Ur. 144. Kdmmements-Kedingungen: «bonnement»-Pret» pränumerando: vierteljährl. SLo MI., monall. 1,10 MI.. wöchentlich 28 Psg. frei ini Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. TonntagS- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neu« Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZP0 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung«- Preisliste für isss unter Nr. vsso. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für da» übrige SuSland S Marl pro Monat. Erschein! ISglich nutzer»onkns«. Vevltner Volksbl�kk. 16. Jahrg. Die Jnftriions-Gtbülfr beträgt für die sechsgespaltene Kolonsl. zetle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlung«- Anzeigen so Psg. „Kleine Anseigen" jede« Wort S Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btZ S Uhr nachmittags in derExpeditton abgegeben werden. Die Erpcdttton ist an Wochentagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis s Uhr vormittag» geöffnet, Fernsprecher: vmk I, Nr. 1608. Telegramm-Adresse: „Sorialdrmokrnl verlin" Centralorgan der socilZtdemokratischen Uartei Deutschlands. Rctmlilimi: SW. 19, Ventlz-Siragr 2. Freitag, den£3. Juni 1899. Exprdilwn: SW. 19, Beulh-Strafze 3. Das Znchthausaesetz vor den Schranken des Reichstags. IV. Vier Tage um einen Kadaver totzuschlagen— das ist wirklich viel. Angenehme Arbeit war es nicht, aber sie war notwendig und darum nützliche Arbeit. Der vierte Tag war vergleichsweise ruhig— wie der römische Cirkus ruhig war, wenn der Kampf vorüber und nur noch Sterbende und Leichen den Boden bedeckten. Von Kampf konnte nicht mehr die Rede sein. Der zweite Redner der Socialdemokratie, Heine fand nur noch einen Kadaver. Und das Zuchthaus gesetz war nicht der einzige Leichnam. So fiel unserem Genossen die Aufgabe des Todtenrichters zu: er fahte noch alle Anklagen zusammen, und die Anklagen waren so schwer, und die Thatsachen, die er zu ihrer Begründung vor- brachte, so wuchtig, daß sie sich über deni häßlichen Leichnam wie ein Berg auftürmten— ähnlich den Steingrabhügeln der alten Kelten. Die Regierung gab den Leichnam auch preis. Sie führte nur noch ein Rückzugsgefecht, anstandshalber, um den Schein einigermaßen zu wahren. Allein auch das Rückzugs gcfecht führte sie schlecht— ebenso schlecht wie das Hauptgefecht. Herrn Nieberding sah man es noch mehr als am zweiten Tage an, daß er an seiner Aufgabe keine Zreude hatte und nur widerwillig eine peinliche Pflicht erfüllte. Herr W o e d t k e, Direktor im Reichsamt des Innern, war in keiner besseren Verfassung als Herr Nieberding; und der sächsische Regicrungs bevollmächtigte Fischer, der den Glauben an seine Wunder- kraft verloren hat, versuchte sich— freilich mit mäßigem Er- folg— in der Rolle des Lustigmachers. Aus den Kreisen der Abgeordneten erhob sich am vierten und letzten Tag nur ein Mann— ein Konservativer und ein Zünftler: Herr I a c o b s k ö t t e r, der für alle Schäden der Zeit das Doppelrezept hat: Polizei und Innungen, welch letzteres Wort ein verschämter Name ist fiir Zwangszünfte. Gegen die Regierung sprechen die beiden letzten Redner des letzten Tages: der Welse Hodenberg in kurzer und scharfer Erklärung, und der Ceutrumsmann P i ch l e r. welcher sehr wirksam den Jacobstöttcr abfertigte und in kräftigen Ausdrücken den durch Liebers Auftreten wohl begründeten Vorwurf abzuschwächen versuchte, hinter den freiheitlichen und radikalen Worten des ersten Centrumsredners habe sich die Absicht versteckt, der Regierung schließlich doch ein Gesetz gegen das Koalitions-recht zu apportieren. Das parlamentarische Schlußergebnis war, was nach solchen Verhandlungen sein mußte: der Antrag der Konser- vativen, die Zuchthausvorlage vor eine Kommission zu ver- weisen, hatte den ganzen Reichstag gegen sich— mit alleiniger Ausnahme der zwei konservativen Fraktionen, der Anti- scmiten und des Häufleins der nationalliberalen Secessionistcn unter Führung des an chronischer Mandatsfäule leidenden Herrn Möller, Ideal des rheinisch- westfälisch- saarabischen Unternehmertums. Nicht einmal einer Kommissionsberatung wert gehalten, das vornehmste gesetzgeberische Werk der Reichsregierung in dieser Session! Nicht einmal der Ehre eines ehrlichen Be- gräbnisscs gewürdigt die Heilsmaßregel, an welcher die deutsche Reichsregierung seit fast einem Jahrzehnt im Schweiße ihres Angesichts gearbeitet hat— die Maßregel, an der Herr von Berlepsch, heute der schnöde Verlcuguer seines Kindes I, vor 9 Jahren seine Kraft und sein bestes Können versuchte, für welche Herr von Stumm über ein Jahrzehnt lang unablässig mit heißem Beniühcn gewühlt, gebohrt, Maulwurfsarbeit verrichtet hat,— die Maßregel. welche den Schlußstein und das Schirmdach der herrlichen deutschen Polizei-Socialreform bilden, den socialen Flieden begründen, die Einigkeit der staatserhaltendcn Parteien herbeiführen, und die deutsche Socialdemokratie zerschmettern, zeimalmen, aus der Welt wegblasen sollte. Da liegt sie, auf den Kehrichthaufen geworfen von dem deutschen Reichstag, gebrandmarkt von den Vertretern des gesamten deutschen Volks, mit Ausnahme einer winzigen Minderheit der rückständigsten Elemente,— verurteilt von der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volks. Und als Siegerin über der Leiche steht lachend die Social- demokratie, und die staatserhaltenden Parteien haben in ihrer Mehrheit die Regierung ini Stich gelassen und der Social- demokratie geHolsen, die Maßregel, durch welche sie vernichtet werden sollte, totzuschlagen. Nie hat eine Regierung eine gründlichere, Niederlage er- litten. Und— müssen wir hinzufügen— nie hat eine Regierung ihre Niederlage so wohl verdient. Was aber nun? In Frankreich sehen wir soeben, wie eine Regierung, die in einer vergleichsweise untergeordneten Frage mit wenigen Stimmen in der Minderheit blieb, sofort ihre Ent- lassung nahm. um anderen Männern Platz zu machen, die mit dem Willen und den Stimmungen der Parlaments- Majorität besser übereinstimmen. Wird die deutsche Regierung, die eine tausend- mal wuchtigere Niederlage erlitten hat in einer Frage, die ihren eigenen Worten in der Thronrede nach eine Lebensfrage für den Staat und die Gesellschaft war, wird die deutsche Regierung jetzt zurück- treten? Wir wären Thoren, wenn wir es glaubten. Nicht m i t dem Volk, sondern wider das Volk regieren ist in Preußisch-Deutschland Regierungspolitik und höchste Regierungs- kunst. Und so werden denn die Männer, welche in dieser viertägigen Debatte die Opfer ihres Zuchthausgesetzes geworden sind, und vor der ganzen Welt, vor allem vor dem deutschen Volk ihre völlige Unkenntnis, das sociale Problem zu er- fassen und es politisch zu behandeln, aufs augenfälligste ge- zeigt haben, im Amt bleiben. Und die deutsche Reichsregierung be- ansprucht Autorität im Innern und Achtung nach Außenl_ Reichstagsbitd. Man schreibt uns aus dein Reichstag: Der vierte Tag der Zuchthausdebatte brachte zunächst eine Ent täuschnng: Graf Posndoivsky las nicht die von ihm telegraphisch eingeforderte Nuskunft über die terroristischen Schnlkinder-Greuelvor, so sich in einer norddeutschen Stadt zugetragen haben. Er hat also die schonen Staatsgelder für die Telegramme umsonst verthan. Dafür aber bewies der Herr Graf den guten Geschmack, die zweistündige Rede unseres Genossen Heine, mit der die Verhandlung begann, mit der ge spanntesten Aufmerksamkeit von Anfang bis zn Ende zu begleiten. Das war unstreitig der beste Einfall, den Graf Posadowsky während der vier schweren Tage gehabt hat. Und als Heine geendigt, hatte der Herr Staatssekretär sich offensichtlich völlig überzeugt, datz die Vor- läge, die er aus staatsrechtlichem Zwang vertreten zu müssen glaubte, das mißratenste Geschöpf sei, das jemals in Vorzimmern und Amts-- stuben ausgeheckt worden. Posadowsky schwieg, senkte sich immer tiefer über die vor ihm liegenden Papiere und seine Stirn rötete sich— wir nehmen die ehrenvollsten psychologischen Motive für diesen Farbenwechsel an. An diesem Tage sah man ihn nicht wieder das Wort ergreifen. Auch sonst am Bundesratstische lauschte nian, wie unten im Saale, der Rede Heines mit größter Andacht; es herrschte unter den Geheim- raten fortwährend eine lebhafte Bewegung, und wie in einem auf- gestörten Ameisenhaufen, suchten sie die bloßgelcgte» Ameiseneier ihres schöpfungseifrigen Fleißes vor dem wühlenden Stock des gefähr- lichcn Spaziergängers in Sicherheit zu bringen. Aus Heine sprach der gebildete Mami, der scharfsinnige Jurist und der überzeugte Vertreter der socialisiischcn Weltanschauung. Das intellektuelle Gewissen der Mehrheit des Reichstages ist denn doch so entwickelt, datz es sich den Argumenten des Redners nicht verschloß. Auch auf der Rechten vergaß man das dünkelhaft geistlose Grinsen, mit dem man sonst gern socialdemokratische Kritik begleitet. Mit überlegenem Humor geißelte Heine die Vorlage, die Denkschrift und ihre Verteidiger am Ministertisch und im Saale. Graf Ballestrem. der im übrigen an Heine seine Disciplinkunst nicht beweisen konnte, vermehrte das Lexikon der unparlanientarischen Ausdrücke durch die Feststellung, daß man Mitglieder des Hauses nicht mit Don Quixote und Saucho Pansa vergleichen dürfe. Herr Arendt ist also nicht der Snncho Pansa des konservativen sinnreichen Ritters freilich ist er ja auch bisher nicht katholisch, ein Beweis, datz das Centcinn immer noch nicht einflußreich genug ist. Der heutigen Rechtsprechung widmete auch Heine seine Kritik und erwähnte den Umschwung der Judikatur seit der Kaiscrrede hin. Gegenüber dem Gerede von den„bezahlten Agitatoren" wies er darauf hin, daß auch die Agitatoren der Regierung, die Minister ic. bezahlt sind. Der Unterschied ist allerdings, wie wir hinzufügen, daß sie recht einträglich bezahlt sind und im Gegensatz zn den Agi- tatoren nicht immer nur das vertreten, von dessen Güte sie überzeugt sind. Heine hob hervor, daß gerade die Berliner Baunuternchmer an der Spitze der Arbeiter-Hetzer marschierten, die doch wahrlich am wenigsten das Recht hätten, Moral zu predigen. Mit eindringlicher Wärme schilderte Heine am Schluß den Kulturwert der Arbeiter- organisationen und die Knlturschädlichkeit der von der Regierung ge» hätschelten Arbeitswilligkcit. Die Zuchthausvorlage sei der Anfang der Revolution, der Revolution von oben, und sie würde eine Rechtsprechung zur Folge haben, die der des französischen RevolutionS- tribunalS vor 100 Jahren gliche, nur daß hier nicht die gcschicht- lichen niildernden Umstände vorlägen, die man jener Rechtsprechung zu- erkennen muß. Heines Rede trieb drei Regierungsvertreter nach einander zum Wort. Zunächst sprach Herr Nieberding, um durch die That zu seiner Rechtfertigung zu beweisen, datz der Vertreter des Reichs- Jnstizamts nicht nur an der Znchthans-Vorlage unbeteiligt gewesen ist. sondern daß er sie sogar bis zum heutigen Tage nicht einmal kennt. Dieser Verteidiger der Zuchthans- Vorlage hat bislang keine Ahnung von dem Wortlaut des Z 4 und einer amtlichen Begründung I Herr Nieberding meinte, Streik- postenstehen wäre nicht unter allen Umständen durch die Vorlage trafbar gemacht, sondern nur, wenn dadurch Zwangseinwirkungen im Sinne der§§ 1 und 2 begangen würden. Nun aber heißt es im § 4 wörtlich: „Der Drohung im Sinne der Z§ 1 bis 3 w i r d die planmäßige Ueberwachnng von Arbeitgebern. Arbeitnehmern, Arbeits- stätten. Wegen, Straßen, Plätzen, Bahnhöfen, Wasserstraßen, Hafen- oder sonstigen Verkehrsanlagen gleichgeachte t." Das heißt: Strcikposteustchcn ist unter allen Umständen strafbar. Es hätte ja auch gar keinen Sinn, Streikpostenstehen nur dann für trafbar zu erklären, wenn es mit Drohungen uslv. verbunden wäre. Dann fiele es schon unter die Zjj 1 und 2 und bedürfte keiner be- sonderen Bestimmung. Der Z 4 wäre überflüssig. UeberdieS besagt das auch die Begründung, auf die sich Herr Nieberding un- verständlicherweise berief, ganz ausdrücklich und unzweideutig: „Auch dann, wenn die Postenstehenden sich der Drohungen, Ehrvcrletzungen oder Thätlichkeiten gegen Arbeitswillige enthalten, ist das Streikpostenstehen und überhaupt eine Ueberwachung zu den in den ZZ 1, 2 bezeichneten Zwecken schon an sich ein unznlässiges Kampfmittel." Herr Nieberding hat also seine Unschuld an dem Entwürfe durch seine Unkenntnis glänzend bewiesen und damit sei ihm seine Ver- tretung der Spottgebnrt vergeben. Wenn er es ein Schlagwort nannte, daß man die Vorlage als Ausnahmegesetz bezeichne, es sei formal kein Ausnahmegesetz, so kämpft er gegen eine Behauptung, die niemand gemacht hat. Die Vorlage ist weit schlimmer als ein forniales Ausnahmegesetz, es wirkt in der Praxis als ein An§- nahniegesctz unter der perfiden Vorspiegelung gleichen Rechts. Und diese Wirkung, daß lediglich die Arbeiter durch das Gesetz getroffen werden, hat auch Herr Nieberding heute wieder mit erquickender Offenheit ausgesprochen. Den Geist der Vorlage hat er doch ergründet, wenn er auch ihren Wortlaut nicht kennt. Nachdem der Staatssekretär sich noch ein paar juristische Ein- Wendungen gegen Acußernngen nebensächlicher Natur abgequält, setzte sich dieser Officialvertcidiger, der das Studium des Entwurfs mit Fleiß unterlassen, weil er wohl einsah, daß er bei genauer Kenntnis ihn überhaupt nicht mehr zu verteidigen vermöchte. Der sächsische Bnndcsbevollniächtigte Fischer war dann so liebenswürdig, dem Rechtsanwalt Heine ins Garn zu gehen. Heine hatte gelegentlich, aus besonderen Gründen, behauptet, die Re- dacteurc des königlichen.DrcsdnerJonrnaIs"seicnBeamte. Mit großer Emphase erklärte Fischer; ein ahnungsloses Opfer des Advokaten- geschicks,.'Heine sei miserabel unterrichtet— die Redacteure des amtlichen Blattes seien keine Beamten. Nebenbei stellte sich Herr Fischer uns als der zäheste und fleißigste Leser des„Vorwärts" vor. Er meinte nämlich:„Wenn ich alles, was im„Vorwärts" steht, und mit meiner Meinung nicht übereinstimmt, als Ilnverschämtheit bezeichnen wollte, so hätte ich den ganzen Tag nichts weiter zu thnn, als diesen Ausdruck zu gebrauchen." Er liest mithin den ganzen Tag den„Vorwärts"— ein Uebermaß, das wohl verschuldet, daß er von der Lektüre nicht den rechten Ertrag und Erfolg hat. Mit Todesverachtung stürzte sich als dritter Mann der Regierung dcr'Ditektor im Reichsamt des Innern, W ödcke, in den Berteidigungs- kämpf. Er holte seine Inspiration von der Kornblume in seinem Knopf- loch. Er sprach mit einem wunderlichen Selbstbewußtsein von dem Herummäkcln und Herumnörgeln an der Denkschrift, ohne daß ihm auch nur die Widerlegung eines einzigen Angriffes gelang. Hoffen wir, daß er demnächst eine Anti-Znchthausvorlage zu verteidigen haben wird. Dann braucht er auch nicht, wie heute, ein Prcislied auf die Edelsten und Besten zu singen, auf die arbeitswilligen Streikbrecher./ Endlich kam auch noch ein Zuchthausretter aus dem Hause zu Worte: Der konservative Zünftler I a c o b s k ö t t e r, der die Vor- läge als eine Erlösung der Handwerker von dem Terrorismus der Gesellen feierte, den Nationalliberalen ins Gewissen redete— eine echte Kreisblatt-Rcde wider die Socialdemokratie. In einem einzigen zermalmenden Satz faßte der Welse v. Hodenbcrg sein Todesurteil über die Vorlage zusamnien. Den Bcschlnß niachte der bayrische Centrums- mann Pichlcr, der schärfer und gerader der Vorlage zuLeibe ging und schließlich die Regierung zur Zurückziehung der Vorlage aufforderte. Eine Aeußerung Pichlers vcranlaßte den schiver verletzten Handels- minister Brefeld zu einer kurzen Entgegnung, in der die Aufregung des Wundfiebers fast ängstigend zum Ausdruck kam. Ter Antrag Levetzow auf Kommissionsberatung wurde gegen die beiden konservativen Parteien und etwa ein Dutzend nationallibcraler Gegner der Basscrmannschcn Richtung abgelehnt. Die zweite Lesung tvird also nach der Vertagung im Herbst gleich das Plenum beschäftigen. Inzwischen aber wird das Volk die Generaldebatte fortsetzen... zi)olitische Mebevfichk. Berlin, den 22. Jnnt. Prensiisch-offiziöse Drohungen. Schweinburg schreibt in den„Berliner N. Nachr.", dem Organ des in der Zuchthausdebatte übel zugerichteten Central- Verbandes der Industriellen: „Der peinliche Zusammenstoß zwischen dem preußischen H a n d e l s m i n i st e r und dem Reichstags-Präsidcnten in der heutigen lMittwochsj-NeichStagSsitziing dürfte voraussichtlich mit dem stattgehabten Wortwechsel sachlich noch nicht erledigt sein. Graf Ballestrem hat im Gegensatz zn seinen Vorgängern kürzlich den Socialdemokraten und der sonstigen Linken freigegeben, Reden des Kaisers und damit die Person des Monarchen in die Debatte zu ziehen, sobald diese Reden durch Abdruck im„Reichs- Anzeiger" als beglaubigt anzusehen seien. Der erste derartige Fall trat heute praktisch ein. Der preußische Handelsminister legte mit vollem Recht gegen dieses Verfahren Ver- Wahrung ein. Denn rS wird damit die Tradition deS Reichstags in antimonarchischcr Richtung durchbrochen, und seine Bezichuiigen zu der Gesamtheit der deutschen Fürsten und der verbündeten Negieruugcn erleiden damit eine starke Verschiebung. Die Geschäftsführung deS Grafen Ballestrem gewährt, wie auch der gestrige Tag wieder erwiesen hat, dem L ä r m b e d ü r f n i s der Linken einen auf- fallend weiten Spielrauni. Die Person des Kaisers ist dem Reichstage gegenüber durch den Reichskanzler bezw. durch die preußische Vertretimg im Bundesrat gedeckt. Kritiken kaiscr- licher Reden und Handlungen im Reichstage müssen die Grund- lages unseres VersassungslebenS in ihren Tiefen erschüttern, derartige folge nschtvcre Maßnahmen dürfen nicht von dem Gutdünken des jeweiligen Reichs- tags-Präsidenten abhängig sein. Äraf Ballestrem verlangt den Abdruck der betreffenden Rede im„Reichs-Anzeiger", seinem Nachfolger erscheint vielleicht auch diese Schranke bereits für überflüssig. Hier heißt es principiis obsta, und wir hoffen, daß die preußische Regierung der„Rcichstagspolitil" auf der schiefen Ebene, auf der diese sich bewegt, energisch und entschlossen, aus alle Konsequenzen hin. Halt gebieten wird." Den Brefelds mag es nicht gefallen, daß ihr Versuch, Abgeordnete in ihrer Redefreiheit im Reichstag zu beschränken, durch den Präsidenten klar zurückgewiesen wurde. Der Präsident hatte um so mehr Anlaß zu dieser Zurückweisung, als er selbst ausdrücklich dem Abg. Rösicke die von ihm für nötig gehaltene Besprechung der kaiserlichen Rede freigegeben hatte. DerHandelsniinistererlaubtesich einen ganz ungehörigen Eingriff in die Präsidialrechte und fast der ganze Reichstag steht sicherlich in dieser Angelegenheit auf der Seite des Präsidenten. Hat doch auch der konservative Abgeordnete v. Levetzow am Donnerstag dem Präsidenten Dank für unparteiische und tadelfreie Führung der Geschäfte ans- gesprochen. ES ist übrigens schwer zu verstehen, warum die Offiziösen eine Besprechung kaiserlicher Aussprüche so sehr der- abscheuen. Wenn die Festigkeit der Grundlagen unseres Ver- fassnngSlebens nach den„B. N. R." davon abhängen soll, daß nicht offen und deutlich über persönliche Maßnahmen und Reden des Kaisers gesprochen werden darf, so behauptet das Blatt, daß diese Grundlagen überaus gebrechlich sind. Die Volksvertretung kann es sich jedenfalls nicht versagen, Reden eines Monarchen zu besprechen, der oft und in höchst tcmperament- voller Art in die politischen Ereignisse eingreift, ohne daß es möglich ist, seine Beamten verantwortlich zu machen. Wollen die Offiziösen nicht, daß über den Kaiser im Reichstag ge- sprachen werde, so mögen sie dafür sorgen, daß die Reden des Kaisers nur unter Gegenzeichnung des Reichskanzlers veröffentlicht werden.—_ Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnctcnhnus beriet Donnerstag in zweiter Lesung den Gesetzentwurf betreffend die Dienststellung dcS Kreisarztes und die Bildung von G e s u n d h e i t's k o m m i s s i o n c n. Wir haben diese eigenartige„Medizinalrcform" des Herr» Bosse schon wiederholt besprochen, so das; ivir nnS heute darauf beschränke» können, die vorgenommenen Rendenmgcn aufzuzählen. Zunächst wurde zu s 3 ein Antrag angenommen, wonach dem Kreisarzt die Ausübung der ärztlichen Privatpraxis außer dem Hanse mit Ausnahme von dringenden Fällen und von Konsultationen mit anderen Acrztcn untersagt, die Annahme von Nebenämtern aber gestattet ist. In § 5 werden unter den besonderen Aufgaben des Kreisarztes Beobachtungen der gesundheitlichen Vcrhälünsie dcS KreiscS erwähnt. Die Kommission hatte hierzu den Znsatz aufgenommen, daß der Bc- zirt auch ohne besonderen Auftrag nach Maßgabe der nnnistericllen GcschüftSnnwcisnngcn bereist werden darf. Diesen Satz strich daS HanS und stellte die Regierungsvorlage wieder her. Gänzlich bo scitigt wurde der K 11, welcher die Anhörung der Gcsnndhcitö kommissionen vorschreibt in allen Fällen, wo die Orts- und Polizeibehörden gesundheitliche Bestimmungen treffen. Endlich wurde noch Z 12, welcher von der Errichtung der Gesund heitSkommissionen handelt, in der ursprünglichen Form wieder hergestellt. Hiernach kann in Landgemeinden die Errichtung solcher Kommissionen von dem Landrat im Einverständnis mit dem Kreis ausschuß angeordnet werden. Die Kommission hatte gesagt: Auf Anordnung des LandrntS nach Anhörung des Kreisausschnsies. Die übrigen Aenderungen betreffen eine unwesentliche Modifikation der Bestimmungen über die Ruhegehälter der beim Inkrafttreten des Gesetzes zu pensionierenden Beamten. Nächste Sitzung: Sonnabend(Kleinere Borlagen). ** « Aeutsches Weich. Ein Jubiläum der Nichtbestätigung wird Freitag von der ReichShanplstadt festlich begangen ivcrden. Seit einem Jahre ist »nnnichr Herr K i r s ch n e r nicht anerkannter Oberbürgermeister Berlins. Die einjährige Brnutschaft ohne standcSamtlichcit oder kirchlichen Segen mag für die Sittlichkeit verfassungsmäßigen Lebens bedrohlich sein— aber dos wilde Bcrhälwis macht Vergnügen und gicbt dcnt Volk das Recht, seinerseits nichts anzuerkennen, was i h m nicht bchagt. Man wird den Gedenktag als ein Fest der Befteiung von altmodischem Autoritätsglauben zu einer ständigen Ein- richtnng machen, und nach einem Jahrzehnt der Nichtbestätigung wird man bereits mit Granen an die mittelalterlichen Zeitcir zurück- denke», da alles bureaukratisch geregelt und besiegelt werden mutzte.— Ein frcchcö Spiel treiben die Agrarier mit der preußischen Regierung. Sic wollen daö Zustandekommen des Kanals, der den Rhein mit der Elbe verbinden soll, verhindern. Und da sie dies vcwmtlich nicht auf gradcn Wegen erreichen können. so versuchen sie es auf k r n m m e n: Sic arrangieren shstcmatisch in i;a»z Preuße» Znsammcnkünftc der Agrarier, bei denen alle? zusammengeschleppt wird, was an Wünschen und Forderungen auf staatliche Bcgiinsligung die einzelnen Landesteile irgend aufbringen können. Die Leute argumentieren da- bei so, daß die von dem Kanal berührten Gegenden durch dessen Bau einen Vorteil haben, und daß dcsivcgcii sämtliche Agrarier des preußischen Staates mindestens gleichwertige Bcgünsiigungcn erfahren müßten. Die Leute wissen natürlich ganz genau, daß dks unmöglich ist; aber gerade dadurch, daß sie die Ncgicruug vor eine unmögliche Aufgabe stellen, versuchen sie den Bau des Kanals zu hintertreiben. Wir wissen nicht, ob die Regierung stark genug fein wird, die Unvcrfrorcnhcit der Agrarier zurückzuweisen. Die„Köln. Ztg." ist sogar der Meinung, daß Über die Kanalsrage die Regierung zu Fall kommen werde. Sie kündigt an, daß nach dem neuesten Auftreten des Centrums soivic der kurzsichtigen Handlung der Konservativen, wodurch die Kannlvorlage»n Abgcordnetcnhausc eine Mehrheit lvahrfcheinlich nicht finden werde, man sich bereits in der allernächsten Zeit auf cineu Wechsel in der preußischen Regierung, sowie auf die Auflösung des Abgeordnetenhauses gefaßt machen müsse. Miquel habe mit seinen eigenartige» diploinatischc» Künsten den Konservativen gegenüber vollen Schiffbruch erlitten. Auch das Centrum verhehle nicht, daß cS ihm sein Vertrauen entzogen habe. Bei der Ablehnung der Kanalvorlage sei aus- geschlossen, daß die preußische Regierung in ihrem jetzigen Bestände mit dem Landtage ein gedeihliches Zusammeuwirkeu bcthätigeu könne. ES ist übrigens unserer Mciming nach anzunehmen, daß die Regierung trotz des Treibens der st a a ts e rh a lte n d e» Agrarier die Mehrheit für de» Kanal schon heute bekommen könnte oder sie doch bei Drohung mit der Auflösung erreichen würde.— WaS ist eine„öffentliche" Gcldsaminlung? Bekanntlich ist die Vornahme solcher in Sackiscn durch behördliche und ministerielle Verordnungen von einer Genehmigung der Polizeibehörde abhängig. In der Praxi? kommt dies für die Arbeiterbewegmig einem Verbot von Geldsanunlungen gleich, weil die Genehmigung nur in den seltensten Fällen gegeben wird. Jetzt hatten fünf Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, dabei der besoldete Ge- schästsführer desselben für die Zahlstelle Dresden Strciksammcl- listen ausgegeben, bczichungSivcise daS darauf gesammelte Geld cut- gegengenominen. Die Betreffenden haben daraufhin Strasbefchle in Höhe von 5 bis 20 Mark bekomme» wegen unerlaubter öffentlicher Geldsanimlimg. Es wurde die Entscheidung des GcricktS angerufen. und es drehte sich dabei nur um die Rcchtssrage. ob die Sammlung im 8t ahme» der Vcrbaiidsniitgliedschaft— denn mir um eine solche handelte cS sich— eine öffentliche ist oder nicht. DaS Statut destimmt ausdrücklich, daß außer den re�el- mäßigen Beiträgen freiwillige Extrabeiträge in irgend einer Foim erhoben werden können. Da» Schöffengericht in Dresden hat jetzt»in Sinne der Polizei entschieden und die Fünf zu den ausgeworfenen Strafen verurteilt. Und zwar mit der „Begründung", daß ein Verein, der in Deutschland etwa 70 000, in Dresden etwa 2000 Mitglieder hat, nicht mehr als ein ge- schlösse n er Personenkreis anzusehen wäre. Diese salo'mo- nischc Feststellnug, der jede nähere Präzision fehlt, warum denn ein großer Verein nicht als„geschlossener Personenkreis" zu be- trachten ist, dürfte jedenfalls bis jetzt selbst in Sachsen einzig da- stehen.—_ Die Kriegstrompete auf dem Friedenskongreß. Der„Köln. Ztg." wird aus dem H a a g gemeldet: Inden amtlichen Kreisen verlautet, daß die Regierung Trans v a a l S sich vorbereitet, ini Falle eines Krieges mit England Hartz näckigen Widerstand zu leisten. Die Regierung der südafrikanischen Republik rüstet demnach in sehr ernsthnftcr Weise. Sic hat dieser Tage bei Krupp in Esten 2ö S ch n e l l f e u e r g e s ch ü tz e und mehrere großkalibrige Geschütze für die F e st u n g s artillerie bestellt.— Von der Thätigkeit der Samoa-Kommisfion. Aus A vi a wird vom 12. Juni berichtet: Nachdem auch T a n a entwaffnet ist und 3200 Gewehre in die Hände der Kommission ab- geliefert hat, ist der Friede wiederhergestellt. Die Kom- Mission hat die formale Zriständigleit des Oberrichters in der Köuigssraae anerkaimt. Jedoch soll auch Tana nicht König werden. vielmehr ist die gänzliche Beseitigung der Königs würde beschlossen worden. Der Obcrrichtcr und die Mnnicipalbeainteii üben bis auf weiteres ihre bisherigen Funktionen ans. Dr. Solf hat den Posten dcS Mimicipalpräfidcnten übernommen. In einem vom 14. datierte» Bericht aus Apia werden die obigen Mitteilungen noch solgcndcrmaßcn erweitert: Der Bericht der Kommission cnipfichlt die Abschaffung des Königtums und des Präsideiitenpostcus und die Einsetzung eines Gouverneurs mit einem aus drei Ernannten der Mächte bcstchendeu Gesetzgebenden Rate, dem ein Repräsentantenhaus der Eingeborenen zur Seite steht. Der Gouvcnicur soll ein Vetorecht gegen die allgemeinen und die Muuicipalgcsctze haben. Die Ernannten der Mäckte sollen Departements- Chcss sein und die konsulareu, diplomatischen und richterlichen Funktionen sollen abgeschafft werden. Was die Besteuerung betrifft, soll eine Erhöhung der Zollabgaben und eine Herabsetzung der Kopfsteuer eintreten. Die Zuständigkeit des obersten Gerichts soll vermehrt und die Mnnicipatität, unter Leitimg eines Bürgermeisters und eines Genieinderats erweitert werden. DaS Postamt soll dem Gouvernement unterstehen. Wir finden es nicht hübsch von der deutschen Regicrimg, daß sie zur Abschaffung des K ö n i g t n m s beigetragen hat,— wenn dies auch»nr auf Samoa geschehen ist. Die Regierung sollte doch die Schädigung bedenken, die dem„monarchischen Gedanken" aus solchem pietätlosen Handeln widerfährt.— Zustand. Das Ministerium Waldclk-Nonsscan cndgiltig gebildet. Paris, 22. Juni. W a l d e ck- 8l o n s s e a n übernimmt Präsidium und Inneres, D e le a s f ä: Aeußercs, General G a l l i i e t Krieg, Monis: Justiz. Miller and: Handel. B a n d i n öffentliche Arbeiten. D c c r a i s: Kolonien, L a s s e s s a u: Marine, L e y g ii e s: Unterricht. Jean D u p u y: Laudwirthschaft, Eaillct: Finanzen, die neuen Minister begaben sich um 0 Uhr ins Elyscc, um sich dem Präsidenten Loubct vorzustellen. Italic». Die Vertagung der Tcpiiticrtenkammer bis zum 28. d. M wurde vom Mimsterpräsidenten P e l l o u x durch ein königl. Dekret verkündet, nachdem am 22. d. M. eine sehr erregte Sitzung statt- gefunden hatte.— Amerika. Die Lage auf Kuba. Ans Madrid wird uns berichtet: Die neuesten hier ans Havanna cingetroffeiien Meldungen lassen durchblicken, daß sich die Befürchtungen einer allgcmcincn Auflehnung der Kubaner gegen die»encn Herren der Insel kaum verwirklichen werden. Tie Nordamcrilaiicr Häven niit der Taktik begonnen, einzelne bisher einflußreiche Kubaner durch Verleihung von E b reu- stellen und hohen I a h r e s g c h ä l l e r n für sich zu geiviimen, wodurch die Einigkeit der bisherigen Militärjunta bereit» merklich gestört wurde. Man hofft daher ans ein baldiges weiteres Eiiischwenken von leitenden Persönlichkeiten. Insbesondere bedeutet es für die Vereinigten Staaten einen wcscut- ltchcn Erfolg, daß Mnximo Gonicz trotz seiner vielfach schwankenden Haltung doch noch nicht gänzlich die Beziehungen zu dem General- gonvcriicnr General Brookc abgebrochen hat und demselben mancherlei nützliche Gefälligkeiten erivcist. Man ist deshalb in den spanischen Kreisen auf Kuba der Meinung, daß falls die Nordamcrikaner noch einige Millionen Dollars in iiiicinffälligcr Weise zur Vcrleilmig bringen, die augenblicklich noch ctwaS trotzige Führerschaft der Kiibiiiicr gefügig werden wird. Allerdings bedeute ein solches ystcm die Korrum picrung der leitenden kubanischen Kreise. VvutzskÄg. (Schluß aus der 1. Beilage). Mimstcrialdireklor von Wödtke: Daß die Herren Socialdcmokraten mit der Denkschrift nicht ein- verstanden sein würden, davon war ich ja überzeugt. Sie haben sich ja auch redlich bemüht, au ihr hcriimziimnlelii und hcriimzuiiörgeln. (Lachen links.) Das ist ja auch nicht wunderbar, denn in der Derik- 'chrift findet sich ein Material zusammengetragen, welches draußen im Lande vielen Lcntc» die Augen offnen wird iLachcn links) über den kolossalen Unsug. der getrieben wird(Große Unruhe links, Präs. Graf Vallestvein: Ich bitte um lliuhe!) bei Slrciks und bei der Tcrrorisicrmig Arbeitswilliger, bei Leuten, die nicht Lust haben, und das aus guten Gründen, sich an dem Streik zu beteiligen.(Zurufe links. Präs. Graf Ballcstrcm: Herr Abg. Bebel, ich bitte Sie, nicht zu unterbrechen.(Heiterkeit.) Die Vcrfaffcr übernehmen selbstverständlich für die Denkschrift die volle Verantwortung; baß da» vorgebrachte Material in allen Beziehungen einwandfrei ist, dafür köimen die Verfasser der Denkschrift natürlich nicht einstehen. Das Material kommt von den Behörden, die die unparteiischen Hüter des Stecht» sind(Lachen links), und bis uns der Beweis ge- liefert ist, daß an einem oder dem anderen Punkte die Denkschrift nicht völlig das Richtige ist, so lange wird von uns die Behauptnug festgehalten werden, daß, was in der Dculschrift steht, auch richtig ist.'(Lachen links.) Die Bemängelungen der Denkschrift befassen sich zum großen Teil mit kleinen Einzelheiten, imd reißen meist die Dinge auS dem Zusammenhange heraus. Das ist ja ein sehr wohlfeiles Vergnügen.(Unruhe_ links.) Rur auf einige Fälle, die Herr Heine angeführt hat, möchte ich ganz kurz cingehcii. Was den Fall des Arbeiters V. anlangt, so bat ihn ja Herr Heine ganz anders dargestellt, als die Denftchrift. Es wird unsere Aufgabe sein, noch einmal Erkuiidiauilgen ein- zuziehen, wie die Dinge sich in diesem Falle thatsächlich verhalten. WaS weiter den Fall betrifft, wo ein Mädchen auf dem Tanzboden von ihrem Tänzer mitten ini Tanze im Stich gelaffen wurde und von allen Umstehenden als Strcikbrecheriii beschimpft wurde, so hat diesen Fall Herr Heine als harmlos hingestellt. Das ist mir ganz uu- verständlich, ich kann mir keine größere Beleidigung für ein ehrbares Mädchen denken. Herr Heine hat dann weiter an der Vorlage Kritik geübt und gemeint, die Bestimmungen des 8 7 erinnerten an chinesische Ver- hältnisse. Er hat dabei' aber ganz übersehen, daß dieser Paragraph genau dem sogenannten Aufriihrparagraphen, dem Z 150 des Strafgesetzbuches entspricht. Ich betone aber nochmal», die Vorlage läßt jedem das Recht, einen andern von seiner Meinung zu überzengen, nur gestattet sie nicht, daß da» auf dem Wege der Drohung geschieht. (Bravo I rechts.) Abg. JacobSkötter(k.): Auch in den Kreisen der Handwerksmeister ist diese Vorlage mit Freuden begrüßt worden. Die Handwerksmeister erwarten von diesem Gesetz ihre Erlösimg von dem unerträglichsten TerroriSmus, unter dem sie leiden durch die Anmaßungen der Fachvereine, der Gewerkschaften und aller unter socialdemokratischer Leitung stchciidcii Arbeiterverbindungen.(Sehr wahr! rechts.) Man hat gc- sagt, die Arbeitgeberverbände seien viel stärker als die Arbeiter- verbände. Das mag wohl für Verbände der Großindustriellen gelten, aber für Verbände der Handwerksmeister stimmt es gar nicht. Die sämtlichen JimnngSverbände sind die reinen schwachen Kinder gegenüber den Gesellenvereinen. Herr Bebel meinte, das Gesetz iväre ein gutes Agitationsmittel für die Socialdemokratie. Dann begreife ich nicht, weshalb er eine zweistündige Rede dagegen hält. (Lachen links. Sehr gut! rechts.) Die Herren Nationalliberalen, die hier gegen die Vorlage stimmen,' befinden sich durchaus im Widerspruch mit ihren Gesinnungsgenossen im Lande. In dem„Leipziger Tageblatt" ist eine Resolution abge- druckt, die im dortiger Nalionalverein angenommen ist und sich durchaus im Sinne dieser Vorlage beweg». Ich hoffe, daß die Herren nach der Vertagung Fühlung mit ihren' Wählcrkrcisen nehmen und dann im Herbst zu einer anderen Stellung gegenüber der Vorlage kommen werden.(Sehr gut! rechts). Sehr gewundert hat es mich auch, daß die„sociale Praxis", die doch zu Herrn v. Berlepsch Bc- zichniigen haben soll, sich jetzt gegen das Gesetz ausspricht, obwohl Herr v. Berlepsch vor 9 Jahren als Minister eiiicn Gesetzentwurf einbrachte, der weiter ging als der jetzige. Auch wir wollen die Koalitionsfreiheit, aber nicht den Koalirionszwang, wie die Soeicil- dcmokratie. Iicdncr verliest eine Anzahl Prcßftimmen, die beweisen sollen, daß die Socialdemokratie den Koalitionszivang für berechtigt halte. Auch die heutige Rede des Herrn Heine hat mich in dieser meiner Ansicht mir bestärkt. Die Akte dcS TerroriSmus seitens der Arbeiter kommen oft nicht an die Ocffcntlichkcir. Aber wenn ein Arbeitgeber einmal einen kleinen Fehler macht, so wird er in der ganzen socialdcmokratischcii Presse herumgczerrt. Nun ist die Denkschrift von vielen Rednern zerpflückt worden. Ich habe mir ans diesem Material auch nicine Meinung nicht gebildet, sondern stütze mich aus meine praktischen Erfahrungen. Von dem Zwange, der existiert, kann ja die Ncgicrnng keine Ahnung haben, das kommt gar nicht an die Behörden. Wir begrüßen aber das Gesetz als Schutz für die persönliche Freiheit. Auch evangelische Arbeitervereine haben sich gegen die Vorlage er- klärt. Das ist ja bei der von der Socialdemokratie beliebten wüsten Agitation gegen die sogenannte Ziichthansvorlage nicht allzu verwunderlich. Ich war auch in einer solchen Versammlung und muß sagen, bei anderer Leitung hätte dieselbe Vcrsannnlimg eine Resolution für das Gesetz gefaßt. Die Vorlage ist notwendig und wenn sie jetzt abgelehnt wird, so wird sie wieder kommen. Der Streik ist hier von Herrn Rösicke und Herrn Haußmann förmlich gc- feiert worden. Aber er ist doch eine zweuchncidige Waffe. Nim sind wir ja in dieser Session daran gegangen, die Gcwerbcgerichie auszugestalten; nach der Resolution. die diese Institutionen' gegen das Gesetz erlassen haben, niüssen wir an ihrer Unparteilichkeit Zweifel hegen. Wir erkennen die Tendenz des Gesetzes als richtig an und werden für die KonunissionSbcratung stimmen. Wir wünschen den AnSbau der socialpolitischcn Ersctzczcbniig nach der Rich- tnng, wie sie diescö Gesetz zeigt, wir hoffen, damit dem socialen Frieden zu dienen, weil jeder in seiner freien Willcnsbcstimmung geschützt werden soll.(Beifall rechts, Lachen links.) Abg. Freiherr von Hodenberg(Weise): Ich habe zu erklären, daß Ivir das Gesetz moralisch für höchst anfechtbar, politisch für fehlerhaft und inopportim halten und deshalb für Ablehnung ohne Konimifionsberatung timmen werden. Abg. Dr. Pichler(Ttr.): Unser verehrter Freund Herr Dr. Lieber hat unsere Stellungnahme so klar gekeimzeichnct. daß wir über jede Verdächtigung von der linken Seite erhaben sein sollten. Trotzdem sind gerade von süd- deutscher socialdemokratischer Seite gegen den süddeutschen Flügel des Zentrums Anschiildigniigen erhoben worden. Freilich genießen die Herren die schöne Luft der bayerischen Berge und überlassen es uns hier, das Gesetz zu erörtern. Besser wäre es, sie wären auch hierher gekommen, ihn mitzurciten und mitzuthaten. Herrn Jacobskötter möchte ich nach der Richtnng entgegen- treten, daß er meint, dieses Gesetz könnte zur Förderung des iocialcii Friedens beitragen. Darüber müßten uns doch schon die gegenwärtigen Zustände belehren. Besonderen Eindruck hat aus mich die Rede dcS preußischen Haiidclsministcrs gemacht. Wenn er wirk- lich die Intentionen des Gesetzes richtig gekennzeichnet hat, so haben die Arbeiter in ihren Befürchtungen vollständig recht.(Sehr richtig! im Cciitnirn und links.) Das ist das einzige. was der Minister mit seiner Rede bewiesen hat.(Heiterkeit.) Aus einen Worten klang hernns, daß er jeden Streik verboten sehen möchte.(Sehr richtig! links.) Auch ivir betrachten den Streik nicht als freudiges Ereignis, auch wir halten ihn für ein notwendiges Hebel, aber er ist oft das einzige Mittel, das die Arbeiter haben. ehr richtig I im Centrnm und linls.) Der Herr Minister sprach von den schweren AnSschreitnngcn der Bergleute, aber kein Wort hat er davon gesagt, daß alle diese AuSschrcitimgcn mit schwerer Strafe gesühnt worden sind. Der Minister nannte den Bergarbeiter- streit frivol. Wir leben ja jetzt recht schnell, aber doch nicht so chnell, daß uns die Ursachen dieses Streiks nicht noch in Erinnerung ein sollten. Schon 1882 hat unser Freund v. Schorlemer aus die chweren Mißstände im Bergbau hingewiesen.(Sehr richtig! im Ccntruni.) Tie Löhne waren unzureichend, gar viele Wagen wurden genullt, eS hagelte Strasbefchle. die Profite wurden erzielt auf Kosten dcS Hungers und Schweißes der Arbeiter.(Sehr richtig! links.) Herr v. Schorlemer sagte den späteren Ausstand schön damals vorher. Er hat dann berechtigtes Aufsehen erregt, aber niemand, niit Ausnahme vielleicht der speciellcn Arbeit- gcbcr hat ihn für frivol erklärt.(Sehr richtig! links.) Die Arbeiter aller parteipolitischen.und religiösen Richtungen haben sich gegen das Gesetz erklärt. Herr JacobSkötter meint: Das will nicht viel sagen. Ich dächte, man sollte doch vorsichtiger sein in dem Urteil über das Urteilsvermögen der Arbeiter mid die Ncsoliitioncii, welche sie in Volksversammlungen fassen. Sonst könnte auch von anderen Versanimluiigen einmcil behauptet werden, te wären bereit, auch das Gegenteil zu beschließen.(Sehr richtig! in Centrum und links.) Was min den Inhalt der Vorlage anlangt, o klingt ja der Inhalt ziemlich paritätisch, in der Hand- habung aber wird sie sich nur gegen Arbeiter richten. Da ist schon ein Gesetz, wie es Herr Dr. Lieber vor- jeschlagen hat, besser. Herr Minister Brefeld sagte zwar, olch' ein socialpolitischcS Gesetz zu machen. sei sehr chwierig. Ich gebe das zu, cS ist leichter, ein Strafgesetz zu machen, als ein focialpolitischeS, aber»uilöslich ist die Schwierigkeit nicht. Herr JacobSkötter hat auf die Befriedigung in Handwerks- kreisen über die Vorlage hingewiesen, die als �.Erlösung"" begrüßt werde. Er hat geklagi, daß die Arbeiterverbände stärker seienj als die Organisationen der Handwerksmeister. Ja, warum sind die Handwerksmeister so indolent? Warum benutzen sie tucht das Hnndlvcrkskammcrn-Gesctz, daS den socialen Frieden besser garantiert, als solche Vorlagen? Was den TerroriSmus der Socialdeinokraten anlangt, so hat Dr. Lieber recht, wenn er sagte, daß dieser Terrorismus daS Gesetz venirsacht habe. Das Verwerfen der Roheit und Gewaltthat durch die Socialdemokratie ist doch recht platonisch. Ich habe noch nie gehört, daß einer wegen Roheit und Gewaltthat aus der Partei heransgeflogen ist.(Unruhe links.) Herausgeflogen sind nur Leute wegen theoretischer Diffc- lenzen._(Zwischenrufe bei den Socialdemokraten.) ffollege Heine nimmt nur für die socialdemokratischen Arbeiter das Recht auf Organisation in Anspruch(Widerspruch bei den Socialdcmo- kraten), für die übrigen Arbeiter aber nicht. Das hat er ziemlich deutlich ausgesprochen.(Lebhafter Widerspruch bei den Social- demokratcn.) Wir müssen zugeben, daß bedauernswerte Ansschreitimgen durch die Arbeiter vorgekommen sind, aber wir geben nicht zu, daß diese Ausschreitungen eine solche Vorloge nötig machen. Die bestehenden Gesetze genügen, so daß eine Verschärfung kaum nötig ist. Die Vor- löge verfehli auch ihren Zweck? sie würde gar nicht alle Aus- schreitungen verhindern. Dann ist gesagt worden, es sei auch ein scharfes Vorgehen der Polizei notwendig. Die Erfahrungen während der 12 Jahre Socialistengesetz haben doch gezeigt, dah starke Polizei und scharfe Strafgesetze nichts ausrichten. Nirgends ,st die Polizei doch stärker und schärfer als in Sachsen. Und doch ist der Terrorismus der Socialdemokraten nirgends größer, als in Sachsen.(Widerspruch bei den Socialdemokraten.) Eine scharfe Anwendung der Polizei- mittel würde nur den heimlichen Terrorismus groß ziehen.(Sehr richtig! im Centrum.) Einen Zweck nur hat die Vorlage erreicht: sie hat die Socialdemokraten geeint auf der ganzen Linie. Herr Dr. Arendt hat den Kampf gegen die Socialdcmolratie mit geistigen Mitteln verworfen, aber Repressalien allein nützen doch nichts. Die Heilung muß von innen heraus erfolgen, nicht durch Repressalien allein.(Sehr richtig! im Centrmn.)'Die Denkschrift hebt hervor, daß besonders junge Leute an den Ausschrcitimgen beteiligt sind. Da wäre cS wahrlicki besser gewesen, man hätte statt dieser Denkschrift eine Denkschrift an die Knlwsminister der Vitzrdesstaaten geschickt, mit der Aufforderung, für bessere Schul- gcsctze zu sorgen.(Bravo I im Ccntrum.) Die socialdemokratische Agitation wird sich fortgesetzt mit diesem Gesetzentwurf beschäftigen. Deshalb bedauern wir,' daß man uns die Vorlage gerade in diesem Zeitpunkt hat zugehen lassen. Aber die verbündeten Regierungen haben es ja noch m der Hand, dieser Agitation entgegenzuarbeiten, wenn sie den Gefetzentwurf jetzt zurückziehen. (Bravo! im Ccntrum und links.) Preußischer Handclsminister Brefeld: Ich habe nur eine irrtümliche Voraussetzung des Herrn Vor- rcdnrrs richtig zu stellen. Er hat geglaubt, meine gestrigen Aus- sübriingcn hätten sich auf den Bergarbeiter-AuSstand in» Saarrevier im Jahre 1889 bezogen. Ich habe aber nur von dem Ausstand 1892/93, also in der Zeit nach den Fcbniar- Erlassen, gesprochen und diesen frivol genannt(Unterbrechungen links), weil er mit einem Kontrakt- bruch begann und herbeigeführt wurde, ohne daß die Arbeiter ihre Z-ordmmgcn vorher der Grubenverwaltung mitgeteilt hätten. (Zwifcheiwufe bei den Socialdemokraten.) Redner(erregt auf den Tisch schlagend): Das ist doch vollkommen schlüssig, das ist doch eine vollkommen vertretbare Behauptung, die ich auf Grund amtlichen Materials in vollstem Maße aufrechterhalte.(Bravo I rechts. Lachen links.) Ein S ch l u ß a n t r a g der Abgg. Dr. Saitler(natl.), Gröber(C.) und Dr. Müller- Sagau lfrs. Vp.) wird hierauf gegen die Stinimen der Socialdemokraten und eines Teils der Konservativen angenommen. In persönlicher Bemerkung behält sich Abg. Müller- Mciningen(fts. Vp.) vor, in der zweiten Lesung den Ausführungen des Grafen Posadowsky bezüglich der ausländ«- scheu Gesetzgebung entgegenzutreten. Ich werde beweisen... Präsident Graf Ballcstrem: Das ist nicht mehr persönlich. �Heiterkeit.) Persönlich weist Abg. Hcitie(Soc.) die Behauptung zurück, daß er den Terra- «SniliS gegen nicht socialdemokratische Arbeiter gebilligt hat, und lerliest den Teil seiner Rede nach dem Stenogramm. Weiter erklärt Redner, daß er sich nach Rücksprache mit dem sächsischen Bundesrats- Bevollmächtigten überzeugt habe, daß der Teil des„Dresdener Journals", in dem Ausfälle gegen den Reichstag vorgekoinmen sind, nicht als anitlich zu betrachten sei. Abg. Dr. Arendt(Rp.) versichert persönlich, daß er nicht ledig- sich Repressalien, sondern auch den geistigen Kainpf gegen die Social- demokratie empfohlen habe. Ich bin der Meinung... Präsident Gras Ballestren«: Was Ihre weitere Meinung ist, gehört nicht in den Kreis persönlicher Beinerknngen.(Große Heiter- kcit links.) Der Antrag Lcvctzow auf Verweisung der ZuchthauSvorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern wird hierauf gegen die Stimmen der beiden konservativen Parteien, der Antisemiten und etwa zehn Nationallibcralcr abgelehnt. Präsideirt Graf Ballcstrcin: Die zweite Lesung wird auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen gestellt werden. Es folgt die dritte Beratung des NachtragöctatS und der damit in Verbindung stehenden Vorlagen. Abg. Fürst Bismarch(wildk.): Ich schließe mich den Ausführungen der Abgg. Lieber und Graf Könitz über den Ankauf der Karolinen vollständig ai«. Am 12. Ja- «mar 1887 hat«nein Vater denselben Gedanken ausgesprochen, der gestern vom Ministertisch aus geltend gemacht worden' daß nämlich die Karolinen eine Lrimperei seien, wenn sie um den Preis eines Krieges mit Spanien hätten bezahlt werden müssen. Den« Kaiser Wilhelm I. lag viel daran, die schwache Monarchie in Spanien zu halten. Sie wurde durch republikanische Unruhen bedroht, die mit dem Gclde französischer Republikaiicr genährt wurden. Spanien sollte Frankreichs Schwesterrepublil werden; das wäre uns unbequem gclvcscn. Gleichzeitig wurde uns von Spanien unter der Hand die Verlängerung des Handels- Vertrages zugestände««, der in jcdcin Jahre hundertmal mehr ivert «var, als die ganzen Karolinei«. Von 1889—91 ivar unsere Ausfuhr nach Spanien doppelt so groß, wie sie heute ist. Wir haben asio damals ein recht gutes Geschäft gemacht. Heute liegt die Sache anders. Tie Karolinen sind entschieden lvcrtvollcr geworden. Redner verbreitet sich dann in langen Ausführungen über die Samoa-Akte und ivendct sich gegen das Mißverständnis, daS die Worte des Staatssekretärs von Bülow geftmden haben:„Seit Inkrafttreten der Samoa-Akte haben'die Wirren dort nie aufgehört". Auch vorher hätten Wirren geherrscht, die noch viel unangenehmer waren, als die jetzigen. Die weiteren Aussührungin des Redners über die Samoa- konfcrenz werden von der Linken durch Rufe: Zur Sache! unter- brochen. Präsident Graf Ballcstrcin: Auch bei der ersten Lesung«st die Samoasrage behandelt worden; ich habe also keinen Grund, es bei der dritten Lesung zu hindern.(Heiterkeit.) Damit schließt die Geiicraldisknssion. In der Spccialdebatte nimmt niemand daS Wort. Der Nachtragsetat, das spanische Handels- nbkomnien und daS Anleihegefctz werden in Special- und Gesaintabstinimung unverändert angenon«»«en. Daniit ist die Tagesordnung erschöpft. Präsident Graf Ballestrcm: Ich habe Grund zu der Annahme, daß«vir am Sckilnsfe dieses Scssionsabschnittes angekon,n«cn sind. Da voraussichtlich längere Zeit verstreichen tvird, bis wir uns«nieder zu unseren Beratungen in diesen, Saale Versamnieln werden, so würde ich es für mißlich halten, Ihnen schon heute Tag und Tagesordnung für die nächste Sitzung vorzuschlagen. Ich erbitte mir daher die Ermächtigung, Tag und Tagesordnung für die nächste Sitzung selbständig sestzilstellen, und ich werde, wenn die Ermächtigung erteilt ist, Ihnen recht- zeitig Mitteilung niachcn.(Allseitige Zustimmung.) Da niemand «viderspricht, nehme ich an, daß diese Erinächtigung erteilt ist. Es jsi dies der Fall. Meine Herren, ich möchte bei dieser Gelegenheit Ihnen noch n, einen herzlichsten und tiefgefühltesten Dank auszusprechen für die Unterstützung,«vclche ich auf allen Seiten des Hauses bei Ausübung meines Amtes gefunden habe. Dadurch ist mir dieselbe außer- ordentlich erlcich'rert worden. Ich danke Ihnen viclinals.(Lebhaftes allseitiges Bravo!) M'g. v. Lcvctzotu(kons.): Meine Herren, eS gereicht mir persönlich zur Freude, und wird die Zustimmung des Hauses finden, wenn ich im Namen des Hauses den« Hern« Präsidenten herzlichen Dank sage für seine unpaneiische, geschickte, energische und erfolgreiche, wenn auch oft recht schwierige Leitung unserer Geschäfte. Wir werden unS freuen und hoffen, ihn im November auf seiner Stelle tvieder zu sehen.(Lebhaftes Bravo!) Präsident Graf Ballcstrem: Ich danke dem hochverehrten Herrn Vorredner für die freund- lichen Worte, die er an mich gerichtet hat und Ihnen Men, daß Sie ihm zugestimint haben. Ich bin bcinüht gewesen, dein Versprechen nachzukommen, das ich Ihnen bei Antritt meines Amtes gegeben hatte. Wenn«nir das gelungen ist, wie ich Ihrer fre«li«dlichen Kund- gebung entnehmen kann, so danke ich das der Unterstlltzung von allen Seiten.(Bravo I) Gestatten Sie, daß ich einen Teil des Dankes auf meine Kollegen im Vorstande, auf die Herren Vicepräsidenlcn, Schriftführer und Quüstoren übertrage. Ich danke Ihnen nochnrals. (Bravo I) Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich habe dem Reichstage eine allerhöchste Verordnung mrtzu- teilen:„Wir Wilhelm zc. verordnen auf Grund der Artikel 12 und 26 der Verfassung mit Zustimm«mg des Reichstages im Namen des Reichs, was folgt:§ 1. Der Reichstag wird bis zum 14. November dieses Jahres vertagt.§ 2. Der Reichskanzler wird mit der Ausführung dieser Verordnung beauftragt. Urkundlich uslv. Gegeben Kiel ai« Bord unserer Dacht Hohenzollcrn, den 22. Juni 1399. Gezeichnet Wilhelm. Gegengezeichnet: Fürst zu Hohenlohe." Ich habe die Ehre, dem Hem Präsidei«ten die kaiserliche Verordnung zu über- reichen. Die Socialdeinokraten haben vor der Verlesung den Saal ver- lassen. Präsident Graf Ballcstrem schließt die Sitzung mit einem Hoch auf den Kaiser. Schluß 4!/« Uhr. Ummituirnles- Stadtberordnetc»- Versammlung. 21. Sitzung vom Donnerstag, den 22. Juni 1899, nachmittags 5 Uhr. Die Vorlage des Magistrats wegen Räumung und Abbruch des Köllnischen Rathauses, Verlegung der Sammlungen des Märkischen ProvinzialmuseuinS, andertveiter Unterbringung des Gclverbegerichts und Eingehens der Köllnischen Ratswage hat der für den Antrag Kyllmann schon früher eingesetzte später verstärkte Ausschuß nii« 3 gegen b Stimincn genehmigt. Die Bersammlung schließt sich ohne Debatte dein Ausschuß- antrag an. Das von der Getverbcdeputation vorgelegte Ortsstattit betr. die K r a«« k e n v e r s i ch e r u n g der H a u s i n d u st r i e l l e n hat der Magistrat abgelehnt und will die Frage erst nach ettva zwei Jahren wieder in Erivägung ziehen. Eingestandenermaßen ist für diesen Beschluß entscheidend gewesen die heftige Gegnerschaft,«velche solvohl bei den Arbeitgebern als bei den Arbeitnehmern und Kranken- lassen gegen das Ortsstattit hervortrat, je nachdem dies die Zahlnngs- Verpflichtung den großindustricllcn Unternehmern oder den Zlvischen- meistern auferlegen«vollte. Der Magistrat verttöstet sich auf die .demnächstige" rcichsgcsetzliche Regelung der Frage. Auf Antrag des Stadtv. Singer, der damit einem Wunsche des auf Reisen befindlichen Stadtv. Borgninnn nachkoinmt,«vird die Beratung dieses Punktes bis zur ersten Sitzung nach den Ferien vertagt. Die Stadtvv. R o s e n o I» und Gen. beantragen: 1. Die Versammlung ersucht den Magistrat, die Vereinbarungen, welche er mit der StaarSregicrung hinsichtlich der st ä d t i s ch e n höheren Webe schule gctrossen hat, sobald als thunlich zu lösen, damit den Eingriffen des Staates in die Leitung der Schule ein Ende gcniacht und unserer städtischen Schule nicht der Charakter einer Staatsanstalt aufgezwängt«vird; 2. sie ersucht ferner den Magistrat, der Verfügung dcS Herrn Handelsministers, wonach die städtische höhere Webeschule fortan „Preußische Wcbeschule" heißen und vom Magisttat„von jetzt ab" so bezeichnet«verde«« soll, nicht nachzukommen; 3. die Versaminlung sieht einer Vorlage des Magistrats ivegcn midenvcitcr Gestaltung der städtischen höheren Wcbeschule in etatsrcchtlichcr, baulicher und technischer Hinsicht entgegen. Stadtv. Rosenoiv: Durch die Vereinbarung mit der Regie- r»ng über die städtische höhere Webeschnle hat sich ein unerquicklicher «nid unhaltbarer Zustand entivickelt. da sich das Kuratoriuni der Schule den Anordnungen des StaatökonimissarS fügen muß. So hat das Schulgeld für«lichtpreußische Deutsche höher bemessen iverden müssen, als für preußische Tcutscbe— ein ganz iiiibcrcchttgter Parti klilarismus. Auf eine Eingabe dcS Magistrats an den Minister «vcgcn Glcichstcllimg des Schulgeldes«st keine Antwort erfolgt trotz des Vorschlags, ciiicn etwaigen Aussall durch Erhöhung des Schulgeldes für Allsländer wieder einzubringen. Jetzt hat der Minister wieder angeordnet,«rt den Etat siir die nächsten drei Jahre das ungleiche Schulgeld einzustellen. Wie kann der Minister die Stadt- verordneten- Versammlung für drei Jahre binden? Ferner hat der Minister angeordnet, daß sich die Sch«>le fortan „Preußische Webeschule" nennen soll. Nach ihrer Vorgeschichte ist die Schule aber keine königliche, sondern eine städtische Schillc. Dieser Erlaß des Ministers'«st ein ganz kategorischer, die Ver- sammlimg darf sich aber dadurch nicht beeinflnsien lassen. Der Staat leistet allerdings für die Webeschule einen Beitrag von 30 000 M. und hat auch zu den Einrichtungskosten mit beigetragen. Der Direktor der Webeschnle«st halb ein staatlicher Beamter, der Subdirektor«vird ganz vom Staat besoldet. Das«st ein gaiiz un- glückliches Verhältnis,«vir müssen die Vereinbarung init der Regie- ruiig lösen, wenn auch der Vorteil ans dieser Mitlvirkung des Staats in« allgemeinen nicht zu verkennen ift. Wir dürfen die Selbständigkeit der Stadt nicht verkaufen für den Beittag deS Staats. (Beifall.) Stadtv. Friedländer ist mit dem Antrag einverstanden, Ivcnn auch nicht mit allen Ausführinigen des Antragstellers, und hofft, daß sich die Verhältnisse bei einer Ausschußberatung klären lassen«vcrdcn. Stadtschulrat Bertram weist darauf hin, daß di» Staatshilfe doch im Anfang der Fachschulentwickelnug sehr angenehm gewesen sei. Gegenwärtig betrage der Beitrag des Staats für das geiverb- liche Fachschulivefen 93 000 M. Die Stadt könne doch dieses Ver- hältnis ziui« Staat nicht einfach lösen. Nach einer kurzen Er- «vidcrung deS Antragstellers wird der Antrag einem Ausschuß von IS Mitgliedern überwiesen. U>n dem Mangel an Schulräumen schnell abzuhelfen lind eine«vettere Vermehrung der fliegenden Klaffen zu verhindern, will der Magistrat moderne Schulbaracken errichten und zu- nächst mit einer solchen für vier Klassen auf dem Hofe der 100./102 Gcmeindeschule, Ecke Reichenberger- und Forsterstraße, einen Versuch machen; die Baracke soll von der Wolgaster Aktien-Gcscllschaft für Holzbearbeitung unter Aufsicht der städttschcn Balideputation gebaut werden und 15 400 M. kosten. Stadtv. Iben bedauert, daß zu diesem Aushilfeinittel gegriffen werden müsse, und hält den vorgeschlagenen Hof für zu klein für die Baracke. Stadtv. Goldschmidt bedauert gleichfalls, daß es in Berlin nötig gcivordcn«st, Schillbaracken zu errichten, und sttmnit dem Vorredner auch darin zu, daß der betreffende Hof zu klein ist. Redner beantragt statt dessen den Bau einer Baracke in der Wrangelstraße 90, auf dem Platz, den auch der Vorredner vor- geschlagen habe. Stadtrat Schäfer bemerkt, daß auch am Görsitzer Bahnhof die Schulnot groß sei. weil dort keine geeigneten MietSrämne zn beschaffen seien. Bei eingehender Prüfung habe sich herausgestellt, daß der in Vorschlag gebrachte Schulhof der geeignetste Bau- platz sei. Stadtv. P e r l S nimmt gern die Gelegenheit wahr, die Schul- not in Berlin öffentlich zu besprechen. Der Barackcnbau werde verallgemeinert werden müssen, da nicht genug Schulbauten zu be- Haffen seien. Stadtv. Vogtherr: Der Wunfch des Magistrats, mit der Vorlage die«vettere Vermehrung der fliegenden Klaffen zu ver- mindern, wird weder durch diese noch durch«ine andere Vorla-se erfüllt«verden. Die gegenivärtigen Schukzustände sind derartig. daß sie,«veun eine ersprießliche Lehr- und Lernthätigkc'it entfaltet werden soll, nicht länger obwalten dürfen. Was nützen die Zusicherungen der Bauverivaltung und der Schulverwaltting, wenn «vir mit der Frequenz der Klaffen seit 10 Jahren nicht vorwärts ge- kommen sind I In den verflossenen 10 Jahren ist die Durchschnitts- frequenz der Klassen von SS, 64 nur auf 51,12 heruntergegangen. 696 Klaffen sind mit 61 bis 69 Schülern besetzt, eine Klasse hatte sogar die runde Zahl von 70 Schülern. Bei diesen Verhältnissen kann von ernsthaften Lehr-Erfolgen nicht die Rede sein. Durch Schul- Prüfungen und Schaustellnugen kann man darüber nicht hinweg- getröstet werden. Wir haben es jetzt schon auf 117 fliegende Klaffen init 7140 Schülern gebracht. Die große Zahl von Schülern wird hin und her gejagt von einer Schulklasse in die andere, anstatt auf geordneten Plätzen untergebracht zu«verde««. 250 Klassen befinden sich noch in Mietsräumen� Wie es manchmal darin aussieht, davon mag sich jeder an Ott«ind Stelle überzeugen, wie ich es gethan habe. Eine Klaffe in Moabit hat sogar geschloffen werden müssen. Wenn «vir schon jetzt genügend Schulärzte hätten, so würde eine große Zahl von Mietsklasse'n schon heute oder morgen geschlossen werden«nüssen (Bewegung), weil sie nicht bloß die Lehr- und Lernthätigkeit un- möglich machen, sondern die Kinder dazu verurteilen, ihre Gesundheit dabei zu Markte zu tragen(Oho!). Es kommt nicht bloß auf den Schutz der Gesundheit an, sondern es giebt auch Schulklassen,«vo die er- zieherischc Wirkung der Schule in bezug auf Reinlichkeit nicht mit der Lehrthätigkeit' verbunden werden kann.(Unruhe; Rufe: Wo?) Es handelt ssch um das Gebäude Memelerstt. 69, welches in Bezug auf Reinlichkeit in einem so unerhörten Zustand schon bei der Ueber« nähme sich befunden hat und auch noch heute befindet, daß es in ineinen Augen geradezu skandalös ist, solche Schule auch nur eine«« Tag zu benutzen. Die Mißstände in dieser Schule siegen auf einem sehr wenig appetitlichen Gebiet, Lehrer und Schüler sind dort nämlich den Plagen des Ungeziefers ausgesetzt.(Lebhafte Unruhe und Unterbrechungen.) Ueberzeugen Sie sich doch I(Zuruf Stadt- h a g e n s: Es jnckt allerdings!) Es ist geivitz nicht angenehm, eine solche Klaffe zu benutzen,«veil man sich von dort direkt in eine Desinfektionsanstalt begeben muß. Derartigen Zuständen soll nunmehr durch den Bau von Schulbaracken anscheinend wenigstens für einige Zeit vorgebeugt«verde««. Der Stadtschulrat hat mit ge- wissein Bedailen« erklärt,' daß man nicht mehr Mictsräume gefunden habe. Ich sage: glücklicheriveise! Wenn der Magistrat sich solche Räume leichten Herzens andrehen läßt, dann können wir>mr «vünschen, daß sich auch ferner Mietsräume zu diesem Zwecke nicht mehr finde».(Gesteigerte Unruhe.) In der Vorlage ist auf die Erfahrungen anderer Städte bezüglich der Schulbaracken hin- gelviescn. Diese Parallelen können nicht benutzt werden, weil mir keine Stadt bekannt ist,«vo solche Schulnot herrscht wie in Berlin. Dort handelt es sich um ein Definitivum, nicht um vorüber- gchcude Zustände. Bei allen Projekten für Schulbauten haben wir immer nnt großem Ernst«nid Eifer darauf gesehen, die Schulhöfe so groß wie möglich zu gestalten, und hier schicken wir uns an, um derSchul- iiot zu steuern, ganz dieselben Schnlhöfe mit Baracken zu besetzen und so den freien Raum für die Schüler zu beschränken, wie es auch hier uin 240 Quadratineter geschehen soll. Diese Zustände liegen an derLang- sainleit und an der mangelnden Energie unserer Schulverwaltung und unserer Hochbnuvcrivaltnng. Die eine«st so schuld daran«vie die andere. Wem« der Magistrat für Schulzivecke Geld gefordert hat, so ist es ihm noch immer bcloilligt«vorden. Man hat sich daran gewöhnt, in lang- samcm Tempo' weiter zu bauen; daher auch diese langsame und geringe Verinindcrung der Durchschnittsfrequenz. Meine Freunde und ich befinden«ms nun in der traurigen Lage, dein Magistrat wenigstens im Princip in dem Falle zur Seite stehen zu müssen, aber der Magistrat soll nicht auf den Gedanken kommen, daß«uir die schlaue Idee von den Schulbaracken mit freudigem Herzen begrüßen, sonden« «vir thnn es nur. der dringendsten Not gehorchend, im Interesse der armen Kinder; wir protestieren aber energisch dagegen, daß der Magistrat auch nur den Versuch macht, eine einzige Schulbaracke als ein Dcfiiiitivnm in jene Zeit hinüberznwursteln, daß man sagt, wir haben ja die Schulbaracken und brauchen jetzt nicht mit einer Bc- schleuniginig der Schulballten vorzugehen. Wir können uns nicht auf den Standpunkt der Herren Jden nnd Goldschinidt stellen, daß«vir sagen: es kommt nicht darauf an,«vir können jetz« auch gleich eine Baracke für 16 Klassen bauen. Hier handelt es sich für uns darum, das Princip zu bekämpfen. Sie haben ja gehört,«vie Herr Stadtrat Schäfer sofort erklärte:„Wenn es verlangt«vird, dann sind«vir natürlich gern bereit, noch mehr Baracken zu bauen. Daß der Magistrat die«e Baracken auf lange Zeit benntzen will, geht aus dem Passus der Vorlage hervor, in dein er unS zum Tröste versichert, daß die Bauunternehmer vier Jahre für Schäden und Mängel haften. Wir«verde» also im Augenblick für diesen Versuch mit den Baracken stimmen, ohne aber damit de«« Magistrat auch nur im geringsten von der Pflicht zu entlasten, die Schulverwaltung und Hochbauvenvaltung haben, aber bisher in geringem Maße erfüllt haben. Wir verlangen, daß Schulbanten in energischem Tempo vorgenommen«verde», damit diese miserablen Zustände bald ein Ende haben.(Lebhafter Widerspruch und Beifall.) Sladtschulrat Bertram bestreitet die Angaben des Vorredners über die Mißerfolge mit der Frequenz der Klassen. Er sei auch auf dem Gymnasium«nit 60Schülernzusammciige>vescnunddarausseientüchIige Männer hervorgegangen.(Heiterkeit.) Wenn man die Frequenzziffcr schnell herabdrü'cken«volle, brauche«nai« so viele neue Schulbauten, «vie im Augenblick garnicht z«, beschaffen seien. Die Bauverwaltung sei ttotzdein stets sehr thätg gelvesen. DaS Haus in der Memelerstraße habe außerordentlich hohe und lustige Räume (Ruf: Aber Wanzen I Heiterkeit.) Man habe mit dem Mieten dieser Räume schnell zugreifen«nüssen; die Beivohner ivaren eben erst ausgezogen. Jetzt«verde das Haus gereinigt und werde bald ein Schmilekkästchen sein.(Heiterkeit.) Stadtbaurat H o f f m a>« n teilt mit, daß die Bauvcrwaltung gegcmvärtig 18 iieue Doppelschulbauten bearbeite für 36 000 Kinder; 14 dieser Gebäude werden in den nächsten beiden Jahren in Bc- nntzuilg genommen«verden können, gclviß eine anerkennenswerte Leistung. Stadtv. Vogtherr: Wenn der Stadtschnkrat bei 60 bis 70 Schülern noch eine Lehrthätigkeit für möglich hält, so bedauere ich, daß er seine auf diese«» Gebiete zweifellos großen Erfahrnngen nicht auch darauf erstreckt, sich bei den Lehrerkreisen über die Erfolge der Lehrthätigkeit in derartig stark besetzten Klassen zu unterrichten. Bei dieser Frequenz kann die Schule nur eine für daß Leben unvorbcreilete Jugend erziehen. Der Stadtschulrat schloß mit der witzig sein sovenoen Bemerkung von dem Schmuckkästchen. Ich möchte an die Herren,«velche nicht mit mir einverstanden sind, die GclvissenSftage richten, ob einer von ihnen bereit«väre, dieses Schmuckkästchen mit seiner Familie zu beziehen, das jetzt den Schülern zugemutet wird.(Beifall und Unruhe.) Stadtv. G o l d s ch m i d t hebt hervor, daß mit den Schul- barocke«« keine dauernde Einrichtung geschaffen werden dürfe, sondern nur der aiigeilblicklichci« Not abzuhelfen sei. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Zur Bewirtung des vom 1. bis 4. August in Berlin tagenden 40. Allgemeinen Genoffei«schaftstagcS der auf Selbsthilfe beruhenden deutsckien Erwerbs- und WirtschaftSgenossenschaftei« in den Festsälen deS Rathauses mit einem Frühstück bewilligt die Versammlung 6000 Mark. Für die in Kommunalbetrieben und in Kommunal- d i e n st e n der Stadt Berlin beschäftigten kraukeiiversicherungSpflich- tigen Personen beabsichtigt der Magistrat eine allgemeine städtische Betriebs-Krankenkasse zu errichten; die Betriebs- Krankenkasse der städtischen Straßenreinigung und die Betricbs-Krankenkasse für die Arbeiter der städtischen Parkdepntation 'ollen daneben vorläufig noch bestehen bleiben. Stadtv. Singer: Die Vorlage entspricht einem Wunsche der Versamuiluiig, und ich bitte, sie anzunehmen. Ich benutze aber die Gelegenheit, um den Wunsch auszusprechen, daß der Beschluß der Versammlung bezüglich der PcnsionZkasse für die städtischen Arbeiter nicht so lange Zeit brauchen möge, um als Vorlage an die Versammliuig zu kommen, wie dicie�Vorlage. Ich hoffe, daß der Beschluß der Versammlung über die Pensionskasse die Zu- stimmung des Magistrats finden möge; diese Kasse wäre die not- wendige' Ergänzung der Krankenversicherung für sämtliche in städtischen Betrieben beschäftigte Arbeiter. In diesem Sinne bitte ich, die Vorlage anzunehmen. Die Vorlage wird angenommen. In der ersten Beratung der Vorlage, betreffend den Vorentwurs zum Neubau einer Gemeinde-Doppelschule in der Wiclefstraße beantragt Stadtv. C r e m e r eine Ersparnis von 30(XX) M. durch Vereinfachung der Fassade. Stadtbaurat Hoff mann bemerkt, daß dies erst später bei dem speciellen Projekt zu erwägen sei, daß aber die Fassade in ganz einfacher Weise einen italienischen Bau darstelle. Stadtv. Singer: Ich will mich in diesen Streit nicht mischen, meine aber, daß die Versammlung nicht der Ort ist, um solche Differenzen endgültig und nach richtigen Grundsätzen zu entscheiden. In einem Ausschuß könnte diese Frage gründlich erörtert werden. Ich stimme um so lieber gegen den Antrag, weil ich es mit dem Stadtbaurat für einen Vorzug halte, wenn wir in unsere öffcnt- lichcn städtischen Bauten etwas Abwechselung hineinbringen und nicht immer nach dem Schema? bauen. Wir' müssen auch äußerlich dokumentieren, daß wir gerade auf diese Baute» außerordentlichen Wert legen. In zivilisierten Staaten zeigt sich die Höhe der Kultur in der Ausstattung und den Leistungen der Schule. Von diesem Grundsatz wolle» wir nicht absehen. Seine Bemängelungen kann ja Herr Crcmer bei dem speciellen Projekt machen. Ich bitte, der Gewohnheit der Versammlung entsprechend, diesen Vorentwurf ohne Abstrich zu genehmigen. Nach weiterer kurzer Debatte wird die Vorlage einem Ausschuß von 10 Mitgliedern überwiesen. Schluß 8Vs Uhr._ Der Riesenkampf im Baugewerbe. DnS Einignngöamt des Berliner GcwcrbegerichtS wird am Sonnabend, den 24. d. M., vornnttags 10 Uhr, im Bürgersaale des Rathauses zusammentreten. Soweit der Raum reicht, können sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer den Verhandlungen beiwohnen. Eintrittskarten werden für Arbeiter von der Lohnkommission, für Arbeitgeber im Bureau des Gewerbe- gerichtS, Breitestr. 20a pt., Zimmer 13, ausgegeben. * Die Lage. Die gestrigen Versammlungen der am Streik bczw. der Aussperrung beteiligten Arbeiter legen Zeugnis ab von der kampfeSfrohcn Stimmung, die unter den Arbeitern herrscht. Rnhig und kühl werden von ihnen die Lage be� sprachen und die Beschlüsse gefnßtohne nervöse Ueberhastnng So haben die Putzer, obwohl eine starke Strömung zu Gunsten sofortiger Arbeitsniederlegung vorhanden war, den ent- gültigen Beschluß doch aufgeschoben bis nach den Verhandlungen vordem Einigungsamte. Werden die Unternehmer am Sonnabend aber keinerlei Zugeständnisse machen, sodaß die Verhandlungen scheitern, dann dürfte am nächsten Montag ohne Zweifel die s o f o r t i g e A rb e i t s- n i e d e r l e g u n g auch der Putzer erfolgen. Die Verlegenheiten der Bauherren würden dadurch nicht unwesentlich vermehrt werden, denn die noch zu erledigenden Putznrbeiten sind noch sehr erhebliche. Nach der Kontrolle, die am Dienstag stattgefunden hat und die sich auf 101 Bauten mit 1438 Putzern erstreckte, gestalten sich die Arbeits- Verhältnisse folgendermaßen: Bei 365 Putzern nimmt die Arbeit noch eine Woche Arbeitszeit in Anspruch, bei 307 Putzern 2 Wochen, bei 2 4 7 Putzern 3 Wochen, bei 134 Putzern 4 Wochen, bei 143 Putzer» 8 Wochen und bei 92 P u tz e r n 6 Wochen. Die Arbeiter haben also gewissermaßen einen Waffenstillstand eintreten lassen, um zunächst die durch die Einigungsucrhandlungcn gegebene Möglichkeit einer friedlichen Beilegung des Kampfes abzuwarten. Dagegen sind die Bauherren eifrigst dabei, das Unternehmertum des deutschen Baugewerbes durch ein neues Rundschreiben zum Ausschluß aller Berliner Maurer aufzurufen. Diese Versuche des Aushungerns werden umsoweuiger Erfolg haben, als ja in Berlin selbst schon jetzt eine recht erhebliche Anzahl Maurer, nämlich 2O48, zu den neuen Bedingungen arbeiten. Im übrigen Iverden in dem Schreiben die Ursachen des gegen- wältigen Kampfes dargelegt, natürlich nicht ohne die gewöhnlichen Ausfälle gegen die„socialdemokratischcn Hetzer", den„Terrorismus" der Gewerkschaftler usw. Wir unterlassen es für heute, des näheren darauf einzugehen; eins nur möchten lvir richtig stellen: Der Arbeit- geberbund behauptet, daß die Forderungen der Arbeiter auf 60 Pf. Stundenlohn von den Berliner Unternehmern„allgemein" bewilligt gewesen seien. Das ist durchaus unrichtig; die Arbeiter haben fortgesetzt von neuem wieder ihre Forderungen erkämpfen müssen, weil die Bauherren die geringste„Flaue" sofort zu Lohn- drückercicu benutzten. Das Schreiben fordert schließlich nochmals alle Arbeitgeber- Vereinigungen des Baugelvcrbes auf, zu der am 27. d. M. im Architcktenhause tagenden Versammlung Delegierte zu entsenden. 4» 4» 4» Die streikenden und ausgesperrten Maurer hielten gestern eine vom Central-Ausschuß einberufene Versammlung bei Keller, Koppenstraße, ab. Nach dem Bericht, den Kater erstattete, hat die von dem AuS- schuß vorgenommene Baukontrolle ergeben, daß in Berlin und in den in Betracht kommenden Vororten zur Zeit 815 Baustellen vor- banden sind. Auf 29? Bauten arbeiten bereits 2948 Maurer zu einem Stundenlohn von 6Z Pf. Auf 12 Bauten sind 167 Accordmaurer beschäftigt. Auf 221 Bauten wird von 643 Maurern zu einem Stundenlohn unter 65 Pf. gearbeitet. Insgesamt sind also gegenwärtig 2853 Maurer auf ins- gesamt 526 Baustellen beschäftigt. Auf 289 Bau- st eilen ruht die Arbeit gänzlich. Abgereist sind bisher 1886 Maurer. Ausgesperrte bezw. streikende Maurer s in d außer den Abgereisten i n B e r l i n noch 42Z2 vorhanden. Diejenigen 221 Baustellen, wo unter 65 Pf. Stundenlohn ge- arbeitet ivird, können nur tciliveise besetzt sein, da nach der Kontrolle durchschnittlich nur 3 Maurer auf diese» Bauten arbeiten. Festgestellt ist, daß sich unter den Unternehmern dieser Baute» auch solche befinden, die für den Beschluß dcs llnternehmerbundcs gcstinimt, sich aber selbst nicht danach gerichtet habe», sondern alle Hebel in Bewegung setzen, um Streikbrecher für ihre Bauten zu gewinnen. Die ganze Situation, das hat die Baukontrolle ebenfalls bewiesen, ist für die Arbeiter gcgemvärtig recht günstig und das Ergebnis sehr zufriedenstellend. Ob die VermitteluiigSversuche und die anberaumten Verhand- lungcn irgendwelche Resultate zeitigen iverden, ivodurch der Kampf beigelegt wird, ist zur Zeit noch nicht abzusehen. Der Referent Kater und der Verbandsvorsitzcnde Bömelburg gaben der Meinung Ausdruck, daß allzu große Hoffnungen auf die nächsten Verhandlungen nicht gesetzt werden dürften. Obwohl die Ar- bciter den Kampf' nicht veranlaßt haben und den Willen zuin Frieden Iviederholt bekundeten, zu diesem Zwecke auch in diesem Frühjahre die Arbeitsbedingungen mit den Unternehmern vereinbaren wollten, ist seitens der Unternehmer bisher keine Neigung für einen ehrlichen Frieden gezeigt worden. Sollten die Unternehmer dcr Meinung sein, daß' die Arbeiter, die sie zuerst ausgesperrt und auf das Straßenpflaster geworfen haben, sich bedingungslos unterwerfen, so dürften sie sich arg täuschen. Unter solchen Umständen könne natürlich von einer Beendigung des Kampfes keine Rede fein. Falls die Verhandlungen zu keinem Resultat führen, so wird zweifellos der Kampf heftiger als bisher entbrennen, wenn auch die von Fehlisch und Genossen angestrebte Aussperrung aller Bauarbeiter Deutschlands nicht in den von diesem Unternehmer ge- wünschten Umfange zur Durchführung gelangen dürfte. Aber auch dieser erlveiterte Kampf wird die Arbeiter nicht unvorbereitet finden und sie werden, wenn er ihnen aufgedrängt wird, denselben mit der ganzen Energie und Opferfreudigkci't ausfcchten. Die bisher in der kurzen Zeit von den Arbeitern erzielten Errungenschaften sind solche, daß die Arbeiter keine Ursache haben, mutlos zu werden, und dieses Resultat dürfte auch den Unternehmern beweisen, daß sie ihre be- kannten Absichten nicht ohne weiteres erreichen werden. Die nächste Versammlung, in der über das Ergebnis der Ver- Handlungen berichtet werden wird, und die weiteren Maßnahmen beschlossen werden, findet am Sonntagmittaej 12 Uhr bei Keller, Koppenstraße, statt. Bis dahin soll die bisherige Taktik aufrecht er- halten bleiben und auch die„Umschau" gänzlich unterlassen werden. Das weitere Abreisen von Maurern soll bis nach Beendigung der Verhandlungen mit den Unternehmern vorläufig eingestellt werden. Die imposante Versammlung war vom besten Geiste beseelt; sie wurde mit einem begeisterten Hoch auf das Gedeihen der Bewegung geschlossen. Die Putzer Berlins und Umgegend, die gestern wieder bei Keller, Koppenstraße, tagten, um zu der Aus- sperrung der Maurer Stellung zu nehmen, beschlossen nach einer eingehenden Debatte, am Montag die Arbeit einzustellen brzw. nicht wieder aufzunehmen, wenn bis dahin die Forderungen der Maurer nicht bewilligt und die Aussperrung nicht auf- gehoben ist. Dieser Beschluß ist gefaßt worden im Einverständnis mit den übrigen an dem Kampfe beteiligten Gruppen der Bauarbeiter. Wie in der MontagS-Vcriamnilung, so war auch in dieser wieder die Stimmung für die sofortige Arbeits- niederlegung vorherrschend. Die Kommission wurde be- auftragt, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um den Be- schluß' in jeder Hinsicht ziw Durchführung zu bringen. Ferner wurde beschlossen, daß pro Tag 50 Pf. an den Streikfonds ab- zuführen sind. Auf das entschiedenste verurteilte es die außerordentlich stark besuchte Versammlung, daß auf einem Bau Arbeiten von Putzern aus- geführt wurden, die sonst von den Maurern, welche ausgesperrt ivorden sind, zu machen gewesen wären. Auf einen anderen Bau hat der Unternehmer ebenfalls versucht, die dringlichen Arbeiten auf diese Weise fertig stellen zu lassen, was ihm aber infolge der Weigerung der betr. Arbeiter nicht gelungen ist. Anderseits wurde es scharf getadelt, daß ein Bau von den Maurern besetzt worden ist, der von den Putzern gesperrt worden war. Nrbcr die Versammlung der Zimmerer(lokaler Richtung) die am Mittivochabend in den Ar min halle n tagte, und über deren Resultat wir bereits kurz berichteten, gebt uns noch nach- stehender Bericht zu: Der Vertraucnsmauu T h. Fischer schilderte die durch die Aussperrung der Maurer geschaffene Situation. Er sagte unter andern», es sei jetzt nicht an der Zeit, die Frage zu erörtern, ob die Maurer zu passender Zeit ihre Forderung gestellt haben. Jetzt, Ivo man vor einer vollendeten Thatsache stehe, sei es die j e l b st v c r st ä n d l i ch e P f l i ch t allcrArbeiter, den Maurern zum Siege zu verhelfen. Wer die Verhältnisse im Baugewerbe nur einigermaßen kenne, der müsse wissen, daß die Bauarbeiter nicht nur im Winter mit einer laugen Zeit der Arbeitslosigkeit zu rechnen haben, sondern daß auch während der B a u s a i s o n die Arbeitsverhältnisse nicht st a b i l seien, und daß aus diesen Gründen bei einem Stundenlohn von 60 Pf. nur unter besonders günstigen II m st ä n d e n ein Jahreseinkommen v o n 1000 M. erreicht werde. Von„frivolen Forderungen" könne dem- nach keine Rede sein. Was für die Maurer zutreffe, gelte auch für die Zimmerer. Obgleich auch für diese ein höherer Lohn eine Not- wendigkeit sei, Ivürden dieselben jetzt keine Forderungen stellen. Der Redner empfahl folgende von den Vertrauensmännern beschlossene Resolution: Die durch Vertrauensmänner ceiitralisicrtcn Zimmerer betrachten die Aussperrung der Berliner Maurer als einen brutalen Gewaltakt des Bauarbeitgebertunis, inszeniert zu dem Zweck, um die Organisationen der Bauarbeiter zu vernichten und dieselben a k t i o n s n n f ä h i g zu machen.— Die Versammlung erklärt deshalb den ausgesperrten Maurern ihre volle Sympathie. Die Anwesenden verpflichten sich, den am 9. Juli beschlossenen und am 9. März 1899 er- neuerten Arbcitstarif überall dort, wo derselbe noch nicht ein- gehalten wird, durchführen zu Helsen, sowie für geregelte, den Ver hältnisscn entsprechende Zustände auf den Arbeitsstellen zu sorgen.— Ilm etwaigen neuen Angriffen der Unteruchmcr gerüstet gegenüber zustehen und um auch die Ausgesperrten genügend unterstützen zu löiinen, beschließt die Versamiiiliiiig. jeder in Arbeit stehende Zimmerer hat wöchentlich 1 Mark zum Agitations- und Ilnterstützungssouds zu zahlen. Wer nachweislich nicht länger als 3 Tage in der Woche gearbeitet hat, zahlt 50 Pf.; jedoch werden die 50 Pf.-Marken nur auf dem Bureau ausgegeben. Diese Saiiimlung beginnt mit Sonnabend, den 24. Juni, und kann nur durch Versanunlungsbeschluß wieder auf- gehoben werden. Die Charlottenburger Maurer, soweit sie durch den Streik und die Aussperre betroffen sind, waren dieser Tage im Lokal„Bisniarckhöhe" versammelt. Schulz, der die Ursachen des Kampfes schilderte, wies u. A. auch darauf hin, daß von den Stadtverwaltungen vollste Uuparteilichkeit zu verlangen wäre. Diese habe auf die Erfüllung der Kontrakte zu bestehen; es müsse dafür gesorgt werden, daß die Bauten nicht unfertig liegen bleiben. Redner beleuchtet ferner die verschiedenartigen Sistierungen einiger Maurer, sowie die polizeiliche Begleitung der Accord m a'u r e r nach einem Bau, welcher von den Organisierten zur Erringung des 65 Pf.- Stundenlohnes gesperrt war. Gegen 300 Maurer haben die Stadt lCharlottcnburg) verlassen, um ander- weitig Arbeit zu suchen. In der Diskussion sprachen sich alle Redner im Sinne des Referenten aus. •• • Die Berliner GcwerkschaftSkommission beschloß in ihrer gestrigen Versammlung nach einem ausführlichen Referate S i l b e r s ch in i d t s und einigen Ergänzungen von Kater über den Stand der Maurerbewegung einstimmig, den ausgesperrten Maurern und den in Mitleidenschaft gezogenen Hilfsarbeitern ihre moralische und finanzielle Unterstützung zu teil»verde» zu lassen. Die Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung wird sich demnächst ebenfalls mit der Aussperrung der Maurer zu beschäftigen haben. Der socialdcmokratische Stadt- verordnete Beyer hat eine Anfrage an den Magistrat gerichtet. Sie lautet: Welche Stellung gedenkt der Magistrat anläßlich der Aussperrung der Maurer den Bauunternehmern gegenüber ein- zunehmen? Die Anfrage soll in der nächsten Sitzung der Ver- sammlung zur Besprechung gelange». -Mslrhvichken. Bei den BürgerfthastSwahlc» in einem weiteren Teile Lübecks erhielten unsere Kandidaten 189 bis 198 Stimmen, während die gewählten Gegner 364 bis 458 Stimmen erhielten. Eine dritte Liste brachte es auf 98 bis 113 Stimmen. Die Adresse des deutschen Arbeitervereins Vorwärts in Kopenhagen ist Korsgade 49, Kopenhagen X. Alle deutschen Arbeitervereine im Auslände, welche socialdcmokratische Politik treiben, werden ebenfalls gebeten, ihre Adresse ab und zu bekannt zu geben. Der Verein erbietet sich, alle Adressen zu samnieln und dieselben dann und wann bekannt zu geben. C. Hoffmann iin Auftrage des Vereins. Polipeilichrs, CSerichllichrs usw. — Wegen Beleidigung der Polizei wurde der Genosse D ü w e l l»n Essen vom Berufungsgericht zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt, während er in der'ersten Instanz freigesprochen worden war. — Wegen groben Unfugs, begangen durch Abfassung und Verbreitung eines Boykottflugblattes, wurden in Genthin die Genossen Riepekohl und Stahmann aus Burg zu je 14 Tagen Haft verurteilt. Der Mitangeklagte Drucker wurde freigesprochen. — Genoffe Gärtner in Magdeburg ist in Sachen der Kre- felder Weber wegen angeblicher Veranstaltung einer nicht genehmigten Kollekte mit einem zweiten Strafmandat von 25 M. bedacht worden. — Wegen Tragens republikanischer Abzeichen wurde in Dresden ein Parteigenosse zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er zur Feier der Mairevolution einen Kranz mit roter Schleife nach dem Friedhofe getragen hat. — Von der Anklage des Vergehens gegen ß 153 der Gewerbe- Ordnung wurde in Mannheim der Genosse S e y f e rt fteigesprochcn. Er sollte zwei Streikende durch den Ausdruck„Lumpen" zur Teil- nähme am Streik zu bewegen versucht haben. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß er auf die beiden angeblich Beleidigten, die einzigen Zeugen, in ganz ruhiger Weise einzuwirlen versucht hat und erst heftig geworden ist, nachdem diese die Führer des Streiks beschuldigt, daß sie sich dabei bereicherten. Der Wortlaut der ge- fallenen Äeußerungen konnte nicht festgestellt werden. GeiuevKfisZÄftlidies. Berlin und Unigegcnd. Ten Bauarbeitern centraler Richtung zur Kenntnis, daß vom 23. Juni in folgenden Filialen die Abstempelung vor- genommen wird: 1. Friedrichsberg bei Heinike. Friedrich Karlstr. 11, bor- mittags von 10— 12 Ilhr. 2'. Rixdorf, Hermarnistr. 49 bei Thomas, nachmittags von 2 bis 4 Uhr. 3. Hcimstr. 16 bei Schümann, vormittags von 10—12 Uhr. 4. Schöncbcrg bei Obst, Grunewaldstr. 110, nachmittags von 2-5 Uhr.' 5. Charlottcnburg. WilmerSdorferstr. 37 bei Eberhardt, vormittags von 10—12 Uhr. 6. Putlitzstr. 10 bei P f a r r, nachmittags von 2—4 Uhr. 7. Priuzen-Allce 25 bei Werschke, vormittags von 10 bis 12 Uhr. 8. Weißeusee bei Müller, Königs-Chaussce 38, nachmittags von 2—4 Uhr. Die Unterstützung wird ausgezahlt vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 2— 6 Uhr. - Die Lohnkommission. Ter Gesellenausschils! der Zwaugsinnimg der Schneider wurde am 21. Juni im christlichen Vcreinshause auf der Oranien- slraße gewählt. Die Liste der organisierten Arbeiter wurde mit 124 gegen vereinzelte zünftlerische Stimnicn gcivählt. Auch als Ersatz- „läuner wurden die Kandidaten der Organisierten mit noch größerer Stiinmcnzahl gcivählt. Die Innungen dürften den patentierten Staatsrettern bald ebenso verekelt werden, wie die Gewerbegcrichte und ähnliche Einrichtungen. Lederarbeiter! Portefcuillcr! Die am 13. d. Mts. statt- gefundene öffentliche Versammlung beschloß, daß zur Beratung über evcnt. Stellung von Forderungen' im Herbst eine Wcrkswben- Ver- trauensmänncr- Sitzung stattfinden soll. Diese ist nunmehr Sonnabend, den 24. d. Mts., abends 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobftr. 75. Jede Werkstätte ist verpflichtet, einen Vertreter zu enisenden. Für AdlerShof findet am Montag, den 26. d. M.. abends 8 Uhr, bei Schmauser, Bismarckstr. 16, eine' öffentliche Versammlung statt, in welcher Kollege Brückner über„Arbeiter im Klassenkampfe" sprechen wird. Zahlreiches Erscheinen.ist unbedingte Pflicht. Anfragen, Adressen von Kollegen sind an den Unterzeichneten zu senden. Die Vertrauensleute. I. A.: H. W e i n s ch i l d, SO., Oppelnerstr. 34. Achtung, Schraubendreher! In der Vertrauensmänner- Konferenz am 18. Juni wurde an Stelle des in der letzten öffentlichen Vcrsamnilung gewählten Kollegen Panels, der seinen Posten ivieder niedergelegt hatte, der Kollege Hugo Fellenberg, Soraucrstr. 8, als provisorischer Vertrauens« mann der Schraubendreher gewählt. Des weiteren wurde eine Agitationskommission, bestehend aus 6 Kollegen, eingesetzt, bestehend aus den Kollegen Fellenberg, Stolle, Patschke, Henkel, Stock und H e n t s ch k e. Die Morgensprache der Schraubendreher findet alle 14 Tage Sonntag» vormittag 10 Uhr bei Grube, Wraugelstr. 136, statt; die nächste Morgcnsprache ist Sonntag, den 2. Juli. Achtung, Schuhmacher! Nachdem der Boykott über die Verkaufsstellen der Schuhwarenfabrik von Conrad Tack u. Cie. die Zustimmung der Berliner Gewerkschastskommission erhalten hat. liegt es nun an uns, diesen Boykott so wirksam wie möglich zu gestalten. Zu diesem Zweck wird zunächst in Moabit Sonntag, den 25. Juni, morgens, eine allgemeine Flugblattvcrbrcitung stattfinden. Wir fordern hierdurch die Kollegen auf, sich ohne Ausnahme an dieser Verbreitung zu beteiligen und sich zu diesem Zweck morgens präcisc 8 Uhr in dem Lokale von Fabcr, Stcphanstr. 11, Moabit, einzufinden. Verein deutscher Schuhmacher, Berlin. Ausland. Bon» Textilarbeiter-Streik in Brunn wurde, wie mitgeteilt, offiziös berichtet, daß in„mehreren Fabriken ein Teil der Streiken- den" die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufgenommen haben. Richtig ist daran nur, daß in zwei Fabriken, nicht in mehreren, etwa 100 Streikende den Versprechungen der Fabrikanten, in Fabrikversammlungen mit ihnen über ihre Forderungen zu ver- handeln, gefolgt und am 20. früh wieder zur Arbeit gekommen sind. Als sie sahen, daß diese Versprechungen nicht erfüllt wurden, blieben mittags schon wieder welche von diesen Vertrauensseligen zurück. Hundert von 12 000, das ist denn doch ein winziger Bruchteil, daß eine objektive Berichterstattung dies hätte angeben müssen. Uehke Ntttfzvitfjken und DvpeMzen. Neust, 22. Juni. lW. T. B.) Bei der heutigen Landtags- Ersatztvahl wurde Landrichter Marx aus Elberfeld sC.) mit 406 von 455 abgegebenen Stiminen gewählt. 49 Stimmen waren zersplittert. München, 22. Juni.(W. T. B.) Dem Wunsche GeheimratZ v. P e t t e n k o f e r, ihn von dem Posten als Präsident der Akademie der Wissenschaften seines hohen Alters wegen zu ent- binden, wurde stattgegeben und an seiner Stelle Professor Dr. v. Z i t t e l gewählt. Pariö, 22. Juni. sW. T. B.) Das neue Ministerium wird morgen nachmittag 5 Uhr unter dem Vorsitze Loubets im Elysee zu einer Sitzung zusammentreten. Dem Vernehmen nach wird noch vor ?er ministeriellen Erklärung das Vorgehen gegen bcstimnite Militärs in die Wege geleitet werden, die in Wort oder Schrift gegen die Disciplin verstoßen haben. Brest, 22. Juni.(W. T. B.) Zwei F i s ch e r b a r k e n kenterten auf offener See. Zwölf Personen ertranken. London, 22. Juni. Dem„Reutcrschen Bureau" wird aus Kairo gemeldet, nackj amtlichen Berichten sei der K h a l i f mit 3000 Mann T a g a l l a s angegriffen worden. Die T a g a l l a s hätten eine große Zahl von Derwischen getötet und die einzige Kanone des sthalifen erbeutet; sie hätten jetzl den Khalifcn zwischen den Hügeln eingeschlossen. Verantwortlicher Redacteur: August Jacobey m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen und IluterhaltuugSblatt. Zlr. 144. 16. IahrMg. 1. MW des Jurranrls" Strlinct lolMIntt. Fttilog, 23. Imi 1899. Veichskag. 99. Sitzung. Donnerstag, 22. Juni 1899. 11 Uhr. Am BundeSratstische: Graf v. Posado wskh, Brefeld, Nieberding. Zunächst wird da» VcrtagungS- Gesetz, durch das der Ne gierung die Ermächtigung erteilt wird, den Reichstag bis zum 14. N o v e m b e r zu vertagen, einstimmig angenommen. Hierauf wird die erste Beratung des Znchthausgesetzes fortgesetzt. Abg. Heine(®oc.): Meine Herren, wenn ich heute nur einige Punkte in der Diskusston erwähne, so wollen Sie, darum bitte ich, deshalb nicht glauben, daß wir nickst noch mehr Wünsche auf Lager hätten. Allein in den Tagen der Diskussion sind mir solche Stöße und Berge von Material zugegangen, daß es das Entsetzen des Hauses erregen würde, wollte ich es hier auf den Tisch legen. Ich will darum Sie und auch mich mit allzu eingehenden systematischen Erörterungen verschonen und nur möglichst kurz auf emige gegen meine Partei gerichteten Angriffe antworten. Ich muß namentlich den drei Herren Rcgicrungsvertretern entgegentreten, die in dieser Sache das Wort ergriffen haben. Herr Staatssekretär v. Posadowsky verstand uns völlig falsche wenn er meinte, wir hätten uns über seine Rede aufgeregt. Nicht aufgeregt, nur erheitert hat uns, was er sagte(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten). und, meine Herren, der Verlauf der Debatte hat uns keine Veranlassung gegeben, diesen guten Humor nachträglich zu verlieren. iSchr richtig! bei den Socialdemokraten.) Am kürzesten kann ich mich mit den beiden Rednern von der Rechten abfinden. Man hat schon oft genug diese Herren Rechts- konservativen mit den geflickten Strohdächern und den altertümlichen Idealen mit dem sinnreichen Junker Don Quixote von la Man cha verglichen: nun, die Weltanschauung der reich s- parteilichen Konservativen kann man etwa vergleichen mit der realistisch> derben des Sancho P a nsa, der den Ritter begleitet(Glocke des Präsidenten)— ich meine selbst verständlich nicht die Parteien dieses Hauses �Heiterkeit). Um also zu dem Bilde zurückzukehren: die beiden Herren, die ausgerittcn sind, um den Drachen Demokratie zu erlegen, der die Prinzessin Zuchthaus gesetz bedroht, werden nicht mehr Erfolge davon tragen, als der hagere Ritter Don Quixote und sein etwas korpulenterer Page Sancho Pansa. Gegenüber Herrn Arendt, den ich leider nicht im Hause erblicke. habe ich noch einige Worte zu sagen. Die Partei, der er angehört, kommt bei jeder Gelegenheit auf das Verlangen eines Nusnahmo gesetzes gegen die Socialdemokratie zurück— wie die Katze auf die Füße fällt, man mag sie werfen wie man will. So hat denn auch. um seine Zugehörigkeit zur genannten Partei zu erweisen, auch Herr Dr. Arendt wieder vom Ausnahmegesetze gesprochen. Wir brauchen heute darüber nicht zu streiten; nur einen Punkt möchte ich hervorheben: Herr Dr. Arendt hat unserer Partei vorgeworfen, sie zerstöre die Religion. Das ist ein ungerechter Vorwurf. Ist doch unsere Partei so paritätisch, daß in ihr Dissidenten, Protestanten, Katholiken, Freigemeindler, Juden zufammensitzen. Nun, nicine Herren, nicht in allen Parteien ist das der Fall, giebt es doch Parteien, in denen, wenn man Jude ist, man sich taufen lassen muß, um Karriere zu machen.(Sehr gut! Große Heiterkeit.) Ich wende mich jetzt zu den Herren vom Ministertisch. Wir haben— es war das sehr interessant— vernommen, daß die Bundes- Regierungen e i n st i m m i g für die Einbringung der Vorlage ge wesen sind. Wir bedauern nur, daß die Regierungen versäumt haben, sich vorher der Meinung der ihnen nahestehenden Volks Vertretung zu vergewissern— obgleich ich zugeben will, daß sie staatsrechtlich dazu nicht verpflichtet waren. Sie würden dort vielfach einer anderen Auffassung begegnet sein: hat doch z. B. der gothaische Landtag fast einstimmig die Haltung seiner Regierung diesem Gesetzentwurf gegenüber gemißbilligt. Aber nun zur Sache selbst. lieber den Anlaß des Gesetzes sind hier zwei Meinungen aufgestellt worden. Die eine von dem Staatssekretär Grafen Posadowsky. Nach demselben soll diese Vorlage der Socialdemokratie den Staats machtskitzel austreiben. Nach den« Abg. Dr. Lieber dagegen liegt der Grund dieser Vorlage in der Masse von Ausschreitungen socialdcinokratischer Arbeiter gegen andere. Was nun diese sogenannten staatlichen Befugnisse betrifft, welche die Socialdemokratie angeblich erstrebt, so hat der Herr Staats- sckretär das ja schon des öfteren gesagt. Aber es wird durch Wiederholung nicht richtiger. Was die Socialdemokratie für sich prätendiert, ist das, was auch jede andere Partei verlangen muß. Wir wollen für unsere Ueberzeugung werben. Das geht natürlich nicht ohne eine geschlossene Organisation, wie sie andere Parteien auch haben. Das ist auch das Recht jeglichen Staatsbürgers, daß er seine Ansicht in dieser Weise vertritt und innerhalb der gesetzlichen Grenzen sich die Macht auf politischemGebietzu verschaffen sucht, die ihm die Verfassung und die Gesetze gewähren.(Sehr richtig! links.) Das thun wir und mehr verlangen wir nicht. Wenn man das nun mit dem Worte abthun will: das wäre ein Versuch, staatliche Hoheitsrcchte sich anzumaßen— so spricht daraus einfach diese— ja. ich will sagen: bureaukratische oder beinahe absolutistische Auffassung, nach der eigentlich der Staat nur die Beamtenschaft, die Bureaukratie ist, nach der die Maschinerie, welche dem Volke dicueu soll, au die Stelle des Volkeö selber und über dasselbe gesetzt wird.(Sehr richtig!> Nun ist uns aber auch gesagt worden: Ja. aber Ihr strebt dem ZukuiiftSstaat zu, Ihr wollt diese Gesellschaft hier ruiniere». Meines Wissens sind wir im deutschen Reichstage des JahrcS 1899, und das. was wir hier erörtern, hat mit dem socialiftischen Zukunflsstaat, dem wir zustreben, nicht das geringste zu thun. Diese Lohnkämpfe der Arbeiter belvcgen sich vollständig auf dem Boden der heutigen Gesellschaft. Dcis hat auch Graf Posadowsky in gewisser Hinsicht herausgefühlt, wenn er sagte: In dem Zukunfts- staat kann eS keine Koalitionsfreiheit geben. Allerdings, d i e Koalitionsfreiheit, von der hier die Rede ist, ist die des gegen- ivärtigen Staates; über den Zukunftsstaat wollen wir uns heute den Kopf nicht zerbrechen. Ich kann aber auch dem Herrn Lieber in seiner Behauptung. die socialdcmokratischeu Ausschreitungen seien an dem Gesetzentwurf schuld, nicht recht geben. Ich weiß ganz gut, daß es hier in Berlin und anderwärts Zusammenstöße gegeben hat zwischen organisierten Arbeitern und den Arbeitern, die— sagen wir einmal in katho- lischcn Arbeitervereinen sind, z. B. in dem hiesigen, der kurz der„Verein arbeitswilliger Maurer" genannt wird. Solche Zusammeustöße sind nun hier in Berlin und unter den besonderen Verhältnissen nicht wunderbar. Eine Menge Leute werden hierhergebracht. Bauarbeiter aus Qberschlesien. Posen, Westpreußeu, zum großen Teil der deutschen Sprache nicht mächtig, Leute, auf die wir Socialdemokraten mit entschiedenem Wohlwollen blicken. Wir können es diesen Leuten nicht verargen, wenn sie sich auch einmal etwas höher arbeiten wollen. Das wissen wir ganz gut. Aber das muß natürlich zu Zusammenstößen mit denen führen, denen sie halt die Butter vom Brot nehmen wollen. Das ist im Wirtschaft- lichen Kampf nicht anders, wird aber anders werden, sobald diese bisher noch wenig aufgeklärten Arbeiter gemerkt haben werden, daß ihre Interessen zusammenfallen mit denen der hiesigen Berliner Arbeiter und daß sie sich selber schädigen, wenn sie diesen bei Lohnkämpfen in den Rücken fallen. Diese Reibereien sind nur eine ganz vorübergehende Erscheinung. Das beweist das Beispiel anderer Orte. Ich brauche bloß an den Streik am Piesberg zu erinnern, an den Krefelder Weberstreik. Wir haben heute die Hoffnung, daß die von den katholischen Herren Kaplanen organisierten oberschlesischen und polnischen Bauarbeiter binnen kurzem etwas stramm für die Rechte der Arbeiterschaft ein- treten tverdcn, wie andere hier, und dann wird der Friede voll- ständig wiederhergestellt sein. Nach meiner Meinung ist der wahre Grund dieser ganzen Aktion in nichts anderem als der planmäßig fortgesetzten Treiberei gewisser industrieller Kr e i s e zu suchen.(Sehr richtig I links.) Denken Sie an die Depesche beim Tode der Kaiserin Elisabeth. Bedenken Sie, daß dieser unglückliche Vorfall, der in allen Parteien Schmerz und Entrüstung erregte, von gewissen Leuten— am Rhein glaub' ich—, benutzt wurde, eine Depesche an den Kaiser zu schicken, worin sie ihm sagten, er solle diese Gelegen- heit benutzen, um die Arbeiterschaft zu unterdrücken. Es war ein Anreißertum so widerwärtiger Art(Sehr richtig! links), daß es stark an Ankündigung gewisser Firmen erinnert, an Ankündigung auf schwarz umränderte Bogen, die etwa folgenden' Wortlaut haben:„Aus Anlaß des Todes meiner lieben Frau erlaube ich mir, mein Lager von 100 000 Schlafröcken in gebührende Erinnerung zu bringen", bloß mit dem Unterschied, daß jener Mann wenigstens seine eigenen Waren verschleudert, diese Herren am Rhein aber bereit sind, die Rechte, die Freiheiten und die Ehre anderer Leute erstaunlich billig abzugeben.(Sehr gut I links.) Ich glaube, die Unternehmer thun so etwas aus einer Art Koller. (Heiterkeit.) Wir haben in diesem hohen Hause vom Tropenkoller gehört; cS giebt Leute, die keinen Sckmtzmannsrock sehen können, die also am Blaukoller leiden, vom Rotkoller habe» Sie sicher auch schon gehört, der am meisten und besten in Sachsen gedeiht. Und so giebt es auch einen AntoritätSkollcr: er ist bei Unternehmern zu finden. Während nach der Meinung der Volkswirte Unternehmer und Arbeiter als Käufer und Verkäufer über den Preis der Ware ver- handeln, ist dieser geschäftliche Standpunkt von unseren industriellen Kreisen vollständig verlassen. Nach ihrer Ansicht ist der Herr Unter- nchmer ein kleiner Despot in Sedezformat, wenn er nicht König ist, will er wenigstens ein Graf, wenn kein Graf, wenigstens Leutnant oder Wachtmeister fein. Mit dieser Neigung der Unternehmer nun, sich als kleine absolute Herren aufznspiclen, ver- trägt es sich nicht, wenn die Arbeiterschaft immer selbstbewußter wird, wie Graf Posadowsky sagt, und immcrmehr, wie Herr Staats sekrctär Nieberding sagte, sich„den gebührenden Platz in der gesell- schaftlichen Ordnung"' zu sichern sucht. Daher die Wut der Fabrikantcnkreise: und wenn es dann diesen gelingt, das Ohr irgend eines mächtigen Mannes zu gewinnen, daß er etivas sagt oder tele- graphicrt, so muß gleicht ein solches Gesetz kommen: gern oder ungern, die Herren Gebeimräte müssen es machen, auch Ivenn mancher von ihnen sich nachher hinter den Ohren kratzt und seufzt: Hcrrjch! daß ich das machen muß.(Heiterkeit.) Hier muß ich eine staatsrechtliche Frage erörtern. Herr Nieberding sagte gestern, wir sollten uns an den Reichskanzler halten, der für die Regierungshandlungen verantwortlich sei. Gewiß ist der Reichskanzler für die Sachen verantwortlich, die er untcrzeickmet hat, wir können ihn aber doch nicht für amtlich kundgegebene Reden verantwortlich machen, die er nicht gehalten hat— selbst wenn wir nickt seine bc- kannte Abneigung gegen Reden kennten.(Heiterkeit.) Gewiß gilt der staatsrechtliche Grundsatz, den Monarchen nicht in die Debatte zuziehen, in anderen Ländern: in denselben redet aber eben der Monarch nicht. Um nun auf das vorliegende Gesetz zurückzukommen, so ist be- reits zum Ueberdruß auseinandergesetzt, daß das bestehende Recht Handhaben genug bietet, um wirklichen Ausschreitungen entgegen- zutreten, desgleichen daß der A 1S3 in seiner jetzigen Fassung inid Gewandung sich als ein Ausnahmegesetz gegen Arbeiter darstellt. Was sonst als mildernden Umstand gilt, das opfermütige Eintreten für Allgemeininteressen, das wird schon jetzt und soll noch mehr als erschwerenden Umstand betrachtet werden, wenn es sich um Arbeiter handelt. Da muß ich nun noch ein besonderes Wort sagen über diese Be- strafungen wegen Erpressung. Der Herr Staatssekretär Nieberding hatte gemeint, man solle doch so aus einzelnen Urteilen nichts herleiten. Aber es handelt sich hier um eine ganz konsequente vom Reichsgericht verfolgte und in einer ganzen Reihe von E»t- schcidungen festgelegte Judikatur. Es wird bekanntlich wegen Er- Pressung bestraft, wer durch Drohung— es braucht nicht Drohung mit einer strafbaren Handlung zu sein— jemanden nötigen will. um sich oder einem andern einen widerrechtlichen Vcrmögciisvorteil zu verschaffen. Da muß man nun allerdings Jurist sein, um auf den Gedanken zu verfallen, auf den das Reichsgericht verfallen ist. Es sagt nämlich:„Rechtswidrig ist etwas, worauf einer noch keinen Anspruch hat." Daß der Arbeiter noch keinen Anspnich darauf hat, gegen so und so viel Tagelohn engagiert zu werden, das ist tlar. Wenn er das fordert und dabei droht: ich streike sonst, so ist das eine Erpressung. Das ist eine— haarsträubende darf ich nicht sagen— sehr wunderliche Judikatur. Ziehen Sie nur die Kon- sequenzen. Wenn ein Kaufmann wegen großer Nachfrage den Preis der Ware erhöht— liegt darin nicht auch die Drohung: wenn Du mir diesen Preis nicht bewilligst, dann verkaufe ich dir nichts? Und wenn ein Unternehmer in arbeitsloser Zeit zu den Arbeitern sagt: jetzt verringere ich den Tagelohn; wem es nicht paßt, der kann gehen— ist das nicht auch'cine Drohung, um sich„rechtswidrige Ver- inögensvorteile zu verschaffen"? Wenn man da die Konsequenzen ziehen wollte, dann hörte Handel und Wandel überhaupt auf.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Aber dafür ist ja gesorgt: die Konsequenzen werden nicht gezogen, diese werden nur dc» Arbeitern gegenüber gezogen.(Sehr richtig!) Man wird mir mm leicht einwenden können, daß durch solche Ausnutzung der Konjunkturen unter Umständen wirklich nichtswürdige Vermögcnsvortcile verschafft werden können. Ich kann mir de» Fall denken, daß die Arbeiter zu einem Unternehmer kommen, der bei einer hohen Konventionalstrafe in zwei Tagen liefern muß, und daß sie sich weigerten, die letzte Hand an die Sache zu legen. wenn er ihnen nicht ein ganz außerordentliches Geschenk machte— sagen wir: eine Riescnsumme zahlte. Ja, meine Herren, dafür ist gejorgt, dafür haben wir den§ 202s über Sachwucher, der die Sache wiederum an dem richtigen Ende anfaßt; dieser erklärt so etwas für strafbar, wenn etivas verlangt werden soll, was im auf- fälligen Mißverhältnis zum Wert der Leistung steht. DaS ist der richtige Standpunkt. Auch der§ 202ö kann, worüber Judikatur und Theorie einig sind, auf Arbeitsverträge angewandt werden, wie man in jedem Kommentar nachlesen kann. Aber diese Auslegung des Erpressungsparagraphen hier ruinirt einfach jede Rechtssicherheit bei uns. Und darum muß sie beseitigt werden. Der Herr Abg. R ö s i ck e hat gestern völlig richtig das Urteil des königlichen Landgerichts I citiert. Nach dem Herrn sächsischen Bundesratsbevollmächtigten hat das in Sachsen eine ungeheure Erregung hervorgerufen. Bei den dortigen Hunderttauscnden von Leuten, welche Socialdemokraten ihre Stimme gegeben haben, hat es, wenn überhaupt eine Errregung, dann sicher eme freudige herbor- gerufen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Auf die Geschichte des Urteils ist bereits der Abg. Rösicke gekommen. Der„Vorwärts" hatte geschrieben, das sächsische Oberlandesgericht habe verschiedentlich Angehörige der Arbeiterpartei als minderen Rechtes erklärt, denn andere Staatsangehörige. In den Augen der specifisch sächsischen Herren, die sich jüngst so für das Vorgehen der sächsischen Behörden bei der Pirnaer Wahl begeisterten, muß das ja eigentlich ein hohes Lob für' das sächsische Oberlaudesgericht sein. (Heiterkeit.) Wir waren nun freilich anderer Meinung; ich, in meiner Eigenschaft als Verteidiger, holte 12 bis 14 Urteile des sächsischen Obcrlandesgerichts hervor und trat an ihrer Hand den Wahrheitsbeweis für den betreffenden Artikel im„Vorwärts" an. Aus diesen wies ich nach, daß das OberlandcSgericht in seine Urteile eine Anzahl persönlicher Ausfälle gegen die Socialdemokratie einfließen läßt, außerdem aber Thaten, die es sonst nicht als straf- bar betrachtet, für strafbar erachtet, wenn sie den Endzielen der Socialdemokratie dienen, daß es ferner in eine Urteilsbegründung eine bewegliche Klage über Aufhebung des Socialistengesetzes geschmackvoll eingeflochten hat..(Hört I hört!) Uebrigens müßte man ja Scheuklappen tragen, um nicht alles dieses schon vor dem Erkenntnis des Berliner Landgerichts gesehen zu haben. Was der sächsische Bundesratsbevollmäcktigte sagte, war ganz etwas anderes: niemand hat behauptet, das Berliner Gericht habe festgestellt, die sächsischen Richter beugten das Recht. Was nun übrigens unberufene und beleidigende Angriffe betrifft, so möchte ich doch bitten, daß die königlich sächsischen Behörden ein- mal vor ihrer eigenen Thür zu kehren anfingen. In den letzten Tagen enthält das königlich sächsische Journal, allerdings in seinem nichtamtlichen Teil, derartige hanebüchene, beleidigende und un- verschämte Angriffe gegen den Reichstag und gegen Reichstags- Mitglieder, daß ich doch aber gern einmal hören möchte, wie die königlich sächsischen Bundesratsbevollmächtigten darüber denken. Es ist behauptet worden, die Rcdactcure des„Dresdener Journals" wären königliche Beamte(Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Fischer: O nein!)— nun jedenfalls für den amtlichen Teil und auch sonst tragen sie doch die moralische Verantwortlichkeit, und da wäre doch von feiten der sächsischen Regierung ein Wink am Platze, daß sich das eigentlich nicht in einem Blatte, wo oben das amt- liche Wappen ist und unten steht: Verantwortlich: Kgl. Redaktion des„Dresdener Journals". Ich will mich nun aber zur Begründung der uns beschäftigenden Vorlage wenden. Da ist die Denkschrift so viel erörtert worden. Vor- gestern abend, wie ich heimging, da dachte ich: Gott sei Dank, das bist du nun los, das Iväre abgeschlachtet, und da ich keine Lust hatte, den Kaltschlächter zu machen, so war ich eigentlich recht zufrieden. Nun hat aber leider der Herr Graf Posadowsky diesen Leichnam wieder zum Leben zu erwecken versucht— ganz lebendig ist er ja nicht geworden.(Heiterkeit.) Herr Graf von Posadowsky meinte, die Verantwortung für die Denkschrift trügen die Gewährsmänner, die das Material geliefert haben. So leicht kann man aber die Ver- antwortung für ein solches Opus nicht von sich abschieben. Herr Graf Posadowsky hat selber auf die Denkschrift hingewiesen als auf ein hervorragendes� Mittel zur Begründung des Gesetzes. Und die Denkschrift selbst charakterisiert sich in ihrem Eingange lediglich als eine Erweiterung der Motive. Was die Regierung vorgelegt hat, muß sie auch vertreten. Wir werden für jeden Zeitungsartikel ver- antivortlich gemacht, den ein socialdcmokratischcs Blatt geschrieben, wir sind gestern sogar verantwortlich gemacht worden für die Streiche von Schulkindern. Da muß die Regierung es sich auch schon gefallen lassen, daß sie für das, was sie uns in ihrem amtlichen Druck durch das Reichstags-Bureau vorlegt, verantwortlich ge- niacht wird. Der Herr Staatssekretär sagte, die Socialdemokratie hätte ein Janusgesicht. Auf der einen Seite redete sie von Frieden und Freiheit, aus der andern von Zwang und Gewalt. Meine Herren, ich muß das zurückgeben. Das Janusgesicht ist auf jener Seite vorhanden. Im vorigen Jahr sagte Herr Graf Posadowsky: das Koalitionsrccht ist nicht so notwendig in einem Laude, wo das allgemeine Wahlrecht herrscht; neulich hat er erklärt, das Koalittons- recht wäre das wichtigste und hauptsächlichste Recht. Er sagte sogar: er billige das Streben der Arbeiter nach einer besseren Lebens- Haltung. Wenn er das thut, warum legt er dann eine Denkschrift vor, in der, wie von so vielen Rednern konstatiert worden ist, man es immer so darstellt, als ob jedes Streben der Arbeiter um höhere Löhne eine unverschämte social- demokratische Verrnchtheit sei.(Sehr wahr! Sehr gut!) Das ist der Geist der Denkschrift. Anscheinend enthält sie die Antworten, die auf die Umfrage des Herrn Grafen Posadowsky er» gangen sind, die von seinem Tische gefallen ist, und die uns auf den Tisch gefallen ist(Heiterkeit), und wenn die Antworten so tendenziös und einseitig ausgefallen sind, so liegt das zum guten Teil an der Art, w i e gefragt worden ist.(Sehr wahr I links.) Ein unter- geordneter Beamter, der diese Fragen in die Hand bekommt, hat eine sehr feine Nase für das. was oben gewünscht wird.(Sehr gut! links.) Wollte die Regierung tendenziöse Antworten nicht, so hätte sie eine Form wählen sollen, die das ausschließt. Der Denkschrift und ihren Verfechtern liegt einfach nichts am Schutz der Arbeitswilligen, das ist nur ein vorgeschobener Standpunkt, sondern in Wahrheit am Schutz der Unternehmer.(Sehr wahr!)_ Das geht ganz deutlich daraus hervor, wo gejammert wird über die Fälle, in denen keine Gewaltthaten verübt worden sind. Es kommt einfach darauf an, den Arbeitgebern dauernd willige und billige SlrbeitSkräftc zu verschaffen. Das ist Ihre Staatsdoktrin! Ucber die vielen absonderlichen Dinge in der Denkschrift haben sich andere Herren schon ausgesprochen, aber ein Stück ist noch nicht erwähnt, das ist das stärkste, ivas die Denkschrift leistet. Da wird Seite 28 erzählt, daß an der Thür eines gewissen Ortes ein VerS angeschrieben worden seil! Wenn die Regierung alle auf Bau» Plätzen und den Thüren zu derartigen Lokalitäten angeschriebenen Verse durchsuchen wollte, könnte sie noch viel mehr ähnliche Verse finden.(Heiterkeit.) Es ist hier in der Mark� Brandenburg eine verbreitete nicht gute Sitte, an solchen Thüren allenthalben antisemitische Vcrslcin anzuschreiben, und ich habe noch nie gehört, daß man ein Ausnahmegesetz gegen Antisemiten deswegen machen will. Nachdem also die Denkschrift in höchst spaßhafter Weise diese Schauergeschichte erzählt hat, fährt sie fort:„Hierdurch geängstigt, haben, wie der Regieningspräsidcitt zu Potsdam berichtet, thatsäch- lich einige arbeitswillige Gesellen die Arbeit niedergelegt und den Ort verlassen."(Große Heiterkeit.) Hoffentlich haben fte den„Ort" nicht zu eilig verlassen, sonst könnte es ihnen schlecht gegangen sein. (Heiterkeit.) Der Herr Graf Posadowsky hat dieses ungeheure Patronen- matcrial noch durch ein besonders kräftiges Beispiel verstärft, durch die Geschichte von den Schulkindern. Meine Herren, sollen wir ein Gesetz zur Einsühning von Schulstrafcn machen? ABC- Schützcn-Gcschichten sind hier keine überzeugenden Gründe. Aber die Sache hat auch ihre ernste Seite. Ich wünschte wirklich auch, daß Schulkinder nicht in den politischen Kampf hineingezogen werden. Aber bitte, überlegen Sie, wie es von der anderen Seite gemacht wird.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Von Mitschülern und leider auch von Lehrern wird den Kindern zugerufen:„Dein Vater ist ein Roter!" Jeder von uns hat solche Dinge schon mit einen Kinder» erlebt. Wenn ich glaubte, daß Parteigenossen von mir derartige Verhetzungen planmäßig mitmache», so wurde ich mich auch nicht scheuen, das zu tadeln; jeder vernünftige Mensch von uns würde das thun.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Aber bedenken Sie, bitte, die eigentümlichen Verhältnisse, unter denen die Arbeiter in einem solchen Streik leben I Wer spürt's am ersten, wenn der Vater ausgesperrt ist und nicht arbeiten kann, als der Magen der Kinder? Und wenn sie in die Schule gehen, können die einen nicht einmal ein Siück trockenes Brot bekommen, und die andern, deren Väter zu Streikbrechern geworden sind, laufen mit einer wohlgeschmierten Stulle herum. Dann fühlen die Kinder den Unterschied,' dann ist es kein Wunder, daß die Kinder das durch ein paar gelegentliche Püffe und Aeußcrungen den anderen ack uotam machen. Ich glaube, über diesen Punkt ist genug geredet. Es ist neulich auf der rechten Seite des hohen Hauses gelacht worden, als mein Freund und Genosse Bebel bemerkte, die Legiensche Denkschrift wäre viel besser und sachlicher als die hier uns vorgelegte. Nun, wenn Sie sie in die Hand nehmen, so werden Sie nicht leugnen können, daß sie echte Urkunden enthält, deren Rick- tigkeit man jeden Tag kontrollieren kann, während diese Denkschrift hier sich in allgemeinen Redensarten ergeht, die von uns niemand nachprüfen kann. Wenn sich die Gewerkschaftskommission in ihrer Denkschrift so allgemein ausgedrückt hätte, so würden unsere Partei« genossen vermutlich eine Nnllnge c»i5§ 130 deS Strafgesetzbuchs wegen Aufreizung zum Klnssenhcisz bekommen haben. Ganz anders die Denkschrift der Regierung. Ich bin in der Lage, erklären zu können, daß diese bei zwei Stelle», so viel ich bis jetzt weiß, positiv unwahre Behauptungen aufstellt. sHört! hört!) Die eine betrifft einen Fall in Ostcrwieck, die andere den Leipziger Maurerstrcik. fNedncr schildert diese Fälle, die im ,. Vorwärts" bereits zur Darstellung gelaugt sind.) Die Behörde verschweigt die wichtigsten Dinge, dw sie sogar hätte aus den Zeitungen entnehmen können. fSehr richtig I bei den Socialdcmokraten.) Ter Herr- Staatssekretär hat neulich unserer Polizei Komplimente gcinacht, weil sie sogar Aktenstücke zu finden wüßte, die auf seinem Schreib- tisch lägen, Nun, besser ist unsere Polizei sicherlich als diese hier, welche für die Denkschrift nicht cinnml Aktenstücke zu finden wußte, die in den Regalen der Gerichte und Staatsanwaltschaften liegen. (Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Nun ist uns als ein großer Trumpf die ausländische Gesetzgebung entgegengehalten worden. Mit einziger Ans- nähme der englischen Verordnung sind das aber alles allgemeine Strafgesetze, die ungefähr unseren Bcstinnnungcn über Nötigung und Erpressung im Strafgesetzbuch entsprechen.— Ans der Schivciz wird »nr inimer die kantonale Gesetzgebung vorgeführt. Tie Regierung hat aber vergessen zu erwähnen daß in dem neuen schweizerischen Strafgesetzbuch diese ganzen NötigungSbcstimnuingcn überhaupt ge- strichen werden sollen, und zwar gerade niit Rücksicht auf den Miß- brauch, der damit bei den Lohnkämpfen der Arbeiter getrieben worden ist.(Hört! hört! bei den Socialdcmokraten.) Gewiß, in England gicbt es ein Polizcireglcmcnt gegen streikende Arbeiter, aber der Schlußsatz desselben nimmt ihni den größten Teil seiner Gefährlichkeit. Warum ist dieser Schlußsatz nicht auch in den Ent- Wurf aufgenommen? Ucber die englische Polizei ließe sich ja pcdc», : Wenn wir englisches Recht, englische Polizei, englische Staatsgrund- sätze und vor allem das Schlvcrgcwicht der öffentlichen Meinung hätten, worauf bei uns gar keine Rücksicht genommen wird. Der Herr Minister Brefeld hat gestern schwereres Geschütz ans- gefahren und gelegentlich der U n t e r n e h m e r- S h n d i k a t e deweisen wollen, daß die Regierung völlig parteilos Arbeitgebern und Arbeitern gegenüberstehe. Ich möchte mir bezüglich der � Syndikate den Gedankengang des ncnlichen Artikels des Herrn Privat- docenten Dr. Jastrow in der„Deutschen Juristcn-Zeitnng" zu eigen machen. Dr. Jastrow nincht darauf aufmerksam, daß die Syndikate dieselbe Absicht wie die Arbeiterorganisationen verfolgen und schlägt deshalb vor, dieselben ganz gleich zu behandeln. Wie es mit der— � gleichen Behandlung steht, brauche ich Ihnen kamn z» sagen.(Sehr gut I links.) llcbrigcns kann man die � Syndikate noch von einem anderen Standpunkt, von dein der Konsumtion— statt wie vorher, vom Stand- Punkt der Produktion— ans betrachten, indem man die Arbeitgeber als Koiisnmentm der Prodnktionskraft der Arbeiter ansieht, die Untcrnehmersyndikate also mit den Arbeiter-Konsumvcrcinen bcr- gleicht! dann haben Ivir auf der einen Seite Verhätschelung und Hegung der Unternehmer-, auf der anderen Seite Verfolgung und Draitgsalienlng der Arbeiter-Konsumvereine. Man kann die Sache aber von einem dritten Standpunkte ans betrachten, indem man das Ringen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern als eine Art Duell ansieht. Die Regierung scheint auf diese Betrachtungsweise am meisten Wert zu legen. Die . Gesetzgeber würden in diesem Falle gleich guten Sclnndantc» dafür zu sorgen haben, daß der Platz genau ausgcmesscn und Licht ■ und Luft gleichmäßig verteilt wird. Wie gleichmäßig nun Licht und Luft verteilt sind, darüber ist hier wahrhastig schon soviel gesprochen. daß es unnütz ist, noch darauf zurückzukommen. Der Herr Minislcr Brefeld will, wir sollen ihm Lücken nennen, damit sie ausgefüllt werden: nun, der ganze Gedanke der Rechtsgleichheit zwischen Arbeitern und Untcrnehincrn hat ein Loch und ist ein großes Loch. (Sehr gut I) Gleichstellung ist da in A e u ß e r l i ch k e i t e n, um bei dem letzten Bilde zu bleiben, so mögen die Degen der beiden Kämpfer gleich sein; aber der eine ist ein guter, der zweite dagegen ein ungeübter Fechter und zum Ucbcrflnß sind dem letzteren auch die Füße gefesselt. Wie leicht es den Unternehmern, wie schwer es den Arbeitern wird, mit einander in Verbindung zu �treten, ist im Laufe dieser Debatte mehrfach berührt werden; dieser eine aber entscheidende Punkt beweist schon, daß die ganze Sache von der Rechtsgleichheit ei» Märchen ist. Wiederholt ist in dieser Debatte der bekannte englische Social- Politiker Cree niit seinen Urteilen ausmarschiert. Der Herr ist ein Fanatiker, er ist Fabrikant und somit Partei, er ist zudem ein Ein- gänger, der von den englischen Fabrikanten über die Achsel ange- sehen wird und daher seine Weisheit in deutschen Zeitschriften abladet, die deutsche Strafprofessoren herausgeben. So gut ivic auf Herrn Cree kann man auch auf den„Kladderadatsch" zurückgreifen. Ich will mich deshalb lieber auf einen gewissen Adam Smith bcrnfcn, der bereits geschrieben hat, kein noch so gleichmäßig scheinendes Gesetz könne gleichmäßig Arbeiter und Arbeitgeber in Lohnlämpfcn treffen.'(Hört! hört! links.) Auf diesen Politiker glaube ich mich mit etwas mehr Grund berufen zu können, als der Herr Staats- sckrctär auf seinen Cree. Ich muß noch einmal auf die augenblicklichen Vorgänge im Baugewerbe kommen. Das Berliner Bannnternchmcrtnm, das an der Spitze des Hetzkmnpfcs gegen die Arbeiter steht— meiner Ueberzeugung nach ist dieser Kampf den Arbeitern nur aufgezwungen worden, um' Material für das Znchthansgcsctz zu beschaffen(Sehr richtig I links)— hat am wenigsten Anlaß, hier vor dem deutschen Volke und seiner Vertretung den Großen zn spielen. Schon verschiedentlich ist von den fortwährenden Betrügereien und Gesetz- Widrigkeiten die Rede gewesen, die es sich gegen seine Arbeiter hat zu schulden konnnen lassen. Denken Sic an den Bau schwind et, per Berlin in der ganzen Welt berüchtigt gemacht hat. Denken Sie daran, daß fast jeder Berliner Maurer kämpfen muß, will er sich nicht bei der Lohnzahlung benachteiligen und sich das Fell über die Ohren ziehen lassen. Sie wissen, auf welche Art jene Leute ihre Kämpfe führen, mit welcher Brutalität sie jetzt ihre Leute aussperren wollen! Wir verlangen nicht einmal Gesetze dagegen; wir wollen aber auch nicht, daß die Arbeiter unter derartige Strafgesetze gestellt werden. Der Herr Minister Brefeld sprach von den Bergarbeiter- st r e i k s. Vom westfälischen hat bereits Kollege Lenzmann gesprochen, so daß ich auf denselben nicht zurückzukommen brauche; über den Saarstreik hätte der Herr Minister besser gcthan, zn schweigen. Derselbe entstand, ivie 1893 hier ausführlich erörtert wurde, deshalb, weil den Arbeitern eine Lohnherabsetzung von IS Proz. auf- gedrängt werden sollte. Jiiuner heißt eS, die Streiks sind socialdemokratische Ausschreitungen, socialdemokratische Machenschaft usw. Die Socialdemokraten ivollcn durchaus diese Streiks einrühren, um ihr Schäfchen dabei zu scheren, wird behauptet. In Wirklichkeit verhält sich die Sache aber gerade umgekehrt(Sehr wahr! links); gerade die unorganisierten Massen sind es, die zu grnnd- und p la n lo sen S tr ei k s greifen, sodaß die Gewerkschaften ihre liebe Not haben. Wenn die Herren, die innner von der socinldcmokratischcn Streikhetzerei orakeln, ein wenig nach Adam Riese an den fünf Fingern kalkulieren wollten, sollten sie doch einsehen, daß die Socialdemokratie unmöglich Interesse an nutzlosen Streiks haben kann, tvelwe die Kräfte der Arbeiter nur lahmlegen und für höhere, politische Ziele unbrauchbar machen.(Sehr richtig! b. d. Soc.) Der Entwurf ist uns vorgelegt worden mit dem Versprechen, das Gesetz werde paritätisch gchandhabt werden. Bitte, halten wir uns nicht an das Versprechen, halten wir uns an den Wortlaut des Gesetzes. Auch 1373 wurde das S o c i a l i st e n g c s e tz unter Versprechungen gegeben, die nachher nicht gc- halten worden sind.(Sehr richtig! links.) Auf Anfrage des Herrn von Bennigsen erklärte der damalige Reichs- kanzler Fürst Bismarck, Lohn kämpfe würden nicht von dein Gesetze getroffen werden: Kaum war das Gesetz 3 Tage in Kraft, da löste der Polizeipräsident von Berlin sämtliche g e w c r k s ch a f t- ki ch« Vereinigungen der Arbeiter auf.(Hört! hört! links). Ebenso wurden gegen die gegebenen Versprechungen und trotz der Neklamationcn dtf Reichstags die Sammlungen für die Opfer der Ausweisungen verboten.(Hört, hört!) Also auf diese Brücke wird sich niemand begeben wollen, der es mit deni deutschen Volke gut meint; halten wir uns an dem Wortlaut, denn nach diesem und' nicht nach den Versprechungen wird, sollte der Ent- wurf Gesetz werden, später entschieden werden. Ucber den§ 1 des Entwurfs— ich will im übrigen den Ent- Wurf nicht im einzelnen durchgehen— noch einige Worte, zn denen mich eine Aenßerung des Staatssekretärs Dr. Nicberding veranlaßt. Die Acndernng der Worte:„wer es versucht" in„wer es unter- nimmt", die der Herr Staatssekretär als harmlos darstellte, ist zum mindesten eine sehr unglückliche; außerdem hat das Reichsgericht ausdrücklich einen Unterschied zwischen„Unternehmen" und„Versuch" konstatiert. Der Unterschied ist ein sehr großer und kann praktisch sehr fühlbar werden; ist nur der Versuch strafbar, dann kann ich z. B. wegen eines Manuskriptes, das ich auf meinem Pulte liegen lasse, nicht bestraft werden; wohl aber, wenn auch das Unternehmen strafbar ist. Zuni Z 4, dem Streikpostenparagraph, noch einige Worte. Das Ausfertigen von Streikkartcn, ans Grund deren jeder seine Streik- Unterstützung empfängt, kann bereits als planmäßige Ueberwachung angeschen und demgemäß laut Z 4 bestraft werden. Es ist also nicht zuviel gesagt, daß nach Erlaß dieses Gesetzes jeder Streik unmöglich sein werde(sehr richtig! bei den Socialdcmokraten), weil die Mitglieder der Strcikkommissioncn, die die Unterstützung ans- zahlen, auf mindestens 3 Monate, nnter Umständen aber ans 5 Jahre ins Gefängnis wandern würden. Aber mehr noch:„planmäßige Ueberwachung" findet nicht nur bei Streiks statt, sondern wird auch angewandt. um festzustellen, ob in den einzelnen Betrieben den sanitätspolizcilichcn Bestimmungen genügt worden ist. Wir würden also nach Erlaß dieses Gesetzes er- leben, daß Unternehmer, die in frechster Weise gesetzliche Vorschriften mißachten, mit einer geringen Geldstrafe belegt werden; Arbeiter aber, Ivelche diesen gesetzlichen Vorschriften zur Durchsührnng helfen wollen, mit Gcfängniß bestraft werden! Wenn die Regierung das nicht gewollt hätte, dann hätte sie sich anders ausdrücken sollen! Taö Recht ans friedliche Ueberwachung muß aber aufrecht er- halten bleiben, es verbieten, heißt einfach das Streiken verbieten; es heißt aber auch, Lug und Trug der Unternehmer unterstützen, die, wen» sie fremde Arbeiter herbeiholen, ihnen natürlich nicht erzählen, daß ihre Arbeiter im Streik sich befinden, sondern ihnen allerlei un- wahre Vorspiegelungen machen. Ich komme zu dem Agitatorenparagraphen. Mit vornehmer Hand- bewegnng hat der Herr Staatssekretär von bezahlten Leuten ge- sprocken: als ob nicht auch die Ttaatsbeamteu ihr Geld für die Dienste bckomiiicn, die sie dem Staate leisten. Die besoldeten Verfasser der Denkschrift hätten daher lieber nicht in diesem Tone von den Agitatoren reden und bedenken sollen, wie häufig die An- Wesenheit dieser geschmähten Agitatoren mäßigend und bciänftigend auf die Arbcilcr einwirkt; häufig genug freilich scheitern sie an dem erwähnten Autoritatskollcr der Unternehmer, die durch Nachgeben ihrer Gotlähnlichkcit etwas zu vergeben fürchten. Die Ehrvcrletzungen, die sich Arbeiter gegen Arbeiter zu schulden kommen lassen, spielen eine große Llolle in der Denkschrift. Der Ehrbegriff, meine Herren, ist etwas sehr Subjektives: Manche Leute glauben eben ihre Ehre nur entweder mit dem Degen oder aber durch Strafanträge wicd:rhcrstcllen zu können. Im allgemeinen hat man in Arbeiterkreis«« Abneigung dagegen, wegen irgend einer vielleicht schon vergessenen Sircitigtcit Freunde und Gefährten, mit denen man wohl schon wieder ausgesöhnt ist, auf die Anklage- dank zu schleppen. Diese Abnoignng wird in der Dcnkschrist uatiir- lich als Furcht vor deni Terrorismus der Arbeiter ausgelegt: ebenso, wenn bei solchen Anklagen— die ineist von den Nntcrnehmern. nicht aber von den Betroffenen selbst ausgehen— sich die angeblichen Opfer der Ausschreitungen selbst abgeneigt zeigen, gegen ihre Arbeits- kollegen auszusagen. lieber die geniale Idee, die im Z 7, dem Z n s a m m e n- r o t t u n g s- Paragraphen, zn tage tritt, noch einige Worte. Man sollte meinen, die Bestinmnmgcn über LandfricdcnSbrnch, schweren Auflauf, Aufruhr usw. reichten vollständig ans. Nach An- sichten der Herren Verfasser der Denkschrift ist das aber nicht der Fall: während nach dein bekannten Nürnberger Grundsatz nur der gehängt werden kann, den man hat. meint der betr. Herr Verfasser der Denkschrift offenbar: wenn wir ihn nicht haben, hängen wir einen anderen.(Große Heiterkeit.) DaS ist der Ivahre Sinn des§ 7: kriegt man den wirklichen Thäter nicht, so wird ein anderer eingesperrt; wie in China, wenn ein Vergehen nicht heranSkonnnt. ein beliebiger Mann, den sich die Mandarinen aussuchen, dafür seine Prügel beziehen soll.(Heiterkeit.) Unsere kolonialen Er- Werbungen scheinen uns mit einer Einfuhr neuer Zöpfe zu über- schwemmen; und wir haben doch schon mit den alten inländischen genug! Was den Zuchthausparagraphcn betrifft, so hat man sich vom Rcgicrnngstiscki aus bemüht, ihn als harmlos hinzustellen. Daß dieser Paragraph kam, hat mich nach der bekannten Rede nicht gewundert; es stand für niich so fest, ivic daß 2x2— 4 ist; wäre in der Rede die Todesstrafe versprochen worden, hätte sich auch ein Todesparagraph im Gesetz gefilnden. Aber die ErklärnngS- und AbschwächnngSverstiche haben mich doch gewundert. Herr Dr. Arendt findet den Paragraphen nebensächlich; wenn cr's für nebensächlich hält, im ZuchrhanS zu sitzen, mag er doch cimnal zu seinem Vcr- gniigcn ein paar Jährchen abbrmwncii. Nach der Definition, welche der Begriff der„gemeinen Gcfahr für das Eigentum" ziemlich bei allen Juristen gesunden hat, wird, ja muß jedes Gericht dahin kommen, so ziemlich jeden Streik als straffällig zu erachten— jenen großen Hamburger Hafenarbeiter- Streik z. V. auch, bei dem die Sympathie weiter Kreise des Bürger- tiimS ans feiten der Anssiäitdlschen stand. Und doch wären, hätte dieses Gesetz damals bestanden, die Streikenden ins Zuchthaus gesteckt worden, auch ohne die geringste Ausschreitung begangen zu haben. Ich will etwas naher auf unsere Stellung zu den sogenannten Streikbrechern eingehen. Wir wissen, daß sich nnter ihnen eine Menge armer Teufel finden, die sich srencn müssen, wenn sie einen Happen ergattern. Aber von einem höheren politischen und moralischen Standpunkte ans betrachtet, stehen die Leute nicht gleichwertig mit ihren, wie immer— socialdemokratisch, christ- lich-social oder sonsttvie— organisicrten Kollegen da! Darüber. daß die Erhöhung der Lebenshaltung der Arbeiter einen hohen Gewinn für die Ratio»« bedeutet, darüber sollten am Ende des 19. Jahrhunderts die Ansichten nicht geteilt sein. Die Rc- giernng aber behandelt die Leute, die ihren Kollegen bei diesem' Kampfe in den Rücken fallen, als besonders nützliche Leute, auch wenn dieselben bei Streiks ihre Thätigkeit entfalten, die von allen Seiten als bedenklich anerkannt worden. Wie wenig die Beschäftigung der Streikbrecher im allgemeinen Interesse liegt, können Sie ans jenem traurigen Ban-Unglück ersehen, das vor einigen Wochen sich in Halensce ereignet hat. Streiks werden geführt, weil es nickit anders geht, aus b i t t e r st e r N o t; zu seinem Vergnügen streikt und hungert kein Mensch. A priori kann man sagen: Leute, die bei einem bc- rcchligtcn Kampfe ihren Kollegen in den Rücken fallen, handeln nicht ehrcnlvcrt, treiben«nlantcre Konknrrcnzp die Herren von der Rechten verurteilen doch sonst so scharf die unlautere Konkurrenz? was ist denn Strcikbrcchcn anders als unlautere Konkurrenz? Mit der These, daß jeder mir an sich und seine Familie denken muß und oll, heben Sie jeden Gcincinsiim, heben Sie jedes geordnete Staatswesen ans.(Scbr richtig! bei den Socialdemokraten.) In der Denkschrift wird über einen Arbeiter geklagt, der nicht mit einer Strcikbrcchcrin tanzen will. Nun. sagt nicht schon Theodor Körner:„Pfui über den Buben hinter dein Ofen— ein deutsches Mädchen küßt ihn nicht!"(Heiterkeit.) So stehen wir der Frage im allgemeinen gegenüber. Der Haupt- Vorwurf gegen die Arbeiter läuft ja darauf hinaus, daß sie die Ten- denz hätte», sich in die Leitung der Betriebe ein zu- mischen und das soll nach Meinnug der Rcgicrmig, wenigstens der Dciikjchriftler, besonders bedenklich(ein. Da heißt es, sie wollen Herr im Hanse sein. Gerade aber bei diesen Kämpfen wegen innerer Betricbsangelegenheiten kann man sagen, daß die Arbeiter in einem wirklich materiellen Rechte sind, noch mehr als bei der bloßen Lohnfrage. Bei der Lohnfrage kann es vorkommen, daß ein Arbeitgeber nicht mehr zahlen kann, aber gute Lüftung, Sauber- keit und anständige Vehandlung kann jeder ohne viel Geld leisten. Dieselben Herren, die sich vom Unternehmerverband vorschreiben lassen, wen sie ciigagicreii dürfen und wen nicht, die xar orärs du Mufti ans der Gartcristraße her ihre Listen bekommen, und die die Leute Hinanswersen, wenn der Sekretär des Metallnnternehmcr- Verbandes es fordert, schreien am nicisien, weim die Arbeiter Forderungen geltend machen. Die Auffassung ist aber falsch, daß der Eigentümer als der Herr der Fabrik machen lönne, was er will. Diese Auffassung des Eigentums ist weder germanisch noch christlich, sondern das ist ein Ausfluß dessen, was Sie inimer als römisch- jüdischen Eigentumsbegriff betrachten und zwar in schärfster und krassester Einseitigkeit.(Sehr richtig! bei den Socialdeniokraten.) Der Arbcilsvertrag ist doch ein Vertrag, es haben sich doch zwei verabredet. Vertrag heißt doch nicht, daß der eine nnr be- fehlen und der andere nur gehorchen soll, sondern daß zwei sich vertragen. Das Unternehmertum steht aber häufig auf despotischem Staildpnnkt. Wo die Arbeiter aber Lebe» und Gcsnndhcit zu Markte tragen, sollen sie auch mitreden dürfen über alle inneren Aligclcgcnhcitcil des Betriebes. Natürlich gicbt es Fälle, Ivo kein vernüiiftigcr Arbeiter mit hineinreden will und hiiieinreden wird, in anderen Fällen verlangt er es aber und das ist vor allem die Frage nach der Aiislellnng der Werkführcr und Mitarbeiter. Wer hat es denn zu spüren, wenn der Werkführcr brutal ist? Wenn sich Arbeiter gegen einen Arbeitswilligen erklären, so wird das als unerhörter Eingriff angesehen. Jeder Stand verfährt so. Wenn sich in einem Restaurant der Kellner gegen einen Offizier ungezogen benimmt, so wird kein Offizier eher hingehen, als bis der Betreffende hiiiausgcschmiffcn ivird. Wenn aber ein Werkführer mit gemeinen und zotigen Nedensarten liin sich wirft und die Arbeiter machen auch nur eine' bescheidene Vorstellung, der Arbeitgeber möge das abstellen, dann fliegen die„Rädclsftihrcr" hinails, denn der Herr will sich keine Vorschriften machen lassen. Solche Fälle habe ich unzählige erlebt. Wer es mit seinem Ehrgefühl genau nimmt, heißt Zänker und Stänker. Gras PosadowSky sagte mit der Miene eines Predigers Salomo: Was i st Freiheit?(Heiterkeit.) Ja, das fragt man sich auch hier zu Lande manchmal. Und nun die Definition: Freiheit ist, etwas zu thnn und etwas zn lassen. Ich will mich nicht in allzu tiefe philosophisck>c Distinklioiicii einlassen, aber ich glaube, etivas schärfer wäre dicTcfinilion in die Worte: Freiheit, zn thün und zulassen. gefaßt. Wenn die Ncgicnmg aber kommt und sagt, wir wolleiidieFreihnt der Arbeiter, so sage ich: tiweo Danaos et dona ferentes. Wenn mis die Regierung mit Freiheit koinnit, dann haben ivir immer die Ahnlliig, daß in diesem trojanischen Roß eine Anzahl Dinge stecken, die geeignet sind, das bißchen Freiheit abzuwürgen.(Sehr gut bei den'Socialdcmolratcn). Wir brauchen auch die Drohung und ich stehe ans. dem Standpuilkt der vom Staatssekretär citicrtcn „Vorwärts"-Notiz. Jede Ausniltzung der Konjunktur vollzieht sich unter Drohuligcii, sei es öffentlichen oder versteckten. Solche Drohungen aber müssen straffrei bleiben; wenn aber Drohungen bestraft werden, dürfen sie mir bestraft werden nach gemeinem Recht und nur dann, wenn mit Verbrechen oder Vergehen gedroht ist oder weil» zu einem rechtswidrigen Zweck gedroht ist. Graf PosadowSky hat den„Vorwärts" angegriffen, Ivcil er geschrieben hat, das Koalitioiisrccht kann ohne Drohung nicht bestehen. Er hätte dazu nicht kommen kviiiicli, wen» er den Satz zu Ende gelesen hätte. Da heißt es gleich weiter, daß die Regierimg allerdings sowohl für Arbeiter ivie für Arbeitgeber eine gewisse Anzahl Drohungen straf- frei machen will, aber weiter heißt cS, daß es den Arbeitern nichts nützt, so lange nicht der§ 133 des Strafgesetzes, der Er- pressniigSparagraph gegen sie nicht mehr angewandt wird. Denn jetzt Ivird die„Drohung des Strcikens" häufig als Erprcffnng bc- handelt, Wir fordern nichts, als was unbedingt für die Aufrecht- crhalümg des KoalitionSrcchts notwendig ist. Wir stellen aber»och weiter die Fordernng, daß die Drang- solicrniigcn der Arbeiterbewegling endlich einmal aufhören möchten. Gefreut haben ivir uns über die beinahe allseitige Mißbilligung der Vorlage, besonders g?srelit hat mich die Rede des Herrn Basscrmami, und wir wünschen nur, daß sein Standpunkt auch in seiner Partei recht sehr durchdringen möge, denn leider hat uns die Rede seines Fraktionskollcgen Möller vom 19, Januar er. bedenklich gemacht. In dieser Rede waren'solche Bcstimniniigcn, wie sie die ZuchthnuSvorlage enthält, als notwendig bezeichnet zur Kompensation gegen die Belasinng der Industrie durch die Arbciterschutz-Gcsetzgebnng. Herr Möller sagte auch, daß es sich bei solchen Dingen nicht um Rechtsfragen, sondern um Machtfragei« handle. Graf PosadowSky verlas ans einem Gewerkschastsblatt die Stelle: Wird die Vorlage Gesetz, so ist das der Anfang der Revolution. Ich unterschreibe dicsen Satz in gelvisscin Sinne, näinlich dcr RcvolnIioi« von oben, ivelche die Rechts n n glcichhcit bei uns zum Princip erhebt, ivelche das Ende der Gerechtigkeit bedeutet. Die Annahme des Gc- sctzcs wäre wirklich der Beginn einer»cur» Schrcekensherrschast. Es würde zu Gerichtsurteilen kommen, wie ivir sie 1793 in Frank- reich erlebt haben. Dabei hatte damals das französische Volk wenigstens noch eine Entschuldigung für diesen Paroxismns. Damals war Frankreich von fürchterliche» äußeren Gefahren bedroht, von der Verschwörung der Könige. Bei«inS ist aber nichts, rein gar nichts geschehen, um den Anfang eines derartigen neuen lliiteriiehnicr- tcrroriSmilS begründen zn wollen. Deshalb verstehe ich diese Vor- tage nicht— wir sind der Mciiinng, daß, wer das deutsche Volk liebt, diese»nd jede ähnliche Vorlage ohne weiteres ablehncii muß. Weiter nichts.(Lebhafter Beifall links.) Staatssekretär des Reichs-Jnssizamts Nicberding: Einige Ausführungen deS Vorredners nötigen mich zu einer Er- widmnig. denn wozu Ivir jetzt schweigen, das wird gegen uns in der Agitation ansgenützt werde», die während' der Vcr- t a g il>l g sicher weiter b e t r i c b c n w e r d e n w i r d. Der Herr Vorredner hat von einem AnSiinhmcgcsetz gesprochen. DaS ist ein Schlagwort n»d trifft hier gar nicht einmal zu. Ein Gesetz, welches sich gegen die Jesuitcil als solche oder gegen die Social- dcmokratc», mir lveil sie Socialdcmolratcn sind, richtet, ist ein Ansiiahincgcsctz, aber hier, wo Arbeitgeber und Arbeiter voll- ständig paritätisch behandelt werden, kann von einem solchen nicht die Rede sein. Herr Heine hat. wie Herr Bassermal:n neulich schon, die Entscheidungen des Reichsgerichts in Erpressuiigs- fälleil kritisiert. Es war mir heute nicht ganz klar, ivelche Ziele er damit verfolgte, aber es schien mir, als wollte er bchaupien, daß das Reichsgericht eine nnziilässige Anslegimg des Erpressnngs- paiagraphcn vorgenommen hat. Ich muß das bestreiten.. Ter falsche Eindruck kann nur dadurch erweckt werden, daß aus der Bc- gründniig bestimmte Wendlingen herausgezogen werden, ohne daß der Zusammenhalt dabei berücksichtigt bleibt. Ich möchte Ihnen hier drei Fälle, i» denen das Reichsgericht den Thatbestand der Er« Pressung erblickt hat, vortragen. Die Arbeiter verlangten in einer Fabrik einen Feiertag. Das war ihr Recht. Der Arbeitgeber er- klärte sich damit einverstanden, fügte aber hinzu: Wenn Sie einen Feiertag haben ivollen, will ich zwei, Sie brauchcti daher während der nächsten drei Tage nicht zu kommen. Auch das war sein gutes Recht. Nun erscheint die Lohnkommisston und verlangt von dem Arbeitgeber den Lohn für die beiden von ihm festgelegten Feiertage. Falls er den Lohn nicht zahlen wollte, würde die Arbeit niedergelegt werden. Dieses widerrechtliche Vorgehen hat das Reichs- gericht als Erpressung angesehen. Zweitens: Ein Arbeitgeber entläßt zwei Arbeiter, mit denen er sich nicht vertragen kann.'Die Arbeiter scheiden aus. Die Lohnkommission erscheint und fordert die Wieder- einstellnng der Arbeiter und die Zahlung einer Strafe unter An- drohiing des Streiks. Der Arbeitgeber war zu dem Vorgehen vollständig berechtigt, und auch in diesem widerrechtliche»'Vor- gehen der Arbeiter hat das Reichsgericht den Thatbestand der Erpressung erblickt. Drittens: In einer Stadt war von einer Lohiikonnnission ein Lohntarif aufgestellt und sie wünschte, daß er auch möglichst bald allgemein eingeführt werde. Die Lohnkomnnssion wandte sich au einen Arbeitgeber mit der Forderung, diesen Lohn einzuführen, widrigenfalls gestreikt werden wurde. Auch hier ist Erpressung als vorliegend erachtet worden. Ich glaube die Beispiele sind belehrend dafür, wie gefährlich es ist, mit einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Stellen aus Urteilsbegründungen die ganze Judikatur herabzusetzen. Was nun das Berliner Urteil gegen die Rechtsprechung des sächsischen Oberlaudesgerichts betrifft, so stehe ich auf dem Stand- Punkt, daß der Reichstag in gewissen Fällen gewiß berechtigt ist Kritik an richterlichen Urteilen zu üben, aber solange diese Urteile nicht im Wortlaute vorliegen, sollte man sich enthalten, es hier zu erörtern. Gerade Herrn Heine, der in denr Prozeß als Verteidiger, also als Partei fungiert hat, möchte ich fragen, ob ihn dieser Umstand nickt hätte abhalten sollen, das Hans hier gegen die Rechtsprechung des sächsischen OberlandeSgerichls aufzurufen. Ich kenne das Urteil nicht, der preußische Herr Jnstizministcr kannte es gestern noch nicht und so müssen wir die Erörterung vertagen. Der Herr Vorredner hat dann wie Herr Bassermann hingewiesen ans die juristische Erweiterung, welche in dem Satze liegen soll„iver es unternimmt". Ich bleibe bei meinen früheren Ausführungen, daß das Reichsgericht zwischen den Begriffen„Versuch" und„Unter- nehmen" keinen Unterschied macht. Uns liegt nichts an einem erweiterten Strafbcgriff, so hinterlistig sind wir nicht vorgegangen. Wenn der Reichstag diesen Paragraphen anders fassen will, so werden wir nichts dagegen haben. Wir unsererseits haben keine Vcranlassnng eine Acndcrnng vorzunehmen, wie es der Herr Ab- geordnete Heine vorausgesetzt hat. Was nun den Paragraphen über Strcikpostcnstchen anlangt, so ist es nicht unsere Auffassung, daß das Etreikpostenstehen unter allen Umständen strafbar ist. Wenn es in den Bereich des Zwanges hinübergreift, fällt es unter das Gesetz. Aber auch hier bestehen wir nicht auf unserer Fassung, sondern werden den Wünschen des Rcichslags entgegenkommen. Tie Denkschrift soll Ihnen ein allgemeines Bild geben, wie ich schon einmal sagte, aus den Einzelheiten können Sie für die Trag- weite dieser Vorlage nichts ableiten.(Hört 1 hört I links.) Es ist ober merkwürdig, daß man hier leidenschaftlich ganz untergeordnete Einzelheiten der Denkschrift nüt großer Breite behandelt, die Grund- znge dieser Vorlage aber fast totschweigt.(Sehr richtig I rechts.) Die Frage: sind Ausschreitungen vorgekommen und derart vor- gekommen, daß sie gemeingefährlich werden können, hat man nicht behandelt. Ich bitte Sie, bei der weiteren Debatte diesen Gesichts- Punkt zu berücksichtigen, dann werden Sie hoffentlich zu einer andern Beurteilung der Vorlage kommen.(Bravo! rechts.) Sächsischer Bundcsbcvollmächtigter Ministerialdirektor Fischer: ES war ja vorauszusehen, daß der socialdcmokratische Redner noch auf das in letzter Stunde ergangene Urteil das Berliner Land- gerichts I zu sprechen kommen würde.(Zurufe: Rösicke!) Gewiß Herr Rösicke hat es schon gestern berührt, aber ich glaube, daß Sie nicht sehr zufrieden damit ivaren, daß er Ihnen die schönste Rosine ans dcnr� Stollen genommen hat.(Heiterkeit.) Herr Heine hat meine gestrigen Ausführungen als ein Fechterkunststück bezeichnet. Fechterknnsrstückc sind aber nicht meine Sache, die sind mit meinem Berufe unvereinbar, ich überlasse sie anderen Leuten.(Lachen links.) Ich habe nur erwähnt, daß in einem hiesigen Jonrnal gestanden hat, daß unser sächsisches Obcrlandcsgericht das Recht gebeugt babe. Herr Heine muß ja nun als Verteidiger in dieser Sache den Fall genau kennen. Ich nehme aber an, daß die Sache sich wirklich so verhält, wie er es dargestellt hat, und muß dann sagen: Die Sache ist ja nicht so schlimm, als man nach dieser Zeitungsnachricht sich vorstellte, aber immer»och schlimm genug. Ich enthalte mich indessen eines Urteils darüber, da das Erkenntnis noch nicht offiziell erschienen ist. Ich muß ja zugebe», daß Herr Heine sich als ein feiner Jurist stets gezeigt hat, hier hat er sich aber als miserabler Kenucr der sächsischen Verhältnisse gezeigt, ins- besondere in Bezug auf die Verhältnisse am«Dresdener Journal" ist er sich vollkommen im unklaren. Ich erlaube mir ihm hierinit ein Exemplar dieser Zeitung zu überreichen, damit er sich davon überzeugt, wer als Rcdncteur zeichnet (Heiterkeit, Sehr gut! rechts.) Der Artikel, den er erwähnte, ist nicht von dem Redactenr geschrieben, es sind Zcitbetrachtungen eines Un- parteiischen. Zweifellos sind gewisse Wahrheiten in dem Artikel cnt- halten, die allerdings in einer sehr drastischen Sprache vorgebracht sind. Wenn ich aber alles, was im„Vorwärts" in derselben drastischen Sprache geschrieben ist und mit meinen Anschauungen nicht übereinstimmt, als unverschämt bezeichnen ivollte, so hätte' ich den ganzen Tag weiter nichts zu thun, als diesen Ausdruck zu gc- brauchen.(Große Heiterkeit, Bravo! rechts.) (Schluß im Hauptblatt.) Uokerles. Achtung, Parteigenossen! Die Lokalkommission teilt hierdurch mit, daß die in der Lokalliste aufgezählten Lokale rcsp. die in den Nachträgen angegebenen der Arbeiterschaft zur Verfügung stehen. In letzter Zeit sind mehrfach Anfragen und Beschwerden an den Unter» zeichncien gerichtet worden, wonach einzelne Personen oder Komitees in solchen Lokalen Festlichkeiten und insbesondere Landpartien ab- geschlossen haben, bei denen es sich nachträglich heranSstclltc, daß sie uns nicht zur Verfügung stehen. Häufig wird dann von den in Be- tracht kommenden Personen gesagt, sie wären der Meinung, daß Lokale, die auf der Liste nicht verzeichnet stehen, frei sind. Wir bemerken ausdrücklich, daß einzig und allein für jeden Parteigenossen die L o k a l li st e maßgebend sein muß. Soll die Lokalkonnnisjio» die Aufgaben, die ihr gestellt werden, erfüllen, so müssen die Genossen sich verpflichtet halten, in jeder Beziehung nach der Lokalliste zu handeln. J. A. der Lokalkommission. Carl Scholz, Wrangelstr. 110. Zur Lokallifte. Die KönigSsäle(Inhaber Biihlcr u. Comp.) Nene Königstr. 26, stehen der Atbeiterschast unter den bekannte» Bedingungen zur Verfügung. In H a n k e l s- A b l a g e bei Zeuthen hat sich der Inhaber- Herr Heinrich(vonn. Koppel) durch Unterschrift bereit erklärt, seine Lokalitäten, genannt„Zum S e g l e r s ch l o ß". der Arbeiterschaft zur Verfügung zu stellen. Die Lolalkommission, Ludwig Schneider, AdlerShof,' Hackcnbcrgstr. 12 II. Heulen und Ziihncklappcr» herrscht unter den alten Mit- gliedern der hiesigen D r e ch s l c r- I n n ü n g, welche sich bekannt- lich kürzlich zu einer Zwangsinnung umgeltaltct hat. Die kon- stituiercndc Versammlung, in der die zwangsweise neu in die Innung aufgenommenen Mitglieder die Mehrheit bildeten, hat kurzen Prozeß gemacht und bei der' Vorstandswahl dem bisherigen Vorsitzenden der Innung den Laufpaß gegeben und Gegner der Zwangsinnung in den neuen Vorstand gewählt. Wie uns mitgeteilt wird, hat der so gründlich hineingefallene frühere Vorstand jetzt einen„geharnischten" Protest gegen die vollzogene Vorstandswahl eingereicht.— Dürfte ihm nicht viel nützen, es sei denn, daß er sich bei einer etwa doch herbeigeführten Neuwahl eine noch größere Schlappe holen wollte, wozu wir jetzt schon glückwünschcn. lieber die ostclbischc» Zustände auf den städtischen Riesel- gütcr» bringt das«Verl. Tgbl." neue beschämende Riittheilungen: Das Ricsclgut Osdorf hat keine eigentlichen Tagelöhner- familicn. cS hält nur für seine zahlreichen Gespanne Pscrde- knechte. Diese Leute sind aber alle verheiratet, ungefähr acht solcher Familicn wohnen auf dem Gute. Die Leute sind meist auS Hintcrpommcrn hicrhcrgekomnien und von einer beispiellosen Anspruchslosigkeit. Sie haben folgendes Einkommen: Freie Wohnung, Benutzung eines halben Morgen Gartenlandes, 107 Centner Kartoffeln, Stall für 2 Schweine und 2—3 Ziegen. Bar bezieht der Mann für eine tägliche Arbeitszeit von morgens S'/a bis abends 8Va Uhr monatlich 41 Mark 80 Pfennig. Die Frau muß ebenfalls zu Hofe gehen und erhält dafür 60 Pfennig Tagclohn. Kann die Familie noch eine dritte Arbeitskraft stellen (envachsener Sohn oder Tochter), so erhält dieser dritte Hofgänger 75 Pf. täglich. Wenn drei Familienglieder in dieser Weise arbeilen, so können die Leute auskommen: das heißt sie brauchen nicht fzu hungern. Die freie Wohnung besteht aus drei mäßig großen Räumen: Stube, Kammer, Küche. Da ich nur drei Betten sah, so erfuhr ich, daß in jedem 3 Personen schliefen. Zwölf auswärtige Ehepaare werden in Osdorf alsSchnitter beschäftigt. Sie wohnenin einem besonderenHause; auch hier schlafen die zwölf Ehepaare in drei Räumen, also je vier Paare in einer Stube.— Auf dem Rieselgut Heinersdorf werden keine Schnitter gehalten, da man dort Arbeitshäusler aus Rummelsburg beschäftigt. Tagelöhnerfamilien sind elf in Heincrsdorf. Der Mann verdient hier täglich 1 Mark 25 Pfennig,— in der Accord-Ernte-Arbeit etwas mehr— die Fra» 60 Pfennig. Die Wohnverhältnisse waren ähnlich wie in Osdorf, die Räume aber meist niedriger und düsterer. In der Familie, bei der ich einkehrte, fand ich große Awmt und Verkommenheit. Die Familie besaß nur drei Hölzstühle, der, den man mir zum Niedersetzen anbot, war so wackelig, daß ich den Zusammenbruch sürchtete. Die Familie bestand aus Mann, Frau, drei schulpflichtigen Kindern und einer alten Großmutter. Hier mußte die Fran mit auf Arbeit gehen, und da die alte Frau schwachsinnig war, so war nie- mand da, um die Wirtschaft zu besorgen. In der zweistündigen Mittagspause mußte die Frau kochen, das Vieh füttern, die Ziegen nielken— es blieb ihr kaum Zeit zum Essen. Die sechs Personen schliefen in drei Betten; zwei jämmerlich schmalen und einem Kinderbett. TaS gute Herz. Gegen die neuerdings in Berlin erscheinende Zeitschrift„D a s g u t e H c r z", die sich als illustrierte Zeitschrift für alle Zweige der Humanität und öffentlichen Wohlfahrtspflege" be- zeichnet, erläßt abmnals eine große Reihe von Vorsitzenden und Ver- trctcni öffentlicher, kirchlicher und privater Wohlfahris- und Annen- pflege-Einrichtungen eine Erklärung dahin:„daß sie die genannte Zeitschrift als ein würdiges Organ der Berliner Wohl- fahrtsbcstrebungen nicht zu erachten vermögen und mit den von ihnen vertretenen Einrichtungen dem Unternehmen fern bleiben werden." Anlaß dazu bietet— so heißt es in der Erklärung— der in den bisherigen Ausführungen sichtbar werdende Mangel an Kenntnis und Verständnis der Aufgaben der Armenpflege und Wohlthätigkeit, vor allem aber der mit den ernsten, sittlichen Aufgaben auf diesem Gebiete im schärfsten Widerspruch stehende PerjonenkultuS. der durch Wiedergabe von Porträts und begleitenden Erklärungen getrieben wird. Ebensowenig entsprechen die im Um- schlage aufgenommenen Reklamen den Tendenzen cincS der Wohlfahrtspflege dienenden Organs.— Die Erklärung ist von etwa 50 Herren und Damen lmtcrzcichnet. Einen BiömarckkomuicrS hat der schneidige Teil der hiesigen Studenten Mittwoch im CirkuS Renz abgchallen. Die Festlichkeit zeichnete sich durch nichts als durch die charakteristische LLahl des Lokals ans. Zu dem Geritstcinsturz auf dem Charitögcbändc wird noch berichtet: Die vier Verunglückten wurden Mittwochabend in der chirurgischen Abteilung der Charits von Geheiinrat König selbst operiert. Ihre Namen konnten erst im Laufe des Abends genau festgestellt werden."Verunglückt sind der Manrervolier Karl Bcnthin ans der Kantstr. 10V— er hat einen schweren Oberschciikclbrnch er- litten—, der Zimmerpolier Leopold Haberslroh ans der Kaiser Friedrich- srraßc 39 zu Cbarlottcnbnrg. der einen Arm- und Knöchclbruch davontrug, der Zinimcrinami Richard Richter ans der Putlitzstr. 6, dein Anne und Beine mehrfach gebrochen wurden, und der Maschinist Richard Roock auS der Wöhl'crtstr. 6, der mit einem einfachen Bein- bruch davonkam. Die Verletzungen an Kopf und Brust haben sich als nicht lebensgefährliche Flcischwundcu herausgestellt. Am schwersten liegt Richter darnieder. Eine Gcrichlskomniission, die Staats- amvaltichaft. Vertreter der Ministcrial-Bauko»»nission. und Sach- verständige dcS Polizeipräsidiums untersuchten heute fast den ganzen Vorniittag hindurch die Unfallstelle ans das genaueste. Tcchnikcr zeichnctcn den Trümmerhaufen mit allen Einzelheiten. Die Ver- imiinng, daß es an der Verankerung gefehlt habe, soll sich nach dem Urteil der Sachverständigen nicht bestätigt haben. Di? gerichtliche Untersuchung wird hoffentlich weitere Aufkläning geben. Unter dem Verdacht des Gattcnmordes ivurde in dem rheinischen Städtchen Erpel der vor kurzem ans Berlin dorthin ver- zogcnc Zuschneider Johann R ö h r i g verhaftet, der überführt worden sein soll, am 26. Mai in Berlin seine Ehefrau ermordet und die Leiche an einem Strick in der Wohnnng aufgehängt zu haben, damit die Behörde annehme, die Frau habe sich selbst das Leben gcnoinmen.— Fran Rührig wurde am 26. Mai in ihrer in der drittcn Etage des Seitenflügels Georgcnkirchstraße 58 auS Stube und Küche bestehenden Wohnung an einem Wandhaken erhängt ans- gesunden. An dem fraglichen Tage nachmittags gegen Vs6 Uhr erschien Rührig bei dem HanScigentümcr Andaner und machte die Mitteilung, daß sich seine Frau getötet habe. Röhrig, der als Maßschncider mehrere Jahre hindurch in verschiedenen Schneiderwerkstätten beschäftigt war. jedoch seit 15. April außer Arbeit stand, eilte sodann nach der 18. Polizeiwache, um auch bicr die nötige Meldung z» erstatten. Rührig hatte sich im Jahre 1893 verheiratet, und der Ehe waren zwei Kinder, die jetzt fünfjährige Wanda und die zweijährige Antonie, entsprossen. Die Gatten lebten in gulent Einvernehmen, wenngleich es zwischen der eifersüchtigen Frau Röbrig und ihrem jähzornigen Manne hin und wieder zu Streitigkeiten kam. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Obdultion ergab keinen Anhalt für die Schuld'eines Dritten: es konnte nur festgestellt werden, daß der Tod durch Erstickung eingetreten sei. Die Leiche wurde daraufhin freigegeben, und bei der Beerdigung war auch Rührig auf dem Begräbnisplatz anwesend, anscheinend über den Tod seiner Fran ganz verzweifelt. Mit Einverständnis des Wirtes wurde am 2. Juni der Mictsvertrag mit Röhrig aufgehoben und der Witwer zog zwei Tage daraus nach seiner Heimatstadt Erpel. Bei den Anwohnern der Eeorgenkirchftraße wurde jedoch über den angeblichen Selbstmord noch lange gesprochen. Immer mehr und mehr Angaben tauchten aus. die zu der Annahme führten, daß ein Verbrechen vorliege, und die fortgesetzten Nachforschungen der Nevicrpolizei förderten so viel Belastungsmaterial, daß das hiesige Polizeipräsidium die nochmalige Festnahme des Rührig verfügte. Wie aus dem Telegramm der Behörde in Erpel an das Polizei- Präsidium hervorgeht, hat der Schneider bereits das Geständnis ab- gelegt, seine Frau im Streit mit einem Strick erdrosselt und sie dann aufgehängt zu haben. Der Mörder wird sofort nach Berlin gebracht. Unfall im Strastenbahnverkelir. Um dem drohenden Zu- sammcnstoß eines elektrischen Straßenbahnwagens mit einem Arbeits- fuhrwerl zu cutgehen, sprang gestern Vormittag vor dem Neubau Französischeslraße 42 der Referendar v. N. von dem Hinterperron des Straßenbahnwagens ab. Während bei der Karambolage zivischcn beiden Wagen lediglich Materialschaden verursacht wurde, ist der junge Mann leider sehr schwer verunglückt. Er stürzte zu Boden und wurde von dem Arbeitssuhrwerk überfahren. In der Unfall- station XIII konstatierten die Acrzte eine Knöchelzermalmung und einen komplizierten Schenkelbruch. Eine Amputation des verletzten Beines scheint unmugünglich zu sein. Der Bedauernswerte wurde später nach der königlichen Klinik übergeführt. Einer armen HandelSfran, die im Lokal des Herrn Cibnlsky in der Eldcnaerstraße eine Kuchenbude gemietet hat, ist von Dieben der ganze Kuchenvorrat gestohlen worden. Durch den Einbruch wird die arme Frau um so härter betroffen, als ihr Mann seit dem 20. April im Ärankcnhause liegt und sie sich das Geld zum Ankauf ihrer Warenvorräte borgen müßte. Wer Auskunft über die Diebe geben kann, wird gebeten, sich bei Herrn Cibnlsky zu melden. Ueber einen Aufsehen erregender« Vorfall im Hauptpostamt �n Edinburg, der sich Somiabcndnacht ereignet hat, werden jetzt /olgcnde Einzelheiten bekannt: Ein Sack nnt Lokalpostsachen war«n der Sorticravteilinig entleert worden und eine Reihe von Muster- sendungen war in einen besonderen Korb gcthan worden. Einer der Beamten trug den Korb von einem Tisch nach dem andern hinüber«md ließ ihn zufällig fallen. Eine heftige Explosion, der eine große Stichflamme folgte, setzte das ganze Postamt in die größte Aufregung, doch gelang eS. da« Feuer auszulöschen. ehe weiterer Schaden angerichtet war. Bei näherer Prüfung der Pakete, aus deren Mitte die Explosion! erfolgt war. stellte sich heraus, daß eine der Sendungen eine leere Sardinenbüchse enthalten hatte. in die ein Sprengstoff hineingethan worden war. Außerdem befand sich in der Büchse eine dünne, 8—9 Zoll lange Messingröhre und ein scharf zugespitztes mchrzölliges Stück Stahl, das an ein dünnes I Fuß langes und 2 Zoll breites Stück Holz befestigt worden war. Das Ganze hatte der Absender in starkes, braunes Papier ein- gewickelt und an einen Herrn im Süden von Schottland adressiert. Näheres über die Berdachsgründe ist bisher noch nicht verlautet. Ucber den flüchtigen Kaufmann Ernst Mond»IIa» Levy veröffentlicht der„Konfektionär" einige bemerkenswerte Enthüllungen. Mond ist der Sohn eines angeschenen Tuch- Grossisten in Aachen und hatte die Erlaubnis, sich Mond zu nennen, da seine Mutter eine geborene Mond Ivar. In Aachen errichtete er in der Bahnhofstr. 28 ein Tnch-Engros-Geschäft. Durch das Ansehen, welches sein Vater in Aachen genoß, war es ihm leicht möglich, Kredite in beträchtlicher Höhe zu erlangen. Er lebte aber schon damals auf großem Fuße und machte sich durch sein arrogantes Wesen bald mißbeliebt. Ans dem Tnch-Engros-Geschäft entstand dann das erwähnte Unternehmen, welches sich unter dem hochtrabenden Namen„Internationaler Schncidcr-Verband Union" Eingang verschaffen sollte. Hier entfaltete er nun eine Reklame, die ins Lächerliche hinüberspielt. Die bei ihm kaufenden Schneidermeister sollten mit einer bestimmten Summe auf ihr Leben versichert werden: sie sollten ferner Teilnehmer an einem Lotterieloselffsein, ohne dafür etwas zuibezahlen. Endlich reihte er seinem Geschäfte Waren an, die sonst kein Tuchgeschäft zu führen pflegt. Im April d. I. ließ er sich dann(wie bereits berichtet) in der Rosen- straße 17 im Kaufhause Leipzig, 4. Etage, nieder. Das Berliner Etablissement war gewissermaßen eine Fortsetzung des Aachener Ge- schästs, da er stck dort ziemlich unmöglich gernacht hatte. Er setzte auch hier sein höchst eigenartiges Geschäftsgcbahrcn fort, und wirklich ließen sich wieder einige Firnten belhören, ihm Kredit einzuräumen. Noch bis vor 14 Tagen versandte er Cirkulare, ans welchen er an- zeigte, daß die Herren Hermann Fcldhege aus Wattenscheid und August Fritz ans St. Fraucisco als Teilhaber in die Finna eintreten wurden. Genannter Herr Feldhcge hat sich auch wirklich überreden lassen, dem Schwindler 35 000 M. aiiziivertraueu. Au Waren schuldet Mond-Levy für LI 000 M. Im ganzen hat er in 3 Monaten die Kleinigkeit von 116 000 M. durchgebracht. Besonders sind rheinische Tuchfabrikanten mit Beträgen bis zu 5000 M. geschädigt. Tic Kultur dcS Aiisichtöknrtcn-SstortS, die alle Welt beleckt und Sic Scheiiswiirdigkeitcn dieser herrlichen Erde in so erdrückender Fülle einporwucheru läßt, als wären es Argumente gegen die Zucht- hanS-Borlage— diese schöne und zuweilen auch bildende Kultur konnte und' durste sich auch die Socialdcinokratie nicht entgehen lassen. Der ernste Eharaktcr der Partei brachte es mit sich, daß die Bilder, die, mit einer Fiinfpfcmiig-Marke versehen, geeignet sind, selbst ins duiikelste Ostclbicn hinein einen Strahl vom Lichte der Aufklärung zu bringen, bisher nur ernste Probleme, wie den Acht- stnndcntag und das' Maifcst der Arbeit in der gemessenen Form ernster Klinst symbolisierten. Dem Humor und der Satire war in der social- dcinolratischcnAnsichts-Poslknrte eigentlich mir inbcscheidencmMaße ihr Recht geworden. Solchen Mangel hat die Verlagsanstalt von I. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart zu ersetzen gewußt, indem sie dieser Tage eine Bilderscric ans dem„Wahren I a k o b" als Ansichtskarten herausgab. Besonders glücklich gemacht sind die Bilder„Eine Vollsschnle in Ostpreußen",„Aus dem Lande der geflickten Strohdächer",„Ans der deutschen Socialreform unter dem ZlichthansknrS",„Die Stoten per Rad" u. a. m. Wir hoffen, daß der Verlag des„Wahren Jakob" in dem einmal begonnenen Werk nicht erlahmt und bald mit einer Fortsetzung der ersten Serie aufwartet. Warum soll der AnsichtSkarten-Sport sich nicht zu einem ebenso verwendbaren Agitationsmittel der Socialdcmokratie auS- üildcn wie der anfänglich auch zum Teil mit Mißtrauen betrachtete Radsport? Im Tiergartcn erhängt anfgcfntidcn wurde am Mittwoch in der Nähe der Kaiser Friedrich-GcdächtniSkirche ein unbekannter, etwa 50 Jahre alter Mann, seiner äußeren Erscheinung nach ein Arbeiter. Der Mann ist etwa 1,55 Meter groß, hat bereits ergrautes Haar, cincu rötlich-blonden Schnurrbart und trug ein schwarz geripptes Jackett und Weste, gran-braune Beinkleider,' ein gestreiftes Parchcnd- Hemd, neue graue Mütze und Halbstiefel mit Blättern. Ein Aufsehen erregender Vorfall ereignete sich, wie uns von einem Augenzeugen mitgeteilt wird, in der Nacht zum Donnerstag gegen 11 Uhr in der Oranienstraße. Der vor dem Gebäude der Staatsschnldeii-Vcrwaltuung stehende Posten begann plötzlich heftig zu gestikulieren und niachte mit den Armen und Beinen allerlei turnerische Bewegungen, wie Kniebeugen und Armstrecken«e. Als sich infolge dieses Gcbahrcns eine Menschenmenge um den Soldaten angesammelt hatte, legte er plötzlich das Gewehr an und zielte in die Umstehenden hinein, glücklicherweise ohne zu schießen. Der bald darauf kommenden Ablösung wurde der Borfall mitgeteilt. An- scheinend handelt es sich»in einen plötzlich eingetreteiien Wahnsiuns- anfall. Feuerbericht. In der Nacht zum Donnerstag wurde die Bcr- liuer Feuerwehr nach Neu-Weißensce gerufen, wo Streu- straße 125 ein großer Dachstuhl in Flammen stand. Da noch mehrere Orts-Feucrwchrcn aus der Umgegend mit eingriffen, konnte das Feuer bald gelöscht werden. Bald darauf erfolgte Chaussee- straße 23 im Keller des Quergcbäudes eine Gasexplosion, die jedoch wesentlichen Schaden nicht anrichtete. Aus den Nuchbam'te». Adlershof. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß morgen abend 81/, Uhr im Lokale von Schmauser eine B o l k s v e r s a m'm» lnng stattfindet, in welcher Genosse Adolf Hofstnann über: KoalitionS- sreiheit und Znchthnnsgesctz referieren wird. Zur Agitation für diese Versammlung findet heute, Freitagabend 70« Uhr, eine Flugblatt- Verbreitung vom Lokal Schmauser aus statt. Um rege Be- teilignng ersucht der Vertrauensmann. Rixdorf. Ucber die Giltigkeit der Stadtverordneten- Wahlen hatte gestern die hiesige Stadtverordneten- Versammlung zu beschließen. Die WahlprüftmgS-Kommission schlägt vor, sämtliche Mandate für giltig zu erklären. Nach kurzer Debatte, in der nur noch die Giltigkeit der Wahl des Gc- iwstcn Ostermann bezweifelt wurde, und zwar nur von Herrn Otto, stimmte die Versammlung mit überwältigender Majorität dem Kommissionsvorschlage zu. Damit ist der Feldzng gegen die acht socialdcmokratischcn Hausbesitzer, den Herr Beiß eingestandenermaßen durch einen von Herrn Gentsch gc- zeichneten Protest eingeleitet hatte, kläglich gescheitert. ES wurden dann verschiedene Abänderungen nud Ergänzungen des Bebammgsplanes beschlossen. Genosse M i t s ch k e stellt den Antrag, den Magistrat zu ersuchen, daß er schleunigst für die Freilcgung der Bürgcrstcige in der Ziethenstraße von den dort lagernden Stein- und Sandmasscn sorgen möge. Stadtbaurat W e i g a n d teilt darauf mit, daß der Magistrat schon den Steinsctzmeister Otto an- gewiesen habe, die Pflasterung in der genannten Straße fortzusetzen. Der Not gehorchend, habe darauf Herr Otto die Forderungen der streikenden Steinsetzer bewilligt. Trotzdem habe der Unter- nchmer nicht genug Gesellen bekonmicn, so daß die Arbeiten mir langsam fortschritten. Hieran knüpfte sich eine kurze, aber desto erregtere Debatte. Stadtverordneter Otto erzählte eine Schauer- mär von Steinsetzern, die ihm ans der Not hätten helfen Ivollcn, falls er eine falsche Urkunde beschaffe, die sie zu Regiearbeitern der Stadtgcmcindc stempele. Herr Otto nannte die betreffenden Leute„socialdcmokratische Genossen", was bei der social- demokratischen Fraktion einen wahren EntrüstungSswrm entfesselte. Die Genossen Conrad. Mitschke und W u tz k y wandten sich energisch gegen den Herrn. Wenn seine thatsächlichen Angaben stimmten. dann handele es sich nicht um Sozialdemokraten. Im übrigen glaube man Hern, Otto nichts, bis er den Beweis für seine Angaben er« eins Mit der Durchberatung eine neungliedrige Kom- einem Ortsstatut zu, durch auf die in der Land» und ausgedehnt wird. Ein bringe. Auf die dringende Auffordenmg. Namen zu nennen, schwieg Herr Otto, und der Borsteher Sander lehnte es ab. ihn kraft seiner Autorität besonders darum zu ersuchen. Den Antrag Mitschke er- klärte die Mehrheit der Versammlung durch die Erklärung des Stadt- baurats für erledigt und ging darüber zur Tagesordnung über.— Der Antrag des Magistrats, ein Gewerbegericht zurichten, wird angenommen. des vorschlagenen Ortsstatuts wird Mission betraut. Ferner stimmte man welches die Krankenversicherungspflicht Forstwirtschaft beschäftigten Arbeiter Magistratsantrag, sechs Freistellen in der Brandenburgischen Kinder Heilstätte zu Kolberz zu begründen, fand ebenfalls einstimmig An nähme. In Oberschöneweide hält der Arbciter-BildungSverein Sonn- abendabend 8�/» Uhr seine, Sitzung bei Haferland ab. In Reinickendorf spricht in der am Sonntagmittag 12 Uhr Scharnweberstt, 120 stattfindenden Volksversammlung Frau Ihrer über die Zuchthausvorlage. Charlottenburg. Die Stadtverordneten»Ver s>a m m l u n g beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Jnter� pellation des Stadtv, Otto und Genossen betr, die Regelung der gewerblichen Beschäftigung schulpflichtige Kinder. Die Interpellation hat folgenden Wortlaut:.Beab sichtigt der Magistrat, mit der hiesigen tgl. Polizeidirektion in Ber Handlungen zu treten, um«ine Berordnung zu veranlassen, die be stimmte gewerbliche Beschäftigungen schulpflichtiger Kinder von abends 7 Uhr bis morgens 7 Uhr verbietet? Für den Fall, daß VerHand vor einem geplanten Selbstmord ihren ISjahrigen Sohn in einem Anfall von Geistesstörung durch drei mit einem Hammer geführte Schläge am Kopfe erheblich verletzt hat, jetzt ausgeführt. Die Frau welche an ihrem Kinde mit großer Zärtlichkeit hing, wollte es aus Mutterliebe mit sich ins Grab nehmen. Nachdem sich die Be dauernswerte. die sich infolge eines unheilbaren offenen Bernschadens eine Nervenüberreizung zugezogen hatte, von dem Anfall am letzten Sonntag wieder etwas erholt hatte, reiste sie zu ihren Eltern nach Schlesien von wo aus am gestrigen Mittwoch der Mann die Nach richt erhielt, daß sich seine Frau durch Erhängen entleibt habe. lungen bereits geflogen sind: Welches ist ihr Ergebnis? 'Wenn sich' die Erörterung, statt die so wichtige Frage der Beschäftigung von Schulkindenr eingehend zu behandeln, nur in sehr engem Rahmen bewegte, so mag hieran zum Teil der Interpellant selbst schuld sein,' der nicht so weit ging, daß er die gewerbliche Kinderarbeit überhaupt verboten wissen will, sondern in echt manchesterlicher Gesinnung den durch die Kinderarbeit er- zielten Verdienst eine hohe wirtschaftliche Bedeutung beimaß und ocshalb nur die Beseitigung der schreiendsten Mißstände auf diesem Gebiete verlangte. Und doch hätte der Redner nach seiner Schilde rung der nachteiligen Folgen, die die Kinderarbeit sowohl in päda� gogischer als in allgemein sittlicher Beziehung hat, zu dem einzig richtigen Schluß kommen müssen, daß die gewerbliche Nebenarbeit der Kinder überhaupt beseitigt werden müßte. Im einzelnen betonte der Interpellant, daß gerade Charlottenburg der Frage der gelverfr lichen Nebenbeschäftigung der Kinder schon seit längerer Zeit ein lebhaftes Interesse entgegengebracht habe. Veranlaßt durch eine statistische Aufnahme, die im März 18Sö Rektoren und Lehrer ver- anstalteten, habe der Magistrat sowohl im Hochsommer 18VS wie am Schlüsse des Wintersemesters 18S5/g6 das in Bezug auf die gewerbliche Beschäftigung schulpflichtiger Kinder in Charlottcnburg zu ermittelnde Material'zusammenstellen und nach gewissen Gc sichtSpunkten bearbeiten lassen. Besonders der letzte Bericht verdiene die größte Beachtung und habe sie auch gc funden. Danach wurden in Charlottcnburg 340 Knaben und 7g Mädchen beschäftigt und zwar IIS vor 4 oder VsS Uhr morgens, 31 noch nach 10 Uhr abends. Eine Beseitigung der Mißstände sei möglich auf Grund einer Entscheidung des Kammcrgerichts vom 7. November 18S8, wonach eine Polize'lverordnung rechtsgültig gc worden sei, die für die Zeit von 7 Uhr abends bis 7 Uhr' morgens schulpflichtigen Kindern das Austragen von Backware, Milch. Zeitungen und anderen Gegenständen, Kegelaufsetzcn und sonstigen Verrichtungen in Schaukwirtschaften, sowie Aufwartedieuste und Handel mit Blumen und anderen Gegenständen verbiete. Aus der Antwort des Stadt schulrats Dr. Neufert ist hervorzuheben, daß schon im März Vertreter des Magistrats Verhandlungen mit der Polizeidirektion angebahnt haben. Diese Ausführungen des Stadtschulrats wurden durch den Bürgermeister Matting dahin ergänzt, daß mit Rektoren und Lehrern Rücksprache genommen sei. Die einen hätten sich für einen Polizeicrlaß ausgesprochen, die anderen für jedesmalige Vcv Mittelung durch Lehrer bei Fällen, in denen die Sittlichkeit oder Gesundheit der Kinder gefährdet sei. Als im vorigen Jahre im Reichstag ein Antrag eingelaufen sei, der die Regelung der Kindev arbeit durch Reichsgesetzgcbung bezweckte, habe die städtische Schub Verwaltung die Sache dilatorisch behandelt. Schließlich sei sie aber, da der Antrag im Reichstage nicht zur Verhandlung gelangte, mit der Polizei in Verbindung getreten. Er bedauere,' daß seitdem seitens der Polizei keine Benachrichtigung über den Gang der Arbeiten eingegangen sei, nehme aber niit dem Stadtschulrat an, daß sie keinen Aufschub erfahren hätten. Mit der Bitte des Stadtv. Dr. I a st r o w, der Magistrat möge bei der Polizei darauf hinwirken, daß der Plan, die Angelegenheit einheitlich für Berlin und die Borofte zu regeln, einem vorlausigen Polizei-Erlatz für Charlottenburg nicht hinderlich sei, schloß die Ver Handlung. Rixdorf. Den Mitgliedern des socialdemokratischen Verein „Vorwärts" zur Nachricht, daß am 11. Juli die Generalversammlung stattfindet. Wir ersuchen die Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, ihre Verpflichtungen beim Kassierer Gust. Müller Kirchhofstr. 2S resp. in den Zahlstellen des Vereins zu regeln. Zu- gleich machen wir darauf aufmerksam, daß in den Zahlstellen auch Billets zur Treptower Sternwarte a 25 Pf.(für Führung durch das Astronomische Museum, Erklärung des Ricfenfcmrohrs sowie Astrono- mischen Vortrag mit Lichtbildern) und 50 Pf.(für Beobachtung mit dem Riesenfernrohr) zu habe» sind. Die Sternwarte ist täglich von 2 Uhr nachmittags bis 12 Uhr nachts geöffnet. Zahlstellen des Vereins sind bei: Köpke, Restaurateur, Karlsgartcnstr. 1, Retzerau, Cigarrengeschäft Hermannstr. 50, Klein, Restanrat. Kaiser Friedrich- stratze 236, Münzer, Reftaurat. Bergstr. 7, Herrinann, Cigarrcngesch. Kirchhofstr, 1, Sy. Restanrat. Jägcrstr. 6ö, Beetz, Nestaurat. Knese« beckstraße 135. Siehe später Annonce und Säulenanschlag. Der Vorstand. RuS Rixdorf. Ein Mord- und Selbstmordversuch rief am Mittwochabend im Hause Erkstr. 4 große Auftcgung hervor. AIS der im genannten Hause wohnhafte Schlosser Grauer abends von der Arbeit kam, fand er die Korridorthür seiner Wohnung verschlossen, auch wurde ihm auf wiederholtes Klopfen und Klingeln nicht ge- öffnet, obwohl nach Angaben anderer Hausbewohner seine Frau mit ihrem 14 Monate alten Kinde in der Wohnung sein sollte. Schließlich gelang es, mit einem fremden Schlüssel die Wohnung zu öffnen. G. fand Frau und Kind im Bett. Der Knabe war tot, während die Mutter noch lebte. Da Frau G. infolge eines langjährigen Nervenleidens schon wiederholt Selbstmordgedanken hatte verlauten lassen, ver- mutete G. eine Vergiftung und flößte der Besinnungslosen Milch zum Erbrechen ein, was auch Erfolg hatte. Auf Anordnung eines inzwischen erschienenen Arztes wurde die Lebensmüde sodann nach dem Britzer Kreiskrankenhaus transportiert, wo man die Hoffnung hegt, die Kranke am Leben zu erhalten. Die Leiche des Kindes wurde von der Polizei beschlagnahmt, ebenso der in der Wohnung gefundene Rest des Giftes, anscheinend Schwefelsäure.— In den letzten Tagen sind wieder mehrere Fälle vorgekommen, in welchen eine unbekannte Frauensperson Kinder, die von den Eltern zum Einholen geschickt waren, um Geld oder Waren beraubte. Leider konnte die Thäterin noch nicht gefaßt werden.— Der in der Hobrccht- straße wohnhafte Schleifer Wilhelm Heerkholz und dcffeu Ehefrau wurden unter dem Verdacht verhaftet, sich in zahlreichen Fällen gegen § 219 R.-St.-G.-B.(Verbrechens tvider keimendes Leben) vergangen zu haben. Die Verhafteten sollen namentlich in der Provinz einen großen Kundenkreis gehabt haben. Frau H. ist wegen des gleichen Vergehens, das ihr jetzt zur Last gelegt wird, bereits mit Zuchthaus vorbestraft. Verschwunden ist von Eh arl otten b u r g aus der 21 Jahre Gevichks-Zeikimg. Die Brüsseler Spitzen der Frau Lona Barrison bildeten den Mittelpunkt einer Diebstahlsanklage, die gestern das frühere fimmermädchen Henriette B u t t k u s vor die Berufungskammer des andgerichts I führte. Bei ihrer letzten Anwesenheit in Berlin wohnte Lona B. in einem Hotel Unter den Linden; sie scheint sich aber bei dem Direktor des Hotels keiner großen Beliebtheit als Hotelgast erfteut zu haben. Die Angeklagte stellt wenigstens die Behauptung auf, daß der Direktor zu kleinen Chikanen des Personals' gegen Fr. B. nicht nur ein Auge zugedrückt, sondern solche ganz gern gesehen habe— angeblich, weil er die Hoffnung hatte, daß auf diese Weise der ihm nicht genehme Hotel gast veranlaßt werden würde, das Hotel bald wieder zu Verlasien. Die Angeklagte ersann nun ein seltsames Mittel, um Lona Barrison zu ärgern: sie nahm eines Tages aus dem Zimmer der B. zwölf Meter Brüsseler Spitzen, die dazu bestimmt waren, am Abend die Künstlerin bei ihrem Auftreten im Apollo-Theater zu schmücken. Sie hatte die Spitzen zunächst schleunigst in das Bett eines anderen Hotelgastes gesteckt, der höchst erstaunt darüber war, als er den weiblichen Tand in seiner Lagerstätte vorfand. Er meldete den Vorfall; man legte die Spitzen zunächst wieder in den Versteck, paßte aber auf die Angeklagte auf und faßte sie ab, als sie ihre Beute aus dem Hotel hinausbringen wollte. Die An- geklagte hatte vergeblich versucht, dem Schöffengericht klar zu machen, daß es ihr nur darauf angekommen sei, auch ihrerseits die B. zu ärgern, um sie zum Verlassen des Hotels zubewegen. Das Schöffen- gericht glaubte diese Ausrede nicht, sondern verurteilte die Angeklagte wegen Diebstahls zu einem Monat Gefängnis. Die siebente Straf- kammer erkannte gestern auf Verwerftmg der hiergegen eingelegten Berufung. Eine ganze Reihe von Irrenärzten hatte gestern in einer vor der sechsten Strafkammer verhandelten Anklagesache mitzuwirken. Der Buchhalter Fritz B I e i s e ist, wie wir seiner Zeit berichteten, wegen Beleidigung, Körperverletzung und Wider- st a n d e s zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Am 2. August v. I. war in der Greifswalderstraße eine' Frau auf der Mittelpromenade auf- und abgegangen, um ihren Ehemann zu envarten. Plötzlich wurde sie von dem Angeklagten von hinten um die Taille gefaßt. Dev' Ehemann hatte diesen Vorgang aus der Entfernung beobachtet und war infolge dessen herbeigeeilt. Als er den Bleise wegen seines Betragens zur Rede stellte, erhob dieser seinen Spazier- stock und versetzte ihm damit einen Schlag über den Kopf. Dann trat ein Schutzmann dazwischen, aber auch gegen diesen ging Bleise thätlich vor, wobei er heftige Schimpsworte gebrauchte.— Gegen das Urteil des Schöffengerichts legte der Vertheidiger Rechts- anwalt Dr. S ch w i n d t Berufung ein, iveil er den Nachweis führen zu können glaubte, daß der Angeklagte an jenem Abend angetrunken gewesen und ein so hochgradig nervöser Mann sei. daß er nach dem Genuß von Alkohol in den Zustand vollkommener Sinnlosigkeit gcrathc. Der Angeklagte hat bald nach dem ersten Termin in die Charits gebracht werden müssen, wo er fünf Wochen ivegen Geisteskrankheit behandelt wurde. Infolge dieses Zwischen- falles stellt der Verteidiger Anträge auf umfassendere Beobachtung des Geisteszustandes des Angeklagten; diese hat stattgefunden und ihre Ergebnisse wurden gestern von den ärztlichen Sachverständigen Dr. A. M o I l, Dr. M ü l I e r h e im, Prof. Dr. K o e p p e n und Sanitätsrat Dr. L e p p m a n n dem Gerichte unterbreitet. Danach ist es wahrscheinlich, daß der Angeklagte sich bei der That im Zustande krankhafter Störung der Geisteskräfte befunden hat, die die freie Willensbestimmüng ausschloß. Der Gerichtshof erkannte daher auf Aufhebung des ersten Urteils und Freisprechung des Angeklagten. VevsÄmmlungen. Die Stuccatcurc überwiesen in ihrer letzten Versammlung den treikenden Steinsetzern 100 M. Bekannt gegeben wurde, mtz am Montag, den 26. d. M.. abends 6 Uhr, bei Buske. Grenadier- 'traße 33, eine öffentliche Versammlung stattfindet, welche sich mit der Aussperr ring der Maurer befassen wird. Schließlich ivird darauf aufnrerksam gemacht, daß der Zuzug nach Leipzig streng crnzuhalteu ist. Rcinickcudorf. Der Socialdemokratische Wahl- verein hielt am Sonnabend, den 17. Juni, seine Mitglieder- Versammlung in Böttchers Seepark ab. An stelle des nicht erschienenen Referenten hielt Genosse R a d e ck e einen kurzen Vor- trag über„Ist es notwendig, daß der Arbeiter politisch und gewerk- 'chastlich organisiert ist?" Redner kommt zu dem Schluß, daß es Pflicht jedes aufgeklärten Arbeiters sei, beiden Organisationen an- zugehören. In der Diskussion traten G r a mm und Klingmann dem Referenten entgegen und legten das Hauptgewicht auf die politische Bewegung. Man einigte sich dann, die Debatte im Diskutierabend fortzusetzen. alte Pionier Paul K u d e l k a vom 13. Pionierbataillon zu Königsberg. Ihren Vorsatz, straße zu Schöneberg sich z» töten, hat die Frau deZ in der Bahn- wohnenden Rcstaurateurs. welche am Sonntag Nrbeiter-Bildungsschnle. FreitagS: Geschichte(Die deutsche Lttteratur in den letzten 50 Jahren). Schriftsteller Dr. Rudolf Steiner. Lese- und Diskntierktubs. Freitag.„Dietzgen", Schröder, Wiesen- straße 38.—„Karl Marx", Raumann, Blücherslr. 42.—„Stralau", Girbig, Stralau Nr. 17.—„Reimer", Seidel, Gcrichtstr. 19. Arbeiter-Sängerbund Berlins und der Umgegend. Vorsitzender Adolf Neumann, Brunnenstr. 150.— Alle Acnderuugen im Vereins- kalcnder sind zu richten an Friedr. Kortuni, Lausitzerstr. 33.— Freitag. vcbungöstunde abends 9—11 Uhr. Aufnahme von Mitgliedern.— „Kaiser'scher Männerchor", Wernau, Schwedterslr. 23/24.—„Nord", Adolf Neumann, Brunnenstr. 150.—„Unverzagt I", Vatteröth, Skalitzerstr. 51/52.— Buchbinder Männerchor", Fürstenhof, Köpnickersir. 137/38.—„Vereinte Sangesbrüder Moabits", Psarr, Puttlitzstr. 10.—„Maiglöckchen", Sachse, Lindowcrstr.26.—„Gemütlichkeit"(Putzer), Krüger, Seydelstr. 30.—„Morgen- rot l", Charlottenbnrg, Leder, Bismarckstr. 74.—„Tyrographia", Arnimhallen, Kommandantcnstr. 20.—„Georgina", Dembietzki, Gürlitzcrstr. 52.—„Rheingold", Feind, Weinstr. 11.—„Rosenthaler Vorstadt", Geike, Swinemünderstr. 26.— „Iris", Marnn, Naunynstr. 86.—„Männer-Gesangverein", Brandenburg a. H., iviengert, Bergstr. 6.—„Liberte", Vogel, Wrangelstr. 78,—„Freie Liedertafel", Mann, SttauSbergerstr. 3.—„Nordwacht", Milbrodt. Müllerstr. 7.— Sängerkrcis", Neu-Weißensee, Korostewitz, Friedrichstraße 5.—„Ein- tracht II", Eberswalde, Hagewald, Eisenbahnstr. 66.—„Döller- frühling"(Stuccateure), Greiser, Oranienstr. 109.—„Neue Zeit", Lorenz, Watt- u. Voltastr.-Ecke.—„Liederkranz", Brandenburg a. H., Bergstr. 6.— Klingniüllerscher Männerchor", Weißens«, König-Chaussee 38.—„Karthaus- Killnmerfcher Männerchor", Göbel, Landsberger Allee 156.—„Freie Sänger II", Spandauer Brücke 13.—„Treptow" in Treptow, Scheer, Baumschulenweg.— Metallarbeiter-Oslen", Tabert, Markuöstr. 14.—„Treue", Nowack, Manteuffel- straße 9.—„Arion", Rixdorf, Eschert, Erkstraße 8.—„Sangesblüten", Conrad, Marsiliusstr. 8.— Gesang».„Maurer Rirdors-Britz", Rirdorf, Kramer, ' crmannstr. 199.—„Treu und Einigkeit", Rirdorf, Wutzler, Bergstr. 24.— lesangv. der„Putzer", Schiller, Rosenthalerstr. 57.—„Moabiter Lieder- kränz", Nolting, Turmstr. 30.—„Freie Sänger I", Heegermühle b. Eberswalde, Baugatz, Jagdschlößchen.—„Rosalia", Plaen, Königsbergerstr. 34.— Ruf", Manegold, Licgnitzerstr. 18.—„Rosenrot", Quade, Schwedenstr. IIa. „Sängerhort", Sander, Köpnickerftr. 158.—„Schuhmacher Berlins", Weigmann, Andreasslr. 82.—„Alliance", Kaiser Franz Grenadierplatz 7 (Restaurant). Arbcircr-Naucherbund Berlins«ud der Umgegend. Aendemngen im Vereinskalcnder sind zu richten an Eugen Raschke, Ripdorf, Mahlower- straße 1, IV. Freitag:„Gennania", Kubatzkt, Arndtstr. 25.—„Frohe Stunde", Gauger, Alexandrinenstr. 122. Gesang-, Turn- und gesellige Bereine. Freitag. Athletenv. „Felsenfest", Böttcher, Krautstr. 6.— Musikv.„ilrion", Gabriel u. Jäger, Zehdenickerstraße.— Rauchklub„Ohne Zwang", Spät, Weinstr. 28.— Turnv.„Gesundirunnen", abend» von!S>/,-10V, Uhr: 1. Männerabi., Pankstraß« 9-10.— Turnv.„Osten", Blumenstr. 63a, 8'/,— 10 Uhr(Lehrlingsabteilung); Krautstr. 49, von 8— 9>/z Uhr(Damenabt.).— Milsikvereiii ..Allegietto", Blüch-rstr. 38.- Skatklub„Gemütlichkeit", Restaurant Patzenhofer, Lausitzer Platz 10.— Skatklub„Geschlossener Grand", Simon, Blumenstr. 46.—„Arbeiter-Turnv. Weißens«", Turnstunden abends 8—10 Uhr Albrechtshof, Parkstraße.— Beranügungsv. der„Jnkasio-Agenten", Sitzung jeden Freitag nach dem 1. und 15. im Monat, NeneS Klubhaus, Kom- mandantenstr. 72.— Zitherv.„Tyrol", Waldemarstr. 13. Zlrbciter-Turnerbund. Freitag. Turnv.„Fichte", Berlin. AVdS. von 8—10 Uhr: 2. Männerabt. Skalitzerstr. 55—56. 4. Männerabt.: Stephanstr. 3. 5 Männerabt. Ackerstr. 67. 6. Männerabt. Stallschreiber- straße 54. 1. LehrlingSabt. Fricdenstr. 37. 3. Lehrlingsabt. Boeckhstr. 17/20. 1. Damenabt. Mariannen-Ufer la.—„Freie Turnerschast", Ripdorf-Britz. 3. Schülerabt. von ö>/,— 8>/, Uhr. 3 Männer- und Lehrlingsabt. von 8'/,— 10'/, Uhr ab ds., Hoffmann, Bergstr. 151/152— Turnerschast d B.„Nereus" (gegr. 1882), Männerabi. von 8—10 Uhr abds., Reichenbergerstr. 131/132 Damen-Abt. v. 8—10 Uhr abds., Manteuffelstr. 7.— Turnverein„Eiche", Köpenick, Männer- und Jugsndabteilung von 7'/, bis Oft, Uhr abends, Hotel Klein am Wilhelmsplatz.— Turnv.„Froh u. Frei", Grob-Lichterfelde, P-gel, Chauffeestr. 104, 8'/,- 10»/, Uhr abds. Schwimmverein„Gut-Naß", Uebungsstunde jeden Freitag im Admirals- gattenbad, Friedrichstrabe 102. Arbeiter-Schwimmerbund. Anfragen an E. Bratke, Schulstr. 24. Schwimmklub„Nepwn", Weißensee, abends 7»/, Uhr, im Seebad Weißensee. — Schwimmklub„Vorwärts", abends 7»/, Uhr, Ratiborstr. 14b(altes Studentenbad). Arbeiterverein„Vorwärts", Kopenhagen. Jeden Freitag im Verkehrslokal, Karsgade 49: Versammlung. Daselbst beftndct sich auch die Bibliothel des Vereins. Die nach Kopenhagen kommenden Genoffen wollen dies beachten. Socialistenklub»Vorwärts", Chriftiania. Cass Keffer, Olaf KyeS Plads 8. Vevmifitzkes, Im Kieler Hafen brachte starker Seegang das Fahrzeug de? Bootsmanns Jensen, das Passagiere nach dem Schulschiff„Chariotte" brachte, zum Rentern. Jensen ist ertrunken, die Passagiere wurden gerettet. In Hamburg ist gestern der Alsterpavillon geschlossen worden. Das altberühmte Cafehaus wird abgebrochen. Lynchjustiz. Dem„New Dork Herald" wird aus Rio de Janeiro gemeldet: In Rio Grande drang der Pöbel in das dortige Ge- fängnis und lynchte einen Franzosen, der wegen eine? an einem dreijährigen Mädchen verübten Verbrechens angeklagt war. Der Franzose wurde vom Pöbel gemartert und sodann lebendig ver- brannt. Marktpreise von Berlin am 21. Jsuni 1899 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. »)WeIzen D.-Ctr. »)Roggen jFutter-Gerfie„ Hafer gut„ „ mittel» „ gering» Richtstroh» Heu» ft/Erbsen -fsSpeisebohnen sisLinsen» Kartoffeln, neue„ Rindfleisch, Kenle 1kg do. Bauch„ •) Ermittelt pro 1kg 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 3,60 1,80 2,80 2,60 2,40 1,60 2,50 1,20 18,- 1- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,- 16,30 15,20 Schweinefleisch 15,30 14,- Kalbfleisch 13,60 12,90 Hammelfleisch 15,60 15,10 Butter 15,— 14,50 Eier 14,40 14,— Karpfen 4- 3,50 Aale 6,90 4,— Zander 40,— 25,— Hechte 50,- 25,- Barsche 70,— 30,— Schlei« 6,- 4,- Bleie 1,60 1,20 Krebse 1,20 1,- Tonnc von der Centtalflelle der Preuß. Landwirt- schastskammer— Notiermigsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Cciitner. ch) Kleinhandelspreise. P r o d u k t e n nt a r k t vom 22. Juni. Im Preis« war Weizen gM da hauptet, Roggen leicbt anziehend. Hafer blieb fast unverändert. Rüböl lag eher schwach, da Käufer fehlten. Spiritus zeigte feste Tendenz. Loco 70er 25 000 Liter mit 40,90(-)- 0,50) gehandelt. Termine setzten etwa» höher ein und zogen späterhin noch weiter an. Kartofselsabrikate. Berlin, 22. Juni. Feucht« Kartoffelstärke per 100 Kg.— ,— M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. 17,75 M. do. Supra 20,75 M.. do. Sekunda 15,00-17,50. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. 17,75 M.. do. Supra— M., do. Sekunda— ,— M. Berlins Getreide- und M-hlzusuhren zu Waffe, vom 21. Juni mittags bis 22. Juni mittags betrugen 100 To. Roggen, 263 To. Haser, 5055 D.-Ctr. Weizenmehl, 1000 D.-Ctr. Roggenniehl. E i e r b e r i ch t vom 22. Juni. Normale Eier 2,35—2,75 M-, kleine 2,25—2,30 M. per Schock. Tendenz still. Witter,», gSiibersicht vom SS. Juni 18LS. morgen? 8 Uhr. Stationen wiiiemdc. Hamburg Berlin Wicsbaden München Wien 5= C= S« 755 NO 755 O 754NO 7500 761)335 749Still Wetter 4!bcdeckt 3'bcdeckt Zbedeckt 2'bcdeckt Äbcdcckt — wolkcnl -jS c-» all §(? « Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdem Parts a 2 a- 768 762 756 760 s s O NNO N SO Wetter heiter bedeckt heiter 2 wolkig GS ß". c» Wjj 14 9 15 14 Weiter-Prognose für Tonnerstag. den SS. Juni 1899. Ziemlich lühl, vorwiegend trübe, mit leichten Rcgenfällen und mäßigi» nordöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Maurer! Die öffentliche Versammlung der in Arbeit stehenden Maurer findet heute niÄzt statt. Am Sonntag, mittags 13 Uhr, findet in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29, eine Versammlung statt mit der Tages- ordnung:„Berichterstattung über die vor dem Einigungs- Der Ausschuß. Verhandlungen amt." jfoitztterein vev Tifclzlev Berlins und Umgegend. Montag, den SV. Jnni. abends 8>/, Uhr. im„Dresdener Garten". Dresdenerstraste 48: SHT Genersl-Vorsammlung."MZ TageS-Ordnung: lt. Saffenbericht. 2. Antrag des Vorstandes: Auslösung deS Vereins. SM** Mitgliedsbuch legitimiert."WS 186/1 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Per Torstand. Sonnabend, den 34. Juni, abends 8'/, Uhr. Melchiorstrafte 4ö: Dersammlnng >: Vereinsangelegenheiten. De Tagesordnung: Bereinsangelegenheiten. Der Vorstand.(198/16 Verantwortlicher Redacteur: Angnst Jacobe» in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verla» von Max Babing in Berlin. Nr. 144. 16. falrpng. 2. Krilqc i>rs, Amiirls" Kcriim WldsblsII. Freitag, 23. Illni 1899. VevlÄininlungen. Der Fachvcrrin der Mllsiklnstrmiiciitcn- Arbeiter hielt nm 17. Juni bei Raute nberg, Oraniciistr. 180, eine gutbesuchte Mitgliedcrrcrsaiunilung ab, die sich für die Anwesenden zu einer äußerst interessanten gestaltete. Herr Dr. Krüger hielt einen Vortrag über:„Die Haltlosigkeit der Lehre des Blutkreislaufes". Der Referent verstand es, in seinem cineinhalbstündigen, durch Vor- führung von entsprechenden Bildern erläuternden Vortrage, die Ans- merksamkeit seiner Zuhörer zu fesseln. Die Diskussion wurde insofern interessant, als neben mehreren Mitgliedern auch einer der an- wcscnden Gaste, Professor Dr. M o h a r r e m B e y anS Kairo, das Wort nahm, um der Vcrsainmlnng seine Ansicht über die Tuberkulose und seine von ihm geforderten Mittel zur Ab- hilse dieser gefährlichen Volkskrankhcit vorzutragen. Da aber die Diskussion nickt zu Ende geführt werden konnte und Dr. K r ü g e r sich erbot, noch einen Vortrag zu halten, so findet die Fortsetzung in der nächsten Versammlung statt..— D a r s o w gab die Abrechnung der Listen vom Streik der Krefelder Weber. Auf den vom Fachvercin veraus- gabteii Listen sind eingekommcn 460.95 M. Dem stellt sich eine Ans- gäbe von 377,20 M. gegenüber, so daß ein Uebcrschuß von 83,75 M- verbleibt. Diese Abrechnung ist von den Revisoren geprüft und für richtig befunden. Der lleberschuß wurde vorläufig dem Verein über- tviesen, um bei kommenden Streiks Verlvendung zu finden. Zum Schluß sprach die Versammlung den iin Ausstand befindlichen Maurern ihre volle Sympathie aus, sicherte ihnen moralische und pekuniäre Unterstützung zu. OeutscherHolzarbeitei'-VerW. Heute Freitag, abends 81/, Uhr, bei Colin, Beuthstr. 20-21: Sitzimg* der Ort«- Verwaltung'. Sonntag, de» 25. Juni, UormittagS 10 Uhr, im Lokale des Herr» Subeik, Lindenstraße 106: Versammlung der Einsetzer. Tages- Ordnung: 1. Vorlage der Tarifkomniiision. 2. Das Entrepreneurwcsen. 3. Der- schicdcneö. 106/13 ßSF* Alle Einsetzer nilissc» anwesend seln._ MautilMer! Montag, de» 26. Juni 1800, abends 8 Uhr, im Lokale des Herr» rischer, Brnsselstrahe 0: Oeffentliche Bautischler- Versammlung für die Bezirke Wrdding» Moabit und Charlottcnbnrg. Tages-Ordnung: 1. Dortrag deö Kollegen Itlonck über:„Wie verbessern wir unsere Lage?" 2. Diskussion. 3. Die Aussperrung der Maurer. 106/13 Kollegen, da die drei Stadtteile so eng verbunden smd, ist es notlvendig, dah sämtliche Bautischler vertreten find. Ter(Linbernfcr. Kistenmacher. Soiluabcnd, dc» 2-1. Jnni, abcndS Uh: Mitglieder- Bersamtttluttg im Lokale des Herrn SlooKenl, Andrrasstraße 21. T a g e S- Ordnung: 1. Ter Streik bei IViPsenthul. 2. Verschiedenes.— Die Inhaber der Firma Wiesenthal sind zu dieser Bersammlung brieflich eingeladen. 31/20 Her Vorntand. I. 9t,; Franz Schulz. Achtung! Cöpenfek. Achtung! Arn Sonnabend, den 24. Jnni, abcndö 8 Uhr, im Lokal deö Herr» Schccr: GrQFze DeolÄnlznluttg aller in der Ttxtil-Jilhustrie besllilistigtcil Arbtiter lliid Arkitcriliiltn. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Kot-kv über:«Arbcitcrkammern". 2. Dis- kusston. 3. Verschiedenes. 137/18 _ Der Elnbcmfcr. Fachverein der Musikinslrurnenten- Arbeiter und Berufsgenossen Berlins und Umgegend.) Am Houtag, den 26. Juni, in W. Klicnia Tolksgnrten, Hasenlieido 13—15: Grosses Sommerfest unter Mitwirkung des Gesangvereins „Sängerkrels'* der Musikinstrumenten-Arbeiter. Orosscs Oarten-Iikoiizei't. Specialitäten-Vorstellung. Abends Kinder-Fackelzug. Jodet« Kind bekommt eine Stocklaternc gratis. Die Kaffeoküche ist den geehrten Damen von 2 Uhr an geöffnet. Anfang des Konzerts 4 liiiz. Blllcts a 20 I'f. sind zu haben bei den Kollegen Scheune- mann, Kamphausenstr. 3■ im Arbeitsnachweis Naunynstr. 78; beim Vorsitzenden C. Darsow, Grünauerstr. 25." 142/4 Der Vorstand. Prima harte__ Schlackwurst tuib [logig* a Psund 1,10 Mark. Schlackwurst u. Talaini, halbhart, a Pfund 85 Ps. Sueik wb-n.. a Pfd. 55 Pf. mageren.„ 65„ -«o. LtiivpIiiiA vvim. L. Xliiliii, KOpniekeestr. 163. Wiederverkäuferu Extra-Preise. F. Gebhardt Ldarlottendurg 106. lieriiiiez'strasse 106. AU- Tllzron (ilold- und Silber-lVaaren Neparatur-BSerkstatt. Nirgends besser! Nirgends billiger! Fahrräder-Teilzahlung direkt ans der Fabrik mähige Anzabliiug. conl. Teilzahlung. 1 Jahr schriftl. tLaraittie. im 33. 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Die Be- erdigung findet nm Freitagnachmtttag 4 Uhr von dem Krankenbausc Friedrichs- Hain au? nach dem Katholischen Fried- Hof in Wilhelmoberg statt. Um rege Beteiligung ersucht Tic LrtSvcrlvaliung. b'eiltral-Krltilktll- u. Sterbt- kaistdtrdcmsllitllWügtilbltner (Berlin III). Hiermit zur Nachricht, dah am Dienstag, den 20. d.M., unser Mitglied Hemrieh Grossmaim verstorben ist. Die Beerdignng findet am Soiinabendnachmitlag 5 Uhr von der Leichenhalle des tzlugusta-Hoipitals in der Scharuhorststrahe nach dem Nazarelh-Kirchhoi.DalldorfcrEhausiec, statt. slt-Shs Tie OrtSbertvaltung Nachruf. Nach kurzem Ringen entschlief am Mittwoch früh»r/z Uhr unser Chef, dcrPianosabrikant[167b k. Wiesner. Dies zeigt hiermit ticibeiriibt an Tas Personal. Allen Freunden und Verwandten die traurige Nachricht, dah mein lieber Mann, der Mctalldrücker 760b Hnjpo Dubc verstorben ist. Die Bccrdigung findet am Sonntag, den 25. Jnni, nach- mittags 5 Uhr, vom neuen Thomas- Kirchhof anS statt. Aclitnüg! Sänger! Achtung! Sänger! Die Gesangvereine, die zum Volksfest mitwirken, werden ersucht, sich am Freitag, den 23. Juni, abends 9 Uhr, in Kellers Lokal, Koppcnstrasse 20, bup Probe Geübt werden: Fcstgesang: von Uthmann. Saat nnd von Gitow. liiedcslnst von Suchsdorf. Vorwilrts von einzufinden. Dirigent: Herr B 1 o b e 1. Ernte von Himmel. Freiheit Krennig. Siiugermarsch von Uthmann. Gleichzeitig ersuchen nochmals diejenigen Gesangvereine, die sich bis jetzt noch nicht zur Mitwirkung beim Volksfest gemeldet Haben, sich recht zahlreich bei Keller einzufinden. -1 BeerdigiiiigSverciu Berliner Ammerlentc. Am LI. Juni cr. verstarb nach kurzem Kranlculager unser Kamerad, der Zimmerer lC4b Johann Beyer im Hohen Alter von 82 Jahren. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 24. Juni, nachmittags 5�/, Uhr, von der Leichenhalle der neuen Zionsgcmcindc in Nicdcr-DchünHanscn statt. Um rege Beteiligung bittet Ter Borstand. »r. Mitlliik*'ÄT™ Mt.,Mma,WrriwtlM 20G3Ö) Fl. von Mi. 1,25 an. Pülmoili solid, schöne Tischweinc, .Nvllvllll, Fl. van 90 Pf. an. Zlpfellvcin 30, 35. 40 Pf. p. Fl. hundlung W. BeilSCh, Bärwaldsiraste 49, Hof Parterre, nnch Grnfestrnste 6, im Laden. lVnMSchuibrij a Pfund I M.[Cläb» Uesen a Pfund 45 Pf. C. Schubert, Prinz eiistr. 2: SBESEmSES entsche Schah- f abrik vonn. G. Markus& Co., Ges. m. hcschr. II. Erfurt Ilversgehofen Renornrnirtes Fabrikat. Beste Zuthaten. Wir empfehlen: Hcrrcn-Znsstlcrel, gelunlkt, Speeinlität... 7 211. ,, ,,„ ohne Nnht. Spiegel 8.59?N ,, ,, Besnü u. Knopfverziernug 3.99.-4.59, 5.59. 9.59. 7.59 biS 15 M. „ Asi-aireastierel, Besah. 6,59, 7,59, 8,59 lnS ,, 8chniir-, Xng-. Hans-. Kellnersclinhc in den verschiedeiiften Dessins nnd Preislage». Arbeltssehnbc. reell, solid, kräftig. 4.59 bis 6,59 M. 8ciiartstiei'el. Ikeitstierel. Hamen-Kngsticrel 2,69, 3,59, 4.59. 5,59 bis 14 M. „ Knopt-u.8ehanrstierei, elegant, mit Besatz n. Kappe, von 5,59 Bt. an. „ Schnürschuhs....... von 3,59 M. an. „ llaiisMclinhe........ von 3,99 M. au. 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Sommerstoff 10,50 Jackett- Anzug; aus sehr festem gemusterten Sommerstoff........... 15 und 13,50 Jackett-Anzug; aus leichtem Wollstoff, schöne Mustor................ 16,— Jackctt-Auzug; aus Lodonstoff, elegant, dauerhafter Anzug.............. 22,50 Jackett-Anzug; aus leichtem Sommer-Kammgarn. eleganter reinwollener Anzug.... 27,— Jucket t Anzug; aus gezwirntem Stoff, praktische, melierte Mustor......... 22,50 Jackett-Anzug; aus leichtem blauen Cheviot 27,— Jackett-Anzug; aus feinem bayerischen Loden, elegant und sehr dauerhaft........ 30,— Jackett Anzug; aus feinem gezwirnten Stoff. 33,— Jackctt-Auzug; aus feinem melierten Kammgarn, sehr elegant........... 36,— Jackett-Anzug; aus feinem melierten Cheviot, hochelegant.............. 36,— usw. usw. usw. B. Joppen und Jacketts. Joppe von grümneliertem Stoff....... 1,25 Mk.| Joppe von braunmeliertem Stoff...... 1,50 Joppe von grün- oder braunmeliertem Stoff. Joppe in stärkerer Qualität, grün oder braun. Joppe in sehr starker Qualität, grün oder braun Jackett von schwarz Lustre mit Aermelfutter 1,75 3,— «js 4,50 4,50 w 1,75 Mk. |s: 3,50„ 4,50„ 3,50„ �'77 n 6,50„ 8-. 10,50. Jackett von schwarz Lustre mit Futter Jackett von hellgrau oder hellmode Lustre Jackett von meliertem Lustre....... 5,50 Jackett von schwarz Panama....... 5,50 Jackett von grau oder mode Panama.... 6,50 Jackett von elegantem Diagonal...... 6,— Jackett von schwarz Kaschmir mit Futter.. 7,50 Jackett von feinem schwarzen Lustre mit Futter 7,50 Jackett von feinem schwarzen Cachemire mit Futler................ 9,50 Jackett von prima Cachemire....... 12,— Joppe von Loden, grau oder mode..... 6,— Joppe von Loden, etwas kräftiger...... 7,50 Joppe von feinem Loden......... 10,50 Joppe von bayerischem Loden, sehr elegant 15,—, 12,— usw. usw. usw. C. Hosen. Hose von Zwimstofi............ Hose von Moleskin, waschecht....... Hose von Zwirnstoff, sehr haltbar...... Hose von Moleskin, in sahönen Mustern... Hose von Sommerstoff........... Hose von leichtem Buckskin........ Hose von Zwirnbuckskin, sehr haltbar.... Hose von gestreiftem Cheviot, schöne Muster. Hose von leichtem Velour, schmal gestreift.. Hose von loichtom Cheviot, elegant und sehr dauerhaft........... Hose in allen übrigen Qualitäten von. 4,50—16,50 D. Staubuiiiatcl oder Havelocks. Manbniaiitel in Drell.......... 4,50 Mk. Mtnubiuuntel in Lustre.......... 8,— Nitaubinantcl in fein, gestr. u. meliert. Mustern 12,— Havelock in Loden, imprägniert...... 9,— Havelock in Diagonal-Loden, imprägniert,. 12,— Havelock in Strich-Loden......... 15,— Havelock in reinwollenen Loden...... 20,— Havelock in fein, meliert. Loden 27,—, 25,— u. 22,50 Havelock in ff. Kaineolhaar-Loden..... 36,— B Knaben- AazUg;c. Joppen-Anzug; für Knaben von 7 Jahren an. 2,60 Mk. Joppen-Anzug; in Waschstoff....... 3,50, Joppen-Anzug; in feinerem Wascbstoff. 8,50—5.50, Joppen Anzug; von Tumtuch....... 4,50, Joppen-Anzug; von vorschriftsmäss. Turntuch 8,50, Joppen Anzug; von ff. Wollturutuch... 9,50, Wegen vorgerückter Saison habe ich einen grösseren Pasten guter Jackett-Anzllge in ver-) schiedenen modernen Farben aussortiert und für circa| 29 Mark zum Verkauf gestellt. Dieselben sind sämtlich aus soliden und dauerhaften Stoffen hergestellt und kosteten j bisher bis zu 36 Mark. Aach ausserhalb sende Muster nnd Mnss- auleltung; franko zn, doch nur von 9» all tüten! über 8 Mark. M M Zahlreiche unverlangte Anerkennungen sind ein Beweis für den guten Sitz und die tadellose Ausführung meiner Fabrikate. Dauerhalte Stoffe! tfit« dru Julialt der Iuserale Uder, iii, mit die Vicdakliei, dem Publtr»!» geiteiiiider keinerlei Sicrimlitiorliiug. mmmuamamBBmmamim Tszrntrv. Freitag, den 23. Fun i. Opern haiiS. Figaroö Hochzeit. An- fang 7'/, Uhr. Schniispielhaiis. Auf Strafurlauv. Anfang 7V2 Ahr. iDeiitschcs. Die GefKhrtin. Der griinc Kakadu. ParacelsuS. An- � fang 7-/, Uhr. Nefidenz. Der Schlafwage»- Ton- tralenr. Vorher: Zmu Einsiedler. Anfang 7V; Uhr. NciieS. Tic Wahrsagerin. Vorher: Pietro Caruso. Anfang 7»/. lihr. Westen. Die Zanbcrflöte. An- saug 7 Ahr. Criilral. Waldmeister. Anfang 7>/- Uhr. Tchiüer. Die grau vom Meere. Ansang» Uhr. Velle- Slillmiee. Dörchllinchting. Hieraus: Jochen Pasel. Anfang d Uhr. Friedrich. Wilhelinsiadiisches. Ter NachtomnibuS- Contrvleur. Anfang 8 Uhr. llleranderplah. Nana. Anfang 8 Uhr. eftriid. Die rote Mühle. Anfang 3 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 3 Uhr. »Polio. Spcclalltnic»-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. virichShalieii. Steillner Sünger. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Spcciali- iäicn-Vuisiclinug. ilrania. Danbenstraste �8— Ratnrkimdiiche«»SsteNung. Tag- lich geöffnet von IN Uhr vor- »niilagS ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr:„Das Land der Fjorde". Opcrntclepho». Jiivalidriifirahc Täglich abends von 5— tv Uhr: Stcru- warte._ SWerÄMter lWnllner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: l»i«!>»>,\ 0 m ,7Ioorc. Schauspiel in 5 Auszügen v. H. Ibsen. Sonnabend, abcndS8Uhr: Idlv»oknetl« VOi-loIrinix. i-ln iüolittt'vi'attiixlekea. I» vlvil. Sonntag, abend» 8 Uhr: Viel I.tti'i» 11,,, iilclits. Urania Tnubonatraiise 48/10. Um 8 Uhr: Im Thealer: Das Land der Fjorde. Iiivallilciiati*. 57/03: Tagl.(Sternkarte. Xaohmittaxs tiisrlich 5—10 Uhr. PassBije-Panoidicuiu 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Von 6V2 Uhr ab: Spccialitiiten. Um 8 Uhr: ! Sensationell! Die Athleteil im csMaus. Die Kunstschühen Valiiii»,'. LM-ßurl Wtijj-Thtlltcr. Gr. Franksiirterstiastc l.K». cpülue voikelümlleher Vorstellungen. «leine Preise! 1. Parkett 1,10 M. Nur noch 1 AussnHrnng. Die rote Mühle. Ausstattungsstück in 8 Bildern von G. Okonkowsky u. E. Sondcrinann. LV Anfang 8 Uhr."NEJ VorzngsbiNctS haben Wültigleit. Sonnabend, zum crstcnmiu«: Zla«e. die weite Iran. Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman der Marlttt, bearbeitet von H. W. Merls. Heute, Freitag, im Warten: Konzert, Spccialitaten- und Theater- Borstellung. Nur Kräfte 1. 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Letztes Werk von Johann Strouft Waldmeister. Operette in drei Akten von G. Davis. Musik von Johann Straub. Morgen und folgende Tage: _ Waldnicister._ Apollo-Theater !: Stttrinlschcr Erfolg!! Abends 9 Uhr; Frau Lima mit dem Enftballett Grigolatis. Ferner: 12 LMlMälev. Anfang d. Garton-Konzerts 7 Uhr, , der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„KBnstlerdank", Unter den Linden 69. l'nlilinnnns Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: ILon�ert, Vdester n. SpeeikllitÄten-Voi'stelliiiis Neichshalle». Im herrliche» Konzert-Garten resp. im grasten Theater-Saal täglich: Stettiner Sättgcr (Metzsei. Pietro, Britton, Stcidl, Krone, » l r ch in a y e r, Schneider und Schräder). Zum Schluß: Cavalleria schnfticana. Ansang wochentags 8 Uhr, SonntagL 7 Uhr. Fulree 50 Pf.((Ur die Wochentage Im Vorverkauf 40 Pf.) Numerierte Estrade 1 M.. unnumerlert 73 Pf. Metropol- Theater. Jeden Abend sensationeller Erfolg! Berlin lacht! 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