Sozialdemokrat tzentralorgan der Deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint Mit««»nahm« de» Montag tLglich sriih Redaktion und Verwaltung: Prag XU., Fochova 62— Telephon 58077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Aus dem Inhalt: Scharfe Auseinandersetzungen Im landwirtschaftlichen Ausschuß Programm der Reichenberger Pädagogischen Woche Eine grauenvolle Jahresbilanz aus dem Dritten Reich Die Arbeitslosigkeit In den deutschen Bezirken 47. Jahrgang Donnerstag, 11. März 1937 Nr. 60 Der nazistische Putschversuch in Ungarn Sozialdemokratische Zweidrittelmehrheit In Kopenhagen K o p e n h a g e n. Bei den hlest- gen Stadtratswahlen erhielten: Die Sozialdemokrat«» 37 Sitze statt bisher 35, .• die Konservativen 11 statt bisher fünfzehn, die Radikale« fünf statt bisher vier und die Kommunisten zwei Sitze statt bisher einen Sitz. Oer Senat mit 258:1 fUr die Anleihe Beschränkung auf 10,5 Milliarden Francs Paris. Der Senat nahm Mittwoch abends das Unanzgesetz über dir RationalvrrteidigungS- anleihe mit 258 gegen ein« Stimme in de« von der Kammer verabschiedeten Wortlaut an, fügte jedoch dem ersten Artikel deS NegierungS- entwurfeS auSdrüiNich Hinz«, daß die grlante Ra» tionalverteidlgungSanleihe die Sumstic von 10.5 Milliarde« Francs nicht■ übersteigen dürfe. Die FestfetzungdeS Zinsfußes wurde der Bollmacht des Fwanzmtnistrrs überlassen, der sirdurch rin RegierungSddlrrt bestimmt. Die Kamcker trift»ach 22 Uhr zusammen, »m nachträglich in zweiter Lesung diesen Mah, dem dir Regierung ihre Zustimmung erteilt hat, g« genehmigen. Dir Annahme erfolgte mit 474 gegen 39 Stimmen.■. Rücktritt Baldwins nach der Krönung London. Dem„Daily Herald" zufolge wird Revtll« Chamberlain Rachfolger Baldwins werden, wir„Daily Telegraph" meldet, fall mit Baldwin im Anschluß an dir Krö- nungSfeirrlichkeit auch Ramsay Maedonald als Präsident des Staatsrates, Lordkanzler H a u l s h a m und der Lord»Siegelbewahrer Halifax zurücktreten. Es sei möglich, daß Chamberlain kein« weittragende Aendernng im Kabinett vornehmen und insbesondere vor der Empire-Konferenz alle ikaiinrttSänderungrn zu» rückstrllrn wolle. Dlenstpfllchtvermngerung In Holland Haag. Die holländische zweite Kammer hat einen Gesetzentwurf angenommen, laut welchem die Dienstpflicht in der Marine um sechs Monate verlängert wird. Die Dienstpflicht bei der Küstenverteidigung wird um zwei Monate verlängert. Ferner wird beim Landheer die Zahl det Wiederholungsübungen auf drei erhöht. Schwere Angriffe Roosevelts gegen das vergreiste? Bundesgericht .- Washington. Präsident Roosevelt sprach sich in einer Rundfunkrede.scharf gegen das Oberste PundeSgerlcht in. seiner gegenwärtigen Zusammensetzung aus und verlangte, dass sein Reform» gesetz noch in dieser Kongresstagung angenommen werde. Düs Oberste Bundesgericht gebärde.sich entgegen dem Sinn der Verfassung. als Oberste gesetzgebende Gewalt und. wolle dem Lande. v'öH schreiben, welche Politik eS verfolgen müsse. Er.' ivolle nicht länget dulden',, dass dringende!natiy« nale Probleme ungelöst bleiben, weildergericht- liche Teil, der Regierung an.„^rlerietwejWkung" leide. Er wolle, n« u e Richt e.r,ern«nen, die als Richter amtierten, nichts aber als' Gesetzgeber. Das amerikanische Boll lasse sich, sticht lange zum Rurrcn halten, Amerikas Regiirung müsse wieher in das richtige Gleichgewicht zürückgedracht w^r» hen.. Auf dem Weg nach Spanien Paris. Die sechsgliedrige Studienkommission aus der Tschechoslowakei ist- auf dein. Wege nach Spanien anr Mittwoch in Paris, eingeftofsesti Vie Putschisten unter amtlichem Schutt ebenso Herr von Mackensen, Budapest. Ministerpräsident Daranyi gab Mittwoch im Parlament eineErklöruug ab, in welcher er die Meldungen über Putschversuche von rechts als„grundloses Geschwätz" atzuttm suchte und dann wieder erklärte, die Regierung werde«S nicht znlaffen, daß,ihr« Aufbauarbeit durch die Bestrebungen irgendwelcher«rttemisti- scheu Bewegung„jetzt oder in Zukunft" gefährdet!werdel Dmm nahm er den deutsch« Gesandt« von Mackensen in Schutz, der allgemein mit dm Ereignissen in Zusammenhang gebracht wird tsttd der.auch rechtzeitig vorher«ine« Urlaub angetre- teu hat, um sich ein Alibi siche«.zu können. Der Ministerpräsident regte sich mächtig über dhst „unverantwortliche Gerüchtemacherei" auf und bezeugte dem„akkreditierten Vertreter eines befreundeten StaatS" seine„vollkommen korrekte Haltung". Po« der ungarischen Orffentlichkrft erwarte die Regierung, daß sie„einer hysterisch« Gerüchtemacherei" keine neue Nahrung gebe. I Ueber die Lage In Spanien . L o ndo n.(Reuter.) Am Mittwoch wurde in, London eine Internationale Arbeiter-Konferenz eröffnet,, die zu den größt« bisher veran- stalteten gezöhlt werdest kann.^Auf der DWD, StdNuns-steht eine.Aussprache Überdte^BustV in S p unkest und über geeignet« Maßnahi men zugnnstm der. spanisch« Regiernng. Die Konferenz ist von der Gewerkschafts-Internationale und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, einberuf« worden. Auf der Konferenz sind 20 Staat« durch 200 Delegierte vertreten. Vorsitzender ist Walter Citrin«. italienische« Verbündete» nnterstützten Aufständische«, die in ansgiebigster Weise technische Mittel im Kampfe ein» setzte«, mußte die republikanische Armee zurüchtveichen,oh«edaß es jedoch de« Feinde gelungen wäre, unsere zusammenhängende Verteidi» gungSfront auszurollen. In einer HavaSmeldung heißt es: Die ganze Rachl auf Mittwoch hindurch herrschte an der Nordsront in der Provinz Guadalajara rege Kampftättgkeit. Die Aufständischen griffest, von motoristerten Kolonnen und von ihrer Artillerie gut unterstützt, an. Die Regiemngs- truppen zog« sich auf dir vorbereitet« Positionen nördlich von v r i- u e g»zurück, daS ein wichtiges Kommnnikationszentrum bildet. Diese Pvflttangn sind gut.ausgebaut und verstärkt wor» den. Die Aufständischen greif« längs der arago- nischen Straße an und rin Teil ihrer. Abteilung« rückt«nflang dem vadjel-Nluß, einem Nebenfluß des. Rio Hrnares, vor. -Di« bei Brihuega ist,der Provinz Guadalajara kämpfenden Regierungstruppen haben rUigst di« notwendigen Verstärkung«, erhalten, die au- brsondrrs gut ausgebildete» Truppest'mit schwerer Artillerie und Tankabteilungen bestehen. Mittwoch 14 Uhr beschossen die schweren Geschütze der" Re- gierunriiftuppen bereitsdie BeriindnngSlinien der »nskpiMdrn stranco-Armer.'.. ® B H°vaS>Sonderberichterstatter meldet Mf'■Mb u j a r, daß drei Kavallerieabteilung« der lUstfsiiwbischest, die rasch nach,.dem Dorfe Hljouosst del Duqne vorzustoß« versuchten, in das Kreuzfeuer von Maschinengewehraestern gerieten, deren«zisieus ihnen nntekasat»«, und dezi» «Im ganzen Lande herrscht Ruhe und Ordnung" verkündet die Regierung des Ordnungs- Paradieses Ungarn. Nach einer Woche nervenzerstörender Aufregungen, Putschgerüchte, Berhaf». iungcn herrscht wieder einmal die Ruhe des Friedhofes und Ordnung der Maschinengewehre. Gleichzeitig wird der Presse öffentlich die allerhöchste Anerkennung der Regierung ausgesprochen, da die Zeitungen kein Wort über die Mionen der Pfeil- kreuzler. schrieben. Aus dem einfachen Grunde, weil sonst die Blätter Gefahr liefen, entweder konfisziert, oder gänzlich eingestellt zu werden. Die gräflichen Volksretter Was ist in den letzten Tagen in Unga«. geschehen? Die Führer der Pfeillreuzlerbewegung und die heimlichen Hakenkreuzler in der Regie- rungspariei haben sich auf eine Aktion geeinigt. Sie wollten die Regierung verhaften und die Diktatur des Hakenkreuzes, oder PfeillreuzeS aufrichten. Wenn sich aber grosse weltgeschichtliche Tatsachen und Personen nicht zweimal-—wie eS bei Marx bzw. Hegel heisst— sondern dreimal I wiederholen, dann wird die Farce nur ein Zerr» In Bvrberatung« erstattet« die spanisch« Delegierten Pascual, Tomas und Card er o ein« Bericht über die Lage in. Spant«. DaS Reuterbüro erfährt, daß. Tomas eist« HlA-KiÜg8r* Streik ist als« enrvpsttfihSst Läst- de« vorgeschlagen Halis, durch den die Arbeiter 'ihre Sympathien z» d« spastischen Kämpfe« gegen dm Faschismus beweisen könnten. Der Ausschuß dürste offmbar beauftragt werd«, eine Resolutton über Spanien auszuarieiten, die der Konferenz am Donnerstag vorgelegt werde» würde. miert wurden,»och ehr sie hätten zurückweich« ksnmn. Reguläre Italienische Divisionen im Kampf Rach einer Aussage von vier am DimStag an der Guadalaraja-Front gefangenommenen Italien««' betragen die in diesem Abschnitt kämpfend« italienischen Abteilung« ungefähr 15.000 Mann,- die auS einer reguläre« Division unter dem Kommando des Gme- eals P o z z i gebildet sind. In d« bei den Gefangen« Vorgefundenen Dokumenten wurde ein Befehl für dir Ausgabe von Munition gefunden, der in italienischer Sprache geschriel« ist und auf dem sich der Stempel der 3. und 4. Division befindet. " In Salamanca wird erklärt, daß die Auf- ständischen-Arniee in einer Brette vm drei Kilo- Meter um 10.Kilometer vorgerückt sei und daß.der' Fall von Guadalajara für DmnrrStag zu erwartest sei. ... Durch Dekret der Militärjunta für die Verteidigung von Madrid wunden sämtliche bisherigen, militärischen Auszeichnungen aufgehoben. Das Dekret bestimmt drei neue Orden: den Freiheits- Orden, den Orden des Opfer? für das Vaterland und den Orden der Stadt Madrid. Oer Luftkrieg Im Februar Valencia.(HavaS.) Der Minister für die Lustschiffahrt und für Marinewesen hat einen übersichtlichen Bericht über die Tätigkeit veröffentlicht, welche die beiddn spanischen Lager im Feber auf dem Gebiete des Luftkrieges entfalteten: Die Regierungstruppen belegt« den Feind fünfund- sechzigmül mit'Bomben, die Flieger der Aufständischen grisfenihrenÄegner auS' der Lust siebenundsechzigmal an. Maschinen? der Aufständischen schossen neun Maschinen der Regierung ab.wäh- rend die Flugzeuge der Regierung 8 2 F lu g- zeuge der Aufständischen vernich» ttLte'st.... bild der dümmsten Farce. Die bei dem ersten Schritt gestürzten Karikaturen der ungarischen Diktaturkandidaten entpuppten sich als talentlose, feige Korrupiionisten, deren Dummheit nur von ihrer Geschwätzigkeit überragt wird. Herr Graf Festetich, glücklicher Besitzer von 40.000 Joch, verband sich mit den Abgeordneten der Regierungspartei und Grafen Palfstz-Däu», Domakos Festetich, Viktor Kärolyi, Emmerich Kärolyi,' die alle natürlich bereit sind für das arme leidende Volk die Regierungsgewalt als Diktatoren anzunehmen. Sie sträuben sich aber dagegen,, ihren Grossgrundbesitz und das Vermögen dem Volk zu opfern, oder gar den armen Baue«, die bei ihnen schuften, höhere Löhne zu ^zahlen. Zu den gräflichen BollSrettern gesellten sich einige gestürzte Grössen der RegierungSpariei. Herr Bila Marion, Generalsekretär der Regierungspartei, politischer Berater deS geivesenen Ministerpräsidenten GömböS, gab seiner Em- pörung wegen der Absetzung vom Posten des Generalsekretärs mit der Geste Ausdruck, dass er sich den Hakenkreuzlern anschloss. Seine Empörung wurde noch genährt durch die antipatriotische Handlung der Gemeinde Budapest. Diese„volks- fremde" Gemeinschaft hat den Vertrag, laut welchem Herr Marion 200.000 Liter Milch und eistig« Waggon Käse zu liefern hat, wegen verschiedenen Schwindeleien des patriotischen VolkS- freundeS gekündigt. Der Verbindungsmann des Her« GömböS mit Deutschland, Herr Abg. Andrea? Mecs.ör, der die rollende Mark für die Hakenkreuzlerbewegung in der Form von geschäftlichen Transaktionen vermittelt hat, waren ebenfalls dft»em PUkschbrrsüch beteiligt. Die Ziele des Putsches entsprachen dem geistigen Niveau der»Führer". Man wollte die Regierung verhaften. Sämtliche Ministerien und öffentlichen Gebäude sollte die bewaffnete Macht besetzen, die Parteien aufgelöst werden. Die Verbindung mitdenö st erreich i s ch e st Nationalisten wird hergc- ftellt und alles aufgeboten, um den Anschluss Oesterreichs an Deutschland zu beschleunigen. Der Vertrag von Trianon wird als null und nichtig erllärt. Die GrenzenAlt» Ungarns werden hergestellt. Siebenbürgen, die allen südungarischen Komitate, die Slowakei fallen wieder an Ungarn. DaS Burgenland wird an Grohdeutschland angeschlossen. Ungarn wird die mitteleuropäischen Pläne Deutschlands unterstützen. Diese politische Idiotie, die Ahnungslosigkeit über die weltgeschichtlichen Kräfteverhältnisse, könnte man als Zeichen der Ungefährlichkeit deS PutscheS betrachten, wenn das brennende Nachbarhaus nicht gar so gefährlich Iväre. Die Helfershelfer des Putsches Man fragt sich, wie kam überhaupt diese, in den letzten Wochen zwar sehr bewegliche, lärmende aber dochnichtsehrbedeutendeGeselischast dazu, zur Verwirklichung ihrer phantastischen Pläne ernste Schritte zu unternehmen? Die Antwort liegt nahe. Festetich und alle seine Busenfreunde im Bunde mii den Grohpanamisten der Regierungspartei konnten nur mit Hilfe von einflussreichen Kräften das sonst Aussichtslose versuchen. An der Seite der Putschisten stand d i e deutscheGesandtschaft. Herr Gesandter Mackensen— Sohn des Feldmarschalls— und sein berüchtigter Presseattache Bärin Hahn, mussten schleunigst aus Budapest abdampfen. Dokumente sind in die Hände BechlenS und Eckhardts geraten, die eS beweisen, dass diese zwei Herren mit den Putschisten über den Putsch verhandelt haben und Geld spendeten. Die absolut verlässliche Armee— wie es in der Erklärung der Re- gierung heisst,.— ist in diesem Falle gar nicht so verlässlich gewesen. Herr General Scitovsky und zahllose jüngere Offizicrei.in den Provinzgarnisonen waren an dest Putschvorbcrei- tungen beteiligt. Die jüngeren Kräfte würden da- mit vertröstet, dass«in-Grossteil der Regierung mit dem Putsch sympathisier«'und ihn unterstütze. DaS ist vielleicht gar nicht so unrichtig, wie man glauben würde. Der Polizeiober st adthaupt- mann, Herr Tibor Ferenczy, war selt- samerweis« in den heissen Tagen gar nicht in Budapest. Lr hafte dringende Familienangelegenheiten in Debrecen zu erledigen. Der Chef der politischen Abteftung. der. Polizeii'der Stelwertreter Arbeiter-Konferenz in London An der Guadalajara-Front Regierungstruppen In vorbereitete Stellungen zurückgezogen Mad tib. Der Rationalverteidi- gungSauSschuß meldet: Dor der zahlen» mäßigen Ilebermacht der durch Ihre Seite 2 Donnerstag 11. Mürz 11)37 Nr. So deS Herrn Ferenezy, Herr He t e n y i, der seit 18 Jahren über jede kommunistische Verschwörung genau orientiert ist, der eS jedesmal früher erfährt, als die Beteiligten, wenn ein paar.jugendliche Kommunisten, oder Sozialisten unangemeldete Zusammenkünfte oder Besprechungen abhalten, dieser jetzt ahnungslose Herr Hetenyl, hat merkwürdigerweise nicht» davon erfahren, wa» in Budapest und in oen Provinzquartieren der Pfeil- krenzler vorging. Die Oppositionsführer, um deren Köpfe eS geht: Graf Stefan Bethlen und Herr Tibor Eckhardt, haben den merkwürdigerweise ganz nnorientierten Ministerpräsidenten und Innenminister darüber aufgeklärt, wa» in den nächsten Stunden geplant wird. So wurde der Putsch enthüllt. Di» finanziellen Quellen Seit Gümbü»' Regierungszeit hatte Herr Abg. Andreas M e e s e r das Monopol, den Export und Import nach und au» Deutschland zu organisieren. Unarns Außenhandel mit Deutschland beträgt 200 Millionen Pengö(eine Milliarde Kd). Ungarn führt nach Deutschland landwirtschaftliche Produkte, Zugtiere, Rohmaterialien, wirtschaftlich sehr hochwertige Handelsgegenstände aus. Dagegen werde» von Deutschland nach Ungarn, für die ungarische Wirtschaft ganz wertlose photographische Apparate, Erzeugnisse der optischen Industrie, für die deutsche Luftfahrt al- unbrauchbar bezeichnete» Flugzeugmaterial, Rü- stungSgegenstände und waggonweise national» sozialistische Bücher, Zeitungen und Flugschriften geliefert. Da» ganze Geschäft wird durch Herrn Meesör abgewik» kelt. Noch in den letzten Tagen hat Herr MeesSr mit der deutschen Pferdegesellschaft eine Pferdelieferung abgeschlossen. Diese» fette Geschäft bedeutet nicht mehr und nicht weniger, daß Herr MecsSr 8000 Pferde um 600 Pengö pro Stück einkauft und um den Preis von 2800 Pengö nach Deutschland liefert. Von dem fetten Profit fließt ein Teil in die Tasche des Herrn Mecsir, der andere Teil wird für die Hakenkreuzpropnganda In Ungarn verwendet. DI» Massenbasis Die Pseilkreuzlerbewegung in Ungarn ist eigentlich die Zusammenfassung der politisch ungeschulten Unzufriedenen. 18 Jahre Konterrevolution, unbeschreibliches Elend der Besitzlosen in der Landwirtschaft, Unterdrückung der Arbeiter und Bauern, Kartellwirtschaft, Großgrundbesitz und Korruption haben den Boden für die Demagogie der Pfeslkreuzler reif geniacht. Die Demagogie, nn Bunde mit dem deutschen Geld, glaubte die im Lande sich lausseuerartig verbreitende bürgerlich-oppositionelle antideutsche Stimmung einkämmen, daS werdende Gesetz über die geheime Abstimmung verhindern zu können. Sie wollten die Abkehr von der deutschen Orientierung rückgängig machen, und mit Demagogie und Verhetzung gegen den Marxismus ziehen. Die Ziele der Bauernmasse»: Aufteilung des Großgrundbesitzes, sollte durch die nationalistische und revisionistische Zielsetzung ersetzt werden. Mit Hilfe dieses Schwindels ist es gelungen, einige Zehntauseude von Bauern in die Bewegung der Hakenkreuz!« einzusangen. DI» Gegenbewegung Die Partei der kleinen Landwirte, Graf Bethlen, die Legitimisten, die Christlichsoziale Partei und ein Teil der Regierungspartei haben jetzt, nachdemPutsch, eine BersynunlungS- offensive gegen die Hakenkreuzlerlendenzen begonnen. Am Sonntag, den 7. März, sprachen die bedeutendsten Führet der bürgerlichen Opposition in allen Teilen'' des Lckstd-S. Das D r i t t e Reich de»M ationalsozialism u S und sogar die in Ungarn bisher unantastbare Person" Hitlers, wurde heftig angegriffen."„DaS Dritte Reich, der HitleriSmud, die deutsche Orientierung, bedeutet die Vernichtung des christlichen Ungarns und de» ganzen Ungariunw", erklärten wie auf Kommando fast alle Redner der bürgerlichen Opposition. Der Abgeordnete Georg Drozdy, Mitglied der R e g i e r u U g S p a r t e i, hat für Mittlvoch, den 10. März, eine Interpellation im Parlament angemeldet. Er will e» zahlenmäßig beweisen, daß Gelder aus D e u t f ch land die Pfeikkreuzlerbelvegnng und den Putsch unterstützt haben. Dabei will man einen Vorstoß gegen den marxistischen Sozialismus unternehmen. Drozdy behauptet nämlich, daß frühere bolschewistische Agitatoren heute führende Persönlichkeiten in der Pseilkreuzlerbewegung sind. An dieser tendenziösen Aufmachung ist nichts anderes wahr, al» daß einzelne kommunistische Elemente, die au» dersozialdemokrati« scheu Partei schonvorJahren entferntwurden, bei den Pfeillreuzlem Ihr Glück versucht haben. Dar Kaeripf der Regierung, gegen den Umstürzler läßt viel zu wünschen übrig. Ministerpräsident" Da r t n Y i verhandelt mit den Oberputschisten, Herrn Marton und Meestr. verhaften, läßt man nur die verführten AWÜ flihrer. Bon der Strenge der Polizei und-Gerichte werden die-Putschisten auch nicht sehr'behMW' Sallay und Fürst wurden vor Jahren wegen des Versuch», die kommunistische Partei illegal zu organisieren, gehängt. In den Butschtagen verhandelte da» Gericht in Debreezen den Prozeß gegen die Pfeilkreuzler Nagy, Sisko und Jabor- szky. Die Angeklagten geben zu, daß sie die öffentlichen Gebäude und Kasernen besetzen und den Umsturz der Verfass ungher beiführenwollten. SW wurden zu 1—8 und 6 Monaten Kerker verurteilt.„Tas Gericht mußte die geringste Strafe verhängen, weil die Angeklagten patriotische Ziele verfolgten." DI» Sozialdemokraten bilden wahrhaft die einzige Massenbewegung, welch« den ganzen Schwindel der Pfeilkreuzler in kurzer Zeit liquidieren könnt«. Im'Falle"die'Regierung die Sozialdemokraten in ihrer' Bewegungsfreiheit nicht hindern würde, so könnte man mit dem ganzen Spuk der Pfeilkreuzler in der kürzesten Zeit fertig werden. die Ausdehnung der Pasteurisierung■ auf andere große Städte., E» kommt dazu zu ziemlichen Aul- einandersetzungen mit M t k uck a i, in die der Bor» sitzende! beruhigeiid eingreifen muß. •'.' Lautman lisch. Soz.-Dem.): Die Redner der KoalitionSparteien haben eine starke,Demarkationslinie zwischen den Forderungen ihrer Klub» und der Politik, des. LandwirtschaftSministerium» gezogen. Die Agratvarwi bleibt im Landwirtschaft»« und im ErnährmmSauSschuß vereinsamt. Da» sei ein Memento, daß man In der jetzigen Politik nicht foet- iahren dürsel Redner verlangt, daß die Ausnahme« bestüninuiigen. hinsichtlich der Alter»- und Jnvalidi- tätSversicherung der landwirtschaftlichen Arbeiter nicht mehr verlängert werden; auch in der ltn> faklsversicherung müßten sie den übrigen Arbeitern gleichgestellt werden. Wenn für die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte Minimalpreise festgesetzt stich,.dann müssen auch Minimallöhne für"die landwirtschaftlichen Arbeitet" möglich sein. Dr. Klapka lisch. Nai.-Soz.): Die Art, wie die Regelung'der Landwirtschaft durchgtführt wird, bedeutet tatsächlich die Bedrohung, ja Vernichtung einer Reihe von Existenzen, nicht nur im Milchhandel, sondern auch Un Müllereiwesen. Gleiche Befürchtungen bestehen.. hinsichtlich der Regelung der ViehproduktioN. Man dürfe sich hinsichtlich- der Regelung der Landwirtschaft kein Beispiel an Deutsch» imld nehmen, da» dabei ja nur an den Kriegsfall denk«. In der Frage der Kunstfette sollte e» nur eine Einheit-fr o n t für die Erhöhung de» Einkommen» der gesamten Bevölkerung geben; dann würde automatisch der Margarinekonsum sinken. Jede Regulierung der Erzeugung wird diikre» diiiert werden, wenn sie weiterhin so durchgesührt werden sollte wie bisher und wenn man sie nicht auf einen gesamtstaatlichenWirt» schaftsplan aufbaut. Slanskh lKommunift) sagt binnen zwei Jahren ein.Ueberaiigebot an landwirtschaftlichen Produkten Uw> damit einen neuen Preissturz voraus. vle Verwaltungsgerlchts- vorlage in der Fassung des Subkomitees beschlossen Prag. Im Verfassungsrechtlichen Ausschuß referierte Dr. Meißner üt« da» Elaborat des SubkomitoeS, das die Regierungsvorlage über daS Oberste B e r w al t nn gSg eri ch t ein« gründlichen Nnearbeitmig unterzogen hat. In dieser Fafinng wurde die Vorlage vom Ausschuß ohne Debatte angenonfmen.. In einer Resoluiioir wird dieRegimung ausgefordert, unverzüglich di« Gesetzentwürfe Über die V e r w altungögerichts- barkeit, über die Haftung deS Staa- teSfürseineBea mtrn und über di« A b- grenz««» der Kompetenzen der zentralen Behörden vorzubereiten. .. Dr. Meißner machte darauf aufmerksam, daß daS Subkomitee große» Gewicht darauf gelegt habe, die Beschränkung der Zuständigkeit de» OVG nicht nur" mit Argumenten der Zweckmäßigkeit, sondern auch mit wichtigen j u r i st i s ch e n Argumenten zu begründe». Der Ausschuß hat beschloßen, im Moii- venbericht anzuführen, daß man seiner Ansicht nach den 8 88 der Verfassung utiier dem Besichirpunkt des Schutzes der Bevölkerung aurlegen miisie. Der AüSschußvorsihende" Dr. Patejdl dankte dem Referenten Dr. Meißner, dem. Ersten Präsidenten de» OVG Dr. H ä ch a, dem Dozenten Dr. Havelka und den Bertretern der zuständigen Ministerien sowie allen Mitgliedern de» Subkomitees für ihre gründliche und liufreibende Arbeit. Dr. Hächa dankte ebenfalls dem Subkomstee und namentlich dem Referenten Dr. Meißner und erklärte, daß die Wege, die der Ausschuß gegangen ist, zum großen Teil vollkommen mit den Weoen übereinstnnmen, die die Mehr sozialer Geist In die Agrarpolitik! Jaksch zum Expose des Landwirtschaftsministers Prag. Auch in der dritten Sitzung, dir der Anöfprachr über da» jüngste Expos» de» Landwirt- schaftSministerS im landwirtschaftlichen Ausschuß der Kammer gewidmet»ar, kamen die Gegensätze, die in vielen wichtigen Fragen zwischen den Agrariern und alle» übrigen Koalitionsparteien bestehen, ziemlich«nverhült zum Ausdruck. Bon mehreren Rednern wurden die Agrarier daran erinnert, daß sie da ganz isoliert sind, und ihnen Parteilichkeit in diesen Dingen zum Borwurf gemacht. Der Berlanf dieser Diskussion, die noch weitergebt, war am Donnerstag u. a. Gegenstand von Beratungen, der Parteiexekütive der tschechischen Sozialdemokraten. Auch die tschechische BolkS- partei faßte zu den von der Regierung vorbereiteten landwirtschaftlichen Vorlagen genaue Be- schlüffe. Dio Stellung unserer Fraktion vertrat in der Detate Genosse Jaksch, der«. a. ausführte: Die Gegensätze, welche die bisherige Debatte offenbarte, scheinen eine tiefere Ursache zu haben. E» fehlt»ns eine gesamtstaatliche, volkswirtschaftliche Konzeption, welche aus die Bedürfnisse aller wichtigen Gruppe» der Bevölkerung Rücksicht.nimmt. Die viel erörterten Verhandlungen zwischen Industrie und Landwirtschaft waren ein Fehlschlag, weil nur einzelne Repräsentanten der Agrarpartei mit Herrn Direktor Preist von der Zivnobank verhandelt haben. Biel, wichtiger loäre es, Wettn die Repräsentanten unserer Landwirtschaft mit den.großen Organisationen der Verbraucher und den Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellte« überein gemeinsames Wirtschaftsprogramm verhandeln würden. Die Herabsetzuim des Zuckerpreises ist eine unbedingte Notwendigkeit auch im Interesse der Mehrheit der landviirtschaftkichen Bevölkerung. Auch die Margarinefrage darf nicht ohne Rücksicht auf die Interessen der konsumierenden Bevölkerung gelöst werden.(Ueber die diesbezügliche Polemik de» Redner» mit dem SdP- Abgeordneten K l i e b e r werden wir noch ausführlicher berichten.) Redner verfangt, daß bei einzelnen Maßnahmen in der Agrarpolitik mehr sozialer Geist zum Ausdruck kommen wöge, und fordert eine Novellierung der Bestimmungen über die Pauschalierung" der Jleischsteuer" bei Hau»schlachtiingen in dem Sinn«, daß auch Häusler und landwirtschaftliche ArMker'o"h n" e Grundbesitz in die Begünsn- gungen>einbezogen-,werden. Bei-der definitiven Regelung der Verschuldung müssen die Interessen der sozial schwachen Schichten, der Landbebölkening^mehr berücksichtigt und Vertreter der verschiedenen land- wirtschäftlichen Organisationen hiebei herangezogen werden. Schließlich unterstützt Redner die Forderung de» Abg. Lautman nach Einreihung der Land- und gorstarbeiter in die Unfallversicherung. * Thmes ttsch. Soz.-Dem.) verweist darauf," daß die Unzufriedenheit mit der offiziellen Agrarpolitik a l l a e m e i n ist, vor allem hinsichtlich der sogenannten regulierten Wirtschaft. Soll da», ander» werden, dann muß man o b j e k t i v. vorgeben. Er erklärt e» auch für unrichtig, daß e» in Brünn, zu einer Vereinbarung Über die Pasteurisierung der Milch gekommen fei; die Konsumenten sind vielmehr dagegen. Der Minister sollte versuchen, in jenen Dingen Abhilfe zu schaffen, die p a r te,ijsch dürchgeführt werden. Die ärgsten Dmge kommen da .in Mähren vor.. Zaterkh ckAgräritr) tritt al» er-osso-Bertetdiger der von dem Nationalsozialisten, M i k u l a i seinerzeit angegriffenen Spiritus« und Zuckerfabriken sowie Molkereien auf. Er verteidigt namentlich, die Zivangspasteurisierung in Prag, die auch den Landwirten bessere. Preise, gebracht habe, und verlangt 17 Var freund ROMAN VOrFGREGoT JARCHO Schämte mich deshalb vor mir selbst, war auch aus diesem Grunde wütend, denn sich schämen zu müssen ist keineswegs angenehm, und war fast verzweifelt, unglücklich über meine»Feigheit", die mir verbot, eittsach den Mantel anzuziehen und ohne Erlaubnis— allen Gefahren zum Trotz, zu Nappaport zu gehen. Ich weiß nicht, tote die Sache geendet hätte — es stand auf einmal eine Prüfung vor mir, die noch nicht klar genug tvar, aber auf jeden Fall bestanden werden mußte.^und wer kann sagen, ob sie mir nicht eine Niederlage gebracht haben" Ivürde. Da aber klopft« e» an meiner Tür, und ehe ich noch»Herein" sagen konnte, erschien auf der Schwelle Mein Vater. Sein Mund war verzogen, seine Lippen zuckten, im Blick lag etwa», war sich nicht in Worte fassen läßt, etwa», was ich" nur bei sehr unglücklichen Menschen und— merkwürdig— bei geschlagenen Hunden gesehen habe. Ein Schmerz strahlte au» den Grauaugen unter den dunklen Wimpern herüber, ein Leid, da» mich mitriß, mitzog, mit, mit, mit, bis er zu einem Mitleid wurde— an dem Urquell aller Aufregung de» Tages rüttelte, die auch ein Mitleid tvar mit einem fremden Vater, und da— ein Herz ist nur ein Herz, und ich lieb« mich— zurückblickend— dafür, daß es mit mir so— alle Hemmungen über den Haufen werfend— durchgegangen war—. Mir schien, als ob mich diese unglücklichen Blicke gepackt hätten, an sich gerissen, umgedreht, wie man «in emd über den Kopf herauSstreift— al» ob sie mich erfüllt und aufgelöst hätten in sich— mein ganzer Leben war in meiner Kehle, würgte, brodelt«— ich brach in ein Schluchzen au» und warf mich meinem Vater mit einem Aufschrei an die Brust, daß meine Hände sich um seinen Hals schlangen, und jede meine Faser gleichsam flüchten wollte: in ihn hinein. Er legt« seine Rechte still um mich,— die Linke zog die Tür zu— die Hände zitterten ihm so start, daß es beinah den Eindruck eine» Klopsen» auf die Schulter machte—, und sagte leiser »Siehst du, siehst dul" Wenn von mir nicht alle» Angeschwemmte fortgefallen wäre, ich hätte ihn zurückgestoßen und mich gesammelt, denn ist dem»Siehst du" lag ja wieder ein gut Teil von jenem Besserwissen, von jener Ueberlegenheit, die mir immer nur peinlich war. Aber ich hörte diese Worte nicht als Mort« — nur der Laut einer Stimme klang zu mir, die ich im Grunde schmerzlich liebte. Schon viele Jahr« später sagt« mir im gleichen Tone eine geliebte Frau, die ich durch viel« Wochen mit gespieltem Nichtverftehemvollen ohne Sinn gequält hatte, als ich st« eine» Nachmittag» im Walde, mich schämend und von ihrem Leid bezwungen, umschlang, ein»Endlich, endlich!" Urld was Ich da empfand: ein Ausgelöstsein in einer sich nach.Kämpfen freigebenden Liebe und«in« Lust, die wie ein rasende» Gewitter kam und durch «in Wehtun glücklich machte— dasselbe, nur noch stärker, wunschlos, reiner, ergebener und unbeschränkter.. durchdrang,. erfüllt« mich in,.jenen Augenblicken an'der Brüst nitine»" Vater»/"und seine Wort«:»Siehst du, siehst du'! wirkten nicht ander» als daS:»Endlich, endlich" der geliebten Frag.— Dann saßen wir bi» Mitternacht zusammen, und ich erzäRte ihm alles, alles, so weit es ging. Er wollte keine Namen hören, machte mich selbst mit einem seinen Lächeln darauf aufmerksam. »Du weißt ja gar nicht, ob deine Freund« damit einverstanden sein würden." »Oh, sp viel Vertrauen haben wir schon zueinander", gab ich errötend zurück. E» ivar indes nur ein Ausweichen, und icht erzählte von da an vorsichtiger. Er wurde immer ernster..'Unter brach, fragte.nach tnanchnn, ivaS ihm nicht.klär war, wM« mehr wissen. Und e» war mir' eine Freude, eine aufrichtige" Freude,.ihn einzuweihen, zu sehen, daß er wirklich teilnahmsvoll zuhörte und nicht wie jemand, der an, einen Nutzen für, sich dachte, sostdern'als Freund, der eben'nur Als Freund möglichst viel erfahren wollte...w'r Einmal sagt« er:»Daß du dich mit Politik beschäftigst, ist nicht gerade erfreulich. Es ist aber immerhin" besser als ein Sprung in’ körperliche AuSschweiftntgen. Sei, bitte, sehr.vorsichtig.' ES kann dich deine ganze Zukunft kosten," „Aber ich habe doch ein Herz, Papa." »Und Politik wind nicht mit dem Herzen gemacht..Gerade darin liegt Löse» und Gutes für dich so dicht beieinander, daß ich in großer Sorge bin. ES ist schade, daß wir beide nie recht zuein- andergelangen konnten" Er machte mir an jenem Abend viele» klar," was in mir bis dahin teils nur als Ahnung, teils nur als Widerspruch gelebt hatte. Er wollte möglichst viel Wasser über die Glut in mir gießen.' Da», gab dann wieder eine kleine Gpannung. Mir tat sie weh. Ich lenkte ab und erzählte mm ohne Abweichungen die Geschichte Nikiforows und alle», wa»'darauf gefolgt war.' „Ueberschlafen wir die Sache", Meinte Baier am Schluß.„BSr dem-Direktor'Müßt ihr euch unbedingt in acht nehmen. Wir sind jetzt betd« zu aufgeregt, nm da» Richtige, zu treffen., Aber so viel steht fest: du wirst dich wohl für di«,.nächste Zeit— sobald diese SacheMt Nikiforow, erledigt ist—,nur noch as» Schüler. zu geben haben. Sfeh.r es ist. ftir deine,Zukunft wirklich.nöftg. Laß di« Literatstr und laß die Politik., Beides reimtstch ohnehin schlecht. Die rstsstschen Dichtes Msstchttn ja. oft auch politischen EinMss ästSchmver,. Mer vielleicht hahen hie meisten von ihn«st geiM^drS- halb auf keinem GevietMrgveS erreicht. Erinnerst dN dtöh nöch asi/dieSw^btstN^krstsowV „Kämpfe hinderten'mich, Dichter ganz gu Werden) Lieder? hinderten mich» Kämpfer ganz zu seisti" Er Ivar sehr unglücklich— der Nekrafow. Nimm dich, bitte, in acht——" Er sprach wie ein fürsorglicher Freund. Aber Ich hörte bereits den Baier. Und daS„Gute Nacht", das wir MW-zuhetzt sagten, klang bei mir ein wenig enttäuscht und kühl. Vater war zu besorgt, sogar niedergeschlagen und"hatte"es'wohl gar nicht gemerkt.. Dann lag ich wach bis zum Morgen und stellte immer eindeutiger fest, daß ich mich ersten» Wie ein dummer Junge benommen, und daß ich zweitens zu viel geplaudert hätte. Dritten» aber sagte ich mir, daß der Vater doch nicht ganz mein Freund sein könnte. »Er überlegt zu viel und ist zu ängstlich. Er ist zu. sehr, auf. Kompromisse bedacht. Er denkt zu engherzig unss ist außerstande, ein Opfer gelten! zu lassen. wenn eS voii Ihm oder den Seinen gebracht werden soll.". Wie war ich eingebildet! : 12. Aber di« AuSspimche hatte mir dennoch eine Erleichterung gebracht. Ich weiß noch g«io»r, wie ich am Nächsten Morgen auf dem Weg zur Schule zum erftenMal auch mit dem Herzen—7 ganz— begriff, wie groß die Wohltat ist," die Katholiken aus der Beichte zuftießt. Ich weiß, wie"ich erstaunt, Wer diese Entdeckung stehen blieb ustd" zum erstenmal seit, langem wieder Mit Achtung an die Kirch« dacht«..", „Sie nimmt ungeheuer Vies— aber sie. er- leichtert auch da» Leben ungemein", schoß es mir durch"d«N Kopf,.Dann blies mir der Oppositionsteufel in mir jenen Spruch in die Ohren, den ich am meisten haßte, well"er nach meiner Ansicht für ha» Vieh bestimmt war und auch dest Menschen'zum Vieh herabivürdigen wollte.»Lerne leidest, ohne zu klqaen" höhnte eh in mir, und ich errötete ivor-MlrffelbftltwllerMNwiMt kttnd weil W wieder am Rande der. Einsicht war.,.haß Ich mihi»"einsehen könftte. 4- eine Erkenntnis, di« Erwachsene gertt al» Schutzdach benutzen," die Jungen aber mit Entrüstung von sich weisen." Nr. S0 Donnerstag, 11. März 1887 Van Zeeland, belgischer Ministerpräsident— Gegenkandidat gegen Degrelle Regierungsvorlage auf feine Anregung hin als den rettenden Ausweg für das Oberste Verwaltung»- geeicht angesehen hat. Wenn in einigen Punkten die Ergebnisse allerdings abweichende sind, so find sicher auch sie ein Produkt der aufrichtigen Streben», dem OBG wirksame Lilie zu' bringen. Der aktivistische Kampf Segen die SdP Die„Lidovö Noviny" befassen sich in ihrer DienStaz-Ausgabe mit den erfolgreichen Versammlungen, welche die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei anläßlich des Abschlusses der deutsch-tschechischen Vereinbarungen veranstaltet hat. Dieses angesehene tschechische Blatt würdigt die Kundgebungen als einen großen Vorstoß ins Lager der Henleinbewegung und schreibt, daß die Argumente der Redner auch jene Zuhörer entwaffneten, welche der Sudetendeutschen Partei bis vor kurzem noch angehörten oder ihr noch angehören. Schließlich bemerken die„LN": „Nach dem Erfolg dieser Kundgebungen läßt sich sagen, daß die Bewegung unter den Su« detendeutschcn gegen die Henleinpolitik einen immer wachsenden Umfang annimmt. Und schließlich wie das Verhalten der Angehörigen der aktivistischen Parteien bei der Wahl der Gemeindevorsteher in verschiedene» Gemeinden des Grenzgebietes beweist, bleibt die Henleinpartei überall dort, wo sie nicht über eine überwiegende Mehrheit-verfügt,, valllommen.vereinsamt, mit geringen Aussichten auf praktische Erfolge". Justizminister Dr. Derer wies Mittwoch in einem Rundfunkvortrag gewiße Behauptungen, als ob die Art, in welcher nach den bisherigen Gesehen die Richter ernannt und besövdert werden, der Justizverwaltung die Möglichkeit einer Einflußnahme in politischem Sinne gebe, aus das entschiedenste zurück. Der Glaube an die Objektivität der Gerichte ist ein Teil unserer Rechtsordnung und unserer staatlichen Konsolidierung. Bon einer Politisierung unseres Gerichtswesens kann nicht die Rede sein. Unser Staat könnte da vielen älteren und größeren Staaten als Beispiel dienen. Der Justizminister ernennt nur die jüngsten, die sogenannten Sprengelrich- ter, von denen nur 188 systemsiert sind. Hinsichtlich aller übrigen steht ihm nur das Vorschlagsrecht an die Regierung, bzw. an den Präsidenten der Republik zu. Vorher nimmt er die Vorschläge der autonomen Personalsenate entgegen, in deren Verhandlungen das Justizministerium nicht eingreift. Bis auf eine verschwindende Zahl außerordentlicher Fälle— in den letzten zweieinhalb Jahren waren eS 22 von 384— erfolgten die Ernennungen durchwegs auf Grund der Vorschläge der Personalsenate. Auch diese wenigen Fälle hatten mit politischer Protektion nichts zu tun. Der Prästdent der Republik empfing am Mitt- Ipoch den Schriftsteller Dr. Max Brod. Deutscher Beamter ins MinisterratSpräsidlum. Ministerpräsident Dr. HodZa hat den Rat der LandeSbehüvde in Böhmen Dr. Rudolf Zei- p e l t, einen Deutschen, ins Ministerratspräsidium berufen. Dr. Zeipest soll das Referat über die Aufnahme von Deutschen in den Staatsdienst übernehmen. .. Erba-Buch wird etngezsgen. Sebas umstrittenes Buch'/.Rußland und die kÄeine Entente" wird vom Perlag/dihgezogen und nicht mehr ausgellesert. Das Btzch-erschien bisher in fünf Auflagen. In Kdriei? Pari». Der Streik de» SchMpersonal» in den Häfen Bordeaux und Le Havre wurde dank dem per- sönlichen' Eingreifen de»' Unterstaatssekretär». im HandelSmgrineministcrium Tah beigelegt. Die»Nor- mandie" wird Donnerstag mit einer Verspätung den 24 Stunden nach New gork au»laufen können.. Rem.(Stefani.) Zwischen Italien und Japan finden gegenwärtig Verhandlungen wegen der Zu« sammenarbeit in wirtschaftlichen Fragen auf dem italienischen Gebiete in Ostafrika statt. . Lenden.(Reuter.) Der Budgetposten für die Flügabspehr in Großbritannien beträgt 4,817.508 Pfund Sterling, da» ist um 8,258.258 Pfund Sterling mehr al» im Jahre 1888. Seite 3 fudetendcutsdicr Zeitspiele/ ' 7' »Tag der Freiheit* 1 1 Vom„Bund proletarischer Freidenker" wird uns geschrieben: In der am Sonntag, den 7. März, abgehaltenen Obmännertonserenz des Kreises Teplitz wurde der erste große Auftakt für den„Tag der Freiheit" am 10. Mai 1037 gegeben. Es wurde beschlossen, 58 Versammlungen im ganzen KreiS- gebiete äbzuhaltcn; 15 Versammlungen finden bereits im Monat März und Anfang April statt. Am 18. Mai(Pfingstsonntag) marschieren die Freidenker der Kreise Aussig-Teplitz-Komotau und Bodenbach durch Teplitz-Schönau, um für die Gleichberechtigung der Konfessionslosen zu demonstrieren. Auch unsere tschechischen Freunde aus der Umgebung werden an dieser Manifestation teilnehmen. Alle konfessionslosen Arbeiter und Arbeiterinnen für den„Tag der Freiheit" zu ge- ioinncn, ist Aufgabe unserer Organisationen. Es gibt so. viel Gelegenheiten,, auf der Straße, in der Fabrik, im Büro, in Versammlungen I Ueberall, wo Gleichgesinnte anzutreffen sind, dort müssen wir werben. Stadt und Land müssen wir mobilisieren l Daß die Möglichkeit vorhanden ist, zeigen uns die Statistiken aus der Volkszählung vom Jahre 1888. In folgenden Städten wurden die Konfessionslosen fast durchweg? als die zweit» stärkste Gruppe gezählt: Stadt: Teplitz-Turn Dux.., Brüx.. Komotau. Bilin.. Ossegg.. Aussig.. Bodenbach. Tetschen, Leitmeritz. Böhm.-Leipa Reichenberg Gablonz Konfessionslose im Jahre 1888 . 4488 . 4448 . 4264 . 2334 . 1828 . 2288 . 4848 . 3883 . 1825 . 1128 . 1266 . 2888 . 2828 Allein in den wenigen Städten zählen die Konfessioitslosen bereits 85.088. Die politischen Bezirke im umliegenden Gebiet von Teplitz zählen ebenso eine ganz bedeutende Anzahl von Konfessionslosen. Die Aufgaben der sudi werden auf der 6. P ä d ag o g i s ch e n Woche der Reichsvereinigung deutscher sozialdemokratischer Lehrer behandelt. Die Tagung findet in Reichenberg in der Zeit vom 23. bi» 27. März statt und hat zum Ziele, der deutschen Lehrerschaft in der Bestimmung auf den wichtigsten Teil ihres Berufes, auf die Haltung als Erzieher behilflich zu sein. Die Vortragenden entstammen den verschiedensten Lagern, sind jedoch einig in dem Bekenntnis zum Fortschritt, das ist zur Demokratie. Die Pädagogische Woche ist für alle Lehrer zugänglich und wird eine der bedeutungrvollen Veranstaltungen der sudetendeutschen Lehrerschaft werden. Die Teilnehmergebühr beträgt 88 KL, für den Einzelvortrag 5 KL, Junglehrer bis zu 10 Dienstjahren zahlen 20 KL Teilnehmergebühr, für den Einzewortrag 8 KL. Bei rechtzeitiger Anmeldung wird 50prozentige Fahrpreisermäßigung beschafft. Unterkunft und Verpflegung im Hotel für die ganze Dauer der Veranstaltung 140 KL. Für Unterkunst in der Jugendherberge und Verpflegung 100 KL, Junglehrer zahlen 80 KL. Vorkragsfolge: DienStag, den 23. März, 17 Uhr(Nordböhmisches Gewerbemuseuni) r Eröffnung der pädagogischen Ausstellung. Mittwoch, den 24. März,(Bolksgarteufaal) r 0 Uhr: 1. Begrüßung. 2. Schulminister Doktor Emil Franke: Welchen Ideen muß die deutsche Schule in der Tschechoslowakei erge» itendeutschen Schule ben sein? 3. Prof. Dr. Alfred Klein- berg: Die Schule als Stätte politischer Propädeutik. 15 Uhr: Besuch der Versuchsklasse de»,Prof. Alfred Heiß. DouuerStag, den 25. März,(Nordböhniifcheö Gc- wcrbemufeum): 9 Uhr: Dr. Emil Franzel: Der Geographieunterricht als völkerverbindende Kraft. 11 Uhr:.Doz. Dr. Pkthoba: Schulbuch und Freiheit. 15 Uhr: Dr. Artur Werner: Die Aufgaben des Geschichtsunter, richtes. Freitag, den 28. März,(Nordböhmisches Gewerbemuseum): 9 Uhr: Bezirksschulinspektor Franz Knausch- ner: Die Bürger künde als Grundlage demokratischer Erziehung. 11 Uhr: Prof. Gustav Lasstka: Die G e- sinnungsbildung im Deutschunterricht. 15 Uhr: Vorführungen der G n in n ast i k- schule Dide Kostka. Samstag, den 27. März,(Nordböhmisches Gewerbemuseum): 9 Uhr: Abg. Wenzel Jaksch: Die nationale Sendung der sudetendeutschen Schule. Aniueldungen und Auskünfte bei Prof. Gustav L a s s i k a, Aussig, Ressel-Straße 12. Die Freidenker wollen nicht mehr als das, IvaS die anderen Weltanschauungen bereits besitzen, nämlich den Unterricht für unsere Kinder in unserer Weltanschauung. Wir sind Kämpfer für die Wissenschaft und unsere Kinder sollen und dürfen nicht gegen die Wissenschaft erzogen werden. WaS sagt der Wissenschaftler T. G. Masaruk in seinem Werke„Im Kampf um die Religion": „Die Kirchen genügen uns nicht mit ihrer Lehre, genügen unS nicht mit ibcer Führung, ge- nügcn uns nicht mit ihrer Sittlichkeit. Die Kirchen dienen der alten absolutistischen(Alleinherrschaft) Gesellschaftsordnung. Die Kirchen sind nicht nur absolut monarchistisch, sie sind aristokratisch(bevorzugte Klasse) und plutokratisch(Geldherrschaft). Dem Armen, Schwachen werfen sie einen philanthropischen(menschenfreundlichen) Knochen hin, aber nur um den Mächtigen und Reichen zu dienen. Die Kirchen fürchten diese Mächügen und Reichen, die Kirche» wagen kein freies Wort, nicht einmal in solchen Zelten, da öS höchst notwendig wäre. Oder habt ihr sie schon einmal siir Arbeiter, mögen ste sich in einem noch so gerechten Streit befinden, predige» gehört?" Die aufrichtigen und klaren Worte eines der größten Wissenschaftler und Philosophen, unseres Staatspräsidenten, müßten jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin zu denken gebe». Die Kirche hätte in vielen Ländern die Macht, das Los der Arbeiter zu verbessern. Das Gegenteil geschieht. In Oesterreich sind viele soziale Leistungen, die von den Sozialdemolraten geschaffen wnrden, aufgelassen oder abgckbaut worden. Geschieht dies im Namen der Religion oder im Namen de» hl. Vaters? Nein! ES geschieht im Namen des Kapitals! Die wenigen Wochen, die uns noch vor dem Bundestag und der Manifestation trennen, müs sen wir alle ausnützen. um für unsere Idee und siir unsere Kundgebung zu werben. Die Parow siir alle Konfessionslosen, alle fortschrittlichen Arbeiter»nd Arbeiterinnen muß lauten: „Für die Gleichberechtigung!" „Für die wissenschaftliche Erziehung unserer Kinder!" „A l l e s a m 1 6. M n i nach Teplitz!" ft. i. Westböhmische Parteikonferenzen Am Sonntag tagte in Königsberg a. d. Eger die JahrcSlonferenz der Bezirksorganisation Falkenau der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Der Bericht des Sckrc- ! tärs Abg. Katz zeigt ein ständiges Wachstum der Bezirksorganisation, das um so höher zu werten ist, als die Arbeitslosigkeit im Bczirlsgebiet im Jahre 1936 kaum abgenonnne» hat. Auch den politischen Bericht erstattete Abg. Katz: seine ! Ausführungen wurden mit großer Begeisterung ! zur Kenntnis genommen.— An der'Aussprache beteiligten sich 19 Delegierte. Eine Entschließung, in der die Grundgedanken des politischen Berichtes zusammengefaßt sind, tvurde einstimmig angenommen. Der Konserenzvorsitzende G ö r l erstattete den Bericht über die Gewerkschaftsbewegung; die Union der Bergarbeiter hat sich bei den BetriebsauSschustzvablen glänzend geschlagen. Ucber den Stand der Genossenschaften berichtete Dr. Fischer; die Umsätze in den Filialen des Falkenauer Bezirkes sind gestiegen. Ucber die Arbeit der Sozialdemokraien in der Bezirksvertretung berichtete Schreyer, über die Arbeiterfürsorge P a i n z. Ucber den Atuö sprach S m o l L i L jun., über die SJ F l a u g e r, der berichten konnte, daß nach der Liquidierung der politischen Schivierigiciten im vergangenen Jahr ein neuer Aufschwung der Jugendbewegung eingesetzt hat. Für die Kinderfreundc berichtete Hohe r, für die Sänger Schmidt. Die Vorsitzende des Frauenbczirkskomitccs Genossin M U- k u r a teilte mit, daß im Berichtsjahr 200 Frauen geworben wurden. Die alte Bezirksleitung tvurde wiedergewählt. Die Konferenz der Bezirksorganisation A s ch tagte ebenfalls am Sonntag. Ihr Vorsitzender war S ch m i dt. Der Bericht des Sekretärs A m st ä t t c r erstreckte sich anf alle Zweige der Bewegung und bewies, daß sich die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Hochburg HcnleinS im Berichtsjahr konsolidiert hat. Besonders die Frauen haben gute organisatorische Fortschritte erzielt. Die Arbeit für die Presse wär erfolgreich. Den politischen Bericht erstattete Karl Ker n, Prag. Seine Ausführungen wurden mit ^Beifall ausgenommen; eine Entschließung wurde ! einstimmig gefaßt. Die Konferenz beschloß, am 24. und 25. Juli in Asch einen„Tag des ^arbeitenden Grenzvolks" abzuftalten. der eine der wuchtigsten politischen Kimdgcbungcn werden wird, die Asch je gesehen hat. Nach kurzer, sachlicher Aussprache wurde einstimmig beschlossen, das Angebot der Komnmnisten anf Vcranstaltnng einer gemeinsamen Maifeier a b z n l c h n e». Krise und Alkohol-Konsum. Für die Notlage, welche durch die Betriebsstillegung in Hole i s ch e n über diesen Glasarbeiterort gebracht wurde, ist auch die Entwicklung des Bierlonsnms ein interessanter Beleg, Während in de» guten Zeiten jährlich 5580 bis 6000 Hektoliicr zum Ausschank gelangten, konnten die Holeischencr Wirte im Jahre 1935 nur 1460 Hektoliter und im Jahre 1936 nur mehr 1878 Hektoliter Bier umsehen. Dadurch verringerten sich die Abgabeeinnahmen der Gemeinde um 4000 KL. Edu: Rückstellung von Kolonien ausgeschlossen London.(Reuter.) In Beantwortung einiger sich auf die Arbeiten des soeben in Genf tagenden BölkerbnndsauSschnsscs über Rohstoffe beziehenden Fragen erklärte Minister Eden, daß die Rückstellung von Mandaten oder Kolonien aus jedweder Diskussion v o l l st ä n- dig ausgeschlossen ist, desgleichen jedwede Aenderung in der Verwaltung dieser Gebiete "oder Kolonien. ES wurde mir niemals vorgcschlagrn, sagte Eden, derartige Angelegenheiten in Erörterung-«.ziehen, und es befindet sich keine dieser Fragen auf der Tagesordnung des gegenwärtig in Genf tagende« Ausschusses. Das, waS daS Sekretariat des Völkerbundes veröffentlicht hat, sei der Komplex mehrerer Anschauungen von Persönlichkeiten verschiedener Staaten, welche nicht für Großbritannien sprechen und von ihm auch nicht in ihren Anschauungen unterstützt werden. Politischer Bezirk: Konfessionslose:. - Teplitz-Dux-Brüx-Komotau ca.. 75.800 Ausstg-Lcitmecitz..... 22.088 Gablonz-Reichenberg.... 27.000 Tetsche»-Böhm.-Leipa.... 20.080 Unsere Arbeit kann und muß von großem Erfolg sein, wenn alle Funktionäre, alle Mitglieder ihrs ganze Kraft dieser Werbung zur Verfügung' stellen. Wenn eS uns gelingt, nur einen Teil dieser Konfessionslosen für Teplitz zu gewinnen, dann wird eS auch möglich sein, sie für unsere Organisation zu werben. Dievon gewisser Seite betriebene Hetze, die Freidenker bereiten den Bolschewismus vor, rau-' ben den Kindern den Glauben, verletzen alles Gute und Schöne, ist' gerade in letzter Zeit um! vieles stärker geworden.. Der langsame, aber doch sichere Vormarsch der Freidenker-läßt die röm.- käth. Kitche nicht ruhig-schlafen,.Kardinal Kaspar hat berest» seine Sorgen um.die Erziehung- der 108,000 konfessionslosen Kinder.'wir hoffen, daß' er die baldige Einführung-des Lebenslupde- UnterrichteS meint. In seinem Hirtenbrief kommen all diese Sorgen an» Tageslicht. Paris. Die französische Presse beschäftigt sich ausführlich mit der Genfer Rohstoffkonferenz. P e r t i n a x sagt im„Echo de Paris", daß nach einigem Zaudern die englische Regierung einen sehr energischen Standpunkt g e g e n die deutschen Kolonialforderungen eingenommen habe. England zeigt, daß Deutschland in Wirklichkeit die Rückgabe seiner Kolonien nicht deshalb wolle, um seine wirtschaftlichen Bedürfnisse zu befriedigen,, sondern deshalb, um die Grundlagen zu einem Imperium zu legen, das sich nur dann ausvreiten könnte, wenn Deutschland durch die Waffen in Europa die Hegemonie erlangt hätte. Es scheint, schließt Pertinax, daß die Engländer die wahre Tragweite der Angelegenheit verstanden haben. »Petit Journal" schreibt: ES ist allgemein klar, daß die Genfer Debatte zur Roh- stoffrage der deutschen Kolonialsorderung a b so- lut ungünstig sei. Bloß Maßnahmen, die den bisherigen Kolonialstatns wahren, könnet: ernstlich und erfolgreich von den beteiligten Staaten geprüft werden. ES ist. also begreiflich, daß die deutschen amtlichen Beobachter in den EouloirS des Bölkerbundpalastes mit der Entwicklung der Arbeiten des Internationalen Rohstoffkomitees nicht zufrieden sind. Sette 4 Donnerstag, 11. März 1037 Nr. 80 Das„geheimnisvolle Schiff“ Das Rätsel um das britische Schiff, das die französischen Küstenstationen an der Gironde» Mündung, ohne seinen Namen zu nennen, um Hilfe bat, ist gelöst worden. ES handelte sich um den spanischen Munitivnsdampfcr„Mar Cantabrico", der von dem faschistischen Kreuzer „Canarias" SO Meilen von der französischen Küste entfernt gesichtet und versenkt tvorden ist. Nur 45 Deutsche... Der agrarische„Beeer" berichtet über eine Rede, die der agrarische Abg. Dr. B r d l i k in der Organisation Groß-Prag der Republikani- schen Partei gehalten hat. In dieser Rede sagte Dr. Brdlik u. a., daß die Beschwerden der Deutschen über eine zu geringe Berücksichtigung bei den Ausnahmen in den Polizei- und Gendarmeriedienst unberechtigt seien. Während sich bei den Ausschreibungen stir die Ausfüllung des Gendarmcric-KorpS über 8000 Bewerber tschechoslowakischer Nationalität gemeldet hätten, feien nur 45 deutsche Bewerbungen abgegeben worden. Bon diesen seien 15 angenommen war- den, die anderen hätten müssen abgewiesen werden, da die Bewerber die für die Aufnahme gestellten Bedingungen nicht erfüllten. Dem„Becer", der an diese Feststellungen des Abg. Dr. Brdlik einige häßliche, unsachliche Bemerkungen über das angebliche„Lizitiercn" im deutschen Lager knüpft, sei gesagt, daß wir das Lizitteren überhaupt nicht für Politik halten. Das kann uns aber nicht hindern, die Wahrheit zu sagen und jene Forderungen zu erheben, die wir für gerecht und erfüllbar halten. Gesetzt den Fall, die Feststellungen Dr. Brdliks entsprechen der Wahrheit, so ist ihnen zweierlei zu entnehmen. Zunächst wohl der Umstand, daß viele Deutsche, die sich»m eine Stellung bei den Sicherheitskorps bewerben, die Staatssprache nicht in genügendem Maße beherrschen. Daraus ergibt sich ins- besondere für die junge deutsche Generation die Verpflichtung, die Staatssprache zu erlernen. Sprachliche Qualifikation sollte in jedem Falle gegeben sein, ob eS sich um deutsche Mitglieder des Sicherheitskorps handelt oder um tschechoslowakische, die im deutschen Gebiet Dienst tun.— Aber es ist nicht zu übersehen, daß es viele hunderte junger Deutscher gibt, bei wek- chen wohl für die Aufnahme in die SicherheitS- korps alle Voraussetzungen gegeben wären: sie erfahren aber von den Ausschreibungen nichts, weil diese nur tschechisch erfolgen. Wie kann man von einem Arbeitslosen verlangen, daß er die tschechisch geschriebenen Amtsblätter genau verfolge?- Warum-werden den Deutschen-die Ausschreibungen nicht zugänglich gemacht? Daß dies geschehe, würde sehr zur Verlebendigung der deutsch-tschechischcn Vereinbarungen beitragen! Selbswerständlich sind wir der Meinung, daß nur D e m o k r a t e n im Sicherhcitswesen der Republik Dienst tun können. Das ist eine Erkenntnis, mit der sich jene jungen Henlein- deutschen befassen mögen, die von den Henkeln- Lizitanten gegen die Republik aufgehctzt werden. Der Präsident als Gast der PMM. Der Präsident der Republik Dr. Eduard Benes besuchte Mittwoch in Begleitung seiner. Gemahlin s und des Ministerialrates Jng. Clupek die Prager FrUhjahrsmustcrmcsse und besichtigte die Samm- lungen durch zwei Stunden. Zu dem Absturz des Flugzeuges„Praga L 14" bei Palermo wird gemeldet: Die Besserung im Befinden des Piloten Mares schreitet all- niählich fort.— Chefpilot Karl Kutloch ist gegen 22 Uhr gestorben. Die Ursache des Todes ist wahrscheinlich ein Bruch der Schädelbasis.— lieber die Ursachen der Havarie hat das italienische Luftfahrtmini- fterinm der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Rom mitgetctlt, daß der Leiter des Flugplatzes in Palermo wegen Gegenwindes dem Flugzeug die Bewilligung zum Start nicht erteilte.' Das Flugzeug des Piloten Kutloch startete aber doch auf eigene Verantwortung. Das italienische Luft- sahrtmtnisterium hat in Palermo festgestellt, daß die Ursache des Unglücks das außerordentlich schlechteWetter gewesen sei. Das italienische Lustfährtmiiiisterium wird noch weitere Untersuchungen durchführen. Hasenkrankheit und Wildbrethandel. Die vielfach übertriebenen Berichte über das Vorkommen der Tularaemie auch in der Tschechoslowakei bleiben nicht ohne Wirkung auf den Wildbrethandel. Sofern der Handel noch über«iSzelagerte Vorräte an Hasen verfügt, sind diese unverkäuflich geworden. Bon den Speisekarten nahezu aller Gaststätten ist. überdies der Hasenbraten ver» schwunden. Bezüglich des Hasenabschusses in Südmähren und in der Südslowakei werden heuer voraussichtlich besondere Maßnahmen getroffen werden, Der Wafferstand der Dana« und der Save bei Belgrad ist unerwartet weiter gestiegen. Einige weitere Straßen an der Peripherie der Stadt stehen unter Wasser. Die delogierten Familien sind in den Hafenanlagen untergebracht. Auch die Dona» ist aus den Ufern getreten und-hat eine Reihe von Gemeinden unter Wasser gesetzt. Im Bezirk PoZarevac hat die angeschwollene Morava über 600 Häuser unter Wasser gesetzt. Bei PoZarcvae ist ein See von 50 Quadratkilometern entstanden. Lehrlinge fordern ihr Menschenrecht. In Pankevo(Jugoslawien) hat sich wegen schlechter Behandlung durch seinen Meister dec Lehrling Dragomir Radanov erhängt. Dienstag veranstalteten hierauf 200 Lehrlinge gegen den Meister stürmische Demonstrationen, gegen welche die Polizei einschritt. Ungarisches Militärauto verunglückt. Auf der durch die Regengüsse der letzten Tage aufgeweichten Landstraße in der Nähe von Stuhlweißcn- burg geriet ein Militärlastauto, das einem Pferdefuhrwerk vorfahren wollte, ins Schleudern und stürzte in den Straßengraben. Ein Feldwebel und drei Soldaten fanden den Tod. Drei Schwerverlebte muhten ins Krankenhaus übergeführt werden. Neun Skelette unter dem Fussboden. Beim Abbruch eines siber 100 Jahre alten Gebäude- komplexes am Karlsring in Budapest wurden in einer Wohnung unter dem Badezimmer die Ske lett« von neun Personen gesunden. Die Sie« kette, die etwa 50 bis 00 Jahre dort gelegen sein dürften, scheinen von. einem noch ungeklärten Verbrechen zu stammen. Modern« KriegSgefangenenfürsorge. Der deutsche Geheimsender, der jeden Abend auf Welle 20.8 in Deutschland antifaschistische Nachrichten verbreitet, hat in diesen Tagen eiitd genaue Namensliste der in Spanien gefangenen deutschen Offiziere veröffentlicht mit der Mitteilung, daß die Offiziere gesund.sind und ihre Angehörigen grüßen lassen, mtt der Aufforderung, den Angehörigen davon Mitteilung, zu machen. Fast 30 Prozent Frauen in der Großindustrie der SU.(Taß.) Nach einem statistischen Sammelwerk„Die Frau in der Sowjetunion", das von der Zentralverwaltung. für volkswirtschaftliche Statistik der staatlichen Plankommission herausgegeben wurde, hat in der Sowjetunion die Zahl der Arbeiterinnen und weiblichen Angestellten in der Zeit von 1920 bis einschließlich 1086 umWzfi Millionen zugenommen. 2m Jahre 1030 waren in den Betrieben und Institutionen 8,492.000 Frauen beschäftigt, das heißt 84 Prozent der gesamten Arbeiter- und Angestelltenzahl. Jin Jahre 1929 arbeiteten in der Großindustrie 989.000 und im Jahre 1926 2,908.000 Frauen, d. h. 88.8 Prozent aller in der Großindustrie Beschäftigte». Es ist Verbote»... In Sremski Karlovci, einer Stadt im Norden Jugoslawiens, steht in der Hauptstraße eine Verbotstafel, deren Text in deutscher Uebersetzung lautet: „Es^ft verboten, mit Steinen nach Wagen, Automobilen und Flugzeugen zu werfen. Die Stadwerwaltung",• Die Stadtverwaltung beabsichtigt auch nicht, die Tafel zu beseitigen, da sie der Ansicht ist,, daß zwischen Werfen, und Treffen ein Unterschied bestehe, Angeblich hat die Straßenjugend schon oft Flugzeuge als Zielscheibe benutzt und mit den Steinen dann die Schaufensterscheiben der Läden zertrümmert. Sozialpolitik in der Türkei. Durch eine Sonderverordnung.der türkischen Regierung wurde den Lastträgern, verboten, weiterhin Lasten auf dem Rücken zu.befördern. Hiedurch sind etwa 70.000 türkische Lastträger,.die ihren Beruf in den Häfen und auf.den Bahnhöfen auSübten und von den Fremden wegen, ihrer Körperlräfte bewundert wurden, ernstlich in- ihrer Existenz bedroht. Etwa 5000 Träger, in Istanbul haben daraufhin- ein« Gesellschaft- für den Transport von Lasten auf Motorböpten oder Fahrzeugen gegründet. Weniger vermögende. Träger werden di« Lasten auf Schubkarren befördern. Eine große Zahl von ihnen besitzt jedoch nicht einmal die Mittel, sich dieses primitive Hilfsmittel anzuschaffen. Greta Garbo für einen Fisch. Beth« lin Alaska ist keineswegs,' ein besonders moderner Platz, aber in Bethel.gibt eS ein Kino. Dieses Kino hat wohl die merkwürdigste Kasse der Welt. Die Besucher sind in der Hauptsache-ESkimoS. Wenn sie kommen,, dann, bringen sie nicht etwa Geld mit,'denn Geld haben sie ketnS. Aber sie schleppen einen schön ger."'icherten Salm herbei oder einen geräucherten Weißfisch. Hinter der Kaffe befindet-sich ein Schuppen, wo-die Fische ausgestapelt werden. In dieser». Schuppen, werden-die Fischvorräte-dann esn p., Tage.später an-Züchter von Schlittenhunden- und einsame Prospektoren verkauft. Für-' einen-anständigen -Salm bekommt man in Bethel- jedenfalls einen recht schönen Kinoplah. Greta Garbo zu sehen, kostef also dort nur einen Fisch. Pässe für da» Paradies. Die-Polizei-Von Südafrika.-hat nach langen Fahndungen endlich ein« Ber« brecherbande dingfest gemacht, die zwar gemeingefährlich war,,deren Methode jedoch- einer gewissen Originalität nicht entbehrt. DI« Verbrecher hatten «in« außerordentlich genial« Idee, nämlich di«, daß die Menschen, gerne groß« Gelder dafür hergeben würde»,., wgnn st« die Sicherheit hätten, einmal ins Paradies zu kommen- Die Band« etablierte sich also als Paßfälscher. Aber sie fälschte nicht Dokument«-irdischer Staaten, sondern gab garantiert echte Pässe für den Himmel aus. Die Verbrecher fuhren, in-einem Luxuswagen durch die Dörfer und Ansiedlungen, gaben sich als Ausländer aus, die von einer internattonalen Kommission beauftragt feien, wenn auch nicht für dar irdische Glück, so doch für daS himmlische zu sorgen. Feder Fall wurde individuell behandelt. Die Interessenten für den. Paß mußten zunächst ihre Sünden beichten und je nach Ihrer Schwere und. den VermögenSverhältntssen des Betreffenden wurde de» Preis für den Paß festgesetzt. DaS Minimum war ein Pfund. Diese segensreiche Tätigkeit, die man ja gar nicht ander» bezeichnen kann, weil sie tatsächlich dem Käufer daglückliche Bewußtsein bot, für alle Zukunft vorgesorgt zu-haben, brachte den Leuten sehr hohe Einnahmen. Die Polizei hat festgestcllt, daß mehr al» 18.000 solcher Pässe auSgcgeben worden sind. Uebri- genS waren die Paßbücher sehr sorgfältig borgedruckt, mit allen Stempeln versehen und die Plätze Im Paradies waren nnmeriert. * Foch neben Napoleon. Am 20. März werden die sterblichen Neste von Marschall Foch aus der bisherigen Grabstätte in den Pariser Jnvaliden-Dom überführt lverden, wo der Marschall neben dem Grabmal Napoleons bcigesetzt werden wird. Drei bulgarische Verbrecher, die von Gendarmen in die Gegend gebracht werden sollten, wo sie insgesamt 17 Verbrechen begangen haben, versuchten zu fliehen- Die Gendarmen sandten ihnen einige Gewehrschüsse nach, wodurch all« drei getroffen und getötet wiirden. Der tschechoslowakische Gesandt« im Haag, Doktor Krno, erlitt Dienstag nachts, als er aus Haarlem zurückkehrte, wo er an einem offiziellen Souper teilgenommen hatte, einen Automobilunfall. Knopp vor dem Haag kam dar Auto auf der vereisten Straße ins Schleudern und stürzte in den Straßengraben. Der Gesandte kam glücklicherweise mit oberflächlichen Abschürfungen davon, während sein« Gemahlin Verletzungen leichteren Grades erlitt. Ziehung der Prager Messclotterie am 17,April. Di« Ziehung der zehnten Prager Messelotterie, die diesmal 8648 Gewinne gegen 2641 früher umfaßt, findet bereits am 17. April statt. Bei der letzten Lotterie wurde der erste Treffer von 109.000 AL von einem Landwirte im Schlaner Bezirke, der zweite von 80.000 Ai von einem Losbesitzer in Döhmisch- Kamnitz gewonnen. Der Preis eines Messeloses beträgt 8 Ai. Losbestellungen erledigt die Lotterieabteilung der Prager Messe, Prag VII-, Reffepalast, oder die Verkaufsstellen in den meisten größer«! Orten. Wahrscheinliche» Wetter DonnerStög: Unbeständig und vorübergehend bewölkt, vom Westen her jedoch vorübergehend verringert« NiederschlagSnei- gung. Im Karpathengebiele noch immer wärmer al» 'im übrigen Teil der Republik.— Wetteraussichten für Freitag: Veränderlich, Schauer, auch im Osten de» Staate» Abkühlung. Vom Rundfunk Empfehlencwerte» au««len Programmen Freitag: Prag, Sender lr 10.08: Deutsche Presse. 11,88: Schallplatten, 18: Klassische Musik, 17.10: Sük: Geigenguartttt, 18.10: Deutsche Sendung: Funkhörkasten, 18.18: Dr. Uhlig: Tjchechossowakische Wirtschaftslage, 18.88 Arbeitersendung! Aktuell» zehn Minuten, 18-48: Deutsche Presse, 18.68. Deutscher Kulturbericht, 20.48: Symphonielonzrrt des Prager Rnndsunlorchesters, 22.28: Tanzmusik.— Prag II: 14.18: Deutsche Sendung: Demi: Georg Büchner, zum lOO.TodeStag, 14.60': Deutsche Presse, 18,20: Klavierkonzert,.18.40:Fnstrumentalsolo».— Brünnr 16.10: Salonorchester. 19.10: Rundfunkorchesterkön- zert.— Brest bürg: 19.80: Liederkonzert.— Kaschanr 12 88: Mundsunkorchesterkonzert.'— Mähr.-Osträirr 18.10: Deutsche Sendung: Sprrlik: Zeitgemäße Aufgaben der Wohltätigkeit, Klavierkomposittonen. G. K. Grigorjeva und Bori« Livan,» in dem-Ruffenfilm„Dubrowskh" Die Tularämie In der Tschechoslowakei In Nieder-Oesterroich wurden schon im Herbste des Jahres 1985— zum ersten Male dl Mitteleuropa— Fälle von sogenannter Tularä- inie beobachtet. Diese Krankheit befällt sotvohl Tiere(speziell Nagetiere) als auch Menschen, auf tvelche sich die Erkranlung durch Tiere überträgt. Ans Oesterreich wurde die Krankheit auch in die angrenzenden Gebiete der Tschechoslotvalische» Republik eingeschleppt, in denen sich eine beträchtliche Zahl Menschen von erkranlte» Hasen injizierte. Vorher trat die Tularämie nur außerhalb des Gebietes unserer Republik auf; sie tvnrde im Jahre 1911 in den Bereinigten Staaten von Nordamerika in der Umgebung der Stadt Tulare — daher stammt auch ihr Name— entdeckt und von der Beulenpest dijferenziert. Im Lahre 1925 trat sie in Japan auf, im Jahre 1928 tvnrde sie in Rußland sestgestellt, zunächst Sibirien, später auch im europäischen Rußland, von Ivo sie in den Jahren 1929 und 1980 nach Norwegen und Schweden eingeschleppt wurde. Ein Jahr später trat sie in Italien auf. Beim Menschen verläuft die Erkrankung In der Regel schleppend,, so daß die von ihr befallenen Kranken ihr in den meisten Fällen keine größere Beachtung schenken. Selbst wenn es zu schwereren Krankheitssymtomen kommt, verheimlichen bei uns die Erkrankten ihren Zustand aü» Angst von der Ahndung wegen Wilderns, da der Großteil der Infektionen von eingefangenen Hase» herrührt. Sobald die ersten Fälle dieser Krankheit in der Tschechoslowakei bekannt wurde», hat das Gesundheitsministerium einer seiner. leitenden Beamten und den Borstand der diagnostischen Abteilung der Staatlichen Gesundheits-Anstalts,in- das bedrohte Gebiet zwecks genauer Untersuchung der Erkrankungsfälle entsendet. Auf Grund der angestellten Erhebungen wurde die Diagnose Tularämie bakteriologisch und serologisch bestätigt. Da bis heute die Tularämie nicht unter die JnfektionSlrankheitcn eingereiht ist, die der Meldepflicht und den Borjchriften über die Verhütung von Jnsektionslranlheiten unterliegen, har der Gesundheitsminister in der am 5. März d. I. stattgefuydenen Sitzung der Regierung den Ent- wurj einer Regierungsverordnung eiugcbracht, zufolge dessen ErlranlungSfälle an Tularämie bei Menschen der Anzeigcpflicht unterworfen werden, wie die» bei den. anderen, bei uns.auftretenden ansteckenden Krankheiten der Fall ist. Die Regierung hat diesen dringlichen Antrag genehmigt. Die Regierungsverordnung ist sofort in f Kraft- getreten, so daß die Sanitätsbehörden, in der Lage sind, gegen die Weitcrverbreitung der, I Erkrankung-unverzüglich einzuschreiten. Nr. 60 Donnerstag, 11. MLrz 1037 Geile S Ein« grauenvoll« Jahresbilanz Die Spaltung der amerikanischen Gewerkschaften New Aork. Da» Komitee für industrielle Organisation mit zwei Millionen Anhängern unter Führung von John L. Lewis erklärte einstimmig die Loslösung von dem Gewerkschastsver- band»American-Federation of Labor" in New- Sork.".. Vertrages ist am 10. Feber in Kraft getreten. Durch die RechtSverbindlichkeitSerklärung der Verträge Reichenberg, Friedland und Tannwald haben ungefähr 10.000 Arbeiter einen Lohnschuh erreicht, der von ganz außerordentlicher sozialpolitischer Bedeutung ist. Gewinne des Internationalen Metallarbeiterverbandes Die Tätigkeit deS Internationalen Metall« arbeiterverbanveS findet bei der Arbeiterschaft volle Anerkennung. Seit Beginn dieses Jahres sind dem Verband 864 neue Mitglieder beigetre» ten, darunter fast 200 Frauen. Die ungeheueren Leistungen der Gewerkschaft während der Krise und ihr energische» und erfolgreiche» Eintreten für die Interessen der Arbeiter in bei Zeit der beginnenden wirtschaftlichen Besserung tragen ihre Früchte und bewirken, daß der Komotäuer Verband das Vertrauen der Metallaicheiter besitzt und. auf ihre Treue rechnen kann. Die AründungStättgkeit in Unternehmungen. Im Jahre 1986 stnd in der Tschechoslowakei insgesamt 26 Aktiengesellschaften mit einem Kapftal von 60.8 Millionen K6 neu gegründet worden. Im vorhergehenden Jahre erreichten die Neugründungen die gleiche Zahl, aber das Aktienkapital der neuen Gesellschaften erreichte damals die Höhe von 141.0 Millionen KL/ Eine Milliarde Bodenreformkredtte. Die im Zuge der Bodenreform von» Staatsbodenamt gewährte Kredithilfe beträgt nach dem Stand vom 81. Dezember rund eine Milliarde KL. Es wird leider vom Statistischen Staatsamt nicht mitgeteilt, wieviel von den Bodenwerbern, die gleichzeitig die Nutznießer dieser umfangreichen Kredithilfe sind, Teuerungsaushllfs auch fllr Schafelarer Bsrgarbsiter , Die Union der Bergarbeiter hat nunmehr auch für die. Bergarbeiter des Schatzlarer Gebiete» eine Vereinbarung über die Auszahlung einer Teuerungsaushilfe getroffen. Danach' erhalten alli-am 1. Jänner 1087 auf den Schatzlarer Kohlenwerken beschäftigten Arbeiter.und Arbeiterinnen, auf die sich der Kollektivvertrag bezieht, eiiie Aushilfe von 50 Kronen^ hie Verheirateten für,,die Ehegattin und für jede» Kind je t zehn Styoncit.. i Das Japanische. Parlament sabotiert das Krankenversicherungsgesefc Tokio.(Havas.) Das Abgeordnetenhaus mußte die Sitzung wegen mangelhafter Präsenz unterbrechen, da sibntllche Abgeordneten, mit Ausnahme der sozialistischen, den Sitzungssaal bei der Debatte über den Gesetzentwurf betreffend die Krankenversicherung und der Besserung des öffentlichen Hygienewesens, verließen. Die Sozialisten stimmten einer Resolutton zu, in welcher sie fordern, daß die Regierung da» Parlament wegen der vollkommenen Interesselosigkeit der übrigen Parteien für den einzigen Sozialreform-Entwurf, der auf der Tagesordnung der gegenwärtigen Session stehe, auflöse. E» ist wahrscheinlich, daß die Militärkreise die Lage zur Wiederaufnahme des Angriffe» gegen da» Parlament benützen werden. Reichenberger Textllkollektiwertrag verbindlich Durch die Verordnung de» Ministeriums für soziale Fürsorge wurde der letzte der nordböhmischen Verträge, der Reichenberger Kollekttvver- trag, für rechtsverbindlich erklärt. Der Kollettiv- vertrag ist in ben Gerichtsbezirken Reichenberg, Kratzäu Und Gablonz für alle Zweige der Textilindustrie mit Ausnahme der selbständigen Veredlungsbetriebe(Bleichereien, Färbereien, Appreturen und Druckereien) und mit Ausnahme ber selbständigen Streichgarn-, Schafwoll-, Vigogne« und Absallspinnereien verbindlich. Die Kundma« Private Exportförderung unter Leitung Bafas? ■ Nach Zeitungsmeldung ist«in« Organisation von.zahlreichen.Exportfirmen in Vorbereitung, welche auf.Anregung I. Bata» zurückgeht und auf, dtin/ Gtdanken beruht/ durch einen einheitlichen Werbeapparat, Schaffung,.gemeinsamer Vertretungen' Und, eilte gemeinsame BerrechnungSzen« träle für die Ausfuhr und. für Importe di« Möglichkeit zu schassen, tm Ausland planmäßiger und' intensiver für die hiesigen Erzeugnisse zU werben. Die Organisation, die den Namen Kotva(Anker) führen soll, soll sich aus da» aröße Filialnetz, der MniäDUa.iiiir'.AuSland skÜtzen,, Auch die jetzige Wrliteise Data» soll ,den.,.vorbe)'eitunM^ für diese/ wie mein' feststellen miiß,/- zwelfmäßige Gründung gelten. Klein- und Mittelbauern, und wieviel Großgrundbesitzer sind. Die slowakische Eisenerzförderung gestiegen. Im vergleich zu 1086 ist die Förderung der staatlichen Erzgruben der Slowakei um 60 Prozent" auf 6.20 Millionen Meterzentner, die der privaten Gruben um 81 Prozent auf 1.01 Million Meterzentner gestiegen. Jahre Kerker verhängt. Die hier wiedergegebenen Urielle wurden nach deutschen Pressemeldungen zusammengestellt und sind daher unvollständig. Die verhängten Strafen in den Massenprozessen wurden nach eigenen Berichten errechnet. In dieser Statistik sind nach bestimmten Feststellungen unsererseits höchsten» 20Prozent der bisher verhängten Strafen wegen politischer Vergehen erfaßt worden. Brotfabrik-Prozeß in Duisburg-Hamborn 600, in L ü b e ck 260, in K i« l 60 und in Hamburg gegei. Jahresende 1086 wieder 150 angeklagte Hitlergcgner vor den Schranken der Hitlerjnstiz. In einem Prozeß waren es ehemalig« Mitglieder der»Freien Gewerkschaften", in einem anderen Sozialisten, in einem weiteren Kommunisten und katholische Werktätige. Vielfach waren alle weltanschaulichen Richtungen in einem Prozeß vereint unter Anklage gestellt. Man verhängte Strafen von flinf, acht und zehn Jahren, in vielen Fällen sogar Zuchthausstrafen bis zu fünfzehn Jahren. Allein in diesen Massenprozessen wurden nahezu 3000 Antifaschisten zu 8000 Jahren Kerker verurteilt. Die deutsche gleichgeschaltete Presse, die früher in großer Aufmachung vielfach Berichte über politische Prozesse veröffentlichte, muß heute auf Befehl von Goebbels über Massen-Aburteilungen schwelgen. Die sich immer mehr steigernde Zahl der Prozesse und Verurteilungen würde nach außen zu sehr dokumentieren, daß die schon hundertmal totgesagte Opposition lebt und trotz aller Verfolgungen wieder stärker geworden ist. Auch wegen der Protestaktionen der AnSlandeS für die Opfer des Hitler-TerrorS will man die" Wellöffentlichkeit gegenüber da» Wüten des Terror» verschweigen. Nur in den sellesten Fällen und dazu noch sehr unvollständig, bringt heute die deutsche, faschistische Presse kurze Meldungen über politische Prozesse. Wir lassen nachstehend eine Zusammenstellung von Prozessen und Urteilen folgen, die nach diesen unvollständigen Zeitungsmeldungen vorgenommen wurde.. Diese Uebersicht kann naturgemäß nur einen Bruchteil der in Wirklichkell verhängten Strafen wiedergeben. Verurteilungen Im Jahre 1936 wegen politischer Vergehen: In 600 Prozessen wurden 8283 Angeklagte »i 6486.3 Jahrsn Zuchthaus und zu 1763.4 Jahrsn Gefängnis insgesamt also zu 8240 Jahren und sieben Monaten Kerker verurteilt. Wegen politischer vergehen wurden weller- Dlr»Frankfurter Zeitung" wieder einmal gerettet? Die Wochenschrift„F r e i e s De u t s ch- l a n d"(Brüssel) berichtet über die Hintergründe der letzten Aktion gegen die„Frankfurter Zeitung". DaS Blatt hatte einen Artikel über die katastrophale deutsche Getreidelage gebracht, der in der ganzen Well zitiert wurde. Der Redattene berief sich darauf, er habe nur amtliches Material „beleuchtet". Eben dies aber, das„Beleuchten", wurde ihm al» Verbrechen angekreidet. Die „Frankfurter Zeitung" sollte ganz eingestellt werden. Da habe Schacht bei Hitler interveniert und Hitler habe daraufhin die Erlaubnis erteilt, daß die„Frankfurter" weiter erscheine. Der Han- delSredatteur sei mit dein Entzug von drei Monatsgehältern bestraft Ivorden. Nnternehmer al»„GewerkschnftSsöhrer".(JDSi" In Oesterreich sind Arbeiter und Unternehmer i»" Industrie, Handel, Gelverbe und Transport nach italienischem Vorbild in getrennten Verbänden organisiert. Jetzt scheint in Oesterreich da» Nazi-Spstem — Arbeiter und Unternehmer in einer gemeinsamen Organisatton— Freunde zu gewinnen. Di«,„Vaterländische Front", die Spitzenorganisation sämtlicher faschistischer Verbände, har mit der Mittelstandsorganisation„Gewerbebund", vereinbart, daß dieser „eigene Arbeitnehmersekttonen errichtet, um auf diesem Wege den Zusammenschluß der gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer innerhalb der Vaterländischen Front vorzubereiten.(„DaS Gewerbe", Jänner/Feber 1937). Die gelverblichen Unternehmer wurden also zur Organisierung der bei ihnen Beschäftigten autorisiert und ihnen„da» Recht gegeben, sich ihre Arbeiter auf dem Umweg über eine selbstherrlich dirigierte Organisation untertänig zit machen"(Oesterreichische Arbeiterzeitung", Wien, Wochenblatt der„christlichen Arbeiter- und Angestelltenbewegung", 18. Feber 1087.) „Mord in Oesterreich".(JTF) Wir hatten der illegalen österreichischen Bau- und Holzarbeiter-Zeitschrift die Mitteilung entnommen, daß der Dachdeckergehilfe Suchst von Gendarme» erschlagen worden sei. Genaue Nachforschungen der illegalen revolutionären Sozialisten ergaben, daß Suchst au» Persönlichen Gninden Selbstmord begangen hat. hin ün Jahre 1036 allein 16 Todesurteile fle- fällt und neun Hinrichtungen vollzogen. Ferner wurden 18 Angeklagte zu lebenslänglichem Zuchthau» und 66 Angeklagte zu zehn biö fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Unter den obengenmmten Verurteilten be- fmlden sich, soweit die Zugehörigkeit zu einer Organisatton oder WeltanschauungSnemeinschast sest- gestellt werden konnte u. a.: 730 473 808 167 830 41 18 28 117 öle Arbeitslosigkeit In den deutschen Bezirken Stad) ben Meldungen der Arbeitsvermittlungsanstalten ist die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen(die nicht identisch ist mit der Zahl der Unterstützten und auch nicht mit der Zahl der tatsächlich Beschäftigungslosen, aber nicht Gemeldeten) in Böhmen am 28. Feber um 8861 kleiner gewesen al» am 81. Jänner dieses Jahres. Von der Gesamtzahl von 824.600 waren 187.182 in den 41 Bezirken mit mehr als 60 Prozent deutscher Bevölkerung gemeldet, um 2128 weniger als am letzten Jänner. Obwohl also dies« Bericht« günstiger lauten al» die au» den andern Ländern, wo ein weiterer, wenn auch nicht allzu beträchtlicher Anstieg der Ar- beiSlosenzisfern verzeichnet wurde, kann, man doch auch für Böhmen noch nicht allgemein sagen, daß der Feber eine Wendung von der saisonmähigen Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt gebracht hat. In einer ganzen Reihe von Bezirken ist nämlich die ArbeitSlosenziffer auch in Böhmen noch, weiter gestiegen. Bon den 41 deuffchen Bezirken sind eS 17, au» welchen höhere Arbeit»« losenziffern gemeldet werden, und zwar insgesamt um etwa» mehr al» 2000. E» geht daraus hervor, daß wette Gebiete Novdböhmen» und vor alleiir Westböhmen»' für jede Schwankung noch außerordentlich empfindlich sind und daß diese Gebiete noch lange nicht ein« festere wirtschaftliche 'Grundlage gefunden haben. Da» äußert sich auch darin, daß in den deutschen Bezirken die Arbeitslosigkeit immer noch sehr hoch über dem Durchschnitt im ganzen Land Böhmen und in den tschechischen Bezirken liegt. Allerdings muß festzestellt werden, daß sich dieser Verhältnis in den letzten Monaten, in der Richtung auf«in« Milderung der krassen Unterschiede geändert hat. Während in den früheren Jahren in den Wintermonaten zwar die Arbeitslosigkeit in den ffchechischen landwirtschaftlichen Gegenden saisonmäßig ziemlich stark stieg, wodurch wenigstens vorübergehend eine Annäherung der Verhältnisse in den verschiedenen Laichesteilen hätte herbeigeführt werden können, schnellte auch in"den deutschen industriellen Bezirken die Arbeitslosenziffer in die Höhe. Im heurigen Winter ist zum erstenmal seit Krisenbeginn der Verlauf ein anderer. Die bessere Beschäftigung der Industrie in einer Reihe ihrer Zweige, insbesondere seif der Devaldatton, hemmte die saisonmaßige Vermehrung der ArbeitSlosenziffer. Die weitere Entwicklung, soweit-sie-innerhalb der Tschechoslowakei beeinflußt werden kann, hängt ab von den Maßnahmen zur Förderung de» Export» und zur Kräf- ttgung des InlandSmarkteS insbesondere durch Stärkung der Kaufkraft der breiten Schichten der Bevölkerung. PMsmrtsekaft mul LösiahwiM Johannsen kommen sogenannte reine Linien beim Menschen niemals vor, ES hat sich gezeigt, daß eine weitgehende Kongruenz besteht zwischen kultureller Hochleistung, Produkttvität und geographischen Vermi- schuiigSzonen. Die Kulturkrei.se finden sich am ausgeprägte st en an jenen Orten, an denen besonder sstarke Rassenmischungen bestehen. Kretschmer zeigt, daß di« Kulturkarte mit der geographischen MischungSzon« zusammenfällt. So hat Sommer das gehäufte Hervortreten genialer Persönlichkeiten in Florenz hauptsächlich auf die stärkere Vermischung de» eingewanderten germanischen Adels mit den ansässigen kunstbegabten Bürgergeschlechtern zurückgesührt. Die Kreuzung verschiedener unähnlicher BegabuftgSrichtunger. sind für die Geniezüchtung ein wichtiger Faktor. Analoge Verhältnisse sind un» aus der Pflanzen- und Tierbiologie unter dem Namen„Luxurieren der Bastarde" bekannt. Der Bastard wird größer und stärker als seine Elternrassen. Wo wir auch immer daS GenialitätSprob.l em biologisch anfassen, stoßen wir"auf" solche Kren- z un g» Vorgänge; denn daS Genie wird immer dort, austreten, wo der Kampf des Einzel- individuums mit der sestgeformten Umwelt ausscheint. Kuiturentwlcklung und Rum« Bon Dr. Erwin Pulast Wir entnehmen nachfolgende Feststellungen über die Bedeutung der Rassemischung für die , Kulturentwicklung dem im Verlag O t t o L o- " r e n z, Men, erschienenen hochinteressanten Buch«„Der überempfindliche Mensch" von Dr. ErwinPulay. Alle lebenden Organismen unterstehen im gleichen Maße einer höheren Naturgesetzlichkeit. Ebenso wie die pflanzliche Vegetation und die Fauna weitgehend von den klimatischen Ver hältnissen und den Bodengegebenheiten bestimmt we;den,. sind auch Tharaftereigentümlichkeiten eine» Volkes von diesen Momenten beeinflußt. ES besteht,«in Unterschied zwischen dem Berg« und Tglbetoohner, zwischen dem GebirgS- und Flächenmenschen. Wenn wir die Entwicklungsge schichte der Völker in ihren Gebundenheiten an Botzen und Klima betrachten, so werden wir auch beisn Menschen von einer„Vegetation" sprechen ", - Wir. kennen, wenn auch noch in geringem!gabungen h e r ä u r z u h o l e n. Ausmaße, die verschiedenen geographisch bedmg-1 Nach dem bedeutendsten Vererbungsforscher Mitglieder der Freien Gewerkschaften Mitglieder der SPD Mitglieder der KPD Mitglieder der SAP Mitglieder der Bibelforscher-Vereinigung Geistlich«(beider Konfessionen) Katholiken Ausländer Angeklagte wurden wegen Rassenschande verurteilt. Unvollständige Urteils-Statistik 1933—1936 ten Einflüsse des Klimas, der verschiedenen I Strahlungen auf die Körperkonstitution de» Menschen. Au» der Geschichte wissen wir,„daß die verschiedenen Rassen seit Menschengedenken an ganz bestimmte Zonen gebunden waren. Die dunkle Rasse an den heißen Süden, die gelbe an den eisigen Norden und die eisigen Steppen der asiatischen Hochebenen, die weihe an die Mittel- zone. Trotz der verschiedensten, geschichtlich festgehaltenen Völkerwanderungen. So vollzieht sich in unserer Gegenwart eine neue Raffenbildung in Amerika,«ine Art„Jndianisierung" der in Amerika angesiedelten Europäer. Dabei zeigt«S sich, daß kein Tropfen Jndianerblut in jenen neuen immer indianerähnlicher werdenden Amerikanern nachweisbar ist, deren Großväter noch Europäer waren." All« dies« Tatsachen weisen in die gleiche Richtung eine» Zusammenhanges zwischen geographischer Umwelt und innerer Drüsensekretion. Die experimentellen Züchtungsversuche haben gezeigt, daß sich durch Kopulation fremder Raffen der Jntersex züchten läßt und vererbbar Ist. Die rassenbiologischen Untersuchungen Reit» mahers erbrachten das Ergebnis, daß di« Zu- Mischung fremden Blute» int« st an d e i st, gleichsam f ermentativ zu ^w i r k e n und s p e g t fisch e Rassenbe"- Das Jahr 1086 war, wie die»Union für Recht und Freiheft" feststellt, ein Jahr der grausamsten Verfolgungen und blutigsten Unterdrük- kung der deutschen Opposition. Nur mit noch brutaleren Methoden als in den drei vorhergegangenen Jahren der MachtauSübung wurden im vierten Jahre der Hitler-Diktatur die Gegner de» Regime» Verfolgs Mit den sich steigernden Kriegsvorbereitungen und den damit verbundenen wachsenden Schwierigkeiten nahm der Terror erschrek» kend zu. Mit Schreckensgerichten und Henkersge» rüsten soflen Wahrheit, Recht und Freiheit im Dritten Reich unterdrückt werden. Im Jahre 1086 wurden unter allen Tellen der Bevöllerung des Reiche» Massenverhaftungen durchgeführt. Maffenprozeffe mit ost Hunderten von Angeklagten drückten dem Hitlerjahre den Stempel auf. viele verhaftete wurden von der Gestapo in der Voruntersuchung zu Krüppeln geschlagen." Frauen und Männer, darunter viele verdienstvolle Friedenskämpfer und besonders viel« langjährig« Mitglieder und Funktionäre der Arbeiterbewegung wurden viehisch ermordet. Neunzig Namen von«rmordetenHtt» lergegnern sind im Jahre 1086 bekannt geworden. Wie hoch die wirkliche Zahl der von der Gestapo ermordeten Hitlergegner in diesem Jahre gewesen ist, wird di« Weltöffentlichkeit erst einmal später erfahren. Di« Masseuprozesse nahmen solche Ausmaße an, wie sie die Weltgeschichte noch nicht gesehen hat. Im Wuppertaler Gebiet wurde 1036 der größt« Teil der 600 angeklagten Gewerkschaftler abgeurteilt. Gegen Frauen und Männer, Kriegsbeschädigte und Kranke wurden Zuchthausstrafen bis zu zehn Jahren verhängt. Der große Wuppertal-Monstr«-Prozeß war noch nicht been- ,_ ,,.,.-„.,. bet, da fanden im Wuppertal-Gebiet neue Mas» «ÄhSÜ ÄrPÄS! 18“| sen-verhafttmgen, neue verhöre und Folterun gen, neue Morde, neue Prozesse mit neuen Schreckensurteilen statt. Darüber hinaus wird im Februar vor dem Gericht in H a m m ein neuer Massenprozeß gegen eine Anzahl verhafteter tattfinden. Im gleichen Jahr« standen in Hamburg 670, in E l m S h o r n 270, in einem Jugendpro- zeß in Stuttgart 60, in Zeitz 160, im Jahr Zuchthaus Jahre Gefängnis Jahre insgesanit Jahre 1038 3.663 2.002 6.646 1084 6.662 3.067 0.610 1086 8.772.0 8.830 12.092.0 1086 6.486.3 1.768.4 8.240.7 1086 außerdem wurden in Massenprozessen verhängt: 8.000 Demnach wurden in den 4 Iah- ren Hitlerherrschaft... 44.606,4 Seite 0 .Sozialdemokrat' Donnerstag, 11. Mürz 1937. Nr. 90. , Aaqer Akmq Zwei Halbwüchtlse wegen Raubüberfallt Nachtbild von der Peripherie vor dem Jugendgericht Prag.—rb— Vor dem Jugendgericht(Bors. OGR. Dr. Svoboda) batten sich gestern zwei junge Burschen wegen eines schweren Deliktes zu veranitvorten. Dieser Prozeß zeigt Ivieder einmal das trostlose Milieu der Großstadtperipherie in grellem Licht, Ivo Not und Verkommenheit zum Nährboden der Kriminalität werden. Beide Angeklagte sind Schlosserlehrlinge, der eine 16, der andere 15 Jahre alt. Sie sind in-einer N o t k o l o n t e bei Zijskov grob geworden, einer jenen Provisorischen Siedlungen, wo neben den Aller» ürnisten der Großstadt allerlei kriminelle Clemente in Hütten Hausen, die vielfach den Namen einer menschlichen Wohnstätte kaum verdienen. Man kann sich kaum eine ärgere Umgebung für Jugendliche denken. als diese Prager„Slums". Er heitzt, dab die beiden Burschen den„Vergnügungen", die die Peripherie zu bieten hat, leidenschaftlich ergeben waren, soweit es ihr schmales Taschengeld zulieb. Sie waren ständige Gäste der verschiedenen„Box- und Ringarenen", der Vorstadtkinos und Kantinen und standen mit verschiedenen der armseligen Prostituierten. die dort drauben die lebte Station ihres jämmerlichen„Berufes" absolvieren, auf vertrautem Fuß. Schundfilm und Schundlektllre, die ständig auf ihre Phantasie einwirkten, taten gleichfalls ihre Wirkung. Bereits im vorigen Sommer verabredeten sie sich zu einem Ueberfall auf eine Prostituierte, die in dem berüchtigten Winkel beim Gut„Prajsakka" ihrem Gewerbe nachging. Tatsächlich gelang es ihnen, einer dieser armen Geschöpfe— eS handelt sich durchwegs um Dirnen, die sich an keinem besseren „Standort" halten könnten— ihr Täschchen zu ent- reisten. Damals entkamen ste. doch erwies sich der Ueberfall als nutzlos, den» in dem Täschchen fand fich nicht ein Heller Geld und nur Handschuhe und eine alte, verbeulte Puderdose. Das Mistlingen dieser ersten verbrecherischen Unternehmung führte aber nur dazu, dab die beiden Burschen nun erst recht beschlossen, ein„gröberer Ding zu drehen". Der ältere der beiden entwarf einen genauen Plan, der dahin ging, einen Chauffeur zu überfallen und seiner Losung zu berauben. ES verdient Erwähnung, daß dieser Plan nach dem Rezept eines SchundfilmS entworfen wurde, der den Jnspirawr auf den Gedanken brachte, einen solchen Anschlag ins Werk zu setzen. Besagter Film führte den Titel„E i n M a n n d.e r Ta t" und demonstrierte anschaulich, wie einer der„Helden" den Lenker eines gemieteten Autos durch einen heimtückischen Kopshieb uiederstreckte. Die beiden Burschen beschlossen, auf gleiche Weise vorzugehen und nachdem sie den Plan viele Male in allen Einzelheiten durchgesprochen hatten, machten sie sich am Abend des 7. Jänner an die Durchführung. In der achten Abendstunde mieteten sie auf dem Wen- zelSplatz ein Taxi und gaben dem Chauffeur Weisung. sie nach Wysofichan zum Lagerhaus der „Biela" zu fahren. Der ältere der beiden hatte eine kleine und handliche Axt mitgebracht, die er unter dem Mantel verborgen hielt. Als der Chauffeur auf der dunklen und einsamen Strabe vor dem Wtzsotschaner Lagerhaus anhielt und in gebückter Haltung durch die vordere Tür aussteigen wollte, versetzte ihm der ältere der beiden Angeklagten, der hinter ihm auf dem Rücksitz säst, einen Arthieb gegen den Hinterkopf und gleich darauf einen zweiten. Die Hiebe waren aber zum Glück nicht so kräftig geführt worden, dast der Chauffeur daS Bewnhtsein verloren hätte. Es gelang ihm zu flüchten und um Hilfe zu rufen. Als die Attentäter sahen, dast ihr Anschlag mißglückt war, flüchteten sie in die Felder und entkamen vorerst. Der Chauffeur hatte zwar schwere Verletzungen erlitten, ist aber heute wieder völlig hergestellt. Als ihn der Richter nach seinen Ersatzansprüchen fragte, beschränkte er sich auf den Ersatz seines Ver- dienstentaangeS.» Die beiden Burschen, die nach ihrem Geständnis auf dem Auto de» Ueherfällenen eine.Meise in die Welt" unternehmen wollten— wie unglaublich kindisch stnd doch diese jugendlichen Gewalttäter trotz allem— beschlossen daraufhin, aus Prag zu„verschwinden", ohne zu bedenken, dab sie damit die Aufmerksamkeit der Polizei erst recht auf sich lenken mußten. Der ältere ging erst gar nicht mehr nach Hause, während der jüngere die folgende Nacht daheim schlief. Am nächsten Morgen stahl er seinem Vater»inen Revolver und zwanzig Patronen und dann machten sich die beiden auf den Weg nach Kolin. Unterwegs übten sie sich im Revolverschietzen. Einige Tage trieben ste sich Um das Prager Masaryk-Denkmal Unter dem Vorsitz des PrimatorS Dr. K. Baxa öffnete die Jury für die Beurteilung der Vorschläge zur Auswahl der Platzes für dar Denkmal des Präsidenten T. G. Masaryk die eingegangenen Projekte. Eingegangen sind 88 Projekte. Unter den Projektanten befinden sich zahlreiche hervorragende Architekten und Bildhauer. Im Wesen wird die Errichtung der Denkmals aus dem Nämisty Republik», am Klärov, am ersten und dritten Burghof, am Hrad- kanski nämksti, auf dem geschaffenen breiten Raum bei der Jeleni ullce hinter der Burg in Prag IV, auf der Letnä. auf der Brücke der Legionen, im Panorama der Abhänge der Seminargarten» auf der Kleinseite vorgeschlagen. Die Vorschläge sind größtenteils an kostspieligen Modellen erläutert. Nach der Installierung der Projekte im Elektrizitätswerk in Holleschowitz wird die Jury mit ihrer Beurteilung beginnen. Der Oeffentlichkeit werden alle Vorschläge nach Beendigung der Arbeiten der Jury in einer Ausstellung zugänglich sein, deren Ort in den TageSblättern bekanntgegeben werden wird. «Können wir uns auf England verlosten?" Vortrag von Redakteur JarosladSimsa. Freitag, den 12. März 1987, um 20 Uhr im Saal des Gewerkschaftshauser, Praha l. Na Perithni 11. Einladungen: Liga für Menschenrechte, Praha H., Zitnä 18, Telephon 201—71. Jahresversammlung der Naturfreunde. Die diesjährige Jahresversammlung der Ortsgruppe Prag wurde am,5. Vlärz abgehalten. Obmann Plotz hegrühte die Anwesenden und gedachte der Opfer der Arbeiter» und Nawrfreunde-Bewegung in Deutschland, Oesterreich und Spanien. Vom Klub der tschechischen Ärbeitrrtouristen war ein BegrützungSschrei- ben eingelangt. Aus den Berichten der einzelne« Funktionäre ging hervor, daß die Ortsgruppe im vergangenen Jahre eine rege Tätigkeit entfaltete. Besonders hervorzuheben ist der Kauf dr» Grundstückes, auf dem sich die Hütte im Brdywalde befindet. Weiter wurde die Opferbereitschaft der Mitglieder sowie der befreundeten Organisationen bei der Finanzierung des Kaufes hervorgehoben. Die neue Hütte im Brdywalde hat sich gut bewährt und ist eine wahre Stätte der Erholung für die in der Stadt arbeitenden Wandergenossen geworden.— Zum Obmann wurde wieder Plotz Rudolf gewählt. Die Amtsstelle der Ortsgruppe.Prag befindet sich in den Räumen des Vereines Deutscher Arbeiter, Prag II., Smei- ky 27, III. Stock, Telephon 27727. Amtsstunden jeden Freitag von 18 Uhr bis 10 Uhr 80 Min. Daselbst werden Auskünfte über Touren und Urlaubsreifen erteilt. Eine wichtige Nachricht für di« Skilüufrr, die in den Böhmerwald fahren wollen: hei günstigen Schneeverhältnissen im Böhmerwald fährt vom Smichover Bahnhof um 14.40(inji noch Samstag, den 20. März, Dienstag, den 28. März, und Samstag, den 27. März,'ein Sporkzug. Rückfahrt nach Prag, Wilsonbahnhof Sonntag, den 21/ März, und Montag, den 29. März. Preis der Rückfahrkarten: dritte in der Umgebung von Kolin umher, wo sie aus den Zeitungen.erfuhren, dast die PölizÄ ihr Verschwinden mit/dem Raubüberfall in Verbindüng gebracht hatte ünd nach ihnen fahndetL"Sie- glaubten,>S fei am besten/ nach Prag zudückzukehren sind sich dort verborgen-zu halten. Die Heimfahrt, absolvierten sie. als Schwarzfahrer mit der Eisenbahn. Sie blieben nicht lange auf freiem Fuß. Der jüngere! wurde in Zijskov verhaftet, wo er sich unierstandslo»- in den Straßen umhertiieb, der ältere wurde erkannt, als er auf den: Soziussitz des Motorrades eines Bekannten eine Spazierfahrt machte. Beide sind im wesentlichen geständig. ES kann kein Zweifel sein, datz der ältere die Rolle des Führers und Verführers gespielt hat. Dar Jugendgericht erkannte nach durchgeführier Verhandlung beide Jugendlichen im Sinne der von Staatsanwalt Dr. C e s ä k vertretenen Anklage, die auf da» Verschulden des Rauher, des Diebstahls und der Verletzung der Waffenpatentes hinwies, schuldig und verurteilte den älteren der Heiden zu zwei Jahren, seine« jüngeren Mittäter zu einem Jahr Verschliesjung. Bei diesem wurde die Strafe bedingt auf vier Jahre ausgesprochen. Beide Angeklagten werden der Aufsicht der Sozialbehörden unterstellt werden. Klasse 80 Ak, zweite Klasse 85 Ak. Der Zug bringt Sie bi» an die Berge heran! Ei« Sonder-Motorschnellzug in» Erzgebirge Wird jeden Samstag um 15.81 Uhr vom Masaryk- bahnhof abgefertigt. In dem Fahrkartenprei» von 95 Ai ist autzer der Eisenbahnfahrt da» Nachtmahl, Nachtlager, Frühstück, ÄutobuSfahrt und Versicherung enthalten. Anmeldungen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 888—85. NnteriidischeS Labyrinth unter dem Strahower Stadion. Bei den MegulierungSarbeiten in der Umgebung des grotzen Swähower Sportstadion» fliehen die Arbeiter auf den verschütteten Eingang eine» unterirdischen Gange». Bei näherer Nachforschung ergab sich die überraschende Tatsache, datz der blotz- gelegte Gang.nur einen Bestandteil, einer ausgedehnten Ganglabyrinth»bildet, da» fich unter dem Heufigen Stadiongelände einige hundert Meter weit erstreckt. Die Anlage der einzelnen Gänge, ihre Höhe und auch ihre Entsernm" von der Erdoberfläche sind sehr verschieden. Siel eise liegen sie nur etwa zwei Meter unter der Eroe, teilweise steigen sie bi» auf zehn Meter Tiefe hinab. Die Gänge, die sich mehrfach kreuzen und verschlingen, münden in einer durch natürliche Pfeiler au» Sandstein gestützten Höhle. Der Fund ist um so überraschender, al» die 'alten StadtbLcher und sonstigen Chroniken und Aufzeichnungen keinerlei Anhaltspunkt über Zweck und ÄufgaLe dieser unterirdischen Irrgarten» geben. Man vermutet lediglich, datz dieser Gangsystem ehedem mit dem Strahower Kloster zusammenhing. Auch das Alter der Gänge ist noch nicht sestgestellt. Nach der Form einiger in die Wand eingehauener Kreuze schlietzt man, datz diese aus dem 17. Jahrhundert stammen, wa» natürlich über dar Mer de» Ganges selbst noch nicht Aufschluß gibt. Karoltnenthal fordert erhöhte Förderung. Der Karolinenthaler Stadtrat hat an die maßgebenden Stellen der Präger Zenträlberwaliung und auch an den.Primator eine Denkschrift gerichtet, in welcher Beschwerde über die geringe Berücksichtigung dieses Stadtteiles von seiner Eingemeindung an geführt wirb, die daran schuld trage, daß Karolinenthai heute ein vernachlässigter Stadtbezirk sei. Die Denkschrift fordert u. a.. mit der Militärverwaltung in Verhandlungen über den Austausch de» Jnvaiidenplahe» gegen ein andere», weiter von der Stadt gelegene» Grundstück, aufzunehmen, damit dieser umfangreiche Komplex als Baugrund verwertet werben könne. Ferner den Ausbau und Renovierung der Wlchfigen, durch Karolinenchal Mrenden Ausfallstraben nach Nord- und Ostböhmen, die Zul-Rittung de» ehemaligen Hafen», wodurch der Zusammenhang mit dem Ma- ninagelände, wo die künftige Prager Grotzmarkt- halle stehen soll und die schnellste Erbauung einer Brücke von der Manina zu dem Holleschowitzer Ufer. Endlich wird die DurchMrung de» Ziskabergwnnel» gefordert, ein Projekt, nach welchem die heute sehr im argen liegende Verbindung Karolinenthals mit Zijjkov geregelt werden soll. Einbrecher Badura in Men festgenommen. DaS letzte Prager Gasfiviel de» berüchtigten 81jähristen, an» der Slowakei stammenden Einbrecher» Andrea» Badura, der einer der gefährlichsten internationalen Kassenknacker ist, hat beträchtliche» Aufiehen erregt. Nachdem ihm in Gemeinschaft mit dem ebenfalls Neus Xwnatw „Alkibiades", der„Liebling der' Götter Und Menschen", eine der fesselndsten Persönlichkeiten des klassischen Griechenland, ist Hauptfigur der nach ihm benannten RommiS ans der Feder des jungen österreichischen Schriftstellers Vincenz Brun(Äer- lag Allert de Lange, Amsterdam). Man mutz schon das Zeitalter des Perikles und der Aspasia, des Sophokles, des Aristophanes und Euripides ein wenig kennen, von den Zusammenhängen der griechischen Geschichte, von den Kämpfen zwischen Athen und Sparta, und vom meteorhafien Auftreten der Heros Alkibiades etwas wissen, um vollen Geschmack an diesem Buch zu finden, in den, die Ursachen der Größe und de» beginnenden Verfalls von Hellas mit modernen Augen geschildert werden— fast zweieinhalb Jahrtausende nach einem Geschehen, das uns freilich in der interessanten Schilderung durch Brun lehrt, in wie vielen Punkten die Menschen sich seitdem nicht oder nicht wesentlich geändert haben. ES handelt sich hier um einen Psychologisch-Politischen Roman, der wirtschaftliche, geistige, erotische Ursachen des MachfittebenS einzelner wie ganzer Gruppen anSeinandersetzt, freilich ohne Aar die weltanschauliche Richtung der Verfassers und somit den höhere» Zweck seiner Arbeit erkennen zu lassen. Gewiß spielt der„Fvhrer"- Gedanke eine große Rolle in diesem Buch, aber ohne daß an dem Beispiel deS Alkibiades genug.deutlich gezeigt würde, wie weit sich da» Uebergewicht eine» Verhimmelten(der dann von allen verlassen, fern der Heimat zugrundegeht) ethisch und politisch nicht rechfiertigen lasse. Nichtsdestoweniger enthält dieser bildende Roman ausgezeichnete. Milieu- und Gedankenbilder, anziehende Porträts großer Männer und Frauen und epische Stellen von starker Schönheit. Ein lesenswerte» Buchs I, g. Joe Lederer:„Blumen für Cornelia", Roman (Zeitbild-Verlag, Wien). Immer wieder führt Joe Lederer ihre Leser in da» weite Land der Liebe und Immer wieder steht eine interessante Frau im Vordergrund des Geschehen». Es zeugt für die Gestaltungskraft dieser Schriftstellerin, daß die Frauen, die die Heldinnen, der nun schon stattlichen Reihe Ihrer Romane sind, nie. einander ähneln, datz sie auch nie ein Schattendasein führen. datz jede eine lebendige Persönlichkeit ist. Wir wollen nicht leugnen, datz die Frauen bereisten Romane,„DaS Mädchen George", „Musik der Nacht",„Drei Tage Liebe", unserem Empfinden näher standen, als die modernen Frauen der letzten Romane. Aber wir- wollen gleichzeitig sagen, daß auch Cornelia, die alternde Frau, die sich in einen ganz jungen Mann verliebt: die die erste große Liehe dieses jungen Manne» ist, eine interessante Gestalt und eine gerade in diesem ihrem.letzten großen Erleben sympathische, von Tragik umwitterte Frau ist. Auf einem Frachtdampfer, der auf der Reise von Marseille nach Stockholm auch ein paar Passagiere mitnimmt, ereignet sich da» große Geschehen, da» Sichfinden und Sichanelnänderflam- mern des Jüngling» und der reifen und schon vom ersten Hauch des Verwelkens gestreiften Frau.. Ganz von der Frau au» gesehen-und.geschildert ist diese» Liebesverhältnis, von dem Carola weiß, daß es da» letzte ihre» Leben» ist, da» sie wissend löst und nach dem sie im letzten Augenblick doch wieder in verzweifeltem Verlangen greifen möchte und da» nun nicht mehr zu fassen ist. Ein wehmütiger AuSllang,-aber zwischen dem schmerzlichen Ende und dem stürmischen Beginn dieser.Liebe.siegt eine sehr lange und sehr schöye^und sehr glückhafte-Fahrt.'’—kv^- Pankra, Schul:„Adalbert Stifters Liele»- tramn. Geschichte eliter DWerliebi". Sudetendeutscher Verlag Franz Krau», Reichenberg. Gebundenes Aö, broschiert 12 AL Der Verfasser erzählt in poetisch gehobener Sprache da» erste Liebererleb» ni» de» Dichter» mit der Friedberger Bürgerstochter Fanny Greipl. E» beginnt al» Idyll und endet nach Jahren mit einem bitteren Abschied, herbeigeführt durch Mißverständnisse in der langen Zeit unentschiedenen Aufeinanderwarten». Schul beschränkt sich auf die Wiedererzählung de» Biographischen; auf die novellissische Gestaltung de» Psychologischen tm Verhalten der beiden Mädchen Fanny Greipl und Amalie Mohaupt hat er verzichtet. Fanny» Berzicht kann, großherzige Entsagung auf eigene» Lieberglück sein, Entsagung zugunsten de» Mädchen», dem Stifter die Ehe versprach, kann aber auch verletzte Eigenliebe und einer engen Äuftassung von Treue entsprungen sein. Und auch da» Verhalten Amalies, Sttster» späterer/Frau, ist großmütiges Zurücktreten, al» Sfif- ter"ihr seine unfilgbare Liebe zu/Fanny gesteht., könnte zu psychologischer Deutung locken; Gchtik.felbft erzählt, datz Amalie al» Stifters Frau seine Liebe zu Fanny al» fein Heiligtum geachtet- und niemit etnem Worte berührt habe. l,i• Jd;: BezngSbedingun g e n:'Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezuch durch die Post monatlich Ai IS.—, vierteljährlich Ai 48.—: halbjährig Ai SS.— Tarii billiall berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgtnur bei Einsendung der Retourmarken,— Die graphendwektion mit Erlaß Nr. IS.Sllll/Vll/lSSS bewilligt,— Druckerei:.äLrbi»". Druck«, Verlag»- undZeitum Bildungsverein dsufschsr Meller, Free Bildungsausschuss jler DSIP, Prag; Am Donnerstag, den 18. Mär»19Z7, um Sv Uhr im grossen Saale der»Urania", Prag I!., Kliman tskck 4. Programm: Joseph Haydn: Klavier-Trio, G-dur.— W. A. Mozart: Sonate für Violine und Klavier, F-dur.— L. van Beethoven: Streich- Quartett, A-dar, op. 18, Rr. 5. Mitwirkende: Rudolf Czerwenka(Klavier), Franz Berger(Violine), Fritz Kraupner (Cello), Karl Schreiner(I. Violine), Rudolf Posse«(11. Violine), Nikolai Gotlib(Viola). Schüler der Meifterklasse der deufichen Mussk- akademle. Karte« zu Ai 8.— und Ai 8.— ab Samittag im BllduugSverein deutscher Arbeiter, Smeiky, lei Optiker Deutsch, Koruna, u. bet den Bettrauen»leuten sehr bekannten Einbrecher Franz Korlik ein außerordentlich verwegener Einbruch in die Kanzleiräume der„Paeuum Oil Cie" in der Spälenä geglückt war. deren Kasse er erbrach, aber nur verhältnismäßig geringe Beute machte, gelang e» ihm zunächst, sich den Nachforschungen der Polizei zu entziehen. Am 27. Feber wurde die Polizei davon verständigt, daß die beiden Spießgesellen bei der erst 18jährigen Geliebten Kozlikr in Michle einen Besuch abgeftatiet hatten. Bei der Haussuchung zeigte sich, daß sie bet ihrer Äertrauien eine Garnitur modernsten Einbre- cherwettzeuge» zurückgelaffen hatten. Al» die Polizei bei der am nächsten Tage verabredeten Zusammenkunft mit ihrer Helferin den Einbrecher festnehmen wollten, erkannte dieser rechtzeifig den Hinterhalt und flüchtete. Nachdem er mit seinen Verfolgern mehrere Revolverschüsse gewechselt hatte, die aber niemanden verletzten. Die weiteren Nachforschungen führten ztvar zur Verhaftung mehrerer Mitglieder der Bande, deren eigentliche Chefs aber auSgeforscht werden konnten. Wie sich nun zeigt, ist es diesen gelungen, über die Grenze zu flüchten. Nach, einer Radiodepesche des Wiener Sicherheitsdienste» ist es gestern gelungen, Badura und seinen Komplicen Kozlik in Wien zu verhaften. Nmsi und Wissen, „Napoleon I".(Bon Ferdinand Bruckner im Nationaltheater.) Mit der vor einigen Jahren überaus günstig aufgenommenen„Elisabeth von England" hat da» starke dramatische Talent Bruckner» auch die tschechische Bühne erobert. E» war also nicht zu verwundern, daß die Erstaufführung de» dramatischen Bilde» von Napoleon» Lie» bezleben und politischer Tragik, von Owkär Fischer sprachlich verdolmetscht und von Karl Dostäl regiert, große Erwartungen erweckte.— Der Held Bruckner» ist beileibe nicht der unüberwindliche Herr der Schlachtfelder, sondern ein zweifelnder Eniporlömm- ling, der um seine Legitimität kämpft. Kaum reißt er sich los von seiner mütterlichen Beschützerin und der politischen Ränkespinnerin Josefine, geht er politisch und menschlich zugrunde an der beschränkten HabSburgertochter Maria Louise. Sein Fall beginnt,' al» er durch den Sohn und seine eille Liebe an die Monärchentochter gekettet wurde und für.seine Zuschlagskraft die richtigen Momente verpaßte. Taub gegen alles Drängen feiner Generäle greift er nicht ein in die spanischen Unruhen, verzögert seinen Zug nach Rußland, um Alexander, den Napoleon des Ostens, gerade in dem Augenblick zu vernichten, al» er mit Kriegs- und Aufruhrschwierigkeiten zu kämpfen hatte, um endlich losziehend, zu spät zu kommen. Mit der Walewfla opfert er nicht nur seine Geliebt^ sondern auch den Unabhängigkeitstraum Polens; in seinem Liebesbemühen opfert er aber auch seinen Traum von der Pazisikafion Europas unter Führung Frankreichs. Richt fein Schwert war e», da» die FriedenSberhandlungen im besiegten Paris leitete, sondern der von ihm verhöhnte„Pazifist" Talley» rand; und der„zusammengetrommelte" Kongreß bedeutete seine Abdikation und Deportafion nach der Insel Elba. Die Szene, in der Napoleon inmitten seiner Generale seine Abdikation zu unterschreiben und sie in die Hände seine» treuesten Verths(von Herrn Deyl gut gespielt) zu legen hat. ist stark und packend. Dagegen bietet die Szene der Famtlien- rateS, der die Scheidung Napoleon» von Josefine auSzusprechen hat, ein panspfiküMariige» Bild. Die Regte, versuchte, sich der dramatischen Ailfvrderun- gen de» Autors anzupaffen, doch der nur mimische Ausdruck oder das mir angedeutete Wort, Überstiegen manchmal die Aufnahmefähigkeit und das Ber» ständnl» de» Publikum». Dadurch ließe sich vieNeicht die etwa» kühle Aufnahme de» Stücke» erklären, trotz des Meisterhaften.,wenn auch efiva». kapriziösen Spiele» de» Herrn Stöpänek in der Hauptrolle. Die Feinschmecker de» Dialog» lernen zwischen Napoleon und Talleyrand von Herrn Haa» mit feiner Zurückhaltung gespielt, oder Napoleon und Josefine Frau Dostälovä) kamen auf ihre Rechnung,'m. i. Spielplan de» Neue« Deutschen Theater», Donnerstag, halb' 8 Uhr: Treff S», Erstaufführung, C 1.— Freitag halb 8 Uhr: Gio- ronda, D.— SämStag halb 8 Uhr: Der Freischütz, halb 8: Jean, Gastspiel Leopold Kramer und Pepi Glöckner, Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 8: Matura, halb 8: Aida, Gasfipiel Jussy Björling, CI., Spielplan der Klei«« Bühne. Heute, Don» nerrtag, 8 Uhr:„Axel an der Hunmetttür", volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8 Uhr: Photographieren verboten l— Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag halb 8: Alarm im Radio. Erstaufführung, 11: Wie e» Euch gefällt, Vorstellung der BÜhnewllub».’r-i Sonntag L: Salzburg ausverkaust, 8: Jean, Äaft- spiel,Arasnep-Glöckner. /,- ganzjährig Ail92.—/— Inserate werden laut Zeikmg»ftankatur wurde von der Poft, und Tele- S-A.-G. Prag.