«tngelpref 70 HkUtk(einschNetzk. 5 Heller Porto) Aus dem Inhalt: Eina SdP-Ochaaral 17. Jahrgang Freitag, 12. Feber 1937 Nr. 37 Nordproxaii Vefgo Dar„Stürmer“ Uber das„Pragnr Tagblatt■* Zu Börne* 100. Todestage «rschelat mit Ausnahme des Montag»glich früh —^NUndDerwaltung. Prag XU., Fochova 62— Telephon 58077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Der Niederlage folgt der Sieg Del Vayo Uber den Verlust Malagas ._ Valencia,(Fabra.) Minister Alvar--, licht' folgende Erklärung veröffent- „Malaga ist gefallen und die erste Pflicht oenen gegenüber, dir an den übrigen Fronten in der Überzeugung des schließlichen Endsieges rümpfen, ist rS, ihnen sofort die Wahrheit zu sagen. Malaga ist gefallen und die erst« Reaktion auf diesen schweren Schlag, deffen Tragweite wir rnrnen, der jedoch unseren StegeSwillrn nicht schwächen wird, wird dieverdoppelteAn» strengung in jeder republikanisch denkenden Seele sein dafür ,u sorgen, dir Ansichten anf den Sieg zu vergrößern." , Mos- Erklärung betont weiter die Notwen- fMkelt, alle Parteiinteressen fern zu halten und sämtliche Kräfte bloß dem Kriege zu widmen. Der Minister fügt hinzu:„Ich wende mich an euch als langjähriger Soldat: Der Krieg muh über den Parteien und über den GewerkschaftSorganisatio- nen sein. Ein einziger Tag der Verteidigung Malagas, vor der Besetzung, hat uns mehr Opfer gekostet als. drei Monate systematischer Verteidigung Madrids." Am Hchluß heißt eS: •.'»Wir nehmen den Verlust MalagaS zur Kenntnis ohne irgendwie dessen Ernst zu ver» kleinern. Wir wissen, bi» zu welchem Matze da» ständige Eintreffen italienisch« und deutscher Ab» teilungen in den letzten Tagen rum Falle Mala- „» beigetragen Hagen, wir wissen ab« auch, daß, wenn da» Oberkommando die» befiehlt, dieser Vttlust ast jedem Frontabschnitt wettgrmacht werden kann.. Auf eine Rirtwrlage wird mit zwei Tiegen geantwortet."< NlnNausend Hinrichtungen In Malaga? Nach der Eroberung MalagaS setzten die Aufständischen ihren Vormarsch entlang der Küste fort. Bei diesem Vormarsch wurden verhältnismäßig wenig versprengte Milizionäre gesangengenommen, was darauf schließen läßt, daß der Rückzug der Regierungstruppen gestossen und geordnet erfolgt«. Auf dem Vormarsch wurde die Stadt M a t r i I a besetzt. An Malaga wütet dir Blutjustiz d« Aufständischen. D« Bürgermeister der Stadt und Vorsitzende de» spanischen GewerkschaftSverbandes wurde zusammen mit 150 gefangenen Osfizi«en nach kurzem Verfahren erschossen. Gegen etwa 5000 weitere Personen wird ein KriegögerichtS- verfahr«,, stattfinden» in dem alle zum Lode durch Erschießen werden verurteilt»«den. Die Massen- atschkachtung der Besiegten ist für die allernächsten Tage z» erwarten. Offensive der Regierungstruppen Barcelona.(Reuter.) Nach hier au» der Provinz Jaen eingegangenen Nachrichten haben die RegierüngStruppen an der ganzen Südfront «Ine große Offensive begonnen. Eine Kölonne Her. Regierungstruppen soll sich zweier Dörfer bemächtigt haben, die für den Angriff auf Granada voNgpoß« strategisch« Bedeutung sind. Meldungen aus Almeria zufolge sind bei dir Einnahme Malaga» die zwei Torpedobootzerstörer der Regierung.flauen" und..Artabro" versenkt worden. Flüchtlinge aus Malaga behaupten, daß an dem Angriff auf die Stadt sehr viele deutsche Soldaten teilgenommen haben. Avila.(HavaS.) Die Offensive ist etwa» zum Stillstand gekommen. Auf der Landstraft« nach Valencia konnten gesiern mehrere Angrifse leicht zurückgeschlagen werden. Gegen 10 Uhr fand ein Artilleriezwrikampf statt. Die Madrider Flieg« absolvierten mehrere Anflüge oberhalb de» Tale» de» Manzanare» und de» Jarama» Flusse». Die Aufständische Artillerie bombardierte unweit Alzara de Henare» die nach A«ag»n führende Landstraße. Da» Wett« bessert sich. E» läßt sich vorauSschen, daß di« KriegSoperationen nunmehr größeren Umfang annchmen werden. Katalonien schließt keinen Sonderfrieden Barcelona.(HavaS.) Die katalanische Gene« ralidad erklärt, zu den Berichten gewisser Blätt-r Uber Gerüchte,.daß cS in London zu ein« Beratung bestimmter Faktoren der katalanischen Regierung mit militärischen Vertretern der spam« scheu Aufständischen kam, die katalanische Genera- tidad habe niemals irgend jemanden direkt oder indirekt ermächtigt/ solche absolut illoyale Verhandlungen einzuleiten. Die Situation nach dem Verlust von Malaga Russisch-japanischer Krieg? L o n d o n.(Reuter.) In einem dem Gedanken an di« Schlacht von Wolvtschisk gewidmete» Artikel führt Marschall. Blücher, d«'Oberstkommandant der rote» Arme« im Ferne» Ost«» aus, daft«» nach amtliche» Dokumenten der»brr- sten japanische» Mllitärkreise 1» kurz« Zeit zu einem Kriege zwischen. Japan und Sowjetrutzland komme» werde. Ribbentrop bemüht sich. London.(HavaS.).Nach einer zweistündigen Unterredung des Lord Halifax mit dem deutschen Boischast« v. Ribbentrop beschränken sich die offiziellen Stellen auf di« Erklärung, daß„die Unterredung eine gewisse Anzahl von Angelegenheiten betraf, über die v. Ribbentrop Lord Halifax die Ansicht,.seiner Regierung bekanntgab", ES heißt, daß der deutsche. Botschafter selbst darauf bestand, daß- diese Unterredung vertraulichen Tharakter tragen-solle. Inlands Rüstung: 56 Milliarden Kk Rüstungsvorlasen Im Unterhaus Londo n.(Reuter.) Schatzkanzl« Sir Chamberlain kündigte im Unterhaus eine. Wehranleihr mit d« Erklärung an, daß die Re- gl«»», jetzt einen Gesetzentwurf vorlegen wolle,, durch den sie zur Beschaffung der«förderlichen Kapitalien»der zur Verwendung der Budgetüberschüsse für BerteidignngSzwecke anf bestimmtem gilt ermächtigt würde. Die an! dm etedijen für die«erteidignns erzielt«»! Reserven würden auf Rechnung de»!Zinse» der neuen Schuld gehen, auch'«ach AtläUf.dieser Zett,«M hl» Schuld in 30 Jahren zu.-tilgen. Der vorgesehene«Nleihr- »etrag werde 400 Millionen Pfund Sterling .(50.400 Millipnen ivi). lischt überschreiten und wird In längsten» fünf Jahrm aufgebracht werden. - In seiner Anttvon an M a.j.o r A t t le e hob Chamberlain hervor, daß. die Ausgaben so anwachsen,' daß sie aus den»iormalen Einnahmen unmöglich gedeckt werden, könnest...■ Das Schahkanzlerämt wird ein Wriftb u ch herausgeben, da»'diese finanzielle Erk ürung er- läütern wird, durch welche. Vie Regierung zur «Aufnahme'einer'.Anleihe von insgesamt,400 Millionen Pfund Sterling ermächtigt wird. Sie asttöriflert auch die Regierung,. während der fünfjährigen Zeit-er Apftringung der Anleihe alle Budgetüberschüsse statt zur Herabsetzung der Schuld zur v e d t e i d i g wn ß z« verwenden. Drei Jahre„neues Oesterreich" Lum Bedenken der FeberkSmpfe 1934 Heute vor drei Jahren, in den Morgenstunden der 12. Feber 1084, ertönten in Linz jene Schüsse, die das Signal waren für eine kurze und doch so inhaltsschwere Woche blutig« Kämpfe, die als der F e b e r a u f st a n d der österreichischen Schutzbündler in die Geschichte eingegangen sind und die doch viel weniger ein Ausstand waren, als eine BerteidigungSschlacht, eine heldenmütige Abwehr freventlicher Anschläge gegen die Rechte eines Bolles, die Errungenschaften einer jahrzehntealten Bewegung. Eine Welt horchte auf, als jener kurze, tragische Kampf um die Demokratie in Oesterreich, um das rote Wien begann. Leidenschaftlich nahmen die Arbeiter aller Länder Anteil an dem ungleichen Ringen, bis zuletzt hoffend, das kühne, todesmutige Beginnen werde glücken.— Tie Schutzbündler, eine verschwindende Minderheit im Riesenheer der indifferent gewordenen, von der Krise zermürbten Masse, eine verschwindende Minderheit gegenüber ihren schwerbewaffneten Gegnern, sind unterlegeir. Diösterreichische Demokratie wurde liquidiert. Dar Rote Wien wurde seine» ärgsten Feiiiden ausgeliefert. Dennoch war das Ringen nicht umsonst, der Opsertod der Weisl, Münnichrei- ter und Wallisch, der Heldentod der vielen Ungenannte», nicht vergebens. Der Mut der Arbeiter richtete sich an dem erhabenen Beispiel auf, in trostloser Zeit wurde eine Blutfahne aufgerichtet, die Namen Wien und Stehr und Druck an der Mur, der Kampf um Floridsdorf, um Ottakring, um den Marx-Hof gingen als gewaltige Dokumente eines unbeugsamen Geistes, als Zeugnisse für eine unbesiegbare Idee in die Geschichte ein. Oesterreich hat der 12. Feber unendlicher Unglück gebracht. Auch die Sieger wurden ihrer Erfolges nicht ftoh. Wenige Monate, nachdem er die Galgen hatte aufrichten lassen, siel Dollfuß selbst unter den Kugeln brauner Mörder. Immer wieder mußten auch Männer aus dem Lager der Febersieger sich der Ueberzeugung des Bolles beugen und zugestehen, daß die Opfer des Feber reinen Gewissens und für eine gerechte Sache gekämpft haben und gestorben sind. Die Zeit wird kommen, da die Sache, sür die sie starben, triumphieren wird über die tückischen Anschläge, denen sie unterlegen sind! Einer unserer- österreichischen Mit arbeiter möge im folgenden die Bilanz d« drei Jahre ziehen: Drei Jahre find seit der Errichtung des /.christlichen Ständestaates", nahezu vier Jahre M der Ausschaltung de» österreichischen Parlamentes durch Doll fuß verflössest.' Wie- in Spänkön hak sich ckllch in Oesterreich der Kle« rikälismu» mit dem Faschismus verbündet, um angeblich den,,Bolschewismus", in Wahrheit aber die s o z i al i st i s che Arbeiter» bewegung.zu bekämpfen. D o l l f u ß hat sich zur Rechtfertigung sein« Politik des Ber» faffungsbrucheS und d« blutigen Niederwerfung der! Arbeiterklasse mit Vorliebe auf das päpstliche Rundschreiben„Q u a d r a g e s t m o anno" berufen. In diesem Rundschreiben wird der Sozialismus angeblich nur deshalb abgelehnt, weil er. nach der Meinung des PapsteS die menschliche Freiheit zu beeinträchtigen geeignet sei. Sei: drei Jahren hat- nun die Welt ausreichend Gelegenheit, zu«kennen,- wie cs im Staate d« „Ouadragesimo anno" mft den Freiheits« r echt e.n bestellt ist. Während sich die Katholiken über die Verfolgungen empören, die die Kleri« kaken in Hitlerdeutschland erdulden müssen, haben sie in ihstem christlichen Ständestaat nicht allein die Sozialdemokratie verboten,-die freien Gewerkschaften sowie sämtliche Arbeiterkulturorgani- sationen gleichgeschaltet oder aufgelöst/ sondern auch im Emnmer 1830 die gesamte Jugendbewegung für die Klerikalen monopolisiert. Sp also zeigt sich, daß im„erneuerten" Oesterreich von Freiheit immer weniger geredet werden kann. Diktatur und Revisionismus . Die totalitäre Arbeiterfeindlichkeit steht allerdings völlig im Einklang mit der Entstehungsgeschichte des christlichen Ständestaates. Neben den: Sieg Hitlers, der Einflußnahme Mussolinis und der Furcht d« Klerikalen/ bei Beibehaltung der Demokratie vom Volk von der Staatsmacht verdrängt zu werden, hat vor allem die Tatsache, daß sich die österreichische Sozial« demokrätie der Mithilfe an-der- Wiederaufrüstung IhngarnS offen entgegengestellt hat, erheblich dazu beigetragen, daß die Klerikalen zur aü t o ri tärenGewaltpo l i ti k übergegangen sind.. Denn die offene Bekanntmachung der Hirtewberger Waffenschiebung, die Starhemberg zu Beginn des Jahres 1683 im-Auftrage seines Freundes Man dl-von der Hirtenberg« Waffenfabrik sowie auf Wunsch des faschistischen Italien durchführte, hat gezeigt,-daß solange ein demokratisches Parlament-besteht, die dunklen; Geschäfte der- christlichen- Revisionisten und jüdischen Waffenschieber nicht leicht durchführbar sind. Nun holte Dollfuß in eitler Perblendung zum entscheidenden.Schlag gegen Üe Demokratie au». Das. Profitstreben des RijstungSkaplmlS und-die ungarische Reblfions» Politik sind so,—neben der Herrschaft, des Kleri» kalismus— für das Entstehen de»-christlichen Ständestaates ungleich maßgebender gewesen als die Grundsätze' der Ouadragesimo anno, auf die sich Dollfuß Lek seiner Geivaltpolitik heuchlerisch berufen hat. Die Beseitigung der freien Arbeiterbewegung hatte jedoch die gewaltsame Niederwerfung des Proletariats, also die Vernichtung d« Demokratie zur unerläßlichen. Voraussetzung und dj« Preisgabe der Neu t r a 14-1 i t und der- wirk». sichen Unabhängigkeit des Landes un» vermeidlich zur Folge. In Wahrheit bedeutet die Aufrichtung und Entwicklung des christlichen Ständestaates nichts anderes als eine Verleugnung der Ideale, zu deren Verwirklichung er angeblich geschaffen worden sein soll. Die Wirtschaftspolitik des Ständestaates Die„Abschaffung deSKlassen» k a m p f e S", die mit der Beschießung der Arbeiterwohnhäuser durch die Kanonen des Bundesheeres im Fever 1034 eingeleitet wurde, hat— wirtschaftlich betrachtet-- dazu geführt, daß die Unternehmergewi n. ne sich vervielfacht haben, während die Zahl der unterstützten Arbeitslosen Ende Jänner 1037 trotz zchntausender Aussteuerungen 816.050 beträgt.(1082 betrug die Zahl der unterstützten Arbeitslosen 800.000. Zu Beginn der Autokratie haben die Usurpatoren so getan, als ob dl« ganze römische Orientierung nur aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt und von dem Abschluß der römischen Protokolle eine entscheidende Besserung deS österreichischen- Wirtschaftslebens zu«warten wäre. Die römischen Protokolle haben jedoch lediglich vorübergehend infolge der Lieferungen für den abessinischen Krieg«ine nicht allzu beträchtliche Steigerung der Ausfuhr nach Italien zur Folge gehabt. Seit der Beendigung der Operationen in Abessinien zeigt sich jedoch, daß von einer dauernden, und entscheidenden Belebung der österreichischen Wirtschaft durch die römischen Protokolle keine Rede sein kann. Dies beweist die amtlich" fcstgestellte Tatsache, daß der Verbrauch Sgüt eru ms a tz im November 1936 nüp drei Viertel deS Durchschnittes der Jahre-1023 bis 1938 betragen hat. Das Volk kann sich also im Ständestaat um ein Viertel weniger Berbrauchsgüter kaufen als in der demokratischen Republik! Der Außenhandel hat im Jahre 1986 ein Defizit von rund.800 Millionen Schilling zu .verzeichnen. Nach wie vor stehen Länder, dje nicht den römischen Protokollen beigetreten rind, im öste«eichlschen Außenhandel an erster Stelle. So Deu.tschland und die T s ch e ch o s l o» wake 1, während Italien und Ungarn.in weitem. Abstand folgen. Im. Jahre 1086 betrug der Wert des Außenhandels Oesterreichs mjt den Ländern des- römischen Blocks insgesamt 401'Millioyey Schilling, während er mit den Ländern^ der Kleinen Entente insgesamt 508,6, Millionen Schilling betragen hat,-Der Außenhandel mit- Deutschland- betrug- im Jahre 1986- insgesamt 868.7 Millionen" Schilling. Während der Handelsverkehr mit Italien' in der zwtiten Hälfte des Jahres 1936 stark giwück». Seite S Freitag, 12. Feber 1037 Nr. 37 gegangen ist, nimmt der Austenhandel mit den kaufkräftigen Staaten des Westens zu. Daß eine wirkliche Besserung der wirtschaftlichen Situation Oesterreichs durch die Diktatur des Ständestaates nicht Hervcigeführt worden ist, beweist übrigens auch die Tatsache, das; die Zahl der krankenversicherten Arbeiter Oesterreichs, die im Fahre 1983 1,880.000 betragen hat, Ende 103» nur 1,800.000 betragen hat. Noch nie ist in W i e n die Zahl der Neuanmeldungen offener Stellen sowie die Zahl der von den öffentlichen Arbeitsnachiveisen dnrchgefiihrten Vermittlungen so gering gewesen wie Ende 108». Die Zahl der zur Vermittlutrg in ganz Oesterreich vorgemerkten Arbeitslosen ist Ende 198» um 80 Prozent höher als im Durchschnitt der Jahre 1923 bis 1983. EL kann daher von einer Ueberivindung der Arbeitslosigkeit keinesfalls gesprochen werden. Dies um so mehr, als die Zahl der Altersrentner von 38.000 im Fahre 1929 auf 94.000 Im November 198» gestiegen ist. Im Fahre 1982 lvurden noch 281 Millionen Schilling für das Sozialbudget ausgegeben, während im Fahre 1987 nur mehr 1Ü6 Millionen Schilling für soziale Zwecke verausgabt werden sollen. Dagegen sind die Ausgaben für die militärischen Zwecke, die 1982 nur 81 Millionen Schilling betragen haben, so gestiegen, das; sie im Fahre 1987 210 Millionen Schilling betragen wevden. Der soziale Charakter des Ständestaates ist also durch die Tatsachen eindeutig erwiesen! Dia Gleichrichtung mit dem Dritten Reich Zweifellos hat die Tatsache, dass weder durch die Unterdrückung der freien Arbeiterbewegung, noch durch die Wirtschaft»- und Austenpolitik der römischen Protokolle irgendeine Linderung der Wirtschaftsnot, in der die breiten Massen des österreichischen Volkes mehr denn je schmachten, berbeigeführt werden konnte, erheblich dazu beigetragen, dast die llerikalen Diktatoren gerade um die Zeit der zweijährigen Wiederkehr der Ermordung Dollfuß durch die Nationalsozialisten mit Hitlerdeutschland unter der Patronanz Italiens daS sogenannte Normalisierungsabkommen vom 11. Juki abgeschlossen haben. Wohl hat Deutschland Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten, will aber dafür nur Rüstungsmaterial liefern. Während die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Friedensschlusses mit dem Dritten Reich auf sich warten lassen, ist der politische Einflust der Nationalsozialisten in Oesterreich seither beträchtlich gestiegen. Die Nationalsozialisten wittern seither in Oesterreich Morgenluft! Obwohl sich die Klerikalen und Monarchisten verzweifelt gegen die friedliche Durchdringung Oesterreich» durch daS Dritte Reich wehren, kann es keinem Zweifel unterliegest, dast durch das Abkommen vom< 11. Juli Oesterreich in hohem Maste, insbesondere in austenpolitischer Beziehung, gleichgeschaltet wurde. Die Befürchtung, dast die frivole Vernichtung der österreichischen Demokratie durch Dollfust zur Folge haben wird, dast Oesterreich sn einem KonsliktSfalle aus feiten der R e v i s i o» nisten, also Hitlerdeutschlands und Ungarns, stehen wird, ist durch das Abkommen vom 11. Juli nahezu zur Gewißheit geworden, obwohl die tatsächlichen Landesinteressen Oesterreich» eher die gegenteilige Stellungnahme erfordern würden. Wichtiger als die Landesinteressen sind aber die Klasseninteressen. Daher macht die»Reichspo st" der Tschechoslowakei in der letzten Zeit ganz unumwunden zum Borlvurk, dast sie sich mit dem»BolschetviS- muS" verbündet habe.■ Die Einführung dar Wehrpflicht In den Handlungen und Reden der matz« gebenden Funktionäre der Regierung. und der Vaterländischen Front kommt immer wieder eindeutig zum Ausdruck, dast sie in der Stärkung der Wehrkraft ihre oberste Aufgabe erblicken. Die vertragswidrige Einführung der allgemeinen Wehrpflicht am 1. April 1988 hat gezeigt dast die klerikalen Diktaioren getreue Schüler Hitlers darstellen und— wie ihr Lehrmeister— internationale Verträge als einen Fetzen Papier betrachten. Die Faschisten trachten seit Jahr und Tag all ihre Schandtaten damit zu beschönigen, dast sie behaupten, dast ihre antidemokratischen Maftnahmen der Abwehr des Nationalsozialismus dienen sollen. In Wahrheit wollten sie lediglich die durch den Sieg Hitlers für die besitzenden und reaktionären Kreise günstige Konjunktur zur Vernichtung der Arbei- t e rb e tv e g u n g auSnühen. Durch diese skrupellose, von Klassen- und Partei-Interessen diktierte Gewaltpolitik hat D o ll f u h die stärkste Kraft im Kampfe gegen Hitler, die sozialistische Arbeiterbewegung, in die Illegalität gedrängt. Nun har Schuschnigg, obwohl er Vorgibt, ein überzeug> ter Legitimist zu sein, unter dem Zwang der Umstände durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht die Auslieferung Oesterreichs an Hit- lerdeutschland wesentlich gefördert. Denn wenn auch Schuschnigg nach Jesuitenmanier so getan hat, als ob es sich bei der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht darum handeln würde, Oesterreich gegen einen Angriff durch Hitlerdeutschland möglichst zu sichern, zeigte sich bald darauf, dast dies.r Vertragsbruch in Wahrheit nur den imperialistischen Absichten Hitler», insbesondere der Idee eines Borstostes gegen die Tschechoslowakische Republik Vorschub geleistit bat. Trotz aller gegenteiligen Versicherungen der faschistischen Machthaber kann eS unter den gegebenen Umständen kaum einem Zweifel unterliegen, dast im Konfliktrfalle Oesterreich unter dem Regime Schuschnigg allen Voraussicht nach ein Operationsfeld der Hitlerarmeen darstellen wird. Dia Auflösung der Helmwahren Mit dieser austenpolitischen Gleichrichtung Oesterreichs ging desien innenpolitische Gleichschaltung Hand in Hand. Die im italienischen und kapitalistischen Sold stehenden Heimwehr- Banden, die den um ihre Herrschaft bangenden Kapitalisten gut genug gewesen sind, bei der blutigen Niederwerfung der Arbeiterschaft Provokateurs- und Handlangerdienste zu leisten und so zu den wichtigsten Bahnbrechern des christlichen Ständestaates zählen, wurden im Herbst, 1988 aufgelöst. Die Auflösung der Heimwehren spricht zweifellos dafür, dast der Einflust Roms, der besonders in der Dollfust-Peciode ausschlaggebend gewesen ist, zugunsten des Berliner Einflusses zurückgedrängt worden ist.'Auch die Tatsache, dast Mussolini auf Verlangen Berlins den italienischen Presseattache Morreale, der einei grasten Einslust auf Oesterreich» innere Politik auSgeübt hat, von Wien abberufen hat, zeigt, dast Berlin in wachsendem Maste in R o m un» Wien Eipflust gewinnt. Morreale rächte sich. Indem er bei seinem Abschiedsabend erllärte, dast die Vertreter der»national Betonten" bald wieder aus der Regierung fliegen werden. Tatsächlich sind auch in den letzten Tagen wieder mancherlei Gerüchte über eine bevorstehende Regie- rungSumbildung zu verzeichnen. Sollte es tatsächlich demnächst zu einer Regierungsumbildung kommen, so spricht jedoch viel Wahrscheine lichkeit dafür, dast sie mit einer Stärkung de» Berliner Einflusses in irgendeiner Form enden dürfte. Jedenfalls wird die Zusammensetzung der »unabhängigen" Autoritäisregierung vorwiegend von den Abmachungen, die zwischen Berlin und Rom getroffen werden, abhängen. Jüngst hat man dem Deutschen Turnerbund, der Nazi-Organisation, von deren Turnhalle die Dollfust-Mörder am 25. Juli 1984 ausgezogen sind, wieder die Selbswertvaltung zugestanden un» den RegierungSkommisiär abgezogen. Ferner mustten die autoritären Christen unter dem. Druck von Berlin den völkischen Erneuerern das Siecht zugestehen, Vereine kulturellen Charakters gründen zu dürfen. Dia Abhängigkeit der Diktatur Die Allmacht des Staatsapparates und di' Ohnmacht des Volkes im Ständestaat ist durch die Mastnahmen der letzten Zeit nur noch ausgeprägter geworden. Gestützt auf die Staatsexekutive und eine ganz'"dünne Schicht von sonstigen Nuhniestern der Diktatur ist S ch u s ch n i g g, so- ferne nicht RoM oder Berlin Vorschriften machen, in den innenpolitischen Fragen unumschränkter Diktator. Der Sinn der Diktatur ist, durch die Entrechtung des Volkes das aus den Fugen geratene kapitalistische Wirtschaftssystem womöglich wieder rentabel zu gestalten und.auf« rechterhalten zu können. Da die Nationalsozialisten auf dem gleichen Wege dem gleichen Ziel zustreben, ist die Kooperation beider Diktaturen naheliegend. Die Nationalsozialisten wollen aber eine nationalistische Diktatur, bei der Berlin den Ton angibt. Sie wollen daher den Klerikali»- m u S von der Macht verdrängen und sind bei der Wahl der Mittel, wie der Dollfust-Mord bewiesen hat, keineswegs wählerisch. Momentan erscheint Hitler aus Rücksicht auf weiter gesteckte Ziele und insbesondere auf M u s s o l i n i die Methode der langsamen und friedlichen Durchdringung zweckentsprechender zu sein. Trotz aller Konzessionen ist eS aber höchst unwahrscheinlich, dast es gelingen wird, die Nationalsozialisten mit der klerikalen Diktatur zu versöhnen. Dieses Bestreben ist kaum viel aussichtsvoller al» die verschiedenen Bemühungen, die Arbeiterschaft mit der Diktatur zn versöhnen. So pendelt Schuschnigg, der scheinbar allmächtige Diktator, in Wahrheit hilflos zwischen Berlin und Rom hin und her. Zwischen der inneren und Luster eg Unfreiheit besteht ei» untrennbarerZüsam- mcnhang. Die angeblichen Vorkämpfer der österreichischen Unabhängigkeit befinden sich zwangsläufig im Schlepptau der faschistischen Grostmächte, ohne deren Mitwirkung die Diktatur, weder aufgerichtet hätte werden können noch aufrechterhalten weiden könnte. Die österreichische Unabhängigkeit, für die Dollfust angeblich in den Kampf gezogen ist, al» er den christlichen Ständestaat dem Bolle aufgezwungen hat, hat der restlosen Eingliederung Oesterreich» in den Herrschaftsbereich der faschistischen Grostmächte Platz gemacht. Nur ein freies Oesterreich hätte und würde, gestützt auf die Masten der Arbeiter« und Bauernschaft, Oesterreichs Unabhängigkeit, Neu» tralität und Freiheit mit Erfolg verteidigen können.. Uederklllsslse Sorgen I Die„Rote Fahne" ist um die sozialdemokratische Preste besorgt. In unserer Redaktion, so meint, sie, treiben trotzkiftische Zellen ihre Wühlarbeit. Die sozialdemokratische Preste sei auf die Position deS HitlerfaschlSmuS hinabgesunken, es sei festzustellen, dast sie mit der reaktionären, faschistischen und gleichgeschalteten Presse zusammenspielt. TuS alle», weil wir unsere Meinungsfreiheit auch dem Stalinismus gegenüber bewahrt haben und nicht so feige und gewiffenlos sind, vor ihm so auf dem Bauche zu kriechen wie kommunistische' Redakteure und kommunistelnde Schriftsteller. Nicht die Kritik am StaliniSmuS, sondern dessen Methoden und ihre Billigung schädigen da» Ansehen der Sowjetunion und setzen deren Bündniswert für die demokratischen Länder herab. Es ist deshalb sehr possierlich, die.Liote Fahne" in der Rolle de» Staatsanwalts, bzw. sie nach ihm rufen zu hören. Die Grundlage für diese» verlangen ist die kühne Behauptung, in unserem Blatte werde gegen einen Bundesgenossen„infam gelogen, gehetzt und geschimpft", nämlich gegen die Sowjetunion. Die„Rote Fahne* bekommt einen Preis, wenn sie nachweist, wo und wann wir gegen die Sowjetunion gehetzt, über sie geschimpft oder infam gelogen haben. Abgesehen davon, dast wir das alles nicht so treffen, wie es die„Rote Fahne" gegen un» oder der Wifchynfli gegen die Moskauer Angeklagten trifft, ist eS ein kühne» Beginnen, den von uns kritisierten Moskauer Prozeh und die von uns angenagelte Kriecherei vor Stalin als den Inhalt des tschechoslowakisch-russischen Bündnisses zu etllären. Wenn in Moskau Gerichtskomödien stattfinden, so ist daS nach der„R. F."— Sozialismus oder der Weg zu ihm. Wenn wir die Ge« rlchtskomödie Komödie nennen, so ist das— Verrat an der Demokratie. Wenn Stalin bei der Nennung feines Namens Beifall klatscht, so ist daS nach Feuchtivanger die Aeusterung der neuen sozialistischen Lebensart der Stalingläubigen. Wenn wir diese Verirrung annageln, ist daS Verrat an der Sowjetunion! Ja, die Mahstäbe sind eben verschieden. WaS uns betrifft, so glauben"wir, dast man unserer Kritik am wenigsten wird dadurch begegnen können, dast man uns beschimpft, sondern dadurch, dast man uns keinen Anlah zur Kritik gibt. Die„Rote Fahne" könnte sich ein Verdienst uin den Sozialismus erwerben, wenn sie den A n- last unserer Kritiken in Augenschein nähme, statt die Schändung der sozialistischen Idee durch die Exzesse de» Stalinismus durch ihre journalistischen Schimpfexzesse zübirgrötzern. .. Um unsere„trotzkistischen Zellen" möge sich die„öiote Fahne" keine überflüssigen Sorgen machen.. Beschleunigte Verhandlung der Exportkredite Die heutige Parlaments sitzung soll sich bereits mit der Novelle zum Gesetz über die Exportkredite befassen, durch welche die Staatsgarantie für diese Kredite um 1500 Millionen Kä erhöht werden soll. Weiter, soll die Benennung der Brünner tschechischen Technik nach dem Präsidenten Dr. Beneö zur Verhandlung kommen. Beide Vorlagen wurden am Donnerstag nachmittag» von den zuständigen Ausschüssen, vorbereitet. Zur Das Kaffeehaus in der Seitengasse Roman von Fritz Rosenfeld 82 Billy streckte die Hand nach den Kuverts aus. Hegeberg berührte sie nicht mehr. Er sah zu, wie Billys zitternde Hand sich über den Schreibtisch reckte, wie sie die Umschläge sastte, wie die Umschläge in Billys Tasche verschwanden. Al» Billy den Tiergriff berührte, sagte Hegeberg: «Es versteht sich, dast Sie für diese Dienstleistung ein Sonderhonorar erhalten." Billy warf die Tür zu, er jagte an den Männern in der Uniform vorüber, die Karten, spielten, an den Stenotypistinnen, die Briefe schrieben, er jagte die Treppe hinunter, in eine Telephonzelle, rief Carola an, der Stein sei im Rollen, in einer halben Stunde würde sich alles entschieden haben. * Drexler schlief noch, al» Billy kam. „Du hast dein Versprechen nicht gehalten", schrie Billy.„Du"benimmst dich, als Wüsttest du noch immer nicht, wieviel es geschlagen hat." „Nimm dir einen Kognak, Billy", sagte Drerler.„Auf dem Tisch stehen Zigaretten. Und schrei mit mir nicht. Ich habe mir alle» überlegt. Ich gehöre zu dieser Frau, und diese Frau gehört zu mir. Alles andere ist gleichgültig." „Da» heistt— du willst nicht fliehen?" „Nein. Ich bleibe hier, und wenn sie versuchen sollten, Mir. auf den Leib zu rücken, werde ich mein Leben teuer verkaufen.". „D. bist wahnsinnig geworden. Sie werden dich an einer Straßenecke abknallen. Sie haben vor drei Tagen einen im Wald erschlagen und in I den Sumpf geworfen. Sie schleppen dich in einem Autq weg und verscharren dich irgendwo— „Deine Räubermärchen können meinen Ent^ schlust nicht ändern. Jede Stunde, die ich noch lebe, lebe ich für diese Frau. Jeder Atemzug, den ich noch tun darf, gehört dem Gedanken an sie. DaS wirst du nie fassen, Billy; zu dir patzt deine Carola, mit dem innigen Augenaufschlag und den verträumten Augen—" „Schweig. Den Namen Carola darfst du nicht nennen. Du nicht—" „Geh' doch, Billy. Latz mich doch in Frieden, Geh' zu Hegeberg und erzähle ihm alle». Geh' zu wem du willst." Billy börte nur noch: Carola. Drexler hatte sich umgedreht, mit dem Gesicht zur Mauer. Billys Hand fuhr in die Tasche, fahte den Briefumschlag, schob ihn zwischen die Papiere, die auf Drexler» Schreibtisch lagen. E» geschah nicht, weil Hegeberg e» befohlen hatte, nicht weil Männer in Uniform hinter ihm standen, mit gespannten Re« volvern, es geschah um Carolas willen. Ihr Name hätte in dieser Stunde nicht fallen dürfen. Billy warf den Brief ein, Billy rief Hegeberg an, eS sei alle» besorgt, Billy rief Carola an, nun sei e» Zeit für ihn. In einer knappen Stunde ginste der Zug. Sie solle in einem Taft neben dem Bahnhof auf ihn warten. Er holte seinen Koffer, er sagte dem-Hauswart, er verreise auf ein paar Tage, er habe Urlaub, für eine Bergtour sei der September der günstigste Monat. Er blickte sich um, als er aus dem Hauitor trat, noch verfolgten sie ihn nicht, aber es würde nicht mehr lange däuem, und die Schatten liefen hinter ihm her. „Muht du denn fliehen?" ftagte Carola. „Sie werden versuchen, mich pu» dem Weg zu räumen, weil ich zuviel weist. Einen Leutnant wollten sie nicht,selber abknallen. Aber den Klavierspieler au» dem Taft Finsterbnsch? Wenn den eines Tage» eine Kugel trifft, fraüt niemand, i warum eS geschehen ist." „Was willst du anfangen, hast du Geld?" „Ein paar hundert habe ich, da» reicht für einen Monat. Ich werde arbeiten irgendwo, ich werde neu anfangen; womit ich mir mein Brot verdiene, ist gleichgültig. Vielleicht fahre ich nach Paris, vielleicht gelingt e» mir, nach Amerika hinüberzukommen, nach Kanada, nach Mexico, ich nehme jede Arbeit." „Du gibst mir Nachricht, wenn du drüben bist?" „Ich telegraphiere von der ersten Station jenseits der Grenze",.. «Du kommst wieder—" „Ich komme wieder, oder ich rufe dich. Schau zu dem hellsten Stern, Carola, wenn der Himmel klar ist in den Nächten—" „Ich werde zu dem hellsten Stern schauen, Billy—• »Geh zu Finsterbusch und sag ihm, er soll sich einen neuen Klavierspieler suchen. Geh zu Städt« lein und erzähl ihnr alle». Er war der beste unter ihnen. Und grüste den Bimba— und die kleine Katze—" Der Zug-fuhr an. Carola lief auf dem Perron mit, sie winkte mit der Hand, in ihren Augen standen Tränen.>. „Der Stern, Carola, der hellste Stern—" »Der Stern, Billy, der hellste Stern—* ...»<;• ,. Die Stunden bis zur Grenze schlichen trag dahin. Nun würden sie in! Drexlers Wohnung sein und suchen. Nun würden sie da» Papier aus dem Schreibtisch finden. Sie würden ihn verhaften und vor ein Kriegsgericht stellen. Er würde leugnen, aber der Beweis lag in ihren Händen. Dann würden sechs Soldaten und ein Leutnant im Morgengrauen mit einer dröhnenden Trommel durch den Hof de» Mllitärgefängniffe» ziehen, Drexler würde an'der Mauer stehen, bleich und zitternd, und an die Frau denken, er würde ihren Namen nennen, wenn der Leutnant»Feuer^be- fahl, und ihre Stimme hörens wenn die Gewehre aüfblitzten. Sein Vater würde weinen; in einer einsamen Stube irgendwo in der Stadt» und würde da» Zeichen vom Rock reihen und zertrampeln, wie es viele Tausende zertrampeln würden, könnten sie mitansehen, wie sie Drexler an die Mauer stellen, könnten sie Hegeberg» Gesicht hinter der Wolke von Pfeifenqualm sehen, könnten sie in Billys Herz blicken in dieser Stunde. Eine Fliege kriecht über die Glasscheibe, so kriecht der Zug über den Erdball, winzig und langsam» Dann kommen Männer in fremden Uni-' formen und verlangen seinen Patz, dann kommen Männer und wühlen in seinem Koffer, dann wird' eine ftemde Sprache gesprochen— und er ist frei. Er Weitz, datz nicht etwas Vollendetes hinter Ihm liegt, sondern ein neuer Anfang vor ihm. Datz er alles abwerfen muh, was Ihm aufgebürdet worden war, und nicht miinehmen darf in das andere Leben, als da» Herz, das in seiner Brust pocht und den hellsten Stern am Himmel, zu dem Carola aufschaut, wenn die Nächte klar sind und ein zärtliche» heilsame» Schweigen sie umfängt.. X. Bimba hockte In her blanken Sonne de» klaren Oktobertags, die graügestreifte Katze war nun schon fast.so grotz wie er und ging ihre eigenen Wege. Feiertag spielte an den Abenden wieder mit Gerleitner Schach, Städtleln beugte sich über die. dicken Prospekte; in denen die Berlage ihre Herbstproduktion ankündigten..-Mittelmeter, Genno und Burger hatten nun am andern Ende de» Saal» ihren Tisch, man hörte ihre Stimmen herüber, denn sie sprachen, sehr laut, aber man sah ihre Gesichter kaum. Ging Gerleitner oder Feiertag, an ihrem Tisch vorüber, wandten sie den Kopf ab. Mittelmeier war einmal in seiner neü»n Uniform erschienen, doch Finsterbüsch hatte ihn zur Geste genommen und ersucht. au» Rücksicht.auf den Ruf de» Lokal», dessen Gaste au» allen Lagern kämen, einstweilen noch Zwil zu tragen; die Zeit sei ja. nahe, in der man die Uniform nicht mehr werd» verbergen müssen-.(Schlutz folgt.), Nr. 87 Freitag, IS. grtet 1037 Seite 3 Behandlung des Nachtragsbudgets und des Staatsrechnungsabschlusses sür 1035 wurde dem Budgetaurschuk eine Frist bis Mittwoch, den 17. Feber, gesetzt. DaS neueste Heldenstück deS agrarische» „Beker*, der dieser Tage die bekannte spanische Abgeordnete LaPassi.onaria und die eben» falls in Spanien tätige deutsche Emigrantin Nellen in der unflätigsten Weise beschimpfte, hatte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus ein stürmisches Nachspiel. Die Kommunistin Mach a i l o v a verlas beim ersten Punkt der Tagesordnung unter heftigen Zwischenrufen ihrer Klubkollegen eine Erklärung, in der gegen diese Schreibweise des„Beier* schärfster Protest eingelegt wurde. Durch die Ungeschicklichkeit deS agrarischen Berichterstatters H r u b h, der die an sich einwandfreie Feststellung, daß die Angelegenheit nicht zur Sache gehöre und er sich daher nicht damit befassen werde, in eine abfällige Form kleidete, kam eS nochmals zu schweren Krawallen. Die Kommunisten sammelten sich vor der Ministerbank und ergingen sich in schweren Beschimpfungen der Agrarier und des Referenten.' Eine Kommunistin warf sogar einen Stotz Druckschriften nach ihm. Auch Frau Z e m i n o v ä und die Sozialdemokratin Jurneikovä hielten mit ihrer Empörung nicht zurück. Der Vorsitzende Malypetr, dem die Sache sichtlich unangenehm war, konnte nur mit Mühe wieder Ruhe schaffen. Die Novelle zum Gesetz über die Scheidemünzen, durch welche di« Prägung von Fünfkronenstücken aus reinem Nickel an Stelle der bisherigen Silbermünzen vorgeschrieben wird, stand am Donnerstag im Parlament zur Debatte. Wie bereits berichtet, haben sich die silbernen Fünf- kronenstücke im Umlauf nicht bewährt, da die Silberlegierung zu weich ist und die Münzen sich infolgedessen zu stark abnützen. Der Umtausch wird etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen; für diese UebergangSzeit erweist sich eine Erhöhung des zulässigen Höchstumlaufes an Scheidemünzen als notwendig. Nach Annahme der Vorlage in beiden Lesungen wurde noch der Handelsvertrag mit Guatemala genehmigt. Nächste Sitzung Freitag, den 12. d. M., um halb 11 Uhr. Der Senat genehmigte Donnerstag vormittags in einer kurzen Sitzung in zweiter Lesung die Novelle zur Gemeindewahlordnung. Da der diesbezügliche Beschlutz des Abgeordnetenhauses abgeändert wurde, mutzte die Abstimmung namentlich erfolgen; er waren 81 Stimmen dafür und 14 dagegen. Die geänderte Vorlage wurde noch am Nachmittag im Abgeordnetenhaus aufgelegt. Die nächste Senatssitzung wird auf schriftlichem Wege einberufen werden. Die Broschüre«Sind die Deutschen in der Tschechoslowakei unterdrückt?^ welche Ministerantworten auf die bekantlten SdP-Beschwerden namentlich'auch für die ausländische OeffenUtchkeit zusammenstellt, war gestern im Parlament Gegenstand einer Brandrede des Herrn K u n d t von der SdP. Er erklärte u. a., daß die Broschüre eine ebensolche„Herabsetzung des Namens der Tschechoslowakei* darstelle wie das seinerzeitige„Pamphlet*, des ObersektionS- rätes Dr. C h m e l a t, das ebenfalls im OrbiS- Vcrlag erschienen ist. Abgeordneter S t i v i n als Skeferent wie» die Ausführungen Kundts entschieden zurück, warf ihm Mißbrauch seiner Immunität vor und nahm insbesondere auch Dr. Chmelak sehr warm in Schutz. Der Präsident der Republik empfing Donnerstag, den 11. d. M„ den jugoslawischen Eisenbahnminister Dr. Mehmed S p a h o, welcher vom jugoslawischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Dr. P r o t i L begleitet war, weiters eine Deputation des katholischen Schulrates aus der Slowakei und schließlich den Vorsitzenden dsr tschechoslowakischen Getreidegesellschaft Dr. L. F e i e r a b e n d. Sonderbare Rolle deS Senators Brauh. In der letzten Wahlkampagne Anfang Mai 1035 hat der.Benkov", der dmnals in heftigem Kampfe gegen die.Nationale Vereinigung* stand, den Parlamentskandidaten dieser Bereinigung Karel Kut beschuldigt, daß er in der Gesandtschaft einer Großmacht wegen eines Beitrag» für die ,«Nationale Bereinigung* vorstellig geworden sei. i Diese Nachricht deS„Venkov" hat auch' das >„Prävo Lidu* sowie da» Abendblatt des„Prävo Lidu* übernommen. Kut hat nun die beiden letztgenannten. Blätter geklagt uich diese haben sich auf da» Zeugnis de» Chefredakteurs des„Venkov", de» Senator» Branh, berufen. Senator Vmnh hat aber die Aussage verweigert und die» damit begründet, daß diese für ihn mit einem materiellen oder moralischen Schaden verbünden sein könnte.(Der Grund diese» Verhalten» dürste darin gelegen sein, daß Branh seit den Wahlen' politisch nach recht» abgerutscht ist und daher in einem anderen Verhältnis zur„Nationalen Bereinigung* steht al» 1985.) Daraufhin hat das „Prävo Lidu* die Angelegenheit ausgeglichen. Nun hat«ine zweite Verhandlung gegen da» Abendblatt de»„Prävo Lidu* stattgesunden, in der der Bertetdiger de» verantwortlichen Redakteur» Dr. Krau» angab, da» Blatt habe diese Nachrichten auf die unmittelbare Anregung de» Senator» Branh hin übernommen. Senator Branh hätte den Redakteur de» ,^Prävo Lidu* Ktij auf die Sache aufmerksam gemacht und ihm mitgeteilt, er habe diese Informationen au» völlig zuverlässiger Quelle. Die Berhandlüng- wurde . deswegen Vertagt, damit sowohl Redäkteur Killst al» auch Senator Branh in der Sache einver« nommen Verden können. tfudctendeufecftcr^citspicgct DO mit ge- von von den Eine erfolgreiche Desinfektion des Mundes, der Nasenhöhle und der Atmungsorgane Alpa ist der beste Schutz gen Grippe. Das Einatmen unverdünntem Alpa ist wohltuender Wirkung. In Wohnräumen zerstäubter Alpa desinfiziert die Luft. Fragen Sie Ihren Arzt! Die Grippe- Ansteckung beruht stets auf der verminderten Widerstandsfähigeit des Organismus. Stärken Sie deshalb Ihren Körper durch andauernde Massage. Die Grippe bekämpfen Sie erfolgreich mit ALPA Franzbranntwein Briet an den Zeilspiegel Bin Leser schreibt uns: Wer die Meldungen des T sollst. Preßbüros in den Sendungen des S tr as o hnit z er Senders verfolgt, um die neuesten Berichte über Spanien zu erhalten, muß mancherlei Merkwrdigkeit feststellen. Dienstag nachmittags beispielweise berichtete der Vorleser der Meldungen über die Einnahme Malagas in erster Linie aus der Q u eile der Aufständischen— das ist immer der FaU— um dann erst die Meldungen der spanischen amtlichen Nachrichtenstelle durchzugeben. Während im ersten Falle die Nachrichten der Auf ständischen phne Kommentar wiedergegeben werden, konnte man am Dienstag feststellen, daß das amtliche Nachrichtenbüro den Berichten der spanischen Regierung, die doch noch bei unp anerkannt ist, nur die Wahrscheinlichkeit zuerkennt. Da werden bei diesen Berichten Satzwendungen wie„behauptet wird", „es 8oll' 1 oder„es sei" usw. angehängt oder eingefügt, so daß der Hörer den Eindruck gewinnt, daß den amtlichen Berichten der Regierung Spaniens nicht zu trauen wäre. Es ergibt sich da wohl die Frage, ob diese Tätigkeit des amtlichen Nachrichtenbüros der Tschechoslowakischen Republik nicht einer Prüfung zu unterziehen wäre. Dritte Arbeiter- Wintersporto’ympiade Olympladefahrer, Achtung I Jeder Teilnehmer benötigt, wenn er die 50- prozentige Fahrpreibermähigüng erhallen will: M i t g l i e d S b n ch deS AtuS oder deS Aruk oder! der Naturfreunde, die Beitragsmarken müssen bi» März 1037 geklebt sein. Jeder Teilnehmer muss eine Fahrtlegitimation Halen, di« vorschriftsmässig ausznfüllen ist. Sie ist in der Bun- deSkanzlci in Aussig»der bei AloiS D o 1 e n s k v. Trauten»». Krcuzplatz 2» gegen Voreinsendung de» Geldes erhältlich.— Jeder Teilnehmer verlangt von« Bunde eine Bestätigung, dass er al» Wettkämpfer, Funktionär»der Samariter u. dgl. an der Olympiade teilnimmt. Die Dauerkarte kostet 10 KS, die Fahrtlegitimation 2 KC, der Öuartierschein 3 Kö. Noch nicht erstattete Ouariirrmeldungen sind sofort nachzuholen. Atuß-Abzeichen tragen! Telephon: BundeSkanzlei Aussig, Nummer 2947; Alois D»l e n s k y» Trauten«», entweder Konsumverein, Telrphonnmnmrr 51, ode» „Trautenauer Echo", Telephonnummer 200.■ Otmar Loken, Oslo 28 Jahre alt, Bauarbeiter. Nahm zum erstenmal als zehnjähriger Knabe an einem Sprunglauf teil. Im Kombinationslauf errang er in den letzten Jahren 1» erste Preise. Kreismelster ftlr Oslo im Kombinationslauf 1980. Hat etwa 50 erste und insgesamt etwa 160 Preise im Sprunglauf. Ein loyales Stückchen der»Zelt**. ,.Dienstag abends gab das Tschechoslwvakische Pretzbüro«ine. amtliche. Antwort auf die'Behauptung der„Berliner Börsenzeitung" aus, daß.sich mehr als 8000 Sudetendeutsche in den tschecho- stowakischen Gefängnissen befinden.„D i e Z e i t" hat diese amtliche Erklärung auf der.sechsten Seite>er dritten Mittwoch-Ausgabe unter« gebra cht. Die Erklärung, gelangt also gar nicht vor die Augen ihrer Provinzleser und schon gar nicht vor die Augen ihrer Leser in Deutschland. Denn in der ersten Ausgabe, die nach Deutschland geht, findet sich die Erklärung nicht, und sie wurde auch in der ersten DonnerStagSauSgabe nicht nachgeholt. Eine Ochserei Die SdP gibt„Briefe zur Schulung politischer Kämpfer* aus. Der Redakteur dieser Briefe führt den kerndeutschen Namen Dr. S u ch h. In einem der letzten seiner Briefe ist folgendes zu lesen: „Wer als Deutscher kein richtiger Deutscher ist, der kann auch niemals ein vollwertiger Mensch sein. Und«In guter Deutscher ist nur derjenige, der sein Bolk liebt, und es dadurch beweist, daß er immer neue Opfer bringt.' Erst Mer dar Erlebnis des eigenen Bollstum» gelangt er zum Menschtum. Und wenn ein Marxist hundertmal sein Deutschtum verleugnen wollte, und behaupten würde: Ich bin«in Mensch und sonst nichts— so wäre er einem Ochsen vergleichbar, der— vorausgesetzt, daß er Willensfreiheit besäße und seinen Willen äußern könnte— nur Tier sein wollte. Denn so wie der Ochse mir Tier als Ochse sein. kann, so kann selbst der rot« Marxist deutscher Zunge nur Mensch als Deutscher sein, selbst, wenn er sich lebenslang dagegen wehren sollte. Soll er e», denn gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen." Dazu bemeickt di«.„R u m burger Zeitung* u. a.: „Der Ochs« entsteht nach Spann bekanntlich dadurch, daß ein Jungstier vorübergehend aus ter Tierwelt auSaegliedert, aber nicht mehr mit der gesamten AuSmieoerungSMe wieder in die Tierwelt zurückgegliedert wird. Die nach der vollen AuSglie- derung in vermindertem Umfang vorgqnommene Wiedereingliederung' geht mit einem tierhetilichen Substanz- und Wesensverlust vor sich; der Stier— als Ganz« und Volltier auSaegliedert— fügt sich nur al» Dreiviertelstier, welch« WesenSktuse man Och» nennt, wieder in die Tierheit ein. Der Ochse hat also nicht mehr di« ganzheitliche Tierfülle seine» AuSgangSwesen», sondern ist durch.eine organische TeilauSaliederung— die er, wenn er. Willensfreiheit besaß«, entrüstet Mehnen würde— seine» Hauptm«rkmäl»wes«nS. beraubt und in diesem Sinn«, — diese gedankliche Operation bat ihr Korrelat in der votgenommenen sinnlich-vitalen 4-, mir Dreivierteltier.* Wodurch der Suchh u n d der Pfeifer genü« »end deutlich charakterisiert fein dürften. Sogar die deutsch e n Kühe lache» über den schöne» Dialog; wie sollten sie da genug Milch geben? Wolters Angriffe Deutschlands| auf die CSR Da die russischen Flugplätze für die deutsche! Propaganda zu Essig geworden sind, und die' Bolschewisierung auch nicht recht geglaubt wird, muß nun das altbewährte Mittel des Antisemitismus herangezogen werden. Wir hörten am Dienstag um 22 Uhr vom Tvutschlandsender, datz i alle tschechoslowakischen Zeitungen durch großzügige Inserate von jüdischen Firmen vom inter-| nationalen Judentum abhängig geworden sind; aber nicht nur die Zeitungen, sondern alle Fonvs der politischen Parteien werden über Banken, Versicherungsanstalten usw., die doch alle von Inden geführt würden, gespeist, so daß in der Tschccho- slowakei eigentlich die Juden an der Macht seien. Und woher nimmt das Dritte Reich seine Informationen? Nicht aus der Luft, oh nein, cs ist objektiv, eS zitiert nur tschechoslowakische Zeitungen, so in diesem FaUe die„O b r a n a n ä» r o d a"(die. aber in Deutschland beileibe nicht wirklich gelesen wird, sondern von deren Hetze! man draußen auf dem Umweg über die in solchen' Fällen zitlerfreudige„Z e i t" erfährtl). Was! meint nun Herr Branh zu seinen Freunden von! rechts? Gehören seine Zeitung und seine Partei, 1 die stärkste Regierungspartei, auch zu diesen ver- judcten Einflußsphären?Wie lange, so fragen wir wieder, darf bei uns alles verleumdet, das Ansehen der Republik dauernd in den Staub gezogen werden? Die Notlage im Bezirke Deutsch-Gabel. Der Bezirk Deutsch-Gabel zählt gegenwärtig 8976 Arbeitslose. Davon sind 793 Männer und 188 Frauen in der Ernährungsaktion, nach Genter System unterstützt werden 1861 Männer und 671 Frauen. Alle anderen entbehren jedweder Fürsorge. Es wäre eine einfache Menschenpslicht, Zuteilungen von Mehl, Zucker, Fett und Kohle auch diesen bedürftigen Arbeitslosen zukommen zu lassen. Für ei» internationales Lesebuch seht sich das„Prävo Lidu* in seiner Folge vom 11. Feber ein. ES knüpft an den seinerzeitigen Artikel der drei Jungaktivistcn in der„Ptitomnost" an, in welchem diese als eine der wichtigsten Aufgaben die Gewinnung der Herzen der deutschen Minderheiten in der Tschechoslowakischen Republik bezeichnet haben. Als eines dieser Mittel empfiehlt das Blatt dic Schasfung. eines Lesebuches.für. alle Schulen'der Republik, welches hie'Tendenz der religiösen und'nationalen. Toleranz haben müßte und. dessen Lesestücke aus allen Literaturen zu entnehmen wären. Ein solches Lesebuch müßte literarisch hochwertig sein, es würde von den Schülern sicherlich gern gelesen werden und auä; im Sinne einer nationalen Verständigung wirken. Die Bekenntnisse zur Einkommensteuer können, wie das Finanzministerium mitteilt, im heurigen Jahre ausnahmsweise bis spätestens Montag, den 1. März, eingebracht werden, ohne datz die für verspätete Einbringung sonst vorgesehenen Folgen«intreten. Die Bekenntnisse sind entweder direkt bei der zuständigen Steuer- Verwaltung oder per Post(am letzten Tage r«« k o m m a n d i e r t) einzusenden. Freundschaft zwischen Suomi und USSR Moskau.(Tast.) Mittwoch wurde folgendes Kommunique verlautbart: Der Bolks- koMmissar für auswärtige Angelegenheiten Litwinow hatte mit dem in Moskau wellenden Aussenminister Finnlands Holst! mehrere Unterredungen. Diese Unterredungen ermög- lichten einen breite» frctmdschaftliche» Meinungsaustausch sowohl über die Fragen der sowjet- fi n n l ä n d i s ch e n Beziehungen, als auch über die allgemeine internationale Lage. Dir Teilnehmer der Unterredungen kamen auf Grund he» Meinungsaustausches zur Schlussfolgerung, daß im Rahmen de» fowjet-finnlän- dischen Abkommens die Möglichkeit besteht, die freundschaftlichen, gutnachbarlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten unentwegt zu entwickeln und zu festigen und daß dir» beide Regierungen anstreben werden. Weiter stellten die Unter- redungSteilnehmer fest, daß die gegenwärtig«, in» ternatiouale Lage von allen friedliebenden Staa- ten besondere Anstrengungen zwecks Festigung de» allgemeinen Friedens auf Grundlage der kollektiven Sicherheit und der übrige» Prinzipien deS Völkerbundes erfordert. Sozlalhyglenlsche Arbeit der'Kleinen Entente Belgrad. Am 10. Feber hat ,die soztalhhgie- mische Kommission deD Wirtschaftsrates der Kleinen Entente ihre Arbeite» mit der Unterzeichnung «ine» Protokolls im Ministerium! für Sozialpolitik und Volksgesundheit beendet, durch das eine breite BastS und eine einheitliche sozia.'hygienische Zusammenarbeit in alle»' drei Staaten der Klei« ichn Entente festgesetzt werden.> Ole Rachemorde der Potemba*Bestlen Berlin. DaS Reichsgericht hat das Urteil in dem Neuköllner Kommunistenprozeß als rechtskräftig erklärt. ES handelte sich um einen Feuerüberfall, den eine Anzahl von Kommunisten am 16. Oktober 1981 auf eine Gastwirtschaft in dem Berliner Vororte Neukölln verübt hatte, bei dem der Inhaber der Gastwirtschaft getötet und drei SA-Männer schwer verletzt worden waren. Das Berliner Schwurgericht hatte im Feber 1936 fünf Angeklagte wegen gemeinschaftlichen Mordes und schweren Landfrieden» brucheS zum Tode, vier Angeklagte wegen Beihilfe zu je 14 Jahren Zuchthaus und weiter« Angeklagte zu Zuchthausstrafen von sieben, sechs und fünf Jahren verurteilt. Die von den Verurteilten an'da» Reichsgericht ergriffene Berufung wurde mit der gleichen Begründung,/die seinerzeit vom Schwurgericht gegeben worden- war, verworfen, wodurch die Urteile Rechtskraft erlangt haben. Belgien bleibt an Frankreichs Seite Brüssel.(Havas.) Der sozialistisch« Abgeordnete P i e r a r d verwies in feiner Interpellation über die Autzenpolitlk besonder» auf die von Deutschland her drohende Kriegsgefahr. Die letzte Hitler-Rede habe eine allgemeine Enttäuschung hervorgerufen. Unter dielen Umständen könne von einer neuen Außenpolitik Belgiens nicht' gesprochen werden. ES sei notwendig, darauf aufmerksam zu machen, daß die Wallonen Belgien nicht von Frankreich» Seit« zu trennen gedenken. Belgien müsse sich bis zu den von den Ministern Eden und DelboS in so klarer Form gegebenen Garantim beglückwünschen. Freitag, IS. Beier 1037• Nr. 81 4■ M^rdproseB Velgo Anstiftung zum Gattenmord— Blutgeld in Raten gegen Schuldschein .^ißrsstln;—rb-— Der Wordprozetz, derlDönnerS- tag> vör^dem BrÜnüer. Schwuttzericht zur Berhand- lüng'gelangte;, zählten den wngehe'üerlichsten Fällen unkrer Kriminälgeschichie,.in.welcher er«sn.Gegen« stuajchohl/ nur; in dem Gattepmärdtzrozess H ä n i k a fintier..Unter Anklage des gemeinsam begangenen Miuchelchord'ks,standen'' vor' den Gesckivorenen der 44fährige W e n z e'l Ee r n h aus Rosmiial und-die Lljäbrige M a r i e B e l g o. die Gatii» de» Mord« opWj' und' zugleich die,:JnsPirätorin und Strategin «iE Mordtat, die an kaltblütiger bestialischer Grau- schMly.einzigr'dastoht. Dsis' Opler des Mordes,' derMrünner.Gerichtsrat- Dr.- Jo h an n- B e I g o wär?kein/junger-Mann-mehr',unh galt.unter seinen Bekassnttn«in.'wenig' al» Sonderling, der ziemlich zurückgezogen lebte und dessen grösste, Liebhaberei die Müsik wär. E»' erregt« daher Aufsehen' und De- srÜhden,-äl» sich Dr. Velgo' verheiratete.- Seine BÄlir-Marie wär nicht nur bedeutend jünger als er;-galt als sexuell ziemlich hemmungslos. Dass e» nicht eben Liebe war,.die sie an den alternden Mann fesielte, sondern dessen angesehene Stellung und Aer« mljgen, war ziemlich-offensichtlich.. ES war bekannt, dad seine- Frau, die au» gang armer Familie stammt, ein-zgllihrnde»-Verlangen nicht nur nach Reichtum, sondern auch nach»gesellschaftlicher Stellung" hegte. »Mf fieliihr durch' ihre Heirat.Mit GR. Velgo zu, der. ihr als Gaste von Anfang än lästig, war,:.so dass sie'frWeitig, kühl und Nar darüber nachzudenken begann^ wie sie.sich seiner entledigen könne. Schon damals.war sie zu allem fähig und bereit und da» Schicksalwollte,'e»,:.dass sich.. zvuel gleichgesinnte Partner fanden,'als si'e die. Mime'Bekanntschaft' deS Mitangeklagten W en z e l'E e r n y' Mächte. Eerckh, dec berett»)zahlreich«. Vorstrafen.-hatte und alr-BerufS« verbrecher(vor allem Heiratrschwindler) in Polizei« evidenz-siand;.zeigte für die Pläne seiner Geliebten grosse» Verständnis.' Bezeichnenderweise wollte. Eernh abärfzünächsb.hie'I ragle'se,ineS Mörder» lchchltn.fe'd.-. geklärt wissen und'nach käsigem Feilschen emiAen'sie süh auf ein B.lutgeld von. 20:000 Xi, da» Eetvh'fär.-die Ermordung d«».Dr. Velgo erhalten solljej-u: zw.^im F orm v o n vier Jah re'»« r-a'i-e n; z-.u.-j.-e-5Öl)0 Xi. Al» schauerliche Do- kument«' diese» BlütgeschäfieS' unterzeichnete' Marie Velgo ihrem Spikssgeselltn . hör Schuldverschreibungen'»er.SvOv Xi, zahlbar ' stets am'. 1. Mai d«rJohrel986 bis 1039.' Die Ausführung, der-Mordtat dacht: sich der primitivere Mordgeselle-Eernh einfach. Dao Opfer sollte kurzerhand-^schlagen,,-erwürgt,'. odpr sonst-aus, brutale Art au» der'Welt geschaft werden. Marie Velgo wär- raffinierkers'.'Sie- verlangte,, dass- dir: Abschtäch- tung ihre».Gatten auf eine Art erfolge, die al» Un- fall^erscheinen könne und-nicht" von' vornherein-. Verdacht'. errege.' Auf- ihren Vorschlag einigten sich'die beiden auf einen wahrhaft',satanischen.'Plan. Härle UelE-Me'^ernH..ich'Wtb^eicheit.ihre» Gatten- in d«r'-Hohnuiig-'verstechen: und. sich sodann- entfernen, nch fdMi^b'tFp'nfüsf.gr- Alibi" zu,-sichern. Eeüh^sMe^-Hann'b-den.Ahfitingrlosen,- meuchlerisch Überfällen, ohne' überflüssige Gewaltanwendung,(zur Bemeidussg^Vop. Spüren.) fxfseln und. in der Bahe- wanne,.'die'mit-Wässer gefnüt berejiskehen würde, a^t,tÄn'Oen...Dxr> Töte, fälle.;«>itkleidet und die Kleider zum Trocknen-'anfg'ehängt werden. Man wsi^''deN'L«ich'nam'ersr':Mt.entd'elle'n und-alle Welt tvürde t«'i!M'.e:bn tlö^dÄlch^.n f U nlf.a l-I i'm VÜiG^WHWn.'<'Ä':-'7' --'':;Die'.EinzeIheiten deS'MordplamS wurden ein« göhdnl?.durchLxsprochen.'^rnh, bekam-einen, Sitüa« tionsplan'.. und zu allem. il/berfluss veranstaltete - ElN' iiwn|lllirl(» Ehtfrau Eine unbegreifliche Hochzeit wurde in dem Bundesstaat Tennessee(USA) begangen, und zwar zwischen. dem 22jährigen ücharlie John» und: der erstzm.estnjähp.igeni^ussitt Winsicad Johns. Obwohl sich ganz Amerika Wer-.',diese Heirat- entrüstet,! konnte sie. doch vollzogen werden, weil' es in-Tennessee^ein^Äeseh.-gillt,'das ein bestimmtes . Heiraisälter verschreibt. 1■'■'■■■'■ Marie Velgo vor den kritischen Augen ihre»'Shlebgesellen,: der nicht; volles Vertrauen zu. ihrer Ber- stellungSkunst hatte) eine Generalprobe des S ch m e r z e n s au-bruche», den sie bei dec Auffindung ihre» toten Gatten inszenieren wollte. Eernh erklärte sich schliesslich für völlig zufriedengestellt und so war alle» bereit für die Durchführung der Schreckenstat. Man fetzte die Ausführung für den 16. März 1086 fest— nicht ganz vier Monate nach der Eheschliessung. Im letzten Augenblick ergab, sich ein kurzer Aufschub Märie Velgo wollte unter Abänderung ihrer ursprünglichen Absicht am Mvrdtage Brünn Mer- Haupt verlassen und Eernh den. Mord allein durchführen lassen. Sie schichte ihm einen Zettel, auf welchem er aufgefordert wurde,„das Hau» allein zu verkaufen" und fuhr nach Babitz bet Adamsthal, wo sie den Nachmittag mit Eernh verbrachte, dann aber doch gemeinsam mit ihm in die Stadt zurückkehrte. Erst zwei Tage später erfüllte sich die Tragödie. Bei einem letzten Stelldichein am Vormittag de» Mordtage» erhielt Eernh seine endgültigen Weisungen. Nachmittag wollte Gvi Velgo mit einigen Freunden in seiner Wohnung musizieren. Die», wollte Marie Velgo benützen, um unbemerkt den Mörder in'die Wohnung zu lassen, wo er sich in der Speisekammer verbergen sollte. Wenn sich die Gäste entfernt haben würden, sollte er sein: Mordarbeit verrichten, während seine Mordgenossin irgendwo in Gesellschaft für ihr Alibi sorgen sollte. Der letzte Akt der Tragödie verlief indessen ander». Die Musikfreunde entfernten sich früher al» erwartet und so schickte Mari« Velgo, um dem lauernden Mörder den Eintritt zu ermöglichen, ihren' Gatten um Milch. Eernh kam in die Wohnung und versteckte sich. Dr. Belgo kam aber sehr, schnell wieder zurück und zeigte sich irgendwie beunruhigt, so dass seine Frau e» für besser hielt, die Tat ander» zu inszenieren. Die Gatten gingen auf ihren Vorschlag zu einem gemeinsamen Abendessen in die. Restauration der„Beseda", während Eernh in der Wohnung versteckt blieb. Im weiteren Verlauf de» Abend» versuchte Marie Velgo immer wieder unter allerlei Vorwänden ihren Gatten alleinin die Wohnungzu schicken, wa» ihr aber nicht gelang. Schliesslich musste sie gemeinsam mit ihm nach Hause gehen. Beim Betreten der Wohnung warf Marie Velgo blitzschnell ihren Pelz ab und flüchtete'auf da» Klosett, wo sie sich einschloss, während ihr Gälte dem bereitliegenden Mörder gerade in die Arme lief.:' Eernh warf sich auf Dr. Velgo, begann ihn zu würgen und mit Faüschieben und Fusstritten zu bearbeiten, um sein.Opfer zu betäuben. Da» gelang ihm jedoch nicht' und Dr. Velgv setzte-sich zur Wehr, während er um. Hilfe rief. Erst im Badezimmer, wohin der Mörder den Ueberfallenen schleifte,.betäubte.« ihn durch«inen Hieb mit einer Milchflasche, worauf er den Bewusstlosen in die bereitstehende gefüllte Badewanne warf. Al» Dr. Belgo im Wasser wieder zu Bewusstsein kam, drückte Eernh ihn s o l a n g e u n t e r die Wassec- fläche, bis der gemarterte Körper aufgehört hatte zu zucken.... Die Hilferufe Dr. Belgo» waren gehört worden und die Polizeibereitschaft war schon zur Stelle und'brach die Tür« auf. Eernh versuchte noch«inen kindischen Trick. Er- sprang an» Klavier und tippte mit einem. Finger aus den Tasten herum, um den Anschein zu erwecken, dass Dr. Belgo am Flügel sitze. Al» er merkte, dass ihm diest» Manöver nicht hälf und die-Polizei in die Wohnung dringe, schoss er sich eine Kugel,in den Kopf. Er wurde aber gerettet und kam mit seiner Mitschuldigen auf dje Anklagebank. Marie Belgo hatte ihrerseits zunächst einen Ueberfäll durch uMekännie Räuber vorzutäuschen versucht, sah sich aü:v bald zu einem Geständnis gezwungen. , ZU, erwähnen wäre noch, dass Marie Belgo schon früher auf eigene Faust zwei Anschläge auf da» Lechen-ihr«» Gatten versucht haben soll. Einmäl mit Leuchtgas und einmal durch Beibringung eine» gefährlichen Medikamente». * Die Anklageschrift, Räch der' Feststellung der Personalien, der Angeklagten begann die Verlesung der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Bäclav Eernh de» Verbrechen» de» vorbedachten und bestellten Morde» nach SS 184, 135 31t. 1 und 8 Str.-G.. Die Velgo ist des Verbrechens der Bestellung eine» vorbedachten und gedungenen Morde» nach§3 5, 184, 185 Nr. 1 und 8 Stk.-G. angeklagt. '. Die Anklage schildert zunächst die bunte Vergangenheit; der- Belgo, die trotz' ihrer Jugend rasch wechselnde-'Bekanntschaften-mit Männer angeknüpft hat,: von-losen Sitten, verechnend und: raffiniert gewesen-sei-- Demgegenüber sei der-ermordete'.Jan Belgo- ein- hochgestellter- Beamter,- allgemein belicht, «in Musikfreund,«in-Liebhaber von Literatur, Malerei, de» Sporte» und der Touristik und«»-sei von ihm bekannt gewesen, dass er vermögend sei. Dr« Belg» erkannte nach einer zufälligen Bekanntschaft mit ihm die Verhältnisse, in denen er lchte und wax bestrebt. seiste Neigung durch vorgetäuschte Liebe zu gewinnen. Tatsächlich.erreichte, sie, dass sie Oberge- richtsrat Belgo am: 19. Dez. 1986 heiratete, nachdem sie ihm vörher misgeteilt hatte, dass. sie in anderen Umständen sei. Gleich nach der Hochzeit aber lohnte e» die Belgo äh, mit dem Gatten-ist dessen Wohnung zst'.lchen und begayn darüber' nachzudenken, wie sie ihn.lolwerden,. d. h. ihn au» der Welt schaffen könnt«; um. sich älr'Erbin sind Witwe seine» ganzen Vermögen» und Einkommen» zu bemächtiget^ , Bon Eernh wird berichtet, dass er im- Musiksalon mit einem-Schuss- in-den Kopf- ausgesunden wurde. Er gab an, dass er Selbstmord verüben wollt«, e» ist aber-Vielleicht auch möglich, dass er sich au»-Unachtsamkeit angeschossen hat. Er wurde im Krankenhau»'behandelt und später in da» Institut -für Geisteskranke gebracht. Nach dem Gutachten der Aerzte ist er g-ei-stig vollkommen gesund, sinm- liert-jedoch-in der letzten Zeit auffällig. Die'Belgo gebar in der Gerichtshaft«in gesunde» Mädchen, welche» da» ÄormundschaftSgericht den Verwandten de» Ermordeten zur Erziehung übergab. Die Velgo versucht ihre Tai damit zu entschuldigen;'dass ihr nach der Hochzeit der Masin zuwider wurde und sie befürchtete, dass er-für da» Kind, dem sie da» Leben schenken sollte, nicht sorgen werde, dass er von ihr Geldschulden eintrieb und schliesslich dass-sie da» getrennte Wohnen vom Manne satt bekam. Alle diese Beweggründe widerlegt die Anklage durch die Aussagen der: Zeugen u. ä. al» unbegründet und führt au», dass der Velgo einzig daran lag, den Velgo zu der Ehe zu verleiten, um dann leichter ihren Plan durchführen zu können. Die Verhandlung .Die Verhandlung begann um,9 Uhr unter dem Vorsitz de» Gerichtsrates Tomschik. Dje Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Dusik. Die Angeklagte Velgo verteidigt Dr. Loria, den Eernh verteidigt ex offo Dr. Karsten,: den Privatbeteiligten, d. i. die Familie Velgo, vertritt Dr" Lochmann. Der Prozess wird wahrscheinlich bis Samstag dauern, an welchem Tage-da» Urteil verkündet werden-dürfte. Zu Beginn de» Prozesse» gegen die Mörder de» Obergerichtsrate» Velgo erhob der Verteidiger der angeklagten Velgo Dr? Loria Einwendungen gegen die Zulassung von Angehörigen der Familie Velgo als Privatbeteiligte: am Prozess. Ihm schloss sich auch der Verteidiger Eernh» Dr. Karsten an. Der Vertreter der Familie Velgo Dr. Lochman sprach sich gegen- den Antrag au». Auch Staatsanwalt Dr. Dusik verwahrte sich gegen den Antrag. Der Gerichtshof lehnte, nach einer Beratung den Antrag der Verteidigmig ab. Lern- hat es„nicht ernst gemeint" Rach Berlesung der Anklageschrift schritt der Vorsitzende Tomschik zum Verhör de» Angeklagten Bäclav Eernh. Auf die Frage dc» Vorsitzenden, ob er sich schuldig-bekenne, erwiderte Eernh unsicher,-er fühle- sich schuldig Mer keineswegs im, Sinne der Aicklage. Eernh wich in seiner Aursage wesentlich von dem. ursprünglichen Geständni» auf der Polizei und in der Untersuchung beim Untersuchungsrichter ab und leugnete hartnäckig.seine frMeren Behauptungen. Er sei in die Wohnung gegangen,-um 400 Xi zu holen, welche er'bon der Belgo für die Uebersiedlung der Möbel erhalten sollte. Auf ihr Drängen-erklärte er sich bereit, sie von ihrem Manne zu befreien,- versprach ihr;-ihn zu ermorden, habe«» aber nicht ernst gemeint. Die Schuldverschreibungen' auf. die versprochene Entlohnung habe er angenommen, um sie. bei der Drohung, die Velgo zu.verraten, benützen, zu können. An dem verhängnisvollen Tage habe ihn die Velgo in die Wohnung geführte Mit.dem Rate Velgo traf.er im.Vorsaale zusammen. Sie seien in ein Handgemenge geraten, wobei er Velgo in di« Wanne warf. Er wisse nicht, wa» weiter geschehen sei..Er sei sehr erregt gewesen, habe-bedauert, wa» geschehen sei und wollte sich erschiessen. Wa» die' Belgo getan habe, wisse er nicht. Er HM« sie nicht gesehen. Al» ihn der Vorsitzende wiederholt darauf aufmerksam macht«, dass er Aursagen. mach«, die von seinen früheren abweichen, erwiderte Eernh stet» in gleicher Weis«, es sei"möglich, dass er früher etwa» andere» gesagt habe. Er habe damal» nicht gewusst, wa» er sprech«, denn er sei erregt gewesen und heute erinnere er sich an nicht» mehr. Er habe e» mit der Ermordung nicht ernst gemeint. Er habe den Riet Balg» nicht ermorden wollen-und sei auch nicht- imstande, dessen Tod aüfzuklären. Frau Velgo sagt aus- Am Nachmittag wurde die Verhandlung-mit dem Derhör der Angeklagten Marie Belgo fortgesetzt. Die Angeklagte gab eine ausführliche Schilderung ihres ganzen Lebenslaufes, insbesondere'der Zett,, da sie den Oberrat Velgo kennenlernte. Sie behauptet, dass Velgo die Beziehungen zu ihr trotz ihrer Ahlehnung .aufrechterhalten wollte und dass e» ihm gelang, ihre Einwilligung zur" Ehe zu erlangen, dg er dem erwarteten Kind seinen Namen gebenWillie. Er habe sich aber vertraglich verpflichtet, dass sie nach der Heirat sofort au»einandergehen würden. Unter dieser Bedingung habe die Angeklagte ihre Einwilligung zur Ehe erteilt. Die Velga schilderte hierauf-ruhig die BorbereitUNg.- zum Mord, zu dessen Durchführung sie Eernh aufgefordert habe. Eernh Haie: ihr.zunächst, geraten,' die' Sache auf anderem, etwa., gerichtlichem Wege zu erledigen. Schliesslich habe er sich aber auf ihr Drängen zu der Tat entschlossen. Als die An- geklagt« zur Schilderung der UmstSiwe kam-, unter welchen der Mord verübt-wurde,-zeigte.-sie Unruhe und: verstummt«.- Entgegen- fljton ursprünglichen Geständni» erklärte sie bei dem heutigen Verhör, dass st«'sich im letzten Augenblick, al», sie Lelcnh vor dem Hause! gesehen habe, die Sache- uberlegt ünd^ Eernh vor dem Betreten de» Hause». stM vor der Verübung der Morde»- abgeraten habe)' Eernh habe' sich- aber nicht mehr Mrsngen lassen und-sei in». Hau» und in bi« Wohnung geeilt..Zum Schluss wie» ,st«-unter TräNen.die Beschuldigung zsirück.datzsiechei dem Mord« mitgewirkt' habe. Sie'-behauptete, im-Klosett gewesen zu-sei« und.nicht» gesehen gu jjatat> Sie habe zwar einen Fall und.«inen Schuh gehört,- sonst, aber habe'sie-sich an der Mordtat; nicht im geringsten, beteiligt. Da» Verhör der Velgo dauerie dpeieinhalb .Stünden,' Wie der„Stürmer" das„Prager Tagblatt" sieht Die Nummer 6 de»„Stürmer»" bringt unter der Ueberschrift„Da» Prager Tagblatt" nachstehende 3loiiz: „Wenn eine Auslandszcitung gegen Deutschland Hetzt, dann ist damit bewiesen, dass diese Zeitung in jüdischem Besitz sich besindet oder jüdische Redakteure- hat. Die in der Tscheche', slowakei erscheinende deutschsprachige Zeitung „Prager Tagblatt" hat durch ihre jahrelange Hetze gegen alles was deutsch ist oder deutsch sein will, ebenfalls ihre Abhängigkeit von Juden vor aller Welt bewiesen. Nun sollen diese Hetzereien ihr Ende finden. DaS italienische Blait„Jl Regime sascista" vom 13. Jänner 1937 bericht tct: Das„Prager Tagblatt" w i r d n a t i oit a l.- Das„Prager Tagblatt", die große deutsche Tageszeitung der Tschechoslowakei hat sich von der liberal-dcmokratischen Linie los- gelöst und sich d e r S n d e t e n d e u t s ch e n Parte i, deren Führer K onradHenle in ist, und dem rechten Flügel der Agrar p-ar t e i genäh ert. Die ersten Artikel mit deutschfreundlicher Stellungnahme haben durch ihre Angriffe gegen England Auf. sehen erregt. Der Direktor des Blattes, Dr. Blau, der gezwungen wurde, die Leitung niederzulegen, hat einen Prozeß gegen die Eigentümer der Zeitung angestrengt. Zusammen mir Dr. Blau verlassen fünfSchriftleiter, alle Juden und Demokraten, das „Prager Tagblatt". Man muß-zugeben,, daß beide Partner dieses Handels sich in der besten ihnen.entsprechenden Gesellschaft befinden. Für Herrn Katz und das„Prager Tagblatt" ist eS gewiß ehrenvoll, vom Streicher so gelobt und gewürdigt zu werden, für Henlein und Streicher wieder ist es ohne Zweifel reizvoll, ein nationales. Blatt zum Freunde zu haben, in dem noch immer rund 90 Prozent der Redakteure„nicht arischen Geblüts" sein dürsten, während unter den Entlassenen, was in Nürnberg nicht bekannt zu sein scheint, doch wohl zwei„Arier" waren. Nicht zuletzt: darf man den L e s e r n d e s„T a g- bl a tt" gratuli e ren, die zu dept Londoner „Times"'-Dienst nunhoffentlich,^ auch einen N ü r'n b e r g e r O r i g i n a l- S t r e i ch e t- Dienst erhalten werden. Ileberfahren. Ein schwere» Unglück ereignet« sich auf der Strecke Brüx—Obernitz—Lobostb in der Station Tricbschitz. Der 7l)jährige Hausbesitzer Karl Gärtner und seine 68jährige Gattin Anna au» Triebschitz waren von einem Besuch in Settenz zurückgekehrt. Sie versäumten e», in der Station Triebschitz auszusteigen und sprangen vom Motorzug ab, als. sich dieser bereit» in Bewegung' gesetzt hatte. Da» Ehepaar geriet.unter die Räder und wurde überfahren. Die Frau war sofort tot. Der Mann, dem beide Beine abgefahren wurden, wurde in schwerverletztem. Zustand> in das Leitmeritzer Krankenhaus überführt.. Die türkischen Bauern erhalten Uniformen. Türkische Regierungskreise beraten zur Zeit über die Einführung von Einheitsuniformen für die türkischen Landwirtei' Die.Bauern in der Türkei sollen in. Zukunft Retthosen, sowie eine Jacke nach halbmilitärischem Schnitt tragen. Die Stoffe hiezu werden zu günstigen Bedingungen die neuerrichteten türkischen Textilfabriken liefern. Flugzeug stürzt in Berliner Strasse.. Ein Militärflugzeug stürzt« am Donnerstag oberhalb der Seestraße, einer, der frequentiertesten Straßen im Norden Berlins ab.. Nach der Explosion des Benzintanks stieß die fällende Maschine gegen eine Hochspannungsleitung, wobei zahlreiche Angestellte der elektrischen Straßenbahn sowie viele Passanten durch.die an» der Maschine hervorstechenden Flammen ernstlich verletzt wurden. Ein Lastauto, das sich, zur Zeit in der Nähe des UnfallSortes aufhiest, wurde ebenfalls vollkommen vernichtet.'Es gab. fünf Tote und, viele Verletzte., Donau-Dammbruch in Serbien. Der Para- schnice-Fluß, ein Nebenfluß der Donau, ist Infolge der letzten Regengüsse-über die Ufer gette- ten und hat unweit von Osjek den Schutzdamm durchbrochen,- Die Waffermassen haben über 8000 Katastralmorgen überschwemmt. Einige Gemein«- den sind..bedroht und-die'BevölkeruNg wurde bereits zum Teil. evakuiert. Wetters befindet:sich der Staatsbetrieb in Belje und.die Zuckerfabrik mit 1400 Avggons«ingelagertem Zucker in Gefahr.-Zur.Verstärkung-der Dämme- wurden-1000- Arbeiier und eine technisch-militärische Abteilung herangezogen. Der.leitende technische Beamte in Belje Jng. Jovanovii hat-iin- Zusammenhang mit dem Dammbruch Selbstmord verübt!- Auch der- Orlava-Fluß bei Slawonisch-Brod ist- über die Ufer getreten^ Als Mittwoch vier Fuhren mit, Steinen, die Brücke, passieren, begann tie,- obwohl das Wasser noch.nicht, bis zur Brüne' reichte,-' nachzugeben, und zwei der-Wagen-stürzten in- das: Äajser, wobei: zwet-Bauern-ertramen- Nr. 87 Freitag, 12. Feier 1V87 Sette 5 Ludwig Börne Ium hundertsten Todestag am IX Feber Brandkatastrophe. In der Gemeinde Sexten unweit Bozens vernichtete Mittwoch nachts ein Riesenfeuer 21 graste Bauerngüter. Deren Bewohner retteten bloß das nackte Leben.- Altersrekord eines Storches. In der Nähe von KapoSvar fand«In Bauer dieser Tage auf- seinem Felde einen toten Storch, der einen Fustring trug- Au» der Datierung de» Fustringe» ging hervor, dast der Ring vor 86)4 Jahren an einen Geflügelzüchter geliefert worden war, der dem Storch den Ring angelegt hatte. Bisher war noch niemals beobacht:, worden, dast Störche ein derart hohe» Alter erreichen. Massenmord in Polnischem Dorf. In der polnischen Ortschaft KraSnau bei Stanirlau ereignete sich ein Massenmord. Der Bauer Timkow crschoh mit einem Parabellumgewehr sieben Dorfbewohner. Der Mörder hat unter anderem drei Bäuerinnen durch die Fenster ihrer Wohnungen hi^mrch erschaffen. Bier ander« Dorfbewohner fielen dem Mörder auf der Dorfstraß« zum Opfer. Nach Berübung seiner grausigen Tat brachte sich der Mörder ein« schwer« Kopfverletzung bei. Man nimmt an, dast«in persönlicher Zwist zwischen Timkow und den Dorfbewohnern das Motiv seiner Tat bildete. Häusereinstur, in Avignon. In A v t g n o n (Frankreich) stürzten infolge einer Explosion in einem dreiswckigen Gebäude mehrere Häuser ein. In einem Umkreis von etwa b00 Metern sind sämtliche Fensterscheiben zcrtrünun«rt. Die Auslagen der Geschäfte sind fast vollkommen vernichtet. In den ersten.. Abendstunden konnten vier Personen aus den Trümmern gerettet werden, die nur unwesentliche Verletzungen davongetragen haben. Fräcke in Sowjetrußland. In den Schaufenstern der Hauptgeschäftsstelle des Bekleidung»« trusteS in Moskau sind zum ersten Male Mannequins mit Fräcken ausgestellt worden. Den ganzen Tag über belagern Hunderte von Neugierigen die Fenster, aber man kann nicht feststellen, dast über diese» für Rußland ungewohnte Kleidungsstück abfällige Witze gemacht würden. Im Gegenteil, am ersten Tage zählte man 180 Personen, di« sich ernsthaft für die Anfertigung eines Fracks interessierten. Bestellungen jedoch wurden nicht gemacht, da ein Frack nach Mast im Durchschnitt 1800 Rubel kostet. Der letzte der„Drei Musketiere". Mit dem Tode von Elihu Root, der im 92. Jahre soeben gestorben ist, verschwindet der letzte der„Drei Musketiere", wie man Theodor« Roosevelt, den Präfldenten Tast und Root in Amerika genannt hat. Root, der im Jahre 1912- den FriedenS- Nobelpreis erhielt, war einer der einflußreichsten amerikanischen Staatsmänner seiner Zeit, inSbe« sondere darum, weil er der intime Freund der bei- den genanntes?.Präsidenten. war.- BepUhmt.ist seine oemenoe Ironie^' und" Anekdoten- üür.iW und„feine* PraslbeiiteN" füllten vor dem Kriege die Witzblätter von ganz Amerika.' Sehr hübsch ist zum Beispiel ein Telegrammwechsel zwischen ihm und Tast. Tast war damals Gouverneur der Philippinen, Root. Kriegsminister. Taft war außerordentlich korpulent und wog 180' Kilogramm. Das war für Root bereit» ein Grund, ihn auf eine sehr beschwerliche Expedition zu senden, di« zu Pferde zurückgelegt werden mußte. Bor jedem sachlichen Bericht schickte nun Taft ein Telegramm nach Washington:.Habe den Ritt gut. überstanden." Root antwortete amtlich: „Meldet Befinden des. Pferde»." Die Elefanten und di« Eisenbahn- DI« Verwaltung ter indischen Eisenbahnen ist neuerding» durch die Gefahr beunruhigt, die Elefanten für di« durch den Urwald gelegten Strecken bilden. Erft vor kurzem hat sich ein schwerer Eisenbahnunfall ereignet, weil ein Rudel wilder Elefanten beim Pasfieren der Bahngeleise auSgerlffen« Bäume auf di« Schienen geworfen hatte, wa» zur Entgleisung de» Zuge» führte. Di« technischen Mittel, mit denen man.einer solchen Gefahr begegne) hätte, find di« Sachverständigen noch vollkommen unklar. Selbst wenn die sehr kostspielig« Idee, sämtlich« Eisenbahnstrecken durch Stacheldraht zu fichern, durchgeführt würde, ist e» noch nicht sicher, daß ein solche» Gitte; «iy wirkungsvolle» Hindernis für Elefantenherden bieten.würde.— Da» beste wär«'ja wohl, Urwald und Eisenbahn in Frieden sich selbst zu überlasten.' Heitere». Fritzchen schwingt die Zeitung. »Mutti, warum heißen denn die Kinder von Naumann» all« August?"»Wie meinst tu da»?"»Hier steht doch die Geburtsanzeige: Wir haben heute, den 8. August,«inen gesunden Knaben erhaltenl"— Ein Mann kommt atemlos auf die Polizeiwache und ruft:»Sperren Sie mich«in, ater schnell, ich habe meiner Frau«ine Kaffeekanne an den Kopf geworfen!"»Ist sie tot?"»Nein, aber sie verfolgt michl"— Direktor /zum Bureaudiener):»Ich will ungestört arbeitest, lassen Sie niemand vor. Wenn mich jemand dringend zu sprechen wünscht, so sagen Sie einfach:»Ach, da» fagen alle." Al» nach einer Weil« ein« Dame den Direktor zu sprechen wünscht, wird sie abgewiesen.»Aber ich bin doch seine Frau!" »Ach da» sagen alle!" antwortet« der gelehrige Diener.» Unbeständige» wett«. Auch Donnerstag be« hauptet'sich in Unsergn-Gegenden unbeständige» Wetter hei vorwiegend westlicher Lustbewegung.-Zeitweise traten Schaueiniederschläge, meist in Schnee- fotm auf-‘ In den Niederungen herrschte, tagiüb ir leichte» Tauwetter.'Die Berge haben dagegen andauernd Frost.. Kleine Druckstörungen, dse au» Westeuropa gegen dal Binnenland Vordringen, verhtn- dem noch immer«ine wesentliche Beffemng.?- Wahrscheinliche» Wetter Freftag: Bei westljchem Wind noch unbeständig mit Schauem Temperatur wenig verändert oder etwa» kühler— WetteraursichteN für Samstag: Allmähliche Abkühlung vom. Nordwesten her.' Wie viele beklemmende Aehnlichkeiten zwischen dem Heute und der Zeit vor einem Jahrhundert, der Zeit Börnes und Heines und Büchner»!| Rauh und scharf— wenn auch nicht so barbarisch j rauh wie heule— war die Lust der Reaktion, die. alle FrelheitStriiume, die in der Zeit der sogenannten Befreiungskriege in den Herzen der Besten aufgeblüht waren, erstickte und zerknickt«. Anstatt der ersehnten Konstitutionen und der erhofften Bürgerrechte gaben die Staaten der Heiligen Alliance den Völkern, den Deutschen vor allem, die„Demagogenverfolgungen", die die bescheidensten demokratischen Regungen vernich- tend trafen,— anstatt der Pressefreiheit die Zensur,— anstatt der Menschenwürde die Polizeivormundschaft. Geistesöde und Dumpfheit all» überall I In dieser Atmosphäre konnte große Geister sich nicht entfalten— Börne und Heine und Büchner konnten zur Reife wachsen nur auf fremdem Boden, aber der leidenschaftliche Kampf gegen die Zustände in der Heimat weckte In ihnen die großen sittlichen und künstlerischen Kräfte, an der Schwere ihrer selbstgewählten Aufgaben wuchsen sie. DaS tiefe Leid ihrer Zeit, an dem sie alle trugen, die zu jenem Kreise gehörten, den die Literaturgeschichte als das„Junge Deutschland" bezeichnet, dieses durch die gesellschaftlichen und politischen Zustände bedingte und durch sie immer wieder genährte und vermehrte Leid zerbrach manchen, erstickte viele Begabungen, aber«S machte Böme.zu einem treuen Eckhard der Freiheit, zu einem ihrer sittlich-größten Propheten, zu einem der wenigen großen deutschen Pamphle« tisten, zum ersten bedeutenden deutschen politischen Journalisten. . Ludwin Börne war im Frankfurter Ghetto ausgewachsen. In seiner Kindheit und Jugend hafte er noch jenes auf da» Niveau jener Juden, denen einst Kaiser Matthias die Frankfurter„Stättigkeit" beschert hatte, herabgedrückt worden waren. In seiner berühmten Streitschrift „Menzel der Franzosenfreffer", erschienen im Jahre 1886, fragte. Börne:„Ist nicht Deutschland der Ghetto Europas? Tragen nicht alle Deutsche einen gelben Lappen am Hute? Sind jetzt nicht alle Frankfurter, meine ehemaligen Herren, den Juden von früher gleich? Und der Schimpf, den sie dort einst jedem Juden zugeru» sen: Mach Mores, JudI, müssen sie ihn nicht jetzt selber anhören?— Klingt es ihnen nicht in dl«-Ohren, so im Rate wie auf dem Markte, so in der Weinschänke wie zwischen ihren HauSwän- den, klingt es nicht höhnisch und grell: Macht MoreSl Wahrlich und sie machen MoreS und zte- hen den Hut ab vor Oesterreich und Preußen, so schnell und so demütig, als es nie früher ein Jude vor ihnen getan." Börne hat nicht MoreS gemacht, er ist lieber, al» er in seiner Heimat nicht mehr leben und wirken konnte, in» Ausland gegangen, nach Paris, der ,Mi«ge der Freihett", das er seit der Juli- Revolution nicht mehr verließ. Aber er kam schon als großer, weithin bekannter Publizist nach der französischen Hauptstadt. Er hatte schon großen Ruhm erlangt al» Begründer und Leiter und Hauptmitarbeiter der Zeitschrift„Die Wage", In der er zahlreiche literaturkritische und politische Aussätze veröffentlichte. Böme hat frühzeitig Grillparzer» und Kleist» Bedeutung erkannt, aber er hat al» Kunstkritiker auch, oft schwer geirrt..Nie vermocht« er Goethe zu verstehen, nie wurde seine Einzigartigkeit ihm bewußt. Aber auch Börnes Irrtümer mtsprimgen seiner höchsten Tugend, seiner Freiheitsliebe. Er verargte es Goethe, daß dieser große Dtchter den politischen Zuständen kühl gegenüberstand, nie versuchte, ändernd auf sie einzuwirken. Denn Freihett— da» war für Böme alleiniger'Sinn alle» schriftstellerischen Wirkens, war ihm einziger Lebensztveck. So leidenschaftlich liebt««r Wahrheit und Freiheit, diese» unzertrennlich« Geschwisterpaar, daß er, da er ununterbrochen im Kampfe für sie stand, in beständiger und an dm Kräften seines zarten Körpers zehrender— Erregung lebte. Er durste von sich sagen, daß er nicht wie die anderen mit Tinte und Worten schreibe, sondern mit dem Blute seines Herzens und dem Safte seiner Nerven. Mancherlei gemeinsame Zügehat unsere Zeit mit jener, die das Hochemporlodern und sähe Er« löschen der Vesste-flamme-Ludwig Börnes sah, Da» aber war doch eine Besonderheit des Vormärz,' daß ihn uns kultumäher erscheinest läßk al» spätere ReaktiönSepochen, daß selbst die Reaktionär« auch den Geist und da» Können ihrer Feinde zu schätzen und zu würdigen wußten. Metternich war ein.begeisterter Bewunderer des Börneschen Stils. Modern« Diktatoren zeichnen sich dagegen vor allein dadurch au», daß ihnen, den schlechthin Geistfeindlichen, die Geistigkeit deS Gegners nicht nur völlig fremd ist, sondernverhaßt, eben weil sie Geistigkeit ist.—Metternich versuchte Börne für den österreichischen Staatsdienst zu gewinnen, er ließ ihn aussordem, nach Wien zu kommen, keine, besonderen Amtspflichten sollten ihn drücken, hohe Bezüge und hohe Titel wurden ihm angetragen, ja sogar besondere Persönliche Freiheiten wurden ihm geboten! Börne widerstand allen Lockungen, er zog Metternichs Angebot nicht einmal in Erwägung, er wollte nichts anderes sein als freier, unabhängiger Schriftsteller, und eben deshalb, weil er das daheim nicht mehr sein konnte, ging er nach Frankreich. In seinen„Briefen ans Paris" untersuchte er immer wieder die deutschen Zustände, kritisierte er, polemisierte er, lehrte er, warb er für die Ideen der Freihett. DaS ist fast eine Selbswerständlichkeit, daß mangelnden nationalen Gefühl» und der Voreingenommenheit für das Fremde und selbst des Die Beziehung ztvischen Börne und Friedrich Engels ergibt ein für die soziologische Betrachtung sehr interessantes Kapitel. Denn soviel Ehrenvolles man über den ersten Zeitschriftsteller im modernen Sinne, soviel UeberzeugendeS man Über den genialen Kunstkritiker und soviel Zutreffendes man auch über den glänzendsten politischen Stilisten seiner Zeit sagen kann und wird: für die weltanschauliche Entwicklung ist wohl nichts wichtiger als die. Tassachc, daß e» niemand anders als Ludwig Börne gewesen ist, der den jungen Friedrich Engels auf die Bahn wies, auf der er zu der Bedeutung heranwuchs, die seinem Namen heute innewohnt. Ms Börne starb, war Friedrich Engels 17 Jahre alt. Der Fabrikantensohn aus Elberfeld- Warmen spürt« im Busen schon ahnungsvoll das Rauschen eines Weltwindes, in dem er-selbst eines Tages seine Schivingen mächtig entfalten sollte. . Wir haben vom jungen Engels aus seiner Bremenser Zeit«ine ganze Reibe von Dokumenten, aus denen immer wieder klar hervorgeht, daß eS niemand anders als Ludwig Börne war, der die republikanische, demokratische und revolutio- tiSre.AesMMlMh^Herz desüjuggsNvEttgN pflanzte-,-,.v,n,...™>. ,, „Und ich bin einer auch, der freien Sanger: Die Eiche Börnes ist's, an deren Aesten ' Ich aufgeklommen, wenn im Tal die Dränger Am Deutschland enger ihre Ketten preßten." Solche Verse— und wie gern entlud der junge Friedrich Engels ist den ungezählten Briefen an seine Freunde den jugendlichen Drang in der rhythmischen Form seiner Zeit!— sind nur der von vielem Pathos durchwehte Ausdruck einer Verbundenheit vom Jünger zum Führer, die Friedrich Engels dem-im Exil verstorbenen Ludwig Börne entgegenbrachte. Hatte der nicht geschrieben:„Die-Freiheit, die man vyn den Herren geschenkt bekommt, ist nie etwas wert, man muß sie stehlen oder rauben." Hatte er nicht hin- zugefügt:„Der Gerechte fordert die Freiheit für alle, der Ungerechte für sich allein?" Und war da» nicht die Sprache, die einen um Klarheit ringenden, rebellischen Jugendgeist zu entflammen geeignet war? Das erste, was Friedrich Engels damals in di« Hand bekam, als er achtzehn- und neunzehnjährig, zwischen übermütigen Kneipereien, sturmumwitterten Bootsfahrten auf der Weser und hemmungslosen schriftstellerischen Ergüssen, beim DabakSqualm in der stillen Dachstube sich mit der zeitgenössischen Literaturgeschichte beschäftigte und dabei den Namen Börne traf, waren die dramaturgischen Schriften. Börne hatte von 1818 bis 1821 eine Zeitschrift„Die Wage" herausgege- ben und selbst geschrieben. Eine Zeisschrift, mit der er, dies Wort das erstemal-damit prägend: den „Völkerfrühling" hevaufzufÜhren mithelfen wollte. Börne beschäftigt« sich in der„Wage" vornehmlich mit-Theater- und Kunstkritik. Hoffmann'& Campe gaben die gesammelten Schriften in Buchform heraus, die ersten beiden Bände waren ei, die Friedrich Engels' Neigung entschieden. Im burschikosen Stil'jener Jahre schreibt er an Freund Wilhelm Gracber:„Männcken, was schreist Du nach dem treuen Eckart? Sieh, da ist' er ja schon, ein kleiner Kerl,-mit scharfem, jüdischen Profil, er heißt Börne,'laß den nutz drein« schlagen..." Und für sich"selbst die Kritiken Börnes seinerseits krisssierend, schreibt er In einigen„Beiträgen zur Literatur der Gegenwart" Wer die beiden ersten Bände de» Börne- , scheu AssamtwerkeS nieder:„Börne, der riesige Kämpfer für Freihett und Recht, zeigt sich hier I auf ästhetischem Gebiete. Und auch hier ist er zu' 'Hause. Wa» er sagt, ist so bestimmtund klar, so au»"richtigem Gefühl für da» Schöne hervorgegangen, und so einleuchtend bewiesen, daß von Widerspruch gär nicht die Rede sein.kann. DarWer ist ein Meer de» üppigsten Witze» aulgegossen, ustd wie Felsen tauchen hier und da di« festen, schärfen Freiheitsgedanken'auf." Er erklärt, daß diese" beiden Bände Börne„einen Platz neben Lessing"sichern" und er kann sich nicht'genug'tun Nations- und VaterlandSverpateS angeklagt wird, wer gerade aus Liebe zu seinem Völk und seinem Lande es kritisiert, seine Schwächen zeigt, um mttzuhelfen an ihrer Ueberwindüng, und zuzeiten kann.als Nationsseind gelten, wer über, die Nation hinauSzusehen vermag auf die Menschheit, So erging«S vielen Großen, so erging es auch Börne. Er ließ sich nicht beirren, er blieb seine» Erkenntnissen und seiner Ucberzeuguug treu. Tiefste sittliche Entrüstung durchbebt die Worte, die er an seine Ankläger richtete:„Ist der Egoismus eines Landes weniger ein Laster als der eine» Menschen? Hört die Gerechtigkeit auf, ein« Tugend zu sein, sobald man sie gegen ein frem- deS Volk ausübt?" Und mochte BörneS Geist im Scheiden die Erfüllung seiner schönsten, heiligsten Sehnsüchte zu nahe sehen,— ach, sie sind ja auch hundert Jahre nach Börne» Tod noch unerfüllt i — so danken wir es doch Börne» unermüdlicher und in die Jahrzehnte nach seineni Heimgang« wirkender Pionierarbeit, seiner Wegberestung, daß auch in der Zeit, da die Nennung seines Namens in seiner Heimat verpönt ist, und dieser Zeit zum Trotz, sein Glaube lebendig geblieben ist und über die Gegenwart hinausweist: „Die unwandelbare Freundschaft und der ewige Friede zwischen allen Völkern, sind«S denn Träume? Nein, der Haß und der Krieg sind Träume, au» denen man einst erwachen wird!" In begeistertem Lob- Und Friedrich Engels kaust von seinem Taschengeld Exemplare um Exemplare de»„FranzoscnfresserS", der„Briese au» Pari»", verpackt die in Preußen verbotene. Lite-. ratur sorgfältig, so daß man nicht erkennt, was in dem Paket ist, und verschickt an alle Freunde In Preußen die Bücher von Börne. ES mag daS als die begreifliche Jugendbegeisterung eines Menschen eingcschätzt werden, der in der Wüstenei des vormärzlichen Preußen kaum Gelegenheit hatte, blendendere Literatur zu- lesen. Es zeigt sich indessen in späteren Schriften des jungen Engels,-daß er durch Börne nicht nur auf den Weg der Revolution gewiesen, sondern auch in Börne den wesentlichen Wegleiter sah. So, daß man feststellen darf: was Hegel für.' Marx, das war Börne für Friedrich Engels: aus der Synthese ivuch» die unsterbliche Theorie, die sich an die Namen der beiden Altmeister-knüpft. In seiner Schrift über Ernst Moritz Arndt erklärt Engel»:„Der Mann der politischen Praxis Ist Börne und daß er diesen Beruf vollkommen ausfüllte, da» ist seine hiswrisch« Stellung. Er riß der Deutschtümelei ihren" prahlerischen Flitterstaat vom Leibe. die Herrlichkeit, wje von? Pöxye,. West. sst.Lebev,„k>IW SWstM,.ihm.' Nux^ von seinen Schriften kann man.sagen, daß.sie Taten fürdie Freiheit sind." Und wenn er ein, zwei Jahre später in Berlin den Spuren Hegels nachzugehen sich bemüht, legt er., in seiner Broschüre Wer„Alexander Jung und das jung« Deutschland" die ersten Erkenntnisse.- über die Entwicklung zum Marxismus hin in den Worten nieder:„Ohne die direkte und indirekte, Wirkung Börnes wär« cs der aus Hegel hervor-. gehenden fielen Richtung weit schwerer geworden", sich zu konstituieren.. Börne, der einzig dasteht al» Pessönlichkeit In der deusschen Geschichte..", der Pannerträger deutscher Freiheit war, der einzige Mann in Deutschland zu seiner Zeit.". 1 W. v.- (Uslan4 Labour gegen Apanage fUr Eduard- London.(Reuter.) Die Arbeiterpartei.h-it beschlossen, sich bei-Behandlung der Zivillisie des Königs Georg VI. im Parlament jedem Antri'g zu widessetzen, dem- Herzog von Windsor--eine Apanage zu gewähren.. Dieser Beschluß der'Arbeiterpartei hat aber keine" allzu- große Bedeutung, da-König Georg-VI., wenn er dem Hetzo'g von Windsor persönlich"wird eine" Apanage ge!- währen wollen, die» aus der ihm vom Parlament zuerkaNnten.Zivilliste tun. kann, die-wahrscheinlich zu diesem Zwecke erhöht"werden, wird. /- Scharfer Kurs gegen Irredenta Malta.(Reuter,) Der Professor-für- Handelsrecht, an".der Universität in- Malta Carlo M allia und der Kurator der Abteilung für schöne Künste de»-Museum- in Palette Vincenzo Bonello sind- ab-g.e-.s e tz t- worden, West sie -sich, wie festgestellt.würde, mehrer« Male gegen die britischen Interessen auf Malta! durch ssye.-.injt ihrer amtlichen Stellung unveresichare Tätigkeit vergangen-hüben." Vincenzo Bonello" ist besonders durch feine Beziehungen zu der im Vorjahre-mss- gelösten italienischen" Propaganda-Organisation auf Malta bekannt. „Christas und Mohammed 0—< gegen Moses Pari». Die HavaS-Agentür meldet aus Jerusalem: In Palästina lebt die TertorVewegung. neuerlich, auf. Mohammedaner und Christen haben unter der Devise„Christus und Mohammed" eine Bereinigung gebildet, welche die zionistische Politik bekämpfen und«in Aufblühen deö Juden-' tum» verhindern will," Börne und Friedrich Engels Seite 0 Freitag, 12. Feier 1037 Rr. 3 Volkswirtschaft und Sozialpolitik Baurecht und Bauförderung Eine. zahlreich besuchte Enquete über die praktische Ausnützung des Baurechtes, an der sich auch Vertreter der ParlamentSklubS beteiligten, fand am 10. Feber im Ministerium für soziale Fürsorge statt. Sie wurde mit einem Referat des Ministers Jng. N e i a S eingeleitet. Der Minister verwies auf die legislativen Maßnahmen, die im Jahre 1080 zur"Förderung der Bautätigkeit getroffen wurden. Die Entfaltung der Bau- bewegiing wird jedoch durch die hohen Grundpreise gehemmte Hier' kann eine reichere Ausnützung des Gesetzes vom Jahre 1012, also die Ausnützung der Möglichkeit, auf fremdem Grund zu bauen, eine zusätzliche Hilfe für die Baubewegung schaffen. Durch Ausnützung des Bau- rechteS senkt sich der Aufwand wesentlich, da der für das Baurecht zu leistende Bauzins viel niede- riger ist als die Aufwendung für die Verzinsung und Tilgung der Kosten für den Ankauf des Grundstückes. Leider wird von dieser Einrichtung bei uns wenig Gebrauch gemacht. Der Minister hob insbesondere die Leistungen der A u s s i g e r Sparkassa hervor, welche durch Dar- lehensgewährung auf Baurechte die Errichtung vieler/ Wohnungen ermöglicht hat. In der anschließenden Debatte, an der sich der Stellvertreter des Primators von Prag, K e I l n e r, der Brünner Stadtbaudirektor Jng. Z i k m u n d, der Vertreter der Jngeuieurkammer Dozent K e e l i k und andere beteiligten, kam vor allem die Schwierigkeit der Kreditgewährung zum Ausdruck. Allgemein wurde eine Revision ter Statuten der GeGinstitute, die noch aus der Feit vor der Erlassung des Baurechtsgesehes stammen und eine Klarstellung der Gebührenfragen gefordert. Von verschiedenen Seiten wurde über die Grundspekulation geklagt tiiiib zu ihrer Bekämpfung die Einführung einer Abgabe von unverbauten Grundstücken gefordert.(Das ist eine alte sozialdemokratische Forderung, Anmerkung der Red.) Die anwesenden Vertreter des Fürsorgeministeriums gaben eine Reihe wichtiger Aufklärungen. Tschechoslowakische Anleihe in Paris definitiv verabschiedet. Die beiden Pariser Kammern haben Mittwoch in einer Nachtsitzung die Regierungsvorlage über die Zusätze zum Budget vom Dezemb r 1080 angenommen. Damit wurde auch definitiv die Ermächtigung des Finanzministers zur Gewährung der Staatsgarantie auf die tschechoslowakische 600-Millionen-Francs-Anleihe angenommen, durch die die Anleihe aus dem Jahre 1082, die am 1. April 1087 fällig war, für die nächsten zehn Jahre verlängert wird. Gleichzeitig erhielt dev-Wnanzminist« die Ermächtigung zu Steuererleichterungen für diese Anleihe. Der Finanzminlsttt wird setzt die beiden Angelegenheiten durch Regierungsdekreie durchführen. Exporterfolge der Möbelindustrie. Im verflossenen Jahre gelang es auch der tschechoslowa- ktschen Möbelindustrie eine Ausfuhrsteigerung zu erzielen. Die Mäbelausfuhr erreichte 22.4 Millionen gegen 18.8 Millionen 1085. Den höchsten AuSfuStposten stellten Bugholzmöbel mit 15.0 (14.5) Millionen Kö. Andere harte Möbel wurden für■ 417.000(80.000) Kö ausgeführt, weiche Holzmöbel für 207.000(150.000) Kt. Beachtliche AuSlandSerfolge konnten Metallmübel verzeichnen. Ihr Export schnellte von 8.7 auf 6.6 Millionen Kö empor. Hauptabnehmer sind die tropischen Gebiete. Tschechoslowakische Export-Propaganda iw Schweden. Am 1. und 2. Feber fand in Stockholm eine Sitzung des Ausschusses der Tschechoslowakischen Handelskammer statt. Die Handelskammer bereitet eine tschechoslowakische Touristik- und Industrie-Ausstellung fiir den Monat April Vor. Auf der am 2. Feber abgehaltenen Konferenz der Konsuln wurde die systematische Zusammenarbeit dieser Honorarbehörden für die tschechoslowakische Ausfuhr eingehend behandelt. Streik In Detroit beendet Rew Bork. Durch ein Uebereinkommen zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in der Automobilindustrie wurde nach einer Dauer von sechs Wochen die Anerkennung der Getoerkschastsorganisationen als Verhandlungsorgair unter bestimmten Bedingungen erreicht. Die Streikenden werden die Fabriken nach der Unterzeichnung des Abkommens nach Möglich- keit. ehestens räumen. Desgleichen wird die Produktion ehestens wieder ausgenommen werden, lieber einige Nebenfragen wird die Konferenz später verhandeln, bis die Bedingungen des heutigen UebereinkonnnenS erfüllt sein werden. Gouverneur Murphy ordnete an, daß 3000 Nationalgardisten"sofort nach der Räumung der Fabriken demdbilisiert werden. Rückschlag" im holländischen Außenhandel. Das" Jännerergebnis des holländischen Außenhandels brachte im Vergleich zum Dezember einen Rückschlag. Die Einfuhr ging von 114 Millionen" hfl. auf 106(i.B. 70.8) Millionen hfl.(1 hfl.-- KC 15.72) zurück; die Ausfuhr sank von 70 auf. 78(i. V. 50.4) Millionen hfl. Obzwar somit die seit der.Devalvation des GuldenS. eingetreiene aufsteigende Entwicklung im Jänner unterbrochen touvde, liegen die diesjährigen Ziffern" doch bedeutend über Borjahrshöhe. Ans der Krlmlnalchronlk Opfer seiner Sammlerleidenschafti DaS Opfer einer raffinierten Betrügerbande wurde ein Weinberger Amt, bei welchem sich Mittwoch, abends, zlvei ältere Männer(im Alter von etwa 50 bis 55 Jahren) in Begleitung einer ettvas jüngeren Frau einstellten, um ihn eine Auswahl wertvoller alter Münzen zum Kauf anzubieten. Die Verkäufer schloffen eine größere Bestellung ab und waren bereit, dem Arzt, der offenbar ein ganz besonders paffionier- ter Münzensammler ist, einige dieser werwollen Musterexemplare zu überlasten. Als Kaufschilling und gleichzeitig als Sicherstellung für die anvertrauten Prachtstücke erlegie der Arzt ohne weiteres 50.000 K£, für welche Summe ihm die hinterlegten Münzen als hinreichende Deckung erschienen. Die sonderbaren Verkäufer verschwanden schleunigst, als sie das Geld empfangen hatten und als dann der "kauflustige Arzt nach ihrem Abgang den Koffer, in welchem die Münzen verwahrt- waren, öffnete, um sich an ihrem Anblick zu ergötzen, sah er zu seinem Entsetzen, daß der Koffer nichts anderes enthielt als gewöhnliche Steine■ und Steinsalz. Die Gauner hatten, nach einem üblichen Trick, im lebten Augenblick den wertvollen ursprünglichen Inhalt gegen wertloses Material umgeiauscht. Die Verfolgung der unbekannten Betrüger, die ibrer Aussprache nach Rusten oder Bulgaren sein sollen, blieb vorläufig ergebnislos. Nächtliche Mefferstecher. In den Morgenstunden de? gestrigen Tages wurde auf dem Weinberger Tylplatz der 25jährige Pflafterarbeiter KarlHa- nek von zwei stark betrunkenen Männern angehalten, die von ihm Feuer verlangten. Als er stch an- fchickte, ihrem Verlangen uachzukommen, warf stch, feiner Aussage nach, einer der beiden Trunkenbolde auf ihn und versetzte ihm einige Messerstiche gegen Kopf und Hals. Die Angreifer entkamen unerkannt. Die Verletzungen erwiesen sich glücklicherweise als leicht. ES muß bemerkt werden, daß solche ganz grundlose Mesterstechereien durchaus keine Seltenheit find und es der Polizei in den seltensten Fällen gelingt, gemeirigefährliche Alkoholiker solcher Art dingfest zu machen. Ein politisierender Katechet. Der Vater eines Kindes, das die deutsche Volksschule in der Moravskä(Weinberge) besucht, berichtet uns abermals über den Unterricht durch den Katecheten Josef Jordan. Dieser hatte,, wie wir vor einiger Zeit erzählt haben, im Unterricht den Kindern politische Lehren erteilt, die sich seiner Ansicht nach aus den Ereignissen in Spanien ergeben, die aber mit dem Unterricht selbst nichts zu tun haben und als politische Auseinandersetzungen in.eine.Schule nicht gehören. Eine zeitlang hat das politische Interesse des"Herrn KatecheM geruht, vis er sich in allerjüngster Zeit wieder den Bolschewismus als Zielscheibe seiner Angriffe ausgesucht hat. Bolschewiken sind nach der primittven politische» Auffassung des Herrn Katecheten solche Leute, welche die Sonn- mtd Feiertage nicht halten und an diesen Tagen arbeiten. Ob das selbst im Sinne, der katholischen Religion und vor allem des vor-, geschriebenen Unterrichtsstoffes eine richtige und wahrheitsgetreue Unterweisung der Kinder ist, wird tvohl bezweifelt werden können. Elternausschüsse gegen Prager Mittelfchul- kamalitiitrn. Wie verlautet, bereitet die Zentrale der Elternvereinigungen für die Präger Mittelschulen eine umfassende Aktion gegen die ganz unzureichende Unterbringung einer Reihe von.Prager Mittelschulen vor. Im Zuge dieser Aktion hätten die deutschen Schülereltern willkommene Gelegenheit, ihre Anliegen zur Sprache zu bringen. Entdeckungen im Keller teS Altstädter Rat- hguseS. Im Zuge der Grabungen in den Kellerräumen des Altftädter Rathauses wurde bemerkenswertes archäologisches Material zutage gefördert- Es wurden Räumlichkeiten bloßgelegt, die, heute vier Meter unter der Erdoberfläche, vor 700 Jahren das Erdgeschoß des damaligen Rathauses bildeten. Um volle vier Meter hat sich seither das Nweau des Altstädter Rathauses erhöht. Die Fachleute versprechen sich von der Restaurierung dieser Räume, in denen alle Bausüle von der Gotik über die Renaissance bis zum Barock vertreten sind, eine wertvolle" Bereicherung der Prager Baudenkmäler. AnSflugSzüge der Staatsbahnen: Am 18. und 14. Feber nach JoachiinSthal 115 Ki, vom 18. bis 21. Feber nach Spindlermühle 800 Ai, auf die Sokolbaute 445 Ai; vom 20. Feber bis 1. März in die Hohe Tatra oder nach Tclgart 565 Ai, nach Kar- pathorußland 425 Ai- Informationen und Anmeldungen im Basar neben Wilson-Bahnhof, Telephon Nr. 888-85. Der Asm . Dar große Bill Cecil B. de Mille, der"bekannte amerikanische Regisseur von enttveder religiösen oder historischen MonstreFilmen, bei denen die Miiwirkenden stets nach Tausenden gezählt werden, ist" auf seinem Weg durch die Weltgeschichte von Klcopatra über die Kreuzzüge nun im" vorigen Jahrhundert angekommen. In den Bereinigten Staaten gab'es damals einen Bürger-' krieg und. im Anschluß daran einen Borswß in den Wilden- Westen, unternommen von den entlassenen Soldaten, deney Abraham Lincoln, kurz vor seiner Ermordung die Parole„Go west, Young man I" zu, "gerufen hgtte. Cecil Ä, de Milst hat" diese. Parole des berühmten Präsidenten Lincoln seinerseits befolgt, und wenn er auch kein junger Mann mehr ist, so hat rr sich doch sehr jugendlich benommen: er hat die ganze abenteuerlich-heroische Romantik des Wild« West-SchinökerS verfilmt, er hat Indianer reiten und schießen, die Späher tolle Bravourstücke ausführen, die Schurken Waffen schieden und die edlen Pioniere siegreich und todesmutig kämpfen lasten. Auch ein smartes Mädchen, genannt„Calamity Jane", spielt eine teils tvacker komische, teils rührend liebende, mit Seelenpein und Courage miSaestattete Rolle— neben dem berühmten Buffalo Bill und feinem Freunde Bill Hickok, der hier die Hauptfigur ist. Dieser„Big Bifl" besiegt den Indianerhäuptling„Gelbe Hand" (der ihn zuvor beinahe rösten läßt) und hebt am Ende auch die Waffenschieber ans. die den Indianern im Auftrage der nach dem Bürgerkriege an Absatzmangel leidenden Rüstungsindustrie Mepetiergewehre liefern. Die abenteuerliche, von Schüssen, Leichen, Frauenangst und Mannesmut— und von Roheiten aller Art— erfüllte Geschichte ist mib noch vatriotisch aufgepuht und endet, als der Held schließlich in einer Kneipe ermordet ist, mit der Lehre,' daß es ko. wie es hier in der-Vergangenheit Ivar, mich in Zukunft sein wird, denn Männer wie Buffalo Bill bauen die Nationen. Wäre der Versuch, dar Sveftakelstück zum Tendenzfilm zu machen, unterblieben, dann hätte man feststeflen können, daß es sich um eine lediglich turbulente, mit aflen Raffinement inszenierte Angelegenheit handelt, bei der ein gerngesehener Schausvieler wie Gary C o o v e r in der Hauptrolle erscheint und die kräftig übertreibende Jean Arth ur als seine Partnerin beteiligt ist.—eis— Bezlrksorsanlsatlon Präs Im großen Saale des Handwerker- Vereines, Prag, Smeiky, findet Freitag, de» 12. Feber, um 20 Uhr» die■ Generalversammlung der Bezirksorganlfation statt. Auf der Tagesordnung Berichte und Neuwahlen. lümst und, Mssefl. Arbeitervorstcllung„Der Kuß", Oper von Smetana, am Sonntag, den 21. Feber, um halb 8 Uhr. Karten ab Donnerstag täglich von. halb 0 bis.2 sind 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch; Koruna; Sonntag 6 Uhr,„Die Meistersinger von Mütn- berg". Den Walter Stolzing singt Alexander G i l l- mann a. G. Dirigent: Paul Preis ach.(CI.) Dienstag, Gastspiel Tilla Duricux. Erstaufführung„Das Nest" von Edmond Konrad.(A 2.) Spielplan des Neuen DeMschen Theaters. Freitag halb 8: Der Kuß. D. Samstag halb 8: Hopsa, Erstaufführung, Al.— Sonntag halb 8: Firma, 6: Die Meistersinger von Nürnberg, C 1. - Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Freitag 8 Uhr: Der Illusionist, volkstümliche Vorstellung. SamStag hasb 8: Wie es Euch gefällt, neuinszeniert.-— Sonntag 8: Unentschuldigte Stunde, 8: Jean, Gastspiel Kramer-Glöckner. Mitteilungen aus dem Publikum Kampf gegen die Grippe! Bester Grippeschutz durch gründliche Desinfektion der Mund- und Nasenhöhle, der Kehle, sowie aller Atmungsorgane durch Mentholfranzbranntwein Alpa. Gurgeln Sie und spülen Sie den Mund mit verdünntem Alpa Einige Tropfen genügen für ein Wasserglas. Das Einatmen. des unverdünnten Alpa wirkt ausgezeichnet. Zerstäuben Sie Alpa in Wohn- und Gesellschaftsräumen. Hiedurch gründliche Luftdesinfektion., 2 Wissenschaftliches Kaleidoskop Ein neues schmerzstillendes Mittel wird von amerikanischen Aerzten aus der Mundpartie von Blutegeln gewonnen. Die Herstellung beruht auf der Erfahrung, daß ein Blutegelbiß nicht schmerz» haft ist, so daß eine Blutegelbißwunde auch nach starker mechanischer oder chemischer Einwirkung (Nadelstich, Jod) nicht schmerzt; hieraus hat man geschlossen, daß-die Egel beim Biß ein„schmerzstillendes. Mittel" benutzen. Die Früchte, die jedes Äahr, besonders in' den tropischen Gegenden der Erde, nicht gegessen werden, Würden allein genügen, um— so stellt die Berechnung eines englischen Ernährungswis- senschastslers fest— die Ernährung von vier Milliarden Menschen jährlich, d. h. also der'doppelten Zahl der" gegenwärtigen Bewohner der Erde) sicherzüstelldn.- Auch Metalle können ermüden. Genaue Untersuchungen haben ergeben, daß ein Motor, der 100 Stunden hintereinander" beschäftigt wird. Weniger leistet ustd mehr Schäden aufweist als ein volllonimen.'"gleich' gebautes''Modell, das/^man Sylvia Sidneyovt in dem Film„Ich wurde gelyncht". Veceuvsflocfcrklito Ml'»-"» Der Deutsche Landeshilfsverein für Lungenkranke in Böhmen hält am 21. Feber um 10 Uhr vormittags in Prag II. Deutsches HauS, Graben 20, 4. Stock, Probensaäl,.die 27. ordentliche Generalversammlung ab. Allgemeiner Angestellten-Derband, Prag. Masken- und Kostümball. Devise:„Rund um die Welt", am 27. Feber 1087, im Heinesaal, Fochova tk. Mit- ternachtS-Programm des AtuS. Eintritt Ai 10.—. Kapelle Papert. Reklamationen: E. Strnad. Prag II., Fügnerovo näm. 4.. . Der 17. Maskenball der„Union der Geschäftsreisenden" unter der Devise:„Eine Rächt in der Hölle" findet am 27. Feber d. I. im Lidovh Mm, Hybernskä 7, statt. Reklamationen im Sekretariat, Prag H., Ra Zbobenci 18. Tel. 47841—8. 8008 Sozialistischer Jugendverband, Kreis Prag Wir berufen für SamStag, den 27. Feber, und S o n n t a g, den 28. Feber 1087, unsere v. ordentliche Kreiskonferenz- eilt. Tagesordnung: Berichte der Funktionäre, Referat, Neuwahlen der Kreisfunktio- näre, die weitere Arbeit, freie Anträge. Genauer Ort und Zeit wird noch bekanntgegeben. Die Kreisleitung. Uranla-KIno, Kllmentrtä 4. Fernsprecher 61628. „Polenblut“ Moser, A. Ondra. der Arbeiterfürsorge finden je de n Samstag von 5—7 Uhr im Bereis deutscher Arbeiter, Smeikagaffe Nr. 87, statt. 10 mal 10 Stunden mit Unterbrechungen arbeiten läßt. Hierher gehört auch-die bekannte Erscheinung, daß Rasiermesser scheinbar wieder schärfer werden, wenn man. sie einige Tage nicht, benutzt. Die Erklärung der Metall-ErNiüdung ist nicht eindeutig;'man nimmt' aber an, daß die Moleküle, durch'die Tätigkeit" in„Unordnung"-" gebracht, einige Zeit brauchen",' um sich wieder „auszurichten"."-'".! .' Ein wirkliches Perpetuum mobile ist" die vom Schweizer" Ingenieur hergestellte Uhr, die ewig" geht. Ihre Leistung beruht darauf, daß die iniNter. vorkommenden Temperaturschwankungen", die Uhrfeder"spannen;"schon eine Temperaturfchwanküng von einem Grad Celsius genügt, um die Uhr weitere 24 Stunden in Gang zu halten. Michtraucher können schon dadurch Schaden' nehmen, daß sie'sich in raucherfüllten Ummern aufhalten.'In-London ereignste sich auf diese Weise sogar kürzlich eine tödliche Nikotinvergif- tung eines zweijährigen Kindes. Die amerikanische'Akademie der Wissenschaften hat eine Neue Schätzung des Alters der Erde vorgenommen-und die Entstehung unseres Pla» neten auf mindestens- 8000 Millionen' Jahre datiert. Darwin hätte als wahrscheinliches Alter der Erde nutz 57 Millionen Jahre angenommen. B e z u g i b ed i n gu n g e n: Bei Zustellung in»Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich Ai'ist:—, vierteljährlich Ai 48.—, halbjährig Ai 06.— ganzjährig Ai 102—.— Inserate werden laut Tarif-billigst berechnet,. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei, Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.