Sozialdemokrat Erscheint mit A«««ahme»« Montag tLgttch früh Redaktion Md Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 58077- Herausgeber: Siegfried Tau»- Verantwortlicher Redakteur: Karl« ern, Prag 17. Jahrgang Donnerstag, 4. Feber 1937 vstytlprelstü AÜlkk(elnschließl. 5 Heller Porto) Aus dem Inhalt: Polnischer Parteitag gegen Einheitsfront mit den Kommunisten Agrarische Margarine-Demagogie Todesopfer eines schlesswUtigen Hegers Nr. 30 Neue Italiener In Cadlx gelandet utiu?’":, britisch« diplomatische Kreise »pstätigen bie Nachricht, welche bie„Ti. ntt«" nuS Gibraltar gebracht hatten nnd di, be- Wft, baß Freitag in Cndix neu, italienische Abteilungen ausgeschifft tinirdrn. Die genaue 8«hl der auSgeschifften Mmnschast ist nicht bekannt. veutscke Xreurer beim Ansrlff auf Malaga beteiligt? Gibraltar.(Reuter.) Die Borbereltun. «en rar neuen Osfensipe der Ausständigen««gen Malaga werden beschleunigt. Durch«inen lombi- «irrte» Angrisf zu Lande, zu Wasser Md MS der Lust wollen sich die Aufständischen Malaga« Md HafenS bemächtigen. Mittwoch vormittag« sind in Algeeira« sieben Kriegsschiffe der Auf. ständischen eingetroffen. Ihr Erschein«, ist«n- zweifelhaft mit der geplanten neuen Offensive in Zusammenhang zu bringen. In Gibraltar wird a»ch dem Erscheinen der deutschen Kriegsschiffe„Graf Spee" Md „K ö l n', die sich in der Nähe von AlgeriraS auf- haltrn, BedeutMg Srigemessen. Man glaubt, daß di« Offensive End« dieser Woche beginnen wird. Vor Madrid neue Angriffe abgeschlagen Madrid. Der Verteidigungsrat /eilt nut:- Die Aufständischen sind im Abschnitt bei A r a n f« r z noch immer aktiv. Die Stellungen der RegierMgStruppen»ei Cigarrala, Mirabell» Md Algvdor warm da» Ziel einig«: Angriffe, di» jedoch hk»1-t-»b g«f chlagl> wurden.- Der Marine- und Luftfahrtminister teilt mit: An der Front von Malaga gegenüber der Ortschaft Marbella hat«ine unserer vomier» ESkadrillen dm Kreuzer der Aufständischm„C a» N a r t a s" bombardiert, wobei jedoch di» Wirkung unserer Fliegerbomben nicht festgeftrllt werden konnte. Dieselbe ESkadrille bombardierte mit Erfolg auch ein« Gruppe von Lastautos der Aufständischen in der Nähe von Marbella. Rücktritt des Generals jCleber? London. Sämtliche Abendblätter verzeich- neten die Nachricht, daß der bisherige Oberkom- mandicrende der internationalen Brigade in Madrid, General Kleber, wegen politischer Meinungsverschiedenheiten seinen. Posten zur Verfügung gestellt habe. Der Rücktritt soll't dann Antwort erhalten, wenn sich Großbritannien mit den übrigen interessierten Mächten beraten baben würbe. DaS Blatt weist darauf hin, daß, wenn d«r deutschen Kolonialforderung«ntlvrochen werden würde, di«S Anlaß zu neue« Forderungen bilde» würde. Außerdem erklärt daS konservativ« Blatt weiter, wenn Hitler Kolonien hätte, so könnte ihn niemand daran hindern, sich Unterseeboote-Basen etwa an der Westlüfte Afrika» zu schaffen. - Es fei natürlich nicht möglich,»aß Groß- britanMen freiwillig einer Bedrohung seiner Seewege durch«ine Macht auSsetze, die nicht» andere» anstrebe, al» die Stärkung ihrer militärischen Kraft. G London. Der Erste Lord der Admiralität, Sir Samuel Hoare, erklärte im Unterhaus«, daß die Wersten in Portsmouth und Chatham den Auftrag erhalten haben, am 1b, März d. I, mit dem Bau zweier Kreuzer der neuen Kategorie zu beginnen. Iden drückt sich um den Ostpakt Im Unterhaus« wurde an den Minister Eden folgende Anfrage gerichtet: Ist die Regierung Großbritanniens immer noch der Ueberzeugung, daß die Organisierung des europäischen Friedens nicht nur von dem Abschluß des WestpalteS, sondern auch von dem Abschluß eine» Paktes zwischen Deutschland und den übrigen Mächten, ein schließ! ich der Tschechoslowakei und Rußland abhängt?.. Minister Eden erwiderte: Wir halten ständig an dem fest, was in dem Kommuniqut vom 28. Juli 1980 gesagt wurde, in welchem die H o s f- nung der Regierung Großbritanniens ausgesprochen war,-daß ein Fortschritt in den Verhandlungen über ein Ablommen im Westen, durch welche der Locarnovertrag ersetzt werden würde, zur Erweiterung deS Bereiches der Besprechungen führen würde» welche dann auch andere Probleme zum Inhalte hätten, von deren Lösung der Friede Europas abhängt. In Beantwortung einer Anfrage, die den vom Völkerbund eingesetzten Ausschuß für R o h- stoffragen berührt« und vom britischen Außenminister zu wissen verlangt«, ob er die Versicherung abgeben könne, daß eS sich durchaus nicht um die Abtretung irgendeines Gebt e t c S handelnwerde, erklärte Eden: O ja, sicherlich^ .... Ms Mi Frag«.’UbJtt beabsichtige, die Zustimmung der ReichSregierung zu dem die In» tegrität und Souveränität Hollands, und Belgien» garantierenden Vertrag zu erlangen, erwiderte Minister Eden: Die Frag« der Beziehungen und des Vertrages zwischen Deutschland und seinen westlichen Nachbarn wird während der Beratungen über das neue Sicher- heitssyftem in Wehste uropa besprochen werden. Die Vorbereitungen zu diesen Verhandlungen bilden ständig den Gegenstand von Diskussionen. . Ein freigebiger Diplomat Die„TiMe S" veröffentlichen ein Schreiben, in welchem der britische Diplomat C l a u d Rüssel vorschlägt, Großbritannien möge Deutschland einen Teil von Westniqeria, Frankreich einen gleichen Teil von Kamerun und Belgien einen Teil des Kongo«chtreten. Schließlich wird vorgeschlagen, Portugal möge einen Teil von Angola mit dem Zugang zur Mündung des Kongo abtreten. Der britische Diplomat hofft(I), daß Deutschland auf diese Weise zufriedengestellt werden würde. Daränyi alias Bathlea Vor vier Monaten trug das offizielle Ungarn den sogenannten„Führer der Nation" zu Grabe. Die offiziellen Nachrufe rühmte«» den Mann vor dem offenen Grabe, einige, vieUcicht menschlich sympathische Züge nach: er aß und trank mit Vorliebe ungarische Speisen und Weine, erwarb sich in den Wirren der Konterrevolution als sparsamer Staatsbürger ein nicht unbeträchtliches Vermögen. Politisch wurden ihm gute Absichten zugestanden. Sonst nichts. Nach einigen Tagen meldete sich schon die schonungslose Kritik zum Wort: die Rcformversprechungen hätten sich als Deckmantel für Cliquenwirtschaft erwiesen, das Schlagwort des nationalen Erwachens blieb «ine Farce, als Hülle für die Klassenherrschaft der Gentry. Der Führer strebte die Diktatur an. Wollte sogar putschartig den ReichSverweser Horthy stürzen. DaS Vorbild und Anschlußziel sei Hitlerdeutschland gewesen. . Der neue Ministerpräsident Daranyi kritisierte auch in verhüllter Form den dahingeschiedenen Vorgänger: er übernehme die Regierung und das Programm Gönchös', nur wolle er „eigene individuelle Regierungsmcthoden anweu- den". Daranyi versprach die Reform deS Wahlrechtes; die Einfiihrung der geheimen Abstinmiung und die Abschaffung des korrupten Empfehlungsverfahrens. Der parlamentarische Frieden schien für lange Zeiten gesichert. Die bürgerlichen Parteien Überboten sich in gegenseitigen Liebeserklärungen. Der seit tausend Jahren bewährte Schwindel der herrschenden Klaffen hat wieder einmal Wunder gewirkt: von den brennendsten sozialen Problemen wurde die Aufmerk- samkeit der Massen abgelenkt, Statt-Bodenreform und Erhöhung des Lebensstandards predigte man den parlamentarischen Frieden und„Einigkeit der Nation". Die„drei Millionen Bettler" tollen die Harmonieduselei nicht stören, die historischen Klaffen, d. h. die Großgrundbesitzer und Kapitalisten im„Jntereffe der Nation" nicht bekämpfen. Politische Relativitätstheorie Vier Jahre Gömbös haben den zehnjährigen Tatarenzug, das zehnjährige Bethlemregime feierlichst rehabilitiert. So. paradox es klingt, es entspricht der allgemeinen Stimmung in Ungarn: Bethlen wird als der Erlöser gefeiert. Der Held der Konterrevolution, der Mann des unverschämtesten Wahlrechtsraubes und der berüchtigten Korruptionswahlen maskiert sich als Führer der demokratischen bürgerlichen Opposition. Das geistige Niveau des verstorbenen„Führers" läßt Bethlen im Glorienschein des großen Staatsmannes erscheinen. Die politische Relativitätstheorie hat sich glänzend bewährt: nach dem verspotteten Führer Gömbös erhebt sich Bethlen als anerkannter Führer,— weniger der Nation als — der herrschenden Klassen. Sechsjahresplan Roosevelts gegen die UebeHchwemmungskatMtrophen ' Washington. Präsident Roosevelt hat dem Kongreß ein SechSjahr-Programm zum allmählichen'Aufbau aller durch die"heurigen katastrophalen. Ueberschwemmungen betroffenen-'Gebiete porgelegt.'Zur Durchführung, dieses Programms Wird em Betrag von fünf Milliarden Dollar vorgeschlagen. Das' Programm enthält auch den Bau riesiger Reservoirs, welch« in Zukunft das Hoch- wasser auffangenwürden. Arbeiterschaft, obzwar die Fabriken nicht geräumt wurden. In einer an den Gouverneur gerichteten Zuschrift sagt Knudsen:„Ich will und muß mich dem Wunsche unterordnen, den Präsident Roosevelt ausgesprochen h a t." -» In N« w V o r k sind 240 Hochbauten von Wohin steuert Reihten? Einig sind die bürgerlichen Parteien in dem Gedanken, daß die Reform des Wahlrechtes durch „Korrektiven" die„nationalen", d. h. Klassen- Interessen sichern muß. Verleihung der Rechte deS Herrschers an den ReichSverweser, Erweiterung der Befugnisse des Oberhauses und Wahlrechtsraub sollen als Gegengewicht der geheimen Ab- stinimung dienen. ES soll der ReichSverweserstell- vertreter mit Nachfolgerccht systemisiert werden. In aller Bescheidenheit wird Herr. Bethlen die Stellvertretung des Reichsverwesers übernehmen. Flint. Truppen der Nationalgarde haben vor. den Chevrolet-Werken, di« von. streikenden Arbeiter« besetzt sind, an den wichtigen Stellen. Maschinengewehre in Stellung gebracht und verhindern so, daß die Streikenden mit Lf- benSmitteln versorgt werden. Die streikenden Arbeiter erklären, daß damit der Streik zu einem Hungerstreik geworden sei. Der Führer der Gewerkschaftsorganisationen LewiS ist au» Washington nach Flint aigereist, um hier eine» widerstand»egen dir gerichtliche. Entscheidung,u organisieren, der,«folg, die Arbeiter die Betriebe zu verlassen haben. Dir Strri- senden haben diesem Gerichtslesehl nicht Folg« geleistet und zur festgesetzten Stunde die besetzten Fabriken nicht geräumt, doch sind bisher keine Anzrichrn dafür vorhanden, daß die Behörde» die Absicht Hütten, dir Streikenden mit bewaffneter Macht ,«'vertreiben. E» wird versichert, daß sich dir Brhötden dahin ausgesprochen haben, daß sie e in. Blutvergießen verhindern wollen. Roosevelt zwlrtgt die Uofemehmer zu Verhandlungen Der Vizepräsident der General Motors A.-G. Knudsen,»ab sei»« Einwilligung zu einer »«» e» B«s p r e ch UN g mit Verirrtem der Maschinengewehre stehen bereit... Keine Räumung der besetzten Fabriken In USA A5H i/t e ro w orl inw jpoazvauien von, J f Ä h./ einem neuen Streik der Fahrstuhlführer und Hei-1, Der zukünftige R-ichSv-rweserstellv-rtret-r zer bedroht.. Zur Stunde sind 80 Hochhäuser in i W bereit, die geheime Abstimmung gnadigst zu der. Timessquare-Gegend vom Streik der Fahr-«mehmigen. Das landwirtschaftliche stuhlführer bereits betroffen, die während der Proletariat oll aber weites: entrechtet bleiben: in Mittagspause in den Ausstand traten. Dadurch dieser Negation gipfelt dl- staatSmannische WeiS- ist die'Mehrheit der Angestellten gezwungen, ohne. Betylens.., Mittagessen in ihren Mroräümen zu verbleiben. Der zweii- Fuhrer der Opposition S«rr ...•■- Eckhardt, kostümiert sich auS machipolitischcu Gründen diesmal als der Vorkämpfer deS Land« Proletariats. Die Mittelschichten sind im Zuge, ihren Einfluß auf das Voll zu verlieren. Der rechtsstehende, angesehene Historiker Julius S z e g f ü konstatiert diese Tatsache in einer aufsehenerregenden, wissenschaftlichen soziologischen Abhandlung. Eckhardt greift diesen Gc- danken.'p o.l i tisch aus..Ohne die Mittelschichten kann aber' der ehrgeizige Führer der größten oppositionellen Partei entweder stur mit Hilfe der l a n d/w i r t's ch a f t l i che n Bevölkerung, o d e r mit der gar nicht aussichtslosen Er- Pressung einer- landproletariatischen Bewe- Seite 2 Donnerstag, 4. Fever 1937 Rr. 30 gung die Macht erobern. Das Spiel mit den sozialen Problemen wird bald den Gottesfrieden der bürgerlichen Parteien sprengen. Die Entwicklung der weltpolitischen Lage wirkt auch als Scheidewasser innerhalb der bürgerlichen Versöhnler. Die italienische Orientierung bleibt unbestritten. Gegenüber Deutschland ist die Stimmung kühler. Der Drang nach Osten HitlerdeutschlandS, die Furcht von der Kolonisierung Ungarns durch das Dritte Reich schreckten einflußreiche politische Gruppen und alle objektiv denkende Menschen von der unbedingten Gefolgschaft der hiilerischen Außenpolitik ab,■ Die Konkurrenten Eckhardts Die Nachäffer der faschistischen Führer des Auslandes, die ungarischen Hitlersöldlinge, kämpfen nicht weniger gewissenlos mit den Waffen der dummdreisten Demagogie, als die rührigsten GoebbölSlügner. In der Regierungspartei selbst kokettiert die zahlenmäßig schwache, aber in der Berwaliung des Landes gut fundierte Gruppe der Marion leute mit den Pseilkreuz- lern. Die Regierungspresse wird von dieser Gruppe beherrscht. Seltsamerweise verfügt die Regierung der individuellen Methoden, über keine Presse in der Hauptstadt. Im Einvernehmen mit der Gruppe Marion intrigiert gegen den Regierungschef der bisherige Innenminister Ko zma, ein ProiektionSkind des Reichs- veriveserS. Der aus bescheidenen maierieUen Verhältnissen in daS öffentliche Leben eingerückt ge- wesene Offizier Herr Kozma hat eS verstanden, in einigen Jahren die Akiiien der Radio-Mono- polgesellschafi an sich zu reihen und verfügt über ungezählte Millionen. Außerdem öffneten sich nach seiner Berliner Reise neue bekannte, aber ungenannte Quellen für die Sanierung der Pfeil- kreuzlerpresse. Eckhardt ließ sich aber diese Konkurrenz nicht gefallen. Er verschwieg auch nicht die dunklen Geschäfte des Herrn"Innenministers. Kozma wird Anfang Feber das Feld räumen. Die Kozma-Mariongruppe operiert nicht Iveniger mit Sozialdemagogie als die Eckhardt- Pariei. Ob zwischen den zwei streitenden Brüdern nicht der Dritte, der heute noch als Stiefbruder gellende Pfeilkreuzler, siegen wird, ist noch bei Weitem nicht entschieden. DI« Pfeilkreuzler Die in den letzten Wochen sehr erfolgreiche Pfeilkreuzlerbewegung erfreut sich auch der wohlwollenden Duldung der Komitats- und Dorfverwaltungsbeamten und holt sich die Anhänger aus dey Kreisen des politisch und sonst ungeschulten landwirtschaftlichen Proletariats. Die subjektiven und objektiven Vorbedingungen für eine extremistische demagogische Bewegung sind wahrlich vorhanden. Läut der vor einigen Tagen publizierten Statistik besitzen 1,9 3 3.8 4 5 Klein- und Zwergbesitzer insgesamt 1,4 4 0.7 5 0 Joch Boden, dagegen 1 4.0 7 5 Großgrundbesitzer, 7,6 0 8,7 7 7 Joch. Daneben darben 1.5 Millionen Seelen in der Landwirtschaft, die gar keinen Boden besitzen. Von 16 Millionen Joch Grundbesitz sind 4,860.622 als Fideikommisse, oder als Eigentum der Kirche und der öffentlichen Hand gebunden. Diese Besitzverhältniffe bereiten den Boden für die Demagogie der Pfeilkreuzler vor. Die Sozialdemokratie, die einzige Masienbeivegung, kann der Demagogie schwer entgegenwirken. Die chinesische Mauer, gegen die sozialdemokratische Agitation hat der Jnnenmini« - ster selbst aufgerichtet. Kein Sozialdemokrat kann Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld Da sein Geld nicht immer reichte, um einen Sitz auf der Gchlerie zu kaufen, ging er auf einen Stehplatz; er ruhte sich aus, des nachmittags, er schlenderte langsam zum Theater, gleichsani als wollte er seine Freude verlängern, und stand Stunden zwischen den Studenten und den jungen Mädchen hinter der letzten Parkettreihe. Er hörte ihnen zu, sie stritten um einen Dichter, einen Schauspieler; sie erhitzten sich in Wortgefechten, die sich um Spiel drehten, um Dinge, die es eigentlich nicht gab. Aber in diesen Dingen offenbarte sich mehr, als in dem Lärm des Lebens, im Sturm der Straße. All dies war an ihm voriibergegangen und er hatte es nicht festzuhalten verstanden; nun klammerte er sich daran, nun entdeckte er eS neu für seine Augen, für sein Herz. Er ging in das Museum, saß vor Bildern, die bisher für ihn stumm gewesen; sie sahen ihn an und sprachen zu ihm, mit einer Stimme, in der viel Schmerz, viel Jubel, viel Lebensfreude und viel Traurigkeit war. Er ging in Konzerte, Musik rauschte um ihn, die er ans den Jahren seines Lebens verbannt hatte als Klang, der verwehte; nun tönte sie auf, sie hatte Widerhall und ivurde Wunder. Menschen waren nicht mehr eine Flucht von Gesichtern, ein Chaos von Stimmen, ein Getpirr von Gebärden, Menschen waren Mund, der sprach, Auge, das Schicksal spiegelte, Hände, die jn Gier griffen und in Verzicht erschlafften, die Grenzen der Landgemeinden ohne Gendar- meriebegleiiung passieren.; Ob die Wellen-der geduldeten urid heimlich geförderten Pfeilkreuzlerbewegung dit' künstlich errichteten Dämme nicht.niederreißenj und die Erbauer der Dämme, die Rechtsparteien nicht vernichten wird, ist das Problcm dev Zukunft. Der schlaue.P ethlen,' sein Adlatus der. wortkarge D a r a ny i, und seine. Gefolgschaft können eine- Tages äußerst unangenehme Ueber« raschungen erleben: sie werden so lange Über die »bolschewistische" Tschechoslowakei fafeW618 die Tatsache- des rechtsbolschewistischen Ungarns sie wegfegen wird. Auch dtepolnitchen Sozialisten gegen jede Zusammenarbeit mit den Kommunisten genstand der Verhandlungen. Der Kongreß erklärte diese Zusammenarbeit für absolut unmöglich. Jn der Begründung hiefür wird auSgeführt, daß sich die Kommunisten der Volksfront gegenüber und den Sozialisten im besonderen nicht aufrichtig verhalten, ja sogar ihnen gegenüber manchmal feiiwlich eingestellt seien. Die Kommunisten hörten nicht auf, die sozialistische Bewegung zn spalten. AuS diesem Grunde stellten die Parolen der Kommunisten und auch der BolkSfront bloß schlecht verdeckte taktische Mittel dar, wie daS Uebergewicht in der sozialistischen Bewegung von ihnen erlangt werden könnte. AuS diesem Grunde stelle sich die sozialistische Partei Polens gegen eine Bildung der BolkSfront in Polen. Wetters Der sozialistische.Lioboinik" veröffentlicht bereits den vollen Wortlaut der auf dem soziali- stischen Parieikongreß angenommenen Resolutionen. Außer den bereits bekannten Forderungen wird in diesen Entschließungen auch die A u f- lösung des Parlaments und die Ausschreibung von Neu w a h l e n auf Gründ einer demokratischen Wahlordnung gefordert. Der Kongreß kündigt ferner eine energische Aktion für die Einsetzung einer Regierung an, die sich auf die B a u e r n« u n d Arbeitermassen stützt. Warschau. Auf dem 24. Kongreß der! wurde besonders nachdrücklich die Forderung aufpolnischen sozialistischen Partei bUdete u. a. die gestellt, daß der polnische Staat dir Mittel rr- Zusmnmenarbeit mit dm Kommunisten dm Ge«! halte, die für die Verteidigung der Grenzen not- wendig stich. Italienisch-türkische Aussprache Weiterer Meinungsaustausch S—.—.SS——_s auf diplomatischem Wege lil FlallailCI Mailand. Ueber die Beratungen des italienischen Außenministers Grafen Ciano mit dem türkischen Außenminister RuschdiAraS, die am Mittwoch hier stattfanden, heißt eS in dem amtlichen Kommunique, daß die beiden Staatsmänner verschiedene Fragen, welche die beiden Länder direkt interessieren, sowie Fragen allgemeinen Charakters prüften^ Zu diesen Fragen gehörte insbesondere das in Montreux abgeschlossene Abkommen über das neue Meerengenregime sowie die Stellung Italien Sund der Türkei im östlichen Mittelmeer. ES wurde festgestellt, daß eS keine einzige Frage gebe, welche Italien von der Türkei trennen würde, und daß in dem gegenseitigen Verhältnis der beiden Länder keine anderen Gefühle als die vollständ i- gen Vertrauens vorherrschen können. Gleichzeitig wurde der gute Wille der beiden Regierungen konstatiert, im Interesse der weiteren italienisch-türkischen Beziehungen sowie auch zu dem Zwecke der Verwirklichung des Werkes des allgemeinen Friedens und der StMlität ihre Zusammenarbeit fortzusehen. Zu diesem Zwecke haben die beiden Außenminister vereinbart, daß sie zur praktischen Durchführung aller Ergebnisse diese» Meinungsaustausches in ständiger Fühlungnahme auf dem normalen diplomatischen Wege verbleiben werden. Holland hat nie ein . Neutralitäts-Angebot erhallen i Rückfrage in Berlin- A m st e r d a m. DaS Allgemeine Niederländische Presse-Büro veröffentlicht folgende Verlautbarung: Der Teil der Rede deS deutschen Reichskanzlers vom 30. Jänner, der stch auf Holland bezieht, hat die Frage aufgeworfen, ob die deutsche Regierung der niederländischen Regierung früher unmittelbar mitgeteilt habe, daß Deutschland jederzeit bereit sei, Hollands Neutralität anzuerkennen. Eine derartige Mitteilung sei jedoch, wie von maßgebender Seie mitgeteilt wird, von der holländischen Regierung nicht empfange» worden, so daß angenommen werden müsse, daß die Ausführungen deS Reichskanzlers Bezug aus Tiere liefen nicht mehr über den Weg wie Wesen, deren Sprache er nicht verstand, sie hat«, ten ihren Hunger und ihren Haß, ihre Blicke verrieten Anhänglichkeit und Kummer, Uebermut und Melancholie. Ein Fahrplan war zerrissen; er hatte nicht nur die Tage zerstückelt,«r hatte die Welt verhängt. Nun ging LueaS Feiertag, pensionierter Buchhalter, ein Mann mit Glatze und Bäuchlein,' jeden Vormittag mit Ludmilla und dem Kind in den Park; er lernte das Leben mit den Augen Ludmillas sehen, die durch alle Masken blickten, er lernte die Welt mit den kleinen, staunenden .Fingern greisen, die Karl nach ihr auSstreckte. Im Cast Finsterbusch hieß es, Feiertag sei in seinen alten Tagen ein Narr geworden, er gehe auf Stehplätze wie Studenten und spiele mit Kindern wie alte Frauen. Wer" Worte schmerzten Feiertag nicht mehr, seit er wußte, daß erst weit hinter den Worten die wahre Welt begann. » Unter der Post der Buchhandlung GrothauL war ein Brief, an Fräulein Carola Löhn ge-' richtet, von einer Frauenhand geschrieben. Die Kapnschinsky teilte mit, daß Carolas Baier vor einigen Tagen auf der Treppe gestürzt sei Md mit gebrochenem Bein zu Hause liege. Da er das Verlangen trage, seine Tochter zu sprechen, stelle die Kapnschinsky eö Carola frei, ihn zu besuchen; wenn Carola den Zeitpunkt ihres Besuches vorher angeben wollte, würde sie die Wohnung verlassen, um eine unerwünschte Begegnung zu vermeiden. Carola schrieb sogleich, sie wollte am nächsten Tag in der Mittagspause den. Bater aufsuchen. AI» sie an der Tür pochte, öffnete ihr das Kind. Der Bater lag in seinem Bett, der Fuß war geschient und mit Bandagen umwickelt, daö Gesicht de» Bater» war grau und eingefallen. „Ich war betrunken, Carola", sagte Löhn, „ich mache kein Geheimnis daraus. Ich werde jvieder trinken, sobald ich auSgehen und. mir frühere-durch ihn der iveffentlichkeit abgegebene Erklärungen nehme». Am hierüber vollkommene Klarheit zu erlangen; ist der holländische Gei schäftSträger in Berlin beauftragt worden, nähere Auskünfte über die Worte des Reichskanzlers einzuholen. Trade Unlons gegen Nichteinmischungspakt London. Die Delegation der Trade llnionS, welche vor einigen Tagen aus. Spanien zurückgekehrt ist, fordert die Einleitung einer Kampagne, durch die für die spanische Regierung das Recht deS Ankaufes von Waffen und Munition in Großbritannien sowie die Beseitigung des Paktes über die Nichteinmischung angestrebt werden soll. Alokohol kaufen kann. Ich muß trinken, um daS alles ertragen zu können. Wenn ich nüchtern bin, faßt mich die Wut, ich könnt« die Kapuschinsky und ihr Kind mit meinen Händen erwürgen." „Warum quält Sie dich denn noch immer, Bater, was will sie denn noch vor dir? Sie hat ja alles, wa» sie wollte, den Namen, daS Geld—* '„Ich bin noch da; da» ist meineSchuld," „Wäre eS nicht besser, Bater» du brächtest diese alte Sache endlich in» Reine? Wa» kann dir denn geschehen,,wenn du e» darauf ankommen läßt, daß sie dich anzeigt? Heute, nach so langer Zeit?"' „Ins Zuchthau» müßte ich, Carola. Auch heute noch." .„Und dies hier jst. kein Zuchthaus? Die» ist nicht ärger gl» ein Zuchthaus?" Löhn schloß die Augen. Ein Schatten ging ither das fahle Gesicht, die letzte Spur von Lehe» erlosch. „Ich hab nicht mehr die Kraft dazu, Carola. Sie hat mich jetzt so weit gebracht, wie sie.mich bnmer haben wollte." Die Tür knarrie. Schritte knallten im Borzimmer. Die Kapuschinsky betrat das. Zimmer. „Winselst du deiner Tochter wieder etwas vor? Erzählst du ihr wieder» daß ich dich zu Tode peinige, well ich den Schnaps einsperre? Daß ich deine Taschen durchsuche und dir nicht einmal Geld für Branntwein lasse?" „Sie haben erklärt, mich mit Ihrer Ans' Wesenheit verschonen zu wollen; Frau Kapuschinsky", sagte Carola.■ „Ich dulde nicht, daß du ihn gegen mich auf-, hetzt. Er hat dich nur kommen lassen, um mit dir zu beraten, wie ihr mich Kein kriegen könnt. Aber jhr irrt euch. Ich bin.euch, gewachsen,^.. „Ich habe nie daran gezweifelt- daß Sie un» in der Kunst, ein Komplott anzuzetteln" und einen-Menschen über» Ohr zu hauen- überlegen sind."<> Haltlote Angriffe auf untere Stahhdgterlchtsbarkelt Einige konkrete'Feststellungen ,—rb— Jn letzter Zeit sind in verschiedenen Blättern Angriffe auf unsere Jugendgerichtsbarkeit erfolgt, die es notwendig« machen, die Oeffentlichkeit objektiv und sachlich über dieses Problem zu informieren, zumal solche Polemiken meist die»nötige Objektivität und Sachkenntnis vermissen lassen. Dieser Tage haben bedauerlicherweise auch die katholischen„S i b o b i List y" einem Artikel solcher Tendenz Raum gegeben. Gleich nach dem Inkrafttreten des Gesche» über suqendliche Täter— so heißt«» in diesem Artikel—> habe sich gezeiat, daß diese Reform eine schädliche Aenderung bedeute. Man solle aushören, jugendliche Uebcliäiec zu„verzärteln". Unsere Jugendfürsorge sei übertrieben(I). Statt eine»„ordentlichen Ge« fängnisse»", da» nottue,«Miere für jugendliche Täter nur«ine„mit aller Bequemlichkeit ausgestattete Verschließung", eine»chrMematische Aufsicht" nach Strafentlassung oder«ine Verwahrung in Erziehüngsanstaltey, welche„schönenPensionaten" glichen. Außerdem würden allzu kurze Strafen verhängt und noch dazu meist bchimst. vnkniipfend an einen konkreten Fall— es handelt sich um«in, von«inigen halbwüchsig«» Burschen an einem Mädchen gemeinsam verübten Sittlichkeitsdelikt— und unter Hinweis auf einige ander«, zufällig auch in letzter Zeit verhandelte Jugendprozesse, versteigt sich der Autor be» Artikels zu der Äehauv- tung, di« heutige Jugendgerichtsbarkeit sei keine sozialerzieherische Maßnahme, sondern„dar Tor der Erziehung zum Berbrechenlll" Da solche Anschauungen in allen derartigen Polemiken wiederkehren und die Gefahr besteht, daß sie von der OeffentlichkM die nicht den nötigen Einblick hat. kritiklos Übernommen werden, ist e» Wohl am Platze, sich einmal eingehender mit diesen Angriffen auf. unsere Jugendgerichtsbarkeit auSeinan- derzusetzen. Zunächst ist festzustellen, daß da» angebliche bedrohliche Steigen d« Jugendkriminalität, auf dar sich derarttge Angriff« regelmäßig berufen,«in Phantasieprodukt der Artikelschreiber ist, besser gesagt, eine kritiklose und leichtfertig geäußerte Reaktion auf zufällige zeitliche Häufung von Jugendkriminalsällen oder vielmehr der.Zeitungsberichte über solche. Zieht man die Kriminalstatistik zu Rate, die allein objektiven Aufschluß geben kann, so findet man, daß im Laufe de» Jahrzehnte» von 1S2S bi» 1983 trotz Krisenelend und Arbeitslosigkeit di« Jugendkriminalität(Personen unter 18 Jahren) um nahezu zwei Drittel zuriickgegangm ist. Im Jahresdurchschnitt 1923 bi» 1928 waren inSge- sgmt 14.2H6 Verurteilte-(1981:. 10.220.. 1982: 6809), 1988— im ärgsten Krisenjahr— nur 6677. Die Verurteilungen wegen Delikten, die al» Verbrechen zu qualifizieren wären, sank von 1778 auf 642. Die in dieser Elendszeit sicherlich schwer gefährdete Jugend hat also eine bewunderungswürdige moralische Widerstandskraft bewiesen, womit eine der wesentlichsten Voraussetzungen von Alarm- notizen der zitierten Art in nicht» zusammenfällt. Der Autor bejammert den angeblich zu milden Strafvollzug bei jugendlichen Tätern. Wir wollen nicht auf Uehertreibungen eingehen(z. B. die„mit aller Bequemlichkeit eingerichtete" Verschließung oder die„schönen Pennonaten gleichenden" Erziehungsanstalten), obwohl auch solche Entstellungen, der WirNIchkeit in der Presse nicht unbedenklich sind. Doch kommen wir zum Hauptpunkt. Da» Ziel jede» modernen Strafvollzüge» ist die durch Erziehung ange- strebtc Besserung de» Täter». Daß diese» Besse- „Ueber» Ohr hauen— wen wollte ich über» Ohr hauen? Hörst du, wie deine Tochter zu mir spricht? Ich wollte jemanden über» Ohr hauen—" „Schweigen Sie. Mein Vater ist krank. Jede» Wort regt ihn auf. Halten Sie. endlich den Mund." „Ich werde nicht den Mund halten." Dse Augen der Kapuschinsky traten aus den Höhlen,\ sie verdrehte den Blick, sie fuhr mit den Händen in der Luft umher wie eine- Irre.„Ich schrei es auf die Straße, du bist gekommen, um mich zu beleidigen—“ Carola wandte sich ab, sie sprach mit ihren: Vater,, während die Kapuschinfly tobend, von einem. ZiNnner ins andere rannte. „Das geht nicht so weiter, Bater, jetzt muß reiner Tisch gemacht werden." Sie'stellte-sich der Kappschinsky in den Weg,„Schreien.Sie es hinaus:-'Sie'sind eine Betrügerin. Sie. sind eine geldgierige. Hbäne..Sie richten meinen' Battr mit Absicht Zugrunde, damit Sie ihn beeren können. Schreien Sie hinaus, daß ich Ihnen, das in» Gesicht gesagt habe. Und dann verllagen Sie mich. Ich werde ftir jedes Wort vor Gericht «iNstehen." „Ich werde dich verklagen— für jede Silbe wirst du büßen—-*. Carola hörte nicht' mehr. Die Worte der Kapuschinfly verwirrten ,sich zu einem schrillen, plärrenden Geschrei, sie waren nicht mehr Sprache eine» Menschen, der bei Sinnen war. Sie waren der Tobsuchtsanfall einer Besessenen. • Carola drängte die Frau ins Nebenzimmer, schloß die Tür ab. Die Fräst zeterte weiter, bis ihre Stimme sich überschlug, bi» sie vor Erschöpfung zusammeNsackte: Carola gab'dem Bater ein Schlafpuwer, jagte in» Geschäft, kehrte um sechs Uhr zu ihm zurück, blieb bis spät in-der Nacht an seinem Lager. >.^Fortsetzung folgte Nr. 80 Donnerstag, 4. Feier 188? Seite 8 fudctendeutscfteT Zeitspie&ef „Der Kampf“ Sozialistische Revue Heft 2, Februar 1037, hat folgenden Inhal t: Jusos Hofbauer:„AnssbolschewiSmuS". Martin Kahler: Henlein-Legende und Wirklichkeit. Ma; Barth: Spanien im Spiel der Mächte. Gregor Bienstock: Oftafien und die Wcltpolitik. Joachim Werner: Feudalkapttalilmus und„Kapi- tals"< Sozialismus.- Politische Bemerkungen: Bor zwanzig Jahren; Der Tod de» General» Seeckt», Streit über Gräbern. An» de«»eMgen Leien: Ludwig Börne:: Die Hörigkeit der.Linken. Kurt Hiller: Unverwüstlich und unbelehrbar. Bücherschau: Anton Sieberei:.Mtalanien gegen Kastilien."— Georg Bernhard:„Meister und Dilettanten am Kapitalismus im Reiche der Hohenzollern."— Paul Szende:„Mystik".— Essad Bey:„Allah ist grob", Preis de» HesteS 8 KC, JahreLiezugpreiS 50 K£. Redaktion und Verwaltung: Prag II., Lützowova 87. runa»vringipbei gestrauchelten Jugendlichen, erst recht in den Vordergrund treten must, ist für jeden Unvoreingenommenen absolut klar. Es bedeutet gar nicht» gegen diejz soziale Methode des Strak- Vollzüge», wenn ein gewisse» Kontingent der Straf» fälligen sich nicht al» besserungtsähig erweist. Die Erfahrung hat aber bewiesen, dab In der grasten Mehrzahl der Fälle— wir könnten diese Behauptung durch zahlreiche, teilweise ergreifende Beispiele belegen— der straffällige Jugendliche gerade dank der sozialen Einsicht de» Gesetze», dessen Milde nicht» mit„Verzärtelung" zu tun hat. gerettet werden kann. Man lege sich einmal die Frage vor. wa» da» in den Angriffen auf da» Jugendgericht regelmästig reklamiert«„o rdentlicheGesängni»" für Jugendlich« in Wahrheit bedeutete. Daß da» blinde Vergeltung»« und Abschreckung»- Prinzip keine LcbcnSbcrechtigung Höchen, ist längst anerkannte Tatsache, dast ein mit dem Makel der Vorbestraftheit behafteter jüngerer Mensch in den meisten Fällen für die Gesellschaft verloren wäre, wird niemand ernstlich bestreiten. Und endlich ist e» eine unleugbare Tatsache, dast gerade die verketzerte besondere Straft der„Verschließung" glücklicherweise verhindert. daß da» ordentliche Gefängnis durch de« Verkehr " Mit alten Kriminelle« für den Jugendlichen zur »Schul« de» Verbrechens" werd«, wie die» früher »ft genug der Fall war. Unsere Jugendgerichtrbqrkeit mag in einzelnen Detailbestimmungen nicht vollkommen sein. Al» Institution, hat sie sich voll belvährt und verdient An- grtfse der zitierten Art nicht und ebenso wenig verdienen ste die dem Jugendgericht zugeteilten Richter und Sozialbeamten, die mit sozialem Verständnis und Hingebung ihr Amt«rfststen, wie jeder bezeugen wird, der da» Jugendgericht regelmästig besucht. Der Präsident der Republik empfing am Mittwoch Justizmlntster Dr. Dkrer, weiser» den Rektor der deutschen Universität in Prag Professor Dk. Stark, den Rektor der Masaryk-Uni- versität in Brünn Professor Dr, Fr. B e rk a und schließlich den ehemaligen französischen Senator Frederie Eccard. Merkwürdige Erfahrungen Uber die techechoslowaklaohe Fremdenverkehrswerbung in der Schweiz Im'Karlsbader„Volkswille" lesen wir folgende intcrcssantc Darstellungen Dr. HanS Kopf'», Marienbad: Marienbad, 2. Feber. Die Tatsache, dast die meisten Schweizer Kurgäste, die mit Automobilen nach Marienbad kamen, auf ungünstigen Wegen in die Tschechostotvakei einreisen und sich über unsere Straßenverhältnisse bitter beilagen,, liest mich mst dem mir befreundeten Präsidenten deS Schweizer Automobilklubs, Dr. Mende, sprechen. Er brachte zu diesem Zweck den Autoatla»„Europa im Automobil", au» dem sich diese Klage leicht erklären liest. Dieser Atla» wird jährlich von der A. I. A. C. R.(Affociation Internationale de» Automobile-Elub» Reconnu») unter der Mitwirkung der angeschloffenen internationalen AutomobilllubS, da» ist für die Tschechostotvakei von dem„Autoclub ist. rcpublity", herausgegeben und die Karten werdest von den jewelligen Klubs redigiert. BI» vor einigen Jahren ist nun die Karte von der Tschechostowakei in den deutschen Gebieten doppelsprachig gewesen. Seit einigen Jahren mutzten sie auf Verlangen de». A.<£. S.«insprachig tschechisch' aufgenommen werden. E» ist ohne weitere» klar, dast dieser Umstand für den Automobi- listen, der eine Auskunft verlangt, zu grasten Schwierigkeiten Veranlassung gibt. Denn wenn schon die Bewohner von Pfraumberg vielleicht zum Test wissen, dast ihr Ort Primda heißt, so wissen sie Wohl kaum, wenn sie nach Bor gefragt werden, dast da» Haid bedeutet. Aber ganz abgesehen davon, sind die Karten auch sonst unzulänglich, denn e» sind z. B. die Straste von Haid nach Plan und die Straste Marienbad—Eger nur als Neben st rasten eingezeichnet. jährlich in einer Auflage von über 188 000 Exemplaren in deutscher, französischer und englischer Sprach« herauSkommt, aast somit— da nicht jede» Mitglied jährlich die neue Auflage kauft— gegen 100.000 in Benützung sind, kann man wohl ermessen, waS da» für den Fremdenverkehr für schädliche Wirkungen hat. Die Tatsache," dast auch auf Karten anderer Länder(j. B. polnischer Korridor) di« Namen nur einsprachig sind, ist nur ein geringer Trost. Bei unserem Besuche in der tschechostowakischen Handelskammer in Zürich zeigte un» die dortige Beamtin drei ungeöffnete Kisten mit Werbematerial für die tschechoslowakischen Wintersportorte, die vom HantzelStninssterium zstgeschickt.waren. Vep- niinftigerlveise wird diese» Propagandamaferial von dieser»Stelle gar nicht zur Verteilung gebracht, denn «» wäre wohl wirflich grotesk und keineswegs für di« gegenseitigen FremdenverkehrSbeziehungen der beiden Länder von Vorteil, wenn die Tschechostowakei ausgerechnet in der Schweiz für di« tschechostowakischen Wintersportort« Reklame macht. Diese beiden Erlebnisse werfen wohl«in bezeichnende» Licht auf den Gellt, der in unserer Werbung für den Fremdenverkehr herrscht. Todesopfer eines schießwütigen Hegers Am 18. Oktober des vergangenen Jahre», früh gegen S Uhr, wurden in eistem Hohlweg zwischen Strisowitz und H erb itz, am Fuße des Strlsowitzer Berge», von dem 50jährigen Heger Schöppe au» Karbih die beiden arbeitslosen Bergarbeiter Brüder Dankovsky aus Herbih angeschoffen. Erwin Dankovsky drangen die Schrotkörner ins Herz, er lvar sofort tot. Der Bruder wurde am Fuß und an den Hüften verletzt. Er konnte noch dem Schützen nachlausen und Leute um Hilfe herbeirufen. Er lvar acht Wochen arbeitsunfähig und davon drei Wochen in Spi- talsbehandluM. Die Bergleute, die schon lange arbeitslos waren, haben in der Nacht auf dem Strisowitzer Berge wilde Kaninchen fangen wollen und sich gegen Morgen im Hohlweg schlafen gelegt. Der Heger war ungefähr zwölf Schritte an den, Lager der beiden vorübergegangen und hatte nach seinen Angaben ein verdächtiges Rascheln gehört. Er fei im Glauben gewesen, wilde Kaninchen vor sich zu haben, deshalb habe er aus diese kurze Entfernung, ohne ein Ziel zu haben, einen Schrotschuß abgegeben. Als nach dem verhängnisvollem Schuß Waldemar Dankovsky um Hilfe rief, sei er davongeeilt und kam erst in seiner Jagdhütte am Berg zur Erkenntnis,.daß er Menschen angeschoffen habe. Der jetzt wiederhergestellte Bergmann Waldemar Dankovsky behauptet, der Heger hätte sie bestimmt sehen müssen, im Hohlweg war freie Sicht. E» war dort nur trockenes Gras, auf dem sie schliefen. Er nimmt an, daß der Heger mit Absicht auf sie geschossen habe... Der aufsehenerregende Vorgang hatte jetzt sein Nachspiel vor dem KreiSgericht in Leitmerih. Heger Schöppe hatte sich wegen der gegen ihn erhobenen Anklage vor dem Einzelrichter des Leitmeriher KreiSgerichteS GR Dr. Lorenz zu verantworten, obwohl seitens des Vertreters der Privacheteiligten, des angekchoffenen Waldemar Dankovsky und dessen Vaters beantragt worden war, daß da» Gericht sich für unzuständig erkläre und die Anklage zur Verhandlung vor einem Strafsenat, bzw. vor das Schwurgericht abtreten soll. '' Nach Ablehnung dieser Anträge würde der Angeklagte schuldig erkannt und zu vierMonatcn strengen Arrests verurteilt. Der Ausspruch Wer die Zuerkennung einer bedingten Verurteilung und einer Bewährungsfrist wird dem Ergebnis weiterer Erhebungen Vorbehalten. Tode-fall. Dienstag sterb hier JUDr. Waldemar Matejczek, Beamter der Zentralsozialversicherungsanstalt in Prag. Der Verstorbene hat sich während seiner leider so kurzen Wirksamkeit in der Zentralsozialversicherungran» stalt viele Freunde erworben, die sein Hinscheiden aufrichtig bedauern werden. Er ist auch weiten Kreisen in Trautenau und Mährisch-Schönberg, wo er als leitender Beamter der dortigen Krankenversicherungsanstalten tätig war, als sozial denkender Freund der Arbeiterschaft bekanntgeworden. Drei Schüsse am Elbe-Ufer. Am 1. Feber wurde in den ersten Morgenstunden bei Großpriesen ein Selbstmord- und ein Mordversuch verübt. Zwei junge Leute, die beide arbeitslos find und deshalb leine Aussicht haben, einen Haushalt zu gründen, wollten aus dem Leben gehen. Die beiden hatten den Entschluß zum Selbstmord an: 31. Jänner abends gefaßt. Sie ließen sich am 1. Feber um 8 Uhr morgens wecken und begaben sich in den Wald oberhalb Großpriesens. Das Mädchen halte den Revolver ihrem Bruder entwendet. Beide suchten den Platz' für den Selbstmord sehr sorgfältig aus. Erst auf inständiges Bitten ließ sich der junge Mann bewegen, auf das Mäd- chen zu schießen. Er schoß aus dec Nähe gegen das Herz. Den zweiten Schuß richtete er gegen seinen Kopf. Er stürzte zu Boden, erholte sich aber. Da das Mädchen keinen Schmerz verspürte, bat sie nochmals, der Mann möge sie erschießen. Aber auch der zweite Schuß gegen sie war unwirlsmn; er verletzte das Mädchen nur leicht. Die erste Kugel war an einem Knops abgeprallt. Da» Mädchen wollte dann in die Elbe springen, ihr Geliebter hielt sie aber davon ab. Die beiden jungen Leute wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Der junge Mann tvurde bald entlassen und Ivegeu Mordversuchs in Haft genommen. Auf dem Weg zur Arbcit... Mittwoch früh gegen 6 Uhr geriet am Bahnhof in H a S l a n beim Einsteigen in den nach Asch fahrenden Zug die Arbeiterin Anna Reichert aus Haölau unter den noch langsam fahrenden Zug, wobei ihr beide Beine abgefahren ivurden. Anna Reichert Ivar in der Spinnerei in Asch beschäftigt und benützte jeden Tag diesen Zug für die Fahrt zur I Arbeitsstätte. Nach der ersten Hilfe durch einen Haslauer Arzt wurde Frau Reichert in daS Egerer Krankenhaus geschafft, Ivo sie im Laufe des Vormittags ihren Verletzungen erlegen ist. Frau Reichert stand im 41. Lebensjahre und hinterläßt einen Gatten mit zwei unversorgten Kindern. Wegen Steuerbetrug vor Gericht. Der Geschäftsmann K. R. aus Moldau war Steuern schuldig. Teilzahlungen waren ihm bewillig: morden. Er war aber anscheinend trotzdem nicvt in der Lage, seine Steuerschuld zu begleichen. So zahlte er nun auf zivei Erlagscheinen drei und fünf AL an daS Steueramt ein. Daheim hat er dann auf den Abschnitten der Erlagscheine den Betrag auf 350 und 500 AL„erhöht". Alls die Exekution durchgeführt werden sollte, wies er diese Abschnitte als Beweis für die geleistete Steuerzahlung vor. Man kam aber sehr bald auf diese etwas plumpe Fälschung und es kam bei R. K. zu einer Hausdurchsuchung. Bei dieser Gelegenheit fand man einen Dolch, einen Schlagring und einen Gummiknüttel. So hatte sich also R. K. auch»och wegen Uebertrotung des Waffenpatentes zu Verantlvor- tcn. Er bekam für beide Delikte zwei Monate Kerker bedingt mit einer dreijährigen Bewährungsfrist. Historischer Bergknappenumzug in Schönfeld. Am 1. August d. I. wird in der alten Bergstadt Schönfeld in Westböhmen da» 2. Kaiserwald-Heimat- fest mit einem historischen Schönfelder Bergknappenumzug und einem eigenen Heimatfestspiel stattfinden, dessen Durchführung der OrtsfremdenverkehrS- vcrein unter Mitwirkung de»„Kaiserwald-Arbeit»- auSschuffeS" im Deutschen Landesverband« für Fremdenverkehr in Böhmen, Sitz Karlsbad, übernommen hat. Wenn man bedenkt, dast dieser Anas, Gegen den Heger, über dessen Benehmen im Revier wiederholtKlagen von derBevölkerung laut wurden, wurde Anklage wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens erhoben und ihm dabei weiter noch zur Last gelegt, daß er auch in einem zweiten Falle unvorsichtig im Revier mit dem Gewehr umgegangen war und den Fachlehrer Heinrich Lipser in Türmitz am 4. August 1936 nachmittags am selben Orte, als dieser dort botanisierte, durch einen Schuß am Leben bedroht habe. Ein Hohelied der Treue Di« Geschichte der Arbeiterbewegung kennt«ine Unzahl von Beispielen, in denen Pflichterfüllung und Opferberelsschaft über alle Hemnpmgen und Ueher- legungeü siegten. Beispiele, in denen die Tapferkeit und der Mut unserer Parteifunktionär« zum Ausdruck kennen, Wagnisse, bei denen al» Einsätze Leien und Existenz unserer Besten auf dem Spiele standen. Ohne diese prächtigen Menschen und Eharaktere hätten wir den Sturm der letzten Jahre nicht zu überdauern vermocht, wären wir an dem persönlichen und wirtschaftlichem Terror der getarnten Faschisten zerbrochen.. Viel« dieser heldenhaften Bekenner und ihre Taten find der Oeffentltchkett bekannt, von ihnen würde bereit» berichtet und über st« geschrieben. Daß aber allerort», in jeder Gemeinde und in der kleinsten Lokalorganisation, Helden de» proletarische^ Frei- helwkampfc» leben und wtzcken, Menschen, die. unserer Bewegung alle», wa»: st« haben, sich selbst schenken,-davon wird nur sehr wenig geredet,' denn, wir nehmen diese tapfer« Einstellung, den'Jdeali»- mu» und die Opferbereisschast äl» selbstverständlich« Pflichterfüllung an. voy einem Beispiel,,, in dem fMeue mit Treue vergolten wurde und da» in seineut Primitiven Geschehen, da» wundervoll« Kameradschaft»«mpfinden unserer Funktionär««ffenbart, soll jetzt, einmal die Sprach« sein: >■ Unser Erzgebirge ist schön, unsagbar schön, .über arm, so arm, daß man da» Leid seiner Bewohner nicht.schilderst'kann. Arbeitslosigkeit besteht hier nicht erst.seit gestern und heutef/fl« dauett in unverminderter Schärfe seit zehn Jähren an. Di« Großzahl der Bewohner einzelnen Gemeinden lebt von drN Unterstützungen au» der Ernährunzlaktlon ■ oder au» dem Genter System. DI« Einkommen find karg, wenn dieser Au»druck überhaupt noch ange wandt werden kann. Schmalhan» ist ständiger Küchenmeister und in den Winkeln der kleinen Stübchen sitzt als graue» Gespenst Frau Sorge. So wurde ein brave», fleißige» Arbriterbolk verurteilt, Leid und Entbehrung zu tragen, ohne Helsen zu können. In Gebieten, die so gramzerfurcht sind, wie unser Erzgebirge, können-die Menschen nicht aneinander vorüber leben al» wären sie Fremde. Die Hast der Städte ist hier draußen verebbt. Langsamer fli«ßt der Strom der Geschehnisse, den Menschen Zeit zur Besinnung und Sammlung lassend. Weil diese arbeissqmen Menschen infolge de» erzwungenen Richtrtun» soviel Zett haben, machen sie sich Wer ihr Leben und die Zukunft Gedanken, sie„spintisieren", wie ein volkstümlicher Ausdruck dafür lautet. Daß denkende Menschen keinen Platz haben in der Faschistenbewegung, bedarf keine» Beweises. Sie find Sozialisten geblieben und werden«S bleiben trotz allem.Terror und aller Schikanen. Aeher die Gesinnung»tr«u« unserer Erzgebirgler ließen sich rührende Geschichten erzählen- E» gibt Berichte, au» denen hervorgeht, baß ganze Familien, dir bitter« Not litten, Unterstützungen au» der „Sudetendeusschen Volkshilse" abgelehnt haben, weil fi« von getarnten Faschisten keine Unterstützungen nehmen. E» find Fälle registriert, wo tapfere Streiter unserer Idee Arbeit angeboten bekamen, voraur- gesetzt, dab sie ihre Rehellengestnnung aufgebrn; sie haben lieber weiter gehungert, gl» daß sie untreu würden. Ein kleine» Beispiel aber ist mir immer in Erinnerung: E» war. eine Versammlung in Kallich im Be-, zirke Komotau. Trotz winterlichen Unwetters waren viel« Genossen gekommen. Jeder wollte ja hören, wa» e» an neuen Geschehnissen gibt— die Zeitung I könnensi« nicht, halten, weil ihnen daz". die Mitteln fehlen. E» bleibt ihnen also nür die Versammlung und so sitzen sie und lauschen den Worten de» Redner», zu denen sie dann kritisch und klug Stellung nehmen. Aber auch hier, am Versammlungstisch, ist die triste Lage dieser tapferen Grenzhüter der Demokratie ersichtlich. Die meisten von ihnen sitzen während der ganzen Versammlung vor einem Glos B:er, obwohl sie gerne noch einig« trinken'würden, und der Wirt, der ihre Lage kennt, fragt sie gar nicht mehr. Einer aber ist dabei, der Wasser trinkt. Meine verwunderte Frage, ob er denn auf seine alten Tage unter die Abstinenzler gegangen sei, verneint er lachend. Unter di« Abstinenzler nicht, sondern unter di«Hungerleider, meint er. Für Bier habe ich fein Geld, aber an der Versammlung muhte ich teilnehmen und da lieh ich mir vom Wirt«in Gla» Wasser bringen, dar koste: wenigsten» nichts. Ueberflüssig zu sagen, dah wir übrigen Versammlungsteilnehmer natürlich dafür sorgten, dah er nicht bei Wasser blieb. So find di« Erzgebirgler. Sie schämen sich ihrer Armut nicht, die sie ja nicht durch ihr Verschulden Waffen müssen und fie haben Bekennexmut. Daß aber wahre, Kameradschaft innerhalb diese: herrlichen Proleten schlummert, wurde etwa ein Iah« nach dieser Versammlung, vor wenigen Tagen, bewiesen.. Derselbe Vertrauensmann, der in der damaligen Versammlung dabei sein muht«, obwohl«r kernen Heller in der Tasche hatte, verunglückt« während einer'Aushilfsarbeit tödlich. DI« Beerdigung wird festgesetzt, Kränz« angekaust und all« Vorarbeiten getroffen. Einen Tag»vor der Beerdigung setzt im Gebirge Schneesturm eist. Wer noch nie einen solchen mitgemacht hat, kann fich vom winterlichen Unwetter des Erzgebirge» keinen Begriff machen» Der heftig« Wind weibt Eiskörnchen mit sich her, die' Wie Stecknadeln in die Haut fahren, durch Kleider sind Wäsche dringen, so dah e» einem bald scheint, al» stünde man nqckt im Schneegestöber. Meterhohe Schneewehen, in di« man«inbricht. Kaum daß man wieder festen Boden unter den Fühen hat, kommen neue Weghinderniss« in Form noch größerer Wehen und so geht e» denn den ganzen Weg. Wir sind zu zlveit hinausgefahren, um uns namens der sozialistischen Organisationen von den: treuen Streiter zu verabschieden. Unser Auto bleib: stecken. Die Schneewehen sind zu gewaltig. Also auSgestiegen und deu Weg zu Fuß gemacht. Wir fragen eins» Mann. Al» Antwort kounnt:„Die Beerdigung wird heute wahrscheinlich nicht stattfinden, denn bei diesem Wetter geht ja kein Mensch mit." Trotzdem gehen wir weiter und nach einem unbeschreiblichen Wege sind wir endlich am Friedhof angekommen. Den zur Kirch« führenden Hügel kann eines: allein nicht passieren. Wir hängen uns Ineinander«In, damit uns der Sturm nicht wieder hinabjagt. Wir sind froh, dah wir In der Kirch« Schutz vor dem entsetzlichen Weiter gefunden haben Wir brauchen nicht lange warten. Schon biegt der Leichenzug um die Ecke. Wer aber geglaubt hat, daß sich unsere braven Genossen de» Erzgebirge» von diesem Wetter abhalten lassen würden, ihrem toten Freunde das letzte Geleite zu geben, hatte sich getäuscht. Sie waren all« gekonnnen, ob alt oder jung, von nah und fern. Einig« hatten in diesem unbarmherzigen Schneesturm einen stundenweiten Weg hinter sich. Ein Genosse war bi» von Brandau herbeigeeilt, ist also drei Stunden bi» Kallich gelaufen. Und sie hielten durch wotz allem Wetter. Kameradschaftstreue ging ihnen über all« persönliche'Unbill. So haben die braven Erzgebirgler die Pflichttreue des einzelnen vergolten, in dem sie Treu« gegen Treu« setzten. Bei diesem Bilde wurde einem, trotz der Leihenben Kälte, warn» umS Herz und alle Mühen und Beschwernisse waren angesichts dieser braven Menschen vergessen. Und in un» wuchs die Ueberzeügung: Eine Partei, die solche herrliche und unerschrockene Menschen ihr eigen nennt, muß letzten. Endes siegreich bleiben. g. Kern, Seite 4 Donnerst»». Kcbcr 1937 srr.sa Das singende Piano Auferstehung einer böhmischen Erfindung nach 200 Jahren? Valencia Piaca Castellare Radeks Tochter verhaftet London. Dem„Daily Expreß" wird gemeldet, daß die 18jährige Tochter Radeks, M a«, r u s j a, am Dienstag von der GPU in dec Moskauer Universität verhaftet worden ist. Sie wird beschuldigt, die Studentenschaft gegen das Urteil im Moskauer Prozeß a u f g e'w i e g e l t zu habe». Warschau. Nach Meldungen auö MoSka« ist der Direktor der sowjetrussischen Staatsbank M a r j a s i n verhaftet worden. Kozmas Rücktritt.vollzogen Budapest. Mittwoch abends wurden die Handschreiben des Reichsverwesers bekanntgege- ben, mit denen er Nikolaus K o z m a auf eigenes Ansuchen von der Stelle des Ministers des Innern enthebt und mit der interimistischen Leitung dieses Ministeriums den Ministerpräsidenten Dr. Daranyi betraut. Der ausscheidende Minister wurde auf Lebenszeit zum Mitglied des ungarischen Oberhauses ernannt. Meder 51 Ausbürgerungen Soeben hat das deutsche Innenministerium eine neue Liste von Ausgebiirgerten veröffentlicht. Die Liste unisaßt öl Namen. Wir finden fast nur junge Leute darunter. Nur ganz wenige sind älter als vierzig Jahre. Einer der AuSgebürgertcn ist Adolf Borstendörfer, geboren am 1ö. Ium 180t) in Prag-Weinberge. Borstendorfer Ivar früher Korrespondent des„Völkischen Beobachter" und des„Stürmer" und war im Vorjahre in die Affäre Milos Maixner, Herausgeber des„Nr -- Hitler ünttvortete.••------- Nr. 30 LmmerStas, 4. Seiet 1037 Seite 5 üoBsmrtacfegft und ävLiaipoTiA Agrarische Demagogie Eine lächerliche Unterschriftenaktion gegen eie Magarlneversorgung Warum stellen die agrarischen Margarinefabriken nicht die Produktion ein? Der Frauenmord im Schnellzug gesühnt. Das Oberste Gericht in Wien hat die Nichttgkeitr- öefchwerde des Studenten Karl S t r a s s e r verworfen, der wegen der Ermordung der Rumänin Maria Farcasan in einem Schnellzugswaggon vom Leovener Gericht zum Tode verurteilt worden war. Straffer gestand bekanntlich bei der ersten Verhandlung lediglich, die Frau Farcasan im SchnellzugScoupö bestohlen zu haben, während den Mord der- berüchtigte rumänische Stäuber Trajan TeodoreSeu begangen hätte. Der beschuldigte TeodoreSeu. wurde erst vor lurzer Zeit in Rumänien verhaftet. Sein Alibi tonnte aber einwandfrei nachgewiesen.werden. DaS Befinden de» Papstes- ist unverändert. Sest einigen Tagen ist eine bedeutende Besserung Im Bluttreislauf des Patienten bemerkbar. Störungen des Blutkreislaufes zeigen sich jetzt nur in den Beinen,-' ' Amerikanisches Kulturbild. In Headland l Alabama) stürmte eine bewaffnete Menschenmenge das dortige Gefängnis, bemächtigte sich eines 18jährigen Negers, der der Bevgewaltigung einer Aei^n beschuldigt war, und lynchte ihn. Der französtsche Dampfer„Conde" stiess unweit von Antwerpen mit dem schwedischen Dampfer-„Straffa" zusammen. DaS französische Schiff wurde ernstlich beschädigt und lief auf eine Sandbank auf. Dem Dampfer„Straffa" gelang es mit eigener Kraft, den Hafen von Antwerpen anzulaufen. Ein blinder Sckmdant. Es dürste zum erstenmal in der Geschichte des Duell» vorgekommen sein, dass ein Blinder al» Sekundant fungierte. Die» geschah vor einigen Tagen in einem Duell, da» sich der Journalist Serge Beber und sein Gegner Michelson in einem Park in der Umgebung von Pari» lieferten. Beber fühlte sich von Michelson beleidigt und hatte ihn zum Zweikampf herausgefordert. Michelson wählte als seine Sekundanten zwei Abgeordnete, einer von ihnen war Scapini, der im Kriege sein Aiigenlicht verloren hatte. Es entspann sich daraufhin eine Debatte, ob man einen Blinden als„Zeugen" anerkennen könne. Und der Schiedsrichter, der Schriftsteller Jean Joseph Renaud, begab sich zu dem ehemaligen Minister und Vorsitzenden der französischen Fechter-Verbande» Francois Pittri, um dessen Meinung zu hören. Piötri lehnte den Blinden al- Sekundanten ab, aber Renaud setzte nach einer langen Unterhaltung doch seinen Willen durch, und da» Duell konnte stattfinden. Die Karpathornssen für Puschkin. In Muka- Levo wird iw Rahmen der Feiern aus Anlass des 100. Todestages des russischen Dichters Puschkin am Gebäude des russischen Staatsgymnasiums eine Gedenktafel enthüllt werde». Der feierlichen Enthüllung werden der Gouverneur von Karpathorussland Konstantin Hrabar und der Landesvizepräsident Dr. Meznik^sspohiM^Kü;.-Ged.eMafü Wirte ein, Basrelief Puschkins sowie einen Ausspnich aus feinen Gedichten enthalten. Ferner wird die Tafel die Inschrift tragen:„Zum Gedenken an den 100 Todestag, den 11..Feber(SS. Jänner) 1887.'—Die Karpathorussen für Alexander Sergjejowitsch Puschkin 1087." Deutsche Sprach, swere Sprach ■ AI» der liebe Gott Augsburger Bekenntnisses vom PropägandamiNisterium per Einschreibebrief die diensthöfliche Weisung erhielt, fortan al» Wotan einen Stahlhelm zu tragen, bzw. Schlapphut, sich auf-.ein Auge beschneiden zu lassen, ebenso unstet wohnhaft zu seist wie Ahasver,-überdies zwei Raben Prokura zu erteilen und die pazifistisch verseuchte Taube abzuschasfen— la» der lieb« Gott gar nicht weiter, wa» ihm im WiederbetretungSfall passieren wstrde,. Sogar der. liebe Gott verlor jetzt die Geduld und ging definitiv in die Emigration. S» gelangte er auch nach Prag. Hier las er zu feinem Entsetzen Im„Prager Kirchenboten"(Nachrichten au» der deutschen evang:« Ilschen Gemeinde, Prag, Jahrgang.80, 1088, Nr. 5-8, Seite 4:„Die Gemeinde, Eltern und Lehrkörper sorgen i» gewohnter Weise für eine h e mmn ng» lo s e Lehrtätigkeit". Benevolent, wie der liebe Gott nun einmal hauptberuflich Ist, führte er diesen weitgehend hemmungslosen Gebrauch der deutschen Sprache nicht etwa auf den langen Arm de» Propagandaministe« riunis zurück, sondern allein auf die schon Gotthold Ephraim Lessing bekannte Tatsache, dass„deutsche Sprach swere Sprach, serr swere Sprach" ist, besonder» für hauptamtliche Erhalter de» Deutschtum». E» meckert im Kalender Aon der Rückseite eines.gleichgeschalteten Ab- reisskalenderzettel» entnehmen Wir. folgende schollen« gzbündene. Tertmontage:> -„Wir-wollen- einen Staat,- der jedemda»gibt, worauf er auf- Gtund- seiner- Tätigkeit ein Recht HÄ." ,«d!olf H-ttkew.^ hoffe,' e»- wird'.-stiewal»-jemand ei.n esi" z u fr t e d e li.'e’n Deutschen sehen. Dass wir klagen, ist der.sicherste ErweiS. dass wir leben, wenn ander» Leben darin-- besteht,-' au» Unzufriedenheit nist' der Gegenwart in dke Zukunft hjUeknzutimchsen,"''- /Lagarde-'" 'K',Küchenzettel:...;!<,• „MäkkäronjsüPPt:--?^! Zanderfilet»— Salät« Kaotofseln V- APfeVEierkuchen.^" Au» der Vorderseite de» Kaleckderzettel»ersieht mqn noch, dass ein gütige» Geschick den Kampfflieger Boelke schon 20 Jahre davor betvahtte/den'öv.'JuNi nicht zu überstben..'---'s. Sollst dieses In lauter Zitaten ussd,.Zufällen erstarrte G e in e ck er,wirtlich nur-."vier Milche Saltomortale deS Byzantinismus seinii Wiederholt haben wir das Doppelspiel, welches gewisse agrarische Kreise in der Frage der Fetwersorgung treiben, aufgedeckt. Dieser Kampf um die Versorgung mit Kunstfett hat derzeit wieder einen Höhepunkt erreicht, da eS um die Festsetzung der Mengen geht, welche im heurigen Jahr produziert werden dürfen. Die Genoffenschaftsverbände, auf deutscher Seile der Verband deutschen Wirtschaftsgenoffen« schäften, haben in diesen Tagen der Regierung und den einzelnen Ministerien eine Denkschrift überreicht, in welcher sie den Standpunkt der Verbraucher vertreten, gleichzeitig aber mit triftigen Gründen die Argumente, welche gegen deren Interessen InS Treffen geführt weiten, widerlegen. Die Denkschrift schliesst mit folgenden Sätzen: „Wir fordern mit allem Nachdruck, dass die Regierung die Erzeugung von Kunstspeisefetten und Margarine vollkommen freigebe, damit di« breiten Volksschichten das kaufen können, was ihrem Lebensstandard entspricht, wenn wir auch von der Negierung nicht sordem können, dass die gesunkenen Löhne aller körperlich und geistig Arbeitenden erhöht werden. Wenn die Löhne und Gehälter auf einem angemessenen Nweau geregelt werden würden, sind wir überzeugt, dass selbsttätig eine Abkehr vom Konsum billigerer Fette einireten würde und dass mehr Butter und ausgekochtes Schweinefett konsumiert werden würde. Die verelendeten Verhältnisse der weitestenBolkSschichten erfordern e», dass im staatlichen und öffentlichen Interesse die Preise der notwendigen LebenSbedarfsartikel den Einkünften der Bevölkerung angemessen seien und von diesem Standpunkt au» müssen wir verlangen, dass auch die Reg.-Vdg. 51/84 aufgehoben werde und die Erzeugung von Margarine und Kunftspeisefetten vollkommen freigegeben werde." In der„Konsumgenossenschaft" machte Genosse S v 0 j s e auf die alljährlich wiederholte Methode der Agrarier aufmerksam, welche sich die Zustimmung zu höheren Riargarinekontingenten teuer abkaufen laffen wollen. Deshalb verlangt er. wenn die Koniingentierung inzwischen nicht vollkommen beseitigt werden sollte, die Festsetzung eine» dreijährigen Kontingentes zur Verhinderung der ständigen Schwierigkeiten und Känlpse. Weiterhin besaßt sich der Artikel mit -der agrarischen Scheinargumentation und- sagt .unter anderem: Die Agrarier behaupte.», d»ß die Margarine« wirtschaft-gerade dem kleinen-Bauer am-meisten schade. Wir haben Ausschau gehalten in den Verteilungsstellen unserer Genossenschaften, soweit sich Ihre Tätigkeit mich in landwirtschaftliche Gebiete erstreckt. Ueberall in diesen landwirtschaftlichen Gebieten ist der Umsatz an dem billige» kunstfett aller Art gestiegen. Die kleinen Landwirte und Häusler verkaufen ihre Butter und nehmen dafür die billigeren Fettstoffe, ein Beweis für die Notlage der kleinen Landwirte, deren Wirtschaftslage durch eine Verteuerung der Margarine nur noch viel schlechter werden.müsste. * Wie unseriös die ganze Wirtschaftspolitik der Agrarier und wie sehr sie nur darauf zugeschnitten ist, den Grossgrundbesitzern zu nützen, beweist— ein Fall für viele Duzende andere— die Pflichtabnahme inländischerSojabohnen durch dieMarga- rinefabriken. ES ist grundsätzlich nichts dagegen zu sagen, wenn der inländischen Agrarproduktion der Vorzug gegeben wird, wenn dies nicht zu La« sten des Verbrauchers ginge. Die Fabriken wehren sich, die gegenüber der ausländischen Ware dreimal so teure inländische Sojabohne abzunehmen. Die Agrarier erklärten, daß dieser Preis für die kleinen Bauern, die für den Anbau der Sojabohnen in Frage kommen, unbedingt erzielt werden müsse. Wie sieht es nun in Wiülich« keit aus? Die Gefangenen vom Cerro Rojo - Aus M a dri d wird uns geschrieben: ; In den letzten Schützengräben der Faschisten am.„Roten Hügel" hoben sie die Hände:.„Prüder,-Nicht schieben!"-Und im-Frontbericht Mer die Schlacht am„Roten Hügels, der früher En- gelshügel,.Terra de-los Angeles, hiess, steht, dass die Soldaten der Ersten Gemischten Brigade über ^hundert Gefangene gemacht haben. ' Mehr als hundert Gefangene... Sie sehen -nicht all» wie Soldaten,- sondern wie- eine Horde Bettler.'dle seit langem nicht mehr mit menschlichen- Wesen-kn-Berührung gekommen sind. Halb - nackt,'geschwärzt,, schmutzig-und- fast verhungert. 'In-ihren Gesichtern, steht da» Elend, die Sklaverei, der Terror geschrieben. Das sind die Sol- «daten.FrancoisH - Fast alle schlafen. Die-Soldaten de» Volksheere» haben ihnen Essen gegeben, HaS sie hastig verschlangen.---- „Was habt Ihr drüben gegessen?" „Ein paar Sardinen) etwa» Wurst..."- ' Er sind Jungens von 20 und 22 Jahxen. »Aus Galicia uni Leon, aber die meiste» Kam« Jm ganzen werden 62 Waggon» teure Soja» bahnen zur Verarbeitung auf Margarine geliefert, davon liefern etwa 46 Waggon», somit volle drei Viertel, einige Grossgrundbesitzer und Zuckerfabriken in der Slowakei. Die Unterschriftenaktion gegen die Margarine wirkt, wir dürfen wohl sagen, auch auf die Aemter kindisch, denn man kennt die Methoden und man kennt die Unersättlichkeit der agrarischen Partei. Jeder kann sich davon überzeugen, dass die Bogen bi» zu zehn von einer Hand geschriebene Namen tragen. Jeder kann sich davon überzeugen, dass mehr al» die Hälfte der auf den Bogen gegen die Margarineproduktion Protestierenden selbst Margarinekonsumenten sind. Wem soll eine solche Aktion imponieren?- Die Verbraucherorganisationen sind imstande, binnen Monatsfrist Millionen ehrlicher Unterschris- !ten zu bringen gegen die schier unerträglich ge- lvovdene großagrarische Ausbeutungspolitik, ob es sich nun um Margarine oder um andere Dinge handelt. * Jedermann ist sich wohl schon klar Wer die unehrliche Wirtschaftspolitik der Agrarier. Sie bekämpfen die Margarineprcwuktion, haben es aber verstanden, innerhalb der kurzen Zeit des Bestandes dieses Gesetzes eine agrarische Margarineindustrie, die heute über ein Kontingent von 7,200.000 Kg. verfügt, aufzubauen. Vor dem Gesetz gab eS keine agrarische Margarinefabrik, seither gibt es deren fünf oder sechs, und die agrarische Partei bemüht sich mit Erfolg, daß die Kontingente dieser Fabriken von Jahr zu Jahr größer werden. Sie tarnen ihre Betriebe. Ihre Ostrauer Margarinefabrik soll einen neuen Namen erhalten und künftig„Farina" heißen. Sie bleibt nach wie vor im Besitz des rein agrarischen Mähr. Verbandes für Vieh- und Fleischhandel. Wenig beachtet wurde, daß diese Margarinefabrik vor kurzem bei den Brünner Behörden die Ausstellung eines Gewerbescheines verlangte, der sie zum Groß- und Kleinhandel mit Kun st fett berechtigt! JnvestitionSförderung durch da» Land Böhmen. Der böhmische LandeSauSschuß bewilligte in seiner Sitzung am Mittwoch Investitionsarbeiten in der Höhe von 33 Millionen XC. Genehmigt wurden die Borbereitungsarbeiten für den Bau einer neuen Brücke an Stelle der Stefä- nik-Rettenbrücke in Prag und die Erweiterung des Wasserwerkes in Prag XVI. Unter den bewilligten Beträgen sind auch 2 Millionen für die Wasserleitung Warnsdorf. Der Landesausschuh nahm zur Kenntnis, daß Ende 1036 insgesamt 401 Straßen- und 27 Brückenbauten in die sogenannte Landesstraßenaktioy ausgenommen wurden. Diese Arbeiten erfordern einen Aufwand Bon 148 Millionen XL. Durch den im Dezember gefaßten Beschluß der böhmischen LaudeSvertre« tung werden weitere Arbefte» dieser Art in der Höhe von V0 Millionen Xi ermöglicht. Aufschlussreiche Ziffern über die Arbeits- losigkeit der Jugend bringt das Mitteilungsblatt des Revierrats in Kladno. Im-dortigen Gebiet ist die Beschäftigungslosigkeit so wie in anderen Gegenden in den letzten Monaten teilweise gesunken, vor allem durch die Einstellungen in de» Eisenwerken Pnd der Poldihütte. Trotzdem bleiben außerordentlich viele Arbeitsuchende ausserhalb der Betriebe. Unter den jugendlichen Arbeitslosen stehen den Berufen nach an der Spitze die Hilfsarbeiter, Friseure, Lackierer, Kellner, nach der AuSlehre entlassene Lehrlinge und Han- men aus den elenden Dörfern der Provinz Caceres. Wenig wissen sie vom Leben und vom Kampf ums Leben. Aber in diesen wenigen Monaten des Kampfes, die Pistolen der Faschisten im Rücken, haben sie begriffen, dass ihr Platz bei ,un» ist. Langsam gewöhnen sie sich an die neue -Umgebung. Sie flicken ihre zerlumpten Kleider, hinden die Sohlen ihrer Schuhe mit Stricken fest. Da» sind- die Reste einer Kompanie de» Infanterieregiments 27... Diese Bauem au» der Provinz Cacere», au»-Galicia, die Soldaten au» Leon, all diese Jungen» vom 27. Regiment setzen dieselbe Geschichte fort, die der Erste, der aus der faschisti- fchen Hölle floh, begonnen hat: die Geschichte- der Erschiessungen, der Folterungen und Verbrechen. . Stotternd beginnt Angel Leo Manzano au» Malpartida:„Bet' un» erschossen sie alle MU- glieder dös Volkshauses." , Und Ricardo Bruno Cano murmelte:„Jeder in Valencia de Alcantaro weiss, daß-sie den sozialistischen Abgeordneten Felipe Granado» Valdivia, Gabriel DIonisio, Amada Vera erschaffen. Dort ist kein Arbeiter am Leben geblieben." I- Sin anderer:„Was in Caceres geschah, lässt sich nichtberichjen. Es sind Tausende! Tau- delsschüler. Die Konjunktur in der Metall« industrie hat vorerst die gelernt en Kräfte in Arbeit gebracht. Es zeigte sich, wie in vielen andern Produktionszweigen, Mangel an Facharbeitern, eine Folge der Vernachläffigung dieses Problems fn der ganzen Krisenzeit. In der letzten Zeit haben die Industriebetriebe daher eine größere Ai^ahl von Lehrlingen eingestellt, ungefähr 100 in den Metallbetrtcben und ISO in den Gruben, aber weit mehr sind in Kladno noch arbeitslos. Teuerungsaushilfe auch für Baggerarbeiter gefordert. Die Union der Bergarbeiter, der Svaz horniku und die Jednota hocniku haben an sämtliche Bagger« und Abraumunternehmungen'n Nordweswöhmen das Verlangen nach Geivährung einer eiiunaligen Teuerungsaushilfe für die bei diesen Firmen im Jahre 1036 in Arbeit gestandenen Arbeiter gestellt. Gefordert werden 165 XL für verheiratete und 105 XL für ledige Arbeiter und Arbeiterinnen. Begründet wird diese Forderung mit den gesteigerten Kosten der Lebenshaltung, denen keine Erhöhung des Arbeitseinkommens gegenübersteht. In der Zuschrift an die Baggerfirmen wird noch darauf verwiesen, daß die meiste» Industriezweige sowie die Staatsgruben und privaten Bergbauunternehmungen ihren Arbeitern eine einmalige Teuerungsaushilse gewährt haben. Englisch-irische Verständigung?(AP) Manche Anzeichen deuten darauf hin, daß die Atmosphäre zwischen London und Dublin sich erheblich gebessert habe und daß ein Ausgleich zwischen England und Irland bevorstehe. Man hat vor allem darmif verwiesen, daß der Präsident des irischen Freistaates zwei lange Unterredungen mit dem englischen To- minion-Minister hatte und diesmal seinen Londoner Aufenthalt ungewöhnlich lange ausdehnte. Ta» würde einen Wendepunkt in den Beziehungen bedeuten. Während der fünfjährigen Amtstätigkeit de Valera» sind, wie erinnerlich, planmäßig alle Verbindungen zwischen dem Freistaat und dem Mutterland abgebaut und zerriffen worden. Ganz offen wurde da» Ziel völliger Unabhängigkeit verfolgt. Verständigungsversuche blieben seit 1082 völlig ergebnislos. England beharrte auf dem Abkommen von 1021, Irland ebenso unnachgiebig auf seinen Forderungen, denen e» durch die Verweigerung der Zahlung von fünf Millionen jährlicher Pachtrente Nachdruck und symbolischen Ausdruck zugleich verlieh. Dazu kamen die gegenseitigen wirtschaftlichen Re- pressalien, bei denen sich die Schädigungen für beide Länder die Waage hielten. Allenfalls dürfte ein kleiner Ueberschuß durch Sonderzölle zugunsten England» zu verbuchen sej». Nach der Abschaffung deS. Treueids auf den König erfolgte zuletzt die Beseitu,- giing de» Postens deS englischen Generalgouverneurs, de» Statthalter» der englischen Krone, so daß nur »och die außenpolitische Vertretung de» Freistaats in den Händen de» Mutterlandes verblieb. Inzwischen regt sich aber in beiden Ländern der Wunsch nach einer Verständigung. Man erkennt, daß man auf- einandir angewiesen Ist, und da» Kompromiß dürfte darin bestehen, daß auf die irischen Wünsche weit- gehendst Rücksicht genommen wird, Irland aber un Rahmen de» Commonwealth verbleibt. Eine Schwierigkeit aber ist die Ulster-Frage. Denn Ulster stehe zu England, aber Irland besteht auf dec Vereinigung. Berändernngen kn der Uasienischen Presse. (AP.) Im italienischen Zeitungswesen stehen große personelle Veränderungen bevor. Virgilio G a y d a, der Direktor de»„Giornale d'Jtalia", soll nunmehr in die diplomatische Karriere übernommen werden. Al» Nachfolger werden Jnterlandi, der Chefredakteur de»„Tcvcre", und Signoretti, der Chefredakteur der Turiner„Stampa" genannt. Zugleich besteht die Absicht, das seit längerer Zeit unbesetzte Unterstaatsekretariat im Presseministerium neu zu besehen, und zwar mit Amstucci, dem Direltor der Turiner „Gazzetta del Popolo". Der Direktor de»„Messag- gero" in Rom, Malgiri, wird zurücktreten. Die Veränderungen haben in politischen Kreisen außerordentliches Aussehen erregt, zumal man davon spricht, daß diese personellen Maßnahmen auch politische» Interesse beanspruchen. sende! Nachts haben sie sie geholt. Die Lichter im Dorf wurden gelöscht. In Lastwagen wurden sie aufs Feld gebracht. In den Häusern hörten wir die Salven. Aber die Frauen weinten nicht bis zum Morgengrauen... So erzählen die Gefangenen, berichten Namen von Erschossenen, von ihren eigenen Bekannten." „Bei der Aushebung," erzählen die Gefangenen," wurde uns gesagt, wir müßten gegen die Kommunisten kämpfen, die sich erhoben hätten. Wir müßten die Republik verteidigen. Aber dann ließen sie uns auf die monarchisttsche Fahne schwören und bei den Defilees wurde der alte Köni aarsch gespielt. Dabei haben sie uns wie Hunde behandelt. Die Offiziere bewachten uns. Ständige Drohungen. Der kleinste Fehler-wurde hart bestraft. Wir begriffen bald, daß alles Schwindel war. Man. versicherte uns, Tercio und Marokkaner, di« immer vor un» kämpsien, seien schon in Madrid. Wir müßten nur noch ein paar Stadtviertel nehmen, in denen die Roten sich festgesetzt hätten." ’„Dann wieder sagte» sie uns," ergänzt ei» anderer Gefüngener,„wir kämpften nur gegen Russen und Franzosen, die Madrid verteidigen. Kommunisten, Sozialisten und Republikaner seien schon geflohen, die-Hauptstadt sei in den Händen der russischen Bolschewiki." «reite a „Sozialdemokrat*- Donnerstag, 4. Feber 1937.’9tt. 3b Anger Zeitung Stnndenlohn: Kl.Heller.(Ka) Daß die Prostitution in neunundneunzig non hundert Fällen andere Ursachen hat, als die Abneigung zu einer anderen Art des Broterwerbes oder gar die besondere Vorliebe für diese, ist so bekannt, daß sie nicht noch einmal bewiesen werden must. Ein Beispiel der Ursachen: Ein Automatenbüfett in den Weinbergen zahlt seinen weiblichen Angestellten Löhne zwischen 88 und 65 KC wöchentlich. Dazu kommt allerdings noch die Kost, die aber so-schlecht(das übliche Menü besteht ans trockenen Knödeln und Kraut) und so wenig ausreichend sein soll, dast jede sich noch auch ihr Essen, wenigstens teilweise selbst lausen must. An ihrem freien Tag must sie das zur Gänze. Die Arbeitszeit beträgt über zehn Stunden, von halb 4 Uhr nachmittags bis 2 Uhr nachts. Dann folgt aber noch die Abrechnung und das Aufbeivahren der Waren, so dast man praktisch von einer beinahe zwölf stündigen Ar- beitszeit sprechen kann. Bei 36 KC Wochenlohn entspricht das einem. Stundenlohn von ungefähr 51 Hellern. Wie kann ein Mädchen bei dieser Bezahlung leben?„Mein Bruder schickt mir monatlich 400 KC", erzählte mir eine. „Und wenn Sie ihn nicht hätten?"—„Dann mühte ich mir eben einen reichen Freund suchen." —„Und wenn Sie keinen fänden?"—„Vielleicht mühte ich auf die Straße.". Schandgewerbe? Wenn eS einer ausübt, ist es der Besitzer jenes Automatenbüfetts, der ihr nicht einmal, vierzig. KC in der Woche zahlt, weniger als sie für eine halbwegs anständige Wohnung auS- geben muh. Die Staatsbahnen fertigen folgende Ausflugs- güge ab: Vom 6. bis 14. lieber in die. Hohe Tatra und nach Telgart zum Preise von 550 KC; vom 18. bis 21. Feber nach Spindlermühle für 800 KC, und auf die Sokolbaude für 445 KC; vom 20. Feber bis 1. März nach Karpathorußland zum Preise von 425 KC, und in die Hohe Tatra für 565 KC. Anmeldungen werden im Basar neben dem Wilsonbahir- hof, Tel. 888—85, entgegengenommen. ßericktsLaat Schuld und Strafe 1. Der Bankier ' Prag,-rb- Das Urteil in dem Prozest gegen die Gesellschafter der Banlsirma Ignaz S. Weiner, dar infolge'der unerwartet schnellen Abwicklung der Verhandlung schon am Spätnachmittag der Zweiten ProzesttageS verlünde: wurde, brachte keine Uebecraschung. Der Angeklagte Polak, der dar Bankhaus in der letzten Zeit feines Bestandes leitete, wurde wegen Veruntreuung zu einem Jahr Kerker verurteilt, aber bedingtauf fünfJahre, in welcher Zeit er den verursachten Schaden„nach seinen Kräften" wiedergutmachen soll. Der zweite Angeklagte wurde freigespro- ch e n. Der Schaden beläuft sich, wie bereits bemerkt, nach Schätzung der Sachverständigen auf 1.8 Millionen. 2. Der klein« Angestellte Bor dem Strafsenat M a r e C e l stand der 36jährige Bahnangestellte Vlastimil Strejeov- s k»j aus R o st o k unter Anklage der Veruntreuung. Als AuShilfSangestellter war er der Güterkasse dieser Station zugeteilt. Seit 1982 begann der Angeklagte, da er ein sehr kleiner Gehalt bezog und eine mehrköpfige Familie zu erhalten hat, sich an den anvertrauten Geldern zü vergreisen. Dian kann nicht sagen, dast diese Veruntreuungen übermästige Ausmaste angenommen hätten. 3m Verlauf von vier Jahren kam er zu einem Gesamtabgang von 17.885 KC. Der Angeklagte berief sich auf seine ganz osfen- kundige Notlage, war ihm aber wenig half. Er wurde des Verbrechens der Veruntreuung schuldig befunden und zu f ii n f Monaten schweren Kerkers verurteilt. Zum Unterschied von jenem, Ivegen des gleichen Deliktes verurteilten Bankier (Schaden 1.2 Millionen!) sprach der Gerichtshof die Strafe für den schlechtbezahlten kleinen Angestellten ohne Zu billig ungeiner Bewährungsfrist aus, womit auch die existenzielle Vernichtung der Verurteilten besiegelt ist. Dar blinde Passagier (Bezirksgericht.) Prag,-rb- Der junge Bursche aus der Slowakei steht bereits das drittemal vor dem Bezirksgericht, angeklagt der Uebertretung'de» Betruges. Die Einklage führt aus, er höbe durch die Vorspiegelung, im Besitz einer Fahrkarte, zu sein, die Eisenbahnverwaltung an ihrem Recht auf Bezahlung- der Fahrpreises geschädigt. Kurz gesagt, dieser Jur o jd, hat sich bereits zum drittenmal als Schwarzfahrer aus seiner oftslowakischen Heimat auf die Arbeitssuche nach Prag begeben und stets endete die Schwarzfahrt, sei es unmittelbar am Ziel, oder kurz vor diesem.mit der Entdeckung der blinden Passagiers. Dar erstemal wurde er eist Opfer der scharfen Bahnsteigkontrolle auf dem. Masarykbähnhof, dar zweitemal versuchte er einige Stationen vor Prag aurzusteigen, lenkte aber als einziger AuS- steigender die Aufmerksamkeit des BahnhofSpersonälS auf sich und wurde abermals als Schwarzfahrer erkannt. Als man ihn dar erstemal vor Gericht stellte, bekam er fünf Tage strengen Arrest, mit Rücksicht auf seinen tadellosen Leumund bedingt, das nächste- mal waren er schon, drei Wochen und beidemale wurde er natürlich als vermögens-, stellen- und unterkunftloser Fremdling,in seine Heimat abge- s ch o b e n. Er liest sich nicht abschrecken und wie« derholte die beschwerliche Reise eines Schwarzfahrers zum drittenmal. Bor Gericht schilderte er anschaulich. durch welche Tricks er der Kontrolle im Zuge zu entgehen wustte. Diesmal wollte er in Lieden aussteigen, wo er Aussichten auf ein Durchschlüpfen zu haben glaubte. Aber das Verhängnir wollte, dast er nach der langen und beschwerlichen Nachtfahrt, während welche er unentdeckt blieb, kurz vor dem Ziel einschlief und erst auf dem Masaryk- dahnhof erwachte, wo eS kein Entrinnen mehr gab. Der Angeklagte nahm die diesmal auf sechs Wochen lautende Strafe, die grösttenteils durch Polizei» und Untersuchungshaft verbüßt ist, gleichmütig entgegen. Er macht kein Hehl daraus, dast er durch die bisherigen Mißerfolge keineswegs entmutigt ist und eS ist sehr wahrscheinlich, dast er sein Glück nochmals versuchen wird. Er ist ein ehrlicher Bursch, dieser Juro K.— alle, die ihn kennt«, sind sich dar- üher einig, aber die Strafen für die Schwarzfahrten irritieren ihn nicht im mindesten. Er ist sich wohl der harten Tatsache bewustt, dast. abgesehen von allen formalen Tatbeständen, Not kein Gebot kennt. Der Mm. Ick wurde gelyncht Wenn es nach so vielen UntevhaltungSfibnen endlich wieder einen packenden, zeitnahen und wirklichkeitswilligen GesinnungSfilm gibt, ist er wenige: wichsig, seine(vorhandenen) schwachen Stellen anf- zuspüren als festzustellen, dast er grostarüg und willkommen ist. ES ist ein amerikanischer Film, der sich mit den Schattenseiten der amerikanischen Lebens befastt,— aber er ist ein Film, der uns alle angeht: ein Film von der Menschlichkeit und vom Siecht, ein Film von der Demokratie. Diögen die„kidnapper" eine amerikanische Spezialität, mag dar Lynchen ein besonderer Brauch der GankeeS sein, mag die.Sensationsmache um aufgeklärte Verbrechen und spannende Prozeffe anderswo noch nicht vollkommen nachgeahmt sein: die Sache, nm die es geht, ist mehr als nur amerikanisch. Der Mob, der unter der Maske sittlicher oder nationaler Enttüswng ein sadistischer Vergnügen sucht, der sich heldenhaft auf Wehrlose stürzt, der Unschuldige verbrennen will, existiert in allen„zivilisierten" Ländern. Der Unterschied ist nur, ob er zur herrschenden Schicht gemacht oder durch Geist und Gesetz der Gemeinschaft gebändigt und erzogen wird. Er ist der Unterschied zwischen Faschismus und Demokratie. Der Regiffeur dieser Films ist ein deutscher Emigrant: Fritz Lang, der einst mit grobem Aufwand„Monumentäl"-Filme der Ufa geschaffen hat, die dank der ltterarischen Mitarbeit der Thea von Harbou immer hohler geworden waren. Nie aber war zu verkennen, dast Lang ein.Könner geblieben war,.upd der französische.LiljoH»"-Wm, bei» er nach seiner Auswanderung inszeniert hat, bewies sö- gar, dast er— ohne den Aufwand von einst— wieder ein Künstler geworden ist. Mit diesem amerikanischen Film hat er sich vollends in die erste Reihe gestellt. Dast er Amerika mit den Augen eine» Europärs sieht, lästt ihn Dinge entdecken, die sonst nur Amerikaner vom Range der Sinelair Lewis, Eugene O'Neill und Upton Sinelair erkennen,— und dast er aus Deutschland stammt gibt ihm die Kraft zu warnen. Wenn der Unschuldige, der mit knapper Not dem Lynchmord entronnen ist, am Ende von seinen Verfolgern sagt:„Sie haben mich zwar nicht umgebracht, aber sie haben etwa» in mir gemordet: den Glauben an die Gerechtigkeit und den Stolz, einer fortschrittlichen und freien Nation anzugehören", dann sind dar Worte, die hunderttausend deutsche Emigranten mit ihm sprechen könnten. Er wird viel gesprochen in diesem Film, e» wird auch viel konstruiert, um die Handlung zu spannenden Wendungen und zum versöhnlichen Ende zu führen Aber mehr als geredet und konstruiert wird gezeigt, und darin liegt der Wert der Films. Egon Erwin Kisch vor dem Militärgericht Von unserem televisionären Mitarbeiter, dessen Voraussagen vor allem Wer die Stalin- sche Justiz bisher immer eingetrofsen sind, erhalten wir folgenden Vorbericht: (Tast.) Moskau, 12. Feber 1988. Der Staatsanwalt hat heute die Anklageschrift gegen den Professor der Universität in Eharkokv und Reportagenschriftsteller E. E. K i s ch fertiggestellt und den Mi- lftärgerichtshof des Obersten Gerichtes ersucht, den Beginn des öffentlichen Prozesses gegen denselben anzuberaumen. Die erste Verhandlung dürste kommenden SamStag stattfinden. Kisch wird sich wegen Militärverrates zu veränsivorten haben. Die Anklageschrift wirft ihm vor, s ch o n im I äh r e 1918 Beziehungen zum österreichischen und deutschen Ge» Heimdienst unterhalten und insbesondere durch fein Verhalten im Falle der Töwarisch. Obersten Redl Schädlingsarbeit verrichtet zu haben. Statt die Partei aufmerksam' zu machen, daß die öfter-, reichischen Agenten Redl auf der Spur seien, hätte es dex Angeklagte vorgezogen, Sensationsartikel für ein notorisch sowjetfeindlicher Blatt zu schreiben und sö aus der Schädigung des künftigen Vaterlandes aller Werktätigen noch Kapital zu schlagen. Hätte Kisch gemäß der Stalinschen Marschroute gehandelt, nach der inuner gehandelt zu haben er behauptet,' die Entdeckung Redls hätte vermieden werden können uW damit vielleicht auch die Aufrichtung des imperialistischen Pufferstaates Polen, wodurch die diplomatische und strategische Position des faschisti- . scheu Deutschland der Sowjetunion gegenüber we- Er gibt ein anschauliche» Bild eine» bezeichnenden Vorgänge»: wie au» Zeitungssensation, Hausfrauen- Tratsch, Barbierladen-Debatten und Kneipen-Ge- schwätz die Brutalität feiger Kleinbürger und großsprecherischer Lumpen Nahrung zieht, bi» sie zum mord- und vernichtungswütigen Aufruhr gegen einen wehrlosen, unschuldig- unter Entführungsverdacht Verhafteten wird und wie der Gouverneur im Hinblick auf die nahenden Wahlen der Nationalgarde den. Befehl gibt, nicht einzugreifen, weil er seine Popularität nicht auf» Spiel zu sehen wagt. Da» Gefängnis wird gestürmt, in Brand gesteckt, in die Luft gesprengt, au» Spießern sind Niörder und Rasende, Brandstifter und begeisterte Zuschauer geworden,— bi» nachher vor Gericht wieder elende Feiglinge und falsche Zeugen au» ihnen werden, die nicht» gesehen und nicht» erkannt haben wollen. Jeden dritten Tag wird so ein Lynchmord in den Bereinigten Staaten begangen, erklärt hier im Jllm der Staatsanwalt. Es war also gut und notwendig, da» Teuflische einmal öffentlich darzusttllen. Und e» ist ein flute! Zeichen für die amerikanische Demokratie unserer Tage, daß man es— mit Ernst und Offenheit— zeigen ließ. Die Darsteller zeigen den Ehrgeiz, ihre Aufgaben zu betväliigen. Spencer Trary spielt den unschuldig Verhafteten und seinen Mördern entkommenden Mann, der sich rächen will, mit leidenkchaft- ljcher Hingabe. Und Silvia Sidney spielt seine Braut nicht wie eine Tragödin, sondern wie ein Mensch, dem etwa» Tragische» geschieht. — eis— Kunst und ICte&w — Arseitervorstelkttng„Matura", Komödie von Fodor, am Sonntag, den 7. Feber, um halb 8 Uhr nachmittag» im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8 bi» 2 und 4 bi» 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Im Kunstveretn für Böhmen(II.. PCtroflova 12) dauern die beiden Auistellungen I. Printe >md Adam nur noch kurze Zeit. Täglich von 9 bi» 5 Uhr. Eintritt 4 KC. Spielplan de» Neuen Deutschen Theater». — Donnerstag halb 8: I e a n, Gastspiel Leopold K r a m e r und Pepi Kramer-Glöckner, E 2.— Freitag halb 8: F r ä u l e i n E l s e, D. — Samstag halb 8: Aida, B 2.— Sonntag halb 8: Matura, Arbeitervorstellung, halb 8: Der Kuß. E 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8: Axel an der H i m m e l» t ü r.— Freitag 8 Uhr: Jean, Gastspiel L. Kramer undP. Glöckner, Theatergemeinde de» KulturverbandeS und freier Verkauf,— SamStag 8 Uhr: Jean, Gastspiel L. K r a m e r und P. Glöckner. Sonntag 8 Uhr: Salzburgausverkauft. 8 Uhr Jean, Gastspiel L. K r a m e r und P. Glöckner.. 8Mk-8M'Xörperpske-e 1 Die Delegation des 6. Atus-Krelses für Johannisbad wurde nach den gezeigten Leistungen bei den Ausscheidungswettkämpfen am Sonntag in Abertham vom Kreis-Wintersportausschuß wie. folgt vorgeschlagen: Abertham: Lenhardt, Bärreiter, Anna Richter, Johann Held und Werner E-ka. Bär rin gen: Lindner,' Fischer; Kolitsch, Häuser und Willi ESka. Neuhammer: Siegl und Anna Wöllner. JoachimSthal: Uhle und Brennig. Unterroths u: Hüller. Neudek; Urban und Rudolf Heidler. G r a SI f tz: Elsa Seidl. P e ch b a ch: Franz Görisch. Weiter haben vier Jugendsportlek au» B ä r r i n g e n die eigene Meldung zu den in» l.ändischenJugendkonkurrenzen, welche in Verbindung mit der Olympiade auSgettagen werden, abgegeben. Als DiannschaftSführer wird Genosse Karl Seidl (GraSlitz) der Delegation Vorstehen. Der tschechoslowakische StaatS-Lelchtathletik- verband(EsÄAU) hielt seine Tagung in Prag ab, die weder in sportlicher noch in administrativer Hinsicht ein erfreuliche» Bild bot. Der Vertrag mit dem DLAV wurde einvernehmlich gelöst. Da» neue Ab-, kommen soll die Autonomie de» DLAV nicht berühren,^ nur werde seine Vertretung in der EsAAU den tatsächlichen Verhältnissen angepaßt. Zum Vorsitzender EsAAU wurde Jng. Fikl gewählt. Dem Vorstand gehören u. a. auch drei Vertreter de» DLAV an, „Fall Braino." Der Vorsitzende der F i f a, Rimct, hat in dem„Fall Braine" eine Erklärung abgegeben, die besagt, daß die Fifa von nichts„offiziell" weiß und daß erst eingegriffen werden könne, falls der belgische Verband„offiziell" das Begehren — Sperre— de» tschechoslowakischen StaatSveckbaii- deS ablebnen sollte. Somit hat all da» um Braine geführte Gerede seine gut Zeit und Weile. Au» Brüssel kommt dazu die Nachricht, daß der belgische Verband den Standpunkt vertritt, Braine sei al» Ausgewiesener au» der Tschechoslowakei zu betrachten und e» komme daher eine Sperre nicht in Frage. Faschingsball des Klub! deutscher Buchdrucker' in Prag an» SamStag, den 6. Feber, abistds 8 llhr, im großen und kleinen Saale de» Deutschen. Händ- werkervereine» in Prag kl., Be SmeCkäch 22. Masken,und Trachten erwünscht. Ballmusik der Kapelle Papert. Eintritt: im Vorverkauf KC-10.—, an dec Kaffe KC 18.—. . Sozialistischer Jugendverband.., Kreis Prag Wir berufen für Samstag, den 27, Feber, und Sonntag, den 28. Feber 1087» unsere 6. ordentliche Kreiskonferenz ein. Tagesordnung: Berichte der Funk-, tionäre, Referat, Neuwahlen der, Kceisfunktio- näre, die weitere Arbeit, freie Anträge. Genauer Ort und Zeit wird noch bekanntgegeben.:, Die Kreisleitung.' sentlich verschlechtert worden wäre. Aber gerade da» Gegenteil dessen wolle ja der Faschisto-TrotzkiSmus, dessen konterrevolutionärerReserve« zenterhalf Kisch schon in. seiner Jugendzeit beim F. K.„Sturm", Prag, gewesen war. Da» könne er nicht nur nicht leugnen, er werde e» vielmehr gestehen müssen. Jn-der Voruntersuchung hat - er bereits zugegeben, mit Herrn Himmler, der damals bei der„Viktoria", Berlin, gewesen sei, uiüer dem Vorwand eine? Wettspielabschlusses verhandelt zu haben. Himmler ist auch tatsächlich am 17. Mai 1914 in einem Sonderflugzeug am Prager Zivilflpgplatze in Ruzine eingetroffen. Die» Verhandlungen haben im Hotel„Älcron" stattgefunden. Kisch habe in ihnen Zusagen hinsichtlich des Düeproströjs gemacht. Tatsächlich wütete ein-Vierteljahr später bereits der österreichische Raubkrieg gegen Rußland. Auch wird Kisch vorgeworfen; er .»naße sich Verdienste um die Revolution an, die ihm micht zukonunen. Ed wäre niemals Offizier.bei 'jenem Regiment der Wiener Roten Garden gewesen, das der Roten Armee Ungarns zuhilfe geeilt sei, Er habe sich vielmehr zu jener