SdzNüemolrat gentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit»««nähme de« Montag»glich früh Aidaktlon und Derwalümg. Prag XU., Fochova 62— Telephon 83677-» Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Freitag, IS. März 1S37 Einzelprel» 78 jdtt(einschließl.S Heller Porto) Aus dem Inhalt: Der klinkte Prozeß wegen des Blutsonntags von Altona Der Gegenangriff schreitet fort Bilanz der faschistischen Kulturarbeit Deutscher Sektionschef im Handelsministerium Nr. 67 Eine neue Riesenkundgebung der deutschen Sozialdemokratie Der hemmende Block In Aussis 15.000 unter roten Fahnen ■Ine große moralische Niederlage der Henleinpartei So toucbe die Aussiger Versammlung zu einem gewaltigen Erfolg der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei und des aktivistischen Ar» heitsprogramms. Umso bedeutsamer ist die N i e d e r l a g e, die der SdP durch den störungsfreien Derlauf der wuchü^en Kundgebung zugefügt wurde. Pie SdP sieht ihre« Einfluß auf die Waffen schwind««, die deutsche Sozialdemo» kratie aber ist in starkem Vormarsch begriffen. Dem Tag von Aussig kommt geschichtliche Bedeutungz«!. Ausführungen wurden fast nach jedem Satz durch Beifallstürmr unterbrochen.(Wir bringen einen Auszug aub der Rede im Innern deS Blattes.) Als sich der minutenlange Beifall gelegt hatte, der dir Rede folgte, setzten die Arbeltersän» ger mit der„Internationale" ein. Der Gesang wurde von der■ Menge mit entblößtem Haupt angehört. Laut hallte der FreiheitSgruß der Massen über den weilen Platz, als llllmann die Kundgebung mit einigen markigen Worten schloß. Die Anhänger der SdP hatten auch die Zerstörung der Lautsprecheranlage geplant. An der Ausführung ihrer Absicht wurden sie durch die starke Wach« der Republikanischen Wehr gehindert. Die Anlage fnnktioniertc zum Leidwesen der Hrnleinleute ausgezeichnet. 25'Verhaftete wurden nach Sicherstellung der Personalien freigelassen. Rur e i n Ruhestörer wurde geringfügig verletzt: er wi«S einige Kratzer auf. Wie wir noch erfahren, waren außer dem Abg. S a n d n c r noch die SdP-Abgeordneten K l i e b e r und Matz unter den Ruhestörern. An der Kundgebung nahmen außer den Arbeitern und Angestellten virleAngehörige der Mittelschichten teil. Di« Belegschaft der Teplitzer Margarinefabrik hatte durch ein Telegramm ihre Sympathie mit den demonstrierenden Massen ausgedrückt. Paris.(Tsch. P. B.) Der halbtägige allgemeine Streik der Arbeiterschaft von Paris und Umgebung wurde fast vollkommen durchgeführt und nahm eiiken ruhigen Verlauf ohne größere Zwischenfälle. Lediglich in den Vorstädten kam es verschiedentlich zu Ausschreitungen und die Polizei führte auf die Kommissariate verschiedene Personen vor, größtenteils wegen Nichtbefolgung' des Verbotes von Zusammenrottungen. Auch auf dem Börsenplätze kam«S vor Mittag zu Ausschreitungen, als von einer Menschenansammlung die Internationale und von einer anderen die Marseillaise gesungen wurde. Die Gesamtzahl der Streikenden wird auf zwei Millionen geschätzt. Hauptsächlich hat die Arbeiterschaft der Fabriken, der Großbetriebe, der großen Handelshäuser und der BerkehrSunternehmungen gestreikt. Zum großen Teil haben sich den Streikenden auch die Briefträger angeschloffen. Auch die Banken waren geschloffen. Die kleinen Geschäfte und Unternehmungen waren geöffnet, so daß die Versorgung von Paris nicht gestLrt wurde. GaS und Elektrizität wurden im notwendigsten Maße geliefert. Bis in die Mittägstunden konnte man allerdings au» den entfernteren Stadtvierteln in das Zentrum nur zu Fuß gelangen. Erst gegen Mittag begannen die Autobuffe und die Untergrundbahnen zu verkehren und nach 13 Uhr wurden die großen Fabriken und Kaufhäuser geöffnet. Die Arbeiterschaft hat sich überall in Ruhe an den Arbeitsplatz begeben. 01« Fabrikanten provozieren! Ein Teil der Fabriken in Paris und Umgebung hat«S avgelrhnt, die Arbeiter, die vor- mittags gestreikt hatten, am Nachmittag wieder in Vie Arbeit auszunehman. Di« Fabrikanten verweisen darauf, daß durch den vormittägigen Streik der Sollektiv-ArbeitSvertrag„gewaltsam verletzt" wurde. Bor allem lehnm es die Auto- nwbilfatrik Hispano, zwei Flugzeugfabriken in der Pariser Borstadt Eolmnbrs, die Automoiil- fabrik Renault und Sitroen und dir große Rei- fenfairik Goodrich ab, die Arbeiter wieder auszunehmen. Insgesamt handelt es sich' um zwölf Fabriken. GroBangelegte Störungsaktion der SdP wird von den Arbeitern Im Keim erstickt Ole Provokateure werden verjagt# 25 Verhaftungen . Die Disziplin der Pariser Arbeiterschaft hat es möglich gemacht, daß die Erregung, welche nach den Borfälle» von Dienstag nachts entstanden war, rasch abklang, und daß die politische Energie der Massen in ruhige und vernünftige Bahnen gelenkt wurde. Der halbtägige Proteststreik ist ohne Zwischensäll« verlaufen. Unterdessen führen Innen- und Justizministerium eine strenge Untersuchung durch, welch« sowohl die Schuldigen an dem Zusammenstoß überhaupt wie insbesondere die Schuldige» an den Schießereien feststellen soll. Den Parteien de la RogueS und DoriotS sind sämtliche Versammlungen verboten worden. Die übrigen Parteien haben Versammlungsfreiheit. Dagegen wird von einem feierlichen gemeinsamen Begräbnis der Todesopfer abgesehen. Die Verwundeten hat Blum im Spital bereit» zweimal besucht.. Innerhalb des BolkSfrontlagers wird über die Schuldfrage allerdings noch lebhaft diskutiert. Sowohl bei den Sozialisten wie auch bei den Radikalen gibt rS Politiker, die «ine stärker« Betonung der Mitschuld der Kommunisten' wünschen, weil sie eine Terrorisierung der Volksfront durch die KP befürchten. DaS wichtigste Ereignis, daS sich als Folge der 16. Mär« ergibt, ist aber die Fortsetzung der Reformen des Kabinetts vlum. Die Regierung hat dir Einbringung der Altersversicherung und eines Ar- beitSlosenfondeS für dir Woche nach Ostern»»gesagt und in der Kammer iereitS Donnerstag eine Vorlage auf Erhöhung der niedrigen Kate- gorien der StaatSbeamtengehälter vorgelegt. Diese allein erfordert über 666 Millionen FraneS, die Sozialvorlagen werde» mehr alS! zwei Milliarden, beanspruchen. Damit ist eigentlich d i e„P aus«"»«Ende und vlum kehrt zur Politik deS großen soziale» Experi- ment» zurück. Ob sich da» mit der neuen Finanzpolitik vereinbaren läßt und ob die Finanzlreise dem Kabitiett weiter Gefolgschaft leisten werde», wird für die nächsten Woche» dir' wichtigste Frage sein. Für die Kundgebung zeigte sich schon in den Vortagen in allen BcvölkerungSkreisen außerordentliche» Interesse. Dem Beispiel der Bodenbacher folgend, hatten dir Belegschaften der Aus- siger Betriebe den Beschluß gefaßt, in g e s ch l o s- senen Zügen anzumarfchieren. Die SdP reagierte auf diese Vorbereitungen mit starker Nervosität. Noch im letzten Augenblick ließ sie Flugblätter verbreiten, in welchen versucht wurde, die Stellung deS Henlein-Großagrarier» Abg. K l i e b e r zur Margarinefrage zu rechtfertige«. Sn einem von Herrn Klieber selbst gefertigten Flugblatt fehlten auch nicht persön- l i ch, Anpöbelungen gegen Falsch. Durch dies, ungeschickte Taktik wurde erst recht da» Sn- trreffr der SdP-Arbeiter fiir unsere Wanisesta. tion geweckt. l So entschloß sich die SdP-Führung, der erwarteten Abrechnung durch eine großange- legt« StörungSaktion auszuweichen. Scho» in den frühen RachmittagSftunden wurde bekannt, daß die Henleinpartei ihre Anhänger in den umliegenden Orten zu bestimmten Sammelplätze» besohlen hatte. Sie wurde» mit der Zustcherung aufgeboten, daß auch Herr Sa«dner und zwei englische Politi- k c r ihr Erscheine» zugesagt hätten. Schon eine Stunde vor dem Beginn der Kundgebung war der westliche Teil de» Marktplatzes von vielen Tausenden Menschen besetzt. Eine halbe Stunde, vor dem normalen Ar- ieitSschluß ertönte die Sirene der Großen Chemische n. Die Belegschaft sammelte sich zu einem mächtigen Zuge, der knapp vor 8 Uhr auf dem Marktplatze«intraf. Zur gleichen Zeit marschiert« eine riesige Kolonne, in der vor allem Frauen zu sehe» waren, mit Musik zum Marktplatz. viele Betriebe im Elbetal hatten schon zwei Stunden vor-dem Beginn der Kundgebung die Arbeit'beendet: die Belegschaften legten den weiten Weg nach Aussig in geschloffenem Marsch zurück. Ueierall war außerordentlich viel Inge n d zu sehen. Als AloisUllmann knapp nach 5 Uhr die Kundgebung eröffnete, war der westliche Teil deS Marktplatzes dicht besetzt, dir Menschen standen dichtgedrängt auch in den angrenzenden Straßen. ES wurden an die 15.606 Teilnehmer geschätzt. Die Versammlung wnrde eingeleitet mit enirm Fanfarenruf der RW-Kapelle. Die Tribüne uüÄab ein Wald von Fahnen. Die Menge brach In, lauten Beifall au», al» Falsch da» Wort ergriff. Sn diesem Augenblick setzte beim Kino heftige» Pfeifen und Johlen rin: di« SdP-Leute versuchten Saksch am Sprechen,«»er- hindern. Die Republikanische Wehr stellte jedoch in wenigen Sekunden die Muhe wieder her? sie griff energisch durch, übergab die Hauptschreier der Polizei und brachte die übrigen ,um.Schweigen. Dir Polizei sperrte nach dem Zwischenfall dir Zu» gängstraßen ah, wodurch e» Tausende» Nachzüglern verwehrt«ar, zum Marktplatz zu gelangen. Sie hörte» in den Nebenstraßen di« durch starke Lautsprecher übertragene Rede Sakschen» an. Seine ^senberichf.) DaS große Ringen um die Führung in der uuk^,," D°"^ß>^e chte Donnerstag nachmittag auf dem Marktplatz N» Elbestadt«inen dramatischen HShepunktz Gewerkschaften hatten die werktStige DevSlkerung des 5iner«undgebuug unter freiem Himmel aufgerufe«, W*mel 3 aksch als Referent zum Thema:„Die Sudetendeut- fchen im Ringen um die Zukunft Europas" angekündigt war. Hunderte Kinder umgekommen 7 £tzl11::(TeraS.) Eine bisher noch nicht fichergestelltt Zahl v^Kind«» ist»ei einer «esselerploston, durch die eine Schule in der Nähe von Ttzler. teilweise zerstört wurde, nm»»ehe» gekommen: Der Schulleiter glaubt, wie Reuter melde», daß ei» i»r h««d er»«i» d,r da- bei den Tod gefunden haben. Die Preffe der Henleinpartei fühlt sich verpflichtet, die ncgativistischc Aussiger Kundgebung Konrad Henleins tagtäglich durch eine haßerfülllc Kritik an den Auswirkungen des deutsch-tschechischen Abkommen» vom 18. Feber zu unterstreichen. Die„Zeit" hat sogar eine eigene Rubrik eingesührt, in der unicr der Ueberschrist„Lm Zeichen des Ausgleichs" Material zusammengetragen wird, durch da» bewiesen werden soll, daß sich nicht das geringste geändert habe. Es ist notwendig, daß sich das Sudetcndeutschlum mit diesem unsinnigen und gefährlichen Treiben beschäftigt und es durchkreuzt. . Die deutsch»tschechischen Vereinbarungen werden mannigfache Schwierigkeiten zu überwinden haben, bevor sie restlos verwirklicht sind. Das ist jedem politisch Einsichtigen von vornherein klar gewesen, in erster Linie aber den Männern, welche die Vereinbarungen zustande brachten. Die Schwierigkeiten erkennen, heißt Wege zu ihrer Neberwindung suchen. Die Bemühungen der Sudetendeutschen Partei aber und der ihr ergebenen Provinzpreffe müssen diese Schwierigkeiten zwangsläufig vergrößern. Denn sie sind geeignet, die Atmosphäre des Vertrauens zu zerstören oder zu gefährden, in der allein diese große Tat des guten Willens gedeihen kann. Wiederum wirft der deutsche Nationalismus dem tschechischen die Bälle zu; beide Extreme sind daran interessiert, die Vereinbarungen zu entwerten. Wir zweifeln nicht daran, daß die staatsbildenden Faktoren im tschechischen Volk gegen die Widersacher der Verständigung in den Reihe» ihrer Nation kämpfen werden. Die Menschen gutenWUsenS im deutschen Volk haben die Aufgabe, den deutschen Verständigungsfeinden die MaSke vom Gesicht zu reißen und deren heuchlerisches Wirken zu enthüllen. Die Südetendeutsche Partei ist durch«Inen gigantischen Bolksbetrug groß geworden. Vor dem IS. Mai 1935 haben Konrad Henlein und seine Unterführer in ihren AgitationSreden dem Sudetendeutschtum daS Blaue vom Himmel versprochen und durch die Flüsterpropaganda wurden die Versprechungen noch sehr eindeutig bekräftigt. Tat- fächlich haben hunderttausende Sudetendeutscher daran geglaubt, daß ein Sieg Konrad Henleins die Wirtschaftskrise überwinden und die Not im sudetendcutschen Gebiet beseitigen werde. Seither sind fast zwei Jahre vergangen, in denen Konrad Henlein Gelegenheit gehabt hat, sein Können zu beweisen. Die vergeßlichen Sudetendeui- schen erinnern sich der Versprechungen, die ihnen gemacht wurden, heute nur zum geringen Teil. In der„Zeit" und in der„Rundschau" fehlt eine • Rubrik, in der auf die segensreiche» Auswirkungen des Henleinsiegcs verwiesen wird: gäbe es eine solche Rubrik, könnte nur Negatives in ihr stehen. Die deutsch-tschechischen Vereinbarungen sind kaum vier Wochen alt und ihre restlose Erfüllung hat zur Voraussetzung, daß der Staatsapparat bis in seine untersten Gliederungen durch die Kontrolle und den Druck von oben zur Prak- tiizerung der Vereinbarungen reif gemacht wird. Daß oben der gute Wille besteht,'wird niemand bezweifeln können, und daß es einer gewissen Zeit bedarf, den Richtlinien überall Geltung zu verschaffen, tvird kein Kenner der Verhältnisse bestreiten. Die Führer der Sudetendeutschen Partei wissen das so gut wie die deutsch-aktivistische» Politiker und die Vertreter der tschechischen Regierungsparteien.— Wenn also gerade die Sudetendeutsche Partei durch ihre Presse an dem angeblich zu langsamen Tempo der Verwirklichung hämische Kritik übt— vier Wochen nach dem Zustandekommen der Vereinbarungen, ja schon ' früher!—, so ist das nichts als eine politische Büberei und angesichts der Tatsache, daß die Sudetendeutsche Partei fast zwei Jahre nach ihrem Wahlsieg nicht die geringste ihrer Zusagen wahr gemacht hat, der Versuch einer Blödmachkrei. - DaS Sudetendeutschtum scheint gegen diese Biöd- ! macheret langsam immun zu weicden: der Zulauf breitester VolkSmaffen zu den Versammlungen der i sudetendeutschen Sozialdemokratie, die sichtbare , Abwanderung von der SdP sind der schlagendste Beweis dafür. i In einem Teile der sudetendeutschen Pro- ' vinzpreffe— so z. B. in der„Brüxer Zeitung" ,— wird darüber Klage geführt, daß keine >„Bürgschaften" für die Durchsetzung der I Vereinbarungen gegeben sind. Als ob papierene Bürgschaften eine Garantie für das Setzen der Pariser Proteststreik ruhig verlaufen Die Erregung klingt ab• Objektive Untersuchung Ole M SaMSS M abgebrochen? Lei«, 2 Freit««, 10. März 1987 lebendigen Tat wäre»! Li» Teil der Sudeten»! deutschen scheint bis in alle Ewigkeit der These huldigen zu wollen, dass das tatkose Hinstarren auf dse anderen, das angstvoll-feige Warten darauf, ob sich bei der andere» der gute oder der schlichte Wille offenbaren werde, dar Um und Auf aller sudetindciitsche» Potitil sein müsse. Nur ja nicht die e I g e n e n Verpflichtungen, nur ja nicht die eigene Verantwortlichkeit erkennenl Tas ist so bequem, das entspricht der Indolenz jener Politiker, die das Volkstum ständig im Munde führen und sich hüten, seine Kraft in die Waag» schale der Politik zu werfen. Die beste Bürgschaft für den Erfolg der Ber« cinbarungen ist eben nicht nur der gute Wille der führenden Männer des Staate», sondern bor allem der gute Wille der Völler, die Ihn bewohnen. Glauben die V ö l k e r an das Gelingen de» Verständigung-Werkes, so'ist der Erfolg gesichert. Stellen sie sich aber hinter die Unkenrufer, die sich damit bescheiden, den Mond anzu- huaken, so wird diesem Lande und seinen Natio« nc» nicht di« Sonne einer besseren Zukunft aufgehen. Wir haben alle mit Hand^nzulegcn, mitzuarbeiten im Bewußtsein unserer eigenen Kraft und unsere» Können». Gehen di« Dinge trotzdem schief, können wir uns wenigsten» selber keine Pflichtverletzung vorwerfen: dann tragen die Partner die Schuld! Unsere Pflicht liegt Im Positiven, liegt in der A k t i o n, nicht ah»r in der N e g ä t i o n. Am allerwenigsten'aber darf sich das Sudetendeutschtum in der bedeutsamen geschichtlichen' Stunde, die es jetzt durchlebt, von jener politischen Modeströmung in den Zustand der Ohnmacht und de» weibischen Zuwar« tenS bringen lassen,' die in ihrer politischen Geschichte nichts als Mißerfolge auszuweisen hat: von der SdPI Beharrlichkeit im V e r n e i n e n ist Boll»« verrat, Beharrlichkeit im Handeln birgt die meisten Chancen für unser Volk. Da» Sudetendeutschtum möge sich reif machen, den Weg der T a t zu beschreiten. Der größte hemmende Block, den er auf diesem Wege zu beseitigen hat, ist die SdP. Frisch angepackt, ehe es zu s p ä t i st I »er Gegenangriff schreitet fort Italienische Offiziere Obergelaufen Madrid.(Hava») Die Regierungstrappen sind in der Richtung auf Brihnega vorgerückt und Haien sich nachmittag» der Ortschaften Pajares, Solamillo, Elmeda de Ertrimo und Terre del Bur«, in der Provinz Guadalajarra »emöchtigt. Der Angriff der RegiernngStruppen war für di« Aufständischen ein« Ueberraschung. Während der Operationen rückten die Truppen der Negierung um mehr al» 4 Kilometer vor und bedrohen direkt Brihuega, welche», wie e» auch scheint, von den Aufstindischen bereit» verlasien norden ist. Mittwoch find zwei italienische Offizier« zu den Regierungstruppen am link«» Flügel drr Guadalajarra-Front üiergegan» gen. An der gleichen Front wurden zwei italienische Sergeanten gefangengenommen.Cm Hauptquartier wurde mit deren Verhör begonnen. B a l e n«i a. und wäre im letzten Augenblick vielleicht, doch noch in den Torweg geschlüpft, wenn der Gefürchtete mich nicht plötzlich angerufen hätte: „Ah! Sieh da!" Der Klang dieser verhaßten Stimme drückte mich, wenn ich so sagen darf, an die Wand der AuSwegSlosigkeit. Rein mechanisch zog ich-die Mühe. Und diese Handlung riß mich aus der Ver« lorenhett im Entsetzen heraus. Die Spannung der Ratlosigkeit, di« wie Strom durch meine. Glieder gegangen war und, sie ziellose, unentschiedene Zuckungen hätte vollsUhren lassen, wich jetzt oder verwandelte sich in die Spannung bewußter Abwehr. Allerdings nicht, auf einmal. Als ich die Mütze wieder aufsetzte, und der Direktor, irgendeine Frage an mich richtete, hörte ich ihn zwar sprechen, unterschied einzelne Worte, begriff aber den Sinn doch wohl nicht ganz. Ich fuhr rasch in die Tasche, zog meinen GeldveNttl hervor, entnahm ihm den Zettel meines Vater» und reichte ihn dem Direktor.(Fortsetzung fotzt.). Port und«r. Es ging nicht um«in Spiel, e» ging auch sticht um Gefühle. SS lagen Notwendigkeiten vor, die nicht Äersehen werden durften. Gewiß, ,,E» ist, al» ob man euch ein Spielzeug nehmt»: wollte, ihr Muttersöhnchen, ihr gut bürgerlichen Kindtrchenl Ihr habt den Weitblick nicht, Auf der Treppe sagte Rappaport: „Sascha ist jetzt imstande» un» au» Wut noch im letzten Augenblick zu verraten." „Wie mußt du gemein sein, daß du von jedem so schlecht denken kannst", rief Jascha. - Rappaport lachte nur grimmig, erwiderte aber nichts. An der Haustür trennte mau sich. Einige mußten den Weg nach rechts einschlagen. Nr. 67 Freitag, 19. März 1037 «eite t Der Vatikan als Hitler-Hllale Antibolschewistisches Geschwätz Stadt des Vatikans. Dit Agenzia Stefan! teilt mit: Der Heilige Vater hat an sämtliche Bischöfe der Welt eine Enzyklika Uber den Kommunismus ergehen lassen. In der Enzyklika wird die„unselige Doktrin des Kommunismus", des Atheismus und Materialismus verworfen, die jedweden geistigen Wert leugnet, jcdivede Autorität untergräbt und das Ansehen der untrennbaren Ehe unterwühlt. Der Papst bekundet dem unglücklichen unterdrückten russischen Volke seine Sympathien, stellt den Irrtümern des Kommunismus die ewigen Wahrheiten des katholischen Glaubens gegenüber und legt den Staaten wie den gläubigen Katholiken und insbesondere den Priestern ans Herz, diese Wahrheiten des Heils eifrig zu studieren und sie aus allen Kräften gegen die Umtriebe des das Böse und das Verderben auSsäen- den Kommunismus zg verteidigen. Der Papst macht auf die ständige Gefahr aufmerksam, die der Welt durch den KomnmniSmuS droht. Deshalb habe ich es für notwendig erachtet, heißt es znm Schluß in der Enzyklika, durch dieses feierliche Dokument die Aufmerksamkeit der Welt zu welken. eine neue Variante: „Trotzkiste»" als Kindermörder I Moskau.(Reuter.) In Nowosibirsk findet ein weiterer'Prozeß gegen Personen, die der Sabotage beschuldigt werden, statt. ES ist dicS innerhalb vier Monaten bereits der zweite groß« Prozeß dieser Art. Bor Gericht stehen sieten Angeklagte, die di« Anklage als Anhänger TroykiS bezeichnet und denen zur Last gelegt wird, daß sie für die B e r n i ch t« n g einer Schule durch Feuer am 3. Feter d. I. verantwortlich sind. Bei diesem Brande sind in dem Schulgebäude zahlreiche Kinder ums Leben gekommen. Unter den Angeklagten befinden sich der Borsiyende deS Bautrusts Knramzin und der Sparkasiendirektor Ko m- f ch i k. Die Anklage erklärt, daß die Angeklagten ihre Antirevolutionäre Tätigkeit in der Weife auSgeübt haben, daß sie daS Pensionat ko erbaut haben, daßdadurchdieEnt- stehnng deS Brandes erleichtert wurde. Sie haben dadurch die Fürsorge der Re- gierung auf erzieherischem Gebiete und daS Stre- den der kommunistischen Partei diskreditiert. ES wird erklärt, daß die gemeinsamen Schlafzimmer der PensionatSzöglinge keine Notausgänge besaßen und daß die Lesen dicht bei den hölzernen Wände« aufgestellt waren, di« nicht die genügende Dicke besaßen. Man sieht— es gibt noch NeueS unter der „Sonne des Sozialismus". Schiedsabkommen mit der US-Steel Corp. Pittsburg.(Reuter.) Die Präsidenten von fünf große» durch di, Regierung unterstützen Zweigstellen, welche zum Konzern der United States Steel Corporation gehören, habe» mit dem Metallarbeiter-Syndikat, das unter der Führung von John Lewis steht, ein Abkommen unterzeichnet» wonach in Hinkunft alle Arbeitskonflikte durch ein Schiedsgericht erledigt werden sollen und«S niemals mehr zu einem Streik kommen wird. Beschilfter der Juden und Mosllm? Tripolis.(Stesani.) Mussolini besichtigte verschiedene Bauwerke in Tripolis, das Franziskaner-Kloster, das Palais des Luftsahrtkommandos, sowie den kürzlich freigelegten Tempel aus der Zeit des Kaisers CommoduS. Sodann begab er sich zur Moschee von Gurgi, an deren Schwelle er vom Kadi empfangen wurde, der eine Botschaft verlas, die ins Italienische übersetzt wurde. Durch diese Botschaft, in der der Duce namens aller Gläubigen und vom Kadi persönlich begrüßt wird, Ivird der Dank für die„Wohltaten" zum Ausdruck gebracht, die der Faschismus dem Lande erwiesen hat. Ferner wird in der Botschaft erklärt, daß der Dank von 466 Millionen Mohammedanern die Quittung für all das sei, was Mussolini gesagt und für den Islam getan habe, und daß dies niemals vergessen werden wird. Im Jude n v i e r t e l, das der Duce hierauf durchschritt, wurde er begeistert, akklamiert und vom Rabbiner begrüßt, der erklärte, die Juden seien dankbar dafür, daß sie wie ihre Borfahren unter dem Schutze Roms leben können. Die libyschen Inden bekennen auf diese Weis« feierlich ihre Treue zu Italien und ihre'Ergebenheit gegenüber dem faschistischen Regime, das sie zu Teilhabern an der Größe Roms macht, ihre geistigen Güter beschützt und den Fortschritt der Bürger fördert. Der Duc«' erwiderte, daß er von dem Einpfang und der. Ergebenheitskundgebung ttef ergriffen sei.— Mussolini widmete der Verwaltung der islamitischen ReligiönSgemeinden 266 Millionen Lire,/\ Appell an taube Ohren London.(HavaS.) Der ReguS Haile Se- lafsie hat an daS Völkerbundsekretariat ein Schreiben gerichtet, in welchem er gegen di« italienischen GrausamMen in Abessinien,, d. I. die Hinrichtung des Rar Desta, die Repressalien nach dem Attentat auf Marschall Arazigni soivie die„systematische Hinmordung der Einwohner Abessiniens",'Protest»inlegt. fudctendeutedier Xeifepiegef Das Volk kann nicht warten! Jaksch vor der Aussiger Volkskundgebung Aussig.(C i g e nbe r i ch t.) Unberührt von dem zeitweisen Lärm der. verzweifelten SdP- Provokatcure und mit Hilfe eines guten Lautsprechers den westen Platz mühelos beherrschend, führte I a k s ch aus unserer Volkskundgebung u. a. folgendes aus: „Das große Ringen um die Zukunft Europas ist in vollem Gange. Zur Entscheidung steht: Friedliche Neuordnung des Kontinents, Abbau der Zollschranken, wirtschaftliche Zusammenarbeit der Völler oder: Steigerung des Wettrüstens, Auspeitschung de? nationalen Hasser und schließlich der Absturz in den Krieg. Wir fragen in ernster Stunde die sudetendeutsche Bevölkerung: Wo ist in diesem Ringen unser Platz? Sollen wir den friedlichen Ausweg beschreiten oder auf den Krieg spekulieren? Unsere Antwort lautet: Wer fein Bolk wahrhaft liebt, muß mit uuS Front machen gegen jede Form von Rntastrophenpolitik. die demokratischen Völker der Westens wollen keinenKrieg, sie sind von tieser Sehnsucht nach»ehrlicher Verständigung mit dem deutschen Volk erfüllt. Damit steht die deutsche Nation vor der schlverften Entscheidung ihrer Geschichte. Sie hat zu wählen zwischen der Mitarbeit am Aufbau eines neuen Europa und der Politik des nationalen Selbstmords. Es war meine ehrenvolle Aufgabe, in der demokratisch-sozialistischen Welt des Westens davon Zeugnis abzulcgrn, daß er bei.uns noch dcnwkratische, freiheitlich denkende und europäisch gesinnte Deutsche gibt. Wir wissen, daß eine Lösung der sudetendeutschen LeienSprobleme ittit in einem friedlichen Europa, nur au? dem Boden der Demokratie und in ehrenvoller Verständigung mit dem tschechischen Brudervolk möglich ist. DaS Abkommen vom 18. Feber beweist, daß die deutschen aktivistischen Parteien zu handeln wissen, während die SdP redet. Eö sind Fehler geschehen in der deutschen Poliftk vor und! während de» Kriege» und in der Politik der Sieger nach dem Kriege. Ter sude- tendeutschr AktiviSmuS war nahe am Verbluten. Nach dem IS. Mai war die Gefahr am größten. Wäre die Präsidentenwahl nach dem Geschmack der SdP ausgefallen, so wäre eine Periode nationaler Wirren gefotzt, die unserer schtver ringenden Exportwirt- schaft noch den Rest gegeben hätte. Al» die Gefahr eines Bruches zwischen den zwei Hauptvölkern immer näher rückte, ist der geschwächte ÄktiviSmu» nochmals in die Bresche gesprungen und hat erneut die Fahne der Verständigung erhoben. Ta» Werk vom 18. Feber ist gelungen, nicht nur.well di«.deutschen BerständigungSparteien.in. »ollster Uebereinstjmmung handelten hier in Spanien zeiget», dah die Italiener die schlechtesten Soldaten der Welt sind, sobald sie erst einmal auf die republikanische Volksarmee stoßen, und was die deutschen Soldaten anlangt: General Ludendorsf, der sie gewiß durch und durch kennt, hält sie im spanischen Feldzug jenen unterlegen, die um ihren heimischen Boden kämpfen. Auch die Funktion des?luslandsfa- s ch i s m u s ist erfüllt: er hat die Spanier von Badajoz bis Madrid zurückgetrieben, hat ihnen Jrun, San Sebastian und zuletzt Malaga genommen, mit all dem aber ihnen die Augen geöffnet, daß nur ein wirkliches Heer, eine richtige Volksarmee, unter einem einheitlichen Kommando: dem der Regierung der Volksfront, die Republik retten kann". Spanien, heule auf sich selbst gestellt, arbeitet fieberhaft an diesem neuen, siegbringenden Instrument. Im Gegensatz zu Madrid und Asturien ist der Prozeß seiner Vollendung in Katalonien, genauer gesagt an der Aragonfront, die im Befreiungskampf einmal eine entscheidende Rolle zu spielen hat, noch nicht abgeschlossen. Daher die erzivungene Ruhe dort auch auf unserer Seite. Ganz Katalonien hat, wie man weiß, seit dem tragischen Fall von Malaga eine ungeheure Beivegung für die Generalmobilmachung erfaßt. Es defilierten vor kurzen: hunderttausend militärisch formierter Männer in Barcelona, um unter der Fahne der Republik diesem lebenswichtigen Gebot der Stunde Ausdruck zu geben. Seine Durchführung bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte deS spanischen Bürgerkrieges. Eine Volksarmee nämlich rekrutiert sich aus Angehörigen aller Schichten des werktätigen Volkes und aus. Parteigängexg alser. Strmnunaendes Anti-, faschismus: Ihre Voraussetzung" ist Häher die‘ absolute Einigkeit all dieser Sckiichtcn und Parteien: die festeste Volksfront. Darüber ist es in Valencia zu einer Art Regierungskrise gekommen, die gelöst wurde«durch die Verpflichtung aller Gruppen, hinter dein Kabinett auf das Ziel einer sozialen Demokratie. Dahin muß Spanien, auf sich selbst gestellt, gehen. Ein Schlachtschiff für anderthalb Milliarden Ke. Der amerikanische Marineminister forderte bei den Privatwersten Kostenboranschläge für den Bau des ersten 38.000 Toimen-Tchlachtschiffes an. Tie voraussichtlichen Kosten betragen 00 Millionen Dollars (1.080 Millionen Xö!). DaS zweite Schlachtschiif des diesjährigen Bauprogrammes soll in den Marinewerften gebaut werde». Valencia-Refrain 1937 Sozialisierte Hotels— Kriegsmenus Am Sitz der Regierung Valencia, im März. Wie lange ist das her, daß der Name Valencia ein jubelnder Schlager-Refrain warl Die Mistinguette hatte ihn kreiert, und seine Entdek- tung siel zusammen mit der des Eskimo-EiseS, das damals zum ersten Mal im Moulin Rouge gelutscht wurde. Heute ist die Stadt, deren Name wieder in die Welt schwirrt, ein Ort, der aus einer lärmenden, fröhlichen Provinzstadt plötzlich eine Regietungshauptstadt geworden ist. ES ist schwer, sich hier zurechtzusinden. Weil jeder Zweite, den man nach einer Straße fragt, kein Balencianer, sondern' ein Madrider ist. Flüchtling oder Beamter oder Soldat auf Urlaub. Selbst die Polizisten wissen häufig nicht Bescheid, aber sie haben kleine Büchlein bei sich, in die man ihnen die wichtigsten Gebäude und Behörden hineingeschrieben hat: Wer als Fremder in Valencia ankommt, kann tagelang nach einem Zimmer.suchen. Alle Hotels, alle Privathäuser sind bis unter das Dach überfüllt. Die Straßen wimmeln von Menschen, die Straßenbahnen sind bepackt mit ihnen, daß Vorder und Hinter-Perron völlig überdeckt sind von Meiischenleibern. Die Kinos sind boll, die Theater sind voll, die CaftS bis auf den letzten Winkes besetzt. Valencia ist Front und Etappe zugleich. Punkt'zehn Uhr erlischt die Straßenbeleuchtung. Aber hinter den Häuserfronten- geht das Leben westcr.' Bewaffnete Patrouillen tauchen gespenstisch an den Ecken auf. Nirgends Betrunkene, kein« Schlägereien.. Keine Kriminalfalle.'Dann plötzlich,Scheinwerfer, Sirenen, Signälpstfse. Schüsse vom Meer. Donnernde Motore. Feindliche Flieger. RegierungSslieger. Irgendwo ein paar krachende Detonationen. Eine Feuerwehr rast durch die Gassen. Der Lärm verklingt. Die Bevölkerung' kümmert sich überhaupt nicht darum. Sie flucht, sieht zu, lugt aus dem Kaffeehaus, verpaßt ein paar Würfe im Glücksspielautomaten— aber die Schuhputzer üben weiter ihr« phantastischen Leder-Exerzitien, in den Bars klirren die Orchestrions und ein paar Laten« Inhaber prüfen nach, ob die Papierftreisen auf ihren Fensterscheiben auch nicht abgefallen sind. Merkwürdiger Anblick: keine spanische Stadt, in der nicht heute alles, was Glas ist, kreuz und quer mit zahllosen Papierornamenten beklebt ist. Da man jede Minute einer Bombardement? gewärtig sein mutz, hat man alles, was Gla»(und hier fast unersetzlich) ist, gesichert. Aber der Spanier hat sich dabei verspielt. Er hat nicht bloß-brav kreuz und quer Sing-Sing-Muster geklebt, sondern die phantastischsten Ornamente, Arabesken, ja ganze,Landschaftsbilder. Völlig Individuell. Jede Straße ist ein Museum von Silhouettenkunst. Eine Ueberraschung sind die sozialisierten Hotels.. Wenn' man im Victoria wohnt, wo Minister absteigen, auswärtige Diplomaten, und wo. man am. Nachmittag beim schwarzen Kaffee die'schlanken Gestalten der republikanischen glie«. ger, die Freizeit haben, ihre letzten Abenteuer auS- tauschen hören kann, so ist ein Unterschied zu etnenu-ersttlassigen City-Hotel-großer Weststädte überhaupt nicht zu merken. Aber viel erstaunlicher» wie daS klappt» in einem zweitrangigen, am Bahnhof gelegenen achtstöckigen Jtafien, der laut Anschlag genau so von der Angestelltcngewerk- schaft geführt wird wie jede? andere Etablissements Zwei Leiter sind vorhanden, einer im Büro, der andere bedient als Kellner mit. Morgens, mtt». tags, abends wird die Zeit genau eingehalten. Und daS will etwas heißen, denn hier essen ganze kinderreiche Familien, die aus Kastilien geflohen sind, zahllose Beamte, Urlauber, der kleinste Winkel ist auSgenutzt, und das Publikum ist gemischt wie auf einem Bahnhof, auf dem es nur einen Wartesaal gibt. Trotzdem: blütenweise Tischtücher, dauernder Gedeckwechsel, rascheste Bedienung und alles spottbillig. Das Menu ist von den Gewerkschaften vorgeschrieben, sogenanntes KriegSmenu, bestehend aus Vorspeise, Fisch, Fleisch, Früchten am Mittag. Abends statt der Vorspeise Suppe. Brot ist knapp. Man bekommt zu jeder Mahlzeit nur einen Wecken. Sonst kann man nachfordern so viel man will. Noch abends um neun Uhr sließendeS heißes Wasser auf den Zimmern. Und daS Trinkgeld ist gründlich abgeschafft. Nur Kinder unter zehn Jahren, die irgendwo etwas besorgen sollen, lassen sich noch eine Peset« zahlen. Sonst wird bescheiden, aber besttmmt jedes Trinkgeld abgelehnt(ganz abgesehen davon, daß der Betreffende bestraft werden würde, wenn ein mißgünstiger Kollege ihn anzeigen würde). Diese Hotel- und Kellner-Organisationen funktionieren übrigens überall ausgezeichnet. In den kleinen Orten der Levante ebenfogstie in den Restaurants von Barcelona, die zum Teil noch einen ziemlich abgestusten Charakter in puncto Preise und Speisen haben. Eine ungeheure Gut- mütigkeit, Bereitwilligkeit und innere Zufriedenhütt kennzeichnet diese Form der sozialen Umwälzung. Wenn man an frühere Zeiten zurückdenkt, die Saumseligkeit und, Laschheit in allen Jnstitu« tionen der Reise und des Verkehrs, denen man in Spanien begegnete, so erstaunt die Präzision und die, Qualität, die man hier mitten in einem chaotischen Alltag erleben kann, den Reisenden doppelt. Denn chaotisch ist schließlich der Tag. Nie-1 mand Weitz, was das Morgen bringt, Weitz, ob« nicht in kürzester Zeit schon hier Standgerichte wahllos deziniieren werden, was heute sich schon im sicheren Besitz auf Generationen hinaus glaubt. Im übrigen merkt man Valencia an, daß cö Regierungssitz ist. Zahllose Paläste sind In Mini- sterlen umgewandelt, und In diesen Ministerien wird gearbeitet bis tief nach Mitternacht. Noch um elf, zlvölf Uhr abends kann nmn jeden beliebigen Minister fast immer auf Anhieb sprechen, ilcberall sind die Vorzimmer voll und doch: überall wickelt sich der Verkehr reibungslos ab. Die revolutionären Gestalten der Posten und Wachen, die jedes öffentliche Gebäude und auch Hotels vielfach sichern, die zahllosen Sandsack-Barrikaden, die an allen Ecken und Enden für etwaige Kämpfe schon im voraus errichtet sind, die riesigen Kolonnen der Roten Kreuz-Autos, die von den republikanischen Truppen gestiftet und hergestellt wurden und mit ihren stöhnenden Frachten die Plätze passieren, die unaufhörlichen Rufe der ZeitungSvcr- käufer, die von den bürgerlichen bis zu den-anarchistischen Blättern eine ungeheure reichhaltige Literatur vertreiben, die schlammbespritzten ehemaligen Luxus-Limousinen, die mit Kugeleinschlägen bedeckt von der Front zurückkehren, die flinken, sauberen Wagen der Regierung, die mit Kurierposten und Botschaften hin und her flitzen, und dazu die ibres Stratzcnlcbcns und-erlebens nimmermüde Masse eines kindlich-heiteren Volkes, das sich seiner neu gewonnenen Freiheit und Macht, ehrlich und bisweilen noch etwas ungeschickt freut —- das alles fließt zusammen zu einer neuen Symphonie Valencia 1937. Wie diese Symphonie enden wird, weiß niemand. Aber wer sie nur einen Tag lang gehört hat, der ist erstaunt über den ungeheuren Frohsinn, den inneren Mui»nd die große Zukunftshoffnung, die. in ihr enthalten sind. Seite ß „Sozialdemokrat*. Freitag, 10. März 1087. Nr.«7 Kroger jcföung Eine teuere Bunnuelrelse durch da» nächtliche Prag wird wohl einem der ausländischen Messebesucher zeitlebens in unangenehmer Erinnerung bleiben. Der besagte Herr wollte die Attrattione» des Prager Nachtlebens leone» lernen und besuchte eine ganze Reihe mehr oder weniger fideler Nachtlokale, bis er sich in den Vormittagsstunden des folgenden Tages, mit schwerem Katzenjammer erwachend, in einem jener Letale fand, wo die Nachtschwärmer mit einer Gulaschsuppe ihre Bumuielreisen abzuschlietzen pflegen- Au dem phtzsischen Katzenjammer gesellte sich der moralische, als er feststellen mutzte, daß ihm im Verlaufe der.froh verlebten" Nacht seine goldene Tabatiere und"Uhr, ein Ning und eine wertvolle Krawattennadel solvie der Anhalt seiner Brieftasche leiwa 7000 KC und— armer Dr. Schachti— ein kleinerer Betrag in Reichsmark) gestohlen worden waren. Der Bestohlene hat wenig Aussicht, sein gestohlenes Besitztilm— das er übrigens in Anbetracht seiner Wohlsituiertheit wird verschmerzen können— zucückzubekommen, denn als man rhn nach den Lokalen fragte, die er besucht hat, konnte er sich auf keinerlei Einzelheiten entsinnen. Die verlassene Greiss». Eine tragische Episode verzeichnet der Polizeibericht. In der Bubentscher Stratze oberhalb des Baumgartens lebt eine 76jäh- rige Witwe völlig vereinsamt. Als den Nachbarn anffiel, datz die alte Frau seit zwei Tagen ihre Wohnung nicht mehr verlassen hatte, riefen sie die Polizei herbei, welche die Oefsnung der Wohnung veranlatzte. Rian fand die bedauernswerte Greisin in hohem Fieber auf dem Boden liegen, linier der halb lös- gerisseneu Wanduhr stand ein umgestürzter Schemel. Es scheint, datz die alte Frau die Uhr ausziehen wollte und dabei von dem Schemel stürzte. Zwei volle Tage lag sie hilflos auf dem Boden, bis endlich die Wohnung geöffnet wurde. Nebst den durch den Fall erlittenen Verletzungen wurde bei ihr eine schwere Lungenenizündung festgestellt, die sie sich wohl durch das zweitägige Liegen auf dem kalten Boden der ungeheizten Wohnung zugezogen hat. Der .'instand der Bedauernswerten ist sehr ernst. Bon einer fallenden Kiste tödlich verletzt. Der Sviährige Arbeiter Josef Holeinger aus Zi.skov sah gestern vormittags in der Werkstatt seines Arbeitgehers in Karolinenthal eine hölzerne Kisten herunterfallen und sprang hinzu, um sie aufznfangen. Hiebe' wurde er von der Kante der Kiste in den Rücken getroffen und sank ohnmächtig zu Boden. Die, Net» tungSgesellschast brachte ihn auf die Klinik Jiräsek, Ivo ein Bruch mehrerer Rückenwirbel feststestellt lvurde. Die Verletzungen sind tödlich. Mit 72 Jahren lebensmüde. In ihrer Wohnung in Smichow erhängte sich gestern vorniiitagS die 72jährige Witwe Beatrix K l a b o ch. Da der Selbstinord einwandfrei feststand, wurde die Leiche zur Bestattung freigegeben. Anlaß, der Tat ist Lebensmüdigkeit. Tas Telegraphenbauamt Nr- H in Prag teilt mit: Wegen llmschallung zweier Kabel in Prag XIX werden vom 20. bis 22. März inklusive die Telephonteilnehmer in folgenden Gassen stromlos sein: Bräfova, Wintrova, Bendlova, Jiräskova, Urälskö näm-, Verdunska, Velfliwva, Bukkova, Zengrova, der obere Teil der Alexandrova und die Kolonie„Na Bäbi". AuSflugSzüge zu Ostern: Vom 20. bis 20. März ins Riesengebirge 480 KC, vom 20. bis 80. März nach Tatranskä Lomniea 080 KC, vom 28- bis 80. März in die Große und Kleine Fatra 420 KC, vom 23. bis 20. März Erzgebirge 880 KC, vom 27. bis 20 März Riesengebirge 140 KC, 27. bis 20. März Erzgebirge 165 KC. Anmeldungen im Basar nehen Wilsonbahnhof. Telephon 883-85. Spätes Geständnis der Gattin rehablliert nach sieben Sahren den verurteilten Gatten z Ein verwickelter Rechtsfall Prag.—rb— Dieser vor dem Strafsenat Kaplan verhandelte Prozetz gegen die 48jährige Maria R-, Gattin eines ehemaligen Offiziers der TtaatSbahnen, hat eine lange, an sonderbaren Verwicklungen reiche Vorgeschichte. Beginnen wir, vom Anfang. 1080 wurde Offizial R., der in der Station S o o s bei Eger die Güteklasse verwaltete, in Disziplinaruntersuchung gezogen, weil ein Abgang von 1866 KC festgesiellt wurde. Vergebens beteuerte der Kassier seine Unschuld. Er wurde im Disziplinar- lvege für schuldig erkannt, vom Gericht wegen Unterschlagung zu mehrmonatlicher Kerkerstrafe verurteilt und mit Schimpf und Schande ohne Pen- sionS- oder AbsertiguugSanspruch aus dem Eisen- bah»dienst entlassen. Doch gelang eS ihm, eine bescheidene Existenz zu gründen und die peinliche Asfäre.schien endgültig erledigt. BiS— sechs Jahre nach der Aburteilung des Kassiers— dieser ein Gesuch um Wiederau f- nahme deS Verfahrens zum Zweck seiner Rehabilitierung etnbrachie. Dieses Gesuch stützte sich auf ein späteSGeständnis seiner Frau, in welchem diese sich dazu bekannte, ihrem G a 11 e n a u s s e i n e m R o ck in e h r f a ch so war Ofsizlal R. zweifellos zu Unrecht verurteilt worden. Seine Gattin hätte sich aber nur der „U e b e r t r e t u n g des Diebstahls zwischen Ehegatten" schuldig gemacht, die nur durch Privatklage des bestohlenen Gatten ver- solgt werden kann. In vorliegendem Fall wäre eine solche Klage aber längst verjährt. Die Sicherheitsbebörden waren nicht geneigt, der Selbstbezichtigung der Frau Glauben zu schenken. Sie erblickten in dem Vorgehen eher ein s ch l a u e l Komplott derbeiden-Gatten, nach welchem die Frau ohne besonderes Risiko die Schuld habe auf sich nehmen sollen, um auf diese Weise die Rehabilitierung des Gatten zu erreichen,- die zur Folge haben mutzte, Hatz Offizial R- entweder wieder tn Dienst gestellt, oder unter Zuerkennung der ordentlichen Ruhegenüsse(nebst siebenjähriger Nachzahlung) pensioniert wird. Dieser Verdacht gründete sich aus die Annahme, es sei ganz unglaubwiirdig, datz eine Ehefrau der existenziellen und moralischen Vernichtung ihre» Gatten zugesehen hätte, wenn sie schon vor sechs Jahren ohne grotze Gefahr für sich selbst ihren Gatten von dem Verdacht- reinigen konntet Auch sei ganz unverständlich, daß der Kassier hei mehrfachem Verlust nicht unbeträchtlicher Beträge den Sachverhalt, nicht beizeiten hätte aufdechzn können. Mit einem Wort— die Angaben der Frau Marie R. schienen den Behörden so unglaubwürdig, datz die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen falscher Zeugenaussage erhob. Ein Haupt-, argnment der Anklage bildete aber* dro Relation der zuständige,, Grudarmerlostation, nach welcher Offtzüil R. in dar kritischen Zeit gar nicht verhoiratot war, sondvrn„mit ein« nicht näher bekannten Frauensperson" in gemeinsamem Haushalt lebte. Dieses Neue Rätsel fand indessen eine verblüffende Lösung,' als der Verteidiger der Marie S. einige ihrer Photographie» nach Soos schickte und alle Bekannten des verurteilten Kassiers in der„nicht näher bekannten Frauensperson" seine spätere Gattin, eben die Angeklagte Marie R„ mit aller Bestimmtheit identifizierten. Offizial R. war damals eben noch nicht legitim getraut, sondern lebte mit seiner späteren Frau ohne behördliche, bzw. kirchliche Sanktion zusammen. Daran» dürfte sich auch deren seinerzeitiges verhängnisvolle» Stillschweigen erklären. Sie wollte offenbar durch eine solche Enthüllung nicht ihre Ehoaiisjichten vereiteln mrd belannte sich zu der Wahrheit erst, als ste di« inzwischen geschlossene Eh» sÜr hinlänglich gefestigt erachtete. Der Gerichtshof sprach angesichts dieser Sach- lage die Angeklagte von dem Verbrechen der falschen Zeugenaussage frei. Das Rehabilitierungsverfahren de» Offizials R. wird seinen Verlauf nehmen. Eine juristische Komplikation ergibt sich noch au» der Tatsache, datz dmnal» die Marie R. nicht seine gesetzliche Gattin, sondern seine Lebensgefährtin war. ES handelt sich also bei den eiiiaestandenen Entwendungen nicht um die, nur durch Privatklage verfolgbare„llebertreiung de» Diebstahl» zwischen Ehegatten", sondern um einen gewöhnlichen von der Staatsanwaltschaft öffentlich zu verfolgenden Diebstahl. Da e» sich aber um einen Schadensbetrag unter 2600 KC handelt, ist auch dieser Diebstahl nur als Uebertretung zu.qualifizieren und— da der Schaden gutgemacht ist— heute gleichfalls verjährt. Ein Josef, der unbedingt seinen Namenstag„feiern“ will Prag.—rb— Heftig schluchzte der 80jährige Aniomontenr Josef B Y k, als ihm der Vorsitzende GR. Dr. I a n C i k verkündete, er sei wegen des Verbrechens der gefährlichen Drohung zu vier Monaten Kerker unbedingt verurteilt. Er hat seiner Lebensgefährtin Antonie K. wieder einmal gröblichst zugesebt, sie mitzhandelt und ihr mit Erschlagen gedroht. Nicht zum ersten Male übrigens, denn schon seinerzeit hat sie von ihm einen Messerstich abbekommen, der den Angeklagten für"einige Zelt ins Kriminal brachte und auch sonst hat er schon eine ansehnliche Reihe von Vorstrafen wegen Gewalttätigkeitsdelikten hinter sich. Aber die gestrige Strafe traf ihn aufs tiefste:„N n r drei Tage Strafaufschub, hoher Herr Gerichtsvor» ^ätzende r, nur drei Tage, bitte untertänig st." Dabei kollerten ihm'große Tränen über die Wangen. Nach der Begründung sei- Zarah Leander in„Premiere". neS Ansuchen» um Strafaufschub befragt, jammerte der Verurteilte:„Heute, am"18., bin ich gerade 80 Jahre alt, geworden und weil ich ein Josef bin, habe ich morgen Namenstag." Heute Geburtstag, tnorgen Namenstag... Tun Sie mir das nicht an, hohe» Gericht. Lasse n S t e i.i t ch meine zwei Feiertage feiernl" Das hohe Gericht blieb aber au» guten Gründen unnachsichtig. Welche Art der Geburt»« und NamenStagS„seier" der Angeklagte im Sinne hat, ist unschwer zu erraten. Da aber gerade der Alkohol« genutz erfahrungsgemäß die gewalttätigen Instinkte dieses Menschen in gefährlicher Weise wachruft, Ivar die Befürchtung nicht unbegründet, daß der ersehnte Strafaufschub eine neue Anklage zur Folge haben könnte. Dar Ansuchen wurde also abgelehnt und da» Geburtstagskind unter bitterem Wehklagen abgeführt. Kunst und Mssrn Ludwig Hardt erschien am Mittwoch wieder in der„Urania", wo er kein seltener Gast niehr ist und auf eine treue Gemeinde zählen kann, und er brachte diesmal seine VortragSfolge„Theater, Theater I"— die beste, die er sich bisher auSgeivählt hat. Denn hier, wo neben Schillers Sätzen über das Theater als moralische Anstalt die feierlich bekennende Grabrede Grillparzers auf Beethoven, wo neben dem entzückenden Briefwechsel de» Matthias Glaudius Wer Lessing»„Minna von Barnhelm" die Shakespeare-Aphorismen Peter Altenberg», neben Kkeistschen Theater-Anekdoten Franz Kafkas „Galerie" und der„Akademiebericht" des Asfen- menschen stehen, wo auf Rilkes andächtige Verse und Sähe über die Düse von Morgensterns parodistisches Un-Drama„Egon und Emilie" folgt und am Ende Ludtvig Hardt sc" karikierenden, aber auch charakterisierenden Schauspieler-Porträts vorführt,— hier kann der Vortragsmeister Hardt sein ganze» Wesen entfalten: da» Mimische und Musikalische seiner virtuosen Sprechart, da» Pathetische und da» Parodierende, dar Nachdenkliche und das Spielerische, das stille Genießen literarischer Feinheiten und das eigensinnige, ja willkürliche Komödiantentum. Dieser'„Dheater"«Abend macht dar VortragSpodium zur Bühne,— und zwar zu einer literarischen und lebendigen.,—ei»— Sonntag Gastspiel Tissa Durieux in"„Maria Stuart"(BI), liebrige Hauptrollen:-Wünsche (Maria Stuart), Siedler(Leieester), Volker(Talbot), Volk(Burleigh), Klippel(Mortimer). Regie: MarlC. Für B-2-Abonnenten Gutscheine der Kleinen Bühne mit öOprozentiger Ermäßigung gültig. Spielplan de» Reuen Deutschen Theater». Freitag 8: Treff-AS. D.— SamStag 7%: Rossini in Neapel, A 2.— Sonntag" 2N: Arbeitorvorftellnng: Die Fledermaus,, 8: La Traviata, Gastspiel Eidö Norena, D 1. Spielplan ter Kleinen Bühne. Freitag 8: Alarm im Radio, Theatergemeinde de» Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Treff-As. — Sonntag 8: Das Nest, Gastspiel SfiHa Durieux. 8: Jean, Gastspiel Kramer-Glöckner. 8pHrt-8piek-Korp-erpskge Vie SASJ Im Jahre 1936 Das Jahre 1086 stand für die SASJ sowohl hinsichtlich der volkswirtschaftlichen als auch der politischen Verhältnisse unter einem recht ungünstigen Ster». Beinahe die ganze Welt, hauptsächlich aber die Staaten Europas, tappen in ständiger Unsicherheit. Auf allen Seiten begegnen wir Rüstungen, deren Folgen unübersehbar sind im» Hinblick auf die Möglichkeit des Ausbruches eines neuen Weltkrieges. Diese Unsicherheit, die durch die Unentschlossenheit des großen Britenreiches noch verschärft wird, konnte auf die Ärbeiiersportbewegung nicht ohne nachteiligen Einfluß bleiben. In vielen 1 Staaten wurde diese stark unterdrückt, so datz kaum Hoffnung auf ihre baldige Wiederaufnahme bestehtl Diese Umstände haben auch der SASJ einen harten Schlag versetzt. Ihre Bemühungen waren im abgelaufenen Jahre darauf gerichtet, das zu schützen und zu erhalten, was im Jahre 1920 in Litern (Schtveiz) bei der Neuerrichtung der Organisation al» Ziel gesetzt wurde. Für die beiden ausgeschiedenen Hauptstützen, Deutschland und Oesterreich, sind die kleinen freiheitlich und demokratisch gesinnten Staaten in Nord-, West- und Mitteleuropa in die Bresche gesprungen. Das Präsidium der Internationale hat im verflossenen Jahre einige Sitzungen abgehalten. Da» hauptsächlichste Interesse konzentrierte sich auf den Kongreß in Antwerpen. Der Verlauf der Verhandlungen, die etnsfimmige Wahl des Präsidium» und ander« Funktionäre, das Streben aller Teilnehmer, die Bestrebungen der Avbeitersportbewegung trotz der kritischen Zeit soweit als möglich zu verwirklichen, verdient uneingeschränkte Anerkennung. Aber der Antwerpener Kongreß war nickt die einzige Tat. Ei wurde gegen den Faschirmu» gekämpft und gegen die verfälschten Olympischen Spiele in Äeblin; es wurde versucht, freundschaftlichen Verkehr mit den Sportlern der USER und den Verbänden in Schweden und Norwegen anzuknüpfen. Die SÄSJ hat sich auch um eine Zusammenarbeit mit der RSJ bemüht, aber vergeblich. Die freundschaftlichen Beziehungen mit den nahestehenden Internationalen wurden besonder» gepflegt. Die gute und ständige Arbeit und"Zusammenarbeit aller SASJ-Au»schüsse hat geholfen, alle Aufgaben zu erfüllen und da» gesteckte Ziel zu er- reichen. Die SASJ war im Begriff, in Spanien festen Fuß zu fassen, sowohl durch die Entsendung einer Mannschaft al» auch durch Delegation de» Senator» Genossen Heinrich Müller zu den im August de» vergangenen Jahres in Madrid vorgesehenen Sportspielen. Die Bemühungen wurden durch den Ausbruch des Bürgerkrieges vereitelt. Die Betrügevon jeei n i genhnndert KC entwendet zu haben, ohne zu wissen, daß es sich um Dienstgelder handle. Der Kassier nahm regelmäßig den Tageseingang mit nach Hause, vielleicht weil er das Geld" in dem Kaffenrämn nicht genügend sicher verwahrt glaubte. Vor der Gendarmerie und dem Untersuchungsrichter bestätigte Marie 8i. ihr Geständnis, durch-welches eine ganz neue Rechtslage geschaffen wurde. Wenn eS sich wirklich so verhielte Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich KC-18,—, vierteljährlich KC 48.—, halbjährig KC 96.— Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß."— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nür bei Einsendung der Retourmarken.— Die - graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.8ll0/VlI/108ü bewilligt,— Druckerei: ,L>rbiS". Druck., Verlags, und Zeitung Jikina Sejbalovä im Film„Semaphor". Mitglieder„der SASJ-Verbände unterstützen die spanischen Freiheitskämpfer nicht nur moralisch, sondern auch finanziell. Mit dem Besuche Rumänien» und den Bemühungen, der Bewegung dort mit Hilfe der politischen und fachlichen Organisationen auSzickreiten, mit dem Beitritt der Union der Bereinigten Staaten von Amerika,als Mitglied der Internationale und der Abhaltung einer ordentlichen Präsidialsitzung in den Weihnachtsseiertagen fand die Tätigkeit der Internationale ihren Abschluß für da» Jahr 1086. Mit dem. Iva» erreicht lvurde, kann die SASJ durchaus zufrieden fein- In diesem 8ohr steht"sie nun vor einer großen, verantwortungsvollen Aufgabe: der 8. Internationalen Ärbeitet« Olympiade in Antwerpen. Wird sie so viel moralische Kraft aufbringen, um die Antwerpener Olympiade hinsichtlich ihre» Gelingens und jbres Erfolges so auszubauen, daß sie an die Olympiaden in Deutschland und in Oesterreich heranreicht? Alle glauben fest daran i Alle glmcken an die Fähigkeit und an die schöpferische Kraft der Sozialistischen Arbeiier-Sport-Jnternationalel R.""S. VMtisnaMchkti Rote Falken, Achtung. Besprechung wegen Osterlager(Naturfreundehütie im Brdywald) am Smnsiag um halb 4 Uhr im Parteiheim. Alle Falken, welche mitfahren, sollen bestimmt kommen! Mittellungen ans dem Publikum Ein Schnupfen dauert 9 Tage, sagt man. Welch eine unangenehme Zeitl Sie sind mißmutig und verdrossen. Ihre Tagesarbeit leidet unter Ihrer körperlichen Indisposition. Sehen Sie sich solchen Unannehmlichkeiten nicht aus. Für Ihre Gesundheit ist Abhärtung geboten durch regelmäßige Körper- Massage' mit dem Alpa-Franzbranntwein. 8 Urania-Kino, Klimenlrtä 4. Fernsprecher 61828. Es oesdiah in einer Naüil -