnjtt. der Puppe die Hände ab. Die Puppenhände, zwei winzige Stückchen Tuch, mit Watte nusgefUllt, stopfte er in seine Tasche. Au» den Armen der Puppe, rollten kleine Watteballen, weiße Kugeln, als Kind hatte er mit weißen und bunten. Kugeln.an Straßenecken gespielt.' Er legte die Pupp: unter, sein Kiffen,.am Rand.de- BetteS, damit si nicht vrm Gewicht sein-S Köpfe? zerdrückt würde., Er warf sich auf das Bett.' ml! den Kleidern, dir Schuhe wehten am Fußend» qegen das Holz. Er schloß die Augen, aber er schlief nicht. Er lag nicht allein in seinem Bett, neben ihm lag die Frau, ein weicher, warmer Körper, seine Hände hafteten an ihrem Leib, di» Haut seiner Hände brannte unter dieser Berührung. Die Frau lachte, daS Lachen kam tief aus ihrer Kehle, ein Tier faß darin, das ihn rief. Ich bin doch da, schrie sein Blut, ich bin doch dä. Er fühlte die Haut der Frau unter seinen Händen, er fühlte den Dust ihrer Körpers, er hörte ihr Lachen im Ohr, es bohrte sich ins Hirn, es fraß sich weiter und weiter durch seinen Leib. Er rief: Carolq, doch Carola war fern, er streckte die Hand auS, aber er erreichte sie nicht, sie wich immer weiter zurück, ein Menschenstrom, der aus der Tiefe eines Kellers zu quellen schien, schob sich zwischen sie.und ihn. Ich lieb: sie doch, Carola, rief er; sie rief, von ganz weit: Ich weiß es, Hugo, aber ich vermag dir nicht mehr zu helfen. Geh zu Isabella, du gehörst nun ihr. „Ich gehöre ihr nicht," schrie er,„ich will ihren Namen nicht mehr hören, ihr Gesicht nicht mehr sehen, ihren Körper nicht mehr fühlen. Die isst auSgelöscht, ich habe sie zermalmt, ich habe sie zerrieben zwischen meinen Händen. Belüge dich 'sticht, Hugo, rief Carola, sie ist da,.sie,wird immer da sein, solange du lebst. Dann will ich nicht mehr leben, schrie Hugo, und. seine Stimme veä- . sagte. Heiserkeit saß in seiner Stimme, da» Blut gerann, die Arme hingen wie gelähmt herab, er konnte sie nicht mehr bewegen. Am Morgen ging er nicht in das Cafö. Et ging zu Grothäus, er ging zu Carola.* ,„Ich habe noch gestern mit Finsterbusch gesprochen. Sie können nicht in seineist Cafö bleibers, nach dem Auftritt von gestern. Ep wird Ihnen für vierzehn Tage Ihren Lohn aurzahlen,, er wird mit einem Kollegen In' einem andren Bezirk sprechen, vielleicht tauscht ein Kellner seinen Platz mit Jhstest. Aber Sie'MffeN"versprechen—'"'. •„Ich verdiene gar nicht, daß Sie.sich so für mich einsetzen, Fräulein. Carola," sägte Hugo: .„Ich dastke Ihnen auch r^*.. „Vor allem gehen Sie die vierzehn Tage aus Urlaub. Wir werden eine kleine Tour zusammest- stellen. Sie nehmen Ihren Rucksack upj>"Jhren Bergstock, und vergessen, daß es diese Stadtsund das Cafö Finsterbusch und eine Liliengasse gibt'. Wen« Sie zuriickkommen, haben Sie in. einem andren Stadtteil zu tun, nichts z'wliigtSie mehr, in diesen Bezirk zu kommen. Dann ist alles längst versunken und begraben." Hugo hatte einen Prospekt ergriffen, der aus dem Ladentisch lag, faltete ihn, zweimal, viermal, achtmal.»Ich will heute noch mit Vaal reden", fuhr Carola fort,„er will mit seinem Wagen in die Berge'kahrest, er sagte gestern, er habe'nun Urlaub. Er fährt nickt gern allein., Vielleicht nimmt er Sie ein Stück Wegs mit:" „Ich bin noch nie in'-einem Autos' kn He Bergegefahren," sagte Hugo.'„DaS wäre'-sehr- schön,"'„Kommen Sie moraest wiederher,-'ja? Dann säge ich Ihnen'Bescheid/ „Ich werde kommen, Fräuleist Cq'rolä. Und vielen Dckstk~ u „ES ist schon güt'! Hugo', eS ist schon gut'--." .- XIV.".' V'."'•-•r '...Auf dem Heimweg' We die'Dante döst Isabella eine Erklärung erwartet; wenn.^ einer Frau bei ihrer. Verlobung ,ein Kellner eisten'Häufen Liebhaber.nachsagte, mußte'sie. sich doch vor ihrem Bräutigam, verantworten.' Wer Isabella hatte nicht, die Absicht, vpr der Tante daS Gespräch auf ein Thema zu.bringen, da».heikel und" für-sie wie für Mittelmeier peinlich itatf. Erst al» die Tante sich än der Tsir. ihre» Hotel» verähschsedet hätte, und Isabella mit' Mittelmeier weiterging, sagte siet.-’. ..’.„Ich.muß dir döch.nicht, erst erklären,' daß alle» Unsinn war, was dieser Kellner gebrüllt hat. Der Mästn sprach imFiebe.st.und du wiEw'qhl gestug vertrauen zu nist haben, Nm mir z'u'.'gläu- ven, daß.an stinest. Beschuldigungen nicht ein wahres Wort Wär."'/'- ^(Fortsetzung fdltzt;)! Nr. 15 Sonntag, 17. Immer 1937 Seite 3 bannet— Botschafter In Washington Paris. Die Ernennung des Deputierten Georges Bonnet zum Botschafter in Washington wurde solvohl in Finanz- als auch politischen Kreisen Frankreichs mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Da Georges Bonnet Mitglied des Parlamentes ist, wird er vorläufig nur für sechs Monate zum Botschafter ernannt und sodann erst entschieden werden, ob er sich der parlamentarischen Karriere'begeben und, wie seinerzeit FransoiS Poncet in Berlin, definitiver Botschafter werden will. Die Mission Bonnets in Washington gilt weniger der.Regelung der franziisischen Kriegsschulden— denn diese Angelegenheit beabsichtigt Frankreich eines Tages im Einvernehmen mit England zu regeln— als vielmehr der Regelung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und Amerika.■ Seine Hauptaufgabe wird es fein, das Finanzabkommen Frankreichs mit den Vereinigten Staaten z»'vertiefen, das kurz vor der Oktobcr-Devalvierung der Franc vereinbart wurde, und schliesslich wird Bonnet die Basis fiir weitere Finanzabkommen" zwischen beiden Staaten, insbesondere für den. Fall neuer Devisenänderungen, zu vereinbaren haben. Neuer Schritt Belgiens wegen Degrelles Rundfunkrede Brüssel. Die,. belgische Regierung protestierte kürzlich bei der italienischen Regierung dagegen, dass der Führer der belgischen Rexisten, D e g r e l l e, im italienischen Rundfunk sprechen durfte. Da auf diesen Protest keine Antwort erfolgte, beabsichtigt-die belgische Regierung ihr Einschreiten zu wiederholen, weil bekannt ist, daß Degrelle neuerlich über den Turiner Sender sprechen, will. Gemeindewahlen In Bulgarien Sofia. König Boris genehmigte das Gesetz über die Gemeindewahlen, welche binnen kürzester Zeit nacheinander in den einzelnen Kreisen werden durchgeführt.werden.' Das Wahlrecht wird dem Gesetz zufolge allgemein sein und auch auf die Frauen-MÜtter ausgedehnt sein. Das Wahlshstem soll" die Wahlbeteiligung aller Schichten-der Bevölkerung ohne Vermittlung der ehemaligen politischen Parteien ermöglichen, welche auch"weiterhin aufgelöst bleiben. Einigungsverhandlungen Lansing. Am Sitz des Gouverneurs des Staates Michigan sanden zwischen den Vertreten« deS Arbeitersyndikates und der General Motors Co. Beratungen-über die Beilegung deS Streiks in der Automohilikdüftrie-statt-'"Di»S Ergebnis Ist noch nicht bekannt. Kaiser Wilhelm-Kanal . für nichtdeutsche Kriegsschiffe gesperrt Berlin. DaS Oberkommando der Kriegsmarine hat der Bestimmung über die Durchfahrt fremder Kriegsschiffe durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal folgende neue Fassung gegeben:„Kriegsschiffe und KriegSsahrzeuge fremder Mächte dürfen den Kaiser- Wilheim-Kanal nur- nach vörhergegangener auf s diplomatischem Wege zu envlrsender Genehmigung durchfahren". Diese Massnahme ist in eine Reihe zu stellen mit s der Aufhebung der Vertragsbestimmungen betreffend die Internationalisierung der mitteleuropäischen Ströme. Di« ausländischen Kommentare, welche dazu bekannt werden, besagen, dass es sich um eine Geile handelt, die erwartet wurde und ohne-jedwede prak-| tische Bedcutung ist. Sudetendeutsche „Geistigkeit" Buchhändler Im Dienste Henleln-Hltlers Am Jänner-Heft des„Kämpf" hat Genosse Hofbauer sehr zutreffend die geistige Verfassung deS Grossteils des sudetendeutschen Bürgers tumr, dessen enge Verbundenheit mit der national» sozialistischen„Kultur" Deutschlands und den Mangel, eigenen geistigen Schaffens im Sinne deS demokratisch-sozialen Fortschritts gekennzeichnet. Sein Hinweis auf'die fast restlose-Gleichschaltung der.bÜrgerlich-sudetendeukschen.P resse mit Hitler-Deutschläjid, die. sich in. der Haltung zur Spanien-Fräge wiederum aufs klarste offen» baxts muss.ergänzt werden durch.dxn Hinweis aus das Treiben jener zahlreichen B u ch.h a n d l u n< g em.im".sudetendeutschen Gebiete,- die. sich ganz offenkundig in den'Dienst der Henleln-Hitler- Propaganda gestellt haben.' Wer die Möglichkeit hat," In"den'diversen sudetendeutschen"Städten'die Auslagen vieler Buchhandlungen zu studieren,'erlebt schon seit landein sein.— braunes Wunder." Nicht nur. eine Meng« reichsdeutscher Zeitungen.werden ostentativ auSgehängt.— von der Henlein-Presse"ganz abgesehen-sondern ,-auch/eine, Unzahl solcher Büchen" die auf den. ersten Blick den-widerlichen „Geist" des Dritten Reiches"erraten lassen. Dass- man hin." sind wieder auch andersgeartete Bücher etktdeckt,'. soll nicht bestritten werden, doch ninisnt die von Goebbels dirigierte Literatur den Hauptplatz'ein...." Wer es aber/.trotzdem, nicht glauben sollte, dass der subetendeutsche Buchhandel.sich systematisch bemüht,".die" nationalsozialistisch geeichte.Literatur von drüben zu verbreiten» nehme einmal dar„neue fudetendeutsdicr Xcitepie^d Genossin Marie Kremser gestorben Einen schweren Verlust hat unser Genosse Heinrich Kremser erlitten. Seine Gattin, Genossin Mario Kremser, ist Samstag in Tcplitz- Schönau ganz plötzlich einem Schlaganfall erlegen. Sie stand erst im 55. Lebensjahre und wer di.- lebenslustige, ganz und gar nicht kränklich wirkende Frau näher gekannt hat, wird von ihrem plötzlichen Hinscheiden ebenso überrascht wie schmerzlich betroffen sein. Genossin Kremser ist ihrem Gatten in den lange» Jahren ihrer Ehe eine mutige und unverdrossene Kameradin gewesen. Sie hat ihn in guten wie in bösen Zeiten mit echt weiblicher und hausfraulicher Sorge betreut, sic lebte und arbeitete in erster Linie für ihre Familie, den Gatten und den einzigen Sohn, die nun an ihrer Bahre trauern. Der Partei war Genossin Kremser stets ein treu ergebenes Mitglied. Sie fehlte kaum je in einer Veranstaltung ihrer Organisation, sie füllte die Funktionen, die ihr anvertraut wurden, mit Pflichttreue und peinlicher Sorge aus und sie war, nicht zuletzt wegen ihrer geraden Art, ihres kernigen Humors, der immer das rechte Wort fand, und ihrer menschlichen Hilssbercitschast allseits beliebt. Dem Genossen Kremser, der ja als einer der führenden Funktionäre der Partei weit über das Teplitzer Gebiet hinaus bekannt Ist, wenden sich die herzlichsten Gefühle der Teilnahme zu.— Die Partciprcffe wird noch mittcilen, wann und wo die so plötzlich Dahingcgangcne bestattet wird. Schwere Spannungen In der SdP Nach einer Meldung der„Deutschen Presse" hat Henlein dem K. H. F r a n k die Stellvertretung übertragen, damit er innerhalb der Partei den Ausgleich zwischen dem durch Abg. Kasper vertretenen Arbeiterflügel und der von Dr. Sebekowski, Kundt usw. geführten Gruppe herbeiführo. Die inneren Spannungen zwischen beiden Richtungen hätten sich in der lebten Zeit derart verschärft, dass ein offener Bruch beinahe unvermeidlich schien. K. H. Frank, der das Vertrauen der Kasper-Gruppe zu besitzen scheint, seiderletzteEinfatzvonSeite Henleins, die innere Einheit der IPartei wiederherzustellen. Das Gelingen dieser Sendung werde freilich davon abhängen, ob den Sebekowski, Knndt usw. überhaupt noch etwas-m« der Erhaltung dieser Einheit liegt. Es heisst, dass dies« Herren eine höchst persönliche Auffassung von ihrer innerpolitischen Karriere haben. Es gibt Leute in der SdP, denen die heutige Partei für ihre politische Wendigkeit viel zu gross ist. Diesen Leuten tväre ein B r u ch g a r n i ch t s o u n l I e b. K. H. Frank habe also eine recht schwierige Aufgabe. Wir geben diese Aeusscrungen des christlichsozialen Blattes wieder, ohne natürlich ihre» Wahrheitsgehalt übcrpritfen zu können. Aber vieles deutet darauf hin, dass es tatsächlich in der SdP wieder einmal„staubt".. SdP-Blatt baut Gehälter ab Die im Verlage Franieck in Karlsbad erscheinende„Deutsche Ta g e S z e i t u n g" ist seinerzeit mit fliegenden Fahnen ins Lager der SdP übergegangen, offenbar in der Hoffnung, damit dem Abonnentenstock neue Nahruiig zusüh- rcn zu- können. Diese Erwartung hat sich, obwohl sich die„Deutsche Tageszeitung" für die Wahrnehmung der Interessen der SdP in weitestgehendem Ausmasse exponierte, nicht erfüllt; dagegen zeigte sich, dah der Jnseratenumsah deS Blattes — das es trotz seiner antisemitischen Einstellung keineswegs" verschmäht, Ankündigungen^ jüdischer Geschäftsleute zu publizieren— beträchtlich zurückging, eine Entwicklung, die dazu geführt hat, dass nunmehr der- Verlag die Gehälter der fünf bei ihm beschäftigten Redakteure um zehn Prozent abzubauen gezwungen war. Einen nicht unbeträchtlichen wirtschaftlichen Schaden dürfte die „Deutsche Tageszeitung" auch durch die in den vergangenen Monaten erfolgten wiederholten Konfiskationen erlitten haben. Die nationale Gliederung Im politischen Dienst Nach Mitteilungen des„Verbandes der deutschen Staatsangestelltenvereinigungen" ist die nationale Gliederung bei den politischen Behörden im Lande Mähren-Schlesien folgende: Im Forstdieitst entfallen von 19 besetzten Stellen 2 <>0.5 Prozent) auf Deutsche, im höheren kulturtechnischen Hilfsdienst von 8 Stellen eine(12.5 Prozent), im niederen kulturtechnischen Hilfsdienst in der 8. Dienstklasse von 1t Stellen zwei (V1.2 Prozent), in der 4. Dienstklasse von 20 Stellen drei.(15 Prozent), bei den agrarischen Operationen von 108 Stellen neun(8.8 Prozent),-beim Veterinärdienst von 51 Stellen fünf (9.8 Prozent), beim Sanitätsdienst.(Amtsärzte, Dienstklasse 1b) von 50 Stellen zwei(4 Prozent) und bei den Aichämtern von 88 Stellen zwei(5.2 Prozent). Keramarbeiter-Kundgebung in Karlsbad. Für morgen hat der Verband der Glas- und Keramarbeiter eine grosse wirtschastliche Kundgebung der Keramarbeitcrschaft der Bezirke Karlsbad und Elbogen nach Karlsbad cinberufen, auf deren Tagesordnung die ExporthilsSmassnahmen für die Porzellan- und Glasindustrie stehen. Ein interessanter Prozeß wird zur Zeit in Aussig geführt. Gegen den bekannten Schriftsteller Walter T s ch n p p i.k. Chefredakteur des „Montag", und den Redakteur Dr. R e v hatte der bckannte Aussiger Grosskaufmann und jetzige Besitzer des weltbekannten Vogelschuhparkes, Alfred Lu mp«, die Strafanzeige erstattet, die beiden Beschuldigten hätten ihn bzw. die WItivc des verstorbenen Dr. Lumpe zur Zahlung eines Betrages von 40.000 Ki, später 20.000 KC zwingen wollen als Schadenersatz für die Nichweröffentlichung eines in ihrem Besitz befindlichen Tagebuches de? Schwiegervaters des verstorbenen Dr. Lumpe. In der ersten Verhandlung am Freitag, zu der nur der Beschuldigte Tschuppik mit einem Anwalt erschienen Ivar, schilderte der Kläger in einer zweieinhalbstündigen Vernehmung die Vorgänge bei einer Verhandlung, bei der Dr. Rev der Wortfiihe °?ed'/warl>."Die^ Aussäge war für" Tschuppik entlastend.. Bei der. Vernehmung gab Herr Lumpe auch an, dass Tschuppik mit seinem Onkel schon b'i Lebzeiten über den Ankauf der„Bohemia" fiir 800.000 KL verhandelt habe. Ferner habe der Verstorbene seinerzeit für einen GcburtStagSartikel Wintersportler! Freunde des Wintersports! Alle Kräfte frei für die Teilnahme an der Arbeiter-WiBtersport-Olympiade Riesengeblrge JnhAnili&haill8.-21.Feber1937 Auskünfte: Festsekretär Dolensky, Trautenau, Kreutplatz2 800 KL bezahlen müssen, worüber er sehr erregt gewesen sei. Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Der VHI. Deutsche Juristentag In der Tschechoslowakei findet zu Pfingsten, und zwar vom 14. bis 17. Mai 1987 in B r ü n n statt. Tas wissenschaftliche Verhau dl ungsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: 1. Welche Massnahmen empfehlen sich gegen den Missbrauch von SicheruugS- abtretung und Eigentumsvorbehalt? Gutachter: GerichtSrat Dr. Haus Frind-Eger. Referent: Nniv.-Prof. Dr. Heinrich Klau g-Wien.— 2. Welche Regelung verlangt die Rechtsstellung der Handelsagenten? Gutachter: Univ.-Prof. Dr. Franz Lauf! e-Prag.. Referent: Generalsekretär Dr. Rudolf Fe r n c g g-Nejchcnb.erg.— 8.^Empfiehlt, sich im Rcchtsmittelverfähren gegen.-ein,..Gerichtshofurteil in Strafsachen eine llcberprüftmg der Tatfragen? Gutachter: Rat des Obersten Gerichtes Dr. Robert Steiner-Brünn. Referent: Nntv.-Prof. TektionSchef Dr. Ferdinand K a d e L. a-Wien.— 4. Gegenseitige Bindung der Gerichte und Verwaltungsbehörden an ihre Entscheidungen. Gutachter: Senatepräsident Dr. Egbert Ritter von M a n n l i ch e r- Wien. Referent: Univ.-Prof. Dr. Robert N e u n e r- Prag.— 5. Das freie Ermessen der Verwaltungsbehörden und dessen Ueberprüsung. Gutachter: Rat des Obersten VerIvaltungSgcrichtcS Dr. Franz H u f- n a g l-Prag.- Referent: Staatsrat Univ.-Prof. Dr. Ludwig A d a m o v i ch-Wien.— 8. Gestattung deS BerordnungSrcchteS auf Grund der Verfassiings- urkunde. Gutachter: Univ.-Prof. Dr. Friedrich S a n» d e r-Prag. Referent: Univ.-Prof. Dr. Walter H e n r i ch»Briinn—Prag.— Anfragen find zu richten an-daS Aeneralfekretariat: Prag I., Abgeordnetenhaus. Verzeichnis hon schönen Büchern und Schriften für i Haus und Volk".zur Hand, das der„Elbegau und der Gau Kömotau des Verbandes der deutschen I Buch-, Kunst« und Musikalienhändler und Verleger"in der. Tschechoslowakischen Republik, Sitz Dux," zu Weihnachten 1988—'Neujahr 1937 unter dem Titel„Der Bücher-Wagen" herauSgcgcben hat. - In der Einleitung zu diesem mehr als 80 Seiten umfassenden, bei Emil Böhme in Gablonz gedruckten„sudetendeütscheil Bücherverzeichnis", das .in' 20 Abschnitte eingeteilt ist, schreibt Dr. Fritz 'Koberg- Prag,-" dass gute Bücher einem über d u m m e-S t u n d e n, über Trübsal, Langeweile ugd Aerger Hinwegbringen-können; später wörtlich:„Jedem helfen da andere Bücher: Diesem fc-kche" von Reisen, jenem Kriegsgeschichten, einem dritten packende Romane, einem, vierten feine Novellen, wieder andern Gedichte, nicht, wenigen auch religiöse-und, philosophische'Studien, noch" anderen Anleitung, zum, Basteln usf.-"- Also,zum Ab> reagieren„dummer Stunden" soll der„Bücherwagen", der„nur eine Auswahl aus den-viele-i tausenden-Veröffentlichungen des-deutschen Schrifttums bieten" Will, In erster Reihe, dienen. An Volksbildung und geistige Erziehung denkt an- scheinerid Herr Dr. Fritz Koberg gar nicht. -.sstach.dem. Kobergischen Motto ist: wohl auch .dieses,^südetendeutschd" Bücherverzeichnis zustande.gekommen, dieser' völkische"Trödelwägen aus dem.Dritten ,Reich, Nur zweieinhalb von den weit über.'. 60" Seiten zahlenden„futzstentzeutschesl-. Bücherverzeichnis" umfasst die Werke sudetendcut« scher Autoren..Genannt werden u.a. folgende völkische und Heimatdichter: Wahlik, Lcutelt, Lehmann, Scholz> Leppa, während Kolbenheyer und Hohlbaum-anderswo eingereiht sind." Man" finde! zwar auch Bläu, Mühlberger, und Radl verzeich-- nct, dochnur.ganz-lurz.ohneJnhaltsangabeihrer Werke. Daneben aber prangen das.„Sudetendeutsche Jahrbuch", Franks„Kameraden, tvir marschieren", Henleins„Reden und Aufsätzl zur völkischen Turnbcwegung", Höllers„Kameraden" der Zeit", Tatzcnbergers„Zur neuen Gemeinschaft" und„Sudetendeutschtum im Kampf". herauSgcgeben von der Hauptleitung der SdP. Dies und eine Anzahl Dialektdichtungen sind Zeugen sudetendeutscher„Geistigkeit". Herr Dr. Fritz Koberg bemerkt bei diesem Kapitel:„Gemeinsames Schicksal zeitigt gemeinsame Aufgaben." Die geistige Gemeinschaft mit drüben ist nicht zu bestreiten.- Noch. viel weniger ist der H e.n le i ns-che.E i nfluss zu übersehen. Werden doch unter'„Zeitschriften und Jahrbücher" hervorgehobcn:„Der Ackermann aus Böhmen", „Der Igel"(I),.„Die junge Front",„Die sudc- te'ndeutsche Frau",„Turnzeitung des Deutschen Turnverbandes",'„Bauernjahrweiser 1987"" und "„Wandjahrweiser der SdP", tvobei empfehlend gesagt, wird:'„Dieser Kalender soll.in keinem'Hause fehlen." ' Wer einen namhaften Autor suchen wollte, der,vor der Zeit»der schönen„Volksgemeinschaft", gelebt hat,"wird a u ss e r S t i f t e r im„Bücher--- "wagen".niemanden finden, z. B, auch nicht Ebner» Eschenbach. Ueberflüsjig zu sagen, dass ausgesprochen demokratische oder gar sozialistische Literatur dort nicht angezeigt wird."-Tschechische" Autoren werden natürlich nicht erwähnt. Auch pazifistische Schriften wird man ini„Bücherwagen" vergeblich suchen. Dafür kann man in"-— Rassenkünde- Literatnr geradezu schwelgen. Dr. Burzdörfer bietet- z, B.„Völker am Abgrund", Leers„Blut Utck'Rasse in der Gesetzgebung", Dr. Magnuffen „Rassen-. und bevölkerungspolitisches Rüstzeug", Clauss.„Die-.nordische Seele" und Günthers ^Führeradel durch Sipp.-npflege"; ein Abschnitt des letztgenannten Buches, handelt„von der Not- wendtgkeit-einerFührerschicht für den.'völkischen Staat". Für den Führergcdanken wird auch in anderen empfohlenen Werken eifrig Reklame gemacht, so in Blunks„Geiserich".„Heldische" Kriegsbiicher aller Art sind schocklvcisc im„Bücherwagen" angepricsen; antimilitaristischc Kricgö- -'chriften, wie etwa Hofbauers„Marsch ins Chaos", haben in Henleinschen Buchhandlungen absolut keinen Platz. Dass die historischen Werke unseres Genossen Dr. Strauss und die Bücher der Genosse» Dr. Franzel und Jaksch gleichfalls nicht genannt werden, ist selbswerständlich. Dafür findet man warm empfohlen: L. Brunners„Marxismus am Ende?", Utsch„Im Lande der Roten" und Rach- manowas„Die Fabrik des neuen Menschen". Hier wird vermerkt, dass dieses Werk den ersten Preis als der beste antibolschewistische Roman der Gegenwart erhielt.(Stammt der Preis nicht von Goebbels?) Aufschlussreich ist auch die Liste der Gesamtausgaben von Dichtern und Denkern", sie ist es durch das Fehlen gewisser„anrüchiger" Geister, wie z. B. Seume und Heine. Von den Werken moderner deutscher Meister, wie etwa Heinrich Man» und Thomas Mann, weih der„Bücherwagen" natürlich njchts. Wenn tschechische Intellektuelle, wen» gerade di«.ehrlich um nationale Verständigung bemühten tschechischen Schriftsteller, die fast durchwegs- zur ^Linken" gezählt werden können, dieses Bücherverzeichnis-sähen, cs studierte» I Wie gering müssten.sie die Sudetendeutschen einschätzen, urteilten sie nach dieser Art vo»„Geistigkeit"! Das"Wort Dr. Kobergs von den„dummen Stunden". ist leider viel zutreffender, als er zu ahnen vermag." Die Bücher, die der von ihm empfohlene„Bücherwagen" empfiehlt, sind in überwiegender Mehrzahl Bücher für„dumme Stunden",— Bücher, die nicht klüger machen Wollen und eS nicht sollen I. Sch. «Seite 4 Tenntag, 17. Jänner 1037 Nr. IS ÄMsnmigkeltm vor Gesicht Europas Offiziös ausgedrückt „Die jetzige Lage in Spanien gibt, inter. national gesehen, nicht viel Anlaß zu einer opti. inlstischen Auffassung." .„Le TempS", Pari». KeineNachfrage nach Christus „Die für Donnerstag abends im Egerer Stadtthcater angefotzte Uraufführung des Dra- nias /.Christus" von Franz Zavkel mußte abgesagt werden, weil im Barverkauf so gut wie keine Karten abgcnommen worden waren." „Bohemia", Prag. DochNachfrage? „Zweihundert jüdische Jntellektüellen-Fa- milien in Bukarest treten zur griechisch-orthoxen Staatskirche über. Diese Masscntaufe soll in Kürze in feierlicher Weise stattsinden. Die neuen Judenchristen sammeln einen großen Fonds zur Errichtung einer prächtigen Kirche." „Adverul", Bukarest. Es wird nichts nützen -„Die Muczzine SingaPorcS haben auf ihren Minaretten Mikrophone und Lautsprecher anbringen lassen, da die Gläubigen in dem zu- nehmenden Straßenlärm den Ruf zum Gebet nicht mehr hören." „Times", London. * Zwei Winke für Berufswahl „In Budapest siiid 13.200 Angehörige der akademischen Berufe arbeitslos. Bon ihnen waren 500 überhaupt noch nie in einer Stellung." „Magyar Hlrlap", Budapest. „Für den Fußballer Gallacher sind in den letzten Jahren folgende Ablösen gezahlt wor. den: 6500 Pfund von der Newcastle United, 10.000 Pfund von Chelsea, 3800 Pfund von Derby County und jetzt 5000 Pfund von NottS County." „Daily Mirror", Londan. Vom technischenFortschritt „Das natioimle Kaffee-Departement teilt mit, daß eS zur Verstärkung der Vernichtung übetfchüssigcr Kaffee-Borräte Spezialapharate in Verwendung nehme, die ihm gestatten, täglich 100.000 Sack Kaffee zu vernichten." „United Preß", Rio de Janeiro. Für den Friedensnobelpreis an Mafaryk setzt sich in der«Pariser Tageszeitung" der bekannte Pazifist Dr. Lehmann-Ruß» b ü l d t ein. Zivei Eigenschaften empfehlen, so schreibt.Lehmann-Rußbüldt, Masaryl: seine Persönlichleit und seine staatsmännische Leistung, die die Friedcnsgesinnung nach innen und außen zur Maxime hatte. Schließlich verweist Lehmann- ölußbiilbt darauf, daß nach dem Kriege noch kein Staatsmann aus Südost- und Osteuropa den Friedensnobelpreis erhalten hat.. Die ganzstaatliche Ausstellung 1942. Der vorbereitende Ausschuß für die im Jahre 1042 stattsindende ganzstaailiche Ausstellung(welche bekanntlich ein Ersatz für die vom Handelsminister Itajnian gewollte, aber undurchführbare Weltausstellung sein soll) hielt am 15. Jänner seine erste Sitzung ab. In diesein Ausschuß sind die beteiligten Ministerien, die Landesämter, die Stadt Prag und die Jnteressentenkorporationen vertreten. ES wurde ein Aktionskomitee eingesetzt, welches bis zum März einen genauen Entwurf für die Ausstellung ausarbeiten soll, welcher nach Ueberprüfung durch den vorbereitenden Ausschuß der Regierung vorgelegt werden lvird. In internationalem Ausmaß soll gleichzeitig mit der gauzstaatlichen eine Fachausstellung organisiert werden. Wer hatte die Aussicht zu führens Samstag vormittags arbeitete der 14jäbrige Klempnerlehrling Wenzel Ukidil ans Pilsen auf dem Dache deS Neubaues des Heimes für taubstumme Kinder auf dem Lochotin in Pilsen. Plötzlich stürzte er von dem 8 Meter hohen Dach ab und blieb bewußtlos am Boden liegen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo festgestellt wurde, daß er eine schtvere Gehirnerschütterung, einen Tchädel- lirochenbruch und innere Verletzungen erlitten hat. Die Polizei ermittelt, warum Ukidil bei dieser Arbeit nicht angeseilt war. Gegen die Alkoholpropaganda im Rundfunk wendet sich im„Närodni Osvobozeni" B. Gut- Wirth. Der Kämpf gegen den ÄlköholiSmnS sei, so bemerkt Guttvirth, eine der wichtigsten Aufgaben der Kulturpolitik. ES sei lein Zufall, daß der Kampf gegen den AlloholiSmuS in den kulturell fortgeschrittenen nordischen Ländern nicht einigen Gesellschaften überlassen ist. deren Tätigkeit ironisiert wird,, sondern tatsächlich zn einer Angelegenheit der Oeffenllichkeit wurde. ES sei M'tlvepdig, die Jugend mit reineren Genüssen bekanntzumachen als jenen, die mit dem Alkoholae- Das Ende einer Sthlffstragödle Das finnische Motorschiff„Johanna Thord en", das sich auf der Rückreise von seiner Jungfernfahrt befand, ist an den Orkney-Inseln gescheitert. 80 Pe'onen, darunter auch Frauen, kamen bei diesem tragischen Unglück ums Leben. Diese» Luftbild, das auf der Suche nach Schiffbrüchigen gemacht wurde, zeigt, daß der Bug des Schiffes im Sturm abgerissen und sieben Meilen von der Ünglückstelle auf die Felsen geschleudert wurde. nuß und dem Rauchen Zusammenhängen und auch der Rundfunk habe dieser Aufgabe zu dienen. Gute Politik könne nur mit klarem Kopf gemacht werden. Diesem Gedanken müsse auch unser Rundfunk dienen. Havarie eine« Militärflugzeuges.(TRO.) Der Leutnmitpilot Tomas Kruml übte am 15. Jänner früh auf einem Jagdflugzeuge in der Umgebung von Bizovice in Mähren Angriffe auf ein Bodenziel. Bei der Ausgleichung des Flugzeuges au» dem Sturzflug setzte der Motor de» Flugzeuge» aus und der Pilot war gezwungen, zur Landung anzusetzen. Dabei verfing er sich mit dem Untergestell d:r Maschine am Rande eine» Hohlweg» und havarierte. Da» Flugzeug wurde beschädigt und der Pilot erlitt eine leichte Verletzung am Gesicht. Die Ursache der Motorstörung wird untersucht. Die zivilen Krankenhäuser ohne internationalen Schuh. Die Genfer Konvention vom 27. Juli 1920 legt fest, daß die Flaggen des„Roten Kreuzes" nur militärische SanitätSsorma» tionen und Lazaretts verwenden dürfen. Ueber die zivilen Krankenhäuser handelt nur der 27. Absatz der Haager Konvention auS dem Jahre s9L7.,DamalS rechnete man noch allerdings picht mit den Fliegerangriffen auf das Hinterlands In' der Genfer Konvention ist davon überhaupt nicht die Rede und es ist dies gewiß ein bedeutender Üebelstand für den Schutz verwundeter und kranker Soldaten, die sich in der Pflege in Spitälern und Lazaretten des Hinterlandes befinden. Diesen wichtigen Umstand behandelte der internationale Kongreß der Vertreter der öffentlichen Krankenhäuser in Rom. Auf diesem Kongresse ivurde das Thema„Der Schutz der Krankenhäuser im Kriege" besprochen und es wurde einstimmig die Resolution angenommen, die Staaten, die die Genfer und Haager Konvention unterzeichneten aufzufordern, die getroffenen Abmachungen schnellstens in dem Sinne zu ergänzen, daß die zivilen Krankenhäuser denselben internationalen Schutz genießen wie die militärischen Lazaretts und Spitäler. „Der Stürmer" als Bibelersatz!(F. K.) Für die thüringischen Volksschulen ist jetzt ein Rahmenlehrplan für den Religionsunterricht her- auSgegeben worden. In welcher Form künftig der Religionsunterricht erteilt werden soll, zeigen die folgenden Sätze eines Begleitschreibens, das der Schulrat des Kreisamtes Hildburghausen mit dem Lehrplan zusammen verschickt:„Durch den Rahmenlehrplan vrrschwindet das Alte Testament aus unserem Unterricht. Ich ersuche deshalb alle Schulleiter, nunmehr endlich auch alle Anschauungsbilder über die Judengeschichte au» dem Alten Testament ans den Schulen zn entfernen unter sinngemäßer Handhabung vom Rundschreiben Nr. 00, Ziffer 0, Absatz 2. Es ist durchaus wünschenswert, wenn der„Stürmer" im Religionsunterricht weitgehendste Verwend u n g findet. Wir können an Hand dieser Zeitung unseren Kindern am eindringlichsten darlegen, daß das Judenvolk sich in 2000 Jahren in keiner Weise geändert hat." Der bekannte ZirkuSdirekwr Julius Gleich, der mit seinem Unternehmen im Jahre 1984 in Prag in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, wurde Samstag in Wien auf Ansuchen der Staatsanwaltschaft in Köln verhaftet. Zwei Achtzigjährig: verbrannt. In der Ortschaft Sand bei Stadl an der Mur brannte Samstag früh ein Gut nieder, bei welchem der Ausgedinger Alois König und seine Frau Maria, beide 80 Jahre alt, in den Flammen um» Leben kamen. Spanische Kunst kn Pari-. Die katalanische Negierung ist mit der Regierung von Valencia übereingekommen, daß sie Mitte Februar tu Paris eine Ausstellung der alten katalanischen Kunst veranstalten wird, auf der Wc"e der romaui'chen und gotischen Kunst au» dem Zeitalter de» 10. I und 10. Jahrhunderts zu sehen sein tverden. Selbstmord eines ÜSjährigen. In dem Dorfe Boriwo bei Jamboli in Süd-Bulgarien heiratete unlängst zum vierten Male der 95jährige Bauer Deäkin. Kurz darauf wurde der fast Hundertjährige aber trübsinnig und eine» Tage» fanden ihn die Nachbar» in der Scheune erhängt auf. Er hinterließ einen Brief, in dem er mitteilte, daß er diese Tat aus Verzweiflung über sein unheilbare» Krebsleiden beging. Die Hochwasserkatastropphe, von der mehrere Staaten des amerikanischen Mittelwestens heimgesucht sind, nimmt immer größeren Umfang an. Starte Negenfälle lassen die Flüsse immer mehr anschwellen. Der durch die Ueberschwemmungen angerichtete Schaden kann noch nicht übersehen werden, ist aber sehr groß. In den überfluteten Gebieten ist der Eisenbahnverkehr, wie überhaupt jeder Verkehr, lahmgelegt. In einigen tiefer gelegenen Gegenden stehen viele Wohnhäuser unter Wasser und in vielen Fällen wurden die Hausbewohner durch Boote au» höchster Not gerettet. Groß ist auch die Zahl der geborstenen Deiche. Zur Berstärlung der intakt gebliebenen Dämme sind viele tausende Arbeiter eingesetzt worden. 45.000 Oeftorreicher in der Tschechosiowakei. Die„Neue Freie Presse" berechnet auf Grund Genfer Statistiken,' daß jenseits der Grenzen 806.000 österreichische Staatsbürger leben, davon 187.000 in den Vereinigten Staaten, 80.000 in Deutschland und 45.000 in der Tschechoslowakei. Jubiläen der Technik im Jahre 1987, Im Jahre 1087 feiern eine ganze Reihe von technischen Ersindungen ihre Jubiläen. Da» wichtigste ist da» 250jährige Jubiläum der Erfindung de» Porzellan», 1087 durch Böttger. Allerdings war das Porzellan bekanntlich schon einmal vor Jahrhunderten durch die Chinesen erfunden worden. Da» 100jährige Jubiläum feiert der Telegraph, der durch Morse 1887 erfunden wurde. 1087 ist auch da» eigentliche Tawm de» 50jährigen Jubiläum» de» Auto». Zwar hat Benz sein Patent bereit» 1880 angemeldet, aber da» erste Auto ist 1887 von Daimler konstruiert worden. Ein unscheinbares, aber unentbehrliche» Werkzeug, die Nähnadel, feiert ihr 125jähri- ge» Jubiläum: 1812 wurde in England die erste Fabrik, die Stahlnähnadeln fabrizierte, eröffnet. Dar Fahrrad wird 120 Jahre alt; es ist 1817 erfunden worden. Da» Jahr 1847 war besonder» reich an technischen Erfindungen, die heute 00 Jahre alt werden. Unter anderem ist darunter da» Nitroglyzerin, die erste Nähmaschine und die für da» moderne Leitungswesen entscheidende Rotationsdruckmaschine. Dar Dynamit ist jüngeren Datums er ist 1867 von Nobel erfunden worden, folglich 70 Jahre alt. In dar gleiche Jahr fällt auch die Erfindung der Eisenbetonr, die zufällig gemacht wurde: der Pariser Gärtner Meunier erfand unzerbrechliche Blumentöpfe, indem er ein Drahtgeflecht in die Tonmaffe hineinarbeitete. Hieraur entstand Eisenbeton. 1877 erfand Edison den Phonographen und Graham Bell dar Telephon, die beide 60 Jahre all sind. Endlich fanden die ersten Funkversuche im Jahre 1807 durch Marroni statt, und vor 40 Jahren erfand Diesel den Diesel-Motor. Die Krone de» Schipsun, ist doch der Mensch. Unerschöpflich in rasfinierten Ideen, die anderen Kreaturen zu überlisten, zu quälen, zu vergewaltigen. Die Japaner sind danl Ihrer allen Erfahrung.wahre Meister in der Behandlung der Austern. Aber auch sie wußten bi» zum heutigen Tage noch kein Univer- salrezept, wie man Austern dazu bringt, freiwillig die Schalen zu öffnen, als» ohne mit einem Gegenstand nachzuhelsen, der unter Umständen die Austern versetzen konnte. Jetzt hat ein findiger Kopf au» der Perlenbranche, also au» jenem wichtigen javanischen Industriezweig, in dem man dadurch Verleit erzeugt, daß man Austern mit winzigen Sandkörnern" impft, den richtigen Weg gefunden. Man braucht nämlich den Austern nur einen, leichten elektrischen Schoa zu versetzen und sie dann in Essig einzutunken. Prompt sperren sie ihres Schalen erschreckt, neugierig oder erregt ganz weit auf. Die Operation zur Erzeugung der Zuchtperle kann vorgenommen werden, ehe sich die Austern von diesem Schock erholen. Den» den Austern wie dem andern Bieh fehlt e» doch an Bildung und Kultur.' Ratten im Senat. Der Sonderberichterstatter de» Pariser„Maiin" meldet seinem Blatte einen Borfall, der sich in Warschau ereignete und der -eine» geradezu unheimlichen Anstrich hat. Ein Brief über die Eisenbahn Mu Leser schreibt uns: „Bahr geehrte Redaktion, in Ihrer No* ti>i„Vorschlag zur Güte“ glossierten Bie vortrefflich und richtig das Bestreben der Eisenbahn, Rekordgeschwindigkeiten über 180 km zu erzielen und empfahlen statt dessen die Einhaltung des Fahrplans. Wer wie ich geschäftlich viel reist, der kann in der Tat ein trauriges Lied davon singen, wie es darum bestellt ist. Doch es gibt noch andere Dinge, die man der Eisenbahn als Kundendienst empfehlen kann und deren Beachtung weit wichtiger wäre als Schnelligkeitsrekorde; das ist vor allem die Beseitigung der hygienisch einfach unbeschreiblichen Zustände, die der Reisende in Kauf nehmen muß. Und zwar sowohl auf den Schnellzügen, als auch in den Personenwagen. Seife und Toilettenpapier oder Bandtücher wird man vergebens suchen. Und die Waschbecken befinden sich in einem Zustand, daß man sie überhaupt erst nach gründlicher Desinfizierung benutzen kännie. Ja; es gibt Papierhandtücher in den Schnellzügen(warum nur in diesen f). Aber sie sind so klein und schlecht, daß sie ihren Zweck ganz verfehlen. Auch könnte es nicht schaden, wenn das Auskunfts- und Begleitpersonal der Züge systematischer als dies offenbar geschieht zu wirklich zuvorkommenden Verhalten gegen das reisende Publikum(Sprachchauwinismuslj erzogen würde. Die ganze Art, wie die Eisenbahn den Kundendienst versieht, beweist, daß es ihr genau so wie unserem Fremdenverkehr an sachverständigen, geigneten Kräften für diese Zwecke fehlt. Das Monopol, das die Eisenbahn besitzt, verleiht nicht nur Rechte, sondern eben auch— Pflichten. loh bin nicht Sozialdemokrat, doch ich lese gern Ihre interessante Zeitung, weil sie in großen, wie in kleinen Dingen die richtige Haltung einimmt. k»W»WWWW»WM»W»WS»»»»W»WWW> Nachtwächter, der vor dem Warschauer Senatsgebäude auf und ab patrouillierte, wurde auf ein merkwürdige» Geräusch aufmerksam, dessen Ursprung er sich nicht erklären konnte. Er forschte nach und kam schließlich auf den Gedanken, eine Tür zu öffnen, die zum Keller führte. Bei dem Anblick, dir sich Ihm hier bot, standen ihm die Haare zu Berge: eine unübersehbare Schar von Ratten stürzte In wilder Flucht davon und hatte im Ru dar ganze Erdgeschoß buchstäblich überschwemmt. In seinem Entsetzen alarmierte der Mann sofort die Feuerwehr, die auch gleich zur Stelle war und an die Arbeit ging. Nach vielen Swnden Arbeit und unter Zuhilfenahme von Ga» konnte marü immerhin etwa 5000 Kadaver zählen. Damit war aber da» grauenvolle Abenteuer noch nicht beendet. Denn diejenigen Ratten, die noch rechtzeitig fliehen konnten, hatten sich in der neuen französischen Botschaft festgesetzt, die noch nicht fertig eingerichtet ist. Die gefräßigen Tiere hatten bereit» begonnen, da» erst vor kurzem au» Pari» angekommene Mobilar zu benagen, und ein besonder» kostbarer Gobelinteppich ist bi» zur Unkenntlichkeit zerfressen- Man nimmt an, daß die Nattenarmee sich ursprünglich in einer Schloßruine aufhielt, die dem Senatsgebäude gegenüberlag. Die Tiere müssen dann allmählich eine unterirdisch: Passage genagt haben, um auf diese Weise in den Senat zu gelangen. Wahrscheinlicher Wetter heute: In den westlichen und mittleren Tellen de» Staate» unbiständig, vereinzelt noch Schneefall, Andauern de» Froste». Ostflowalei und Karpathorußland: Vorwiegend heiter, ganztägiger, in der Nacht starker Frost.— Wetteraursichten für morgen: Weitere Entwicklung de» Wetter» sehr unsicher. Nichtsdestoweniger kann erwartet werden, daß der Frost in der ganzen Republik andauern wjrd. Vom Rundfunk taafahianawertes aus«m Praaraawem Montag Prag I: 7.00 Salonocchcsteckonzert. 11.85 Kammermusik auf Schallplatte». 12.10 Operettengesänge. 17.35 Gclgenkonzert. 18.10 Deutsche Sendung: Dr. Simon: Erziehung in der Familie. 18.20 Heimat in zwei Schrifttümern von Dr- Eisner. 18.45 Deutsche Presse. 21.00 Godunob, Musikdrama von Musjorgskij. 22.20 Tanzmusik.— Prag II: 7,80 Salonorchester. 14-20 Deutsche Sendung: Sordanr Schlagerauwmat. 14-50 Deutsche Presse. 18.10 Konzert.— Brünnr 17.40 Deutsche Sendung: Unfälle im Beruf und erste Hilf:. 10.10 Französisch-Kürs. — Prehburg: 12.85 Mittaaskonzert. 21.00 Phllhär- monischer Konzert.— Kaschaar 12.05 Schallplattenkonzert. 15.85 Rundfunkorchesterkonzertr— Mähr.» Ostravr 18.10 Deutsche Sendung! Arbelterfunkr Gretzerr Wirtschaftskrise und Weltanschauung. 19.00 Konzert. Dienstag Prag Ir 7.00 Morgenkonzert. 10.80 Schallplatten. 11.05 Rundfunk für deutsche Schulen.. 12.10 Schallplatte». 15.80 Mozart: Serinäde C-Moll. 17.80 Lieder von Hugo Wolf. 18.10 Deutsche Sendung: Goethe-Lieder, gesuiigin von Grete Risger. 18.45 Deutsche Presse. 18.55 Deutscher Kulturbericht vo« Tage. 19.10 Mujjik» Salonquartett. 21.80 Liszt. Kompositionen.— Prag II»7.80 Populäre» Konzert. 14. Schallplatten. 14.15 Deutsche Sendung: Dr. Rita Roy: Die ordnet man größere Büchereien? 14.80 Lieder heimischer Komponisten au» der Mözart-Zett. 14.50 Deutsche Presse. 18.00 Slowakische Lieder.— Brinnr 16.10 Unterhaltungskonzert. 17.40 Deutsche Sendung: Arbeiters»»!: Soziale Jnformattonen? Schramek: Akinesie Probleme unserer Zelt. 10.10 Jugoslawische Musik.— Kaschanr 11.05 Schallplattenkonzert. 12 65 Unterhaltungsmusik.— Mährlsch» Ollraur 12V5 Mittagskonzert. 19.55 Liederkonzert. Nr. 15 Seite 5 Sonntag, 17. Jänner 1987 Rohstoffvorräte und Aufrüstung Welthandel in Spielwaren Gegenwärtig alle 1931 1932 1933 1034 1035 Bemerkenswert ist. I Englische Autoindustrie Englische Autoproduktion 1924—1936 51.760 57.658 68.311 internationalen Vereinbarung, die den weit« I Einfuhr fast vollkommen gedrosselt hat. Aber gehenhst durchgeführten Versuch einer internatto« s dasselbe gilt auch für. solche Länder, wie 3-1.807 43.051 16.053 18.708 Die Automobilerzeugung Englands. hat in den ersten neun Monaten 1086 271.400 Personenkraftwagen und 85.100 Lastwagen betragen, gegenüber der gleichen VorjahrSzeit 28.700 Per« sonenkraftlvagen und 16.400 Lastwagen mehr. Im Laufe der letzten 5 Jahre ist die gesamte Pro duktion verdoppelt worden. Die englische Autoindustrie beschäftigt mehr als 1,250.000 Personen, sie umfaßt gegenwärtig 7.9 Prozent der Weltproduktion, während USA 77.7 Prozent der Weltproduktion liefern und Deutschland 4.7 Prozent. steigende Konjunktur und durch die Aufrüstung hervorgerufen ist, gesellt sich eben die Nachfrage, die auf die Bildung der Nohswfsvorräte zurückzuführen ist. Mit einer ähnlichen Vorratsbildung von Lebensmitteln, Kohlen, Erdöl und so weiter ist gleichfalls zu rechnen. Es handelt sich bei der Bildung aller dieser Vorräte nicht um jene normale Anhäufung von Rohstoffen, Lebensmitteln und Halbfabrikaten jeglicher Art, die für den ununterbrochenen Gang der Produktion notwendig sind, und auch nicht um jene Vorratsbildung, die regelmäßig beim Sinken der Nachfrage infolge der zurückgehenden Konjunktur eintritt, und die dann allein durch ihre Existenz auf die Preise drückt, sondern es geht hier um eine Erscheinung, die außerhalb deS Rahmens der normalen Wirtschaft liegt. Es ist klar, daß die gegenwärtig auf allen Nohstoffmärktcn zu beobachtende Preissteigerung nicht in letzter Linie auf diese„wehrwirtschaftliche" Borratsbildung zurückzuführen ist. 51.895 16.416 Kraft- im Jahre Australien und Brasili«n, die früher zu den wichtigsten Einfuhrländern gehörten. Andererseits aber geht die Schrumpfung des internationalen Handels mit Glühlampen a»f jene Produktionsverlagerung zurück, die von den Wcltkonzcrnen vorgcnommcn wurde. Die großen Wcltfirmen haben eben einen Teil ihrer Produktion nach den früheren Einfuhrländern verpflanzt, um Zahlungsschwierigkeiten und andere Hemmungen zu umgehen. Die Glühlampe, wie überhaupt die ganze Lichttechnik, steckt, trotz ihrer ungeheuren Entwicklung im letzten Viertelsahrhundert, noch in den Anfängen. Wir leiden heute, sogar in Europa und Amerika, nicht an zu viel, sondern an röten billiger ist als die Vorrätebildung und vor allem die Einfuhr der raffinierten Metalle. Man rechnet heute in England mit der Bildung von Vorräten für mindestens sechs Monate, indem man von dem gegenwärtigen Verbrauch auSgeht. Nach den Schätzungen der englischen Zachpresse kämen folgende sechsmonatliche Metallvorräte in Betracht: zu wenig Licht. Die Lichttechnik und insbesondere die Glühlampe befindet sich mitten in einer großen Umwälzung. An die Stelle der einfachen „Wendellampe" ist seit 1988 in steigendem Umfange die Doppelwcndellampe getreten, die eine bis zu 20 Prozent höhere LichtanSbcute gewährt. Gleichzeitig wird der Metallfaden in der Glühbirne durch Ouccksilberdampf ersetzt. Die Licht- auSbeute und die Lebensdauer der Metalldampflampe, in der an die Stelle des festen Lichtträgers bewegliche Gasteilchen getreten sind, sind zwei» bis dreimal größer als bei der modernen Metallfadenlampe. Hier eröffnet sich der Lichttechnik und der Lichtwirtschaft ein ganz neuer Weg. Für die heutige europäische und zum Teil auch nichteuropäische Wirtschast ist das Vorhandensein vieler Elemente der IkrtegSwirtschaft bezeichnend. Lediglich vom Standpunkte der Kriegsoder/ wie man das heute in Deutschland ausdrückt, der Wehrwirtschaft, kann man die Bestrebungen vieler Länder nach vollkommener Selbstversor- gung(Autarkie) verstehen. AuS demselben Gesichtspunkt muh man auch den Uebergang zur „dirigierten" Wirtschaft verstehen. Sehr aktuell wird in diesem Zusammenhänge daS Problem der Bildung von genügenden Vorräten an Lebensmitteln und Rohstoffen für den Fall deS Krieges und der Blockade. In der allerletzten Zeit widmet man dieser Frage in G r o h b r i t a n n l e n, im Zusammenhang« mit der Durchführung des großen Aufrüstungsprogramms, besondere Aufmerksamkeit. Die Berwirllichung des britischen Aufrüstungsprogramms steigert an und für sich die Nachfrage nach solchen Metallen, wie Kupfer, Zinn, Blei, Nickel, Mangan und dergleichen. Aber abgesehen von dieser laufenden Nachfrage spricht man heute in England von der Nottvendigkeit, in allerMrzester Frist verschieden« für Kriegszwecke notwendige Metalle und andere Rohstoffe anzusammeln. Bei der heutigen Kriegstechnik ist eS nicht ausgeschlossen, daß sogar daS seebcherrschende England von seinen Rohstoff- und LebenSmirtel- quellen abgeschnitten werden könnte. Noch vor einem Jahre hat eS in England ziemlich große Metallvorräte gegeben?llber im Laufe des Jahres 1986 sind diese Vorräte infolge der steigenden Konjunktur und insbesondere der KriegSvorbcrei- tungen im wesentlichen aufgezehrt worden. ES entsteht auch die Frage, in welcher Form man diese Vorräte ansammeln soll. Bezüglich des Kupfers neigt man zu der Ansicht, daß man Borräte von bereits raffiniertem Kupfer ansam- meür solle, da die englischen Kupferraffinerien nicht getliigend leistungsfähig sind. Dagegen ist es vorzuziehen, Zink- und Zinnerze anzusammeln,.da die betreffende englische Industrie die volle Fähigkeit besitzt, diese Erze zu verarbeiten, und andererseits die Anlage von Erzvor« ........ beträgt der englische Vorrat an Kupfer etwa 48.000 Tonnen, von Zinn 1200 Tonnen, Blei rund 7000 Tonnen. Man muß also In der allernächsten Zeit mit einer beträchtlichen | von 1,505.000 Personenkraftwagen. Am 1. Jän- '«»»» 10ßK fiel h»o Ofmolif lut* OfitlrtmnYttYd 1,885.000 betragen. Auf tausend Einwohner kommen in Großbritannien 29 Automobile, während auf eine Straßenmeile gegenwärtig 15 Fahrzeuge entfallen. Im Jähre 1918 entfielen auf eine Straßcnmeile bloß 1.8 Automobile. Di« englische A u t o a u s f u h r hat im Laufe von 1988 bis 1935 sich folgendermaßen entwickelt; erstens, der allgemeine wesentliche Rückgang des Welthandels in Spielwaren, zweitens, die Ständigkeit des gcmein- Die Glühlampe konnte im Jahre 1929 Ihren 50. Geburtstag feiern. Ihre Bedeutung für die gesamt« Elektrizitätswirtschaft ist außerordentlich groß gewesen. Die Glühlampe war die Keimzelle mächtiger Konzerne, sie ist die Trägerin einer internationalen Zusammenarbeit, wie sie sich in der verarbeitenden Industrie kaum wieder findet. Die Glühlmnpe ist zugleich daS verbreitetste Elektrogerät und einer der größten Stromverbraucher. Der„Kulturmensch" konsumiert in jedem Jahre ein« bis zwei Lampen, ivährend der Verbrauch der ganzen Welt heute e;tn«'Milliarde Glühbirnen jährlich übersteigt. . Die wichtigsten Patcntgrundlagen, auf denen die Glühlampentechnik des letzte» Viertel- jahrhundertS beruhte, sind jetzt abgelaüsen. Vis jetzt wurden alle Patente auf diesem Gebiete international auögenuht, jetzt fragt es sich, auf wel- cber Rechtslage sich nun die weitere Entwicklung gestalten wird. Die Glühlampe ist seinerzeit der Grundstock für die größten Elektrofirmen der Welt gewesen. Der größte Elektrokoiizern der Welt, die amerikanische GeneralEleetric, ist aus. der Lampengesellschaft von Edison(Edison Lamp Co.) und der Lampenfabrik Thomp- son-Houston entstanden. Die Lainpensabrilen der General Electric, die heute noch Edison Lamp Works heißen, decken rund ein Fünftel des Weltbedarfes, mehr als die Hälfte des amerikanischen Bedarfes. Die deutsche AEG ist gleichfalls zunächst als Glühlampenfabrik, mit Lizenz der Edison-Gesellschaft, gegründet Und hat von dieser Grundlage aus ihre Produktion nach allen Richtungen der Elektroindustrie auSgebaut. Die AEG hat in Gemeinschaft mit der anderen großen deutschen Elektrofirma, Siemens& Halske, im Jahre 1919 die OSra m«Gesellschaft gegründet. In der Bezeichnung„OSram" steckt die'Andeutung einer wichtigen Entwicklungsstufe der Glühlam« pentechnik.i Der Kohlenfaden in der Glühlampe wird durch Metall, Osmium, ersetzt, während den zweiten Dell ihre» Narnen» die berühmte Marke dqm Metall Wolfram verdankt, da» heute anstelle des Osmium» überall in der Welt al»„Leuchtdraht" verwandt wird. Die technische Entwicklung der Glühlampe wird seit mehr al» dreißig Jahren durch den Patentaustausch.der führenden Unternehmen der Welt getragen. Heute wird die Lampenindustrie 1« Kid 91 fi rt ii It 8" unken Zusammenarbeit darstellt, nehmen großen Wcltfirmen teil, sowohl die amerikanische General Electric, als die französische Compagnie deS Lampes, als die englische OSram Lamp Works sowie'die deutsche OSram-Gesellschaft. ES handelt sich bei dieser Organisation um eine Patentgemeinschaft verkoppelt mit einem Kartell. Die Märkte der Welt sind dergestalt aufgeteilt, daß die Produzenten in Ihren Heimatländern eine Vorzugsstellung einnehmcn, die übrige Welt gilt als Gemcinschaftsgebiet, in dem jedes Unternehmen seine Quote in jedem Lande absehen kann. Auf dem Höhepunkt der Nachkriegskonjunktur 1929 sollen auf dem Weltmärkte bereits über eine Milliarde Glühlampen im Werte von rund 170 bis 220 Millionen Golddollar umgesetzl worden sein. Davon entfielen auf die Bereinigten Staaten von Amerika etwa 380 Millionen Stück. Dem Werte nach entfiel im Jahre 1928 auf USA rund die Hälfte der Wellproduktion, auf Deutschland ettva ein Fünftel, in die übrigen 80 Prozent teilen sich England, Holland, Frankreich, Oesterreich, Rußland, Japan, Schweden und die Schweiz. Die amerikanische Produktion, die fast ausschließlich im Inland verbraucht wird (der Anteil der Ausfuhr an der Produktion beträgt nur 1 Prozent), ist in der Wirtschaftskrise um beinahe ein Drittel zurückgegangen. Dagegen hat die Glühlampenproduktion in solchen verhältnismäßig unbedeutenden Produzcntenländern, wie Schweden und Japan, kn der Krise einen außerordentlichen Aufschwung genommen. Japan, da» nach Holland und Deutschland das drittgrößte Glühlampen-Exportland der Welt ist, hatte zwischen 1926 und 1982 ihre Gliih- lampenauSfuhr geradezu verdoppelt. Im Jahre 1985 war diese Ausfuhr allerdings nur halb so groß wie 1982. Es scheint, al» ob die japanische Glühlampe In ihrer Qualität sich nicht als voll konkurrenzfähig erwiesen hat. DaS bezieht sich aber nur auf die große Lampe. Dagegen hat Japan mit seinen Zwerglampen nicht nur Amerika, sondern auch die westeuropäischen Länder überschwemmt..... I Der internationale Handel mit Glühlampen ner^!985 hat die Anzahl t>er^ Automobilist in den letzten Jahren, trotz deS Konjunktur- J““ v'“fflf“' äufschwunge», weiter geschrumpft. Die Ursache dafür ist einerseits darin zu suchen, daß in einer Reihe von Ländern, die früher Glühlampen ein- geführt haben, heute,die' Eigener z e u- in d-p ganzen Äelt durch die„Phoebus" Igung gewaltige Fortschritte gemacht.hat. Hier- AkttengeseNschaft zusammengehalten. An' dieser> zu gehört in erster Linie Ruh l a n d, das keine Kraftwagen.., davon: nach den Län dern des brit. Reiches nach dem Auslande Dem Werte nach hat die britische wagenausfuhr im Jahre 1988 6.7,.1... 1984 rund 8.0 und im Jahre 1935 8.9 Millionen Pfund Sterling betragen. Für das Jahr 1986 wird die Ausfuhr auf etwa 57.000 Kraftwagen im Werte von etwa 9.5 Millionen Pfund Sterling geschätzt., kamen Anteiles an der WeltauSfuhr von Deutschland und Japan, der zusammen sich ungefähr auf der Höhe des deutschen Anteils am Welthandel In der Vorkriegszeit hält und ihn mitunter sogar übertrifft. Aber während der deutsche Anteil am Welthandel mit Spielwaren fällt, steigt jener Japans. ES wäre aber falsch, die ganze Entwicklung allein aus der Lähmung der Weltwirtschaft und aus den Bestrebungen der einzelnen Länder nach Selbstbefriedigung zu erklären. Es handelt sich gleichzeitig um einen Wandel im Produktionsverfahren, dem eine wachsende llmstellung im Material, vor allem vom Holz zum Metall, entspricht. An Stelle der handschöpsorischen OualitätSlcistung tritt die maschinell erzeugte Stapelware, an Stelle der Phantasiespiolware mit künstlerischem Einschlag tritt das technische Spielzeug. Damit verlagert sich aber das Schwergewicht nach tlSA, die früher tanm eine nennenswerte Produktion besessen haben. Das Holz und der Stoff werden.außer durch Metall noch durch Zelluloid und Gummi verdrängt. Hierbei ist aber der Großbetrieb dem kleinen Betrieb der Heimindustrie bei weitem überlegen. Die Produktion von Gummispielwaren ist immer den großen Kummifabriken an- geglieliert. Aber auch die Herstellung von Spielwaren aus Zelluloid erfordert große maschinelle Einrichtungen. Während noch 1929 der deutsche Anteil am Welthandel drei» bis viermal so groß war wie der japanische. Ist in den letzten beiden Jahre», 1984 bis 1985, die Ausfuhr Japans auf dreiviertel des deutschen Exportes angewachsen. Von der amerikanischen Spiclwareneinfuhr stammten 1914 84 Prozent aus Deutschland und 5 Prozent aus Japan, im Jahre 1934 16 Prozent aus Deutschland und 80 Prozent aus Japan. Die deutsche Spielwarenausfuhr nach den Bereinigten Staaten ist von 1928 bis 1985 auf ein Achtel gesunken, die Japaner konnten in derselben Zeit ihre Ausfuhr verdreifachen. Aber auch in Europa, besonders in England und Holland, findet Japan gesteigerten Absatz für seine Spiclwaren, wobei sich diese Ausfuhr nicht nur aus Zelluloidpuppen beschränkt, sondern auch im Metallspielzeug gute Geschäfte macht. Der Welthandel mit Spielwaren 1929—1935 1013 1030 Weltaussubr in Millionen Gold- Die Glühlampe auf den Weltmärkten Umwälzungen In der Technik und Organisation uucuhwji»».,»» c, uu ucuuujuiu!«, In dem Welthandel mit Spielwarcn spiegelt Steigerung der Metalleinfuhr nach England rech- sich im kleinen die ganze weltwirtschaftliche Eni- ne». Wenn man bedenkt, daß eine ähnliche Bor-. Wicklung wider. Vor dem Weltkriege besaß ratsbildung auch In anderen wichtigen Ländern Deutschland mit seinen ProduktionSstättcn geplant ist, so braucht man für die enorme, in Nürnberg, Thüringen und dem Erzgebirge bis Steigerung der Metallpreisezu einem geivisse» Grade ein Weltmonopol. Mehr keine andere Erklärung zu suchen. Zu der lau-! als die Hälfte der Weltproduktion, mehr als drei senden Nachfrage nach Metallen, die durch die an- Viertel des Welthandels lag in deutschen Hän- v n.— den. Durch den Krieg wurde aber ein grundlegender Wandel eingeleitct, der für die ganze NachkriegScntwicklung sehr bezeichnend ist. Zwar hat sich der Bedarf an Spielwaren in der Nachkriegszeit so gesteigert, daß die Herstellung von Spielwaren doppelt oder sogar dreimal so groß Ivar wie vor dem Kriege, aber der Welthandel hat an diesem Aufschwung nicht tcilgenommen, weil die meisten Länder zur Eigenerzeugung von Spielzeug übergegangeu sind. Das Schwergewicht der Produktion hat sich von Europa, vor allem von Deutschland, und in zweiter Linie von Frankreich, das vor dem Kriege mit seinen eleganten Phantasiespielwaren nach Deutschland an erster Stelle als Ausfuhrland stand, weitgehend nach Amerika verschoben. Die Industrie von USA produziert heute zwanzigmal so viel Spielwarcn wie vor dem Kriege, sie hat die deutsche Produktion weit überflügelt. Allerdings spielt Amerika als Exportland neben Dentschland und Japan^nuc eine' untergeordnete Rolle. DaS deutsche Spielzeug behauptet auch heute noch seine führende Rolle auf dem allerdings stark verkleinerten Weltmarkt, aber eS ist ihm in der billigen japanischen Stapelware ei» gefährlicher Konkurrent erwachsend Kupfer.. . 125.000 Tonnen, Zinn... . 10.000 Tonnen, Blei... . 175.000 Tonnen, Zink... . 200.000 Tonnen, Aluminium. . 15.000 Tonnen. dollar.. 45 40 82 20 18 15 17 davon in Prozent: aus Deutschland 59 61 61 56 49 44 48 „ Japan 14 14 15 21 29 88 88 „ USA 9 8 7 5 5 6 7 „ Großbritannien 7 7 6 7 8 7 7 „ den übrigen Ländern 11 11 12 10 10 9 10 Personenwagen 1924— 100 Lastwagen 1924--- 100 Insgesamt 1924- 100 1924 116.000 100 80.000 100 146.000 100 1927 164.000 141 47.000 157 211.000 144 1932 171.000 147 61.000 205 232.000 159 1983 220.000 189 65,000 218 286.000 195 1984 . 256.000 220 85.000 285 342.000 284 1985 811.000 267 92.000 807 403.000 275 1986 858.000 308 108.000 860 461.000 315 Die Anzahl aller Automobile in Großbritan- am 1. Jänner 1986 betrug 2,060.000, da- Cesamtausfuhr an 1988 1084 1935 Sonntag, 17. Jänner 1037 Nr. 18 (feilt fl Die spanische Frau . Eino junge Andalusier in meldet eich zum Eintritt in die Miliz. Waffenausgabe an soeben eingekleidete Milizionärinnen. Guerrllla in Andalusien: eine grauhaarige Bäuerin mit dem Gewehr im Anschlag. auf» schaftskrcisen gebrochen worden; aber selbst im freien, industrialisierten und aufgeschlossenen Katalanien blieben noch bis zuin Umsturz zahlreiche Reste der alte» Anschauung zurück.. Noch inuner war eS strenges Gesetz, dah das Bködchen als Jungfrau in die Ehe treten muffe. Noch immer war cS Sitte, das; die jungen Männer auf der Straffe hinter den Mädchen und Frauen hcrstri- chcn und ihnen LiebeSwortc und drastisch-erotische Anträge zusliisterten und die Frauen und Mädchen, strenge Haltung bewahrend, scheinbar ungerührt ihres Weges gingen, ohne im geringsten zu reagieren. Sie muhten die Nolle der Univissenden, der zu hundertsiinfzig Prozent Keuschen spielen, die überhaupt nicht verstanden, was man ihnen ins Ohr raunte. In den Kreisen der Studentinnen und Arbeiterinnen hatte man aber immerhin schon eine gewisse Bewegungsfreiheit und Denkfreiheit erobert. allen Gcgenbcicnernngcn derer, die nicht aus Erfahrung wissen, was für Anforderung die Kriegstätigkeit an den Menschen stellt, zum Trotz, körperlich ungeeigneter ist als der Mann. Trotzdem kann in einem Aufschivung grosser Begeisterung die einzelne Frau oder für eine gewisse Feit auch die Fraucnschaft überhaupt im Krieg, und noch mehr im Bürgerkrieg, eine wichtige, ja unentbehrliche. Funktion erfüllen. In. Spanien ist der Bürgerkrieg das Mittel und der Weg der Emanzipierung der Frau geworden, eine Tatsache, die viel wichtiger ist als aller militärischer Wert, den die Einsatz» und Opfcrbereit- schast der Frau während ihrer kriegerischen! 1931 bis Sommer 1936, in einem Spanien, in dem noch immer die Kirche, eine despotische Herr« schäft über die Geister auSübte, haben sich nur die Unabhängigeren,' Entwickelteren entschlossen, von der Möglichkeit der Scheidung Gebrauch zu machen. Jetzt, da die Macht des finsteren Klüngels gebrochen ist, gibt es geradezu eine Art Ansturm auf die Scheidungsinstanzen: man sieht zuversichtlich in die Zukunft und enffchliefft sich, Zustände, die hemmend und cnergiczcrstörcnd wirken, zu beseitigen. Man hat den Mut zu sich selbst und den Mut zum Leben; man resigniert nicht, sondern" sieht die Möglichkeit, mit Unsruchtbärem Schluss zu machen und etwas Neues aufzubauen, sein Leben neu zu gestalten. Di« kriegerische Tätiakeit war eine Episode (eine notwendige und fruchtbarel im Entwicklungsgang der spanischen Frau; ihr gleichberechtigter Eintritt in die Gesellschaft ist der Beginn Reifeperiode der spanischen Frauenwelt.. 1 Mar Barth. Tätigkeit gehabt hat. Wie in den revolutionären Bewegungen anderer Länder waren in vorderster Linie auch in Spanien von jeher Frauen. Unter den asturischen Bergarbeitern kämpften im Oktober 1934 Frauen mit; ein junges Mädchen war in Asturien allgemein unter dem Namen der„Li- bertaria" bekannt; eines der eindrucksvollsten Bilder aus dem Aufstand war das, auf dem man die Abführung einer Gruppe von Freiheitskämpfern sah: an der Spitze schritt eine untersetzte, stattliche Arbeiterin, eilte Frau von vielleicht vierzig Jahren, Mutter von Kindern, im Gesicht die Spuren eines arbeitsreichen Lebens. Als die Francorebellion in Spanien flammte, strömten die Frauen und Mädchen in Scharen zu den Waffen. Hier war ein Ventil ausgetan; hier war der Weg zur Freiheit, zur Gleichberechtigung. Die Frauen.Spaniens eroberten sich ihre Anerkennung als vollberechtigte Mitglieder der neuen Gesellschaft buchstäblich auf den Schlachtfeldern des Bürgerkrieges. Die Jung, arbeite rin," die Studentin, die politisch bewusste Frau intellektueller Kreise wie die Bäuerin trat neben den Mann in Reih und Glied, legte neben ihm ihr Gewehr an die Wange. Die Frauen haben sich der. Sache geopfert, mit dem gleichen Elan wie die Männer. Sic haben gekämpft und gelitten. Ihr Los ivar nicht leichter als das der Männer, im Gegenteil: sie hatten's schwerer, und das besonders, wenn sie das Unglück hatten, den Rebellen in die Hände zu fallen. Gab es schon für die männlichen Verteidiger des Rechtes bei den Franquisten grundsätzlich keine Gnade— besonders in den ersten Monaten.des Krieges— so für die Frauen schon gar nicht. Dah sie vor der Erschiessung vergewaltigt wurden, dah sie andere Demütigungen durchmachen muhten, kam ost genug vor. Der Bürgerkrieg in Spanien ist, vor allem in seinen ersten Phasen, mit den Kriegen des Mittelalters zu vergleichen. Beutemachen, Brennen und Plündern, Frauenschändung gehörten zum selbstverständlichen Recht der Franeosoldateska, wie sie zum Recht der Landsknechte gehörten. Die Frauen, di« sich auf der Seite des Volkes einreihten, machten sich über ihr Schicksal keine Allusionen. Sie wussten, dass sie, falls sie in die Gewalt der Rebellen gerieten, verloren waren. Eine der zahlreichen Episoden,. In denen Frauen unter den Kugeln eines Rebellen-Exekntionskom- mandoS fielen, schildert in derber und geradezu Englische Sozialisten zur Internationalen Brigade Dieses Bild zeigt Mitglieder der Unabhängigen Arbeiter-Partei Englands auf dem Wege zum Bahnhof in London» krauen In Waffen Der Aufstand der Faschisten rief nicht nur die Männer auf den Plan, sondern auch die Frauen. Die Frattenschast Spaniens erwachte und warf das Joch der Tradition ab. Dah sich das zmtächst in einer Form äuherte, die alles andere als aufbauend, human und vositivwar, lag an den Umständen. Ich bin der altmodischen Ansicht, dah der Krieg, selbst da, wo er notwendig und von einem allgemeinen, überpersönlichen Standpunkt aus gerechtfertigt ist, zweierlei Eigenschaften nicht verliert: er bleibt eine schmutzige Sache, uitd er bleibt eine Sache für Männer. Im allgemeinen ist die Frau ihrer Natur nach für ckktdere, positivere Aufgaben bestimmt als das Abschlächten von Menschen."Das gilt nut: freilich auch für den Mann; aber bet der Frau kommt hinzu, dah sie, Vor dem Aufstand Die spanische Frau— das war kein sonderlich leuchtendes Kapitel. Unter einer um Jahrhunderte hinter der Zeit tzurückgebliebenen Gesellschaftsordnung, die in vielem noch durch die Uebcrreste orientalischer Weltattffaffung versteift und verhärtet war, gab cs für die Frau nur drei. Berufe: Ehefrau oder Nonne. Beide hatten das Eine gemeinsam, dah sie die Frau nicht nur individuell entrechteten, sondern auch in eine Art Klassensituation brachten, insofern nämlich als das ganze Geschlecht rechtlos, also von der Ein- jluhnahme auf die Gesellschaft und sein eigenes I epischer Kraft der Brief eines Aufständischen an seine Frau in Olite(Aragin):„Es waren auch vier Frauen dabei, sicher Dirnen, und als wir sie gefangen nahmen, weinten sie nicht und klagten nicht; sie waren ruhiger als ich weih nicht IvaS; auch als wir sie zur Erschiehung. führten, weinten sic nicht. Wir kamen auf den Friedhof und sagten ihnen, sie sollten sich auSziehen; unter den Kleidern trugen sic Badeanzüge. Wir stellten sie mit dem Gintern zu nnS und gaben auf jede sieben Schüsse ab, ebenso wie wir auch einen Mann, den wir gefangen hatten, erschossen." Viele spanische Frauen haben mit dem Leben für die Befreiung ihres Geschlechtes aus einer entwürdigenden Stellung in der Gesellschaft bezahlt. Im Verlauf des Bürgerkrieges, besonders als man vom Milizsystem zur Schaffung eines wirklichen Heeres überging, wurden die Frauenbataillone abgebaut. Die allgemeine Erfahrung Iaht sich so formulieren: im Angriff tvarett die Frauen—1>or allem weil sie körperlich weniger leistungsfähiger waren, nicht vollwertig; in der Verteidigung standen sie den Männern in nichts nach. Die Epoche der Frauenmilizen im spanischen Bürgerkrieg darf als abgeschlossen gelten; die Frauen werden wieder in Betätigungeipeingesetzt, die ihrer Natur mehr entsprechen als die des kämpfenden Soldaten. Sie dienen in den Lazaretten und Spitälern, arbeiten in den Fürsorgeorganisationen für die aus der KriegSzone Geflüchteten, unterhalten für deren Kinder Horte, betätigen sich in den Überall entstehenden Kinderheimen und Kinderschulen, übernehmen Posten in Büros, Aemtern, in Verwaltung und Organisation der Kommunen, Provinzen und Ländern, ersetzen in der Kriegsindustrie männliche Arbeiter; dass unlängst eine Frau in den diplomäii» scheu Austendienst ausgenommen und als Ge- sandtin nach Schweden geschickt worden ist, ist bekannt. Die neue Frau Der Bürgerkrieg bedeutete für die Spanierin den Durchbruch zur Gleichberechtigung, zur Anerkennung ihrer Menschenwürde. Erst jetzt kann sich die spanische Frau entwickeln und geistig und moralisch aus dem Mittelalter lösen. Der Gleichberechtigung in beruflicher und gesetzlicher Hinsicht wird sich die in den Dingen des privaten Lebens anschliehcn. Die Ersetzung der alten, orientalisch aufgefahten Che durch eine zeitgemäße Form ergibt sich von selbst. Man muh bedenken, dah bis zum Fahre 1981 in Spanien überhaupt keine Ehescheidung zulässig war, um zu Geschick ausgeschlossen tvar, und wie eine beherrschte Klasse, nicht am Bildungsmoncpol teilhatte. Die Frauen waren Zweckobjelte, die beiden Typen Ehefrau und Nonne lebten in klösterlicher Abgeschlossenheit. Die Spanierin, die auf sich hielt, durfte sich nur zu bcstinnnten Anlässen auf der Straße zeigen: zu Besuchs-, Kirch-, Einkaufsgängen, an Festtage», zur offiziellen Spazierstunde usw. War sie nicht in Begleitung ihres Mannes, so muhte eine' Verwandte oder eine Dienerin mit ihr fein. Diese Strenge der.Eiste oder vielmehr der Un» fiite ist im"Lauft" der" Jahre in weiten Gesell- Iriten und Deutsche Schwarz* und Braunhemden in Spanien „Die deutsche Revolution" Otto Strassers häftigt sich in einem Leitartikel ihres Lon» er Korrespondenten Stephan Fattinger mit t italienisch-deutschen Verhältnis und behaup- dah die Achse Roin—B erlin bereits ndlich„verbogen" sei. Dabei entwickelt Blatt über die Entsendung der italienischen tppcn nach Abschluß des GentlemenS Agree- tt folgende— gerüchtweise in jüngster Zeit h sonst in der Presse ausgetauchte— Version, gewiß interessant und beachtenswert ist, ohne sic freilich völlig zwingend wäre: „Auf dem Kontinent hat man wieder einmal t begriffen, was gespielt wurde, als kurz nach . Abschluß des Agreement die neuen italienischen ppenftndungen in Cadix eintrafen und die eng» e Presse selbst sehr ungnädig gegen Mr: Eden, : erzürnt gegen die"römischen Vertragspartner Spielt England ein gefährliches Doppelspiel, verrät er seinen französischen Trabanten? Ist Mr. Eden ein ahnungsloser Anfänger, der sich iiberS Ohr hauen lieh? Keines von beiden trifft zu. Der Düpierte ist nicht England, sondern Deutschland, und nur die Rolle JialienS als des Treulosen und Listenreichen wird richtig gesehen. ES ist für England kein Geheimnis und hat sich in London sehr rasch herumgesprochen, daß die italienischenT kuppens end« n g e.n nach Spanien nicht eine Hilfe für Hitler, sondern«ine Vorsichtsmaßregel gegen ihn. sind. Die Italiener kommen freilich, um General Franco zu Helsen und London braucht wahrscheinlich gewisse Erfolg« Francos, um den beiden kämpfenden Parteien, sobald sich die eine auf Madrid, die andere auf Barcelona stützen wird, jene„dritte Lösuns" zu diktieren, die.ftit dem Sommer alS" die wünschenswerte und vielleicht einzig tragbare vorschwebt, die Lösung„Weder Faschismus noch Bolschewismus, weder Franco noch Largo Caballero, weder deutsch-italienische noch russische Vorherrschaft", sondern ein an die Westmächte sich anlehnender Regime der Mitte, wahrscheinlich eine Monarchie mit dem karlistischen Kandidaten, dem Prinzen Renä von Bourbon(einem Bruder der Kaiserin Zita)"an der Spitze. Aber die Hilf«, die von den italienischen— von den Balearen abgezogenen und nach dem Festland verschobenen— Truppen dem General Franco gegen die spanisch-russische Armee geleistet wird, ist kaum ihre entscheidende Aufgabe. Sie haben vielmehr im Sinne Roms wie Londons die Mission, ein Gegengewicht gegen die deutsche Expeditionsarmee zu schaffe», die im gegebenen Augenblick wie in einer Mausefalle in Spanien gefangen sitzen wird. Die Entsendung der I tali en er nach Spanien.ist für di« englische Politik, im Augenblick doch die denkbar bequemste und ungefährlichste Methgde zur Kontrolle der deutschen Abenteuer in Spanien und Marokko!. ES ist, im Grunde genommen, das Ei der Columbus (nicht nur weil es sich um die Wahlheimat des «rohen Genuesen handelt). Jede Einmischung Frankreichs in Spanien würde Hitler den bequemen Vorwand liefern, sich gegen den„Angriff" der franko-ruflischen Koalition zu wehren.. ES.würden Gefahren und Verwicklungen entstehen, die London noch einige Monate hinäuSschieben möchte. WaS liegt näher, als daß man die Kontrolle Hitlers durch . I«ine Macht ausüben läßt, mit der er befreundet"sst, verstehen, wieviel lingliick und wieviel Lüge sich mit der er docv gemeinsam die Intervent'«» in Spa- inS Privatleben eingenistet hatte. In den Jahren I men durchgeführt hatl" Sk. 15 Sonntag, 17. Jänner 1037 Seife 7 WfeswtscMt und SomtpofiM Deutsche Arbeiter und Bauern . Ein Irrtum des Dr. Feierabend In der WeihnachtSimmmer der»Zeit" hat der Präsident des Getreidemonopols Dr. Ladislav Feierabend einen Artikel veröffentlicht, in welchem er ü. a. erklärte, daß sich die Arbeiter gegen die regulierte Getreidewirtschaft auSge« spswch'eN haben, obwohl sie für sich selbst durch ihre Organisationen Kollektivverträge mit festgesetzten Lbhntnrifen verlangen. Auf diesen Artikel antwortet' nun In der»Konsumgenossenschaft" der Geschäftsfllhcerdec GroßelnkaufSgesellschaft für Konsumvereine' Rudolf K r»i' l Y, der darauf Yinweisti dah dem Präsidenten der Tschechofloivä« lischen Getreidegesellschast ein Irrtum unterlaufen, bzw. daß er falsch informiert ist. Zwei große Organisativnein der deutschen Arbeiterbewegung haben auf Kongressen zur Frage der Getreidewirtschaft Stellung genommen. Die eine ist der Verband deutscher WirtschäftSgenvssenschaftin, die am ÄÜ.'März 1036 eine Tagung in Prag avge- halten hgt. Dort wurde zum Getreidemonopol grundsätzlich ein positiver Standpunkt eingenom« inen, Ivenn auch eine gerechte Staffelung der UebernähmSpreise zugunsten der kleinen Landwirte verlangt wurde. Der Verband deutscher WibtschpftSgenossenschaften ist seit jeher auf dem Standpunkt fester Preise' für die Landwirtschaft geständen. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund hat auf seinem Kongreß in Reichenberg, der vom 28. bis 26. Mai 1986 stattgefunden hat, zur Frage des Getreidemonopols Stellung genominen und gesagt: . Die Gewerkschaftsorganisationen erkennen daS Recht der Landwirte auf Rentabilität ihrer Erzeugung an. Das Getreidemonopol betrachten -sie als einen wesentlichen Schritt zu einer Planung, denn es bedeutet die Stabilisierung der Preise und Einkommen, wenigstens in einem wichtigen volkswirtschaftlichen Abschnitt. Herr.Dr. Feierabend wird also seinen Irrtum einsehen— allerdings hätte der Präsident der tschechoslowakischen Getreidegesellschast über die Stellung der Arbeiterschaft zum Getreide- monopol'schon früher informiert sein sollen— und er wird vielleicht zur Kenntnis nehmen, was Kreisky, einer der führenden Männer der deutschen Konsumgenossenschaften dieses Landes zum Schluß des erwähnten Artikels sagt:»Bei den Arbeitern ist es längst zur Ueberzeugung geworden. daß die gemeinsamen Kräfte des arbeitenden Bolles aus Stadt und Land die besten Grund-, lwgin'für Zen'so' notwendigen WiptschäftSaufbau imsereS demokratischen Staates bilden und deS- ivegen fehlt es bei Ihnen nicht an Verständnis für dle'BedürfnIsse der Bauernfchaft.7. Der Kampf um den Reis '.i:.- Einem Artikel des Genossen I. Hain km, »Pcävo lidu'! entnehmen wir: ."^Die- Verbräucherorganisationen erwirkten vor einigen Jahren an den amtlichen Stelle» im Rahmen Ihres Verbrauchs ein bestimmtes ReiS- kontingent. Während dieser ganzen Jahre Ivurde keine Stimme hörbar, daß irgendein Wirtschaftsfaktor f» der Republik geschädigt worden wäre. Diese Ruhe und Ordnung und besonders die geordneten Verhältnisse beim Einkauf, welche in der lehten Zeit von dem Bestreben um Verselbständigung geleitet waren, erweckte bei der Interessengruppe der reichideutschen Reismühlen Unruhe. Diese Mühlen haben bereits vor Jahren ein festes Kartellverhältnis gegen die Tschechoslowakei geschaffen und ihre Organisation wurde dann auf andere Staaten, wie Holland, Italien usw. ausgedehnt. Sobald die Selbständigkeitstendenzen sich gellend zu machen begannen, begann bei uns eine Pressekampagne. Der ultranationalistische»Ex- preß" und die»Zeit" schildern einträchtig. die furchtbare Ungerechtigkeit, welche an den Kaufleuten dadurch begangen werde, daß die Konsumentenorganisationen das erhalten: was sie vereinbart. haben und. brauchen.. In beiden Blättern wird dabei sehr ausfällig von,den agrarischen Ge- nckffenschästen und, Unternehmungen geschwiegen, die selbst nicht unbeträchtliche Reiszuweisungen in AnsMch nehmen, während die Partei und das infehefsierte'Ministerium gegen die ReiSeinfuhr austreten. Verdächtig-ist auch der Umstand, daß dev Konzern.'der. reichsdeutschen Mühlen sich be- inüht, durch direkte Interventionen bei den die« Mn Behörden die.verlorenen Positionen-wieder« zugM.nn-n. wobei er neben,.seinen Delegierten aMMMder benützt. MHechoAkdWaltisehe . WlttMSItrhachrlchten >'Eine neue Wirtschafts-Zeitschrift. Unter dem Titel e» Mess der Wirtschaft" ist soeben eine, neue AhHschrW erschienen, welche die wirtschaftlichen Piohleme'. behandeln- will..In einem.Geleitwort WM sslS Ansisäbe der''Zeitschrift dargestellt,»hie schaffenden Menschen.;. mit den Vorgängen und Zusgmmsnhängen de» wirtschaftlichen TageSge«' tttebes' vertraut zu mssche»",' Zwei Artikel, der eine von einem>tschechischen, der andere von einem deutschen Autor, befafffn sich mst den wirtschaftlichen. BerhAtntffen des SudetendeütschtumS, ein Artllel mit Sozialversicherungsfragen, schließlich wird eine Studie den österreichisch-tschechoslowakischen WirtschaftSverhältniffen gewidmet. Heraus» gegeben wird die Zeitschrift vom volkswirtschaftlichen Ausschuß des Einheitsverbandes der Privatangestellten. Die Glasabteilmig der Prager Mustermesse bereits voll besetzt. Für die kommende Prager Frühjahrsmesse zeigt diesmal die Glasindustrie ein wesentlich höheres Interesse, als es bisher je der Fall war. Die der GlaSabteilung vorbehaltene Fläche ist daher bereits voll besetzt. ES wird sich nicht nur die nordböhmische Glasindustrie— vor allem mit dem Haida-Sieinschönauer GlaS- bezirk— sondern auch die böhmerwälder, mährische und stowakische Erzeugung beteiligen, so daß die Messe dem Ausland ein geschloffenes Bild über die Eliteindnstrie der Tschechoslowakei vermitteln wird. Das Meffeamt hat infolge der guten Beschickung für die Glasfachmesse eine Svezial«. werbung für Glas im AnSlande durchgeführt. Ein Syndikat für die Lederindustrie. In der Lederindustrie wird die Schaffung eines Syndikats, angestrebt. Da sich die Verhandlungen darüber noch länger hinziehen dürften, so wird zunächst ein Evidenz- und Konditionsbüro errichtet werden, das eine einheitliche Regelung der Zahlungsbedingungen und der Kreditgewährung Herbeiführen soll. Mit anderen Worten also: eine Preiserhöhung. Schokolade nochmals verteuert. Die Preise für Schokolade, die im vorigen Jahre schon einmal erhöht worden sind, werden jetzt abennals um 10 bis 18 Prozent hinaufgesetzt werden. Begründet wird die Verteuerung mit den erheblichen Preissteigerungen für Kakao. Die Wlrtschaftsverhandlunsen mit Frankreich Paris. Gesandter Osuskh und der bevollmächtigte Minister Machaty, der Ches der tschechoslowakischen Handelsdelegation, hatten Freitag nachmittags eine Unterredung mst dem Vorstand der Sektion zum Abschluß internationaler Verträge im Handelsministerium A l p h an d und mit dem Vorsitzenden der Handelsvertragsabtei- lung im Außenministerium de la Baume über die Regelung des französisch-tschechoslowakischen Handelsverhältnisses. Weltwirtschaftliche Kurzberichte ■ Um die 40-Stnudenwoche auf den franzö- > fischen Bahnen. Montag tritt der französische .Ministerrat zusammen, um sich mit der Frag' der Einführung der 40stiindigen Arbeitswoche im Eisenbahnerwesen zu befassen. Im Einblick auf daS bedeutende Defizit der französischen Eisenbahnen, welches fast sieben Milliarden Francs erreicht hat, haben sich mehrere KabinettSmitglie- der gegen die Durchführung dieser Absicht ausgesprochen. Hollands Außenhandel, leicht belebt. Nachdem sich die Einfuhr Holland» im Dezember auf 114(i. B. 78s Mill. hfl. belief, ergibt sich für daS ganze Jahr 1936 ein Import von 1017 (986) Mill. hfl. Die DezemherauSfuhr erreichte 79(i. B. 82) Mill., der Gesamtexport 1936 748(678) Mill. hfl. Der Eisenbahn-Güterverkehr der Welt hat sich im vorigen Jahre bedeutend erhöht. Die Bahnen der 68 wichtigsten Länder beförderten 1936 rund 3,4 Milliarden Tonnen Waren gegen nur 2,8 Milliarden im Krisenjahr 1982. Hinter dem Ansteigen der Weltproduktion an Gütern bleibt der Gütertransport der Bahnen allerdings erheblich zurück. SS ist im Vergleich zu 1913 die Warenerzeugung um 80 Prozent, der Bahngüterverkehr aber nur um 11 Prozent gestiegen. Kraftwagen- und Flugverkehr haben den Bahnen einen Teil des Gütertransports abgenommen. Die Welternte in Kaffee wird für 1986/87 auf 84 Millionen Sack geschätzt. Im voranSge- gangenen Kampagnejahr hatte die Ernte 81 Millionen Sack ergeben, Die bedeutend höhere Ernte liegt erheblich.über dem. jahreödurchschnittlichen Verbrauch, so daß Brasilien wahrscheinlich seine Kaffeevernichtungsaktionen weiter fortsühren dürfte. Die Verhandlungen zur'Errichtung eines amerikanischen Kaffeekartells sind wieder vertagt worden.. ■ Die Zuckerpreise auf.den Weltmärkten steigen weiter, während die Weltvorräte zurückgehen. Jm. Vergleich zum Vorjahre haben, die' Zucker- Weltvorräte um 20 Prozent abgenommen. - Die''-internationale RüstungSwelle hat den Bedarf an Aluminium außerordentlich gesteigert. Für die Llumlniumerzeugüng. ist Bauxit ein unentbehrlicher Rohstoff, der nur in wenigen euro« päischen Ländern gefördert wird, Reben'Frankreich, da» die bedeutendste Bauxitförderung aus« weist, hat in den- letzten Jahren Jugoslawien die Förberuhg von Bauxit stark entwickelt. Im Jahre 1Ü8'4 wurden in den erstin neun Monaten nur 86,200. Tonnen Bauxit'gefördert, während in der gleichen Zeit des Jahre». 1986 die Förderung von Bauxit die Höhe von 219.700 Tonnen erreichte. Der Reichtum Jugoslawiens an Bauxit dürste einer der Hauptgründe sein, weswegen Deutschland die besondere Freundschaft dieses Ballanftaate» sucht. Auch die Wahrheit Ist unteilbar, Herr Dr. Welfikopfl In der.Fest" vom 16. Jänner erschien folgende .Presseberichtigung": Die unter der Aufschrift.Kulturträger" in der Folge 266 vom 18. November dec Druckschrift »Die Zeit" veröffentlichte Nachricht, wonach ich auf einer Kundgebung des»Klubs der tschechischen und deutschen Bühnenangehörigen" Emil Merker angegriffen habe, der de» StaatSpreise» unwürdig sei. weil er au» dem liberalen.Schubverband" ausgetreten ist, und ich unverhohlen gesagt haben soll: »Warum hat ihn nicht Abgeordneter Wenzel I a k s ch, ganz zu schweigen von Emil Kisch und Dr. Strauß, bekommen?", entspricht nicht der Wahrheit. Denn ich habe Emil Merker, der des StaaispreiseS unwürdig sei. weil er aus dem liberalen.Schutzverband" ausgetreten ist, nicht angegriffen und habe gesagt:»Warum hat den StaatSpreiS nicht Wenzel Jallch für da» Buch »Voll und Arbeiter" bekommen?", während ich von Dr. Strauß überhaupt nicht sprach. Franz Carl W e i ß k o p f. Wenn ich zu dieser Berichtigung, die mich Persönlich nur insofern angeht, al» ich Mitglied der Jury war. die Emil Merker für den StaatspreiS vorgeschlagen hatte und al» die Jury und ich versönlich von den Kommunisten wiederholt angegriffen wurden, nun Stellung nehme, so geschieht e» nicht, um die Frage der Verleihung de» StaatSpreise» oder der Würdigkeit eines Laureaten aufzurollen und sie mit .Herrn Weißkopf oder mit dec.Zeit" zu dirkutiecen. ES geschieht vielmehr au» einem rein grundsätzlichen, durch keinen aktuell polemischen Anlaß und durch keine Erwägung der Ovportuniiät bestimmten Interesse an der Wahrheit. In jener Ku-d-i-bung der Biibn-nkiinNler sprach Ich über die„Freiheit der KuvN".(„Die Zeit", wahrscheinlich im Saale gar nicht oder durch einen mit Nürnberger Trichter anSgestatieten Goebbelrjünger vertreten, der sich kein Urteil zu bilden vermochte, bezichtigte mich nachher, ich hätte K-owvliment- vor Moskau gemacht, was eben so wenig wahr ist wie die Behauptungen WeißkovfS). Dr. F. C. Weiß- köpf sprach in der Debatte und fühlte sich, ich weiß nicht weshalb, es sei denn au» der Berechnung, er müsse der.Massenstimmung" ein Opfer bringen, be- tvogen, meine Worie zu unterstreichen, sie der Beach» iung zu emvfeblen und ganz so zu tun, al» wäre ich nickt ein„Faschist", als den mich die»Role Fahne" Ivöchentlich wenigsten» einmal bezeichnet, sondern sein Kommilitone. Von seinem geistigen und sittlichen Standort au» hätte Weißkopf sehr scharf gegen meine, in der Tendenz humanistischen und. wa» die Auffassung von Kultur betrifft, durchaus konservativen Ausführungen Stellung nehmen müssen. Da» tat er nicht. Er verstieg sich in seiner Rede sogar dazu, neben die Theie vom unteilbaren Frieden seine Tbese zu stellen:..Auch die Freiheit ist unteilbar"(weshalb er Wohl die Moskauer Schauprozeffe verteidigt und Andrö Gide angreift), Endlich aber holte Weißkopf doch zur Polemik au» und griff die Jury für den deutschen Staatrprei» an, der ich— was er bei seiner eleganten Fechtweise Nicht ausdrücklich erwähnte— angehört habe. Weißkopf sagte von Emil Merker, dieser habe den Staatrprei» n I ch t v r. r d i e n t. Er führte zur Charakteristik Merker» an, dieser sei au» dem Schuhverband ausgetreten. Weißkopf erklärte ferner, man hätte den Staatspreis an Wenzel I a k s ch verleihen sollen, wenn schon nicht anEgonErwinKisch oder an Dr. E m i l S t r a u ß. An den genauen Wortlaut wird sich nach zwei Monaten schwerlich jemand erinnern, in der Sache aber hat Weißkopf so gesprochen und diese drei Namen genannt. Dafür kann ich eine Neihevon Zeugen führen, Leute vor allem, die unter dem unmittelbar-n Eindruck der Weißkovsschen Rede ihrem Staunen für die kautschulartige Dehnbarkeit swlinistischerGewissen Ausdruck gaben. Wem bekannt war. daß Weißkopf in seinem Roman»Da» Slawenlied" den Genossen Dr. Strauß nach Art erbärmlicher Schlüsselromane lächerlich zu-'gchen ve-lucht hott:, dem kam die Vorschlagsliste für den StaatSprei», die Weißkopf präsentierte, besonder» apart vor. Ich weiß nicht, warum Weißkopf nach zwei Monaten der.Zeit" eine Berichtigung schickt. Ich greife den Fall nicht auf, weil die Berichtigung in der .Zeit" erscheint, sondern o b w o h l e» sich um die .Zett" handelt. Ich bin aber überzeugt, daß einer anständigen Sache durch unanständige Methoden, und Unwahrheiten sind mindesten» unanständige Methoden,'nicht gedient, sondern geschadet wird. Und da Weißkopf gerade jetzt in der vordersten Jeuerlinie gegen Andre Gide st-bi, wird e» vielleicht aut die sozialistische Oeffentlichkeit interessieren. einen Beweis für seine' Wahrheitsliebe und Glaubwürdigkeit zu erhalten, selbst um den Brei», daß die.Zeit" ihrerseits sich sozialistischer Zeugenschaft gegen Weißkopf bedient. Man kann mit dem Hinweis darauf, daß die Faschisten Ruhen darau» ziehen. auf die Dauer nicht die Art von publizistischen Manieren decken, die sich da einschleicht. , Dr. Emil Franzel. Aktionsausschuß Prag für die Winter-Olympiade. Der Atu» Prag, die Naturfreunde und der Allg. Angestelltenverband haben zur Förderung de» Besuche» der Olympiade in Johannisberg einen Ak-' tiousausschuß gebildet.— Da» Reiseprogramm: A. Urlaubrwpche im Niesengebirge bzw. Jöhanni»- bad oder Umgebung vom 1*. Feber bis 21. Feber — B. Gruppe vom 18. Feber bi» 21. Feber in Johannl»bad oder Umgebung. C, Gruppe Ausfahrt Samstag, den 20., Feber., Rückkehr Sonntag, den 21. Feber.■— Für den Besuch der Olympiade ist eine»Ovrozentige Fahrpreisermäßigung vorgesehen, ferner stehen eine Reihe billiger Privat- und Soiel- guarticre zur Verfügung, so daß diesmal Sin Besuch diese» Abschnitte» de» Riesengehirge», hei gleichzeitiger Beobachtung der Winterspiele, für jeden, Be-. sucher einen besonderen Anreiz haben dürfte.— Wir rechnen, daß au» den Reihen der Freunde de» Arbeitersportes eine größere Anzahl Gäste Johan- nisbad besuchen wird.— Auskünfte und Anmeldungen nehmen entgegen: Genosse Nossek vom Atus. (Nähere» in den Turnabenden).— Genossen Plotz Rudolf oder Leo Schaffer von den Naturfreunden, regelmäßig Freitag abends 6 bi» 8 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Smeäky 27, Beseda-Hau», Genosse Ernst Strnad vom Angestelltenverband, regelmäßig.Mittwoch abends von 6 bis 8 Uhr im Hand- werkerheim, Smekky II. Stock.— Interessenten können auch uus schriftlichem Wege kurze Auskünfte erhalten. Drei Stofsdiebc verhaftet. Drei Personen, zwei Männer und eine Frau bestahlen in der letzten Zeit eine Reihe Schneidergeschäfte in der inneren Stadt, indem zwei von ihnen sich Stoffe auswählten und der eine Mann sich Maß zu einem Anzug, den er bestellte, nehmen ließ, während der andere Stosse wegtrug. Auf diese Weise wurde, wie bisher festgestellt, acht Schneidern ein Schaden von insgesamt Kf 4000.— zugefügt. Gestern wurde einer von ihnen, der 28fährige Bäcker Georg Stefan aus Zi.l- kov, verhaftet; er ist geständig und auf Grund seiner Angaben gelang es auch, seinen Mittäter^ den i 45jährigen polizeibekannten Josef Rut au» ZiKov festzunehmen. Die Frau wurde vorläufig auf freien Fuß gesetzt. I Chemikalien- Schwindler. Gestern gelang eS, den 81jährigen, dzt. arbeit»- und wohnungslosen ehemaligen Drogisten Gustav Nekvinda zu verhaften, her sech» Chemikalienfirmen in Prag um insgesamt etwa Kd 5000.— geschädigt hat, indem er ihnen gefälschte Bestellungen der"'Irma.lkostra" vorwies, als deren Vertreter er sich ausgab und Wären von ihnen einkassierte. Die Waren hat er teil» verkauft, teils versetzt; außerdem hat er zwei Photoapparate gestohlen. Er wurde verhaftet, gl» er gerade bei einer Firma am Pokii das gleiche Ma- nüver wiederholen wollte. Er ist geständig und wurde nach Pankratz gebracht. 4116 Bettler im Jahre 1936 angehrltm. Die Polizeikorrespondenz teilt mit, daß im vorigen Jahre im ganzen 4116 Bettler von den Polizer- organen angehalten worden sind; hievon waten 885 Kinder und Minderjährige. 874 Frauen und 8157 Dkänner über 18 Jahre. Von den Kindern wurden 150 in der Kindersürforge der Stadt Prag untergebracht; 226 Burschen, die über 14 Jahre alt sind, wurden in die Pfleg: der Schubanstalt.Dobbh pastür" Übergeben. 65 der jugendlichen Bettler waren Drahtbinder au» der Slowakei. 60 Frauen und 7 Männer wurden mit im ganzen 85 Kindern unter drei Jahren angehalten,, die sie zum Betteln mißbrauchten. In zehn dieser Fälle wurden die Kinder den Eltern inr Sinne des 8 55 des Jugendstrafgesetze» den Eltern abgenommen und anderrivo untergebracht. 48 Prozent der über 18 Jahre alten Bettler waren obdachlos. Dem Alter nach stellen hie zwischen 60 und 70 Jahren den höchsten Prozentsatz, nämlich 22.70 Prozent; 10 Prozent stehen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahre. 2.75 Prozent sind zwischen 80 und 00 Jahren alt. Von all diesen Personen wurden 778 freigelassen. 1680 wegen Gewohnheitsbettelei dem Bezirksgericht überstellt, 1187 abgeschoben, 502 der Sozialfürsorge übergeben, 05 anders als durch Schub aus Prag entfernt, 44 ins Krankenhaus gebracht, 58 mit Polizeistrafen belegt und 80 in Zwangarbeitsanstalten gebracht. Teilweise Neberfledlmig de» BezlrkS-Erekution»- gerichte». Au» Sicherheitsgründen wurden soeben einige Abteilungen deS Bezirks-ExekutionSgerichtes geräumt, dar im Gebäude des ZivilkreiSgerichteS in Prag, und zwar in jenem Teile uuteraeüracht Vt der seinen Eingang von der Zeltnergasse au» hat und der "durch die Erdaushebungsarbeiten auf dem benachbarten Bauplatz bedroht ist. Die Uebersiedlung dieser Abteilungen in die neugemieteten Räumlichkeiten im Gebäude her Arbeiter-Unfallversicherung in Prag II, Na Poiiöi 7, wird am 18. d. M. beendet sein. Elpe Interessante Vortragsreihe veranstaltet die Masaryk-Bolkshochschule der Urania, beginnend am 18. Jänner. Dr. Strelewitz spricht an Vier- Abenden über den„Neuen H u m a n i S m u»". ein geradezu jetzt sehr bedeutsame» und aktuelles Thema. Der erste Vortrag— Montag, den 18. d.. um 8 Uhr abends— Ist dem Problem„Mythos und Humanismus im zwanzig ft en Jahrhundert" gewidiyet. Die Vortragsreihe kann vom Standpunkt der Arbeiter-BildungSqrbeit unseren Genossen zum Besuche empfohlen werden. Bin ,.Wahrtraum** . Ein groteskes Zengenprotokoll Im Prozeß nm die„ObäanskA Zälozna“ Prag,-rb- Wider Erwarten brachte die Verlesung de» Schriftenmaterial» in dem Prozeß gegen die dstbischrn Funktionäre der Weinberger„Odöan- skä Zälofsng"'ein interessante» Moment, da» verdient, festgebalten zu werden. Zur Verlesung gelangte nämlich u.«.das Protokoll der»Rührigen Witwe Marte S.. einet der. zahlreichen Opfer der Heiden Kavaliere auf der Anklagebajnk. Kiese „Sozialdemokrat* Sonntag, 17.«Kntirr 1037. Nr. 16 Seite 8 Witwe Haie. ilir Vermögen tm Betrage von 60.000 KC dem verkrachten Institut anvertraut. Einmal— im Jahre 1088— hatte diele Dengln nach ihrer pro- tvkouarisch scstgclcgtcn Aussage einen unheilverhei, ssendc» Traum. Ihr träumte nämlich, dab das Haus, in' welchem die Sparkasse untergebracht war, in flammen stehe und unter dem Eindruck dieses Traumes begab sie sich nächsten Tages zum Aus« zahlungsschaltcr, tvo sie dem angeklagten Kassler Theodor Schiller ihr Traumgesicht schilderte und naivccweise fragte, ob es nicht vielleicht angebracht sei, das; sic ihr Guthaben abhebe. ES versteht sich von selbst, dass dieser hartgesottene Gauner, der damals bereits um die unhaltbare Situation der Sparkasse wissen muhte, die bedauernswerte Fran wegen ihres Aberglaubens mächtig auslachte und bei seinen Beschwichtigungen sich zu der Behauptung versticg, dass sa doch der Staat 80 Prozent der Einlagen garantiere. Diese phantastische Lüge des skrupellosen Defraudanten fand bei. der einsältigen Klientin.tatsächlich Glauben und sie be- licss ihre Einlage in den Krallen der Gauner, die an der Spille dieser Sparkasse standen— mit dem Erfolg, dass nach erfolgtem Krach ihre Einlage von üO.OOO Kö heute mit— 8000(achttausend) Kf zu bewerten ist.„Ach bin also um 42.000 Kd geschädigt und beschuldige den Kassier Theodor Schiller, mich durch listige Vorspiegelungen um den grössten Teil meiner Ersparnisse betrogen zu haben"— so endet dieser Zcugcnproiokoll, in dem sich das tragische Schicksal zahlreicher anderer kleiner Sparer spiegelt und das dem Zuschauerpöbcl— bezeichnenderweise— AnlasszurHeiterkeit gab.•-. . Dieser Kassier Theodor Schiller versticg sich vorgestern zu der Behauptung, er selbst habe den Anstoss zu den Enthüllungen aller der im Schoss der Direktion dieser Sparkasse anSgcbrütcten Gau» ncreicn gegeben. Tie Sachverständigen widerlegten Liese an sich unwahrscheinliche Verteidigung der gaunerischen Kassiers auss gründlichste, ebenso wie die, allerdings weniger dreisten, VerteidigungSvcr» suche des Hauptschuldigen Direktors Martine!, der sich im wesentlichen zu seiner Schuld bekennt. Im übrigen nimmt die Abwicklung der Bcweisverfah- rens einen schnellen Verlaus, so dass mit der Urteilsverkündung wohl schon sür DienStag oder Mittwoch der nächsten Woche gerechnet werden kann. ♦ Mir werden gebeten sestzustcllcn— und geben diesem Ersuchen gern Raum— dass die hier in Frage stehende„OböanskäZäloZna" nichts mit der„B i n o h r a d s k ä Z ä l o J n o" (der Weinberger Städtischen Sparkasse) zu tun hat, deren Direktion sich neben dem Weinberger Nathauö befindet. Kunst»ad Mssm Der lebende Leichnam Dar Prager Deutsche Theater spielt seht diesen Tolstoi. Vermutlich nicht um des grossen russische» Dichter-Philosophen willen, sondern weil Ernst Deutsch im Lande ist und den Fedja spielen wollte. Nun, troir der überaus einfühlsamen Regie Gell- n e r S und itotz'beachtlicher schauspielerischer Ein- zclleistungen bleibt jetzt das Publikum des'Deutschen Theaters angesichts des„Lebenden Leichnams", von wenigen stärkeren Augenblicken abgesehen, kühl bis ans Herz hinan. Und da es denn doch nicht gut möglich ist, dass innerhalb eines Jahrzehnts die Wirkung Tolstojs an sich so stack gesunken ist, so bleibt nur der Schluss übrig, dass eben- damals alles, was da vom russischen Leben vor der Rcvo- lution. vom Milieu, an Gegensätzlichkeiten, an äusserer Gesunkenheit und innerer Grösse gezeigt wurde, unvergessliche Gestalt erhielt durch den ge» nialen Fedja Alex and erMoiss i'8, während Ernst Deu t sch diesen Fedja so l„,me umbiegt. bis aus dem lebenden Leichnam ein nervöser, zerfahrener, dabei selbstbewusster, deklamatorisch pathetischer) völlig unrussischer Fedja, eben: Ernst Deutsch, wird. Nur vor dem Untersuchungsrichter ist Ernst Dent- schens Fedja von starker Wirkung, wenn auch da kaum von jener, die Tolstoj vocjchwebte. Dazu kommt, dass Ernst Deutsch die Maniriertheit seiner Gesten— doch nein, nichts mehr darüber; denn sonst, wen» wir ihn allzuschars kritisieren,, bekommt er. vielleicht erst recht etwa einen DreijähreSver» trag... Die stärkste Szene des Abends dankte man E l s b e t h W a r nh o ltz als Mutter Karenina; hier vereinigen ssch Gefühl, Intellekt, Kraft und Sprechkunst so stark und natürlich, dass diese junge Künstlerin eben auch in der Nolle einer Greisin restlos überzeugt. Umgekehrt aber wie im Falle Deutsch tvagcn wir cs kaum, Fräulein Warnholtz's,, Qualitäten und die Tatsache, dass das Publikum" von ihnen aitSnahmsloS überzeugt zu sein scheint, noch mehr zu unterstreichen. Denn würden wir neuerdings aussprcchcn, dass uns diese Schauspielerin seit Jahren falsch, unzulänglich und ungerecht beschäftigt erscheint, so bliebe sie vielleicht erst recht zu Altweibecrollen verurteilt.— LislMachei- n e r hatte in wenigen Tagen die Lisa übernommen; und da sie dafür keineswegs.inkarniert ist, gebührt dem Ernst und der Ruhe ihrer Leistung alles Lob. Bemerkenswert noch Volker als Alexandrow. Ascitsch als Fürst. Marlö als Untersuchungsrichter, in kleineren Nollen Trabauer, Costa, Schmerzenreich, Winner. Frauke Lauterbach und Inge Wacrn(Mascha. Sascha) hinterliessen nur sehr schwächliche Eindrücke, desgleichen insbesondere der Karenin des Herrn Siedler. Ausserordentlich stimmschön die Solosingenden Zigeunerinnen. Der Theaterzettel nennt ihre Namen nicht.... Der.Beifall war durchaus mässig.’ L. G. Orpheus Christoph Willibald Ritter von GlucksOper „Orpheus" gelängte gestern abends im Prager Deutschen Theater nach vierjähriger Pause musikalisch neüeinstudiert, zur Wiederaufführung, Im Jabre 1087, das uns Glucks, des grossen ersten Opernreformators, ISO. Todestages zu gedenken gebietet, erscheint uns diese Gluck-Aufführung gleich zu Beginn des JahrcS als gutes Omen für weitere Täten im Zeichen und Namen Glucks. ES ist Martha Eggerth im Film„Wo die Lerche singt". merktvürdig, dass sich gerade der„Orpheus" oder „Orpheus und E u r i d i c e", wie die Oper mit ihren« ganzen Titel heisst, unter allen Opern Glucks am meisten in den Spielplänen der Operntheater behauptet hat und dort immer wieder zum Vorschein konimt. Denn obwohl der„Orpheus" eines der schönsten und geschlossensten bühnendramatischcn Werke Glucks ist, ist er keineswegs das dramatisch stärkste oder bedeutendste. In der aulischen„IPhigenie", in der„Alceste" und in der„Ar» midt" gibt es musikalisch— und szenisch— weit mehr und wirksamere dramatischere Stellen als ini „Orpheus". Es müssen also andere Gründe für die Beliebtheit gerade des„Orpheus" da sein. Und die scheinen tatsächlich in der Allgemeinkenntnis des Stosses des„Orpheus" gegeben zu sein. Während die Schicksale ArniidaS, Alcester oder Iphigeniens nur wenige gebildetere Theaterbesucher kennen und sich daher dafür interessieren, wie sie in der Oper gestaltet sein mögen, kann eine Oper, die die bekannte Sage von der Liebe des Orpheus und der Macht seines Saitenspieles und Gesanges behandelt, schon dieser Umstandes wegen auf das Interesse und die Teilnahme des weitesten Publikumkreises rechnen. Die gestrige Neuauffiihrung der„Orpheus" stand vor allem im Zeichen der stimmungs- ünd stilvollen szenischen und choreographischen Ausmachung des Werkes, an der Paul Schlenker als Regisseur, der Schöpfer der Bühnenbilder und.Fr. Camilla Steinhart als Leiterin der Bewegungschöre gleichen Anteil hatten. Die musikalische Neueinstudierung der Oper hatte Kapellmeister H. G. Schick besorgt: mit anerkennenswerter Sorgfalt ist der De- tailausführung, aber dynamisch wirksamer in den Gegensätzen als ganz fest im Rhythmus. Die Hauptrolle des Orpheus gab Rise Stevens; sehr eindrucksvoll in der schönen gesanglichen Durchführung der Partie, die dem dunklen Stimmcharakter her Sängerin ausgezeichnet entspricht, eindrucksvoll auch in. der von Intelligenz zeugenden schauspielerischen Gestaltung der Rolle. Den Mangel an pastoser Tiefe ihrer Stimme ersetzt diese hochbegabte Künstlerin wirksam durch akzentuierteste Artikulation. Euri- dice war Harict H e n d e r s, deren schöne und gepflegte Stimme in dieser nicht allzu anspruchsvollen Partie ebenso gut zur Geltung kommt wie der Mangel an Temperament der Künstlerin gerade dieser mehr passiven Rolle eher nützt als schadet. Einen gesanglich und darstellerisch liebenswürdigen, nur nicht immer ganz tonsicheren Liebesgott Eros gab Fr. Herta Rayn, die Stimme eines seligen Schattens sang sehr unruhig Fr. Lotte M e d a k. Das HauS war gut besucht, der Beifall sehr freundlich. E. I. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag halb 8 Uhr: Axel an der Himmelstür, halb 8: Der lebende Leichnam, Gastspiel Ernst Deutsch, Al.— Montag halb 7: Cavalleria rusti- cana. Der Bajazzo, Theatergemeinde der Jugend, 2. Serie, grüne Karten gemeinsam mit der Urania und freier Verkauf, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: Aida. A 2.— Mittwoch halb 8: Aus der grünen Wiese, Bl.— Donnerstag halb 8: Der lebende Leichnam, Gastspiel Ernst Deutsch- CS.— Freitag halb 8: Giuditta, volkstümliche Vorstellung, Abonnement ausgehoben.— Samstag halb 8: Der lebende Leichnam, Gastspiel Ernst Deutsch, B 2.— Sonntag halb 8: Liebe eines Fremden, Abschiedsvorstellung Ernst Deutsch, halb 8: Die Zarcnbraut, Erstaufführung, C 1. Wochenspiclplan der Kleinen Bühne. Heute, Sonntag, nachmittags 8 Uhr: Salzburg ausver- kauft, 8: Firma.— Montag 8: Matura, Bankbeamte 1 und freier Verkauf.— Dienstag halb 8: Gekängnis ohne Gitter. Erstaufführung.— Mittwoch 8: Firma, Bankbeamte 2 und freier Verkauf. — Donnerstag 8: Firma.—Freitag 8: Gefängnis, ohne Gitter, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— SgmStag 8: Gefängnis obne Gitter.—Sonntag 8: Axel an der Him- melstür, 8: Matura.• Der Mir Der Hund von BoSkcrville. Jeder Liebhaber von Kriminalfilmen hat schon eine Verfilmung des bekannten Romanes von Conan Doyle gesehen. Der neueste Tonfilm, den Karl Lamaö nach der spannenden Sherlock HolmeS-Geschichte in Berlin■ gedreht I hat. ist nicht wählerisch in den Mitteln, um die Be- I suchet in'seinen Bann zu ziehen. Das düstere Schloss, Nebel, Bellen im wellen Moor, Schüsse in der Nacht — alles, was sich gläubige Schauerdramen-Zuschauer wünschen, gibt es reichlich zu sehen und zu hören. Und Sherlock Holmes geht unbewegten Gesichtes durch den Spuk. Leider, ist der Film nicht sehr gur besetzt. Es wird so sehr auf schaurig gespielt, dass es manchmal wie eine Parodie wirkt.. Man sieht Fritz KaySler-wieder, Peter Voss und den steifen Fritz Rasp. Etwas erhellt wird die Atmo>»häre durch Alice Brandt und einen heiter-n Naturfexen Erich Pontos. Aber wer das' Gruseln lernen will, geht doch hin. ik. Wo di» Lerche singt. Eine Filmoperette, zu der Lehar die Musil beigesteuert hat und deren Herstellung man sich im übrigen leicht gemacht hat. Eine verarmte Aristokratin, ein Schlob, das in diesen schlechten Zetten ein Gasthaus wird, ein lvestig ungarischen Sing-Sang und ein bisschen Liebe. Karl La» mai, der Regisseur, glaubte doch ein paar hübsche ländliche Szenen und stimmungsvolle Aufnahmen seinem Ruf schuldig zu sein. Immerhin, Martha Eggerch singt und um sie zeigen sich die muntere Lucie Englisch, Hans Söhnker, Tibor von Halmay und Neugebauer. Ein sehr leichter Durchschnittsfilm, an den man ernstere Massstäbe nicht anlegen darf, jk.. Melodie der Welt. Das Urania-Kino bringt nun eine Serie der besten amerikanischen Filme, die in, der deutschen Fassung in Prag bisher nicht gezeigt worden sind. Am ersten Abend riss wiederum die „Broadtvay-Melodie" hin, dieser Film voll Tempo, Leben und Witz, diese Augenweide schöner Menschen und vollendeten Tanzes. Der geistreiche Dialog verliert, obgleich er so recht amerikanisch ist, in der deutschen Fassung nichts von seiner Schlagkraft. jk.' Um Ule Olympiade-Teilnahme der Russen Die SASJ hat die russischen Sportler bereits Anfang September 1088'in einem ausführlichen Schreiben nach Johannisbad und nach Antwerpen eingeladen, und hat auf Grund des Beschlusses der Präjidialjihung vom LV. Dezcmver 1088 diese Einladung wiederhol!. Bis jetzt ist von ,Russland noch keine zusagende Antwort eingegan- gen. Nach unseren Informationen werden durch den Konflikt in der Tschechoflowakei weniger die Russen abgehalten, als von der kommunistischen Sportkqnzlei in Prag Schwierigkeiten bereitet. Die Taktik des Pressereferates der kommunistischen Sportler geht dahin, in die geschlossenen Organisationen der AiuS und der DTJ Zwietracht zu säen. Wenn auch diese Versuche zu keinerlei Erfolg führen werden, so wird doch mit dieser Art deS Vorgehens der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung in der Tschechoslowakei und im internationalen Ausmass keineswegs gedient. Versteckte Angriffe, falsche Behauptungen, persönliche An« rempelungen sind keineswegs geeignet, die Situation zu Hüten.- ES soll keineswegs ein Keil zwischen den Russen, der RSJ und der FPTAn der Tschechoflowakei getrieben werden. Dar wäre bei der sporipolitischen Struktur sicher unsinnig und aussichtslos. Aber auf der anderen Seite versuchen die RSJ-Leute in Prag, zwischen AtuS, DTJ, und SASJ Differenzen zu bringen. Dass auch dieses aussichtslos ist, ist jedem, der die Verhältnisse kennt, völlig klar. Man muh also mit der gegebenen politischen Situation in der Tschechoflowakei rechnen und trotzdem die Teilnahme der eingeladenen Verbände sördern. Ob es aber eine Förderung Ist, wenn acht Tage vor der Wintersport-Olympiade die kommunistischen Sportler in Dessendorf grosse Wintersportspiele ver- anstaiten, sei dahingestellt. Dies wäre nur verständlich, wenn die russischen Sportler an beiden Veranstaltungen ieilnehmen wollten, aber auch dann mühte die Veranstaltung der kommunistischen) Sportler hinter die Arbeiter-Olympiade in Johannisbad gelegc werden. Das ganze scheint, ohne jedoch damit persönlich zu werden, eine Aksamitiade zn sein. Wir wünschen— so heisst cS in einer Verlaut-; barung der SASJ— trotz allen diesen Verhältnissen. dass die Russen und die anderen eingeladcnen, ausserhalb der SASJ stehenden Verbände an dieser politisch bedeutsamen Veranstaltung in Johannirbad teilnehmen. VereLnsnackrlMen- A Ein Kurs für erste Hilfe und ein sogenannter Samariterkurs wird jeden Mittwoch für Partei- ■Alllfcw Mitglieder im BildungSverein ^WlWWWi^^deutscher Arbeiter, Smeiky 27, zwei-- VKAU. ter Stock, um Punkt 7 Uhr abends abgehalten. Neuanmeldungen daselbst. Veranstalter AtuS. Wteifaigw der»Urania« „Großmutters Kino". Ein lustiger Querschnitt durch,alle Programme. Begleitvortrag Erich Juh n. Montag llv Uhr. , Festabend Ludwig Hardt:„Bibel und biblische Gestalten in der Dichtung".- D i e.n S t a g 8 Uhr. Karten Urania, Wetzler, Andre.■ „Fernsehen". Lichtbilder und Experimentalvor- trag Professor Färber. M i t t wo ch 8 Uhr. Karten Urania, Wetzler, Andre. „Gibt«» einen Fortschritt in brr Geschichte?"« Vortrag Univ.-Prof. Dr. Max Adler. Freitag 8 Uhr. Karten Urania, Wetzler^ Andre. Urania-Kino Sensationelle deutsch« Premier« deS amerikanischen Grossfilms„Broadway Melodie 1938", mit El. Powell. H e u t e 2. 4, 8,%9, sonst%6, %0 Uhr. Sozialversicherung!- Briefkasten In dieser regelmäßig am Sonntag er- scheinenden Rubrik werden Anfragen unserer Leser über ßozialversioherungs-, KrankenAlters-, Invaliditäts-, Unfall- und Pen- sionsversioherungsangelegenheiten beantwortet. Nr. 4,137.819: Sie schreiben, dass Sie vom 8. März bis 12. April und vom 29. April bis 28. Juni 1988 Krankengeld bezogen haben und feit 18. Dezember 1988 neuerdings im Krankengeldbezug stehen. Sie fragen, ob Sie Anspruch auf dar Krankengeld durch volle 868 Tage, also bis 14. Dezember 1987 haben. Es wird hier darauf ankommen, wie lange Sie nach dem 28. Juni 1088(dem Tag, für welchen Ihnen zuletzt dar Krankengeld gebührte) beschäftigt und versichert waren. Wenn Ihre Versicherungszeit wenigstens so lange dauerte als die beiden vochergegangencn Krankengeldbezüqe. wenn Sie also in der Zeit vom 28. Juni bis 14. Dezember 1986 wenigstens 107 Tage— wenn auch mit Unterbrechungen— versichert waren, dann haben Sie Anspruch auf 888 Tage Krankengeld. War Ihre Ver» jicherungszeit aber kürzer, dann gebührt Ihnen das Krankengeld nür für 888 weniger 107, d- i- für 288 Tage also bis zum 80. August 1987.(Wir sehen, hiebei voraus, dass Sie nicht etwa auch schon in der Zejt vom 16. Dezember 1988 bis 2. März 1989 Krankengeld bezogen haben; eingerechnet werden nämlich alle im letzten Jahr vor dem Eintritt der neuen ÄrbeitSnnfähigleit, d. i. vor dem 18. Dezember 1988, bezogenen Krankengelder.) „Aussehen": Sie fragen,, ob Ihr Arbeitgeber berechtigt ist. Ihnen Versicherungsbeiträge für die Zett abzuziehen, wo Sie wegen ArbeitSmangel aussehen müssen und betonen dabei, dass das Missetzen vom Gang des Geschäftes abhängig ist und daher nicht regelmässig auftritt.— Soferne Sie nicht für die Zeit der Aussehens entlassen werden, sondern die Arbeit nur faktisch unterbrechen, handelt eS sich um einen eingeschränkten Betrieb, del welchem nach dem Gesetz die Beiträge durchgehend zu zahlen sind, auch wenn das Aussehen nicht regelmässig ist. Die Beiträge werden jedoch nicht nach der Lohnklasse abgezogen, welche dem wirklichen Tagesverdienst entspricht, sondern nach der Klasse,-die berechnet wird, indem man den Gesamtverdienst einer längeren Zeitperiode auf alle Tage dieser Periode mit Ausnahme der Sonntage'aufteilt. Eine Erhöhung der gesamten Abzüge ist bei dieser Vorgang-weise nur in ÄuS- nahmesällen zu erwarten, doch sind Ihre Ansprüche auf Geldleistungen der Krankenversicherung geringer alS bei vollem Betrieb., Eine Regelung, die Ihren Wünschen wenigstens teilweise Rechnung trägt, kann durch ein Uebereinkommen gefunden, werden, das Ihre Firma mit Zustimmung des BotriebSaüS« schusses mit der Krankenversicherungsanstalt-.abschliesst. Wir empfehlen Ihnen, sich in diesem Sinne an den BetriebSauSschuss bzio. an die Firma za wenden. P. H-: Ein rechtlicher und flagbarer Anspruch auf Abfertigung nach dem Gesetz über die Altersund Invalidenversicherung besteht für ein Kind von mehr als 17 Jahren auch dann nicht, wenn.es arbeitsunfähig ist. Da aber die Zentralsozlasversiche- rnngSanstalt nach dem Gesetz daS Recht hat, in rück- sichtSwürdigen Fällen nach freiem Ermessen eine Abfertigung auch einem solchen arbeitSunsähiaen Kinde von mehr als 17 Jahren zu gewähren, empfehlen wir die Einbringung eines(stempelfreien) Ansuchens um Abfertigung bei der letzten Krankenversicherungsanstalt des verstorbenen Versicherten innerhalb der gesetzlichen Frist von zwei Jahren nach dessen Tode- Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Broadway-Melodie 1086." Revuefilm.(Deutsche Fassung.)—Adria:„Der Hund von BaSkecville."(Nach C. Doyle..— D.)—- Alfa: „Allahs Garten."(Marlene Dietrich, Ch. Boyer,— SD.)— Apollo;„Maria Stuart." K. Hepbürn.— - A.)—• Avion:„Die Teufelspuppe."(A.)— Bera» nek:„Herren im Zylinder."(Astaire.— A.)— Fenix:„Die Zwanzigjährige."(Sidney. H. Marshall.— A.)— Flora;„Mordende Lüge."'(Oberon, M. HokinS.— A.)— Hollywood:„Charlie Chan auf der Rennbahn.(Öland.,— A.)-— Hvizda;„Der Hund von BaSkerville."(D.)—- Julis:„Port Arthur."