Aziakbemokat Aentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republii Erscheint mit«n««ah«e de» Montas t«,Nch s-iih ^dÄttmnmbVrWaltung: Prag XL, Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: KarlKern.Prag 17. Jahrgang Freitag, 5. März 1S37 Aus dem Inhalt: Forderungen der SdP: Weniger Margarine, Einführung von Margarinekarten I Neue Betriebe Im sudetendeutschen Gebiet Merkwürdiges von der deutschen medizinischen Fakultät Nr. 55 England hofft auf Frankreich Eine Warnungsrede Winston Churchills London.(Reuter.) Das Unterhaus behandelte Donnerstag in dritter Lesung den Gesetzentwurf, durch den dl« Regierung zur Auflegung einer inneren Anleihe Nir RüstungSzwecke ermächtigt wird. .' Ander Aussprache erklärte Winston Chur- A/ll, daß, er das vorgeschlagene Geseb voll blllige. Unsere Sicherheit, sagt« Churchill, ist deut» nicht mehr vollkommen und vom Gesichtspunkt unserer Sicherheit ist eS nicht die wichtigste Frage, einen wie hohen Betrag wir für die Rii- Mngen aufwenden. Die wichtigst, Frage sind die Waffe«, di, wir Monat für Monat den auSge- bildeten Soldaten werden einhändigen können. Ach hoff«, daß poch im Laufe des heurigen Sah- r»S alle notwendigen Maßnahmen getroffen werden, die Großbritannien benötigt, um seine Sicherheit wieder her,ustellen und daß diese Maßnahmen sehr rasch getroffen werden. Schatz- k-nzler Neville Chamberlain hat gesagt, fuhr Churchill fort, daß keine direkte und unmittelbare ' Die„Frankfurter Zeitung"— innerhalb der gleichgeschalteten Blätterwelt des HitlerreichS die einzige Zeitung, die Profil und Format zu wahren sucht, so gut und schlecht das noch geht, aber immerhin auch das Sprachrohr starker veut- scher Bikkschastsgruppett— hat sich schon einigem male" sehr positiv über das Regime Blum ge- Lussert. Geradezu sensationell aber ist der Artikel, dem sie in der Ausgabe vom Mittwoch, den S. März, Wer Blüm veröffentlicht: Nachdem das reichsdeutsche Blatt Blums „New Deal", sein großes Reformwerk, besprochen und die Notwendigkeit einer„Pause" erörtert hat, kommt eS auf di« Versuche der Kommunisten zu sprechen, Blum Schwierigkeiten zu bereiten. Er schreibt u. a.: Dl« französische« Anhänger der in. Internationale Haien ihr« Tonstärke in de« letzten Zelt tteseMich herbagestimmt. Sie verzichten mehr und «ehr darauf, Ltou Blum» Stellung zu bedrohen, nachdem sie einmal gesehen Haien, daß er entschlossen ist, sie, wenn nötig,'— unter dem Jniel der meisten Franzosen— abzuschüttedn. Aber sie sehen ihr« Tätigkeit.in den Gewerkschaften und Betrieben sort, und zwar mit einer Gründlichkeit und OrganisationS- kanft, die in keiner anderen, politischen Gruppe Frankreich», außer iet den Anhängern deS früheren Kvm- muniften Dorlot, z» finden ist. Ein eigentlicher Innerpolitischer Machtkampf vollzieht sich darüber hinan» in diesem Augenblick« in Frankreich nicht. Die parlamentarische Opposition ist durch die starr« Mehrheit der Volksfront zur Opposition verurteilt, und dl« keineswegs gleichgültige Mass« der Feuer- kreuzler ist f« tief. in der Ueberprüfung ihrer Bestände an Menschen und Idee« begriffe«, daß sie al» Machtgruppe in diesem Augenblick nicht in Frag« komnü. .Dir Regierung Blum steht als» sowohl im Parlament wirst»« chin den Massen,, mit denen. st««chnet, f« st, i a««stau n l ich fest d a. Wen« man ihr« wirtschaftlichen und finanzielle« Schwierigkeiten«ine» Augenblick auS- schaltet, so muß mm» sogar sagen, daß Frankreich, seitdem Poinrart den Franc ftatilisterte, keine s» unerschütterlich« Regierung«ehr gehabt hat.. Mehr und«ehr setzt sich in der öffentlichen Meinung da» Gefühl durch, da» Blum„u n a i se tz» a r" sei. Diese Meinung ist»«gespitzt, ater nicht irrig. Da Wan mit einem elementare« Kraftauöbruch de» La«-' de««Nd einer schlagartige« Geturt neuer Führer- erschrinnngen nicht rechn«« kann, s» erscheint Lion Blum i» d|ese« Augenblick al» di««i«»ig mö g.ltch e Lös«nm•■ . Nach einer weiteren Würdigung Blums bespricht die„Frankfurter Zeitung" die von eng« lischer Seite aufgetaucht« Vermutung, BlumS Weg werde dem Macdonalds gleichen. A»ter- effanterlveise kommt die reichsdeutsche Zeitung aber zu anderg^Ergebnissen:;■■;. Bln««acht keine Miene,«ist« llh-utemp» oder Flandi» da» Feld zu räumen. Er fühlt, daß er d erst»rkst«Männin Frankreich ist nach lass« sei« wird. Di, Parteien, Kriegsgefahr besteht. Sch glaube, daß die», was daS heurigeFrsihjahr«nd den h e» r i• gen Sommer betrifft, der Wahrheit entspricht, wissen wir aber, waS uns in der Zukunft bevorsteht. Die Regierung Großbritanniens würde llug daran tun, wenn sie womöglich die Periode bis zu unserer gründlichen Ausrüstung, die für unS eine Periode der Gefahr ist, verkürzen würde. Sch bin überzeugt, daß wir unS auf daS künftige Uetrrgewicht der britischen lkriegSflotte in Europa werden verlassen können, solange in den Bereinigten Staaten die gegenwärtige freundschaftlich« Gesinnung uns gegenüber anhält, andererseits bin ich beruhigt durch unser Bündnis mit der französische» parlamentarische» Demokratie. Diese Allianz ist ganz sicherlich eine Defensiv-Allianz«nd ich bin überzeugt, daß die Freundschaft dieser beiden LSndrr eine der größten Bürgschaften für unser« Sicherheit und für die Aufrechterhaltung deS Friedens ist. dir Erwerh-gruppe»»ad Bevölkerungsschichte» habe«, von innen her gesehen, ebenso mit ihm zu rechnen, wie Europa und dleWelt, von außen gesehen, um ihn nicht hernmkommen. wir hab« früher gesagt, daß sei», -politisch, LeirnSliule auf da» Schicksal Mordruald» hinzulaufen scheine. Dich mit dem Unterschi«», daß Bln« und s, in ePa r t rt«»1 t-e.« st» bar seien. E» ist nicht einzusehe»,«arm» di« So- zialistische Partei Frankreich» nicht der Ker» einer zukünftige« nationale» Regierung auf breitester vast» werden solle. Die Bande, di« zu den Kommunisten hinübersühren, werde» täglich dünner. Mehr und mehr wird e» dl« Rolle Blum», für Frankreich dieselbe Arbeit zu leisten, die Generationen lang de« Madrid. Die RegirrungSstreitkräst« gewinnen in Oviedo, daS tatsächlich vollkommen eingeschlossen ist, langsam neuen Boden. DiePro- paganda der Aufständischen hatte daS Gerücht verbreitet, die ReglerungSosfensivc gegen Oviedo stocken weil eS zwischen de» asturischen»nd dm baskischen Milizen zu Streitigkeiten gekommen sei. Diese Behauptung«» werde« von der Regierung dementiert. Sie sind ofsentstchtlich nur zu dem Zweck verbreitet wordrn, dir Niederlage der Nelelle» in Oviedo zu verschleiern. DaS Haupt- bestrevrn der Milizen ist daranf gerichtet, den Ring um Oviedo dicht zu schließen«nd so die Belagerten zur Uebergabe zu zwinge». Die R«»irrungStr«ppen scheinen auch bei Toledo gute Fortschritte zu machen, Sir.sind nach-einer Meldung a«S. privater Quelle am Mittwoch in Toledo eingedrungen und gelangten Kontrolle erst ab 21. Nlrz? London.(Reuter.) Freitag trift' der Nichteinmischungsausschuß zusammen» um den Zeitpuntt der Geltendmachung der See- und Landkontrolle Spanten- sestzusetzen. ES scheint, daß statt de» ursprünglich angenommene» Datum» vom S. Mär, der 21. Mär, bestimmt werden wird, denn«S besteht dir Befürchtung, daß die Kvntroll-«nd Beobachtungsausschüsse sich auS technischen Gründen nicht bis zum 6, März an dir festgesetzte« Kontrollpunkte der spanische» Grenze» begeben könnten. .•’ Ein technischer Sonderausschuß des Nicht- einmischungsauSschusseS legt« laut„Daily Telegraph" am Mittwoch dir Standorte der Kontrollstationen ffy die Nichteinmischung wie folgt fest: 1. Auf der Höhe der D« w«»(Reede im Kanal Radikalsozialisten oblag. Die Sozialistische Partei schickt sich an, zur großen konstruktiv« Partti de» Lande» zu werden. vielleicht Ist es in diesem Zusammenhang interessant, dass die Basler„National»Zei« tun g", Wohl daS seriöseste und beste demokratische Blatt in deutscher Sprache, in dem ersten Artikel einer Serie über die deutsche Außenpolitik bereits von einer deutlichen Schwenkung Berlins von England weg und zu Russland spricht. Es beruft sich auf die Reise deutscher Generalstäbler nach Russland im August 1086, darauf, dass Krupps Gruson-Werk seit einiger Zeit Munition für die Rote Armee herstelle, dass der deutschrussische Handel sich im Vorjahr verdreifacht habe, und auf einzelne Meinungsäusserungen in Deutschland. Gewiss sind solche Versionen selbst in-einem ganz ernsten Blatt mit Vorsicht aufzunehmen. Dennoch erscheint augenblicklich ein Versuch Hitlers, seine Politik auf ein groheSKontinental- b.ündnis gegen England umzustellen, nicht völlig unmöglich. Die Achse Berlin—Rom Im Brüsseler sozialistischen„Peuple" bespricht I ex a s die neue Lage in Mitteleuropa. Auch er kommt zu dem Ergebnis, dass sich in der Haltung Italiens gegenüber Oesterreich und der Restaurationsfrage eine Kapitulation Mussolinis vor Hitler offenbare. Denn während dieser den Traum vom Einzug in Wien nie aufgegeben habe und ebendarum biSausS Messer die Restauration bekämpfe,, habe Mussolini das dringendste Interesse daran, Hitler von Wien fernzuhalten. Wenn Mussolini heute llein bftgibt^ s» zeig««ch, dass«Mollert und nicht in der Lage sei, sich gegen dinUbermächiigenDruck seine» Bundesgenossen zu- wehren. Iexa» kommt also zu den gleichen Auffassungen, die wir seit zwei Wochen vorttagen und die berechtigte Befürchtungen um das Schicksal Mitteleuropa- begründen, Mitteleuropa, das seit 1918 niemals so näherer Gefahr einer preussischen Hegemonie war wie eben in diesen Tagen. bi- vir eines der vernichtete» Alcazar.Forts. Eine Bestätigung dieser Nachricht steht allerdings noch au». Ein Angriff der Aufständischen, der auf die Zurückeroberung der an der Sttaße nach La llo- runa verlorenen Positionen gerichtet war, wurde zurückgeschlagen. Auch auf der Höhe Moneloa wurde ein Rrlellen-Angrisf zurückgewiese». Griechisches Schiff stttBt auf eine Mine London.(Reuter.) Die griechische Schiss „Loukia" mit 2148 Bruttotonnen, daS der Gesellschaft PalamoS gehört, stiess in einer Entfernung-von zwei Meilen von Cap Bagur auf eine Mine,-ging, in Flammen auf und sank sofort. Die gesamte Besatzung kam um» Leben. vr» Dover), S. Cherbourg, 3. Gibraltar, 4. Cagliari(Sardinien), 5. Oran (Algerien), S. Marseille, 7. Madeira. Italienische Generale In Spanien London.(HavaS.) wir verlautet, wird der-italienische General R»»t a, der in de» Kämpfe« um Malaga dir italienischen Kolonnen kommandierte und verletzt wurde, bald«ach Italien zurückkehr«» und zum Division-general ernannt werden. Er wird auf seinem Kommando- Posten in Italien von General Grafe« v a i- storcht atgrlöst«erden, der während deS abessinische» Kriege» llnterstaatSsrkretär im Kriegsministerium war. Blum im Gefecht B. B. Pari». Wenn wir sagen solllen, waS das demokratische und sozialistische Frankreich von LSon Blum erwartet, so könnten wir nur antworten: die Fortsetzung des eingeschlagene» Weges. Darin ist alles enthüllen, denn bewahren Lton Blum und seine Mitarbeiter, die ihnen durch die Maiwahlen zugefallenen staatlichen Kommandostellen, dann gelingt eS auch stufenweise jene Kräfte in der Finanzverwaltung und in der Aussenpolitik abzuschütteln, die heute die freie Entfaltung der vollSfrontaktion hemmen. Eine Reinigungsarbeit grossen Stils hat eingesetzt und es ist nur allzu begreiflich, dass sie innerhalb von zehn Monaten nicht in alle Zweige der staatlichen > Administration Vordringen konnte. Dies schienen manche Kritiker zu vergessen, als sie die Schuld an den Irrwegen der Nichtinterventionspolitik auf das Konto der Regierung Blum setzen wollten. Sie liessen äusser Acht, dass die aussenpolitischen Methoden eines Landes nicht von einem Tage, zum andem geändert werden können, dass man eine kompakte Masse von Bürokraten, die an einer versteiften T adition sesthält, nicht innerhalb weniger Wochen auswechseln kann: In Frankreich selbst sind sich jetzt alle Teile der Linken darüber einig, dass nach jeder Richtung hin bedeutende Fortschritte erzielt wurden und dass das«Experiment Blum" in seinerersten Phase gelungen ist. Auch die Kommunisten stellen die Spanienfrage, mit deren agitatorischer Auswertung sie dem Kabinette manche bittere Stunde bereitet hatten, nicht mehr zur Diskussion. Nicht wegen der Aussenpolitik begegnen der Regierung gegenwärtig Schwierigkellen, sondern «Sjind dj« grossen wirtschaftspolitischen-Reform-, Pläne, tvelche di«,Opposition in Nervosität versetzen. Die Rechte hat auf die Ankündigung eine» zweiten Volksfrontprogrammes,, welches die Nationalisierung des Bergbaus und der privaten Versicherungsgesellschaften umfassen soll, mit einer Lügen- und Gerüchtkampagne geantwortet und sie wollte Lion Blum schlie sich durch eine Interpellation des ehemaligen Ministerpräsidenten Flandin zwingen, sich genauer über seine Projekte zu erklären. Mit 861 gegen 209 Stimmen wurde der Regierung namenllich für ihre Wirt- schasts- und Sozialpolitik das Vertrauen ausgesprochen. Der politische Direllor des„Populaire" konnte angesichts dieses Resultates feststellen, dass die VollSsront mit der Nation identisch ist. Ausserhalb der in der VollSsront geeinten Nation stehen die Sonderintereffen der oppositionellen Finanzgruppen und deren Parlamentarische Wortführer. Die Diskussionen, die innerhalb der einzelnen Kammerfraktionen vor der entscheidenden Abstimmung geführt wurden, zeigten, dass die Einflüsse der Haute Finance bis in die Reihen der Radi- kalsozialisten hineinreichen. Di« Frag«: für odergegen die sozialen Reformen führte zur Scheidung der Geiste r. Man konntt erkennen, welch« radikalsozialistische Abgeordnete die Volksfronttegierung preiszugeben bereit sind; 22 Mitglieder der radi« kaisozialistischen Kammergruppe enthielten sich der Stimme. Der rechte Flügel der Radikalsozialisten betteibt eine eifrige Agitation zugunsten der Einberufung eines ausserordentlichen Parteitages, in der Hoffnung, dass dort, wenn nicht das Schicksal der Regierung, so doch das des grossen Re- formprogrammS entschieden würde. Die- Sozialisten haben alles Interesse daran, dass sich die mit ihnen-koalierten Parteien in aller Ruh« darüber klar werden sollen, wieweit sie den gemeinsamen Weg fortzusehen bereit sind, um spätere Ueber- raschungen auszuschliessen. Löon Blum selbst verkündete zu diesem Zwecke eine zweimonatige Atempause, die am ersten Mai ihr Ende finden soll. Diefe Pause bezieht sich nur auf die grossen Reformen, nicht aber.auf die Kleinarbeit, denn di« zunehmende Teuerung, die npr zu einem Drittel in den sozialen Massnahmen dec Regierung, zu zwei Dritteln in der Desorganisation des Marktes begründet liegt, macht ein energisches Einschrellen notwendig. Eine baldige Regelung ist hier um so dringender als die Opposition bestrebt ist daS Preisproblem in seiner Bedeutung zu übertreiben, um dadurch an die erzielte wirtschaftliche Besserung, an die erhebliche Abnahme der Arbeitslosigkeit vergessen zu lassen. Die-grossen Erfolge der Regierung Blum, die imposant« Kammermehrheit, die- sie immer wieder zu erzielen imstande ist, genügt den Unglückspropheten jedoch nicht,-die auch jetzt noch eine» baldigen Kabinettswechsel Voraussagen; wo- Der„stärkste Mann in Frankreich“ Sensationeller Artikel der„Frankfurter Zeitung** Uber Blum Heftige Stellunsskämpfe bei Oviedo und Madrid Schandbare Verschleppungsmelhoden Seite 2 Freitag, 5. März 1037 Nr. srr bei sie vor allem mit der wachsende» Sabotage der Finanzkreisc rechnen. Sie belieben-auf den Sturz der LinkSregierung Herriots im Jahre 11)26 hinzuweisen, wiewohl die heutige Situation init der damaligen leinen Vergleich zuläßt. Heute steht nicht mehr eine Parlamentskoustcllation gegen eine andere, sondern das Voll aus der einen, die oppositionellen Politiker auf der an» dern Seite, wobei man es sich ersparen kann daran zu erinnerns dass auch rein parlamentarisch betrachtet keine andere Mehrheit als die der Volksfront möglich ist. Manchmal hat es den Anschein als ob die Rechte den Sturz Lion Blums mehr fürchten würde als sein Verbleiben an der Macht, denn sie vermutet, datz bei einer Reaie- rnngslrise, die etlva durch das Verhalten des Senates provoziert würde, die Blassen in die Waagschalen des politischen Geschehens geworfen werden könnten. Man kann tatsächlich annehine», das; sich weder die Gelvcrlschasten um die erlangte Monopolstellung in der Vertretung der arbeitenden Klaffen, noch die Arbeiter um die errungenen sozialpolitischen Vorteile, die Vierzigstundenwoche rind die bezahlten Urlaube bringen lassen werde». Welchen oppositionellen Politiker dürfte es aber gelüsten die. Ministerpräsidentschaft zu übcrneh- men, ohne am sozialpolitischen statu? quo etwas ändern zu dürfen? Inzwischen wächst aber die Stärke der sozialistischen Partei von Tag zu Tag; Sowohl in organisatorischer Hinsicht als auch, was die Veran- lerung in den Massen anbelangt, find'dtc Sozi a l i st e n stärker geworden, als die Kommunisten. Diese haben die Betriebsorganisationen teiliveise fallen gelassen und ihr Schwergewicht auf die lokalen Sektionen verlegt. Hingegen vermochten die Sozialisten durch Gründung von Betriebszellen„Amicales d' usine" ihren Einfluss auf die manüelle Arbeiterschaft zu verstärken. Die Ilebernahme der Verantwortung im Staat hat die sozialistische Partei in keiner Weise ihr Prestige bei den Massen einbüssen lassen. Täglich melden im Durchschnitt tausend Franzosen ihren Beitritt an. Bei den Nachwahlen der vergangenen Monate erhielten die sozialistischen Kandidaten mehr Stimmen als im Mai 1086, während bei den kommunistischen eine leichte Abnahme zu verzeichnen war. So gelangt man zu dem Schluss, dass die Stellung der sozialistischen Partei und ihres Führers, des Ministerpräsidenten Löon Blum, mit j jedem Monat eine Festigung erfährt. Amnestie zu Masaryks Geburtstag Tagung des Ministerrats Prag.(Amtlich.s Der Ministerrat hiclt am Donnerstag, den t.,März,«ine Sitzung ab und behandelte, nebelt den laufenden aussen- und innenpolitischen Fragen folgende Angelegenheiten: Gemäß dem Vorschlag des JustizministerS beschloß der Ministrrrat, dem Präsidenten der Republik zu empfehlen, anläßlich deS 87. Ge- burtStagcS deS ersten Präsidenten der Republik T. G. Mafarnk für einige Gruppen von Straftaten politischen Charakters«in« Amnestie zu erteilen. Ferner nahm der Ministerrat den Bericht des Finanzministers über die Grundsätze, aus denen die Massnahmen zur Milderung der Gehaltsabzüge der SiaatSangestellteMbcruhen werden» mit Zustimmung zur Kenntnis. Auf dem Gebiete der Vorbereitung von Regierungsvorlagen für die Nationalversammlung lourd« sodann-der Bericht über die Schlussredaktion der Entwürfe des neuen bürgerlichen Gesetzbuches und der Zivilprozessordnung zwecks Vorbereitung der Vorlage dieser Regierungsentwürfe zur verfassungsmässigen Behandlung zur Kenntnis genommen. Auf dem Gebiete der VerordNungSgewalt der Regierung wurde die Verordnung über die Abzüge vom vertragsmässig festgesetzten Preise bei einigen Textilwarenlicserungen und über die Regelung deS Beitrages für die Flachs- und Hanfzüchter ähnlich den Grundsätzen, die für die vergangene Periode galten, auch für das Jahr 1087 genehmigt. Ebenfalls genehmigt wurde die Verordnung über die zeitweilige Meldepflicht von Tularämie, u. zw. in der gleichen Weise, wie die amtliche Anzeige fiir andere epidemische Krankheiten unter der Bevölkerung angeordnet ist. Ausgesprochen wurde die Zustimmung zu dem Vorschlag deS Handelsministeriums betreffend die Ermöglichung des Weiterbestandes der Genossenschaft der Erzgebirger Spielivaren- und Holzgegcnstände-Erzeuger in Katharinaberg. Ferner wurden die Massnahmen hinsichtlich der Beteiligung der Tschechoslowakei an der vom Internationalen Arbeitsamt für die erste' Hälfe des Monats April d. I. nach Washington cinbe- rufcnen Konferenz über Arbeits- und sozialwirt- schastlichc Fragen in der Textilindustrie genehmigt. Zur Kenntnis genommen wurde der Bericht über die Verhandlungen der Ministerkomitees für politische und wirtschaftliche Fragen und der mit der Vorbereitung der weiteren Regierungsarbeiten betrmiten Subkomitees der Minister. Schliesslich wurde die Tagesordnung der administrativen, wirtschaftlichen und Personal- angelegenhciten behandelt.! „Vereinbarungen werden gehalten“ RemeS antwortet Sandner Im Abgeordnetenhaus hielt der Sozialdemokrat RemeS am Donnerstag ein Schlusswort zum StaatSrechnungSabschluh fiir 1088 und zu dem entsprechenden Nachtragskredit. Die beiden Punkte schleppten sich nun schon durch die fünf Plenarversammlungen hin. Beide Vorlagen wurden diesmal angenommen. RemeS bezeichnete es als fraglich, ob wir in unserer Finanz- und Währungspolitik immer die richtigen Wege gegangen sind und ob wir in der Krise auch alles getan haben, um ihr zu begegnen. Aber heut« müsse man solche Rekriminationen beiseite lassen und lieber dafür Sorge tragen, das «inzuholen, was wir beim Export versäumt haben. Im Verhältnis zum Export deS Jahres 1020 feh» fassung, dass die Ursache'der wirtschaftlichen Besserung letzten Endes doch in der erhöhten Nach- frage dec Rüstungsindustrie nach Rohstoffen liegt. Man könne also schwer sagen, inwieweit man die wirtschaftlich« Besserung als dauernd bezeichnen könne. RemeS reagiert dann auf die Ausführungen einzelner Debatteredner und lehnt u. a. die Behauptung SandnerS ab, dass es sich bei den kürzlichen nationalpolitischen Verhandlungen nur um die„raffinierte Torpedierung der Politik der SdP" gehandelt habe. Ebenso bezeichnet«r die weiteren Behauptungen SandnerS, dass nur die SdP die Repräsentantin der Sudetcndeutschen sei, als unrichtig und allzu selbstbewusst. ES sei nicht len uns, auch wenn wir 80 Prozent auf den Preisrückgang abrechnen, noch etwa zehn Milliarden Ui. RemeS schätzt den Einnahmenausfall für die sechs Krisenjahre von 1080 bis 1088 bei den Angestellten einschliesslich der Pensionisten auf 20 Milliarden Kd, bei den Landwirten auf 24 Milliarden KC und bei den freien Berufen auf rund zehn Milliarden K6, insgesamt also auf 80 Milliarden KL. Diese Zahlen sollten für die Beurteilung unserer Handelspolitik für die nächste Zukunft massgebend sein. RemeS vertritt die Auf- Schuld der Koalition, dass mit der SdP nicht ver- handclt wurde. Man verhandle nur mit dem, der ein positives Verhältnis zum Staat habe und nicht im Ausland Unterstützung suche. Die deutschen aktivistischen Parteien haben näher nach Prag, während einzelne Herren aus der Henlein« Partei wieder nach Berlin näher haben. WaS mit den deutschen Aktivisten verabredet wurde, wird auch eingehalten werden. Verträge sind für die tschechischen Parteien fein Fetzen Papier, sie werden daher auch die übernommen«» Verpflichtungen erfüllenI(Lebhafter Beifall.) Um den„gemeinsamen Ausschuß 1* Der Senat verhandelte am Donnerstag den Initiativantrag der Koalition über gemeinsame Sitzungen der Fachausschüsse der beiden Kammern zwecks Behandlung umfangreicher GesetzeSwerke. Wir haben über die Vorlage schon ausführlich berichtet. Der ursprüngliche Gedanke eines g e- meinsamenAuSschusseS musst« fallen gelassen werden, da sich Differenzen wegen der vom Senat verlangten paritätischen Vertretung ergaben. Nun sollen nur die Beratungen der beiden Fachausschüsse gemeinsam fein, während die Ab st immung getrennt erfolgt. Der Referent, Dr. Milota, erklärte, dass die gemeinsamen Beratungen die parlamentarischen Verhandlungen beträchtlich beschleunigen »nd vereinfacht werden. Beide Häuser werden viel Zeit und Energie ersparen.— Die Vorlage wurde nach kurzer Debatte in beiden Lesungen unverändert angenommen. Der Präsident der Republik empfing am 4. März 1087 den Minister für Nationawerteivigung Fr. M a ch n t k, weitcrS den Profeffor Dr. H. Bergmann, Rektor der Hebräischen Universität in Jerusalem uiw schliesslich I. H ericourt, Direktor der„Agrnce Radio" in Paris. Ehrabschneidung als politische Waffe? Erregte Szenen Im Senat Im Senat gab e» Donnerstag ein erregtes Nachspiel zu einem Zusammenstoss, der sich am 16. Dezember 1986 in einer Plenarsitzung zwischen dem Senator der Nationalen Vereinigung Paulus und dem SozialdemKraten Dundr abgespielt hatte. Pmilur hatte damals den Sozialdemokraten Anzu- kömnilichkeiten hei einer Brünner Losverkauftstelle in die Schuhe schieben wollen und hatte sogar das I Justlzniinisteftum beschuldigt, in die Untersuchung ' 12 Per freund ROMAN VON GREGOR jÄrCHO Aber das erbitterte Männchen in mir war stärker als alle Vernunft. Ich wandte mich ab von ihr, biss mir die Zähne in die Lippen und blieb bei meinem Mein'. Da siel sie vor miv auf die Knie und weinte. So stark liebt sie dich, Nikischa, datz sie vor mir, der sie hasste und kränkte, knien konnte, um dir einen kleinen Aerger zu ersparen. Ich erschrak, als ich sie so vor mir liegen sah, ihr Kniefall war mir wie eine Ohrfeige, ich neigte mich zu ihr und versuchte sie auf« zurichten. Und wie ich sie anfasste und in die Höhe hob, schlang fit ihre Arme um mich und weinte und suchte mich zu küssen und bat mich von Neuem, wiederzukommen. Da ging es auf einmal mit mir durch, das Hirir versagte, das Herz setzte aus, und nur noch mein Körper war da, und der ihre— in meinen Annen. Ich drückte sie fest an mich, hob sie ganz hoch und warf sie auf mein Sofa■ Als ich wieder zu mir gekommen war, stand sie, ihre Röcke in Ordnung bringend, mit niedergeschlagenen Augen vor mir. Sie atmete schwer und meinte nur:„Es ist nicht recht, Herr Charitonow" Ich schlug die Hände vorS Gesicht und hörte sie noch sagen— ganz leise:„Jetzt müssen Sie aber wiederkommen" Ich konnte kaum herporstohen:„Verzeihen Sie mir." Aber sie fragte nur wieder:„Sie kommen also?" Ich nickte,— sah sie aber immer noch nicht an. Da fühlte ich, wie sie mich bei der Hand nahm und hörte, wie sie bat: „Tun Sie das, bitte,' nicht wieder. Er ist ja Ihr Freund-" Ich packte ihre Hand, wollte sie küssen.«Er, das warst du, Nikischa, aber sie riss fich Io» und lief davon. Und als ich allein geblieben war, ermattet und zum erstenmal in meinem Leben so unerhört unglücklich, begriff ich erst richtig, was ich da angerichtet hatte. Und nun packte mich die Verzweiflung noch stärker als vor drei Tagen, und ich war wirklich nahe daran, meine Niedrigkeit noch durch die Feigheit der Flucht au» dem Leben zu erhärten. Ich bitte dich nicht um Verzeihung, Nikischa. Ich weiss— du wirst mir kaum vergeben können, oder doch nur äusserlich, wenigstens in der nächsten Zeit. Ich bin jetzt auf dem Wege nach Petersburg. Ich breche meine Studien ab. Ich stelle mich ganz in den Dienst der Freiheitsbewegung. Vielleicht komme ich ins Zuchthaus, vielleicht nach Sibirien, vielleicht an den Galgen. Ich werde meinen Mann stehen und sühnen, soweit meine Kraft ausreicht. Sei überzeugt, dass ich keiner Prüfung au» dem Wege gehen werde. Ich weiss, das kann deinen Schmerz nicht lindern. Aber ich bitte dich•— wenn ich dich noch um etwas bitten darf—, sei Marusia nicht böse. Nicht sie— ich allein bin schuld an allem. Und noch etwas— ich habe sie sicherlich angesteckt. Rühr sic nicht an. Schicke sie erst zum Arzt, lass sie kurieren. Wenn mich jemand in meinem Leben halb so geliebt hätte, wie Marusja dich— dieses Entsetzliche wäre mir bestimmt erspart geblieben. Sei gut zu ihr um ihrer grossen Liebe wegen! Es wäre ihr sicherlich sine Marter gewesen, mich wiederzusehen, mit mir sprechen zu müssen, sie war bereit, die Folter mif sich zu nehmen, um deinetwillen, um deinetwillen.. Wie gesagt, ich kann mich auf den genauen Wortlaut de» Briefe» nicht entsinnen. Ich weiss nur, dass Charitonow diesen Bries noch am Men» des Unglückstages auf einer kleinen Station geschrieben hatte— auf dem Wege nach Petersburg, Er war ausgesttegcn, um ihn zu schreiben; er hatte ihn— dem Stempel zufolge— in den Briestaste» am Bahnhof gesteckt. Und es Ivar lediglich die Schuld der Postbeamten, die den Kasten nicht rechtzeitig geleert hatten, dass dieser Brief, statt gleich am nächsten Tage anzukommen und vielleicht zwii Leben zu retten, erst später eintraf— als e» schon zu spät war. Und ob der Brief sachlicher oder gefühlvoller war, tut nichts zur Sache— ich la» meine Niederschrift soeben noch einmal durch und glaube sowohl den Ton als auch das Wesen diese» Schreibens, so wie ich e» damals aufgefaßt habe und wie es mir in meinem Gedächtnis haften blieb, richtig wiedergegeben zu haben. Als Rappaport den Brief Chariwnows zu Ende gelesen hatte, sah er sich in der Runde um und fand kein Auge, das ohne Tränen wäre. Er wandte sich rasch ab, holte ein Taschentuch hervor, um e» an seine Angen zu drücken, und wimmerte: „Verdammte Schwächlinge." . In diesem Augenblick bewunderte ich ihn nicht mehr. Ach liebte ihn einfach. Und erlebte wieder einmal die Freude des Leids. An jenem Abend aber vermochten wir keinen Beschluss zu fassen.. Wir hatten zu viel erlebt und waren zu sehr erschüttert. 10. . Und am nächsten Tage war eS bereits zu spät. ES hatte sich so getroffen, daß Nikiforows Vater, von der Jagd nach Hause reitend, in di« Näh« der Bahnstrecke gekommen war, auf einen liegenden Körper aufmertsam wurde, heransprengte und in dem Toten, dessen Gesicht von dem Fall stark entstellt war, sofort, vielleicht rein instinktiv, seinen Sohn erkannte.. Eine« halbe Stunde später lag die Leiche bereits im Gutshaus, neben ihr auf der einenSeite dl« schluchzende Mutter, auf der anderen der niedergeschlagene Mann, der nach dem erstetz Aufschrei beim Anblick de» Toten nicht einen Ton mehr von sich gegeben hatte und nur in einemfort mit dem Kopfe nickt«. Erst gegen Morgen soll er heiser— mehr' krächzend als sprechend— zu der Frau geäußert haben: parteiisch eingegriffen zu haben. Dundr hatte ihm im Lause einer Auseinandersetzung Betrug vorgetvor- fen, worauf Paulu» eine Rüge«egen Dundr bean« wagte und im JmmunitätsauSschuh auch durchsetzte. Dundr setzte sich gestern gegen die Rüge, entschieden zur Wehr. Er«ttlärte, er würde auch in Hinkunft nicht ander» handeln, denn er häft e» für seine Pflicht, da» System der persönlichen Verleumdung von Ministern, da» bei den Faschisten blüht und auch von der Nationalen Bereinigung übernommen wurde, unmöglich zu machen. Auch nach den Richtigstellungen te» Justizministcrs ist die Rede de» Senator» Paulu» al» Flugblatt ausgegeben worden. Da» sei eine bewusst« Täuschung der Oes- sentlichkeit. Seine Behauptungen, dass Paulu» den Senat bewogen hab«, könne er daher nicht zurückziehen und er bedauere sie auch nicht. Nach einer schwachen Replik de».Senator» Paulus beharrte der agrarische Referent" Pavelka auf der Rüge. Bei der Abstimmung gab«S einen ziemlichen Lärm. Er stimmten nämlich nur etwa di« Hälfte der Anwesenden für den Antrag. Darauf liess der Bovsitzend« Hruban ex prefidio die Stimmen auSzäh- len und stellte«in Verhältnis von 28:28 fest, so dass damit der Antrag abgelehnt erschien, was auf der Linken mit grossem Applaus begrübt wurde. Gegen di« Art der SÜmmenzählung wurden jedoch scharfe Proteste erhoben. Die SdP hatte nämlich weder bei der ersten Abstimmung noch bei der Gegenprobe die Hände erhoben. Ihr« Stimmen hätten also al» gegen den Anwag abgegeben gezählt werden müssen, während sie der Vorsitzende einfach ausfallen lieh. Auf da» Resultat hatte jedoch dieser Fehler keinen Einfluss. Der Senat lehnte dann— ebenfalls gegen den Anttag des JmmunilätSauSschuffeS— die Auslieferung des Senators Paulu» wegen Ehrenbeleidigung ab, di« mit dem oben erwähnten Vorfall im Zusammenhang stand. Unter ziemlicher Erregung wurde die Sitzung geschlossen. Nächste Sitzung: Dienitag, den 0. März, um 16 Ahr. Auf der Tagesordnung steht die Erweiterung der Exportkredite, der Handelsverwag mit Brasilien und Immunitäten. Der neu« Gesetzentwurf über Waffen und Munition fand am Donnerstag in der Generaldebatte im verfassungsrechtlichen Ausschüsse durchaus nicht ungeteiüen Beifall. Wohl wurde allgemein anerkannt, bass die Unifizierung der Bestimmungen Uber das Waffentragen notwendig sei. Der Nationalsozialist Richter und der Sozialdemokrat Dr. Maros machten aber übereinstimmend ernste Vorbehalte zum Paragraph 22, Abs. 8 und 4, wornach eine Bewilligung.zur Aufbewahrung und zum Tragen nicht erforderlich ist für Mitglieder'von Vereinen» die statutengemäss die militärische Ausbildung pflegen sollen und vom Innenministerium im Einvernehmen mit dem Verteidigungsministerium die Bewilligung zum Waffenträger: für ihre Mitglieder erhielten, ferner auch für'de-Eigentümer amtlich beteiligter Schiessstätten und die dort schießenden Personen. Die beiden Redner gaben der Befürchtung Ausdruck, dass eine solche generelle Bewilligung politisch missbraucht werden könnte. Dr. MareS machte ferner darauf aufmerksam, dass unter dem Deckmantel einmaliger Waffeneinsuhrbewilligüngen fiir einreisende Ausländer eine Menge Schiehwaffen über die Grenzen gebracht werden. könnten. Auch der Volksparteiler O t a h a l schloss sich diesen Befürchtungen an und erklärte, daß die Zulassung bewaffneter Vereine eine Gefahr für den Staat werden könnte. Nach Mschluß der Generaldebatte wurden die weiteren. Verhandlungen vertagt.- „Gottes Strafe—— Für die Kriegsgeschäfte für das Blutgeld—", Aber gleich mit den ersten Worten war der Damm gebrochen. Alles, Iva» unklar erlitten War in dieser entsetzlichen Nacht, brach hervor. Der Morgen traf«inen grau gewordenen Baier, der nach Kaufmannsart langsam und wägend sein Leben noch einmal nachgeprüft und, dem zerstüm- melten Rest seiner besten undlvohl auch, der einzigen Hoffnung inS bleiche zerschundene Antlitz sehend, alles überschlagen, ausbalanciert hatte und zu dem Ergebnis gekommen war, dass'sich mit dem Schicksal keine Geschäfte machen liessen, ustd der Mensch allen Scheinsiegen zum Trotz dennoch immer verlor; der Morgen fand einen Vater, der jetzt erst begriff, wie sehr er Vater war, dem fein« Demut mehr helfen konnte und selbst nicht der Glaube, daß ihn dieser Schlag nicht unverdient traf. Demut und Glmlbe waren nur stachlige Panzer gegen das Leid gewesen in den unfaßbaren, langen Stunden der Nacht. Jetzt mit den Strahlen der Sonn« stießen sie durch das Ge« banntsein vor Schmerz und vor Schreck, zerbarsten zuletzt und ließen«inen wehrlosen Dulder zurück, der nun— von Verzweiflung getrieben — zum Trotze seine Zuflucht nahm, zum Hader, selbst gegen Gott. Der Damm war gebrochen. And nun schrie da» Blut:„Rache".' And da» Hirn fragte:'„Gegen Wenk" Und da» mehrte den Schmerz, machte ihn aber reu, gab ihm heimlich eine Richtung heraus au» der Sackgasse des NurverlierenS in da» Auf und M«ine» Wollens, das sich vorläufig noch an alle» klammerte, was vor die Augen kam, aber von der Vernunft in erfassbare Bahnen gelenll wurde, und alle Wege durchsprengend, jemand treffest sollt«, damit wieder ein Ausgleich geschehe— als Ausgangspunkt neuer Ausgleiche—wie iminer im Leben. Wer. war schuld an dem Tode de» einzigen Sohnes,..dem nichts gefehlt hatte von dem, Iva» da» Leben der Reichen zu bieten vermag? .(Fortsetzung folgt.),' . St.BS Freitag, 5. März 1037 Seite 3 fudctendeutecfter£citspie$eit Betriebseröffnunsen und-Erweiterungen Der„Prager Börsen-Courier" berichtet in seiner letzten Auszabe über die Nen«üfsnung von Betrieben im sudetendeutschen Gebiet. Es habe sich »in Umschwung vollzogen: nicht mehr um dir Be- willtgnn» zu Betriebsstillegungen werde ange» sucht, sondern»m die Erlaubnis z« Betrieb»«- öffnungen. Die Ursachen seien allerdings keineswegs allein tm vorhandenen wirtschastlichen Aufschwung zu suchen, sondern anch in anderen Momente», wie SvndikatSbrstrebungen einzelner Branchen, BerschrottungSaktion d« Baumwollspinnereien, Ouotenkartell der Webereien«st». Die Spinnerei Hü bl in GSrka« wird durch di« Firma Deutsch in Königinhof wieder in Gang gebracht werden und zunüchst hundert Arbeit« beschäftigen.— Die Firma Eduard Simon in Haindorf soll durch dir Firnia Josef Sykora, Textilwerke in Lomnitz, in Betrieb gesetzt werden.— Anch die seit 1030 stiMcgende Hanfspinnerei und Leinrnzwirnerei Heinrich Müller in Wustung soll wieder in Gang komme». Interessentin ist di« Firnia Michael Kaan in Preßburg.— In Rochlitz an der I f e r soll ein« Weberei in den Fabriken Franz Honey durch OSkar Kaney wieder in Betrieb gesetzt«erden. Eine neue optische Fabrik wirb im Gebäude der Matratzenfatrik Steiner in Komi t a u II«öffnet werden.— InReichen- berg soll es. zur Gründung einer Fabrik zur Erzeugung von isoliertem LeitungSmaterial(insbesondere Gümmi-Aderleitungen) kommen. Die Grossisten wollen sich dadurch vom Kartell«nab- Von der deutschen medizinischen Fakultät Um die Besetzung des Lehrstuhls für pathologische Anatomie Kann In Prag Gehirntumor operiert werden? Die„Pkitomnost" hatte sich schon 1 einige Wale mit den Verhältnissen auf der medizini« scheu Fakultät der Prager Deutschen Universität beschäftigt und schreibt darüber neuerlich in der letzten Nummer. Sie zählt zivei Fälle auf, durch welche sie die deutsche medizinische Fakultät charakterisiert. . Der erste Fall betrifft die Besetzung der ordentliche» Lehrkanzel für pathologische Anatomie. Am Vorschlag der Fakultät waren zwei Ausländer, kein Anländer wurde vorgeschlagen. DaS Schulministerium lehnt« nun zweimal ab. An der letzten Sitzung der Fakultät lvurde nun ein neuer Vorschlag angenommen, und zwar wurde nur der eine Ausländer vorgeschlagen, weil der zweite inzlvischen eine Berufung an«ine andere Universität angenommen hatte. Abgestiunnt wurde per Akklamation, obzlvar dies der Universitätsordnung widerspricht. Die führende Gruppe lvollt« klar sehen, wer mit ihr gehe und lver gegen sie sei. Der Vorschlag wurde erstattet, obzwar unter den ausserordentlichen Professoren des Faches sich ein. geeigneter inländischer Kandidat befindet. Dieser Mann hat sogar eine bessere Qualifikation als der vorgeschlagene Ausländer und ist heute schon«ine Zierde der Fakultät. Selbst reichtzdeutsche Mediziner sprechen sich Mer ihn mit grosser Anerkennung aus und auch die tschechischen Professoren sind davon überzeugt, dass eS sich um einen bedeutenden Vertreter des Faches handelt. Der Grund, warum der inländische Gelehrte nicht vorgeschlagen wird, ist die Tatsache, dass er einen jüdischen Grossvater hat und demokratisch gesinnt ist. Ein zweiter Fall: Auf der psychiatrischen Klinik deS Prof. Gamper war die neunjährige Anna Beran in Pflege. Sie hat einen Gehirntumor, der ihr Augenlicht gefährdet. Die deutsche BezirkSjugendfürsorge in Trautenau hat nun dem Tschechoslowakischen Roten Kreuz in einem Brief mitgeteilt, dass laut Benachrichtigung durch Herrn Prof. Gamper die Operation in Prag nicht vorgenommen und nur in Wien oder Breslau durchgeführt werden kann. DaS hat Prof Gamper mit« geteilt, obzwar ihm bekannt sein muss, dass sich in Prag ein Spezialist für Gehirnchirurgie befindet, und zwar Prof. Jiräsek von der tschechischen Universität, der auf dem internationalen Chirurgenkongress in Karlsbad 1027 ein Referat über die Gehirnchirurgie erstattet hat. Ebenso hat Briiun in Prof. Novak einen Kenner dieses Faches. Die kleine Anna Beran wurde nun entgegen dem Gutachten des Prof. Gamper auf die Klinik Jiräsek gebracht, wo sich äusser ihr noch elf Fälle von Gehirntumor befinden. Sie wird in der nächsten Zeit operiert werden und Herr Prof. Gamper könnte sich, so schreibt die„Pbitömnost", um den Fall weiter kümmern. hängig machen.-— Äm Saazer Wasserwerk wird ein« neu« Kartonnagenfabrik eingerichtet werden. Der Hopfenhändler Hans Melzer wird in ihr 30 Arbeiter beschäftigen.— Eine mittelböhmische Metallwarenfabrik will in Eger einen FabrikSneubau ausführen, in dem Fahrräder erzengt werden sollen. Mit der BetriebSanfnahme kann noch im Laufe dieses JahreS gerechnet werden. ES wäre dies d« dritte Fahrradbetrieb in Eger.— Schliesslich teilt der „Prager Börsen-Courier" noch mit, dass die Firma S. Eisenberg« inRen-Rettendorf eine Betriebserweiterung durch di« Errichtung einer Seidenspinnerei plant. Organisierte Opposition in der SdP Die Opposition in der SdP organisiert sich bereits, zunächst durch Gruppeubildung in Mähren-Schlesien. Wie die„Prager Presse" meldet, wurde für kommenden Sonntag in Z w i t t a u die erste Sitzung der Vertrauensleute der Opposition aus den umliegenden Bezirken Mährens einberufen. Für diesen Kongress haben sich bereits zahlreiche Funktionäre der Arbeitergruppe d« Sudetendeutschen Partei angemeldet, die in der Oeffentlichleit noch nicht" einmal hervorgetreten waren. Äusser anderen sind zur Opposition übergegangen die Organisation der deutschen Arbeiterpartei in A b S d o r f bei Zwit« tau mit«ttva 80 Mitgliedern und auch die Brünner Gruppe der wiederum erneuerten deutschen Sozialpartei, die jetzt von Ang. Bothe geführt wird, hat ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt in die Opposition der Sude tendeutschen Partei erklärt. Nächste Woche wird eine weitere Sitzung der Vertrauensmänner der Opposition in Südmähren in Nikolsbura stattfinden." Die„Deutsche Landpost" veröffentlicht ein Schreiben der Brünner SdP-Opposition an die SdP-Hauptleitung. In diesein Schreiben heisst es: „Wenn die Herren AmtStvalter(Unternehmer und Intellektueller) den Sinn der Volksgemeinschaft in Denunziationen und Verleumdungen sowie in Arbciterverrat erblicken, dann hat die Bollsgemeinschast aufgehört eine solche zu sein. Wir haben bei unscren Verhandlungen mit KreiSleiter Jng. Folta und OrtSleiier Ang. Kra- liöek des öfteren betont, dass wir Aufklärung über die schwerwiegenden Anschuldigungen und Beschwerden ün Beisein des Angcschuldigten haben Wollen, waS trotz deSVcrsprcchcnS unterEhrenwort aber bis heute nicht geschah. Herr Folta weist ängstlich auf die Hauptleitung und diese wieder auf ihn. Anstatt Beivcise werden seit der Zeit der Enthebung des Rmn. Zientck täglich lawinenartig gemeine Lügen, Denunziationen, Provokationen und falsche Gerüchte verbreitet. Wir sind nicht mehr gewillt, für eine Volksgemeinschaft der Phrase einzutreten und mit derartigen Elementen gemeinsam zu marschieren. Colin Roß, der Humanist I» einem Bericht der„Egerer Zeitung" Mer den Colin-Ross-Vortrag in Eger heisst esu. a.:—_, „Er(Colin Roß) wurde von einem fast bis auf daS letzte Plätzchen vollbesetzten Saal stür» misch begrübt. Seine einleitenden Worte gewannen ihm bereits die Sympathien aller. Er drückte seine Berivunderung darüber aus, dass er als freier Bürger eines anderen Landes gerade in der CSR. nicht lviiliommen geheissen werden sollte, in der CSR., wo die Grundsätze des Humanismus und der Nationalismus gelten. Nur der sei wirklich«in humaner Mensch, der auch als Weltbürger fest in seiner Nation und in seinem Volke wurzelt. Dieses Recht nehme er selbstverständlich auch für sich in Anspruch. Wenn er auf seinen Reisen, die ihn durch di« ganze Welt geführt haben, und bei denen er in allen Weltteilen Vorträge habe halten können, dahin gewirkt habe, dass etwas wie Humanismus entstehe, so habe er dies eben nur aus der Volksgemeinschaft heraus tun I können, in die hinein er geboren worden sei." Erfreulich, dass der„freie" Bürger des Dritten Reiches die Tatsache anerkennt, dass in der §SR. die Grundsätze des Humanismus gelten! Der Herr Wcltreifcnde braucht jetzt nur noch zu sagen, wo diese Grundsätze nicht gelten, dann wird man sich ein richtiges Bild Uber seine Wahrheitsliebe oder über die einem Bürger des Dritten Reichs gestattete Freiheit machen können. Wie übrigens Colin Ross„dahin" gewirkt hat, dass „so etlvaS Ivie Humanismus" entstehe, hat er bei seinem Aufenthalt in S p a n i e n bewiesen: dort hat er den AuSrottungSkampf, den die Marokkaner FrancoS gegen die spanischen Repubikaner führen, in den höchsten Tönen besungen. Ein Hitler- und Francoknecht freut sich Uber den Humanismus in der Tschechoslowakei! Indessen werden die Humanisten in Deutschland„aus der Flucht" erschossen oder ins Konzeutrationo- lager geschickt und in Spanien hingerichtet. Ein feiner Herr ist dieser Colin Rossi So verlogen wie talentiert! Bezirkskonferenz in Haida. Am Sonntag tagte in Kults Gasthause iu Haida die ganzjährige Bczirkskonferenz der Deutschen sozialdeino- kratischcn Arbeiterpartei. Otto Walleck konnte 43 Delegierte aus zehn Lokalorganisationen begrüben. Den: Berichte Wallecks konnte entnommen werden, dass ün Berichtsjahre eine Konsolidierung der Partei erfolgt ist. Fast in allen Lokalorganisationen stiegen der Markenumsatz und die Mitgliederzahl. Auch der Kassabericht des Genossen W o n d e j z' war erfreulich. Der Gebictösekre- tär K a h a b k a gab einen Bericht über die Entwicklung der einzelnen Organisationen und über die Tätigkeit der Sozial-BezirkSkommlssion, auL dem zu entnehmen war, dass der Staat nach dem Gerichtsbezirke Haida die Summe von 2,270.000 Kronen in Form von Lebensmittelkarten und sonstiger Aushilfen gegeben hat. In diese Summe ist natürlich die um vieles grösser« Summe des Staatszuschusses nach dem Genter System nicht eingerechnet. Das politische Referat des Abg. Kügler behandelte die aktuellen Tagcsfragcn und wurde mit grosser Zustimmung ausgenommen. Die Neuwahlen brachten nur geringfügige Aenderungen. Bczirlsvertraucnsmann bleibt Otto W a l l e ck. Grosser Einbruch beim Konsumverein„Bor. wärtS" in Prejjburg. Die Zentrale des Konsumvereins„Vorwärts" in Pressburg Ist das Opfer eines schweren Einbruchs geworden. Die'Täter, die sich offenbar auf den Boden eingcschlichen hatten, durchbohrten den Nlafoud des Kassenraumer, erbräche» die Kaffe und raubten etwa 12.000 Xi. Den Rückweg wählten sie durch das Fenster, von dem sie sich mit einem Seil auf die Strasse hinabliessen, so dass der scharfe Hund im Hofe nicht au» schlug. Bei den Einbrechern handelt er sich nach 'polizeilicher-Auffassnng um getviegte Berufsverbrecher. Der Schaden ist in voller Höhe durch Versicherung gedeckt. Die deutsche Arüeitersendung Mähr.-Ostrau bringt folgende Vorträge: 8. März: Heinrich Nitschmann-Neu-Titschein: Probleme der 5trankenv«rsicherungund der Gesundheitspflege.— 18. März: Nar- zjb Kstmler-Ncu-Titschein: Der Arbeitenden Sonnenwende. 22. März: Aosef Vesely, Troppau: Antike Sklaverei. Sieh dal Wir lesen in der„Zeit", daß am 3. März in Aussig ein„Abend sudetendeutscher Kunst" abgchaltcn wird, zu dem die Bezieher der „Zeit" freien Zutritt haben. Unter den Vortragenden finden wir neben Dolf Peschanel und dem Nazi-„D!chter" Witzany auch— Herrn Trappschuh- B r a n d e n, der sich als Geschäfis- ftihrcr des Verbandes für deutsche Jugendherbergen bisher immer unpolitisch gegeben hat! Prager deutsche Abendsendung Int Feber Verfolgt man jtne Programm« der tschechischen Abcndstiwung, die vor den deutschen stattfinden, so kommt man darauf, dass auch in der tschechischen Sendung jene der Arbeiter durch die ungünstige Sendezeit gegenüber anderen, z. B. den landwirtschaftlichen, sehr benachteiligt sind. So müssen wir uni mit unserer Ungünstigen Abendstunde absinden, bis der bereits angekündigte deutsche Sender geballt sein wird. Dar PrMem de» Zusammenleben» der beiden grossen Kulturvölker in diesem Staat« findet inuner breiteren Raum im Programm der deutschen Relation, die dadurch wertvoll werden, denn fle sind für den Deutschen diese» Staate» oft Neuland und bauen Brücken von Volk zu Volk. Daher sei der Vortrag Dr. EgertS:„Empfindsame Reis« nach Böhmen" besonder» hervorgehoben, der verlangt, daß durch regen gegenseitigen Fremdenverkehr bi» in die abgelegensten Orte die Menschen beider Bölter einander näherkommen sollen. Das gleiche Ziel Verfölgen die Sendungen: Au» zwei» Schrift- tümern; und jene im Feber, die^sich mit Stifter»ich D u r y ch befasste, war vielleicht die beste der bi» jetzt gebrachten: nicht allein durch die Grösse ded beiden Dichter, die Mab au» Literaturproben kennenlernte, sondern auch durch den literarisch hoch- . stehenden Kommentar Dr.' Paul Eisner». In diese Art der Vorträge seiest di« Kult Urberichte eingereiht, die«ch dem tschechoslowak i- scheN Kulturleben berichten— Dr. Walter Mara» gelang«ist ausgezeichnetesBericht t*- rind soweit sie dem kulturellen Zusammenleben beider Böll« dienen. Dagegen ist sehr zweifelhaft, ob der Btustkcnlpfang bei Henlein ein berichtenswert wich" tige»-kulturelles Ereignis war; der Bericht darüber sprach mehr von den Besuchern, al» von den mitwirkenden Künstlern. Richtig dagegen war, daß man trotz der blödsinnigen Bolschewisieruugspropaganda des 100. Todestage» Puschkins gedachte.— Ein weiterer instruktiv« und aufklärendcr Vortrag Doz. Dr. WeliminskyS über„Die Vermeidung und Heilung der Tuberkulose" und ein wichtiger und ernster Dr. Walter Simon» über„Jngendliche tu den Steifejahren" seien gern lobend erlvähnt. Eine gröbere Anzahl von Hörfolgen und Hörspiele»bekamen wir in diesem Monat zu hören, die der Fasching stark beeinflusste. Ein wirklich unterhaltendes Propramm Ivar das mit dem „Wepper", da» der Erinnerung an den„groben Dichter Bernd" au» Brüx gewidmet tvar, ebenso die SNinde unter dem Titel„Fasching Ade". Von kulturellem Wert waren zwei Hörspiele: Friedrich Adler»„Karneval" und„Mozart in Prag". Aus dem Leben P u sch k i n 8 wurden geschickt unter dem Titel„Othello ün englischen Klub" von K o m m a ewige Szenen geformt. Anerkennend soll auch der griten Reportage au» Saaz gedacht sein, die ein Bild der Stadt, ihrer Geschichte und ihrer jetzigen Bedeutung, ebenso auch«inen Ausschnitt aus dem kulturellen Leben vermittelte. Wä» aber nun die sogenannte Fastenzeit brachte, wär recht unbedeutend und die Bubreden unwirksam.„Bruder Arbeiter, lass' Deinen Hab" wurde gepredigt, die Reichen an Ihr«„Sünden" erinnert, aber auch ein Kind trat auf,/um für„seine Sünden" um Vergebung zu bitten.'Damit im Rundfunk zu kommen, ist Blasphemie.. Beispielgebend sei zuerst in der Reihe der M u s t k ä l i s chen S e n d u n g t n eine her- vorgehoben:„Wegbereiter der Weltmusik". Hier gab e» neben d« alten klassischen Musik eines Benda und Myslivckck, die Vorläufer Mozari» waren,«ine ausgezeichnete Erklärung dazu. Wie wir cs uns immer, auch bei der Sendung moderner Musik, dachten, dein Hörer zum besseren Bcrständnis eine Erklärung zp geben, so wurde es diesmal gehandhabt.— Anlässlich des 10jährigen Bestände» der Brünner deutschen Sendung bekamen wir Beethoven zu hören, datz cs eine reine Freude war. Die Mirwir- kung Prof. Frotzler» im Klavierkonzert sei noch besonders erwähnt.— Als Sängerin von grossem Format hörten wir Rose Book mit Fritz Rieger al» glänzendem Pianisten; in der Jugendstunde— die leider mir einmal 10 Minuten am Abend im ganzen Monat dauert— sang Prof. Prachn« r stimmuiigSvoll zur Laute. Ansprechend Ivar die Egerländer Singstunde unter Meister Thomas künstlerischer Leitung. Von sudetendeutschen Schriftstellern gab e» einmal eine' Vorlesung einer wertvolle» Novelle von Josef Mühlberger, ein andernml la» Max i B r o d aus seinem Roman„Annerl" eine Szene. In Unserer Arbeitersendung kamen im Feber in vier grotzangclegten Borträgen Männer de» Sozialismus zu Worte, und zwar jeder auf einem anderen Gebiet. Karl Robert Schwarz erörterte wesentliche wirtschaftliche Probleme unseres Landes und erklärte in offenen Worten, die besonders anzuerkennen sind, die Schäden,.die Deutschlands Autarkie nicht nur uns oder dem eigenen Lande, sondern der gesamten Weltwirtschaft zufügt. Er erklärte aber mich di« bessere Wirtschaftspolitik der demokratischen Länder gegenüber den Diktaturstaäten an Hand trefflicher Beispiele. Der Vortrag war nicht nur inhaltlich, sondern auch rethorisch hörenswert Paul Malles beschäftigte sich in einer klaren Darstellung mit dem >R o h st o f fp r o b l e m aller Industrieländer unter der jetzigen Rüstungskoujunktur, wobei sein Hinweis auf die Rohstossverkommen de» Balkans manche politischen Bestrebungen fremder Mächte anf diesem heißen Boden mn so verständlicher werden läßt.— Der erfahrene Politiker auf dem Gebiete der Selbst- verwaltuug, der Bürgermeister von Aussig Leopold P ö l z l, gab nun, wie eS an dieser Stelle anlässlich eines RadiovortragcS PölzlS gewünscht wurde,«in überaus lebendiges Bild reichen Schäften» für die Gesamtheit der Bevölkerung. Was Aussig unter der Acgide PölzlS geschaffen hat, Ist wohl In keiner su- detendeutschen Stadt getan worden. Rag er der Wohnungsbau, öffentliche Kommunikatipnen,,,Gesundheitspflege oder kulturelle Einrichtungen sein, alle» ist grosszügig geschaffen worden. Josef Hofbauer gedachte in einem Ivertvollcn Vortrag der Gedenktage Ludwig Börnes und Georg Büchners, des ersten deutschen Pamphletisten und deS ersten sozialrevolnftönären deutschen Dichters. Die Parallelen zu heutiger deutscher Geistigkeit zog Hof- bauer in eindrucksvoller Weise und die Tatsache, datz heute wie vor 100 Jahren die gleiche Unfreiheit herrscht, wurde in atembeklemmender Weise dargestellt.. Zu grober politischer Bedeutung gelangen unsere„Aktuellen"zehn Minuten" (beispielsweise die prägnante Darstellung der weltpolitischen Lag« nach den Reden der verschiedenen Staatsmänner durch Dr. F r a n z e l oder Franz Krümmels Erklärung der englischen Ausrüstung). Warum hem deutschen Landwirt nach wie vor nur wirtschaftliche Erklärungen gesendet werden, bleibt unverständlich. Gibt e» niemand, der ihnen gerade in diesen innerpolitisch bewegten Tagen Anfklärimg geben kann? Richard B ä u m l. Sette 4 Freitag, S, Mär, 1937' Nr. 5» TlALsnemgLeitm von KC KJ Karel 76.— 25.— Auch die Elektroindustrie muB die Gewerkschaften anerkennen N e w A o r k. Auch der Präsident der General Elrrtrie, der rößten Elektrizitätsgesellschaft der Bereinigte» Staaten, hat di« GewerkschafS- organisaion van Iah» Lewis anerkannt. Dir Gesellschaft wird mit der vereinigten ElektrizitätS- nnd Radioarbeitergewerlschast kollektive Lohnverhandlungen anfnehmen. ES ist anzunehmen, daß auch die übrige Elektro- und Radioindustrie dem Beispirl dieser Gesellschaft folgen und daß Lahn Lewis auch hier seine Forderung nach verkür» zung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne durchsetzen wird. Jugoslawien bündnistreu| Gegen die Restauration der Habsburger Belgrad. Während der Spezialdebatte zum SiaatSvoranschlag ergriff Ministerpräsident Dr. Stojadinovii im Plenum der Skupschtina das Wort, um in seiner Eigenschaftals Außenminister über die gegenwärtige Außenpolitik seines Landes zu sprechen. Dr. Stojadinovii betonte in erster Reihe die ständige und treue Freundschaft zu Frankreich. Zwischen Deutschland und Südslawien bestehen weder Konflikte noch Differenzen und, da beide Staaten bestimmte Berührungspunkte, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiet«, aufweisen, ist die Belgrader Regierung um die weitere Entwicklung der bisherigen freundschaftlichen Atmosphäre zwischen den beiden Staaten bemüht. Eö scheine auch, daß,«ine Periode herzlicher Beziehungen zu Italien qnbreche. Hinsichtlich der mitteleuropäischen und Balkan-Länder befindet sich Südslatvien in einer glücklichen Lage, denn«S stehe im Zentrum zweier Systeme, deren Existenz sich bewährt hat und deren Tätigkeit eine sehr wesentliche und umfangreiche ist. Die Klein-Entente besteht nunmehr sechzehn Lahre und dient den Interessen ihrer Mitglieder und dem FriedenSgedanlen. Südslawien, die Tschechoslowakei und Rumänien setzen ihre Tätigkeit im Organisationsrahmen der Kleinen Entente fort. Oesterreich gegenüber unterhalte. Südslawien ein korrektes Verhältnis. Der Standpunkt der südflawischen Regierung gegenüber der HabSburger-Re st auration in Oesterreich ist auch weiter negativ. Tod im Steinbruch. Wie aus Polson lMon- tana USA.), gmeldet wird, sind beim Bau eines Staudammes sieben Arbeiter durch«inen Felssturz getötet worden. Zahlreiche Arbeiter wurden verletzt. Zusammenstoß in der Lust. In der. Nähe von Zürich stießen in 700 Meter Höhe während einer Hebung zwei Militärflugzeuge zusammen, wobei zwei Leutnants, den Ted fanden. Im Schwarzen Meer wütet wieder einmal ein-ungewöhnlich heftiger Sturm, der di« Schifffahrt lahmgelegt hat. Zahlreiche Schiffe, die sich auf hoher See befinden, können nicht die Häfen anlaufen. Selbst verankerte Schiffe wurden im Sturm beschädigt. An der-rumänischen Küste wurde- eine Hebung des Meeresspiegels um- 60 Zentimeter gemessen, was den bisher gemessenen Höchststand um das.Doppelte übertrifft. Erdrutsch aus Jawa. Wie aus Batavia gemel» „Tobacco Road" bald zum SensationStück von New Nock wurde. ES ist übrigens recht anzüglich und konnte bisher nirgendwo tn der Provinz aufgeführt werden, da sich die Kirchen und die Frauenverbände gegen seine„Unstttlichkeit" auSsprachen. Bei der letzten Aufführung fühlte sich Miß Odele bereits im ersten Akt nicht wohl, sie konnte im zweiten nicht mehr auf der Bühne erscheinen und starb plötzlich an Herzschlag in ihrer Garderobe. Trotzdem führten die anderen Schauspieler das Stück weiter. Sie improvisierten fo geschickt, daß man dal gehlen der Schauspielerin überhaupt nicht merkte. And während der Beifall auch die Heroine des ersten Aktes an die Rampe rief, trug man ihre Leiche durch den Bühnen«, eingang davon. glugzeugabsturz. In Patchoqu«(Long Island) stürzte in der Nähe der Bahnstation ein Verkehrsflugzeug ab- Zwei der Insassen wurden getötet, ein dritter schwer verletzt. Die EmhöndigungS-Markr. Zu unserer gestrigen Notiz teilt uns die Poswerwaltung mit, daß es sich um die Einhändigung eingeschriebener < rekommandierter) Sendungen handle. Es ist dann freilich nicht einzusehen, warum man dazu erst eine eigene Marke einführt. Denn die eingeschriebene Sendung soll ja an sich die Gewähr der verläßlichen Aushändigung schaffen. Es scheint da«ine Art Ber« tcuerung aus Umwegen vorzuliegen. Keine Besserung des Wetters. In Mitteleuropa trifft kalte, aus dem Druckhoch über Rußland strö« mende Luft mit wärmeren, aus dem Mittelmeergebiet stammenden Lustmassen zusammen. In der Nähe der Wärmegrenz« bilden sich neue Störungen aus und gestalten die Weiterentwicklung des Wetter» unsicher.— Wahrscheinliches Wetter Freitag: Ziemlich bewölkt, stellenweise Niederschläge nicht auS« geschlossen, mäßig kühl. Geleitwort gebunden gebunden broschiert KL 16.— Mit Beiträgen von Das andere Italien DaS spanische Pressebüro Fabia meldet: Die spanische republikanische Regierung erhielt aus Genua von Ualienischen Frauen eine Sendung von Juwelen, Goldmünzen, Silbergerät und Silbermünzen im Gesamtgewicht von einem Kilogramm. Die Sendung befindet sich in einer Stofshülle, die in Gold und Seide die Aufschrift trägt: „Die italienischen Frauen senden Euch dies, damit das demokratische Spanien siege. Genua, Jänner 1937". Auf der Hülle ist eine Fahne in den italienischen und eine zwefte in den spanischen Na- tionalfarben eingestickt. Die Goldgegenstände wiegen 429 Gramm, die Silbergegenstände 638 Gramm. Zwei Mädchen haben unter"Einsatz ihre» Lebens mft dieser Sendung von Genua aus die italienische und die ftanzösische Grenze Überschriften» um sie sicher in die Hände der- jenigen gelangen zu lassen, für die sie bestimmt war. Eine weitere Aufschrift der Sendung lautet:-, „Die antifaschistischen Frauen von Genua haben es als Ehre empfunden, sich an dieser Sendung beteiligen zu können. DaS Geschenk, das wir Euch übermifteln, würde in 14 Tagen gesammelt. Dies ist der Anfang. WeftereS wird folgen." Und kaum weniger erfreulich ist es, daß man, wie unS berichtet wird, gelegentlich-auf Welle 39 einen Ualienischen Sender hören kann, der die Wahrheit über Spanien meldet. Das Italien Matteottis lebt! Herabstürzende Felsmassen zerstörten ein Eisenbahngebäude In der Nähe von Dover stürzte ein Teil der Sandsteinküsteab. Etwa 8000 Tonnen Gesteinsmassen rutschten in die Tiefe und-zertrümmerten ein Stationsgebäude der unterhalb vorüberfüh- renden Eisenbahn ein Nord In BrUnn Brünn. Am Donnerstag, den-'4'. März, um 21 Ahr hörten die Bewohner eine» Hauses in-der Kkidlovicka ulice in Brünn aus der Wohnung der 4Sjährigen Marie Dorazilova einige-Schüsse! Beim Eindringen in die Wohnung stellten sie fest» daß der 27jährige Zahntechniker Anton Ccnel au» einer, Repetierpistole einige Schüsse abgegeben hatte: durch die Marie Dorazilova in bie rechte' Brustseite, ihre Tochter, die 19jährige Beamtin Marie, in das link« Handgelenk und seine öSjährige Mütter Michaela Eenkova in den rechten Oberarm getroffen wurde. ES wurden die Polizei und zwei Wagen der Hilfsstation des Roten Kreuzes herbeigerufen, welche die verletzten Frauen in das, Landeskrankenhaus überführten. Die 48jährig« Marie Dorazilova erlag während der Ueberführung ins Krankenhaus ihrer Verletzung. Der Mörder wurde verhaftet, erlitt aber auf der Wachstube einen Nervenzusammenbruch und konnte nicht einvernommen werden. Die Ursache der Tat scheint unglückliche Liebe zur jungen Dorazilova zu sein. Einer von ihnen wurde bisher nicht aufgefunden. Die beiden anderen sind gerettet.—- Bei Kitzbühel ging gestern eine Lawine-nieder undrißdie 16jährige Skiläuferin Trude Wenninger in eine Tiefe von 120 Meter mit. Ihre Leiche konnte gefunden werden. ES handelt sich um die Tochter de» Generaldirektor» der Oesterreichischen Rationalbank und Direktor» der Oesterreichischen Kreditanstalt Wenninger. In Gesellschaft der Weninger befanden sich noch elf Skiläufer, die jedoch, ohne Schaden zu nehmen, davonkamen. — Eine gewaltige Lawine verschüttete-auf ein« abgelegenen Alp in der Gemeinde Blatten im obersten Löffchental in.Oberwalli» 82 leerstehende kleine Alphütten. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Sachschaden beträgt 100.00Ü Franken. Der Begründer der tschechoslowakischen Pyrotechnik gestorben. Im Alter von 76 Jahren ist Bohumil Häjek, der Seniorchef der Firma B. Hojek, Chemisch-Pyrotechnische Fabrik in Pkemhileni- bei Prag, verstorben. Die Feuerwerkskunst war in seiner Familie Tradition.- Sein Urgroßvater, Jan Häjek, Altstädter Bürger und Drechslermcister, hat am 29, April 1748, anläßlich des Besuche» der Kaiserin .Maria Theresia inPrach ein große» Feuerwerk veranstaltet. Bon dieser Zeit an wurde in der Familie Häjek die Feuerwerkerei im Nebenberufe ausgeübt. Der Vater von Bohmnll Häjek war Mechantter an der Universität in Prag und hat für den berühmten Physiker. Ernst Mach zahlreich« Apparate gebaut. Auch Bohumil Häjek Ivar Mechaniker und Optiker. Seine Leidenschaft galt aber der Pyrotechnik."Er hat bereit» in jungen Jahren«in pyrotechnische» Laboratorium eingerichtet und. sich diesem Fache mit besonderer Vorliebe gewidmet. Diese Beschäfttgung, die test» seiner Liebhaberei, teil» dem Erwerb diente, führte ihn dazu, nach dem Umsturz die erst«.pyrotechnische-Fabrik in Prag zu begründen. Eine Bühnentragödie. Im Forest-Theater in New gork g man zum 189sten Male da»-Drama «Tobacco Road", aber wa» sich hinter der Bühne abspielte,war viel tragischer al» dieBorgänge in diesem Drama. Da» Stück hatte übrigen» zuerst auf einer Borstadtbühne kaum einen Erfolg. Aber dann war man von- der. Darstellung einer nicht mehr jungen Schauspielerin-Maud O d-e l-e hingerissen, so daß Vom Rundfunk Empfehlen»werte» ass den Programmeni SemStagr Prag, Sender Ir 10.08: Deutsche Press«, 11.08: Mujjit» Salonquartett, 12.10: Operettengesänge, IS: Kompositionen von Smetana, 17.88: Deutsche Sendung: Sportvorschau, 18: Europäischer Geist, Hörfolge von Matzke, 18.48:-Deutsche Presie, 22.20: Schallplattenkonzert,— Prag, Sender II: 11.08: Huldigung der-Jugend für den Präsidenten Masa« ryk, 17.40:. Deutsche Sendung: Mährische Sitten und. Gebräuche.— Preßtnrg: 19.20: Slowakische Lieder, 19.88: Populäre» Konzert.— ü.räu.,,•,_.-., 1106: Schallplatten. Mährtfch-Oftranr 16.05: bino in der Bozener Gegend wurden«henfall» drei Schallplattenkonzert,‘ Arbeiter von einer Lawine- in- die Tiefe gerissen. Staatsmann Md Denker. Eduard BeneS, Kamill K r o f t a» F. L. S a l d a, Otokar Fischer etc. broschiert AL 28.— Masaryk erzählt sein Leben. Gespräch mit Karel E a p e k, gebunden Ai 98.— Zu beziehen durch die Zentralstell» für da» BlldungSwesen, Prag XII., Slezskä 13. Gefahr für Blum? Pari». Die Kammer beschloß in drei aufeinanderfolgenden Abstimmungen im Verhältnis von rund 860 gegen 260 Stimmen, den Gesetzentwurf über die Bekämpfung der Teuerung in der heute vormittag» vom Handelsausschuß ausgearbeiteten Fassung nicht von der Tagesordnung der Kammer abzusetzen und ihn auch nicht den Ausschüssen zur neuerlichen Behandlung zuzuweisen, sondern ihn der morgen nachmittags stattfindenden Debatte deS Kammerplenums zugrunde zu legen. Der größte SenatSklnt, der Klub der demokratischen Linken, der über di« Hälft« der Senatsmitglieder»«reinigt, beschloß Donnerstag nachmittags mit großer Mehrheit, gegen den Regierungsentwurf betreffend die Bekämpfung der Teuerung Stellung zu nehmen. Die Senatoren gaben der Ansicht Ausdruck, daß die Hauptursache der steigende» Teuerung in Frankreich nicht di« Spekulation der Kaufleute, sondern das Gesetz über die 40ftü»dige Arbeitswoche und di« Lohnerhöhungen, insbesondere aber di« Franc- Abwertung sei. 1.Masaryk zum 87. Qebuitstag Masaryk im Bild, Momentaufnahmen au» den letzten Jahren, 98 Tafeln, Eapek Mensch Mter Mensche» Sozialistenhatz In Polen Warschau. In Krakau wurde Donnerstag der sozialistische Gemeinderat und Führer des linken Flügels der sozialistischen Partei Dr. Boleflav D r» t» e r verhaftet. Der ver- häftet« leitete die Krakauer Filiale deS radikalsozialistischen Warschauer Blattes„Dzennik Popu- larny", daS von den Behörden eingestell wurde. Rach einer halbamtliche» Mitteilung«erden alle verhafteten Redakteure und Mitarbeiter deS genannte« Blattes d»S versuche» eine» gewaltsamen Sturze» der bisherige» StaatSform Polen- angeklagt werden. Donnerstag wurde in W a r s ch a n di« Organisation der jüdischen Setzer und Druckereiarbeiter, die unter der Leitung der jüdische» sozialistischen Bund-Partei steht, anfgelöst und das Organisationslokal amtlich geschlossen. 40 Mitglieder dieser Organisatton, die unter der Beschuldigung kommunistischer Agitation stehen, wurden verhaftet. de» Pater Saip übernommen hat. Dieser Zeuge erklärte, nievon demSchreibendeö Angeklagten gehörtzuhaben, in welchem dieser angeblich-feine Palmarforderung von 1,200.000 anmeldete, welch« nach Behauptung de». Parku» von Pater Saip genehmigt wurde, was die-' fer allerdings al» Zeuge bestritt. * Dem gesamten Beweisverfahren muß al» Zeuge der Pater Saip beiwohnen, der seinerzeit, wa» ergänzend festzustellen ist, feine» nicht eben, wohlverwalteten Amte» al» Ordensprokurator enthoben und in» Epii in da» Pilsner Dominikanerkloster geschickt wurde. Di«"Säuberung in der Leitung bei Prager Konvente» führte der Orden-general selbst durch. Wir haben bereit» erwähnt, daß alle die üblen Dinge, die die Anklage dem Angeklagten zur Last legt, nicht«.'glich gewesen wären, ohne di« unglaubliche Nachsicht diese» zur. Verwaltung des Ordensvermögen» bestellten Pater» Saip. die wieder ihre triftigen Gründe in dessen führ intime» Beziehungen zu- Dr. Parku»>md namentlich zu-dessen Frau haben dürfte.' Parku». der sich gerühmt hat, daß ihm schlimmstenfalls auch einige Jähre Kerker» nicht» verschlagen würden, ist moralisch bereiterledigt, wa» in der durch die Advokatenkammer bereits ausgesprochenen Erziehung der Befugnis zur Ädv-oka tu r dokumentiert wird. Bor'seiner Verhaftung betrieb- er auf den Weinber--, gen ei»! Geschäft mit Rassehunden. E» wird sichaber erst zeigen müssen ob die. allzu primitiven Strafparagraphen, die zwar di« kleinen Diebe-zu packe» vermöhen, den großen aber erfahrungsgemäß allzureichlich Gelegenheit zum Durchschliipsen geben, zur g e r i ch t l ich en VerurteilungdeSHerrnPM Parku» hinreichen. Der vierte les des Parkus-Prozesses Ruhiger Verhandlungsvetlaut Prag,-rb-'Der vierte VerhandlungStag im' Parkus-Pcozcffe verlief ruhig. Der Angeklagte, dem offenbar zu Bewußtsein- gekommen ist, daß er sich mit der Inszenierung- lärmender Auftritte wenig nützt, befliß sich eine» anständigen Benehmen», wozu auch die bei mehrtägigen. Prozessen, unausbleiblich« Abspannung, där ihrige beitragen mochte.-Im' Verläufe de» VerhandlungStage» kam«Ine'lange Reihe von Zeugen zur Vernehmung. Interessant war zunächst die Vernehmung der ersten Zeugen, de» Advo- katen Dr. S a m a n, der sich gegenwärtig; mit Dr. Veverka in die. Vertretung de» Ordens teilt, also Amtsnachfolger des Angeklagten ist. Bei seiner-Aussage mußte man sich- unwillkürlich an'bat mittelalterliche, Sprichwort erinnern:. „Unter dem Lrummstab ist gut dienen". Dr. SaMon schätzt, den Palmaranspruch de» Parku»„nur" auf etwa 800.000 Aä, wobei er anführt, daß er, der Zeuge, als Vertreter-der Bkev- noverBenediktiner-bei annähernd- gleicher Arbeit, wie sie Parku» zu besorgen hafte, im L a u fev o n v i'e r e i nh a lb Jia h r e n 1.000.000 Ai liquidiert-habe. So nebenbei, wurde seinerzeit im'Zuge de» B«wei»verfahren»' erwähnt,-daß Parku» tut „Nebenarbeiten" im Dienste dt» M ä lies ec« uthen» eine Million erhalten hat. Die Selbstverständlichkeit, mit der hier von, s« ch».-- und s i-e b« n st e l l i g en Honoraren-für die Bertreter der kirchlichen. Orden gesprochen. Wied.— und die» in einer Zeit,, wo, eine- Hundertkronmnot« für avbeliendeMenschen ein Kapitell darstellft hinterläßt-«inen, recht bitteren Eindruck.. ' Unter den sonstigen Z«ugenau»sagen' wär« die de»-gegenwärtigen Prokuratorr der-Prager Dominikaner B i reu t k hervorzuhebeu. der tar Amt Erfolg der Lebour Party WWW London. Bei den Gemeindewahlen in Dur-1 bei wird, ereignete sich dort in der Nähe von Ban- Ham, dos zu den Elendsgebieten gehört, hat die düng«in größerer Erdrutsch. Nach den bisher Labour. Party zehn neue Sitz« gewonnen. j vorliegenden Meldungen'wurden dabei sieben Eingeboren« getötet.. Hochwasser in der Slowakei. Der Wasserspiegel der Elpel.ist um 200 cm gestiegen, die niedrig gelegenen Häuser stehen unter Wässer, einige von ihnen stad berett»«ingestllrzt. Jetzt hört da» Wasser bereits auf zu steigen. Die Gemeinde Byikovee ist bÄroht. Nachrichten sind von. dort nicht eingetroffen, da di« Telephonverbindung unterbrochen und.der-einzig« nach dieser Gemeinde führende Weg überschwemmt ist. In-der Gemeind« Hidveg sind vier Häuser«ingestürzt.. An-den Rettung»» und Sicherungsarbeiten beteiligt, sich die dortige. Garnison..- i- von Lawine» begraben. Im oberen Paffeier- Kaschau: verschüttete«ine Lawine 88 Arbeiter. Bei Rom- Nr. 55 Freitag, S. März 1037 Seite 5 IMfewtecfcoft und äoÄakpoLM 54 Waggons Butter wichtiger als Millionen Verbraucher Die SdP als Trabant der agrarischen Konsumentengegner Der SdP-Abgeordnete Klleber für Margarinekarten Die Großagrarier haben in ihrem Feldzug gegen die Konsumenten Zuzug bekommen. Die Sudetendeutsche Partei hat sich beeilt, als erste und wahrscheinlich einzige nichtagrarische Partei die Forderungen der Agrarbarone und Kapitali- sten zu übernehmen. Einschränkung der Margarineerzeugung, Brotlos« machung deutscher Arbeiter, Verteuerung der Lebenshaltung Kartensystems wie im Kriege sind in daSProgramm derPartei Konrad Henleins ausgenommen worden. Im landwirtschaftlichen Ausschuß des Abgeordnetenhauses wurde es Dienstag in unzweideutiger Weise von dem Sprecher der Heuleiuabgeordneten, Jng. Klieber, angekündigt. Nach der„Zeit" zitieren wir aus KlieberS Rede: «Es ist sicherlich richtig, daß di» vrlrr- dimensionierung der Marga- rinrergrngnng zu einem vutterülerfchug und damit zu einem Druck auf dem Frischmllch- mnrkt führte und sa mit beitrug g« einem Preisverfall nicht nur der Butter, sinder» auch der Milch selbst..." Schuld daran, sagt Klieber, ist die Regierung, die es zuläßt, daß so viel Margarine auf den Markt kommt. Ginge«S nach der Sudetendeutschen Partei, so müßten die. Arbeiterfrauen eigentlich schon längst vor den Läden Schlange stehen, um ein paar Dekagramm Margarine nach Hause tragen zu können. Etwas anderes sagen die Worte nicht, die wir angeführt haben. Jeder Mensch weiß, daß die heutigen Kontingente dem tatsächlichen dringenden Bedarf nicht genügen, jeder Mensch weih, daß die unbemittelten Schichten auf die billige Margarine angewiesen sind! Kein Agrarkapitalist könnte weiter gehenals derSprechcrderSu- detendeutschen Partei! Wer so spricht wie er, spricht nicht zugunsten der arbeitenden Menschen, sondern zugunsten einer kleinen Schichte von Besitzeichen I Es wär'auch nicht zu erwarten, daß Abgeordneter Klieber, der selbst Großgrundbes itzer ist, ein Wort darüber verlieren wird, daß vielleicht die kleinen' Bauern für ihre Milchlieserungcn- wenig bekommen, daß aber die Butter produzierenden Betriebe fette Gewinne einheimsen. Den Beweis dafür liefert der letzte Geschäftsbericht der Großmolkerei in Troja, die nach Abzug aller Auslagen, die zum großen Teil wieder dem Betrieb und den Besitzern zufließen, einen Rein- rrtrag von 180.000 XL ausweist. Von diesen großen Butterproduzenten geht mich die jetzige Aktion gegen die Margarine aus, welcher sich die SdP angeschlossen hat. Konrad Henlein, der den Großgrundbesitzer aus dem Egerland ja kennen muß, hat den richtigen Mann an den richtigen Platz gestellt! Die SdP verkündet weiter: „Man stelle sich v»r, tast wir im verigen Jahr bei einer reichen Futterernte im ganze» Staat« nur St Waggons Butterüberschuß hatte«. Man müßt» doch annehm««, daß wegen dieser St Waggon» die Butter- und Margarineerzeugung auSznsöhnen wäre, weil ein» Restriktion dir Margarine nm dies» klein« Meng« leicht durchzuführen wäre.» St Waggons Butter sind ein halbes, höchstens dreivieüel Prozent unserer gesamten jährlichen Butterproduktton. Um den Großmolkereien und Großgrundbesitzern— nur diese hätten den Profit dcwei— zum Absatz zu verhelfen, soll den uichemittelten Verbrauchern die Margarine entzogen werden. Daß dies nicht durch eine„Restriktion' um diese kleine Menge" erreicht werden kann, weil dann eben um 84 Waggons Margarine weniger, aber sicher nicht um St Meterzentner Butter mehr oekauft werden würden, weiß Klieber ganz genau. Wegen deS halben Hundertstels der Butterproduktion und wegen der Gewinne der Kapitalisten soll, geradezu eine Kriegswirtschaft errichtet werden: „Man müßte nur verhindern, dah in der Zett de» ButterüierschufleS gerade der Hauptzustrom der Mar,»rin« auf«ns«r« Märtte erfolgt und damit die Preise ruiniert. Ebenso müßt« ma» » e r h i n d e r n, daß Leute Mar,«rin« lausen, di« ruhig Butter bezahlen Hunten. Dies könnte durch «in« richtig«-andhatn«, de» BezugSscheinSshftemS geschehen, wie«» seit lang», Zeit schon i n D« u t s ch l a n d gehandhabt wird." Daß in Deutschland Karten«ingesührtwurden,weil weder genug Butter noch-genug Margarine da ist, ist ein kleiner Unterschied, der den Abg. Klietzer aber wenig anficht. Wichtig, ist, daß auch bei unS Karten eingeführt werden, damit Preise nicht ruiniert werden. Wer den Anspruch ans Karten Laben soll, welcher Aufwand mit dieser Bewirtschaftung verbunden..wäre, welchen Ruin das für hunderttausende Haushalte bedeutet' lpaS kümmert daS«inen volkSgemein- schaftler? Ausschlaggebend für ihn ist: Solange Butter zu verkaufe» ist,, muß die Margarinebelieferung gedrosselt werden. Sind di« hohen Preise unerschwinglich, daß bleibt eben ein Butteriiberschuß und es wird weiter gedrosselt. Dann sind wir dort, wo man„schon seit langer Zeit in Deutschland" ist! Das sind die Forderungen der Sudctendeut« schon Partei.. Sie. sind ein so ungeheuerlicher Schlag in das Gesicht Hunderttausender Menschen, daß nmn auch diesen ein paar be sch önt- gend« Worte sagen mutz. Nachdem also Klieber restlos den agrarischen Forderungen zugestimmt hatte, begann er über die Not im deutschen Gebiet zu vagen und über die Notwendigkeit, diesem billiges Kunstseti und Margarine in ausreichendem Maß(!) zur Verfügung zu stellen, weil für sie teuere Fette, vor allem Butter, nicht in Frage kommen. ,,E» wäre allerdings nicht zu verabsäumen, daß zur Zeit einer gewissen Butterschwrmme«in Teil der Butter unter RegierungSieihUfe diesen kapItalSschwachen Verbraucherschichten zugeführt wird." Weit davon entfernt, den Verbrauchern diesen Teil der Rede vorenthalten zu wollen, lenken wir im Gegenteil die besondere Aufmerksamkeit auf ihn. Atmen die zuerst vorgetragenen Forderungen volksfeindlichen Geist, so'spricht aus diesen letzten Sätzen Demagogie. Demagogisch ist es, den deutschen Arbeitern und Arbeitslosen einreden zu. wollen, daß man die tschechischen Gebiete zum Kauf der teueren Butter zwingen könne(wo selbst die Agrarier.zu den Margarinekonsumenten gehören), während man Kunstfett und Margarine in die deutschen-Gebiet«.lenken würde. Die Henleinleute wären die letzten, die sich den Agrariern in den Weg stellen würden. Demagogisch ist es, den deutschen Kleinlandwirten einreden zu wollen,, daß die tschechischen Agrarier zwar den Absatz ihrer Milch und Butter auch im tschechischen Gebiet fördern, aber darauf, verzichten würden, ihre Prosüe auch aus den deutschen Gebieten zu holen. Die Beistellung verbilligter Butter mit Regierungsbeihilfe, also auf Kosten des Staates, kostet ja die SdP nichts, aber auch da zeigt sie, daß sie an der agrarischen Leine läuft. Regierungsbeihilfe für die' Arbeitslosen? Ja, aber nur,, wenn die Ag rarier einen ile bersch utz an den Staat loSschlagen wolle»! Zum Schluß kam noch der übliche Aufputz, der Angriff auf die„sozialdemokratischen Kon- fumvereine", deren. Fabriken man größere. Kon- ttngente gibt, wobei man sich darauf verläßt, daß sie auch ins deutsche Gebiet liefern würden. Der Abgeordnete Klieber— wenn er kein Ignorant ist— weiß, daß die deutschen Genossenschaften keine Margarinefabrik haben, er weiß, daß ihr Kontingent im deutschen Gebiet von deutschen Betrieben ' mit deutschen Arbeitern' und Angestellten produziert wird und ausschließlich an die deutschen organisierten Verbraucher abgesetzt wird. Der Abgeordnete Klieber verschweigt dies aber, weil er sonst auf die Frage anttvorten müßte, wie die Sudetendeutsche Partei es rechtfertigen kann, daß sie diesen deutschen arbeitenden Menschen ihre Existenzgrundlage nehmen will. Der Abgeordnete Klieber hat sich diese Antwort Dienstag erspart, indem er die Tatsachen entstellte. Weder er noch die Sudetendeutsche Partei solle» sich aber der Hoffnung hingeben, baß ihn«» di« Demagogie nützen wird. Di« deutschen Arbeiter und Angestellten haben noch«in Wort dazu zu sagen, wenn ma» sie für 54 Waggons Butter verkaufe» will! einschaltuiig i» de» Produktionsprozeß stellen: Im März 11)30 gab es bei einer Gcjanuzahl von 221.409 Arbeitslosen 17.314 oder 7.8 Prozent Erwerbslose zwischen 60 und 64 Jahren. Im Slugust 1086 waren es bei 201.133 Erwerbslosen 16.840, d. h. 8.3 Prozent. Den älteren Arbeitern kommt somit die Abnahme der ArbcitSlojigleit nicht zugute: ihre Zahl hat sich sozusagen stabilisiert(wozu beiträgt, daß die größeren'Unternehmen seit langem 40 oder 45 Jahre als Eintritts- alter sestgslegt haben). Die noch erwerbslos gebliebenen Arbeiter sehen sich jedoch nicht nur aus Arbeitern zusammen, die wegen ihres Alters, ihres körperlichen Befindens oder tvegen langer Arbeitslosigkeit nicht tvicdcr eingestellt werden. Eine große Rolle spielt bei der Fortdauer der Erwerbslosigkeit die Rationalisierung und Mechanisierung! Bondas, einer der Sekretäre der Lan- deszcnttäle, gelangt bei der Behandlung dieses Themas an Hand genauer Zahlen zu folgenden Feststellungen: Wenn man annimmt, daß von den jetzigen Arbeitslosen noch die Hälfte Arbeit finden kann(was sehr optimistisch ist), bleiben im- mer noch zirka 90.000 oder 8 Prozent erwerbslos, also viel mehr als in Zetten der Wohlfahrt. Im September 1923 gab cs z. B. nur 1.5 Prozent Erwerbslose und Kurzarbeiter, im Mai 1929 sogar nur 0.5 Prozent. Die Lage der Erwerbslosen, die nicht mehr arbeiten können, wurde in Belgien kürzlich durch ein Dekret provisorisch geregelt. Man hofft, bald eine deftnitive Regelung erwirken zu können. Es ist u. a. auch geplant, einen Fonds zu gründen, aus dem Handarbeitern zwischen 60 bis 65 Jahren Zulagen gezahlt werden. DaS britische Heeresbudget. Der Voranschlag für die Bedürfnisse der britischen Armee im Jahre 1937 erreicht die Höhe von 63,120,000 Pfund Sterling(8095 Millionen XL), was gegenüber dem Jahr 1986 unter Einrechnung der Nach- tragskrcdite ein Plus von 7,239.000 Pfund Sterling bedeutet. Die Erhöhung der Budgetauö» gaben ist durch die Ertveiterung und Beschleunigung bei der Durchführung der militärischen Vorbereitungen begründet. Die Gesamtzahl der Truppen, nicht eingerechnet die indische Armee, betragt 168.900 Mann gegenüber 156.400 im Jahre 1986 und 186.400 im Jahre 1914. Die Erhöhung der Truppenzahl wird der beabsichtigten Schaffung zweier Jnsantericregimenter, der Vermehrung der Angrisfswagenformationen und der Flugabwehreinheiten, der Modernisierung der Küstenvcrteidigung, einiger Häfen und de» Bedürfnissen der Armee sür den Fall der Mobilisierung, zugcschriebep. Dus ifrzebnis der indisch!!» Wahls». Vorige^ Woche wurden zum ersten Male ikach oet von der britischen Regierung gewährten neuen Verfassung in Indien allgemeine Wahlen abgehalten. Die von Pandit Rehrn, dem Nachfolger Gandhis, ge- fiihrte Kongreß-Partei errang dabei«inen großen Erfolg. Nach den bisher in London bekannten Ergebnissen fehlen ihr nut zwei Mandate zur absv^ luten Mehrheit. Der Kongreß-Partei, der bereits 86 Mandate sicher sind folgen in weitem Abstande die Moslem-Liga mit 20, die Unabhängige La- bour-Party mit' 18, die europäischen, anglo-indi- schen und indischen Christen' mit 11' und die Unabhängigen Moslem mit 10 Mandaten, wozu noch eine Reihe kleinerer, teils religiöser, teils europäisch-demokratisch orientierter Parteien' kommt. Pandit Nchrü hat nach dem Wahlsieg seiner Partei die Parole ausgegcbcn, die Arbeit der gesetzgebenden Versammlung, die am 1, April in Bombay zusammentrete» soll, zu obstruieren. Ma» rechnet aber in England damit, daß die.lokalen. Führer der Kongreß-Partei sich der Parole Nehrus größtenteils widersetzen tverden. Den Spaß verdorben. Der französische Innenminister lehnte es ab, den Führer» der französischen Rechten, welche sich Ende März in das von den Aufständischen besetzte spanische Gebiet begeben wollten» um in San Sebastian dem Verteidiger der Alcazar von Toledo, General Moscard, einen Ehrensäbel zu überreichen, die Paßbisa für die Reise zu erteilen. Die Reise sollte unter der Patronanz des Pariser Blatter„Echo de Paris" ftattfinden, das unter seinen Lesern eine öffentliche Sammlung zur Anfertigung der Ehrensäbels für den aufständischen General und von Gedentmedaillen für alle Kadetten von Toledo veranstaltete. Ter französische Minister des Innern sagt in seiner Entscheidung, mit der er die Erteilung der Bisa für die angefiihrte Reise nach Spanien ablehnte, daß dl« gegenwärtige Lage der französischen Regierung di« größte Vorsicht hinsichtlich Spaniens zur Pflicht mache. Die nazisttsche Gefahr in Ungarn. An politischen Stellen Budapests wird große Aufmerksamkeit den Unterredungen gewidmet, welche'Mittwoch Ministerpräsident Daranyt mit Außenminister Kanha, dem Minister für Rationalverteidigung, General Roeder, dem Ulsterstaatssekretär im Ministerium des Innern, und schließlich mit den» Führer der Klejn- landwirtepartei, Eckhardt, hatte, lieber, die Besprechungen wurde kein offizielle» Kommunique verlautbart, man glaubt aber, daß es sich hapum gehandelt hat, di« Propaganda und die politischen Pläne'be- stünmter Fraktionen der äußersten Rechten zu verhindern,die Mitlinterstiltziihg von Geldern an» dem' Ausland die Absicht hätten, eine Aktion zur Errichtung eines autoritären.Regimes nattonalsozialisti- scher' Schattierung in Ungarn zu«Malten. y* Sozialversicherung und Heilanstalten Im Sozialen Institut in Prag hielt Donnerstag abends Genosse Dozent Th. Grufchka im Rahmen der Vortragsreihe„Aktuelle Probleme der Sozialversicherung" einen Vortrag über das im Titel angegebene Thema. Seinen ausgezeichneten Ausführungen entnehmen wir: Die Entwicklung der Sozialversicherung berechtigt zu sagen, daß der Grundsatz der Sozialversicherung sich siegreich durchsetzt. Die Entfaltung der Sozialversicherung erfolgt in einigen iRichtungen^L. Die Zahl der Staaten, welch« di«. «inzeknÄt"Meige dev"'Schs!Ädüsiihtzwssg ö'ffeitMchh Äsistitlitionen"l!infÜhrin) nffntnt’ftätt*' dig zu. 2. Die BersicherungSpflicht wird ttr den einzelnen Staaten auf immer größere Schichten ausgedehnt. 8. Die Sozialversicherung erfaßt immer mehr Schäden. 4. Gleichzeitig festigt sich die Ueberzeugung von der Zweckmäßigkeit der Vereinheitlichung. organisatorischen Vereinfachung und Zentralisierung der Sozialversicherung. 5. Die innere Entwicklung aeht in der Richtung der Gewährung immer vollkomnienercr Leistungen. Diese Entwicklung ist bei weitem nicht abgeschlossen, sondern sie ist erst in den Anfängen.,• - Dor Vortragende behandelte als Arzt nur dies« letztgenannte Seite der Sozialversicherung. Er stellt fest, daß diese innere Seite der Entwicklung im Wesen der Sozialversicherung ankert. Ihre Aufgabe ist. es, für Krankheiten und Krank- hettsfolgen zu entschädigen, sie muß also, heilens Gesundheit geben. Soll sie dies in vollkommenerer Weise tun, muß sie die Be h and lung v erbe s s e r n. Dieses Erfordernis steht nicht einmal im Gegensatz mit der notwendigen Wirtschaftlichkeit, sondern steht im Gegenteil mit ihr in vollständigem Einklang. Der Härte Zwang zur Sparsamkeit selbst zwingt die'Sozialversicherung zu nnmer' vollkommeneren• ärztlichen Leistungen und zu imnier intensiverer An- wendung von Präventivmaßnahmen, also in erster Reihe zu rechtzeitigem Erkennen der Krankheit, rechtzeitiger Heilbehandlung und zu einer besser entsprechenden Heilbehandlung. Es ist nur notwendig, beginn der Exportmesse Die diesjährige Prager Frühjahrsmesse er- ösfnet im Messepalafte wieder um zwei Exporttage früher als. die Sonderveranstaltungen am Alten und Reuen Ausstellungsgelände. Die Exportgruppen im Messepalafte werden daher schon .Freitag, den Geschäftsverkehr übergeben; die AuS- stellungSgelände schließen sich, am Sonntag an und der gemeinsame Schluß ist am 14. März. Der Abhaltung der heurigen Frühjahrsmesse sieht man in Messe-'und Ausstellungskreisen mit' Zuversicht entgegen. Roch nie seit den fahren der Konjunktur lagen-die Verhältnisse so günstig, wie diesmal. Gegen die letzte Frühjahrsmesse, die-als beste Messe der letzten Jahre anzusehen-war,-hat sich die Wirtschaftslage weiter gebessert. Außerdem ist inzwischen die Industrie-durch die Deval- vation auf vielen Märkten wettbewerbsfähiger, geworden, was in den Äußenhandelsziffern. der. letzten Monat«.deutlich zum Ausdruck kommt. Die . erhöhte Nachfrage nach tschechoslowakischen Erzeugnissen am Weltmärkte hat auch auf die bevorstehende Messe günstige Reflexe ae- worfen. Das Auslandsintcreß'e für-dir.Früh biesen Grundsatz der Wirtschaftlichkeit richtig zu begreifen, um von falschen Formen der Sparsamkeit, von fiskalischen Sparmaßnahmen, abzukommen und eine richtige Sparsamkeit ein» zusühren. Die verläßlichste Sparmaßnahme in der Sozialversicherung ist die vollkommenste Heilfürsorge. Die Entwicklung der ärztlichen Wissenschaft hat eine derartige Bereicherung der Kenntnisse und Methoden mit sich gebracht, daß sie eine Spezialisierung zur Folge haben Mlßstz.,^ah. ist^ncht zu hedaper»...Es. -müssen aber die richtigen Schlußfolgerungen daraus gezogen werden.' Aus der Spezialisierung, erfliegt die Forderung nach ärztlicher Kollektivarbeit. Der ideale Ort hiezu ist das Krankenhaus. Auch dem Krankenhmis gegenüber muß die Sozialversicherung auf fiskalische Spargrundsätze verzichten, denn auch für dieses gilt die Forderung nach Vollkommenheit der Leistungen. Der Spargrundsatz. im Krankenhaus kann nur auf. diesen, nicht auf der Herabsetzung der Behandlungskosten beruhen, denn der wirtschaftliche Vorteil der Sozialversicherung liegt darin, daß die Arbeitsunfähigkeit abgewendet und verkürzt wird. Durch eine Herabsetzung des Aufwandes für die Heilbehandlung wird jedoch das Krankenhaus dieses Ziel nicht erreichen. Die Sozialversicherung hat ein Interesse an der Ausschaltung von minderwertigen Krankenhäusern und an dem Ausbau g u ter, mitSpe» zialabteilungen versehener und ftirihre Aufgaben in jeder Hinsicht gut auöge- statteter Anstalten. Nur bei Respektierung dieser Grundsätze ist es möglich, die Entwicklung so zu fördern, wie Coldmann und Grotjahn es bezeichnet haben: Von Geldleistungen zu Sachleistungen, vom Prinzip der Schadenvergütung zum Prinzip der Schadenverhütung, von der Hilfe für den einzelnen zu präventiver Fürsorge für die ganze Familie. » lieber die„Entwicklung der Sozialversicherung und die Aerzte" sprach Prof. Dr. Pele, über dessen Vortrag wir noch berichten werden. jahrsmesse ist enorm. Allein über 1000 Messeausweise wurden auf telegraphische Anforde- rungen hin nachträglich an die ausländischen Vertretungen gesandt. Dabei waren die heurigen Zuteilungen an die Verkaufsstellen im voraus um>20 bis 50 Prozent je nach dem Land: erhöht worden. Den größten Widerhall hat die Abhaltung der Messe in den West- utü> Nordstaaten gefunden. Was die Nachbarstaaten anbelangt, ist daS Interesse stets gut. Aus Ueberse« hat das Messeamt die meisten Käufer aus den USA, Südamerika, Kanada, Nordafrika, ferner aus den Südafrikanischen Union und aus Borderasten in Vermerk. Auch aus Uebersec kommen Warenhauseinkäufer zur Messe. Abnahme der belgischen Arbeitslosigkeit Fond» für überaltert« Arbeitsloser (NAB) Dank der Poltttk der Regierung van Zeelands ist in Belgien die Zahl der'eingeschriebenen Arbeitslosen und Kurzarbeiter von '881.706,im Jänner 1985 auf 154.158 im Feber d. I. zurückgegangen. ES ist interessant,.festzustellen« wie sich die AltetSÜässen bei der Wieder- Veite S »Sozialdemokrat' Freitag, 8. Mär, 1VS7 Nr. 8» Trager ZMmg Vie Haubenlerche * Still und unauffällig, oft in Gesellschaft der Spatzen und. in ihrer graubraunen Tracht auch so unscheinbar wie diese, mit einem kecke» Kakaduhäub- lhen al« einzigem Schmink,- eilt sie geschäftig auf dem Fahrdamm der Strafte hin und her. Mit kleinen schnelle»' Trippetjchrittchen, al« ob sie auf winzigen Rädchen liefe. Niemand beachtet sie sonderlich und kein Dichter preist ihren Gesang, der nur ein leise« bescheidene« Liedchen ist. Sie hat angesehene Ver- lvandte in KünsUerkreisen; die innig jubilierende Lyrik der Feldlcrche, ihr Weihegesang an« HimmetS- höhen wird in allen Sprachen Europa« verstanden, und der stifte Ilachtgesang der Heidelerche wird so> gar mit den LiebcSarien der Nachtigall verglichen. Wit diesen begnadeten Sängerinnen hat die Haubenlerche nur den Familiennamen gemeinsam; sie ist deren bescheidene Verwandte. Und daft der Ho- henzollerndichter Ernst von Wildenbruch ihren Namen al« Titel sür ein Drama entliehen hat, ist wohl ihre einzige Beziehung zur Literatur. Wie der Spatz hat sie sich dem Nkenschcn genähert. Auch in der Groftstadt hat sie sich eingebürgert, und sogar ini Getriebe der Bahnhöfe baut sie mitunter ihr Nest. E« ist«ine sehr notdürftig au»- gestattete Herberge, gerade hinreichend, um die Brut zur Welt zu bringen, die e« schon am neunten Tage ihre« Dasein« sür immer verläftt. Da« entspricht ganz den Lebensgewohnheiten der Groftstadt, die ja auch den. Menschen kaum noch da« festgefügte Elternhaus, sondern nur die zeitweilige, so und so oft geivechselte Mietwohnung bietet und Kindheitserinnerungen nur an Straften und Stadtviertel hmierläftt. Dem steinernen Grau der Stadt angepaftt ist auch da« Kleid der Haubenlerche. Da« winterliche Bogelleben der Stadt ist nicht bunt; das Graubraun der Spatzen, da« Schwarz der Amseln und Krähen muft genügen, bis wieder die rotbrüsti» gen Finken in den Anlagen schmettern und die blauen Blitzeder Schlvalben um die steinernen Wände ichieften. Unscheinbar und kaum beachtet trippelt die Haubenlerche durch das winterliche Grau. Und doch kommt ein Tag, an dem du auf sie aufmerksam wirst Und überrascht und freudig berührt der kleinen eiligen Gestalt mit dem Federhäubchen nachschaust. ES ist ein Tag besonderer Art. Ein erster lauer Hauch fächelt deine Stirn. Ein erster Glanz hat die Stadt gestreift, an deren Rande noch die schmutzigen ruft- geschwärzten Schneehaufen liegen. Und da klingt ein Zwitschern vom Boden her, ein angenehm heller Vogelruf. leise fast, aber vernehmlich. ES ist der FrühlingSnif der Haubenlerche, ein erster Lmit, Verhalten noch, aber eindringlich. Noch kein Vogel hat den verheißenden Schimmer, von fernen, weit erschlossenen Horizonten aufleuchtend, wahrgenommen und verkündet; schweren Fluges, mit rauhem Winterschrei streichen noch die Krähen über die graue Stadt. Nur sie, die kleine unscheinbare Haubenlerche spricht mit ihrem kleinen hellen Stimmchen die Botschaft in den Lärm der Stadt. Sip.ist hie erste KÜnderin, bon vielen kaum bernommen. ES ist Noch kein Lied, noch nicht einmal ein kleiner Bee«. Rur ein Stimmpseifchen gibt einen Ton an. Für die Zuhörer ist er gar nicht bestimmt; er gilt nur den Gingern. Aber im erwartungsvollen Raunen ist er vernehmbar. Eine kleine Weile noch— gleich wird das Fühlingskonzert mit dem süften Adagio der ersten Amsel und der schmetternden Koloratur de« ersten Finkenschlages beginnen. . Sinnend verweilst du noch. Da tritt ein Mädchen an dich heran. Im Korbe-bietet es dir die ersten Schneeglöckchen an. Scheue Pferde— ein Todesopfer. In der So- bkslavgasse in Nusle scheuten gestern mittags die Pferde am Wagen des 88jährigen Kutschers Ladislaus Bohak und stürmten im Galopp zum Pke- mhslkäi. Der Kutscher stürzte hiebei vom Bock und blieb ohnmächtig liegen. Die Pserde wurden in der Svatyplukgasse vom Fuhrmann Thomas Subrt aus Nusle zum Stehen gerächt; den Kutscher brachte die Rettunaigesellschast ins allgemeine Krankenhaus, wo ein Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung festgestellt wurde. Kurz nach seiner Einlieferung erlag er seinen schweren Verletzungen. Roher Scherz oder Attentat? Als der 88jährige Chauffeur Wenzel Hojka gestern mittag? die Garage seines-Arbeitgebers in Karolinenthal verlieft, wurde er von einem unbekannten Täter von hinten bei der Hand gepackt und gegen die Glastür neben der Garage-geschleudert. Er erlitt hiebei mehrere Schnittwunden, zum Teil schweren Charakters, und wurde von der RettungSgescllschaft auf die Klinik Jirasek gebracht. Der Täter hatte die^luckit ergriffen. Zehnjährige» Schüler überfahren. Der 81jäh- rige Chauffeur Josef Setine überfuhr gestern vor- mittao» in der Palackyftrafte in Nusle de» zehnjährigen Schüler Ladislaus Kubat an« Kundratitz. Der Knabe erlitt einen Bruch de? linken Armes und wurde vom gleichen Auto ins tschechische Kinderspital gebracht, wo er in Pfleae blieb. HeeiMssaat Kindesmord (Prager Schwurgericht.) Prag.—rb— Die 28jährige Anna Sil ans Brand eis a. Elbe, die gestern vor dem Schwurgericht sBors. GR. Dr. Kaplan) des Verbrechens des Kindesmörder angeklagt war, macht«inen nahezu kindlichen Eindruck. Niemand würde vermuten, daft sie bereits drei Kinder, zur Welt gebracht hat. von denen eines lebt, dar zweite einer natürlichen Todes starb und das dritte von der eigenen Mutter getötet wurde. Die Angeklagte empfing das letzte Kind von.einem Musiker. Er war ein« Äelegenheit»- bekanntschaft, deren kurzer"Glück die Anna Sil teuer bezahlen muftte. Nachdem sie das Kind ohne jeden Beistand zur Welt gebracht hatte(sie stellte sich dabei vor den Spiegel), nahm sie das Neugeborene und verschloß ihm Mund und Nasenlöcher mit der Hand, so daft eS in kurzer Zeit e r st i ck t e. Die Eltern, die Spuren der Nieder- kunft entdeckten, riesen eine Geburtsassistentin herbei, die der Anna Sil Beistand leistete. Das zunächst als totgeboren angesehene Kind Ivnrde bestattet und erst nach einigen Tagen wurde durch unvorsichtige Aeußeningen der Angeklagten der Verdacht rege daft sie das Kind getötet habe. Die Leiche des Neugeborenen wurde exhumiert und die Obduktion ergab, daft es sich um ein lebend geborenes und lebetis- fnbige» Kind handelte, das erst nach der Geburt getötet worden war. Die Angeklagte legte ein Geständnis ab. Bei der Gauptverhandlung widerrief ste allerdings dieses Geständnis,>vas regelmäftig der Fall ist, dank den Instruktionen, die die Untersuchungshäftlinge von ihren Zellengenossen erhalten. Aber die Gutachten der ärztlichen Sachverständigen lauteten Nmst und Mssene Fidelio. Das bemerkenswerteste Moment der gestrigen Aufführung des Beethovenschen Meisterwerkes war sein Dirigent; Professor Georg S z i 11, den man nach monatelanger Abwesenheit endlich wieder einmal am Dirigentenpult deS Prager Deutschen Theaters sah. Er diente mit einer ordentlichen, vor allem rhythmisch straffen, aber keineswegs erfühlten und dadurch stimmungsvollen Wiedergabe der Oper. Als Fidelio (Leonor«) gastierte eine Künstlerin des Dritten Reiches, Frl. Lotte Schrader vom Landestheater in Braunschweig. Aber dieses— wie.so viele andere — kostspielige Gastspiel bereitete eine auch beim Publikum fühlbare Enttäuschung. Als lyrische Sängerin könnte s.l. Schrader allenfalls gelten; hochdramatische Sopranistin ist sie nicht. Dazu ist ihre Stimme zu hulfig im Ansatz, zu eng in der Höhe und infolgedessen ohne den richtigen Stimmenglanz und ohne di« erforderliche Schlagkraft. So geriet ihr dar Adagio der graften Arie in seiner lyrischen Art besser als das dramatische Allegro derselben und als das leidenschaftliche Duett des Kerkerbildes. Auch hinsichtlich der musikalischen Sicherheitund Tonrein- heit lieft die Sängerin manches zu tviinschen übrig. Ihr Gastspiel ist also kaum al» Engagementsgastspiel begründet gewesen, als AttraktionSgastspiel aber schon gar nicht zu rechtfertigen. Unser heimischer Sänger Josef Schwarz erwies sich der Gastsängerin gegenüber als Künstler ganz graften Formates, sein stimmprächtiger und darstellerisch packender Pizarro offenbarte Klassenunterschied. Als ausgezeichnete Marzelline dieser.Fidelio"-Aufführung sei noch Fr. Herta R a y n rühmend genannt. Die Möwe Nina Von Macs Im Gedränge des Wenzelsplatzer, gestossen und selber oftmals anstoftend, schlendere ich grübelnd dahin. Plötzlich höre ich hoch in den Lüften einen schrillen Schrei. Ich schaue empor. Diesen Ruf kenne ich doch allzu gut, wenn ich ihn auch seit ach so vielen Jahren nicht mehr gehört hlche. Richtig, mein Ohr und meine Erinnerung haben mich nicht getäuscht: ES ist eine Möve. Gerade kann ich ste noch sehen, wie sie mit eiligen Flügelschlägen hinter hem Dach des Koruna-GebäudeS verschwindet, Richtung nach der Moldau. Also sind sie wieder da, die ewig unruhigen Vögel, von denen der Dichter Christian Morgenstern einmal behauptet hat, sie sähen alle aus, als ob ste Emma hieben. Mir sehen sie anders aus, die Mö- ven. Vielleicht deshalb, weil die Emmas, mit denen mein ausschweifender Lebenswandel mich zusammengeführt hat, mich nicht an Wöben gemahnten. Möven find die elegantesten, graziösesten und zierlichsten Flieger, die ich mir vorftellen kann, wahr« Tänzerinnen der Luft. Ich habe mancher Herren Länder und ihre Vogelwelt gesehen und bin auf vielen Meeren gefahren. Gewiß, ein Albatroß im Flug über dem unermeftlich weiten Ozean ist ein unver- glcichlicher Anblick. Aber die stolze Majestät dieses RiesenvogelS mit seiner Flügelspannung bon mehreren Metern ist so imponierend, so gewaltig und so herrlich schön, daß man zwar Bewunderung, doch keine Liebe empfindet. Und Möven liebe ich. Ich liebe ihr silbern glänzendes Gefieder. Ich lieb« den Schwung ihre» Segelflugs. Ich liebe ihr schrille» Schreien, wenn sie fich untereinander um die besten Brocken streiten. Und ich liebe die unbekümmert heitere Frechheit, mit der sie die von Moldaubrücken au» den Möve»schwärm absolut eindeutig im Sinne der Anklage. Die Verhandlung endete mit der einstimmigen Bejahung der Schuldfrage durch die Geschworenen. Anna Sil wurde zu vier Jahren schweren Kerker»'verurteilt. AmtSveruntreuung de» Eisenbahnstationivorstan- des in Leltmeritz. Unter der Anklage der Amtsver« untreuung hatte sich vor einem Strafsenat de» Leit» meritzer KreiSgerichteS der Eisenbahninspektor Johann Dennemark, Vorstand der Station LeitMerth, unterer Bahnhof, wegen der Verbrechens der Amtsveruntreuung zu verantworten, weil er in der Zeit vom Jahr« 1988—1984 bis zu seiner im November 1986 auf Grund einer durchgeführten Neviston erfolgten Suspendierung vom Amte sich au» der Sta- tionkkassa einen Betrag von Xi 58.877— angeeignet hatte und außerdem durch Manipulationen bei der Verrechnung.mit Rcgiekohle und Schlacken die Eisenbahnverwaltung um je Xi 2959.—, Xi 1871.— und Xi 1525.— dadurch geschädigt hatte, daß er Kohl« und Schlacken mif eigene Rechnung verkmifte und die Beträge für sich zu rvckbehalten hatte. Da» Gericht erkannte ihm nach der erhobenen Anklage schuldig und verurteilte ihn unbedingt unter Anrechnung der Untersuchungshaft zu siebzehn Monate schweren Kerker», gegen welches Urteil der Angeklagte die Berufung hinsichtlich de» Strafausmaßes und weil ihm eine bedingte Verurteilung nicht gewährt wurde, durch seinen Verteidiger anmeldete. Theater» unter dem Vorsitz de» Direktors Dr. Eger. Wieder ist die absolute Objektivität und Gewissenhaftigkeit festzustellen, mit der die Kommission ihr« Entscheidungen fällt, wiederum allerdings auch der schon öfter» verzeichnete Mangel, daß der Kommission keine Frau(weder eine Schauspielerin noch«Ine Sängerin) angehört, obzwar die weiblichen Kandidaten regelmäftig die große Mehrheit haben. Wa» insbesondere die Sänger und Sängerinnen anlangt, die sich zu dieser Prüfung stellten, so verrieten etliche schöne Stimmen den Mangel geeigneter Schulung, wa» vom neuen mif die schweren Mißstände in der Gesangspädagogik hinweist. Es schmerzt, beispielsweise begreifen zu sollen, daß ein stinger Bassist, obwohl im Besitz einer QualitätSstimmc. nicht al» geeignet befunden werden konnte, weil seine Gesang»« auSbildung zu viel zu wünschen übrig läftt. Im übrige» ist da» PrüfungSergebniS nicht eben ungünstig. Von neunzehn Anwärtern, die sich gestern stellten, wurden sechs bedingungslos approbiert, sechs wurden als für kleine Bühnen geeignet erklärt, zwei wurden zurückgestellt(d. h. sie können zu einem neuen Termin die Prüfungen wiederholen) und fünf wurden allerdings al» ungeeignet erklärt. Bemerkenswert ist. daß sich unter den neunzehn Kandidaten nur vier Männer be« fanden(van denen zwei al» geeignet, zwei alt nicht geeignet befunden wurden).' Spielplan deS Renen Deutschen Theater- Freitag,’/z8 Uhr: DaSNest(Gastsp. Durieux), D. — Samstag, 7 Uhr: Di« Walküre(Festvorst, anlählich deS Masaryk-GeburtStageS), AI.— Sonntag, halb 8 Uhr: DaS Nest(Arbeitervorstellung, GastspielDurieux);halb 8 Uhr: Gioconda. BS. betrachtenden Menschen in größter Nähe umflattern und umschwirren. Hat nicht neulich auf der Stefänikbrllcke ein solcher kecker Geselle, in verwegenem Sturzflug sausend, einem Mann seinen besten Sonntagshut vom Kopf gerissen?— Durch die Berührung aus dem Gleichgewicht geschleudert, überschlug sich der Bogel und stürzte in jähem Fall zum Wasser hinunter.^ Flatternd und heftig mit den Flügeln schlagend, fand er -sich unmittelbar über dem Fluß wieder in die rechte Fluglage und glitt in wunderbar schöner Kurve sanft in» Wasser. Und während der gute Hut schnell dem alles vernichtenden Stauwehr zutrieb,— während der zornige Mann auf der Brücke sein Pech verfluchte und den wilden Vogel mit häßlichen Namen belegte, erhob sich die Möve leicht und elegant vom Wasserspiegel und stieb mit triumphierendem Kreischen wieder zu den Gefährten... Wissen Sie, daß man den Möven sogar«in Denkmal gesetzt hat? In der Hauptstadt der Mormonensekte, in Salt Lake City im Staate Utha in Nordamerika, steht«». Ein sehr schönes und eindrucksvolles Monument aus Marmor, das auf hoher weißer Säule zwei bronzene Möven trägt. Es hat 12.999 Dollar» gekostet und wurde«richtet au» Dankbarkeit für ein längst dahtngegangene» Geschlecht der Möven, das vor fast hundert Jahren die Bevölkerung von ein« furchtbaren Heuschreckenplage errettete. Die Heuschrecken allerdings, deren Urur- grofteltern zu Millionen von den ewig hungrigen Möven gefressen wurden, werden vermutlich da» schöne Denkmal nicht'am Platze finden. Aber das geht un» nichts an. Gescheite und witzige Dögel sind die Möven. Bor Jahren sah ich an der ostfriesischen Noüseeküste» wie Krähen, denen Naturkenner und Jäger die größte Gerissenheit und unverschämteste Frechheit nachsagen, sich in großen Schwärmen auf den zur Ebb«zeit trockenen Watten und Sünden neue- Futterplätze Käthe von Nagy in dem Film„Ave Maria" Deutsche VolkSsinggemeinde Prag. Heute, Freitag, siridet die Probe sür Frauen um 7 Ahr und halb 8 Uhr für Männer, statt. Erscheinen aller nötig, da letzte Probe vor unser März- Aufführung.— Um 7 Uhr Ausschuß- sitzung. S X Die Naturfreunde, Ortsgruppe Prag, [Sk Amtsstunden jeden Freitag, ■H 6—8 Uhr, Arbeiterverein, Smecky 27. M Jahresversammlung am ™ Freitag, den 5. März, 8 Uhr abends, im Angestelltenheim, Smecky 22, Handwerkerhaus. Es werden einige moderne Schmalfilme mit Kodak- apparaten vorgefiihrt, u. a. auch da» IV. Winter- trefien 1986 Königshöhe.-. Mitteilungen aus Iren Publikum. „Hausmittel" find nicht zu unterschätzen! Sie beruhen meist äuf jahrhundertalten Erfahrungen und lebten Endes geht ja auch die Zusammensetzung aller modernen Präparate auf die längsterprobte Wirkung solcher Mittel zurück! Mit Recht'wird dämm ein guter Franzbranntwein, also der«lpa» Franzbranntwein, hochgeschätzt» als Eineeibung»- und Äaffagemittel, als DeSinfektionS» und Schmerzberuhigungs mittel leistet er in zahlreichen. Fällen ganz auberordentlich werwolle DiensteI. Verlangen Sie Mpa-Franzbranntwel» nur in Originalflaschen mit Plombe. Ausgewogenen Alpa gibt e» nicht. 1 suchten. Da aber hätten Sie di« Möven sehen sollens — Was, solch schwarzfedrigeS, hergcslogencS Gesindel, dar nicht einmal den bei allen Seevögeln üblichen krummen Schnabel hatte, wollte sich hier breit machen?— Vielleicht gar zwischen den auf dem Wirtt zurückgebliebenen Krebsen, Muscheln', Seesternen und kleinen Fischen Herumstochern?.— So ein fremdrassige« Pack! Nicht einmal Schwimmhäute hatten siel And die Möven, an Zahl weit weniger al» die in riesigen Schwärmen erschienenen Krähen, stürztxn sich auf die Eindringlinge und trieben sie in kürzest« Zeit mit wütenden Schnabelhieien.in entsetzte Flucht — Nie wieder haben di« Krähen e» getoagt, sich außerhalb de» Seedeicher von den Möven erwischen zu lassen. Sie blieben da, wo sie von Rechts wegen hin gehören: im Binnenlande, der von den Bewohnern der Wasserkante und allen Seefahrer», sogenannten„Bickbeerenschweiz". Fürsich selber sreiljch.nehmen die Möven uy-, bekümmert um gewisse Borrechte alteingesessen^ Landvögel alle» in Anspruch, wa« sie erreichen kön-' nen. Da» bißchen Entfernung von. der Insel Borkum nach Prag spielt dabet keine Rolle. Soweit fliegt eine richtige Möve in einem Tag. Ich bin glücklich, meine alten Freundinnen hier wiede^ zu sehen, dj« mir die Zeiten jugendlich« Hoffnung uyd Lebens» erwartung zurückbringen, da die Welt noch schön'und die unbegrenzte Weite der Meere um mich war. Ich liebe die Mövenlr'Grüfte bringen sie mir vom- salzigem Strand mein« Heimat. Grüfte und Erinnerungen an da» Damals,- al»-in freie»: Lande noch freie Menschen wohnten. Frei wi« die-Möven WG'faWch.'stite.sie,....-'.• Christian Morgenstern- war gewjft-ekn' großer Dicht«,'ab« hier irrt«.,. Nicht Emma^söll ihr Name, seit» Mir heißen sie schütter, mein» schövAi Möven. Ich'nenne sie„Nina", wle mei^e längstda- von geflogene Freundin. Nina: Schlank,,.'elegant,', grazil,-reizend schön und.— wild uffd unberechenbar. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in»Hau» oder b« Bezug durch die.Post monatlich XL 16.—, vierteljährlich XL 48.—, halbjährig XL 96.— ganzfährigXL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei österen Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuflripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSsrankatur wurde von der Post, und Tel»»' graphendirektwn mst Erlaft Nr. 18.899/Vll/19ö9 bewilligt.— Druckerei: JMW, Druck-, Verlag»- und ZettungS-A.-G.' Prag.-; Mobilisierung aller rrledcnskrattel Genen den Krieg! Für das Wohl der nensdihelt! Frauentagskundgebung Mittwoch, den 10. März, um 19 Uhr'im Steinersaal Referentinnen: Gen. Qustl Schaffer und Abg. M. JurnetkovA Svielplan der Kleinen Bühne. Heute, Frei- wg. 8 Uhr:.Lean"(Gastspiel Kramer— Glöckner).— SamStag, 8 Uhr: Jean(Gastspiel Kramer—Glöckner).— Sonntag, 8 Uhr: Der 8 Uhr: Photographieren E.J.. Bühnenanwärter-Prüfungen. Gestern fanden in der Kleinen Bühne, wie alljährlich im Frühjahr, die von den Theaterdirektoren und dem Bühnenbund geleiteten Prüfungen für Bühnenanwärter statt, vor I Illusion ist; einer Kommission von Mitgliedern de» Deutschensv erbot en! Uranla-KIno, Kllmentskä 4. Fernsprecher 61828. Ser ßescmgMH der Xoi-lwftinae^ Werner Barter und Glart» Stuart..