Sozialdemokrat Aentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Änonahme de« Montag tSglich früh ^Rebaftion und Verwaltung: Prag XL, Fochpva 62— Telephon 53077— Herausgeber: SiegfriebTaub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang. Mittwoch, 1Ü. Feber 1S37 «nzelpreleiüAkllkk(einschließk. 5 Heller Porto) Aus dem Inhalt: „Institut für deutsche Volksbildung“ gegründet Goabbafi* Lügenpropaganda neuerdings angeprangert ein Bischot, der Mut sur Wahrheit hat Nr. 35 Geordneter Rückzug Neue Front bei Almeria 20.000 Italiener mit 100 Tanks an dem Großangriff beteiligt I Die Niederlage der Regierungstruppen bei Malaga stellt sich angesichts der Berichte vom DienStag nicht alS katastrophal dar. Sie ist zwar«Ine moralische Schlappe und da der Großteil der Zivilbevölkerung in der Stadt bleiben mußte, so werden leider Metzeleien unter den Republikanern nicht aubbleiben, aber eine Vernichtung der südspanischen Streitkraft der Republik hat Franko nicht erreicht. Dir rechtzeitige Mumnng beweist, daß die militürische Führung sicherer war, alS etwa im Falle vöN/Jrnn, daß wirklich militärische Gesichtspunkt« bestimmend blieben. So hat man nach zuverlässigen Berichten den größten Teil der Truppe« und zahlreiches Material zurückfiihren könne». Obwohl die Straße nach Almeria unter dem Feuer der feindlichen Schiffe-liegt, steht bei Almeria, also 170 Kilometer östlich von Malaga, am der strategisch günstige« Linie, die da- Tal deS Almeria-FluffeS in daS Gebirge rknfchneidet, eine neue Schlacht bevor», die von den Regierungstruppe» unter wesentlich günstigeren Bedingungen geschlagen werden und wo sich ei» langwieriger, für de» Angreifer verlustreicher Stellungskrieg wie bei Madrid entwickeln kann. Ribbentrops Vorsprache „ohne besondere Bedeutung** London.(Reuter.) Der deutsche Botschafter von R i b b«'n t r o p wird Donnerstag nachmittags Lord H a l i f a j Int Ministerium für auswärtige Angelegenheiten einen Besuch ab- stattrn. Britische politische Kreise messe» diesem Besuche keineswegs irgendein« besondere Bedeutung bei. „Unbegründete deutsche Hoffnungen" L o n d o n. DaS konservative UnterhanSmIt- glied AdamS hat für Montag«ine Interpellation angekündigt, in welcher der Mnister für auswärtige Angelegenheiten gefragt wird, ob er di,unbegründete« deutfchrn.Hoff- «ungen durch die klar« und bestimmt« Erklärung zerstreuen wolle, daß die britische Regierung nicht beabsichtige, die Abtretung irgendeines unter britischer politischer Kontrolle stehenden Gebietes■ zugunsten des nazistischen Deutschland in Erwägung zu ziehen. Wie sich Ribbentrop. hervortun will König Georg VI. hielt am Montag im.St. James-Palast das. erste feierliche Levke ab. An k em Empfang nahmen die höchsten Würdenträger Englands.und das gesamte diplomatische Korps teil.'. Der deutsche Botschafter von Ribbentrop wendete, wie das DNB ausdrücklich anführt, bei der Boxstellung, de» Personals der deutschen Botschaft/.q.« n.« r l i ch den Hitlergruß an. Sowohl Ribbentrop selbst als auch alle Herren der Botschaft verneigten sich zunächst vor dem König, um dann den rechten Arm zum„d e ut s ch e n Gru ß" zu heben. Ribbentrop hat sich also durch die scharfe Kritik der englischen Presse an dem ersten Verstoß gegen daS Hoszeremoni.ell, den er vor einigen Tagen bei Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens durch die Begrüßung des Königs mit dem Hitlergruß begangen hatte, nicht abschrecken lasten, obwohl ihn, wie verlautet, daS britische Außenministerium inzwischen ausdrücklich hatte aufmerksam machen lasten, daß man Abweichungen von dem vorgeschriebenen Zeremoniell n i ch t gerne sehe. Deutschlands Gläubiger werden ungeduldig» Berlin. Dienstag nachmittags begannen-in Berlin di« Konferenzen der auSländstchen Privatgläubiger Deutschlands. An den Verhandlungen Nahmen teil: Frankreich, England, die Bereinigten Staaten, Holland, Belgien, Schweden, di« Schweiz und die Tschechoslowajssi. Zweck der Verhandlungen ist die Berlängerung des Abkom« mens über die deut sch en P r i v a-t* schulden, daS am 28.. Feber abläuft.-Die Auslandsschulden der deutschen-Banken und In« dustrieunternehmungen beliefen sich ayt 81. Dezember 1036 auf eine Milliarde 20 Millionen. Mark, während sie ein Jahr vorher noch eine Milliarde 428.Millionen Mark betrugen. Die ausländischen Gläubiger sind der Ansicht, daß die im Jahre 1988»-geführten Zahlungen«ich t genügen. Besonders hatte man gelegentlich der Olympische» Spiele auf«tue größer« Ausgabe von Rrgistrrmark gerechnet und wird wahrscheinlich für-1937 für di« Zustimmung zur weiterem Stillhalttmg eine st ärker-e Tilgung verlangen» zumal da Deutschland- Handelsbilanz im Jahre 1936 mit etwa 300 Millionen Mark aktiv ist. Reuraths Wiener Besuch Wien. Bon kompetenten Stellen wird mitgeteilt, daß der reichsdeutsche Außenminister Freiherr von Ne u rath am 22. d. M. in Wien eintresfen und dortselbst zwei Tag« verbringen wivd.'. 1 Wiesner nach.London--■--■■> f. ” 11 Wien.(Tsch. B. P.) Der Führer der österreichischen. Monarchisten, Dr.. Wiesner,-,'ist' heute vaWttagS' nach. London abgereist, wo,er i»' der Wniglichen. Gesellschaft, für auswärtige PÄftik zwei"Borttäge über' die österreichische, legitimi- stische Bewegung halten Wird.' Almeria.(Reuter.) SnUebereinstimmüng mit der Anordnung deS Oberkommando- der Re» gierungStruppen ist.Malaga von den Regierungstruppen, geräumt worden» welche in Ordnung neue Positionen eingenommen und eine Menge Kriegsmaterial mitgenommen haben. Sie- stehen bereit- mit den entsandten Verstärkungen in Verbindung, um einem neuen Borgehen der AufstäN- dischen begegnen zü können. Der in Almeria ein» getroffene Sendetkorrespondent der spanischen MchnchktilikDtütüii^rirHiS'S«» letzten Augenblick Malaga verbliebe« war» erklärtes daß die Aufständische» bei ihrem Vormarsch von, 20.000 Italienern, vielen tapsend Deutsche» und lausenden Marokkanern Unterstützt wurden. I« der letzten Kampfphase gin^ gen über'100 italienische Tanks gegen die Verteidiger MalagaS vor. Der Korrespondent sagt» daß der Angriff vom deutsche« KriegS st ab von Bord deS sogenannte«„Westentaschenkrruzers"„Graf von Spee" aus geleitet wurde. Wie der spa- Nische Korrespondent hinzufügt, haben die Aufständischen, die von italienischen Kontingenten unterstützt wurden» welche sofort«ach ihrer. Ausschiffung au- Eadig an dir Front gebracht wurden, ungeheure Verluste erlitten. Die Aufständischen sind, wir auch von den RegirrungSkreise»-«gegeben wird, um-11 Uhr. in'Malaga eingedrun-' gen. Zuerst ist einer Depesche der spanischen Agentur zufolge rin italienisches Regiment in Malaga rtngedrungrn» dem eine Kompagnie Frrmdrnlrgionärr und marokkanische' Truppen folgten. Die erwähnt« spanische Agentur fügt hinzu, daß Hunderte Personen bei dem verzweifelte», versuch, Malaga zu verkästen, im Meere ertrunken sind. Ferner behauptet die Agentur, daß die Stadt von den Marokkanern und den Fremdrnlegionären geplündert worden sei. Rach glaubwürdiger Quelle hatte» dir Verteidiger MalagaS 6000 Tote und Verletzte? ein Augenzeuge hat in einer einzigen Gaffe der Stadt mehr alS 100 Tote, gezählt. ...Vor Massehhlnrlchtungen In Malaga? Gibraltar.(Reuter.) Einer Nachricht auS Mala g a zufolge, haben sich dort 800 Zivilgardisten und. Polizisten den Aufständischen ergeben. Die Aufständischen beabsichtigen in den nächsten Tagen, ein öffentlicheSKriegS- g e r i ch t einzuberüfen, welches dir Gefangenen aturteilrn soll. Kleber gefangen? London.(Havas.)„Le Matin" druckt eine aus Gibraltar in London eingetroffene Nachricht ab, derzufolge aufständische spanische Kriegsschiffe einen. Regierungsdampfer angehalten haben, an dessen Bord sich mehrere, kommunistische Führer befanden, die den Bersuch unternahmen, aus Malaga zu entkommen.- Darunter soll, sich auch der -unlängst aus Madrid in Malaga, eingetrostene General Kleber befunden haben, der das Kommando über die Stadt Malaga übernehmen sollte. DerK/lachtberelchder Regierung und das von den Rebellen besefjte Gebiet vor der Einnahme von Malaga durch die Italiener Demakralische Volksbildung In demokratischen Staatswesen gilt der Grundsatz, daß alle Biacht vom Volke ausgeht. Dieses Maxime ist nicht nur eine schönklingende Phrase, die bei uns an der Spitze der Verfassungs- urkun-de steht, sie bildet die eigentliche sittliche und juridische Grundlage unserer Republik. Sie sichert dem Volke nicht nur ein souveränes Recht, sie bürdet ihm gleichzeitig eine schwere Verantwortung auf. Nicht alle Völler haben sich In unserer jüngsten Vergangenheit dieser Verantwortung würdig erwiesen; sie haben.sich teils freiwillig ihrer demokratischen Rechte begeben oder nur durch einen Teil mannhaft verteidigen lassen. Sie sind an der— in Krisenzeiten allerdings schwierigen— Aufgabe, sich selbst zu regieren, verzweifelt, sie haben ihr Schicksal in die Hände eines„Führers" gelegt oder erwarten vom Sieg mythischer Gedanken eins Wendung ihres Schicksals zum Besseren. Ein demokratischer Staat, der sich seiner Aufgaben bewußt ist, wird daher der Erziehung seiner Bürger zu vollwertigen Demokraten sein besonderes Augenmerk zuwenden, dies um so mehr, wenn seine gesamte Bevölkerung nicht durch jahr- hunderte alte Tradision im Gebrauch ihrer demokratische» Rechte und in der Erfüllung ihrer Pflichten geschult ist. Diese Erziehungsarbeit leistet die Schule— oder soll sie wenigstens leisten — an der Heranwachsenden Jugend, sie an der erwachsenen Bürgerschaft zu leisten ist Aufgabe der Volksbildungsarbeit. Die junge Tschechoslowakische Republik hat die an ihren Bürgern zu vollbringende Erziehungsverpflichtung Aar erkannt Bereits im ersten Jahre ihres Bestandes— Habrman war damals Unterrichtsminister-—schuf sie die Gesetze über die Errichtung- der OriS- und Bezirtsbildungs- auSschüsse und der Gemeindebüchereien. Mit diesen auch von ausländischen Kennern als vorbildlich bezeichneten Gesetzen verschaffte sie dem öffenl». lichen BildungSivesen die ihm gebührende Stellung, gah sie ihm mächtige Impulse. Die Wirkungen Rieben nicht auS. Heute zählt die Tschechoslowakische Republik 661 Bezirksbildungsausschüsse, 12.264 OrtSbildungSkommissionen und 17.089 Gemelndehüchereien, Auch im deutschen Sektor unseres Staates hat sich das öffentliche Bildungswesen mächtig entwickelt. 176 BezirkSbildungS- auSschüffe, 2090 OrtSbildungSkommissionen und 8570 Gemeindebüchereien, die jährlich über 220.000 Leser mit rund 2,600.000 Entlehnungen auSweisen, teilen sich in ihre volkserzieherische Aufgabe. Daneben bestehen einige wohlorganisierte Volkshochschulen und die Zentralwander» hücherei In Prag mit über 10.000 Bänden, deren Zweck es ist, vor allem den Aeineren Büchereien Leihgaben zu vermitteln und die reichlich in Anspruch genommen wird. Die Krisenzeit war der weiteren Entwicklung allerdings nicht förderlich. Die Zuschüsse des Staates, die sich immer in mäßigen Grenzen bewegten, flössen fpärAcher, jene der Gemeinden desgleichen, in vielen Fällen blieben sie bei verarmten Kommunen sogar ganz aus. Nicht förderlich war dem öffentlichen Bildungswesen auch die.politische Entwicklung, Gar manche VolkS- bildner, die vom Httlertaumel erfaßt wurden, versuchten daS öffentliche BildungSivesen in ihren: Sinne zu beeinflussen, und verloren, als ihnen dies nicht gelang, an ihm das Interesse. So drohte diesem teils aus Mangel an Mitteln, teils aus persönlichen Gründen, eine ernste Krise. Niemals aber war die Volksbildungsarbeit so notwendig als. gerade sn dieser Zeit. Eine VolkS- bildungSarbeit allerdings, die auch den Mut zum Bekenntnis ihrer ureigensten Aufgaben hat: zur d emokra t i s chen Erzi ehu n g d e S Bol« k e S.'Es.ist absolut unbestritten, daß daS öffentliche Bildungswesen keiner Partei dienen darf, daß- eS politisch neutral sein'muß; in eine,-» Punkte«her kann eS und darf>'.S keine-Neutralität. g.eb,en: in der Stellung zur Demokratie. Pur ein demokrättsch orientiertes öffentliches Bildungswesen hat eine geschichtliche Berechtigung und nur ein solches Wird im'demokratischen Staate Raum Hohen.' Wenn dieses Bekenntnis klar und unmißverständlich ausgesprochen wird, dann wird es dem öffentlichen' Bildungswesen nicht schwer werden, für seine Bestrebungen Freunde und Förderer zu finden. Dann wird vielleicht auch, bei den maßgebenden-Faktoren des Staates die Erkenntnis tiefer Fuß fassen, daß zur geistigen Verte idigun g der Repuhlik«henso Mittel erforderlich sind, wie zu ihrer materiellen Verteidigung. Seife 2 Mittwoch, 10. Feier 1037 Nr. So Das soeben gegründcle„I» st i t u t für deutsches VolkSbildun gewesen" scheint geeignet zu sein, unser gesinntes öffentliches Bildungswesen zu beleben und zu aktivieren. Dieses von deutschen aktivistischen Volksbildnern geschaffene Zentrum, um das sich weite volkSbild- nerische Kreise gruppieren, ist nicht nur die bisher fehlende Zentralstelle, es wird gleichzeitig der Mittler zwischen dem Ministerium für Schulwesen und Volkskultur und den Gliederungen des öffentlichen Bildungswesens sein. Es dient der Demokratie und cS zu fördern ist demokratische Pflicht. E. P. In Karin i Washington. tHavaS.) Der Kongreß stimmte einem Kredite in der Höhe von 050 Millionen Dollars zwecks Hilfeleistung für die Arbeitslosen und die Opfer Im Hochwassergebiete zu. Wien. Der Herzog von Windsor und seine Schwester Mary Harewood sowie deren Gemahl statteten Dienstag vormittag» dem Bundeskanzler MiklaS einen Besuch ab. Goebbels' Lügenpropaganda neuerdings angeprangert Nur 373 Deutsche wegen politischer Delikte In Haft Prag. Amtlich wird gemeldet: Das Tschechoslowakische Preßbüro hat am SamStag, den 0. Feber, aus die unwahren Behauptungen der „Berliner Börsenzeitung" vom genannten Tage über die Zahl der politischen Häftlinge deutscher Nationalität in den tschechoslowakischen Gefängnissen aufmerksam gemacht. Auf Grund seiner Anfrage an den zuständigen amtlichen Stellen hat das§PB bereits damals konstatiert, daß diese Ziffern unwahr und tendenziös übertrieben sind. Auf Grund der durchaeführten amtlichen Untersuchung ist heute das CPB ermächtigt zu konstatieren: In den tschechoslowakische» Gefängnissen befinden sich derzeit an Häftlingen deutscher Rationalität im Sprengel drS Obergerichtes in Prag in Strafhaft bei de» KreiSgerichten 43 Deutsche, in den Strafanstalten 70 und in Untersuchungshaft 100. Im Sprengel de» Oberge- richteS in B r ü n n in Strafhaft S und in Untersuchungshaft 48. Im Sprengel deS Oberge- richteS in Preßturg in Strafhaft 0 und in Untersuchungshaft 1. rlchteS in Kascha« in Strafhaft 3 und in Untersuchungshaft 1. In der ganzen Siepnblik befinden sich somit Insgesamt in Haft 373 Deutsche, hievon 130 in Strafhaft und 243 in Untersuchungshaft, der Großteil wegen Delikten gegen da» Gesetz zum Schutze der Republik. Ans diesen Ziffern, ist ersichtlich, daß die fast z e h n m a l(!) größere Zahl der„sudetendeutschen Häftlinge", wie sie die„Berliner Börsenzeitung" in ihrer zitierten Prager Meldung anführte, in die Kategorie der Erfindungen der gegen die Tschechoslowakische Republik eingenommenen Propaganda gehört. Kleine Entente fest 8« der Nachricht einer ausländischen Agen- tur, daß die Tschechoslowakei die Kleine Entente- Verträge aufzukündigen beabsichtige, wird amtlich konstatiert, daß diese Nachricht vollkommen erfunden ist. Auch diese Nachricht gehört zu dem Komplex der tendenziösen Informationen, welche von einer Propaganda verbreitet werden, die andauernd, aber hoffnungslos eine Im Sprengel de- Oberge-> Schwächung der Kleinen Entente anstrebt. Fiir die Rechte der ungarischen Minderheit Vortrag Minister Dr. Derart In einer sozialdemokratischen Vertrauensmünnerversammlung In Bratislava Der vergangene Samstag und Sonntag in Bratislava stand im Zeichen der ungarischen Sozialdemokraten. Samstag abends hielt Lustizminister Dr, Ivan D i t e r i(i ungarischer Sprache vor den versammelten Hunderten sozialdemokratischen Vertrauensleuten der Slowakei einen Vortrag über die Probleme der ungarischen Nation. Er wie» historisch tiefsinnig begründend und mit reichem Material die Revisionsbestrebungen der ungarischen herrschenden Klaffen energisch zurück. Nicht das ungarische Volk— welches andere und tiefere, soziale und wirtschaftliche Sorgen hat— ist revisionistisch gesinnt, sondern die Machtgier der Feudalmagnaten nährt künstlich die revisionistische Bewegung. In warmen Worten und mit solidarischen Gefühlen sprach Derer über die ungarische Nation und daS ungarische Volk. Er prieS das hohe Niveau der ungarischen Kultur, das arbeitsame, fleißige, talentvolle ungarische Volk und versicherte mit erhobener Stimme, daß da» tschecho slowakische Volk nichts sehnsüchtiger loünscht, als in Friede und Freundschaft mit dem ungarischen Volke zu leben. In diesem Sinne wünscht auch die tschechoslowakisch^ Regierung, die Pro-, bleme der ungarischen ÄM-'-MUch'• ungarische Seele soll der uMarischsü Kuliüründ! Sprache entfremdet tverden. Man wird alles aufbieten, um die Kulturbestrebungen der ungari- schon Minderheit weitest zu unterstützen und die gerechten Forderungen in jeder Beziehung, und in allen Zweigen des öffentlichen Lebens zu er-' füllen. In kürzester Zeit werde die Regierung die Fragen der Minderheiten innerhalb der Republik in Angriff nehmen. Jedem der Republik treu ergebenen Ungar muß der Staat Gleichberechtigung, Existenz und Aufstiegsmöglichkeit sichern, alle sollen politisch, sozial und wirtschaftlich die vollste Unterstützung der tschechoslowakischen Nation und der Regierung genießen. Der zweieinhalbstündige Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Sontnag vormittags fand im Ratio- naltheater ein Kulturfest zu Ehren Dörer» statt. DaS Theater war bi» äüf das letzt« Plätzchen dicht gefüllt/ Der sozialdemokratische Abgeordnete S ch u l c z und ein achtjähriges Mädchen, die Tochter des Genoffen Feldmar au« Somorja, begrüßten in herzlichen Worten den Obmann der ungarischen Sozialdemokratischen Organisationen in der Slowakei, den Genossen Direr. Die Vorführungen der Kulturorganisatio- nen; der Sprechchor-Neuhäusel, ein Chor, 8« bis ILjähriger Kinder aus Somorja, die Akroba- tenvorführungen der Arbeiterturngruppe Komorn, der Sprechchor aus Komorn, der GesangSoer- ein Typografia, die rhythmische Tanzgruppe Fenyves und endlich die Theatergruppe der Arbeiterakademie in Preßburg, boten Glanzleistungen der traditionell hochstehenden ungarischen ,Arbeiter! ultur. Charakteristisch ist es, daß die von den ungarischen herrschenden Klaffen als„unterdrückte Minderheit" verschrienen ungarischen Sozialdemokraten in der Mowakei das Gedicht des Freiheitsdichters Alexander Petöf i:.„Felta- madt a tenger"(Die Auferstehung des Meeres) vortragen durften, während im„Paradies der Freiheiten", in Ungarn selbst der Vortrag dieses Gedichtes vor zehn Tagen von der Polizei verboten wurde I Sonntag nachmittag» wurde di« erste ungarische P». rte i s chu le mit 48 Teilnehmer in der Slowakei feierlich eröffnet. Die ungarische Sozialdemokratie In der Slowakei, welche sich in dem letzten Jahr« außerordentlich stark entwickelt hat, die Zahl der Ortsgruppen hat sich um das Doppelte auf 818 erhöht, wird in dem Geist dieser Kulturtage ihre sozialistische Arbeit sortsehen. An den Pranger! Was sich die gestrige IjachmittagSauSgabe des agrarischen Hauptorgans, der„Beeer", geleistet hat, muß vor aller Welt angeprangert werden, weil e» in der Journalistik der letzten Jahre kaum seinesgleichen finden wird.' Auf der ersten Seite dieses Blattes, dem— müßte man nicht auf das Preßgesetz Rücksicht nehmen— eine andere Bezeichnung gebühren würde, wird erzählt, daß die Kommunisten in der Prager Stadtvertretung einen Antrag auf Ab- sendung eine» BegrüßungStelegrammeS an den Bürgermeister von Madrid beantragt hätten, wobei man gleichzeitig dem Oberhaupt der spanischen Hauptstadt hätte versprechen sollen, Heil- Mittel für die Bevölkerung und die Truppen zu senden. Sofern da» der„Beber" sachlich kritisiert, iskbie» feinHuie» Rech^Wa» soll man aber dazu 'sagen, baß'der",',BeKr", also ei» Blatt, da» doch nicht für Rowdie» und Zuhälter bestimmt ist, dabei von den Organisatorinnen der Heilmittelaktion in Spanien, nämlich der Abgeordneten L a P a s s i o n a r t a, die durch ihre Tapferkeit 'ftf) Heldenruhm erworben hat, und einer in Spanien tätigen deutschen Emigrantin, Frau Nelken, als von„nev6stlcy‘‘, das ist zu deutsch „Hure n" spricht? Ist es schon je da» gewesen, daß irgendein Blatt in Europa die Abgeordnete eines anderen S t a a t e s Huregenannt h ä t t e? Ist da» ein Niveau, auf da» ein tschechofloivakisches Blatt hinabsteigen kann? Kann man einem Journalisten, der so etwa» schreibt, noch die Hand reichen? WaS sagt der leitende Redakteur des Blattes dazu? Deckt er diese schiveinische Unsittlichkeit? WaS sagt die Partei, welche diese»'Blatt herauSgibt? Identifiziert sie sich mit dem ,Meöer"? Auf alle diese Fragen ist sie der tschechoslowakischen Öeffentlschkett, die sich, so hoffen wir, ohne Unterschied der Partei von dieser abstoßenden Journalistik wegwenden wird, Antwort schuldig. Aenderungen am Eisenbahngesetz? SenateMissclmß setzt SnbkomJtee ein Prag. DaS Eisenbahngeseh, da» bereit» vor den Weihnachtsferien vom Abgeordnetenhaus verabschiedet wurde, stand Dienstag tm verkehrstechnischen Ausschuß des Senats zur Verhandlung. Der Referent Äng. Winter erstattete ein ausführliches Referat, au» dem hervorging, daß der Ausschuß keineswegs die Vorlage en bloe anzunehmen gewillt ist, sondern sie einem genauen Studium in einem Subkomitee unterziehen und gegebenenfalls auch vor Aenderungen, die eine nochmalige Verhandlung im Abgeordnetenhaus zur Folge haben müßten, nicht zurückschrecken wird. Der Referent Jng. Winter bemängelte tt. a., daß schon der 8 1 den Begriff einer Eisenbahn nicht genau definiere, und schlagt eine eigene Desinitimr vor. die davon' au-geht, daß bei jeder Bah» die seitliche Bewegungsfreiheit entweder durch Schienen oder durch ein S e i l, das die An- triebrenergie übermittle, begrenzt sein müsse. Unter diese DefiniÜon würden auch alle Seilbahnen sowie die Trolleybusse, die nach der bisherigen Definition wegen Ihrer Abhängigkeit von einer entfernten Kraftquelle au» dem seinerzeitigen Gesetz über die Motorfahrzeuge ausgenommen wurden. II. a. bemängelt der Referent ferner den 8 178, Abs. 2, der den Gemeinden, die Kleinbahnen betreiben, die neue Verpflichtung auferlegt, zu allen Sitzungen der Gemeindevertretung, de» Gemeinderate» und der Kommissionen, in denen über die Kleinbahn verhandelt wird, die Eisenbahnverwaltung einzuladen. Die Gemeinden seien ohnedie» schon genug konttolliert und brauchten keine weitere Konttolle; namentlich die Stadt Prag würde durch diese Bestimmung betroffen. In der Generaldebatte vertraten mehrere Redner die Ansicht, daß der Eisenbahnverwaltung, die einmal al» Partei, einmal al» Behörde austrete, eine zu große Machtfülle eingeräumt werde. Die Notwendigkeit gewisser Aenderungen wurde ziemlich allgemein anerkannt. Ein Redner, Javorniekh von den tschechischen Nationalsozialisten, forderte eine definitive Lösung bezüglich der auf unserem Staatsgebiet befindlichen Grenzbahnhöfe, die aurländischen Bahnverwaltungen gehören, und er- klärte namentlich die Zustände in E g e r, wo von 427 Eisenbahnangestellien nur 54 tschechoslowakische Staatsbürger-seien, al» unerträglich und für die Staatsverteidigung gefährlich. Senator Brodeekü lisch. Soz.-Dem.) regt an, die Angestelltenfragen im sozialpolitischen Ausschuß ausführlicher zu behandeln. Genosse Grünzner begrüßte die Einsetzung eine» Subkomitee» und bemängelte, daß die Vorlage von Juristen und nicht von Techniker» verfaßt zu sein scheint. Er regt an, einen Sonder« fono» zu schaffen, um den Anrainern der Bahn in dem sogenannien„Feuerrayon" über da» dem Erstbesitzer bezahlte Pauschal hinan» die Tragung der Kosten zu erleichtern, die mit der Herstellung feuersicherer Dächer verbunden sind. Der Vertreter de» Eisenbahnministtrium», Sek« tionirat Dr. C h m e l a t. betonte den Charakter der Vorlage al» eine» großen UnifizierungStverke», da» verschieden geartete Interessen tangiert' und infolgidessen schwer unter Dach und Fach zu bekam« Da8 Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld so Drexler lief durch daS Zimmer, er kaute im seinen Fingernägeln, er strich mit der Hand über die feuchte Stirn. Die Angst fiel ihn an, der Schrecken kroch ihm in die Glieder, Ivenn Hegeberg so sprach, war alles verloren. Er blieb vor Billy stehen, trank ein GlaS Kognak, dann sagte eS, tonlo», fahl: „Ich fahre. Heut« nachts.. Nach der Vorstellung. Die neue Nummer will ich noch sehen." „Fahre jetzt. Fahr so schnell, wie möglich—" Drexler winkte ab. „Nachts. Nach der Vorstellung. Morgen früh bin ich über die Grenze. Sie dürfen nicht erfahren, wo ich bin, hörst du, sie schicken mir ihre Leute nach. Sie werden e» aus dir herauözu« pressen versuchen, Billy, selbst wenn du e» gar nicht weißt." „Ich werde mich schon au» der Schlinge ziehen, Ludwig." „Ich hab dir helfen wollen, Billy, ich hab nicht gewußt, daß es so kommen wird—" „Laß nur. Ich weiß, daß du e» gut gemeint hast." „Ich pack seht meinen Koffer. Die Uniform bleibt tm Kasten hängen. Der Leutnant Drexler ist nicht nrehr. Der erste Drexler seit fünf Generationen, der als Zivilist sterben wird•—" Die Türglocke schrillte. Drexler öffnete. Die Tänzerin stand an der Schwelle. Sie trug, ein schwarze» Seidenkleid mit silbernen Aufschlägen, einen silbernen Hut mit schwarzem Rand. Sie nahm den Hut ab, warf ihn Ludwig zu. Er fing ihn auf, wie ein Artist einen Ball, legte ihn auf den Schreibtisch. Sie grüßte Billy mit einem Nicken, goß sich einen Kognak ein, zündete eine Zigarette an. Ihre Bewegungen waren langsam und geschmeidig, sie war sich de» Zaubers, der von ihr auSging, bewußt. „Heute abend, Ludwig", sagte sie.„Ich bin schon aufgeregt—“ „Du wirst Erfolg haben, wie immer—" „Ich will nicht nur Erfolg. Ich will die Menschen mit meinem Tanz toll machen. Sie dürfen nicht ruhig an ihren Tischen sitzen und trinken, wenn ich tanze, sie müssen die Hände in das Tischtuch verkrallen, ihre Augen müssen funkeln, alle ihre Leidenschaften, die verbergen und zu beherrschen suchen, müssen auflodern—" „Ich werde mir deine Nummer noch ansehen", sagte Drexler.„Mit dem Nachtzug verreise ich." Die Täterin drehte sich schnell um, lief auf ihn zu: „Du fährst weg? Wohin?" „In die Provinz. Zu Berwandten. Mr drei Tage." „Du wirst hier bleiben." Sic kümmerte sich nicht um Billy. Sie lief an ihm vorüber, sie nahm von seinen Worten keine Kenntnis. Drexler erklärte ihr, daß er fahren müffe. Der Vater habe cs befohlen. Die Familie fordere es. Die Familie habe auch ein Recht auf ihn.; „Deine Familie kann befehlen, wa» sie will. Ich brauche dich hier:" „Du mußt diesmal nachgeben. Ein einzige» Mal—" „Ich bin nicht gewöhnt, mir von einem kleinen Leutnant widersprechen zu lassen". ...... Sie wollte ihn demütigen, vor Billy; sie wolliedettvJreund ihre Macht über Drexler demonstrieren, er sollte ein für allemal wisse»:. Drexler war ihr verfallen, gehorchte ihr, lebte fiir sie, und niemand werde daran etwa» ändern, Drexler raffte die letzte Kraft zur Verteidigung des verlorenen Postens zusanmren. Er sagte Mit klammer, gepreßter Stimme, doch ruhig und deutlich: „Ich werde fahren, wann ich will, wohin ich will". Da nahm sie ihren Hut vom Tisch, ttat vor den Spiegel. Sie sprach kein Wort mehr. Sie grüßte nicht, als sie ging. Die Tür knallte zu, vor dem Hau» sprang der Mowr eines Auto» an. „Nun pack deinen Koffer," sagte Billy. „Nun packe ich meinen Koffer",, wiederholte Drexler. .»Ich werde am Zug sein—" „Halb zwölf," sagte Drexler vor sich hin. „Den Zug um hahb-zwölf werde ich Wohl nachher« .reichen—" Billy rief Hegeberg an. Es sei ihm gelungen, die Sendung, die unterwegs hängen geblieben war, freizubekommen. E» sei alles in bester Ordnung. Er werde am nächsten Tag ausführlich berichten.- Um elf verließ Billy das Taft; Carolas .Fragen wies er ab, er könne sie heute nicht begleiten, er werde ihr alle» erklären. Um viertel zwölf war er auf dem Bahnhof, Drexler kam nicht. Der Zug ging ab. Billy nahm ein Auto, fuhr zur„Bajadere", setzte sich in da» kleine Taft. Drexlers Wagen stand vor dem Lokal. Um halb ein» kam er mit der Tänzerin aus dem^ Bühneneingang, sie hatte die Arme voll Blumen, sie stieg in seinen Wagen,, der Wagen rollte davon. Nun gab e» nur noch einen Weg: Zu Carola. Billy ging, nicht nach Hquse. Er hätte diese Nacht in seinen leeren vier Wätiden nicht ertragen. Er stand in einem Autömatenbüfett, bis auch diese» geschlossen wurde; er ging zu den Markthallen, dort war eine Gastwirtschaft, die um vier Uhr morgen» ihre Tore öffneie. Er säß unter den Markthelfern, er härte ihre Gespräche an, um Drexler, Hegeberg- sich selbst zu vergessen. Sie. sprächen, von den Preisen," die stiegen, und von den Löhnen, die fänkem Bon der?lrbeit, die zu- -sanimenschmolz, und vom Hunger,, der wuchs. Bon dem Krieg, der vorüber war, und von dem Krieg, dec bevorstand. Lausend Betriebe standen still, aber mb Kanonenfabriken legten eine dritte Schicht ein. „Sie haben da» Geld in» Volk gepumpt, sie wollen e» sich wieder zurückholen. Sie haben die Uniformen, die Revolver, dir Autos und Billen der Armee und ihrer guireiber bezahlt, sie präsentieren die Rechnung: Die nicht» haben al» ihren Hunger, riskieren ihre Haut für die, die Millionen zu verlieren haben. Der Mensch ist billig: Hier hast du ein Stück Brot, einen Rock, ein Gewehr; nun schieße auf deinen Bruder, der un» nicht gehorchen will." „Die nichts sind, dünken sich mächtig, sobald sie eine Uniform ttagen dürfen. Die Ehekrüppel kommandieren auf dem Kasernenhof. Die Halbwüchsigen, die-davongejagt wurden, weil sie zu faul waren, einen Beruf zu erlernen, treten in der Uniform-vor ihre Väter: Nun gehorche mir, ich bin mehr äl» du." „Die keinen Willen haben und keinen Weg vor-sich sehen, suchen einen Führer, hinter dem sie herlaufen können. Sie'- heben-die Hand und schwären ihm Treue;-wenn sie die Hand senken, ist sie voll Blut". Nicht die Markthelfer sprachen, die Mauer« sprachen, das Pflaster vor dem Haus sprach, der Regen sprach, der niedertropste seit Stunden und Stunden, als wollte er die Welt reinwaschen. Durch dm Siegen lief Billy, durch hundert Stra- ßen irrte er, und al» da» Hau» in der Zeltgasse geöffnet wurde, in dem Carola wohntt, pochte er an ihre Tür.. - Sie fuhr aus dem Schlaf auf, sie rieß ihn ein, er bat sie, Tee zu kochen, er sprach mit abgerissenen Worten, mit zerfahrenen Gesttn, übernächtig und grau, die Haare wirr und die Augen erloschen. Sie fragte nicht; sie wußte, nun ist er gekommen, um zu sprechen, und er wird sprechen, sobald die Stille den Schlag seine» Herzen» gebändigt hat. lFortsetzung folgt). Nr. SS Mittwoch, 10. Feier 1937 men fei. Das solle nicht heißen, daß die Regierung «ine überlastete Beratung im Ausschuß wolle, aber ei müßte doch die Ueberzeugung siegen, dab der Staat dieses Besetz unausweichlich be- nötigt. Der Referent Ang. Winter reagiert darauf mit der Feststellung, daß absolut kein Grund >u der Befürchtung bestehe, dab die Borlage viel« leicht im Senat begraben werden könnt«. ES wurde dann ein achtgliedrigeS Subkomitee gewählt, dem für unsere SenatSfraltion Genoss« Grünzner angehört. Das Subkomitee behandelte am Nachmittag die 88 1 bis V und Nahm sie ohne Aenderung an. Um die Wehrerziehung Am„Prävo Lid»" nimmt der führende DTJ-Fnnkilonär Vaverka zu der wichtigen Frage der Wehrerziehung wie folgt Stellung: Wenn da und dort Mutmaßungen und Befürchtungen ausgesprochen werden, dah die Ge- setzwerdung der Wehrerziehung über die Köpfe «er uninformierten und unvorbereiteten Bevölkerung im Laufe der nächsten paar Wochen hereinbrechen werde, können wir diese Befürchtungen als gegenstandslos bezeichnen. Der Entwurf eines Gesetzes über die Wehrerziehung, so wie er vom Ministerium für nationale Verteidigung auSgearbettet wurde,— und man muh stet» sich vor Augen halten, dah es sich um einen vorbereitenden Entwurf für die endliche Regelung der Gesetzentwurfes handelt— ist fetzt Gegenstand der Verhandlungen einer Fachkommission, di« unter Beteiligung von Vertretern der Ministeriums für nationale Verteidigung au» dem Zentralkomitee für di« Erhöhung der Wehrhaftigkeit des Volke! gebildet wurde. In der Kommission sind unser« größten staatserhaltenden Kürperkulturorganifatlonen, darunter der Sokolverband, die DTJ, Orel und der Skaut« verband vertreten; e» sind also Beratungen der Militärverwaltung mit den Körperkulturorganisationen, von welchen angenommen wird, daß ihnen vor allem die Durchführung der Wehrerziehung in ihrem kör» pcrerzichcrischen Sektor anvertraut werden wird. DI« leitenden Funktionäre de» Sokülverbandes, der DTJ und des OrelverbandcS haben dem Minister für nationale Verteidigung persönlich ihre Einwände gegen wesentlichste Teile des Entwürfe- vorgetragen; in den Beratungen der Kommission soll Herbeigeführt werden, dab durch gegenseitige Verständigung der Entwurf in seiner Endfaffung so geregelt wird, dah er der zivilen demokratischen Auffassung der Wehrerziehung und gleichzeitig den Voraussetzungen einer glatten Verwirklichung dieser so komplizierten und für di« Verteidigung der Republik unendlich bedeutsamen Angelegenheit entspricht. Der Vorgang, der auf dem Wege dieser Beratungen gewählt wurde, ist richtig und für die Lösung der obligatorischen Wehrerziehung vorteilhaft und wir haben dl« Notwendigkeit dses«» Weges betont, als wir über den Entwurf in der NefahrSnummer de» „Prävo Lidu" schrieben. Wir Körperkultürorganisaiionen streben zu dem bergeschlagenen Entwurf«ine Reihe von Aenderun- gen an, von welchen einzelne die grundlegende Konstruktion de» Entwurf«» tangieren, vorläufig«rwäh- nen wir«ine der wichtigsten Fragen. Der Entwurf räumt der Wehrausbildung, dem ohersten Abschnitt ter Wehrerziehung, dessen Besorgung di« Militärverwaltung sich ganz vorbehält,«inen unangemessenen und untragbar großen Umfang auf Kosten der Körpererziehung«in und«lnen ebenso unangemessenen Einfluß wollen sich die Militärorgan« auf fast die ganze Wehrerziehung sichern, Di« Körperkulturorganisationen vertreten den Standpunkt, daß«ine Forderung au»geschlossen ist, wonach für di« Wehrsvormilitärische) Erziehung eine Maximalzahl von 1LV Stunden jährlich borgeschrieben wird, wenn man bedenkt, dab diese Erziehung zu wenigsten» 00 Prozent in'der körperlichen, moralischen und erzieherischen Vorbereitung besteht, welche heute schon ganz gut in den Turnvereinen durchgesührt wird. DI« beteiligten Körperkulturorganisationen stellen daher die Forderung auf, daß di« speziell« militärische Aulbildung in der Wehrerziehung zeitlich auf da» tatsächlich notwendige Mah beschränkt werde und daß alle» übrige, wa» au» der Wehrerziehung die körperlich«, moralisch« und erzieherische Ausbildung ruhig übernehmen kann, den zivilen Organisationen anvertraut werde. And ferner verlangen die Kürperkulturorganisationen, daß der Entscheidende Einfluß der Militärorgan« in der Wehrerziehung sich nur so weit äußer«, so weit er sich um di« niilltärische Seit« der Ausbildung und Organisation handelt, während z. B. in der körperlichen Erziehung außerhalb der Schule der entscheidend« Einfluß au,schließlich in Händen de- für diese Auf- gäbe wiederum brrufenen staatlichen Organe verbleibe. Uebrigen» ist da» Problem legislativ ander» nicht einmal lösbar. vorläufig nur von diesen Forderungen. Zur Beurteilung der Situation können wir noch hin» zufügen, datz die Leitungen de» Sokol, der DTJ und de» Orel in ihrer Haltung zu dem behandelten Entwurf vollkommen einig sind und dab auch da» weitere vorgehen ihrer Vertreter von dieser Uebereinstimmung geleitet sein wird. Und wie au» den bisherigen Verhandlungen ersichtlich ist, glauben wir, dab sich die Körperkulturorganisationen auch mit den militärischen Faktoren einigen werden. Dabei besteht auf beiden Seiten das aufrichtige Bestreben, dab die Beratunyen mit Be- schleunigüng tveltergeführt werde», Hweitchie» di« Wichtigkeit, und Schwierigkeit de» Stoffe» erlau« ben. Bei aller Beschleunigung ist über kaum zu erwarten, dah der Gesetzentwurf in seinem defeni« tiven Worilqut in die gesetzgebenden Körperschaften früher al» in der zweiten Hälfte diese» Jahre» gelangen wird. fudctcndcutscficr Xcifspicgef Institut für deutsche Volksbildung Die Konstituierung gestern vollzogen in der CSR Prag. Am Dkenötag konstituierte sich in Prag nuiter den« Vorsitze von Archwrat Doktor Awton Moucha da» Institut für brutsch« Volksbildung in der ESN. Da» Präsidium de» Jnsti- tztteS bilden dir Herren wird Damenr Heinrich Hergirt, Toni Köhler, Dr. Ludwig Kviestrn, Ernst Paul, Emil Schemde»» und Dr. Elisabeth Schenk. Durch diese» Institut erhält die deutsche ösftnckliche VfldmigSpflege«inen ständigen vera- tungbkürper und eine organisatorische Zusammenfassung. Dio drirlfcho öffentlich« Bildung»- Pfleg« hat in lüjähriger unverdrossener Aufbauarbeit für unser Geistesleben mehr al» 3000 deutsche GomrindebüchereiSn errichtet, in den G«- nreitchechrmlikm die Schicksale unseres Volk«» aus- gezeö.hnct, in 170 deutschen Bezirken jährlich Zehntausgirde von Borträgen, Lehrgängen; bildeirden UnSerhNltnngm veranstaltet>md in der xel)sttgrn Betreuung der Arbeitslosen soziale Bolk»hilf«tmöffentlichenJntrr- ess» geleistet. Die öffentliche deutsche BikdungSpflege stellt eine nationale kulturelle Selbst- Verwaltung in der Erwachsenenbildung dar, die sich auf Lebon wnd Erhaltung de» BolkSorganiSmu» durch Weckung der geistigen und sittlich«» Kräfte unsere» Bolle» richtet. Sie ist sich der BeranNvortuug gegenüber unserer Geschichte sowie dm realan Kräfte» unserer staatlichen und wirtschaftlichen Gemeinschaft bewußt. An wahrhaft demokratischer Zusammenfassung aller BolkSkräftr weih sie sich frei von egoistischen Zielsetzungen und Gebundenheiten Welt» «tnschaultchee Formulierimgen, soweit ihr Inhalt nicht allgemein sittlicher aber geistiger Natur ist. Die öffentliche Blldunglpskege dient einer demokratischen Erziehung für BolkwndStaat dadurch, dass sie ihr« volks bürgerlichen und staatsbürgerlichen Interessen zur Harmonie bringt. Da» Institut glaubt feinem Bolle auch dadurch zn dieiorn, dass e» d a S gegenseitige Verständnis der Nationen de» Staate» fördern und vertiefen will. Dir letzten Ereignisse, namentlkch die schwebenden deutsch-tschechische» Verhandlungen, haben die Gründung de» Institut» beschleunigt und e» in da» ganze Svslem ringegliedert, da» den Deutsch«» auf dem Gebiete ihrer geistlg-kultu- rellen Entwicklung neue Möglichkeiten autonomer volklicher Betätigung geben wird. * Das erste Echo Auf Antrag de» deutschen Sozialdemokraten Dr. P«r l s e e hat da» Präsidium de» Brünner StadtbildungSausschuffc» am DIen-tag folgenden Beschluß gefaßt: „Da! Präsidium de» deutschen Stadtbil- dimgSauSschNsse» in Brün» begrüßt di« Gründling de» Institut» füv deutsche Volksbildung ruf da» wärmste. Der StndtbildungöauSschnß erwartet von den künftig»» Zusammenarbeit mit diesem Institut ein« wrcktere Belebung seiner Tätigkeit und spricht gleichzeitig da» Ersuchen un», die Leitaug de» nonen Institut» möge dem Stadt- bildnngsauSschutz baldmöglichst dir Grundlagen und Pläne einer Zufmnmeiuürbelt bekanntgeben." Zur dritten Irbeiter-Wlntersport-Olymnlade Der vierte und der fünfte Sieger im 18» und SO-Kilometer-Lauf auf der Strecke, beim 88 Kilometer wird Busskanen von Tervanen überholt» •« ♦ Die Wetterlage In Johannisbad ist noch sehr günstig, über oo Zentimeter Schnee breitet sich In geschloffener Decke über da» ganze Wettkampfgelände. Di« Sprungschanze ist in bester Berfaffung. Die an alle Wettkämpfer de» Atu» ergangenen Weisungen sind genauesten» einzuhalten. In Johannisbad haben sieh all« gemeldeten Wetttämpfer dem BevbandSmannschaftführer P a w l i k zu unterstellen. Alle Wettkämpfer starten im Verbandspullover, am linken Aermel da» klein« AtuSabzeichen im roten Felde, auf der Brustseite da» Landesabzeichen. Die Lande»- abzeichen stellt der verband allen Wettkämpfern bei, die Stirnbänder stellt in freundlicher Weise der AEik-Berband allen Wettkämpfern zur Verfügung, Aermelabzetchen können noch in Trauten«» bestellt werden tKreuzplatz 2). Gräuelmärchen unserer Agrarier 1 Am letzten Montag könnt« In der Prager deutschen Nachrichtensendung der„Manchester Guardian*. zum Beweise dessen zitiert werden, wie man in England über di« wirklich« Lage der Aschechoslotvwlischen Republik denkt. So kam um LS Uhr der D e u t s ch l a n d f e n d e r und durst« di«„Zemö d elf k ö z p r ä v v" anführen, di«„beweisen", datz die Äolschewlsterung der Tschechoflowaket nicht nur von der kommunistischen Partei und den kommunistischen Gewerkschaften, sondern auch gus kulturellem Wege betrieben werde, wa» au» der Tatsache der Ausführung russischer» Filnw und Theaterstücke in Prag Hervorgehe. Wa» mutz sich die Welt nun wirklich von un» denken, wenn Zeitschriften, die der stärksten Regierungspartei nahestehen, solche Nachrichten bringe»! Wird man auf tschechischer Teste weiterhin blind und taub.gegen alle hinterlistigen Angriff« au» den recht-agrarischen Kreisen bleiben? R. B. SdP kauft„NordMhmlsches Tagblatt"? ■ Wie nton von verschiedenen Seiten hört, sollen derzeit Verhandlungen zwischen der Gdv und der Herausgeberschaft de»„Nordböhmischen Tagblatt" geführt werden, die eine Uebernah- me dieser Zeitung bzw. der Nordb. Druck- und PerlagSgesellschaft Josetz Koschler in Tetschen bezwecken. Dies« Transaktion.betreibt angeblich der Herr W. O h m« i e r. Wie weit diese Gerüchte den Tatsachen entsprechen, ist vorläufig schwer festzustellen. Glaubhaft ist die Sache insofern«, al» sa da»„Nordböhmische Tagblati" ganz auf Henlein eingestellt ist. Noch Immer nicht aufgeklärt Der Raubmord in Seidnitz hält nach Ivie vor die Gemüter in Aufregung. Die Erhebungen der Kriminalpolizei dauern an, es werden fortgesetzt Personen einvernommen, doch ist es bis jetzt noch nicht gelungen, Licht in diese grauenhaften Mordfall zu bringen. Leider werden auch in diesem Falle die wildesten Gerüchte verbreitet, die bestimmt nicht geeignet sind, die Arbeit der Polizei zu erleichtern. Sensationsgier und Tratschsucht feiern Orgien. Daß dabei auch Namen von Personen genannt werden und daß auch ein Teil der Presse diesem üblen Beispiel folgt, ist nicht nur taktlos, sonder» muß diesen Personen, di« gewiß zur Tat selber in keiner Beziehung stehen» peinlich sein und kann ihnen auch sehr nach« ieilig werden. Ein tvenig Zurückhaltung Iväre da schon am Platze. „Zeit"-Redakteur zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Da» Obergericht bestätigte am Montag ein Urteil, laut dem der Redakteur der„Zeit", Robert K o h I e r t, auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik zu zehn Tagen Gefängnis, verschärft durch eine Faste, und zu einer Geldstrafe von 200 K£ verurteilt wurde. Es handelte sich um einen Aufsatz in der„Zeit", der der Zensur verfiel. Da die Verurteilung unbedingt erfolgte, mußte der Henlein-Redakteur bereits di.' Haft in Pankratz antreten. Achtung, Herr Hllgenrelnerl Ein Bischof, der Mut zur Wahrheit hat! Berlin. Der Bischof der katholischen ostpreussischen Diaspora-Diözese Ermlauv, Doktor Maximilian Kalle»; hat von allen Kanzel» de» Ermlandeö einen Appell an dl« Oeffentlich- keit verlesen lassen, worin e» u. a. heisst: Wie stehen im Kampfe und kein Konkordat, kein feierliche» Bekemrt.chS de» Führer» zum positiven Christentum schützt un» vor dem Fanatismus der E h r t st en f oiu d e, die ihre Angriffe gegen die Kirche, die Priester und da» katholische Volk richten. Wir habe» zwar ein Konkordat: Da» deutsche Volk und die deutsche Jugend werden aber in Karsen und SchnlnngS- lagern darüber belehrt, dass da» Papsttum al» überstaatliche Macht auf einer Linie mit dem internationalen Judentum und der Freimaurerei steh» m>d dass ein freie» Deutschland daher eine ; romfrele Kirche fordern kaem. Schlagt nur ge- ■ wisse Zeitschriften auf! Sie arbeiten an der E n t- ch r i st l t ch u n g»ich an dem Untergang der ^katholischen Kirche in Deutschland. Die Hirten- i briefe der katholischen Bischöfe dürfen in kirchlichen Diözesanblättern nicht erscheinen. Da» i Konkordat garantier« die konfessioirell» Schul«. Ihr aber wisst selbst, mit welchen Druckmittel» die Freihekt eueüer Entscheidung zwntchtegemacht wird. Soll e» so weikvrgehen? Soll unserem deutschen Volk da» Letzte mrd Schlimmste nicht erspart bleiben, soll auch noch die Seele der deutschen Katholiken vergewaltigt werden? Die Verlängerung der Franc-Anleihe Paris.(Tsch. P.-B.) Die Kammer verhandelte am DieuStag die Bndgetnachträge für Dezember 198Ü. Ans Ersuchen der Regierung hat der Finanzausschuss in dieselben den Artikel über die Erniächtigung zur Verlängerung der StaatSgarantie für die bprozentige tschechoslowakische Anleihe von 000 Millionen Franc» vom Jahre 1982, die»um 1. April drS vorigen Lahre» fällig war, einbezogen. Gemäss dieser Ermächtigung ist der Finanzminister berechtig-, die Garantie des französischen Staate» der neue» tschechoslowakischen Anleihe von 000 MlNianrn Franken zu gewähren, dir die am 1. April 1987 fällige Anleihe vom Jahre 198S decken soll. Di« Dauer dieser Anleihe darf zehn Jahre nicht überschreiten. Damit die nen» Anleihe nicht kostspieliger sei al» die vorherige Anleihe, ist der Finanzminister berechtigt, sie entweder teilweise»der gänzlich von der Wertpapiersteuer zu befreien. Dl« Kammer hat diesen vom Finanzausschuß empfohlenen Artikel ihn« Debatte angenommen. Paustkllmpfe In der belgischen Kammer Brüssel. Dienstag nachmittags spielten sich in der belgischen Kammer bei der Interpellation «ine»«Mischen Abgeordneten Uber die Spanienreise de» Kammervorsitzenden Hu y» m a N S stürmische Szenen ab. Es entstand ein allgemeine» Dhao» und schließlich kam«s zu einem Zusammenstoß zwischen sozialistischen und flämische» Abgeordneten, der I» einigen Faust- kämpfen seinen An-gang nahm. Die Abgeordneten bewarfen einander auch mit der in ge- bnndener Form vorliegenden ParlamentSövdnung. Die Sitzung wurde unterbrochen. Bei dem Fanstkampf wurden, den Abendblättern zufvlge,». a. der Brüsseler Bürgermeister Mar und der Minister für öffentliche Arbeiten M e r l o t im Gesicht vrrl«tzk. Sitte 4 Mittwoch, 10. Seiet 1937 Ur. 35 Stapellauf eines deutschen Kreuzers Die deutsche Marine-Aufrüstung macht rasche Fortschritte. Nachdem erst vor- wenigen Monaten ein 28.000 Tonnen gwßes Schlachtschiff vom Stapel gelaufen ist, fand dieser Tage der Stapellauf des ersten„schwerenKreuzers" der neuen Reichsmarine statt. Dieser Kreuzer, nach dem Admiral H i p p e r, dem Kommandanten der deutschen Kreuzerflotte im Weltkrieg und dem eigentlichen Sieger in der ersten Phase der Skagerak-Schlacht, wo er das überlegene englische Geschwader Beattys schlug, benannt ist, hat 10.000 Tonnen Berdränguag. Zum Unterschied von den drei, ebenfalls 10.000 Tonnen großen,„Panzerschiffen" der»Deutsch« land"-Klasse, die sechs 28 Zentimeter-Geschütze in Drillingstürmen sichren, werden der„Admiral Hipper" und die beiden gleichartigen Schwesterschisse, die bereits auf Kiel gelegt wurden, je acht 20 Zentimeter-Kanonen haben, aber schneller als die«Deutschland"-Klasse sein., TlgesnrmgMkn Selbst dem Unternehmer graust vor der Spitzele! Die Organe der Deutschen Arbeitsfront und einige Treuhänder der Arbeit versuchen von Zeit zu Zeit in öffentlichen Kundgebungen de» Eindruck zu erwecken, als ob dein herrschenden Regime die Vetriebsspiönage und BetriebSspitzelei unerwünscht und des nationalsozialistischen Deutschland unwürdig sei. Dost jedoch diese Mahnungen und Artikel nur der I r r e f ü h- rung des Auslandes und naiver Ge- müter iin Reiche dienen, das wird am besten durch die Tatsache bewiesen, daß in den letzten Monaten daS System zur Bespitzelung der Be- triebsarbeiterschaft sorgfältig auSgebaut wor- den ist. Besonders intensiv sind die nationalsoziali- stischen Betriebsspitzel dort am Werke, wo die Belegschaft früher in ihrer überwältigenden Mehrheit aus freigewerkschastlich oder sozial- deniokratisch organisierten Arbeitern bestanden hat. Die Verweigerung des Heil-Hitler-Grußes im Betrieb, ja selbst schon eine Geste genügt, um als Opfer der Spitzel aus dem Betrieb herauS- zufliegen und von der Polizei verhaftet zu werden. In einem größeren Leipziger Betrieb d«r Metallbranche haben die nattonalsozialisttschen Spitzel in kurzer Zeit einige Dutzend Arbeiter denunziert und erreicht, das) einige von ihnen verhaftet wurden. Der lliiternehmer sah die Wirkung auf die übrige Arbeiterschaft, deren Arbeitsfreudigkeit ihm ge- rade für den Dienst der Aufrüstung unentbehr- lich erscheint. Er empfand die BetriebSspitzelei nicht als eine Förderung des Nationalsozialist!- scheu Programms, sondern eher als eine Störung. Das Weihnachtsfest nahm er als Anlaß, um allen Arbeitern seines Betriebs einen Aufruf auszuhändigen, in dem er ihnen u. a. folgendes sagt: „Ein jeder, der der Arbeit gegenüber seine Pflicht erfüllt, also gute Arbeit leistet und sich sonst einwandfrei führt, soll in dieser Fabrtt, und zwar ohne Rücksicht auf die frühere politische Denkungsweise, in Frieden arbeiten können und in Ruhe gelaffen werden. Wer Spitzeldienste I e i st e t und gegen seinen Nächsten falsch Zeugnis redet, begehtSünd«. Er wird davon keinen seelischen Gewinn haben. Wer unbes on- neneWorteäußert, wird von mir zur Ordnung gerufen. Es soll sich jedex eingliedern. Wer mit„Heil HItlerl" grüßt, dein soll mit„Heil Hitler l" gedankt werden, namentlich soll dies die Jugend tun. Wer seine Pflicht restlos erfüllt und seinen'Arbeitskameraden einen „Guten Tag" wünscht, soll ebenso in Frieden arbeiten können als derjenige, der mit„Heil Hitler" gegrüßt hat. Auf die Treue zur Arbeit, auf die Pflichterfüllung und Tüchtigkeit kommt es an, und nicht darauf, ob jemand auf„Heil Hitler" mit„Guten Tag" erwidert hat. Natürlich ist bei allem Tun anständige Gesinnung Voraussetzung. Dos Leben ist wahrlich schon'hwer genug. In meiner Fabrik soll daher kein« düstere und bedrückende Atmosphäre, erfüllt von gegenseitigem Mißtrauen, herrschen.., Nach froh getaner Arbeit kann dann jeder mit guter Laune in sein Heim zurückkehrcn, und es kann doch unmöglich als Staatsverbrechen bezeichnet werden, wenn jemand beim Verlassen der Fabrik zu seinen A r b e i t S k am er a d e n auch einmal„Auf Wiedersehen" sagt, zumal wenn es ehrlich gemeint ist. Wir wollen unS gegenseitig helfen und nicht in denAbgrund stoßen oder gar in dar Gefängnis bringen. Ein jeder beherzige die Goethe-Worte: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.. Der Aufruf wirkt wie der Aufschrei eines Menschen, in dem die nationalsozialisttsche Betriebsspitzelei den Ekel bis obenan kommen ließ. Da Goethe im heutigen Deutschland durchaus nicht hoch im Kurs steht, ist es nicht ausgeschlossen, daß dieser Unternehmer noch nachträglich für seine WeihnachtSbotschast an die Ar- beiter vom Regime zur Verantwortung ge- zogen wird. Für die Errichtung ein« politischen Hoch, schule(eventuell einer ökonomischen und politischen Hochschule> hat sich der Kreis der Freunde der politischen Hochschule ausgesprochen, der am S. Feber unter dem Vorsitz des Senators Doktor Ant. Slefänek seine erste Beratung abhielt. Die Grundlage zur Dislustlon bot der bekannte Antrag des Subkomitees des KulturauSsusteS des Abgeordnetenhauses. Mit Vollmachten für die weiteren Verhandlungen wurden betraut: Gesandter Jng. Beraiek-Jaequier, Gesandter Zdenik Fierling er, J.Kolow« r a t- K r a k o v s k h, Abgeordneter Professor Dr, I. Mac e k, der ehemalige Minister Senator Dr. A. Stesänek und Dozent Dr. A. Vern n ä k. Militärflugzeug zertrümmert.(TRO) Am 8. Feber nachmittags um 13 Uhr 80 Minuten kam es bei der Gemeiirde Vrbice, südöstlich von PieStany, zur Havarie eines Milttärbeobach- tungsflugzengcS, das beim Versuch einer Notlandung am Flügel abglitt und zertrümmert wurde. Von der Besatzung war der Pilot ZugSführer Josef Sulke sofort tot. Der Beobachter Leut- nant'Fr. Peel wurde ernst verletzt. An der Unglücksstätte traf sofort eine Militärkommission ein, Zugsführer Sülle war 2 b Jahre alt und stammte aus Pivin bei Prerau. Tod im Schacht. Auf der Kohlengrube Gische in Nikiszowiec(Kattowitz) stürzte infolge eines starken Erdrutsches eine Kohlenwand ein und begrub sieben im Schachte beschäftigte Bergarbeiter. Dank der sofort- eingeleiteten Rettungsaktion konnten fünf der Verschütteten lebend geborgen werden, während die übrigen zwei den Tod. fanden. Der Mörder de- Knaben Mattson gefunden? In der'Stadt Pembina in Rovd-Dakota wurde ein Individuum verhaftet, auf das die Beschreibung des Entführers des kleinen Matt- son paßt. Der Verdächtige ist österreichischer Staatsbürger und heißt Stanislaus Poracki. Er hatte unweit Tacoma insgeheim die amerikanische Grenze Werschritten und war nach Kanada gegangen, von wo er sich nach Nord-Dakota begab. Der Höchststand des Hochwasters des Mis- sissippi hat bereits Memphis und Tennessee passiert, ohne dabei das dortige große Stauwehr zu beschädigen. Unweit Cairos fällt bereits der Wasserspiegel des Ohio im Staate Illinois.— Langandauernde Regengüsse haben in verschiedenen Gebieten von Nordsrankreich, hauptsächlich in der Normandie im Bezirk Calais Ueber» Alexander Puschkin Von Otto Friedrich Am 10. Feber 1837 starb Alexander Ser- gescwitsch Puschkin in Sankt Petersburg an den Folgen eines Duells. Sein Tod erschütterte die Kreise der russischen Intelligenz'tief..'Aber noch tiefer war der Nachhall seines Schäftens in den Herzen der breiten'Mässen des russischen Volkes. Seine stolzen Worte:„Durchs weite- Rußland fliegt dereinst mein'Nuhin" sind heute mehr, denn je zur Wahrheit gotvorden.. Während.nach-dem schtoeinmungen verursacht.. Der L y s- Fluß ist über die Ufer getreten und. im Bezirke CälvadoS ist die von Paris nach der Normandie führende Hauptstraße an einigen Stellen überschwemmt und unbefahrbar. Fluchs» Paris ist die'S e i n e stark gestiegen, doch sind die AnSstellungSarbeiten, die meist direkt am Seinefluß. stättsinden,nicht gefährdet. Bon einem Auto zermasmt. In Budapest fuhr Montag ein Lastkraftwagenmit großer Geschwindigkeit in der Arena-Straße auf den Gehsteig und drückte eine Frau und ihre beiden kleinen Kinder gegen die Hauswand. Alle drei erlitten. schwere Verletzungen.' Eines der Kinder ftänb bei der UeberführUNg ins Krankenhaus.' Italienischer Dampfer auf Grund gerate«.',Etwa 17 Kilometer vor Stolpmüüde ist der italienische 8000 Tonnen-Dampfer„San Matteos", der am 28. v. M. aus Edinburgh mltz einer Kohlenladung abgedampft war, auf Grund geraten,.'. Ein zerschlagenes Rettungsboot ist in Schweden angetrieben -worden. Teile der Wracks des„Sag Matteos" sino auch in Bornholm an Land gespült worden. lieber das Schicksal der sOgliedrigen- Besatzung, ist nichts bekannt geworden. Ein Film über Jean JaureS, den sozialistischen Führer, wird bereit» längere Zeit- vorbereitet.' DaS Szenarium stammt von Earlo Rim, einem bekannten Zeichner.'und C. BcSnard. Ein-ändere» Szenarium rührt von dem bekannten Politiker Paul Boncour her, der bereit»'vor-längerer Zeit seinen Text der Autorengesellschaft' überreicht hat. Beginn der russischen Oktober-Revolution, sist den Zeiten des„Prolet-Kult", kein Räum fiir die Anerkennung des„ehemaligen.Gutsbesitzers" uNd „aristokratischen Romantikers" zu sesn schien, hat das heutige Rußland in ihm den wiedererkannt, der er wirklich war: Einen Freiheitskämpfer seiner Zeit und den ersten Dichter, der Rußland mit der Menschheitskultur verband.■ Im Dritten Reich wüvde Puschkin nicht-nur um seiner. Tendenzen, sondern, auch.um seiner Herkunft willen von der SchrifttumSkammer nicht zur Bücherpublikation zngelasseN werden: Kinderbildnisse zeigen einen intelligenten Wuschelkopf mit leicht negerhaften Zügen. Puschkins- Großvater mütterlicherseits war'ein abessinischer Negerprinz, der von dem Konstantinopeler Skla- venmarkt an den Hof Petdrs des Großen verschachert wovden war und es dann dort' durch seine Tüchtigkeit und Intelligenz—trotz seiner dunklen Hautsavbe— zum Geneml gebracht hatte. Väterlicherseits stammte- Alexander Sergejewitsch Puschkin aus eiyem alten Adelsgeschlccht, In seinem dramatischen Hauptwerk„Boris Godunow" hat« einem seiner Ahnen ein Denkmal gesetzt.' Alexander Sergejewitsch Puschkin trat, mit 12 Jahren in das Adelslyzeum zu ZarskoseSelo ein. Schon dort zeichnete er sich-'durch hervorragende Fähigkeiten au»." Seins- klarer Verstand und sein-heißes Herz-ließen.ihn'bald aufbegchr'en .gegen'-die reaktionären'Zustände jder zaristischen Selbstherrschaft.und gegen die-namenlose- Ausbeutung und Unfreiheit- des leibeigenen-Bauerntums.' Eine ,:Ode an die Freiheit"'trüg.iWi mlS er'in' den Staatsdienst getreten Ivar, eine. Siraf- ' Versetzung-nach. Kischinew' ein.'-Die Bekanntschaft mit tem' russischen Süden, insbesondere später mit der Krim'und dem- KauläsüS'wurde zul'stärkster Anregung-fü'r seiNen-Geist,'-der alle Schönheiten der Natur mit starker Empfänglichkeit in sich auf» nahm. Die in seinem Schaffen, insbesondere in ' Wandernde» Dorf. In der Gemeinde Radinesti im Bezirk Gorj(Rumänien) hat sich im Ausmaß von.etwa 200 Hektar der Boden In Bewegung gesetzt^ wobei Häuser, Felder und Vieh mitgerissen wurden- Opfer an Rtrnschenleben sind nicht zu beklagen. Auch da» benachbarte Gebiet ist in» Rutschen gekommen,- doch hat beloaldete» Gebiet di« Erdbewegung aufge« halten- Die'Ursache de» Erdrutsches, der sich bereit» vor längerer Zelt' durch Erdspalten ankündigte, ist in der Unterspülung durch Grundwasser zu suchen. Die Puschkin-Straße in Pari». Wie bereits gemeldet, hat der Stadtrat von Paris beschlossen, zur Feier de» hundertjährigen Jubiläums des russischen Dichters Puschkin eine Straße mit seinem Namen zu benennen. E» ist nur noch die Frage, welche Straße da» sein soll. Nun hat die in Pari» in russischer Sprache erscheinende Zeitung„Poflednija Nowosti* vorgeschlagen, die bisherige Newa-Straße umzubenennen, hauptsächlich mit der Begründung, daß man dann sozusagen im Lande bleiben würde, denn. die Newa fließt bekanntlich in Leningrad. Jetzt setzt sich auch der„Temp»" dafür ein, führt aber«Inen anderen Grund an: Die Newa-Straße liegt neben der Straße Peter» des Großen. Würde man ihr den Namen Puschkins geben, so würde die historische Analogie vollkommen gewürdigt werden, denn Puschkin habe in der Literatur die gleich« Rolle gespielt wie der große Zar in der politischen Entwicklung seine» Lande»: Beide haben die westeuropäische Orientierung Rußlands eingeleitet. Die Situation auf de« Flüssen Böhmen» hat sich gegenüber Montag nur insoferne verändert, al» überall«in mäßige» Sinken de» WassersMnde» zu verzeichnen ist. Die Beraun ist bereits eisfrei, die Eisstauungen auf der Moldau dauern bei Davle und Stichowitz an. Stichowitz registrier:« Dienstag früh einen Stand von 330 Zentimeter. Die Eismassen der Beraun wurden oberhalb Prag» aufgehalten. Der früh in Modkan registrierte Wasserstand von 210 Zentimeter«weckt keinerlei Befürchtungen. Der Abgang des Eise» aus dem Prall« Rayon kann augenblicklich nicht erwartet werden, da die Strömung der Moldau unter jener Maß zurückgegangen ist, dar zur Auflockerung de» Eise» notwendig ist. Die Eisstauungen auf der unteren Elbe von Lobositz bis nach Leitmeritz find unverändert. D« erhöhte Wasserstand in Leitmeritz betrug 888 Zentimeter. Wahrscheinliche» Wetter Mittwoch: Vorwiegend bewölkt, nur langsame Abnahme der Niederschläge; im Osten d« Republik stellenweise verringerte Bewölkung und kühler. Im übrigen Gebiete in den Niederungen Tauwetter, auf. den Bergen leichter Frost— Wetteraussichten für Donnerstag. Roch unbeständig, verschiedentlich Schauer. In den westlichen Ländern wärmer al» im Osten. Vom Rundfunk Cnpf«hl«nmrtM au» den Programm an» Donnerstag Prag, Sender 1:10.05: Deutsche Presse. 12.10k Schallplattenkonzert. 16.10; Populärer Konzert. 17.48: Deutsche Sendung: Dr. Lorenz: Aschermittwoch und Fastenzeit, Hörfolge. 18.10; Landwirtschaft, 18.48:-Deutsche Presse. 18.88: Deutscher Kulturbericht vom Tage. 19.28: Mujsik» Salonquartett, 21.00: Russische Musik.— Prag, Sender II: 14.15k Deutsche Sendung: Aus dem internationalen Liedschäften der Gegenwart. 14.80: Deutsche Press«, 18.00: Blechmusik.— Brünn: 17.08: Harmonika« solo.. 17.40: Deutsche Sendung: Artelterfunk: Jng» Freisingr Germanen und Römer in Südmähren.—- Preßburg: 11.08: Militärkonzert. 17.88: Biolon- cellokonzert.— Kascha«: 12.88: Rundfunkorchesterkonzert. 17.80: Slowakische Lieder. 18.10: Deutsche Sendung: Urbanovskh: Schuberts Freundeskreis, Lieder von Franz Schubert.■ witzigen Epigrammen, immer merflicher werdende oppositionelle Gesinnung brachte ihm eine Verbannung auf das väterliche Gut Michailowskoje. In der Stille des ländlichen Leben», das er dort nur mit seiner''alten Amme Arina Rodionowna teilte, reiste sein Können zu Krqft und Geschlossenheit. Die alte Frau, die an ihn mit zärüicher Liebe hing, vermittelte ihm den reichen Schah der russischen Märchen» und Sagenwelt. So konnte er ans dem Born der schlichten Volkskunst unverdorbenes und klares Ouellwaffer schöpfen. Puschkin stand jenen Männern nahe, die nach ihrer mißglückten Revolte im Dezember 1828 im Volksmund den Namen die„Dekabristen" erhielten. Aufgeklärte Kreise des Adels und des Militärs hatten sich mit großbürgerlichen Kreisen zusammengefunden, um dem feudalistischen Abso- lutismus deS Zaren Nikolaus ein Ende, zu machen. Es wär der Versuch einer großbürgerlichen Revolution und darnach sah er auch auSs Während im Süden der Oberst Vestel immerhin die fortschrittlichen Gedanken einer Agrarreform und' einer Parlamentarlsierung des Landes vertrat, waren die Petersburger Kreise ebenfalls auf eine Erleichterung des. Bauernloses und auf den Aufbau einer ständigen Gesellschaft bedacht. Alin St, Petersburg dje Truppenmeuteresi ejnsehte, war der. Führer der Aufständigen,« Fürst Tru- betzkoi, nirgends zu finde»"und dieführer^sen Soldaten konnten leicht überwältigt werden. Mag fein, daß auch das Eingreifen des Volkes, das diese Revolte offenbar ernster nahm, als die hohen Herren,-die nur mit ihr mit als xinem Druck- mittel gegen den Zaren gespielt hatten, den großbürgerlichen Frondeuren die'Freude an ihrem Spiel verdarb. Die Folge des Dekabristenauf- standes war jedenfalls, daß die hohen Herren sich lautlos..von der Szene entfernten und die ehrlichen Empörer den fchlsinmsten Berfolgüimen durch den rachedürstigen Zaren ausgesetzt waren- vlexandei Mittwoch, 10,-Feber 1937 Seile 5 - 9k. 35 VoHsMktsc^aft and äoÄMoilti^ Kommunistische Fraktionspolitik In den französischen Gewerkschaften (JGB) Die Exekutive des Französischen GewerkschaftSbundeS hat soeben ein Rundschreiben erlassen, in dem auf Gerüchte hingewiesen wird, ,,die, wenn sie sich bestätigen sollten, dazu angetan sein könnten, dem guten Einvernehmen, das zwischen den Mitgliedern der CGT und insbesondere Ihren Funktionären bestehen soll, z u schaden". ES wivd'in dem Schreiben von„b e* dauerns werten Tendenzen bei den Wahlen zu den verschiedenen Instanzen der GewerkschaftSbeivegung" gesprochen, ferner von„Praktiken, die, nicht geduldet werden können", da sie die Gefahr des„Wiederaustauchens verschiedener Tendenzen",, der„Spaltung unter den Funktionären" und sonstiger zersetzender U m t r i.e b.e in sich schlicken. Zum Schluß werden alle Mitglieder eingeladen,, sich so zu verhalten, daß die wiederhergestellte Einheit und Kameradschaft gesichert bleiben. Wenn man diesen Aufruf richtig verstehen will, so mutz man sich daran erinnern, unter welchen Umständen die Einheit vor einem Jahr zustande gekommen ist. Drei Grundprinzipien erhielten damals die Mehrheit: die absolute Anerkennung der gewerkschaftliche nUn» abhängigkeit, dieNichteinmi« s ch u n g der proletarischen Parteien in die gewerkschaftliche Organisation und damit die Vermeidung der Bildung von Fraktionen. Bei der Wiederwahl der leitenden Anstanzen der Gewerkschaften und Gewerkschaftslartelle, die sich zur Zeit normalerweise vollzieht, scheint eS auf feiten der Kommunisten an jener Kameradschaft zu fehlen, die die freigewerkschastliche, Richtung seinerzeit in so hohem Matze an den Tag gelegt hat, besonders bei den Wahlen der Exekutiven. Bei den Neuwahlen kann da«nd dort die Tendenz festgestellt werden, das Verhältnis bei der Zusammensetzung der Exekutiven zu ändern oder gar auf den Kopf zu stellen. Auch die Methoden, die dabei" angewandt werden, stehen zu den getroffenen Abmachungen im Gegensatz. Da es zu weit führen würde, die einzelnen Fälle anzuführen, geben wir nachstehend zwei bezeichnende Beispiele wieder: in einer Gewerkschaft, wo 21 Sitze zu besetzen waren, wurden insgesamt SS Kandidaten"ausgestellt, was normal und demo- tratisch ist. Bon einer einzelnen Sektton, die Recht auf 10 Sitze hat, wurde jedoch eine besondere Liste vön 21 Namen ausgestellt und empfehlend in der „Humanitö" veröffentlicht. Diese Liste enthält nur noch drei Namen der freigewerkschaftlichen Richtung! Im Falle einer Gewerkschaftskartells stellt die Exekuttve auf Grund von Umfragen bei den Gewerkschaften eine 60 Funktionäre umfassende Liste für 80 Sitze auf. Eine einzelne Gewerkschaft fatzte trotzdem ei»e^besandexe.Liüe,pütvLl^Lfqmkll.^ib und veröftentllchte-ste-«enfaüs- m de,.Zumanite". Die fteigewerkschaftliche Richtung ist darin nur durch sieben Kandidaten vertreten. „Diese Praktik und ihre Verallgemeinerung", so schreibt„SyndicatS",„zeigt so deutlich, das) wir vor dem Wiederaufleben d e r politischen Fraktionen in der Ge» werkschaftSbewegung stehen, daß eS im höheren scheint, alle jene sofort zur Respektierung der scheint, alle jene foofrt zur Respektierung der getroffenen Abmachungen aufzufordern, die sich diesen Manöver« hingeben." G. Dumoulin, der sich seinerzeit stark für die Einheit einsetzte, sagt über die Gründe, dieser Ent- wicklung:„Sie sind auf die gewaltigen Mitgliedergewinne zurückzuführen. Da» Vorgehen ist, jedoch nicht chrlich, weil es sich auf die Unwissenheit und die mangeliwe Erfahrung dieser Masten stützt. Wenn man sich"an diese Masten hält, Um seinen Plan der Ausschaltung der anderen und der Eroberung der Gewerkschaften durchzuführen, so handelt man nicht loyali Wir"stellen fest, daß unsere kommunistischen Genosten Parteileute bleiben. Ahr Handeln ist diktiert von der Sorge, ihre Partes zu erweitern und die Einftutzgebiete. auszudehnen." Es mag von Interesse, sein, bei dieser Gelegenheit festzustelleN, das; die Komstiunisten politisch im' vergangenen Jahr eher an Boden verloren haben. Bei allen seit den allgemeinen Wahlen des letzten Jahres durchgeführten Ersatzwahlen ist die Zahl ihrer Stimmen um zirka 80 Prozent zurückgegangen. Ob dabei die Tatsache eine Rolle spielte, datz auf dem Boden der Politik, die organisatorische Einheit nicht hergestellt, sondern nur eine enge Zusam« ■J&uf hua. ün. AH menarbett hevbeigeführt wurde, ist schtver zu beurteilen. Ein Blatt de» Departements Aube sagt in diesem Zusammenhang,„datz die aus dem Vorhandensein verschiedener gewerkschaftlicher Richtungen entstehenden Unzulänglichkeiten weniger schlimm sind als die zersetzenden Tendenzen, die das Vorhandensein solcher Strömungen innerhalb einer einzigen Organisation zur Folge hat." Dia Schuldenregeluns der Gemeinden Nach Erhebungen des Verbandes der deutschen Selbstverwaltungskörper haben auf Grund deS, Gesetzes 09/1985 bisher. 90 biSlOOfinan-. hielt schwache deutsche Gemeinden-ein Ansuchen um Schuldenregelung bei der Landesbehörde überreicht."Die Summe' der Schulden, deren Regelung beansprucht wird, betragt in 85 Fällen, in welchen nähere Daten ermittelt werden konn» ren, 1.160,018.929 Kä. Wirtschaftsrat der Kleinen Entente Belgrad. Montag begannen einige Exper- tenkommistionen des Wirtschaftsrates der Kleinen Entente ihre Beratungen, welche voraussichtlich die ganze Woche hindurch dauern werden. Es tagte die Fremdenverkehrs- Kommission, die Eisenbahn-Kommission, ferner die landwirtschaftliche und die Sozialhygiene-Kommission. DaS Prowkoll de» letzten BeriandStageS deS Internationalen Metallarbeiter- verbände» ist nunmehr al» umfangreiche» und sorgfältig re digiertes Werk in Druck erschienen."Es enthält neben dem gesammelten TagungSmaterlal den Wortlaut der vorgetragenen Referate über die Verbandstätigkeit und die Referate der Genosten Kaufmann(Kampf um die Vorherrschaft in der Weltwirtschaft), Ladig(Die wirtschaftliche Zukunft der Metallindustrie) und Heeger(Aende- rüngen in der Sozialpolitik) sowie die Im Verlause de» Kongresses gehaltenen Reden der Delegierten und Gäste.' Das Protokoll ist nicht nur für die unmittelbaren Beruf-angehörigen von Hohem Interesse. Mindest-ArbeitSlöhne in Litauen. Die litauische Regierung hat ein Gesetz über die Regelung der Mirckestlöhne der Arbeiter der litauischen Industrie beschlossen. Die Löhne der Arbeiter in Litauen, die Heute 8 bis 5 Lits pro Tag auS- machcn(1 Lit sind rund 20 Heller) werden eine Erhöhung um 5 bis 15 v. H. erfahren. Dieselbe tritt sofort in Gültigkeit und ist für die gesamte litauische Industrie verpflichtend. Außenhandelsvolumen Jugoflawien» um 10 Prozent gestiegen. Der Umfang des jugosla- wischcn Außenhandels hat sich 1986 um 723 Millionen Dinar auf 8458 Millionen Dinar gehoben. Die Einfuhr stieg auf 4077(im Vorjahr 8609) Millionen, die Ausfuhr auf 4376(4030) Millionen Dinar. Die Handelsbilanz weist somit auch heuer wieder einen Ausfuhrüberschuß von 299 (GB) Statt des sehr alten Generals pgaki ist nun der viel jüngere General H a y a s h i zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Damit ist natürlich nichts entschieden, es ist vielmehr beschlossen worden, in absehbarer Zeitnichts zuentscheiden. Die Regierung Hayashi, die wahrscheinlich noch kurzlebiger sein wird als ihre Vorgängerinnen, ist die vierte Beamtenregierung seit der Ermordung von Jnukai (15. Mai 1932). Zum Unterschied von den drei ersten Beamtenregierungen: Saito, Okada und Hirota, liegt hier der Schwerpunkt nicht bei der zivilen, sondern bei der militärischen Bü- -r o k r a t i e. Außerdem ist der Zusammenhang mit den alten politischen Parteien noch loser geworden, also ein weiterer Schritt weg vom japanischen Scheinparlamentarismus getan. In der europäischen Presse spricht man nun vom Siege der„Armee". Das Ist zweifellos richtig, aber man sollte mit diesem Begriffe der Armee sehr vorsichtig umgehen. Die Armee ist in Japan, wie übrigens auch überall, ein sehr verwickelte» Gebilde. Man muß da wenigstens viermilitärisch e„R ich tu n g e n" unterscheiden: Ersten», die ckltenClan-Generäle, die dem kaiserltchen Hoft nahestehen und in den Ueberlieferungen de? ScheinparlämentariSmuS aufgewachsen sind. Zu diesem Kreise gehört zum Beispiel General ttgaki. Eine andere Generalsrichtung vertritt der jetzige Ministerpräsident General Hayashi. Hayashi ist ein sogenannter„politischer General". Er gehört zu der sogenannten Gruppe„Kumamoto". DaS Ist eine Clique, die von der Regierung Okada uitt» vor allem durch den Finanzminister dieser Regierung Takahashi,(ermordet am 26. Feber 1936) unterstützt wurde, als Gegengewicht gegen eine andere Generalsclique unter der Führung des bekannten Sadao A r a k i, der bekannüich ganz radikal antiparlamentarisch eingestellt war. Hayashi wurde aber sehr bald durch die Intrigen der Araki-Gruppe gestürzt. Die dritte militärische Richtung wird durch die Kwantuna-Armee vertreten, di« ihre eigenen politischen und, vor allem.außenpolitischen (331) Millionen Dinar aus. Der neuesten Statistik zufolge steht die Tschechoslowakei in der Einfuhr Jugoslalviens' mit 12:34 Prozent der' Gesamtsumme an dritter Stelle. An erster Stelle, steht mit 23.74 Prozent Deutschland uud an zweiter Stelle mit-14.63 Prozent Oesterreich. In der Einfuhr nimmt die Tschechoslowakei mit 15.35 Prozent der Gesamtsumme die ziveite Stelle ein. Deutschland steht mit 26.68 Prozent an erster» Oesterreich mit 10.30 Prozent an dritter Stelle. Tiefstand der schwedischen Arbeitslosigkeit. Am schwedischen ArbeitSmarkt war im heurigen Winter nur eine geringfügige Zunahme der Beschäftigungslosen zu verzeichnen. Ende November stieg die Arbeitslosigkeit unbeträchtlich auf 29.000, Ende Dezember auf 81.000, während im Dezember 1985 noch 58.000 Arbeitslose gezählt wurden. Dieser Rückgang der Arbeitslosigkeit ist um so beachtlicher, als 1986 die Ausgaben zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit uin 25.6 auf 43.1 Millionen KC gesenkt wurden. Streikwelle in Lodz. In einer Lodzer Textilfabrik sind 2000 Arbeiter in den Streik getreten. Sie halten das Fabrikgebäude besetzt und lehnen die-Annahme von Lebensmitteln ab. In zwölf Lodzer Krankenhäusern sind die Angestellten und Pflegerinnen in einen Hungerstreik getreten, Weik ihre Forderung auf Arbeitszeitverkürzung auf acht Stunden nicht erfüllt wurde. sind die terroristischen Gesellschaften der„jungen Offiziere", wie der„Schwarze Ozean" und vor allem der„Schwarze Drache". Alle Attentate und Putsche der letzten Jahre gehen irgendwie auf diese terroristischen Geheimgesellschaften zurück, die sich aber einer offenen Duldung seitens der Regierung erfreuen und zu einem festen Bestandteil der ungeschriebenen Verfassung geworden sind. Die Regierung Hayashi stützt sich also vor allem auf eine besttmmte GeneralSeliqüe, eben die Clique„Kumamoto", hat aber außerdem über die Gruppe Ugaki gute Beziehungen zum Hofe. Dagegen stehen sowohl die KivantungwArmee als besonders die terroristischen OfsizierSgruppen in einer mehr oder minder offenen Opposition zu der neuen Negierung. Die alten politischen Parteien sind im neuen Kabinett so gut wie gar nicht vertreten, obgleich die„liberale" Partei Minseito da» Kabinett Hayashi als das mindere Uebel be- tärische Gruppe, von der man nicht gern spricht, die jedoch eine Art Staat im Staate bildet. Die? Ziele verfolgt. Endlich gibt es eine vierte mili- trachtet. Bemerkenswert. ist, daß Hayashi keinen Außenminister gefunden hat, er mußte selbst dieses Ressort übernehmen. Die hohe-BUrokratte des „Gaimusho", deS Außenministeriums, ist nämlich durch den Sturz der Regierung Hirota, die sie al» ihre eigene Negierung betrachtet hat, sehr verschnupft. Unter diesen Umständen kann man schon jetzt die Regierung Hayashi nur al» einen Ueber- gang befrachten. Ein Führer der Seijukai hat bereits am Tage der RepierungSbildung da» Kabinett Hayashi. als ein„schwaches Ministerium, ohne ein bestimmtes Programm und ohUe Autorität" bezeichnet.' Diese Regierung kann offenbar die weitere Entwicklung der Staatskrise, die sich erst im Anfangsstadium befindet, nicht aufhalten. Schon jetzt kann man als die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für die nächste Regierungsbildung den Prinzen Kono.yö von dem alten Uradel einerseits und den Baron Hiranuma, den Führer der halbgeheimen„Gesellschaft der Fundamente des Staates", andererseits bezeichnen GemäOigte Militärregierung in Japan Sergejewitsch Puschkin, der mit führenden Männern de» Dekabristenaüfstande» befreundet war, könnte noch rechtzeitig alle Spuren seiner Verbindungen beseitigen und entging so dem tra- gischen Schicksal' vieler seiner Freute. Ja, eS würde ihm sogar später vom Zaren Nikolaus die Rückkehr nach Petersburg gestattet. Nicht, daß er seine Gesinnung verraten hätte, aber Puschkins in die Weite strahlender Ruhm ließ e» dem Zaren angezeigt erscheinen, den Dichter mit der Würde eine» Kammerherrn auszuzeichnen und ihn in eine Art persönlicher„Obhut" zu nehmen. Puschkins Gattin, Natalie Nikolajewna Gontscharowa, eine unbedeutendes aber hübsche und eitle Frau, dürfte e» vor allem gewesen sein, die ihn in das höfische Milieu gegen sein Widerstreben hineinttieb. Die. se» Milieu und diese Frau wurden ihm zum Verhängnis. Da man nicht mit offenem Bister gegen den Unbequemen Freund der Volksfreiheit vorzu- gehen sich gekaute, griff man zur Intrige. Durch anonyme Schreiben aller Art wurde Puschkin» Ehre angetastet und«r, noch ganz in den feudalen Ehrbegriffen seiner Zett befangen, forderte den angeblichen Störenfriä) seiner Ehe, einen jungen Gecken, den Franzosen d'AnthtS, zu einem Duell. Die Kugel diese» windigen Laffen machte dem.Leben des erst Achtunddreißigiährigen, noch ehe es den Höhepunkt feiner Wirkungskraft erreicht hatte, ein jähe» Ende. '"Die"Gegner und auch der Zar, die das Duell hätten verhindern können, waren einen unbequemen Kritiker billig losgeworden. Rußland hatte leinen größten Dichter verloren! Puschkins Schaffen ist infolge der unzulänglichen Uebersetzungen in» Deutsche uns bisher noch nicht so nahe gekommen, wie es Sie Schönheit seiner Sähe, die Melodie seiner Berse ynd der eble Schwung seiner Gedanken verdienten. In feinen Gedichten und Balladen liegt viel vom Geiste der Romantik und vom Byronschen Weltschmerz. Wer Puschkin hat sich, das zeigen vor allem die meisterhaft knappen Novellen„Dubrowski" mW„Pique Dame", zu einer Aaren Realistik durchgerungen, die in ihrer Einfachheit an jene Kleistsche Prosa gemahnt, deren„Michael jwhlhaaS" im„Dubrowski" auch thematisch ein Gegenstück ftndet. Einen besonderen fragmentarischen Charakter trägt Puschkins hiswrischeS Drama„Boris Godunow". DaS vollendetste seiner Werke bleibt der Rmnan in Versen«Eugen Onegin". In diesem Roman, empfindsam wie»Goethe» Werther", aber doch zugleich eine kritische soziale Milieuschilderung des russischen GutSbesitzertum», schuf Puschkin eine Figur, die den Schauplatz der russischen Literatur flicht wieder verlassen".sollte: Jener Menschen, dessen Willen nicht zur gesunden Tat reift, sondern sich irgendwie zwecklos und ziellos nach innen verströmt, um in Gram, unbestimmten Weh oder gar in wilder Selbstzerfleischung diö Seele zu vernichten. Mit dem Worte .dekadent" sind diese Typen nicht abzutun, mit dem sprichwörtlichen Begriff der ,dielten russischen Seele" sitzt» sie nicht erklärt.-In Dostojew- flis Gestalten und auch in Tolswjs„Lebendem Leichnam" tauchen sie immer wieder vor UnS auf, fesselnd und erschütternd zugleich, Anarchisten deS Herzen». Pussln selbst hatte solche seelische Anarchie, die vielleicht das Produkt jahrhundertelanger Unfreiheit ist,(überwunden.„Eugen Onegin" war, wie oft die Geschöpfe der Dichter, ein Akt der Gplbsibefreiung. Aber der Selbstbefreier war dem Selbstbeherrscher nicht gewachsen. Er ist im Grunde als das Opfer einer Zett gefallen, der er überlegen war, nicht al» Mensch, wohl aber als Schöpfer. Welch schöne Ehrung, daß die Erinnerung an seinen Tod genügt, uip dem toten Dichter nicht Nur im Slawentum, sondern in der ge- samien f europäischen Kulturwelt. eiimmeue Entfaltung seines Nachruhms zu gewährest. Die parlamentarische Situation in Norwegen.(AP.) Nach der Eröffnung des norwegischen StorthingS, in dem die Arbeiterpartei zwar nicht die absolute Mehrhett besitzt, aber immerhin mit 70 von 150 Sitzen die stärkste Partei ist, hat sich gezeigt, daß, die stillschweigende Koalition zwischen Arbeiterpartei und Bäuempartei nicht in der Men Weise fortgesetzt werden wird. Sie hatte sich bis zu den Wahlen durchaus bewährt, da vor allem wirtschaftliche Probleme im Vordergrund standen,. die sich mit der Bauernpartei leichter-lösen ließen als mit der liberalen Linken, die sonst in politischen Fragen der Arbeiterpartei sehr viel, nähe« steht. Die.Bauernpartei hat nun- wirtschaftlich das meiste erreicht, wa» sie anstrebte, erwartet also aus dieser. Koalition keinen"so unmittelbaren Nutzen mehic, während sie andererseits fürchtet/ daß das-politische Zusammengehen für sie auf die Dauer«ine. Belastung darstellen könnte. Daher kam e» zu keiner Wiederbelebung der alten Konstellation und erst.recht nicht zu einem Eintritt der Bauernpartei in die Regierung nach, schwedischem Vorbild. Die Wider» Wnde dagegen waren zu groß. Daraus ergibt sich, daß die Regierung- auf Zufallsmehrheiten angewiesen-ist-und-von Fall-zu Fall lavieren muß, sich bau» auf die liberale Linke stützend. Die Regierung wind dieser. Aufgabe. durch ihre Elastizität' in sehr geschickter Weise gerecht. Sie vermeidet es, durch Ueberspannung des Bogens die übrigen Parteien zu' einem Abwehrblock zu« sammenzuführen. Von besonderem-Interesse ist die Stellung zum- Problem der L a n d e s v e r- teidigung. Das Parlament wird sich mit dieser. Frage jin nächster Zeit beschäftigen müssen.. Theoretisch und grundsätzlich hält zwar die Arbeiterpartei an ihrem AbrüstungSprögramm fest, aber sie verschließt ihre Augen nicht vor den rea- len Notwendigkeiten. Man weiß, daß in Nor wegen von jeher der englische Einfluß st a r k war, und die Versteifung der englischen Haltung ist nicht ohne Wirkung auf die Haltung der öffentlichen Meinung in Norwegen und auch der Regierungspartei geblieben. Aus der Programmerklärung der Regierung geht bereits hervor, daß sie bereit sei, eine Reorganisation deS Heerwesens durchzuführen. Der norwegische Kriegsminister erklärte mit aller Deutlichkeit, daß es einer Arterienverkalkung gleichkomme, wenn man heute noch an gewissen alten Doktrinen festhalte. Und der Außenminister stellte fest, daß Norwegen bald für alle Eventualitäten gerüstet sein werde. Gleichzeitig verfolgt die Arbeiterpartei auch heute schon das Ziel,, nunmehr wenigstens bei den nächsten Wahlen die absolute Mehrheit zu erlangen. Di« Entwicklung der ungarischen Gewerkschaf- Im.elegaiion der Sozialdemokratischen Partei Rußland», schreibt uns: Werte Genossen, der Artikel von M. S. (Kopenhagen) ,-K. Madel, Lenins Retter", der vom„Sozialdemokrat" am 21. d. M. veröffentlicht wurde, veranlaßt mich, Sie um die Aufnahme folgender Zeilen zu bitten. Die Absicht des Verfassers, Radel, als„Lenins Retter", den Händen der Henker zu entreißen, ist sicher an sich sehr anerkennenswert,*) so skeptisch man auch darüber denken kann, ob die „Rettting" Lenins noch wirklich in den Augen Stalins einen Anspruch auf die Begnadigung des „Retters" begründen könne. Die besten Absichten können aber die unrichtigen Behauptungen und die geschichtlichen Unwahicheiten nicht rechtfertigen, die im Artikel in FMe enthalten sind. Ich will mich aber auf die Berichtigung der Unwahrheiten beschränken, die einen verleumderischen Charakter gegenüber meiner Partei haben— direkt oder indirekt, insofern sie an der provisorischen Koali« toinsregierung der„Feberperiobe" der Revolution teilnahm. Eine derartige verleumderische Behauptung, bringt der Verfasser schon am Anfang seines Arttkels, indem er berichtet, als ob„die men- schewistische Presse" nach dem bolschewisti- schen Juli-Aufstand verlangt habe,„daß auch. Trotzki verhaftet werden sollte". DaS gerade. Gegenteil ist wahr: unsere Partei hat alles daran' gesetzt, um alle durch diesen Aufstand veranlaßten Verhaftungen zu verhindern und alle schon Verhafteten— unter ihnen Kamenew'und Trotzki— zu befreien, was ihr schließlich auch gelungen ist, Unwahr ist es,'als ob dmnalS„die vernünftigen Menschen hüteten sich", Zweifel darüber zu äußern, ob das Geld, das Herr Füvstenberg"(der bekannte, jetzt verstorbene polnische Bolschewist Ganetzki) aus seinem lukrativen Geschäft zog und *) Vor dem Urteil geschrieben. Die Red. Arbeitervorstellung„Der Kuh", Over von Smetana, am Sonntag, den 21. Feber, um halb 8 Uhr. Karten ab Donnerstag täglich von halb 9 bi» 2 und 4 bi» 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Spielplan de» Neuen Deutschen Theater». Heut«, Mittwoch, halb 8 Uhr:„Jean", Gastspiel Leopold Kramer und Pepi Kramer-Glöckner, Ä 2.— Donnerstag halb 8: Fräulein Else, C 1.— Freitag halb 8: Der Kuß, D.— Samstag halb 8: Hopsa, Erstaufführung, A 1.— Sonntag halb 8: Firma, 6: Die Meistersinger von Nürnberg, C 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, 8 Uhr:„Axel an der Hlmmclriür".— Donnerstag 8: Jean, Gastspiel Kramer-Glöckner.— Freitag 8: Der Illusionist, volkstümliche Vorstellung. Samstag halb 8: Wie es Euch gefällt, neuinszeniert.— Sonntag 8: Unentschuldigt« Stunde, 8; Jean. Gastspiel Kramer-Glöckner. Vorträge Spiritismus, Geistererscheinungen ad« Betrug? Ueber dieser Thema spricht am Mittwoch, den 10. Feber, im Heinesaal in der Fochova, der bekannte Äriminalpsychologe Shankara. Vereinsiraetuiciltett' S> I. Prag, Gruppe Weinberge. Am 10. Feber. 8 Uhr abends, Smeöky 22, Generalversammlung. Ref. Karl Kern„Die Aufgaben der Sozialistischen Jugendbewegung. Anschließend Diskussion. Neuwahlen. Allgemeiner Angeftellten-Verband, Prag. Masken« und Kostümball. Devise:„Rund um die Welt", am 27. Feber 1987, im Heinesaal, Fochova ti. Mitternachts-Programm de» Atu». Eintritt Xö 10.—. Kapelle Papert. Reklamationen: E. Strnad. Prag n„ Fügnerovo näm. 4. Der 17. Maskenball der„Unken der Gefchäst». reisenden" unter der Devise:„Eine Rächt in der Hölle" findet am 27. Feber d. I. im Lidovh düm, Hybernskä 7, statt. Reklamattonen im Sekretariat, Prag n., Na Zbokenci 18. Tel. 47841—8. 8008 Stc Sfot Der Mann mit.den hundert Gesichtern Bon anderen Kriminalfilmen unterscheidet sich diese französische Filmkomödie(die nach dem Roman „Mister Flow" von Gaston Lerroug gedreht vmrde) durch die überraschende Eigenschaft, daß sie den Zuschauer auch am Ende noch über das, was er wissen möchte, im Zweifel läßt. Da die Leute, die in dieser seltsam verwickelten Geschichte aüftreten, nicht nur Detekttve und Richter, sondern auch einander forigesetzt beschwindeln, weiß man zwar, daß sie Gauner sind, nicht aber, was sie getan und WaS sie nur fingiert haben, und man weiß auch nicht, wer ihnen wissentlich und wer ihnen unwissentlich geholfen hat. Man kann nicht einmal sagen, wann der Advokat, den sie.zu ihrem Komplicen machen(während der Hauptgauner zwecks Midi in UntersuchungShafi sitzt) zum bewußten Mittäter wird, denn dabei spielt di« Liebe eine Rolle, von der man wieder nicht weiß, wann sie geheuchelt und wann sie echt ist. Dem Zu« Sozialistischer Jugendverband,'~: Kreis Prag Wir berufen für SamStag, den'27, Feber, und Sonntag, den 28. Feber 1987, unsere. s... 6. ordentliche Kreiskonferenz ein. Tagesordnung: Berichte der Funktionäre, Referat, Neuivahlen der Kreisfunktio- näre, die weitere Arbeit, freie Anträge. Genauer Ort und Zeit wird noch bekanntgcgebem Di« Kreisleitung. schauer geht eS also wie am Ende dem Richter, der, al» sich die Zeugen, die Geständnisse und die Verdachtsmomente verwirrend häufen, den Fall damit erledigt, daß er Ihn als Bagatellsache behandelt.* Auch der Regisseur, der früher in Berlin tätige Robert S i o d m a k, war entschlossen, die verwik» kette Geschichte so leicht wie möglich zu nehmen, und er hat«ine ganz unbeschwerte Komödie inszeniert, die um so einfacher und heiterer wird, je rätselhafter und bedenklicher der Tatbestand sich entwickelt. Di« Darsteller sind diesem Stil gefolgt, besonders Fernand Gravey und Edwige Feuillisre, di« «Ine beinahe geistreiche Komik zum Vorschein bringen, Eine köstliche Gaunertype markiert Loui» I o u v e t, einen geheimnisvollen Komplicen stellt Wladimir Sokoloff dar(der viel größerer Aufgaben würdig wäre).—«i»— 8pord-8pietXörpeepstege Da» Radrennen läng» den Grenz« Sowjetrußland» wurde am Sonntag beendet. Die Fahre« wurden bei ihrer Ankunst in Moskau von einer groben Menschenmenge begrüßt. An dem Wettkampf beteiligten sich auch eine Reihe der schnellsten russst- schen Rennfahrer- Er siegte die Gruppe Lioudimir- ski, Ehoubine, Radcwitsch, Morow und Timoscw, Ihre Leiswng ist besonders gut. denn sie legten" in 268 Tagen im ganzen 80.800 Kilometer zurück. Fall Brain« erledigt. In Zürich kamen ani Montag Vertreter der tschechoflowakifchen und belgischen Fußballverbande» zusammen, und berieten ntt Beisein de»«Schlichter»" Hugo Meist(Wien) Aber Braine. Nach stundenlangen Reden von beiden Ser« ten einigte man sich dahin, daß Braine für Belgien mit 1. Jänner 1987 frei ist, sein Verein, Verschoot Antwerpen, wird mst Sparta ein Spiel austtagen, dessen Reingewinn fast zur Gänze den Pragern zufällt. Ueber die Ablöse wurde kein« Summ« genannt, aber Prager Blätter schreiben von etwa 150.000 Xi. Also haben beide Teile mit Braine ihr Geschäft gemacht und da» war ja die Hauptsache bei dem ganzen Lärm... Der Troppauer EB verlor am Montag daheim sein Ligaspiel gegen Sparta Prag mit 0:4 Alle Tor« «zielten die Sparta-Kanadier! Mitteilungen aus dem Publikum. Muß Anlaufen«in Lotticlespiel sein? Gewiß nicht, wenn man in Gla» kaust, denn dann sieht man mit eigenen Augen, ob Honig nicht verzuckert, Frücht« nicht unansehnlich, Senf nicht«ingetrocknet und Gemüse nicht verfärbt sind. Wer im Gla» kaust) weiß) was er kaust! durch Vermittlung der Frau Suhmensohn teilweise in die Leninsche Kaffe leitete, auch wirklich „aus deutschen Kriegskassen strömte".. Das gerade- Gegenteil ist wahr: das offizielle Sowjet- Organ, die„Jzwejstija", das damals von mir geleitet wurde, hat tage!» tagaus gegen derartige unbegründete Behauptungen energisch angekämpft sind ihren Urheber, den unrühmlich bekannten Herrn Ailexinski, als Verleumder gebrandmarkt; das damalige Präsidium des Sowjets, an dessen Spitze unser verstorbener Genosse Tscheidze stand, hat Lenin, der darum durch Vermittlung Sinowjews bat, geradezu ein schriftliches Zeugnis, ausgestellt, daß die gegen ihn gerichteten Verdächtigungen, im Dienste der deutschen Kriegsspionage zu stehen» vollkommen grundlos seien; ich persönlich, in meiner Eigenschaft«IS Vizepräsident des allrussischen Sowjets, habe vor dem damaligen Außenminister Terschtschenko energisch gegen die Absicht protestiert, auf Grund der telegraphischen Korrespondenz Fürstewberg« Suhmensohn„Lenin, Trotzki und ihre näheren Freunde wogen Spionage zugunsten Deutschlands" gerichtlich zu verfolgen-Uw. Ich weiß nicht, was damals Radek seinerseits in Stockholm und Kopenhagen zur„Rettung Lenins" unternommen haben mag. Ein» ist aber ,sicher: weder sein„ungeheuer großes und überzeugende»" Material, von dem wir damals in Rußland nichts gehört haben, noch die Furcht der „Petersburger Machthaber, sich lächerlich zu machen", haben„die Spionage-Anklage gegen Lenin und Trotzki" zu Fall gckracht und damit LeNin„gerettet". Es waren dabei, ganz andere Faktoren im Spiele. Ja, brauchte dennLenin überhaupt in dem Sinne gerettet" zu werdemwie esderVecfasser des Artllol» behauptet?. . Schenkt Man ihm Glauben, so'„lebten die damaligen Machthaber(d. h. wohl die provisorische Regierung? Thi D) im Blutrausch. Verhaftungen wurden tausendfach vorgenommeu. Di« Henker hatten jeden Tag ihren Kopflohn" usw. Alle diese Behauptungen stellen das gerade Ge genteil der Wahrheit dav, und e» wird dem Verfasser des fraglichen Artikels schwer sein,/auch nur eineneinzigen politischen Kopf zu nennen, der nicht nur in diesen Tagen, sondern, während der ganzen„Feberperiode" überhaupt den Henkern als ihr„Lohn" ausgeliefert wäre, da ja die Todesstrafe in den ersten Tagen der Revolution abgeschafft wurde.**) In seinen berühmi, ten April-Thesen, in denen Lenin der provisorischen Negierung und allen sie unterstützenden Parteien den unechittltchsten Kampf ansagte, mußte er doch selbst zugeben, daß im Lande eine unbegrenzte, beispiellose, nie und nirgends dagewesene Freiheit herrsche. ' Die Behauptung, daß„in dieser Blutatmosphäre den nun beschuldigten Lenin und Trotzki der Galgen drohte", ist nichts anderes/ als eine schöne(oder unschöne, je nach d«n Ge- schmackl) Legende, die von Bolschewisten den wußt zur Verherrlichung Lenins erfunden wurde, und der Verfasser des Arttkels macht sich geradezu lächerlich, wenn er nun auch Trotzki an den angeblichen Galgengefahren teilnehmen lassen will: Trotzki war ja verhaftet, und statt ihn auszuhängen haben die ,-blutberauschten" Machthaber ihn, wie Kamenew, nach einigen Wachest Hast einfach in Freiheit gesetzt!< Die gesamte internattonale Sozialdemokratie muß gewiß alles dran sehen, um Radek und seine Mitangeklagten, wenn sie auch sichre« lang ihre gehässigsten Feind« waren, den Hästden der Henker zu entreißen. Sie wird aber diesen ihren»Rettung»"-Kampf mit wirksameren Was«' fen und mit besseren Argumenten zu Whrpd wissen,, als diejenigen, die ihr der Aufsatz von 'M. S. zur Verfügung zu stellen glaubt. Mit sozialistischen Grüßen - Theodor Dan(PariS)'^- •*) Wohl wurde sie im Juni, nach dem un« glückseligtn Offensivversuch fn Galizien, wieder«iwgeführt, aber nur an der Kriegrftont und mir für Deserteure. Unter dem Drucke de» Sowjet» und vor allem unsrrer Partei wurde aber auch dies« B e r» ordnung prastisch sehr bald außer Kraft gesetzt B«zugSbed Innungen: Bei Zustellung ins Sau» oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährlich KS. 48;—, halbjährig XL 96.— aanzläbrlaXL 192 Äakerat« werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren E'nschalwngen Preisnachlaß.-!Rückstellung! vonManuskripttn erfolgt nur bei Einsendung der-Rewurmark«,'.- Die Zc?ttmgSfrankatur wurdev°nd-rPos^und r8tt? graphendirektion mit Erlaß Ar. 1S.800/V1I/198Q bewilligt, Druckerei;„Orbis", Druck», Verlags- und Zeitung»-A.«G. Prag»