Sozialdemokrat Aeytralorgan der Deutsche« sozialdemokratische« Arbeiterpartei kn der Lschechoflowaklschen Republik «-sch-iut mit««««atz«, de» Montag tikglich früh Reaktion Md Berwalümg: Prag XL, Fochova 62- Telephon 83077- Herausgeber: Siegfried Taub- Derantwortlicher Redakteur: Karl K ern, Prag 17. Jahrgang Dienstag, 16. Feber 1937 Einzelpreis 78§k8kl' (cinschlicßl.3 Seiler Porto) Aus dem Inhalt: Organisierte Kultur-Gleichschaltung Der Freispruch der Helgo Soziale MSngel In der landwirtschaftlichen Gesetzgebung Nr. 40 Källlo— Präsident von Finnland ‘ Eine Hoffnung Hitlers xunlchte Helsingi. Znm Präsidenten der Re- Vublik Finnland wurde der bisherige Ministerpräsident K a l l i a, Repräsentant der Agrar- partei, mit 177 Stimmen gewählt. Di« Wahl erfolgte im zweiten Wahlgang und wurde durch die Stimmen der sozialdemokratischen Partei entschieden. Im ersten Wahlgang gaben die Sozialdemokraten ihre Stimmen dem liberalen Kandidaten Stählberg, der 150 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Da diese Zahl jedoch nicht die'absolute Mehrheit erbrachte, war der, zweite Wahlgang nottoendig. Ja diesem erhielt der bisherige Präsident S.winhnf- wnd 104 Stimmen. Dessen Mißerfolg ist außenpolitisch gesehen, zugleich eine Niederlage Deutschlands. Der neugewählt« Präsident der Republik Finnland, Kyösti Kall io, war Vertreter des Direktors der Bank von Finnland. Er wurde im Jahre 1878 geboren und widmete sich hauptsächlich den landwirtschaftlichen. Fragen, insbesondere dem G e n o s s e n» schaftrwesen. Im Jahre 1908 stand er an der Wiege.der finnländischen Agrarpartet und gehörte fest 1904 dem Parlamente an, dessen Vorsitzender«' im Jahte?1920, 192» und 1927 sowie ununterbrochen seit dem Jahre 1929 war. Einige Mtle war er Vorsitzender der Regierung. Di« gegenwärtige Regierung bildete er im September 1986. »WMißDBB Ml böswillige Erfindungen** Warschau. Am Montag wurde ein ofsi- zielleS K»mmyni,uer veröffentlicht, in welchem erklärt wird, daß die in einigen ausländischen Blättern veröffentlichte» Gerüchte über geplante Beratungen deS preußischen Ministerpräsidenten Wring über die Angliederung Dan- z i g S a n D eutschland gelegentlich der Jagd in de» Urwäldern von Birlowirza al»»phantastische«nd böswillige- Ersindgmgen" angesehen werde»müssen, i' Es handelt sich um Informationen der Pa- riser Presse, daß die Rückkehr Danzigs zvm Reich gegen eisten endgültigen deutschen Verzicht aüf den Korridor das Ziel der Verhandlungen Görings anläßlich seines Jagdaufenthaltes in Polen sein.werde. Diese.Informationen gehen auf eine kürzliche Aeußerung des Herrn Goebbels- zurück, daß die'Danziger Frage »schon in der nächstenZeit eid für ä l.l-e m a l e r l e d i g t werden wird*. Faulhaber protestiert gegen die Verletzungen des Konkordats ■ München.. Kardinal Dr. Faulhaber hftü Sonntag in der St. Michael-Kirche eine sen- sationelle Predigt, worin er sich gegen eine Reihe vhn Verletzungen des Konkordats'wandte. Der, Kardinal■ führte besonder» übet die Beschlag-' niibme verschiedener' Hirtenbriefe, die Schließung' dev, Bekenntnisschulen, die Verhaftung katholischer' Geistlicher, die Entlassungen-- zahlreicher katholischer Geistlich« und: Nonnen au» Ihren Posten als Jugenderzieher und die Verleumdung! vieler hoher' und höchster kirchlicher' Würdenträger: Beschwerde.. Das^Konkortat. sei.im. Jahre 1982 als f r e i e r Vd r tjr.a g abgeschlossen worden,.und: könne daher nicht zerrissen werden.' Man hör«, hetzte' offen aüssptzechrn,daß das Konkordat nur abgeschlossen worden, sei, utn Zeit zu gewinnen, und-Wß setzt die Zeit. gekommen sei, alle kirchlichen Einflüsse auszuschalten. Der.'.katholischen Würdenträger hat sich verzweifhung bemächtigt itstd M sagen:„M i t dem' Konkordat worden wir-unser« Köpfe- verlieren,, ohne es würfde-män-uns^enihgupte.n und- durch' die Ssimtzen schleifen» Worin besteht' da also der Un-^ terschied? or'%i.'-'.<>..-•' Kardinal Faulhaber betonte, daß seine Worte» einen nochntockigen VersstchMrstellepi nmj mit!'den' nationalsozialistischen Stellen zu einer Bedöhnilng"zllr,'gelaNgen.' Menn, chan tzq» Koti-! kardat.fallenlletzeVsowürdedaS.'imiAuSlanddem Vertrauen, das man' Deütschlalw' entgegetzbrin«, gen-soll»einen schw eren Schla Frankreichs Geduld hat eine Grenze Marseiile. Der Minister für die Kolonien, der sozialistische Deputiert« Marius M o« t«t, sagte in Besprechung d« spanischen Frage, daß Frankreich den Grundsatz der Nichteinmischung in die spanischen Angelegenheiten respektiere, doch dürste seine Besonnenheit und Geduld nicht allzu schweren Proben auSgesetzt werden. Wenn die Konferenz, für die internationale Kontrolle durch die Schuld der faschistischen Staaten scheitern würde, könnte der Frieden d,«droht werden. Der Minist« hasst, daß diese Staaten ihre Handlnngö- weise überlegen und zurückweichen werd«, wenn sie die feste Entschlossenheit der demokratischen Staaten zur Sicherung des Friedens. durch den Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Spaniens sehen werden.. nacht I» Kraft treten. Ein Einvernehmen wurde auch über das Projekt der Kontrolle erziclr demzufolge an den spanischen Lanv- und Seegrenzen ab 6. März ein Kordon errichtet werden soll, um so den Transport von Kriegsmaterial und Freiwilligen für die beiden Bürgerkriegsparteien zu verhindern. Diese Euipfrhlungen werden in der dienstägigen Plenarsitzung deö Nichteinmischungsausschusses behandelt werden, in der aber ihr« Annahme sicher ist. Doch Freiwilligenverbot und Kontrolle? London. Im Fertige» Office gelangte daS Snbkomitö des Nichteinmischungsausschusses zu einem Einvernehmen über da» Abkommen, durch welche» dir Anwerbung«nd dir Entsendung ausländischer Freiwilliger nach Spanien verboten wird.- Da» Verbot soll am 20. Feber um Mitt«- Madrider Südfront hält stand VerteldlgungsausschuB verlangt durchgreifende Maßnahmen Madrid. Der Ausschuß sür die Berteidigung d« Hauptstadt teilt mit: Der neue Versuch der Aufständischen,- dir Front d« republikanischen Armee südlich von Madrid zu durchbrechen, ist vollständig gescheitert. Die republikanischen Flieg« bombardierten die Po- sitionen lei Sa« Marti« deka Vega, wo starke Zusammenziehungen der Aufständischen- Abteilung« beobachtet worden sind. Am Sonntay sind drei Mitglieder de» Aus- schuss«» für die Bertxidiamm der Hauptstadt r>äch Valencia adgereist, inh der Regierung ein Memorandum zu überreichen^ in dem e» heißt:.. Dir Belagerung Madrids dauert bereit» drei Monate an. 2« dies« Zeit hat deb Ausschuß sür dir Verteidigung, der-dir pesamte antifaschistisch« Bevölkerung umfaßt, gearbeitet, um die Einnahme der Hauptstadt zu verhindern. In der Miliz wurde eine musterhafte Disziplin- geschaffen, dir Streitkräfte wurden reorganisiert. Die Ereignisse der letzten Tages insbesondere die Besetzung MalagaS ünd dir'Offensive im Frontabschnitt beim Jarama-Flstß,«fordern«n- umgänglich alle Notwendige« und dringenden Maßnahmen, welche eine mächtige Offen- f i v e.a nal l e n F r o nie« ermögliche« würden.' Wir verlangen demnach, daß unsere Regierung raschesten» die a l l g em ein« Militär di en stp f l i ch t verkünd«,, daß sie zweH felhafte und verdächtige Element« von alle». Po-' strn anSschließr«nd daß sie schließlich den Oberbefehl an allen Fronten vereinheitliche... Valencia bombardiert.... Am Sonntag wutde Valencia von'der Ar- tillttie der Aufständischea-Schiffe während, ungefähr fünf Minutin h r s t i g b o m H a r die r t.' Eine Menge Granaten siele« in die Stabt und drei von ihnen in» Zentrum auf Vir Kolumbus-- straße. Man glaubt, daß'' die Bombardierung Opfer gefordert hat. ihre Zahl aber ist nöch nicht .bekannt.,......„ Zri dem Angriff südöstlich von Madrid Zwischen Villaverde und Ciempozuelos sind die Faschisten.gegen den. Jarama und die StraBe- Madrid—Arganda—Valencia vorge- stoßen, der. sie bei Vaciamadrid sehr nahe gekommen sind. WWhasW^HNW^ßhDntentetagt Dubrovnik. Montag vormittag»-tmlrde im großen Saal di» Hotels„Imperial" in Dubrovnik di« 9. Tagung des WittschaftSrateS'der Klei- nen Entente durch eine Kundgebung dos Handels» Ministers Dr. Brbanii eröffnet, der die Ex- 'geb'ntffc b« Tätigkeit-des Wirtschaftsrates im vergangenen Jahre rekapitülierte.und hervorhob,-daß die wichtigsten Aufgaben in dieser Tagung gelöst werden sollest. Es handle sich in'ersterb Linie uni den WirtschastSplan für das gaitzis I a hr 1 v 8:7.' Ferner. erllärte.'',ewv,dqß. die Kleine Entente aus dies« Tägung gestärkt hervor-! gehest, werde,-fö daß-sie die Zwe^näßigkeit ihrer Cxistestz tverde-stnter Beweis stellen können... ' Im-Namest,'h«,"tschechoslowakischen.Dele- gation.verwies Dr. Fr i.e-Wman n.aüf.dis.?» nähme des Güteraustausches zwischen den Staaten der Kleinen Entente im vergangenen Jahre und, hob die Notwendigkeit einer. W i r t.j. schaftszentrale hervor,.die eine möglichst enge und intensive Zusammenarbeit der Staaten der-Kleinen Entente sichern würde. .--Für die/!rllmänische Delegation sprach der ehemalige Minister T o d o r eScu. Er gab bekannt,'daß die rumänische Delegation- in dieser Tagung am aktivste» sem werde, weil sie möglichst fruchtbare Ergebnisse wünsche., Balkan-Entente tagt In Athen :i Athen. Montag früh sind isie Delegationen' Jugoslawiens,. Rumäniens- und der:Türkei zur Konferetiz des Rates stier Balkan-Entente-in Athen,'eingetroffen,'wo sie vom Mnisterpräsiden- teMMetaxgS herzlich begriißt-wurdest,. An-der Spitze der auswärtigen,-Delegationen!stehen der -jusiMatvifche Ministerpräsident S t chs ach i»o- wie, der /rumänische Außenminister A«tone S c u und der türkische Außenminister R.u ch d! ArraS. Die Konferenz begann Mosttag nachmittags iist Aübenminlsterium und wird bis Donnerstag dauern.' Ein Freispruch . In Brünn ist eben ein Mordprozeß zu Ende gegangen, den Tausende mit stärlster Anteilnahme verfolgten und bei dessen Berichterstattung die Zeitungen wahrhaftig nicht bloßem und niedrigem Scnsationskitzcl zu dienen hatten, sondern in weit stärkerem Blasse dem Volksbedürfnis, die volle Wahrheit über einen schrecklichen Grenzfall menschlicher Leidenschaft zu erfahren und schließlich zu sehen, wie Berufs- und Volksrichter über die Ermordung des Gerichtsrates Velgo Recht sprechen würden. Und nun ist festzustcllen, daß die Menschen, die zuerst nach der blutigen Tat und nun während der Dauer des Prozesses diesem Kriminalfall außerordentliche Aufmerksamkeit zuwenden, jetzt in Icidenschastlicher Weise das Urteil diskutieren, das gefällt wurde. Die Diskussion begann eigentlich schon während der Verhandlungen. Denn gar manches trug sich in diesem Prozeß zu, das dem natürlichen Rechtsbewußtsein breiter Massen nicht ganz entsprach; man konnte es wohl verstehen, daß Richter und Staatsanwalt bemüht waren, den ermordeten Gerichtsrat, der ja seine gewiß außerordentliche menschliche Schuld auf fürchterliche Weise sühnen mußte, nicht über das Grow hinaus noch in peinlichster Weise belasten zu lasse»; aber weil doch eben weder Schweigen noch Reden ihn hätte wieder lebendig machen können und weil darüber hinaus keine zarte Rücksicht durch die Richter das moralische Urteil mehr bannen konnte, daß dieser Gerichtsrat ein recht abscheuliches Leben geführt hatte, so hätte man erwarten können, daß dieses sein Leben vor Gericht in aller nötigen Deutlichkeit ausgebreitet würde, auf daß nur ja kein Ueberlebonder mit mehr Schuld belastet würde, al- ,ihm zukomme. Man. hätte die. Anträge, wie. da gestellt wurden, in geheimer Beratmig mit Ausschluß der Oeffentlichkeit prüfen können und hätte damit nach der Ilebcrzcugung des überwiegenden Teiles des Volkes der Gerechtigkeit mehr gedient als durch eine Pietät, die zudem vielleicht weniger allgemein menschlich als vielmehr gesellschaftlich bestimmt war. Und vermutlich tväre auf solche Weise zwar die innere Einstelllnq der Geschworenen zur Schuld der Marie Velgovä noch verständnisvoNer geworden, wohl aber wäre ihr Wahrspruch dem näher gekommen, loaS dem Denken und Fühlen jener entspricht, die unter allen Umständen Sühne fiir gewaltsam vergossenes Blut fordern. Freilich aber hatten die Geschworenen gerade das am meisten zu bedenken, daß ihre Antwort auf die zusätzliche Frage des unwiderstehlichen Zwanges mit Mehrheit verneinend, die Velgovä ivahrscheinlich einer unverhältnismäßig drakonischen Strafe, ja vielleicht dem Strang ausgeliefert hätte. Wohl hätte die neue gesetzliche Bestimmung aus dem Jahre'1984 die Geschworenen zu dem Versuch instaildgesetzt, in einer Beratung mit den Berufsrichtern vor dem Urteil die etwa eines todeswürdigen Verbrechens als schuldig Erkannte gegen eilt Todesurteil in Schutz zu nehmen und sogar sich über die Strafe auszusprechen, die nach dem Ermessen der Volksrichter die Beschuldigtc.zu treffen habe. Aber cs ist eben nicht von der Hand zu weisen, daß gerade in diesem Falle die Geschworenen vielleicht auch in dieser Möglichkeit keine-Sicherung gegen Todesstrafe-, oder lebenslänglichen, zumindest jahrzehntelangen Kerker zu erblicken wagten. So aber, wie di« Geschworenen am Sonntag faktisch votierten, mußte Marie Velgovä frcigesprochcn werden. Es scheint unS, als ob dieser Prozeß und sein. AuSgang geradezu klassisch lehrten, wie unvollkommen, ungenügend, unbefriedigend und gebrechlich in diesem Punkte unser Strafrecht und unsere Prozeßordnung sind. Denn schließlich ist, wie dieser Fall beweist, dem Recht und dem allgemeinen Rechtsempfinden nicht immer entsprochen, wenn dem Gesetz Genüge getan ist. Es darf nicht verhehlt werden, daß dieser Freispruch auf viel Widerstand stößt und, wie,.es jscheint,.'durchaus nicht auf einen, den Rache- und Blutgedan- ken auslösen, sondern durchaus sittliche Empfindungen und Erwägungen.. Es gelingt eben wohl fast niemandem, den Freispruch der Marie Vel- gövä ruhig im Gedanke» daran Hinzunehmen, daß Welt Und Menschen durch den gewaltsamen Tod des Herrn Gerichtsrates nichts, verloren Hähen .und daß eS'sich bei der Velgovä weniger um eine kriminekle/als um eine tragische Schuld handle, dfe sie durch ihr elendes Leben, durch das folternde Bewußtsein, ihrer Tat, durch die harten Monat« der Untersuchungshaft, durch die Quak der Verhöre' Uni» Verhandlungen Md durch die Marte-, Sette 2 Dienstag, 16. Feier 1937 Nr. 40 runif im sensationSgrelleu Licht der Oesfentlichkett gebüßt habe. Und noch weniger wird es als auS- gleichende Gerechtigkeit empfunden, daß ja doch der Täter selber zu dreißig Jahren Kerkers verurteilt wurde. Denn nicht aus der Wc^lt zu schaffen ist die Tatsache, daß mit Willen und durch Anstiftung der Angeklagten, um ihrettviUen vor allem, dieser Mord begangen wurde. Es wird allerdings viele geben— vielleicht werden sich darunter besonders Frauen befinden— die diesen Freispruch nicht nur verständlich, sondern sogar richtig finden werden; gewissermaßen als Memento für alle Lumpenhunde von Männern, die imstande sind. Frauen zum Aeußersten zu treiben. Wir aber finb' der Meinung, daß unter gar keinen Umständen«in Mensch straflos über das Leben seines Nächsten befinden darf und daß' 2 Wutdetkrtte Ja Von Margarete Neumann Wenn di« Spieluhr di« Stunde zirpt, erhebt sich die Clarkpuppe.„Danke, Jo, heute waren Sie wieder besonders häßlich, ich werde es dem Papa melden...1" Darin liegt ihre Rache... Jeht erst aber spiele ich..... „Jo, das ist grauenhaft! Hör aufI" Meine Halbschwester Alice stürzt auf mich zu.„Bist du verrückt?? Das klingt ja, wie wenn hunderte Knochengerüste tanzen würden.." „Das ist der Totentanz der Puppe Clark!" „Jo, was redest du für Unsinn—: und morgen ist dein Konzert! Jo, lieber, kleiner Jo, Mama und Papa ängstigen sich so um dich!" „Ich spiele das. was du gehört hast." „Jo, das ist entsetzlich, denke doch an Mama, an Papa, an mich!" Wie sie schmeicheln kann. Sie ist 18 Jahre alt, ein sehr schönes Mädchen, kühl und eitel— ein leerer Pokal. • Jo, sagte sie, denk« an Mama, an Papa, ai .mich! Wer aber dacht« an Jo, das Wunderkind, als es wirklich noch ein Kind war?„Alice, liebe Alice, spiele mit mir!" „Was fällt dir ein, Jo, du muht doch üben!" „Mama, liebe, gute Mama— ich möchte Ball spielen!" „Was fällt dir.ein, Jo, du mußt doch üben!" »Papa, lieber Papa, nur ein Stündchen laß mich in den Garten...!"' „Nein, marsch! Jetzt übe erst mal. ,.'.!" Nein, ich will auch kein Erbarmen haben, «eine Rache wich sie in» Herz treffen.... ich Straflosigkeit in solchen Fällen nicht die Bösen, die Gewalt zu befürchten hätten, bessern könne, sondern vielmehr■ da» Sittlichkeitsempfinden schwächen müsse, weil eben auf solche Art die blutige Tat sei c» einer Frau oder«ine» Mannes (denn«s gab ja schon umgekehrte Fälle) größere Chance eines Freispruchs erhielte. Nicht so sehr um die Marie Belgovä ist eS dem Volke zu tun, das ihr die Freiheit wahrhaftig nicht mißgönnt, so sehr sie auch den Arm eines Gesetzes verdient haben möge, das sie etliche Jahre hinter Gittern ihre Tat sühnen lassen könnt«. Es geht weit mehr um die allgemeinen moralischen Folgen solchen Freispruchs, um die Frage der Achtung oder Mißachtung der Heiligkeit des Menschenleben», an die ungestraft rühren zu dürfen Gefährdung zivilisatorischer Grundhaltung bedeuten kann. spiele morgen den Totentanz der Puppe Clark am Grabe deS ermordeten Wunderknaben Jo. Jo! Kichere nicht so schrecklich, lache doch wie jeder Junge offen, freimütig! Papas Stimme ist gesättigt mit Selbstbewußtsein— überheblich wie immer! Mama schaut konstant in den Sup-> penteller. E» ist heute der 16. Dezember, der Tag meine» Begräbnisses. Jo!'(Schon wieder stört mich die verhaßt« Stimme.) Nach dem Mit», tagmahl übst du noch ein letztesmal, dann kannst du dich ausruhen— um 7 Uhr sei bereit. Junge — mach uns keine Schande!... i Ich spucke über Alice hinweg an die Wand. Entsetzt springt Mama auf. Papa ist sehr schlagfertig, wenn Mama erschrickt. Meine linke Wange brennt, mein Kopf fällt zum Tellerrand, die Suppe ergießt sich über den Tisch.>, In meinem Hirn hämmern und knacken die Elfenbeinzähne.... ich packe den Teller) schleuder«.ihn Papa in» Gesicht' ,... sein Augenglas zersplittert, Mut rinnt au» Nase und Mund, er ist totenblaß, will sich auf mich stürzen; Ich kichere, kichere...entsetzt weicht er zurück... geht au» dem Zimmer. . Jo! Jo! Wie konntest du das tunk Alice rüttelt mich an den Schultern. „Laß ihn, er ist ein Ungeheuer,- wäre heute nicht das Konzert... Papa hätte ihm schon gezeigt, wat es heißt...", zischt meine Mama. Dieses Kichern, es kommt so ruckweise her-; auf, ich spüre e» in seiner ganzen Unsinnigkett di-, Därme entleäig durch den Magen, klemmt die beiden Brustseiten und kitzelt im Halse: chichichi. Ich stoße Alice gegen die Brust, umspanne ihren Hals.„Jo! Besinne dich um Christi willen ." lieber mich neigt die Nixe Alin« Brachta da» Gesicht, reißt sich zurück:,-. die Pedal« in 'meinem Hirn lösen sich, ich lasse Alice- frei und — sacke in einen widerlich weichen Schlamm. Ich habe nicht geübt, just nicht. Ich weiß, war ich kann und wa» ich will und war ich spiele»., ten zu stimmen und eknzutreten,) die nicht volks- tümlich sind-/„■■--.’-i.‘ Wir stehen aber auch auf einem anderen Gebiete mit den tschechoslowakischen Koalitiönspar« leien-in einer Front: in der Abwehr von Verleumdungen. Im Ausland' wird versucht, unter dzm Schein der Gerechtigkeit den tschtchoflowaki« scheu Staat zu diskreditieren.' Die Hetzarttkel Rothermeres und gewißen nationalsozialistischer Blätter schaden unserem Staat, sie schaden noch mehr uns Sudetendeutschen,' am allermeisten schaden sie dem europäischen Frieden. Wir sudetendeutschen Aktivisten erklären immer wieder, daß noch viele unserer Forderungen unerfüllt sind. Wir haben aber gar keine Lust, für unsere Rechte unter der Fahne eines englischen Zeitungskönigs zu kämpfen. Wir fühlen uns stark genug, gemeinsam mit' allen Völkern dieses Staates die begonnene Befriedungsaktion erfolgreich weiterzuführen. Wir wollen dem tschechoslowakischen Voll nichts nehmen. Wir wollen nichts mehr, aber auch nicht» weniger: Die Minderheltenbestimmungen der BerfaffungSurkunde müsse» voll und ganz erfüllt werden. Wer dies« unsere Forderung unterstützt, hilft nicht nur uns, er stärkt damit den Staat. Zufriedene Staatsbürger, zufriedene Minderheiten: das muß die allerwichtigste Forderung der Staatsverteidigung feint- Hacker: AktiviSmuS in entscheidunzSvoller Stunde Der AktiviSmuS steht heute in seiner ent« scheidungsvollsten Stunde. Wer imstande ist, zu ermessen, welche ungeahnte innerliche Kraft der sudetendeutsche AktiviSmuS bislang aufgebracht hat, um für den tschechoflowakischen Staat und für da» Wohl seiner Böller die richtige politische Formel zu finden, der verschweigt sich und der Unwelt auch heute nicht, daß der BerhandlungS- auSgang auch Über den weiteren- Werdegang sudetendeutscher akttvistischer Politik Werhaupt entscheidend ist. Allerdings: enttäuscht der BerhandlungSauS- gang, dann müssen auch die Folgen einer solchen Entwicklung in Kauf genommen werden. Dazu ist es wichtig, heut« nur die erste. Folgeerscheinung inS Auge zu fassen: der AktiviSmuS würde die Meinung für sich im Bolle verlieren. Meiner Auffassung nach Ivären daher in einem solchen Falle die Parteileitungen gezwungen, eine ganz grundlegende Ueberprüfung der Lage vorzunehmen. Solchen Möglichkeiten gegenüber steht die Hoffnung auf die Erfahrungen und di« politische Reife der Böller unserer Republik. 120 Kt Tageslohn Eine phantastische Behauptung des„Votier"( Was im.äveker", dem Blatt«, daS zum Pressekonzern der größten Regierungspartei gehört, zusanunengeschrieben wird, muß da» Erstaunen jedes ernsten Menschen, ohne Unterschied der Partei, wachrufen. ES werden da journalistische Methoden angewendet, die absolut verwerflich sind und nicht» mit der Wahrheit zu tun haben. Im„Betier" vom Samstag ist wieder ein Artt- kel veröffentlicht worden, in dem behauptet wird, daß für die Arbeitslosenunterstützung zuviel Geld ausgegeben werde. Insbesondere wird, betont, daß die Saisonarbeiter absolut keinen Anspruch auf die Arbeitslosenunterstützung haben. Als Beispiel wird«in Saisonarbeiter genommen, werde: Den Totentanz der Puppe Clark zum Begräbnis des ermordeten Wunderknaben Jo und dann endlich... werde ich befreit sein. 4 Uhr nachmittags. Niemand wagt es, zu mir einzudringen. Heute bin ich«ine unantastbar« Macht... Die Nixe wirk» auf der Fahrt.'zum Konzerthau» zärtlich sein, der Habicht wird sich ducken... morgen'.«cher wird er sich rächen... Jetzt liege ich am Divan, die Augen geschloffen, die Sonne in meinen Pupillen zerstiebt... morgen kommt seine Räche zu spät... morgen bin ich nicht mehr der 12jährige Wunderknabe- Jo, sondern Jost. Brachta, ein gewöhnlicher löjahriger JUnge.,. niemand darf e» wagen, mich anzurühren.' * 6 Uhr abends. Er schleicht sich doch herein zu -mir. DedFeigling.Jchsehe ihn dUrchmeine'Son« nenpupille. Sein Gesicht ist ein,in zwei Teile zersprungener Teller, hart an der Nasenwurzel llebt ein dunkelbordeau Knopf. Er traut-sich nicht näher zu kommen.- Ich rühre mich nicht... sein Atem geht keuchend, er haßt mich so, wie ich ihn..., aber heute bin ich der Stärkere. s* 7 Uhr abend». Die Sonnenpupille in meinen Augen platzt jäh. Ich folge meinem Papa— das letztennü. Muß neben ihn im Auw fitzen. Die Nixe Aline Brachta, meine Mama, lehnt neben Alice. Ich sitze vor ihr: Ich spüre den Duft ihre» Parfüms: den nehme Ich mit i» den Sarg. Der Lichtglanz blendetmich. Ich sitze bereit» vor dem Sarg au» glänzend schwarzem Menhotz. Ich öffn« den Sargdeckel: weiße und schwarze' Würmer au» Glfeichein kriechen'heran»: Der Habicht sitzt hinter dem Vorhang--- lauert verbirgt sein zerschlagene» Gesicht. Die Nixe sitzt vor. mir, in der ersten'Reihe, ggnz nach der Bühne. Feuerrote Reflexe wirft ihr Haar zu mir herauf. der—,180 Kä täglich verdient und sofort, wenn er dies« Arbeit verliert, sich um di«. Arbeitslosenunterstützung bewirbt, Wir möchten gerne.den Saisonarbeiter kenncnlernen, der 120' nö täglich verdient und der„Beöer" wird, aufgesordert, der tschechoflowakischen Oeffentlichkeit einen- solchen Mann Vorzustellen, Wir haben gerade gestern über die elenden Lohnvcrhältniffe, die bei uns herrschen, geschrieben, haben festgestellt, daß'faft neun Zehntel der Arbeiter und mehr als die Hälfte- der Angestellten das Existenzmininium nicht erreichen und«s muß wie ein Hohn auf diese Verhältnisse wirken, wenn der„Beöer" von dem phantastischen Verdienste von 120 XL täglich eines Saisonarbeiters schreibt. Gerade daraus ist zu ersehen, daß der„VeLer" zu solchen Phantasien greifen muh, weil ihm gute Argumente für die schlecht« Sache, die er vertritt, fehlen. Lesen die GoebbelslUgenl Die Handelskammer-Zentrale hat ein vpn allen Handelskammern, also auch de» deutschen(Eger, Reichenberg.und Troppaü) gezeichnetes Schreiben an die reichsdeutschen Industrien und Handelskammern gerichtet, in. idem reichsdeutsche Wirtschaftsexperten eiNgeladen werden, sich durch einen Besuch in der Tschecho- slowakei von der Haltlosigkeit aller Gerüchte über eine Bolschewisierung der Tschechoslowakei zu überzeugen. Es ist dies unseres Wissens da» erste Mal, daß deutsch« Körperschaften gegen die friedengefährdende Propaganda des Goebbels in so klarer und entschiedener Weis« auftreten. So erfreulich die Tatsache dieses Auftretens ist, so muß man doch fragen: Warum so s p ä t? Und: Wo bleiben die anderen Körperschaften, die den Kampf um den Frieden in erster Linie auf ihre Fahne geschrieben haben, also, etwa die Deutsche Liga fürVöl kerb und und Völkerverständigung? Parteitag der tschechischen Sozialdemokraten. Der Zentralausschuß der tschechoswwakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei berief den Parteitag für den 15., 16. und 17. Mai nach Prag ein. Auf der Tagesordnung befindet sich ü. a. ein Bericht über die innen» und außenpolitische Entwicklung,«in Referat über den Kampf um die Wirtschaftsdemokratie, die Partei und die Bedürfnisse der Landwirte. An einem Fastenhirtenbrief wendet sich der Prager Erzbischof K a s p a r an seine Gläubigen. Er bezeichnet zunächst den Krieg ganz rich-, tig als eine schreckliche Geißel. Daß die spanischen Generale im Namen seines Gottes einen begannen, läßt er unerwähnt. Dann bedauert er die konfessionslosen..Kinder,, demn. es..nicht'.vergönnt ist, die'Bötschast des Heiles'ßü Hövenj.'er meint, daß es selbst die Heiden besser haben, denn diese beugen sich doch vor einer Gottheit.- Schließlich behauptet der Herr Erzbischof, daß schlechte Menschen den Klassenkampf angefachts!) haben und er nennt amtliche Ziffern über die Hinrichtung Hunderttausend«« in der Sowjetunion,-Die Quelle verschweigt, er ebenso wie die Tatsache, daß der italienische, der deutsche und der spanische Faschismus Menschenleichen am lausenden- Band„produzieren"— nicht zuletzt im Namen einer christlichen Multur,.die,einen katholischen Erzbischof immerhin- nicht veranlassen sollte, Wahrheiten aUS durchsichtigen propagandistischen Gründen zu verschweigen. Die Puppe Clark sitzt neben Alice.— Er kann beginne» I Hart, schrill, dröhnend, rasend, wirbelnd, mit allen Knochengelenken klappernd.jage ich den Tanz der Csarkpuppe über die Bühne,, brause durch den Saal, geradeausstürmend auf die Nixe, lasse die Clarkpuppe schweben, dem Habicht entgegen, jetzt umklammert thx Knochenarm des Habichts Hals... e» stöhnt, ächzt, brüllt au» tausend Kehlen-,.. Jo! Die Etfenbeinwürmer vor mir krilin- men sich ekelerregend... jeht muß ich sie.zerstampfen. Jo, jetzt! Sonst fteffen sie deinen Leichnam— ich schwinge mich empor, tret« sie nieder, e» klirrt, dzdzdzdz— stöhnen die Saiten...'eine Windhose hebt sich empor, wirbelt mich über dön Saal zwischen die Zuhörer, bevor ich der Nixe aüf den Kopf falle, stoße ich.mit-en Fersen...den Habicht in den Bauch, es.schwadert katschig-,'.. Jo! Jo!——— Der verhaßten Stimme folge ich nicht mehr, nie mehr. o> Ich liege- hingestreckt, auf dem muffigen Sofa. Hinter dem Vorhang., Sie glauben, ich sei wahnsinnig geworden. Dr. F. beschwichtigt als«. „Eine Ueberanstrengung, in Rühe lassen, schlafen lassen,'so lange es geht...! Dann werde ich üe das Auw getragen: Ein wtenbleiche» Gesicht mit' schreckaufgerissenen grünen Augen schwckbt über mir... ich flüstere: „Jo, der Wunlderknabe ist tot." * G» hilft(eine Selbsttäuschung. Ich. befinde mich im Irrenhaus. Die Rache de» Habicht war stärker al»'ich..i. Die Stille hier ist undurchdringlich. Der Mönch, der über den Kiesweg schreitet, hat Sandalen an /,.«r stört mlch nicht. Lein Schatten gleicht einem Pilz, deshalb nenne ich-thn den„Steinpih".i< „Ks. K» Steinpilz!" Er lenkt seine schsei« chenden Schritte zu mir.»Wa» wünschest du?" '„Hier lies!" lFortsetzung fotzt.)' Die roten Fahnen von Kiein-Augezd — ein Dorn Im Auge der SdP Die„Hiffung der roten Fahne der Weltrevolution" an den der Gemeinde Klein-Augezd im Bezirk Teplitz gehörenden Gebäuden hatte seinerzeit dem Abgeordneten Köhler von der SdP einen solchen Schrecken eingejagt, daß er sofort eine geharnischte Interpellation an den Jnnen- nttnister richtete, worin er die ganze Größe dieses Verbrechens in den schwärzesten Farben schilderte und schleunigste Abhilfe verlangt«. Dieser Tage wurde nun die Antwort de» Innenministers im Parlament aufgelegt. Danach reduziert sich da» schreckliche Verbrechen unserer Genossen von Klein-Augezd darauf, daß sie, wie die Antwort auSführt, „bei Festlichkeiten örtlichen Charakters außer der Staatsflagge auch die Fahne der sozialdemo- irattfchen Arbeiterpartei hissen, welcher der Gemeindevorsteher und di« Mehrzahl der Gemeinde- vertretung»mitglieder angehören. In einem«i n• zig en Falle, am 4. August 1886, wurde beim Jußballwettspiel der Schweizer sozialdrmokraii- schen Mannschaft„Nordstern" gegen den sozialdemokratischen Fußballklub„Freundschaft" in Klein-Augezd auf dem Gemeindeamt b l» ß die Fahne der Partei gehißt. Der Innenminister klärt die Interpellanten weiter« dahin auf, daß in der Fahne der sozial- demokratisch-n Arbeiterpartei die Vevöllerung niemals da»„Symbol der Weltrevolution" erblickt habe. Beschwerden gegen die Hiffung von Fahnen in der Gemeinde Klein-Augezd seien bisher weder bei der Bczirksbehörde, noch bei der staatlichen Polizeibehörde in Teplitz-Schönau eingebracht worden. Eine Verletzung von Vorschriften oder irgend eine Unterlassung der Gendarmerie oder der Bezirksbehörd« ist nicht festgestellt worden. Die Interpellanten müssen also mit langer Nase abziehen und ihre schlecht gespielte Empörung irgendwie anders abreagieren. Man könnte.über diese verunglückte, eines Don Quijote würdige Heldentat mit einem Lächeln hinweggehen, wenn sie nicht noch«ine zweite, weit emstere Seit« hätte:„Die rote Fahne der Weltrevolution auf einem tschechoslowalischen Gemeindeamt"— das muß natürlich für Herren Goebbels, der die Tschechoslowakei seit Jahr und Tag als einen vom Bolschewismus total verseuchten und unterwühlten Staat hinzustellen bemüht ist, e i n wahres Fressen fein. Die so loyalen Herren von der SdP arbeiten durch solche Interpellationen also nur derfetndlichen Propaganda gegen uns direkt in dieHäude.Drei Dutzend der schönsten Loyalitätserklärungen können dann eine einzige solche Jnterpellatton nicht wieder gut machen! Sonntagsreden aktivistischer Politiker Am Sonntag sprachen drei bürgerliche aktivistische Politiker: In Zwittau bei einer Tagung des Bundes der Landwirte Minister Spina und Parteiobmann ,H acker, in Mähr. Ostrau in einer Kundgebung'der Christlichsozialen Minister Z a j i 6 eWir geben die wichtigsten Stellen dieser Reden wieder: Spina: Rationale Verhandlungen nur innerhalb der Regierungsparteien Bei aller kulturellen Verbundenheit kein politisches Alldeutschtum, also keine Aushebung der Staatsgrenzen. Wir müssen uns bewußt sein, daß die Einhaltung diese» Gebotes mit allen staatlichen Machtmitteln erzwungen werden kann. Es ist auch eine verfehlte Spekulation, daß die sudetendeutsche Frage ein internationales Kompensationsobjekt werden könnte. Das wurde vom Ministerpräsidenten Dr. HodZa erst kürzlich erklärt, der auch auf die in der revolutionären Na tionalversammlung beschloffene staatsrechtlich geltende Tatsache verwies, daß wir Sudetendeutsch« tschechoslowakisch« Staatsbürger deutscher Nation und Muttersprache sind, nicht aber«ine eigene BollSpersönlichkeit im staatsrechtlichen Sinne bilden. Die tschechoslowakische. Mehrheit in ihren vielen Parteien, die deutsche Minderheit in ihren Parteien, das sind die demokratischen Elemente unseres Parlamentarismus. Es wird dahev/ wenn es gilt, gewisse nationalpolittfche inneren Verhältnisse zu regeln,' nur von Partei zu Partei oder zwischen Parteien und Regierung verhandelt werden. Und da diese Regelung der innerpolitischen Berhällnisse«ine Anregung und Sache der Regierung ist, so wird sie innerhalb der Regierungsparteien verhandelt und gemacht werden, nicht aber über Parteien, die außerhalb der Regierung stehen. Sajköek:„Richt unter der Fehn« eine» englischen gettnngoUnigo" Wir deutschen Aktivisten geben dem Staate all das, worauf er Anspruch hat. Wir haben uns nie gescheut, auch für solche Staatsnotwendigkei-1 «r. 40 DlenSta-, 16. Feier 193? Seite 3 fudetmdeutstficr Xcitepiegcf Kulturverband gegen Vereinigung mH dem BdD Das sehelmnlsvolle Flugzeug kehrt wieder Prag. Montag kurz nach 19 Uhr vormittags Wurde aus Wien gemeldet, daß über der Stadt wiederum das geheimnisvolle Flugzeug.aus-. tauchte, das abermals versuchte, irgend welche Abaeichen mit Rauch zu zeichnen. Ain Einvernehmen mit den österreichischen Behörden trafen unsere Militär- und Sicherheitsbehörden. Mäß- nahmen, damit das Flugzeug längs der Grenze beobachtet und, falls eS sich über unserem Gebiete zeigen sollte, eventuell verfolgt werde. Bisher wurde nicht sestgestellt, daß das verdächtige Flugzeug unsere Grenze überflogen hätte. deutschen demokratisches WissenSgut vermitteln...! Nun, wir bezweifeln, daß die völkische Konkurrenz gegen demokratische Bildungsbestrebungen den Erfolg haben wird, von dem die mit der Goebbelskultur Verbundenen träumen. Llebesdrama in einem Ausslger Gasthaus Samstag um Mitternacht kamen ein Mann Sonntag-Vormittag und auch nach Mittag nie» mand aus dem Zimmer kam, und die Tür nicht geöffnet tvcrdcn konnte, benachrichtigte der Gastwirt die Polizei. Die Polizisten fanden das Paar ungezogen im Bett, beide tot. Der Mann hielt in der rechte» Hand einen Browning. Die Vorgefundenen Spuren zeigte», daß cs sich um Mord und Selbstmord handelt. Nach den Vorgefundene'. Dokumenten handelt es sich um einen Stukkateur I. H. und ein lediges Dienstmädchen. Fcstgestcllt wurde, daß der Man» das Mädchen mit der linken Hand an sich gedrückt und mit der rechten Hand in die Schläfe geschossen hat. Dann schoß er sich in die rechte Schläfe. DgS„Prager MontagSblalt" berichtet unter der. irreführenden Ueberfchrift„Völkische Gegen« .Urania" über eine SonntagStqgung der„Gesellschaft für deutsche Volksbildung in der Tschecho- slowakei". Diese Gesellschaft existiert schon lange und sie hat nicht allein infolge des politischen„Unfalls" ihres geistigen Führer», de» in die Patschei- deraffäre verwickelten und,dann nach Deutschland geflüchteten Prof. Dr. Lehmann, ihre Arbeit eingestellt, sondern vor allem Wohl deshalb, weil im Bereich de» völkischen Sudetendeutschtums augenblicklich kein Interesse an Kulturfragcn ist, von jenen Funktionären und Mitgliedern der SdP abgesehen/ welche die Konzentrationslager und ähnliche Errungenschaften Hitlerdeutschland» für kulturelle Großtaten ersten Ranges halten. Dl« Gesellschaft für deutsche Volksbildung wurde seht umgestaltct. In ihr werden der Kulturverband, der BdD, der Deutsche Turnverband, der DHB und die SdP vertreten sein. Vorsitzender der„neuen" Gesellschaft ist Herr Prof. Dr. Cysarz. Geschäftsführer ist der Dr. Herr, Warnsdorf, der vor kurzem«inen Streifzug in die Politik unternommen hat.' Die„neue" Gesellschaft hat die Absicht, auf dse Prager deutsche Sendung Einfluß zu nehmen. Da für ste auch offenbar die seinerzeitige„Kulturrede" Henleins Richtschnur ist, kann man sich ja vorstellen, wie ein« deutsche Sendung beschaffen sein müßte, die den Beifall dieser Gesellschaft finden wollte. Di« Nachfolger des Herrn Prof. Dr. Leh- männ sind durch die Gründung des Institut» für deutsche Volksbildung auf die Beine gebracht wor- den. Dieses Institut will nämlich den Sudeten« Der Pressebericht des Deutschen Kulturver» Landes teilt den Inhalt einer Rede mit, die Professor Dr. Greger am Sonntag in Brünn gehalten hat. Dr. Greger ist Mitglied der Hauptleitung des Deutschen Kulturverbandes. Wir.beschränken unS zunächst auf die Wiedergabe.von Gregers Feststellungen. Ihnen entnehmen wir- daß es noch nicht gelungen ist, zu einer Einigung zwischen Kulturverband und Bund der Deutschen zu kommen. Der Kulturverband- habe sich vergeblich um eine Planung der beiderseiügen Arbeitsreiche bemiiht. „Es kqm im Gegenteil zu einer unerträglichen und auch abträglichen Gegenstellung der beiden Verbände." Der Deutsche Kulturverband habe den Vorschlag der Vereinigung nicht rundweg ablehnen können,, habe aber auf eine Reihe von Schwierigkeiten hingewicsen. Obwohl Bundeswart E z e r m a k die Auffassung Gregers geteilt habe, werde»hinter den Kulissen der Schutzverbände gespielt"- Man versuche, poli- vle erste ganzstaatliche Lupushellstätte In Motol Die T. G. MMaryk-HelUiutalt vor der Eröffnung '■,(—rb—) Km 28. Feber wird die feierliche Er« Lffssung der ersten gan,staatlichen Heilstätte für LupuLkranke auf.dem Gelände„Pod Safrankou" in Motyl erfolgen, die der tschechische LandeShilsrverein für Lungenheilpflege(Geskh pomornh spolek p r» n e m o e n ö p l icn im chorobam i) nach jahrelangen schweren Bemühungen und.Wider» , standen errichtet hat. DI« Heilanstalt, die denNamen . de» Präsidenten Masäryk tragen wird, verdankt diesem Zinn-großen Tess ihre Erbauung. Im Gegensatz . zu" den von dem genannten Verein bisher erhaltenen kleinen Heilstätten in PleS und Senftenberg ist. die Mötoler Anstalt'«in gesamtstaatliche» Institut, , in welchem Männer imd Frauen ohne Unterschied der Ratfo- nälitötundKimfessien Unterkunft»ter amlula- ! tiirische Behandlung finde». Bei einer Montag veranstalteten Pressebesich- tigung schildert«Obmann Dr. August Hoffmann den.-mühseligen.Werdegang dieses sozialhygienischen .Werkel.daleinen Aufwand um 7,700,000.Kii erfordert«, zu welchem Präsident Masaryk über drei Millionen beisteuert«. * > DleäritlicheLeiwngderHeisstätteführt Prof. Dr. Karl G a w a l o w f k i, al» Ordinarius ist Frau Dog- Dr. Balßntovä bestellt,.der zwei Sekun- -darärzte zur Seit« stehen. Pfof. Gawalowfli erläuterte zunächst die-elbnechoden der Lupusbehandlung. Lupusist d i eschw ersteF o rm - der tu b t rkulöfen Hau t erkr an k un- ' g e n, besonder» schwer dadurch, baß ste vor allem da» Gesicht befällt und zu furchtbaren Entstellen» gen, führen kann, dse den unglücklichen Patienten fik«ine» Beruf unsähig machen. Und doch ist Ulli«vtuib»liuwjl llll«Vtuilll IIIIV UUP WV^U|JIIIVI'IIVH und eine Frau in ein Aussiger Gasthaus und gung unseres Landes und aus der Jugend-Inter, mieteten ein Fremdenzimmer. Als während des I nationale. tische Momente in di« Diskusston zu tragen. AuS diesem Grunde habe der Deutsche Kulturverband seinen Unter'liedernngen mitgeteilt, daß er die Verantwortung für weiter« Besprechungen nicht txagsn, könne. Dadurch solle auch unkontrollierbaren' Gerüchten begegnet werden. Dagegen sei der Deutsche Kulturverband nach wie vor bereit, ein Arbeitsabkommen mit dem BdD zu treffen. Der Deutsche Kulturverband habe in den sechzehn Jahren seines Bestandes seine Handlungsfreiheit nicht durch Bindungen an politische Parteien eingeschränkt und er werde es auch in Zukunft nicht tun. Jene aber, die destruktiv wirken, müssen auSgeschaltetwerden. Prof. Dr. Greg-.r erklärte, für den Deutschen Kulturverband verbindlich zu sprechen. In eine? 1 Entschließung, die nach seiner Rede angenommen wurde, wird sestgestellt, daß derzeit eine Zusammenlegung der beiden großen Schutzverbände nicht für zweckmäßig und notwendig erachtet wird. ringsten Teil au» Patienten rekruüeren, di««ine solche Taxe aus eigenem bestreiten können, steht die Krankenversicherung vor großen Aufgaben. Unter ihren Versicherten finden sich nur ganz wenige LupuSkranke vorgeschrittenen Stadium»— weil solche meist keine Anstellung finden— dagegen ein etwa» größerer Prozentsatz Neuerkrankter, bei denen gerade intensive Behandlung große Aussicht auf vollen Erfolg hat, so daß die, allerdings sehr hohen Aufwendungen schon durch Vermeidung von Rückfällen einigermaßen ausgeglichen werden.. Sehr schlimm ist die Lage der ganzUnbe« Mttteften, die auf keinerlei Krankenkosten Anspruch haben. So lange kein besonderer Fond» für solche besteht, können' sie nur ausnahmsweise Aufnahmefinden. Die Ideallösung wär«'grundsätzlich di« allgemeine Lu- pu»behandlung auf Kostendes Staates, wie sie in Rußland verwirklicht ist. In Deutschland besteht eine komplizierte Organisatton, bet der«In ,Lupu»beauftragter" die, entsprechenden Anordnungen trifft, wer die Heilungskosten Unbemittelter zu tragen hat. Für unsere Republik wird di« Schaffung einer- freiwilligen Hilfsorganisation vorgeschlagen, die nicht nur zur finanziellen Dotierung der Krankenpflege, sondern auch zur Bearbeitung der zahlreichen Detailprobleme berufen wär«. Demokratische Volksbildung Die„Deutsche Presse" bemerkt an leitender Stelle zur Gründung de» Instituts für deutsche Volksbildung u. a.: „So ist das JDB wohl eine neue be- prüßenswcrte Einrichtung, die für die allgemhine deutsche Volksbildung von großer Bedeutung ist, schließlich aber doch nur die Verwirklichung eine» langjährigen Planes. Daß das JTV einen offenkundigen demokratischen Charakter trägt, hat das Mißfallen jener Kreise erregt, die der Meinung verfallen sind, man könne einem geistig hochstehenden Volke eine Kulturrichtung einfach diktieren. In den Organen der SdP wurde diese» Institut bald als„RcgierungSdeutsches BolkS- bildungsinstitut", bald als„kulturseperatisttsch" hingestellt und der Berliner„Völkische Beobachter" hat die Nachricht Wer die Gründung diese» Jnstitttte»— e» bleibt dahingestellt, auf Grund welcher Informationen— mit dem Titel„Amtlich verordneter KulturbolschewiS- m u S" überschrieben. Irgendetwas paßt also den Organen der SdP und dem„Völkischen Beobachter" an dem neuen Institut nicht und man wird nicht fshlgehen, wenn man annimmt, daß dies der unzweifelhafte demokratischeCha- rakter des JDB und seiner-Gründer ist, die nicht gewillt sind, sich einem Kulturdiktat parteiamtlicher Stellen der SdP oder gar dem Ministeriums Goebbels in Berlin zu unterstellen." El ist also noch manche Frag« zu lösen, bi« einem bei Besichtigung der lichten-und geräumigen Iftankenzimmer(83'Betten für Frauen, 27 für Männer), der geräumktzen Laboratorien und Be- strahlungSräume, der schönen Liegrterrass« mit dem -weiten Fernblick, der musterhaft eingerichteten Küche und Mowrräume durch den Kopf geht. Die Apparat« >md Behandlungsräume würden für-200 Menschen 'ausreichen. Mau hofft, di« Anstalt später einmal erweitern, mehr Bet!.i cinstellen zu können. Möge sich vipse Hoffnung bald erjülleni „Das junge Volk", die Zeitschrift unserer sozialistischen Jugendbewegung, zeigt auch im neu erschienenen Feber-Heft wieder, daß sie weit mehr als nur ein MitteilungS- und Informationsblatt ist. Der Geist freier Jugend, der Geist der Verantwortlichkeit, der Selbstkritik und des sozialistischen Zukunftswillens spricht aus ihr,— von dem „Bekenntnis zur Sozialistischen Jugendbewegung", in deren Mittelpunkt„nicht der Mensch der Masse, sondern der Mensch in der Masse" steht, bi» zu den freimütigen Leker-Bricsen, die den Beschluk des Hclste» bilden. Karl Kern schreibt über bas aktuell-politische Thema„Jugend und Gewerkschaft", über die wenig bekannte sozialistische Bildungsarbeit im sudetendeutschen Dorf berichtet«in interessanter Aufsatz«Große Ueberraschung auf Tour", der Bericht„Freies Erzgebirge" bringt einen weiteren Beitrag zu den politischen und kulturellen Erkenntnissen des heimatlichen Jugend- wm.derns, und eine ausführliche Betrachtung über „Georg Büchners Vermächtnis" ivürdigt die Bedeutung des vor hundert Jahren verstorbenen deutschen Freiheitskämpfers für die freie deutsche Jugend der Gegenwart.— DaS Feber-Heft de» „Jungen Volks", das mit Bildern Victor Adlers. Lkon Dinins und Georg Büchner» geschmückt ist, enthält außerdem Gedichte, literarische Ankündigungen, eine weltpolitische Uebersicht„Blick in die Welt" und Informationen aus der Jugendbewe- Lnpu» bei rechtzeitiger Behandlung bi» zu SS Prozent der Fäll« heilbar! Wobei die Erfahrungen heute noch keineswegs abgeschlossen sind. Die moderne Heilpflege bedient sich einer Kombination!der physikalischen Methode ssören will, so mögen Herr Sandner und seine Genossen zunächst einmal de« Mund halten, statt durch ihre freche Anmaßung d-m tschechischen Nationalismus Wasser auf die Mühlen zu treiben. Seite 4 DicnStag, 16.• Stier 1037■ M'40 Marie Velgo- freigesprochen Wenzel Cern*— 30 Jahre Brünn. Entgegen allen Erwartungen sand der Prozeß am SainStag nicht seinen Abschluß. Dir Verhandlung zog sich derart in die Länge, da? der Vorsitzende SaniStag abends die Verhandlung neuerlich vertagte, da bis zur siebenten Abendstunde noch nicht einmal dle Plädoyers hatten beginnen liinnen- Der vierte Verhandlungstag wurde— und dies ist ein weiteres, wenn auch nur äußerliches Kuriosum dieses PtordprozesseS— ganz gegen alle Gepflogenheiten auf den folgenden Sonntag angesetzt. Diese Maßnahme, die unseres Wissens kein Beispiel in unserer Kriminalchronik hat, war dadurch notwendig geworden, daß für den Montag bereits ein weiterer Fall der Schwurgericht-Periode anberaumt war und daher ein weiterer Aufschub unter allen Umständen vermieden werden mußte. Die Sonntag-Verhandlung wurde mit dem Plädoyer des Staatsanwalts Dufik eingeleitet, nach welchem der Vertreter der Privatbeteiligten, Dr. L o ch m a n n, der Verteidiger EernyS, Doktor Karsten, und der Verteidiger der Marie Velgo. Tr. Loria, sprachen. Es folgten Repliken, die bis 15.15 Uhr dauerten. Dann trat Eerny vor den Senat und erklärte» daß er seine Tat sehr bedauere- und um eine milde Strafe bitte. Er sagte aber, daß er kein Mörder sei. Wenn Rat Velgo ermordet worden sei, so haben den Mord seine. Frau verübt. Aufgeregt erhebt sich die Velgo und bricht in Tränen an» Auf die Frage einer Geschworenen, ob Eerny gesehen habe, ob die Velgo auch von dem Wasser naß geworden sei, konnte Eerny nicht anworten. Dann trat die Velgo vor, die die Geschworenen schluchzend bat, Ihr bei Gott zu glauben, daß sie nicht sm Badezimmer war. Sie bat um Mitleid und sagte, daß sie stets anständig gewesen und nicht nur durch eigene Schuld, sondern auch durch die Schuld anderer Personen auf Abwege gekommen sei. Sie habe nicht gewollt, hier einmal vor dem Schwurgericht zu stehen und bitte sowohl die Geschtvorenen als auch alle Mit« glieder der Familie Velgo, ihr zu verzeihen, daß sie sic um ihren Bruder gebracht habe. Hierauf folgte das R e sumö des Vorsitzenden, Rat Dr. T o m s ch i k. Sodann zogen sich die GeSigmeiugfceiteft Empfang bei Hofe In einigen deutschen Zeitungen der Hauptstadt der TSR, Prag, steht folgende redaktionelle Meldung:^,.... Empfang und Hauskonzert bei Konrad Henlein. Für Dienstag laden ins Deutsche Haus zu einem dort veranstalteten Hauskonzert Konrad Henlein und Frau. Bel diesem Konzert wirken prominente deutsche Künstler der Tschechoslowakei und Deutschlands mit Vor dem Konzert, das um 8 Uhr abends beginnt, findet ein Empfang der Qtlate durch Konrad Henlein und Frau statt; ein Teil der geladenen Gäste ist vom Kulturamt der SdP aufgefordert worden, sich um 7 Uhr, der andere um halb 8 Uhr zur persönlichen Begrüßung durch Konrad Henlein und Frau einzufinden. Der durch seine tresfcnden Bemerkungen zu den Dingen des täglichen Lebens westhin berüchtigte Berliner unterscheidet zwischen„injcladen" und„ufsjefordcrt". Das Kulturamt der SdP kennt, beides. Erst werden die„Gäste" eingeladen und dann iin militärischen Ton mit präziser Zeitangabe aufgefordert. Beim preußischen Kommis pflegten derartige ausfordende Ein- ladungcn so zu beginnen:„Sie haben sich am Dienstag, 16. Feber 1937, abends 7 Uhr, mst rein gewaschenem Oberkörper einzufinden zwecks,.." persönlicher Begrüßung durch Konrad Henlein und Frau. 13 Bergleute verschüttet. In einem Kohlenbecken in Wönchagi(Viktoria-Australien) wurden l 3 Arbeiter durch eine Explosion verschüttet. Bisher fehlt jedes. Lebenszeichen von ihnen, Lawine. Bon der Spitze der Punkta Grigia im Monte-Nosa-Gebiet-ging eine gewaltige Lawine nieder, die acht Mailänder Skifahrer verschüttete, von denen nur zwei gerettet werden konnten. Theatertrand fordert Hunde«!» Opfer. Einer Meldung aus der. koreanisch-mandschurischen Grenzstadt Antung zufolge ist das dortige chinesische Theater einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Nach den bisherigen Feststellungen forderte das Unglück etwa 700 Tote.- Mehr als-200 Personen werden noch in den Trümmern vermißt. Außerordentlich groß soll auch die Zahl der Verletzten sein. Unter den Opfern befinden sich vor allem Frauen, Kinder und Helfer aus den Kreisen der Polizei und des Militärs. Das Unglück soll durch fahrlässiges Umgehen mit einer offenen Kerze hinter der Bühne entstanden sein. Etwa 60 anliegende Häuser haben ebenfalls Feuer gefangen..Die 1500 Besucher, tzie anläßlich des-chinesischen Neujahrsfestes in dem Theater zusammengekommen waren,'hätten- In"wilder Flucht die Ausgänge zu erreichen gesucht. Dabei seien viele Frauen und Kinder im Gedränge erstickt und zertreten worden., schworenen zur Beratung zurück, die eineinhalb Stunden. dauerte.* Nach der Beratung, verlas der Obmann der Geschivorenen deren Verdikt, welche bei Sern» die Hauptfrage auf verabredeten Meuchelmord mit zwölf Stimmen bejahten, dle Zu. satzfrage, ob Üerny bei Durchführung der Tat de» Gebrauches der Bernunft vollständig beraubt, war, mit zwölf Stimmten, versteinten, dle«eitere Zu- satzfrage, ob er. bei wechselnder SinneSverwirrung. gehandelt habe,- mit»Wilf Stimme« verneinten und die letzte Zusatzfräge, ob er die Tat ans nledrk- gen und. unehrenhaften Beweggründen beging, mit zwölf Stimmen bejahten- Für Marie Belgo beantworteten die Geschworenen die Hauptfrage auf Verabredung zum gedungenen Meuchelmord mit neun Stimmen„ja" und drei Stimmen „nein",. bejahten aber-zugleich die Zusatzfrage, ob sie-aus unwiderstehlichem. Zwang gehandelt habe, mit sieben Stimmen. Nach diesem Verdikt der-Geschworenen-fällte, das Gericht um halb 7 Uhr abends nach kurzer Beratung folgendes Urteil, durch, welches. Eerutz zu dreißig Jahren schwerem und verschärftem Kerker verurteilt wurde.. Der Privatbeteillgte, d. i- die Familie Velgo, wird mit ihren Ansprüchen auf den ZivilrechtStneg) verwiesen- t' Marie Belgo wurde freigesprochen.. ff Der Privatbeieiligte wird ebenfalls mit-stauen Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Bei Eerny wurde, die wirtschaftliche Not und daS reumütige Geständnis bei der Hauptverhandlung als mildernde ll in stände anerkannt..Als .erschwerend wurde der ilniständ angenommen, daß er einen doppelt gnalifizierten Mord verübte, und die Roheit, mit welcher er die. Tat beging. StaaiSantoalt Dr. D u s i k kündigte bei Ecrny die Berufung betreffend das Strafausmaß, bei der Belgo die Nichtigkeitsbeschwerde an. Auf Antrag des Staatsanwalts wurde die Belgo in Haft belassen. Bergarbeiterschicksal. Montag vormittags l'vnrde der 4-1. Jahre alte Bergarbeiter Josef TurtenwaId bei der Arbeit auf der Grube „M a y r a n" bei Klädno von einer sich plötzlich loslösenden Kohlenschichtc verschüttet. Turtenwald erlitt einen Bruch der Wirbelsäule und war auf der Stelle tot. Besuch Georg» VI. im Londoner Tastend. König Georg VI. besuchte dieser Tage das.Londoner Armenviertel Tastend. Bekanntlich, herrscht in Castend, zwischen den Anhängern der Linksfropt und den Faschisten eine gewisse Spannung. Die Polizei! hat, um allfälligen Zusammenstößen vorzubeugen, ange- ordnet, daß die eine der Parteien den König, bei seiner Ankunft begrüße, während die andere"Gruppe den König beim Abschied ihre Begrüßung entbot. Hochwasser in Afrika. Im östlichen Transvaal bi» nach Laurenzo Marques herrschen große lieber» schwemmungen. Die Eisenbahn-Dämme-sind unterspült. Der Schaden beträgt 80.000 Pfund. Zahlreiche Personen sind ums Leben gekommen, der Regen dauert an. Eduard VIII. schreibt Memoiren? Ein- intimer Freund der Herzog» von Windsor, der sich auf der Durchreise in Pari» äüshielt, teilte dem Korrespondenten der Nachrichten-Agentur Stefani miß daß der Herzog keineswegs die Tatsache schwer trage, daß-bei der Behandlung seiner Angelegenheit im englischen Parlament- die Opposition gegen die Vorlage Stellung genommen habe, welche zugunsten des Herzogs von Windsor dem Unterhause vorgelegt worden ist. Der Herzog soll, wie es heißt, die Absicht haben, sich der literarischen Tätigkeit zu wid-, men,-di» ihm seiner Ansicht- nach genug ein-' bringen dürfte.- Ein amerikanischer Verleger- habe Ihm e't-n e- M i-l'-l.tiö-mD o l-ka r für die' Nie« fchrift-seiner Biographie und. der.Geschichte.- der WiNdsör-Dynastie'nach dem Weltkriege ängeböten. Die Städte in der LSR.-t.Mr«ijIurg 20.05:.'.Symphoniekonzert. 22.86:- Tanzmusik. Kaschau. 12.05: Schallplattenkonzert, 16.10: Rund- fnnkorchesterkonzert.— Mähr.-Osträu 12,35: Mii- tagrkonzert, 18P0: Opernarien astf Schallplatten. Als die Fluten des,»Old Mg'n River", wie der-Mississippi'mPSA genannt'/, wkrd^zürück- wichen! gelang es vielen- Wässerfahrzeiigen in! Löuistiille nicht mehr,' demFlnß'zu erreichen,'so' daß sie weit entfernt vom Strand auf,dem Lande liegen blieben.. Nr. 40 DienStag, 18. Fever 1037 Seite 5 DoTsEtLckaft mul üusian-cl Jahre außer Betrieb stand. Sie kauen außerdem einen neuen Stahlofen für 80 Tonnen und einen Elektroofen für vier Tonnen. Beide Hochöfen sollen im April bzw. Mai in Betrieb genommen werden.—- Die Berg« und Hüttenwerks-Gesellschaft hat ihren vierten und' lehten Hochofen in Trzynietz in Betrieb gesetzt. Abnahme des Devisenvorratcs. Die letzten Ausweise der Tschechoslowakischen Nationalbank weisen weiter einen Rückgang des Devisenvorrates auf. Zu Anfang Feber wird er noch mit 880 Millionen KL ausgewiesen. Dieser andauernde Rückgang wird mit dem Anhalten der erhöhten Rohstofseinfuhr unserer Industrie erklärt. 7 sustst, die in ihr, wie Engel» sagte,„die, Probe auf ihr- Gesetz gemacht hat", in, den. folgenden' Jahrzehnten.selbst zu einer.bewegenden Kraft der ^.Geschichte geworden. Sie kann e» heute ungpich schneller und in. noch gewaltigeren Dimensionen "."werden, wenn'Wir e» verstehen, sie zu berwerten^ .. um/die" Erlebnisse unserer Zeit zu deutest und aus ..ihrer-Deutyng die"Aufgaben zu erkennen,' die „ume.te. Zeit uns stellt. der vornehme Fremde Prag.(—rb—) Der 81jährige Fanz S p r a- tek, der von si"> behauptet, er sei Artist, ist wirklich «in weltläufiger"Mann. Ein Jahr und fünf Monate Zuchthaus, ausgesaßt in Leipzig, weiter« fünf Monat« in Düfseldors, zehn Monate in Berlist-Moabit, acht Monate in Troppau sind Zeugen sein«! verschiedenen. Stationen.. Die Schweizer Kriminalbehörden, die ihn gleichfalls verschiedene Monat« in ihren Gefängnissen beherbergten, stellten ihm das Zeugnis eines äußerst ge. wandten Juwelendieie» aus und al» solcher wird er auch In den Verzeichnissen der internationale» Kriminalzentrale geführt. Schließlich landet« dieser famose„Artist" auch in Prag und blieb nicht lange müßig. Im Jänner de» Borjahre» stellte er sich bei dem Juwelier Dominik Malh ein, wo er sich als vornehmen Ausländer ausgab. Da er gut angezogen war und aufzutreten wußte, wurden ihm ohne weiteres verschiedene Kollektionen von Ringen vorgelegt und der vornehme Fremde geruhte denn auch nach langer Auswahl, einen Brillantring im Werte von 28:000 Aö auszuwählen und den Juwelier zu beordern', dieses Schmuckstück in das Hotel„Alcron" zu schicken, wo der elegante Kunde angeblich wohnte. Als der Bote unverrichteter Dinge heimkehrte, weil in jenem Hotel kein Gast de» angegebenen— natürlich falschen— Namens- auszufinden war, ergriff den Juwelier jähe Angst, denn hinter solchen unauffindbaren Klienten verbergen sich regelmäßig ziemlich unangenehme Ueberraschungen. Und in der Tat — die sofort aufgenommene Nachprüfung der Ladenbestände ergab, baß eine" goldene Tabakdose im Werte von 2600 K£ spurlos verschwunden war. Tatsächlich hatte Franz Spratek diese golden« Dose geklaut Und noch ani gleichen Tage weiter verkauft. Um den Verkauf glatt durchführen zu können, hatte er im Hotel„Adria"«In Zimmer unter dem Namen Leo Leiser genommen und unter dem gleichen Namen einem anderen Juwelier die gestohlen« Dos« zum Kauf angeboten, wobei er sich als Berliner Kaufmann au»gäb, der»momentan in Verlegenheit" sei. Der Verkauf wurde perfekt, da der vorsichtige Juwelier auf sein«" Anfrage im Hotel "„Adria" tatsächlich die Antwort erhielt, daß" der Herr Leiser dort, wohne.- Mer. der Erlös war doch.zu «ring, um,au» Prag verschwinden. zu können und so-wurde Franz Spratek bald von den Detektib» auf« gegriffen.. - Unbegrciflicherweise leugnete der. alte.Kriminalbruder rundweg alles und mußte Bustkt für Punkt von den Zeugen identifiziert unb überführt werden. M» ihm per Strafsenat Trost acht Monate sch w er« n K e rk e r s zudiktierte,-erklärte er resolut, er werd« Nichtigkeitsbeschwerde, einlegen. Als man- ihm aber sagte, daß die Zelt bi» zu deren Erledigung ihm nicht in di«-Strafe eingerechnet werden Würde, hielt er«s doch-für vernünftiger z» kapitulieren und nahm di« Straf« an. Hamburg 400.218 215.8H2 184.866 Schweiz. 826.789 198.756 127.983 Norwegen. 02.482 19.590 72.872 Marokko . 70.967 18.841 57.128 Griechenland 88.288 28.219 45.064 England.' • e 54.486 24.874 29.512 Uruguay - 25.856 1.088 24.778 Irak. 17.12» . 2.693 14.488 Palästina -14.095 7.848. 6.752 Italien 028.810 141.411 87.899 Finnland 11.298 118 11.185 Seite 6 »Sozialdemokrat* Dienst«,, IS. Fever 1037. Nr. 10 > Schlegel'schen Texte möglichst unberührt lassen und RW-Pray 8pHrd-8piet-Xörp«rpskLgr Xuast und Wssen VreemseraeKneilten IM MÄRZ UND IM APRIL— GIBT’S KÄLTE NOCH SEHR VIEL! ■' BolkSstnggemeinde Prag. Heute Probe und unr halb 8 Uhr AuSsKußssdima. 'Spielplan des Deutschen Theaters. Dienstag halb 8: Das Nest, Gastspiel Tissa Durteux, Erst« ausführung, A 2.— Mittwoch halb 8: Der Kuss, B. 1.— Donnerstag halb 8: Hopsa, C S.— Freitag halb 8: Die Zarenbraut, D.— Samstag, J48: ToSca. volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 8: Der Kuss, halb 8: Das Nest, Gastspiel Tilla Nhrieur, B 1 Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag 8 Uhr: Jean, Gastspiel Kramer- Glöckner. — Mittwoch halb 8 Uhr: Wie ei Euch gefällt, Bankbeamte 2 und freier Verkauf.— Donnerstag 8 Uhr: Matura.— Freitag 8: Wie eS Euch gefällt, Theatergemeinde des Kulturverbande» und freier Verlauf.— Samstag 8: Das Nest, Gastspiel Tilla Durieux.— Sonntag 8 Uhr: Der Illusionist, 8 Uhr: Wie es Euch gefällt. WIR SIND GUT VERSORGT MIT WARMEN SCHUHEN Mttellrm-en tnt* dem PubNkuck. In alten Chroniken liest man, welch« Kräuter man bei Fussschmerzen kochest soll, wie man Erkältungen, Schnupfen intd Angina erfolgreich bekämpftMi« Frostheulen^zu’behandeln sind, wie man dar schmerzhaft«,Rheuma. austrcibt— aber nirgends lesen stiir, dah'eS-besser ist.rechtzeitig bei. Jtöstwetier waMö, halbhohe. Schuhe zu tragen untz- bei Tauwefser Galoschen oder Aeberschuh« von anzuziehen, um allen diesen Krankheiten vorzubeugen. Tragen Sie warme Schuhe.— schützen Sie Ihre Gesundheit.■ L!.''- Unfall Im Deutschen Theater. Nach Beendigung der Sonntagabendvorstellung ereignete sich an einer AuSgangstür des Kassenraumer ein bedauerlicher Unfall. Die 75jähsige Frau Berta Winternitz, die eben das Theater verlassen wolle, wurde von der, durch eine unbekannte Frau heftig zugeworfenen Tür ko heftig getroffen, dass sie zusammenbrach. Nach dem ärztlichen Befund erlitt die Verletzte einen Knochenbruch und eine Verletzung am Auge. Puschkin-Ausstellung. Im Prager Nationalmuseum wurde Sonntag vormittags als Ergänzung der in der Hauptstadt veranstalteten Puschkin-Feiern eine Puschkin-Ausstellung eröffnet. Die Ausstellung enthält u. a. eine Vitrine mit der Totenmaske Puschkins und die bei dem heurigen Puschkin-Jubiläum unter dem Titel„Der ewige Puschkin" herauSgege- bene bibliophile Publikation. Die Ausstellung enthält ein reichhaltiges Bikdermaterial, Zeichnungen. Photographien, Werke des Dichters in russischer und ig anderen Sprachen, die tschechischen Uebersetzungen von Puschkins Weilen und vieles andere. Die Finnen schon dal Auoh die Schweizer, Ungarn und Belgier Norwegens Sportler kommen heute! Al» erste ausländische Delegation zur HI. Wintersport.Olpmpiade der SASJ in Johannisbad vom 18. tiS 21. Feber trafen am Sonntag 15 finnische Sportler und drei Sportlerinnen sowie zwei Journalisten in Prag ein. Rach kurzem Aufenthalt setzten sie die Reise nach JohanniSbad fort, um nach ihrer Ankunft sofort mit dem Training zu beiinnen, da sie in Finnland infolge deS verspätet ringetre lenen WinterS nicht geeignete Möglichkeiten hiefül besahen. Leiter der Expedition de» finnischen Tm ist Rinne,’ welcher hofft, daß die Wettkämpfe für Finnland» Arbeitersport ehrenvoll verlaufe» werden Montag vormittag» trafen,die Ungarn in JohanniSbad«in und am Abend kam die S ch w ei- z e r Mannschaft an. Auch von der teig i s ch e n Delegation sind bereit» einige Sportler anwesend, während die übrigen am Freitag eintreffen werde» Dienstag abends wird dir n» r w r g i f ch e Delegation in JohanniSbad eintreffen. „Vie es euch gefallt“ Der Titel des Lustspiels und. die satirischen Ausfälle gegen die Hofgesellschaft, ihre Sitten und ihre— man möchte fast sagen: moral insanity, lassen darauf schliessen, dass Shakespeare sich mehr, als er e» sonst tat, einem Zeitgeschmack anpassen wollte, den er selbst nicht teilte, dass er ebenso wie in„Was ihr wollt", dem Publikum«in Zugeständnis machte und sich durch sarkastische Bemerkungen über die Gesellschaft schadlos hielt. Auch die Melancholie und weltabgewandte Resignation, di«^ in so vielen Personen der Komödie Gestalt wird, scheinen zu beweisen, dass die poetische Ärundstimmung, aus der das heitere Spiel geboren wurde, kaum Uebermut und Heiterkeit der Seele, vielmehr Bitterkeit und Müdigkeit sind, die ja in der letzten SchafsenSperiode des Dichters immer stärker zutage treten, bis er endlich im„Sturm" mit einer letzten Rechenschaft, noch rüstig an Jahren, von der Bühne und der dramatischen Poesie Abschied nimmt. Wie gewaltig aber muss, wie unvergleichlich reich in diesem Dichter der reine Strom der Poesie gewesen sein, dass ihm auch aus Resignaston, Satire und burlesken! Plan ein Märchenzauber wie dieser wächst! Was immer sein Antrieb war und wohin er zielte— er wird von sich selbst gefangen und versenkt sich in das Pandämonium des Eros, fein ewiges, unerschöpfliches Thema. Ein Reich der Freiheit öffnet sich, In dem alles erlaubt ist, was das Herz gebietet, in dem einer nüchternen Logik abgesagt wird, todeswunde Hirsche weinen, Löwen und Narren den Ardenncrwald bevölkern und das Geschlecht geheimnisvoll verwandelt Ivird beinahe lvie im„Sonnnernachtstraum". Solche Märchenwelt vermag unsere Zeit lvohl nur in gemessenem Abstand und hinter einem Schleier zu sehen. Insofern war es kein glücklicher Gedanke, dar Experiment.in der Kleinen Bühne zu versuchen. Shakespeare taugt, nicht für die Intimität des KanmierfpielS. auch wo ec hauchzart webt und schalkhaft daherkommt. Juli n S G e l l n e r sucht die nötige Distanz zu gewinnen, indem er vor die eigentliche Szene mit ihren Wald- und LandschastSprospekten einen Nahmen setzt und zwischen dessen gothischcn Spitzbogen manchmal noch einen Schleiervorhang niedergehen lässt. Was hinter diesem zweiten Vorhang spielt, scheint also doppelt märchenhaft, der peinlichen Nachbarschaft des Publikums entrückt(vielleicht könnte auch der Epilog statt an der Rampe vor dem Schleier gesprochen werden, es würde dann auch vermieden, dass man im Publikum das Vortreten RosälindeS missversteht). Höchst erfreulich ist es, dass die grässlichen Rothe'schcn Ilebersetzungen nun auch vom Prager Deutschen Theater verbannt zu sein scheinen. Die llebersctzuug F l a t t e r S. ist im wesentlichen eine sparsame Korrektur und meist, vor allem In den Liedertexten auch eine Verbesserung der Schle- gel'schen Uebersetzung. So fragwürdig das Beginnen ist, Tantiemen zu beziehen, die Shakespeare und Schlegel gehühren, so wünschenswert bleibt es. dass die. Neu-Uebersetzer eben doch das Sprachgerüst der Ein Kind In den Händen eines Wahnsinnigen In den gestrigen Vormittagsstunden wurden die Passanten in der Nerudova ans den Weinbergen durch die auf das Pflaster fallenden Splitter einer Fensterscheibe aufgeschreckt. In einem Fenster des dritten Stockwerkes zeigte sich die Gestalt eines" offenbar geistesgestörten Mannes, der heftig gestikulierte. Der alarmierte Polizeiposten drang in die Wohnung. Man betrat dort den 41jährigen Znckerbäckcrgehilfen Alois Stieda, der bet seinem Bruder wohnte und einem plötzlichen Tobsuchtsanfall unterlegen war. Der Irrsinnige war im Begriff, da» zweieinhalbjährige Kind seines Bruders und Ouartiergebers zu erdrosseln und musste unter Gewaltanwendung unschädlich gemacht werden. Das Kind ist zum Glück ohne gtfährliche Verletzungen davongekommen. Mol» Stieda wurde nach Untersuchung durch den Polizeiarzt der Irrenanstalt überstellt. Pogner kämpfte wie immer mit Per Höhe. Besseren" Eindruck machten BandlerS witziger Beckmesser, Frl. HendersenSin Erscheinung und Stimme liebliches Evchenwnd Hagens fester Kothner. E. I. Wagnerschcn Werke», der tüchtige Dirigent in der Sicherheit der Stabführung, in'der Klarheit und Deutlichkeit der Zeichengebung ebenso wie in ihrer, den Sänger direkt führenden Bestimmtheit. Da Breisach sowohl ein ausgezeichneter Rhythmiker als auch«in klug abwägender Dynamiker ist, gab es Momente besonderen künstlerischen Genusses, in die- -.........— Isen„Meistersingern". Leider war dar dem Dirigen« sich auf wirklich nötige Korrekturen beschränken. Die. ten zur Verfügung gestellte Solistcnenscmble nicht Musik Salmhofer» ist manchmal sehr modern, künstlerisch gleichmässig genug, um den Operngenuss Im ganzen aber klangvoll. Da» Unterstreichen des] vollständig zu machen. Alexander G i l l m a n n. Operettenhafwn darf man hinnehmen, weil da» der Gastsänger de» Junker Stolzing/ erwies sich nur Lustspiel ja zur Operette im besten Sinne sehr nahe rein stimmlich al» annehmbar, während die fahrige hat. und mitunter säst saloppe Art seiner Darstellung Dem Verständnis und der ziewewussten Arbeit j nahezu unerträglich war. Josef Schwarz al» G e l l n e r S ist eine Aussühning zu danken, die’ Sachs schien stellenweise stimmlich gehemmt, ebenso Die Tischtennis-Meisterschaften deS Prager DTJ-KreiseS wurden unter einer Teilnahme von 60 Männern und Fraucm die mehr al» 80 Spiele absolvierten, am Sonntag beendet. Da» Männer- Einzel gewann Miidkicky(Koiik), da» der Frauen PiSkakkovä. Im Männer-Doppel siegten von 19 Paaren Pospiiil—Hejnal(KoSit) und im gemischten Doppel da» Paar Bösr—Louthanovä(Prag I u. V.—Vröovlce).'.. Die FrühJährMaleon der Liga: begann am Sonntag mit Ausnahme der Begegnung Rusj— Sparta, welche wegen schlechten Platzverhältniffen in Ujhorod abgesagt.wurde, recht interessant. Von den sogenannten Heim-TtamS gewann, nur eine» das Spiel, alle übrigen die Gäste. Die Ueberraschung dieser ersten Runde war Wohl die hohe Heim-Nieder, tage der Prossnitzer durch dieSlav.i«mit9:6 (0:8). Der schwere Boden behagte'den Pragern besser und da auch die Platzbesitzer nicht jene Kondition auswiesen, di« man eigentlich erwartet hatte,, so gelang den Pragern die Revanche für'die 2:1- Niedcrlage zu Beginn der Herbftsaison ziemlich eindrucksvoll. wenngleich'auch der. Prossniher.Tormann viel^mit dazu beitrug.'— In Kladno wurde ter SK, obwohl er eigentlich durch, seine Teilnahme am Nüsler Turnier sozusagen ten Winter turchgespielt hat, doch vom CSKPrehburg,.welcher säst da» ganze Spiel mit zehn Mann spielen muhte,mit0:2 (0:1) geschlagen.— Eine zweite Ueberraschung gab e» in Pilsen, wo Zidenice knapp den SK mit 8:2(1:0) besiegte.— SK Nachod hatte in Brünn mit der, Mor:.Slavia-ein leichte» Spiel. was auch in dem Ergebnis von.6:0(2:0) zum Ausdruck kommt— In P r a g fand da» Match Bäkt oria ZIjs kov gegen Viktoria Pitsen statt/ da»' mit'8:1(1:0)'.für'di« Prager.'endete. welche die besser« Mannschaft»l«istuna boten. Bei den Pilsenern versagt«— wie fast bei allen Unterlegenen der sonntägigen Spiele— der Angriff.*- Ei» BerlegenheitSspiel war di« Begegnung di» Teplitzer FK in Prag mit der Sparta, da», mit 2:7(2:4) endete. Die Teplitzer, welche nur teilweise befriedigten und nur eine. Halbzeit durchhielten, waren kein Partner, der den Pragern gefährlich werden konnte, da ohne Bortraining nichtbesseres zu erwarten war. Ein Zuschauer-„Rekord": Kaum 600 Personen waren anwesend! Die mittelböhmische Division fetzte am Sonntag ihre Frühjahrssaison an und«» gab auch einige Ueberraschungcn, von denen der Sieg RapidS mit 1:0 über Meteor VIII und das Unentschieden von 2:2(1:1) au» der Begegnung Viktoria Nufle— Union Zijjkov die hauptsächsten wären. Die übrigen Ergebnisse: Cechie Karlin gegen Ruselsky SK 6!2,- BohemianS gegen Sparta Kladno 6:1, Libeü gegen Slavoj VIII 7:1, Altbunzlau gegen AFK Kolin 1:4. Sonstige Fufiballcrgebniffe. Prag:. Sportbris- der gegen Union I 10:0.— Komotau: SK Kv- pisty gegen DFK 8:0.— Bodenbach: SpBg gegen VsB Teplitz.6:8.— Warnsdorf: WFK gegen SK Grottaü 11:2.— Mähr.-Ostrau- SK Schlef.-Ostrau gegen Polonia Karmin 6:8, Divisionsmeisterschaft.— Budapest: FerencvaroS gegen 8. Bezirk 5:0, Hungariagegen Budai 1:1 (1:1), Ujpest gegen BocSkai 2:4(I).— Wien'. Austria gegen Äbmira 1:1(1:0), Vienna gegen Sportklub 8:0, Rapid gegen FloridSdorfer AC 1:2 (l), Wacker gegen Hakoah 8:1.—Belgrad: Äemzeti Budapest gegen Beogradfki SK 5:2 und gegen Jugostavia 8:1. Nach einem Boriildk Eine Generalversammlung des Sportklubs Sparta Karlsbad ist ja nicht so interessant, dass man darüber berichtet. Diesmal ist st« ober doch bemerkenswert! In der. letzten Generalversammlung sollte auch der neu« Vorstand g« w ä h l t werden. Gewählt wurde aber nur ber seinerzeit wegen der Divisionsaffäre zurückge- tretene Obmann Dr. Zimmermann, der'nach der Wahl erklärte, dass er sich seine Mitarbeiter selbst bestimmen werbet. Das hat di« Versammlung akzeptiert... Da» FiS-Springkn in' Chamonix endete mit einem überlegenen Sieg der nordischen Springer, von denen der NorwegerBirger Ruud mit Note. 288.8, 60.5 und 65.5 Meter, den ersten Platz vor seinem-Landsmann Reidar, Andersen, Note 281.4, 60 und 66.6 Meter, besetzte. Der erste Mltteleuro- päcc kam auf den fünften Platz, und zwar war:«? der Oesterreicher Bradl, der die Note 216-7 erhielt und 60 und 61 Meter sprang. Bon den tschecho» slowakischen Springern placierte sich Budarek mit Sprüngen von 66 und 62 Metern an 20. Stelle. Wie die tschechischen Zeitungen behaupten,,solle« die Tschechoslowaken bei der Klassifizierung stark benach- teiligi worden sei». Eishockev. Die tschechoslowakische Liga- Meisterschaft steht vor ihrem End«. Am Sonntag schlug der HC Tatra in Poprad den Jungbunzlauer BK. 10:0, nachdem dieser am Samstag schon in Troppau vom EB mit 5:2 geschlagen worden war. — Tabor: DSK gegen DEHG Prag 11:4 und. 9:4.— Troppau: Klagenfurter AC gegen EB 8:1.— Paris: Frankreich gegen Rumänien.0:0. — Amsterdam: Kimberley Dynamit«» gegen Blue Ssx 7:1.— St. Moritz: EHC gegen Mat- länder'Team 4:0.— Berlin: German Sana« dians gegen Polen 5:1. Di« Weltmeisterschaft im Eiskunstläufe« der Männer wurde in Wien aurgetragen. Als Weltmeister wurde, wie zu erwarten, der in Prag ermittelte Europameister Kaspar(Wien) fcstgo- stellt, welcher damit dar Erb« nach seinem Landsmann Karl Schäfer antrat, der bekanntlich doch Professional wurde. Der Engländer ShchP besetzte wie in Prag den zweiten Platz. Der tschecho- slowakische Pertreter Sabilek, der in Prag noch den neunten Platz belegt«, kam dreimal an di««Ist« Und letzt« Stelle. Di« Weltmeisterschaften im Eisschnellauf««-der Männer wurden in O»l o aurgetragen und, fiel der Titel wie bei den Europameisterschaften an de« Norweger StakSrud vor Vaseniu»(Finnland): und Stiepl(Oesterreich). Neuer Fraurn-Weltrekord im Schwimme«. Bei einem- Meeting in Aarhu» schwamm die Dänin -.Ragnhild Hveger über 200 Meter Rücken an 2:41.8 Min. und erzielte damit einen neuen Weltrekord. Reiter tschechosiowaktfcher Schwimmrekord. Dec Bar Kochba-Schwimmer Bad erle(Prcssburg) erzielte über 100 Meter Rücken-die neu« Rekordzeit ‘bon 1:18.5 Min. Hopsa,«Ine Revue-Operette, deren Text und Musik von dem Schweizer Paul Burkhard stammen, „läuft" jetzt im Deutschen Theater. Die Musik ist— für diesen Rahmen— nicht übel. Aber das Libretwl Schade um jede» Wort, das sich mit der Handlung >md ihrer Durchführung beschäftigte, schade um die' Pühe und um da» GW, di« man da verausgabte, schade um die Anstrengungen des Regisseurs(Liebl), der Darsteller, de» Dirigenten(Popper), der Bühnenbildner! Eine Stunde lang wirkte die Oede, die dieses humorlose Machwerk erzeugte, fühlbar auf da» gesamte Publikum geradezu lähmend; bewundernswert, wie e» sich dann an den Schmarrn gewöhnt. Aber wieder einmal wurde von jedermann, wen wir im Zuschauerraum hörte», kräftig geschimpft. Hat da» Prager Deutsche Theater aus der Schweiz wirklich nichts Besseres zu beziehen? Amüsiertheater— gut! Aber eines, das. nicht einmal amüsiert?— Das Bestreben der Hmiptdarsteller, den Abend er« träglich zu machen, verdient rückhaltlose Anerkennung; vor allein also der sympathischen Liesl. Macheiner, der temperamentvolle und ambifionierte A. Schmerzen reich, der humorig« Dudek und der elegant« P/i d l e s a k. l. g. Di« Meistersinger. Biel häufiger, als ihrer künstlerischen Bedeutung und Bestimmung zuträglich ist, erscheint in den letzten Jahren Wagners Festspieloper„Die Meistersinger von Nürnberg" im Spielplan de» Prager D e u t s ch« n Th ea« ter». Und häufiger, als man zu verstehen geneigt ist, erscheinen in der letzten Zeit am Pulte dieses Theater» Gastdirigenten. Wenn man erwägt, dass wir gegenwärtig fünf Kapellmeister besitzen, während unser Theater gerade in seinen besten Opernzeiten unter Angelo Neuinann mit drei Kapellmeistern da» Auslangen' fand, ohne Dirigenten-Gastspiele in Szene setzen zu müssen, dann steht man den häufigen Dirigentengastspielen der letzten.Zeit verständnislos- gegenüber/ Oder mm; wird durch, di«, allerdings beispiellos« uird unmögliche Praxis,, gerade die beide» ersten Kapellmeister gleichzeitig während der Haupispielzeit zu beurlauben, zu einer unfreiwilligen Einsicht gezwungen.— Gastdirigent der sonntägigen„Meistersinger"-Aufführung war Paul B r eis a ch, einstiger Kapellmeister in Mlsistz,«in ebenso tüchtiger Musiker wie' Dirigent: .Der tüchtige Musiftt offenbarte.sich in der liebevol- len' und' sorgfältigen Art' der Jnterpretatiast'.der« Donnerstag, den 18. Feber,' Pflichtabend Vortrag de» Genossen Dr, Franzel. Es haben alle RW-Genossen bestimmt zu erscheinen. Entschuldigungen werden nur bei wirklich ernsten Gründen anerkannt. B e z u g Sb ed i n gnn g«n: Bet Zustellung in» Hau» oder be, Bezug durch die Post monatlich Xi 16:—, vierteljährlich AL 48.-^ hatbjShrig AL V6— ganzjährig AL 192.—.— Inserate werden laut Tarif, billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten,, erfolgt nur bei Einsendung der Retourmqrken.— Die Z«itüng»srankatür wurde von der Post- und! Tel«- ...•... graphendirektion mit Erlass Nr. 1S.800/V1I)19SÜ bewilligt:— Druckerei: JÖäÜ*; Druck-, Verlag»- Md ZeitungS-A.«G. Prag.. hat.•..."4;:'""’.".’™ Dem Verständnis und der ziewewussten Arbeit! nahezu unerträglich war. Josef S ch w a r z als G e l l n e r S ist eine Aussühning zu danken, die' Sachs schien stellenweise stimmlich gehemmt, ebenso bet einigen Schönheitsfehlern, welche bei den per-' ffrjtz Göllnitz al» David, Andersens sonellen Mängeln des Theater» Wohl schwer zu der«.<“——------- 1_m.tt meiden waren, doch den feinen Märchenduft und die zeitwse Poesie de» Lustspiels einfängt, in dem Gut und Böse noch ihren angestammten Platz im Leben Haden und der böse Herzog durch den Zuspruch der Eremiten bekehrt, der böse Bruder durch den Edel mut deS guten bezwungen und verwandelt wird, in dem Freundschaft noch Freundschaft und Liebe noch Liede ist, die ganze Schöpftmg einfach und herrlich wie am ersten Tag. Dass er gelang, ist neben Gell-' ners Regie der glücklichen Besetzung der. Rosalinde zu' danken. ErnaTerrc I bringt neben dem bestrickenden Liebreiz der Erscheinung, der für diese Gestalt unerlässlich ist, auch ein-seines Organ für die seelischen Nuancen mit, die e» nach der Ver wandlung des Mädchens in Ganymed abzutönen gilt. Eine leichte Fremdheit gegenüder der klassischen Sprache gab sich nach den ersten Szenen. In den verhaltenen LiebcSszenen des vierten Auszuges ent faltete diese Rosalinde einen ungeahnten Reichtum an zartester Lyrik. ES war zum Entzücken, wie sie in dep gefährlichen Liebesplauderei mit Orlando das Männliche(erfreulicherweise von ihr niemals zu stark Ausgetragene, sondern auf knabenhaft« Grazie Beschränkte) ahstreifte und Weib wurde! ES war ein ganz starker und bleibender Eindruck, der keinen Vergleich mit zeitgenössischen Vorbildern zu scheuen brmlcht. In gleicher Reihe mit Erna Terrel ist aber di« Celia MarionWünscheSzu nennen, de ren noble Sprachkultur und gemessene» Spiel die holde Märchenerscheinung des treuen MühmchenS zu vollkommener Illusion erhoben. Ausgezeichnet waren die beiden Narren in Götz, dem bleichen Melancholiker JagueS, und Taub, dem groben Spassmacher Probstcin verkör pert, beide über daS Beiläufige der Figuren erhaben und den tiefen Sinn Shakespearescher Narrengestal ten betonend. V al k als guter, Schindler als böser Herzog, M a r l ö s Diener Adam und Vol kers Schäfer Corinnu» sind höchst lobend zu nen nen. Der Orlando Walter SzurovyS liess zu-wünschen übrig, dass seine sprachliche Ueberzeu- gungSkrast den gefälligen Glanz. der Jüngling»- Erscheinung erreiche. An de» jungen Darstellern der heutigen Bühne rächt sich eben, dass, sie allzuoft schlechte» Theater spielen müssen, zu selten sich in klassischen Dramen bewähren können. Dabei scheinen begabte Frmien leichter imstande, von der Intui tion her den Mangel an Schulung einzuholen al» die vom Intellekt bestimmten Männer. „Wie eS euch gefällt", war jödenfall» ein schö ner Theaterabend und eS wäre zu wünschen, dass Shakespeare an ferneren Abenden mich an Zahl der Besucher die Konkurrenz mit„Hopsa" besser durch hielte als am Abend der Premierei E. Franzel.