Sozialdemokrat geutralorga« der Deutsche« sozialdemokratische» Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik «rschei»t mit«»»»ahme de» t««ttch früh Redaktion und Verwaltung: Prag XL, Fochova 82- Telephon 88077- Herausgeber: Siegfried Taud- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Dienstag, 9. März 1937 Stuzelprel» 78 Keller(-inschn.k,.8 Helle» Port«) Aus dem Inhalt: Taub Im Brllxer Kohlengebiet Aktivistische Kritik an der SdP Schwere Anklagen gegen die SVH Nr. 58 Die italienischen Greuel in Mdls Abeba von amtlicher britischer Seite bestätigt Neue Offensive gegen Madrid Paris. HavaS meldet auS Madrid, daß die Aufständischen am Montag dormMagS zwei Offensiven begannen, und zwar die ein« in der Provinz Guadalajara und die zweite im Jarama» Atschnitt. Die beiden Offensiven»erfolgen den Zweck, dl« RegierungStruppen in Madrid noch mehr zu umfassen. Rom. Nach Berichten der Sonderkorrespon« deuten der italienischen Blätter bei der spanischen Ausständischen-Armee haben die Abteilungen des Generals Francs Montag um 8 Uhr früh in breiter Front eine Offensive in Guadalajara nordöstlich von Madrid eröffnet. Nach heftiger Artillerievorbereitung ging die Infanterie gegen die Stellungen der RegierungStruppen bei MirabuenoS vor, das zwischen Madrid und Guadalajara liegt. Sonntag nachmittags hatte General Miaja Journalisten gegenüber erklärt, daß eS dm republi- kanifchen Truppen gelungen fei, die Brück« auf der Straße von Puerto de Hierro«ach Pard» in die Luft zu fprmgm, welche die Verbindung zwischen dm Aufstindischm in der UnwersitütSftadt und in der Gegend von Pard» herstellte. Die Aufständischen im UniverfitätSoiertel sind, damit von ihren Abteilungen abgeschnitten. Gegenangriffe bei Oviedo abgewiesen Aus Gijon wird gemeldet: Nach der Offensive der RepMilaner an der asturischen Front, di« bereit» 11 Tage währt, versuchten am Sonntag die Aufständischen, die von den republikanischen Truppen und Milizen allmählich umzin- gelt werden, einen wütenden Allgriff auf den Berg Berruga, der ein sehr wuchtiger strategischer Punkt ist, denn er beherrscht die Verbindung mit der Stadt Oviedo. Die Aufständischen rückten bis zu den Hängen des Verruga vor, doch wurden sie von den Maschinengewehren der republikanischen Streitkräfte bald zum Stehen gebracht. 65 britische Kriegsschiffe In Gibraltar London. Dem Berichterstatter der »Times* zufolge sind gegmwürtig in« Hafen von Gilraltar 88 Kriegsschiff« konzentriert. Ain Sonntag sind di« Einheiten der tritischm Heimatflotte ein gelaufen und haben sich mA der Mittel- meerflottr vereinigt. London. Es bestätigt sich, daß es sich bei dem Dampfer, der Montag nachmittags im Golf von Biseaya SOS-Rufe aussandte, nicht um den britischen Dampfer„Ada", sondern um einen andern Dampfer handelt, der— unbekannt aus welchem Grunde— das Signal des Dampfers „Ada" verwendete. In englischen Marinekreisen lvird erklärt, dah der Dampfer nach den letzten Informationen nicht, wie ursprünglich gemeldet wurde, von einem Kriegsschiff angegriffen wurde, sondern dah auf ihm lediglich ein Feuer ausgebrochen ist. Die britischen Torpedobootzerstörer, die dem Dampfer zu Hilfe eilen, hoffen' den Dampfer um 21.88 Uhr zu erreichen. Ras wird Hitler tun? Berlin. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Htttler tritt Dienstag«in außerordentlicher Ministerrat, zusammen. Es heiht, dah der Reichskanzler die allgemeine politische Lage prüfen und insbesondere die Folgerungen beschließen wird, welche das Reich aus den grohen Aufrüstungen England, Frankreichs und Italiens ziehen soll. Aegypten will In den Völkerbund Genf. Der ägyptische Auhenminister hat an den.Generalsekretär, des Völkerbundes ein Telegramm gerichtet, in tvelchtm er gemäh Artikel s der Völlerbundssatzung di« Aufnahme des Königreiches Aegypten in. den Völkerbund beantragt. Ferner wird'in» dem. Telegramm. die Bitte' ge- äuhert, den Aufnahmeantrag in die Tagesordnung der nächsten. Sitzung der. Versammlung aufzunehmen und ihn allen Völksrbundmitgltedern mit» zuteilen, i..:■ London.(Reuter.) Auf eine Anfrage im Unterhanse über di« kürzlichen Ereignisse in Addis Abeba nach dem Attentate auf de« vizekönig Gra- ziani antwortete der Unterstaatssekretär im britischen Außenministerium Eranborn«: Obzwar eS unter den gegebenen Verhältnissen schwierig ist, genau« Einzelheiten zu erfahren, erhielt daS Außenministerium in London Nachrichten, die darauf hindeuten, daß eS bei dem Anschlagsversuch in Addis Abbeba zu argen Wirren gekommen ist. Di« italienische» Soldat«», sind nach allem zu schließen, ziem» lichscharfvorgegangen, wobei zahlreich« Personen getötet und erhebliche Sachschäden verursacht wurde«. Die während der Unruhen verhafteten britische» Staatsbürger«der unter britischem Schutze stehenden Personen wur- Spanlen-Kontrolle definitiv genehmigt London. Das Reuterbüro erfährt, daß in der Montag-Sitzung des RichteinmischungS- auSschusseS di« vorgeschlagene Land» und Seekontrolle in Spanien definitiv genehmigt wurde. Die Frage der auf Deutschland entfallenden Quotenzahlun, wurde noch nicht geregelt, doch ist man der Ansicht, daß Deutschland nunmehr anbieten wird, auf seine Gesamtquote von 148.000 Pfustd Sterling jährlich 10.000 Pfund in au«, ländischen Devise» zu entrichte«. Deutschland hatte di« Richtintervention», komim-aks Beitrag ursprünglich nur 2000-Pfund Sterling anstelle der 143.000 Pfund Sterling, zu denen eS verpflichtet ist, angeboten. Da» Kommunique de» Nichteinmischungsausschusses fügt Hinz«, daß die Flottenmächt«, welche an dem Kontrolldienst teilnehmen, bekanntgegeben haben, daß sie am 13. März die wirksam« Kontrolle aufnrhmen werden. Budapest. Montag abend» wurde folgend« amtliche Mitteilung veröffentlicht: „Seit einigen Tagen erscheinen in der AuS- landspreff«, offenbar ans derselben Quelle, von wo Ungarn feindlich gesinnte Gerüchte auSzu» gehen pflegen, phantastische Nachrichten über eine angeblich rechtsextreme Organisationstätigkeit, die den Umsturz der inneren Ordnung und Ruhe im Lande zum Zwecke hlchen soll. An zuständigen Stellen findet man die Zeit für gekommen, der Flut dieser Lügen nunmehr ein Ende zu setzen und auf das entschiedenste zu erklären: In Ungarn ist n i ch t s v o r gefallen, was die öffentlich« Ruh«, di« innere Ordnung und den inneren Frieden des Lande» oder aber die verfassungsmäßige Sicherheit oder das wirtschaftliche Leben des Lande» gefährden könnte. ES ist keinerlei bewaffnet« Organisation im Lande im Zug« und«S wurden keinerlei Versuche unternommen, di«.da» Merkmal staatsfeindlicher Verbrechen erschöpfen würden. Wahr dagegen ist, daß unverantwortliche und auf die Störung der ruhigen Atmosphäre des politischen und wirtschaftlichen Leben»' gerichtete falsch« G erüch t e in Umlauf gebracht wurden. Diesen kann in erster Reihe di« Nüchternheit der unga- rische» Gesellschaft und der ungarischen Presse einen Damm setzen, indem das Publikum den blinden Alarm auf das energischeste zurückweist und sich ihm verschließt.' Die Staatsanwaltschaften haben vom Justizminister die Weisung erhalten, wie immer geartet«. Veckrechen, mögen sie aus welcher Richtung kommen und unter welchen Schlagworten immer austrtten, di« die Ruhe de» Lande», den Frieden der Nation und den ungestörten Verlauf der na» tionalen Arbeit gefährden könnten, auf da» energischeste zu verfolgen.' Auch werden Maßnahmen getroffen,' damit gegen die Vetbreiter von Greüel- nachrichten. daS Strafverfahren eingeleitei tvird.^ Dem' amtlichen Dementi glaubt natürlich kein Mensch. Hatte doch der Ministerpräsident selbst amFreidagqibendS di« Erklärung ab- den Hank dem Einschreiten des interimistischen Konsul» in Freiheit gesetzt. Kein Brite ist nm» Leben gekommen. Auf die Frage, ob ihm bekannt sei, daß Augenzeugen die italienischen Vergeltungsmaßnahmen in Addis Abeba als unbeschreib- liche Roheiten und als di« ärgsten Grausamkeiten, die sich in Afrika seit den Kongogveneln abgespielt haben, schildern, antwortet« Eranborn«:„Ich weiß, daß solch« Nachrichten bestehe::, und muß mit Bedauern sagen, daß sie .durch unsere Informationen teilweise bestätigt werden". Eranborn« ließ die Frage, ob di« britische Regierung wegen dieser Verletzung der internationalen Konventionen bei den italienischen Behörden«inzuschveiten gedenke, unbeantwortet. ein Otto-Putsch war vorbereitet? Rom. Der politische Direktor de»„Gior- nale d'Jtalia" Birginio Gayda, der in zwei Artikeln den Standpunkt Italiens gegen die Wiedereinsetzung der Habsburger in Oesterreich formuliert hatte, veröffentlicht in den„Relazioni 2n- ternazionali" einen neuen Artikel, in dem er erklärt, daß in den vergangenen Tagen die österreichischen Monarchisten Vorbereitungen für eine Plötzliche Ankunft Otto HabS- turgS inOrsterrei'ch getroffen hätten. Ott» HabSbur, sei tatsächlich in jenen Tage» an tzej^iisterwichtschem-Grenz«-^-—in Buchs-im- der Schweiz— gewesen, wo er auch mit seiner Schwester, Pie sich auf der Reise nach Wien brsand, zusammentraf. Da» italienische Einschreiten habe diese» Versuch der Restauration der Habsburger zunichte gemacht; Italien habe in Oesterreich darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Versuch für Oesterreich bös« Folgen gehabt hätte. gegeben, daß die Regierung mit aller Energie allen Störungsversuchen, sei es nun von rechts oder von link», entgegengetreten werde. Irgendetwas muß also damals los gewesen sein. Er ist sicher, daß die Rechtskreise die Errichtung einer Diktatur yach Art des Hitler- Regimes in» Werk setzen wollten, daß ihnen die Regierung jedoch mit Gegenmaßnahmen zuvorgekommen ist. Während die Oppositicn verlangt, daß die Organisatoren des geplanten Staatsstreiches gerichtlich verfolgt werden, will die Regierung ihnen kein Härchen krümmen. Ministerpräsident Daranyi hatte am Samstag mit einem der Führer der Putschisten, dem Abgeordneten Me- c s e r y, eine lange Unterredung, in der die Geschichte anscheinend„ritterlich" beigelegt wurde. Bei einem gleichen Putschversuch von link» hätte der königlich ungarische Henker gewiß sofort Arbeit bekommen... Die Drahtzieher sind vorher auf Urlaub gegangen... Berlin. DaS Deutsch« Nachrichtenbüro dementiert dir Meldungen, die im Zusammenhang mit einem beabsichtigten rechtsradikale« Putsch in Ungar« in der Auslandspresse erschienen wärest und behaupteten, daß der Vertreter des DRV von H a h n in Budapest von solche« Absichten. Kenntnis gehabt habe und in die Angelegenheit tiefer verwickelt gewesen sei. Hahn befinde sich auf Erholungsurlaub in Tirol und werde in den nächsten Tage» auf seinen Posten zurückkehren. Ebenso dementiert das DRB die Meldungen, die amtliche deutsche Persönlichkeiten in 'Budapest, darunter auch den deutschen Gesandten dost M a.ck e« s e n, mit den Putfchgerüchten in ZstsamMpzhang gebracht haben, al» fatsch. Mak- kensen habe übrigen» am 1. März einen dreiwöchigen Urlaub angetreten und werde vomGesandtschäftsrat Werkmeister vertrete».''"i Der Kampf um den Donauraum Schlappe des Faschismus in Ungarn und Rumänien Die Staatsmänner Europas sind gegenwärtig außerordentlich mit den Vorgängen in den Ländern des Donauraumes beschäftigt. In M a g l a r i e n, das bisher unter dem Einfluß Deutschlands und Italiens gestanden hat, ist in den letzten Tagen der Versuch einer staatspolitischen Umwälzung— mag auch die ganze Aktion über ihre ersten Anfänge nicht hinanSge- kommen sein— verhindert worden. Der Putschversuch ging von der Gruppe derPfeiIkreuz- l e r aus, deren Führer«in Graf Festetics ist und die eine Diktatur nach reichsdcutschem Muster einrichten wollten. Dabei sind dunkle Geldquellen aufgedeckt worden, die von Beziehungen zwischen den Putschisten und einer fremden Macht zeugen, welche Diacht daS ist, kann man sich denken. Auffällig ist jedenfalls, daß der Gesandte des Dritten Reiches, Herr Mackensen, in einem wichtigen Augenblick verreist ist. Bezeichnend ist ferner, daß ein Intimus d«S früheren Ministerpräsidenten Gömbös mit bei der Partie ist, die durch das Ableben Gömbös entmachtete Klique wollte bei dieser Gelegenheit wieder zur Herrschaft kommen. Durch den jüngsten Regierungswechsel hat Deutschlands Position in Ungarn ztveiscllos gelitten, Gömbös war ein-Verehrer Hitlers und wollte sein Land in die. deutsche Front in Europa einschallen. Schon auS der ersten Regierungserklärung jedoch, welche der jetzige Ministerpräsident Daranyi abgegeben hat, ging hervor, daß er innen- und außenpolitisch«inen andern Kur» steuern werde,, die SktMlsst der' letzten"Tage^iwigdti-'deutlichst, daß die Regierung an der parlamentarischen Demokratie(so weit das bei dem beschränkten Wahlrecht mit.offener Abstimmung möglich ist), festhält, kein faschistisches Regime wünscht und daß auch die Außenpolitik im Schlepptau Deutschlands verlassen wird, d. h. Ungarn keine andere als ungarische Politik machen wird. Ein Regierungsabgeordneter hat am Sonntag deutlich gesagt, daß Ungarn nicht der Spielball einer Großmacht sein will. So erfreulich es ist, daß die Budapester Negierung keinen faschistischen Umsturz will und den engen Anfchluß an Deutschland preisgibt, so fehr muß man den gegeMvärtigen Machthaber» das Landes sagen, daß sie zum dauernd erfolgreichen Kampf gegen den Faschismus die Unterstützung der Massen brauchen. Die Massen aber sind die Bauern und Arbeiter. Die Kraft der Bauern aber ist nur zu gewinnen, wenn man dem ungarischen Kleinbauern Ackerland gibt, nach dem er hungert, d. h. dah man endlich die seit Jahrzehnten fällige Bodenreform durchführt. Die Arbeiter aber sind nur zu haben durch soziale Reformen und politische Gleichberechtigung. Bodenreform und gleiches, geheimes Wahlrecht sind nottvendig, will das Regime die Massen gewinnen und nicht zu der Rolle hcr- absinken, welche die Regierung Schuschnigg in Oesterreich spielt, die niemanden hinter sich hat als ein paar hohe Beamte, Militärs, Geistliche und Vereinchen. Der Putschversuch in Ungarn ist ein Warnungsruf für die Regierung, der nicht überhört werden sollte— im Interesse Ungarns selbst. Auch einer der Nachbarn Ungarns, Rumänien, hat seit kurzem eine schärfere Tonart in der Bekämpfung der äußersten Rechten angestimmt. Jahrelang hat die Regierung Tatarescu, die innenpolitisch in allen Farben' schillert, die faschistische„Eiserne Garde" gewähren lassen, die ihre Leute- auch in der Staatsexekutibe, vom Polizeimann bis in das Innenministerium hatte und deren Anhänger bei allen Demonstrationen und Krawallen auffallend liebevoll behandelt wurden. Das alles wurde von der Regierung in der Absicht geduldet, die große demokratische Bauernpartei, die Nationalzaranisten, an die Wand zu drücken. DaS war, wie sich gezeigt hat, ein für Rumänien gefährlicher Weg und die Umbildung der Regierung ist hoffentlich der Beginn einer Politik, welche die Staatsautorität gegen die Abenteuerer der ganz, nach deutschem Muster aufgezogenen Faschistenorganisationen zu verteidigen entschlossen ist. Auch hier- kann es Tata- reScu nur tun, wenn ihm die Bauern und Arbeiter nicht geschloffen gegenüberstehen. Die rumänische Sozialdemokratie ist bereit, an einem demokratischen Regime der Bauern, und Arbeiter In Ungarn„nichts vorgefallen"... Die amtliche DementlersprltUe In Tätigkeit Sette 3 Dienstag, 0. Mär» 1037 Olt. SS Das Ernährungshilfswerk der Deutschen Jugendfürsorge Wie alljährlich hat die Deutsche Jugendfür- sorge ihr Ernährungshilsswerk auch Heuer während der Winterinonate durchgeführt. Im Winter 1038/80 hatten die Deutschen BezirkSjugcnd- fürsorgcn durch Vermittlung ihrer Zentralstellen vom M i n i st e r i u m für soziale Fürsorge einen Subventionsbetrag von XL 740.800.— erhalten. Die- Deutschen BczirkSjngendsür- sorgcn brachten lokal noch einen Betrau von Xi 3,189.780.— auf, so das; mit der Gesamtsumme von Xi 3,900.280.— 117.080 Kinder in 1824 AuSspcisestcllc» mit Nahrung versehen werden konnten. Im Winter 1030/87 hat daS Mi- st e r i u m für soziale Fürsorge wiederum einen Betrag von Xi 74 0.6 0 0.— für daS Ernährungshilfswerk der Deutschen Jugcnd- fürsorge zur Verfügung gestellt. lieber das Hilss- tverk im heurigen Winter können noch keine abschließenden Zahlen gebracht werden, da cs noch nicht beendet ist. Nur soviel sei mitgcteilt, daß Heuer die AnSspcisung von 189.838 Kindern geplant war und 1808 Ausspeisestcsien errichtet werden sollten. mitzulvirken, die Wahlen ins Bukarester Parlament, die Heuer fällig sind, bieten die Gelegenheit, die Regierung auf eine demolratischc Grundlage zu stellen. Die Ereignisse in Jugoslawien zeigen schließlich auch gewisse Ansätze zur Entwicklung in eine Richtung, tvie es alle, die den Frieden im Dviiaubcckcn anstrebcn, wünschten. Die Zusammenkunst Stojadinovic-Matschck könnte der Anfang der Rcdemolratisierung des Landes sein, bei welcher die jugoslawische Sozialdemokratie dieselbe Rolle spielen könnte, wie bei der Schaffung des jugoslawischen Staates. Bisher hat die Regierung für die Heranziehung der Arbeiterschaft noch wenig Berständniö, tvill sie aber herbeiführen, daß sich das Bolk Jugoslawiens selbst regiert— und das ist der Sinn der StantSgründung gewesen— so wird sie auf die Schöpferkraft der Sozialdemokratie nicht verzichten können iin Interesse der Zukunft des Volkes und Landes. Zieht man bei diesen Erwägungen noch in Betracht die Erschütterung der bisherigen Außenpolitik Oesterreichs, das von Deutschland immer stärker berannt, von Italien aber inimer weniger gestützt ivird, denkt man ferner daran, daß das Interesse Englands für die Tschechoslowakei in den letzten Monaten außerordentlich rege wird, so er» -gibt sich die Feststellung, daß die Dinge im D o n a u b e ck e n i m F l u h sind und auf irgend eine Weise eine Konsolidierung dieses Teiles von Mittele nropanotwen- d i g ist. Sie lau n N u r e rf olg e n i m Z e i- chen der Demokratie und des Friedens. Für lvie bedeutsam der Kanipf um Mitteleuropa im Ausland gehalten wird, dafür lvollen tvir das Zeugnis der bedeutsamen englischen Zeitschrift„The Economist" nnführen, die dieser Tage geschrieben hat:„Das Schicksal des Empire entscheidet sich an der Tschechoslowakei". Nicht nur das Schicksal des britischen Reiches, so fügen wir hinzu, sondern daS Schicksal Europas und seiner Kultur. Nur lvcnn lvir West- und Mittelcuro- päer dem Faschismus ein drohendes„Halt" gebieten, dann werden wir unsere Kultur vor der entsetzlichsten Katastrophe retten, die seit der Völkerwanderung die Menschheit bedroht hat. I. G. Masaryks 87. Geburtstag Der 87. Geburtstag des Präsidenten Masaryk wurde in der ggnzcn Republik als Feiertag begangen, aber auch im Ausland gedachte man nicht nur dort, wo tschechoslowakische Kolonien, leben, dieses Anlasses mit großer Herzlichkeit. Die Presse aller Länder würdigte-die Bedeutung der großen Persönlichkeit MasarhkS..Die größte amerikanische Rundfmikgesellschaft National Broadcasting Company hatte sür ihre Hörer eine Sondrrrelation auS Prag erbeten, die dürch eine von» Gesandten Jan Masaryk vorgetragene Kundgebung eingelettet wurde. Der Präsident der Republik beim Präsident-Befreier Der Präsident-Befreier hatte am SamStag bereits die Glückwünsche des Präsidenten dep Republik und dessen'Gemahlin entgcgengcnommen. Ani Sonntag überbrachten die Vertreter der Nationalversammlung, der Präsident des Abgeordnetenhauses Malypetr und Senatspräsident Dr. Soukup, und der Vorsitzende der Regierung Dr. HodZa Glücktviinsche. Präsident Masaryk verweilte mit ihnen in längerem Gespräch. Ferner empfing der Präsident die Vertreter der Legionär-Gemeinde und eine Deputation des Gödinger Dragoncrregiments, welches seine» Name» führt.' Außer den offiziellen Besuchen trafen in Läny am SamStag und am Sonntag zahlreiche andere Deputationen und Gratulanten ein, welche von den Familienmitgliedern des Prä- sidcntcn-Bosreiers empfange» wurden, die die Glückwünsche weiterleiteten. An beiden Tagen langten auch unzählige briefliche und telegraphische Glückwünsche auS allen Teilen der Republik und aus dem Auslande in Läny ein. Die Bevölkerung des Ortes und der Umgebung feierte den Tag durch Entzündung von Feuern in allen Orten des Gebietes und durch einen Lampionumzug zum Schlosse Läny. Im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses sand am Sonittag eine Fcstver- sammlung im Rahmen des Masaryk-TagS des tschechoslowakischen Auslandes statt. Die Festrede im Namen deS Präsidenten der Republik und der Regierung hielt Fürsorgbministcr Jng. NeLaS. Masaryk vom Endsieg der Demokratie Überzeugt Rauenhaft wird sich nie als Realerunsssystem bewähren Die Rundfunkiundgebung des Gesandten Jan Masaryk an die amerikanischen Radiohörer lautete: . Aus Anlaß seines 87. Geburtstages, seichet der erste Präsident der Tschechoslowakischen Oiepublik allen Bürgern Ihrer großen Demokratie herzliche Grüße. Zahlreiche seiner Inspirationen, die vft von entscheidender Wichtigkeit beim Ausbau unseres Staates waren, kamen auS Amerika. Er glaubt so fest wie immer an- den Endsieg der Demokratie. ES ist jedoch bcsondcrS in der gegenwärtigen Zeit, da zahlreiche Staate» zu diktatorischen Methoden abgewichen sind, notwendig, daß wir auf diesem Wege a n S h a r r e n. Es ist nicht unsere Sache, ihnen Lektionen zu geben, tvir haben selbst genug eigene Sorgen, aber tvir sind als Tschechoslowaken stolz darauf, daß die beiden angelsächsischen Demokratien im Kampfe um Deniokratie und Freiheit aii der, Spitze stehen. Die Tschechoslowakei bekennt sich' stolz zu den Idealen Washingtons, Lincolns und Masaryks. Ich glaube, daß alle, die in den Diensten dieser Ideale stehen, im Bewußtsein ihrer Kraft und Würde Zusammenarbeiten müssen. Mögen die andern eine eigene Lösung ihrer Probleme finden, sie sollen aber nicht an unsere teuersten Güter greisen: an . die Freiheit unseres Geistes, die Freiheit des Wortes und die Freiheit der Raffe. Der Olas, senhaß wird sich niemals als RegicrungSsystcm bewähren. Wir alle sind Kinder Gottes und eS Ist hier Raum für unö alle. Wir-rechnen mit Eurer Führerschaft, tvir verfolgen mit Interesse die Anstrengungen Euerer Rc- 15 Der freund ROMAN VON GREGOR JARCHO Ileberrascht blieb ich stehen.„Warum?" „Geh weiter."— lind als wir uns wieder in Belvcgung setzten:„Der iicnc Direktor ist ein schlauer Fuchs. Es kann sein, daß-er«ns beobachten wird. Im Lause der nächsten Woche— also mindestens acht Tage lang— müssen wir ganz kalt aneinander Vorbeigehen, als ob wir nichts miteinander zu tun hätten."—„Du übertreibst—"—„Man kann nie zu vorsichtig sein. Aus Wiedersehen. Geh ruhig weiter!" Er reichte mir die Hand und berschtvand in einem Torweg. Ich setzte meinen Weg fort. Als ich ungefähr fünf Minuten später am Schaufenster einer Buchhandlung stehen blieb, um mich abzulenken, das dumpfe Gefühl abzustrcisen, das mich bedrückte, sah ich mich zufällig um und erblickte Nappaport, der bereits mit dem nächsten Freunde, den er an der Ecke abgcfaßt bitte, einherschritt. Wahrscheinlich war er nur zum Schein in den Torlveg hineiimegangcn, uni mich und einen eventuellen Beobachter los zu tverden. „Ein Teufelskerl", dachte ich erfreut. Gleich darauf kam mir allerdings der Gedanke:„Man kann doch wirklich keinem von diesen Burschen trauen", aber ich unterdrückte entrüstet diesen individualistisch mißtrauischen Aussall gegen einen Genossen, gegen einen Teil des großen„Wir" also und begab mich, bekümmert über mich selbst, nach Hause. So war mein zweiter Zusammenstoß mit dem neuen Direktor verlaufen. 11. Am nächsten Morgen stellte es sich heraus, daß der„Kratchler", wie der Direktor bereits hieß, von keinem von uns etwas Wesentliches erfahren hatte. „Erledigt", dachten wir.„Jetzt bleibt nur noch aiifznpassen» daß niemand Nikiforow die Dummheit uackmiacht." Wer wir hatten uns geirrt. Die Angelegenheit war noch lange nicht„erledigt". Sie hatte nicht einmal das Anfangsstadium überschritten. Am nächsten Morgen nämlich kam Nikiforotvs Vater selbst in die Stadt. Er ließ sofort die Räume seines toten Sohnes versiegeln, damit nie- inand mehr hinein konnte, stellte gewisse Erkundigungen an und erschien bei uns in der Anstalt., Wieder wurden wir alle, von denen man glaubte, daß sie zu NikiforolvS Freunden zählten, versammelt. Der alte, allem Anschein nach völlig gebrochene Mann bat uns, den Versuch zu machen, sich in seine Lage zu versehen. Er hätte, sagte er, mit dem Sohn alles verloren. Das Lebe» besäße für ihn keinen Sinn mehr oder nur noch den einen — den Sohn zu rächen. Denn von, selbst wäre sein Junge doch bestimmt nicht auf de» Gedanken gekommen, sich das Leben zu nehmen! Ihm hatte ja nichts gefehlt, er hätte ja alles in Hülle und Fülle gehabt! Irgend jemand müsse-den-Jüngling auf dumme Gedanken gebracht haben. Freund oder Freundin— der Direktor, der dabei stand, wurde noch röter und räusperte sich— muß es gewesen sein! Er, als Vater, bäte uns zu sprechen, wenn wir etwa? wüßten. Wir schtviegen aber. Der arme Mann tat mir leid. Zugleich jedoch war in mir etwas wie Schadenfreude. „Ja, ja! Solange ihr eure Söhne habt, lvißt ihr sie nicht zu schätzen." Und ich dachte an meinen Vater daheini. Aber im selben Augenblick erinnerte ich mich daran, daß Nikiforotvs Tod doch eigentlich gar nicht durch seinen Vater verschuldet tvorden war, daß dieser Vater nicht einmal einen Anstoß dazu gegeben hatte.„Cher schon der Direktor! Der hat das Maß vollgemacht!" Am liebsten hätte ich er ihm ins Gesicht gerufen, ihn geschlafen, gebissen, tveil er mich leihen ließ um den Freund, um dessen Vater, weil er mich in die peinliche Lage gebracht hatte, schweigen zu müssen, in einem Augenblick, wo daS Herz überlief. Ich merkte, wie meine Gereiztheit stieg.„Sie alle sind schuld daran! Ihre ganze Generation, die Direktoren tvie diesen da möglich macht" Wut lenkt stets vom Schmerz ab und tut immer wohl. Nikiforows Vater aber sprach inztvischcii weiter. Einige'von uns wären ja nicht reich, meinte er, sie brauchten nur heworzutretcn und hier die Wahrheit so zu sagen, daß er, der Vater, die Verführer seines Sohnes belangen könnte, dann würde der Offene unter uns zeitlebens keine Not mehr leiden. „Wir wissen gar nichts, Herr Nikiforow", sagte in diesem Augenblick Nappaport, und seine Stimme klang wie«in gebrochenes Glas— nur halbfest und schneidend. Wir schauerten zusammen. Manch einer von uns erlebte in diese» kurzen Minuten einen heldenhaften Kampf mit sich selbst— und siegte. Wir sagten kein Wort. Da kam der arme Mann auf Marusja zu sprechen. Sie wäre verschwunden, und man habe sestgestcllt, daß auch sie sich das Leben genommen hätte. Ob wir das tvüßten? Einige antworteten „nein", andere„ja", darunter auch ich. Die Frage tvar eine Falle. «Diese werden noch mehr wissen, Herr Direktor", erklärte der alte Nikiforow zum Direktor getvandt.„Ich gehe bis zum Minister, bis zum Zaren selbst werde ich gehen, verlassen Sie sich darauf! Die Sache soll aufgeklärt werden! Ich muß jetzt zurück- zur Beerdigung. Mein Auto tvartet. Ich hoffe, übermorgen die ganze Wahrheit zu wissen." Er reichte dem Direktor nicht di« Sand, verabschiedete sich nicht voii uns und ging zur Tür. Dort blieb er stehen, machte kehrt, und rief uns zu:„ES ist nicht nett von euch, daß ihr mich alten Mann quält!" Ich tat unwillkürlich einen.Schritt vor. Aber er'sah cs nicht:'er hatte die Augen mit der Hand 'zughdeckt und war gleich darauf schon draußen, gierung und Administrative. Wir wissen, daß Ihr unS nicht enttäuschen werdet uttd daß mit Euerer Hilfe und der Hilfe Englands der Friede, chen die Welt so sehr braucht,, erhalten werden wird. Deshalb auf Ihr Kämpfer für Frieden und Freiheit! Wir schreitett in Eueren Spuren. kür die Unterstützung der Arbeitslosen Bemerkenswerte Stellungnahme der»Lldovft Llsty« Die„Lidovb Lisch" befassen sich in einem Leitartikel mit der Arbeitslosenunterstützung und dies in einer Weise, die sich wohltuend von den letzten Prcsseäußerungen der Agrarier unterscheiden. Von welchem Geist in dieser Frage die „Lidovä'LIsty" und die hinter ihnen stehend« Partei durchdrungen sind, mögen unsere Leser auS den nachfolgenden Zeilen erkennen: Am 81. März endet die Gültigkeit der Regie- rmigverordmmg über die Arbettslosenunterstützung. Neber die neue Regelung ist ein Streit entbrannt. Die Feinde der Unterstützungen bemühten sich, sie zu verschlechtern. Wir können nun der Arbeiterschaft Mitteilen, daß di« Vernunft gesiegt hat und daß die Unterstützungen im ganzen großen ohne Aenderung verlängert werden. Sicher würden wir statt Unterstützungen den Arbeitslosen gern Arbeit geben. Es Ist dies aber leider nicht möglich und deswegen müssen tvir ihnen wenigstens ein ordentliche- Stück Brot geben. Niemals haben wir uns darin getäuscht, daß das Genter System in seiner heuttgen Form seinen Trägern nicht voll entspricht. Und wir haben immer nachdrücklich.betont,«r sei notwendig, daß es in seinen Grundlagen vervollkommnet und auf «ine weitere Anzahl von Teilnehmern verbreitert werde. Die Unterstützung der Arbeitslosen ist Staatspflicht, der Vorwurf der erteilten Unterstützungen ist unsittlich, weil es genau so unsittlich wäre, wenn jemand hen Vorwurf erheben würde, daß für die agrarischen landwirtschaftlichen Genossenschaften durch eine Reihe von»Jahren aus Staatsmitteln über 240 Millionen Xi gewidmet wurden. Aehnlich unsittlich wäre«r, wenn man die Gewährung von Uiiterstühung bei Elementarkatastrophen, welche den Landwirten gewährt werden, als Gegenstand der Vorwurfes benützen würde. Im weitern führen die„Lidovä Listy" aus, daß gewiß manches an der Arbeltslosenunter- stützung reformbedürftig sei und daß keine Mißbräuche: geduldet werden sollen. Damit stimmen tvir ebenso überein, wie mit den oben angeführten grundsätzlichen Erklärungen des Blattes, die ein Zeichen der sozialen Gesinnung des Verfassers des Artikels sind. Der Präsident der Republik empfing Montag, den 8. März, den außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister für die Kitnigreiche Schweden und Norwegen Dr. Vladi- tnir K u L e r a in Abschiedsaudienz. Militärakademiker müssen die deutsche Sprache beherrschen. Anläßlich der bevorstehenden AufnahmSpriifungen in die Militärakademie tvurde verfügt, daß jene Akademiker, die an einer tschechischen Mittelschule maturierten, eine informative Prüfung aus dem Deutschen oder Ungarischen ablegen müssen. Anwärter, die in einer anderen als der Staatssprache maturierten, müssen dahingegen eine Prüfung aus dem Tschechischen oder Slowakischen ablegen. Indessen befand sich noch der Direktor pn Zimmer, und ihm waren sowohl meine Ergriffenheit als auch mein Mitleid aufgefallen. „Schau, schau I" rief er.„Was haben Sie denn, inein Lieber? Wollen Sie etwa Ihr Herz erleichtern? Folgen Sie nur mir!" Und er tvinkte mich hinter sich her. Ich faßte mich. Wußte, daß Ich jetzt auf des Messers Schneide zu balancieren haben würde. Kühlte hinter mir die brennenden Blicke meiner Kameraden—(der Genossen!)— war etwas verwirrt, wäre am liebsten versunken, btß die Zähtie zusammen und folgte dem Direktor. Unterwegs fand ich noch die Kraft, nach hinten eine Handbewcgung zu machen, die meine Freunde beruhigen sollte. Dann stand ich wieder im Pritzat- kabinett des„Krakehlers", und wurde durch seinen Blick wie durch einen kalten Wasserstrahl völlig er-! nüchtert. Oder nein: es hatte lediglich ein,star« kes Gefühl— das Mitleid— einem leidenschaftlichen— dem Haß— Platz gemacht. Ja, so! war es. „Berichten Sie also l" „Wie, bitte?" «Nun, Sie wollten doch dem Batet. Ihres Freundes offenbar etwas mitteilen. Das habe' ich deutlich gesehen! Sie haben auch gehört, daß er mit dem Weiterführen der Angelegenheit mich beauftragt hat. Also können Sie mir ruhig erzählen, was Sie ihm vorhin hatten sagen wollen." „ES ist.ein Irrtum, Herr Direktor, ich kenne den Hsrr'n Nikiforow seit' langem— er tat mir wirklich sehr leid vorhin, und ich wollte ihn nur eist bißchen trösten—— so gut eS gegangen wäre-——" „Trösten? Unsinn! Wieso denn??!" „Ich wollte ihn bitten, niir zu glauben, baß wir wirklich nicht- wissen, daß wir durch den Tod seines Sohnes nicht weniger als er selbst üher- rascht waren—* ^Fortsetzung folgt.)! Nr. SS Dienstag, v. Miirz 1037 Seite 3 Kritik an der SdP Hilgenrelner: Wir können nicht warten! Am Sonntag beschäftigte sich der christlichsoziale Senator Htlgenreiner, der cs einmal nicht weit zur SdP hatte und mit ihrer Ideologie weitgehend übereinstimmte, mit der SdP-Hetze gegen die deutsch-tschechischen Vereinbarungen. Er fand gegen die Demagogie diesmal scharfe Worte und sagte, eine Partei könne wohl warten, nicht aber da» sudctendentsche Boll. Die Vereinbarungen seien ein I verheißungsvoller Anfang. Das Znkunfisprogramm I hindere nicht daran, sich mit aller Entschiedenheit I für die Durchführung der Abmachungen«iiizusetzen.> Zum Schlüsse«rllärt« Hilgeureiner:„Es ist mir| selbstverständlich, datz eine Oppositionspartei weiter- f gehende Forderungen stellen kann und wird als eine. Regierungspartei. Eine Opposition wird immer den wilden Mann spielen, bis ihr einmal mit Eintritt m die Regierung die Haare gestutzt werden. Doch ver- üble ich der Opposition nicht, aber man sollte doch vorsichtig sein mit dem Vorwurfe des Volks Verrates, Aber ebenso entschieden ist es abzuweisen, datz von Landesverrat gesprochen wird, wenn Deutsche für ihre gerechten Forderungen dort Hilfe suchen, wo sie sie nach dem Friedensvcrtroge suchen dürfen." Hacker: Auf die eigene Kraft vertrauen! Gustav Hacker, der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, sagte in Versammlungen in Bischof- teinih und Plan u. a.:„Der B.d.L. kann mit Genugtuung feststellen, datz sein politisches Prinzip immer wieder dann anerkannt wird, wenn allerhand Hoffnungen auf Auslandshilfe kläglich gescheitert sind. In der jungen politischen Geschichte der Sudetendeutschen im Tschechoslowakischen Staate hat sich immer wieder gezeigt, datz es in allen unseren politischen Gruppierungen Zeiten gibt, in denen auch sie sich zu den realen Grundsätzen des politischen Lebens bekennen. Wir können deswegen heute ruhig der gesäurten sudetendeutschen Oeffentlicheit die Frage vorlegen, was sie deyn glaubt, war geschehen wäre, ivenn das gesamte sudetendeutsche Volk von 1918 bis heute das Matz der eigenen Kräfte ganz aus dem Spiel gesetzt hätte, wenn es sich auf allerhand Hilfsaktionen aus dem Auslande verlassen hätte, wenn er kurz und gut, mit einem Worte gesagt, gewartet hätte?" Hans Schlitz: Zuwarten ist kein Programm! Der christlichsoziale Abgeordnete Hans Schütz erklärte in einer groben Versammlung in Tepl, datz man kein Bedürfnis empfind«, die Forderungen Henleins herunterzulizitieren, aber man müffe sich dagegen wehren, datz dem Volke verkündet werde, dar Zu wart en sei ein politisches Programm. Mitteleuropa auf dem Wege zur Genesung Vortrag Dr. Milan Hodias Prag. Ministerpräsident Dr. Hodja hielt am Sonntag aus der Generalversammlung der Landwirtschaftlichen Akademie einen Vortrag, in welchem er sich mit den Problemen des Donauraumes befaßt«. Dr. Hodja wies darauf hin, daß nicht nur in Prag, sondern auch in Bukarest und Belgrad, in Wien und Budapest und neuerlich in Sofia sich das Problem Mitteleuropa in den Vordergrund gedrängt hat und daß es auch in den großen Staaten mit Aufmerksamkeit verfolgt wird. Das mitteleuropäische Konzept nehme den typischen Entwicklungsgang aller großen Ideen. Zuerst Phantasie, dann Wissenschaft und dann eiste harte Probe angesichts der harten Realitäten und praktischen Möglichkeiten. Heute könne man vielleicht zum erstenmal auf die Anzeichen Hinweisen, welche davon zeugen, daß Mitteleuropa nach sieben Jahren seine wirtschaftliche Erkrankung überwindet, welche also keine organische Erkrankung war. Mitteleuropa stehe vor der Welt nicht mehr als Patient, sondern als Rekonvaleszent, der sich auf dem Wege zur physischen Gesundung befindet. Die Frage ist jedoch, ob es auch in seiner Geistigkeit erstarken wird. Dr. Hodja stellt dann fest, daß eine demokratische Tradition auf dem ganzen Gebiete Mitteleuropas eigentlich nur in Böhmen und Mähren, in bescheidenen Ausmaßen in einigen Gebieten Jugoslawiens bestand, als der Weltkrieg den Sieg der Demokratie auch in Mitteleuropa brachte. Zur Demokratie genüge jedoch keineswegs eine siegreiche Revolution, wenn nicht auf diese die Konsolidierung der revolutionären Errungenschaften folgt. Zu diesem großen Ziele bedarf es einer langen, ruhigen Evolution.' Eine Absage an Koc Warschau. Aus dem Kongreß der bisher re- gierungsfreundlichen Arbeitsgewerkschaften wurde mit überwältigender Stimmenmehrheit der Antrag eines regierungsfreundlichen Abgeordneten auf Beitritt dieser Arbeitergewerkschaften zu der vom Obersten Koc errichteten RegierungSorgani- sation abgelehnt und ein Beschluß gefaßt, in welchem eS u. a. heißt, daß di« Gewerkschaften ein« Konsolidierung der Ärbeitermasien und die Errichtung eines VollS-BolenS verlangen. Dieser Beschluß zeigt, daß die Gewerkschaften der von der sozialistischen Partei propagierten Idee einer gemeinsamen demokratischen Frtznt zuneigen. fudctendcutsdier Xeitepie^el Schwere Anklagen gegen die „Sudetendeutsche Volkshilfe“ Der„Deutsche Erwerbslosen-Schutzverband" erhebt aufsehenerregende Beschuldigungen gegen die SVH In Prag Der Prager„Montag" veröffentlicht eine sehr ausführliche Zuschrift eines Herrn Franz Lorenz in Prag, des Vorsitzenden des„Deutschen ErlverbSlosen-Schutzvetzbandes", gegen die in Prag geübte„Sudetendeutsche BolkShilfe". Herr Lorenz, als Vertreter der Arbeitslosen Mitglied des Ausschußes der SHV in Prag, hätte Mißstände bei der Verteilung der gesammelten Spenden entdeckt, ohne aber Imstande gewesen zu sein, eine AuSschutzsitzung zu erzwingen oder auch nur eine Antwort auf sein Verlangen nach Aufklärung über die Art der Spendenverteilung zu erlangen. Dann sei ihm der Zutritt zur Geschäftsstelle der SHV verboten worden und in der Kanzlei des „Bundes'der'Deutschen" in Prag, wohin man ihn verwies, habe ihm desien Bczirksvorsihcnder, der Redakteur Jank von der„B o h e m i a", erklärt, daß Lorenz kein Recht habe, Aufklärung über die Verlvendung von Spende» zu verlangen. Dieser Herr Jank habe ihm den Bescheid gegeben: „W irmachenmitdem Geld, ivas wirwollen..." und habe ihm die Tür gewiesen. Deswegen wendet sich Lorenz nun an die Oeffcntlichkeit. Er gibt an, daß die Spenden für die SHB in Prag, die für diesen Winter 187.000 plus 41.000 KC betrugen, nicht nach irgendwelchen Richtlinien, sondern ausschließlich nach dem Ermeffen der FraudesSdP-Abge» ordneten Kundt verteilt wurden, die die Leiterin der Geschäfisstclle der SVH in der Ru- beSova in den Weinbergen ist. Bereits im Jahre 1988/88 hätten sich bei der Spendenverteilung krasse Mißstände ergeben, die den Rücktritt des damaligen Prager BdD-Bor- sihenden Dr. Leopold Schürer zur Folge gehabt hätten. Herr Lorenz zitiert nun folgende von den damaligen Beschwerden: Die 48jährige Erwerbslose Rose Kraupnrr aus Prag II wurde bet ihrer persönlichen Borsprache in der Geschäftsstelle von dem Sekretär der SBH mit den Worten abgefertigt!«Wenn DiekeinGeldhabenundketne Arbeit, dann hängen Sie sich anf «der gehn Steinst Wasser!" Ein gespendetes Sofa wurde durch den arbeitslosen Tapezierer Franz Treppert hergerichtet, wobei das Material aus der SLH-Kaffa bezahlt wurde. DaS Sofa kam dann in die P ri- v a t w» h n« n g des Sekretärs der SBH Runczig, Prag II. Dem vollständig erblindeten Uölährigen Erwerbslosen Riedel au« Prag machte der Sekretär ter SBH, Rimczig, das Angebot, er werde ihm 10.000 K£ au» Mitteln der SVH für die Erlangung und Einrichtung elnrr Trafik bewilligen, wenn er sich verpflichte, 8 Prozent vom ReingewinndieserTrafikan Runczig abzuliefern! Sekretär Runczig«erkaufte an den Erwerbslosen Rott z w e i H e r r r n a n z ü g e für je 60 KC. Rott erfuhr erst später, daß diese Anzüge au« den Sachspenden der SBH st a m m e n. Anläßlich der Knlturprogrammrede Henleins im Deutschen Hau» wurden' durch dell Angestellten der SBH Nowak Büchsensammlungcn vorgenommen, die— nach der Schwere der Büchse zu schließen— sehr erfolgreich waren. Tie Büchsen wnr- den in die Wohnung de« Sekretär« Run- r z i g gebracht, ohne daß bekannt geworden loäre, welchen Betrag sie enthalten haben. Alle diese Beschwerden blieben seitens der SBH unbeantwortet, obwohl der DE- Schuhv. die Erledigung derselben wiederholt ur- gierte. Au« der von der SBH am 27. d. I. vorgelegten Abrechnung ergebe sich neuerdings die Tatsache, daß von den in Prag gesammelten Spenden große Beträge für Zwecke verwendet wurden, die weder den Absichten der Spender noch den Erwartungen der Erwerbslosen entsprechen. Weiler« bedürfe der in der Abrechnung ausgewiesene Betrag für Bargeldspenden von 18.227.90 Ai dringend eine» Nachweise«, da z. B. in der vierten Bertei- lungSliste an Barspenden nur 180 Ai anSgewiesen wurde». Dasselbe gelte für die LebenSmittelauS- gaben, die mit Ai 11.819.30 angegeben werden. ES erscheint fast als ausgeschlossen, daß die SVH die Veröffentlichung dieses Materials mit Schweigen übergehe» könne, nachdein sie es bisher versucht hatte, die gegen sie angerichicien Anklagen und auch schon entsprechende Hinweise in der Presse zu ignorieren. Sofern die Behauptungen des Herrn Lorenz richtig find, liegt ein Skandal vor, der nicht nur auf die SVH, sonder» auch auf den Bund der Deutschen und nicht zuletzt auf die SdP und die ganze Henleinsche„Volksgemeinschaft" ein überlvältigend klares Licht wirft! Abgeordneter Taub Im BrUxer Kohlengebiet Jahreskonferenz der Bezirksorganisation BrUx-Oberleutensdorf Am Sonntag tagte in H a m m e c bei OberleuienSdorf die Jahreskonferenz der Bezirksorganisation Brüx-Oberleutensdorf der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Die Verhandlungen wurden von Zett k-Brüx geleitet. Dem Vertreter de» Parteivorstandes Abg. Taub bereiteten die Delegierten, einen herzlichen Empfang; als Funktionär des Kreises nahm Franz Seide l-Teplitz-Schönau an den Beratungen teil. Die Darlegungen des Sekretärs Falb zeugten davon, daß gute Arbeit geleistet wurde, denn die Bezirksorganisation bucht in der Zeit vom Oktober 1938 bis März 1987«inen Zuwachs von 880 neuen Parteimitgliedern. Neun Delegierte nahmen zu den Fragen unserer Arbeit Stellung und erklärten, daß der Einsatz noch erhöht werden müsse, um die Erfolge zu vervielfachen. Nach der Mittagspause kam, stürmisch begrüßt, Abg. Taub zu Worte, der in zweistündigen Ausführungen die wirtschaftliche und poli- tische Situation einer gründlichen Betrachtung unterzog. Taust behandelte vor allem die Wirtschaftslage und die Finanzproblrm« des Staates, die Arbeitsbeschaffung, die Investitionen und di» Fürsorgeaufgaben. Eingehend würdigte der Redner das Ergebnis der nationalen Verhandlungen und skizziert« die wichtigen Merkmal« der tschechoslowakischen Außenpolitik. Seine Rede wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen. Die borgeschlagene Entschließung fand einstimmig« Annahme. Die Neuwahl ging glatt von- statten, zum BezirksvertrauenSmann wurde Johann Zettl wiedergewählt. Franz Seidel sprach über'den Krcisarbei- tertag in Teplitz-Schönau und über die bevorstehenden Gemeindewahlen.‘ Dem großen Gelehrten und Humanisten MasarHk wurde ein Glückwunschtelegramm übermittelt, in welchem die Delegierten dem Borkämpfei für Wahrheit und Gerechtigkeit den Dank für seine gewaltigen Leistungen aussprechen. Parteitagung In Aussig Eine Bede des Abgeordneten Jaksch Die Bezirkskonferenz der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei des Aussig-Kar- bitzer Bezirkes tagte am Sonntag im Aussiger Volkshaus. Die Berichte des Parteisekretärs Spiegel lasten den Fortschritt der Organisation auf allen Gebieten erkennen. Rund 800 neue Mitglieder wurde:» geivonncn. Den Höhepunkt der Tagung bildete das Referat des Abgeordneten I a k f ch, das mit stürmischer Zustini- mung ausgenommen wurde. Die Konferenz nahm einstimmig folgende Entschließung an: „Dir BezirkSkonfrrenz begrüßt die nationalpolitischen Vereinbarungen vom 18. Feber 1937 als«inen Erfolg der unermüdlichen und opfervollen BerständigungSpolittk der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei und deö deutschen AktivismuS. Sie erwartet von der Regierung, daß diese Vereinbarungen in loyalerWeise durchgeführt werden und daß die entsprechende» Richtlinien an alle Restarts der Staatsverwaltung mit größter Beschleunigung ergehen. Dir Bezirkökonferenz ist der Auffassung, daß di« naticknale Verständigung Hand in Hand gehen muß mit dem großen Werk deS wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbaues in den Notstandsgebieten. Sie bekennt sich zu dem Aufbauprogramm der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei«nd der freien Gewerkschaften vom 13. November 1938. Sie begrüßt eS, baß eine ganze Reihe der darb: enthaltenen Forderungen— Förderung der Ezportindustrir, nationale Gerechtigkeit bei Investitionen und Staatslieferungen sowie bei Staatsanstellungen — bereits j grundsätzlich durchgeseht worden sind, hält eö aber für ein dringende» Gebot der Stunde, daß die Regierung die Förderung neuer Jndu- striegründunge» an Stell« der dauernd stillgeleg- ten Betriebe durch Gewährung langfristiger Steuerbefreiungen und Kreditbegünstigungen unterstütze. Bis zum Erfolg dieses wirtschaftlichen Wiederaufbaues, an welchem die Deutsche sozialdemo- kratische Arbeiterpartei und die freien Gewerkschaften mit ihren) ganzen Kräften Mitwirken wollen, ist die. Sorge für die Krisenopfer«ine der tüichttgsten Aufgaben des Staates und der öffentlichen Verwaltung. Die Bezirkskonferenz protestiert auf das schärfste gegen die unsachlichen Angriffe der tschechischen agrarischen Presse auf die bisherige unzureichende Form der Arbeiis» losenfürsorgc. Im Gegensatz zu diesen reaktionären Treibereien konstatiert die Bezirlslou- fercnz, daß die seit Jahren arbesislosc Bevölkerung mehr Berücksichtigung und Fürsorge verdien! als bisher. In dic''cr Richtung Ivciterzuarbetteu, soll die heiligste Verpslichtuug nicht mir der sozialdemokratischen Bewegung, sondern aller wahrhaft demokratischen Faktoren sein. Die Kon- fcrcnz dankt der Partei für die auf naiioualpoli- tischcm und sozialem Gebiete geleistete Arve!! und gelobt ihr auch für die kommenden Kämpfe und Aufgaben unerschütterliche Treue." Die Maschinengewehre des Herrn Abg. Elchholz Als am Donnerstag der VcrfassuugSaus- schuß das Waffen- und Munitiönsgesetz behandelte, meldete sich auch Abg. E i ch h o l z vo» der Hcnlcinpariei zu Worte, um gegen die„bewaffneten Formationen" der politischen Parieieit einige ganz bescheidene Bemerkungen zu machen. Stahlhelme und Maschinengewehre sollen diese Formationen haben! Es war leine politische Rede, cs klang schüchtern und förmlich wie eine Entschuldigung.„Die Zeit" registriert das ganze in zehnciuhalb Druckzeilen entsprechend aufgemacht (in Fettdruck), wahrscheinlich deshalb, damit inan im„Völkischen Beobachter" oder sonstwo nicht übersehen soll, was sich bei uns tut, und was dank dem Abg. Eichholz ausgedcckt wird. Interessant ist, daß die„Zeit" unsere„Republikanische Wehr" an erster Stelle nennt und als„Role Wehr" bezeichnet, lvährend Abg Eicki- holz zuerst tschechische Verbände nannte uiid die Abkürzung„R. W." gebrauchte. Man versteht, was die„Zeit" will. Ob Abg. Eichholz seinen Auftrag überhaupt richtig ausgeführt hat, muß bcziveifclt lverden, es hätte doch des cntsprechen- den Zuschnittes der Sache durch die„Zeit" eigentlich nicht bedürfen sollen. Aber unsere RW-Gcnosscn lverden sich amüsieren, daß sie in den Verdacht kommen, bewass- net zu sein, und daß der Verdacht ausgerechnet vo» einem Henlcinsunktionär ausgestreut wird, dessen Kollegen in Reitstiefeln ins Parlament kommen, dessen Partei den größten Ordnerapparat vielfach niit noch halbwüchsigen Burschen aufgezogen hat, von dem Vertreter einer Partei, die militärische Gepflogenheiten als erste ins politische übertragen hat und In deren Klub allerhand „Reservisten" eine nicht bescheidene Rolle spielen. Man sehe sich nur den Abg. Birke an, wie er beim Grüßen die Hacken zusannncnschlägt, ganz so, als ob er den Tournister förmlich anf dem Rücken spüre.(Reitstiefel brachte er auch ins Parlament mit, ließ sie aber später lvicdcr daheim, als den Herrschaften ordentlich zugeseht worden war.) Der Verfaffungsaiisschuß lvar sich der Zwie- spältigkeit der Eichhorn scheu Ratschläge belvnßt und überging sic taktvoll mit— Stillschweigen. Der Schlager hat im Inland nicht gezogen. SdP-Mann woge» Unzucht verurteilt. Der Gärtner S i e r n l o p f aus Plan, ein prominentes Mitglied der SdP, wurde von einem Strafsenat des Euerer KreisgerichteS wegen Unzucht zu zwei Monaten schtocrcn Kerker, bedingt auf zwei Jahre, verurteilt. „Es ist bemerkenswert", schreibt die R u m- burger Zeitung über die Jaksch-Per- satninlung in Bodenbach,„daß heute die sozialdemokratische Partei schon wieder imstande ist, eine derartige Massenversammlung aufzuziehcn, und eS erreichte, daß ihrctlvcgcn die Betriebe srü- her geschlossen wurden. Es koninit somit den Ausführungen Jakschcns eine. erhöhte Bedeutung zu". »Leider muß ich konstatieren..." I» einer SdP-Bersammlui.z in Andreasbcrg erklärte der Orislcitcr Josef Rauscher u. a.:„Liebe Kameraden I Leider muß ich mit Bedauern konstatieren, daß schott sehr viele Kameraden zu den Sozi aide mokratcn übergcgangen sind". Die Antwort der Baggerunternehmer auf die seinerzeit eingebrachte Forderung auf Auszahlung einer Teuerungsaushilfe wurden den zuständigen Gewcrkschaftsorganisationen am Montag übereicht. Sie ist nicht ablehnend, doch wird die endgültige Entscheidung erst in den nächsten Tagen eintrefsen. Tödlicher Unfall im Bergbau. Montag um etwa 11 Uhr vormittags, passierje auf dem Washingtonschacht in Kammern ein tödlicher Unfall. Der 88 Jahre alte Werknteifter Gustav Melzer sah in den Förderschacht und bemerkte nicht, daß der Förderkorb in die Tiefe gleitet. Melzer wurde von der Schale so heftig an den Kops getroffen, daß er aus der Stelle verschied. Er hinterläßt außer der Gattin ein unversorgtes Kind. .Großes Schadenfeuer. In der Nacht von Samstag zum Sonntag brannten in Holschitz bet Komotau zwei große, dem Landwirt Emil Kratzer gehörige Strohschober vollständig nieder. Die Ursache des Brandes ist noch unbekannt. Der Besitzer erleidet einen Schaden von 80.000 KL. In der Deutschen Arbeitcescndung beim Prager Rundfunk spricht morgen, Mitttvoch,(18.20—18,40) Abg. Franz Krejii über die„B«deutuug derParlam ent« wählen 18 y 7". Der Vortrag Direktor Fürstenaus wurde auf den 14. April verlegt. Seite' 4 Dienstag, 9. mar»1037• Nr. 88 Mit Tränengas gegen Siftstrelker In Amerika sind seht die Metallarbeiter in' den Streik getreten. Mit T ränengaS ging die Polizei in CHIkago gegen die Sitzstreiker vor. 3ag^eui$eiten „Baroneß von der Goltz“ macht Propaganda Unser I. H.-Mitarbeiter schreibt unS aus London: Ich habe just mit einem Kollegen von der englischen Presse gesprochen, der sich einen Sport daraus gemacht hat, die Briefe der Baronesse von der Goltz zu samnteln. Er hat bereits ihrer zweihundert... Die ganz; englische ZeitungSwclt kennt die Baronesse schon. Nicht nur in London, noch mehr in der Provinz. Es ist kein Wochenblätr- chen irgendeiner Landstadt so klein, daß es nicht bereits einen oder mehrere ihrer aristokra- tischen Briefe, datiert aus Potsdam, Hohen- zollernstraße 39, bekommen hätte. Alle diese Briefe beginnen mit der Versicherung, daß die Frau Baronin diesen oder jenen Artikel oder Bericht„Ihres geschätzten Blattes" mit besonderem Interesse" gelesen hätte und sich dazu „die folgenden Bemerkungen erlaube". Was die .Frau Baronin mit besonderem Interesse ge- lesen hat, handelt stets irgendwie von Deutsch, land, Herrn Hstler oder dem Nationalsozialis- mus im allgemeinen und was sie sich dazu zu bemerken erlaubt, sind stets feurige Lobpreisungen und Verteidigungen der deutschen Politik und des gegenwärtigen deutschen Regimes. Sie schildert in. den leuchtendsten Farben alles, was in Deutschland geschieht, plädiert für die deutschen Kolonialwünsche, erörtert mit großem wissenschaftlichem Aufwand die Rassentheorie und wirbt in verführerischen Tönen um die Freundschaft Englands für das Dritte Reich. Kürzlich hat sie auf einen in einer Londoner Tageszeitung erschienenen anonymen Leserbrief Bezug genommen, der das Naziregime heftig kritisiert hatte. Erst«widerlegte" sie natürlich alle die Behauptungen des anonymen Kritikers, zum Schluß aber gab sie ihrer besonderen Ueberraschung Ausdruck, daß der Briesschreiber nicht mit seinem Namen unterzeichnet hatte. Diesmal bekam die Frau Baronin Antwort: der Briefschrciber blieb zwar wieder anonym, aber er enthüllte immerhin, daß er ein deutscher Emigrant sei, der erst vor kurzem Deutschland verlassen hatte; der Pauschal-Widerlegung der Baroneß gegenüber konnte er sich auf seinen eigenen Augenschein berufen und an zahlreichen .Einzelheiten die Unrichtigkeit ihrer Behaupt««», gen erweisen; da er noch Verwandte in Deutsch, land habe, so schrieb er, zöge er eS vor, weiter anoiiym zu bleiben, auf die Gefahr hin, die Ueberraschung der Baroneß noch zu vergrößern; aber einer seiner Freunde, der töricht genug gewesen wäre, das Nazi-Rcgime offen zu kritl- fieren, sei daraufhin— im Sommer 1934— von SS-Leuten abgeschossen worden... War- auf die Baroneß von der Goltz bisher noch nicht erwiderte. Ihre allzu reiche Korrespondenz beginnt überhaupt die englischen Zeitungsleute allmäh- lich stutzig zu machen— auch diejenigen, die sich etwa anfangs durch die hochgeborenen Briefe aus einen« Potsdamer Palais geschmeichelt gefühlt haben mochten. Man beginnt darüber nach- zudonkcn, daß die Baronesse ja so ungefähr zwei- bis dreihundert englische Zeitungen im Tag„mit besondcrcin Interesse" lesen müßte, und häll cs für wahrscheinlicher, daß sie nur ein Deckname für die deutsche Auslandspropaganda ist, die hier in England, wo die Korrespondenzrubriken der Zeitungen eine so große Rolle spielen, diese mühselige, aber wirksame Kleinarbeit zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung nicht ver- schmäht— ebensowenig wie in anderen Ländern mehr handgreifliche Methoden. Nur müßte Herr Goebbels für ein bißchen mehr Phantasie und Abwechslung sorgen— denn die stereotypen Briefe der Baroneß von der Goltz haben, wie mein englischer Freund, der. Sammler, zu seinem Bedauern feststellen muß, ihren Seltenheitswert berefts gründlich verloren... Serie schwerer Antounsälle. In den neunten Abendstunden des Sonntag erlitt ein Präger Auto auf der Schwarzkosteletzer Landstraße un- lveit der Ortschaft I e s e n i c e einen Pneu- matildefekt. Während die Autoinsasien V. R e j- m a n und Vl. P o s u st a mit der Behebung des Defektes beschäftigt waren, fuhr in der Dunkelheit der Personenwagen des Direktor Schreier aus Dejvice auf das havarierte Auto auf, dessen beide Insassen in den Straßengraben geschleudert und erheblich verletzt wurden. Als bereits die Gendarmerie am Schauplatz erschiene«« war, um die vorgeschriebene Amtshandlung vorzunehmen, rannte neuerlich ein Motorrad auf die karambolierten Autos u«w es gab weitere zwei ernstlich Verletzte, da der Lenker des Motorrades H. Rücker aus Bubentsch und sein Mitfahrer Hubert Kow a l a aus Ziziov von ihren Sitzen geschleudert wurden. Eine Weile später fuhr gar noch ein zweites Motorrad auf die Mass« der havarierten Fahrzeuge auf I Nebst dessen Fahrern I. W i t m a n n und F. Fifla wurde auch der Gendarmeriewachtmeister F. B o u b e- I i l verletzt. Es wird festzustellen sein, wer an diesem unglaublichen Konglomerat von Unfällen die Hauptschuld trägt— ob die sträfliche Fahrlässigkeit der Motorfahrer, oder di« der Gendarmen, die ja doch zweifellos hätten imstande sein niüffen, den Unsallsort durch entsprechende Warnungszeichen wirlsain zu schützen.— Gestern mittags wurde das Lastauto der Möbelfirma G e r st l beim Einbiegen in die Wysotschaner Betriebsstätte der Firina von einem Straßenbahnwagen der Linie 5 erfaßt und umgeworsen. Der Chauffeur des Autos Josef Linhart und die Mitfahrerin Marie M i st o v s k h, eine Be» amtin der Firma, mußten von der RettungSsta- tioir ins Krankenhaus eingeliefert werden. DaS Skelett unter dem Fußboden. Bei Nie- derreißung eines SO Jahre alten Wohnhauses in der Prager Neustadt„Na Rybniiku", wurde Samstag unter dem Fußboden einer Erdgeschoß- wohnung von den Bauarbeitern«in menschliches Skelett bloßgclegt, welches auf Holzspänen gebettet war und bei welchem sich Tuchsetzen und Reste alten. Zeitungspapiers. fanden. Zunächst verniutete man, daß es sich um.«inen Fund aus der Zeit der Erbauung des Hauses handle. Bei näherer Untersuchung erwiesen sich aber die aufgefundenen menschlichen Ueberreste als weit jüngeren Datums. Die Sachverständigen gelangten zu der Meinung, daß die Skeletteile höchstens fünfzehn bis zwanzig Jahre unter dem Fußboden gelegen hätten, welche Zeitbestimmung sich auch mit dein Datum der vorgefundenen Zeitungsreste deckt. Es hairdelt sich vermutlich um das Skelett einer weiblichen Person, was auch durch Auffindung.eines herzförmigen Medaillons bestätigt wird. Die Einzelheiten, vor allem auch die Lage des Skeletts lassen darauf schließen, daß hier durch Zufall die Spuren eines Verbrechens aufgedeckt wurden. Die Polizei hat die Erhebungen darüber ausgenommen, welche Personen in der kritischen Zeit in diefem Hause wohnten, in welchem sich eine zeitlang auch«ine Vermittlungsstelle für Dienstboten befand und wo auch beschäftigungslose Hausgehilfinnen«in billiges Nachtquartier fanden. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß eist Skclcttsund den Anstoß zur späten Auf- kiärung einer Tragödie gibt, wie es-in der»Prager Kriminalgeschichte schon mehrfach der Fall war. Die Hasenlrankheit. Auf Anregung des mährisch-schiesischen Landesverbandes, des Tsche» choslowakischen Jagdverbandes in Brünn fand Samstag abends in Brünn eine Beratung über die Maßnahmen gegen die Tularaemie(Hasen- krankheir) statt. In der Debatte wurde konstatiert, daß es.unseren wissenschaftlichen Kreisen»in außerordenlich kurzer Zeit gelungen ist, diese bei uns bisher unbekannte Krankheit zu erkennen. ES ist sestgestellt, daß sich die. Krankheit vom erkrankten Menschen nicht auf andere Menschen überträgt. Wer die Krankheit einmal durchgemacht hat, ist für die Zukunft gegen sie immun. Der Verlauf der»Tularaemie ist bei uns weitaus harnilofer als z. B. in Amerika. Es wurde zweifelsfrei sestgestellt, daß die Tularaemie auf tschechoslowakisches Gebiet von Oesterreich her einge- drungen ist, wo sie vor zwei Jahren sestgestellt worden ist. Bon der österreichischen Grenze breitet sich.die Krankheit nach Mähren und der Slowakei aus. In Mähren pflanzt sie sich gegen Norden fort und sie wurde an Hasen bereits im Gebiete vdh Wifchkau festgestellt. Es ist.Pflicht der Jäger, den Bezirksbehörden und den Kreistierärzten jedes verdächtige Tiersterben zu melden. Das verendete Willi, muß'sorgfältig gesammelt und verbrannt werden.'. Die Grundbesitzer müssen auch sorgfällig die Kadaver von Nagetieren,»insbesondere» von Mäusen, vertilgen. Es ist zu. empfehlen, herrenlose» Hund«, und Katzen abzuschieben. Weiter?. wird empfohlen, Jagdhunde nicht in.verseuchte Reviere zu" führen und sie nicht zum Jagen erkrankten Wildes zu verwenden. Zur Be- lämpfung» der»Tularaemie» kann» mit» Erfolg» reißendes Wild eingesetzt werden. Deshalb sollten Füchse, Dachse, Schwarzwild, von Federwild Turmfalken, Bussarde und Eulen nicht abgeschossen werden. Alle diese wilden Tiere vernichten viele kranke Tiere und allenfalls auch deren Kadaver. Eine jugendliche Räuberbande. Die Polizei in Böhinisch-Budweis macht« 14 Schüler im Alter von 7 bis 15 Jahren stellig, die in den vergangenen Tagen in Budweis und Umgebung gegen 30 Diebstähle und» Raubübersälle verübt haben, wobei ihnen eine Beute im Werte von mehreren tausend KL in die Hände fiel. Einen Teil des. DiebSguteS, welches die Schüler bei ihren Eltern verborgen hatten, wurde zustande gebracht. Alle Täter werden nach der Voruntersuchung vor das Jugendgericht gestellt werden. Die Mehrzahl von ihnen blieb dem Schulbesuch fern und das Einschreiten der Eltern erwies sich als erfolglos. Die Diebstähle waren auf so raffinierte W«ise verübt worden, daß selbst die Sicherheitsorgane überrascht waren, als sie feststellten, daß es sich um jugendliche Täter handelte. DaS tschechoflowakische Touristenflugzeug „Praga L 14", traf am Montag von Kairo in Palermo ein und landete, auf dem Flugplatz.Byp.a di Falco. Nachdem das Flugzeug neuenRetriebs- stoff ausgenommen hätte, startete es sofort trotz ungünstiger atmosphärischen Bedingungen zum Weiterflug nach Neapel, stürzte aber gleich nach dem Start in einen Orangenhain beim Dorfe Al« tarello Baida ab. Die beiden Flieger, Chefpilot Karel K u t l o ch und Antonin Mares, wurden schwer verletzt. Das Flugzeug wurde beschä- digt.. Begnadigt. Der österreichische Bundespräsident begnadigte den wegen Raubmordes an Frau Farcasanu zumTode verurteilten Karl Straßer. Die im November 1086 vom Kriegsgericht in Leoben verhängte Todesstrafe wurde in lebenslänglichen Kerker umgewandelt. Erdbeben in San Franzisko. Die Stadt Sm« Francisko wurde in. den frühen Morgenstunden des Montag von» einem Erdbeben, wie die Polizei mitteilte, den schwersten seit jenem vom 18. April. 1906, heimgesucht. Die Erdstöße dauerten zwei bis drei Sekunden. Sie richteten an den Wohnhäusern uiw an den Kaufläden großen Schaden an. Verletzte Kid aber, soweit bekannt, nicht zu verzeichnen. Kurz, nach den Erschütterungen war der Kraftwagenverkehr auf der Brücke, die San Francisko mit Oakland verbindet, sehr lebhaft, da viele Leute aus der Stadt flüchteten. Di« Ueberschwemmnngen in Südslawien. Das Wasser der südslawischen Flüsse steigt weiter» Bei Seinlin ist der Wasserspiegel der Donau 5.50 m über dem Norinal. DaS anliegende Gebiet ist teilweise überschwemmt. Die Morava ist vollkommen aus dem Ilfer getreten und viele Gemeinden stehen unter Wasser. Das Hochwasser hat eine Reihe von Mühlen samt den Vorräten mitgenommen. Bet der Gemeinde Svilajänae hat das Wasser eine Mühl« und zwei darin, weilende Bauern fortgeschwemmt. Den Bauern gelang es schließlich, aus der Mühle herauszukriechen und einen Baum zu erreichen, auf dem» sie ihre Rettung abwarten. Das größte Schiff für den Transport von Zinn, dessen Bau eben vollendet wurde und das nach Holländisch-Jndien unterwegs war, ist, während eines heftigen Sturmes gescheitert und sank in der Nähe des Leuchtturmes von Eddyston. Die Besatzung» wurde gerettet, Mord aus Eifersucht.'In Hainburg wurde die Leiche einer Frau aus der Donau gezogen,'welche elf Messerstiöhe aufwies. Später wurde..festgestellt, daß es sich um»die' Eisenbahnerstochter Therese Schm i e d auS KremS handelt..Mehrere Stunden' darauf ipurde auch» der Mörder des Mädchens eruiert. Es handelt sich, um den Selchermeister Josef F r e u d e n s»p» r.üinig. Er gestand, daß er die Schmied aus Eifersucht ermordet» habe, Eine Hinrichtung In Trentschin Prag. Montag um ph7 Uhr früh wurde im Hofe des KreiSgerichtSgefängnisseS iit Trentschi» der LSjährige ledige Bauernsohn Josef 0 e l k o aus Prujina bei Trentschin hingerichtet. Er ist am 18. Oktober 1984 vom Kreis« als Schwurgericht in Trentschin wegen des Berbre- 'chens der vierfachen Mordes» der Verbrechen» der beabsichtigten Totschlages und der llebertretung des unerlaubten Waffenttagens verurteilt worden. Cello hat am 9. April 1984 feinen Baier, fein« Mutter, feinen Bruder und dessen Gattin sowie auch seine Tante erschossen. Josef Cello war«in leidenschaftlicher Wilderer, was ihm in der Familie heftig vorgeworsen wurde. Wegen Wilddiebstahler war Cello bereits vorbestraft.— Am 9. April 1984 um 8 Uhr.morgens wollte Cello wieder einmal in» den Wald gehen, trat aber vorher in dar Zimmer ein, in welchem seine Eltern, sein Bruder mit seiner Frau und eine zu Besuch erschienene alte Tante schliefen, um sich Brot abzuschneiden. Der bereits erwachte Vater begann ihn wegen seines Vorhaben» zu beschimpfen. Cello holte aus der Küche dar dort vorbereitete geladene Gewehr und erschoß zunächst den Vater und mit weiteren vier Schüssen auch bei« Bruder, der au» dem Zimmer zu flüchten versuchte. Sodann erschoß er auch die Schwägerin, die Mutter und die Tante. Dabei benützte er dar Jagdgewehr der Vaterr und dessen Munition. Nach der Tat verriegelte er sich im Zimmer, lud neuerlich beide Gewehre und drohte, jeden zu erschießen, der sich nähere würde. Die herbeigerufenen Gendarmen gaben zunächst Schreckschüsse ab, worauf sie in die Wohnung eindrangen und Cello verhafteten. Die Ge- richträrzte erkannten Cello als für sein« Tat ver« antwortlich und alr einen rohen Menschen rachsüchtigen Charakters, Bei den ersten Einvernahmen er- klärte er ausdrücklich, daß ihn die Tat nicht reue, Als ihm bekanntgegeben wurde, daß ihm keine Gnade gewährt worden sei und daß er hingerichtet werden wird, nahm er dies ganz ruhig auf und anerkannte, daß das gerecht sei. Er empfing den Priester, hatte keine Wünsche, lehnte Speisen und Getränke ab und hat einen Teil der Nacht ruhig durchgeschlafen.— Die Hinrichtung wurde in Anwesenheit behördlicher Personen und einiger Vertreter der Oefsentlichkeit unter Gendarmerie-Assistenz vollzogen. Josef Cello bewahrte völlige Ruhe und äußerte nur den Wunsch, daß der Vorgang nicht lange dauern n«öge. Der Vollzug der Hinrichtung dauert« zwei Minuten, worauf Bewußtlosigkeit eintrat. Der Tod wurhe nach weiteren neun Mnuten konstatiert. Tragischer Doppelselbstmord in Wien. In der Nacht aus Montag haben der Professor der Wiener Technik Dr. Jng. Paul Finnunger und seine Frau in«ihrer Wohnung Selbstmord begangen. Es wurde festgestellt, daß sie sich zuerst vergifteten>«nd sodann den Gashahn geöffnet hatten. Beide wurden tot aufgefunden. Aus den Briefen, die Professor Finnunger hinterließ, der in wissenschaftlichen Kreisen eine wichtige Rolle spielte, geht hervor, daß er die Tat wegen Differenzen über wissenschaftliche Methoden, namentlich beim Brückenbau, verübte. Bon einer Lawine verschüttet. Eine italienische Skipatrouille, bestehend aus fünf Alpinis, ivnrde auf einer Patrouillenfahrt auf der Zirag- Alm oberhalb von Brennerbad auf italienischem Staatsgebiet von einer Schneelawine verschüttet. Erst nach angestrengtem Suchen wurden di« verschütteten Soldaten aufgesunden, doch waren zwei bereits tot, einer wurde schwer verivundet, die übrigen unversehrt geborgen. Die Nachforschungen nach den Verschütteten nahmen zwei Tage und zwei Nächte in Anspruch. Die beiden Brüder Rudolf und Walter Abart wurden unweit von Mals während des Fällens von Holz von einer Lawine'verschüttet. Die Leichen wurden geborgen. Unbeständiger Wetter. Ueber Mitteleuropa verläuft eine sehr ausgeprägte Wärmegrenze. In unseren Gegenden wurden Montag nachmittags bet südwestlichem Winde in»den Niederungen beinahe überall rund plus. 10 Grad Celsius verzeichnet; Böhmisch-Budweis und Bratisiawa hatten»plus. 18 Grad Celsius. Dabei treten noch einzelne Schauer auf. In Deutschland betrug die Temperatur dagegen meist Null bis. minus 1 Grad Celsius und vielerorts schneit es. Mit Rücksicht darauf,, daß sich die Lage der erwähnten Wärmegrenze nur sehr wenig ändert, ist die Prognose für die nächsten Tage unsicher.— Wahrscheinliches Wetter Dienstag: Unbeständig und zeitweise Niederschläge, Von Nordwesten her erneute Abkühlung nicht ausgeschlossen,— Wetteraussichten für Mittwoch: Entwicklung der Wetterlage unsicher. Von Rundfunk EmptahleMwerte» au* den Programmani Mittwoch. Prag, Sender I« 10.05: Deutsche Presse, 11.05: Orchesterkonzert FOK, 12.10: Tonsilmlieder, 18.40: Deutscher Arbeitsmarkt,.15: Orgelkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neu« Bücher. 18.20: LrteiwrsunI: Pani Fürstenau, Teplitz-Schö. «an: Der Schulman««nächt« anch Erzieher' sein, 18.40:.Sr»iali»f*rmati*n«n, 18.45: Deutsche Presse, 20.05: Au» dem Smetanafaal: IX.» Konzert der tschechischen Philharmonie, 22.20: Schallplattenkonzert.— Prag, Tender II: 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde. 14.50: Deutsche Presse,.18.15: Klart« nett-Solo, 18.85: LiederköNzert,.— Brüt«: 17.40: Deutsche Sendung: Lindt: Leute am Sonntag— Tiere am Sonntag.—Preßburg: 16.8". Leichte Musik.— Kaschau: 12.05: Opernarien. 12.85; Rundfunkorchesterkonzert, 18,80 Operngesänge.— Mäbr..Ostrau: 18: Schallplattenkonzedt, 19.20: Rundfunlorchesterkonzert, Nr. S8 Dienstag, 9. März 1937 Seite S IMtewwtecfiaft und äosiaipoÄM Das Margarine-Kontingent festgesetzt Die Regierung hat nach langen und harten Verhandlungen das Margarine-Kontingent für das heurige Jahr mit 6500 Waggons festgesetzt. Dieser Beschluß ist, obwohl das beantragte Quantum von 670 Waggons monatlich nicht erreicht wurde, als ein Erfolg der sozialistischen Bemühungen um eine Sicherung. der Margarine-Versorgung anzusehen. Um das Resultat des zustande- gekommenen Kompromisses zu werten, genügt es, sich vor Augen zu halten, daß das Gesetz über die Kontingentierung von 4800 Waggons sprach und daß die Agrarier Heuer mit aller' Kraft sich dafür einsehten, daß lein höheres Jahresquantum be- willigt werde. Darüber hinaus verlangten sie, Ivie aus den Diskussionen im Parlament und in der Presse bekanntest, daß die Margarine mit einer Soichersteuer von 6 KL für daS Kilogramm belastet werde, und in den letzten Tagen kamen sie mit dem Gedanken, Bezugskarten auf Margarine einzusühren. Die Henlein-Partei unterstützte sie dabei. Aus allen diesen Forderungen und Plänen ist demnach nichts geworden. DaS bewilligte Kontingent liegt bedeutend höher als die vom Landwirtschastsministerium vorgeschlagene Menge, und ebenso wurden die anderen Anschläge der Agrarier und der SdP abgewehrt. Durch das angenommene Kompromiß ist die Margarineversorgung auf absehbare Zeit garantiert. Sollte sich im Laufe der Zeit ergeben, daß der Bedarf das vorhandene Quantum übersteigt, würde allerdings auch Heuer die Bewilligung eines Mehrkontingents notwendig werden, wie es von den sozialistischen Parteien zuletzt im Herbst für den Rest des vergangenen Jahres durchgesetzt wurde. Dia Arbeitslosigkeit hat im Feber, wie wir Sonntag gemeldet haben, noch nicht festgesetzt, ebenso sind die Nachrichten verfrüht, die die Höhe des zukünftigen Preises betreffen. Die Jnteressenorganisationen führten in den letzten Tagen neuerlich Verhandlungen mit der volkswirtschaftlichen Abteilung des Ministerratspräsidiums und legten Berechnungen über die Steigerung der Rohstoffpreise, Seefrachten usw., die ein Auskommen mit den jetzigen Preisen unmöglich machen, vor. Dies um so weniger, als die Vorräte aus der Zeit vvr der Devalvation erschöpft seien. Trotzdem wird aber noch weiter nach Mitteln gefahndet, um den Preis des Benzingemisches auf einer tragbaren Höhe zu halten und um die Preissteigerungen auf den internationalen Rohstoff- und Transportmärkten nicht ausschließlich dem JnlandSverbrauch ausbürden zu müssen. Maßnahmen des Handelsministeriums bedrohen die Existenz zahlreicher Angestellten. Die geänderte Art, in der vom Handelsministerium das Reiskontingent für 1087 verteilt wurde, bedroht die Existenz zahlreicher Angestellten. Ohne daß das— schon für 1980 mit 50.000 Tonnen festgesetzte— Gesamtkontingent von 50.000 Tonnen verkleinert worden wäre, wurden eine ganze Reihe Reisimporteure von dem ihnen bisher zugewiesenen Kontingentteil Abstriche von 5 bis 40 Prozent gemacht. So wurden einer Importfirma, die noch fiir daS Jahr 1986 einen Kontingentteil von 12.000 Tonnen zu bekommen hatte, von diesem Teil für das Jahr 1937 5000 Tonnen weggenommen. Die Maßnahme wird damit begründet, es müsse verhindert werden, daß einzelne Einfuhrunternehmungen praktisch ein Monopol in unserem Reishandel bekämen. Man kann davon ab- schen, daß die vom Handelsministerium einge« führte Neuerung zugunsten einer Körperschaft geschah, die politisch dem Handelsminister nahesteht. Aber die Auswirkung der Maßregel ist jedenfalls so, daß in einem einzigen Reiseinfuhr-Unterneh- men allein etwa 30 Angestellten die Entlassung droht. Das ist um so schlimmer, als nach der Lage der Umstände nicht damit zir rechnen ist, daß die vom Handelsministerium begünstigten Unternehmungen nennenswerfe Neueinstellungen kaufmännischer Kräfte vornehmen werden. Die bedrohten Angestellten haben sich durch ihre Organisation an das Fürsorgeministerium gewendet, um zu erwirken, daß die ihre Existenz unmittelbar gefährdenden Maßnahmen des Handelsministeriums rückgängig gemacht werden. Wichtig für Versicherte deS Heilfonds der öffentlichen Angestellten. Im Interesse der Versicherten des Heilfonds der öffentlichen Angestellten wird darauf aufmerksam gemacht, daß vom 1. April d. I. die. Versicherten deS Heilfonds bei der Geltendmachung von Ansprüchen auf ärztliche Behandlung aus Rechnung des Heilfonds im Besitze einer neuen Mitglieder-Legitimation, eines Kontroll-Abreißblocks, einer Zahlmarke und einer neuen Anweisung sein müssen. DaS Präsidium des Heilfonds macht die Versicherten darauf aufmerksam, daß die neuen Drucksorten, beginnend mit dem 15. März d, I., bei den Bezirksstellen, allenfalls in den einzelnen Verschleißstellen für Marken und Drucksorten des Heilfonds, erhältlich sind. Den Pensionisten, soweit Ihnen die notwendigen neuen Evidenz-Drucksorten nicht zur Ausfüllung vorgelegt wurden, wird empfohlen, sich bei der zuständigen Bezirksstelle zu melden. Gesetz für bezahlte Ferien in Großbritannien. (JGB) Die britische Regierung hat beschlossen, eine paritätische Kmnmiffion zur Prüfung der Frage der bezahlten Ferien einzusehen. Sie soll umgehend über die praktischen Möglichkeiten und Grenzen dieser Reform berichten, so daß noch im Herbst dieses Jahres ein Gesetz zur Annahme gelangen kann. Die Kommission soll ein Dreipar- teien-Komitee sein, in dem die Unternehmer, die Gewerkschaften und die öffentliche Meinung paritätisch vertreten find. Die Gewerkschaften habe» sich zur Mitarbeit bereit erklärt und bereits ihre Vertreter ernannt. Der„Daily Herald" schreibt dazu u. a.:„Durch den Beschluß der Einsetzung eines Komitees gibt die Regierung endlich zu, daß es sich hier um ein praktisches Problem handelt. Sie weicht damit in anerkennenswerter Weise von ihrer früheren negativen Haltung ab." um 9882, das sind 1.5 Prozent, im ganzen Staat zugenommen, doch geben die Berichte aus den einzelnen Ländern verschiedene. Bilder. In Böhmen wird bereits eine kleinere ArbeitSlofenziffer ausgewiesen, während die Zunahme in Karpathoruß- land ganz geringfügig ist. Relativ stark ist die Zunahme in Mähren-Schlesien und in der Slowakei: Böhmen...—3339—1% Mühren-Schlesien+3573+1.8% Slowakei...+9206+6.8% Karpathvrußland+ 442+7.6% Der 8M^bSeu^ke"".ln..'W?!s^..blWMÄi Jahren gewöhnlich einen Umbruch in der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Es war der letzte Monat, in welchem die Gesamtarbeitslosenziffer noch stieg, allerdings ist die Zunahme Heuer kleiner als in der zurückliegenden Zeit seit dem Krisenbeginn. Sie betrug 1929 1.982 1930 12.265 1931 30.461 1932 48.598 1933 47.407 1934 15.302 1935 15.189 1936 10.229 Gegenüber der gleichen Zeit der Vorjahre zeigt sich eine ganz bedeutende Senkung, und zwar gegenüber 1936 um 182,871 gegenüber 1935 um 155.826 gegenüber 1934 um 166.916 gegenüber 1933 um 242.814. Die Verhandlungen über die Verteuerung dr» Benzingemisches. Zu Blättermeldungen über die Erhöhung des Benzingemischpreises erfährt der DND.: Der Zeitpunkt der Preiserhöhung ist „Ein ganzes Volk außer Rand und Band“ Bericht Uber den Auszug aus Malaga Wir lesen in der„Basser National» zeiwng": Als sich die Rebellenarmee Malaga näherte, ergriff die Einwohner, im Gedanken an das Schicksal Badajoz' vor einigen Monaten, eine wahnsinnige Angst. Fast hunderttausend flüchte- ; trn. Der. Korrespondent.des.„Demps"^ Has. fje; gesehen. In der Landschaft vor Malaga waren ganze Dörfer menschenleer. Zu Schiff, per Auto, mit dem Pferdegespann und meistens zu Fuß ergoß sich während einer Woche eine„Sturmflut von Flüchtlingen" nach allen Richtungen.„Wer diese Menschenwoge die die Straße, soweit das Auge unterscheiden konnte, nach beidenSeiten überbordete, nicht sah, kann sich von ihr und ihrer Todesangst gar keine Vorstellung mache». Unigestürzte Lastwagen, krepierte Maulesel, mit Kinder» bepackte zerlumpte Frauen, hinkende Greise, erschöpfte Familien, die während drei Tagen nichts gegessen hatten und am Meeresufer etwas Atem schöpften, um die wilde Flucht wieder fortzusetzen— ein ganzes Volk außer Stand und Band." Der gleiche Korrespondent erzählt, wie der größte Teil der etwa 30.000 Mann, die Malaga eroberten, aus Deutschen und namentlich aus Italienern bestand, faschistische Miliz und SS., kommandiert von den eigenen Offizieren. 84 Zweimanntanks, Marke Fiat, bildeten den Uebersallstrupp. Hinterher rasselten fünfzig nagelneue Fiat-Lastwagen mit Miliz und SS., und die Insassen schrien.Heil Hitler!" und ,Piva Mussolini!" Wie begründet die Angst der Flüchtlinge von Malaga war, zeigt ain Beispiel der Schreckenstage von Badajoz der Korrespondent des Londoner„NewChrovicle« Arthur Köstler, dem es gelungen war» vier Wochen nach Ausbruch der Revolte Südspanien zu bereisen. Sein Bericht, vermehrt um zahlreiche Zitate aus der internationalen neutralen und auch francofreundlichen Presse« über die Ereignisse seither, erscheint jetzt unter dem Titel„Menschenopfer unerhört"(Ein Schwarzbuch über Spanien) in den Pariser„Edi- tions du Carrefour". Ein furchtbares Buch, aber notwendig als Ergmizung einer zügellosen Greuelpropaganda, wie sie in den letzten Moim- ten intensiv z. B. auch von Olten aus geleistet wird. Von den 40.000 Einwohnern Badajoz' haben Francos Fremdenlegionäre(die gleiche Zahl nennt auch ein Vertreter des„Temps" und des rebellenfreundlichen„Diario de Lisboa") 4000 Männer, Frauen und Kinder, niedergemacht. Und der Korrespondent des rechtsstehenden Pariser .Excelsior" berichtete:„Badajoz bietet einen herzzerreißenden Anblick. Einzelne Stadtbezirke verwandelten sich in gigantische Metzgereien. Lastautos treffen ein, beladen mit Gefangenen, von denen viele noch nicht das 14. Lebensjahr er- Eln kämpfender Wissenschaftler Zur Elnneruhg an Carl Ludwig Schleich Bon Friedrich Tramer(Karlsbad) Eine der herrlichsten Gestalten der deutschen Wissenschaft, ein Bahnbrecher und Wegbereiter seines Faches, ein Stürmer und Dränger, der trotz der größten Hindernisse, die sich ihm.in den Weg stellten, sein Ziel nicht aus dem Äug' verlor, ist C a r l LudwigSchleich, dessen Todestag sich am 7. März zum 15. Male jährte. Schleich ist der Erfinder der Jnsiltrationeanästhesie, der als erster die Lokalanästhesie bei Operationen erfolgreich anwendete, während bis dahin die Narkose durch Chloroform oder ein anderes Narkotikum erfolgte. Was dieser große Chirurg auf dem Felde der Wissenschaft geleistet, welchen Anfeindungen er von seinen engsten Fachkollegen ausgesetzt war, bis seine Heilmethoden allgemeine Anerkennung sanden, welche Demütigungen er" über sich' ergehen lassen'mußte, hat dieser Märtyrer "seiner Ueberzeuguyg in seinem einzigartigen Bilche, daS jedermann zur Lektüre empfohlen sei, mit einer' staunenswerten Bekenntnistreue und Offenheit niedergeschrieben. In seiner Selbstbiographie, die er„Besonnte Vergangenheit, Lebenserinnerungen(1859 bis 1919)" überschrieb, widmet er. besonders einen Abschnitt„Belle-Aflianee" seinem Kampfe nm die Anerkennung seiner Forschungsergebnisse. Dort heißt es auf Seite 228:„Die nackte Tatsache, daß ein Arzt für eine dann später absolut anerkannte Wohltat für Leidende, für einen Fortschritt in der Bekämpfung der Schmerzen, fiir die Aufdeckung eines absolut neuen Prinzips der Schmerzstillung überhaupt, für eine Entdeckung also, die nach Bergmanns Ausspruch zu den Großtaten der Chirurgie überhaupt gehört, von einem Forum von achthundert Fachchirurgen, Spezialkollegen also, zum Tempel hinausgejagt wird, ist so ungeheuerlich, daß sie wohl einer eingehenden Besprechung und Beleuchtung wert ist und sich niemand wundem kann, wenn ein einfacher Arzt, Dr. Karl Briegleb in WormS, damals eine .flammende Broschüre schrieb, die mich als den Galilei des 19. Jahrhunderts in Schutz nahm." Das sind die Worte Schleichs, bevor er den. denkwürdigen Chirurgenkongreß, der im April 1892 in Berlin stattsand, schilderte. Was ein großer Arzt, ein Wohltäter der Menschheit, von seinen eigenen Kollegen, die trotz des erdrückenden Be- tveismaterialeS, das Schleich lieferte, erleben muhte, erfüllt noch heute, 45 Fahre nach dieser denkwürdigen Sitzung, jeden Menschen, der sich den Sinn für Wahrheit und Gerechtigkeit bewahrt hat, mit tiefer Empörung. Schleich entwickelte Theorie und Praxis sei«, ner Entdeckungen, er schilderte an der Hand der Krankengeschichten und des klinischen Verlaufes' seiner Operationen, bei denen er Unterleibsge- schwülste, Knochen und Gelenke schmerzlos ent», fernst, Amputationen, Trepanationen, Augen« enulleationen ohne Narkose, bei vollendeter^ Schmerzlosigkeit vörnahm, die herrlichen Erfolge, seiner Foxschertätigkeit. Der Präsident des Kongresses, Pros. Bardeleben,/mit seinem Michelän- geloschen Moseskopf, wie ihn Schleich uns schil dert, rückte schon mehrmals unmhig auf seinem Sessel hin und her und sah sich wiederholt die abweisenden Mienen der zuhörenden Aerzte an... Als aber Schleich seinen Vortrag mit den Worten schloß:„So daß ich mit diesem unschädlichen Mittel in der Hand aus ideellen, moralischen und strafrechtlichen Gesichtspunkten es für nicht mehr erlaubt halte, die gefährliche Narkose da anzuwenden, wo dieses Mittel zureichend ist," da erhob sich ein Sturm der Entrüstung und alle Anwesenden zeigten sich empört über die Worte des 83jährigen Arztes, der sie gewissermaßen belehren wollte. Niedergeschrien, auSgepfiffen, gede- mütigt, nur von' seinem Vater getröstet, verließ damals Schleich eine Versammlung der größten Kapazitäten seines Faches, die ihren jungen Kollegen nicht anerkennen wollten. Erst zehn'Jahre später, als Prof. Mikulicz aus Breslau auf einem anderen Chirurgenkon- greß seine. glänzenden Erfahrungen mit der Schleichschen Methode mfiteilte, da begann es allmählich in den Hirnen der offiziellen, konservativen Professoren zu dämmern., Man befaßte sich mit seiner Operationsmethode und sah, daß hier esn Meister seines Faches ein Werk geschaffen, das der leidenden MenfMeit zugute kommen sollte und mußte. Aber pessimistisch, wie nun einmal dieser. große Forscher war, der durch die harte Schule des Lebens gegangen, sagte er in seinen Erinnerungen:„Für den mir angetanen Schimpf hat bis zum heutigen Tage niemand ein Wort der Sühne gefunden..." Und hat er nicht Recht, wenn er dieser bitteren. Beschwerde, die ,wohl mit seinem Herzblut geschrieben sein'mag, die Worte hinzüfügte: reichten. Sie fahre» zum"Friedhof; die Lastwagen auf denen sie fahren, bergen zugleich Hausen von Leichen, alle zusämme» erwartet das Massengrab..." Im„Jntransigeant" aber schrieb Emmanuel Bourcier:„Die Fremdenlegion hat in Badajoz alles umgebracht. Da gibt. eS leine Gnade. Ein Massaker eine Schlächterei, wofür keine Sprache einen paffende» Ausdruck hat..." Ein AktionSprograntUt der Labonr Party. Der Vollzugsausschuß der Labonr Party bat eine» FiinsjahrcSplan für den Fall, daß die Partei wieder zur Regierung kommen sollte, veröffentlicht. Die Hauptpunkte deS Programmes find: Verstaatlichung der Bank von England und des ganze» Verkehrswesens. Ebenso soll die Kohlenindustrie in staatlichen Besitz übergeführt werden, dazu die Elektrizitäts- und Gasversorgung. Das Programm enthält tveiter große ArbeitSvor- haben, darunter Häuserbau, Elektrifizierung, Oel- gewinnung aus Kohle usw. Eine Rückkehr zum Goldstandard wird abgelehnt, dafür aber versprochen, für Handel und Wirtschaft die größtmögliche Stabilität herzustellen. Die eigene Lebensmitlel- erzeugimg Englands soll neuorganisiert werden unter Kontrolle der Einfuhren. Versprechungen auf sozialem Gebiet sind u. a.: Hebung des Lohnniveaus, Bezahlung der öffentlichen Feiertage. Einführung bezahlter Urlaube, Verkürzung der Arbeitszeit, Ausdehnung der Schulzeit bis zum 16. Lebensjahr usw. Auf außenpolitischem Gebiet wird ein Abstoppen des Wettrüstens als erster Punkt genannt. Die Labour-Regiermig wolle eine Wehrmacht in dem Umfange erhalten, mii das Land verteidigen und die Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund erfüllen zu können. Rekonstruktion der Salzburger Landesregierung. Montag erfolgt eine teilweise Rekonstruktion der Salzburger Landesregierung. So wird u. a. der Stellvertreter des Landeshauptmannes Dr. Wagenbichler, der im Lande die Heimwehren vertrat, ausscheiden. Sein Nachfolger wird der Führer des Bauernbundes Hauthaler sein. Aehnliche Rekonstruktionen tverden auch in den anderen Länderregierungen vorbereitet. Degrelle will Neuwahlen. Der Abgeordneie der Rex-Bewegung für den Wahlkreis Brüssel, Oliver, hat sein Abgeordnetenmandat niedergelegt. Gleichzeitig sind auch sämtliche auf der Rex-Liste fiir Brüssel aufgestellten Ersatzmänner zurückgetreten. Diese Maßnahme ist erfolgt, weil die„Rexisten" Nemvnhlen für die Abgeordnetenkammer erzwingen wollen. Die österreichische» Monarchisten veranstalteten Sonntag vormittags im ZirluS Renz in Wien eine große Manifestation. Der Präsiden: der legitimistischeu Liga Steiner rellamierte in seiner Rede für das österreichische Voll das Recht, sich frei über die Restaurierung der Habsburger auszusprechen, Nach der Versammlung wurde ein Manifestationsumzug veranstaltet, der nnter den Rufen'„ES'kebe- Havsburg't+ic Straßen durchzog. Von den Nationalfozidlifwu wurden diese Straßenkundgebungen systematisch gestört. Zwölf Nationalsozialisten tvurden verhaftet. Ein zweites A' lta. In Londoner politischen Kreisen verfolgt man mit großer Ausmerksamleit die während des AbcffinienkonfliktcS von Italien begonnenen und inzwischen weiter fortgesetzte» Befestigungsarbeiten auf der nahe von Matta gelegenen Insel Pantcllaria, deren Uebcrslicge» kürzlich von Italien verboten wurde. Die Insel, die 96 Kilometer von Sizilien und 70 Kilometer von Nordafrika entfernt ist, soll zu einem zweiten Malta werden. Bei einem Unisang von inir 45 Ouadratmeilpn verfügt sie über einige Ankerplätze, die durch Küstenbatterien leicht zu verteidigen sind. Mit Baggerarbeiten soll es leicht möglich sein, einen größeren Hafen zu errichte». In diesem Zusammenhang verweist man auch auf die strategische Bedeutung von Linosa westlich von Malta und von Lampedusa, das südwestlich gelegen ist. „Jeder Fortschritt in der Medizin bedarf eines Kampfes von fünfzehn Jahren... alle großen medizinischen Entdeckungen tverden außerhalb der Hochburg der Großsiegelbewahrer der Wissenschaft gemacht. Niemals hat sich aber dieser Anprall akuter, dramatischer, verblüffender, vollzogen als im Falle meiner Anästhesie durch örtliche Einverleibung unschädlicher Flüssigkeiten.. Diese Worte gelten fiir ewige Zeiten. Die kompakte Majorität, mag sie sich aus Aerzten, aus Ingenieuren, aus Professoren, aus Männern welcher Berussschicht immer zusammensehen, sie bildet ost genug eine chinesische Mauer, die das Althergebrachte. gegen das Neue krampfhaft verteidigt..So war es, so ist es, so wird eS bleiben. Nur die Methoden ändern sich im Laufe der Jahrhunderte und der Jahrzehnte. Und manchmal, wenn noch zu dem sachlichen der widrige persönlich; Kampf hinzutritt, dann ist der Leidensweg eines solchen Märtyrers unsagbar. Denn eS gibt Gott sei Dank Menschen,, die sich in der Wahrheitsfindung nicht beirren lassen, die die Wahrheit offen und rücksichtslos verkünden, die keine Zugeständnisse und keine Vergleich: kennen..,. Denn die Wahrheit ist kompromißlos und wer sie durch Zugeständnisse an andere schmackhafter, genießbarer, machen will, begeht dasselbe Verbrechen wie der, der echten Wein mit Wasser mengt. Ein solcher Wahrheitssucher war auch Carl Ludwig Schleich, auf den die Worte' Goethes im „Eipilog zu Schillers Glocke" trefflich passen: "Erglänzt uns vor, wie ein Komet entschwindend, Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend." Seife« „Sozialdemokrat". DienStas, 0. Mär, 1087. Nr. 88 Jeanette Gaynor in„Mädchen aus der Kleinstadt" berg: DFK gegen Slavia 4:8.— Budapest: Hungaria gegen 8. Bezirk 8:2, Ujpest gegen Budafok 7:0, Elektromo» geg. Ferencvaro» 2:1, Hhöbu» geg. HaladaS 4:1.— Wien: Austria gegen Wacker 4:1, Ädmira gegen Vienna 2:2(2:0), Rapid gegen Fav. AC 6:0, Postsport gegen Hakoah 2:1, Sportklub gegen Liberias 1:1<1:0).— Amsterdam: Holland gegen Schweiz 2:1(1:0). Reue Schwimmrekorde. Bei einem Meeting in Kopenhagen schwamm die Dänin Ragnhild Hveger über 800 Meter Freistil in 8:80.1 Min. einen neuen Weltrekord heraus. Bei der gleichen Veranstaltung erzielte die Deutsche M. Genenger über 400 Meter Brust in 6:19.2 Min. ebensallS einen neuen Weltrekord.— Einen neuen tschechoslowakischen Rekord erzielte die Frauenstaffel des Bar Kochba Preßburg über 4X80 Meter Brust in 8:01.6 Mm. AuS dem»leichgeschalteten HDW sind vor einigen Tagen zwei mit der bekanntesten Wintersportler, und zwar Pick und Kraus, ausgetreten, weil ihnen durch den Anschluß an den völkischen DDL jede Startmöglichkeit genommen worden war. Diese beiden HDW-Sportler haben sich dem tschechischen Hochschüler-Sportverein in Prag angeschlossen und sind auch schon für diesen gestartet.— Wie sich die Verhältnisse im HDW weiter entwickeln werden, ist noch nicht klar, sedoch zeigen sich schon die Riffe, die durch den DDB nicht— wenigsten» in sportlicher Hinsicht— verkleistert werden können. DaS finnische Skiläufen über 80 Kilometer ging am Sonntag bei Lathi vor sich und wurde von Sulo Nurmela in 8:21:18 Std. gewonnen. Vereimodiriclifcfi' Die Sozialistische Jugend,(Kreis Prag), gemeinsam mit der Ml&dei soclalnS demokra-_ tickä, veranstalten am 14. März, um 10 Uhr' vormittags im Kino ,,U Vejvodü" eine einmalige Vorführung des Films:' Nadrid In klommen Karten zu KL 2.— und 4.— bei den SJ-Funl- tlonärgn. Der Reinertrag wird zugunsten der Opfer des spanischen Bürgerkriege» verwendet. Kroger Zeltmrg Ehrgeiz i ■* Der Kinderspielplah lieg» etwa» erhöht in' den Anlagen, umgeben von einem Drahtzaun und auf drei Seiten von einer Rasenböschung, lieber den Zaun ist ein Ball geflogen, ein mittelgroßer, grauer Gununiball. Während die Jungens noch über den Zaun hinweg nach dem Ball ausschauen, hat ihn.ein junger Mann schon auf dem Rasen entdeckt. Es>väre das einfachste, den Ball aufznheben und den Kindern zuzuwerfen— aber so kann wohl nur ein Sportlaie den Fall aufsaffen. Für den jungen Mann jedenfalls gibt es nur eins: den Ball mit einem fachgemäßen Fußballstoß den Kindern Zuspielen. Doch das mißlingt; der Ball fliegt nur flach gegen den Zaun und rollt zurück. Es mißglück» auch ein zweite» und ein drittes Mal. Die Kinder lachen. Aber der junge Mann gibt nicht n<>* Es ist gar kein richttger Fußball, nur ein grauer Kinderspielball, aber es muß da für einen Fuschallspieler schon von Kindheit an eine unausweichliche Anziehungskraft ztvischen allem, was rund ist, und den Deinen wirksam sein; wo ein Ball rollt, werden ohne weiteres dieBeine aktiv. Der junge Manu ist gar nicht mehr so jung; über das Älter eine» hitzigen Linksaußen ist er sicher schon hinaus. Obendrein trägt er Hut und Wintermantel, aber sein Ehrgeiz ist geweckt—■ der Ball muß über den Zaun. Doch eS mißlingt auch beim vierten und fünften Male. Einmal fliegt der Ball in die Sträucher und nach dem letzten Stoß schießt er schräg über die Spielplätzecke hinweg in die Anlagen und herunter auf den abfallenden Weg. Dec junge Monn vergißt sich, die Kinder, seinen Weg und alles ringsum; für ibn gibt es nur noch den Ball. Geschwind läuft er ihm nach, stoppt ihn geschickt, spielt ihn mit kleinen Stößen vor sich her und holt zu einem Stoß au», in den er alle Routine legt, über die er einst verfügt haben mag. Und in schönem Bogen fliegt der Ball über den Zaun z» den Kindern. Für die ist nun die Sache erlÄigt; sie spielen weiter, ohne sich um den Helfer zu kümmern. Der aber schaut dem Ball nach, al» bedauere er, daß e» schon a»S ist. Erhitzt rückt er Hut und Krawatte zurecht, lockert den Kragen am HalS und geht seines Weges. Sicher wird er noch einige hundert Schritte weit darüber Nachdenken, wie er e» hätte anstellen müssen, den Ball gleich beim ersten Stoß elegant über den Zaun zu spielen. Und gewiß hat er dafür interessante FachauSdrücke parat, die ich leider nicht kenne, und so vermag ich seinen Ehrgeiz wohl gar nicht richtig zu würdigen. „Goldene" Siegerplaketten sind nie aus Gold ' Prag.—rb— Im März v. I. wurde in Prag wieder einmal eine.Weltmeisterschaft" ausgetragen, und zwar die im Tischtennis, wobei auch der polnische Meister AloiS Ehrlich gastierte. An diesen Meister machte sich der 20jährige Kmulei- praktikant JaroslavEhkora heran und leistete ihm Führerdienste durch das unbekannte, Prag. Sljkora verließ den„verehrten Meister" auf keinem Schritt und war auch zugegen, als der Matador am 10. März im Hotel Berwick, wo er logierte, seine Sachen packte. Ehrlich mußte auf eine Weile das Zimmer verlassen und als er zurückkehrte, hatte fein treuer Begleiter und Verehrer die Koffer bereits fertiggepackt und verschlossen. Meister Ehrlich war gerührt über so viel Liebenswürdigkeit und reiste mit vielen Danksagungen ab. Erst jenseits unserer Grenzpfähle mußte er feststellen, daß sein begeisterter Verehrer und Gesellschafter ihm bei jener Gelegenheit eine„goldene" Siegerplakette geklaut hatte, die Ehrlich in irgendeinem Wettstreit dieses Sporte» davongetragen hatte. Was den Wert dieser„goldenen" Plakette betrifft, die der liebenStvürdige Gesellschafter Shkora alsbald für sehr wenig Geld verkaufie, so konnte sich dieser vor dem StrafsenatTroft mit Erfolg darauf berufen, daß„goldenePlaketten niemalsecht seien" und dieses kostbare Stück auch bei weitem nicht die Grenze von 2000 KL erreiche, über welche hinaus der Diebstahl als Verbrechen gilt. Nun hat Jaroslav Sljkora aber noch andere Dinge auf dem Gewissen. So lieft er sich in der Weinsttche des Feiierloehrbauses einschließen und entwendete ein Saxophon im Werte von 1200 Kg. Außerdem bestahl er seine Mitwohnenden in der Nmca, wo er sich einlogiert hatte, um verschiedene kleinere Gebrauchsgegenstände. Dies alles aber reichte, inklusive der„goldenen" Siegerplakette nicht ans. um einen Schadensbetrag von 2000 Ki zu errechnen.' Der Gerichtshof verurteilte daher den Angeklagten, olstvobl er sh» in allen Punkten der Anklage schuldig sprach, nur wegen'lebertretung des Diebstahls zu sechs Wochen strenge n A r r e st e s, bedingt auf zwei Jahre. Ximst und Mssnr Als Arbeitervorstellung tmirde am Sonniag Edmund K o n r ä d s Familientragödie»Das Nest" gegeben und der Ruf des ebenso klugen wie unterhaltenden Stückes und das Verlangen, Tilla Puri e u x in einer Glanzrolle zu sehen, hatten das Haus gefüllt. Bald war das Publikum, übrigens im voraus zum Mitgehen bereit, von Handlung und Spiel gefesselt. Und so erfreut wie die Zuschauer schienen die Schauspieler zu sein, man darf es aus dem flotten beschwingten Spiel schließen. Das kann als besonders glückliches Ergebnis dieser Ärbeiiervor- stellung bezeichnet toerden, daß sie vielen, die sonst wahrscheinlich nicht die Möglichkeit dazu gesunden hätten, die Möglichkeit gab, Tilla Durieux zu sehen. Dar schon war Freude, das kluge bewegte Gesicht der Künstlerin zu beobachtens Aber stand sie auch im Mittelpunkt, nicht nur al» verehrter Gast, sondern auch durch den Willen ihrer Rolle, so verdienen doch auch die vielen anderen Damen und Herren, die sich als Familienmitglieder um diese Mutter und Großmutter gruppierten, vollste» Lob und es wurde ihnen zuteil durch den freudigen Beifall, der sie nach jedem Aktschluß hervorrief.—.Der Bericht über die Ärbei- tervorstellung soll willkommene Gelegenheit sein, zu sagen, daß Konräd in Jul. Mader einen sehr ge- wandien Uebersetzer gefunden hat.—fb—' Wochenspielplan de» Reuen Deutschen Theater». Heute, Dienstag, halb 8 Uhr: Macbeth, Gastspiel Tilla Durieux, Al.— Mittwoch halb 8: Hopsa, B 2.— Donnerstag halb 8: Treff As, Erstausführung, TI.— Freitag halb 8: Gioconda, D.— Samstag halb 8: Der Freischütz, halb 8: Jean, Gastspiel Leopold Kramer und Pepi Glöckner, Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 8: Matura, halb 8: Aida,. Gastspiel Jussy Björling, T 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Dienstag 8:, Photographieren verbotenI— Mittwoch 8: Menschen auf der Eisscholle, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8: Axel an der Himmelstür, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Photographieren verboten!— Theatergemeinde de» Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag halb 8: Alarm Im Radio, Erstausführung, 11: Wie eS Euch gefällt, Vorstellung der Bühnenklubs.— Sonntag 2: Salzburg auSverkaust. 8: Jean, Gastspiel Kramer-Glöckner. Mobilisierung aller fricaenskrattel Gegen den Krieg! rar das Wohl der NcnsdiheM! Frauentagskundgebung Mittwoch, den 10. März, um 19 Uhr im Steinersaal Referentinnen: Gen. Gustl Schaffer und Abg. M. JurneCkovä Tischtennis-Meisterschaften der DTK Die Vertreter fUr Antwerpen Am Samstag und Sonntag wurden im P i l- jener„Lid. düm" die V erb and»Meisterschaften der DTJ im Tischtennis auSge- tragcn, ES nahmen 88 Männer und neun Frauen aus neun Kreisen(Mähr.-Ostrau, Prerau, Pardubitz, Jungbunzlau, Brüx, Pkibram, Königgräh, Prag und Pilsen) teil und gaben Zeugnis von der fortschreitenden sportlichen Aktivität der DTJ-Jugettd. Im Mannschaftsbewerb der Männer wurde in zwei Gruppen gespielt; in der ersten bliÄ Pilsen vor Königgrätz und in der zweiten Prag vor M.-Ostrau erfolgreich. Im Finale ergab sich dann folgende Placierung: 1. Prag, 2. Pilsen, 8. M.-Ostrau, 4. Königgräh. Prag siegte gegen Pilsen 6:0 und M--Ostrau gegen Königgräh 6:4.— Bei den Frauen wurden nachstehende Ergebnisse erzielt: Prag gegen Pilsen 4:1. Prag gegen Junghunz« lau 8:2, Jungbunzlau gegen Pilsen 3:2. Die Endklassifizierung: 1. P r ag, 2. Jungbunzlau, 8. Pilsen. Im Einzel der Männer siegte By« strickh(Pilsen) vor Hejnal(Prag), Janü(Pilsen) und Mukicly(Prag). Der Pilsener Bystkicky schlug im Finale den Prager Hejnal sicher mit 8:0 und war der beste Spieler, da er kein Match abgab. — Bei den Frauen blieb Cubovä(Prag) vor Jiroubkovä(Pardubitz), Rehäkovä(Jungbunzlau), Louthanovä(Prag) erfolgreich. Die Siegerin war in guter. Form und gewann im Endkampf gegen die Pavdubitzcrin 8:0. Da» Doppel der Männer fiel an die Pilsener Bystkiekh—Mais. Den zweiten Platz besetzten Stipanek—Charvät(M.-Ostrau), den dritten Mukicky—Hejnal und den vierten Böser—Kuiera (beide Paare aus Prag).— Jenes der Frauen gewannenLouthanovä—PiSkäLkovä(Prag) vor Cubovä—JIrouikovä(Prag—Pardubitz)• Das gemischte Doppel wurde von Levä—Bystiicktz(Pilsen) vor PiSkäikovä— Mukicktj(Prag) gewonnen. Für die Mannschaft, welche den Verband der DTJ aus der III. I uternation al en Arbeiter-Olympiade i nAntw erp en repräsentieren wird, qualifizierten sich folgende Spielerinnen und Spieler: Eubovä(Prag), Jiroubkovä(Pardubitz). Bystiicktj, Janü(beide Pilsen), Hejnal und als Ersatz Mukicktj(beide Prag). Straßenlaufen der DTJ Smichov. Der am Sonntag von der Leichtathletiksektion der DTJ Smi« chyv durchgesührte Straßenlauf nahm bei guter Teilnahme einen glatten Verlauf und brachte zufriedenstellende Ergebnisse. Die Frauen liefen eine Strecke über 600 Meter und ging als Siegerin Bulenovä kPankratz) in 2:66.2 Min. hervor, lieber 1000 Meter lief die männliche Jugend um die Meisterschaft de» 18. Bezirkes; Sieger wurde Kostka(Ra- dotin) in 4:08.2 Min. Die Männer durchliefen eine Strecke von 8000 Metern(gleichfalls Meisterschaft des 18. Bezirkes). Als Sieger ging Holik(Nadlitz) in 11:48.8 Min. hervor. In der Gesamttlassifika- tion gewann jedoch I. Kroupa(DTJ Pankratz) in 11:47.8 Min. vor Holil(Nadlitz). Ein Liga-Sonntag voll Ueberraschungen Die sonntägigen Ligaspiele standen wiederum im Zeichen der Ueberraschungen, aber auch Werau» harter Spiele, was die Zähl der ausgeschlossenen Spieler beweist. Borwegzunehmen ist die schon.lange erwartete Ni ed e rla ge Sp arta»; daß sie aber gerade durch SK Kladuo erfolgte, ist eben die Ueberraschung. Das Spiel brachte zwar nur einen 1:0(1:0)-Sieg der Kladnoer, jedoch für Sparta sind zwei Punkte dahin- Die Sieger hatten bekannilich vor kurzem ihren Mittelläufer Kolsky der Sparta für 80.000 Ai verkauft und für den„verwaisten" Posten in dem Spieler Swaton(ehemals Komotau und Teplitz), der ihnen bloß 0000 Ai kostete, einen vollwertigen Ersah gefunden. Spartas Angriff versagte fast vollkommen.' Bei den Kladnoer« arbeitete die ganze Mannschaft aufopfernd und das entschied den Erfolg. Gegen Schluß wurden je ein Spartaner und Kladnoer ausgeschlossen. Eine Ueberraschung bildet der hohe Steg der Slav ia in Pils en über den S Kmit 6:1(2:1). Die Pilsener konnten bei dem schweren Terrain nur eine Halbzeit standhalten. Nach dem Prager Remi» de» CSK Preßburg räumte man dem SKNachodim Preßbur- ger Spiel wenig Chancen ein; aber eS kam doch anders. denn die Äachoder konnten dank der schwachen Leistung des Gegner» mit 8:1(1:0) beide Punkte erzielen. Von dem letzten Platz der Tabelle„rettete" sich Rusj Uähorod durch ein 1:1(1:6) auf eigenem Platz gegen Zideniee. Rusj bot da» bessere Spiel, Währeiw bei den Brünnern wiederum der Angriff versagte. Ein weiteres RemiS gab eS in P r a g, wo V i k- toria Zijjkov mit viel Glück mit dem SK Proßnitz 1:1(0:0) spielte und das AuSgleichS- tor sozusagen in letzter Minute erzielte. In Brünn gab eS für die Mor. Slavia wieder eine Niederlage von 2:4(2:8) durch Vik« toriaPilsen. Die Brünner führten schon 2:0, als ihnen nach dem Ausgleich die Nerven durchgingen und in der Folge ein Spiel vorführten, da» ihre Niederlage besiegelte. Zwei Brünner und ein Pilsener wurden ausgeschlossen. Mor. Slavia besetzt nun den lebten Platz der Tabelle und Wird ihr der Abstieg nicht erspart bleiben. Division DFV mit Staatspolizei Die zweite Runde der deutschbürgerlichen Division hatte nur einen Spielausfall(BSK Gablonz— WaruSdorfer FK) zu verzeichnen. In Komotau kam e» aber zu einem Spielabbruch, der auf Betteiben der Staatspolizei erfolgte. Die Reichenberger Gäste waren oder sollen die Schuldigen sein. Wenigstens hat der Schiedsrichter gleich drei auf einmal ausschließen zu müssen geglaubt. DaS Prager Derby zwischen D F C und Sportbrüder auf dem Platze der letzttren endete mit einem überlegenen 7:0(2:0)-Sieg der Blau- weißen-— InTeplitz trafen der TFKundVfB aufeinander und blieb der TFK mit nur 2:0(1:0) erfolgreich.— DSV Saaz gewann auf eigenem Platz gegen den KarlSbade r F Kmit 8:0(2:0). — In Bodenbach überfuhr die SpVg den DSK Gablo nz mit 7:1(2:0).— Die erwähnte Komotauer Affäre zwischen dem D F K und dem Reichenberger FK wurde beim Stande 8:8 (1:8) kurz nach der Pause abgebrochen. Die ausgeschlossenen Reichenberger kamen wieder ins Spielfeld. als der Schiedsrichter Bstoh(Prag) bei einem Strafstoß gegen Komotau nicht auch den Ausschluß des schuldigen Komotauers durchführen wollte. AuSden tschechischen Divifionen. Mittelböhmen: Cechie Karlin gegen Libeü 2:1, Sparta Kobik gegen Slavoj VIII 0:2, Mtbunzlau gegen Union Zßskov 8:0. BohemianS gegen Rapid 1:0, SK Rusle gegen Viktoria Nufle 4:1, Meteor VIII gegen AFK Kolin 2:1, Nuselsky SK gegen Sparta Kladno 2:1. ■— Böhmen-Land: Polaban Nimburg gegen ESK B.-Budweir 6:4(I), SK Königinhof gegen Jungbunzlauer SK 4:2, SK Hokovice gegen SK Ko- pisty 6:4, SK Rakonitz gegen SK Königgräh 8:2, Explosia Semtin gegen SK Pardubitz 4:4(4:2), Slavia Karlsbad gegen Petkin Pilsen 6:2.— Mähren: Bata Zlin gegen Osttauer Slavia 12:0, Polonia Karwin gegen Slovan M.-Ostrau 4:4(2:4), Schles.-Osttau gegen Zabovkesky 6:1, Hussowitz gegen Kral. Pole 2:1. Der Wild-Wesigau. Am Sonntag begannen die Meisterschaftsspiele der DFB-Klub» im Westgau und solche Spidle zählen ja schon seit langen, langen Jahren zu den— na. sagen wir interessantesten. Sie sind deshalb so interessant, weil da der Zuschauer für sein Eintrittsgeld neben dem von ihm beehrten Sport noch als Draufgabe Raufereien usw. miterleben kann. Also, Sonntag gäb e» in K a r l S- bad ein solches Meisterschaftsspiel zwischen Sparta und DFK Neudek, bei welchem vier Spieler ausgeschlossen und Boxhiobe auSgeteilt wurden sowie Polizei einschreiten wußte. Wer auch in Eger und T a ch a u ging es ähnlich„lebhaft" zu. Im ganzen würden auf diesen drei Platzen zwölf Spieler ausgeschlossen. Gewiß ein erhebender Rekord! Sonstige Fußballergeinisse. B.-Budweis: Stadion gegen DFC 7:2.— Schrecken st ein: DER Bilm gegen Sportbrüder 4:8;— Reichen- G Arbeitsprogramm. Dienstag,O.März Gruppenabend der Gruppe Prag II, DSAP-Heim, Ve SmeLkäch 22, 8 Uhr: Dr. E. Strauß: Zur innerpolitischen Lage.— Mittwoch, 10. März: Gruppe Prag VII, FVSA-Heim, Spalenä 46, 8 Uhr: Bunter Vorleseabend. Gruppen Prag I. II, Xllr Internationaler Frauenabend, 7 Uhr, Steinersaal. — Freitag, 12. März: Gruppe Prag II, FV Al- Heim, 7 Uhr: Marx—Engel».— Sonntag, 14. März: 10 Uhr:„Madrid in Flammen". Kino U Vejvodü", gemeinsam mit der Mlädej soc.-dem. 8 Uhr: Bunter Nachmittag der Gruppe ,rag II. Dü» Frauenturnen ist infolge des- Frauentages verschobenwordeni und wird am Donnerstag von halb 7 bis halb 8 Uhr sein. Alle Turngenossinnen mögen an der FranentagSkuNdgebung(siehe Ankün- PBAG digung) teilnehmon. Kinderfreunde, Prag, Freitag, 12. März, abends 8 Uhr, im Parteiheim AuSschußsitzung wegen deS OsterlagerS der Roten Falken. Freie Bereinigung fozialistlscher Akademiker. Heute. 20 llhr, im Heim(Spalenä 46, 2. Stock- Referat von Genossen Weiß über»Die Geschichtsauffassung deS Marxismus". Nächsten Dienstag, 16. März, referiert Genosse Glaser, über„Unsere sozialftudentische Arbeit und die Probleme des Werk- studententumS". © Deutsche BolkSstnggemeinde Prag. Einladung zu der am Dienstag, den 16. März,' im Hause der„Typo- grafickä beseda" Prag II., SmeLky Nr. 27, 8..Stock, um 7 Uhr abends stattfindenden ordentlichen' Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Berichte der Funk« tionäre; 2. Bericht de»'Chormeisters; 8. Wahlen; 4."Allgemeines. Jür den Ausschuß: Egon Goldmann, Liesl Winter.— Die Mitglieder der Bolks- singgemeinde werden ersucht, sich vollzählig und pünktlich zu dem am Mittwoch, den 10,. März, um 7 Uhr abend» im Lidoby düm(Hybernska) stattfindenden Internationalen Frauentag einzufinden.— Am Dienstag wie üblich Probe. verlsnael überall MßliiimlM Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich AL 16.—, vierteljährlich AL 48.—, halbjährig AL 06.— ganzjährig AL 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraph end irutton mit Erlaß Nr. 18.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlag»- und Zeitung»-A.-G. Prag,