efajdyteb 70 Helfet(«I»schN«tzI.S Helle» Port») Aus dem Inhalts Dienstag, 23. Feber 1937 Nr. 46 17. Jahrgang Taub Ubar bla Aufgaben dar Sozialdemokrat!« NazhKrawaff bal Naurath» hlnaug In WIan Da» Icfto dai VanUndlgungiwarhai Erscheint mit An«nahme de»»onte,»glich früh Redaktion und Verwaltung: Prag XII.. Fochova 62- Telephon 58677- Herau-g^rr SIegfried Tau»- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Sozialdemokrat a.ntralorgan der Deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoflowaktschen Republik aooegtiM aniAbsdilnfi terOtymiHadc 10.000 Besucher in Johannlshad/ Große sportliche Leistungen Regierungstruppen in Oviedo 31.4, 30.4; 82:0,80.2; 82.7, 813; teilungen ver Regierungstruppen in der Nähe »oü Pptte Ruedasuno in die Straßen von Oviedo ein«rd sind bis zum Läro-Plätz gekommen, de» fit besetzten. Die Aufständischen versuchten vergeblich, sich durch einen Gegenangriff wiederum in den-Ptfitz: diese-. Platzeg zi» setzen; 2. 8. 4. 6. 6. dauerte. Hierauf unternahmen Milizionär« einet»'Angriff und besetzten.alle wichtigen,, in die Stadt führenden Kommunikationen. Der Angriff üitrp«»ch gegen da-Getinde deS waisentzanfeS,.... das ans.einer die Stadt beherrschendim Hitze liegt,> gehört zu den Sonderbarleiten der kommunssti- fortgesetzt. Li« Aufständischen setzten einen hart- schen Politik, daß sich eines der Hauptblätter die- niitkigts» Widerstand entgegen, der jedoch vergeb-! ser'Partei zur Begründung dieses seines Stündlich wgri.-An einer mGerch» Stelle drangen Ab»'Punktes auf das Svehla-Wort von den„Gleichen Baleneia.(Fabra.) Di« Negierungsmiliz hat gegen Oviedo ein« heftige Offensive unternommen»nid ist in die Stadt eingedrungen. Tie hat sich d«S San Lorrnzo-Viertel- und anderer wichtiger Stellüngen bemächtigt. Die Miliz.beherrscht auch dir Gasanstalt. und die Waffensirbr». Die Ausständischen' sind ziem- l i.ch' de in ora lisiert'-'Md' leisten! Nnr schwachen Mdrrständ.,' .!s-Mb?r tzep.ilnqriff aus.M>Iedo werden fol- . genhe'Einzelheiten(simeldet:.-. Um 4 Uhr früh wurde die Artillerievorbereitung- ansgenommen, welch« einige Stunden unter Gleichen" beruft. Den Gründ für dieses „magere Ergebnis" erblickt die„Rote Fahne" darin,' daß'— die Stimme der' Kommunistischen Partei, nicht'gehört wurde. Als ob. die. tschechischen Agrarier/nachgiebiger gewesen wären,- wenn den Berhandütngen auch Herr Gottwald beigczogen Die Arvetter-Wintersport-Olympiade In JohanniSbad war der Beginn der großen olympischen Spiele, die im Jahre 1987 von der So- zialistischen Arbeiter-Sportinternationale ver- anstaltet und vor allem Antwerpen zum Schauplatz haben werden. So war sie von vornherein mehr als eine Zusammenkunft der am Winter- spart interessierten Menschen:- sie war ein Ruf an' die Sozialisten aller Länder, der Olympiade in Antwerpen einen großen Rahmen zu geben, sie zu einer gewaltigen Kundgebung der ganzen internattonalen Arbeiterbewegung zu gestalten. Diesem Gedanken gab der Sekretär der. Soziali- stischen Arbeiiersporttnternattonale, S i l a b a, in der großen Abendfeier in Traukenau Ausdruck. ES ist kein Zweifel, daß er gerade in der Tschechoslowakei) die diese Wintersport-Olym- piade beherbergt hat, vor allem aber im sudetendeutschen Gebiet ein'MkeS Echo haben wird. ES war vor allem die Deutsche sozialdemo- kratische^Arbeiterpartei, in deren WirkungS- bereich der Olympiadeplatz lag,, die dieser Ver- ünstaltung den imponierenden äußeren Rahmen gab und ihr Gelingen sicherte. Tausende und aber Tausende Menschen waren, unter großen Opfern d?m Rufe der Partei, gefolgt, weil sie verstanden, daß es sich in JohanniSbad um eilte Kundgebung der sozialistischen Kraft„und des soziälisttschen Wollen- überhaupt handelt, um ein. neuerliches Bekenntnis der demokrattfchen Massen zu Frieden, Freiheit und Demokratte, um Sine. Kampfansage an den frechen Henlein- faschiSmuS, der die demokratischen Kräfte im Sudetendeutschtum bagatellisieren will und versucht hatte, die Olympiade durch eine ebenso dumme wie gemeine Flüsterpropaganda zu schädigen. Nun sind die Tage von JohanniSbad vor» über. Mehr als zehntausend Menschen sind dort zusammengekonnnen, Freunde deS Sportes, Feinde des Faschismus, Junge und Alte, Männer und Frauen, Sportler und Nichtsportler aus, allen Gliederungen der soziälisttschen Bewegung. Tschechen und Deutsche, die sich ist brüderlicher Eintracht fanden, einander verstanden, einander lieben lernten. Und rS kamen die Sportler aus den demokrattfchen Ländern Europas, nicht nur um teilzunehmen an den sportlichen Kämpfen und ein Bekenntnis zum demokrattfchen Europa abzulegen, sondern auch um die demokratische Tschechostowakische Republik zu ehren und ihre tapferen Beschützer. JohanniSbad war nicht nur ein gewalttger Erfolg deS Arbeitersportes, sondern ist auch eine für die Demokrattee gewonnene. Schlacht. Die Olympiade hat unsere Kraft gestärkt,' unsere Zuversicht vermehrt, unser Ansehen gesteigert, unseren Willen gestählt. Wir sind d a, w i r marschieren! Und alle unsere Kolonnen sind im BorwärtSstttrmen: Sportler, Jugend, Kinderfrennde, Partei und Gewerkschaften, Ge- possettschasten nnd Kulstirorganisattonen. Ihre kühne Arbeit im Rahmen. der internationalen sozialistischen Bewegung ist die eindrucksvolle Bcgleidnusik zu den politischen Erfolgen, die die sozialistische Bewegung in unserem.Lande eben erzielt, hat.; Wir sind stolz auf die Olympiade, stolz- auf uyscre heimischen Sporjlcr,' dankbar den' aus- ländischen. Und wir,wissen: JohanniSbad war eine Etappe auf dem Wege zum Sieg! her Abschluß am Sonntag ■ Die«rbeiter-Winterspyrt-OlymPtädr ging «m Sonntag zu Ende. Der Sonntag war ater auch der Hühepnnkt.dieser»«anstatt«»» Ein Autobus nach.dem ändern- brächte neue' Besucher heran, eine dichte Menschenmenge wogte auf den glätten Straßen tzi« und her. Am»tzrmittag sahen bereit- viel« Tausend« dem Slalomläuf zu. Auch die Teilnehmer ay der'Kreisparteikonferenz fan» den sich, geschloffen zu den sportliche» Darbietungen.«in. Um-2 Uhr- nachmittag-,, brr, vor dem 26. Emil Basler(Rawrsreunde) 78.7, 89.4, 48.7; 27^ Karel Baier /DTK) 76-8, 40.3, 46-2'28. Arthur Kraus(Pur) 75.8, 41.7. 44.8.(Di«-erste Zahl albt- di« erzielten. Punkte, die zweite die 1, Leit, die dritte die 2. Leit an.) .'. Slalomlauf der Sportlerinnen - 1. Dorghild Monsen(Norwegen)- 100, 41-8; .2. Hilde Dolensli;(AtuS) 02.8, 49.5; 8. Karoline Ujvari(Ungarn) 90.4, 51.4; 4. Elsa Seidl(Atus) 87.2, 54.6; 5. Vencesl. Hofmauovä(DTJ) 84.6, 57.2;' 6. Em. Kirchschläger(AtuS)- 84.8 57.5; 7. Helena Nümcovä(DIA) 50.8. 1:22.00.(Dir erste Zahl gibt die erzielten Punkte, die zweite die Zeit an.) Die Siegerehrung Den Abschluß der Olympiade bildete am Sonntag abends eine eindrucksvolle Siegerehrung. Der technische Leiter der Olympiade, Franz M y- la r a, überreichte nach einer Ansprache, in der er die—- im Gegensatz zum bürgerlichen Sportbetrieb vön wirklichen. Arbeitern erzielten— hervorragenden Ergebnisse der Olympiade ausführlich würdigte, den Führern der einzelnen Delegattonen für di« zehn , besten Wettkämpfer jeder Konkurrenz Erinnerungsblätter, die Senatspräsident Dr. Sou k u v gestiftet hatte. Die Sieger wurden vom Präsidium beglückwünscht und vom Publikum mit begeistertem Applaus belohnt. S i m e k, der Leiter der Wintersportsektion her Säst, sprach den«isländischen Delegationen, den Wettkämpfern und Gästen, sowie allen, die zum Gelingen der Olympiade beigetragen haben, den Dank aus, wobei er nicht verabsäumte, namentlich auch, die aufreibende Arbeit der Mitglieder der verschiedenen OrqanisattonSkomitecS zu würdigen, die die Grmid- lagen-für den glatten Verlauf der Olympiade schufen, Namens der-«isländischen Delegattonen sprach, ein.norwegischer Sportler den Veranstaltern den.Dank für di« herzliche Aufnahme aus. Auch je ;«in'Vertreter der Finnen, der Schweizer und der ilygarn schloffen sich in kurzen Ansprachen diesem Dttyk'-an.'. Der geschäftsführende Präsident der BASA. Senator M ü l l e r, schloß dann- offiziell die: IÜ. Arbeiter-Winiersport-Olympiadc mit einer . k-'ez'cn Ansprache. Die„Internationale" und«in . dreifaches„Frei Heilt" beschlossen dann die ereignisreichen- Tage- von JohanniSbad, Ein Gruß Masaryks Die Kanzlei des Präsidenten T. G. M a s a r y k übermittelte der Olympiadeleitung in JohanniSbad ein Schreiben, in dem es heißt: - Der Herr Präsident T. G. Masaryk war erfreut durch daS Gedenken, daS ihm die Teilnehmer an d«r feiorlichen Eröffnung Ihrer sportlichen Veranstaltung widmeten.. Er dankt herzlich für den. lieben Gruß und wünscht den Vertretern der ausländischen Sportverbände und unseren Teilnehmern volle- Gelingen. 14. HanS Neußer(Schweiz) 89.8, 41.0, 81.5;. 15. Alois Bitnar(Atus) 88.7, 38.7, 34.4; 16. Wenzel Kofel(Naturfreunde) 88.5,-88.7, 84.6; 17. Ernst Ruedi(Schweiz) 88.2, 34.5, 89.1; 18. Jaroslav Fryauf(DTJ) 87.1, 88.0, 80.7; 19. Miroslav Dohnal(DTJ) 86.8, 40.4, 84.6; 20. Hans Harold (Krankreich) 86.7. 87.4, 87.7;"~■ (Frankreich), 86.5; 22. 77? I Beginn der Sprungläufe auf der großen Schanz«, kam die Sonne noch einmal hervor. Sie schien ans ein einzigartig fch-ne- Bild; auf der Höhe des AblauftnrmS wehten die Fahne der Republik und die rot« Fahne der sozialistischen Bewegung, von der Sprungbühne leuchtete da- Rot der Berklei- düng, rechts und links stand der dunkle Wald,, die Sprungfläche aus dem steifen Hang war«in- gesäumt von gut tausend Menschen. Unten ater waren um den AuSlauf und jenseits der Straße ringS nm die Kirche an dir zehntausend Menschen gruppiert.' Bald war der strahlend blaue Himmel wieder mit einer Wolkendecke überzogen. Beim zweiten Absprung setzte dann wieder hestige» Schneetreiben ein. Der Neuschnee hat sowohl.' di« Leistungen beim Slalomlauf, alS auch di« beim Springen ungünstig beeinflußt. Di« technische Leitung war gezwungen, di« Absprungtühne um einen halben Meter zu senken. Angesichts dieser Widrigkeiten find dir erzielten Sprungleistungen als auSge» zeichnet zu werten. Die besten Springer waren die Norweger und die Finnen, aber auch unsere heimischen Spöttler toten großartig« Leistungen, so vor allem der Jugendliche ESka. auS Westböhmen. DaS. sportliche Ergebnis der Olympiade zeigt den. Arbeiter-Wintersport in.guter- Entwicklung und bestätige, die zu Beginn dieser Leranstältung geäußert« Voräussage. daß die Arbeiter-Wintersport-Olympiade ein sportliche- Ereignis ersten Ränge- werden wird... Wettkämpfe am Sonntag Sprunglauf 1. Trygve Martinsen■(Norwegen) 18.777. 49.50, 58.50,48.50; 2. Ingvar Jversen(Norwegen) 17.667, 58,.41, 44;. 8. Egil Toll«.(Norwegen) 17.444, 52, 48.50, 41; 4. Reidar Hängen(Not. wegen) 15.722, 48, 88, 46; 5. O. Rosendahl(Norwegen) 14.889, 45; 42, 42; 6. Erling Skjonberg (Norwegen) 14.884, 48, 47. 41; 7. Sven Halvorsen(Finnland) 14.111. 89, 40.50, 44; 8. Werner ESka(Attis) 12.889, 84. 89.50. 88.50; 9. Rudi Häk(Atu») 11.778,40.50,- 85.50, 89; 10. Ernst Ruedi(Schweiz) 11.445, 42.50, 85.50, 87; 11. Franz Makk(Ungarn) 11.889, 40.50, 42, 84; 12.. Johann. Urban(AttiS) 11.884 89, 40, 80; 18. Emil Balle(«tu» Mähren) 10.722, 85.50, 85, 84; 14. Werner Schwaar(Schweiz) 10.889, 84, 85.50, 84; 15. Flor. Salvender(«tu») 9798, 42, 86. 41; 16. Willi ESka(AtuS) 9728, 81, 85, 88; 17. Franz Görich(Atu») 9666, 87; 86, 40; 18. Tibor Heit(Ungarn) 9611. 87, 88, 84.50; 19. Josef Sedlak(DTJ) 9111, 29.50, 82, 84;. 20. Jo. bann Held(Atu») 9015, 88.50.,88. 88; ,21'. Hanl Märkki(Schweiz) 8145, 26.50, 85. 81.50..(Die erste Zahl hinter jedem Namen gibt die erzielte» Punkte, die drei folgenden Zahlen geben die gefprun- geenen Weiten an.) Slalomlauf der Sportler 1. Willi«KU,(Schweiz) 100, Werner Schwaar(Schweiz) 99'6, Ingvar Jversen(Norwegen)- 97.8,... Tormod Ruud(Norwegen) 97.8,.82,5, 82.0; Arn« Kaks'rud.(Norwegen) 96.9, 8fi>9, 81.0; ». Albert Körner'(Schweiz) 05.7,'88.6, 82,5; 7; Rudi Häk(AtnS). 95.5, 84.8, 82.1; 8. Audblf Gansel(AttiS) 04.8, 85.2, 82.8; 9. Tibor Seit(Ungarn) 92.8. 85.8, 88.7; 10. Han» Findschi(Schweiz) 91.9. 84,8, 85.6; 11. Ernst Pfeisfer(«tu») 91.8, 84.9. 85.6;.12. Heini Petrasek(AttiS) 91.0,»7-4, 88.4; 18. Bohn» Skoda(DTJ) 90.0, 84.2, 87.6; der Verständigung SdP, Kommunisten, StHbrny . Die. innerhalb der Negierung getroffenen Bereinbarungcn über einige daS LebenSinteressc der Sudetendeuischen betreffenden Fragen haben in dem iiberiviegcnden Teil der Bevülkernng Zu- stimmung gesunden— die Betrachtungen der (Frankreich)"86.7 87.4,'87.7;' 21.^ G° Duürq Presse am Sonntag zeigen cs. Wie stark der Vcr- (Fraiikreich). 86.5; 22. 7 7? 84.1, 41.3, 86-4;! ständigungsgedanke ist; ersieht man daraus, daß 28. Alfred Ühle(AttiS) 83.0, 41.7, 86.7; 28a. An- i weit über die Zeitungeit der Linken und deS poli- ronin Jostfek(DTJ) 88.0, 41-8, 37.1; 24. Stefan.tischen Zentrums hinaus anerkennende Worte für Todorivits(Ungarn) 81.2, 40.6. 40.0; 25. Ladi- daS Werk der Koalition gefunden wurden. Äußer- slav Schmidt(Svaz dkln. turistü) 80.8, 87.7, 43.8;! ordentlich bezeichnend ist die Stellungnahme des aWWWWa^^WMWWWMWWWWW^^^MI! Altführers der Nationaldemokratcn, Dr. Kramär, der ausdrücklich erklärt, die Vereinbarungen vom 18. Feber ohne Protest Hinzunehmen. Die Proteste kommen vielmehr aus einer sonderbar zusaminengewürseltcn Gesellschaft: es sind die Blätter der Herren Henlein, Gottwald und Stlibrnh, welche sich zum Feldzug gegen das Werk der Verständigung zusammeugesuudc» haben und von denen man bei aller Schonung nicht sagen kann, daß ihre Herren und Meister zu den aufbauenden Kräften dieses Landes gehören. Am komischesten nimmt sich das offizielle Organ der Sudetendeutschen Partei, die„Rundschau" aus; Wie die Trompete des Freiherrn von Münchhausen einfriert und erst Töne von sich gibt, i wenn sie wieder austant, so verlangt die„Rundschau" vom 20. Feber',' die deutschen- Regierungsparteien-mögen die Denkschrift veröffeut-' ltchen, die sie dem Ministerpräsidenten überreicht haben-—- während schon das Ergebnis-der-Bet- handlungcn veröffentlicht wird. Das ist ein klassischer Beleg dasür.lvie diese.-Partei der Jungen", der.KlolkSgemeiuschast", die glaubt, ein neues Tempo in die sudetendeutsche Politik gebracht zu haben, hinter den Ereignissen herläüft. Ebenso kläglich ist das Gestammel deS Leitartiklers der „Zeit", der schreibt, daß erst„eine Atmosphäre der aufrichtigen Verständigung hergestellt sein" müsse,„ehe man eine Etappe als das ansehcn kann, was sie sein soll". An dem Wortgeklingel, dem der Begriffsinhalt säst völlig abgeht, merkt man schon, daß der Chefredakteur des Hculein- TagblatteS einen Schlag auf dem Kopse spürte, als man ihm die Kundgebung der Regierung ans den Schreibtisch legte. Ebenso bezeichnend für die Unseriosität der Polemik gegen die getroffenen Vereinbarungen ist die Aeußeruug des Stellvertreters Henleins, des Abg. K. H. Frank, der etwas tadelt, was gar nicht den Tatsachen entspricht, daß nämlich die Kontrolle, der Beteiligung deutscher Unternehmer und Arbeiter an den. staatlichen Investitionen„nur den deutschen Ministern"(und nicht auch Herrn Henlein) auvertraut ist. Die Meldung von dieser angeblichen Kontrolle wurde Von. einem Blatte Samstag verbreitet, in der offiziellen Verlautbarung steht ausdrücklich, daß die Zentralbehörden, also die Regierung, die Kontrolle auSübe». Was soll auch der Vorwurf des Herrn Frank,- daß die stärkere Einstellung von Deutschen in den öffentlichen Dienst leine Wiedergutmachung dessen ist,>vaS die Deutschen in den vergangenen 18% Jahren auf diesem Gebiete etngcbüht Haven? Gibt es denn eine andere Wiedergutmachung als von nun ab Deutsche in grö-. herer Anzahl in den Staatsdienst äufzunehmen? Wie aber die Kritsk deS Herrn Stellvertreters bewußt gewisse Dinge übergeht, zeigt seine Stellungnahme zu den Errungenschaften in der Jugendfürsorge, wo die amtliche Verlautbarung die Betreuung Jugendlicher durch Angehörige desselben Volkes ausdrücklich zusagt. Das alles zeigt doch wohl zur Genüge, daß der Kampf-der SdP gegen das VerständigungSiverk mit einem wenig scharf geschliffenen Schwert geführt wird. Den sudetendeuischen Faschisten gesellen sich hl diesem Kampf die Kommunisten zu, de-:en deutsches.Organ„Die Rote Fahne" von einem „mageren Ergebnis" spricht, wie«s vierspaltig auf der ersten Seite dieses Blattes zu lesen ist.Es «Seite ü DicnStag, 23. Feber 1037 Nr. 46 worden wäre? ES scheint, das; Gottwald mit seiner Pfeif« L la Stalin die RedaktionSräume der „Roten Fahne" so vernebelt hat, datz die Redakteure des Blattes den klaren politischen Blick vollkommen verloren haben. Der Dritte im Bund« der Kämpfer gegen daS Ergebnis der nationalen Verhandlungen ist Herr Etkibrin), dem aber mit zunehmendem Alter und Körperfülle das Temperament ausgegangen ist. Er meint vor allem, datz den Deutschen mehr gegeben werd«, als wozu der Friedensvertrag die Tschechoslowakei verpflichte und daß kein Deutscher dem Tschechen gegenüber ein Vorrecht geniesten dürfe.„Wenn wir in normalen Verhältnissen lebten, fiele unsere Kritik weit schärfer auS" endet der„Nedttnl List" SttlbrnbS seine elegischen Betrachtungen. Auch aus dieser Kritik entnimmt jeder, datz die Kanonen, die da gegen die Koalition aufgefahren werden, niit Blindgängern geladen sind. Der Kaiser Franz Joseph hat einntal von den Jungtschechen- als. einer..„sonderbaren Gesellschaft" gesprochen. Biel eher könnte, man diese» Wort auf die Gesellschaft-aüweiiden> die sich jetzt versammelt,, um die nationalen Vereinbarungen der letzten Tage zu bekäinpfen. Während' die Re- gie'rungSkoalition alles zu vereinen sucht, was dem Lande den nationalen Frieden geben soll, sammeln sich auf der änderen Seit« die ditzparatesten Elemente und versuchen der Bevölkerung einzureden, dqh hier zu. viel oder zv^weisig getan wurde. In Wirklichkeit üben sie nur' Kritik— weil sie nicht dabet gewesen sind. Nicht ehrliche Entriistung, sondern verletzte Eitelkeit spricht aus den Herren Henlein, Gottwald und Sikibrnh.. Und dieser Dreibund der Koalitionsgegner zeigt am besten, datz wir auf dem richtigen Wege sind. Wir sehen in der Verständigung vom 18, Feber nicht das Ende aller nationalen Probleme in der Tschechoslowakei. Wir glauben aber, daß der 18. Feber 1087 eine W e.n d u n g z u m B e s.s e r n werden kann, wenn alle Beteiligten wollen. schen Koalitionsparteien mit diesem zurückhaltenden Kominunlqut nicht abgeschlossen. Es soll vielmehr iur Geiste dieser, Verlautbarung an dem'. Bäu einer Verständigung der beiden Nationen weit« gearbeitet werden."• Die Zeit:„Kein GesinnungSumschwnng der tschechischen Kreise": „Abschließend lästt sich keineswegs als Ergebnis der ersten Etappe ein Gesinnungsumschwung der tschechischen Kreise feststellen. Erst muh eine Atmosphäre der aufrichtigen. Verständigungsbereitschaft hergestellt sein,«he man«ine Etappe als das an» sehen kann, was sie sein soll." Reichender,er Zettun-r„Konkrete Tatsachen, deren Bedeutung nicht mtrrschätzt werden soll": „Abgesehen von formellen Besonderheiten enthält die Regierungserklärung in sachlicher Hinsicht allerdings konkrete Tatsachen, deren Bedeutung nich! unterschätzt werden soll, vorausgesetzt, daß die Regierung auch bei Ausführung der Einzelheiten di« Festigkeit besitzt, die.unumgänglich notwendig sein wird, damit«S nicht bet den bloßen Ankündigungen bleibe. Einen Fortschritt enthält in dieser Richtung der Entschluß, daß alle Organe der Staatsverwaltung bei persönlicher Verantwortung auf di«. Fol gen aufmerksam gemacht werden, di« sich aus der Lußerachllassuyg der alß dienstlicher Auftrag zu wer- tenden Weisungen ergeben würden'."' T a« e S b»t e(Brünn) r„Erfolg der,deutschen Sache": „Es bleibt die Tatsache, daß«Ine Vereinbarung erzielt'wurde, die int Interesse d«S Sudetendeutsch- tum» zu begrüßen ist und«inen Erfolg der deutschen Sache darstellt. Denn«S ist«in Erfolg für uns, daß wir in feierlicher Form Zusagen erhalten, au» deren Gewährung bereit» hervorgeht, daß die Erkenntnis von der Unerläßlichkeit der Beseitigung verschieden« Mißstände bei den Tschechen zugenommen hat." Brüxer Zeitung:„Ein gross« Fort» schritt«: „Einen großen Fortschritt, dessen Wert, jedermann klär sein wird, bildet der Proporz bei der Aufnahme in den Staatsdienst. Hoffentlich wird sein Wert nicht durch Verpflichtungen aufgehoben, die Man umgekehrt den deutschen Sclbstverwaltting-kör- pern für die Aufnahme ihrer Angestellten vorschreibt Auch bi« Sicherheiten, welch« hi« Regierung für die Verwendung der Jnvestitionikredite in den deutschen Notstandsgebieten zu schaffen.entschlossen ist, sind i ein bedeutender. Getvinn für die deutsche Minderheit." Das Echo des Verrtändigungiwerkej Ole deutschen Pressestimmen Deutsche Land»»st:„Erfüllung bestimmter Grundforderungen": „die Kundgebung enthält doch die Zusicherung der Erfüllung bestinunt« Grundforderungen de» Sudetendeutschtums in wirtschaftlicher, soziale» und kultureller Hinsicht und man kann ohne Ueber- treibung und Beschönigung sagen, daß sie eine Ar» Durchführungsverordnung zu dem von Svehla verkündeten Grundsatz der„Gleichen unter Gleichen" ime auch zur Reichenberger Rede des Staatspräsidenten darstellt, zu deren Berivirklichung im Rahmen der Verfassung und der bestehenden Gesetze sich die Regierung auf dem Gebiete der gesamten Staatsführung und der Staatsverwaltung bekennt." Deutsch« Press«:„Richt mehr bloss« Versprechungen": „ES sind wichtigste natlonalpolitische Problem»., deren Lösung erfolgt, es sind nicht mehr bloße Ver- svrechuntzen, sondern einmütige Beschlüsse der Regierung vor d« Oeffentlichkelt de» ganzen Staate» und der ganzen Welt. Da» hier der Staat sich entschlossen hat, den deutschen Bürgern zu geben, da» gibt er gleichzeitig sich, indem er die Verfassung vec- wirklicht»end sie dadurch nuc fester verankert. Nichtsdestoweniger brauchen wir da» Verdienst der Anstrengungen der deutschen Regierungsparteien nicht verkleinern. Auch»nn Gerechtigkeit nmß man in der Welt kämpfen. D««sicherte Erfolg ist deshalb auch wirtlicher Erfolg jener, di« darum gekämpft hat«», lind wenn die Dinge bis zu dem heutigen Punkt,'der ersten Etappe und ihr« Erfüllung nationalpolitisch«» Forderungen geMrt nmrden, bleibt, e» das Verdienst de» deutschen AktiviSmu» im Staate..." BolkSwill«(Karlsbad):„Dererst«wirkliche Friedensschritt": „... der erste wirfliche Friedensschritt auf nationalpoliftschem Gebiete seit der Gründung der Tschechoslowakischen Republik und zugleich der erste allgemein erkennbar« und von niemandem zu leugnend« Erfolg deS deutschen AktiviSmuS." Prager Presse:„Eine schnell«.und«- folgreich« Methode": „Die Resultate der Verhandlungen zeigen, daß ei in der Tschechoslowakei an gutem Willen auf sei» ien der Mehrheit wie auf feiten d«S aktivistischen Teiles der deittschen Minderheit nicht fehlt. Dieser Das Echo der tschechischen Presse Schon vor Jahren Auch in der tschechischen Presse ist die Aufnahme der Ergebnisse der Verhandlungen überwiegend günstig. PräU» Lid«: empfohlen. Die tschechische Sozialdemokratie und dar „Pkävo Lid«" können sich mit Recht darauf berufen, daß sie schon vor Jahren empfohlen haben, e» mögen einige von den Forderungen, welche di« deutschen aktivistischen demokratischen Parteien der Regierung vorgelegt haben, verwirklicht werden. Wir erinnern z. B. nur an unsere Artikel vom Juli 1986, wo wir beantragt, haben, daß in deutschen Gebieten hei öffentliche Arbeiten vor allem örtliche Unternehmer und örtliche Arbeiter beschäftigt w«den, daß die deutschen Bürger in größerem Ausmaße in den öffentlichen Dienst aufgenommen werden, freilich unt« der Bedingung, daß sie sich völlig loyal zum Staat verhalte» und daß sie von. demokratischer Ge- , sinnung sind,.. Von allen Gesichtspunkten au» be- gule Wille ermöglichte«ine schnelle u»»d erfolgreiche Methode zur. gegenseitigen Verständigung und Befriedigung." PragerTagblatt:„Lob den deutsch«» Regl«ung»parteien": „Wenn auch die Einschränkung zu machen ist, daß erst die Art der Durchführung ein endgültiger Urteil erlauben wird, so muß man doch schon heute den deutschen Regierungsparteien Lob dafür zollen, daß sie di« Forderungen formuliert haben, und den tschechischen, dah sie mit Verständnis auf sie einge gangen find.... man seht das Werk nicht herab, wenn man ihm auch nützliche propagandistische Wir kung bcimißt. Es kann dem Staat weiter« Freund: gewinnen, draußen und daheim. Und auch da» wäre ein Gewinn, wenn die Ucberzeugungskraft der dem Programm gemäß durchgeführten Besserungen deut- fche Schichten, di« jetzt noch abseits stehen, näher her anbrächte." Montag:„Massenflucht au»d«SdP steht bevor": „Eine Massenflucht au» d«r SdP steht vwor.i iual, ,.„„„ uueu uu.„„ «kl« Konjunkturisten, di« sich Henlein ang-schw,- itEa^ tet, jst dar Problem der deutschen Minderheit. für unseren Staat ein Problem ersten Ranges. In einem solchen Falle, wie er der unser« ist, gibt er zwei. Lösungen, Enüveder die Minderheit territorial abzuteilen, ihr also die Autonomie zu geben, oder ihren Angehörigen-völlige Gleichberechtigung und ^Parität mtt der Mehcheit zu geben, das heißt, die W tzl öffsättich-n Verwaltung und n. Die Autonomie stellt vom StäNdpüE der Existenz der Tschechoslowakischen Reppblik und.der tschechoslowakischen Nation eine für all« Zeiten'unannehmbar«. Lösung dar, und deshalb 'haben wir schon in unserer' Verfassung den ztveiten > Well beschritten. Diesen Weg werden wir auch weiter gehen. Gefli Slov«t.„Eine der testen Kund, gebimgen d«e Regkrung." Die Regierung antwortete heute auf da» deutsche Memorandum mit einer Erklärung, di« wir unter die besten. Kundgebungen der tschechoflowaki- schen Regierung überhaupt einreihen. Sie ist vollkommen, sowohl in formaler wie in sachlicher Beziehung, ihr Ton ist ernst und'würdig. sen hatten, in der Erwarttnig von Aemtern und Würden, beeilen sich nun, in den Vorzinnnern von Mim« stem und SektionSchefr anzuklopfen, und zu versichern, daß sie niemals mit Henlein und der SdP intime Beziehungen gepflogen hätten; dl« Theaterdirektoren, di« Vorstände und Sekretäre von kulturellen und wissenschaftlichen JMstttutp» errechnen bereits ihren Anteil an den SuRkliUMtentoHlUWae .gen Loyalität deutlich zuoÄkcham'«tÜy'.rÜckmuAon 'allen„politisch belasteten" Elementen ab. Der Pro-, feffor Becking z. B-, der. mit dem„Collegium, vnssi-' cum" soeben ein« Reise nach Deutschland angetre'tertz hat, wäre, wie wir hören, am.liebsten au» dem'Zuge gesprungen, um in Prag nicht» zu versäutnrn, mid um sich nicht den Rang ablaufen zu lassen." Die Rote Fahne:„Ein zu magere» Ergebnis": „Ein zu mageres. Ergebnis... die Stimm« der Kommunistische» Partei wurde nicht gehört..." Bohemia:„Weiter gearbeitet": „Wie allgemein angenommen wird, sind dk Unterhaltungen zwischen den deutschen und tschechi- Lidovt Rovlny: Lob der Regkrung. Es handelt sich darum, daß die Wort« per Verfassung sich mit der Wirlllchkeit decke»». Gelingt dks Werk, wie wir übrigens fest glauben, wird dl« Regierung HodZa» in den Annalen diese».Staates «inen der ehrenvollsten Plätze einnehmen.- Rärodni Osvobozrnk: Gleich« Recht«, gleich« Pflichten. Indem, der Staat allen das gleich« Maß von Pflichten auferlegt, hat er immer auf dem Ständ- punkt gestanden, dqß auch die Rechte gleich sein müssen... Wir wollen nicht, daß in der Republik irgendjemand für den politischen Unernst. seiner Führer büßen muß. Wir wollen, daß. di« Menschen in der Republik zu Hause sind. L i d o v t L i st y: Erfolg der Regierung»- koalttimr. Die.Mdovö Lisch" bringen«ine Aeußerung einer der Führer der Partei, der Abgeordneten Sta- tzek, der gesagt hat: Die bettossene Vereinbarung ist ein bemerkenswerter Erfolg der RegierungSkoalitton. Nach meiner Ansicht wird di« Frucht dieser Vereinbarung«inen großen'Einfluß nicht nur in. der inneren Pollttk, sondern auch auf da» Ausland.haben. B e n k o v: Gegen den Negativismus.' Die Demokratie richtet durch ihre Verfassung, ihren Respekt dem staatbürgerlichem Rechttn und ^NrWlkin".tzc^eiiLv«r,'.'äüih-.lhr'MrhMni»'zü^dili nättönäle'n'Grüppününd'Äänzheiteneim"Die' Demokratte sichert allen Bürgern im Staqt die Freiheit des Geister, die Freiheit der Denken» dem' freien Menschen. Dar ist da» werwollst«, war dieDemökratt« gegenwärtig geben kann,.. Vor der ganzen Welt' können wir demonstrativ von neuem, aufzeigen, daß wir für. die Zusammenarbeit in unserem Land«, alle Opfer bringen, daß wir den Willen und die Absicht ^zu gegenseitiger Verständigung haben und.daß. wir da»' gegenwärtige Berttaucn auf all« auSbrciteu wollen. Dessen müssen sich auch die oppositionellen Elemente bewußt sein und wenn ihr Regattvlimur nicht Selbstzweck sein soll, müssen sie auch bei.ihrem Kritizismus diesen guten Willen anerkennen und müssen.damit.für ihre ferner« Tätigkeit rechnen. 3 Der freund Das wär«r aber keineswegs. Ich weiß jetzt, daß auch er sich zunächst, schon seiner Jugend wegen, gelvcigert hatte, Inspektor zu werden, schließlich aber sich zur Verfügung stellte, als der alte Direktor darauf hintvies, daß eS einfach Pflicht eines der Herren Lehrer wäre, die Veraniwor-, tung auf sich zu nehmen.„Nun gut", soll Neu« strojew gesagt haben,„wenn«S nach Ihrer Ansicht meine Pflicht ist— eS sei; der Pflicht weiche ich nie aus!" Daß er«S gesagt haben konnte, glaube ich, dei»n er tat wirklich alles, waS er für feine Pflicht hielt. DaS ging bei ihm so weit, dah er später— schon als gefürchteter Inspektor und angeblicher Reaktionär schlimmster Art— eine Prostituiert« heiratete, die er, als Student noch, verführt und dadurch auf die fchiefe Bahn geworfen hatte. Als er sie zur Ehefrau nahm, wußte er auf daS bestimmteste, daß manch einer seiner Schüler zu den„Kunden" des Mädchens gezählt hatte— und übersah das einfach.„Ich bin schuld daran", soll er zu ihr gesagt haben. Er hatte sie nach dem Bruch mtt ihr aus den» Gesichtskreis verlieren, wusste nicht, daß ihre Eltern sich an ihr gerächt hatten, statt ihn zur Veranttvortung zu ziehen, traf sie dann zufällig in einem Nachtlokal, nahm sie mit, behielt sie und ließ sich, trotz aller Einwände der Behörde»»nd d«S Kollegiums, mit ihr trauen. Ob er sie.licht«, war zweifelhaft. Ich glaube kaum, daß er zu jener Zeit noch lieben konnte.'Aber sie ist bestimmt an seiner Seite glusklich geworden, denn erstens war er ihre erste Liebe gewesen und zweitens tat er nie wissentlich ein Unrecht,.• Sei»« erste Tat nach der liebernahme de» JnspiktorpostenS war eine„Aussprache" mit den Schüler»», Er rief die älteren Klassen in unsere große Turnhalle, nahm einen Silberrubel in die Hand, krümmte die Finger zusammen, drückte den Rubel ein bißchen, und aus dem. Silberflä» den wurde ein Röllchen. Dann zeigte er e» schweigend den versammelten Jünglingen u»»d erklärte lakonisch:„Wie Sie sehen, bin ich nicht schwach. Ich bitte es zu berücksichtigen. Sie werden am besten fahren, wenn Sie ohne Seitensprüng« Ihr« Pflichten erfüllen. Wir sind hier in der Schule. Wer nicht genug daran hat, daß er Schüler ist, wird die Schul« verlassen müssen." Da» war 1908 oder 1906. Jedenfalls zu einer Zeit, wo es sehr gewagt war, so«ine Rede vor den Zöglingen der höheren Klaffen zu halten. Und olüpohl damals kein Mensch.in Rußland an Rekorde dachte oder überhaupt geneigt war, körperliche Kraft al» etwa» Achtunggebietendes zu betrachten, waren die 1S-. bis 18jährigen Jungen doch Jungen genug, um das Kunststück mit dem Silberubel nach Gebühr zu bewunden». Jugend kann sich noch, so unkörperlich—vergeistigt— gebärden, auch ihre überschwenglich« Geistigleit ist.ja nicht», al» eine Dynamik unverbrauchter— überzähliger— Kräfte de» Körpers. Wir,Jungen fandey, die Gest« des neuen Anfpekwr»„lächerlich", bewunderten sie aber im stillen dennoch. Der beste Beweis dafür ist, daß nichts gegen ihn unternommen würde und datz»nan ihn, obwohl er der gefährlichste Gegner alser unserer erstrebten„Freiheiten" war, stet» achtete. Mir persönlich hat«r manche bstter« Swnde bereitet, er trägt schließlich di« Schuld daran, datz di« Türen der Universitäten in Ruhland mir verschlossen blieben, und ich in» Ausland gehen muhfe, aber auch ich denke heut«, noch mit einer Art jungenhafter Hochachtung an ihn zurück. Beliebt wqr er: natürlich nicht.. Al» der alle Direktor verschwand, und er^Alleinherrscher" wurde, ging er seiner„Pflichterfjillung" strenger als je nach..Es. regnet« Strafen.. In einem Fall« wurde eine halbe Klaffe kurz aus der Schul«, gestoßen, und nur dem Eingriff des. Kreisinspektor» war es zu verdanken, datz dk Entlässeneü— zur Strafe für ein«n Schulstreich— nicht auch noch „Wolfrlarten"' empfingen, das heißt. Zeugnisse, mtt denen sie in. keine andere Schule Rußland» ausgenommen werden durften. Wir hatten ihn „satt".— Nun wußten wir— durch die Söhne der Lehrer—, daß der neue Direkwr ehemaliger Offizier war. Wir koinbinierkn:„Er hat«inen Ekel vor diesem Blutdienst bekommen, er will da» Böse in seinem bisherigen Leben wieder gutmachen. Tolstoj war auch Offizier. Wenn er bloß schneller kommen wollte, damit wir endlich aufatmen I". Ich mutz''unwillkürlich darüber lächeln, wk wir damals schon all« Erscheinungen zu. kläfft» sizieren, stets in. di« bekannten Fächer unserer unreifen Erkenntnis einzuordnen suchten! Ossi« zier, der zur, Schule überging—, also Tolstoj- jünger! Wie wenig kannten wir Llotstoj! Und wie unmöglich, war unsere Einstellung zu den Menschen überhaupt!., Jedenfalls war. die Nachricht von. dpi Erkrankung des neuen Direktors uns recht., stNgN« genehm gewesen. Schüler, die«tster Strafe ent- gegensahen und auf sein Kommen, gehofft hätten, senkten,den Hopf. Der Inspektor schien.triumphierend in den rötlichen Schnurrbart- hineinzümHlln. Die Lehrer waren glttchsäw zerstreut. Die Kame- raden nicht" minder. Mer am nächsten Morgen war, d»r neue Direkwr wie«in Plötzlicher Gewitter bereits da. , Als ich an, djesfm für mich so denkwürdigen Schultage, meinen Manie!. äbgeltgt hgttti üiid zu meinem Kläffenzimmer HInaufging. däS eine Drehpe höhep,. lag., Mb.'ichaüf dgy spöttisch kachelnden Inspektor,.oev mit«tNW grotzen. Tagebuch,unter dem.linlin Arm nchen«meß» in Be» auttenuniform,.gekleideten' wohlbeleibten' Herrn, gingi etwas.halblaut berichtet«—- das ist die rich tige Bezeichnung der Art,'in der er in diesem Augenblick sprach, mir fiel daS-auf— und wie stets halb in die vörbeigehenden Schüler hinein, halb an ihnen vorbelblickte. DaS war so fein besonders Hinsehen, von dem man nie wicht«, ob eS«Inen durchschaute, oder überhaupt nicht wahrnahm.' Ich blieb— wie eS sich gehörte— stehen, machte«inen. Krahsuh. und wollte weitergehen, um, dem Grün der Jnspektoraugen unausgesetzt, den fremden Herrn wenigsten» von hinten richtig in Augenschein zu nehmen. Aber kaum hatte ich die Hacken zusawmengeführt, als der Unbekannte erstaunt die Bräuen hochzog und zu mir gewandt äüSstiitz:«WaS haben Sie denn, da für Schuhe an?"-»r.i, ; Ich sah-—etwas verwirrt— hinunter,, dann Wieder auf— bcth Frage gerade ins Gesicht und erwiderte wahrheitsgemäß:„Braune".' Upd hier hatte der Gang Gelegenheit, ziiP ersten Malt- der»nächtigen Stimme des neuen Herrn'im Hause zu lätlfchen. Später sagts mir mein Ehemielehttr, der entschieden seinen Beruf verfehlt, hatte und lieber parmixer hätte werden sollen, daß„Seine- Hochwohlgeboren so schreit, weil es, wie er behauptet, sein«.Verdauung fördert". Dar wär gewiß auch«in SdattdpÜnft. Aber btt ünsticer ersten Begegnung wußte ich«8»uidj nicht. Ich stand da in'der vorschriftsmäßigen Müs«, mit der Büchermappe unter dein Arüh- tat- sächlich in braunen Schuhen, da ich für die Füß» httliidung-in''dieser Farbe fett jeher ein« klöiNe Schwäche empfand, und, ich wußte nicht recht,-'ob ich staunen öder mich, ärgern sollt«.— ,' ist däs für eine dumme Aüttiiört?! Ich seht selbst, daß Hhre Schuhe" braun sind. Da» ist ,«».Ich! Richt, ordnungsgemäß W Sie! Wer bat Ihnen erlaubt, in bräunen Schühen'zur Schule z»i kommen? Was hUen wir jetzt fstr'Mm Monat? Wer trägt, dennifn Februar braune Schuhe? Wie? Antworten Sie!.Rehen Sie Endlich I Wie?" 1(Fortsetzung söM),. Nr. 4.8 DicnStag, 23. Feber 1937 Seite 3 Wenn sie glauben ,daß man da» Problem der Zusammenarbeit der Nationen in der Tschechoslowakei nicht administrativ regeln kann, dann übersehen sie, daß die Verwaltung Im tägliche» Verkehr mit dem Leben der Menschen Ist und daß da» Verhältnis de» gegenseitigen Vertrauen» zwischen der öffentlichen Verwaltung und der Bewohnerschaft die einzige, gesunde Quelle jeder tatsächlichen Vertiefung ist.■' Närodnt Politika:„Zweiseitige Verpflichtung." Un», die wir un» nicht zufrieden gegeben haben mit der kritiklosen Zustimmung zu den Forderungen der deutschen Regierungsparteien, sondern di« wir mit vollem Recht darauf hinwiesen, daß die deutschen Minderheiten keinen Bruchteil von dem, wa» sie selbst vom Staat haben oder lva» sie anstreben, gegenüber den Angehörigen der StaatSnation dort nicht erfüllt haben, wo sie.die Macht baden, handelt e» sich um die zweiseitige B e r p f l i ch- t u n g.. ft t n ui n r in den„Rärödni Lisch": Ohne Protest.■‘ In den„Närodnt Lisch" schreibt Kramäk: Ich fürchte mich nicht zuzugestehen, daß die Verhandlungen eigentlich die'Pflicht der' tschechisch-deutschen Koalition waren,' sotveit sie eine Verminderung^' der strittigen Fragen, und die Beseitigung überflüssiger Härten—- allerdings auf beiden Seiten— bedeuten sollen... Wir tschechischen Nationalisten schauen ohne Protest auf die Versuche einer Vereinbarung der deutschen Aktivisten mit den tschechischen Koali- tio.n»parteien, auf den Versuch, der Minderung gewisser Härten, die zum größten. Teil au» dem ur- sprünglichcn negativen Standpunkt der Deutschen zu diesem Staate hervorgerufen wurden und wir wollen nur, daß man nicht auf die noch größeren Härten vergeffe, welche unsere Menschen seitens der Deutschen dort sifhlen, wo diese die Herren sind. Die deutschen Minister bei Benei Prag. Der Präsident der Republik, Doktor Eduard Benes, lud Montag, den 22..d. M., den Minister für öffentliches Gesundheitswesen Doktor Ludwig Czech, den Minister' Dr. Kranz S p i n a und den Minister Erwin Z a j i i e I zum Mittagessen zu sich. Franc-Anleihe unterzeichnet Paris. Montag um 19 Nhr wurde im französischen Finanzministerium das Abkommen über die französische Staatsgarantie für die tschechoslowakische Anleihe in Höhe von 600 Millionen Kranes unterzeichnet. Die Unterzeichnung nahm Vincent A u riol, für die tschechoslowakische Regierung, Gesandter,Dr. O s u s'l tz vor. DaSEr- trägnis.Ler-Anleiheiivixd.ziir.Rückzahlung von S2 von der französischen. Regierung garantierten ÜM zum 1. April 1937 rückzahlbaren Anweisungen der tschechoslowakischen Anleihe vom Jahre 1932 verwendet. Der Warenaustausch mit Rumänien. Nach Schluß der Tagung des WirtschastsrateS der Kleinen Entente wurden- Verhandlungen über den Warenaustausch zwischen der Tschechoslowakei und Rumänien angeknüpft. ES handelt sich insbesondere um die Regelung des Ausfuhrplanes tschechoslowakischer Waren nach Rumäniens Bei dieser Gelegenheit werden auch die Grunds ätze d«S ZahlungSverkehreS durchberaten werdens die später zwischen den Vertretern der beiden Zettelbanken werden zuende geführt werden.. Kampftage In Weill Das waren Tage der Wunder und der Schönheit, die OlYMpiadetage in Johannisbad l Die Berge im Reiche Rübezahls prangten in Hellem Weiß,"in dichten Flocken fiel der Schnee. ES war, als ob sich die Natur gerade für da» Fest der Armen hätte besonders schön machen wollen, 'um sie' zu entschädigen für viele Entbehrungen, die sie sonst tragen müssen! um sie zü belohnen für den Opfermut, der sie den weiten Weg aus oen Hütten des Erzgebirges, des BöhmerwaldcS, der Jserberge und aus dem Innern der Republik zurücklegen ließ.- Am ersten Tage spannte sich blauer Himmel über da» weiße Land und seltsam vermischte sich-seine Karbe mit der blendenden Helle deS Schnees und dem Dunkel der Wälder. Am Abend aber begann es Schnee zu schütten, und das dauerte dann bi», zum Sonntag, Wunder über Wunderum Tage: Wie die Sonne-ihren Stand verändert, verändert..sich die Verteilung des Lichtes,»vaiideln sich.die Stimmungen..Ein« Welt, vcs Märchen» aber^war Johannisbad am Abend, wenn. di«. Sportler nicht, mehr ist dichten . Scharen die- Straßen bevölkerten und da» frohe Lachen der Mädchen nicht mehr von allen Seiten erklang: alle Laute.tönten gedämpfter,.der Wald ragte dunkler empor und e» schien,.'al», seien die .Quelle alle». Schweigen». Schrjttman aber allein hindurch, dann hörte man.wohl,'daß-die Zwiesprache der Bäume kni schwachen Abendwind .fortdauerte,, manchmal,- übertönt von. dem Ge« räusch, das das Fällen der,Flocken verursachte. Ilnd. auf den'Hangen, und im Tal blühten hif Lichter der Siedlung, manchmal' ganz verdeckt durch'den Vorhang, den der fallende Schnee bildet«..,Und,mam sah,, wie der. dssukie Wald, doch giiHt einförmig dunkel ist: die Bapmgrüphen im Vordergrund höben sich, schärfer von der. fernen Lichtquelle ab, al» das bizarre.-Gebilde'von Strauch und Schnee, das sich-einige Schritte fudetendeutscfter Zeitspielen Die Aufgaben der sudetendeutrchen Sozialdemokratie Eine Rede Siegfried Taubs Auf der Trautenaucr KreiSkonscrcnz der Deutschen Sozialdemokraten, die im Rahmen der Wintersport-Olympiade in Johannisbad tagte, hielt' der Generalsekretär der Partei, Abgeordneter Siegfried Taub, eine große politische Red?, jn der er u. a. auSführtc: -Die. Kriegsgefahr Die heutige Situation läßt keinerlei Schlüsse auf die politische. Entwicklung zu. Der eben abgeschlossene NichteinmischungSvertrag in der spanischen Frage, ist keine Gewähr dafür, daß die faschistischen Länder die UMerstützung ihrer spanischen Freunde wirklich einstellen werden. Dazu kommt, daß die Rüstungen in einem Maße gestiegen sind, da» den Ausbruch eines kriegerischen'Konfliktes-befürchten läßt. Da» sogenannte deutsche Wirtschaftswunder ist in Wirklichkeit eine Quelle der Ilnsicherhoit. Auch dem Nationalsozialismus wohlwollend gegenüberstehende Kenner der Verhältnisse'sind der Meinung, daß die deutsche WirtlchaftSeniwicklung eine Verschleuderung der wirtschaftlichen Substanz in sich schließt und Spannungen erzeugt, die sich'über kurz oder lang nach innen oder nach außen entladen werden. Heute ist Deutschland wirtschaftlich abgeschlossen-und auch England scheint den Weg zur Vernunft gefunden zu haben.. Es steht nunmehr der nationalsozialistischen Diktatur eindeutig ablehnend gegenüber. Ter erfreulichen Entwicklung der englischen Politik gesellt sich die erfolgreiche Politik der Regierung Aon Blum», eine Politik des Friedens und des demokratischen Fortschritts. Kommunistische Wandlungen Bei un» haben wir scheinbar eine grundlegende Wandlung der Kommunisten zu verzeichnen. Wer die letzte Rede des kommunistischen Abgeordneten Kotzeekp liest, wird sich sagen, daß er an Patriotismus alle Patrioten übertroffen hat. Aber dieses patriotische Bekenntnis Kopeckys ist ebensowenig-aufrichtig wie die ganze bisherige. Politik der KPE. Wenn de Kommunisten vor zivei oder drei Fahren die von Kopcckp geäußerte Gesinnung praktisch getätigt hätten, statt un». die wirklichen Verteidiger der Demokratie, ob unserer Haltung deS Klafsenverrats zu bezichtigen, dann wäre cs weder zu einer so weitgehenden Förderung der Hen» leinbctvegung durch die tschechisch-bürgerlichen Parteien gekommen: noch zu dem großen Wahlsieg der SdP am 1». Mai. 1985.. Taub kam dann auf die Entwicklung dec Diktaturen zu sprechen und stellte in den Mittelpunkt feiner Betrachtung- die folgende» Äeußerungen aus einer kurz nach' dem russischen Umsturz' erschienenen Broschüre Rosa Luxemburgs: Gewiß, jede demokratische Institution hat ihre Schranken-und Mängel, was sie wohl mit sämtlichen menfchlichen Institutionen teilt. Nur ist da- Heilmittel, da» Trotzki und Lenin gefunden: Die Beseitigung der Demokratie überhaupt, noch schlimmer al» da» liebel, dem e» steuern soll: es verschüttet nämlich den lebendige« Quell selbst, ans dem heran- alle angeborenen Unzulänglichkeiten der sozialen Institutionen allein korrigiert werden können: das aktive, ungehemmte.energische politische Lebe« der breitesten Bolk-maffen. Rur Erfahrung ist imstande, zu korrigieren und neue Wege zu eröfsnen. Nur ungehemmt schäumende»- Leben verfällt ans tausend neue Formen, Improvisationen, erhält schöpferische Kraft, korrigiert selbst alle Fehlgriffe, Da» öffentliche Leben der Staaten mit beschränkter Freiheit ist eben deshalb so dürftig, so armselig, so schematisch, so unfruchtbar, weis r» sich durch Ausschließung der Demokratie die lebendigen Quelle» allen geistigen Reichtums und Fortschritte» absperrt. Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei— mögen sie noch Rechte die siegreiche Norwegerin Moosen so zahlreich sein— ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freheit de» Ander»denkenden. Richt wegen de» Fanatismus der„Gerechtigkeit", sondern, weil all da» Belehrende, Heilsame nnd.Meüiigeuve der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die„Freiheit" ziin: Privilegium wird. Dekret, diktatorische Gewalt der Fabrikaufsehdr, drakonische Strafen, Schreckensherrschaft, da« sind alle- Mittel, di« die Wiedergeburt verhindern.- Ter einzig« Weg zu dieser Wiedergeburt ist die Schule de- öffentlichen Leben» selbst,»meingeschränkte breiteste Demokratie, öffentliche Meinung. Gerade die Schreckensherrschaft demoralisiert. Fällt das alles weg, wa» bleibt in Wirklichkeit? Lenin und Trotzki haben an Stelle der aus allgemeine« Bolk-wahlrn hervorgegangenc« Bertretung-körperfchaftm die Sowjet» al» die einzige wahre Vertretung der arbei- tenden Blassen hingestellt. Aber mit dem Erdrücke» de» politischer: Leben» im ganz««: Lande muß auch daS Leben in den Sowjet» immer mehr erlahmen. Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Brest- und Bersammlnngssreihcit, freien AlcinungSkampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird znm Scheinleben, in der die Bürokratie allein da» tätige Element bleibt. Diesem Gesetz entzieht sich niemand. Da» öffentliche Leben schläft allmählich «In,«snsge Dutzend Parteiführer von unerschöpflicher Energie und grenzenlosem Idealismus dirigieren und regieren, unter ihnen leihet in Wirklichkeit ein Dützend hervorrägender Köpfe, und''eine' Elite der Arbeiterschaft wird von Feit zu Zeit za Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zn klatschen, vorgelegtrn Resolutionen einstimmig zuznstimmen, im Grunde als» eine Eliquernwirtschalt —«ine Diktatur allerdings, aber nicht die DIltatur de» Proletariats, sondern die Diktatur einer Sandvoll Politiker... Ja noch weiter: solche Zustände müssen eine Verwilderung de» öffentlichen Leien« zeitigen, Attentate, Griselerschießnngen«sw. Die geniale Prophezeiung Rosa Luxemburgs ist in jedem Punkte eingetroffen. Ole Arbeit der sudetendeutsche" Demokratie Wir haben die Äeußerungen de» Staatspräsidenten in LIeichenbcrg und die Bemühungen Hodiias um eine Verständigung in den nationalen Fragen mit Die beste Jngendmannschaft des ATUS(Bärringen) Ganz Unks der Sportspringer Eska weiter vor das Auge schob. Seltsame Schattierungen des Dunkels, die- die Seele licht machen, daß man-ergriffen siebt und schweigend I Nichts friedvolleres kann es geben als. diesen abendlichen Winterwald mit seiner tönenden Stille! Man erinnert sich, wie man vor fünfundzwanzig, dreißig Jähren-, als Arbeiterkind den Wintersport erlebte. Die Mutter hatte unter schwere» Opfern einen Schlitten gekauft, den sic durch-den Weihnachtsmann bringen ließ: Es war viel Streit um das kleine Ding in der vielköpfigen Familie: alle sechs Kinder wollten auf ein» mal fahren, aber nur zwei hatten Platz. Schließlich hielt man es nicht lange aus, He. Kleider waren allzu fadenscheinig und der Mte Wind ließ die Glieder erstarren: Die nächste.Garnitur durfte fahren.: bis auch sie halb erfroren war. Von der. Wohnung konnte man nicht weit Weggehen- und mit Scheu und Bewunderung sahen wir Kinder hie und da den Freund des verstorbenen großen.-Bruders- zu Besuch kommen, der eine, große Skifahrt hinter sich hatte und sickl in unserer-Wohnung die Ohren wärmte. Wie konnte May-nur-solange im Wglde-bleiben in Schnee und Winj>I Und wir Kinder feierten den Besucher. al» Helden, aber manchmal glaubten wir den Behauptungen der-Mutter, die meinte, er sei ein wenig /verrückt.' Jener Freund war das Kind gutgestcllter Leute; wie hätten wir damals glauben können, daß Arbeit e.r k i n d e r einmal daran denken werden, sich die winterlichen Berge zu erobernl Und heute'ist der Wintersport unter dei». Arbeitern eine-Selbstverständlichkeit. Ebensy- vielejnngcMenschen, die nych vor fünfundzwanzig Jahren.kein- anderes Vergnüge» kannten, als sich auf Pallen und Tanzkränzchen zu betrinken und.-gesundheitlich zugrunde zu richten,'-stählen heute ihr«» Körsser in freier Winterlust, kämpfen iss.edlem Wettstreit um die besten sportliche» Leistungen. Wiegroßartig ist der Weg, den die Ar beiterschaft in den letzten Jahren' zurückgelegt hat! Darauf sind wir stolz, dies ist eine Verheißung für den Befreiungskampf der- Arbeiter überhaupt. 4 Sud) der Arbeitersportler freut sich an gro- ßcn sportlichen Leistungen. Auch er ist bemüht, die besten Zeiten und die größten Weiten zu erzielen. Aber er ist frei'von Neid und von Eifersucht.- Daß die ausländischen Gäste die besten Er-- gebnrsse mit nachhause nehmen konnten, das freute unsere Genossen ebenso als hätten sie diese selbst-errungen. Bei- der. Olympiade der bürgerlichen Welt hat man manchmal etwas von Schie- bungen munkeln hören. Bei der Arbeiter-Winter- Sport-Olympiade gab es dies nicht. Hier entschieden Geschicklichkeit und Können, Hier lockten keine Prämien, hier drückte nicht das nationale Prestige' den Sport zu unfairem Kampf. Die Freude aller war gleich groß, wer immer auch siegt«. Ja cS kann gesagt werden, daß die Freude geringer gewesen iväre, wenn die ausländischen Freunde, nach ihrem großen. Aufwand von Zeit, Kraft.und Geld mit unbefriedigenden- Ergebnisse» hätten-nach Hause gehen müssen.-Sie waren mit bollem Recht die erkorenen Lieblinge der ganzen Olympiade! ..'---- 4 - Der Wettkampf'unserer.heimischen Sportler -zeigt«-aber auch eine'lehrreiche Erscheinung. ES ^.fehlte-wxder an Geschick- noch an Wllen, noch an Mut. Wer aber objektiv-beobachtete, und die wohl- P,«nährten-Körper der' skandinavischen Sportler mit'jenen-aus unseren». Lande-verglich, der konnte nur sagen; daß die WirtschastSkrise keineswegs an-unseren Menschen voriibe.rgegangen ist. Wer'weiß,-wie unsere Arbeiter uitd-Arbeitslose in diesen Jahren-leben-mußten- Md-heute noch leben müssen,- der wird, die-von ihnen erzielten -Ergebnisse-ganz- besonders zü' werten- vermögen, Was ein Skandinavier-im Durchschnitt zum Frühstück verzehrt, davon leben bei uns-,, die Menschen meist den ganzen Tag, Das. soll weder eine Entschuldigung, noch: ein Vorwurf sein;..den gleichen Lebensstandard, wie ihn-die skanouia- vischen Arbeiter haben, für unsere gesamte Arbeiterbewegung zu erkämpfen, das ist unser Ziel und unsere Aufgabe. Der Arbeitersport, der in erster Linie der körperlichen Ertüchtigung dient, hat in diesem Kampf eine wichtige Mission zu erfüllen. 4 In einem geräumigen Saal, der für die zahlreichen Delegierten und-Gäste zu eng wurde, tagte während der beiden letzten Olympiadetage die Kreiskonserenz der sozialdemokratischen Parte». Es war eii» Wagnis, eine ernste Arbeitertagnng in eine so große Sportveranstaltung einzuglie- dern. Aber wer annehmen sollte, daß sich unsere ostböhmischcn Vertrauensinänner durch die interessanten. Darbietungen der Olympiade ablenken ließen, der kennt sie schlecht. Mit angespannten» Ernst folgte» sie den Verhandlungen. Der Kreissekretär K r e j L i stellte in temperamentvollen Ausführungen mit Vorbedacht das trockene Thema der Organisation ii» den Mittelpunlt. Voraussetzung für jede»» politische»» Fortschritt und Erfolg ist die Sammlung der Arbeiter-in einer schlagfertigen Organisation. Das ist auch die Hesse Antwort auf die Demagogie der Henleinleute. Die Kreisorganisation Trautenau hat diese verhoi- hungsvolle. Antwort gegeben': im Jahre 1086 würden- über 1009 neue Parteimitglieder- gelvon- men.-'So ist es richtig und so soll cs auch in der Zukunft fein. Eine Loknlorganisation(Jungbuchs hat binnen weniger Tage 100, ein einziger Funktionär'(der Vertrauensmann des Bezirkes Ar- nau), allein über 100 neue Mitkämpfer geworben. Ein'besonderes Erlebnis war-der Konferenz beschieden: In der Mitte der ostböhmischen Vertrauensmänner erschiei» der Minister für sozial« Seite 4 DlenSta», SS. Set» 1037 Nr. 4» « schwächen. Beim Friseur und in der-Drogerie sprach man davon, datz man über den Besuch enttäuscht sei und daß auch die geschäftlichen Erwartungen nicht erfüllt werden. ES mutzte erst der Sonntag kommen und mit ihm der endlose Sjrom der Besucheri der sich durch die Stratzen des Ortes wälzte, die Tausende aus dem Trautenauer Bezirk, aus Prag und den anderen Teilen unseres Landes, um die Henleinleute zum Schweigen zu bringen. Manchen von ihnen soll das freche Maul vor Staunen osfengeblteben sein. Gemeinde und Kurverwaltung aber befleihigten sich,. was gern anerkannt werden soll, eines vorbildlichen Entgegenkommens. Diese Stellen wüßten den gewaltigen propagandistischen Wert, den die Olympiade für Johannisbad bedeutet, richtig einzuschähen. Entgegenkommend in jeder Hinsicht war auch die Mehrheit der Besitzer der Hotels und Kurhäuser. Die sozialistische Arbeiterschaft unseres Landes ist in den lebten Jahren um vieles ärmer geworden- Di« Niederwerfung der'deutschen und österreichischen Arbeiterbewegung durch den Fä« schiSmuS beraubte sie. nicht nur der kräftigen Stistze, die sie in ihnen besaß, der faschistisch« Wäll isftsittt sie gleichzeitig aych in«ineisi hohen Mähe von der Arbeiterbewegung der Demokratien des Westens und des Nordend. Di« Teilnahme an einer gewaltigen internaiioüälen Manifestation ist unseren Arbeitern daher heute viel schwerer möglich, als in früheren- Jahren. Die älteren Axbchchr unter uns weichen aber immer von den gewqltigen Kundgebungen der Jnterya- tionale in Wien» ist Leipzig und Nürnberg zehren können. Unserer Heranwachsenden jungen Generation aber fehlt dtzseS Erlebnis her lebenden Kraft der Internationale zur Gänze. Darum wär es so ungemein wichtig, dsttz die Wintersport» Olympiade gerade in unserem Lande stäjtfand. So wurde es möglich: datz wenigstens ein Teil der jungen sozialistischen Arbeitergeneration unseres Staates einig« Stunden mit norwegischen, finnischen, ungarischen, schweizerischen und belgischen Arbeitern beisammen sein konnte, um zu empfinden, datz der Gedanke der Internationale sticht, eine leere Phrase, sondern eine starke Wirklichleit ist. Die International« mutz man erlebt haben, um sie zu verstehen. Datz dies möglich wurde, dafür danken wir der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Jniernationale vor allem um unserer jungenGenoffen willen. Und uil- ser hochbetagter Freund Joachim H e i n z« l aus Halbstadt hatte recht, datz er, als er sah, datz der grohe Raum der Kurhalle die vielen Teilnehmer für den Festabend nicht fasten konnte, seinen Platz eine'. jungen einräumte und sagte:»Ich habe solche Kundgebungen schon ost miterlebt, heute soll sie an meiner Stelle ein junger Genoste erleben", wenngleich wir Misten, datz die grohe Manifestation auch^dem Kämpferherz dieses treuen Achtzigers recht wohlgetan hätte. - Datz daneben auch unsere engere tschechoslowakische sozialistische Internationale nicht zu kurz kam, sei freudig registriert. Alle Redner wärest bemüht, deutsch und tschechisch zu sprechen und mit ihnen auch die vielen tausenden Olympiade- gäst«. Und wenn der Senatspräsident Soukup als würdiger Pertreter der Sozialistischen Arbeiter-Internationale gleich in‘ vier Sprachest— tschechisch, deutsch, französisch und Polstisch— sprach, so entflammte er damit nicht nutz immer auf» Neue seine dankbaren Zuhörer, er wurde von so manchem auch um seine Fähigkeit, sich mit sp vielen Völkern in ihrer Muttersprache verständigest zu können, beneidet. Das erste Todesurteil wesen Mllltärverrates Prag. Amtlich wird gemeldet: Unter Vorsitz des Oberstes: des Justizdienstes Karl S ä r»- l i m begann Montag früh beim DiviflonSgericht in Prag der Prozeß gegen de» StdbSrottineister Josef K r e j z a wegen des verbrechens des Militärverrate« nach 8 S, Abs. S de» Gesetze» znm Schutz der Republik. Um 17 Uhr wurde daS Urteil geftUt, womit StabSrottmeister Josef K r r j z a der Anklage gr- mätz schuldig erkannt und außer’ der Degradierung, dem Verlust der bürgerlichen Rechte und der Ausstoßung a«S dem Heere»umTodednrch den Strang verurteilt wurde. Die Anklage vertrat der Oberstleutnant de« Justizdienstes Dr. Bohumil Benääek. Fürsorge, Jng. N e L a 8. Er kam nicht nur auf einige Augenblicke, um«inen freundlichen Grutz zu entbieten, er kam als R«f« r e n t, um seinen deutschen Genossen aus der Fülle seiner Erfahrungen und Kenntnisse über die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse zu berichten. Jeder, der diesen prächtigen, warmfiihlenden Menschen, diesen leidenschaftlichen Sozialisten, diesen glühenden Idealisten und tühlabwägenden Sachbearbeiter hörte, der mutzte sich ihm und seiner Partei aufs herzlichste verbunden fühlen. Wenn NeiaS audführte:»Ich möchte nicht einen Tag"länger Sozialminister bleiben, wenn ich nicht in voller Gerechtigkeit wirken könnte", so Wertei« dies seder als ein aufrichtiges Bekenntnis. Immer wieder, während NeLaS sprach, slamutte die Begeisterung unserer schwerblütigen ostböhmischen Genossen empor, Immer wieder kgm das Gefühl der innigen Verbundenheit mit der tschechoslowakischen Bruderpartei und ihrem Repräsentanten zum Ausdruck. Fünf Hinauswürfe in dar Brünner SdP Herr Jonik ml sieh wieder bemühen Die Brünner SdP-Leitung unternimmt in einem Flugblatt den Versuch, ihr Borgehen gegen die vier Oppositionellen Ztentel, He« in v l a, G i n z l und Gutwilinger, die au» der Mitgliederliste„gestrichen* wurden, und gegen Karl Damm, der als angeblicher Verfaster eine» Flugblatt«» gegen die Leitung ausdrücklich au» der Partei„ausgeschlossen" wurde, zu rechtfertigen und die Leute bei der Arbeiterschaft zu diskreditieren. Das SdP- Flugblatt ist ziemlich schwach und" widerlegt kaum die von der Opposition erhobenen Anschuldigungen. Für Dienstag hat die offizielle Leitung eine auf ihre Mitglieder beschränkte Versammlung einberufen. Es wird u. a. wieder der Generalsekretär Dr. I o n a k austreten. Datz dieser Herr schon wieder nach Brünn bemüht wird, käht darauf schliehen, datz eS dort wirklich drunter uns drüber geht. Die Opposition hat für F r e t t a g «Ine Versammlung«inberufen. Colin RoB als Zeuge Herr ColinRotz, dem«S verwihrt wurde, im füdetendeutschen Gebiet den Natiönal- sozialismus getamt zu propagieren, zieht ausgerechnet iN der„B o h e m i a" Wege» unserer Bemerkungen über ihn gegen-uns zu Felde., Diese „Rechtfertigung" ist wohl da» bisher übelste Produkt au» der Feder diese» so begabten Mannes. Er gibt ihm die lleberschrist„Dr. I. Deutsch als Zeuge" und will so den Eindruck erwecken, datz Deutsch gegen die Gesinnung de» Eolin Rotz nicht» einzuwendcn habe. ES.lohnt nicht,, diesen albernen Versuch kritisch zu würdigen. Nur dies«ine sei gesagt: Für den gesinnungSmätzigen und chärakter- lichen Abstieg des Herm Colin Roh haben wir einen Zeugen, den kein anständiger Mensch übersehen kann, obwohl jeder für ihn nur Verachtung übrig hat: nämlich Herrn Colin Rotz selbst und seine schriftstellerische Arbeit au»«dr letzten Zeit. Mit keiner Zeile hat er in seiner „Rechtfertigung" bestritten, datz er zum journalistischen Diener der Franco-Soldateska abgesunken ist und datz er seine„Argumente" gegen die spanischen Freiheitshelden aus der faschistischen Goffe schöpfte. Ünd dieser. Mann wollte im sudetendeutschen Gebiet Borträge über S p a- n i e n halten I Dieser Rann preist sich als objektiv und anständig anl Datz er«r in ver „B o h e m i a"tat, läßt ihn in n o ch ungünstigerem Lichte erscheinen. « Zum Fall Colin Rotz schreibt uns«in Leser autzerdem: Die Ausführungen von Colin. Rotz in der SonntagSnummer der.Bohemia" bestätigen, wie recht die sozialdemokratische Preffe mit ihrer Warnung gehabt hat. ES ist die alte und bewährt« Walze, die den arglosen Leser dumm mache» soll, wenn sich Colin Roh al» guter Europäer, der angeblich nicht Nationalsozialist ist, vvr- stellt. Al» ob man in Deutschland bei der heutigen Organisation jemanden im Ausland Über europäische Dinge reden laffen würde, der n i ch t dem Hitler-System verbunden und hörig ist! Aber man hält absichtlich diese Zweiteilung de» Staatsbürger» und angeblich unabhängigen Schriftstellers aufrecht, iveil man ja schließlich nicht Herrn Streicher oder Herrn Rosenberg schicken kann. Herr Colin Roh hat viele Wandlungen durchgemacht, und wenn er jetzt in der „Bohemia" stolz erzählt, wie er 1918 dazu geholfen habe, die Durchführung einer höchst bescheidenen Revolution zu verhindern, so tut dr da» heute, um«inen. Nachweis für Herrn Hitler zu haben, wie reaktionär und faschistisch er bereits damal» gewesen ist. Er hat also entweder 1918 die Menschen, die. ihn, den ehemaligen Offizier,, zum Vertrauensmann.wählten, verraten, oder er hat seine damaligen Absichten heute in» Geg-n- teil umgedeutet, um weiter seine guten Einnahmen in Deutschland zu behalten. Herr Rotz, ein Ullstein-Verwandter, der Ullstein alle» verdankt, hat zusehen können, wie seine Verwandten," Arbeitgeber und alle, die ihm geholfen haben, die „Weltmarke" zu werden, brottö» oder vertrieben wurden, und ist nach wie vor nicht nur in Deutschland geblieben, sondern er glaubt, daß cs zwischen dem BernichtungSwillen Deutschlands und dem Übrigen Europa eine Verständigung geben kann. Er tritt unter der MaSke„guter Europäer" auf und ist dadurch ein schlimmerer Neues PostamtsgeMude in Bodenbach Sozialdemokratin sichern den deutschen Arbeitsplan Für das Jahr 1987 wurde von. der Stadt verwaltung Bodenbachs eine Reihe öffentlicher Arbeiten gesichert. Die Wintermonate wurden da zu benützt, um ein großzügiges Arbeitsprogramm technisch vorzubereiten und finanziell zu sichern. In diesem Programm befindet sich auch die Er bauung eine» neuen Posta in tSgebäu- d e S. Die Schlutzverhandlungen mit den Vertre tern der Postdirektion und des PostministeriumS in Prag fanden am vergangenen Frei tag in Bodenbach statt. Die Stadtgemelnde Bo denbach stellt dem Staate lastenfrei ein Grund stück in unmittelbarer Näh« des Bahnhofes im AuSmahe von 1082 Quadratmeter zur Verfü gung, das einen Wert von 809.800 KC hat. Die Postverivaltung verpflichtet sich, mit dem Bau im Jahre 1987 zu beginnen und dabei nur ein heimische Arbeiter zu beschäftigen, die nach den Löhnen des für den Bezirk Tetschen gül tigen Tarifvertrag entlohnt Ver den müssen. Die einheimischen Ge- w e r b e t r cibenden haben bei.sonft gl«i- chrn Bedingungen«inen Pöpzügs.8»"fisf?«jtzyyg der Vergabekommission in Präg werden zwei Vertreter der Genossenschaft der Baumeister deS Bezirke» Tetschen geladen. Durch diese festen Vereinbarungen sicherte der Bürgermeister Gen. Keßler den Arbeits losen Arbeit zu angemessenen Lohnsätzen und schuf die Voraussetzungen, datz die einheimischen Ge werbetreibenden bei diesem repräsentativen Bau nicht leer ausgehen. Die Baukosten dürften sich aus rund 2.5 Millionen Xi belaufen und e» dürf ten auch, für die Gewerbetreibenden, von denen sehr viele„Antimarxisten" sind, die Bemühungen unserer Genoffen um die Inangriffnahme des... Baues und um da» Zustandekommen der erwähn- Hitler-Agent als einer der kleinen Menschen- len Vereinbarungen nicht gleichgültig sein.. I raub-Kommiffare der Gestapo." Vom roten Leut- Johannisbad ist eine vom Bürgertum ver-! waltet« Gemeinde, in der nationgle Einsiüsse" überwiegen. Bei den Wahlen des Jahre» 1980 erhielt die deutsche sozialdemokratische Partei" ganze sieben Stimmen, di« Chrisflichsozialen 18 und die Henleinpartei 174. ES. siegt also dir „Volksgemeinschaft". Heute bürste aber so mancher der Henleinwähler schon nachdenklich" geworden sein. Die gebratenen Tauben, die man nach den Maiwahlen'"erwartetes sind nicht über die Berge gekommen. Dafür kamen die drückenden Devisenbestimmungen, dse rcichSdeutschen Kur» g'ästen und Sommerfrischlern die" Meise iy» böhmische Riesengebirge erschwerten. Hegte sind ble Johannisbader Bürger froh, wenn Tschechen, Juden und Sozialisten das Heilbad besuchen.— Die JohanniSbader Henleinleute fühlten sich während der Arbeiter-Wintersport-Olympiäde nicht wohl und versuchten, ihren Eindruck durch«ine systematische Flüsterpropaganda von vornherein abzu- Genugtuung zur Kenntnis genommen. Bei dem Werke, das die aktivistischen deutschen Parteien einleiteten, sind wir führend beteiligt. Diese unsere Haltung war richtig. Wir hosten nur, datz sich die demokratische Gesinnung in allen Teilen der bür- gerlich-altivsstischen Parteien restlos durchsetzen wird. Der Weltöffentlichkeit wurde durch unseren Schritt gezeigt, datz nicht die Hcnltinpartci, sondern nur die demokratischen Kräfte im Sudetendeusschwm al» die Sprecher des Volkes aufzutret.cn vermögen. Der erzielte Erfolg auf nationalem Gebiet wird dazu beitragen, daß der Henlein-Spuk im sudetendeutschen Völk« so verfliegen wird, wie seinerzeit der Spuk von Schönerer und Wolf. Ole Jakedi-Relse Es wird erinnerlich sein, wie die SdP gleich nach der Abreise, de» Abgeordneten Jaksch nach London behauptete. Jaksch sei als Emissär der Negierung gefahren. Dar war al» Schimpf gemeint. Man sagte ihm nach, datz er die Interessen der Deutschen verraten werde. Jaksch ist mit Wissen der Partei und für sie nach London gefahren. Aber auch wenn er al» Emissär der Regierung gefahren wäre: tausendmal lieber Emissär«in» demokratischen Regierung, al» Emissär d«r mit Fluch und Schänd« belad men Hitltrei.(Stürmischer Beifall.) Henlein und Rutha dürfen nicht glauben, datz sie ein Monopol haben, da» Sudetendeutschtum ich Ausland zu vertreten. Sie geben sich im Ausland gewitz nicht al» Staatsfeinde au». Aber sie sind«s. And da» geht vor allem au» der Haltung der SdP zu den deutsch-tschechischen Verhaiidlüngen hervor. E» geht ihr wider den Strich, datz die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen und sie hat keinen größeren Wunsch, al» das mühsam rtngeleitete Einigungswerk zu stören. Ole deutsdi-tsdiediisdien Verhandlungen Der Erfolg der Verhandlungen ist bedeutsam. Er ist ein sichtbarer Schritt auf dem Wege zur Verständigung der Nationen. Aber e» bleibt un» viel zu tun, um den Inhalt de» Kommunigut» der Regierung lebendig zu gestalten. Wir haben es mit"einer Bürokratie zu tun, di« nicht immer von gutem Willen beseelt"ist. Sie mutz unter scharfe Kontrolle gestellt werden. Auf der anderen Seit« aber müssen die sudr- teiid"«utschen Parteien bemüht sein, da» Werk der Verständigung sortzusetzen und den sudetendeutschen Nätionali»mu» zu bekämpfen, der gemeinsam mit dem tschechischen Nationalismus und sekundiert von den Kommunisten da» Verstän» digung»tverk gefährdet. E» wär richtig, daß man der Forderung der Nationalisten im tschechischen und im deustchen Lager und der Kommunisten nach öffentlicher Diskussion de» deutschen Memorandum» nicht Rechnung getragen hat, weil die» da» sicherste Mittel gewesen wäre, die erzielten Erfolge zu verhindern. Ole Probe aute Exempel Abgeordneter Täub besprach dann ausführlich d«n Inhalt de» Regierungskommuniqük» und sägte zum Schluß: Wenn Sandner vor kurzem behauptete, datz jede» Abkommen, da» nicht Henlein zum Partner hat. als. nicht existent angesehen werde, so ist zu sagen: Darüber werde» nicht di« Agitatoren der Ä»P, darüber wird da» sudetendeutsch« Volk rnt- scheidml Jetzt wird diePro beaüs» Exempel gemacht. Jetzt muß von den Tschechen und von. den Deutschen bewiesen werden, daß sie reis und willen» siftd, das Werk der Verständigung zu Ende zu führen. Nirmal» noch hat sich hie Richtigkeit unser«» politisch^ Wege» so manifestiert wie jetzt. Fahren wir mit unserer Arbeit fort»ater Einsatz all unser«« Kraft und Begeisterungl(Stärker Beifall.) Die Kampftage in Weih sind vorüber. In Johannisbad hat wieder jtn« Stille Einzyg"gehalten, die für den idyllischen Kurort charakteristisch Ist, eipe Stille, Ist der.man da» Fal'»n der Flocken hört, der Flocken, die Berge und Wälder und Hsspser tn ihren, glitzernden weißen Mantel klei» den. In den Herzen der zehntausend Menschen, die e» in diesen Tagen kennenlernten, wird das Erlebnis von Johgnnisbad aber noch lang«, lange nächklingen. L. F., K. L« nantj der sich eine Phantasie-Uniform zurechtgeschneidert hatte, bi» zum Salon-Nazi ist eben nur scheinbar ein weiter Weg. E» gibt keinen loyalen Bürger Hitler», der nicht Nationalsozialist wäre, sonst wäre er eben nicht„loyal".—o— Nlxdorfer Volksfront Ratediktatur, das war einmal. Wa» ein richtiggehender Kommunist ist, der ficht heute nicht nur für die Demokratie, sondem verlangt überall die Herstellung der Volksfront. Ein gelehriger Kommunist ist eben immer ein beweglicher Taktiker, sofern« die Beweglichkeit von Moskau gewünscht wird. Nur die bornierten Sozialdemokraten beharren auf dem Boden der Realpolitik, sind Demokraten aus Ueberzeugung und'laffen sich von den Kommunisten und den Henleins gleichermaßen verleumden. Da muh man eben schlauer feint• Also sagten die Nlxdorfer Kommunisten, wenn schon Volksfront absolut sein mutz, dann gleich mit den Henlein. Geht eS nicht über die politischen Organisationen, wozu denn die Gemütlichkeit? Und so gehen sie hin ünd halten mit den zwei bürgerlichen Gesangvereinen gemeinsame Gesangstunden. DaS seit einigen Wochen. Von Paxteipolitik wird dort angeblich grundsätzlich nicht geredet, denn nach neuerer kommunistischer Einsicht in den Gang der Geschichte soll sich herausgestellt haben, daß„die Parteien unser Unglück sind". Retten kann unS nur die Weltrevo... Pardon, die Volksfront. Zwar in Ländern wie Frankreich vereinigen sich die"wirklichen republikanischen Kämpfer zu einer Volksfront gegen die reaktionären und faschistischen Parteien. Aber in Nixdorf ist man eben schlauer. Da überwindet man den Faschismus durch Bildung einer Volksfront mit ihm. Wenn zunächst auch nur beim Singen. Einige» swpfzerbrechen soll in dey^gemein- sanjey! Glngstünden herrschen... MM chlsiNistchmicht einigem ob man daS„Egha-Landäyälts ent z'samm" nach der Melodie der Internationale singen soll, oder den Text der Internationale neh-. mess soll zur Melodie des„Deutschland, Deutschland über alles".» Leute, die vom politischen Denken nicht lok- kommen— und die gibt«S in Nixdorf auch noch — interessiert aber mehr die Fragen Wer betrügt wen? Ralffelsenkassa Neudorf a. d. B.— 350 000 K5 Abgang Wir berichteten seinerzeit, datz der Kassier der Naiffeisentaffa Neudorf a. d. B. Schmidt vor Antritt einer Prager. Revision Selbstmord verübte. Die inzwischen dürchgeführte Revision ergab, datz.der bisherige Abgang 860.000 K( beträgt. Dabei ist jedoch die Revision noch nicht.jzü Ende und eS ist nur wahrscheinlich, datz der tatsächliche Abgang noch größer seit» wird. Dachst wurde wieder einmal die"„Reinheit und Sauberkeit" der bürgerlichen Verwaltung unter Beweis gestellt. Die Oeffentlichleit in Neudorf hat bis zu seinem Tode zu dem seit fast zwanzig Jahren aus der Gemeindeverwaltung ausgeschiedenem Manne.„Herr Vorsteher" gesagt. Dätz- inzwischen die Gemeindeverwaltung in sozialdemokratische Hände überging, wollten sie ja nie verwinden. Nun ist die Säule geborsten und den Schaden hat die gesamte Bevöllerung. Die Elt« führt Hochwasser. Die Schneefälle der letzten Tage und der Regen haben der Elbe gewaltige Wassermassen zugrführt, so datz schon seit Samstag das Wasser am Aussiger Pegel ständig anstieg. Der durch daS Hochwässer stark i verbreitert« Flutzläuf bietet ein interessante» Bild. Die gelbljchen Wassermassen, die noch Eisschollen 1 mit sich führen, stürzen,gurgelnd zu Tal und"teilweise ist da» Wässer über die Ufer getretene Das, - Usergelände hei der alten Aussiger Brücke uisd die Kohlenuchschlagplätze stehen untir Wasser. Der • Durchlaß der Bielabrücke beim Einfluß der Biela ■ in die Elbe steht völlig unter Wasser und da» " Wasser dir Biela kann nicht mehr abflicßen,-weil > die Wasserspiegel de» Baches und der Elbe auf * gleicher Höhe liegen. Die hochwassersührende" Mbe i war i« den letzten Tagen da» Zftl vieler Schau« lustiger. - Anter schwerem Verdacht, In der Nacht von i DamStag auf Sonntag brach in der sogenannten - Judengasse in Petschau bei Karlsbad ein l Feuer iiy»; das in kurzer Zeit vier Wohnhäuser > einäscherte. Nach dem Brand kamen verschiedene > Gerüchte in Ufnlnuf und" am Sonntag' würden - dapn die Eheleute D u c a und deren Sohn , Franz, welchem eine» der abgebrannten Häuser i gehört, von der Gendarmerie"verhaftet. SS. ist > aber auch nicht ausgeschlossen, daß«» sich um eine Brandlegung aus Rache gegen Düca handelt. Nr. 46 Dien«««, 23. Feier 1937 Gelte 8 Weltwirtschaft im Umbruch Das Jahr 1986 wird in die neueste Geschichte des Weltkapitalismus zweifellos als«in Jahr' des Umbruches eingehen. Seit 1982 hat man allerdings in dm. beiden angelsächsischen Staaten, Großbritannien und USA., sowie in den Ländern deö sogenannten Sterlingblockes eine bedeutende wirtschaftliche Erholung feststellen können. Aber es handelte sich dabei offenbar um eine mehr oder minder schwierige Ueberwindung der langjährigen Krise. Erst fest Beginn des vergangenen Jahres wird eS klar, daß die Weltwirtschaft die Krise endgültig überwunden hat und daß man in eine Zeit raschen wirtschaftlichen Aufschwunges eingetreten ist. Und zwar erstreckt sich nun dieser WirtschastSausschwung mehr und mehr auf di« ganze Welt und beschränkt sich nicht mehr auf einzelne Wirtschaftsgebiete. Wandlungen In der Landwirtschaft Als wichtigste Ursache der Besserung der Wirtschaftskonjunktur mutz man die Hebung der Kaufkraft der landwirtschaftlichen Produzenten in der ganzen Welt bezeichnen. Die groß« Wirtschaftskrise ist ja vor allem die Folge des katastrophalen Sturzes der Preise für landwirtschaftlich« Erzeugnisse gewesen, während die Preise für industrielle Erzeugnisse eine viel größere Standhaftigkeit auswiesen. Seit 1982 erlebt nun die Weltwirtschaft den Angleich der landwirtschaftli chen Preise an die Preise für industrielle Erzeugnisse und damit die Wiederherstellung der geschwundenen Kauflraft der Bauem und Farmer. Diese„Schließung der Schere-, wie man diese Erscheinung genannt hat, besteht daicin, daß auf dem Hintergründe einer allgemeinen Preissteigerung, die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sich viel rascher erhöben als jene für Jndustriefabrikate. Zwischen Mitte 1984 und Ende 1986 ist die Kaufkraft der landwirtschaftlichen Produzenten auf den Weltmärkten somit um rund 29 Prozent gestiegen. Ende 1929 hat «in englischer Zentner(60.8 Kilogramm) Weizen in London 9 sh. 6 d., Ende 1984 4 sh. 5 d., Ende 1986 9 sh. 1 d. gekostet. Daraus kann man ersehen, daß der Weizenpreis gegenwärtig an den Preisstand von 1929 sich wesentlich angenähert hat. Der gegenwärtige Stand der Weltproduktion von Weizen kann dadurch gekennzeichnet werden, daß die ungünstigen Frühjahrsernten in Nordamerika durch den guten Ausfall der Emten in mehreren Einfuhrländern einigermaßen aufgewogen sind. Jin allgemeinen ist die Welternte von Weizen in 1986/87 um rund 80 Millionen Buschel niedriger als jene von 1985/86 und um fast 500 Millionen Buschel niedriger als die Welt-Weizenernte im Durchschnitt der Jahre 1929/88. Nach den einzelnen Erdteilen und wichtigen ProdmtionSge- bietcn verteilt sich die Anbaufläche und die. Ernte von Weizen folgendermaßen: Anbaufllehen und Ernten von Welzen In der ganzen Welt 1929/33—1936/37 Anbaufläche Ernte 1929/88 1985/86 1986/37 1929/88 1985/86 1936/37 in taufendden Acres in tausend Buschel Europa(ohne SSSR) 74.619 78.642 77.599 1.497.163 1.566.648 1.471.761 Sowjetunion 83.073 93.298 839.800 1,182.788 Kanada 25.986 24.116 25.289 354.294 277.889 288.500 Ber. Staaten v. Amer. 57.621 51.229 48.820 788.778 626.844 626.460 Asien 46.462 88.587 87.961 550.986 448.864 428.114 Nordafrika 10.807 10.998 10.726 116.036 113,823 94.418 Argentinien 17.459 11.688 15.728 228.812 141.020 249.853 Australien,-■ 15.710 11,924 12-579. - 184.471 142.598 138.522 ' Südafrikanische Union' 1.378 ■”2.501” '2,183” ■'»11.170 ”20.195 •' 15.814~ Welt(ohne SSSR) inSg. : 251,801 230.820 282.052 8.748.685 8.846,610 8.266,435 16.897 15.111 16.689 17,517 1986 28,554 22.681 25.845 88.459 26.195 .81.488 Jahre 1980 man dir Entwicklung der Gewinnung und 9.124 0.703 10.480 10.281 ÄÄhraucheS von E r d ö l bezeichnen. Rohrzucker- Produktion Gesamte Welt produktion von Rüben- und Rohrzucker 25.521 24.004 27.128 27.748 Welwerbrauch an Rohzucker 25.087 25.637 23.081 28.050 Obgleich also di« sogenannte statistische Lage, das heißt das Berhältnis des Weltverbrauches zur Wcltproduktion, eine"zweifellos günstige sst, haben die Zuckerpreise noch keineswegs den Stand von 1929 erreicht. Immerhin betrug der Durchschnittspreis für«inen englischen Zentner Rohzucker in London Ende 196 4 sh. 9 d., während dieser Preis Ende 1935 bloß 4 sh. 7% d. betragen hat. Ein anderes für den Stand des Weltverbrauchs bezeichnendes Produkt ist Kaffe e. Hier sind in den letzten Jahren von den entscheidenden Negierungen heroische Anstrengungen gemacht worden, um die Produktion dem Verbrauch anzupassen. Der Schwerpunkt dieser Politik liegt in Brasilien, das in 1980 rund 78 Prozent der gesamten Weltproduktion von Kaffee geliefert hat, während in 1936 der Anteil Brasiliens immerhin noch rund 68 Prozent der Weltproduktion beträgt.. In den letzten Jahren hat je-, doch die brasilianische Regierung die Kasfeepro- duktion nicht nur künstlich eingeschränkft sondern auch bis zu 80 Prozent der Ernte vernichtet. Weltproduktfon, Weltverbrauch und Preisentwicklung von Kaffee 1930,. 1936 und 1936 Produktion weit- Welt- ln Pralinen vrotnlktton verbrauch in tausenden Tücken& 60 Ne. .80.186 18.496 21.455 ler befindet sich im Aufschwung. was einen ün- 1085. mittelbaren Einfluß auch auf di« Zuckerprodnk-■ ,oo° tion ausübt. Weltproduktion und Weltverbrauch von Rohzucker 1933/34—1936/37 in taufende« von metrischen Lonne« 1988/84 1984/35 1985/36 1936/37 '(Schätzung) Rübenzucker- Produktion Sowohl die Anbaufläche als der Ernteertrag von Welzen weisen im Weltmaßstab« einen Rückgang auf. Es handelt sich dabei wahrscheinlich, abgesehen von den Wechselfällen des Klimas, um eine dauernde Tendenz, die wohl auf«ine grundsätzliche Aenderung im verbrauche zurückzuführen ist. Andererseits spielen besonders bei der Beschränkung der Anbaufläche die einschränkenden Maßnahmen der Regierungen der meisten überreichen Produktionsländer«ine gewichtige Rolle. Besonders auffallend ist der bedeutende Rückgang der Weizenanbäufläche in den Bereinigten Staaten. Aber auch in Australien ist die Anbaufläche 1986/87 im Bergleich zum Durchschnitt 1929/88 bedeutend zurückgegangen. Hier'handelt es sich um radikale Eingriffe der staatlichen Planwirtschaft. Dagegen kann man in einigen europäischen Ländern, wie zum Beispiel den Niederlanden und Belgien, eine auffallende Zunahme sowohl der Anbaufläche als der Ernteerträge feststellen. Das erklärt sich gleichfalls durch die RegierungSpolitik, die aber hier ein entgegengesetztes Ziel verfolgt: Während man nämlich in den überseeischen Produktionsgebieten die Anbauflächen und die Ernt«» von Weizen einschränken will, versucht man in Europa die Wei- zettproduktion mit allen Mitteln zu fördern. Am allgemeinen kann man, aber sagen, daß die gegenwärtige geringere Weltweizenernte einen bedeutenderen Wert darstellt als die größeren Ernten der vergangenen Jahre, da eben die Weizenpreise inzwischen einen bedeutenden Aufschwung genommen haben. Für die landwirtschaftlich« Situation in der ganzen Welt ist noch bezeichnend der Stand von zwei wichtigen BerbräuchSartikeln zum Teil kolonialen Ursprunges, deren Verbrauch und Produktion mit den Aenderungen der Weltkonjunktur empfindlich schwankt. Der Weltkonsum von Z u k- DurchschnttlS- WtU«) Mr flaffce(SanioO) 60.5 89.2 40.8 *) Mr 1 enal. Benin« In ensl. Schillings In London Produktion der Jndustrierohstoffe steigt. Für den industriellen Aufschwung in den letzten beiden Jahren ist di« Steigerung der Produktion einiger wichtiger industrieller Rohswffe bezeichnend. Als besonders charakteristisch kann > bei .Produktion und'Verbrauch von Erdöl(In Millionen Fässer) 1934/1936 USA. ProtzuMou Meine Well Well inSaes. UTA. Bertie M) »»kiti- weit weit Inegek. . 1986 1141 706 1847' .. 92o 500- 1510' 1984 .946 •617 1568 981 617 1598 1985 1085 561.. 1696, P9st 87 ü 1760,. Auf die Bereinigten Staaten entfielen 61.8 Prozent der Weltproduktion und 62 Prozent des Weltverbrauches von Erdöl(1936). Die Weltproduktion von Erdöl hält sich im allgemeinen über dem Swnd des Weltverbrauches, so daß die Preisentwicklung sich in den letzten vier Jahren sehr beständig ist. Die beste Sorte von Erdöl hat in USA Ende 1088' 2.12 Dollar, Ende 1986 2.17 Dollar per Faß gekostet. UebrigenS ist der Weltmarkt für Erdöl durchwegs organisiert und befindet sich in dm Händen einiger weniger Großproduzenten. Die Riistungskonjunktur hat insbesondere die Produktion der farbige nMetall« in die Höhe getrieben. Besonders wichtig für die Rüstungsindustrie ist die Produktion von Blei und Zink. Der Verbrauch hat hier bereits die Produktion überflügelt, was sich in der bedeutenden Preissteigerung auSwirlt. Weitproduktion und Weltverbrauch von Blei und Zink 1933—1936 in Taufmden Tonnen 1988 1984 Blei Rink Met Zink Weltproduktion■, 1175 995 1880 1162 1185 1005 1820 1125 Weltvorräte(USA u. Großbritannien*) 214 287 280 280 *) Die HauvtborriUe von 8inl befanden sich In den Jabren iarlells. Auffallend ist die rasche Abnahme der W e l t v o r r ä t e, die gleichfalls auf die Erhöhung der Preise einwirkt. Doch muß man feststellen, daß die Bleipreise viel rascher steigen als die Preise für Zink. In diesem letzteren Fall hat sich die Existenz d«S europäischen ZinkkartellS bis zu einem gewissen Grade preismäßigend ausgewirkt. Aufschwung der Industrie Für den Aufschwung der Industrie und für dm Charakter der gegenwärtigen Weltkonjunktur 1985 1986 Met Blnr Blei Binr 1400 1825 1465 1445 1400 1880 1555 1465 209 8t 166 70 1933 und 1034 In den Händen de« eurovzischen Binr, ist vor allem die gelvaltige Steigerung der Produktion der S ch w« r i n d n st r i e bezeichnend. Die Wellproduktion von Roheisen wird für das Jahr 1986 auf rund 88 Millionen Tonnen geschätzt. Diese Produktion hat allerdings den Stand von 1929(97 Millionen Tonnen) noch nicht erreicht. Im Vergleich jedoch zu 1982(Tiefstand der Weltkonjunktur), als die Weltproduk- tion von Roheisen 89 Millionen Tonnen betragen hat, bedeutet die Produktion von 1986 weit mehr als eine Verdoppelung. Die Weltproduktion von R o h st a h I hat aber bereits den Stand von 1929 überflügelt. Weitproduktion von Rohstahl(in Millionen Tonnen) 1913, 1929 und 1934—1936 Deutlchlanv Grobbritannien (mit Saarland) Frankreich Beknien 1918 7.7 15.1 6.7 2.4 1920 9.6 18.2 9.5 4.0 1984 8.8 18.6 6.1 2.9 1985 9.7 16.2 6.2 2.9 1986 11.7 19.0 6.6 8.1 US« Aett inSgefarut 81.3 75.1 56.4 118.4 26.1 80.6 84.1 96.8 86.9 120.8 Die Entwicklung der Weltproduktion von Roheisen und Stahl spiegelt den Konjunkturaufschwung vor allem als Steigerung der Erzeugung der sogenannten Produltionsgüter wider, das hejßt der Erzeugung von Maschinen/.deö.EfvSifs terung der Werkanlagen und insbesondere der Erzeugung von Kriegsmaschinen im weitesten Sinne deS Wortes, also der Kriegsschiffe, Kanonen, Tanks, Militärflugzeuge und dergleichen. Für die Charakteristik des Konjunkiurauffchwun- ges als einer Erweiterung des Verbrauches der breiten Bollsmassen in der ganzen Welt kann die Erhöhung des Verbrauches von Rohbaumwolle dienen. Der Welwerbrauch von Baumwolle hat nun im Jahre 1934 25.1 Millionen Ballen, im Jahre 1936 27.4 Millimen Ballen bekagen. Die Zunahme hat also 9.1 Prozent ausgemacht. In derselben Zeit hat die Weltproduktion von Rohstahl um 50 Prozent zugenommen. In diesen^Ziffern ist die Charakteristik deS kapitalistischen WirtschaftSauffchivungeS enthalten: die Weltkonjunktur dient vor allem der Entwicklung der Produktion an sich, insbesondere wirkt st« sich in dem Ausbau der vollkommen unproduktiven Rüstungen aus. In einem unvergleichlich geringerem Grade kommt der Wirt- schaftsauffchwung auch unmittelbar der Steigerung des Verbrauches der BolkSmassen zugute. Tendenzen der Weltkonjunktur Wir haben eingangs das Jahr 1986 als das UmbruchSiahr für die weltwirtschaftliche Konjunktur bezeichnet. Im Jahre 1987 wird zweifellos der WirtschastSausschwung seine weitere Entwicklung nehmen. Räch allgemeiner' Ansicht ist vorläufig noch kein Ende des Aufschwunges abzusehen. Aber es beginnen sich bereits Stimmen zu melden, die zur Borsicht mahnen und vor einer allzu optimistischen Einstellung warnen. ES geht darum, ob däS Jahr 1987 bereits den sogenannten„B o o m" bringen werde, das heißt die Uebersteigerung der Konjnnktur in eine ungesunde Spekulation. Ein solcher Boom wär« erfährungS- gemäß al» der Vorläufer eine» ZusammenbrticheS der Konjunktur zu werten. Im engen Zusammenhang mit dixser Frag« steht die Entscheidüng darüber, ob die Weltkonjunktur auch künftighin den Charakter einer Nebeneinanderentwicklüng von unabhängige^,nationalen Konjunkturen berbehält und noch mehr betont, oder aber die Zollmauern und andere Einschränkungen allmählich abgebaut .werden und dein Welthandel fteiere Bahn eröffnet werde. Entweder wird die weltwirtschaftliche Konjunktur den; Zerfall, der Weltwirtschaft überwinden,, oder werden die Tendenzen zur Isolierung die Oberhand, gewinnen und schließlich den allgemeinen Wirtschaftsaufschwung abwürgen, Schließlich/ steht noch die. letzte Frage zur Entscheidung,, die zugleich aber auch die wichtigste list: wem soll die Weltkonjunktur dienen'? Das Schicksal des WirtschastSausschwungeS in der ganzen Welt hängt davon ab, ob es gelingen wird, die weltwirtschaftliche Produktion in weit höherem Maße aus den Berbrauch der großen BolkSmassen .einzustellen. Die wesentliche Hebung der Kaufkraft der.großen BolkSmassen äst nicht nur vom sozialpolitischen Standpunkt von entscheidender Wichtigkeit, sondern ist auch die einzige Garantie dafür, daß die weltwirtschaftliche Konjunktur sich noch eine geraume Zeit in ruhigen Bahnen aufwärts entwickelt. Charakter des Wirtschaftsaufschwunges Zwei wesentliche Merkmale kennzeichnen den gegenwärtigen Aufschwung der Weltwirtschaft, der sich Ivesentlich von den normalen Konjunkturen nicht nur der Vorkriegszeit, sondern auch der Nachkriegszeit unterscheidet. Der heutige Wirtschaftsaufschwung stellt, niehr als es je früher üblich war, lediglich eine Summe derErholung in einzelnen Ländern dar, während der Austausch von Gütern zwischen verschiedenen Ländern noch sehr stark zurückblcibt: Der Welthandel ist im Jahre 1936, seinem Umfange nach, rund um ein Fünftel, geringer als im letzten Vorkrisenjahr(1929). Andererseits steht der wirtschaftliche Aufschwung in den meisten Ländern unter dem Einfluß der Aufrüstung: Die Finanzen sehr vieler Länder stehen der Notwendigkeit gegenüber, immer größere Geldsummen für die Rüstungsprogramme bereitzustcllen,«in fortwährend wachsender Teil des nationalen Einkommens wird zu unproduktiven Zivecken, eben zur Durchführung der Aufrüstung, verwandt. Obschon sich die wirtschaftliche Konjunktur .in den einzelnen Ländern mehr oder minder selbständig entwickelt, hat die Gleichartigkeit des kapitalistischen Aufbaues in der überwiegenden Mehrheit der Ländesftm Laufe des Jahres 1986 zu denselben Folgen geführt. Ueberall kann man rasche Steigerung der Preise, Mangel an Facharbeitern, Zürückgehen der Arbeitslosigkeit, wesentliche Erhöhung der Bautätigkeit, Vollbeschäftigung der Eisenindustrie und besonders der Rüstungswerke, bedeutende Erhöhung der Staatsausgaben sowie der Besteuerung, Zurückbleiben des Außenhandels und Aufrechterhaltung der Währungskontrolle feststellen. Diese Gleichartigkeit der Entwicklung kann und muß jedoch gerade bei Fortdauer, zwangsläufig' zur Verschärfung jener wirtschaftlichen Entfremdung der einzelnen Wirtschaftsgebiete führen, die sich während der Krise entwickelt hat. Die große Weltkrise von 1929—82 hat ja den Zerfall der Weltwirtschaft eingeleitet. Die Ausgabe des WirffchästSauf« schwtmges besteht darin, diesen Zerfall zu überwinden. und die einzelnen Staaten wirtschaftlich und insolgedeffen auch politisch einander näher zu bringen.^ Vorläufig jedoch vollzieht sich dieser Aufschwung im ivesentlichen auf nationaler Statt»' Seife 6 DienStag, 23. Yeter 1037 Rr. 46 Necas: Wir bleiben Demokraten! Wir tragen aus dir bereits kurz erwähnten Siede deS FürsorgeminifterS 3ns. Neöa» nnf unserer Trautenoner KreiSkenferenz noch folgende Stellen noch: Ach weitz, datz ihr hier im Grenzgebiet gegen zwei große Feinde zu ringen habt; gegen die schwere wirtschaftliche Rot, und gegen die politische Demagogie. Indem ihr mit unbeugsamer Festigkeit den Kampf gegen diese beiden Feinde führt, seid ihr Bor- poften der Republik im Ringen um den Wiederaufbau der Wirtschaft und nm die Sicherung der Demokratie. Gerade In den kehlen Jahren hat die Zu« sanunenarbeit der demokratischen Parteien in unserer Republik eine positive wirtschaftspolitische Arbeit geleistet, zu der auch wir Sozialisten uns offen und niit Genngtuung bekennen dürfe». Wir haben daran nicht nur mitgearbeitet, sondern vielfach auch die schöpferischen Anregungen gegeben. Wir. gehen eben seht daran, durch besondere Hilfsmaßnahmen für jene besonders.notleidenden Zweige der Egporttnduftrie vorzusorgen, zu deren Belebung di« Abwertung allein nicht anSreicht. Die wirtschaftliche Struktur unseres Staates hat«». notwendig gemacht, datz wir dabei in erster Linie an unsere Gla S-, Porzellan- und Ke r a n> indusirie gedacht haben, aber ich bin überzeugt, datz' auch' für einzelne Zweige der Textilindustrie diese Hilfe notwendig ist und geschaffen werden mutz. Gerade In diesen Tagen führen wir ernste Beratungen' ab, nm' die Schwierigkeiten, die sich der Kreditbeschaffung für BauförderungS- zwecke noch, immer in den Weg stellen, zu überwinden und ich hoffe, datz wir auch auf diesem Gebiete wieder ein Stück vorwärts kommen werden. Wir wollen aber auch, daß bei allen öffentlichen Arbeiten, bei allen Notstandsmaßnahmen, bei allen toirtschaftliche» Borkehrungen iibcrhauvt auf die Krisengebiete,jene besondere Rücksicht ge» nominell werde» soll, die ihr besonderer Notstand erfordert. Ich habe mich für die Verwirklichung dieses, GnmdsaheS immer eingesetzt und weist, das; ich mich dabei im Einklang befinde mit den Intentionen unseres Präsidenten, aber auch mit dem Willen der tschechoslowakischen Demokratie. Die wahre Demokratie bedeutet muh nationale Gerechtigkeit. Wogegen wir unS mit aller Entschiedenheit wenden und was wir niemals ohne entschiedenste Abwehr hlnnehmen werden, das ist jeder Bersuch, daS Verhältnis zwischen Tschechoslowaken und Deutschen in diesem Staate unter den Druck ausländischer Faktoren zu sehen. Tie„Zeit" hat kürzlich Jaksch einen RegierungS« rmiffür genannt. Mir ist bekannt, datz Genoffe Jaksch nicht im Auftrage der Regierung, sondern im Einvernehmen mit seiner Partei eine Auslandsreise angetreten hat. Aber ich möchte wiffeu, woher die fude- tenteutsche Partei die Legitimation nimmt, einen Politiker deshalb anzugreisen, weil er mit befreundeten Politikern in besreundeten Staate» Fühlung nimmt, während gleichzeitig Emissäre der sudetendeutschen Partei. inS-'Ausland reise», um dort falsche Auffassungen über unsere Verhältnisse zu verbreiten und einer feindseligen Kampagne gegen unsere Republik Nahrung zu geben. Damit kann die sudetendeutsche Partei den Jntereffen der Deutschen in unserem Lande nicht nützen, sondern nur schaden! Neka» ging dann auf das Schlagwort vom „Kampfe gegen den Bolschewismus" eiii und sagte: .Wer heute von Bolschewisierung. von Kulturbolsche- tviSmuS spricht, der beweist damit, dast es ihm nicht um den Kampf gegen den Bolschewismus geht, sondern nm den Kampf g e g e n d i c Demokratie, gegen die politische Freiheit, gegen die Freiheit von Kunst und Wissenschaft und gegen die.Interessen des arbeitenden Volkes. Wir bleiben Demokraten, wir bleiben erfüllt von dem Geist deS großen Lehrers und Führers Ma- sarhk, der die unverrückbaren Grundsteine unsere» staatlichen Ausbaues gelegt hat für alle Zelten. In dieser Ausfastung gibt eS keinen Gegensatz zwischen tschechoslowakischer und deutscher Sozialdemokratie. In dieser Aussaflnng sind wir vielmehr brüderlich vereint zu fruchtbarer Arbeit. Und noch ein Wort zur Volksgemeinschaft: Bor einigen Tage» bat selbst Abgeordneter W o l l n e r von der Sndetendeutschen Partei in einer Versammlung ein bedenkliches Klagelied annestimmt über die Unternehmer, die die Volksgemeinschaft nicht über die Tore ihrer Fabriken hereinlassen wollen. Er hat es nach einem Bericht der„Zeit" mit folgenden Worten getan:. „Die Unternehmer hatten drei Jahre Zeit, die BolkSgcmeinschaft in die Tat umzusetzen. Sie haben aber da» Wort Volksgemeinschaft oft mir als Schlagwort verlvendet, den Arbeitern aber weiterhin Schandlöhne gezahlt. Wir kön nen es nicht mehr dulden, daß der eine Teil nur redet, und im' liberalen Sinne weiterlebt." Diese Art von Volksgemeinschaft allerdings/ die den einen satt- werden lästt auf Kosten anderer, diese Volksgemeinschaft verstehen wir nicht. Ich sehe eine ändere Volksgemeinschaft Als in der Grube„Nelson" 81 deutsche, 88 tschechische und, 1 polnischer Bergarbeiter, ein, gemeinsame» Grab fände«, al» die Mütter, die Frauen und Montag ist der Außenminister Hitlers, Konstantin von Neurath, mit einem sehr großen diplomatischen Gefolge jn Wien angekommen. Die Nationalsozialisten benützten die Fahrt des nazistischen Minister» durch die Stadt zu großen Kundgebungen für dm Anschluß, für Hitler'und gegen Oesterreich. Die Zahl der, Demonstranten wird von' eiistigkn Berichterstattern auf einige Zehntausend geschützt. ES kam zu turbulenten Szenen. Die Polizei mußte in größerm Auf- geboten einschreiten, ehe sie die Demonstranten abdrängen konnte. E» wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Die nazistischen Krawalle zeigen am besten, wa» es mit der„bolschewistischen Bedrohung" Oesterreichs auf sich hat. Die Bedrohung kommt von einer anderen, Seite und Schuschnigg hat an diesem tumultuösen Bor- mittag die Quittung für da» Abkommen vom 11. Juli erhalten. Da» Kommuniqnt über die Beratung Reurath» mit SchnsKnigg ist natürlich nichtssagend. Au» der Begleitmusik der Razipreffe ist deutlich zu entnehmen, datz Reurath die Aufgabe hat, im Namen Hitler» gqwn die von Schuschnigg kürzlich al» Endziel angekündigte Aufrichtung einer Mon-' archie mit Ott» von Habsburg an der Spitze zu protestieren, vielleicht mit Krieg zu drohen. Auch die französische Presse nimmt an, dast die» der Zweck des deutschen Besuche» sei und gibt ihrer Hoffnung Ausdruck, daß Italien Oesterreich schützen werde sMussolini hat bekanntlich erklären lassen, die Frage der Staatssorm sei eine ümere Angelegenheit Oesterreich»). Die Schuschnigg nahestehende Presse reagiert i sehr gereizt auf die Demonstrationen und hält in sehr deutlicher Form dem Innenminister Glaise vor, dast seine Erziehungsmethoden an den„betont Nationalen" solche Früchte tragen. Wien. Die Nationalsozialisten, die sich.Mon- iag.morgen» auf der Mariahilserstraße vor» sammelt hatten, um in demonstrativer Weise den deutschen ReichSauhenminister Freiherrn von Neurath zu begrüßen, setzten auch nach der Abfahrt de» deutschen Gastes zum Hotel ihre De- Madrid. Seit Sonntag früh ist der Kampf im Jarama-Abschnitt in poller Heftigkeit wieder entbrannt. Die Aufständischen haben hier bedeutende Kräfte konzentriert. Der Kampf war besonder» heftig zwischen San Martin de la Bega und Morata de Tajuna. Die Offensive begannen Regierungsabteilungen, welche langsam gegen die feindlichen Stellungen vorgingen. Km Mittag gingen die Aufständischen zu einem ungewöhnlich heftigen Gegenangriff über. Der Kampf dauerte eineinhalb Stunden; den RegierungSab- teilungen gelang e» jedoch, ihre erreichten Positionen zu behaupten. Der HavaS-Korrespondent,berichtet über die Kämpft: Die Aufständischen, welche gut, eingegraben waren, setzten den Negierungsabteilungen einen hartnäckigen Widerstand entgegen,' sie wurden aber von Flugzeugen und Maschinengewehren heftig beschossen. Der Druck der RegierungSabtei- lungen war sehr heftig und es kam hinter den Drahtverhauen zu einem Nahkämpf Man.n gegen Mann. Die Aufständischen zogen sich schließlich in ihre bereits vorbereitenden einige hundert Meter weiter rückwärts liegenden Siel» die Kinder dieser Opfer in Trauer erstarrten, da gab eS keinen.Unterschied. Der gemeinsgme Tod, da» gemeinsame Leid'haben eine Gemeinschaft geschafft, die über das Volk, hinan»'gegangen ist, die besiegelt wurde durch Arbeit und Blut, Die innige, heiße Liebe zum eigenen Volke, verbunden mit einer unbedingten Respektierung der anderen Völker— da» ist unser nationale» Programm— der Kampf um soziale Gerechtigkeit und den sozialen Fortschritt und Friedest— da» ist unser Wirtschaftsprogramm. Alien Schwierigkeiten zum Trotz heißt eS dar- um für«nS alle:„Arbeite« und nicht verzweifeln!^ NAesnemgkeiM Deutschs Professoren Wir haben schon unlängst gemeldet, daß die' grobe Taktlosigkeit de» Henlein-Professor» P f i tz n e r, kurz nach dem Tode Josef PekakS zwei Privotbriefe des große» tschechischen Gelehrten in der„Zeit" abzudrucken und politisch auszüschlachten, den empörten Widerspruch aller tschechischen Historiker herausgefordert hat. Nun meldet sich noch der bekannte tschechische Germanist Arnodt KrauS zu Wort und fällt in der„Pr. Presse" ein vernichtendes Urteil über den deutschen Stil Pfitzner». Professor Kräne weist nach, daß Pfitzner die Briefe PekakS in ein miserables Deutsch übersetzt hat, daß er, am Worte klebend, den Sinn ganzer Wendungen schlecht wiedergegeben hat. Der tschechische Germanist schließt.seine' Kritik mit folgendem, für die Sudetendeutschen, die sich durch Herrn Pfitzner repräsentieren la-s sen, wahrhaft beschämenden Urteil: Al» ich vor zehn Jahren an eine Schrift Prof. Pfitzner» einige Bemerkungen anknüpft« („Die sogenannte tschechische Renaissance und die Heimatdeutschen"), habe ich auch«in kleine» Kapitel über fein Deutsch angefügt. Jetzt habe ich zum ersten Male wieder etwa» au» seiner Feder gelesen und sehe, daß er in diesem Jahrzehnt küne großen Fortschritte gemacht hat, wenn er d i ese»„d eutsche U n g e h e u e r", um Do- brovskhs analogen Ausdruck zu gebrauchen, drucken lassen konnte. Traurig ist aber, daß eine Aeuße- rung von einem Meister de» Worte», wie e» Josef Pekak gewesen ist, in so verballhornter Form an die Oeffentlich- keit gelangt i st. Zur selben Zeit, da sich hier ein deutscher Hochschulprofessor von einem tschechischen Kollegen eine Lektion aus Deutsch holen muß, wird ein anderer deutscher Hochschullehrer Prags in der Weltpresse rühmlich, erwähnt: der Histologe Kohn. Ihm sind wichtige, segcnbringende Entdeckungen zu danken. So waren Kropfoperatio- nen lange Zeit lebensgefährlich. Es schien vom Zufall abzuhängen; ob ein Patient gcnaö oder starb. Kohn erst hat durch seine gründlichen Forschungen jenen winzigen Drüsenanhang entdeckt, den man bei der Operation nicht cntscrncn darf, soll der Patient nicht zugruudcgehen. Die reichsdeutschcn Zeitschriften und Publi- katioitz:n-aber.nenpen.Kohns. NanM-sticht. Er ist bei Hitler- und natürlich äiich Am Henlein- Nazis in Acht und Bann. Aber Herr Pfitzner ist eine Leuchte deutscher Wissenschaft... Eifenbahnminister Rudolf Bechtznk erholt/sich seit dem 8. Feber nach überstandener leichter Lungenentzündung und eitrigem Bronchialkatarrh in: Sanatorium des Dr. Opsttrnh in der Tatra. Der Gesundheitszustand des Ministers hat sich in der letzten Zeit in befriedigender Weise g e b e s s e r t Minister Bechyni unternimmt bereits täglich Spaziergänge sowie kleinere Ausflüge im Gebirge.' , Die Witwe nach M. Tyr» gestorben. Montag starb, in Prag um 7 Uhr Frau, Renäm Tyrsovä, Witwe des. geistigen, Schöpfer» des Sokol. Sie wurde am 31. Juli 1884 in Prag geboren. Durch ihre Abstammung, als Tochter F ü g n e r s und durch ihre Vermählung snit Dr. Miroslav'Tyrs sowie durch ihr ganzes Lebens- werk trug sie ,sich in die Geschichte des tschechoslowakischen'Bolles in Gemeinschaft mit dkn Namen der beiden Begründer des Sokols Fügnec und TyrS, ein: Tödlicher Auto-Unfall einer Tänzerin. Mondtag vor 4 Uhr früh ereignete sich aus der Straße bei Hultschin ein Automobilunglück, dem das 8(h jährige Mitglied des Balletts de» Mährisch-schlesi-, scheu Nationaltheaters Marie Herodesovck zum Opfer siel.' Die Herodesovä war am. Sonntag abends mit dem 42jährigen Fabrikanten. Waltec. Holuscha auS Hultschin in Troppau. Auf-der Rückfahrt geriet das Auto, das Fabrikant Holuscha selbst lenkte, bei einer Bergabsahrt hinter Hulk- schin ins Rutschen, fuhr gegen' zwei Prellsteine und stürzte seitlich Ins Feld.' Das Auto Überstürzte sich einigemal und drückte die Herodesovsi zur Erde., Sie war auf der Stelle tot. Der Fabrikant Holuscha ist schwer, aber nicht lebens gefährlich verletzt. Eine Gerichtskommission untersucht die Ursache de» Unglücks. , Explosion in einer lettische» Pulverfabrik. In der. Pulverfabrik, die sich etwa drei Kilometer von Li bau befindet, kam e» in einer Abteilung, in der. Pulver, und Sprengstoffe, namentlich zur Sprengung von Holzstöcken, hergestellt werden,'zu einer Explosion. Dies« Abteilung befindet sich,i'i den alten Kasematten(vor dem Kriege wollte die russische. Regierung.in Libau eilte' Küstenfestung erbauen). Durch die Explosion wurden die Kasematten vernichtet und eS entstand ein Brand. Die .Schwefelvorräte,, und die. Holzbestaudtcile der KaseNmtten fingen' Feuer,' Während der'Rächt waten in der Fabrik drei Menschen cknjvesegd.'Eiiit Person wivd vermißt, Nach angestrengten, Arbeiten konnte di« Feuerwehr etwa 400 biS50i» Meter von der Explosionsstelle entfernt. die verstümmelte Leiche des 35jährlge>l Maschinisten Kukntbepgen. Blum appelliert an die Besonnenheit der Nrbelterklasse Paris. Ministerpräsident Leon Blum sprach Soimtag in St. Razaire, der größten Hafenstadt am Atlmitischen Ozean, wo sich eine große staatliche Werst und ein Milttärarsenal befindet. Der Ministerpräsident legte hauptsächlich dar, warum di« Regilerung jetzt eine„kurze Paus e" wünsche, von der er zum erstenmal vor einer Woche in feiner Rnndfunkansprache an die StnatSmigcstellten sprach."„Während der ersten acht Monate sind, wir manchmal zu rasch gegangen und nach einem solchen Vorgehen ist es natürlich, daß eine Atempause notwendig ist", sagt« Blum, fügte Hinz«:„ES bandelt sich nicht darum, di« ErjeugungSmöglichkeitrn zu verkleinern, fon- dern die Konfumfähigkeit zu erhöhet»: es handelt sich nicht darum, die Ausgaben zu verringern, sondern darum, die Einnahmen zu entwickeln und - zu. vergrößern.. Es muß an die Besonnenheit der Arbeiterklasse appelliert wrrden. Dir Arbeiter schaft muß begreifen, datz e» nicht möglich ist, die Löhne ununterbrochen zu erhöhen. Der Ministerpräsident wiederholte von neuem,.daß das gegenwärtig« Kabinett nicht nur eine Regierung der Sozialisten, noch, dir Regierung einer, einzeln«« Klasse, sondern eine Regierung.der in der Volksfront auf Gründ' eine» gemeinsamen Programmes' vereinigten politischen Parteien ist. ES könne keine Rede davon' sein, daß die R«gi«ung die Bande lockern würde, die di« Parteien dir Volksfront gegenseitig binden. Wir sind so lange stark, sagte er, alS wir eine Re- gterun'g der Volksfront sind. Auch der Generalsekretär dr» Allgrwrrk- schaftsverbandcs der Arbeit I»uhaux appellierte in seinen Rede» an die Disziplin der Arbeiterklasse und de» arbeitenden Volke», wenn alle ihre berechtigten Forderungen wirklich erfüllt Im 6618t 6es 11. Juli Nazi-Krawall bei Neuraths Einzug in Wien monstrationen fort... Die Polizei mußte an.einigen Stellen der Stadt einschreiten, vor. allem aber auf der Ringstraße, in der Eschenbachgasse, unweit de» Wiener Rathauses sowie vor. der Rundfunkgesellschaft Rawag..Die Wiener Polizei besetzte hierauf^ die Umgebung, der. Hofburg sowie des Heldendenlmals, weiters die anliegenden Gassen des Bundeskanzleramtes. ES wurden stärke Fuß« und Kavallerieabteilungen der Polizei eingesetzt und so die Demonstranten in die Nebengassen abgedrängt. In Gruppen zu je 100 bis 200 Personen marschierten sodann die Nationalsozialisten, in ihre Bezirke ab, wobei sie„Sieg Heil!", „Heil Hitler" riesen oder nationalsozialistische LiÄer, vor allem.aber das„H o r st- Wessel"- Lied sangen. Die Polizei verhaftete gegen 50 Personen, durchwegs Nationalsozialisten. In keinem eeinzigen Falle handelt es sich mich um Angehörige anderer politischen Parteien, wie dies irrtümlich einige auslän-1 dische Berichterstatter gemeldet hatten. Neurath:„Schulter an Schulter" Reminiszenzen an den Weltkrieg Am Abend sagt« Schuschnigg beim Diner in einem Trinkspruch, er wisse sich mit der RcichS- rcgierung einig in dem Willen,'„im Interesse uirferer Völker zu trachten, jede Dissonanz zu übertvinden, um in Harmonie zu leben." Wien besitze, die besten historischen und kulturgeschichtlichen Dispoiitlonen dafür, um unoermeidliche Schwierigkeiten zu beheben und in Harmonie auf- zulöscn. Neurath antwortete, auch er sei der Ueber- zeugung, daß wir nur durch Harmonie all das wieder gutmachen können, was in den letzten Jahren unsere Völker getrennt hat." Wir haben.in Hunderten von Schlachten Schulter an Schulter.im Weltkrieg die neueste Bundesbrüder- schafp gepflegt, Di^ sjM Pande, die sich.nicht'be» fettigen lassen. Neurath hat am Nachmittag das Großkreuz 1. Klasse des österreichischen Verdienstordens erhalten. Auch vor Madrid Erfolge langen zurück. Auf Seiten der Aufständischen blieben vierhundert Tote und'Ber- w u n'd e te auf dem Kampsfelde. Den Regierungstruppen fiel eine große Menge von Gewehren, Mörsern und Maschinengewehren in die Hände. Lesen hundert Tote bei einem miliUrisdi belanglosen Bombardement Die Regierung meldet: Di« Bombardierung von Albaceta durch di« Flugzeug« der Aufständi- fchen hatte keinerlei militärisch« Bedeutung. Bisher wurden auf den Straßen' hundert Tote und mehr al» hundert Verletzte gefunden. Einer ESkadrille von Regierungsflugzengen gelang e» schließlich, die Flugzeuge der Aufftändischrn in die Flucht zu schlagen, wobei ei» Heinckelflngzeng abgeschossen wurde. General Llotta amputiert In dem Befinden de» nur leicht verletzten Bizekönigs Graziani. ist eine rasche Besserung zu verzeichnen, wie auch der Zustand de» gleichfalls nur leicht verletzten Avuna sowie der übrigen Verwundeten sich gebessert, hat. Dagegen mußte dem Flicgergenerak L i o t t a ein Bein abgenommen werden. Todesopfer ststd nicht zu' verzeichnen. Vom Rundfunk Emplehteniwertei au* den Programmen» Mittwoch' Prag, Sender Ir 10.05: Deutsch: Presse, 10.15 Rundfunk für deutsche.Schulen, 11.08: Salonorche- ste.r, 12.10: Operettengesänge, 18.40: Deutscher AtbeitSmarkt, 15: Aus„Dem Barbier von Sevilla". 108: Gesangskonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Moucha:. Reue Bücher, 18.20: Arlesterfunk: Bürgermeister Pölzt: Sozialdemokratisch« Gemeinde- sübrung in der Wirtschaftskrise, 18.40: Sozialmsor- mntionen, 18,45: Deutsch: Presse', 21.88: An» Kompositionen' von Ostriil,' 22.20:'Schallplattenkonzert. — Prag, Sender Ur 14.18: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.85: Günther: Sagen des Jser- ünd Riesengebirger, 18.15: Sakonquartett.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 20.20: Boikskoiizert.— Preßburgr 22,88: Schallplattenkonzert.— Mähr.-Oftra«: 12.88: Mittagskonzert, 18.80: Opernfantasient• «r. 4» Dienstag, 23. Feier 1037 Seite 7 Autounfall-Serle bei Jltschln Jitfchin. Auf der ins Riesengebirge führen» den'Straße ereignete sich am Samstag bei dein Gasichau»-.Salanda" in Sobotia bei Aitschitt«in schwerer Autozusamincii stoß. Bei dem Gasthaus stand«sn mit mehreren Personen besetzter Auto» buS.> Ein Personenauto wollte diesem Autobus vorführen, übersah aber in. dem herrschenden Schneesturm und dichten Nebel, daß von der" anderen Seite ein Auto entgegenkam. Die beiden Auto stieben zusammen und wurden schwer beschädigt. Die Insassen des aus dem Riesengebirge kommenden Sportwagen», die Sportlerin Einmy Jrmenbach und E. Gregr wurden beide schwer verletzt. Der Insasse des anderen Autos erlitt eine unbedeutende Schnittwunde im Gesicht, sein Auto, ein Packard, wurde vollkommen zer» schlagen. An dieser Stelle ereigneten- sich kurz darauf hintereinander noch zwei Unfälle. Ein den ver- Wglückten Auto» zur Hilfe eilendes Personen» äüto, da» am Straßenrand geparkt hatte, wurde von' einem aus dem Riesengebirge kommenden Auto in den Straßengraben gestoßen. Die In» fassen waren vorher schon ausgestiegen. Um fünf Uhr kam aus Prag ein Autobus mit Skifahrern, die in» Riesengebirge wollten. Dem Lenker diese» Wagen» wurde an.der Unglückrstelle«in Zeichen zum Anhalten gegeben. Der Autobu» geriet mit einem Rad in den Straßengraben und kippte um. Die Ansassen bewahrten.Disziplin, der Chauffeur öffnete da» Zugdach und die Passagiere stiessen durch» Dach au», verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand.' ■ Selbstmörderin verursacht eine schwere ls^ßlo- sion. Am.siebenten Wiener Gemeindebezirk verübte Sonntag nachts di« Privat« Anna Florian Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas. Da» ausströmende Gas hatte die ganze Wohnung gefüllt und al» am Morgen der Briefträger an der Wohnungstür der Florian läutete, wurde durch den dabei entstandenen Funken der elektrischen Lestüng da» Gas zur Explosion gebracht. Durch die Explosion wurde die ganz« Wohnung bollkom» men demoliert und das Hau» arg beschädigt. Die Feuerwehren fanden in der demolierten Wohnung die Lqiche der Florian. Auch der Briefträger erlitt schwere Brandverletzungen, mehrer Bewohner de» Hause» wurden leicht verletzt. „Bolkswut" in Mexiko. Die Bevölkerung von Mexsio»Stadt zerstörte einen großen Teil der Arena»El Progreso", in welcher ein Kampf zwi- schen einem Stier und einem Löwen angekündigt worden war. Die Bevölkerung, die darüber erbittert war, daßanStell« eines Stieres«in Ochse in den Kampf gesandt wurde, begann au» Revolvern Schüsse abzugeben und die Arena in,Brand zu stecken. . zÄti Rttztijährl-e'«hakten ihre Familien: Die. serbischen Zeitungen" berichten von'emem ungewöhnlichen Vorfall, der sich auf der Provinzial- vepwaltung von Sarajevo zugetragen hat. Dort erschienen dieser Tage zwei Knirpse, beide neun Jahre als, und baten um Hilfe für„ihre" Familien. E» stellte sich heraus, daß die beiden Kleinen, deren Estern, tot, bzw. schtoerkrank wären, im letzten Frühjahr und Sommer. allein, die Felder bestellt und im Herbst allein die Ernte eingebracht hatten; jede» Kind hatte noch vier jüngere Geschwister, die vollkommen von den„Äel- leren" erhalten wurden. DI« kleinen Familien- ernährer konnten aber während de» strengen Winter»'ihre heroisch« Ausgabe nicht mehr durchfüh- ren; deshalb marschierten sie 48 Stunden lang fast ohne Unterbrechung, nach Sarajevo, um Hilfe für ihre halbverhungerten GeWvister zu erbitten/ Sofort wurde«ine-Sammlung veranstaltet» di« die Kleinen für di« nächsten Monat« aller Sorgen enthebt; darüber hinaus hat die Provinzialver- Aus dem tschechischen Kulturleben ' Seit mehreren Monaten tobt in der tschechischen RechSpresse ein Kulturkampf, dessen Ursprung nicht auf heimatlichem Boden, sondern in Hitlerdeutschland zu suchen ist. IM Namen' der Natsoii wird gegen .Kulturbolschewismus", Sturm gelaufen, also gegen etwa», das der Terminologie de» Dritten Reich«» entlehnt ist. Was ist tschechischer Kultupbosschewi»- muö? Wenn di« Autoren nicht alle» schön finden, wa» die Marke der Nation-trägt, aber da» ganz« nationale Leben analysieren und dabei so manche» heraus»' greisen, tpfl»«ine Rügt verdient. Wenn di« Autoren, sich mit dem Lehen de» armen Volke» befassen und im Rapsen.der wahren Nation gegen die Unterdrückung der arbeitenden Schichten. durch die sich national gebärdend« Bourgeoisie.protestieren, Wenn sie inj ihren Werken sich mit sozialen Themen bkfqssen, statt «In« nationale Idylle, eine Harmonie der Arbeit mit Vtnf Kapital zu pflegen. Daßn nennt mäst ihr Schassen zersetzend« Arbeit, Kulturbolschewiömu». Der Streit uqch dem 28, Oktober, al» W Stäatspreise link» orientierten tschechischen Literaten . und Künstlern zuettünnt wurden: dem bedeutendsten tschechischen Literaturkritiker F.£* Saida, dem Dichter und Redakteur de»„VtDio'KiRt^ garpslav S e i f e r t, dem konnpsspistim orienttekten slowmi- schen Dichter Laco R o v» Ni« s k h, dpi» Romanschriftsteller Egon Hostovskh, dem DxgWtiker FrantiSek L äu g e r und dem Leiter de» Avanigarde- . theater» D 87 E. F. B u r i a n. Die Aufregung war grpß,HM warf der Jsich politisch« Bevorzugung vet, müßt« aber schließlich von objektiven Beprieslerti hören,. daß Pie Preirverteilung vollkommen gerecht war, da alle», wa» wahr« tschechische Kunst.ist, sich s^ranrüsisciisn Flottenbesuch in Casablanca Admiral Laborde, der mit dem Atlantischen Geschtvader zur Zeit Casablanca angelaufen hat, wurde vom Generalgouverneur von Marokko, General Nogues, der sich in Begleitung de» Sultans von Marokko befand, besucht.— Im Vordergrund der Kreuzer»Provence", das Flaggschiff des Admirals Laborde, nebst den anderen SchiffSeinheite» der Flotte. waltung auch noch einige Arbeitslose verpflichtet, die Aussaat auf den Feldern der Neunjährigen vorzunehnien, Schneestftrm« in Rordmöhren sind die Ursache', daß die Mehrzahl der Bezirkrstraßen und auch einige Staatsstraßen für Motorfahrzeuge unfqhrbar geworden sind. Der Schnee ist sehr weich und die Beseitigung ist sehr anstrengend. Die Staatsstraße zwischen Freityaldau und Mähx.-Schönberg. wird ständig mit Schneepflügen befahren. Die Staatsstraße zwischen Freudenthal und Wtürbenthal ist vorläufig unfahrbar. Die Straß« zwischen Freudenthal und Römerstadt ist verweht. Im Bezirk von Bärn sind sämtliche BezirlSstraßen verweht, so daß die Fahrt mit Motorfahrzeugen unmöglich ist. Der Schnee erreicht ein« Höhe von 80 bi» 70 Zentimeter. DaL KrönMigSgespenst für die Yankee». Di« Anzeigenteile der gesamten amerikanischen Presse sind zur Zeit voll von,Angeboten über Wohnungen, Balkon» und Fensterplätzen, die in London zu den KränungSfeierlichkeiten zur Verfügung stehen. Die Preise, die von den Vermietern verlangt werden, sind ungeheuerlich, dürften aber von Amerikanern bezahlt werden. So kostet eine Woh- nung.in. den Straßen„die,der,KrößUtzss?Dg vaf- sie'ren wird, rund 8000 Dollar, ein ganze» Hau» 20.000 Dollar. Da» erstaunt die Amerikaner nicht allzusehr. Aber es gibt noch andere Vorzüge, die in diesen Anzeigen angepriesen werden. So lautet z. B. ein Angebot, daß. die Wohnung nicht nur günstig gelegen sei, sondern daß auch„ein echte» Gespenst allnächtlich pünktlich um. 12 Uhr im Salon erscheinen wird, wobei e» fürchterlich stöhnt und seine abgehackten Hände vorweist". Bei denjenigen Amerikanern, di« sich auf diese Anzeige melden, wird e» schwer zu entscheiden, sein, iw sie mehr durch die KrönungSfeierlichkeiten oder durch da» echt englische Gespenst angclockt werden. Reah Ar. 2. An den Ufern de» Süllen Ozean» wohnt«in gewisser Bill Greenwood, der in der ganzen Gegend, wegen seiner Aeygstlichkeit und auch wegen seiner astrologischen Passionen bekmmt ist und den Namen„Noäh Nr. 2" trägt. Denn«r ist davon überzeugt und hat e» au» den Gestirnen herau»ge- lesen, daß bereit» im nächsten Jahre eine Teilsintflut eintreten wird, die ganz Nordamerika bi» nach Mexiko hin überfluten wird. Es wird zivar nicht regnen, aber der Stille Ozcan wird au» den Ufern trete», aber im'Endeffekt kommt es auf das gleiche heraus. Greenwood hat bereits mit dem Bau einer Arche begonnen, deren Gerüst man im Garten seine» Hauses bewundern kann. Und als jetzt die große Ueberfchwemmungskatastrophe stattsand, durfte er sogar im Radio sprechen und seine bösen Voraussagungen der ganzen Welt mitteilen. Da» bekannte italienische Tauchschiff„Arpionc", da» den Auftrag übernommen hat, am Meeresgründe bei der Südafrikanischen Küste das englische Frachtschiff„Taribo" auSzuforschen, da» vor einigen Jahren dort gesunken ist, hat endlich di« Stelle gefunden, wo dar Schiff liegt, und mit Hilfe von Taucherglocken die ersten 100 Tonnen Kupfer der Schiffr- laduug an» Tageslicht gefördert. Familientragödi«. In seiner Berliner Wohnung hat ein junges Ehepaar sich und seine drei Kinder im Alter von einem bi» zu sechs Jahren mit Gar vergiftet. I« Elektrizitätswerk Weisweiler bei Eschweiler kaut' eS'W' einem-'ltzplosionruimlück, bei demzwei Arbeiter getötet, zwei schwer und sieben weitere leicht verletzt wurden. Lawinengefahr lei' Hohenelbe. Wegen de» andauernden Schneefalles hat sich die Lawinengefahr wesentlich vergrößert. Der Gebirgrdienst— Bezirksamt Hohenelbe— macht darauf aufmerksam, daß beim Betreten des'Gebieter, da» mit gelben Lawinentafeln abgesteckt. ist, j die. größte Vorsicht zu beobachten ist.. Die Benützung de» Rosegger-Wege» auf dem Ziegenrücken ist verboten. Fall» weiter« Warnungen erlassen werden, ist e» nötig, sie bedingungslos zu beobacht«». Bei Anfällen ist sofort die nächstgelegene Baud« oder Gebirgsdienststation zu verständigen,...... Tod b, dm Berge». Der Kartograph de» deutschen und österreichischen Alpenverein» I. F. Biersack ist bei einem SkiauSflug in der Umgebung von Kemat in-«inen Abgrund gesüirzt und in den Schneemassen erstickt. Bier polflische Bergarbeiter verschüttet. Auf der Kvhlengrube„Paul" in Chebzic bei Kaltowitr erreignete ch am Montag ein schweres Grubenunglück. Durch herabsüirzende Kohlenmassen wurden in einem Schacht vier Arbeiter verschüttet. Drei Arbeiter sanden hiebei den Tod, einer laut mit leichten Verletzungen davon. Eine tiefe Druckstörung, welche sich über England ausgebildet hat, schreitet läng» einer ungewöhn- lichen Bahn direkt gegen Mitteleuropa vor. Im Zusammenhang damit fällt in der Republik nahezu überall Schnee, in den Niederungen Böhmen» und der Südwestslowakei regnet cs. Au» Frankreich wird unseren Gegenden vorübergehend ivärinere Lust zugeführt. Relativ am stärksten konunt bei un» die Er-. Wärmung aus den Kämmen der Erzgebirges und de! Böhmerwalde» zur Geltung, wo die Temperatur beinahe bi» zmn Gefrierpunkt angestiegen ist.— Wahrscheinliche» Wetter Dienstag: Unbeständig, vorwiegend bi» wechselnd bewölkt, Schauer. Nach vorübergehendem Temperaturanstieg von Nordwesten her erneut Abkühlung. Windig.— Wetteraursichten für Mittwoch: Andauer der veränderlichen und unruhigen Witteyung. (DIMM Ut WM Wie im Nazireich dem Gewerbe« stand geholfen wird Bei der Agitation für die Nazi in der Zeit vor dem Dritten Reich swnden di« Kleingewerbetreibenden in der ersten Front. Sie waren al» SA-Leute und auch auf den Funktionärposten der Nazipartei anzutrejsen. Hat ihnen doch der Nationalsozialismus versprochen, daß dar Handtverr wiederum goldenen Boden bekommen müsse, wa- durch die angekündigtc Beseitigung der große» Warenhäuser, durch die Verstaatlichung der Tv"stund Industriegebiete herbeigeführt werden sollt». Handwerker und Kleingewerbetreibende setzten im Reiche draußen die größteir Hoffnungen auf den Sieg des Nationalsozialismus und der durch di: Wirtschaftskrise wildgowordene Kleinbürger ging für Hitler durch dick und dünir. Nun wird allmählich bekannt, was der Nazismus zur Rettung de» Gewerbeftande» und dec Handwerkerbetriebe unternommen hat. In der Zeitschrift.Nationalsozialistische Sozialpolitik" hat vor kurzem ein Führer des.Reichsständer der Handwerker" festgestellt, daß es 600.000 bi- 000.000 Handwerker und Kleingewerbetreibende gibt, die jetzt—' unter den Segnungen de» Dritten Reiches— ein weit geringeres Einkommen-- sitzen als es das Existenzminimum der Arbeiter ausmacht. Und was empfiehlt dieser noble Führer des.Handwerkerstandes" zur Verbesserung seiner notleidenden BerufSanzehörigen? Er weist nach, daß diese 600.000 bis 800.000 Handwerker und KlbinsselverbStetdiebejiiur'Schrin»"und Schattenexistenzen seien, die nicht aufrecht erhalten werden dürfen, weil, sie eine zu große Belastung für die Wirtschaft bziv. für den Staat bedeuten, lind der.RcichSstand der Handwerker" hat tatsächlich im Jänner 1037 in einer Stellungnahme hiezu empfohlen, die sogenannten Einmann-Betrieü: stillzulegen, daS sind faktisch jene Gcwerbeiceibcn- den, die selbständig ohne fremde Hilfskräfte, arbeiten. So sieht mtn der berüchtigt« Nazischutz für das Handwerk aus, dem man früher wieder den .goldenen Boden" versprochen hat. Den Marxisten hat man zugeschrieben, daß sie in ihrem Programm die Vernichtung de» Kleinbetriebes vorgesehen hätten, die Nazi' aber führcu sie faktisch durch. Langsam wird ein Stand nach dem anderen durch die harten Tatsachen im Hitlerreichc darüber belehrt, welch ungeheuren Betrug der nazistische Faschismus an ihnen verübt hat. auf feiten der Linien befindet, während die söge-, nannte Rechte fast kein« Literaten auszuweisen hat, welche sich mit den linksgestnnten messen könnten. So urtesit«'mich die agrarische Revue„Bräzda", deren fortschrittliche Ansichten sehr»ft von der Schreibweise d«r anderen agrarischen Blätter äbweichen. Die Aufregung wiederholte sich, al» die Stadt Prag den Jiräsek-Prei» der sozialistischen Schriftstellerin Mari« Majerovä für ihren Roman aus dem Lehen der Kladnoer Bergarbeiter„Sircna" zuer- kgnnte. Nationaldemokraten, Faschisten, Agrarier schrien und tobten. Jedoch auch dieser Feldzug endete für di« Reaktion mit'einer Blamage. Die iMrodni Lisch" brachten in ihrer Weihnacht»- und Neujahr»nmnmer«in« Enquete über «ItattoUale Kultur". Si« versandten Zirkulare an ihnen nahestehend« Männer, in Welchen.sie darauf hinwiesen, daß in der, tschechischen Kunst gefährliche, zersetzende, gegen die Nation und den Staat gerichtet« Tendenzen immer lauter werden. Einige Ereignisse her letzten Wochen um Tage bestätigten angeb«, lich, daß^dlese äußexst geflchrvohieN Einflüsse de» «ersetzenden KulMrbolschewirmu» genug Kraft und .Mittel besitzen, um unter dem Mantel de» Fortschritt»' Und airdnir gefallender,' oberflächlich begriffener Phrasen auch, diejenigen Schichten Zur Mitarbeit ,ü gewinnen, tbelchesonstmitdem Kommunismus absolut nicht übereinstimmen." Auch dies« Enquete der ;Mxos>nt Lisiy" verlief im Sqnd«' und vermochte stin«' Empörung,»men den ,Kulturbolschewi»mu»"^ »U«Utfachzn. Die Anjworttn'waren auch nicht darnach angetan, die natioualfn Rechtrkreisp befriedigen zu können, Wohl pläidierten Dr. Kramäk und d«r Erzbischaf Ka»par sowie.verschiedene Universitätspro- fcssoren und Notabeln für reine, VM Kitlimbölsche« tvlrmu» befreite Kicktur, aber in der Enqtiet« waren mich Aktworten, daß t» in der Krnrst nicht rechts und. linkri gibt,, sondern für di/ Beurteilung nur wahre, Kunst maßgebend ist. Der Kampf gegen den.Kulturbolschewismus", dies« Nachäffung von Hitler, ist nichts neue» in der tschechischen Literattir. Seit jeher wurde im Namen der Nation von der alten Generatton gegen diejenigen Künstler gewettert, welche neue Ideen brachten. So erging erJanNeruda, welchen der Repräsentant der damaligen literarischen Rechten Jakub Maltz antinationale nannte, so erging«» Jaroflav Brchliekh, der Kosmopolit geschimpft wurde, und Julin» Z e y e r, den man wegen eine» Gedichte» Über da» zaristische Rußland au» der Natton auiistoßen wollt«, Im Verlag« F.'Borovh erschienen anonyme Gedichte,„82 bittere Balladen de» ewigen Studenten Robert David",,'welche, im Ton« der Dillonschen Balladen sich mit dem Leben«ine» Arbeitslosen befassen. Ursprünglich wurden einig« dieser Gedichte in den.^Lidovö Rovinh" veröffentlicht, an welche fie angeblich anonym«ingesgpdt worden sind. Die Oeffent- lichkeit stellte Mußmaßunssenanj wer wohl der Autor dieser Bällchen sein ksissnfe. Man risst auf verschieden« Leute,! inibesonder» auf! den surrealistischen Djchteb Bitilzflav Nezval. Im„Närodni Osvpbo- zeni" wurde geschrieben, Rgbirt David wäre«in gewisser I. pl. Fürst, Wilcher angeblich bereits in' ähnlicher Wtise Bücher herqujgegeben hat, aber die-' ser Aütoi dementierte selbst die Nachricht. So blieb di« Person per Robert David weitlr geheimnisvoll, ich» dem Buchenur zu einem, um so größeren Äb- sähe verhilft. Ma» wer tichßer der Autor' sein, vielleicht tatsächlich«in intelligenter Erwerbsloser, viel-! leicht(und am wahrscheinlichsten) ein Schriftsteller, dei! Hunger Und Elend, nur al» politische Phrasen verwendet^— jedenfalls vlHen dst Balladen al» soziale Dicht,mg in der tschechischen, Literatur bestehen Und werden al» solch«'immer ihren Wert haben i'ii Richard Weiner, der am 8. Jänner in: Alter von 82 Jahren verstorbene tschechisch« Dichter, war«in feinfühliger Poet. Bon Beruf Ingenieur der Chemie,. widmete er sich der Journalistik und war viele Jahre Pariser Korrespondent der.Lidovi Noviny". In seinen Gedichten und Keinen Prosaarbeiten analysierte er eine jede Begebenheit und vertiefte sich in da» Metaphysische de» Seins. Seine Bebrutung wurde von allen Plättern gewürdigt. Fräüa Srämek, den man den Dichter der Jugend nennt, feierte am 19. Jänner seinen 60. Geburtstag. Srämek, dessen Werke auch den deutschen Lesern au» Ueberschüngen bekannt sind, begann seine literarische Tätigkeit im..Jahre 1900 al» ethischer Anarchist Mit.antimilitaristischen Gedichten'„Der Blaue und der Röte", welche auch heute ihre Wirkung nicht versehltn. Seine Lsedzr, wie ,,E» schreiben mir «in Brieflein die Herren vom Militär-.." mit dem Endvetse„Blauer Reservist, roter Anarchist, in der tyeiien Ferge rote Blum« blüht"» war ein gern gesungene» Lied der sozialistischen Jugend. Ebenso beliebt waten auch di« anderen Lieder dieser Sammlung^ besonder» die revolutionären„Ritten schleunigst Adjutanten" und„Rapport". Auch in dem zweiten Gedichtbqnd«„De» Lebens Elend; ich hab' dich doch gern!" finden sich revolutionäre Uyd soziale Gedicht«, wir'z, B.„Der Hitndecharal" vom Elend per Bergarbeiter oder die Ballqde„Ada, Minka, Maria". In seinen späteren Gedichtbänden pflegt« Srämek nur reine Lyrif. Sein letzter Gsdichthglid bat den bezeichnenden Titel..Noch klingt eh". Sein« Berühmtheit'.verschafften ihm Ws« PkpsgqrbeiteNi welchen besondeb» die Romane„Dep silbenie' Mj'nd" und„Der Köpped" gehören. Er hatte'auch Erfolg mit seinen Theaterstücken, von welchen da» gelungenste und beliebtest sein Erstlingswerk„Der Sommer" I ist.' Rudolf Jfl l o v' tz. Seite 8 „Sozlnldemokrat". DlenSta», SS. Feber 1987. Nr. 48 TmgerAMmg Ter Tod zweier einsamer Menschen- Sonntag abends wurden in ihrer Holleschowitzer Wohnung im Hanse Nr. 898, Holeöovicli uäm., die 81- jährige ehemalige Privatlehrerin JohannaRichic r und ihr 68jähriger Nesse Anton KäL in bc- wnßtlosem Zustande aufgefundcn. Anlast. zu der polizeilichen Oefsnung der Wohnung gab eine Nachbarin, die ihnen zuweilen das Essen besorgte und die auf ihr. Klopsen leinen Einlab fand. Die Greisin und ihr, mit einem schweren Körperfehler behafteter Reff«, der als menschenscheuer Sonderling galt, lebten durch viele Jahre in dieser Wohnung und hatten sich ganz eng aneinandergeschloffen. In letzter Zeil erkrankte die alte Frau schwer und es scheint. Last sich Anton Käb mit dem möglichen Verlust seiner Tante, die er wie«ine Mutter liebt«, nicht hätte abfinden können. Offenbar wollten beide gemeinsam in den Tod gehen. Auf dem Tisch fand man geleerte Weingläser, Medikamentenfläschchen und Pulverpapiere. DI« Greisin war bereits tot, ihr Neffe ringt mit dem Tode. Beide waren festlich gekleidet. Auto auf dem Gehsteig. Zu einem schweren Verkehrsunglück kam es Sonntag nachmittags vor dem Denisbahnhof. Der Chauffeur R. Ka- raiuk auS Dcraun wollte einem Straßenbahnwagen vorfahren und riß, als er auf"dem Gegengeleise einen anderen Straßenbahnwagen sich ent- gegenkommcn sah, das Auto so jäh zur Seite, dab es auf den Gehsteig fuhr. Sechs Personen wurden er» faßt. Die 48sahrige Franziska Folprecht ans Laun wurde iiberfahren und getötet, ihr Gatte HugoFolprecht und vier weitere Passanten niedergestoßen und verletzt. Der Chauffeur wurde in Haft genommen. Da» neue Prager Telephon-Verzeichnis für das Jahr 1987 wird oben an die zuständigen Postämter versandt. Die Post- und Telegrapheildireltton macht aufmerksam, daß jeder Teilnehmer s ch r i s t l i ch a u f g e f o r d e r t werden wird, das alte Telephonverzeichnis bei seinem Postamt gegen da» neue umzutanschen. Um überflüssigen Reklamationen vorzubeugen, empfiehlt es sich, die schriftliche Aufforderung abzuwarten und erst dann, falls dieselbe bis längstens 8. März d. I. nicht eingelangt sein sollte, sie telephonisch unter Nr. 81782 zu urgieren. Da» Telephonverzeichnis wird in 64.000 Exemplaren erscheinen und über 1000 Druckseiten umfasse». Zur Herstellung des kleinen, trotzdem aber deutlich lesbaren Nonpareille-Schriftsatzes waren mehr als 6000 Kilogramm Metall nötig. Die Seherarbetten beanspruchten 6 Wochen. Den Druck besorgten 11 Schnellpressen bei einer Arbeitsdauer von 87 Arbeitstagen von je 16 Stunden täglich; es wurden 4,266.000 Drucke verfertigt und 8 Waggons Flachbogen Papier verbraucht. Für die Einbände waren außer der Leinwand und de» Kleisters mehr als 100 Kilogramm Draht in einer Länge hon 20.000 Meter und 6000 Kilogramm Pappendeckel erforderlich. Die Bewältigung dieses von der Staatsdruckerei dnrchgeführten Werkes dauerte nicht ganz 18 Wochen, Geisteskranker als Raubanstifter Eröffnung der ersten SHiwurgerichtsperiode Prag.—rb— Gestern begann die erste Schwur- gerichtsperiode dieses Jahres, für welche einstweilen zehn Fälle angesetzt sind. Wahrscheinlich dürst« aber das Programm dieser Seffion, auf welchem vorläufig nur einer der in Vorbereitung begriffenen großen Prozesse steht, noch um einige weitere Anklagen erweitert wevden. » Der erste, unter Vorsitz des Kreisgericht S- Präsidenten Dr. D o st ä l verhandelte Fall betraf eine Anklage wegen Raubes. Ange- klagt war der 22jährige, seit September vorigen Jahres arbeitslose Schuhmachcrgehilfe Franz S t>« n e k. Der Fall ist durch seine absonderlichen Begleitumstände bemerkenswert. Der Angeklagte lernt« bei seinem alltäglichen Warten vor der„Arbetts- b ö r sc"(der Arbeitsvermittlung) den um ächt Jahre älteren Johann Kvsilka kennen, einen gleichfalls arbeitslosen Berufsgenoffen, an den er sich zu seinem linglück anschloß. Khsilka redet« ihm zu. sich durch einen„kühnen Handstreich" zu Geld zn verhelfen und wußte ihm di« zu unternehmende Aktion so romantisch und phantastisch auSzumalen, daß der junge hungrige und beschäftigungslose Mensch schließlich auf die Pläne seines Kameraden«inging. Die Heiden belauerten an den Auszahlungsschaltern des Postscheckamtes die Parteien, die dort Geld behoben und nahmen schließlich am 1. Oktober v. I. die Beamtin A ntoniePavek aufs Korn, die für ihre Firma«iucn größeren Geldbetrag abhob und in ihrer Aktentasche verwahrte. Eie verfolgten sie. bis sie schließlich in der R e z n i c k ä in ein HauS ein« trat. Kstsilka blieb vor der HauStüre und„machte die Mauer"., Der Angeklagte eilte dem ausersehenen Opfer nach, versetzte der Pavek einen Hiebgegen den Hinterkopf und versuchte ihr die Aktentasche zu entreißen. Die lleberfallene setzte sich indessen zur Wehr. Auf ihre Hilferufe wurden beide Täter festgenommen., Auf die Anklagebank kam nur Franz Ehnek, denn I o h a n n K v s e l I a wurde von den Gerichts« ärzten als hochgradigSch u z oph teuer für unzurechnungsfähig erklärt. Aus den; Gutachten geht hervor, daß Kvselka in dem ständigen Wahn lebt, er befindesichi meinem exotischen Dschungel/ Er phantisierte davon, daß er eine„tüchtige Partie erst- klassiger Burschen" zm'ammengestellt habe, mit. denen er allerlei Abenteuer zu bestehen gedachte. Seine Wahngeftalten. benannte er mit Name», wie„Großer Tiger",„Grüner Frosch" u. dgl. Bon dem AngeNagten Shnek sprach er höchst ßelkktssaat Xuast u-ul Mssen- geringschätzig als„Weichling, der nicht in die Wildnis tauge"/,.' Shnek bekannte sich vor dem Schwurgericht reumütig zu seiner Schuld und verteidigte sich damit, daß er völlig unter den suggestiven Tinflu ß des Geisteskranken geraten sei. Sein Verteidiger beantragte daher die Vorlegung der Zusatzsrage, ob der Angeklagte nicht unter„u n w i d e r st e h- l i ch c m Zwang" gehandelt habe, die aber aber vom Schwurgericht nicht zugelaffen wurde. Der sonn tägige Probegalopp der Blauweißen wurde zwar noch nicht mit vollständiger 1 Mannschaft dürchgeführt, langte aber, um den Gegner, Viktoria Nusle, mit 6:1 (8!0) abzüsertige».' Di« Nusler. waren- auf dem nassen Boden den technisch besser beschlagenen. Deut- schen gegenüber im Nachteil. CsSF gegen' DFL. Am SamStag fand, ist Präg «ine Sitzung der tschechischen Gauvorsitzenden und den; Gruppenprogramme: Gruppe Prag £ I: 28; Feber,.8 Uhr, Smeiky 22: M R„Andri Gide". Gruppe Prag XII: ■ 24. Feber.- 8 Uhr, Smeiky 22: W* J M„Deutsche und Tschechen in der Tschechoslowakischen Republik"..— Gruppe Prag Vll: 24. Feber,, 8 Uhr, Spälena 46:„Andri Gide".— Gruppe Prag .; /„Marx-Engels- Fllme In Prager Lichtspielhäusern Adria:„Der letzte Heide/(Am.)— Alsa: „Rembrandt."(Ch. Langhton.— Engl.)— Apollo: „Im Wirbel der Li eb e."(F:)— Avion:„Das Zigeunermädchen." Laurel u. Hardy.(A.)— Beränek: „Der Hund von Ba»kerville."(D.)Fcnix:„Der große Bill."(A.)— Flora:„Marie Stuart."(K. Hepurn. Am.)— Hollywood:„Menschen auf bet Eisscholle." .(Tsch.)— Hvizda:„Die schwarze Spinne."(Ach.) — Juli»:„Die Liebe des Fiaker» Ferdinand."(D.) — Kotva:„Das Zigeunermädchen."(Laurel'und Härdy. Am.)— Lucerna:„Der große Bill."'(Am!) — Metro.-„Drei fesche Mädel»."(D> Durbln. Am.) — Passage:„Dar Schloß in Flandern."(Deutsch.) — Praha:„Bier Spione."(Engl.)—.-Radio: „Blinde Passagiere.".(Pat und Patachon. Deutschs)' — Skastt;„Ein entzückendes Ereignis."(Tsch:)— Sdiwzor:„Das. Schloß in Flandern."'(Deutsch.) j— Alma:..Maria Stuart."'(K. Herbun. Am.)-— Laikal:„Ein Kamel geht durch ein Nadelöhr."(Tsch.) — Lelveder«:..Moskau—Schanghai;"''(Pola Negri. D.) 7-- Besedä:„Der Hund, von Ba»kerv!lle!".kDi) — Illusion:„Ein entzückende». Ereignis,"(Tschech,) — Louvre:„Ein Kamel geht durch, ein,-Nadelöhr," (Tschech.)— Maeeöka:„Ein entzückendes Ereig- ni».".'(Tsch.) 7-'iVlinnp.ier.„MoSkaÜT^Schanghäi." bürgerlichen Verbandes wäre also vorbei und daß «S mit einem Erfolge endete, ist mehr dem sprichwörtlichen Glück der Stürmer als deren tatsächlicher. Leistung zuzuschreiben. Aber auch das übrige Um und Auf des Kampfes, wie er sich von beiten Seiten ergab, war nicht jene„Klaffe", daß Lobeshymnen angestimmt werden könnten. Es sei daher festae- stellt, daß dieses Match nach einer einigermaßen spielerisch guten ersten Häkbjeit nach der Pause Formen annahm, welche mit Sport nicht» mehr gemein hatten. Einzelne Spieler de» tschechoslowakischen TeamS griffen nämlich zu dem bekannten Mittel, ihr Versagen durch Foul» zu verdecken und die Folge war, dab die Eidgenossen, weil körperlich auch robust, nicht» schuldig blieben, so daß in diesem Spielabschnitt eigentlich die Spieler der einen wie der anderen Partei sich oft in Schmerzen gekrümmt auf dem Boden wälzten. Wie weit die Roheit gediehen war, möge da» eine Beispiel aufzeigen: Der tschechoslo- .walische Verteidiger Burger war von einem Schweizer gefoult worden, der Schiedsrichter gab Strafstoß, doch bevor dieser auSgeführt war, hatte Burger seinen Widersacher durch einen Boxhieb in den Magen niedergestreckt.. Ausschluß wäre wohl die geringste Strafe gewesen, aber derlei geschah nicht— bloß eine VerwarnungI E» mag sein, daß die Schweizer in bezug.auf die nicht abwendbare Niederlage hart spielten— aber sie spielten lange nicht so foul wie die Heimischen, die sich zu viel Recht« anmaßten und welche vom Schiedsrichter I«t- der nicht so geahndet wurden, wie sie e» verdien! haben würden. Das waren sozusagen die unerfreulichsten Momente diese» Spiels gewesen. Unerfreulich war aber auch da» tschechoslowakische Team in spielerischer Hinsicht. Der Sturm kannte keine Zusammenarbeit, war langsam vor dem Tor«, so daß die gegnerische Verteidigung oft mit einfachen Mitteln klären konnte. Arg versagte.die Läuferreihe, die auch die meisten Foul» dafür verursachte. Die Ver« Bezugsbedin g u n g«n: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich Xi 16.—,' vierteljährlich Ki 48.—, halbjährig Ki 98.— ganzjährig Xi 192.—.-— Inserate werden lau« Tarif billigst berechnet.-Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einseüdung der Retourmarken.— Die Leitungsfrankatur, wurde von der Post« Und Tete« graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlag»- und ZeistmgS-A.-G. Prag,