Nr. 146. Adomumtitt»• Kedingunge»: «bonnimentS-Prel» pränumerando: vierteljährl. ZL0 Md, monatl. 1.10 Ml�. wöchentlich 2S P?g. sret in» Hau». Einzelne Nummer S PI». Sonntag»- Nummer mit illusUierier Sonntag»« Beilage„Die Neu« Well" 10 Pfg. Past- Slbonnement: 3�0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISSV unter Hr. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland S Marl pro Monat. Erscheint täglich außer Montag». Vevlinev Volksbl�kt. 16» Jahrg. Die Jnftrttons- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche Beretn»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigen" jede» Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in dcrExpedltion abgegeben werden. Die Srpcdttion ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bttSUhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt I, vr. 1508. Delegramm-Adreffe: „Sorialdemoliral verlin" Cvntvalorgan der socialdemokratifrhen Partei Deutschlands. Lrdaktion! SW. 19, Veulh-Strngr 2. Sonntag, den 25. Juni 181)9. Expedition: SW. 19. Beutlz-Stvafze 3. Einladung. so Zu einem neuen Quartalabonnement auf den„Vorwärts" laden wir hiermit unsere Parteigenossinnen und Parteigenossen ein, sowie alle diejenigen, die, ohne Socialdemolraten zu sein, an den öfseiit- lichen Angelegenheiten ernsten Anteil nehmen, und die Bedeutung der augenblicklich in Deutschland sich vollziehenden Krisis ersaht haben. Wenn C a p r i V i, der vorige Reichskanzler mit vollem sRccht sagen konnte:„alle Gesetze sind nach der Wirkung zu beurteilen, die sie auf die Socialdemokratie haben"— können wir mit gleichem Recht sagen, die Krisis. welche unser Vaterland jetzt durchläuft, ist nicht zu verstehen, ohne daß man die socialdemokratische Belvegung versteht. Und diese Bo wegung ist nicht zu verstehen ohne die socialdemokratisch Presse— insbesondere das Centraiorgan unserer Partei: den „Vorwärts". Bei der Schwäche des deutschen Bürgertums, das niemals vermocht hat, die bürgerlichen Freiheiten dauernd zu begründen, ist die Socialdemokratie in Deutschland die Bannerträgerin der Freiheit geworden. Das wissen die Feinde der Freiheit, die Reaktionäre aller Art— und darum suchen sie um jeden Preis die Socialdemokratie zu knebeln, und die deutsche Arbeiterklasse, ans der die Socialdemokratie ihre Kraft schöpft, durch ein Zuchthausgesetz inKettenund Bandenzulegen. Wohl hat der Reichstag der Gesetzesvorlage zur Vernichtung de? Koalitionsrechts eine schwere Niederlage bereitet, allein aus derWelt geschafft ist dieVorlage noch nicht. So lange in Deutschland das Junkertum die einfluhreichste Partei im Staate, und infolge der Unvollkominenheit unseres Ver- fassungSwesens im stände ist. eine politische Rolle zu spielen, zu der es weder wirtschaftlich, noch moralisch, noch intellektuell berechtigt ist, sind die Grundrechte deS deutschen Volks bedroht, ist das allgemeine Wahlrecht und ist das Koalitions- recht in Gefahr. Für diese Grundrechte und für alle Rechte des Volks kämpft in vorderster Reihe die Socialdemokratie und ihr Ccntralorgan, der „Vorwärts". Und wer diese Kämpfe verfolgen will, dem können wir nur das Abonnement auf den„Vorwärts" empfehlen. Die Zeiten sind niemals so ereignisreich und so wichtig für die Entwicklung der Menschen gewesen. Die bürgerliche Gesellschaft be findet sich, nach einer ökonomischen Revolution ohnegleichen, in gährender Umgestaltung. Da heiht es. sich auf dem Laufenden halten, und die Entwicklung der Dinge in allen Einzelheiten zu ver- folgen. Der „Vorwärts" bietet den Lesern nicht bloh alle Vorteile eincS g r o h e n p o li t i s ch en B l a tt e S— er hat es sich auch zur Aufgabe gc setzt, ja zur Hauptaufgabe, alle Phasen der Arbeiter- be wegung zur Darstellung zu bringen, und sie ini einzelnen und in ihrem Zusammenhang abzuspiegeln und zu b e leuchten. und Arbeiter Berlins rufen wir aber „Vorwärts" ist Euer Kampforgan— der Waffe— je mehr Ihr ihn verbreitet, hat Euer Organ, desto schärfer und wuchtiger ist Eure Waffel Wahrt Euer Interesse! Und erfüllt Eure Parteipflicht I Die Arbeiterinnen erster Linie an: Der „Vorwärts" ist Eure desto mehr Macht Für den mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Nuterhaltu«gsblntt und der SonntagS-Beilage „Dio Menv Melk" nehmen sämtliche Berliner ZeitungSspediteure, sowie unsere Expedition, Bcuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mar? 10 Pfennig frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämtlichePostanstalten Abonne- mentS zum Preise von 3 Mark 30 Pfennig für die Monate Juli, Angust und September entgegen. sEingctragen ist der„Vorwärts" in der Post-ZeitungS- liste für 18L9 unter Nummer 7820). Die Redaktion des„Vorwärts". Regierung und Volksvertretung. In Ländern ohne Konstitution ist die Regierung unbeschränkt — es giebt nur eine Souveränität, die des gottbegnadeten Monarchen; der Wille der Regierung ist Gesetz, und wer dem Willen der Regierung, d. i. des Monarchen, sich nicht fügt, wird mit Gewalt unterworfen oder erdrückt. Das Volk ist nichts, die Regierung alles. Solche Länder sind in Europa selten geworden. Außer Rußland und der Türkei kennen wir kein europäisches Land, in dem das rein despotische Regierungssystem noch herrscht, und diese zwei Länder sind nach Ansicht aller gebildeten Menschen Länder, die außerhalb des Bereichs der modernen Civilisation stehen. In allen übrigen Ländern Europas ist das Princip der Volkssouveränität zur Anerkennung gelangt, und wird die Regierung entweder direkt durch das Volk und dessen Vertretung ausgeübt, wie in den demokratischen Ländern: der Schweiz, Frank reich, England.— oder in Verbindung des souveränen Volks mit der Monarchie an der Spitze, wie das in den nichtdenwkratischcn Ländern, die aber nach einer, die Monarchen Souveränität einschränkenden Verfassung regiert werden, der Fall ist. Zu diesen Ländern gehören O e st r e i ch, Italien, Spanien und Deutschland. Allein in Bezug auf das gegenseitige Machtverhältnis der Monarchensouveränität und der Volkssouveränität besteht zwischen diesen Staaten ein sehr wesentlicher Unterschied. Während in anderen Ländern die Regierung sich stets mit der Volksvertretung im Einvernehmen zu halten sucht und sich nach den Beschlüssen der Volksvertretung richtet, je nach diesen Beschlüssen sich umgestaltet, sich niemals in offenen Gegensatz zu ihnen stellt,— gilt es in Deutschland als Regieiungs- Axiom, sich um die Willens änßerungen der Volksvertretung nicht zu bekümmern. Und im Fall eines Konflikts wird entweder der Reichstag auf g e l ö st, oder, wenn von einer Auflösung eine neue Niederlage zu erwarten ist, die Willensäußerung des Reichstags, welcher das deutsche Volk vertritt, einfach ignoriert. Es liegt auf der Hand, daß durch eine derartige Regiernngspraxis Deutschland t h a t s ä ch l i ch auf ein gleiches Niveau mit den nichtkonstitutionellen Staaten gestellt wird. Oder läuft es etwa nicht in der Sache genau auf das selbe hinaus, ob eine Regierung, wie das in Rußland geschieht, die Beschlüsse des nur zum Ratgeben berufenen Senats in den Papierkorb wirft, oder ob sie die Beschlüsse eines nach der Verfassung zur Teilnahme an der Gesetzgebung und zu gleichberechtigter Mitregierung berufenen Körpers, wie der deutsche Reichstag es ist, als Makulatur für den Papierkorb betrachtet? Papierkorb ist Papierkorb. Von den Russen hat ein französischer Politiker gesagt: Man kratze den Russen und der Tarbar kommt zum Vorschein. Von der deutschen Reichs- Verfassung kann man ähnlich sagen: man braucht sie nur zu kratzen und das russische Regiment steht vor uns. Das russische Wesen des preußisch-deutschen Regicrungs- systems ist wohl noch niemals so klar zu Tage getreten, wie im gegenwärtigen Augenblick. Seit Jahren Weitet die Regierung eine Gesetzesvorlage vor, deren Annahme durch die Volksvertretung sie für eine politische Notwendigkeit erklärt,— eine Vorlage, von der sie den Bestand der ganzen Staats- und Gesellschafts- Ordnung abhängig macht. Alles wird aufgeboten, um für diese Maßregel die Volksvertretung zu gewinnen. Und diese Maßregel ist von der Volksvertretung mit zermalmender Mehrheit ver- warfen worden.. Und nicht bloß verlvorfen. Nein— als un- taatsmännjsch, als ein Attentat auf die Grundrechte des Volkes bezeichnet; die Befürworter der Maßregel in einer Weise angegriffen und mit einer Nichtachtung behandelt, wie es Regierungsvertretern bisher kaum jemals wider- ahren ist. Und diese Regierung hat nach ihrer beispiellosen parla- mentarischen Niederlage sich weder zurückgezogen, noch hat sie verkündet, daß sie einen Fehler begangen, den sie wieder gut macheu wolle. Nichts von alledem. Sie thut, als sei gar nichts geschehen, als gäbe es keinen deutschen Reichstag und kein deutsches Volk. Läßt sich ein russischeres Handeln denken? Höchstens daß in Rußland die Reichstagsmehrheit vielleicht nach Sibirien geschickt worden wäre. Aber ländlich— sittlich. Ein Sibirien haben wir nicht. Das ist vorläufig noch Zukunftsmusik.-- Und diese nämliche Regierung, freilich mit anderer Titulatur: als königlich preußische Regierung, statt als kaiserliche Neichsrcgierung, beugt sich im preußischen Landtag vor den olks feindlichen Junkern, bietet ihnen, die ein kräftiges Wort der Vernichtung überliefern würden.„Ent- chädigungen" für den Fall, daß sie auf ihren Widerstand gegen eine im Interesse des Staates notwendige Maßregel zu verzichten die Güte haben. Dieser Mangel an Rücksichtnahme auf den Reichstag, der, nach allgemeinem Wahlrecht gewählt, den Willen des deutschen Volkes vertritt, und dieses Entgegenkommen gegenüber dem nach dem„elendesten aller Wahlgesetze" gewählten preußischen Landtag, in dem nicht der Willen des deutschen Volks, sondern nur der einer rück- tändigen Minderheit zum Ausdruck komnit— hierin spiegelt sich das Deutschland des Zuchthauskurses. Konfliktslnst? Der Groll über die Hinrichtung deS geliebten ZuchthauSgesetzes hat in den Centralverbändlern wollüstiges Sehnen erzeugt. von Niederlage zu Niederlage zu schwelgen. Das Leibblatt der Krupp und Bueck kommt auf den Vorfall zwischen dem Rcichstagspräsidenten und dem preußischen Haiidelsminister ausführlich zurück. Es be- streitet dem Neichstagspräsidenten das Recht, Mitglieder des Bundesrats in ihrer Rede zu unterbrechen oder ihnen eine Rüge zu erteilen. Es bestreitet auch dem Reichstage das Recht, sich irgendwie mit kaiserlichen Aeußerungen zu be- fassen. Es erinnert an den Konflikt zwischen dem Präsi- deuten des Abgeordnetenhauses und dem Ministerium Bismarck im Jahre 1863 und läßt sein RcichStagsärgerms in dem Scharfmacherwunsch austönen: „Wir dürfen vertrauen, daß seitens deS preußischen StaatS- ministeriuniS nichts unterlassen werden wird, im Bundesrat eine entschiedene Stellungnahme herbeizuführen, sotvohl gegenüber der parlamentarischen Kritik kaiserlicher Aeußerungen, als auch gegen- über den Versuchen, die Redefreiheit der Bundesratsnntglieder der parlamentarischen Hausdisciplin unterzuordnen." Der Bundesrat wird sich weislich hüten, den Ratschlägen der „Berliner Neuesten Nachrichten" zu folgen. Er hat kein Recht und keine Möglichkeit, die Redefreiheit des Reichstags einzuengen. Auch nicht gegenüber einer Kritik kaiserlicher Aeußerungen. In konstitutionellen Staaten liegt allerdings kein Anlaß vor, den Monarchen in die parlamentarische Debatte zu ziehen. Wenn aber unsere Regierung ein Heraustreten des Kaisers aus den konstitutionellen Schranken geschehen läßt, so ist die notwendige Folge, daß auch der Reichstag die sonst übliche Gepflogenheit nicht innehalten kann. Der deutsche Kaiser verschmäht häufig den konstitutionellen Schutz der Neichskanzlervcrantwortlikeit und greift mit sehr entschiedenen und scharf ge- spitzten Meinungen in das politische Leben der Nation ein. Er hat tviederholt den Reichstag oder einzelne Parteien des Reichstags mit kritischen Pfeilen getroffen. Da ist kein Zweifel, daß der Reichstag Rede und Antwort stehen mutz. Die Grenzlinie, die Graf Ballcstrem den ReichStagSinitgliedern in der Besprechung kaiserlicher Aeußerungen gezogen hat, ist eng genug. Private und von AmtSwegen nicht beglaubigte Acuße- rungen des Kaisers liegen außerhalb der vom Präsidenten ge- steckten Grenze. Das Bemühen der„Berliner Neuesten Nachr.", die preußische Regierung gegen diese Anordnung des Präsidenten aufzustacheln, dürfte keinen Erfolg haben, denn die Regierung wird ihr Conto mit einer schweren Blamage gerade in dieser Frage nicht belasten mögen. Verspürte sie dazu Lust, so hätte sie sicherlich schon alsbald nach dem Unglücksfall- des Herrn Brefeld Gelegenheit ge- nommen. Sie weiß aber, daß Herr Brefeld im Unrecht war, und wird sich wohl hüten, auf der abschüssigen Bahn der Verlegenheiten noch tiefer zu gleiten. Keinesfalls würden derartige Versuche den Reichstag beirren. Der ganze Reichstag steht zu dem Verfahren seines Präsidenten gegenüber kaiserlicher Aeußerungen. Ausgenommen sind nur jene parlamentarischen Parlamentsfeinde, welche unsere schcinkonstitutionelle Staatsform nur benutzen, um den Absolutismus vorzubereiten. Von der Linken des Reichstags ganz abgesehen, Centrum wie die Mehrheit der N a t i o n a l l i b e r a l e n werden die Entmündigung des Reichstags, der die„B. N. N." zustreben, nicht geschehen lassen. Die„Ratio nal-Zeitung" schreibt: „Je häufiger der Kaiser in die öffentliche Diskussion eingreift, und je offenbarer es ist, daß solches Eingreifen unmittelbare politische Wirkungen hat — die Vorlage über das gewerbliche Arbeitsverhältnis ist doch unleugbar eine Wirkung der Reden von Bielefeld und Ocyn- hausen!—, um so nuhaltbarer wird bei uns die alte konstitutionelle Regel, daß der Monarch außerhalb der politischen Debatte zu lassen ist. Durch ihre Befolgung würde unser öffentliches Leben zu einem großen Teil sich in e i n e l e e r e F i k t i o n verivandcln. Es ist sogar fraglich, ob die ziemlich willkürliche llntcrschcidung deS Grafen Ballestrem auf die Dauer haltbar sein wird, daß kaiserliche Reden nur dann Gegenstand der parlamentarischen Debatte sein dürfen, wenn über sie ein authentischer Bericht vorliege; denn es kann recht zivcifelhaft werden, waS als„authentischer" Bericht anz»- sehen ist. Wir stimmen dem Minister Brefeld darin durchaus zu, daß es ein höchst unerwünschter Znstand ist, wenn im Parlament — und wir fügen hinzu: in der Presse— sozusagen mit dem Monarchen diskutiert wird; aber die Folge kann nur mit der Ursache, kaiserliche Kundgebungen wie die in der Rede von Oeynhausen, ausbleiben. Und ähnlich spricht sich die„Köln. Volksztg." auS: „Die streng konstitutionelle Theorie verbietet allerdings die Hereinziehung der Person des Monarchen in den Parteikampf und die Parlamcntsdcbatten und will überall die Regicrimg vor ihn stellen. Allein, wenn der eine Teil sich nicht an die Theorie hält, kann man es doch auch von dem anderen nicht ver- langen. DerKaiser will nicht innner durch deuRcichskanzler oder seinen Minister gedeckt sein. Was hätten dann seine zahlreichen öffcnt- lichen Reden für einen Zweck, wenn damit nicht auf das politische Leben eingelvirkt, in den Parteikampf eingegriffen tvcrdcn sollte? Spricht aber der Kaiser persönlich seine Meinung öffentlich aus, um auf andere Faktoren unseres politischen Lebens einzuwirken, so muß doch an irgend einer Stelle die öffentliche Antwort er- folgen können. Will der Kaiser mit seinen Reden ans den Reichs- tag und seine Parteien einwirken, so muß im Reichstage doch gestattet sein, die entgegengesetzte Meinung auszusprechen und dar- zulegen, warum man die Ansicht des Kaisers nicht acceptieren kann." Die„B. N. N." suchen den Bundesrat aber auch gegen das Hansrecht des Präsidenten scharf zu machen. Das Blatt Beruft sich auf Artikel 9 der Verrassuug, der den BimdcSratsmit- flliederu daZ Recht gießt, jederzeit im Reichstag zu Wort zu fommen. DieS Recht ist aber nicht bestritten oder angetastet worden. ES handelt sich vielmehr darum, ob BnndesratSmitglieder über oem ReichstagS-Präside nten stehen, ob sie beliebig vor dem Reichstag schalten dürfen, ob sie unter Umständen Beleidigungen gegen�RcichStagS-Mitglieder oder den RcichStagS-Präsidenten verüben dürfen, ohne daß sie znriirkgewiesen werden dürften. Tie Beantwortung dieser Fragen ist ohne weiteres gegeben. Dem RcichStagS-Präsidenten liegt nach Z 13 des Wahlgesetzes„die Handhabung det Ordnung" in, Reichstage ob. BnndeSratsmitgliedcr, welche sich vermessen, die Handhabung dieser Ordnung den Händen des Präsidenten zu ent- ziehen und an seiner Stelke zu üben, handeln ungesetzlich. Diese Dinge liegen so klar, daß sich die Regierung wohl hüten wird, uns das Vergnügen einer ernsthaften Anfrollnng der Frage zu bereiten. Volikifichv Aebevfilszk. Berlin, den 24. Knni. Widergesetzlicher Wahltermin in Sachse». Die„Dresdner Nachrichten" schreiben: „Nachdem von dem Reichstage beschlossen worden ist, die am 16. Juni vorigen Jahres stattgcfimdene Wahl eines Abgeordneten für den 8. Wahlkreis des Königreichs Sachsen für ungültig zu erklären, ist in diesem Wahlkreis eine Neuwahl vor- zunehmen. Als Wähltag ist der 1». JUtt bestimmt. Als Wahl- kommissar ist der AmtShnnptmann Freiherr v. Tendern in Pirna bestellt worden." Hat die sächsische Regierung wirklich gehandelt, wie die „Drcsd. Nachrichten" angeben, dann irrt sie eben und müßte sie die Zlusschreibnng wieder zurücknehmen. Paragraph 8 Absatz 3 des Wahlgesetzes und Z 34 des Wahlrcglemcnts, welche von Neu- und Nachwahlen handeln, decken sich zwar nicht ganz genau, aber der Widerspruch ist durch Interpretation des Reichstags und Bundesrats aus der Welt geschafft. Das geschah gelegentlich der Wahl des Abgeordneten Cassclmann(Eisenach). Dieselbe wurde vom Reichstag am 8. Februar 1895 für ungültig erklärt und die lveimaranische Regierung beraumte daraufhin zum 14. März 1895 die Ersatzwahl an, ohne neue Wählerlisten anfertigen zu lassen, obwohl seit den Hauptwahlen, 15. Juni 1893, längst ein Jahr verstrichen war. Der Abgeordnete Richter richtete deshalb eine Interpellation an die ReichSrcgierung, die aber ohne Begründung und Debatte zurückgezogen wurde, da der Staatssekretär des Innern, Herr v. Bvtticher, in der Sitzung vom 25. Februar 1895 folgende Erklärung abgab: „Der Zweifel, welcher sich ans§ 34 des Wahlrcglemcnts zur Ausführung des Wahlgesetzes für den Reichstag dahin ergiebt, ob es notwendig ist, bei Ungültigkeitserklärungen von Wahlen bchnfs dcr� Neuwahl, wenn ein Jahr nach' der letzten Wahl verflossen ist, neue Wählerlisten anzufertigen, hat schon früher die ReichSverwaltMig beschäftigt. In den 70er Jahren ist der K 34 des Wahlgesetzes innerhalb der preußischen Regierung dahin nnfgesaßt worden, daß bei einer infolge der Nngiiltigkeits- erklärnng vorzunehmenden Wahl die Anfertigung neuer Listen nicht notwendig sei. Die RcichSverwaltniig hat damals die Frage gc- prüft und sich auf den Standpunkt gestellt, daß unter allen U m st än den bei der Vornahme von Ersatz- Wahlen, wenn ei» Jahr seit der Haupt ivahl verflossen ist, neue Wählerlisten angefertigt werden müssen." Der Minister teilte weiter noch mit, daß von dieser Ent- schcidung der weimaranischen Regierung Kenntnis gegeben sei und diese bereits telegraphisch die Anberaumung eines neuen Termins für die Wahl und die Aufstellung neuer Listen ge- meldet habe. Damit war der Fall erledigt und damit ist wohl auch für die Nachwahl in Pirna das Präjudiz ge- schaffen. Daran, daß trotz dieser Entscheidung der Reichsgcwalt die Wahl, ohne Aufstellüng neuer Listen, vorgenommen werden sollte, ist, trotz allem was man ans Sachsen gewöhnt ist, doch nicht zu denken. Sollte aber, wider alles Erwarten, wirklich auf Grund der alten Listen gewählt werden, dann können die in Betracht kommenden Parteien Zeit und Geld sparen, denn diese Wahl wurde sofort nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages kurzer Hand kassiert werden.— RbgeordnetcnhittlS. Das Abgeordnetenhans nahm am Sonnabend in dritter Lesung bebattelos den Gcsetzentivnrf betr. die Versetzung r i ch t c r- I i ch e r B e a m t e n in den Ruhestand an. Desgleichen ge- langten zur Annahme der N a ch t r a g s e t a t. die Novelle zum Gesetz betr. die Verteilung der öffentlichen Lasten bei G r u n d st ü ck s t e i l u n g c n und neuen Ansiedelungen, sowie der Antrag Kirsch sC.), v. Plettenberg(k.) betr. die Jagd auf eigenen, aber in Verschiedenen Gemcindebczirkcn belegenen Grundstücksteilen. Eine längere Debatte rief die ziveite Lesung dcrKarfettaaS« vorläge hervor. DaS Resultat war die Annahme der Vor- läge in der von konservativer Seite beantragten Fassung, wonach für diejenigen LandcStcilc, in welchen der Karfreitag nach den bestehenden Gesetzen nicht die Eigenschaft eines allgemeinen Feiertags hat, fölgciidcs verordnet wird: „Der Karfreitag hat die Geltung eines bürgerlichen allgemeinen Feiertages. In Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung soll die bcstchcndc herkömmliche WcrktagSthntigkeit am Karfreitage nicht verboten werden; cS sei denn, daß cS sich um öffentlich bemerk- bare oder geräuschvolle Arbeiten in der Rühe von dem Gottesdienst gewidmeten Gebäuden handelt." Im übrigen erledigte daS HanS nur Petitionen. Am Montag beginnt die zweite Lesung der A n s f ü h r n n g S- gesetze z n m bürgerliche» Gesetzbuch und zur Grund- b u ch- O r d» u n g.-» •» » Deutsches Aeich. Zeichen und Wunder. Betreffs der amtlichen A u s st a n d S- und A n§ s p e r r- berichte haben die Minister dcS Innern und des Handels folgende Verfügung erlassen: Da für die in die Nachwcisnngcn über die Ausstände und Ans- spcrrniigen anszimchmenden Angaben die OrtSpolizeibehördcn im wesentlichen auf Erkniidignngcn bei den Beteiligte» angewiesen sind, so crscheinr es. damit ein möglichst objektives Bild dcS EachverhältuisseS gewonnen werde, erforderlich, daß bei diesen die Interessen beider Teile berührenden Erkundigungen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer berücksichtigt werden. Die OrtSpolizcibchörden sind daher mit entsprechenden Weisungen für die Sammlung des Materials zu versehen, und es ist zugleich Anordnung zu treffen, daß bei der Nachprüfung der Nach- Weisungen die Gewerbe-AufsichtSbeamten in thunlichst weitem Umfange beteiligt werden." Es scheint fast, als sei die gegenwärtige Negierimg doch fähig, in Angelegenheiten, Ivelche die Arbeiter angehen, etwas zu lernen. Schwere Leiden bessern zuweilen den Menschen und daß die Leiden der ReichSrcgierimg bei der Bcrtretmig der ZnchthauSvorlage leicht gewesen seien, wird niemand behaupten. Wenn ober die Regierung anerkennt, daß durch Befragung der beiden beteiligten Teile erst ein objektives Bild zu gewinnen ist, so erkeimt sie zugleich an, daß daS in der Denlschrift gegebene Bild ei» n i ch t- o b j e k t i v e s ist. Die notwendige Folge dieser An- erkeimtnisses mußte die sofortige Znrttckziehnng der auf un- genügender Erkundigung beruhenden Zuchthans- vorläge sein. Diesen Grad der Einsicht tränen wir freilich der Regicrnng noch lange nicht zu._ Nachwahl 1« Pforzheim. Aus Pforzheim kommt die Nach- licht, daß unser Parteigenosse A g st e r sein Reichstags niandat aus Gesundheitsgründen niedergelegt hat. Dieser Schritt unseres von schwerem Nervenleiden befallenen Genossen war schon seit längerer Zeit zu erwarten. Der neunte badische Reichstags- Wahlkreis Ettltiigen- Dnrkach- Pforzhcim wurde bei der vorjährigen Wahl zum erftcnmale für die socialdemokrailsche Partei gewonnen. Im ersten WahlgaNg erhielten wir 10 386 Stimmen, der nationalliberale Kandidat 7272, der CeutrumSkandidat 4224, ein konservativer Kandidat 1263 Stimmen. In der Stichwahl siegten wir mit 12 972 gegen 16 236 gegnerische Stimmen. Wir hoffen zuverstchtlich, daß Nnfcre Parteigenossen im dortigen Kreise sich der Mühewaltung einer Nachwahl niit gewohntem Eifer unterziehen und daß der Wahlkreis unserer Partei erhalten bleiben wird. Hu! h«! Der TcrrorismuS! Der alldeutschen„Deutschen Zeitung" in Berlin wird ans studentischen Kreisen ans Halle gc- schrieben: „Am 21. Juni hatte der Studentenausschuß zum Gedächtnis Bismarcks einen Fackelzug zu veranstalten beschlossen. Auf dem Marlt sollte ein Kaiserhoch ausgebracht und eine BtSmarckrede gehalten werden. Beide Reden wurden von der Polizei verboten mit der Begründimg: die hiesige socialdemokratische Bevölkerung sei durch die Hetze gegen die „Zuchthansvorlage" so sehr erregt, daß schwere Unruhe« zu befürchten seien, wenn jene beiden Reden gehalten würden. Trotzdem jenes Verbot erlassen Ivar, versuchte ein Teil- iichmcr des Fackelzuges auf dem Roßplatz ein Kaifcrhoch anszu- brmgeil. Da er aber begann:„Obwohl die Polizei verboten hat usw."— so ivurde er sofort von einem Poltzeiosfizicr liiitcr- brochc», der ihm bedeutete, er'könne keine Kritik polizeilicher Hand- knNgcn niid keine Rede gestatten, höchstens ein kurzes Hoch. Darauf aber verzichtete jener Herr, unserer Meinung»ach mit vollem Recht. Demi wenn die deutsche akademische Jugend ihren Kaiser feiern will, dann will sie nicht nur rufen:„Seine Majestät der Kaiser lebe hoch, hoch, hoch!"— sondern sie ivill auch zugleich in herzlichen Worten ihrer Liebe und Vcr- ehrung zum Kaiser Ausdruck geben. Daher erscheint uns jener Verzicht vollkommen gerechtfertigt." Die„Deutsche Zeitung" mag sich nur beruhigen. Die Hallischen Arbeilcr sind zwar erregt über die Zuchthansvorlage, aber sie wurden cS trotzdem ertragen, wenn auf dem Marktplatz von den alldeutschen Studeiiteii eine Bismarckrede losgelassen und ei» Kaiserhoch ausgebracht würde. Die„Deutsche Zeitung" ist deswegen von ihrem studentischen Korrespondenten wahrscheinlich falsch berichtet, und der polizeiliche Bescheid wird wohl anders gelautet haben.— Unter dem ZnchthausknrS. Ans Itzehoe wird uns unten» 23. d. M. geschrieben: Bei der Kritik der ZiichthanSvorlage ist von nnserer Partciprcsse an mannigfachen Beispielen nachgewiesen, daß heute schon, ohne daß die Vorlage Gesetzeskraft erlangt hat, in socialpolitischen Prozessen eine immer schärfere richterliche Tonart zu Tage tritt. Wie gerechtfertigt eine solche Behauptung ist. beweist ein Prozeß, der vorgestern, an demselben Tage also, da im Reichstag der Gesetzentwurf mit dem Harm- losen Nanicn in erster Lesung ein so jämmerliches Fiasko erlitt, vor der detachierten Strafkammer beim hiesige» Anitsgericht zur Bcrhandlnng kam. Der Schiffer Rex und der Arbeiter M e i n e r t waren be- schuldigt, am 1. Mai den Arbeiter Dombrow ski mißhandelt, be- leidigt, sowie den Versuch einer Nötigung gegen ihn verübt zu haben. Am Vormittag des 1. Mai hatte die Mehrzahl der in der Lehmgrube der Lionschen Fabrik beichäftigten Arbeiter beschlossen, am Nachinittag die Arbeit ruhen zu lassen. Dombrowsli war damit einverstanden gewesen; als jedoch die Fabriklcitung erklärte, alle die- jcnigcn, welche am Rachmittag nicht zur Arbeit erscheinen würde», am' nächsten Tage entlassen z>i wollen, zog er sei» Wort zurück. Die Angeklagten suchten zunächst. Dombrowsli durch gütliches Zureden zum Halten seines Versprechens zu bewegen. Im Verlans der Alisciiiandcrsetziing kam es jedoch zu Wortwechsel und Thätlich- keitcn. wobei Meincrt den D. eine»„Hamburger ci-treikbrecher" mid „Linnp" gciiaunt haben und Rex ihm einige Faustschläge versetzt haben soll. Der Staatsanwalt bezeichnete den Fall„als hervorragen- des Beispiel für den in gewissen Fällen von einem Teil der Arbeiter gegen ihre Genossen geübten T e r r o r i s m n S". Er beantragte gegen Rex 6 Monate n»d gegen M e i n e r t 9 Monnic Gefängnis. Der Gerichtshof ging zum Teil über das vom Staats- anwalt beantragte Strafmaß hinaus und erkannte gegen beide Angeklagie auf neunMonateGefängnis, sowie sofortige Inhaftierung. Iii seiner Urteilsbegründung hob der Vorsitzende hervor, daß er die berechtigte E Ii t r ü st n Ii g der Staatsanwaltschaft ganz n n d g a r teile, und daß eS zu wünschen sei, daß dieser Fall in weitere» Kreisen bekannt werde, um diesen unerhörten Terra- r i S nni S z u zeichnen. Wir gebe» hiermit dem Wunsche bcS Herrn Folge niid bemerken nur noch, daß beide Angeklagte vcr- heiratet mid der eine Vater von 2 Kindcni ist. Erfährt man ferner »och, daß. abgesehen von dem niomentanen Schnierzgesuhl, die Schläge für den DoinbrowSki durchaus keine Folge» gehabt haben, so ivird man zugeben inüffc», daß diese schweren Strasen, die zivci Familien ans beträchtliche Zeit ihres Ernährers berauben, mit dem zn sühncndc»„Verbrechen", das übrigens organisierte Arbeiter am allerwenigsten billigen, in gar keinem Verhältnis stehen.— Tic„Märkische lvolkS- Zeitung" bringt in ihrer Nummer vom 23. Juni einen.neue» Beweis" von angeblichen Terrorismus der geiverkschaftlich organisierten Maurer. Sie schreibt: „Auf der Baustelle Nichthofenerstraße sEcke Löwcstraße) wurde vor einigen Tagen ein Mitglied des christlichen Vereins „A r b e i't e r s ch n tz' vsn dem Unternehmer in Arbeit gestellt. Als der christliche Arbeiter daS Gerüst betreten hatte, sagten ihm die dort bcschäfligtcil iocialdemolratischen Cciitralistcn sofort, er möge schleunigst vom Van gehen, er solle gar nicht anfangen, er solle sich nicht einbilden, daß sie mit ihm zusammenarbeiten würde»»siv. Als Grund gaben sie an. sie wurde» mit einem christlich organisierten Arbeiter nicht zusammenarbeiten. Wem» er auf dem Bau arbeiten ivolle, dann möge er sich erst vorher in den sotialdcmo- krntischcn Centralverbnnd aufnehmen lassen. Der christliche Arbeiter begab sich zum Polier, um ihm die Sache vorzn- tragen, doch als er zu diesem kam, waren auch bereits die socialdemokratische» Ccntralisten da, um ihrerseits die oben mitgeteilte Erklärung zu wiederholen und zn betonen, daß> falls der christliche Arbeiter nicht sofort entlassen wurde, sie die Arbeit nieder- lege» iviirdcn. Da der Polier infolge verschiedener Verhältnisse gezwungen war, weiter arbeiten zu lassen, so entließ er— wetttt auch mir widerwillig-- den ch r i st I i ch e n Arbeiter, um eben zu verhindern, daß sein Bau gesperrt würde." Nach den Erkundigungen, die wir haben einziehen lassen, verhält sich auch diese Sache anders. Der betreffende Polier— wohlverstanden, nicht die von dem Centrumsblatt angeschuldigten Arbeiter— hat angegeben, daß die Centtalisten das Aiisinnen, den„christlichen" Arbeiter nicht zur Arbeit zuzulassen, nicht gestellt hätten. Der Betreffende sei, als er in die Baubude gekommen, von den an- wesenden Centtalisten nur nach seinen Legitimationspapieren gefragt worden. Da die Arbeiter sich zur Zeit' im Streik befinden, darf ihnen das nicht verargt werden. Der Gefragte habe nun erwidert, daß er dem Verein„Arbeiterschutz" angehöre, und darauf mögen einige spöttische Bemerkungen gefallen sein, die sich auS der Vergangenheit des Vereins erklären. Bei dem Unterzeichnen des Arbeitsvertrages in der Polierbude habe sich der Arbeiter beschwert, worauf der Polier geantwortet habe, daß er doch nicht samt- liche Maurer wegen eines einzelnen entlassen könne. Auf dem betreffenden Bau arbeiten noch jetzt zwei andere Mitglieder des Vereins„Arbeiterschutz" ruhig neben den Gewerkschaftern. Diese letztere Thatsache spricht wohl dafür, daß unsere Darstellung der Wahrheit entspricht, daß der„M. V." etwas vorgeflunkert worden ist. Jedenfalls kann von„Terrorismus" auch in diesem Falle keine Rede sein, denn daß die Maurer für ihre Organisation werben, ist ihr gutes Recht. Das Cciitrumsorgan bleibt auch dabei, daß der gegenwärtige Vauarbciter-Stteik ein frivoler sei, es verurteilt die Pro- vozierung des Streiks durch die Centralisten z u dem gegenwärtigen Zeitpunkte. Wäre das Centrums- blatt zu einem anderen Zeitpunkte wohl damit ein- verstanden gewesen? Zu welchem Zweck ist nun der Streik „provoziert" worden? Um den 62 Pfennig- Stundenlohn zu erreiche». Nun, die Unternehmer des Baugewerbes haben, indem sie vor dem Ciniguiigsamte die Forderungen der Streikenden, wenn auch stufemveisc, anerkannt, daß sie die Fordertmgen nicht für frivol halten. Wenn die„Märkische Volls-Zeitung" das Verlangen eines Arbeiters, der nur etwa 2/3 des Jahres Beschäftigung hat, noch nicht ganz 6 M. pro Tag zu verdienen, frivol nennt, so mögen die Arbeiter daraus ersehen, was es mit der Arbeiterfreundlich- k e i t des Blattes für eine Bewandnis hat. Geringer Verdienst, clcndcs Leben, das mag der christlichen Anschammg von der„Glück- scligleit der Armut" entsprechen, ans lange werden sich damit die Arbeiter nicht mehr ködern lassen.— Chronik der MajestätSbeleidigungo-Pr-zess». Von der Strafkammer in Landsberg a. W. wurde am 19. d. Mts. der Schnhmachcr Johann Waff aus Löbau in West- Preußen wegen Majestätsbeleidigung, Beleidigung eines Wirtes und BettelnS zu s i e b e n M o n a t e n G e f ä n a n i S und vier Wochen Haft verurteilt. W. hatte am 12. Mai d. I. in vietz bei einem Wirt gebettelt und wurde abgewiesen. Aus Aerger bc- leidigto er den Wirt und den Kaiser. Der Staatsanwalt hatte für die Riajestätsbeleidigung 1 Jahr Gefängnis beantragt. Wegen Beleidigung des deutschen Kaisers, des Königs von Bayern und des Prinzregentcn verurteilte das Landgericht München II den 84 Jahre alten Dieiiftkilccht Franz Xaver Schirlinger in Mies- dach zu drei Monaten Gefängnis. Rebellion in Kiautschou. Ans Tsintau wird vom 23. Juni telegraphiert: Die Einwohner verschiedener um Kaomi gelegener Dörfer z e r st ö r t e n die von den deutschen Ingenieuren dort unter- iiommenen Bahnbau»Arbeiten. Die Strafe folgte auf dem Fuße nach. Hauptmann Manwe, Chef der 1. Kompagnie des Seebalaillons, wurde niit 86 Mann seiner Kompagme und 16 Reiten: an Ort und Stelle geschickt, um die Aufrührer zu züchtigen. Welcher Art die„Züchtigung" war. wie viel Menschen ihr zum Opfer gefallen sind, wird nicht mitgeteilt. Vielleicht bringt hierüber die zu erwartende amtliche Bestätigung der Nachricht bald Ausschluß.— Bon der Friedenskonferenz. Die von russischer Seite in der ersten Kommission der Friedens« konferenz eingebrachten Anträge gehen dahin, daß die gegenwärtigen Effektivstärken der Streitkräfte sowie die entsprechenden Budgets während 5 Jahren nicht erhöht werden dürfen, von welcher Bestimmung jedoch die Kolonialttuppen ausgenommen sein sollen.— Das Redak'tionskomitee der dritten Kommission, welches sich mit der Frage der Schiedsgerichte zu befassen hat, hielt heute nachmittag ein» Sitzung ab und prüfte Artikel 1—7 der russischen Borlage über das schiedsgerichtliche Verfahren, welche ans 26 Artikeln besteht. Am Mittwoch wird sich die Konferenz wahrscheinlich auf kurze Zeit ver- tage», um den Delegierten Zeit zu geben, ihren Regierungen über den Stand der Dinge Bericht zu erstatten. Im übrigen scheint es auf der„FriedenS".Konferenz ohne Krieg doch nicht abzugehen; die türkischen Delegierten haben nämlich abermals gedroht, den Haag zu verlassen. Dem„Berl. Tageblatt" wird darüber gemeldet: «Infolge der beleidigenden Angriffe deS Jnngtürken Achmed Riza und des Armeniers Armeghian in einer öffent- lichen Versammlung ans die Person des Sultans begab sich der ottomanische Delegierte Tnrlhan Pascha auf da« Aus- wärtige Amt und erklärte dem Minister des Acußern Bcaufort, d i e türkischen Delegierten würden innerhalb vier- nndzlvanzig Stunden die Friedenskonferenz verlassen. Gleichzeitig sandte der türkische Delegierte G e- neral Abdullah Pascha den Beleidigern des Sultans eine Herausforderung zum Duell. Die holländische Rc- gierung beeilte sich, den Zwischenfall durch die Ausweisung Achmed Rizas und Armeghians zu beenden. Diebeiden Agitatoren reisten nach Paris ab. Der Zwischenfall erregt in den Kreisen der Konferenzdelcgierten großes Aussehen." Ausland. AnSwelsungSpraxtS in der Schweiz. Bern, 23. Juni.(Qrig. Ber.) Auf die von uns erwähnte, an die BimdeSversaminlimg gerichtete Reknrscingabe des Professors Dr. Zürcher gegen die ÄuSwctsung der drei italienischen Genossen hat der Bimdesrat der Bundesversammlung einen längeren Bericht vorgelegt, in dem er die vollzogene AllSweisuug als gerechtfertigt mid nottvendig nachzulveiscn sucht. Zu diesem Zwecke wird das bekannte Manifest ivicderum reproduziert und zwar der Schluß in der von Professor Zürcher berichtigten Ueber- sctzimg; ferner werden verschiedene Artikel ans dem„Socialista" citiert und mehrere Vcrsammlimgcn erwähnt, sowie daran erinnert, daß die Italiener im Kanton Tessin seiner Zeit wegen ihrer, gegen Italien gerichteten Agitation verwarnt worden seien. Ueber seine grundsätzliche Auffassung des Ashlrechts äußert sich der Bundesrat folgendermaßen:„Und waS unsere völlerrechtliche Gepflogenheit anbettifft, so bestand sie von jeher darin, die freund- schaftlichen Beziehnngen zu andern Staaten anfrcchtzurrhalten und gegen jedes Vorgehen Fremder, welches geeignet wäre, diese Be- ziehimgen zn trüben, einzuschreiten: auch galt von jeher als Grund- satz: Das Asyl wird den politisch Verfolgten aller Parteien gewährt, wenn sie sich durch ruhiges Verhalten desselben würdig zeigen, dagegen nicht gewährt, wenn sie auf unserem Gebiet die Umtriebe und Angriffe gegen den fremdenStaat forts etz en." Und zum Schlüsse des Berichtes heißt es im Hinblick auf die in Frage stehenden Aiisweisimgei,:„Wir erachten es im Interesse des Landes als geboten, dieser fortwährenden Agitation durch Ans- Weisung der verantwortlichen Führer Einhalt zu thun. W i r werden auch in Zukunft allen Umtrieben Fremder, die geeignet sein könnten, die innere oder äußere Sicherheit der Eidgenossenschaft zu gefährden. mit Entschiedenheit entgegentreten und nicht dulden, daß unsere Beziehungen zu anderen Staaten durch das Verhalten Fremder und durch Interessen, die nicht die unsrigen sind, de« einfluht werden können.' Schließlich wird der Bundes- Versammlung beantragt, auf die erhobenen Beschwerden nicht ein- zutreten.— Dieser Antrag ist, wenigsten? formell, nicht erfüllt worden, denn die Rekurseinaabe ist bereits einer Kommission des Nationalrates zugewiesen. Wie diese sich dazu stellt, wird man bald erfahren. Auf die von uns ebenfalls erwähnte neue AuSweisungS- a ffaire, deren Einzelheiten Genosse Greulich veröffentlichte, stürzte sich der offiziöse Schreibhandlanger Dr. Langhard, wie der Geier auf ein GemSIein. Der Allesbesserwisser wußte sofort mehr als Greulich und fand alles in Ordnung. Im Berner .Bund' wird der Fall so dargestellt, daß die drei aus gewiesenen Italiener von Zürich nach Chiasso mit gewöhnlichen Fahrkarten dritter Klasse reisen konnten, wie jeder andere Passagier, nur daß sie von Polizisten, aber in Civil und unauffällig begleitet ivorden seien. In Chiasso hätten sie wie alle anderen Reisenden die Zollrevision passiert und seien dann mit dem nächsten Zuge ins Innere des Landes weiter gereist. Bon einer Empfangnahme durch tessinische oder italienische Polizisten sei keine Rede gewesen. Nach Langhard hätten sie über die italienische Grenze gebracht werden müssen, weil die ausgewiesenen Anarchisten an den übrigen Grenzen zurückgewiesen wurden. Der.Grütlianer" konstatiert all' dem gegenüber, daß die Zwangsauslieferung an Italien doch bestehen bleibt! Die„ Z ü r. Post" bemerkt zu der Geschäftigkeit der Offiziösen:„Höre man in Bern doch endlich auf, ernste Sachen mit Höflichkeitsgeschwäu abzuthun. Er kläre man doch klipp und klar, man sei entschlossen, mit der bis hcrigen menschlichen Art der Ausweisungen zu brechen, der italienischen Regierung alles zu gewähren, was sie von der Anarchisten koufercnz in Rom verlangt hat und daß man keinen Wert mehr darauf legt, die gesetzlichen Unterschiede zwischen Aus liefcrung und Ausweisung zu respektieren. Dann wissen wir, woran wir sind..—_ DaS belgische Wahlgesetz ruft einen Sturm der Entrüstung im Lande und in der Dcputiertcnkammer hervor. In der Kammer kam es anläßlich der Festsetzung des Datums für die Erörterung des Wahlgesetzes au' den 5. Juli, wie wir bereits in einem Teil der gestrigen Auflage unter Depeschen mitteilten, zu heftigen Zwischenfällen. Der Socialist Bandervelde erklärte das Gesetz für schamlos. Der Socialist SmeetS erklärte, der König sei der Mitschuldige des Ministeriums. Der Borsitzende forderte den Redner auf, die Person deS Königs zu respektieren. Der Socialist Demblon erklärte darauf, man achte, was zu achten sei. Der Socialist Bandervelde wird wegen seiner Bemerkung über den König zur Ordnung gerufen. Demblon erklärte:„Wir hatten nicht erwartet, daß man ein flandalöses Gesetz einbringen wird Sie haben nicht das Recht, ein solches Gesetz vorzulegen. Sie spotten damit der Konstitution!" Sich an die Regierung" wendend rief Redner:„Sie sind Aufrührer! Die Regierung muß die Bor läge zurückziehen.' Der Fortschrittler L o r a n d protestierte eben- falls gegen die Borlage. Da bei der Abstimmung über das Datum für die Erörterung der Vorlage die Linke den Saal verlassen hat. ist die Kammer beschlußunfähig. Die Sitzung wird infolgedessen aufgehoben. Die Bewegung gegen daS Wahlgesetz der Regierung dehnt sich über ganz Belgien aus und wird eine nationale Kund- g e b u n g aller Oppositionsparteien zur Folge haben. Trotzdem hofft das Ministerium, daß am 3. oder S. Juli die Beratungen beginnen werden und hat allerlei Maßnahmen gegen die Volksbewegung ge> troffen. „vom 3. I MtS. ab sollen täglich die sämtlichen Sonden korp» der Brüsseler Bürgergarde abends von 3 Uhr ab ein- berufen werden, um die neutrale Zone, das heißt da» kleine Stadtviertel, in dem alle Ministerien und daS Brüsseler Königsschloß liegen, zu schützen. Alle Bürgergardisten erhalten die sogenannten Aus stand s Patronen. Die gesammte Gendarmerie. Polizei und Feuer- wehr sind vom 3. r. M. täglich konstgniert; schon sind 40 Gendarmen auS der Provinz nach Brüssel gezogen worden. Am Ende der Gesetzesstraße, in dem alle Ministerien liegen, befindet sich das PalarS du Cinquantenaire; hier werden jetzt die erforderlichen Einrichtungen getroffen, um sofort zwei Bataillone des zehnten Linie nregimentes zur Verstärkung der Brüsseler Garnison aufzunehmen. Weitere Verstärkungen der Brüsseler Garnison durch Heranziehung flandrischer Truppenteile sind an- Seordnet. Die maßvolle Brüsseler„Gazette" mahnt heute den önig, rechtzeitig einzugreifen, und das Ministerium auf einer Bahn anzuhalten, die unzweifelhaft das Land in die R e v o I u t i o n und in den Bürgerkrieg treibt._ Schweiz. Mit der parlamentarischen Erledigung der Kranken- und Unfallversicherung wird es nun anscheinend in der That wieder nichts. In unverbrüchlicher Treue zu ihrer bisherigen jahrelangen Bcrschleppungspolitik soll die herrschende„radikale" Parlaments- Mehrheit beabsichtigen, sie auf die Herbstsession zu verschieben— zu verschieben ad calendas graecas! Die Arbeiter können warten und der radikale Parteipapst Forrer hat ja einst erklärt: wir machen Sozialreform, wenn es uns paßt. Und was Herr Forrer will, das geschieht.— Serbien. Steuerverweigerung in Serbien. Wie der„Int. Korresp.' auS Belgrad gemeldet wird, haben die Oppositionsparteien in den südlichen Kreisen die Steuerverweigerung beschlossen und bereits allgemein organisiert. In der Umgegend von Nisch und Vra nj a wurden mehrere Steuer- und Polizeibcamte von den Daucn« enist- hast verwundet; doch sucht die Regierung alle Meldungen hierüber zu unterdrücken.— Ter Konflikt an der scrbisch-tiirkischen Grenze sollte bei- gelegt sein.— so war von einer Tclegraphenagentur gemeldet worden. Einer Berliner Zeitung, die diese Mitteilung gebracht hatte, wird dazu aus der serbischen Gesandtschaft geschrieben: „Das Wiener Korrespondenzbureau brachte vorgestern die tele- graphische Nachricht au» Konstantinopel, daß der König von Serbien dem Sultan sein Bedauern über den Borfall an der serbisch- türkischen Grenze tclcgraphisch ausgesprochen habe, und daß auch der Vertreter des serbischen Ministeriums des Aentzeren sich in derselben Weise dem türkischen Gesandten in Belgrad gegenüber geäußert habe. Wie man uns ans Belgrad mitteilt, ist diese Behauptung deS Korrespondenzbureaus völlig aus der Luft gegriffen. Die an der türkischen Grenze konzcntrirtcn serbischen Truppen werden so lange dort verbleiben, bis die Sicherheit vollständig wieder hergestellt ist."— Afrika. Kricgövorbcrritungrn? Ebenso wie die südafrikanische Republik trifft auch der Oranje-Freistaat allerlei Wer- teidigungSmaßregeln. Bloemfontein, 24. Juni. Der Raab deS Oranje Freistaates bewilligte heute 2000 Pfd. Gterl. für Vermehrung der Artillerie um 40 Man» und 80 Pferde. 420 Pfund zu Verbesserungen bei der Feldtelegraphen-Abtellung der Artillerie, 3400 Pfd. für Zelte für die Burghcr« und 4050 Pfd. für drei Maximgeschütze und drei Schncllfeucrgcschütze. Der Raab beschloß ferner, daß das Mauscrgcwehr Nationalivaffe sein sollte, und bewilligte 22 500 Pfund Sterling zur Anschaffung von Munition, 39 950 Pfund für Kriegs- Material und 13 527 Pfund für Vermehrung der Artillerie. Trotz aller dieser Nachrichten ist zu hoffen, daß ein Krieg zwischen Südafrika und England vermieden werden wird.-- Ueber die Sitttation in Frankreich, besonders über den Eintritt des Soctaltsten Millerand, in das Kabinett schreibt uns unser Pariser Korrespondent: P a r i S, 23. Juni. Zu jeder anderen Zeit würde das neue Ministerium als daS Er- zeugnis einer tollen jPhantasietz erscheinen. Aber seine'außer- gewöhnliche Zusammensetzung entspricht der außergewöhnlichen Situation. Die zehn Tage lange verschleppte Ministerkrise hatte sich zuletzt zu einer Staatskrise zugespitzt. Es fehlte wenig dazu, den Präsidenten der Republik zur Demission zu zwingen. Die sonst so machtliisternen Politiker hatten einen wahren Ministerstteik erklärt. Die einen, wie PoincarS und Melines� Kreaturen mit dem Hintergedanken, ein rein„gemäßigtes', der Fälscherbande und den Nationalisten genehmes Kabinett zu erzwingen; die anderen, wie die Radikalen Brisson und namentlich Leon Bourgeois, aus schlotternder Angst vor der schweren Verantwortlichkeit. Zum zweitenmal von Loubet mit der Kabinettsbildung betraut, weil kein anderer Kandidat aufzutreiben war, mußte Waldeck-Rouffeau um jeden Preis unverzüglich seine Aufgabe lösen. Hat er sie glücklich gelöst? Ja und nein. Auf der einen Seite hat er die Einigung aller Republikaner, mit Ausnahme des Melineschen Flügels, in die That umgesetzt. Mit kühnem Blick und festem Entschluß berief er, der waschechte Bourgeoisrepnblikaner. ins Ministerium den S o c i a l i st e n Miller and, ungeachtet de? Entrüftungsgeschreis nicht nur der Melinisten, sondern auch der mehr links stehenden Bourgeois rcpnblikaner von der Schattierung des„Temps". � Er bekundete damit, unbekümmert um bornierte, egoistische Parteiinteresien, daß die socialistische Partei für die Verteidigung der ernstlich bedrohten Re- publik unentbehrlich ist. Einzig von dem Gedanken geleitet, die prätorianischen Elemente zu bezwingen und die Oberhoheit der Re- publik und der Civilgewalt wiederherzustellen, setzte er ferner das Kabinett:us lauter erprobten und energischen Republikanern zusammen Er brach entschieden mit den üblichen Kabinett-BildnngS- kniffen, die eS vorschreiben, die Minister den diversen parlamentari« schen Klüngeln zu entnehmen, ohne Rücksicht auf den persönlichen Wert der von den Klüngeln poussierten Kandidaten. Man findet daher im neuen Kabinett'unter 11 Ministern acht„neue Männer", die noch niemals am Ruder waren, die aber fast sämtlich ihre Tüchtigkeit bezw. ihre hervorragenden Fähigkeiten bereits durch die That bewiesen haben. Und so verschieden auch die allaemeine Parteistellung der einzelnen Minister ist, ihre Ansichten über die Erfordernisse der gegenwärtigen Situation, über die dringlichen Re« gierungsanfgaben stimmen vollkommen überein, worauf es ja zur Zeit einzig und allein ankommt. Die Kehrseite der Medaille ist der Kricgsminister General de G a l I i f f e t. Ersten? ist es schon an sich ein Am,utszeugnis für die Republik, daß sie in ihrer schwersten Stunde, im Kampfe gegen die Prätorianer, zu einem militärischen KriegSmimster Zuflucht nehmen mntz. Die Civilgewalt bekennt, daß sie die Militärs nicht ohne Vcrmittelung eines Generals unter das Gesetz beugen kann! Und dann was für eines Generals? Des blusigsten Schlächters des Pariser Proletariats in der blutigen Maiwoche 1871, des Unmenschen, der gefangene Kommunekämpfer aufS Geratewohl hat erinorden lassen idie haarsträubenden Einzelheiten lese man in Lissagarays „Geschichte der Kommune' nach)... Galliffet ist das Gegengewicht gegen Millerand und umgekehrt. Letzteres so sehr, daß von Millerands Eintritt ins Ministerium die Lösung der Krise abhängig war. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß MillerandS Entschluß von jeglichen ehrgeizigen Beweggründen frei ist. Der socialistische Abgeordnete hat vielmehr dabei ein große? Opfer gebracht im Dienste der Republik und folglich der soeialistischen Partei. ES unterliegt keinem Zweifel, daß Millerand sich zuvor über die Hal- tung des Ministeriums und insbesondere GalliffetS vergewissert hat. Demgegenüber hat es nichts zu bedeuten, daß Galliffet, sonst ein Anhänger der DreysuS-Revision(er war Entlastungszeuge für Picquart), vor zwei Monaten in einein Brief an daS„Journal des Dsbats" jede Maßregeln gegen die verbrecherischen Generalstäbler bekämpft batte. Genosse I a u r s§ billigt(wie bereits gestern im„Vorwärts" erwähnt) rücksichtslos MillerandS Eintsitt ins Ministerium, trotz Galliffet— in der festen Ueberzeugung natürlich, daß� es ein Kampf- ministerium gegen die Prätorianer sein ivcrde. Er schreibt in der „Petite Republique":„Daß die Bourgcoisrcpublik in ihrem Kampfe gegen die sie umschlingende militärische Verschwörung selbst prolla- miert, daß sie der soeialistischen Energie bedarf, das ist eine große Thatsache. Welches auch der nmnittelbare Ausgang sein mag, es wird ein großes historisches Datum sein, und eine kühne, erobernde Partei darf meines Erachtcns nicht diese Anerbietungen deS Schicksals, dies Entgegenkommen der Geschichte verschmähen..." Im übrigen sind zur Stunde die Meinungen in soeialistischen Kreisen über MillerandS Einttitt in dasselbe Ministerium. dessen Krieqsminister Galliffet ist. geteilt. Heute abend wird der socialistische Verständigungs-AnSschnß über die Lage beraten und Beschluß fassen. DaS' Mmisterinrn wird erst am Montag vor der jkanimer erscheinen. Es muß sich auf einen heftigen Angriff gefaßt machen. Nicht nur die Nationalisten und Melinisten überschäumen vor Wut legen das„drehfusistische", das„verräterische" bezw.„socialistische" und„revolutionäre" Ministerium, auch manche Radikale können eS nicht verschmerzen, daß Waldeck-Nousscau ihre Portefeuille- Hoffnungen schnöde getäuscht hat. Natürlich verbergen sie ihre elenden Beweggründe hinter dem demokratischen Zom wider Galliffet. Und doch ist die radikale Pnrtei nicht minder, wie die Leute um Poincars, daran schuld, daß Waldeck-Rouffeau schließlich ohne Galliffet kein Kabinett hätte bilden können, nachdem die radikalen Feiglinge Briffon und Bourgeois ihre Mitwirkung verweigert hatten. Erljeilernd ist die grenzenlose Wut der prätorianischen Preffe, namentlich auch gegen Galliffet. Dir Drumont und Rochefort, die unaufhörlich die„Armee" zu einer Wiederholung der blusigen Mai- Woche im Interesse der militärischen Verbrcchcrgcscllschaft auffordern, appellieren nun ans Volk, an das Proletariat, an die„Söhne der erschossenen KommunardS". gegen das„Kabinett Galliffet' in den Aufstand zu treten... Wenn nur die Wut der Prätorianer durch GalliffetS Handlungen gerechtfertigt wird, so kann daS Proletariat zufticden sein, oder— wie JauröS sagt— sogar„ein gewisses Gefühl bitterer Revanche, eine erste Vergeltung der Geschichte genießen", daß sein ehemaliger Schlächter gezwungen ist, die militärische Reaktion zu bekämpfen... Ja, alle? kommt auf die Handlungen des neuen Ministeriums an. Vielleicht bringen darüber schon die nächsten Stunden Klarheit. Zeigt es sich seiner Aufgabe gewachsen, dann sind seine Feinde ein- chli'eßlich der verstimmten radikalen Feiglinge ohnmächtig. Die troße Masse der replublikanischcn Abgeordneten und Senatoren wird ,hm treu folgen. Denn eine neue Ministcrkrise würde unberechcn- bare Folgen haben. Sie würde den Rücktritt Loubets fast un- vcrmcidlich mache» und damit den Triumph der prätorianischen Parteien einleiten. Die große republikanische Mebrheit, die Loubet gewählt bat. wird sich vor dem Sprung ins Duntle, genauer— in !zie dunkelste prätorianische Reaktion hüten.— •• Wir fügen hier die un» heute au« Pari» zugekommenen tele- graphischen Nachrichten an. Pari«, 24. Juni.(Privatdepesche de»„Vorwärts"). Di« Einigkeit der Socialisten wird auftecht erhalten bleiben trotz dem Beschlüsse von 13 Blanq, listen und Allemanisten, wegen de? Eintritts von Millerand ins Ministerium im Parlament eine besondere Gruppe zu bilden. Ein socialistische» Einigungskomitee beschloß nach dem An- trage Jauräs, daßMillcrand auf eigene Verantworsiing gehandelt habe, daß aber die Partei einig sei im Kampfe zur Vertheidigung der Republik. Die ssckalissischt Kammerftaksion hatte für Sonnabend abermals eine Versammlung einberufen in der Hoffnung, daß die gestern aus- getretenen Mitglieder angesichts der von Waldeck- Rousseau den Delegierten der Partei gemachten Versicherungen ihre Demission zurücknehmen würden. In dem unter Vorsitz des Präsidenten Loubet am Freitagabend stattgehabten Ministerräte wurden die allgemeinen Gesichts- punkte der ministeriellen Erklärung, welche am Montag den Kammern mitgeteilt werden wird, festgestellt. Der genaue Wortlaut wird in einer am Sonntagvormittag stattfindenden Sitzung bestimmt werden. Die Erklärung wird dem Vernehmen nach sehr kurz sein und wird hervorheben, daß das Kabinett siih insbesondere zu dem Zweck ge- bildet hat. um die republikanischen Institutionen zu verteidigen. Pariö, 24. Juni. Ministerpräsident Waldeck-Rousseau sandte ein Rundschreiben an die Präfekten, welches be- sagt: Das jetzige Ministerium ist gebildet worden, um der von der Kammer am 12. Juni angenommenen Tagesordnung zu entsprechen. Das Minifterinm hat die Aufgabe übernommen, die Republik zu verteidigen, eine Aufgabe, welche den Parteigeist aus- schließt. Das genügt, um Ihnen Ihr Verhalten vorzuzeichnen. Sie haben mir über jeocn Vorgang Mitteilungen zu machen, welcher eine Verletzung des Gesetzes uno eine Störung der öffentlichen Ruhe zur Folge haben könnte. Sie werden nötigenfalls auf Ihre eigene Verantwortlichkeit und zwar ohne Verzug zu handeln haben. General Galliffet richtete an die kommandieren- den Generale der Armeekorps ein Rundschreiben, in welchem eS heißt:„Zu meinem großen Bedauern habe ich aus meiner Zurück« gezogenheit heraustreten müssen, um gegenüber dem Lande und der Regierung der Republik die Verantwortlichkeit für die Armee zu übernehmen und ich empfinde hierüber großen Stolz, durchaus keinen Schrecken. Ich bitte Sie, nicht zu vergessen, daß ich für die Führer der Armee die Verantwortung trage, wie diese mir gegenüber mit ihrer Person für alles haften, was sich innerhalb ihres Wirkungskreises ereignet. Ich zähle also auf Sie. wie Sie auf mich rechnen können. Im Ministerräte kündigte Galliffet die Versetzung der Generale und Offiziere an, welche sich disciplinwidriger Kund- gedungen schuldig gemacht haben. Der Ministerpräsident Waldeck- Rousseau ernannte Lepnie zum Polizeipräfekten anstatt BlancS, welcher zum Staatsrat ernannt wurde. Dem General R o g e t soll das Kommando der 28. Infanterie- Brigade in Beifort übertragen werden. Döroulöde, welcher übermorgen in Versailles anläßlich der Hochefeier ein Meeting veranstalten wollte, wurde verboten, auf einem öffentlichen Platze eine Rede zu halten. Paris, 24. Juni. Die meisten republikanischen Organe er- klären, daß die im gestrigen Ministerrat beschlossenen Maßnahmen in den Kreisen der republikanischen Deputierten einen guten Eindruck hervorgerufen hätten, und daß das Ministerium auf mindestens dreihundert Stimmen rechnen könne. Einzelne gemäßigte und nationalistische Blätter halten es allerdings für möglich, daß das Ministerium gleich in der ersten Sitzung der Kammer unter- liegen werde. Friede, isschluß im Baugewerbe. Wie unsere Leser an anderer Stelle nachlesen können, trat gestern das Einigungsamt des hiesigen Gewerbegerichts zusammen, um über den Konflikt im Baugewerbe zu verhandeln und ein» Einigung zu versuchen. Diese Einigung ist gelungen, denn es ist wohl zweifellos, daß die Arbeiter dem zustimmen werden, was ihre berufenen Ver- treter mit den Arbeitgebern vereinbart haben. Die Arbeitnehmer haben von ihrer Forderung von 35 Pf. pro Stunde zwar abgelassen, nichtsdestoweniger bedeuten die getroffenen Vereinbarungen für sie eine große Errungenschaft. Im nächsten Jahre bereits werden die Vollgesellen den 35 Pfennig-Stundenlohn erhalten, ohne daß sie aufs neue darum zu kämpfen haben werden. Die Unternehmer haben mit der Bewilligung desselben auch anerkannt, daß die neuesten Lohnforderungen der Arbeiter nichts weniger, als frivol feien. Ihrem Einwände, daß sie den Lohn jetzt, nachdem sie die Voranschläge gemacht, nicht zahlen könnten, ist mit der stufenweiscn Einführung des 35 Pf. Lohnes begegnet worden. Gegen die Lohnhöhe selbst, die in den Verhälmissen des Baugewerbes ihre volle Berechtigung findet, konnte in der That von den Vertretern der Unternehmer nichts Wesent- lichcs angeführt werden. Die Vereinbarungen, die nun auf längere Zeit die Lohnhöhe festlegen, und deren Aenderung von jedesmaligen Berhanldungen zwischen beiden Parteien abhängig gemacht sind, bringen für beide Teile nicht zu verachtende Vorteile. Die Unteniehmer werden nicht mehr biege- ringftc Gcschäftsflaue zu einem Lohn druck ausnützen dürfen, sie haben auf der anderen Seite auch nicht zu gewärtigen, daß die gute Konjunktur die Arbeiter sofort zu Lohnforderungen anreizen könnte. Es wird ein stabileres Verhältnis platzgreifen, die Unternehmer haben feste Unterlagen für ihre Voranschläge, sie haben auch nicht zu be- fürchten, daß sie, um mit Herrn W e st p h a I zu reden,„einzeln ab- geschlachtet werden", die Arbeiter haben nicht mehr jahraus, jähr- ein bei jedem Bau fast täglich um ihre Forderungen von Neuem zu kämpfen, die Kleinkämpfe, die aufreibend, kraftvergeudend wirken, können eingestellt werden. Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit wird darum nicht auf« hören, aber er nimmt andere Formen an, wird auf einer höheren Stufe geführt. Darum müssen die Arbeiter die Lehre ziehen, daß sie nach wie bor treu zu ihrer Organisasion halten, daß sie helfen, die- selbe zu stärken und zu festigen. Denn das, waS sie erreicht haben, wurde ihnen nicht um ihrer schönen Augen willen gegeben, sondern nur, weil sie das Gewicht einer nicht zu unterschätzenden Macht, das ihrer Organisation in die Wagschale zu werfen hatten. Die Unternehmer fanden wir Iveit konzilianter, im allgemeinen weit entgegenkommender, als die der Metallindustrie gelegentlich des Formerstrciks, wir würden ihnen aber doch ein un- verdientes Lob zusprechen, wen» wir dieS auf ihre größere social- politische Einsicht zurückführen wollten. Nein, sie wissen, daß ihnen in den organisierten Arbeitern eine verhältnißmäßig starke Macht gegenübersteht; hierzu kommt natürlich die Vcrschiedenartigkeit der beruflichen Verhältnisse, geringere Konzenttation des Kapitals usw. Di« Organisasion wird auch nicht etwa überflüssig durch die Verein- barungen, im Gegenteil, sie wird erst recht notwendig, ihre Stärke bietet erst die Garantie für die A u f r c ch t e r h a l t u n g des Errungenen. Und auch die Scharfmacher können eine Lehre ans den Bcr- Handlungen ziehen. Es hat sich gezeigt, daß die Arbeiter, wie immer, zu einer Einigung bereit waren, durch die„Wühler und Hetzer" wurde erklärt und nachgewiesen, daß sie eS schon langst gewesen sind;'auch hier waren eS bisher die Unternehmer, die „Herren im eigenen Hause" sein wollten und Unterhandlnngen strikte ablehnten. Die Führer der Arbeiter zeigten sich entgegen- kommend, ohne dabei sich und ihren Organisationen etwas zu vergeben, nüchtern und ruhig, im Bollgeftihl ihrer Kraft wurde von ihnen die Unterhandlung gepflogen. Auch dem Vorsitzenden und den Beisitzern des EinigungSamteS muß nachgerühmt werden, daß sie mit Geschick und großem Takt bestrebt waren, die Verhandlungen zn gutem Ende zu führen. Und so ist hier ein Friede— hoffentlich für viele Jahre hinaus— herbeigeführt, ein Kampf beseitigt, der ganz gewalttge Dimensionen hätte annehnien können, durch eine Jnstitusion, die denen um Stumm schon immer ei» Dorn im Auge gewesen, die fie je eher, je lieber wieder beseitigen möchten. Sie Nnd e». die den Frieden nicht wollen, sie vertreten den brutalsten Herren st andpunkt, der in dem Arbeiter nichts sieht als einen willenlosen Sklaven, den auszubeuten ihr uneingeschränktes Recht sein und bleiben müsse. Darum werden auch die Scharfmacher wenig Freude an dem Resultat der gestrigen Berhandlungen haben. Die Arbeiter aber, sofern sie das Errungene verstehen festzu- halten und auszubaue», werden den gestrigen Tag nicht zu bereuen haben._ Navtei-LlÄchvichten. Poliieilichrs, Gerichtliches uslu. — Genosse Kühn in Langenbielau wurde wegen Beleidigung eines Schuhfabrikanten in Landshut i. Schl. zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Die in einem Artikel des„Proletarier" behaupteten Thatsachen wurden im allgemeinen als richtig anerkannt, die Beleidigung aber in der Form gefunden. — Weil er in seinem Gasthofe socialdcmokratische Ver- sammlungen geduldet, sollte einem Wirte in der Glatzer Gegend die Konzession für einen neucrworbenen Gasthof verweigert werden. Der angerufene Bezirksausschuh in Breslau erteilte ihm jedoch die Konzession mit der Begründung, dah die Abhaltung socialdemo- kratischer Versammlungen kein gesetzlicher Grund zur Konzessions- Verweigerung sei. �IWegensBclcidigung cineS Gemeindevorstandes wurdcZGe- nosse Bayer in Dresden als verantwortlicher Redacteiw des dort erscheinenden„Volksfreundes" vom Schöffengericht in Lommatzsch l fliegender Gerichtsstand!) zu 75 M. Geldstrafe verurteilt. GrlveMJVszttfkliifzes. Berlin und Umgegend. Holzarbeiter. Es wird Iviederholt darauf aufmerksam gemacht dah bei der Firma W i e s e n t h a l in Friedrichsberg die K i st e n- macher streiken. Bis jetzt hat sich kein Streikbrecher gefunden. Zuzug ist auch weiter fernzuhalten. An die Kupferschmiede Berlins! Laut Versammlungsbcschluh finden neben den rcgelmähigen Sammlungen zum Dispositionsfonds auf besonders kenntlich gemachten Listen freiwillige Sammlungen statt. Die gegenwärtigen Aussperrungen und Streiks bedingen eine stärkere Belastung unseres Dispositionsfonds und ersuchen wir alle Kollegen, sich rege an den Sammlungen zu beteiligen. Die Veo tranensniänner wollen deshalb die mit dem Stempel des Vco trauensniannes versehene Listen von ihren Bezirkskassierern in Empfang nehmen. Der Vertrauensmann. Achtung, Tapezierer! Bei der Finna Jakob u. Braunfisch. Alcxanderstr. 27 u, haben heute sämtliche 20 Mann die Arbeit nieder- gelegt, indem die Unternehmer den Arbeitern die Ausübung des Koalitionsrechtcs verweigern und einen Kollegen wegen seiner Zu- geHörigkeit zur Organisation entliehen. Wir' fordern die Kollegen auf. unter allen Umständen die Werkstatt zu meiden. Alles Nähere in der Versammlung am Dienstag. sSiehe Annonce.). Die Agitations-Kommission. I. A.: Leo Schmidt. Die Wahle» zum Gehilfcnauöschust der Maleriunung sind am 2g. Juni in den Arminhallen vollzogen ivorden. Die Kandidaten der Gewerkschaftsorganisation wurden von den zirka S00 anwesenden Gehilfen einstimmig gewählt. Am 27. Juni findet, wie bei dieser Gelegenheit vom Kollegen Link mitgeteilt wurde, in Feuersteins Sälen, Alte Jakobstrahe, eine öffentliche Malerversammlung statt. Deutsches Reich. Zum Torgelower Metallarbeiter- Streik. Die Zahl der Ausständigen beträgt zur Zeit 369. Im Streik befinden sich davon 107 Mann wegen der geringfügigen Lohnforderungen bei der Firma P. L. Sauer u. Co. Der Rest von 262 Mann ist zun« Teil aus- gesperrt, ohne dah irgendwelche Forderungen gestellt wären, zum Teil haben die Leute selbst gekündigt, weil man ihre organisierten Kollegen ausspmte. An der Unterstützung sind beteiligt: Der Deutsche Metallarbeiter-Verband mit 161, der C e n t r a I v e r e i n der Former mit 70, der G e lv e r k v e r e i n(Hirsch- Duncker) niits 37 Mann. Noch nicht nnterstützungsberechtigt— wegen zu kurzer Mitgliedschaftsdauer— sind 101 Mann, welche anS gemeinschaftlich durch Sammlung aufgebrachten Mitteln unterstützt werden. Der Stand des Streiks ist sehr günstig. Bis heule steht die Fabrik von P. L. Sauer und Co. vollständig still, n i ch t e i n Mann arbeitet. Streikbrecher aus den Reihen der Ausständigen sind nicht vorhanden: Zuzug von auherhalb ebenfalls nicht.' Heute, Sonnabend, ist die Kündigungsfrist der Arbeiter bei der Finna Mentzel u. Co. ebenfalls abgelaufen, und werden noch 90— 100 Mann Ausständige dazu kommen. Auch diese Fabrik konnnt zweifellos zum vollständigen Stillstand. In b kleineren Fabriken arbeiten die Unternehmer nnt Lehrlingen und je 3—4 Arbeitswilligen. Es werden damit etiva 10—16 Proz. der bisherigen Tagesproduktion fertiggestellt. Wie fast überall steht die Polizei im Dieust der Unternehmer. In der gestern, Freitag, abgehaltenen Versammlung lieh sich der überwachende Gendarm trotz aller Bemühungen nicht abbringen, auch eine„Rede" zu halten. Er erklärte, dah das Strcikpostcnstchen eine ungesetzliche Handlung sei. Als ihm das widerlegt wnrdc, erzwang er durch sein vorzügliches Organ sich nochmals Ruhe zu einer zweiten Rede, in der er die vorher aufgestellte Behauptung wieder- holte niit dem Hinzufügen, dah seine Instruktionen dem- entsprechend lauten! I Welcher gesetzeskundige Vorgesetzte mag dem Manne seine Instruktion gegeben haben? U.' A. w. g. Die Torgelower danken den Kollegen in ganz Deutschland für die be« wiesene Solidarität und bitten dringend, denZuzug wie bis» her streng fernzuhalten. Arbeiterblätter werden um Ab- druck ersucht. Der Streik der Former in Leipzig hat bereits eine Arbeits- cinstellnng in der Dresdener Gegend zur Folge gehabt. In der Eisengieherci von Alex. Schmidt in Cölln-Zscheila legten am Donnerstag sämtliche Former, 20 Mann, die Arbeit nieder, weil sie Arbeit für Leipziger Firmen machen sollten, bei denen gestreitt wird. Vom Maurerstrcik in AugSbnrg. Die Unternehmer sprengen allenthalben die Nachricht aus, dah der Streik beendet sei und suchen unter der Angabe, dah 40—46 Pf. Stundenlohn bezahlt würden. Maurer von auswärts anzulocken. Vom Streikkomitee wird uns nntgeteilt, dah der Streik, in dem ein Minimallohn von 40 Pf. ge- fordert wird, noch unverändert fortdauert. Der Zuzug ist nach wie vor streng fernzuhalten. Der Unternchmerverband für da» Manrer- und Zimmerer- gewerbe in Bremerhaven droht den streikenden Mauren, und Zimmerern mit Aussperrung bis 1. April nächsten Jahres, wenn sie bis Montag die Arbeit nicht wieder aufnehmen. Die übrigen Unter- nehmer der Unterweserorte erklären sich mit den Bauunternehmen, solidarisch. Der Streik der Steinarbeiter in G o m m e r n bei Magde- bürg ist durch beiderseitiges Entgegenkommen beendet worden. Der Streik der Tischler in Riesa ist in der Hauptsache von Erfolg gewesen. Die Mehrzahl der Unternehmer haben die zehn- stündige' Arbeitszeit und löprozentige Lohnerhöhung bewilligt, und dazu auch ihre Unterschrift gegeben. Einige Unternehmer haben aber noch nich tnachgcgeben und suchen Arbeiter in auswärtigen Blättern. Zuzug ist daher noch fernzuhalten. Sechs Wochen Gefängnis beantragte �der Amtsanwalt vor dem Schöffengericht in Offenbach gegen einen Sattler, der vor einem Arbeitswilligen ausgespuckt und dabei„Pfui Teufel" gerufen hatte. Das Schöffengericht erkannte zwar nur auf 6 Tage Ge- fängniS, aber hoch genug ist doch ivahrlich auch diese Strafe noch. AnSland. Der Textilarbeiter-Streik in Brünn ist beendet. Das „Wolffsche Telegraphen-Bureau" meldet: Nach mehrtägigen, unter dem Vorsitze des Statthalters ab- gehaltenen Besprechungen des ständigen Ausschusses der Woll- industriellen und der ausständigen Textilarbeiter ist durch An- nähme der Einigungsvorschläge des Statthalters ein Einvernehmen erzielt, durch welches der Ausstand beendet ist. Die Arbeit wird am Montag aufgenommen. Sämtliche Betriebe der Textil- industrie, ausgenommen die Streichgarn- und Vigogncspinnercien führen eine lOVa stündige tägliche Arbeirszeit ein, ausgenommen sind die Sonnabende, an denen die Arbeit uin 5 Uhr nachmittag endet. Es wurde vereinbart, daß es den Streichgarn- und Vigogne- spinncreien freisteht, eine gleiche Arbeitsdauer einzuführen: andern- falls ist dieselbe nur für die Accordarbeiter giltig, während für die übrigen Arbeiter die bisherige Arbeitsdauer bestehen bleibt. Den im Tagelohn beschäftigten Arbeitern ist eine Lohnerhöhung von fünf Kreuzern pro Tag zugesichert. Nach Wiederaufnahme der Arbeit ist auch den Accordarbeitern eine Lohnerhöhung zugesagt. Die Arbeits- ordnung wird entsprechend den neuen' Bestimmungen abgeändert. In Spinnereien und Appreturen wird die Nachtarbeit von Sonnabend auf Somitag, falls es von den Arbeiten, gewünscht wird, aufgehoben. Beiderseits wird bezüglich der Beteiligung oder Nichtbeteiligung am Ausstand Generalpardon erteilt. Es ist danach also ein Nachgeben auf beiden Seiten. Die Arbeiter haben zivar die zehnstündige Arbeitszeit noch nicht erreicht. immerhin aber ist ein Schritt in dieser Richtung gemacht worden und die volle Erreichung des Zehnstundentages ist daher nur noch eine Frage der Zeit. Man kann wohl unbedenklich annehmen, daff es den Fabrikanten auch nicht mehr um die angeblichen finanziellen Nachteile des Zehnstundentages zu thun war, sondern nur noch darum, nicht allen Forderungen der Arbeiter nachzugeben; es ist der dumme Unternehinerhochmut, der es als eine Demütigung empfindet, selbst so berechtigte und geringfügige Forderungen der Arbeiter, wie die Verkürzung der Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden, rückhaltlos zu bewilligen. Besondere Bedeutung gewinnt der Kampf der dortigen Arbeiter durch die Art, wie er geführt lvurde. Noch niemals ist nämlich ein Streik in dortiger Gegend ohne Blutvergießen beendet worden. Der jetzige Kampf aber ist' trotz der in letzter Zeii'ziemlich provokatorisch gewordenen Haltung der Polizei in vollster Ordnung zu Ende geführt worden. Und, obwohl nur ein Teil der Arbeiter orgmiisiert war und im Anfang sfast gar keine Mittel zur Verfügung standen, hat dieser wochenlange Kampf bei 12 000 Streikenden nur erst in den letzten 3 Tagen eine ganz verschwindend geringe Zahl von Streik brecbem zu verzeichnen. Der Streik bietet so ein anerkennenswertes Beispiel von Disciplin iiiid Solidarität, das auch für die Zukunft fortlvirken wird. Im schwedischen Holzarbeiter-Konflikt hatten die Arbeiter des Su n dsvall-Di striktes nochmals w e i t e st g e h c n d c Anerbietungcn gemacht. Es soll.� ein Kongreß des Verbandes sofort berufen werden und der Austritt des Verbandes aus der social- demokratischen Partei beantragt werden— die Hauptforderung der Arbeitgeber.— Würde derselbe nicht beschlossen, so wollten die Sundsvall-Lokalvcrbände aus dem Centralverband austreten. Sie verlangten dafür Frist bis zum 16. Juli—(kurz genug). Außerdem wollten sie zugestehe», daß die Arbeiter in erster Reihe ihre Forderungen selbst den Arbeitgebern vortragen sollten, und endlich, daß die Arbeitgeber sich nur verpflichten sollten, in die Vakanzen ausgesperrte Arbeiter in erster Reihe einzustellen und die verabschiedeten nicht in„Schwarze Listen" aufznnehmen. Man sieht, die der Arbeitslosigkeit überdrüssigen Arbeiter boten fast eine völlige Unterwerfung an. Dennoch lehnten die Arbeitgeber selbst dieses Entgegenkommen ab. Sie fordern sofortigen Austritt aus der La'ndesorganisation oder dem Verbände, Aenderung der Statuten. Der Kampf dauert fort. Gründlich hincingcfallc» sind die Diamantschleifermeistcr in Antwerpen mit ihrenr vor 14 Tagen gefaßten Beschlüsse, am 19. d. M. alle ihre Arbeiter auszuschließen. Die Ausschließung hat nämlich nur einen Tag gedauert: es waren 272 Arbeiter davon betroffen, und sie geschah nur bei deiijenigen Meistern, welche in diesem Moment keinen rohe» Diamant besitzen und bei einigen ganz unbedeutenden Firmen. Ursache dieser schmählichen, doch wohlverdienten Niederlage ist das treue Zusammenhalten der Arbeiter. In einer am 18. Juni ab gehaltenen Versaninilung, welche von mehr wie 2000 Arbeitern besucht ivar, wurde beschlossen, falls die Meister ihren Beschluß durchführen, die Arbeitnicht ehcrwieder aufzunehmen, als bis die Meister den Achtstundentag bewilligen. Da sahen die Herren ein, daß sie die Macht der Arbeiter unterschätzt hatten und hoben ihren Beschluß auf, wodurch ihnen, was den Achtstundentag betrifft, nur eine kleine Galgensrist gewährt ist.(Wiederholt.) Mnkernrhmvv�Vovbsnde. Ei» Verband der südwcstdcntschc» Möbclfabrikantcn ist in Stuttgart gegründet ivorden. Der Verband charakterisiert sich als eine Vereinigung zum Zivecke der Unter- drückuug der Arbeiter o'rganisalion und hat damit die moralische Berechtigung, die nlnn ihm sonst kciucswcas absprechen könnte, vollständig verwirkt. Aus dem Statut seien folgende Bc- stimnluilgen mitgeteilt. Nach Z 2 stellt sich der Verband die Auf- gäbe: b) In Streitfragen zwischen Arbeitgebern und Arbeittichniern einen Ausgleich anzustreben und. ivomöglich eine beide Teile befriedigende Vermittlung herbeizuführen; o) Bcslrebungen. ivelche darauf gerichtet sind, die Arbeitsbedingungen einseitig vorzuschreiben und zu diesem Zweck geplante Ausstände gemeinsam abzuwehren und in ihren Folgen unschädlich zu machen: ä) Einheitliches Handeln in allen Fragen, welche für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeiter von grundsätzlicher Bedeutung sind. z. B. Maximalarbeitstage, Minimal- lohn, Abschaffung der Accordarbeit, Arbeiterfeiettage, Arbeits- Ordnungen usw. § 22. In allen das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer betreffenden Angelegenheiten haben sich die Mitglieder des Verbandes nach dem Grundsatz zu richten, daß jedes einzelne Mit- glied des Verbandes stets nur mit seinen eigenen Arbeitern öder mit einem von diesen selbst aus ihrer Mitte gewählten Aus schuß zu verhandeln hat, daß dagegen Verhandlungen mitirgendwelchennichtzu der eigenen Arbeiter- 'chaft gehörenden Mittelpersonen abzulehnen sind. Sollten derartige Verhandlungen erforderlich werden, so werden sie ausschließlich' durch den Verbandsvorstand geführt. H 24. Wird in einer Verbandsiverkstätte von feiten der Arbeiter ein Ausstand oder eine Sperre erklärt, so ist dem Vorstand sofort Mitteilung zu machen. Dieser soll alsdann baldigst eine Unter- uchung einleiten, ivelche klarstellt. ob und inwieweit den Arbeit- geber ein Verschulden trifft. Alsdann hat der Vorstand eine Sitzung des Ausschusses einzuberufen. Der bettcffende Arbeit- geber ist berechttgt, den Sitzungen des Ausschusses der Regel nach beizuwohnen, jedoch ist der Vorstand befugt, auch Sitzungen ohne dessen Zuziehung abzuhalten oder ihn zeittveise entfernen zu lassen. Ist der beteiligte Arbeitgeber selbst Mitglied des AusschuffeS, so steht ihm bei der Beschlußfassung kein Stimm- recht zu. Erklärt der Ausschuß den Streik für nicht berechttgt, so hat der Vorstand das Verzeichnis der beteiligten Arbeittiehmer sofort sämt- lichen Verbandsmitgliedern mitzuteilen. Nach erfolgter Mitteilung darf kein Verbandsmitglied einen streikenden Arbeiter in seinem Betrieb beschäftigen und muß einen aus Versehen eingestellten Arbeiter alsbald wieder entlassen und zwar so lange, bis von dem Vorstand bekannt gemacht wird, daß einer Beschäftigung der be- teiligten Arbeiter bei den Mitgliedern des Verbandes nichts mehr im Wege steht. Findet eine Beilegung des AusstandeS nicht statt, so hat der Vorstand das Recht, die in der notleidenden Fabrik vorliegenden Aufträge auf die übrigen Fabriken zu verteilen, wäh- rend letztere verpflichtet sind, dieselben mit gleicher Sorgfalt wie ihre eigenen Aufträge auszuführen, soweit dies nach der Natur der Sache ohne besondere Schwierigkeit oder Benachteiligung des eigenen Betriebes geschehen kann. Sollten die Arbeitnehmer derjenigen Firma, welcher die Ausführung der Arbeit übertragen worden ist, sich weigern, die Arbeit auszuführen, so sind dieselben zu entlaffen. Für Zuwiderhandlungen werden Konventionalstrafen von 20 M. bis 5000 M. festgesetzt. Die verwerfliche Brutalität an diesen Satzungen ist, daß die Unternehmer für sich allein das Recht der Organisatton in Anspruch nehmen, die Organisation der Arbeiter aber vernichten wollen, daß sie allein über die Berechtigung eines Streiks entscheiden wollen und die Arbeiter sich dem widerspruchslos fügen sollen und daß die Arbeiter, die nicht mitreden dürften, entlassen werden sollen, wenn sie sich weigern, die Arbeit der Streikenden auszuführen. Gegen diesen Terrorismus werden die Arbeiter ohne Ausnahme auftreten und im Kampfe dagegen den Arbeitern der Verbandsfirmen nach jeder Richtung ihre Unterstützung leihen. Sociales. Arbciterrisiko. Im Dubravaer Antimon- Bergwerk bei Lipto- Szent- Miklos(Ungarn) stürzte ein Schacht ein, zahlreiche dort arbeitende Bergleute begrabend. Die Rettuugsarbeiten wurden so- fort begonnen. Die Anzahl der im Schachte befindlichen Verunglückten konnte bisher nicht festgestellt werden.(Wiederholt.) Sociale Vechlspflege. Eine Warnung für Bergleute. Der Bergmann Kempf hatte entgegen einem Verbot die Förderschale zum Fahren benutzt und war dabei verunglückt. Die Knappschasts-Berufsgenossenschaft ver- iveigerte ihm die verlangte„Unfallrente", nachdem zwei Leute be- kündet hatten, daß sie ihn ausdrücklich vor dem Besteigen der Schale gewarnt hätten. R. legte Berufung ein und hatte damit auch Erfolg. Das Schiedsgericht verurteilte die Genossenschaft und führte begründend aus: Zur Vorenthalttmg der Rente genüge es nicht, daß dem Kläger das Verbot bekannt gewesen sei: das Verbot hätte auch wirksam gehandhabt werden müssen. Daß die wirksame Handhabung gefehlt habe, gehe aus einigen Aussagen hervor, ivonach die ganze Belegschaft mit der Fördcrschale gefahren sei. Die Berufsgenossenschaft ergriff nunmehr das Rechtsmittel des Rekurses. Das' Reichs-Ve'rsicherungsamt veranstaltete dann noch eine Beweisaufnahme. Diese ergab, daß vor dem Unfall des Klägers drei Bergleute wegen unbefugter Benutzung der Förderschale mit je drei Mark bestraft worden waren. Ein Anschlag im Markcnhause hat dies auch den durchgehenden Berg- leutcn bekannt gegeben. Der mit der Aufsicht betraute Beamte will sich ferner stets' bemüht haben, die Schuldigen abzufassen. Ein anderer Zeuge sagte aus, die Steiger hätten stets eine genaue Beob- achtung der Betriebsvorschriften oerlangt. Auf Grund der Beweis- aufnähme hielt das Rekursgericht das Verbot für genügend wirksam gemacht; es wies deshalb den Kläger unter Aufhebung der Vor- entscheidung mit seinem Rentenansprüche ab. Da das Verbot wirksam gewesen sei, müsse angenommen werden, daß K. sich durch eine verbotswidrige Handlung außerhalb des Betriebes gesetzt habe. Gecirhks-Äcilung. In dem Verfahren gegen die Mitglieder des„Klub» der Harmlosen" türmen sich immer neue Schwierigkeiten auf. Einer der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t. hatte ein hiesiges Pnvat-Detektivinstitut damit beauftragt, über das Vorleben eines Hauptbelastungszeugen, des Dr. phil, K., Erkundigungen einzuziehen. Dr. St. soll zuerst der Polizei Enthüllungen über LaS Treiben im Klub der Harmlosen gemacht haben, angeblich um sich dafür zu rächen, iveil ihn die Gesellschaft nach ihrer Uebersiedelung in daS Central-Hotel„abzuwimmeln" suchte. Nun hat das Institut ihrem Auftraggeber mitgeteilt, daßDr.K. sich ins Ausland begebenhat und nicht eher zurückzukehren gedenkt, bis der Spielerprozeß ohne seine Be- teiligung zu Ende geführt worden ist. Ein zweiter im Auslände weilender Zeuge, Graf Sch., hat auf die Anftage des Gerichts, ob er einer Vorladung zum Termine Folge geben würde, gar nicht geantwortet. Da es kein Mittel giebt, im Auslande weilende Zeugen zum Erscheinen zu zwingen, so befürchtet man, daß der Prozeß, dem man allseitig mit Spannung entgegensieht, einen weiteren Auffchub erleiden wird. Zur Verrohung der gebildeten Jugend. Zwei Angehörige der Burschenschaft Teutonia hatten am 21. Januar d. I, in Darm- ladt einen Photographen in der Trunkenheit gröblich beschimpft lind darauf derart mit einem Stock mißhandelt, daß dem Unglücklichen ein Auge aiislief. Gegen die beiden Sttldenten Namens Kopf und Ost heim wurde dieser Tage vor der Sttafkammer in Darm« siadt verhandelt. Das Urteil lautete gegen Kopf unter Annahme nnlderudcr Umstände, die in der hochgradigen Betrunkenheit, dem jugendlichen Alter und der bisherigen Unbest'raftheit erblickt wurden. auf acht Monate zwei Wochen Gefängnis, wovon vier Monate zwei Wochen durch die sechsmonatige Untersuchungshaft als verbüßt an- gesehen lvurden. Ostheim wurde, da ein Schuldbeweis durch die 'Verhandlung nicht erbracht sei, freigesprochen. Vecsaminlungen. Der Zocialdemokratische Arbeiterverein für Dtralau- Rummelöburg und Umgegend hielt am 21. Juni eme gut be- uchte Versammlung ab. Genosse Dr. Freudenberg hielt einen Vorttag über die Bedeutung des Tubcrkulosen-Kongreffes für die Arbeiterschaft, der mit großem Interesse aufgenommen wurde, woransich eine rege Diskussion schloß. Unter Vereinsangelegenheiten gab der Vorsitzende bekannt, daß am 15. Juli eine Nachtpartie nach Buckow 'tattfindet und fordert die Genossen auf, sich recht rege daran zu be- teiligen. Genosse B e r g e r stellte den Antrag, die Broschüre„Die Bekämpfung der Schwindsucht" an die Mitglieder zu verteilen, waS einstimmig angenommen wurde. Zum Schluß ehrte die Versammlung das Andenken des langjährigen Mitgliedes Wilhelm Forgbert durch Erheben von den Plätzen. Zfotzke Llachvichken und Vepcschen. Stettin, 24. Juni.(B. H.) Unter Benutzung dcS heutigen günstigen Wasserstandes ist der Lloyd- Dampfer„Kaiserin Zklarta Theresia" von der Unfallstelle im Haff abgeschleppt und heute nachmittag 4 Uhr an der Werft des«V u l k a n" angekommen, woselbst er ins Dock genommen und die Reparawr aus- geführt wird. Budapest, 24, Juni,(W. T. B,) Abgeordnetenhaus, Bei Schluß der Generaldebatte über den Ausgleich ergriff Ministerpräsident von S z e l l das Wort zur Widerlegung der geäußerten Befürchtung, daß die von Seiten Oestreichs zu- gesicherte Reciprocität leichthin verletzt werden würde. S z e I l gab zwar zu. daß eine gewisse Unsicherheit dadurch entstanden sei, daß der Ausgleich in Oestreich auf Grund des Paragraph 14 ins Leben trete. Man könne jedoch zuversichtlich hoffen, daß bei dem Zusainmentritt des Reichsrales dieser die Aus- gleichs-Verordnungen gutheißen werde, da dadurch die wichtigsten Interessen Oestreichs berührt würden. Bukarest, 24, Juni. lW. T. B,) Die außerordentlich- Session des Parlaments lvurde heute in Anwesenheit des diplomatischen Corps, der Civil- und Militärbehörden und eines zahlreichen Publikums eröffnet._ Veraiitwortlicher Redacteur: Aua»» Jacobev in Berlin. Mr den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke tn Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und llnterhaltungSblatt. ür. i«. i«. Mm i, jSrilMf des Jowirts" Kllliill PWInlt.«5. ,-.1 1« Die Berliner Maurer vor dem Gewerbe- gericht als Einigungsamt. Im Bürgersaale des Rathauses versammelten sich Sonnabend- vormittag um 10 UhrHzahlreiche Arbeitnehmer und Arbeitgeber des Berliner'Baugewerbes, um den Verhandlungen vor dem Gewerbe- gericht beizuwohnen. Die eine Seite der Sitzreihen war für die Arbeiter, die andere für die Arbeitgeber reserviert. Am Gerichtstisch sahen die Richter: der Vorsitzende Rkagistrats- Assessor von Schulz, Fabrikant Weigert und Fabrikant Dr. G e r s ch e l als Arbeitgeberbeisitzer; Former Kö rste n und Steinsetzer Knoll als Arbeituehmer-Beisitzer. In den vorderen Reihen hatten die Vertreter der streitenden Parteien Platz genommen, zu ihnen zählten unter den Arbeitern auch Bömcl- bürg, der Vorsitzende des Centralvcrbandcs der deutschen Maurer, und Millarg, der Vertreter der Berliner Gewerkschaften. Assessor v. Schulz fragte zunächst die Versammelten, ob sie öffentlich verhandeln wollten, was bejaht wurde, und stellte dann fest, dah die Initiative zu den Einiguugsverhandlungen weder von den Arbeitnehmern noch von den Arbeiigebcrn ergriffen worden sei, sondern von dem Arbeitgcberbcisitzer-Vercin des Gewerbegerichts. Es sei erfreulich, dah beide Teile schliehlich dem Ersuchen des Ge- werbcgerichts Folge geleistet haben und die Versanimluug so schnell zusammengetreten sei. Er hoffe, dah die Verhandlungen für beide Teile zu einem gleich ehrenvollen Frieden führen werden. Als Sprecher traten für die Arbeitgeber Baumeister Döbler, Baumeister Westphal und Baumeister Lachmann, für die Arbeiter Maurer Silberschinidt, Maurer Kater-Bcrlin und der Verbands- Vorsitzende Bömelburg-Hamburg auf. Zunächst wurde Silberschmidt zum Wort berstattet. Er führte etwa aus: Die Aussperrung der Maurer hat den Auloh zu dieser Versammlung gegeben. Ich will mir erlauben, eine Darlegung der Maurerbewegung in den letzten Jahren zu geben. Schon im Jahre 1889 verlangten die Maurer einen Stundenlohn von 60 Pf. bei neunstündiger Arbeitszeit, und diese Forderung wurde auch von zwei Dritteln der Maurer errungen. Bis zum Jahre 1895 ging dann der Lohn auf 50 Pf. pro Stunde bei 10 stündigcr Arbeits- zeit zurück. 1896 forderten die Maurer neunstündige Arbeitszeit und 55 Pf. Lohn. Sie wurden damit abgewiesen und muhte» in den Streik eintreten. Im Jahre 1897 wurde die Forderung auf 60 Pf. pro Stunde erhöht. Die Forderung wurde swristlich stipulicrt und sowohl dem Bunde wie den einzelnen Unternehmern mit der Bitte um mündliche Verhandlungen mitgeteilt. Letztere wurde abgelehnt, die Arbeiter muhten wieder zun: Streik schreiten, der denn auch teilweise mit sehr grohem Erfolge durchgeführt wurde. 1898 wurden keine neuen Lohnforderungen erhoben. Man begnügte sich daniit, die Forderung vom Vorjahr möglichst allgemein durchzuführen. Auch im Herbst 1898 dachte nian an keine Erhöhung des Lohnes, wohl aber suchte man den 60 Pf.-Siundenlohn durch Vereinbarung mit den Unteinchmern festzulegen. In diesem Wunsche begegneten sich auch eine Anzahl Arbeitgeber mit uns. Anfang Januar 1899 richteten wir an die Leitung des ArbeitgcberbundcS die Bitte, mit uns über die Tarifgemeinschaft zu verhandeln. Am 16. Januar be- kamen wir den Bescheid, dah sich die Arbeitgeber nur auf schriftliche Verhandlungen niit uns einlassen wollten, und obwohl es uns klar war, dah die Arbeitgeber nur deshalb auf mündliche Verhandlungen nicht eingehen wollten, weil dies als Anerkennung unserer Organisation hätte aus- gelegt werden können, fügten wir uns diesem Verlangen und reichten unsere Forderungen schriftlich ein. Die Forderungen betrafen die Rc- gelang der winterlichen Arbeitszeit nach der Tagcslänge, einen Stundenlohn von 60 Pf. bei neunstündiger Arbcilszeit, erhöhte Bc- Zahlung der Ueberstunden, wo diese sfch bei Gefährdung von Leben und Gesundheit notwendig zeigten, bessere Instandhaltung der Bau- buden und Aborte und schlichlich— die Hauptsache— die Ein- setzung einer gemeinschaftlichen Kommission, der die Entscheidung über alle Differenzen obliegen sollte. Von den Arbeitnehmern wurden diese Forderungen strikte ab- gelehnt. Ter Lohn, hich eS in dem Schreiben, müsse stet? nach der jeweiligen Arbeitsleistung des betreffenden Arbeiters be- messen werden, die Arbeiter sollten sich einem nur aus Arbeitgebern bestehenden Schiedsgericht unterwerfen. Einem solchen einseitigen Schiedsgericht werden die Arbeiter niemals ihre Zustimmung geben. Ebenso'muhten wir diese Art der Lohnfestsetzung bekämpfen und wurden wieder auf den Weg der Selbsthilfe gedrängt. Wir be- klagen nicht das, was geschehen ist, aber die Verantwortung für alle Streiks seit dem Jahre 1890 tragen allein die Arbeitgeber. Wir haben jetzt einen Stundenlohn von 65 Pf. verlangt. Wie berechtigt und not- wendig diese Forderung war, geht aus dem Umstand hervor, dah eine Anzahl von Firmen, die bisher weniger als 60 Pf. bezahlten, sofort nach Aufstellung unserer Forderung 60 Pf. bewilligt haben. Die Bauarbeiter Deutschlands haben mit der jetzigen Lohnforderung nichts zu thun, sie ist durchaus lokaler Natur. Auch die Behauptung der Arbeitgeber, dah der Bauarbeiter-Kougreh im März diesen Streik schon vorbereitet habe, ist unrichtig. Dieser Kongrch behandelte nicht mit einem Wort die Lohnfrage, sondern nur den Arbeiterschutz. Die Unternehmer behaupten, wir wollten jetzt 75 Pf. Stundenlohn und achtstündige Arbeitszeit durchs setzen. Davon ist ebenfalls keine Rede. Der Achlstundentag ist zwar unser aller Ideal, aber an seine Erringung in den nächsten Jahren kann nur jemand denken, dem nicht ganz richtig im Ober- slübchcn ist. Die Forderung eines Stundenlohnes von 65 Pfennig ist völlig berechtigt, wenn man bedenkt, dah fleihige Maurer durch- schnittlich nur WO Arbeitstage haben.(Widerspruch bei den Arbeil- gebern.) Wenn heute ein Maurer 1200 M. jährlich verdient, kann er den in Berlin gestellten Anforderungen kaum genügen, denn LO Prozent davon verschlingt allein die Wohnungsmiete. Wir halten unsere Forderungen also für berechtigt und müssen besonders auf die Einsetzung einer gleichgliedrigen aus beiden Teilen zusammengesetzten Kommission bestehen. Baumeister Döbler findet, dah Silberschmidt in gereiztem Tone gesprochen habe, dah ein solcher aber die Einigung nicht fördern könne. In Berlin würden die höchsten Löhne gezahlt. Neun Stunden Arbeitszeit und 60 Pf. Stundenlohn werde in dem viel theurercn Hamburg nicht bewilligt. Denr Arbeitgeber müsse die freie Disposition über sein Geschäft bleiben. Die Abschlachtungen Einzelner durch die Aufwühlcr mühten endlich einmal auf- Hörem Die Macht der Ceutralorganisation treffe auch manch- mal Arbeiter, die sich nur widerwillig fügten. Gegen Vereinbarungen hätten die Arbeitgeber nichts, sie seien freilich der Ansicht gewesen, dah der 60 Pf.-Stundcnlohn consolidierte Verhältnisse schaffen würde. Den Arbeitgebern liege aber nichts daran, Macht gegen Macht zu stellen, sie wollten Vereinbarungen treffen, die Arbeitgeber mühten ja die Vereinbarungen halten, denn jeder Arbeiter könue sofort gerichtlich klagbar werden. Für die Einigungsverhandlungen hätten die Arbeitgeber gebundenes Mandat, würden andere Vereinbarungen getroffen, so köimtcn sie nur unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Generalversammlung er- folgen. Baumeister Westphal: Die Bewegung der Maurer hat endlich die Arbeitgeber aus ihrer Lethargie aufgerüttelt. Dah die Arbeit- nehmer so schnell vorwärtsgezogen sind, ist von ihrem Standpunkt aus nicht praktisch gewesen. Denn bei langsameren Vorgehen wären die Unternehmer gcwih indolent gebtieben. So aber ist 1897 der Bund der Arbeitgeber gegründet worden, der nun den Arbeiter- organisationen gegenübersteht und in stetigem Wachsen begriffen ist. Von den 200 000 Maurern gehören dem Centraiverband nur 70000 an und von diesen sind wohl 75 Vroz. nur gezwungen beigetreten(Widerspruch). Eine Vertretung der deutschen Maurer kann sich jedenfalls der Centralverbaud nicht nennen. Herr Silbcrschmidt hat Ihnen mitgeteilt, dah die Arbeitgeber sich auf das Schreiben der Ccntralorganisation in keine Verhandlungen einlassen wollten. In Berlin bestehen vier Organisationen, davon ist die Ceutralorganisation nicht einmal die gröhte. Wie kommt diese nun dazu, im Namen der Maurer von Berlin und Umgegend zu sprechen? Als Lohnforderung wurde ein Mindestlohn von 60 Pf. pro Stunde verlangt. Nun und nimmer kann es dahin kommen, dah der untüchtigste Mensch soviel Lohn bekommt wie der tüchtige; das ist überall' so. Sie verlangen ja auch für den schlechtesten Arbeiter 60 Pf., für die besseren 70, 80, 90 Pf.(Widerspruch bei den Arbeitern.) Nachdem sich die Lokalorganisation mit der Central- organisation vereinigt hat, ist ein Faktor vorhanden, mit den man Vereinbarungen treffen kann. Was nun die Forderungen anlangt, so wird sich gegen eine Regelung der Winterarbeit nichts ein- wenden lassen. Dagegen können wir nie und nimmer in die Beseitigung der Accordarbeit willigen. Auch unter Ihnen sind gcwih viele, die gern einmal durch Accordarbeit etwas mehr verdienen wollen. Das Arbeitsquantum ist jetzt entschieden geringer geworden. Während früher 500 Steine verarbeitet wurden, werden jetzt kaum 3—400 Steine verarbeitet. Die 230 Arbeitstage sind nur eine Ausnahnie, die meisten haben niehr Arbeitstage, vielleicht sind bei den 230 aber die vielen Streiktage mit abgerechnet (Heiterkeit). Gegen Vorrichtungen im Interesse der Unfallverhütung und Hygiene wird sich kein vernünftiger Arbeitgeber sträuben. Ich hoffe, wir werden uns hier einigen, dazu ist aber notwendig, dah wir uns beide mähigen. Baumeister Lachmann: Wir. die wir noch nicht dem „Bunde" angehören, stehen auf demselben Boden, wie der Buud. Wir sind noch nicht in den„Bund" eingetreten, und wir hoffen, dah heute hier eine Einigung erzielt wird. Fällt diese ins Wasser, müssen wir uns mit dem„Bunde" solidarisch erklären. Maurer Kater erklärt kurz, dah beide Organisationen, Lokal- und Centraiorganisation, in Lohnkämpfen fest zusammenstehen. Die Arbeitgeber hätten den Arbeituchmcr-Organisationcn TerroriSmns vorgeworfen, derselbe TcrroriSmus herrsche doch aber im„Bunde", wenn z. B. die Mörtelwerke mit Boykott bedroht würden. Die Verkürzung der Arbeitszeit, die Beseitigung der Accord- und Ueber- slundcn-Arbcit werde von den Lokalorgauisiertcn ebenso angestrebt wie von den Centralistcn. B ö m e l b u r g: Die Ruhe kann nicht eintreten, wenn nicht feste Vereinbarungen getroffen werden. Es ist erfreulich, dah heute die Arbeitgeber dazu die Hand bieten wollen. Es ist hier viel über unsere Organisationen gesprochen wordcu. Ich kann dem Herrn Westphal nur sagen, dag seine Behauptung irrig ist. dah 75 Proz. der organisierten Maurer nur auS Zwang der Organisation an- gehören. Der Prozentsatz der organisierten Arveiter ist viel gröher als der Prozentsatz unter den organisierten Unter- nehmcrn. So wird es auch immer sein. Es ist nach meinen Erfahrungen viel leichter, die Maurer zu organisieren, als die Baunicister.(Grohe Heiterkeit und sehr richtig auch bei den Arbcilgebcrn.) Aber selbst wenn die Arbeit- gcbcr-Organisation kräftiger würde und die Macht zur Nieder- wcrfung der Arbeiter hänc, Ruhe würde dadurch nicvt eintreten, diese kann nur erreicht werden durch Schaffung eines Gegenseitig- tcils-VcrhnltniffeS. Dieses kann nniürlich mir durch Konzessionen auf beiden Seiten geschehen. Was nun den Lohn anlangt, so wird tvohl niemand behaupten wollen, dah 15— 1600 M. Einkommen zu viel ist. Gegen die Lohnerhöhung sind die bereits erfolgten Abschlüsse geltend gemacht worden. Teilweise gebe» wir die Berechligung dieses Einwandes zu. Bei einzelnen Arbeitgebern mag die Lohndiffercuz ins Gewicht fallen. Trotzdeni meinen wir. dah die Einigung nur auf der Basis dieser Lohnforde- rung erfolgen kann. Der Lohn von 65 Pf. muh grundsätzlich ein- geführt werden, in Ausnahmefällen kann er stufenweise abgeändert werden. Die Hauptsache bleibt die Hebung des gegenseitigen Wer- trauenS, das bisher beiderseitig nur sehr gering bleibt. Es ist hier so viel von der Macht der Ccntralorganisation gesprochen worden. Ist diese Macht so groh, so wird Ihnen wohl die Garantie genügen, die ich ini Namen des CentraivcrbandcS übernehme, dah dieser für die Durchführung eines von ihm geschlossenen Vertrages eintritt. Millarg erklärt im Namen der Gewerkschaften, dah auch diese für die Durchführung eventueller Vereinbarungen eintreten werden. Baumeister Döbler verliest hierauf folgende Erklärung der Arbeitgeber mit der Bitte an die Arbeiter, ihre Gegenforderungen geltend zu machen: Bedingungen, unter denen bei den Mitgliedern des ArbeitgeberbundeSam28.Juml899 die Arbeit wieder aufgenommen werden kann. 1. Arbeitszeit 9 Stunden pro Tag(wirkliche Arbeitszeit). Sonm abend ist um 5 Uhr Feierabend(ohne Vesper). 2. Die Tage vor den grohen Festen(Weihnachten, Ostern und Pfingsten) ist uni 4 Uhr Feierabend und werden für voll bezahlt. 3. Die Lohnauszahlung findet Sonnabend nach Schluh der Arbeit möglichst auf dem Bau statt. Die Abrechnung erfolgt von Freitag zu' Freitag. 4. Der Mnximallohn für tüchtige Gesellen bettägt pro Stunde 60 Pf., ältere und invalide Gewllen erhalten einen Lohn von 50 Pf. pro Stunde. Junggesellen, welche noch nicht ein Jahr Ge sclle sind, erhalten einen Lohn von 45 Pf. 5. Ueberstunden werden berechnet in der Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens und werden mit einem Zuschlag von 20 Proz. bezahlt. 6. Die Vergebung der Arbeiten im Accord bleibt jedem Arbeitgeber vorbehalten. 7. Jedem Arbeitnehmer und Arbeitgeber steht eS frei, die Arbeit zu jeder Zeit aufzukündigen(also KündigungSausschluh) ohne Angabe der Gründe. 8. Bei eintretenden Zwistigkeiten unter den Arbeitnehmern, sowie zwischen Arbeitgebern oder deren Angestellten und den Arbeit- nehmern ist zur Beilegung der Zwistigkeiten die auf jedem Bau sofort zu wählende und auS drei Arbeitnehmern bestehende SchlichtungS-Konimission anzurufen, welche sich an den betreffenden Arbeitgeber oder dessen Stellvertreter als Obmann zu wenden hat. Sollte diese Kommission einen Frieden nicht herbeiführen können, so ist der aus 10 Arbeitnehmern und 10 Arbeitgebern bestehenden Zchncr-Kommission die Angelegenheit zu unterbreiten; den Vorsitz führt der Vorsitzende des Arbeitgeberbundes. Der Entscheidung dieser Kommission haben sich beide Parteien zu ftigen. 9. Bausperren sind flir die Folge ausgeschloffen; Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern entscheidet die Zehner- Kommission. 10. Dieser Vertrag gilt auf die Zeit vom 28. Juni 1899 bis 1. April 1902. 11. Um auch für die Zukunft ein gedeihliches Zusammen- wirken zu erzielen, verpflichten sich beide Parteien, alle Fragen. welche sich auf Lohn, Arbeitszeit zc. bezichen, bis spätestens 1. Dezember eines jeden Jahres derZehner-Kommission zu unter- breiten, mit der Matzgabe, datz beide Parteien die Entscheidung dieser Kommission auerkennen müssen. Eine gemischte Deputation, bestehend au? zwei Vertretern der Arbeitgeber und zwei solchen der Arbeitnehmer, zieht sich mit dem Gewerbegericht zur Beratung zurück. Nach wiederholten Beratungen, die im ganzen ca. 6 Stunden währen, macht das Gewerbegerickt die folgenden Borschläge: 1. Die Arbeit wird am 27. Juni 1899 morgens wieder auf- genommen. Die von den Arbeitgebern verhängte Aussperrung wird zum gleichen Tage aufgehoben. 2. Der Lohn beträgt bis zum 31. Dezember 1899 einschlietzlich 60 Pf. pro Stunde, vom 1. Januar 1900 bis 30. September 1900 einschlietzlich 62� Pf., vom 1. Oktober 1900 bis 31. März 1901 einschlietzlich 65 Pf. Der Lohnsatz für durch Unfall, Alter, Invalidität minder leistungsfähige Gesellen, sowie für Junggesellen im ersten Gesellen- jähre, soweit dieselben bei ihrem Lehrmeister thätig sind, unterliegt der freien Vereinbarung. Die Arbeitszeit beträgt 9 Arbeitsstunden. Den Arbeitgebern und Arbeitnehmern steht eS frei, das Arbeitsverhältnis jederzeit ohne Kündigung und ohne Angabe von Gründen aufzuheben. 3. Es wird eine Kommission gebildet, welche aus 9 Arbeit- gebern und 9 Arbeitnehmern besteht. Die Wahl der Mitglieder dieser Kommission erfolgt durch die Arbeitgeber beziehungsweise die Organisationen der Arbeitnehmer. Unter den Arbeitnehmer- Mitgliedern sollen mindestens je ein Mitglied der Central- Organisation, der Lokal- Organisation und der Gewerkschafts- kommission angehören. Die Geschäftsordnung der Kommission wird von dieser fest- gestellt. 4. Der unter Nr. 3 bezeichneten Kommission liegt die Regelung der Arbeitszeit, Pausen, Lohnverhältnisse, Einrichtung der Arbeits- stätten und ähnlicher Punkte, sowie die Schlichtung von Stteitig- leiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ob. 5. Bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern kann gegen Entscheidung der Kommission nur binnen 3 Tagen nach der Bekanntmachung die Entscheidung des Einiguugsamts des Gewerbegerichts augerufen werden. 6. Bis zur endgültigen Entscheidung durch die Kommission oder das Einigungsamt dürfen Bnusperren unter keiner Bedingung verhängt werden. Nach der endgültigen Entscheidung sind Bau- sperren nur zulässig, wenn der Entscheidung nicht Folge ge- leistet wird. 7. Alljährlich im Herbst hat die unter Nr. 3 bezeichnete Kom- Mission zusammenzutreten und die Arbeits- und Lohnverhältniffe für die Baupcriode des nächsten Jahres festzusetzen. Der Eni- scheidung der Kommission haben sich die Arbeitgeber und Arbeit- nehmer zu unterwerfen. Zum ersten Male tritt die Konimissiou zu diesem Zwecke im Herbst 1899 zusammen, um über eine audcrweite Festsetzung des Lohne? für die Zeit vom 1. Oktober 1300 bis 31. März 1301 zu be- schlietzen. 8. Sowohl die centrale wie die lokale Organisation der Maurer, sowie die Gewerkschaftskommission verpflichten sich, ihren ganzen Einfluß zur Anfrechterhqltung dieser Bedingungen ein- zusetzen und im Widerspruch mit denselben ausbrechende Streiks nicht zu unterstützen. 9. Maßregelungen infolge des hierdurch beigelegten AusstanbeS finden nicht statt. Hinzugefügt wird, daß auch der Vorsitzende des Centralverbandes der Maurer Deutschlands in der Achtzehner- 5lommission Sitz und Stimme haben soll. B ü ni e l b u r g erklärt im Namen der Arbeitervertreter, daß sie alle für Annahme des Vergleichsvorschlages mit ganzer Kraft ein- treten werden. Er setze mit Bestimmtheit voraus, datz seine Mandat- gcbcr den Verglcichsvorschlag acceptieren. Baumeister W e st p h a l erklärt, daß die Majorität der Arbeit- gcber-Vcrtrelcr dem Vergleichsvorschlag zugestimmt hat. Baumeister Lachmann schließt sich namens der außerhalb des „Bundes" stehenden Arbeitgeber dieser Zustimmungserklärung an. Hierauf unterschrieben die Vertreter der Arbeitgeber- und-nehmer den ichriftlich sornm'lierten Vergleichsvorschlog, ebenso die Mitglieder des Gerichts. Assessor v. Schulz schließt die Sitzung mit dem auftichtigen Wunsche, datz morgen nun definitiv die Vergleichsvorschläge von seilen der Herren Arbeitnehmer angenommen werden. Um Vi!? Uhr abends fanden die Verhandlungen ihr Ende. VoinnrunKles. Die neue GerichtSorganifation. Aus dem Rathause wird berichtet: Bei den Beratungen des Gesetzentwurfs, be- treffend die anderweite Gerichtsorganisation von Berlin ist in der Kommission des Abgeordnetenhauses nach verschiedenen Berichten behauptet worden, daß der Berliner Magistrat sich gegen die Vorlage nicht ablehnend verhalten habe. Dem gegen« über können wir auf das bestimmteste feststellen, daß der Magistrat (in Uebercinstimmung mit der Stadtverordncten-Versammlung) ledig- lich den Beschlutz gefaßl hat, sowohl an den Justizminister wie an den preußischen Landtag eine Petition gegen diese Vorlage zu richten. Diese Petition, die sich in eigenster Begründung gegen jede Zerstückelung dcS bisherigen Bezirks des Amts- und Landgerichts l hier und gegen die Zusammenlegung großer Gebietsteile Berlins mit einzelnen Vororten ausspricht, ist im April d. I. sowohl dem Justizministerium wie dem Abgeordnetenhause zugegangen. Andere Beschlüsse sind vom Magistrat nicht gefaßt worden. Dte städtische Vcrkchrsdcputatton hat in ihrer gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner stattgehabten Sitzung die von der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn beantragte wider- rufliche Genehmigung zur Errichtung des Oberleitungs-Betriebes auf mehreren Strecken, insbesondere auf ihrer Hauptlinie durch den Tiergarten, woselbst bekanntlich zur Zeit ein Mlumulatorenbetrieb stattfindet, sowie zur Verlegung eines Speisekabcls auf dem Kur- fürstcn-Damm erteilt. Den Mitgliedern der städtischen Verkehrs« deputation wird am Dienstag, den 27. d. M. auf der Wienerstratze am Görlitzer Bahnhof eine von der Firma Siemens u. Halske er- bauter automobiler elektrisch angetriebener Omnibus vorgeführt werden. Die Urania- Uhren. Der Stadtverordnete Schwalbe in Ge- mcinschaft mit noch 5 Mitgliedern der Stadtverordneten- Versamm- lung haben folgenden Antrag in der Stadtvcrordneten-Versammlung eingebracht:„In Gemätzhcit der Anträge und Beschlüsse vom 21. Mai 1833, 30. Juni 1898 und 2. September 1398 ersucht die Versammlung den Magistrat aufs neue, ihr eine Vorlage über die Errichtung öffentlich central-regulicrter und selbstthätig kontrollierter Uhren zugehen zu lasien, die zugleich die Verhältnisse der Urania- Uhren regelt und die seitens des Magistrats bei der Etatsberalung zugesagt war. Vermächtnis. Der Hierselbst am 3. Februar er. verstorbene Geheime Baurat Ludwig Alexander Vcit-Meyer hat aus seinem Nachlasse der Stadt Berlin für wohlthätige Zwecke eine Zuwendung von 100 000 M. gemacht. Nach Bestimmung des Testaments sollen erhalten; a) die Kaiser Wilhelm- und Augusta-Stiftung 30 000 M., b) das städtische Waiscnamt, um aus den Zinsen je ein bis zwei talentvolle Knaben, welche im städtischen Waiscnhause erzogen sind, weiter ausbilden zu lassen, als dies in der genannten Anstalt oder daran anschließend geschieht(welchen Beruf die Knaben einschlagen, soll hierbei nicht in Betracht kommen), 40 000 M,, c) die städtische Blindenanstalt, um ans den Zinsen die Zwecke und Ziele dieser Anstalt, besonders aber die dieselbe verlassenden Blinden zu fördern, 30 000 SR. Alle etwa zu den vorstehend d, c weiter nötigen Bestimmungen und Festsetzungen hat der derzeitige Ober-Bnrgenneistcr festzustellen. Die angegebene Summe von 100 000 M. ist durch die Erben der städtischen Hauptstiftungskasse bereits übergeben worden. DaKales. Auf uach Wcistensee! Auf das Volksfest, das heute in Schloß Weißensee gefeiert wird, machen wir unsere Leser nochmals auf- merksam. Die Parteigenossen des vierten Wahlkreises,' in deren Händen die Veranstaltung liegt, haben sich fleißig bemüht, um durch Volksbelustigungen aller Art, durch Gesangsaufführungen, Schwimm- Vorstellungen, turnerische Spiele. Feuerwerk usw. das Fest interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Wir zweifeln nicht daran, daß ein nach Zchntausenden zählender Besuch die Mühen'des Komitees lohnen wird. Achtung 1. Wahlkreis! Den Parteigenosse» zur gefl. Nachricht, daß die Besichtigung der Treptotver Sternwarte e r st a m 9. I u l i stattfinden kann. Näheres in S Tagen an dieser Stelle und am 9. Juli durch Inserat. Bill eis sind in den bekannten Zahlstellen, sowie bei den Bezirksführern zu haben. Der Vorstand. Der socialdemokratische Wahlverein für den 2. Berliner Reichstags Wahlkreis hält am Dienstag, abends 8Vs Uhr, bei Habel in der Bergmannstr. 5—7 eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der die wichtige Frage der Statuten- äudenmg zur Beratung steht. Referent ist Genosse Zubeil. Zahlreiches Erscheinen ist geboten. Zur Lokalliste. In Schmöckwitz steht daS Lokal zum Seddin See, I n h. Aug. S t e p h a n i, der Arbeiterschaft unter den bekamiten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokal-Kommission. Arbeiter- BildnnaSschule. Die Kurse in Redc-Uebung und Geschichte für das zweite Vierteljahr IS99 haben in ver- angener Woche ihren Abschluß gefrmden. In Nationalökonomie «den an den nächsten beiden Montagen die Schlußvortrage statt. Wiederbeginn Mitte Oktober. Während der Ferienzeit(Juli- September) ist die Bibliothek jeden Mittwochabend von S— 9 Uhr zur gefälligen Benutzung für die Mitglieder geöffnet. _ Der Vorstand. Zur Empfehlung deS PriigelregimcntcS in der Schule wird häufig angeführt daß Trotz und Frechheit mit anderen Mitteln nicht zu bändigen seien. Besonders in , den Volksschulen habe man eS vielfach mit Kindern zu thun, die leicht geneigt seien, den» L e h r e r in aller Fonn den Gehorsam zu verweigern und ihm o f f c n e n W i d e r st a n d z u l c i st c n. Hier sei dann der Stock um so weniger zu entbehren, da den Volksschulen dasjenige Mittel f e h'l e, durch das die höheren � Lehranstalten ihre unbotmäßigen Schüler in Schranken halten können: das Recht, den Schüler gegebenenfalls von der A» st a I t zu verweisen. In dieser Beziehung ist nun sehr bemerkenswert, was der KönigSberger Schul- direktor a. D. A l b r. G o e rt h in seinem Aufsätze:„Die Behandlung des Eigens innS bei der Erziehung durch Elternhaus und Schule"(abgedruckt in der im Auftrage des „Deutschen LchrervereinS" von Rob. Rißmann herausgegebenen Monatsschrift„Die dentsche Schule", 3. Jahrgang, 5. und(3. Heft, Mm und Juni 1899) über das Vorkommen von Trotz und Frechheit bei Schulkindcm sagt. Herr Goerth. der im allgemeinen für einen fleißigen Gebrauch von Ruthe und Stock bei der Kindercrziehung ist, leitet seine Ausführnnaen über die Behandlung eigensinniger Schulmädchen mit folgenden Worten ein:„ I n d e n V o l k's- schulen, sowie in den lviädchcn-Mittelschulen tritt dieser Fehler selten hervor; denn Arbeiter und kleine Handwerker pflegen ihre Kinder durchweg strenge zu behandeln. In diesen Familien wird die Ruthe nicht gespart. I n den höheren Mädchenschulen zeigt sich der Eigensinn und daS verzogene Wesen schon sehr stark in den mittleren Klassen und wird in den oberen so widerlich und oft so gefährlich, daß schwache Lehrer und Lehre- rinnen ihre Autorität nicht mehr geltend machen können, so daß der Dirigent der Anstalt sich genötigt sieht, ihnen den Unterricht in diesen Klassen trotz ihrer Kenntnisse und guten Unterrichtsmethode ganz abzunehmen. Den Eigensinn und' die damit zusammen- hängende Frechheit zeigen die Mädcken dort durch schnippische Ant- Worten, freche Mienen, durch spöttisches Lachen, oft durch offen- baren Ungehorsam. Das Mädchen stützt sich auf, sendet dem Lehrer herausfordernde Blicke zu und verlacht frech jeden seiner Befehle." Da in Mädchenschulen jede körperliche Züchtigung st r e n g untersagt ist. so rät Goerth zn dem Versuch, den Eigensinn und die Frechheit der Mädchen dadurch zu bändigen, daß man ihnen„Liebe und Freundlichkeit" entzieht. Zur Behandlung von Eigensinn und Widerspenstigkeit in Knabenschulen empfiehlt Goerth rücksichtslosen Gebrauch' des RohrstockS. Tie I körperliche Züchtigung sei hier gar nicht zu entbehren— nicht zur Besserung, aber aus Notwehr, jedoch eben nur zur Unterdrückung von eigensinniger Frechheit und Wider- sctzlichkeit, nicht gegen Unausmertsamkcit' und Trägheit.„Wir wollen," fährt G. dann fort,„bei dieser Erörterung auch daran er- innern, daß auS den soeben angeführten Gründen körperliche Züchtigung in Volksschulen und in den mittleren Bürgerschulen nur sehr selten nötig wird. Der Geist der Frechheit, der rohen Widersetzlichkeit ist in diesen Schulen fast nirgends zu finden, s o n d e r n» u r in höheren, die von den verzogenen und verwahrlosten Sprößlingen der vornchinercn und reicheren Familien besucht werden. In jenen Anstalten wird ein tüchtiger Lehrer körperliche Züchtigung ganz entbehren können; in diesen Gymnasien, Rcalschülen, Obcr-Neälschulcn muß der Stock aur Notwehr immer bereit stehen, und man sollte sich nicht scheue», rhn' kräftig zu gebrauchen."— Unbeschadet unserer Ansicht über Wert und Wirksamkeit der von Herrn Goerth empfohlenen Bc- Handlungsweise begnügen wir uns, darauf hinzuweisen, daß seine Ausführungen in geradem Gegensätze zu der thatsäch- lichen Behandlung st ehe n. die den Schülern höherer Lehranstalten bezw. den Volksschul- k i n d e r n zu teil wird. Nicht in den höheren, sondern in den niederen Lehranstalten ist angeblich der Geist der Frechheit und rohen Widersetzlichkeit zu finden, nicht in den Gymnasien usw., sondern in den Volksschulen wird der Nohrstock für unentbehrlich ge- halten und dementsprechend kräftig gebraucht. Die Ausführungen G.S sollten nicht nur den Volks schullehr er n, fondern auch jenen Kreisen zu denken geben, die immer so laut über die augebliche Frechheit und Rohheit her Kinder deS Volkes schreien. Wer die Verhältnisse auf unseren höheren Schulen kennt, der wird uns bestätigen können, daß G. nicht zu schwarz gemalt hat. Tie Acrzte gegen die Polikliniken. Die vom Geschäfts- auSfchnffe der Berliner ärztlichen Standesvereine herausgegebene „Berliner Acrzte-Korrespondenz" bringt in ihrer neuesten Nummer ein Referat des Dr. Paul Frey über die„Eindämmung der AuS« brcitung der Polikliniken". Verfasser knüpft darin an die angebliche Thatsache an, daß nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein ethischer Niedergang im Aerztestande zu verzeichnen ist. Ein Schritt zur Bcfferung sei bereits mit der Abänderung der Krankenkassen« Gesetzgebung gethnn, welche die Wirtschaft- liche Existenz so vieler Aerzte bedrohte; allein eS gelte noch eine andere, ebenso drückende Ursache deS Aerzte- Notstandes !« bekämpfen, das seien die wie Pilze hervorwuchernden Polikliniken. Diese bildeten für den in der allgemeinen Praxis stehenden Arzt eine immer bedrohlicher anwachsende Gefahr; wenn man das gewaltige Zahlenmaterial, über welches die Polikliniken verfügen, studiere', so könne man sich über das Manko in der Praxis nicht wundern. Es gebe in Berlin 14 staatlicherseits ins Leben ge- rnfene Polikliniken, 10 solcher Anstalten, die im Anschlüsse an die größeren Krankenhäitser, und 10, welche von Vereinen errichtet worden sind. Die Zahl der Privat-Polikliniken sei kaum annähernd richtig anzugeben. Im Jahre 1896 wurden 129 Polikliniken gezählt, in welchen von 287 Aerzten 252 010 Fälle behandelt wurden; über die 94 daneben noch existierenden Anstalten fehlt jeder Anhalt. Diese Zahlen redeten deutlich genug, sie wären die beste Erklärung für die ungenügende Beschäftigung der Mehrzahl aller Berliner Aerzte. Die„Acrzte-Korrespondenz" thut sich auf ihrem Eifer für reaktionäre Maßnahmen recht oft etwas zu gute. Eine Lösung der Acrztefrage aber, die so wenig zu leugnen ist. Ivie daS Bestehen der socialen Frage im großen Ganzen, kann erst erfolgen, wenn der Staat mit Eifer und Gewissenhaftigkeit die Förderung der Volkshygiene in die Hand nimmt. Dazu kann es aber erst kommen, wenn der ani meisten hiervon interessierte Faktor, das Proletariat sich den ihm gebührenden Einfluß erkämpft hat. Vorschläge, wie dic von derZnnst angestrebte„Ein- dämmung dcrAusbreitung dcrPolikliniken" sind ein Schlag ins Wasser. Gcschäftsdreirädcr. Auf eine an Gcwiffenlosigkeit streifende Ausnutzung der jugendlichen Arbeitskraft weist ein Straßbnrgcr Arzt mit dankenswerter Schärfe hin, nämlich auf die Besetzung' der schweren Geschäftsdreiräder mit halbwüchsigen Leuten und schwächlichen Personen. Führt schon der sportmäßige Gebranch des Zweirades zu Herzerwcitcrnngen, so liegt die Gefahr von Herzkrankheiten in noch viel höherem Grade bei jenen jungen Leuten vor. die tagaus, tagein die schweren Geschäftsräder stundenlang, oft bei schlechtem Wetter und Gegenwind, auf un- ebenen Straßen, schlechtem Pflaster oder aufgeweichtem Boden, viel- fach mit Aufwand ihrer letzten Kräfte, in Bewegung setzen müssen. ES ist vollkommen evident und feststehend, daß sich namentlich bei unerwachsenen und schwächlichen, oder ohnehin schon zu Herz- und Lungenleiden disponierten Leuten bei einer solchen Thätigkeit Herzfehler ausbilden müssen, deren Anfangscrschcinungen — und hierin liegt eben mit die große Ggfahr— langsam und schleichend ans Licht treten; die aber bei weiterer Entwicklung nicht wieder zu beseitigen sind. Der Arzt meint weiter: Wir wissen nicht, inwieweit die gesctz- lichen Bcstimnnmgen, die GewerbeOrdnung insonderheit in Beziehung auf die jugendlichen Arbeiter schon jetzt Handhaben bieten, um hier einzugreifen. Wenn solckie vorhanden sind, so mögen sie von be- rufcner Seite aufs nachdrücklichste angewandt werden; wo nicht, so hat es Sache der G e s e tz.g e b u n g zu sein, diese Lücke auszufüllen. Acrztlichcrfcits müssen die Forderungen ungefähr dahin präcisiert werden, daß Individuen in' der Wachs- tnniSperiode, also im allgemeinen unter 20 Jahren, zuni Fahren der Geschäftsrndcr gar nicht zu benutzen wären, daß dicS überhaupt nur auf Grund eines der Behörde vorzulegenden ärzt- lichen Attestes geschehen dürfte(es sollte nebenbei auch sonst niemand ohne vorherige ärztliche Nntersuchnng zn radeln beginnen I), daß Bestimmungen über das Maximalgewicht der Ladung erlassen würden, und daß die Fahrer anzuweisen wären, bei stärkeren Steigungen oder starken Straßcuwiderftändcn, Gegenwind usw., abzusitzen. Es ist wohl nicht zn bezweifeln, daß auch die Arbeiter und deren berufenen Organe der hier gekennzeichneten Gefahr ihre Auf- mcrksamkcit widmen. Die Nngczogcnheitcn deS Vereins deutscher Stndcntc» finden unter dem gesitteten Teil der akademischen Bürger immer entschiedenere Mißbilligung. So meldet uns ein Student in der Angelegenheit der Finkenschaftsversammlung: Auch ich kann mich dem Wunsche des Kommilitonen, die Studenten mögen schon ans dem Grunde recbt häufig socialdemokratische Ver- sammlungen besuchen, um dort Sitte und Anstand zu lernen, nur anschließen. Feststellen möchte ich jedoch, daß es von den Kor- porattonen nur der„Verein deutscher Studenten" war. der das Gastrccht mißbrauchte, um die Versammlung durch Lärm zu sprengen. Diese Herren, die durch ihr Gebrüll die anderen zu Gegen- dcmoustrationcn vcranlaßten, sind ja nur gewöhnt, Pückler- V e r s a m m l u n g n zu besuchen und dort, wie es letzthin ge- schehcn sein soll, zn Ehren ihres Heiligen, Ahlwardt II, Spalier zu bilden. Kennzeichnend für sie war.' daß an jenem Abend fest- genagelt wurde, wie ihr erster Vorsitzender je nach seinem Vorteil Behauptimgen aufstellt. Zu dem vorbereitenden Komitee gehörten auch einige Mitglieder des soeialwissenschastlichen Studentcnvereius. Schnell beantragt der Vorsitzende des V. D. St., diesen Herren und dem S. W. St. V. das Stimmrecht zu entziehen. Kurz vorher sollte ein allgemeiner Studentenausschuß gegründet werden. Da hieß es, der S. W. St. V. ist keine Korporation. mithin darf er kein Vertreter im Ausschuß haben. Bei der Lesehallenwühl wurde der„nationale" Kandidat, der dem Volkswirt- schuftlichen Verein angehört, als„nicht inkorporiert" bezeichnet. Dienstagabend war dieser Verein„eine Korporation". Das sind die Herren, die jederzeit ihre„nationale Gesinnung" und ihr„tcutsches Wesen" im Munde führen. Armes Teutschland!— Zum Schlüsse mochte ich noch erwähnen, daß die Finkenschaftsbcwegung großen Sympathien begegnet, und daß es dann mit dem V. D. St.-Bcrlin so gehen wird, wie in Halle. Zeit wäre es, und es könnte der Berliner Studentenschaft nur zum Ruhme gereichen. Berliner Strcilstatistik. Seit dem 1. Januar d. I. wird auf Beschluß des Bundesrats eine fortlaufende Statistik der Streiks und Ansiperrnngcn aufgenommen. Das zweite Vicrteljnhrsheft zur Statistik de- Deutschen Reichs veröffentlicht jetzt die Resultate der diesbezüglichen statistischen Erhebungen für das erste Quartal 1899. Danach sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres in der Stadt Berlin 36 Streiks ausgebrochen und davon 29 beendet worden. Diese 36 Streiks Hrstrcckien sich auf 37 Betriebe, von denen indes nur 18 infolge der Arbeitseinstellungen zum völligen Stillstand kamen. Bei Ausbruch der Streiks waren in den von den Streiks betroffenen Betrieben 2029 Arbeiter beschäftigt(aus 2 Betrieben fehlen jedoch die diesbezüglichen Angaben). Die'Höchstzahl der in den 37 Betrieben gleichzeitig streikenden Arbeiter betrug 864. Ohne Jnne- Haltung der Kündigungsfrist traten 107 Arbeiter in die Streik- dcwegnng ein; sie werden deshalb in dem Viertcljahrshefte als „kontraktbrüchig" bezeichnet.— Außer den 36 Streiks hatte die Stadt Berlin noch eine„Aussperrung" zu verzeichnen, welche sich auf vier Betriebe(Fuhrgcschäfte) erstreckte und diese zum völligen Stillstand brachte. Von dieser Aussperrung wurden 39 Arbeiter betroffen. Ter Freiherr v. Hammerstein verläßt am Montag, den 26. Juni, das Zuchthaus. Das gegen ihn am 22. April 1396 ge- fällte Urteil, lautend auf drei Jahre Zuchthaus, 1500 M. Geldstrafe oder noch 100 Tage Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, wurde erst am 26. Juni 1896 rechtskräftig, da an diesem Tage die Revision vom Reichsgericht verworfen wurde. Um dem Freiherrn v. Hammer- stein die Vcrbüßnng von noch 100 Tagen Zuchthans zu ersparen. ist von Freunden seiner Familie die Summe von 1500 M. auf- gebracht worden. Herr v. Hammerstein wird sich seine beiden Kardinaltugcnden, die Gottesfurcht und die Dreistigkeit, auch im Zuchthause bewahrt haben. Mit der entsprechenden Portion Gottesfurcht versehen, dürfte eS dem ehemaligen Führer der konservativen Partei nicht allzu schwer fallen, sich in irgend einem frommen Winkel wieder ein staatsstützendes Nest zu bauen. Inwieweit die zweite nützliche Eigenschaft, die im fleißigen Bereithalten der Pistole offenbarte Dreistigkeit dem Freiherrn von Nutzen ist, hängt davon ab, ob die im Klrib der Harmlosen oft und gern zu Gast gewesene Crsme der Gesellschaft ihn wieder für satiSfoktionsfähig erklärt. In Scharf- macherkreisen soll man übrigens immer noch den Augenblick als den Triumph der Ordnung herbeisehnen, wo der erste' Arbeiterführer, der zum Streik angereizt hat, in die bisher von Hammerstein besetzt gehaltene Zuchthauszelle abgeführt wird. Wohlthätigfeit, Reklame und Personenkultus. Man schreibt uns: In der Nummer vom Freitag nehmen Sie Notiz von einer Protesterklärung der Vertreter bürgerlicher Wohlfahrtseinrichtungcn gegen die neue Zeitschrift„Das gute Herz". Anlaß dazu bietet, so erklären diese Menschheitsbeglücker,„vor allem der mit den ernsten sittlichen Aufgaben auf diesem Gebiete im schärfsten Widerspruch stehende Personenkultus, der durch Wiedergabe von Portraits und begleitenden Erklärungen getrieben wird". Ob nicht dieser an sich gewiß berechtigte Grund nur ein Scheingrnnd und das wahre Motiv— Konkurrenzfurcht ist? Denn wer hätte schon von einem Protest gegen die offizielle Vereinszeitschrift„Das Rote Kreuz", Centralorgnn für alle deutschen Wohlfahrts- und Wohl- thätigkeitsbestrebungen, herausgegeben von Dr. Gotthold Pannwitz, gehört? Und doch bringt diese Zeitschrift in fast jeder Nummer Porträts und Biographien Edelster und Bester, so z. B. von Karl Graf von Drechsel-Tenfstettcn, Frau Oberpräsident Studt, Chlodwig Fürst zu Hohcnlohc-Schillingssürst, Gräfin Charlotte Jtzenplitz ic. Besonders charakteristisch aber ist es, daß das Organ für deutsche Wohlfahrtsbestrebungen am 15. Mai Personenkultus trieb mit dem heldenmütigen Verteidiger der Znchthausvorlage, dem Grafen von Posadowsky-Wehner! Auch uns will scheinen, daß die beiden Konkurrenten im Metier der Wohlthätigleit an Lauterkeit und Edelmut der Gesinnung ein- ander nicht viel nachgeben. Nach ostclbischrm Muster. Das„Berk. Tgbl.", das über die Arbeiterwohnungcn auf den städtischen Riesclgütern einige Enthüllungen brachte, teilt jetzt nüt, daß vor einigen Tagen von der Gutsverwaltung in Malchow der strenge Befehl ergangen sei, keinem Fremden Einblick in das Schnitterhaus zu g e« währen. Es fehlt nur noch, daß nach ostelbischem Muster Befehl ergeht, die umstürzlerischen Elemente mit dem Dreschflegel vom Gutshof zu treiben. Heber die kommunale Sparsamkeitswut in solchen Fällen, wo bedürftige Eltern freie Lieferung der Schulbücher für ihre Kinder beantragen, haben wir leider schon mehrfach berichten müssen. Ein besonders befremdlicher Fall ist wieder folgender: Ein Vater von fünf Kindern war durch den Tod seiner Frau in eine überaus be- drängte Lage geraten und hatte sich wegen freier Lieferung� der Bücher für seinen ältesten Sohn, der die 79. Gcmeindeschule besucht, an den Rektor dieser Schule gewandt. Nachdem der Rektor von der Lage des Vaters Kenntnis genommen hatte, befürwortete er auch an zuständiger Stelle dessen Gesuch um freie Lieferung der Schulbücher. Die Folge war, daß von den vier benötigten Büchern ein einzige« gewährt wurde; eine weitere Folge für den Knaben bestand� darin, daß sein Lehrer ihn mit dem Stock züchtigte, als er ohne die übrigen Bücher in die Schule treten mußte! Ter Berliner Verein für VolkSbäder hielt Freitagabend im Hörsaal der Klinik in der Karlstraße 19 unter Vorsitz des Prof. Lassar seine Generalversammlung ab. Der 1838 begründete Verein hat in seinen beiden tAnstaltcn' in der Gartenstraße und in der Wallstraße im letzten Jahre 230 623 Bäder verabreicht. Im Durch- schnitt wurden täglich 650 Bäder verabreicht. De» stärksten Besuch zeigte der Pfingstsonnabend mit nahezu 3000 Bädern, den schwächsten der 1. Januar. Die Zahl der Brausebäder hat in beiden Anstalten zugenommen, die Frauen verhalten sich nach wie vor im all- gemeinen ablehnend gegen Brausebäder. Die Gesamteinnahmen beider Anstalten beliefen sich auf 50713 SR., die Betriebsausgaben auf 33 005 SR. Aussehen erregte kürzlich auf dem Anhalter Bahnhofe ein Knabe, der auf dem Rücken ein Schild mit der Aufschrift trug, daß er von einem tollen Hunde gebissen worden sei und sich auf dem Wege nach der Berliner Schntzstation befinde. Diese Er- schcinung steht nicht vereinzelt da. Aus Bayern sind bereits vier Knaben hierher gekommen, die ein solches Schild auf dem Rücken oder auf der Brust trugen. ES ist das eine Empfehlung an die Bahn- und Polizeibeamtcn, sich der jugendlichen Fahr- gäfte anzunehmen und sie der Schutzstation unverzüglich zuzuführen. Es handelt sich in solchen Fällen um arme Kinder, denen die Eltern keinen Begleiter mitgeben können. Der Zweck wird ja auch erreicht, und die Erfahrung zeigt, daß es so auch ohne Begleitung geht. Aber das Mittel ist doch ein etwas zu ausfallendes und leicht geeignet. Mitfahrende zu beunruhigen. Die Schntzstation ersetzt es bei der Rückkehr der kleinen Patienten durch ein viel weniger auffälliges und doch ebenso wirksames, einen Gcleitbrief, den der junge Reisende nur irgentt einem Beamten zn zeigen braucht, um sich die erwünschte Fürsorge zu sichern. Es kennzeichnet die Mängel unserer socialen Zustände, daß solchen unglücklichcn Kindern in Fällen wie hier, wo doch die Gesamtheit auf das lebhafteste interessiert ist, kein amtlicher Be- gleitcr auf die Reise mitgegeben wird. Ei» Sonderzug zu ermäßigten Preisen von Berlin nach Wien über Röderau— Dresden— Tctschen geht am Montag, den 17. Juli, ab. Abfahrt von Berlin(Anhalter Bahnhof) nachmittags 1°° Ankunft in Wien(NordweftbahiO am nächsten Tage morgens 9�. Zu diesem Zuge werden in Berlin Rückfahrkarten nach Wien mit 30tägiger Gültigkeitsdauer zum Preise von II. Klasse 36,90 M., III. Klasse 21,90 M. ausgegeben. Der Fahrkartcnvcrkauf wird am Tage vor Zugabgang nachmittags 2 Uhr geschlossen. Kündigungsfrist für Mictövcrträgc. Wir mache» wiederholten Anfragen gegenüber abermals auf folgendes aufmerksam: 1. Die Kündigung von MietSvcrträgcn. in denen eine dreimonatliche Kündigungsfrist vereinbart ist. muß. um rechtzeitig zu sein, so er- folgen, daß die Kündigung spätestens am 30. Juni in den Händen des Vermieters oder Mieters, dem gekündigt werden soll, ist; 2. ist als Kündigungsfrist drei Monate und drei Tage vereinbart, so muß die Kündigung s p ä t e st e n s am 27. Juni in den Händen dessen sein, dem gekündigt wird. Eine frühere Kündigung ist zulässig und wirksam. Ter wegen GattenniordcS verhaftete Zuschneider R öhrig 'oll gestern nncb Berlin ins Untersuchungsgefängnis gebracht worden fein. Röhrig bestreitet, wie eine Privatmeldimg aus Erpel besagt, mit Entschiedenheit, daß er die Absicht gehabt habe, seine Frau zu töten. Er will vielmehr im Verlaufe eines Wortstreitcs seiner Frau einen Stoß gegen die Brust gegeben haben, so daß sie zu- ammenbrach. Nunmehr habe er in dem Glauben, daß die Genuß« handelte todt sei, sie aufgeknüpft, um so den Anschein eines Selbst- mordcs zu erwecken. Auf den früheren Stadtmissioimr Caspar wird gegen- wärrig wegen veffchiedener Schwindeleien gefahndet. Als der Gesuchte vor einiger Zeit der Tätigkeit als Missionar überdrüssig wurde, ging er, da er mit der Landwirtschaft befchcid wußte, hei Landwirten in Arbeit und kam auch nach Knautkleeberg i. S. Bei Gelegenheit des Begräbnisses eines jungen Mädchens erschien er in vollem Ornat,(Talar, Barett und weißer Binde) im Trauerhause, spendete den Hinterbliebenen Trost und hielt auch am Grabe eine öffentliche Trauerrede, nachdem der Orts- geistliche den Segen gesprochen hatte. Auf Befragen zab er nach Schluß der Leichenfeier an, er habe früher öheologie studiert, sei in seinem 15. Lebensjahre vom katholischen zum lutherischen Glauben übergetreten, von feiner Mutter deshalb verstoßen worden und dann in Berlin längere Zeit als Missionar thälig gewesen. Er habe ein Recht, die geistliche Amtsthätigkeit auszuüben. Merkwürdigerweise ließ man den„Herrn Pfarrer" ungeschoren, obgleich er in der geschilderten Weise auch an anderen Begräbnissen teilgenommen hatte. Jetzt hat sich herausgestellt, daß der„Herr Pfarrer" die Amtstracht widerrechtlich angelegt und unter dieser Maske verschiedene Schwindeleien in Leipzig und Umgegend verübt hat. Er ließ sich auch in dem geistlichen Ornat photographieren und blieb dafür die Zahlung schuldig. Der Mistbrauch von Schustwaffen, durch den in jüngster Zeit in den Stadtbahnzügcn Leben und Gesundheit der Passagiere wieder- Holl bedroht worden sind, scheint in der Gegend deS Thiergartens immer mehr um sich zu greifen. Gestern vormittag wurden die 4. Schiller einer Klasse der Gemeindeschule in der Joachiinsthalerstrahe durch eine Kugel in Schrecken gesetzt, welche ihren Weg über ihre Köpfe hinweg nahm. Das Geschoß drang während des Unterrichts durch eine Fensterscheibe und schlug in die gegenüberliegende Wand, glücklicherweise ohne eines der Kinder zu verletzen. Internationaler Reform-Hcilverein. Wir erhalten eine Zu- schrift, aus der wir folgendes entnehmen: Unter dem genannten Titel hat sich auf Veranlassung des Herrn Dr. Moharrem-Bey aus Cairo, der auf dem in Berlin seiner Zeit tagenden Tuberkulose- Kongreß einen Vortrag gehalten hat, ein Verein gebildet, der sich über die ganze Welt erstrecken soll. Der Zweck dieses Vereins ist Propagierung hygienischer Matzregeln. Ganz besonders soll ans hygienischem Wege die mörderische Tuberkulose wirksam bekämpft werden. Interessant ist endlich noch die Thatsache, daß der Pro- ponent des Vereins Herr Dr. Moharrem-Bey sein ziemlich großes Vermögen diesem humanitären Projekt opfern will, in der Hoffnung, daß sich zahlreiche Wohlthäter für dieses Unternehmen interessieren würden. Das Vereinsvermögen soll zur Gründung internationaler Krankenhäuser verwendet werden. Dem Reform-Heilverein sind bereits namhafte Forscher und Aerzte beigetreten, u. a. der Verfasser der „Reform der Physiologie des Menschen*(Verlag von Hobbing und Büchle, Stuttgart) Dr. Jezek, der die neuesten wissenschaftlichen Er- rungenschaften dem Reform-Heilverein zu gute kommen läßt. Die Centrale dieses Vereins soll in Deutschland' domizilieren. Zuschriften von Interessenten sind an Dr. Moharrem-Bey, Berlin- Charlotten- bürg, Spandauerstr. 5, zu richten, der auch gern bereit ist. In- formationen zu erteilen. Wir wünschen der Wissenschast im Kampfe gegen die Tu- bcrkulose selbstverständlich alles Glück, glauben aber doch, daß die Masse der Bevölkerung dem neuen Projekt mit derselben Skepsis gegenüber stehen wird, wie manchen früheren Gründungen. Mittelfeuer in der Handelsstätte„Belle-Alliance"(Passage Lindenstraße-Friedrichstraße). In der neu erbauten Handelsstätte Belle-Alliance kam Sonnabendabend'AS Uhr ein gefährliches Feuer aus. das nur durch rechtzeitiges Eingreifen der Feuerwehr ein- geschränkt wurde. Im ersten Stock des nördlichen Seitenflügels be- findet sich die Luxuspapierfabrik von Hermann Pohl, die m ihren Räumen große Posten Papiervorräte aufgespeichert hatte. Wie nun der Brand entstand, ist noch nicht aufgeklärt. Als er bemerkt wurde, flogen bereits die großen Fensterscheiben in die Passage und die Flammen schlugen bis zum Dachstuhle empor. Die Gefahr war um so größer als der Brandherd rechts von der Buchbinderei von Petting und links von der Rheinischen Linoleumfabrik begrenzt wurde. Es galt daher für die Feuerwehr, den Flammen nach beiden .Richtungen den Weg abzuschneiden, was auch in verhältnismäßig kurzer Zeit gelang. Mit sechs Rohren wurde von drei Seiten vor- gegangen, und nach einer halben Stunde war man Herr des Feuers. Allerdings sind die Räume der Fabrik von Pohl total ausgebramrt. Wie groß die Hitze war, zeigte sich an den starken Eisenträgern, die wie Sprenkel verbogen waren. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. glus de» Nachbarorte». Britz. Die Genossen werben darauf aufmerksam gemacht, daß heute vom Volksbildungsverein ein Familienausflug nach Königshcide stattfindet. Abmarsch nachmittag 1 Uhr vom Dornschen Lokal. Um zahlreiche Beteiligung ersucht der Vorstand. Weistcnsce. Die Parteigenossen werden ersucht, zu der Ver- sammlung für Männer und Frauen, die bestimmt am Dienstagabend (P/i Uhr bei Schmidt, Heinersdorferstr. 4 stattfindet, eine rege Agi- tation zu entfalten. Der Vertrauensmann.' Nieder-Schünhauscn. Der nächste Leseabend des Arbeiter- Vereins findet Dienstag, abends g Uhr bei Settekorn, Linden- straße 1 statt. AuS Rixdorf. Nahrungssorgen und eine unheilbare Krankheit haben den 52jähttgen Klempner E m i l S ch n I tz e in den Tod ge- trieben. Gestern wurde er in seiner Schlafstelle, Hermannstr. 56, am Drücker der Stubcnthür erhängt aufgefunden. Die Leiche ward nach der Rixdorfer Leichenhalle befördert.— Das wegen Verbrechens gegen keimendes Leben hier verhaftete Heerklotzsche Ehepaar wurde am Sonnabend nach dem Moabiter Untcttuchungsgefäugnis gebracht. — In der Reuterstraße wurde ein Kutscher H. von seinem Pferde so unglücklich geschlagen, daß er nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Krankenhause gebracht werden mutzte. Zur Voruntersuchung gegen Joachim Gehlsen u. Gen. schreibt die„Charl. Bürger- Zeitung* aus Charlottenburg:»Das Anklagematerial gegen Gehlsen häuft sich zusehends von Tag zu Tag; nunmehr ist, wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, die Untersuchung, die unter dem Titel„Gehlsen und Genossen* geführt wird, auch auf die Herren Kaufmann Emil Ale m eher, Agent Gerhard Krause, beide von hier, und Rechtsanwalt H arz- seid aus Köln a. Rh. ausgedehnt worden. Uebrigens schwebt gegen Gehlsen jetzt auch ein Verfahren wegen versuchten und vollendeten Betruges.* Der Grmcindcdorstaud von Nieder- Schöuewcide hat an den Berliner Magistrat den Antrag gestellt, diesen Ort unter ähn- lichen Bedingungen, wie mit der Gemeinde Treptow vereinbart, mit Berliner Leitungswasser und zwar nach Matzgabe des für Berlin geltenden Tarifs und Regulativs zu versorgen. Technische Schwierig- leiten werden dieser Versorgung nicht entgegenstehen, nachdem in letzter Zeit die Berliner Wasserleitung auch bis in die zur Gemeinde Treptow gehörige Kolonie Baumschulenweg. welche unmittelbar an die Gemeinde Nicdcr-Schöneweide angrenzt, fortgefühtt worden ist. Der Berliner Magistrat hat diesem Antrage zugestimmt und der Stadtverordncten-Versammlung eine diesbezügliche Vorlage zur Genehmigung zugehen lassen. Die Frühkartoffel-Ernte ist, wie die„Spand. Korr.* meldet, in einem großen Teil des HaveUandes durch eine in großen Massen auftretende Made vernichtet worden. Der gefährliche Schädling, der früher nur sehr selten beobachtet wurde, hat eine graue Farbe und ist etwa 2 Centimeter lang. Er vernichtet den Keim der gepflanzten und bereits ausgekommenen Kartoffeln. Das ist in solchem Umfange geschehen, daß man meileniveit große Acker- flächen erblickt, auf denen jede Aussicht auf eine Ernte geschwunden ist. Viele Landwirte haben die so heimgesuchten Ackerstücke umpflügen lassen und jetzt Kohlrüben gepflanzt. Berliner Arbeitervertreter- Verein tagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monat bei B u s k e, Grenadierstr. Z3, Abends 8Va Uhr. Unent geltlicher Rath wird ertheilt: Im Norden Berlins: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung Abends von 7—9 Uhr: A. D a c h n e, Dennninerstr. 36, v. 3 Tr. K. Gutheit, Wiesenstr. 23», von 8—3 Uhr Abends. F. Pieschcl, Gartenstr. 55, v. 2 Tr. E. Simanowski, Gartcnstr. 78, Portal 2, 2 Tr. M. S t u h l m a n n, Odcrbergerstr. 37, 4 Tr., von 6—3 Uhr Abends. A. Voigt, Wiesciistrafte 41/42. E. Warnst, Kolbergcrstr. 7, von 6—7 Uhr Abends. P. Reim a nn, Bellen» annstr. 83. I. Krause, Gartenstrahe 13, 2. Ging. pari.—Nur für Jnvaliditäts- und Altersversicherung: F. Blume, Streliyerstraße 58. F. T r a p p, Schwcdenstr. 14, von 7 bis 8 Uhr Abends W. M o h s, Swincmüiidcrstr. 64, vorn linker Aufgang. Im Osten: Nur für Jnvaliditäts- und Altersversicherung: E. Bader, Gr. Frankfurterstr. 34, v. 4 Tr.— Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: A. Schütz, Holzmarktstr. 631. Im S ü d- O st e n: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: Schalthosf, Michaelkirchstr. 18.— Nur für Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung: W. Kühne, Pfuclstr. 1. I m Süden: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: F. S t ü g e l in a i e r, Grimmstr. 39. JmSüd-Westen: Nur fürUnfallversichemng: G. Hänel, SolmSstr.44. Im Nord-Westen: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung: M. S t e p h a n, Cuxhafenerstr. 2.— Nur für Jnvaliditäts- und Altersversicherung: R. Rehbein, Rostockerstr. 43. C. G u s e, Rostockerstr. 43. I m Nord-Osten: Nur für Unfallversicherung: E. L ö f f l e r, Wadzcclstr. 15, vom patt.(Abends 8 Uhr). G. Günther, Greisswalder- straße 8, II links. Im Zentrum: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: A. Sattler, Kl. Hamburgerstr. 2. Bei sämmtlichen vorgenannten Personen, bei denen hier keine Sprechzeit angegeben, ist dieselbe Wochentags von 7—9 Uhr. Vevmislltzkes- Uebcr einen Mord wird aus Dresden gemeldet: Die in der Wettinerstr. 21 im zweiten Stockwerk wohnende 71jährige Frau Amalie H e r m s d o r f, Witwe eines Chaussecgeld-Einnchmers, wurde Sonnabcndvormittag 10 tthr von einem bis jetzt noch nicht bekannten Individuum durch Erwürgen getötet. Der Mörder entfloh, nachdem er die Wohnung ausgeraubt hatte. Es soll ein Schlosscrgeselle sein, der unter dem Vorgeben, ein Zimmer mieten zu wollen, sich bei der alleinstehenden Witlve eingeschlichen hatte. Der Raubmord erregt hier großes Auffehen. Ein Opfer der Wallfahrt. Unter diesem Titel wird aus Przibram in Böhmen berichtet: Während der letzten.großen Wall« fahrt auf den„Heiligen Berg" bei Przibram, an der etiva 80000(I) Personen teilnahmen, begann es zu regnen, und die im Freien befindlichen Wallfahrer suchten in wilder Flucht irgend eine Unterkunft. Hierbei entstand ein fürchterliches Gedränge. Ein etwa 18 Jahre altes Mädchen, das an eine Wand gepreßt wurde, schrie plötzlich auf:„Jungfrau Maria, schütze mich'!" Der Armen>var der Brustkorb eingedrückt worden, und sie gab bald darauf den Geist auf. Während der letzten Tage sind in verschiedenen Teilen Thüringens heftige Gewitter niedergegangen, die auch einige Mcnichcnleben vernichtet haben. In Kahla wurde auf dem Bahnhof der Oekonom Jahn, in Rudolstadt auf einem Felde der Kastellan Grüner vom Blitz erschlagen.— Auch in Belgien herrschte ein furchtbares Unwetter, das viele Ernten vernichtete und den Eisenbahnverkehr hinderte. Die Stadt Carrisa in Mexiko ist durch den Anstritt des Rio Grande w e g g e w a s ch e n. Die Einwohner flüchteten recht- zeitig; gleichwohl sind viele ertrunken. Marktpreise von Berlin am 23. Jnni 1899 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. »)Weizen D.-Ctr. »/Roggen„ »)F»tler-Gcrste„ Hafer gut „ mittel genug Richtstroh Heu„ f) Erbsen iiSpeiiebohnen„ 4)Linsen„ Kartosieliy neue Rindsieisch, Keule lüg do. Bauch„ 16.50 15,40 13,50 15,60 15,— 14,40 3,82 6,90 40,- 50,- 70,— 1,60 1,20 15,20 14- 13,- 15,10 14,50 14- 3,32 4,10 26,- 25,— 30,- 4,- 1,20 1- Schweincsteisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse llcx 60 Stück Ikg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 3,60 1,80 2,80 2,60 2,40 1,60 2,50 1,20 14.- 1- 1,- 1,- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,- ») Ermittelt pro Tonne von der Centralstclle der Preuß. Landwirt- schaftslammcr— Notiernngsstclle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Ccntner. 1) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 24. Juni. Weizen wurde 1 M., Roggen 1,50 M. unter gestrigen Preisen abgegeben. Hafer war unverändert, Rüböl gut behauptet. Am Spiritus markt wurden 125 000 Liter loco 70er mit 41,50 M.(— 0,10) gehandelt. Dagegen zogen Termine auf Deckungen 0,20 M. im Preise an. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 24. Juni. Zum Verkauf standen: 3304 Rinder, 1345 Kälber, 15 743 Schafe, 7439 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogranim Schlachtgewicht in Mark (bezw. für 1 Pfund in Pfennigen): Rinder 50— 63, Bullen 48—62, Färsen und Kühe 45-57, Kälber 42-71, Schafe 48-60, Schweine 41-47.- Das Rindergeschäst wickelte sich ziemlich glatt ab, es wird wohl ausverlaust.— Der Kälberhandcl gestaltete sich ruhig.— Bei den Schafen war der Ge- schästsgang langsam, nur mageres Vieh war gesucht und zu annehmbaren Preisen abzusetzen; es bleibt Ueberstand.— Der Schweinemarkt verlief zieullich glatt; es wurde geräumt. WitternngSübersicht vom 24. Juni 1899, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 758 1 H W 761 SW 761MW 762 N 763!Still 758W Wetter 3 wollig Äwolkcnl 2.wolkig 3 bedeckt — sbcdcckt 4chedcckt Wetter 6 heiter .3Regen 3hlb.bed 5'hlb.bed Ibcdeckt . T ÄK 15 14 14 13 14 Wetter-Prognose fnr Sonntag, de» SS. Jnni 1899. Ein ivenig wärmer, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit leichten Regen- fällen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. C. B., Elbingerstraste. Sie sollten sich zunächst bei dem Bezirks- phhsikus Schulz, am Tempclhofer User 29, oder beim Polizeipräsidium be- schweren. C. Th. Bericht in heutiger Nummer. Grnhl. Der durchschnittliche Tagelohn des Versicherten, nicht der ort?- übliche Tagelohn ist in Z 26«. des Kranlcnversicherungs-Gesetzcs gemeint. Siehe übrigens auch die Antwort unter: Warschauer. <'•. R. 10. 1. Die siebente Stufe. 2. Die Kirchensteuer steht in keiner Beziehung zur Einkommensteuer. 3. Die Erklärung des Austritts aus der Landeskirche hat die vermögensrechtliche Wirkuog, daß der Ausgetretene zu den Kosten eines außerordentlichen Baues nur noch bis Ende des auf die Anötrittserksärung folgenden zweiten Kalenderjahres, zu anderen Kosten der Kirchengemeinde nur noch bis Ende des auf die Austtittserllärung folgenden ersten Kalender- jahrcs beiznttagen hat. Leistungen, die ohne Rücksicht auf die Konfession des Besitzers von bestimniten Grundstücken zu tragen sind(z. B. Kanon, Kalenden), hat auch der Ausgetretene zu tragen. Art. 18. 1. Befreiung können Sie bei der Ersatzkommission be- antragen. Der Antrag hat aber keine Aussicht auf Erfolg/ Die Mutter wird nicht unterstützt 2. Der Anspruch aus Unterstützung der Familieiiangehörigen zu Friedensübungen eingezogener Mannschaften ist bei der Gemciudebchürde des Orts zu erheben, an dem der Einberufene zur Zeit vor der Uebung seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hatte. Es genügt etwa folgendes Schreiben:„Au den Magistrat(Gemeiudevorstand) von... Ich bin(war) vom... bis... zu einer Reserve-(Landwehr-) Uebung eingezogen. Ich beanspruche für meine Familie die ihr zustehende Unterstützung. Meine Fainilie besteht aus meiner Frau und... Kindern. Die Kinder sind gebore»: Hedwig am..., August am... usiv.(Datum, Name, Wohnung.) Dex Anspruch erlischt, wenn er nicht spätestens binnen 4 Wochen nach Beendigung der Uebung erhoben wird. Die tägliche Unter- stützung beträgt für die Ehefrau 30 Proz., für jedes Kind unter 15 Jahren 10 Proz., insgesamt aber für die ganze Familie höchstens 60 Proz. des ortsüblichen Tagclohns. Solche Unterstützungen sind keine Armen-Untcr- stützmigc». Wo der ortsübliche Tagelohn 3 M. beträgt, beträgt also der höchste Satz 1,80 M.; wo er 2,70 M. beträgt: 1,62 M. täglich. Berliner Sehcnstuürdigkciten. Aquarium. Unt. d. Linden 68a. Täglich 9—7. Eintritt 1 M., Sonntags 50 Pf.— Ausstellung d e S Vereins Berliner Künstler. Wilhelmstr. 92/93(im„Architekten- Hause"). Täglich 10— 4, Sonntags 11— 2. Eintrittspreis 50 Pf.— Ausstellung moderner Kunstwerke von Eduard Schulte, Kunst- Handlung. Unter den Linden 1. Ecke Pariser Platz. Täglich 10—7, Sonn- tags 10—3.— Bibliothek, K ö n i g l. Am Operuplatz. Besichtigung Montag und Freitag 1—2.— Botanischer Garten. Potsdamer- straße 75 Täglich v. 8—7 und jeden zweiten Sonntag im Monat v. 2—7. Unentgeltlich.— Botanisches Musen m. Gnmewaldstr. 6—7. Montag und Donnerstag 3—6.— Zentral-Viehhof. Eldenacrstraße.(Mitt- woch Vonnittag Hauptvcrlchr.) Besichtigung des Vichhoss frei, der Schlacht- höse gegen Karten, die man im Vcrwnltllngsbnreail erhält.— Hygiene- Museum. Klasterstr. 32/35. Sonntag 12—6, Dienstag n. Freitag 10— 2.— I n st i t n t f. Glasmalerei, K ö n i g l. Charlottenburg, Berlinerstr. 3. Wochcnäglich 9—11 n. 1—4.— K u n st g e w e r b e- M u f e n m. Prinz Albrechtstraße. Täglich, außer Montag und die ersten Feiettage sowie Char- freitog, Himmelfahrt»nd Bußtag, 9—3, Sonntag 12—6.— Märkisches P r o v i n z i a l- M n f e u ni. Breitestr. 20a. Sonntag von 11— U/z, Mon- tag und Donnerstag 11— 2Vj.— Miifeum(alt und neu). Am Lustgattcn. Besnchsordnuiig siehe Kiinstgewerbe-Museum.— Museuni der Land- w i r t h s ch a f r l i ch e ii Hochschule. Jnvalidenstr. 44. Werktäglich, außer Sonnabend, 12—2, Sonntag 12—6.— Museum für Naturkunde. Jnvalidenstr. 43. Montag und Sonnabend 11—3, Sonntag 12—6.— Musen m für Völkerkunde. Königgrätzerstr. 120. Beinchsordnung s. Kniistgewcrbe-Mnsenm.— Mnsenm Deutscher Volkstrachten. Klasterstr. 36. Tägl. außer Mittwoch 11— 2. Eintritt 50 Pf.— National» Gallerte. Mllseumstrnße. Sonniag 12—6, Dienstag b. Sonnabend 10—3.— Panoptikum(Cnstnii, Friedrich- uild Vchrcnstr.-Ecke). Tägl. 9—10.— Passage- P a itrrp t i k u m. Unter den Linden 22.— Panoramen. 1. Hcrwarthstr. 4, 2. Bahnhof Alexanderplatz, 3. An der Moltkebrücke, 4. Äachsir. Tägl. 9—8,— P o r z c l l a n- M a n n f a k t u r, K öni g l. Wegclystr.(Thiergarten). Dienstag bis Freitag 9— 12 Uhr.— Rath- Hans. Tägl. außer Donucrstaa und Freitag 11—3.(Thurm tägl. 20 Pf.) — Rauch-Museu in. Klosierslr. 76. Außer Sonntags 10—4.— Reichs- Postuiuiium. Lcipztgcrstr. 15. Tägl. 11—2, nußcr Mittwoch und Sonn- abend, Sannlag 12—2.— üteichstag. Besichtigung Wochentags 8'/, bis O'/j, Sonntags 2—4. 60 Pf.— R u h m e S h a l l e(Zeughaus). Tägl. außer Sonnab. 10—2, Sonnt. 12—3.— Schnliiluseiim. Stallschrcibcr- straße 54. Sonntags 11—1, Mittwochs 3—4, Sonnabends 3—6.— Tech- nische Hochschule. Königl. Charlottenbiirg, Berlinerstt. 151. Gips- inusenn! Sonnabend 10—12. Beiith-Schinkolmiisepm Dienstag u. Donners- tag 10—12, Mittwoch 12—3. Archttelteninnseiim Montag und Freitag 10—3, Dienstag und Donnerstag 12—3, Mittwoch 10—12.— Urania. Tnnbenstrabe und Jnvalidcnstraße.— Zoologischer Garten. Beim bevorstehenden(Quartitlswechsel empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: verlli» vtvrtvi' Walillii-el« O.: Robert WengelS, Fruchtstrabe 30, Hof II.— 8«.: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 v. pari.— 8e<;Ii8tcir TValilliret»(Moabit): Karl Anders, Salzwedeler- straße 8, Port, im Laden.— Wettdlug„nd Oranienburger Vorstadt; Emil Stolz enburg, Wieieustraße 14.— Oesnnd- brnnncn: Wilhelm Gaßmann, Grünthalerstr. 64/65.— Itoscn- tbnler Vorstadt und Scbttnhanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Cbarlottenbnrg: Gustav Schar ii berg, Schillerstr. 94, v. 1 Treppe.— Oentseh-v�IImers- dorf: Frau Kühler, Sigiiiaringenstr. 5, und Frau Heinemann, Sigiiiaringcnstt.35.— Illndorf: O st c r in»iin, Erlstr. 6.— SchJlne- berg: Wilhelm B ä u m l e r, Apostel Paulusstr. 13, Quergeb. Hochp.— Joliannisthal-Kicdcr- und Obcr-8chUnewcide: Otto John, Ober-Schöncwcide, Siemciisstraße 7, Zigarreiigeschäft. Aiinahiiie- pellen: Rieder-Schöneweide: Karl Weber. Zigarreiigeschäft. Johannis- thal: Senftieben, Restaurateur.—-4dIersbok: MaxWorbs, Metzcrstr. 4.— Vrledenan-Steglit«: H. Bernsee, Kirchstraße 15 in Friedenau. Bestellungen nehiiien entgegen tu tStegiiti: H. Mohr, Tüppelstraße 8, und Fr. S ch e l l h a s e, Ahornstr. 15a.— Mann». sebnienTveg: Gockel, Baumschulstr. 32, v. III.— Ven- Welssensec: Spediteur Heinrich Bach mann, Lehderstraße 1, pari, links. Außerdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wiflenschaftlichen Werke dott zu Haien. Auch werden Jilsemte für den„Vorwärts" entgegengenommen. Um g e n tt e Angabe der Adresse wird dvingvnd gebeten. SC Bitte aasschneiden!*ML Achtung! Neu! Neu! Achtung! Allen meinen Freunden und Bekannten zur gefälligen Kemitiiisiiahme, daß ilbietzt Weißbier vom Faß per Apparat ausschänke. Um freundlichen Besuch bittet 2095C* Oskar Schultze, Croße Franksurttr Strch 3. Warnung! An P-felle des ailbewährteri echten D« THOMPSON S S eiFENPULVEfl werden den verehrten Hausfrauen oft minderwertige Produkte verabfolgt! 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Divoracek- Wien teilte mit, daß auch der östreichische Buch- dnlckcr- Verband durch jene eigentümliche Haltung der Schweizer Organisation in Mitleidenschaft gezogen worden ist; bcftige Preß- fchden haben stattgefunden, che die jüngst stattgehabte' General- Versammlung des östreichischen Verbandes das neue Abkommen mit der Schweis annahm. Er bedauerte ebenfalls, daß die„Helv. Typ." in so unanständiger Weise den deutsche» Verband bekämpft habe. (Beifall.) Die folgenden Redner verurteilten ausnahmslos das Verhalten des Schweizer Verbandes, wie seines Organs und erklärten, daß die abwehrende Haltung des„Korrespondent" nur gebilligt werden kann. Es gelangte nunmehr einstimmig die von M a s s i n i- Berlin beantragte Resolution zur Annahme: Die Generalversammlung des Verbandes der deutschen Buch- druckcr billigt vollständig die Beschlüsse des Ccntralvorstandes hin- sichtlich des Gegenseitigkcitsvcrtrages nnt der Schweiz; auch spricht die Generalversammlung ihr volles Einverständnis über die Haltung des Ccntralvorstandes sowohl als auch der Ne- daktion des„Korrespondent" gegenüber der„Helv. Typ." aus und verurteilt die Kampfesweste der„Helv. Typ." gegen den Verband der Deutschen Buchdrucker. D ö b l i n legt hierauf unser Verhältnis zum Internationalen Sekretariat dar; er erklärt sich entschieden gegen die Gründung einer internationalen Widerstandskassc. Tie Ausgabe des Sekretariats müsse zunächst die sein, die Buch- druckcr der Erde einander näher zu bringen; es sei ja nicht einmal der französische Verband bei dem Sekretariat beteiligt. Ter Deutsche Verband dürfe sich nicht als melkende Kuh betrachten lassen. Weitere Redner äußerten sich in ähnlichem Sinne, nnd es wurde bemerkt, daß bei solchem Verhältnis der Zurücktritt vom Jntcr- nationalen Sekretariate zu entschuldigen wäre. Sie benmann- Bern erklärte nunmehr die Einrichtung des Sekretariats und die Ursachen, worin die Verbände der verschiedenen Länder sich an demselben nicht beteiligen; auf mangelndem Ausbau der Organisationen, einem gewissen Chauvinismus nsiv. sei es zurück- zuführen. Weiter berichtete er über den Budapestcr Streik und seine sonstige Thätigkcit. Wenn dieselbe nicht ftuchtbarer gewesen ist, so sei das nicht seine Schuld. Rexhäus er gicbt der Meinung Ausdruck, daß er dem Jntcr- nationalen Sekretariate nicht eine Bedeutung beilegen könne, die c§ nun einmal nicht habe. Ten Beauftragten dieser Institution wird es niemals gelingen, die verschiedenen Landesverbände für das Eingehen einer nützlichen internationalen Beziehung reif zu machen; es kann das nur ans den betr. Verbänden heraus möglich werden. Nach Annahme eines Antrages auf Schluß der Debatte, wurde folgende von G i e s e ck c- Berlin beantragte Resolution an- genommen: Die Generalversammlung spricht betr. des tveiteren Ausbaues der internationalen Beziehungen ihr Einverständnis mit den Aus- führungcn DöblinS ans nnd erwartet, daß der Vorstand wie bisher, so auch für die Folge mit der nötigen Vorsicht der Weitcrcntwicke- lung folgt. Run'mehr erstattete die B e s ch w e r d e k o m m i s s i on Bericht über die bis jetzt von ihr erledigten Fälle. Fünf Gesuche um Bewilligung von Unterstützungen rcsp. Streichung eines Darlchns wurden abgelehnt, 2 Beschwerden gegen die„Korrespondent"- Redaktion zurückgewiesen. Nach dem nun folgenden Bericht der D i ä t c n- K o m m i s s i o n wurde vorgeschlagen und festgelegt 10 M. Diäten pro Tag und freie Fahrt zu gewähren. Die nun folgende Beratung über die tarifliche Lage wurde den Berichten aus den verschiedenen Gauen gewidmet und dabei konstatiert, daß die Tarifgcmcinschaft überall zur Besserung de» wirtschaftlichen Lage der Kollcgcnschnft beigetragen habe; es wnrdt allseitig dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß der Verband für di» Zukunft die gleichen Bahnen befolge.(Die Speciniberatung übe» die Tariffrage' soll morgen fortgesetzt werden.) Nach mehrstündiger eingehender Debatte wurde daS A b. kommen desCentralvorstandes mit denPrinzipalen mit übergroßer Majorität gutgeheißen. Hierauf Schluß der Verhandlungen. DMir de» Jiibalt der Jusrraie ubcriiiiiimt die Mcdakiio« de,» Publikum gegenüber keinerlei BernntU'ortnng. ÄdkzrQtev. Sonntag, den 25. Juni. everuhaus. Mignon. Ans. 7»/, Uhr. Montag: Euryanthe. Schauspielhaus. Auf der Sonnen- feite. Anfang V'/z Uhr. Montag; Hamlet. Neues Opern- Theater(Kroll). Die FlederinauS. Anfang 7r/, Uhr. Montag: Geschlossen. Deutsche». Romeo und Julia. An- fang 7»/, Uhr. 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Im Waturgarten oder Saal: Tägllclt Humoristische Soiree der MMscIun Sänger (FUhrmann,< Horst, Walde). /?'. Anf. Sonntags f präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverk. 40 Pf. Familicnbitlets 3-IM. _ Sonntag und_ Donnerstag»ach der Vorstellung: TnnKlirilnzichcn. Sommertheattt Marienbad Badstiaste 35/36. Regie: Willy Reusche. Direktion: Max Mekelburg. Heute sowie täglich: Konsert-, Theater- und Specialitäten< Borstellniig. Berlin wic's näht und trennt. Posse mit Gesang und Tanz in 2 Akten von L. Ely. Nach der Vorstellung: II a 1 1. In Vorbereitung: Rosen aus dem Süden. Prater-Tlieater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Horns Resi. Volks- stück mit Gesang u. Tanz von Hugo Schulz, Musik von A. Kcrstcn. Kostüm- soubrettc Frl. Vierrath. Gebr. Mllardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang nnd Tanz, tiboue u. Campton, Reck- tnrncr. Br. Plcardy, Hand- und Kopf- Equilibrist. Balleltgesellschaft Düring. Mr. Bertling, lebende Photographien. SIgr- Konzert und Ball. 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Siehe Anschlagsäulen.� Empfehle mein Lokal zu Festlichkeiten und Versammlungen. Baohhaus' Volks-Theater Neu-Weissensee Prenzlauer Chaussee.(* Jeden Sonntag: Norddeutsche Sänger Gäme, Cahnbley, Stangenberg usw. Anfang VjS Uhr. Entree 10 Pf. Bei ungünstigem Wetter im Theatcrsaal.— Nächsten Mittwoch: «rosse Extra- Soiree. Gesellschaftshans Twinemiiilderstr. 42. Täglich im Garten: Theater-UorMmtg. Saal für 800 Personen auch Sonntag frei. 18272* ps Johannisthal! WM Park-Restaurant! Jeden Sonntag: Gr. Ball unter Leitung des Tanzlehrers Herrn Otto Wildauer. Tanz-Abonncment 7ö Pf. Die Kaffeekiiche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Zwei Kegelbahnen, Vereine erhalten Ertra-Preisc. Bestellungen für Sommerver- gnügen nehme schon jetzt entgegen. Wwe. Elise Kau, ts _m früher Skalitzerstr. 126. MD Moabiter KlubhäüsT Itensselstr. O. Empfehle meinen groben Saal, Bereitisziiiiiiier f. 20—80 Personen, Restauration. Mittags- u. Abendtisch. Jede» Sonntag: Gros: 17171.* rosser Ball. Carl Elseher. Billig! Knabenanziigc. Billig! Mädchenkleider in grober Auswahl. 0. Hoffmann, Vcteranenstr. 14. Schweizer Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am Friedrichshai». Täglich: Theater- imd Specialitäten- Vorstellnng. Volksbelusticjimgen aller Art. Freier Damen tanz und Anfang 4'/j Ehr. Entree 30 Pf. Alt Wochentagen ist das(Stablissemcnt an«ereine z» vergeben IfeddigBiii-Park IlUllerstrassc 178. Am Wcddlng-Platz Jeden Sonntag nnd Donnerstag: CrR'vssvs Frei-Koiizert, ausgeführt von der uniformierten Hauskapelle unter Leitung des Musikdirigenten Herrn Koch. 1924L» Im Saale: Grosser Ball 7 verdeckte Sominer-Kegelbahnen, von denen noch einige zu vergeben sind.- Volksbelusiigungeu aller Art.- Kaffeeküche täglich nachmittags von 3-0 Uhr geöffnet.- Vom 30. Mai ab jeden Dienstag: Auftreten der Origiual-Norddentschen Sänger. W. Trapp. im gs D J Max Kliems Sommer-Theater Hosenhaide 14-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Taglich: Achs Artell-Kanzert. M Theater- und Speeialitäten-Horsteltuttg. Auftreten des gesamten Schauspiel- n. Specialitäten-Personals. Nur erstklassige Kräfte. Beorg Fischer(Liedersänger), Karl Oursch(Tanz- Parodist), Kail Btögor (KostUm-Sonbrette), stulta Blanclietty(Parforce-Equilibristi»), Plötz Larella Troupe(Epccntriques) Usw. Kienes gediegenes Pnuilllen-Progrnnini. Entree.: Wochentags 20 Pf. 1 Entree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr.> Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Fcstsälcn: Groster Ball."VE Die Kaffeeküche ist geöffnet. Ala» lilleni. s Hasei.Hcide. Hasenheide. Täglich:"Tpß Konzert 11» Speeialitäten-Vorstellnng. Jeden Donntag und Donnerstgg: Im Bai champstre: Grosser Pestball. Anfang 4 Uhr. Jeden Mittwoch: gT" Grosses Kinderfest mit Grntlsvcrlosnng.' VUU Jeden Donnerstag: Grosses Penersrerk. Kaffeeküche, Karousselö, MarioneltentHeater re. täglich geöffnet. 'Alles Nähere durch die Tagesanschläge an den Säulen.[20528* A. Fröhlich. D Victoria-Brauer ei- Ausschank Stralau. Jeden Sonntag: krosjts Gartenkonzert, Thtilitr u. Svecilllitiitemiiirstellmlg. Im Saale: Bpossen Ball. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Um recht regen Zuspruch bittet 1047L«) Hochachtungsvoll Barl llittng, Ockonom. lActien-Brauerei Friedrichshainl früher Lipps. Am Königsthor. Größter Konzertgarten und größter Konzertsaal Berlins. |JUr Heute(und nur noch einige Tage) � Nonzerk von 2083L* Eduard Strauss kaiscrl. und königl. östreick. Hofball- Musikdirektor j mit seiner gesamten Kapelle - ans Wie«.- Ansang 7l/2 Uhr. Entree 50 Pf., reserv. Platz 1 M. Bei Regenwetter im großen Konzertsaal bei erhöhtem Entree. Central-Festsäle Alte Jakobstr. 32. fpQljgp OppIlßlUII Alte Jakobatr. 32. Renoviert für Bercine und Privatfestlichkeiten, mit altem schattigen Garten, auch für Soininerfeste bestens empfohlen. Heute, Sonntag, den 23. Juni:"WM Großes Familien- Tanzkränzchen zur Abschicdsfeier für das Thcaterpcrsonal dcS Central-TheatcrS. Entree frei. Anfang 4 Ehr. Schloss Weissensee. * 15 Sonntag, den 25. Jnni 1899: ßroSks Uolks-Tcst arrangiert von den Parteisenossen des 4. Berliner Jleicbstags-Vahlkreises(Osten) unter Mitwirkung des Arbeiter-Sängerbundes. Volkabclnstignn�en aller Art. Tnrncrlschc AniTührungcn. SchwinimUlnb. Sce- nnd Knapcrlc-Thcatcr. Grosses rUmlsehcs Prncht- Feuerwerk, ausgeführt von dem Kunst-Feuenrcrker Herrn Alberss. In beiden Sälen TAXZ. Die Kaffeeküche ist bis 6 Uhr 215/9 geöffnet. Anfnng morgens 8 Uhr. Das Komitee. Sonntag, den 9. Juli 1899: Grosses Volks-Fest arrangirt von de» Knrtejgenossen des Reichstags-Wahlkreises Mederbarnim unter Mitwirkung mehrerer Arbeitcr-Gesangvereine(M. ö. St.-S.-B.) Tokal- mul lustrsiineiital-Moiizert ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vercinignng der Civil-BerufSinnfiker.— Auftreten der Leipziger Sänger. Schanlchwinlincn, ausgeführt vom Schwiininklub Weiheniee.— Turnertschc Aufführungen vom Arbcitcr-Turnvercin Wcibrusec.— VoilSspirte. Kiuderbclustigungc» oller Art. B8ES9HB Jedes Kind erholt eine Freikarte zum Karuffell. BBEBBI Grosses BHBS�nt-Feuerwenk ausgeführt vom Knust-Feuerwerker Herrn Alber». Die Koffeckttche ist den geehrten Damen bis 6 Uhr aVcndS gciiffnct.— In Heiden Sälen von 4 Uhr av: VA�fZ?. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang früh 8 Uhr. Sec-Thcatcr: Entree frei. Billetö im Borverkauf 20 Pf., an der Kaff« 25 Pf. Billcts sind in allen mit Plakaten belegten Stellen zu haben. 229/1_ Da» Komitee. Arbeiter- Sängerbund Berlins u. Umgeg. _ Sonntag, den S. Intt» vorm. priie. 10 Uhr,_ SSF* tut ZSetalo der„Brauerei Friedrichshain" s i&m Ansserordentliclie st General- Uersammlnng. � TagcS-Ordnung: Berufung des Gesangvereins„Fortschritt". Die Versammlung wird pünktlich crSffnct.— Eintritt imr durch BuudcSmitglicdSIarte. �riioife 12 Uhrs Vegin» Uebungsstunde.""W Programm zum Sangerfeft: 1. Sniigergriif!. 2. Freiheit. 3.„VdltcrfriihlingSlicd". 4. Mensch SociltidkmoiiroMer Mhlmrel« für de« 2. Verilner Relchmgg- Wahlkreis. Am Dicnötag, dcit 27. Jnni, abcndS 8>/s Uhr: flosserorilentliclie General-Versamnilung bei Habel, Bcrgmannstraßc 5—7. Tages-Ordnung: 1. Statuten- Aenderung. Referent Genosse Znbell. 2. Diskussion. Die Mitglieder werden in ihrem eigenen Jntcreffe ersucht, zahlreich zu erscheinen._ 238/13 py Mitgliedsbuch legitimiert."Mg Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Bezirk Rnmmelsdurg: Montag, den Sk. Juni, abrnds 8 Uhr, bei Bentllnx, Kant- und Goethestraffc»- Erke: V er Sammlung* Tages-Ordnung: 1. Bortrag über:„Das Wirken Laffalles". 2. Verschiedenes. gtT" Frauen und Gäste haben Zutritt."MG Es ist Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. Montag Bortral ES , den L«. Jnni, abends 8 Uhr, bei Xi-bell, Lindenstr. AM" Uersammlnng. TageS-Ordnung: trag. Diskussion. Branchenangelegcnhciten und Verschiedenes. ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. — Die ersten drei __________ WM»ß»... � MW»» hcit Erwachen". 5. ZuknnftSblntcn. 6. Siingermarsch zunächst geübt. slü/lS] NB. Auögabc der Billete zum Säugcrfcst und der Flugblätter von der Liedcrgemcinschaft gegen Vorzeigung der VereinS-Bundesmitgliedskarte. K.<>. angegebeucn Lieder werden Der Vorstand. Grobe öffentliche Bersammlmtg der Schneider und Schneiderinnen und aller in ber Clhntibem thStigen Personen am DonucrStag, den SS. Jnni, abends 8'/,«Hr. in den Arminhalle», Kammandantenstrastr SS. TazeS-Ordnnng: l. Bortrag dcS NclchStags-Nvgeordncten Vnrn» über die ZuchthauSvorlage und den Tuberkulose- Kongreß. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.„ 161/11 Ilm zahlreichen Besuch bittet»o- Vertranensmana. SSäT Gleichzeitig machen wir aus unser Sommerfest der Schneider und Schneidermuen, n>«lct)«s am 3. Juli dS. IS. in C. Joels Bicloria�Gartcn, Treptow, Kvpniickcr Landstrnste, stattfindet, ausmcrtiam.- Billcts a 25 Ps. sind zu haben in»»irrem Bureau Aiuicuslrastc!), in allen Zahlstellen, bei allen bekannten Kollegen und Kollegmncn.- Erbssining 2 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr.- Fahrgelcgcuhctt van der Behrenftroße bis Treptow mit der elektrische» Bahn die ganze Tour 1» Pf.__ Branchen-Versammlung d. Kammmacher nnb nller in her Kamm-Jitdustrie btschast. Arbeiter am Montag, de» SV. Juni, abends 8 Ilhr, im Lokale des.Herrn AI. Kold, Grosse Frantfurtcrstr. 133. TageS-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Neuwahl der Werkstatt-Kontrollkomulission. 3. Branchen angelegenheiten und Verschiedenes. 107/1 Kollegen! Sorgt dafür, daß die Bersammlung zahlreich besucht wird, baß Kollegen in die Kommission gewählt werden, welche den Anforderungen als KommiisionSmitglied gewachsen sind.— Die Kollegen der Werlstatt von Döblin, Pelersburgcrstr. 86, sind hiermit besonders eingeladen._ Ächtung! Cementlerer. Ächtung! C.-V. d. M. D. Zahlstelle Berlin 4. Dienstag, den 87. Jnni 18»s. abends 8 Uhr. bei»nsbe, Grenadierstrasse Nr. 83: Äusserordentliclie Mitglieder- Versammlung. T a g e s- O r d n n n g: 1. Wie stellen wir uns zum Streik der Maurer? 2. Verschiedenes. Sämtliche Mitglieder uiüffen erscheinen. 57/6 Der Borstand. WT Achtung!"MZ Den Tischlern Berlins zur Kenntnis, daß der Bereiu der Tischler Berlin» n. Umgegend �Vertranensrntinner-ClentraUaiitton) nicht identisch ist mit dem Fachvrrcin der Ti'chler Berlins«ud Um- gcgend, welcher sich nnt'IBsen will. 8476 Kollegen, welche gewillt sind, sich dem Verein der Tischler Berlins und Umgegend anzuschließen, ffndcn Gelegenheit in folgenden Zahlstellen: Kern b»ml p-, I Gnndclaoh, l Ltidke, ..........."c. 31. s""'' Jnstcrburgerstraße Nr. 6.\ Mnnteuffclstraße Nr. Zoffenerstraße Nr. 10. Achkamq!"VU ZM" Achtung! Buchöittckerei- Hilfsarbeiter «. Arbeiterinnen Berlins. TienStag, den 87. Jn»»i, abends 8 Uhr, in den Arminhallrn (gr. Saal), Kommandantenftraszc 20: Große öffeuMk Ukrsammlnng. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegierten zur Gewerkschaftskommifsioii und Neuwahl derselben. 2. Vortrag deS Genoffen Pöufch: Der Kampf um das KoalitioiiSrccht. 3. Bericht vom Frankfurter ÄcwerlfchastSkongreß. 4. Verschiedenes. 38/2 Die Versammlung wird, der Nachtarbeitcr wegen, pünltlich eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer: Otto Bleich. Allen Freunden und Bekannten die traurig« Nachricht, daß am f rettag, den 23. d. M., nachm. Uhr, der unerbittliche Tod unS unsere tnnigstgeltebte und uns unvergeßlich bleibende 1,111 im Altxr von 4'/« Jahren nach vicrwSchcntlichem schweren Lei- den entriß. Die Beerdigung flndet am Dienstagnachmittag 2 Uhr von der Halle des Central-Friedhofes tu Friedrichs selbe aus statt. Die tiefbetrübten Eltern Verdlnand Hedt und Frnn. Lese- nnb Mntier-Klnh „Gleiches Recht". Hierdurch allen Mitgliedern die Nachricht, daß am Donnerstag, den 22. d. M., nachm. 5 Uhr, unser Ge- nosse, der Tischler Aug. Köster im Alter von 58 Jahren verstorben ist. Der Klub wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. 801b Die Beerdigung findet Sonntag, den 25. d. M., nachm. 4 Uhr, auf deui Central-Fricdhof zu FrievrtchSfelde statt, wozu der Vorstand um rege Be- tetligung ersucht. 801b Allen Freunden und Bekannten die traurige Hin am cht, daß unser Freund und früherer Kollege Fdnnrd Bantow cm 23. d. M. verstorben ist.— Die Beerdigung findet am DienStag, nachmittags 3 Uhr, von Bethanien auS auf dem ThomaS- Kirchhos statt. DaS Personal der Piano-Fabrik silax Breuer& Comp. 834b Tauksagung. Herzlichen Dank alle» Freunden und Bekannten für die Teilnahme und Kranzspende bei der Becrdiaung nieines lieben Mannes, unseres sorg- samen Baters, Sohnes, Bruders und Schwagers, des Schraubendrehers Faul Siebarsleb, insbesondere der Firma Erdmann ir. Gros imd den Kolonisten vom Wildenbmchthal. Die trauernden Hinterbliebenen, Allen Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn Georg im Alter von llV, Jahren feinen Tod in den Wellen der Spree gefunden hat. Die Beerdigung findet heute, Sonn- tag, den 25. d. M., nachm. 4 Uhr, in Stralau statt Dies zeigen tiefbetrübt an die trauernden Eltern H. Förster u. Frau, Berlin, Friedenstr. 80. 848b Danksagung. Allen Freunden und Bekannten sage ich hiermit für die herzliche Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herzlichsten Dank. Fra» Zaeln, Witwe. Banksagnng! Allen Bcrwandten, Freunden und Bekannten sagen wir unseren herz- lichsten Dank für die reg« Beteiligung bei der Beerdigung unseres Sohnes A»». 871b G. Relntlial nebst Frau. Äste Beschuldigung, welche ich gegen � den Tischler Herrn Faul Hlclitsch, Elisabcthstr. 21, erhoben habe, nehm« ich hiermit zurück und erkläre den- selben als einen ehrlichen Mann. Berlin, 23. Juni 189«.(8378 _ Frau Agnes Zeitter. Restanration, Bollkonzession, acht Jahre bestehend, Kottbuser Thor, sofort billig zu per, laufen. Zu erfragen bei Dlnalagc, Cigarrengeschäft. Kottbuserstr. 4. Achtung, Bauarbeiter. Montag, den 20. Jnni, abends 8 Uhr, in Cohns Festfälcn: Oeffentliche Bersammlung fnintliijcE Banarbeiter Berlins null IlnMenb. TageS-Ordniing: 30/15 1. Der Stand unserer Bewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. KB. Die Pntter und Träger luerdcn ersucht» von ihrer Versammlung der augenblicklichen Lage wegcu Abstand zu nehme«. Veriiaiill deutscher Gold- 11. Silherarbeiter n. vrrir. Bernfsgcn.(Bltglicdschaft Berlin.) Dienstag, 27. Jnni, abendS 8�« Uhr, Trcsdcnerstr. 45: MM" Mitglieder- Bersammlmtg. DqZ T a g c S- O r d n n Ii g: 1. Vortrag deS Herni Br. HVez l über: Welchen Slaudpunkt nimmt die ölesundheitspflcge zur sogenaiiute» engltschcn Tischzeit ein? 2. Diskussion. 3. Bericht vom?lrbeitS»achweiS. 4. Bereinkangclcgenhciien und Verschiedenes. — Ausnahiiic neuer Mitglieder. 71/3 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht I»le Ortots-erfi-filtang. AA°»g! Fliesenleger. AArnig! Am Montag, den 2«. Jnni, abcndö 8�2 llhr, im Lokal „Snglischcr Garten", Alcxanderstrasje 27c* Oeffentl. �Deti'antmUtuö Her 1. Bcrichiersiattiing der Komniission über LohncrhShiing. TageS-Ordnung:« ' Diskussion und Beschklißfassiing Bio Komml»«lon. 56/2 Dienstag, den 27. Jnni, abends 9 Nhr: Versam mlat ng beider Filialen. Filiale Nord: vriinniienftr. 188.— Filiale Süd: vet Znbell, Liudenstr. Ivt». Tagesordnung in beiden Filialen: Die Koalitionsfreiheit bei der Firma Jakob u. Vrauusisch, ein Schlag gegen die Organisation, und die Arbeits- einstellung der dortigen Kollegen. 177/16 Kollegen, agitiert für recht zahlreichen Besuch der Versammlungen., Freie Krauken- und Begräbttiskasse der Schachmacher Montag, den 17. Juli, abends 8 llhr, bei Herrn Keroberg, Alte Jakob str. 75: €» eiteral-T ersammlnit TageS-Ordnung: 1. Vierteljährlicher Kaffcnbericht. 2. Innere Kassenangelegenheiteri. Zahlstellen befinden sich bei: 1. lange, Dragonerstr. 15. Restauration S. SchBngarth, Alt-Mobit 119, Nestaiiratio». 3. Bahr, Wiescnstr. 32, Restauration. i. Wuttke, Graudeuzcilir. 13, Restanration. 6. Obst, Grnnewald- straßc 110. Restauration. 6. Franr lehmann, Raunynstr. 38, SchuHmachermstr. Die Beiträge werden daselbst zu jeder Zeit entgegengenommen. 267/1?_ Der Vorstand. Deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft Montag, den 2«. Juni 1899, abcndS 8 Uhr, im„Englischcn Garten", Zllcxandcrstraste 27 o: gor* Vevss»nuil»»tg."VE TagcS- Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Morlckc«ber: Die deutsche Metallarbeiter- Bewegung von Anfang diS zur Jetztzeit. 2. DiSlnssioii. 3. DerschiedencS. Gäste haben, Zutritt. 842b»er Vorstand. Sattler, TWer, TttiSrientenarbeiter nnb vem. Bernssgenojsen. Mittwoch, den 28. Jnni, abends 8V, Uhr: Oeffentliche Bersammlung bei Spiegelbcrg, Sebastianstraste 39. Tagesordnung: 1. Vortrag der Wenofsin Frau sleaeb über: Die Znchthausvorlagc«ud der gewerkschaftliche Kampf. 2. Dis- lusflo». 3. Wahl eines Äewerkschafts-Delcgierten. 4.Äerlchtedencö. sl57/2 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die AgitattonS-Kommission. Ml gehle Kornbrannlveige 3 Äm.eÄ,° Wickscher Liter 65 Pf., Richteribcrger 95 Pf., Münsterländer 1,10 M., BrcS- lauer 1,25 M, Steinhäger, Doornkaat, Aauavit ic., in Origiimlsüllimg. Eoanac w großer Auswahl, Fl. 1,10— 25,00 M. Feinste in- und aus- ländische Liqucnre, lingarwctne:c. empfiehlt die Weinhanblnng von F tvilliintaif Alexanderstrahc«2, Potsdanierstraste 48(Eingang . u lllUlUClli Kursürstenstraße). und Ikalisterstraste 135. j2054L« DM- AAsIvv. Dienstag, de» 27. Juni, abends 8'/- Uhr, im grofteu Saale de» Herrn Feuerstein, Alte Jatobstraste 75: Oeffeutliclie Versammlung. Tages-Ordnnng: I. Die Ausspenung der Maurer und welche Folgen entstehen hieraus für unser Gewerbe? 2. Die Aussperrung der dänischen Arbeiter, ins- besondere der dänischen Maler. 126/6» In anbetracht der durchaus wichtigen Verhandlungen muß jeder Kollege in dieser Bersammlung erscheinen. Ber Vcrtranensmann. AautisM-r! Montag, den SS. Juni»899, abends 8 llhr, im Lokale des Herr« Fl»«eber, Bensselstraste 9: Oeffentliche Bautischler- Versammlung für die Bezirke Meddiug, Moabit und Charlottenburg. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Bleneb über:„Wie verbessern wir unsere Lage?" 2. Diskussion. 3. Die Aussperrung der Maurer. 106/18 Kollegen, da die drei Stadtteile so eng verbunden sind, ist eS notwendig, daß sämtliche Bautischler vertreten sind._ Der Einbernfer. [m„Heues Klubhaus" 7� KouiMilbilntelljtr. 72. Jeden Sonntag: Gr. Ball. Empfehle meine großen und kleinen Festsäle(150—800 Personen fassend) IV■ ade zu Bersammlniigen und Festlich ketten. Habe noch einige abend« und Sonntage s: 1907L» H. E onn- re>. bert. „Sanssouci" Schmargendorf. Jeden Sonntag: Gr. Ball. Empfehle niein herrlich mitten im Grunewald gelegenes Restaurant. Kaffeekfiche, 2 Kegelbahnen, große Spielplätze. Ausschank von Pots- damcr Stangenbier, Weiß- und Baprikch-Bier. B. Ebvrt. 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Mamsells auf Jacketts, 1,50, 2,50 Arbeitslohn verlangt Gottlieb, Prinz Eugcnstraße 26._ 802b Mamsells auf gute Jacketts sucht Kleine Markusstraße 4, I rechts.[801b Mamsells auf Jacketts, einfache, welche flott liefem, verlangt Riewe, Raumerstraße 21. 180b Damenhcinden-Nähermnen, Lehr- Mädchen verlangt Heinze, Höchstestraße 21._ 8606 Karton-Arbeiterin verlangt sofort, hoher Accord, Arbeitszeit von 7—5, Neue Jakobstraße 15. Grau. 867b Arbeiterin aüf Knaben-Anzüge, Mäntel, Paletots verlangt Proisch, Reichenbergerstraße 74a. 876b Schürze»- Näherinnen, geübte, finden dauemd lohnende Beschäfttgung Kurzer, Blumenstraße 21a._ 8596 Schürzen-Arbeiierinnen, nur geübte, in und außer dem Hause, ver- langt Priefert, Stephanstraße 10, Hof II rechts._ 8786 Mamsells auf Jacketts verlangt Kraatz, Swineinünderstraße 50. 14 Jin Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» kosten 40 Pf. pro Zeile. Holzarbeiter! Bei ElttholK, Krantstr. 6«. stehen die Kollegen iin Streik. In der Tischfabrik von 8eilUil, Weberstraße 7, 2. Hof, 13, haben sämtliche Tischler wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug fernhalten. Achtung! Silbmrbtiter. In der Silberwarenfabrtk von H. Meyerheiin u. Sohn, Adalbert- straße 40, sind wegen Maßregelung Differenzen ausgebrochen. 71/1 ichtung, Kistenmacher! Die Kollegen der Firma Wleucn. thal sind wegen Maßregelung eincS Kollegen in den Ausstand getteten. Ich ersuche die anderen Kollegen, sich mit den Streikenden solidarisch zu erklären. 95/1 Der Vertrauensmann. rranr Spltntae, Elisabeth-Ufer 43. Annahme- Stellen für„Kleine Anzeigen". Outen: Rodert Wengels, Fmchtstr. 30, H. L. Vogel Wwe.. Koppenstr. 83. Chr. Schultz, Blumenstr. 14. Nordosten: I. Reul, Baminlstr. 42. Z-oi-deir: W. Gassinann, Grünthalerstr. 64/65. Karl MarS, Kastanien-Allee 95/96. Emil Stolzenbnrg, Wiesenstr. 14. L. Techand, Rnheplatzstr. 24. A. Tietz, Jnvalidenstt. 124. H. Vogel, Demminerstr. 32. Sloi-dweutvn: Karl Anders. Salzwedelerstr. 8. SUdneiitten: F. Qhuesorge, Bergmannstr. 23, H. n. H. Schröder, Kreuzbergstr. 15. 8iidcn: ans Vaake, Dresdenerstr. 52/53. . Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Südosten: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35. B). Gefche, Wrangelstr.£8. Marti» Mescha. Adalbertstr. 24. OenU-uin: P. Horsch, Gipsstr. 27. Charlottenbnpg: Gust. Scharnbcrg, Schillers«. 941. A. Tietz, Kaiser Friedrichstr. 375. Friedenau: H. vernsee, Kirchs«. 15. Frledrlehaherx: Anton Kopp. Friedrich Karlstr. 4. Fanh««': Knmmert, Kaiser Friedrichs«. 15. ltlxdork: C. Ostermann, Eicks«. 6. E. Retzerau, Hermanns« 50. Sehiineherx:: Wilh.Bäumlcr.AposielPauluSstr.13 Weinficnsee; Heinrich Bochmann, Lehderstr. 1. 1 Julius Schillert, Königchaussee 39a. Rod. Liebschwager, Gustav-Adols- straße 16. Verantwortlicher Redacteur: August Jacobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Dmck und Verlag von Max Babing in Berlin. St. 116. i6. Mtmt. 3. Keilllge des„Kmiirts" Kerlllltt UMstllM. s«".w. Zz. IM 18S9. Krankenkaffen-Organisation. Ein Aufsatz der.Karlsruher Zeitung" vom 3. Juni, betitelt: .Zum Berliner Krankenkassen-Kongreh. Ein Epilogvort) von Dr. M. F."— den die.Medizinische Reform" in ihrer letzten Nummer abdruckt, nötigt uns zu einer Erividerung. Der Verfasser des Aufsatzes, welcher als Delegierter des Karls- ruher Krauleukassen-Verbandes dem Kongreß beiwohnte, hat nach eigener A>rgabe nur am Vornrittage des 28. Mai an den VerHand- lungen teilgenommen; was er an diesem Vormittage hörte, war „nichts als das klare, zielbewußte Bestreben, die Krankenkassen zu Brutstätten socialdemokrati scher Agitation zu verwerten". Wir bedauern lebhast, daß die beschränkte Zeit des Herrn Dr. M. F. weder den Besuch der kon- stitnierenden Vorversanimlung am Abend des 27. Mai, noch die Teilnahme an der Nachmittagsfitzung des 23. Mai gestattete. Sonst hätte er in der Vorversanimlung z. B. gehört, daß von der Central- kommission der Krankenkassen Berlins, die nach seiner Meinung nichts ist, als„eine Specialkommission der socialdemokratischen Partei," zum Vorsitzenden des Kongresses unter anderen der verdiente Leiter der Leipziger Ortskrankenkasse, Herr Kommerzienrat Schwabe und als dieser verzichtete, der Direktor iwrselben Kasse, Herr U h l m a n n, vorgeschlagen wurden, beides Herrein, deren politische Stellung uns zwar unbekannt ist, von denen wir aber annehmen, daß sie nicht auf dem Boden der Socialdemokratie stehen. Sonst hätte Herr Dr. F. ferner am Schluß der Nachmittagsfitzung hören können, daß man die rote Dekoration des Saales, welche auf ihn so merkwürdig aufregend wirkte nicht eigens für den Kongreß ange- bracht hatte, sondern daß dieselbe im Saale von einer kürzlich dort abgehaltenen Festlichkeit her verblieben war. Wir glauben, daß diese Thntsachcn auf die Beurteilung des Kongresses nicht ganzohne Einfluß sein können. Wenigstens können wir das, was Herr Dr. F. anführt, zum großen Teil nicht als zutreffend und insgesamt nicht als ausreichend_ zum Beweis seiner Ansicht ansehen. ES entspricht keineswegs den'Thatsachen, daß alle Reden, welche von Mitgliedern der Centralkommission oder den Referenten gehalten' wurden, in der Schlußbehauptung gipfelten:.es handle sich um eine rein proletarische Bewegung" uslv. � Gewiß war es gerade bei den ersten Punkten der Tagesordnung— Organisation der deutschen Krankenkassen, und Krankenkassen- und Im validitcitsgesetz— unmöglich, das Gebiet der Politik ganz zu ver- meiden, aber fast durchg'ehcnds geschah dieD in durchaus sachlicher Weise und ohne daß Parteipolitik getrieben wurde. Eine Parten politische Aeußerung, die als solche auch nach unse.rer Meinung besser unterblieben wäre, machte nur einer der Referenten; auch diese Be merknng fiel aber nur ganz beiläufig in Erwid.crung� agf einen An griff, der gerade von einer Herrn Dr. F. sehr nahestehenden Seite kam.. Es ist bezeichnend, daß Herr Dr. M. F. diese eine Bemerkung nicht anführt, sie ihm also wohl entgangen ist. Statt dessen giebt er eine Blutenlese von solchen Aeußcrungen, die zum Teil für seine Behauptung gar nichts beweisen, zum anderen. Teil, beweiskräftig erst dadurch geworden sind, daß Herr Dr. F. sie aus dem Zu sainmcnhang gerissen, falsch verstanden oder falsch gedeutet. hat. Wir sind natürlich, schon mit Rücksicht auf den Umfang dieser Erwiderung, nicht in der Lage, unser Urteil über die Beweisführung des Hern» Dr. F. hier im einzelnen zu begründen. Wir verweisen aber alle diejenigen, welche sich ein unbefangenes Urteil über den Krankenkassen-Kongreß bilden wollen, auf das deninächst erscheinende stenographische Protokoll. Das Urteil des Herrn Dr. F. ist kein unbefangenes; er war unseres Erachtens auch gar nicht fähig, ohne Voreingenommenheit, die Kongreßverhandlungen zu ver- folgen, weil'er anscheinend der modernen Arbeiterbewegung nicht allein stemd, sondern auch gänzlich verständnislos gegenübersteht. So kann eS wenigstens nach unserer Ansicht nur erklärt werden, daß Herr Dr. M. F. einige auf dem Kongreß sachlich begründete Forde rungen, z. 83., daß den Krankenkassen die Berechtigung erteilt iverde, KrankhciisverhüwngS-Vorschriftcn zu erlassen, einfach dadurch ab thini zu können glaubt, daß er sie als„die bekannten socialdemo- kratischen Mittel" bezeichnet. So nur wird es auch begreiflich, daß Herr Dr. M. F. die Arbeiter.— von denen doch auch'hm hätte bekannt sein müffen. daß sie Rechte nickt Almosen beanspruchen,— aus„die Odiiritas �Nächstenliebe) der bessersiwierten Stände", ans die„Für sorge" der Franciivereine oder sonstiger privater Wohlthätigkest ver- weist. Daß er den Kongreßverhandlinigen nicht unbefangen gefolgt ist, ja nicht einmal alles, was gesprochen wurde, richtig gehört hat, be- weist Herr Dr. F. schlicßlick selbst, indem er bchcmptet. daß etwa 20 Delegierte von der Rednertribüne aus ihre Zustimmung zu seiner Erklärung aussprachen. Mit Verlaub, Herr Doktor, diese Be- hauptung ist in allen Teilen falsch! Es waren nicht„etwa 20 Dele gierte", die nach Ihnen die Tribüne bestiegen, sondern a ck t. Auch diese aber bekundeten nicht die Zustimmung zu Ihrer Erklärung, sondern teilten npr mit, daß sie ein gebundenes Mandat hätten und daher nicht ohne Weiteres für eine gemeinsame Organisation aller deutschen Krankenkassen— Antrag Dr. Friedeberg-Berlin— stinmie» dürfen. Beweis: daß am Schlüsse der Voniiittags-Sitzung vorgelesene und genehmigte Protokoll, welches u. a. die Thatsache ergiebt, daß der Antrag Fricdcberg— nachdem er dahin abgeändert war, daß die Delegierten nicht einen ihre Kasse bindenden Beschluß fassen, sondern Nlir sich selbst verpflichten sollten, für eine derartige Organisation aller Kraiikcnkasscn zu wirken— mit allen gegen nur£> Stimmen angenommen wurde. Angesichts dieser durchaus imzutreffenden Beurteilung de? Kon- grcsscS können wir auck der Vrophczciung des Herrn Dr. M. F., '„daß die geplante Organisation der Krankenkassen nicht durchzuführen sein wird, irgend weichen Wert nicht beimessen. In der kurze» Zeit, welche seit dein Kongreß verstrickien ist, sind uns aus einer ganzen Reihe von Städten Ziistimmungserklärungen usw. übersandt worden; in mehreren größeren Städten ist man eben im Begriff eine Organi- sation nach dem Muster unserer Centraikommission zu schaffen. All das beweist uns, daß eS gelungen ist, die deutsche Krankenkassen« bcivegnng in Fluß zu bringen und den Gnmdstei» für»ine einheitliche Organisation zu legen. ES verdient am Schluß vielleicht noch hervorgehoben zu werden, daß ähnliche— wenn auch weniger ausführlich„begründete"— Urteile sich auch in anderen Blättern finden, so zun, Beispiel in der„Freisinnigen Zeitung"(3. Juni), die daran gleich die Bemerkung knüpft, daß ein Verband der Krankenkassen Deutschlands„nur uiiter Ausschluß aller socialde in akratischen Elemente nützlich wirken kann". Was von diesem Vorschlag zu halten ist. sagt die„Kreuz-Zeitung", indem sie darin„einen erfre,,- lichen ersten Schritt" erblickt, und an die„Freisinnige Zeitung" die Mahnung richtet,„auf dem betretenen Wege weiterzugehen lind das ihrige dazu beizutragen, um mit der thörichten GleickberechtigungS- Theorie der socialdemokratischen Bewegung gegenüber im freisinnigen Lager aufzuräumen". Wir hätten dem höchstens noch das hinzu- zufügen, dgß unseres ErachtenK der geniale Plan, einen deutschen Krankenkassen- Verband„unter Ausschluß aller socialdemokratischen Elemente" zu begründen, eben so viel politisches Verständnis be- kündet, wie seiner Zeit der Vorschlag,„die Republik mit dem Groß- Herzog zu errichten". Gevi�zks-'Iettung. Vom Ausnahmegesetz gegen daö Gefinde. Der ländliche Arbeiter Grzywnczck war für ein poscnschcs Rittergut als Kutscher xngagiert worden, hatte dann aber den Dienst nicht angetreten. Nachdem er der„Herrschaft" durch die Polizei zugeführt worden war. ging er wieder, woraus gegen ihn auf Grund deS Ausnahmegesetzes vom 2s. April 1854 Strafantrag gestellt wurde. Man warf ihm unbefugtes Verlaffen des Dienstes vor. Der Beschuldigte machte geltend, er hätte den Dienst garnicht antreten brauchen, weil die ihm versprochene Wohnung im Gesindehause anderweitig vergeben worden sei. G. wurde jedoch in zweiter Instanz vom Landgericht in Lissa zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht nahm an, daß er zum Gesinde gehöre und daß 8 1 deS Gesetzes, betreffend die Verletzungen der Dicn)lpflichten des Gesindes und der ländlickjen Arbeiter, anzuwenden sei. G. habe den Dienst ohne gesetzmäßige Ursache ver- lassen. Der Straffenat des Kammergerichts als Revisions instanz hob aber dies Urteil wieder auf und sprach den Angeklagten mit folgender Begründung frei: Es stehe fest, daß G. verheiratet fei und daß er für seine Dienste als Pferdeknecht unter anderem auch Deputatnutzung und eine freie Wohnung im Gesindehause erhalten sollte. Unter diesen Umständen könne er nicht als Gesinde angesehen werden, da er nicht zur häuslichen Gemeinschaft des Dienstherrn gehört habe. Somit hätte er auch nicht auf Grund der Gcsinde-Ordnung zum Antritt des Dienstes gezwungen werden köimen. Andere Bestimmungen, die eine zwangsweise Zuführung zwecks Dienst- antritts ermöglichten, gebe es nur in einer Kabinetts ordre von 1837, und diese finde lediglich auf Gesinde und Jnstleute in den Provinzen Ost- und West Preußen Anwendung. Der Angeklagte habe somit überhaupt nicht zum Dienstantritt gezwungen werden können. Sei nun seine polizeiliche Zusührnng eine unberechtigte gewesen, so liege hier e i n D i e n st a n t r i t't garnicht vor. Ein Dienst aber, der garnicht angetreten sei, könne auch nicht verlassen oder versagt werden, das Gesetz vom 24. April 1854 sei darum im Falle G. nicht anwendbar. Störung der Souutagsruhe. Ein Schuhmacher Roth in der Nähe von Wiesbaden, der Sonntags in seiner Werkstatt Stiefel besohlt hatte, ist wegen Ausübung einer öffentlich bemerkbaren, mit störendem Geräusch verbundenen Arbeit mit einem Strafmandat belegt worden, das vom Landgericht bestätigt wurde. DaS Kammergericht hat gestern die gegen die Verurteilung eingelegte Revision zurückgewiesen._ VevlÄmnrIttnsen. Eine öffentliche Versammlung der Töpfer flokaler Richtung) beschäftigte sich am 20. Juni mit den Lohn« und Arbeitsverhältnisscil der Ofensetzer. Der Referent Thieme empfahl der' Versammlung, eine Lohnkommission, bestehend aus 6 Personen, einzusetzen. Dieser Kommission soll die Agitation für eine Lohnbewegung übertragen werden. Um eine derartige Bewegung fiiianziell unterstützen zu können, soll ein Fonds angesammelt werden, zu welchem jeder arbeitende Kollege wöchentlich einen noch näher zu. bestimmenden Beitrag abzuführen hat. Zur Kontrolle sollen Quittungskarten aus- gegeben werden, über welche die Kommission ordnungsmäßig Buch zu' führen hat. Die von Arbeitslosigkeit und Krankheit betroffenen Kollegen haben keinen Beitrag zu entrichten; die 51ontrolle hierüber solle ebenfalls der zu wählenden Kommission zustehen; auch solle die letztere auf Grund des 86er Tarifs einen neuen Tarif ausarbeiten und diesen einer späteren Versammlung zur Begutachtung vorlegen. Dies die wesentlichen Punkte, die er, Referent, in einer Resolution der öffentlichen Versammlung vom 13. Juni mit der Maßgabe zu cm- pfehlen beabsichtigte, die Kommission aus je drei Kollegen der centralen sowie der lokalen Richtung zusammenzusetzen. Gegen 2 Stimmen gelangten die Vorschläge deS Referenten zur Annahme, desgleichen einstinimig ein Protest gegen die unterm 20. Juni im „Vorwärts" erschienene Annonce, die von David, dem Ver- trauensmann der Berliner Töpfer, aufgegeben ist. Nach- dem in die Kommission R. Schmidt, Pehl, Thieme, Heinrich Hoffmann, Karl? und A. L a a tz gewählt waren, gelangte ein Antrag K ö p p e n zur Annahme, den wöchentlichen Bei- trag zum einheitlichen Fonds auf 50 Pf. festzusetzen und den Kollegen aufzugeben, auf jedem Bau einen Vertrauensmann zu ernennen, der die Sammlungen zu regeln hat. Die Versammlung sprach ferner den ausgesperrten Maurern und Bauarbeitern ihre volle Sympathie aus und beschloß, die Ausgesperrten finanziell zu unterstützen, indem jeder in Arbeit Stehende verpflichtet wurde, eine 50 Pf. Marke zu diesem Zwecke zu entnehmen. Der nengegründete Fonds soll den Berliner Maurern bis auf weiteres zur Verfügung gestellt werden. Ter Zcntralvcrbaud der Töpfer lMitgliedschast Berlin) nahm in scincr Generalversammlung vom 20. Juni den Bericht über die Verhandlungen de» XI. deutschen Töpferkongreffes. den David als Delegierter erstattete, entgegen. Den ausführlichen Dar- lcgiingen de? Redners, der seine volle Befriedigung über den Verlauf deS Kongresses beziehungsweise über die auf demselben ge- faßten Beschlüsse zum Ausdruck brachte, folgte eine lebhafte DiS- lnssion. Ein Antrag, in dem die Versammlung ihre Zustimmung zu den gefaßten Beschlüssen erklärt, gelangte einstimmig zur An- nähme. Bei der. hierauf vorgenomincnen Ergänzungswahl zum Centralvorstand wurden folgende Personen gewählt: Paul Hofsmann, Hagen, Greier, Manthe und Fraß dorf. Dem Centralvorstand wurde es überlassen, sich selbst zu konstituieren. Zu Revisoren für die Hauptverwaltung wurden B a r s ch i n und R i s ch ernannt und mit dem Amte deS ersten Vorfitzenden der Filiale Berlin Kronfeld betraut, nachdem der bisherige Vorsitzende eine Widerwahl seiner Person abgelehnt hatte. Die Erledigung einiger gewerkschaftlichen An- gelegenheitcn bildeten den Schluß der Versammlung. Bäcker. Am 20. d. M. fand in den Borussia-Sälen, Ackerstraße 6/7. eine öffentliche Versammlung de« Verbandes der Bäcker statt. Der Raturheilkundige Herr K a n« tz hielt eine» ändert- halbstündigen, beifällig aufgenommenen Vortrag über die Entstehung der Geschlechtskrankheiten. Herr K anitz will sich im Laufe des Sommers Material verschaffen, um im nächsten Winter die sanitären Verhältnisse der Berliner Bäckereien dem Publikum klar legen zu können. Höpfner führte unter anderem an, die sanitären Verhältnisse der Bäckereien könnten nicht anders. als durch eine gesetzliche Vorschrift, oder durch einen Streik gebessert werden; auf daS erjtcre können wir nicht hoffen, londcrn das letztere müssen wir in Betracht ziehen, dazu aber gehöre empfohlen, daß die Anwesenden dafür sorgen sollen, baß keine Gc- sellen dieses verschönen. Nachdem noch einige Mißstände von Berliner Bäckereien vorgebracht worden, schloß der Vorsitzende die Ver- sammlung. Centralderband der Maurer. Die Cementrerer und Berufs- genossen hielten am 21. Juni ihre Mitgliederversammlung bei B u s k e ab. Zunächst wurden Wahlen vorgenommen. Die Kollegen Brandt und K o st m a n n wurden als Bevollmächtigte, Plaszyn s ki und Hilb recht als Schriftführer gewählt. So- dann hielt Kollege H a a f e einen Bortrag über:„Wie stellen wir uns zum Streik der Maurer!" und bat sämtliche Kollegen dringend, so viel wie möglich die streikenden Maurer zu unterstützen. Es entspann sich darüber eine längere Debatte und ivurde zum Dienstag, den 27. Juni, eine außerordentliche Mitgliederversammlung bei Buske einberufen, zu der das Erscheinen sämtlicher Mitglieder dringend notwendig ist. Ferner wurde beschlossen, daß der„Grund- stein" nicht mehr per Packetfahrt geschickt würde, sondern jeder Kollege hat sich denselben bei der Morgcnsprache abzuholen. Hierauf schloß Kollege H äse die Versammlung. Die Graveure uud Ciscleurc tagten am 20. d. M. in einer Filial-Versammlung im„Dresdener Garten." Den Bericht Brückners ließ man fallen, da dieser bereits in der Fachzeitung veröffentlicht worden ist. Der Vorsitzende giebt bekannt, daß in diesem Jahr Billets zur Kunstausstellung zu ermäßigten Preisen nicht zu haben sind, dafür aber von der Alisstelllings-Kommission die sogenannten „billigen Sonntage" eingesägt worden seien. Man schritt hierauf zur weiteren Beratuiig der m der Fachzeitung veröffentlichten Anträge zur Generalversammlung. Hieraus würden noch einige interne Angelegenheiten erledigt. Die Bananschläger hörten in einer schwach besuchten öffent- lichen Versammlung einen Vortrag des Genossen P. Jahn über die Arbeiterfrage der Gegenwart. Von einer Diskussion wurde Ab- stand genommen. Ferdinand und P e r l i n geißelten unter Verschiedenem die große Nachlässigkeit der Bauanschlager im Besuch der Versammlungen und die Schlaffheit in der Agitation zur Organisierung. -- Ztrbeiter- Bildungsschule, Annenstr. 16, Hof 1 Tr Montag: Nationalökonomie(Aibeiterschutz-Geletzgcbung und Nrbciter-Ver- ■ficherutiz.in.deli curopäischen Ländern); Vortragender: Schriftsteller Paul Hirsch. Beginn 9 Ubr. Die Bibliothek ist von 8—9 Uhr und in der Pause geöffnet. Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Reul, Barmmstr. 42; Schiller, Rosenthalerstr. 57; Gleinert, Müllerstr. 7a. Vorsitzender Hermann L a m in s, 8. 59, Hasenhaide 72. '' Arlwitcr-Sängerbnnd Berlins und der Uiiigegcnd. 1. Vorsitzender: Ad. Neumann, Brinmenstr. 150. Alle Acnderungcn im Vereinskalcnder sind -zu- richten an Friedrich Korwm, Lausitzcrstrabe 33. Sonntag:„Vor- wärts VII", Rummclsburg, Beutlmg, Kant- und Göthcstraßen-Ecke.— Montag, obds. 9—11 Uhr, ttcbungssmnde und Ausnahme neuer Mitglieder. —„Zuwnft I", Steglitz, Ahornstr. 10.—„Haiinonie", Restaur. Feind, Weinstr. 11.—„Tonblüte", Grolmisch, Oppclnerstr. 19.—„Liedesfreiheit II", Strausberg, Magnus, Wilbelmstraste.—„Frcva H"(gemischter Chor), Rusch, Fichtestr. 19.—„Solidarität", Mielke, Schützenstr. 29.—„Berliner Damen- chor Harmonie", Rostn, Schönholzerstr. 42.—.„Vorwärts III", Lichtenberg- Fnedrichsselde, Schulz, Prinzen-Allce 6.—„Concordia", Restanrant Willi- bald.AlexiSstr. lO�—.„Alpenblume", Neu-Weißensee, Sturm, Lothringcnftr. 33. —„Rote Rose", Prinzen-Allee 44.—„Liedeslust III", Alt-Glienicke, Saß Grünauerstr. 19 a.—„Vorwärts IX" Charlottenburg, Bismarckshöhe! Wilmersdorferstr. 39. Arbciter-Nauchcrl'und Berlins und der ttnigegend. Aendenmgen im VeremSkalender sind zu Achten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlower- strahe I, 4 Treppen.— Sonntag:„Wally", Schütte, Biesenthalerstt. 10 (vorm. 10 Uhr).— Montag, abds. von 9—11 Uhr: Klub-Abend und Auf- nähme neuer Mitglieder:„Mexikaner", H. Baatz, Cotheniusstr. 3.— „Abguß II", Schulz, Höchstestr. 33.—„Freundschaft VorivärtS", Kartze, Dunckerstr. 2.—„Fidele Kolonisten", Klinge, Kolonicstr. 137.—„Blaue Schleife", Boden, Oppclnerstr. 13.—„Grüne Linde", Kaseda, Dronthcimerftr. 1a. Gesang-. Turn-„nd gesellige Bereine. Sonntag. Thcaterverein „Crescendo", Linienstr. 73.— Dramatischer Klub„Liebesgluck", Cremmcner- straße 1.— Dergnügungsv.„Jngwelde", Schulz, Dnncker;». 90.— Theaterv. eine starke Organisation. Von verschiedenen Kollegen wurde noch auf sag stattfindende Sommersest der Meister daS am nächsten hingewiesen und „Vorwärts", Jonas, Gr. Frankfurterstr. 42.— Theater».„Schiller", Garbriel, Wilbenowstr. 5.— Geselliger Klub„Neptun", Roßstr. 3.— Theaterverein .Amorella", Britzerftr. 19.— Pr.-Thralce- u. Sp.-Ver.„Alpenrose", Weiß, Jnvalidenstraße 146.— Montag: Theaterv.„Weiße Rose", Reichenbcrger- straße 1».— WergnügungSv.„Bavaria", Schulz, Dunckerstr. 90.- Rauch kl. „Portoriko", Bülowstr. 46.— Gesang».„Mänuerklang", Putzer, Schützen- straße 18/19. Lese- und Diskutirklubs.„Polnisch. DiSkutirkl.„JaroSlaw Dom- browsky in Rixdorf", Preßler, Zicthenstr. 69, tagt jeden Sonntag nach dem 15., nachm. 5 Uhr.— Montag:„Leopold Jakoby", Zippke, Markusstr. 14 (Eingang Grüner Weg), jeden Montag nach dem 1. u. 15. im Monat.— „Nordkante", Bolz, Wleieustr. 27. Arbeiter-Turnerbund. Sonntagt Turnv.„Fichte", Lichtenberg, Asche, Weißenleeer Weg; jeden Sonntag von 3 Uhr an volksthümlicheS Turnen.— Montag: Turnv.„Fichte", Berlin, abends von 8—10 Uhr, 7. Männer-Abth., Reichenbergerstr. 131; 2. Damen-Abth., Ackerstr. 67.: 7. Lehrlings-Abth., Wasserthorstr. 31. Arbeiter-Stcnographeiiverei»„Stolze".(Einigungssystem). Mo»- tag: Bezirk„Norden", bei Franz Gleinert, Müllerstr. 7a, abends 8'/, Uhr. Allgemeiiie Faviilien-Sterbe-Kassc. Heute Zahltag: Ackerstraße 123 bei Diekc und Oranisu straße 185 bei Bukow von 3—6 Uhr- Berliner Kraute»< Unterstnhnngs-»nd Begräbnis-Berein für Franc» und Mädchen, gegr. 1892. Heute, nachmittags 4 Uhr, in den „Stailinhallen", Kommaiidantenstr. 20: Soipmcrfest. Medtzinnl-Berrtn für Berlin«nd Umgegend. Heute: großes Sommersest, verbunden mit Gesaug, Konzert und Bali in Hoff mannS V o l k s g a r t e n(Weftenp), Epandauer Berg, Eck« der Kastanien- Allee(fünf Minuten vom Bahnhof Westend). Anfang 4 Uhr. Programm 20 Pf. Samaritcr-KnrsnS für Arbeiter»nd Arbeiterinnen. Morgen Montag, abends 9 Uhr: Uebliiigsstiinde in der Centtale„Arminhallen", Kommandanteiistr. 20: Vortrag über.Knochenbrüche, Verrenkungen und Verstauchungen. Nachher: Berband-Uebungen.— Reue Mitglieder werden aufgenommen. Krankenkaffen-Borstände und Berwaltnngsbeamten Berlins. Versammlung am Dieustag, den 21. Juni, abend» t>V, Uhr, in der„Ber- liner Ressource", Kommandanlenstt. 57, Tagesordnung: 1. Bettcht über den Kongreß zur Belämpsuna der Tuberlulose alS Bollsttanlhett und über den Kongreß der Krankenkassen Deutschland». 2. Rundschreiben de» Ber- bavdes der Metallinbustrlellen, betteffevd die Denkschrift d«r Central- kommission der Krankenkassen Berlin»„Zur Schwindsuchts- Bekämpfung". 3. Ergänzungswahlen zur Ceutrallomvitsston. 4. Verschiedenes. NB. In dieser Versammlung findet die Ausgab« des Protokolls deS Kongresses der Krankenkassen Teutichlandö statt. Di« Eenttalkommission der Krankenkasse» Berlins. I. A.: E. Simanowski, Gartenstr. 78, II. Ständiges Repertoire. Neue» Sönigl. Opern-Theater: Alle Abende außer Montag und Freitag: Die Fledermaus.— NeuesTbeater- Wahrsagerin und Abschiedssouper mit Hanst Niese.- R e s t d e n z> T h e a t e r: Der Schlastoagen-Conttolcur und Zum Ein- siedler-. Urania-Theater. Taubenstraße 48/49. DaS Land der Fjorde.- Metropol-Theater: Berlin lacht.- Central-Theater: Sonntaa bis inNusive Donnerstag: Waldmeister. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Gastspiel des Ernst Drucker-Theaters aus Hamburg,— B-lle�Al lt an ce-Theater. Alle Abende aubey. Mittwoch: Dürchläuchting. Jochen Päwl. Mittwoch: Onkel Brang.— F ru brich- Wtlbelm städtisches Theater: Sonntag und Montag: Der Nachtomnibus-Conlrolcur. Dienstag bis Sonnabend: Fuhrmann Henschel.— Oftend-Carl Weih-Theater: Liane, dt« zweite Frau.- Atexanderpla K- T heater: Nana. Nachmittogsvorftevuiig: Sonntag, 2b. Juni, Deutsches Theater: Dl« versunkene Glocke. � Die Preise sind streng fest, selir billig und in Zahlen an den TVaaren gezeichnet. I Die 13 te Preisliste 1899 (Auflage 1 Million) wird kostenlos und kostenfrei zugesandt. Zum Radeln, Fabrikation u. jtöaass-yfofertigung guter Herren- n. 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