Sozialdemokrat Erscheint mit Ausnahme des Montag»glich früh ^^E«NMdD«MMm^PragM„ Fochova 62— Telephon 83077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Sonntag, 21. März 1S37 Clnjetpcct» 70 («lnschließl.!> Keller Porto) Aus dem Inhalt: Verfrühte Gratulation Mussolinis Zwei deutsche Senatspräsidenten ernannt Neustädter-Stürmer abgesägt Beilage: Wirtschaft der Welt Nr. 69 Völlige Niederlage der Italiener Fast ein ganzes Regiment samt der Fahne sefangengenommen/ Ungeordneter RUckzug m b Der Verteidigungsausschuß in Madrid teilt mitr An der Abteilungen ihren Vormarsch -«iir!n»^°^°se der italieMschen Truppen in diesem Abschnitt ist eine L ö C’ Ein großer Teil der Angehörigen deS italienischen Regi- ?/^es„S ch Warze Fede r" wurde gefangengenommen. Unter den Tro- ^??«rungstruppen in die Hände fielen, befindet sich auch d i e Sahne dieser italienischen Einheit. Artillerie und die Flieger bombardieren in intensiver Weise die feindliche Konzentrierung an der Zarama-Front. DaS spanische Pressebüro Fabra teilt mit: «.r^^bungen des Ministeriums sür Flugwesen zufolge beobachtete die ^lahung der Erkundungsflugzeuge der Regierung, wie sich an der Straße a^t r lwnitt von Tuadalajara eine große Anzahl von Wagen Mer «51 w»äs aufständische Hinterland bewegte. ES ist die« ein Beweis dafür, daß die italiensichen Divisionen an dieser Front ständig zurückgehen. Unsere Infanterie stieß während ihre« Vormarsches auf den Feind. 3m Abschnitt J®*®^hen republikanische Flieger die Bombardierung der feind lichen Positionen fort und unterstützten die Aktionen, welche die Infanterie unternahm. Wie Brlghuega zurückerobert wurde DaS Etliche Kmnnumiqut von Freitag abmdS meldete: An der Front bei Guadalajara hat unsere glstWende,,am D-nnerStag begonnene Operation mit der Besetzung der Stadt Sri,» h u e g a geendet. Während deS ganzen TageS haben wir die Offensive fortgesetzt. Beim Bormarsch haben dir Regierungstrnppen eine große Zahl, toter Aufständischer gefunden, die bei dem schnellen Rückzug zurückgelaffen worden waren. Bei den toten italienischen höheren Offizieren haben wir wichtige Dokumente über die Stärke und die Stellung der italienischen Attei» lungen gefunden. Wir erbeuteten auch eine große Menge Kriegsmaterial und haben eine große Zahl von Feinden, durchwegs Italiener, gefangen genommen. Der Negierungs-Generalstav prüft nunmehr die zahlreichen Dokumente des italienischen Ge- neralstabcs, di« den Regierungstruppen bei ihrer erfolgreichen Offensive an der Guadalajara- Front in die Hände gefasten sind. Ein höherer Offizier der RegienmgSfliegr- rei, Augenzeuge der Schlacht bei Guadalajara, erzählt, daß in diesem Abschnitt zum erstenmal den Regierungsabteilungen n u r I t a l i e n e r gegenüberstanden, die keine deutsche oder spanische Abteilung begleitete. Die Italiener hätten beweisen wollen, waö die„Beteranen von Abessinien" imstande seien. Sie habe» jedoch nichts bewiesen, fügte der Offizier hinzu, ihr Widerstand wurde leicht gebrochen. Rach Madrid wurde eine Abteilnng Italiener transportiert, di« sich an der Front bei Brihuega in der Rächt auf Freitag ergeben hatten. Sie erklärten, daß sie als Freiwillige nach Abessinien ringeschifft und statt deffen nach Spanien gebracht wurden. Es handelt sich der Mehrzahl nach um Landwirte. Sie erzählten weiter, daß es schwer ist, sich während deS TageS zu ergeben, da die Offiziere sie erschießen würden, doch In der Rächt sei dieS leichter. Der Oberbefehlshaber dar Madrider ver- teidigung General M i a j a einpfing am Freitag di« Pressevertreter, denen«r«. a. erklärter Dir Aufständischen haben die Brücke bei Masogoso gesprengt, die st«»ei ihrer letzte,: Offensive neuer- »aut hatten. Die RegirrmrgStruppen stich bereit» Ole„Arbeiter-Zeitung“ erscheint In Paris Wien.(Tsch. P. B.) Di«„Arveiter-Zri- tuns", welch« von d« österreichischen sozialdemo- kratischen Emigration frühes in B r ü n» her- auSgrgeben wurde, erscheint nunmehr in P a r t s. Al» Herausgeber" und verantwortlicher^ Redakteur deS Blatte», besten erste Pariser AuSgabe am SamStag in Wir» eingrhändlgt«urde. zeichnet R. Bautin.(, biS 3tim Kilometer 88 der Straß« nach Aragon vorgerückt. Wir vesestigen Nufere eroberten Stellung«:. • Die Beute:---— DaS KriegSkommiffariat von Madrid hat nach dem Falle vonBrlghuega folgendes Kriegsmaterial erobert: 100.06V Liter Benzin, 100 Maschinengewehre, 17 Kanonen, darunter 4 Luftabwehrkanoven und 63 Lastkraftwagen, nicht eingerechnet die Toattoren und TankS. ES wmden 200 Gefangene gemacht. * • Berichten kompetenten Stelle« zufolge wurden bett Aufständischen an» den faschistischen Ländern rund 211.000 Personen zur Verstärkung gesandt» darunter 78.000 Afrikaner der verschiedensten Rasten, 30.000 Deutsche, 82.000 Italiener,. 12.000 Irländer, Polen n.'a. Auch Görings neueste Flugzeugtypen sind nichts wert Technische Fachleute der Regierung prüfen ein Flugzeug des Typs Junkers, daS dieser Tag« an der Guadalajara-Front abgeschosten wurde. ES handelt sich um daS letzt« Modell der drutschen KriegSflugtechnik, über daS die deutschen Militärbehörden ängstlich alle Einzelheiten behüteten. Die neuen deutschen Flugzeuge benützten alS Betriebsstoff Schweröl, hatten ater an der spanischen Front«inen unglücklichen Anfang. Während eines einzigen TageS wurden drei Flugzeuge dieses Typs abgeschosten und. zwei weitere havarierten. Bei einem SamStag nachmittags an der Guadalajara-Front stattgefundenen Luftkampf wurden fünf Jagdflugzeuge der Aufständischen«nb ein Flugzeug der Republikaner abgeschosten. Quelpo de Llano wird kleinlaut Salamanca. Das Hauptquartier deS Generals Franco rrtlärt, daß weder an der Nord- noch an der Südfront irgendetwas Von Bedeutung zu verzeichnen ist. General Queipo de Llano rrllärtr im Stund» funk von Sevilla, daß dir Abteilungen der Aufständischen„w e g e n d« r s ch l e ch t e n Witte r u n g" überall die Kampfhandlungen eingestellt haben.„Diese Pause", fügte der General hinzu,»Ude für daS Regierungslager den Borwand,«mSiegeSNachrichten zu verbreiten". AlgeeiraS.(Reuter.) Ein höherer aufständischer Offizier,.der Freitag nachmittags in. Algeciras von der Front von Guadalajara eingetroffen ist, bestätigt?, daß die italienischen Regimen- ter.an dieser. Front tatsächlich sehr schwere. B.e rsu st.e.erkitten^und daß einig« ihrer Divisionen.zu einem.ung e o r d n eie nRü ck.g u,g gezwungen waren.' Vor zwanzig Jahren Sturz des Zarismus Oer Zwei Jahre stand Rußland im Krieg und die Erwartungen aller, die mit einer neuen Revolution gegen den Zarismus gerechnet hatten, schienen getrogen zu haben. Mehr als zehn Millionen Muschiks trugen den Rock des Zaren, Millionen waren gefallen, gefangen, zu Krüppeln geschossen. Aus den Massen des Bolles lastete drückender als je das tückische Polizeisystcn: des Absolutismus, die Ochrana. ES mangelte an Kohlen, an Holz, an Brot, die Löhne der Arbeiter blieben weit hinter der Fieberkurve des Preisindex zurück. Dennoch schien sich lein aktiver Widerstand zu rühren. In der Schweiz sah Lenin und verfocht mit kalter Leidenschaft seine defaitistische Doktrin: der Sieg der Arbeiterilaffe führt nur über die Niederlage des herrschenden Regimes. Also müsse daS Proletariat alles tun, diese Niederlage zu fördern. Aber cS hatte nicht den Anschein, als ob die russischen Arbeiter Lenins Botschaft hörten. Sie arbeiieien in den Munitionsfabriken, sie fochten an den Fronten, es gab keine Ausstände, keine groben Streiks; die Flämme, die kurz vor Kriegsausbruch in Petersburg mifgclodert tvar, schien erstickt zu sein von Nationalismus und Patriotismus. Obwohl die Stolypinschen Reformen in den Anfängen stecken geblieben waren, hatte die konservativ-konterrevolutionäre Idee, mit der Witte und Stolypin, die einzigen großen Staatsmänner, die das System in der Aera Niko- lajs II. noch hervorgebracht hat, sich doch bewährt. Stolypin hatte eine bäuerliche»nb kleinbürgerliche Mittelklasse schassen wollen, um die revolutionäre Maste zu spalten, um aber auch gegen den westlichen Liberalismus der oberen Zehntausend ein gesundes Gegengeivicht herzustellcn. Das war immerhin soweit gelungen, das; es bei Kriegsausbruch in Ruhland eine pairiotischc und panslawistische Massenstimmung gab. Nur das üidustrielle Proletariat der großen Städte verhielt sich passiv, nur die Sozialdemokraten bekämpften in der Duma die Kriegspolitik und den Absolutismus, während„Kadetten"(Liberale) und andere linksbürgerliche Fraktionen im„progressiven Block" sich in nationalistischen und nnperiallsti- schen Kapriolen überschlugen. Die militärische Niederlage Dennoch geht es mit dem Selbstherrschcrtum zu Ende. Sm Jahre 1918 sind die russischen Heere in Dutzenden von Schlachten geschlagen worden. Sm Jahre 1916 stehen neue Millionen MuschikS als Kanonenfutter bereit. Französische Artillerie, französische Offiziere und englisches Geld pulvern den militärischen Apparat noch einmal auf. Bei Lück durchbricht der Masiensturm der Brussilow- schen Bataillone die österreichische Front, noch einmal nähern sich die Rusten den Toren Lembergs/ Unter dem Eindruck der russischen Siege tritt nach vielem Feilschen und Schwanken Rumänien in den Krieg gegen die Mittelmächte ein. Eben haben die Italiener Görz genommen, die Rumänen stehen in Kronstadt und Hermannstadt, schieben sich mit zwei Armeen tief nach Siebenbürgen vor, die Entente-Armee bei Saloniki greift an pnd nimmt den Bulgaren Monastir, der Ansturm FalkenhaynS auf Berdun ist mit ungeheuren Opfern gescheitert, Falkenhayn muß gehen und seinen Platz dem Duumvirat Hindenburg- Ludendorff räumen. DaS Schicksal der Mittelmächte. scheint besiegelt. ' Zwischen September nnd Oktober aber werfen die deutschen, und. österreichisch-ungarischen Armeen in einem glänzenden Feldzug Rumänien nieder; Der Siegeslauf Brussilows, bricht ab, die russische SUdflanke seihst ist bedryht. Der Nachschub für die rumänische und- die.ihr zu Hilfe eilende" russische Armee stößt in dem wegearmen Bessarabien auf unendliche Schwierigkeiten. Bei den Rusten tritt Munitionsmangel, Mangel an schfverer Artillerie. ein. : Ole Eisenbahn versagt ' Die Erkenntnis von der hoffnungslosen technischen" Unterlegenheit der russischen Armee verbreitet sich rasend schnell in den herrschenden Klassen..„.Wsr können die Deutschen nicht.besiegen"! das isi'.der immer wiederholte Stoßseufzer in den Sakin», den Stäben, den Diröktionskanzleien der RüstungSbettiebe, den-Ministerien. DaS russische Eisenbahnwesen ist nach'der Gewaltänstrengung i der Brussilow-Offensive und deS rumänischen Feldzuges In völliger Auflösung. Ein ungewöhn- l>ch harter Winter wird es vollends ruinieren. Am Borabend der Revolution sind 1200 Lokomotivci: durch Platzen der Rohre bctricbsnnfnhig, 87.000 Waggons außer Betrieb gesetzt, bei minus' 43 Grad die Holz-, Kohlen- und Lebensmittelversorgung der Städte lahmgelegt, die Zufuhren der Front dauernd gefährdet. Ter moderne Krieg mit seinen ungeheuren technischen Anforderungen hat Rußlands Macht gebrochen. Zwischen den militärischen Niederlagen und dem Zusammenbruch der Kriegsindustrie und des Verkehrswesens besteht eme dauernde Wechselwirkung. Beide haben der Revolution den Boden geebnet. Oer Seist der Palastrevolution Wie im Grunde jede Revolution so bricht auch die russische zuerst in den herrschenden Schichten-selbst aus. Die Nervosität, die BerlraucnSkrise, der Kampf der Cliquen untereinander, das Bersagen des Glaubens der Herrschenden an sich selbst, kennzeichnen diese Phase. Die Großfürsten beginnen mit der liberalen Opposition zu kokettieren. Sie bezichtigen die Kaiserin, eine bigotte Hnstc- rikerin, blind liebende Gattin und Mutter, eine Frau von kleinem Bcrstnnd aber ohne Bosheit, des „Verrates". Zu Unrecht: die Zarin ist nicht deutschfreundlich, aber sie fördert die Politik Boris Stürmers und Protopopows, weil Rasputin, der„Heilige", der Siaretz, diese Politik empfiehli. Stürmer und Protopopow suchen einen Weg, Rußland^a.us dem Kriege hcrauszufüdren, sie knüpfen Faden zu Deutschland än, sic wollen den Zarismus durch einen VerständigungSfrieden retten. Wie ein Jahr später in Deutschland, so heißt cS aber 1916 in Rußland:„Der Frieden ohne Sieg ist die Revolution"(Wie der Bcrkehrs- minister erklärt). Dor Staretz, Rasputin, der eigentliche Regent Rußlands in den letzten Jahren Nikolaus II., ist nicht schlechthin ein Schwindler. Dieser Mann tvar ein Elementarereignis. Bärenstark und unverwüstlich in seinen Ausschweifiingen, Säufer, Lüstling, Fresser ohne Maß, glaubt er selbst an seine Berufung und gewinnt in einer dekadenten Gesellschaft ungeheuren Einfluß auf die schwächlichen, abergläubischen, blasierten und äffischen Menschen des Hofes. Er hat aber den Instinkt deS Muschik, er repräsentiert im Absolutismus ein Stück primitiver„Verfassung", indem er dem Zaren die Stimmung der dumpfen analphabetische» Aauernnmsse suggeriert. So ist er für den Frieden und protegiert Staatsmänner, die den Frieden suchen. Stürmer wird, wie in Deutschland Betb- mann-Hollweg, von zlvei Seiten attackiert. Die Linke der Kammer greift ihn vor allem seines Innenministers Protopopolv wegen an,- auch wegen der Mißstände im Staate, wegen des polizeilichen Drucks, die Kricgspartci ist gegen ihn, weil sie ihn sür einen Verräter hält, der mit den Deutschen zusammcnspiclt. Zum Stürze. Stürmers verschwören sich die Rebellen In der herrschenden Kaste, aber darüber hinaus zielen sie ans die Zarin, auf Rasputin, auf Nikolaus II. selbst, spielen sie mit dem Gedanken der„Revolution von oben", der Palastrevolution, nnd immer wieder wird in jenem Herbst 1016 der Geist Panis I. beschworen, jenes Zaren, der mit Wissen dos eigenen Sohnes durch eine Palaswerfchlvörung gestürzt und erdrosselt worden war. Oie„Verbündeten" An solchen'Plänen nehmen die verbiindeici: Botschafter eifrig Anteil. S i r B ü ch a n a n, der britische, und Maurice P a l ö o l o g u e, der französische Botschafter schüren gegen Stürmer. Palöologue, eine jener widerlichen Figuren von Salonhelden, dje fern vom Schuß den Heldentod predigen und sich in schmalzigen'Reden über die Notwendigkeit des DürchhälienS ergehen, mösite gern daS Zauberkunststück zustandebringen, den Zarismus zu erhalten, aber den Zaren zu stürzen. Der Ambassadeur der„dritten Republik" überfließt noch im März von bewegten'Klagen über den Zusammenbruch des Zarismus, der die Seele'und das Rückgrat Rußlands gewesen fei; Buchanan und der Marchese Carlotti unterstützen den französischen. Kollegen. Nur.sind der Brite lynd dqr Italiener klüger als der Schwätzer Pa- (Zelle S 'Sonntag, 81. März 1937 Xe. 69 Neutttidter-Stüriner abgesagt Der Protektor der Neri verschwindet au« den Kabinett lcolofliie. Sic steuern auf die Republik los, sic jeden bereit» in den Liberalen/ vor allein in Mitjukow, ihren Mann.'. In den russischen Salons flüstert nian: Die Engländer werden kämpfen bis zum letzten Blutstropfen— des letzten russischen Soldaten. Als im Oktober, ein erstes Fanal kommender Ereignisse, in den R e n a u l t- W e r k e n ein S t r e i l nusbricht, rufen die Arbeiter»Nieder mit den Franzosen". Schon bei diesem Streik verbrüdern sich die Soldaten mit den Arbeitern und schieben anf die Polizei. Hie Kosaken aber säbeln die Jn- innterie nieder und am V. November werden 150 Meuterer standrechtlich erschossen. Die Herrschenden spielen mit der Palastrevolution, aber sie sehen hinter ihr das Gespenst der wirklichen Revolution auftauche». Am 29. September 1910 sagt der frühere Ministerpräsident Kokowtzow zu Paikologue:„Wir gehen der Revolution entgegen". Ungefähr zur selben Zeit ist der aus Bularest über Rußland nach Wien zu- rülkkehrende Gesandte Graf Czernin höchlich erstaunt, als Franz Joseph ihn fragt, ob er in Rußland?liizcichen einer Revolutimi bemerkt habe. Er, der Kaiser, ertvarte derlei in Kürze. Der Instinkt de» 80jährigen behält Recht. Die Revolution liegt in der Luft. Man wittert sie, obtvohl man sie noch nicht sieht. Protopopotv, der verhaßte, schmutzige, geriebene Innenminister, erwägt einen Gegenzug, der mehr Erfolg verspricht als die Palastrevolution: er möchte wieder tote 1005 die Tscheruja sotny, die Schivarzen Hundertschaften, progromlsttsche Banden aus Landproletariern und städtischen Deklassierten,, organisieren, um sie gegen die liberale Bourgeoisie und die Juden zu führen, so ein Pentil schaffend(die Schtvarzen Banden sind Ivie man sieht Vorläufer der Faschismus und Nazismus). Aber dazu kommt es nicht mehr. Die Ereignisse überstürzen sich. Die Ermordung Rasputins Am 23. November läßt der Zar Stürmer fällen. Die Proklamation des Königreich» Polen durch die Mittelmächte hat dem Versöhnler Stürmer den Rest gegeben. Ain 2. Dezember wird der neue Mann, T r e p o w, in der Duma niederge« schrien. Auch die ehrenwerte Versammlung liberaler Geschäftemacher und nationalistischer Hurra- vatrioten, in der die 15 revolutionären Sozialisten eine Insel waren, beginnt die Revolution zu tvitiern. Nikolaus ll., passiv, phantasielos, mehr an sein Unglück als an seinen Stern glaubend, aber mit einer tückischen Trägheit an dem Alten sesthaltend, macht»Zugeständnisse" an die nationale Opposition: am 21. Dezember entschliesst er sich,, die deutschen Namen im Hoftitel- verzeichnis> Marschall, Jägermeister usw.) zu slawisieren. So versucht, er de» Leviathan der Revolution init Regenwürmern zu ködern! Am 30. Dezember wird Rasputin von dem Fürsten Jussupow, einein parfümierten und blasierten Nichtstuer,.nachts in das Palais Jussupow gelockt, wo der Großfürst Dimitrij und der Abgeordnete Purischkewitsch als Mitverschtvorne war- ten. Man gibt dem Staretz vergistete Kuchen, vergifteten Wein, aber der viehische Organismus deS Wüstlings widersteht der Blausäure. Eie schießen Rasputin nieder, er steht nach Minuten auf und versucht z>t fliehen. Erst unter dem Eis der Newa haucht der sibirische Bauer sein Leben aus. Die Ermordung Rasputins ist der Durchbruch. Alexander Block, der berühmte Dichter der Zlvölf sagt:»Die Kugel, die mit ihm Schluß niachte, traf die herrschende Dynastie mitten inS Herz". Die Kaiserin und der Zar sind ihres letz« len Halles beraubt. Der Zar wagt die Mörder nicht zu fasseik.er bestraft sie mit Hausarrest». Die Großfürsten und die Liberalen jubeln und tragen ihre Freude offen zu Schau. Die moralische Fäulnis der herrschenden Gesellschaft wird am hellen Tage zur Schau gestellt. In den Bauernmafsen steigt die Gärung, weil es immerhin ein Musnstk war, den die Großfürsten straflos abschlachten durften. Jedermann hat» das Gefühl, daß die Kugel im Rollen ist, daß man dabei nicht stehen bleiben kann, daß die RevolMion weitergehen muß. Var Frauentag Die revolutionären Parteien halten die Situation nicht für reif. Sie fürchten Streiks und Demonstrationen, oder vielmehr da» Blutvergießen, das diese Aktionen heraufbeschwören, die Niederlage, die sie provozieren würden. 170.000 Mann Garnison hat Petersburg. Die Regierung hat einen genauen Plan zur Niederwerfung von Revolten entworfen. Zuerst wird die Polizei vorgehen, dann die Kosaken mit der. Nagajka, erst als dritte Staffel Infanterie mit der Schußwaffe. Straßenkreuzungen, Brücken(in dem wasserdurch- zogenen Petersburg von besonderer Bedeutung), öffentliche Gebäude sind streng bewacht und stark besetzt. Seit Anfang März kommt es freilich Immer häufiger zu spontmien Kundgebungen, Plünderungen von Bäckerläden, Zusammenstößen. Vor der Strelkparole aber raten sowohl die Parteileitungen, al» auch die Vertrauensmänner in den Betrieben ab. Am 8. März(28. Februar russischer Zeitrechnung) soll der Frauentag gefeiert werden. Entgegen der Parole treten in einigen Betrieben die Textilarbeiterinnen in den Streik. Diese impulsiv handelnden Textilarbeiterinnen sind die eigentlichenGeburtShelferinnen der Revolution, s i e haben den Thron de» Zaren gestürzt. Mit schweren Sorgen schließen die Arbeiter sich dem spontanen Streik der Textilerinnen an. Nun geht e» um» Ganze. Beim Streik bleibt e» nicht. Die Woge grauer Menschen, in denen e» lichterloh brennt, ergießt sich aus den Fabriken anf die Straßen, über die Stadt. Bald steht'sie allerorten im Kampf mit der Polizei. Dar zwinkernde Kosak Die Polizei wird der Masse nicht Herr. Auch die„Pharaonen", die gefürchteten und gehaßten Beriktenen kommen gegen die Menge nicht auf. Kosaken werden eingesetzt. Die Demonstrationen währen nun schon den dritten Tag. Die Entscheidung naht. Werden die Kosaken gegen das Boll vorgehen? Und.nun vollzieht sich das Neue, Unerhörte. Daß Linientruppen zum Volke übergehen, da» war seit dem Ottoberstreik bet Renault und der Meuterei des Wolhynifchen Garderegiments nicht mehr neu. Aber damals hatten die Kosaken die Jstfmr- terie niedergesäbelt. Nunaberverhaltenstch'die Kosaken zunächst passiv. Sie dulden, daß die Arbeiter unter den Bäuchen der Pferde durchtauchen: Und Trotzki berichtet von jener psychologisch und für den Gang der Weltgeschichte in diesen Tagen so ungeheuer aufschlußreichen Beobachtung de» Arbeiter» Kajurow: Einige von Ihnen---'(den Kofalen)— lächelten und einerzwinkerte d en Arb e itern gut zu". Wien. Amtlich Wirtz gemeldet: Auf Antrag des Bundeskanzlers hat der BundeSpräst. dent gemäß Artikel 82 der Bundesverfassung den Bundesminister Otto Reustädter-Stür- m e r seine» Amte» enthoben'und ihm bet diesem Anlaß für die hingebungsvolle und unermüdliche Tätigkeit, die er im Dienste de» Bundesstaate» Oesterreich entfaltete, D a n k» n d An eilen- nUng(!) ausgesprochen.. Die Besorgung der Geschäfte des Sicherbe it S w e s e n S, die dem BnndeSminister Neustädter-Stürmer oblag, übernimmt der Bundeskanzler selbst, auf dessen Antrag der Polizetpräfldent-in Wien, Dr. Michael S k u tz l, von, Bundespräsidenten zum StsatSsekretär für Sicherheitswesen bestellt wurde. Die Angelobung ist SamStag erfolgt. o> lieber daS Ausscheiden deS Ministers Neu- städtsr-Stürmer«in» der Regierung wird lr» wie die militärischen Kolonnen sich allerorten mit. der Menge vermischte», wie Militär rote Fahnen aufzog, die Mu"„'.llaise anstimmten, wie die Po- lizei'-viere g-'>u..nt, die Palais und Häuser besonders verhaßter Personen und Aemter In Brand gesteckt wurden. Die Revolution hatte gesiegt. Die Kämpfe batten 286 Toten und an 1000 Verwundete gefordert. Nur in Petersburg war gekämpft Worden. Die Provinzstädte iMd auch Moskau folgten der Führung der Metropole, die Behörden fügten sich, die Truppen fraternisierten mit den Arbeitern. Zwlathenoplal Am 15. März fanden sich zwei Dumadele- gierte im Hofzug de» Zaren in Pskow ein. Sie Ivollten Nikolaus zur Abdankung bewegen. Aber die Abdanküngsurkitnde lag schön bereit. Die Generale hatten— wie sie e» 1018 in Deutschland nicht anders taten— ihrem obersten Kriegsherrn die Abdankung nahegelegt. Die Zeiten tvaren vorbei, wo die Paladine für den Lehensherrn starben. Nun waren sie eifrig besorgt, ihre Epauletten und ihr Leben auf Kosten des Selbstherrschers zu retten. Nikolaus, ohne die Zarin, ohne Rasputin rat- und entschlußlos, hatte sich gleich gefügt. Er verzichtete für sich und,, zum Schmexz der- liberalen Tumahelden, auch' für feil' neu"unmündigen Söhn,"'den unheilbar' kranken Zarewitsch Alexej, auf den Thron. Nikolaj übertrug die Anwartschaft auf seinen Bruder, den Großfürsten Michael. Mer dazu War es jetzt guspät. kennt, tzaß dieser ehemalige Heimwehrführer seit kurzem in der Regierung derPretekterder Nationalsozialisten nutz der übrigen nut tonalen Kreise geworden ist und mehrmals mit den übrigen Mitgliedern »es Kabinett» sowie mit dem Regierungschef in Konflikt geraten war. Soeddels»It reine Meute los Berlin. Der Pressekrieg zwischen Deutschland und Oesterreich ist in vollem Gange. Beispielsweise wirft die„Deutsche Allgemeine Zeitung" den Wiener Blättern„bewußte Sabotage" gegen das Werk der Versöhnung und Normalisierung zwischen Wien und Berlin vor. Der Artikel der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" trägt die Ueberschrift„Gegen'den Geist des 11. Juli" und schließt mit den Worten: „Eines soll nicht unerwähnt bleiben. Es hat sich erwiesen, daß gegen unerwünschte Demonstrationen sonstiger Art die Macht der österreichischen Regierung voll eingesetzt wird. Es ist lehrreich, daß im Gegensatz dazu gegenüber der jüdischen Hetzpreffe die Technik der StaatSautorität in Oesterreich so schwierig.ist," nicht als Zaren berufen würde. Feierlich gelobte Kerenski, die Souveränität der Nattostakversamist- luug schützen zu wollen. Die Großfürsten, dies Generale, der Adel beeilten sich, sich der neuen Macht zu unterwerfen. Schon am 14, März hatten sse in demütiger Form der Revolution gehuldigt, dem Zaren das Wort, gebrochen. Die Kanaille aller Sorten suchte jetzt ihre Angst vor dem Volk in Gesinnung umzmvechseln und mit solchem Falschgeld ihre historische Schuld an da» Weltgericht abzuzahlen. Die Kadetten mit Miljukow an der Spitze sahen ihr Hauptziel darin, die Revolution abzubremsen und den Krieg mit größerem Elan wsi- terzuführen. Darin wurden sie durch die Botschafter, der Westmächte bestärkt. Palsologue war furchtbar verletzt, daß die russischen Arbeiter nicht so patriotisch waren wie er. Schon'am 13. März notierte er, daß sich in die Rufe Hoch Frankreich „in unangenehmster Weise Rufe: Es lebe die International«! Es lebe der Frieden!" mischten. Au» Frankreich werden Thoma» und. Cachin herbeigeholt, um Kerenski zur Fortführung de» Kriege» zu gewinnen. Es ist Kerenskis und des liberalen Rußland Tragödie gewesen, daß sie diesen Weg beschritten. Er führt in die Niederlagen, in Balizien und bei Riga',, er führiin das!. Ehaps, und zum Abfall der Bauern und Soldaten, zum Stege der zweiten Revolution. Ain 17. März notiert Palsologue in sein Tagebuch:„Tscheidse Tferetelli, Sinoiview, Axel- rod, das sind die wahren Hauptdarsteller der beginnenden Tragödie". Aber die Tragödie de» alten zaristischen Rußland ivar zu Ende. Es begann eine neue Epoche, es beginnt ein neue» Rußland. Und die Manner, denen die Hauptrolle Vorbehalten war, fuhren tm plombierten Wagen durch Deuschland, während Herr Paliologue seine larmoyanten und schiefen Glossen zur russische» Geschichte niederschrieb. Sie nannten sich Lenin und Trohli. Sie werden nach dem Zwischenspiel im März den neuen Akt spielen. E. F. Es blieb auch nicht beim Zwinkern. Immer öfter griffen Kosaleu gegen die Polizei ein, wenn diese sich Gewalttaten zu schulden kommen ließen. Die Arbeiter begrüßten die Kosaken schon, riefen sie zu Hilfe. Mit Entsetzen sahen''die fremden Diplomaten, sahen die großmäuligen'Frondeure und Palastrevoluzzer der Oberen Zehntausend, An Petersburg regierte der Form nach«in Komitee der Duma. Aber die Macht lag bei dem Sowjet der Arbeiter, und bei den Soldaten. Der Exponent der revolutionären Masse war Kerenski. Er trat als Justizminister in das Kabinett Lwotv-Miljukow ein, aber er war der wahre Führer. Kerenski verhinderte die Uebertra- gung der Macht an den Großfürsten. Er bestimmte ihn dazu, auf die Krone zu verzichten, solange *bic Konstituierende Nationalversammlung Michael ra Per freund Jetzt war wenigstens ein Schimmer von Klarheit in mir. Im Laufschritt erreichte ich unser Hans. Zitterte am ganzen Leibe, vor Kälte, vor Aufregung. Schellte. Die Tür öffnete mein Vater selbst. 16. Scho» im Gang, Ivährend ich den Mantel von mir Ivarf und bebend die tvotzlige Warme der Wohnung mit jedem Fleckchen der durchgekühlten Haut ausnahm, während ich besonders hastig die im Laufen hochgetvorfene linisormblnse zurechtzupfte und die Gürtelschnalle mechanisch' IN die Mitte schob, erzählte ich, mich überstürzend, in abgebrochenen Stoßsätzen das Wesentliche: von dem Zerfall und der Begegnung' mit dem Direktor, lind wie wenn es selbstverständlich tväre, ging ich dem Vater voran'm sein Arbeits- zinuner. Meine Erregung griff auf ihn Uber. Als ich in einen der SesfÜ vor seinem Schreibtisch sank und ihn ansah, tvar er sichr ernst.. „Nicht wahr?" fragte ich— und es war toi« eine Bitte um Bestätigung und um Schutz. „Telephonieren kann ich doch jetzt,nicht mehr!" Vater schüttelte verneinend den Kopf.„Erzähl mir, bitte, in Ruhe alle» noch einmal." Ich tat er. Allerdings nicht in Rühe: Aber doch ausführlicher als vorhin. »Ich werde also morgen dem Mann ln» Gesicht lügen müssen— 7— Hm!" „Sag doch die Wahrheit!" brauste ich auf. »Sag ihm doch alles—" „Das werde ich vielleicht gar nicht mehr brauchen", entgegnete er ruhig, „Wieso?" „Nun, du hattest ja selbst Angst, zu Rappaport hinzulaufen, weil du dachtest, der Direktor könnte ihm in der Nähe seines Hause» auflauern: Stell dir vor— er hat ihn tatsächlich ertvischtl" „lind—?" Mir stockt der Atem. „Nun, dabei konnte bereit» alle» geschehen sein, was du mit Recht vermeiden möchtest. Ich meine, der Direktor konnte ihm schon bef dieser Gelegenheit gesagt haben, daß du ihn verraten hättest— um ihn eben zu einer offenen Aussage zu zwingen■" Daran hatte ich nicht gedacht— ich sprang nicht auf, ich zuckte nicht einmal zusammen. E» war kein Schreck, der mich gepackt hatte— etwa» viel Schlimmeres war es. Ach denke mir, daß Perbrecher nach langen Gerichtsverhandlungen, schlaflosen Nächten, verzweifelten Versuchen, ihr Leben zu retten, ähnlich empfinden, wen:: dann.'da sid schoß völlig zermürbt'sind, dennoch da» Todes- Urteil gefällt wird:„Gut. Schön. Jetzt aber endlich Rubel Ruhe l Gleichi Sofortl Alles andere! spater, später, später! Nicht mehr denken I-NichÜ mehr kämpfen l Ruhe!"'? Ich war auf einmal ganz klein geworden, ganz kraftlos,,ich sank immer tiefer in da» Pol-' ster des Sessels hinein» das anschwoll.fich auf-' bauschte von drei Seiten wie ein Wall gegen alles Welt——. Nur geradeaus, mtr gegenüber, gab es beunruhigend« /Wort«, beunruhigende Blicke —3(Jj schloß die Augen, nein, diefielpn mir! von selbst zu—Au»! Nur die Stimme des Vater» wgr noch da, und ein fühle» Licht.dasdurch. die gesenkten Lider elnhbang y—'-r*- ,• i Und dann empfand ich von neuem da» Wegen im Halse und zugleich ein 5».abziehen, ein Einsallen m mir, wie wenn,mein Körper knochenlos geworden wäre, und all« Zellen aus das Herz' znströmten—„Ohnmacht", schoß eS mir durch das Hjru. Und wie zur Antwort:„Ganz gleicht". — Aber ich wurde nicht ohnmächtig.„Leider", sagte ich mir nach einigen Augenblicken.— Dem Zusammenstürzen war ein Rauschen gefolgt, dann begann ich auf einmal meine Finger- und Zehenspitzen deutlich zu spüren: es prickelte in ihnen, wie wenn ein Strom. durch sie geleitet worden wäre. Und es war Wohl etwa» AehnlicheS: ein Strom von Kraft au» irgendwelchen letzten, unbekannten Speichern tn mir.— Da» Rauschen wuchs an, verebbte; dann taten sich meine Augen von selbst auf und stießen auf das Augengraü des Immer noch sprechenden Vater». Sofort nahmen auch die Ohren nicht Geräusche allein, sondern Worte und Sähe auf, ein Ansatz zu einer neuen, Spannung ging mir durch alle Glieder, das Herz stieß die einbrechenden Zellen zurück, die Lunge atmete langsam und sehr tief, die Hände ergriffen die Lehnen, die Beine strafften sich— ein Ruck, und ich stand auf. Wunderte mich für einen Bruchteil eines Augenblick» über diesen Zustromneuer Kräfte und vergaß mich gleichen den Worten de» Vaters: f■'■''• .'„Jedenfalls wirst 1>u tatsächlich ganz früh nusstehen müssen und versuchen, Rappaport abzufangen. Jeht.sjehst du selbst., daß übertriebene Wahrheitsliebe uüd Offenheit' zwecklos und oft frivol find: Ich werde dir, wie gesagt, diesmgl Noch,Hellen,' aber dänn hikte ich.mir pst», daß derlei Geschichten nicht.wieder vorkommen, ehe du wirklich Herr deiner selbst bist'und dein Divlom hast." Und' Vater'erhob'sich ebenfalls von seinem Platz.' •... 18...<••• Das Wort„Warten" ist Viel zu kurz. für das, wa» er ausdrückt..Die an sich lange Zeit. erschien, mir am nächsten Morgen'— mir, dem Geschwächten und Frierenden-^- noch bedeutend länger. Endlich kam Rappaport.. Zusammen mit Jascha. Ich"Winkte sse' in eine Seitengasse.hinein und erzählte alles. Schnell, aber innerlich ruhig.. Es wär. in mir etwas wie Abgeklärtheit« „Ich habe mir gleich gedacht, daß er mich erkannt hat", sagte Rappaport.„Und ich habe auch befürchtet, daß er in meiner Straße patrouillieren würde. Ich war ja davongelaufen und mußte einen Umweg machen. Da ich nicht wußte, wie lange er sich mit dir abgeben wird, bin ich gar nicht erst nach Hause gegangen." Er war sehr klug dieser Rappaport. Aber ich empfand keine Bewunderung mehr, ich beschränkte mich auf ein müde» Lächeln. „Du wirst also leugnen I" „Natürlich!" „Gut, die anderen hat er wahrscheinlich nicht erkannt. Sonst hätte er etwa» gesagt." „Vielleicht", wich Rappaport au». „Wenn'-er aber deinen Vater holt?" „Er ist verreist." „Deine Mutter—" Wird schwören, daß ich keinen Schritt gestern! abend» au» dem Hause getan habe." »Mein Gott, wie ist diese» ewige Lügen ekelhaft"'' «Du hast wohl schlecht geschlafen, wie?" Ach wandte mich ab. Wa» sollte ich ihm erwidern? '»Mein lieber Junge," sagte er,„dein Schädel ist überfüllt mit Romantik, Du hast»eine Ahnung" vom Leben——* „Und du?" . Er sah mich schgrf an, lachte verächtlich anf und erklärte:„Wir dürfen nicht alle zugleich kommen. Willst du vorangehen? Oder sollen wir——" „Bitte!" Sie gingen.-„Vermutlich hat er die Nstcht sehr gut geschlafen. Uüd ich, der ich hier frierend auf ihn gewartet habe, stehe jetzt weiter tn der Kälte, damit er. recht bald in die Wärme kommt und damit ihm ja nicht» geschieht." (Fortsetzung folgt.) Sir. 00 Sonntag, 21. März 1037 Seile 3 tudelendeutsdiev Zeitspielen ZZSSSSSSSSSSSSSSSZBSSSSSSSSSSBSSSSSSSSSSSSZZSSSSSSSS^SSSSZ Der Schutzherr des Islam— Die ewige Vor schuhgarnitur— Feuerkreuz als'Brandfackel — In Spanien wird es immer nordischer!— Dagegen krähst Du vergebens! Tschechisch-deutsche Kundgebung jak.ohs In Pilsen Unsere Blicke sind nach Prag gerichtet Pilsen.(Tsch. P.-B.) Am Freitag wurde im Hiesigen Arbeiterheim unter grober Beteiligung eine öffentliche Volksversammlung abgehalten, an der auch deutsche Aktivisten aus Pilsen und West« böhmen in großer Zahl teilnahmen. Abgeordneter Pik begrüßte in seiner Eröffnungs« rede den Umstand, daß die deutsche Sozialdemokratie im Genie ihres positiven Verhältnisses zur Republik sich in die'ersten Obeihen des nationalen Ein« vernehmens auf Grund tieS'demokratischen Zusammenlebens stellt. Abgeordneter Wenzel Jaksch entwickelte den Gedanken des Neu-AktiviSmuS mit Rücksicht mif die inrernationale Lage und vom Gesichtspunkte der innerpolitischen Interessent Die deutschen Aktivisten wollen dem Staate ihren guten Willen in den Dienst stellen, sie wollen vom Staate nicht nur entgegennehmen, sondern ihm alles geben, deffen er zu seiner ungestörten Entwicklung bedarf. Wir kämpfen gegen den Irrtum, daß aus Berit» oder aus Asch eine Hilfe komme. Wir wollen, daß die Blicke des deutschen Volkes nach Prag gerichtet sind, weil vom Zentrum des Staates neue Anregungen und Täten für ein besieres Zusammenleben der Völker ausgehen können. Die nationalen Vereinbarungen werden auch die Grundlage für eine bessere wirtschaftliche und soziale Zukunft sein.» ■ Senator Jng. A. Winter schloß die Versammlung mit der Feststellung, daß im Grenzgebiet ein Einvernehmen zwischen dem tschechischen Element und den deutschen Aktivisten notwendig sei. Die grobe Kundgebung erweckte tiefen Eindruck. Venn sind Zweizimmerwohnungen kündbar? Brünn. Vom Präsidium des Obersten Gerichtshofes wird bekanntgegeben: Im Hinblick auf das große Interesse der Oeffentlichkeit und auf die wiederholten Urgenzen, die Frage der Zulässigkeit der Kündigung von Zweizimmer-Wohnungen z» lösen, wird der Oeffentlichkeit die Entscheidung des Obersten Gerichtshöfes vom 16. > März 1987, Nr. Rv I 91/87, bekanntgegeben, iZweizimmer-Wohnungen, die ab 1. Juli 1987 dem Mieterschutz nicht mehr unterstehen/sind mit Wirksamkeit des Gesetzes 66/86 bereits vor deiNk.1. Ault 1937 gemäß den allgemeinen N wmen aus folgenden Grtiyden kündbar:. Die Gesetze, durch welche die die WohmiNgSfürsorge betreffende» Gesetze verlängert und ergänzt werden, verfolgen in den. letzten Jahren eine sukzessive Aufhebung deS Mieterschutzes. Wenn eS bereits bei der Aufhebung des Mieterschutzes bei Drei« zimmer.Wohnungen zugelassen wurde(8 8, Ahs..8, des Gesetzes Nr. 82/84), die geschützten Mieten an dem Tage zu kündigen, an welchem sie den'äschutz verlieren,, liegt um iso mehr nach allgemeinen Bestimmungen kein vernüitstiger Grund vor, bei Aufhebung des Mieterschutzes der Zwei« zimmer-Wohnungen anders vqrzugehen.' Die nächste Plenarsihüng des Abgeordnetenhauses findet Mittwoch, den 61. März, um 8 Uhr nachmittag» statt. Auf der-Tagesordnung steht der Bericht deS verfassuygSrechtljchen Ausschusses betreffend den Gesetzenstvurf Mer das Oberste, Berwaltüngsgericht. Im Zeichen des 18, Feber: Zwei deutsche Senats präsidenten ernannt Belm Obersten Gerichtshof in Brünn Prag. Amtlich wird gemeldett Der Präsident der Republik ernannte zu Lenatspräsidenten die Räte des Obersten Gerichtshofes Augustin Hoffer, Dr. August Kunze, Dr. Maximilian Pokorny, Josef M e l u z l n und Eugen Rauscher. Die SenatSprSstdenten Dr. Pokorny und Rauscher find d e u t» s ch e r Rationalität. Deutscher Nachwuchs In den Eisenbahndienst . Das Eiscnbahmninisterium hat die Staatsbahndirektionen zur Aufnahme von 250 Beamtenanwärtern für die Dienstklasse H eingestellt. Fünfundzwanzig Prozent der Dienststellen, von denen 50 auf Königgrätz, 25 auf Brünn, 85 auf Olmütz, 80 aus Bratislava und 30 auf Kaschau entfallen, sind HandelSakademikern Vorbehalten, der Rest Mittelschulabsolventen mit Reifeprüfung. Die Anwärter dürfen nicht jünger als 18 und nicht älter als 85 Jahre sein, wobei Söhne aktiver oder pensionierter Eisenbahner den Vorzug erhalten. Bei den Neuaufnahmen werden in entsprechendem Maße deutsche Bewerber berücksichtigt werden und di« deutschen Eisenbahnerver« bände haben eS übernommen, das Interesse deS deutschen Nachwuchses auf die Stellenausschreibungen hinzulenken.(DND). Die„Lldovd Novlny“ Uber Aunlg In einer Besprechung der großen Anssiger Jaksch-Versammlung bemerken di«„Lidove Novlny" unter anderem: „Es zeigt sich sehr schnell, daß die Henlein« bewegung nicht das letzte Wort in der politischen Geschichte unserer Deutschen ist. Es wurde als ein großes Ereignis verkündet, daß Henlein seinerzeit auf der Kundgebung in Böhm.-Leipa 20.000 Teilnehmer hätte. Jaksch beginnt, sich. mit seinen' 15.(100 Hörern in Aussig dieser'Zahlen nähern/ Für unS ist das gleichzeitig ein Beweis, daß bei einer guten Minderheitspolitik ein Verzweifeln an der politischen Entwicklung unserer Deutschen nicht nölig ist. Die Auswirkungen einer guten Politik sind das beste Zeugnis dafür." Deutscher Turnverein in Landskron aufgelöst Das Amtsblatt veröffentlicht folgende Kundmachung der Landesbehörde Prag: Mit dem rechtskräftigen Bescheid der Landesbehörde in Prag vom 80. Oktober 1986 wurde der Verein „Deutscher Turnverein in Landskron" mit dem Sitz in Landskron, aufgelöst. Marie Sponer 75jährig. Genossin Marie Sponer in Reichenberg, die auf fast sechzig Jahre Arbeiterbewegung zurückblicken kann, feiert dieser Tage ihren 75. Geburtstag. Sie hat die ersten Schritt« des Arbeiterbildungsvereins miterlebt, dann die Gründung der Partei, bald darauf selbst für diese Partei geworben, keine Arbeit und Mühe gescheut.. Unermüdlich, zog sie hinaus in die Ortschaften, hielt Versammlungen ab, kämpfte mit den Gegnern, erlebte den Wellenschlag der russischen Revolution des Jahres 1905, erlebte die Erfüllung des jahrzehntelangen Kampfes um das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht, und den Widerhall der Oktoberrevolution Rußlands 1917, ging zu den Kommunisten, um schließlich doch wieder in der Mutterpartei zu landen. So» lange Genossin Marie Sponer physisch bei vollen Kräften war, sah man sie bis in die letzte Zeit (vor ea. einem Jahr) überall, wohin die Partei ihre Mitgliedschaft rief. Jetzt ist sie durch das Alter, das sich naturgemäß doch fühlbar macht, gehindert, aktiv mitzuarbeiten. Das Auf und Ab der Arbeiterbewegung war auch das Leben dieser alten Kämpferin. Wir wünschen ihr, sich an dem Wiederaufstieg der Arbeiterbewegung, der sich schon durchzusetzen beginnt, noch lange erfreuen zu können. Bezirkskonferenz Neu-Titschein. Am Sonntag tagte in Neu-Titschein die Bezirkskonserenz der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. In den Berichten kam zum Ausdruck, daß die deutsch-tschechischen Vereinbarungen eine Iveit bessere Grundlage für unsere Arbeit in den national umstrittenen Gebieten geschaffen haben. Die Partei entwickelt sich auch im Neu-Titscheiner Bezirk in erfreulicherweise. Nach dem politischen Bericht des Abgeordneten Rudolf H e e g e r nahm die Konferenz einstimmig eine Entschließung an, in welcher der Partei das Vertrauen ausgesprochen wird und die deutsch-tschechischen Vereinbarungen als ein praktischer Schritt zur nationalen Befriedung bezeichnet werden. Die Entschließung wendet sich gegen das verantwor- tungslose Spiel der SdP, das darauf gerichtet ist, die Auswirkungen der Vereinbarungen zunichte zu machen. Zum Bezirksvcrtrauensmann würde wieder Narziß K a m l e r gewählt. Die Bornunft bahnt sich eine Gaffe... In der Aussiger Stadtvertretersitzung ereignete sich einBorgang, der typisch ist für daSSchtvinden und Henleinpsychose. In Aussig erschienen seit einigen Jahren Presseerzeugnisse, die nicht als Zierde des Journalismus angesehen werden können. ,/Scheinwerfer" und„Gemeindefackel" und später „Stadtsackel", das Sprachrohr des Stadtvertrc- ters Oskar Günter, der einstmals Spitzenkandidat der kommunistischen Liste war, und neuerdings die„Funzel" des Herrn Gottfried Glatz, haben eS sich zur Aufgabe gemacht, die"sozialdemokratische Stadtverwaltung, in erster Linie deren Spitzenfunktionär, Genossen P ö l z l, in der widerlichsten Weise anzupöbeln. Unwidersprochen konnten diese Pamphlete, deren Schreibweise am beste» unter der Henleinpsychose gedieh, ihre an- widerirde.Tätigkeit.ausüben. Jetzt, endlich rasften sich die-bürgerlichen Fraktionen zu einer Erklärung aus, die sie in der Sitzung der Stadtvertretung am Freitag vortrugen und um deren Vcr- öfsentlichung sie ersuchten. In der Erklärung, die der bürgerliche Stadtrat Lander vorlas, wird festgestcllt, daß die Zeitschriften„Die Gemeindefackel"— gemeint ist auch die Nachfolgerin„Die Stadtfackel"(Red.)— und die„Funzel" das Ansehen der städtischen Verwaltung durch ihre Schreibweise unausgesetzt herabwürdigen und daß die beiden Blätter es sich gewissermaßen zur Aufgabe gemacht haben, Bürgermeister Pölz! in jeder Nummer anzugreisen, ihn bei der Bevölkerung hergbzusetzen und ihn in seinen Arbeiten zu stören. Weiter heißt es, daß die Gemeindevertretung Mer alle Differenzen hinweg, die die Parteien in sachlichen Angelegenheiten trennen, einig ist in der Verurteilung der persönlichen, gehässigen und unsachlichen Angriffe, die gegen den Bürgermeister und andere Funktionäre der Stadt in den genannten Zeitschriften veröffentlicht werden. Die Erklärung wurde von der Städtvertre- iung einmütig zur Kenntnis genommen. Die Herren wiffen nnö bereits zu finden. Die Herren SdP-Abgeordneten Sandner und May ließen gestern unsere Zentralrcdaktion durch die Pressestelle der SdP telephonisch anrufen, um Brief an den Zeitsniogel Die Klagen über die Sudetendeutsche Volkshilfe werden unterstrichen durch einen Brief, den uns die stellenlose Erzieherin Mitzi Br., Prag, einsendet und dem wir Folgendes entnehmen: Im Dezember t>. J. reichte ich an die 8VH in Prag ein Gesuch um Gewährung eines Mietbeitrages ein. Ich erhielt zunächst e i ne Speisenmarke. Im Januar 1937 gab man mir nach neuerlicher Vorsprache statt eines Mietbeitrages zehn Speisemarken. Auch im Februar war mein Gesuch noch nicht erledigt und erst am 16. März erhielt ich vierzig Kronen als Mietbeitrag— also nach drei Monaten. Auf meine Anfrage, warum ich so wenig erhielt, teilte man mir mit, daß die monatliche Quote zwanzig Kronen betrage. Also für vier Monate(Dezember, Jänner, Feber und März) bekam ich vierzig Kronen in bar, elf Speisemarken im Werte von je zwei Kronen und, wie hinzuzufügen ist, ein von Motten zerfressenes, unbrauchbares Kleid und ein Paar Schuhe, die ich erst reparieren lassen mußte. Kohle, Holz und Lebensmittelanweisungen erhielt ich überhaupt nicht. Ich frage: Ist das Winterhilfef Ich hatte als Erzieherin zwei-, drei- und fünfjährige Posten, finde heute als Vierundvierzigjährige schwer eine Stellung und entschloß mich nur aus übergroßer Not, die Volkshilfe in Anspruch zu nehmen. Ich war vom Jahre 1918 bis 1920 Mitglied des Bundes der Deutschen, und zwar in der 2iikover Ortsgruppe; erst durch meine Beschäftigung als Erzieherin im Auslande erfolgte mein Austritt von selbst, da ich von dort keine Beiträge einsandte. mitzuteilen, daß angeblich weder Sandner noch May am Tage unserer Aussiger Kundgebung in Aussig anwesend gewesen wären. Aus der Partei der„Reinen" und„Sauberen". UnS wird gemeldet, daß das SdP-Mitglied des Znaimer Bezirksausschusses, Karl Steinbrecher, vor kurzem ein Sittlichkeitsattentat auf die Frau eines Zimmermcistcrs versuchte. Vorher hatte er sich bemüht, die Frau durch allerlei Versprechungen zu gewinnen. Bei dem Ueber- fall wurde er von dem Manne der Frau ertappt und verprügelt, worauf der SdP-Funktionär einige Tage später den Zimmermeistcr überfiel und ihn dabei blutig verletzte. Neuer Kurs In Palästina Bewaffnung der JUdlsohen Bevölkerung London. Durch eine neue Verordnung sind die Vollmachten des Oberkommissärs für Palästina, bei Unruhen bestimmte Maßnahmen für die öffentliche Sicherheit zu ergreifen, erneut bestätigt und erweitert worden. Mit Rücksicht auf den wachsenden Terror wurde die jüdische Bevölkerung auf Grund eines Regierungsbcschlusses bewaffnet. Die versiegelten Kisten mit Waffen, die in den jüdischen Gemeinden zur Verfügung stehen, loerdcn geöffnet. Die jüdischen Organisationen verhandeln mit der Regierung über die Mobilisierung einer größeren Anzahl jüdischer Wehrfähiger. pariser Ausstellungsbeginn verschoben Paris. Meldungen einiger Blätter zufolge wurde die Eröffnung der Pariser Internationalen Ausstellung, die ursprünglich anfangs Mai stattsinden sollte, auf den 22. Mai verschoben, um bis zu dieser Zeit die Hauptarbeiten zu beenden. «Splitterpartei" beherrscht den Platz— Die Totalitären haben fluchtartig das Welte gesucht l Seite& Sonntag, 31. März 1037 Nr. 69 Mussolinis„Nicht-Intervention“ Zuchthäusler unter den Fahnen Francos— Meutereien Italienischer Schlat^topfer (PK) Die letzten Nummern deS in Paris erscheinenden Wochenblattes der italienischen Emigration„Giustizia e Libertä" bringen wichtige, ans Italien stammende Nachrichten über Lruppensendungen an Franco. Das Blatt erfährt ans faschistischer Quelle, dasi im Feber und März, wegen gemeiner Verbrechen Verurteilte in die Hilfstruppen für Fran» eingereiht Ivurden. Im Jänner wurde den Zuchthäuslern in den Gefängnissen von Gaeta und Portolongone das Angebot gemacht, sich nach Spanien anwerben zu lassen. Biele haben ange- nommen. Die Zuchthäusler wurden gefesselt nach Spezia transportiert, wo die Einschiffung nach Spanien erfolgte. Die Zahl der in Spanien an der Seite Francos lämpsenden italienischen Zuchthäusler soll bis jetzt 1890 betragen. Der Aeneralstabschef der faschistischen Miliz, General Russo, versandte ein Rundschreiben an die„Generalkonsuln" der Miliz mit neuen In« srrultionen'für die Rekrutierung der Schwarzhemden nach Spanien. Auch der Generalsekretär der Partei, Ttarace, lieh neue Aeheim-Jnstruk- tionen den Provinzsekretären zukonnnen, in denen die Mahnahmen über weitere Rekrutierungen tnitgeteilt werden. Kriegsmaterial wird fortdauernd von den Häfen Genua, Spezia, Neapel und Salerno nach Spanien verschickt. Die„Freiwilligen" werden zum grüßten Teil aus den Reihen der Arbeitslosen ausgewählt. Sie unterschreiben eine Erklärung, in der in der Rubrik „Bestimmungsort" steht:„Wohin es der Duce befiehlt". In vielen Gegenden ziehen diejenigen Assentierten, die schon in Abessinien ivaren es vor, lieber nach Spaitien als nach Abessinien geschickt zu werden. Einigen Schwarzhemden ist cs aber gelungen, die französische Grenze zu erreichen! sie flüchteten vor dem glorreichen spanischen Unternehmen in die Emigration. Ein Teil der Offiziere wird aus dem regulären Militär genomnten. Die Regimenter erhalten Befehl, Offiziere, die geneigt sind, den Kampf in Spanien mitzumachen, sollten sich freiwillig meiden. Ein Regimentskommandant in Mailand, der den Befehl vor dem versammelten Offizierskorps verlas, machte dazu die Bemerkung, er balle zivar die Teilnahme an den Kämpfen in Spanien für gemeinen Söldnevdienst, Befehl sei aber Befehl. Der Gegensatz zwischen faschistischer Miliz und Armee, die schon nährend der Kämpfe in Abessinien stark an Schärfe zunabm, ist jetzt tvegen den Berschiffungen nach Spanien noch mehr zu spüren. Bei der Verschickung von regulären Truppenkörpern ereignen sich immer wieder Zwischenfälle, Soldaten eines Florenzer Jnfanierieregiments in der Kaserne Poggio Imperiale meuterten, als ihnen mitgeteilt wurde, dah sie sich kür die Einschiffung bereit halten sollten. Viele Verhaftungen sind vorgenommen worden. An M o d e n a waren am 7. März ebenfalls Meutereien im 6. Artillerieregiment und im 36. Anfanterieregiment. An der OffizierSakademie von Modena wurden einige hohe Offiziere. Instrukteure und Zöglinge verhaftet, weil sie ihren Unmut über die Truppensendungen nach Spanien offen zum Ausdruck gebracht haben. Die faschistische Partei versucht gegen diese Stimmung mit grohzügiger Propaganda anzukämpfen, die, ganz nach deutschem Muster, auf die antibolschetvlstlsche Note abgestimmt ist. Nach der Schätzung von„Giustizia c Ll- bertä" sollen bis jetzt 73.000 italienische Soldaten in Spanien sein. Die Marinebasts für die Operationen gegen die spanische NegierungSslotte ist in T a r a n t o. An den Torpedobooten und Unterseebooten, die an diesem Dienst teilnehmen, werden die Namen und soustigen Kennzeichen übermalt. Das Unterseeboot„8 g e o" ist!m Lause einer solchen Iln- teruehmung mit 86 Mann versenkt worden. Zu ffrUh gratuliert I Telegramm Mussolinis an die Interventionstruppen Madrid. Im Rebelleuhauptauartier Bri- hurga, daS nach der Einnahurc der Stadt verödet dalag, hat man folgende Dokumente gesimdtzn: „Freiwillige- Trupprn-Kommando Sr. Majestät, 1». März 1937, IS. Jahr, Nr. 2789. Betrifft: Telegramm deS Duce: „Ich hob» Me Ehre Ihnen hiemit ein Tele- grminn zur Krmttni- zu bringen, da- mir der Dürr geschickt hat: AgesnemgMtttr Neues Volksgut „Immer, wenn die Geschichte in großen, führenden Persönlichkeiten Schicksal und Sendung der Völker wandelt oder erfüllt", schreibt die DAZ,„bildete sich im Lichtkreis glänzender Ereignisse und gewaltigen Geschehens neues, Jahrhunderte und Jahrtausende überdauerndes Volksglit, das in Märchen und Sage, in Legende und Anekdote, in Liedern utrd epischen Gesängen seinen gehaltvollsten k ü n st l e r i- schen Niederschlag gefunden hat". So auch in Spanien. Und nun bringt sie Proben neuer Volkriied-Schöpfungen des fascht- stischen Spanien. Wir geben ein Pröbchen wieder: Zieh' mir die Bastschuhe an, seh' die Boina mir auf und reich' mir dar Gewehr! Damit ich Role töten kann mehr, als Blüten regnen im April und Mai. Bürgerkriege haben zu allen Zelten und auf ollen Selten blutrünstige Lieder hervorgebracht, aber faschistische Mordpoesie als Bolkslied- Schöpfungen und neues Volksgut zu verherrlichen— das blieb bisher der Hitlerpresse Vorbehalten. Jetzt ist auch die DÄZ, einst eine Fackel anständig-konservativer Geistigkeit, auf dieser Stufe der Berlumpung angelangt. Wann endlich werden sie singen:„Koinm schwarzer Bruder Morro und schlachte weiße Frauen.. „R. Vorwärts." Der Donk des Präsident-Befreiers Prag. Der Präsident-Befreier erhielt zum 87. Geburtstag tausende von Glückwunschkundgebungen. CS ist ihm nicht möglich, wie er es ivünschen würde, auf jede gesondert zu antworten und er hat daS Tsch. Pr.-B. daher ersucht, seinen Dank anstelle von Briefen an alle, die zum 7. März seiner gedacht haben, z» veröffentlichen. „Ich habe dankbar Ihre Erinnerung ent- gegengenommen. Ich banke für de« liebe» Glückwunsch und sende Ihnen aufrichtigen Gruß. Ltny, im März 1937. ' T. G. Masartzk." «Ich erhalte an Bort» der„P»la" ans der Fahrt»ach Labten die Evmmnntqts der ganzen Schlacht sm Frontabschnitt von Guaduaiajara. Ich verfolge jbdeS kleinste Ereignis der Schlacht in der GewihheU, da st dk» TNchttgketi unserer Legionäre' dm feindlichen Widerstand brechen wird. Die f e k,n d l i'ch e n K r ä f t e z u z e r nr a l n: e n würde einen Erfolg von grbhter militärischer und polstischbr Wichtigkeit bedeutm. Ich teile den Legionära» mit, Nah Ich Stunde für Stund« ihre Aktivität beobachte, die zmn Siege führe!» wird." Gezeichnet Mussolini. DivistonSkommandmlt General M a n z I n i 6. Grupvenkommando Pittan Bri«-' e g a, 16. März 1937, 1» Jahr. An alle angeschlosscnrn Kommandvstellen zur Weitergabe an die Truppe«. Gezeichnet: Auf Befehl deS Adjutanten Major Bernardi Luigi. Mt Stempel h» roter Tüike:„G r« p p e d e r B a n d e r a P i t t a u, 6. Kommando". Die Zahl der Opfer von Ttzler. Als Freitag nachmittags die Arbeitöabteilungen Infolge Ermüdung die Suche in den Ruinen der verschütte» tcn Schule einstellen muhten, waren bereits 425 Leichen von Kindern und Lehrkräften geborgen. ES besteht die Befürchtung, dah die Gesamtzahl der Opfer 629 Personen beträgt, Den ganzen Tag über kamen die Eltern der Kinder in tiefer Trauer in die zu einem Saal umgewandelte Leichenhalle, hoben die Tücher von dm Gesichtern der Opfer und suchtm ihre Kinder. Einige KIn- derleichen waren derart entstellt, dah es nicht möglich war, ihr Gesicht zu erkennen und die Identifizierung vorzunehmen.— Die Sachverständigen sind der Meinung, dah die Explosion in dem Schulgebäude durch eine Mischung von Gas und Damvf hervorgerufen wurde, welche den NaphthaleitungSröhren, die sich unter dem Schulgebäude befanden, enttvichen war. Diese Mischung von Gas und Dampf dürste aus irgendeiner unbekannten Ursache entstanden sein. Eine grausame Ironie des Schicksal» liegt darin, dah au» dm Trümmern auch eine Schultafel hervorgezogen wurde, aus welcher mit Kreide der folgende Satz ausgeschrieben Ivar:„Naphtha und Erdgas sind die grötzten Segnungen Texa» und«in natürliches Geschenk unserer Stadt, denn ohne sie bestünde auch nicht diese Schule, auch wäre niemand von un» hier, um hier zu lernen." 29 Bergleute durch Gab getötet. In den Gruben Simmerjack in Germiston bei Johannesburg sind durch Gasvergiftung 20 Bergleute zugrunde gegangen, 26 werden vermiht und 80 wurden ins Krankenhaus gebracht, davon einige in bedenkliche:« Zustand. Unter den Verwundeten sind 29 Europäer, deren Verletzungen jedoch größtenteils leicht find. Heimkehr in de» Tod. Nach Beendigung seines Militärdienstes kehrte Samstag nacht» der 20jährige Sohn des Landwirtes und Bürgermeisters Jaroslav Dvokäk au» Marschendorf von Usjohrod zurück. Er fuhr über die Station, in der er aussteigen sollte, hinaus und sprang in verschlafenem Zustande aus dem fahrenden Zug. Er stich an den Samaphor an, wurde unter den Zpg geworfen und überfahren. Er hinterläht eine Witwe und drei kleine Kinder. Gebrochenes Gasrohr fordert zahlreiche Opfer. Freitag nachts find in Nantes drei Personen au Gasvergiftung gestorben. Ueber'20 Personen sind an schwere» Vergistuttgserschelnuttgen erkrankt, von denen zwei im Ererben liegen. Der Unfall ist aus den Bruch einer LeuchtgaSkeitung zurückzufiihren, die sich in einer KanaltsattonS- anlage befand. Auf diese Weise konnte da» aus» strömende Gas sich im Kanalschacht verbreiten und in verschiedene Häuser, die oberhalb de» Schachte» liegen, eindringen. Zusammtnstoft im Tunnel. In einem Tunnel zwischen den Stationen Mebtce und Rozatica auf der Strecke Sarajevo—UZice stieß eine Draisine des Bahnerhaltungsdienstes mit einem Personenzug zusammen, der die entgegenkommende Draisine 70 Meter weit wegschleuderte. Der Chauffeur der Draisine wurde getötet, zwei weitere in der Draisine sitzende Personen, ein Eisenbahnbeamter und ein Gendarmerleleutnant, wurden schwer verletzt. Einer von beiden starb bei der lleberführung In» Krankenhaus, der ziveite Im Krankenhaus. D'Aununzio will in Schönheit sterben. lPK.) Vom alten Barden de» Faschismus ivar schon seit längerer Zett nicht» zu hören. Nun veröffentlichen aber die italienischen Blätter wieder eine» seiner bombastischen Brief«, diesmal an den großen Hanswurst, Senerglsekretär de« Partei, Achill« Starace. Ist dem Brief teilt der alte Phrasenmache« mit, daß er an seinen T»d denkt. Wenn er sein« letzt« Stund« nahen spür«, so werd« er sich in»in Bad von selbsterfundener chemischer Ms- igkeit begeben; dies» Flüssigkeit werd« ibn hi» zum letztenOuentchen fiiste» Körper» auflösen. Richt» werde von ihm bleiben, al» schillernde» Wasser— wtt von seiner Literatur... Vor innigen Jahren verkündete D'Annunzio noch«ine ganz andere Methode zuist schönen Sterben. Br Wollte sich In einem Flugzepg über den Vesuv er- gt und in den brodelnden Kater de» Vulkan» gen. Sein neuer SsnsaL. zmn Sterten O nheit ist entschieden berphiaender. Denn der v würde sicher zu speien anfangen., Di» stliezeei» Am» Eaeheet startet» Sambtag von Honolulu zur Fortsetzung ihre» Fluge» um di« Welt. Ihr nächster Ziel sollt» di« Insel Howland Rumänischer Besuch In Präs Prag. Vom 22. bis 28. März ivird der rumänische Ministerpräsident Tntareseu Gast der Tschechoslowakei sein. Er Ivird vom IlnterstaatSselvetär des Riistungsministeriums, Generäl V l a tz, dem Direktor im Finattzministe- rinm, Nikolai R a S m« r i tz a, und dem Ehef seine» Kabinett», S i b i t e a n u, begleitet sein. Die Ankunft der rumänischen Gäste in Prag ist für Montag 7 Uhr 81 am Wilsonbahnhof festgesetzt. Für 10 Uhr ist ein Besuch bei Dr. Hodza im Ministerratspräsidiüm vorgesehen. Um 11 Uhr findet eiste Audienz beim Präsidenten der Republik statt. Dienstag loerden die rumänischen Gäste der Böhmisch-Mährischen Kolben» Dattök-Fabcik einen Besuch abstatten, am Mittwoch iverdcn sie die Skoda-Werke in Pilsen besichtigen.. Am Donnerstag reisen die rumänischen Gäste nach Brünn, wo di« Besichtigung der Waffenwerke erfolgt. in der Mille de» Atlantischen Ozeans, 2386 Kilometer von den Hawai-Jnseln entfernt, fein. Dar Flugzeug neigte sich aber kurz nach dem Start auf die Seite, überschlug sich dann, fing Feuer und stürzt« zu Boden. Die Fliegerin sperrte offenbar sofort die Benzlnznfuhr ab, da die Flammen rasch verschwanden. Di« Fliegerig und ihre beiden Begleiter sind unverletzt geblieben, doch sind di« beiden Propeller de» Flugzeuge» gebrochen und da» Fahrgestell. beschädigt. Preissenkung an der Adria. In llirkvenica wurde bei einer Beratung der Hotelier» und Gastwirt« de» dalmatinische» Küstenlandes betreffs de» Einflusses der Devalvierung gewisser Valuten auf den Touristenverkehr beschlossen, die Vorjahrspreise um 18 bi» 20 Prozent herabzusehen. Felgen einer Büberei. Auf der Strecke Pried- vidza—Bojnickä’ Küpele—Hornia Stnbna lSlowakei) entgleiste Freitag, den 10. März, um 17 Uhr 20 Minuten ein Waggon de» Motorzuge» 45110 an einer Schraube, die ei» unbekannter Täter zwischen den Schienest einkeilte. Verletzt wurde niemand. Der Verkehr wurde durch Umsteigen bi» Mitternacht auf» rechterhalten. Rach dem unbekannten Täter wird gefahndet. DI« Schreckenstat eine» lebensmüden Arbeitslosen- Der 2ojährige arbeitslose Kanzleipraktikant S. Leöinsky schon In der Nacht auf gestern in der Brünner Reitschiügasse au» einem Revower zweimal in die Fenster des Tafö„Louvre" und richtete dann die Waffe gegen sich. Er schob sich zweimal in die Brust und wurde zur Rettungsabteilung und Von dort In» Spital gbrachi. Er konnte nicht«invernommen werden, da er lebensgefährlich verletzt ist, doch nimmt man an, dah er die Tat aus Verzweiflung über eine Krankheit und sein« Arbeitslosigkeit verübt hat. Da» Wetter wird schlechter, Au» der Balkanhalbinsel ist sehr warnte Luft auch über da» Gebiet der Republik vorgodrunge». In Brünn wurden SaMStag Nachmittags 20, in,Malackh und Pretzburg 21 Grad Celsius gemessen und die kühle Luft dringt von dort bereit» auch nach Rordwestbühmen vor. Die Tätigkeit der Druckstörungen an dieser Wärmegretize nimmt zu. In den Alpenländern fällt Regen und auch bei un» sind die Aussichten auf die Weiterentwicklung der Witterung ungünstig.— Wahrscheinliche» Wetter heute: Lm westlichen und mittleren Teil der Republik vorwiegend umzogen und zeitweise regnerisch. Im ganzen bereii» kühler. Im Osten des Staate» wechselnd bewölkt, warm.— Wetterausfichten für morgen: Unbeständig; auch im Osten Wetterverschlechterung und ettvas kühler. E' Vom Rundfunk Empfehlenswert»» tu» den Programmeni Montag: Prag, Sender I» 10,08: Deutsche Prelle, 11.88: Populäre» Konzert auf Schallplatte», 12.10: Opernarien,- 17.88: Licderkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: 18.25: Kind und Buch, Zwiegespräch über richtigen Lesestoff für Kinder, 18,48: Deutsche Presse, 10.85: Militärkonzert, 22.20: Klavierkonzert.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Sekretär Bittner: Die Heiligen Im religiösen und weltlichen Brauchtum, 14.85: Schallplatten, 14.50: Deutsche Presie, 18.10: Populäre Melodien. — Brünn: 17.25: Bucherneuheiten au» der russischen Literatur, 17.40: Deutsche Sendung: Dr.! Karger: Geschichte, Grundlage und Zweck von körperlichen Hebungen seit dem 80jährigen Kriege, 10.10: Französtsch-Kurr, 20.10: Tschechische Lieder. — Prehbnrg: 15: Rundsunkorchesterkonzert, 22.85: Tanzmusik.— Kascha«: 12.05: Opecnphaniaslen, 16.10: Rundfunkotchesterkonzert.— Mähr.-Ostrau: 18.10: Deutsche Sendung: Arietterfunk: Loses Ute* selh: Antike» Sklaventum. Dienstag: Prag, Sender I: 10,08: Deutsche Presse, 10.18: Deutsch« Sendung: für die Frau. 10.80: Opernvorspiel«. 11.05: Rundfunk für deutsche Schulen, 12.10: Opernarien, 15: Au» Kompositionen von Schubert, 17.80: Orgelkonzert, 18,10: Deutsch« Sendung: Lieder und Duette von Brahms, 18.45: Deutsche Presse, 18.65: Deutscher Kultucbericht von; Tag«, 10,80: Aus dem Nationaltheaier: Äirak: „Frau und Gott", Oper, 22.20: Tanzmusik.— Prag, Sender II: 44.16: Deutsche Sendung: Prof. Varro: Die erste und letzte Klavierstunde, 14.85: Schallplatte«, 14.50: Deutsche Presse, 18: Schräm» melkonzert.— Brünn: 16.10: Rundfunkorchesterkon- zert, 17.40: Deutsch« Sendung:«rbeiterfank: Bo- zialinformakienen, Schram«: Aktuell« ProSlemo unserer Zeit.— Prehbnrg: 17.40: Klavierkonzert, — KaschenI 11.05: Dvokäk-Komposttionen.— Rühr.-Ostraur 12.35: Rundsunkorchesterkonzert, Die Während der Unruhen in dem Paris«» Stadtteil Eltchy, b«i denen— getötet und mehrere hundert verletzt wurden, traf auch der französisch« Innenminister Dor- m o h an der Kampfstäite ein. Es wurde auf ihn geschossen und der KabinettSchef Leon Blum» wurde durch Pistolenschüsse schwer verletzt.— Man sieht auf dem Bild Dormoy(mit Bart), bei der Ankunft g» der Kampfstätte. t Ö Nr. 00 Soitnfci», LI. Mürz 1087 Seife 5 Wirtschaftliche Besserung In Frankreich Im Französischer Außenhandel 1936 Australien Kanada Italien 1.644.248 230.881 487.028 1,771.017 2,884.602 1,708.271 486 497 504 540 Der außerordentliche Erfolg der- französischen Wehranleihe hat die Stimmung in den Ivirtschaftlichen Kreisen Frankreich» in günstiger Weise beeiisslußt. Bor allein lvird auf dl« K u r s» erhöh»'n g der. französischen Renten HIn- gcwiescn. Außerdem hat diesmal wirklich die Rückflut des französischen F l u ch t k a p I t a l s eingesetzt. Während der ganzen vorigen Woche war der französische Sta- bilislcrimgsfonds gezivnngcn, englische Pfunds und amcrik. Dollars auznkanfen, um einer stürmischen Steigerung des FranckurscS vorzubeugen. Sehr Ivichtig ist die Tatsache, daß die Grobhandelspreise nicht mehr gestiegen sind, Ivährend allerdings die Kleinhandelspreise eine kleine Erhöhung aufweisen. Aber diese Erhöhung bezieht sich vor allem auf Anfang Feber. Seit dieser Zeit kann nian auch in bczng ans die Kleinhandelspreise eine Stabilisierung feststellen. Im folgenden geben wir eine Tabelle, in der die Ent- wicklung der Preise im Laufe des letzten Jahres dargestcllt ist. 618.288 821.386 212.777 mer öfter die Käufer eiugeladen werden, jetzt zu kaufen, weil die Preise zwangsläufig in die Höhe gehen werden. Das Hauptproblem der amerikanischen Konjunktur besteht darin, ob der Verbraucher die hohen Preise auch weiterhin bezahlen kann, ohne den Umfang seiner Kaufe einzuschrän- ken. Entscheidend dafür lvird die Richtung sein, die die L o h n e n t w i ck l u n g in Amerika nehmen wird. Der Erfolg der bisherigen großen Streiks und das rasche Wachstum der großen Jndnstrievcrbände der Arbeiter bedeuten nicht nur eine wesentliche Erhöhung der Löhne, sondern auch eine Verkürzung der Arbeitszeit und im Zusammenhang damit die Einstellung von neuen Arbeitskräften. Allo diese Tatsachen müssen zwangsläufig zu einer Erhöhung der Kans- kraft der breiten Volksmasscn führe», so daß von diesem Standpunkt dar Schicksal der amerikanischen Konjunktur vorläusig noch zu keinen Befürchtungen Anlaß gibt. Für die Kennzeichnung der gegenwärtigen Phase der weltwirtschaftlichen Konjunktur ist die Situation in der b e l g i s ch c n Schwerin- d u st r I e von Wichtigkeit. Dort kann mau in der allerletzten Zeit einen großen K o k S h» n- g e r beobachten. Die Kohlenprodnktion kann nicht mit der Enttvicklnng dec Eisenindustrie Schritt halten, so daß die Stahlerzeugung in den letzten Wochen nachgelassen hat und zlvei Hochöfen zeii- tvcilig stillgelegt werden mußten. Man spricht bereits von der Einstellung von polnischen Bergarbeitern in den belgischen Kohlengruben, da ein offenbarer Mangel an einheimischen Avbeitskrästen besteht. als Im Jahre 1935 (In tausenden Francs) Frankreich* Strumpfindustrie fordert Zollerhöhungen Die Strumpfwarcnsabrikcn von Trohes haben sich mit einem dringenden Ansuchen an die französische Regierung gewandt, die Einfuhrbestimmungen zu verschärfen und vor allen« eine Zollcrhöhung auf Strümpfe vorzunchmen. Infolge der Lohnerhöhungen und Einführung der vierzigstllndigen Arbeitswoche sei die Strümps-. Industrie der ausländischen, vor allem der tsche- choslotvakischon und deutschen Konkuvrenz nicht mehr gewachsen, des französischen Fluchtkapitals zu erwägen beginnt. Die Rückflnt des französischen Fluchtkapitals aus Loudon in den Jahren 1028/31 hat seinerzeit die Bank von England ihrer Reserven beraubt und zu der englischen Finanzkrise von August-September 1081 geführt. Heute tvird in London eine solche Entwicklung allerdings nicht befürchtet, aber man verfolgt dort aufmerksam die möglichen Rückwirkuugen der französischen Fi« nanzsituatioir auf dem englischen Kapitalmarkt. Allgemein tvird erwartet, daß die französischen Besitzer der englischen StaaiSobligaiioncn sie nun in großem Umfange zum Verkauf anbieten tvür» den, was die rückläufige Tendenz des englischen RcutenmarkteS verstärken würde(vrgl. unser« Beilage zu Nr. 87). In New Fotk fühlt man auch bereits die Eimvirkung der Rückwanderung des französischen Kapitals, aber hier scheint n>an, vorläusig jedenfalls, mit dieser Entwicklung zufrieden zu sein. Denn auf diese Weise hofft man in Nctv Nork bis zn einem gewissen Grade das Problem der Neber- flutung des amerikanischen Kapitalmarktes mit fremdem(Held zu lösen. Ueberlfaupt trägt die neu« französische Wehranleihe, die formell als eine Jnncnanleihe aufgezogen ist, zum guten Teil doch den Charakter einer auswärtigen Anleihe. Abge- sehen von der Sicherung der Zeichner gegenüber der Franccntweriung durch die Valutagarantie, was für eine französische Jnncnanleihe eine vollkommene Neuheit Ist, sind die Zinsen entweder in französischen Francs In Paris oder In Schiveizer Franken in der Basler Bank für Internationalen Ausgleich, der sogenannten Reparationsbank, zahlbar. Die Reparationsbank ist außerdem befugt, einige ausländische Banken zu be- stimmen, die die Zinsen direkt in englischen Pfunds oder ja amerikanischen Dollars auszahlen werden. Damit wird der Charakter der französischen Wehranleihe als einer bis zu einem ge- wissen Grade auswärtigen Anleihe noch mehr unterstrichen. ES sind mehrere Gründe, welche die Regierung bestimmt haben, diese Form der Anleihe zu wählen. Einerseits wollte man aus Prestigegründen die Auflegung einer auswärtigen Wehranleihe vermeiden. Andererseits wäre durch die neuerliche amerikanische Gesetzgebung(Johnson Act) und durch die Beschränkungen für die Auflegung der auswärtigen Anleihen in England eine solche Operation sehr erschwert. Nun ist jedoch stillschweigend von der amerikanischen und britischen Regierung die Auflegung einer im wesentlichen auswärtige«» Anleihe der französi- schen Negierung ermöglicht worden, wobei allerdings man sowohl in London als in Washington angenommen hat, daß die auSivärtlgen Zeichner im wesentlichen die Vertreter des französischen Fluchtkapitals seil» werden. Der große Erfolg der französischen auswärtigen Anleihe beweist, daß diese Rechnung sich bewahrheitet hat. Deutschland■ NSA Großbritannien Belgien-Luxem burg Tschechoslowakei Sowjetunion Wir wir schon mehrfach auf diesen Spalten hlugclviesen haben, hängt das Schicksal der frair- zösischen Wirischafisenttvicklung davon ab, ob es gelingen wird, das Preisniveau einigermaßen zu stabilisieren. Inzwischen kann man bestimmte Anzeichen der wirtschafilichci» Besserung feststellen. Die Einnahmen der Eisenbahnei» sind bedeutend gestiegen, ebenso die Stcuereingänge. Die Arbeitslosigkeit geht langsam, aber stetig zurück. Biel iviro aber davon abhängcn, welches Maß von Vertrauen die Kapitalistenkreise der Regierung Blum in der allernächsten Zeit entgegcnbringen werden. Vorläusig scheint, wie gesagt, die Rückflut des Kapitals aus dem Auslände bedeutende«» Umfang a>»zunehmen. Bemerkenswert ist, daß man bereits. in London und New Nork die A««sw»r- Ausfallend ist der Rückgang der französischen Einfichr aus den beide«» großen, britischen Roh- stoffstaaten Australien und Kanada, während die Einfuhr aus USA bedeutend zugenonunen hat. Es haildelt sich hier wahrscheinlich tveniger un» eine Umschichtung im fraiqöstschen Rohstoffbedarf als um Ankichpfunü engerer Kreditbeziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten, die zu einer Steigerung de« Einsicht führen. In der folgenden Tabelle stellen wir einige Wichtige Länder zusammen, nach denen Franf- Der französische Außenhandel weist auch im Jahre 1986 eine passive Handelsbilanz auf, wobei diese Passivität infolge der Zunahme der Einfuhr und der Abnahme der Ausfuhr im Vergleich zun» Jahre 1038 noch zugenonunen hat. Bemer- kensivert ist die Steigerung des Außenhandels des sranzüsifchen Mutterlandes mit den französischen Kolonien, dem'„überseeische«» Frailkreich". Die Einfuhr aus den Kolonien hat iin Jahre 1986' 7.2 Milliarden Francs betragen, eine Zunahme gegenüber dem Jahre 1938 um 1.8 Milliarden Francs. Die Ausfuhr nach dem überseeischen Frankreich aus den» Muttörlande hat'im Jahre 1980 8.2 Milliarden Francs betragen; eine Zunahme um 268 Millionen Franc gegenüber 1038. Die französische Einfuhr aus dem ,A uSland« hat im Jahre 1936 18.1 Mil- -liarden Francs betragen, eine Zunahme um 2.6 Milliarden gegenüber 1988. Dagegen hat die Ausfuhr Frankreichs nach dem Auslände um«und 310 Millionen Francs gegenüber 1988 abge- nvknmen, und betrug 1086 10.3 Milliarden Francs, BoK den französischen Kolonien spielen im französischen Außenhaichel. die größte Rolle Algerien, Jndochina und Tunis. Bei de« franzö- sischen Einfuhr aus dem Auslande spielen .die größte Rolle die Bereinigte«» Staaten von Amerika^ Großbritannien, Deutschland und Bel- gien-Luxembura. Bei der französischen Ausfuhr nach dem Ausland« steht an erster Stelle Großbritannien, dem in geringerem Abstand Belgien-Luxemburg nachfolgt.’■, In der folgenden Tabelle stellen wir einige Wichtige Länder zusammen, aus denen Frankreich 'im Jahre 1936 tveniger oder mehr eingeführt hat als. stn Jahre 1088.| Bor allein fällt in die Augen der katastrophale Rückgang der französische«» Ausfuhr nach Italien, den» auch a««f der Einfuhrscite eine außerordentliche Minderung entspricht. Die französische Ausfuhr nach Deutschland ist gleichfalls außerordentlich zurückgegangen, tvährend Frankreich im Jahre 1980 aus Deutschland mehr cingeführt hat als im Jahre 1085. Dagegen ist die französische Ausfuhr nach den beiden angelsächsischen Weltreichen soivie nach den Ländern der Kleinen Entente bedeutend gestiegen. Besonders erfreulich ist die Belebung des Außenhandels mit der Tschechoslowakei. Die größten französischen Abnehmer sind aber Großbritannien und Belgien-Luxemburg, was den Charakter des europäischen Außenhandels Frankreichs als eines Hai»dols mit den Nachbarländern unterstreicht. Dabet soll man aber auch die große Bedeutung ter französischen Kolontalmätkte für den französischen Außenhandel nicht vergessen: etwa ein Drittel der französischen GesamtanSfuhr im Jahre 1986 ging nach den französischen Kolonien und Protektoraten. Lllnder, au* denen Frankreich im Jahre 1936 mehr eingeführt hat als im Jahre 1935 (in tausende»» Francs) Entwicklung der GroO« und Kleinhandelspreise In Frankreich 1936 (1914=100) Lebenshaltungskosten In Paris Im Jahre 1936 für eine Arbeiterfamilie von vier Personen (1014--- 100). 1. Quarial 1080.. 2. Quartal 1086.. 3. Quartal 1086.. 4. Quartal 1080.. „Boom“ auf den Metallmärkten der Welt Beginnende Knappheit der Rohstoffe Die von den Fachleuten schon lange vorhergesehene außerordentliche Steigerung der Metallpreise hat nunmehr eine«» geradezu be- ängstisscnden Umfang erreicht. Der Verbrauch der Rohstoffe im allgemeinen ist in den letzten Monaten rascher fortgeschritten als die Produktion, so daß die Vorräte an wichtigsten Rohstoffen rasch zuriickgingen. Es muh einige Zeit vergehen, bis die Erzeugiing von Rohstoffen den Verbrauch cinholt. Gcgentvärtig befinde» sich die Weltmärkte in einem gefährlichen Zustande, da das Angebot zeitweilig beschränkt ist und die Weltpreise gegenüber einein gemeinsamen Druck seitens der Berbrau- chcr und derGroßspekukation sehr empfindlich sind. Besonders nutzt die Spekulation die Befürchtungen der industriellen Verbraucher aus, man könne die richtige Zeit für die Eindeckung mit Rohstoffen verpassen. Allerdings kann wm sicher sein, daß wenn wie Produktion den Verbrauch wieder ein- holt, ein entsprechender Preissturz eintreten tvird, aber ailaenblicklich scheint dieser. Zeitpunkt noch wett entfernt zn sein, und die Rohstoffpreise, insbesondere die Metallpreise, befinden sich in«inen» so raschen Ausstieg,;der«Inen»„Boom" sehr ähnlich ist. So hat sich, der Londoner Breis für K u p f e r im Laufe einer Woche um sieben eng- lische Pfund(per Tonne) erhöht, der Z i n npreis erhöhte sich in derselben Zeit uin 80 englische Pfund(«er Tonne, während auch andere Metallpreis«, wie jene für Bl«t und Zink, gleichfalls, wenn auch nicht so bedeutend in die Höh« gingen. Auch di« Preise für G u m m i, R o h z u ck e r und amerikanische Rohbaumwolle befinden sich in. einein raschen Aufstieg. Auch die Preise für Weizen befinden sich, nach einem leichten.Rückgang, hervorgernscn durch große argentinische Lieferungen, wieder im Aufstieg. Da die neu« Weizenemi« vor den» Sommer nicht auf di« Märkte gelangen kann, und di« sichtbaren Weizenvurräte keineswegs sehr groß sind, so muß ; man mit der Fortsetzung der Steigerung der Wei- zenpreise rechnen. , Vn den Bereinigten Staaten befind«» sich die Preis« gleichfalls im.Aufstieg. Planriffern. der sowjetrussischen Textilproduktion Nach Angaben der Konuntssariater für die Leichtindustrie wurden für di« Textilindustrie für 1087 folgende Planzifforn festgesetzt! 4084 Mill. Meter Baun»wolle, 373 Mill. Meter Leinengewebe, 180 Mill. Meter Wollgewebe. 88 Still. Meter Seidengewebe, 486 Mill. Paar Strümpfe, 128 Mill. Stück Trikot-Unterwäsche, 44 Mill. Stück andere Trikotagen, 190 Mill. Paar Schuhe,. ,.......... 0 Mill. Krügen, 2.6 Mill. Hüt«, 800.000 Pelze, Bemerkenswert ist die Tatsache, daß in den An-182,600 Tonne«» Seide, 36.500 Tonnen Stricke/ zeigen des Einzelhandels in der Tagespresse im-160.000 Tonnen Bindfaden, Tschechoslowakische Zuckerfabrik für Marokko Im Hafen von Suäak lvuvde eine tsche- chollowakische Sendung vo>» 315 Tonnen Jnstal- latlonSmarerial für eine Zuckerfabrik in Casablanca verladen. Da dies der erste tschechoslowakische Transport über S u S a k ist, hofft man in der Hafenvevwaltung, daß in Hinkunft der Suäaker Hafen stärker voi» der Tschechoslowakei in Anspruch genommen werden wird. i reich im Jahre 1986 mehr oder weniger aus« lgeführt hat gegenüber dem Jahre 1935. | Länder, nach denen Frankreich k u n a e«» dieser Rückwanderung Im Jahre 1936 weniger auegeführt hat Länder, aus denen Frankreich im Jahre 1936 weniger eingeführt hat als Im Im Jahre 1935 (in tausenden Francs) Einfuhr 1986 Erhöhung gegenüber 1985 + 82.686 4- 746.648 -h 218.665 + 288.070 + 88.800 '-i- 88.644 Die wirtschaftliche Lage der Türkei 1936 Das Jahr 1986 br«'tc der Türkei eine weitere Besserung der tvirtschastlichci» Lage. Als wc- sentlicheö Kennzeichen des türkischen Außenhandels blieb auch 1936 ein Ausfuhr- ü b e r s'ch u ß Die Steigerung der türkische«» Ausfuhr beruht vor allem auf deutscher Naäi- frage nach Rohstoffen. Genaue Ziffern für 1936 stehen noch nicht zur Bersügung, aber der Anteil Deutschlands am türkischen Außenhandel lvird auf ungefähr 50 Prozent geschätzt., Grosze Bemühungen«vürden seitens der Regierung gemacht, um di« Lage der Landwirtschaft zu bessern. Man versucht vor allem die Preise für Industriewaren zu senken und damit die Prodnl» tionskostcn der Lanbivirtschast zu ermäßigen. Die Ernte vo>» 1986 ist sehr unbefriedigend geivescn. Eine Ausnahme bildet die B a u m«v o Ilern t r, die sehr gut gewesen ist. 1980 ist»nit der Bertvirtlichung des großen B e w ä s s e r» n g s» planes begonnen«vorden. Es ist gleichfalls ve- schlvsscn«vorden, eintausend landwirtschastliche „K o«n b i n a t e" zn organisieren. Jedes von diesen Kombinaten soll mehrere Dörfer umfassen, die geinciirsain die Beivässernng betreiben sollen. Auch solle«» die schweren landtvirtschaftlichen Maschinen Gemeindeeigentuin der Kombinate sein. Auch eine große Agrarreform(Neuverteilung von Grund und Boden) ist in Aussicht gestellt wordem Einfuhr 1936 Minderung ' gegenüber 1935 — 42.615 — 12.172 —101.700 Länder, nach denen Frankreich Jahre 1936 mehr ausgeführt hat als im Jahre 1935 (in tausenden Francs) Ausfuhr 1986 Erhöhung gegenüber 1935 Ausfuhr 1986 Minderung gegenüber 1985 Deutschland 667.161 — 888.847 Spanie«» 288.971 — 10.795 Jtaliei» 187.244 — 459.198 Niederlande 459.496 — 4.907 Schweiz 971.588 — 67.140 .Sofvjetunion 125.005 — 51.180 Argentinien 380.009 + 74.216 Brasilien 117.809 4- 10.507 USA 877.448 +150.402 Großbritannien 1,011.043 4- 200.043 Polen 118.070 "F 14.042 Rumänien 113.854 + 7.430 Tschechoslowakei 208.005 + 65.205 Belgien-Luxem burg 1,850.784 + 41.170 Jligoslawlcn 74.000 "T 17.026 Brollbandelivrelse JSnncr lose ISnner 1037 ffever 1037 Allgemeiner Index 350 587 632 LcbcnSinittel 364 582 — Jndustrieprodukte 355 541 — Index der Kleinhandelspreise 454 506' 677. Seile ß Sonntag, 21. Mär» 1037 Rheuma*Heilmethoden durch Bienenrtiche Von Juoihr Haiek Ein alter, unicrsetzter Herr sitzt an seinem Schreibtisch, gähnt und legt für eine Weile die Feder hin. Es ist Herr Kienck, fürstlicher Leibarzt In Pension, der sich nunmehr ausschließlich der Heilung von GelenkSrheumaiiSmus und der Niederschrift seiner Forschungen auf diesem Gebiet widmet. Er rastete einen Augenblick, rückte dann da» Papier zurecht und setzte. sein Werl fort. Er schrieb:„Meiner Ansicht nach trägt jeder die Disposition zum NhcmnatiSmus in sich, deshalb handelt es sich darum, ihn im Keim zu ersticken..."„Nehmen Wir," sagte er sich,„zum Beispiel seine AnfangScrscheinungen an." Und er schrieb...„Seine AnfangScrscheinungen." Die Pendeluhr zeigte gerade zehn Uhr.„Für heute gciiug," sagte Ärcnck,„zwei Stunden täglich reicht volllomme» hin. Ich glaube, ich werde meine wissenschaftliche Arbeit in fünf Jahren beenden." Er erhob sich, durchquerte de» Arbeitsraum und sagte zu sich selbst:„Neue ForschungSresultate — Unsinn— alte Wahrheiten in einem neuen Gewand. Ja, Toltor Kreuel hat auch noch waS im Kopf.— Entschieden hat er WaS im Kops.— Ameisensäure— Bienengift. War haben die gemeinsam? Die Welt tappt im Dunlcl, sofern es sich um die chemische Analyse des Bienengiftes handelt. Und die Welt wird erstaunen, bis Doktor Kkcncl mit seiner neuen Methode hervorrücken wird Doktor Kkenek geriet in Aufregung. Fuchtelte grollend mit den Händen.„Diese dummen Leute, diese Idioten werden mich unmöglich machen/ ruinieren. Sie werden mick in einem Löffel Walser ertränken..." Doktor Kkenek warf die Vase zu Boden, die polternd in Stücke sprang. Tann erschrak er, denn die Tür ging aus und ein reizendes Fräulein im Neglige wurde sichtbar. „Vater," sagte sic vorlvurfsvolk, ,chaS ist in dieser Woche schon die fünfte Vase!"—„Aber Emmcrl," meinte Doktor Kkenek,„ich bin mit dem Ellbogen an sie angestoßen, warum stellt Ihr auch solchen Krimskrams herein. Enmierl, hast du mir die Abendpost auf den Nachttisch gelegt?" —„Ja, Vater," antwortete das Mädchen,„geh schlafen, sonst zerbrichst du noch alle Vasen..." Doktor Kkenek begab sich ins Schlafzimmer, legte sich ins Bett, öffnete einen Brief nach dem andern und las. Privatbriefc legte er beiseite, Preislisten warf er in den Papierkorb, bis schliesslich ein Schreiben seine Aufmerksamkeit fesselte. Er las es einmal, las es zweimal und las es zum drittenmal mit lauier Stimme. Er lautete:„Sehr geehrter Herr Doktor I Verzeihen Sie, daß ich es logge, mich an Euer Wohlgeboren um Rat zu wenden. Ihr Name, als Mhemnaspezialist ist mir schon seit langer Feit bekannt..."—„Er hat einen hübschen Stil," murmelte der Doktor und las weiter.—„Deshalb wende ich mich an Euer Wohlgeboren um Rat. Ich leide an Gelenksrheu- matiSmuS, es ist zlvar nicht schlimm, doch ich nehme an, daß das erst der Anfang ist. Dürfte ich zu Ihnen kommen und mich Ihrer werien Behandlung anvcrtrauen? Ich erbitte mir Ihre gütige Antwort an di« Adresse: Karel Hluza, Privatier, RoZkov."—„Ich werde ihm sofort antworten," sagte Doktor Kkenek,„obwohl Abend ist.„Warum könnte ich an diesem Mann nicht meine neue Heilmethode auSprobicren?" Er erhob sich und ging in sein Arbeitszimmer.„Unbedingt werde ich an diesem Mann meine Versuche machen," sagte er, Papier und Feder zu- rechtkegend. Dann dachte er eine Weile»ach und schrieb: „Sehr geehrter Herr! Das Vertrauen, das Sic mir in Ihrem werten Brief bekunden, freut mich außerordentlich, kommen Sic lieber früher, denn der Gelenksrheumatismus ist eine sehr ernste Krankheit. Ost ist eine kleine Verzögerung in der Behandlung maßgebend. Ich versichere Ihnen, geehrter Herr, daß es mir zur Ehre gereichen wird. Sie als e r st e n mit meiner neuen Methode, meiner vollkommen neuen Methode mit garantiertem Erfolg, zu behandeln. Ich zeichne in tiefer Verehrung MUDr. I. Kkenek." „Ja," rief der Arzt, als er den Brief beendet hatte.„Meine neue Methode!" Dabei schlug er mit der Faust auf den Tisch, daß das Tintenfaß in die Höhe hüpfte. Fräulein Emma tauchte neuerdings in der Tür auf.„Aber Vater, warum machst du denn so einen Lärm, kannst du denn nickst ruhig schreiben?"—„Liebes Kind," sagte der Arzt zärtlich,„ich schreibe an Herrn Hluza, Privatier in RoZkov ,der hierher kommen wird, um sich zu heilen..." Dai Fräulein errötete. „Den Namen kenne ich nicht," sagte sie und errötete ein zweitcsmal.„Gute Nacht, Vater. Gute Nacht." Warum errötete Fräulein Emma? Das greift auf den letzte» Fasching zurück, den Emma bei ihrer Tante in Prag verbrachte. Die beste Erklärung ergibt sich wohl aus den Aufzeichnungen des Privatiers Hluza aus RoZkov:„Die schönste Erinnerung an alle Ballsaisonen verdanke ich der heurigen."„Mit dreißig Jahren will der Mensch noch etwas erleben. In unserem Dorf ist der Fasching zu monoton.— Ich fuhr nach Prag. — Meiner Gewohnheit gemäß suche ich immer ein Nichtraucherabteil, weil darin Damen sitzen. Ich muß schon sagen, daß ich diesmal eine glückliche Wahl tras. Ich saß einer schönen Dame gegenüber. Schön ist ein viel zu kleinlicher Ausdruck angesichts der Wirklichkeit. Sie war die schönste aller Blondinen. Blaue Augen, die schön» |tn Augen der Welt, lind mit dieser Schönheit knüpfte ich ein Gespräch an. Sie ist die Tochter eines gewissen Doktor Kkenek. Als brave Tochter lobte sie sehr die Qualitäten ihres Vaters, der Spezialist in der Behandlung von Gelenksrheu- matismus ist. Sie fährt über den Fasching zu ihrer Tante nach Prag. Liebt leidenschaftlich Musik. Auch ich singe gern. Sie geht gerne ins Theater. Ich sagte ihr, daß ich Mitglied des DilettantentheaicrS bin. Ihre Vetvcgungcn, ihr Hals sind geradezu verführerisch. Offenbar habe ich mich in sie verliebt.„Werde ich die Ehre haben, Sie wiederzusehen?" sagte ich ihr.„Vielleicht," antwortete sie mit einem koketten Lächeln. Ich glaube, ich bin wirklich, verliebt, denn als ich. den Zug verließ, sah ich ihre elastische Gestalt unablästig vor mir..." Diese Aufzeichnungen tumben weiter geführt. Da hieß eS:„Sie nannte mir ihre WohnungSadrcste. Zwei Nächte konnte ich nicht schlafen, dann ging ich hin, um das Haus zu suchen, in dem sie lvohnte. Ich habe einen guten Einfall. Ich miete ein Zimmer gegenüber ihrer Wohnung, stehe den ganzen Tag am Fenster und warte bis sie auSgcht. Dann gehe ich ihr nach... Jetzt stehe ich schon einen halben Tag am Fenster. Wenn es nicht so beschämend wäre, möchte ich sogar am Fenster Mittagesten, um sie nicht zu verpaffen.... Endlich gegen Abend verließ sie das Haus. Sie ging ins Theater. Ich nahm eine Karte hinter ihr. Sie bemerkte mich. Man spielte Dalibor, doch ich hörte nickt zu und sah unverwandt aus sie. Ich bin wirklich verliebt. Jetzt weiß ich es bestimmt... Gestern faßte ich einen Entschluß. Ich lauerte ihr auf, als sie auf die Eisbahn ging und redete sie an. Ich sagte:„Welch glücklicher Zufall, gnädiges Fräulein!" dann tvurdc ich verlegen und begann zu fwttern:„Entschuldigen Sie, meine Gnädige, Sie haben mir bei unserer ersten Unterredung mitgeteilt, daß sich Ihr Herr Vater mit Studien über den GelenlSrheumatiSmus befaßt." Dann sprachen wir uimnterbrochen über Rheumatismus. Seit diesem Augenblick ist mir diese Krankheit lieb geworden.— Wir tanzten miteinander. Ich erzählte ihr ununterbrochen, was ich über den Rheumatismus denke. Schade, daß ick nicht Medizin studiert babe!— Ein Maskenball! Ich habe einen fanwscn Einfall! Ich werde mich als Podagrist kostümieren, mich von einem Diener im Wagen schieben lasten und Krücken in der Hand halten. Und sie?... Oh Emilie, Einmal— Wir erkannten einander. Ich sagte ihr, daß ich mich gerne von ihrem Vater heilen lasten würde. Sie schlug mit dem Fächer nach mir und antwortete:„Mein Vater ist kein Psychiater!" Leider konnte ich als Podagrist nicht mit ihr tanzen... Ein furchtbarer Schlag hat mich getroffen. Während ick nach dem Kostümfest den ganzen Vormittag schlief, ist meine teure Emma abgereist. Erst heute erhielt ich davon Kenntnis. Sie ist bereits drei Tage fort, wie mir die Haüsbesorgerin mitteilte. Ich kann nicht schlafen, sehe sie ununterbrochen vor mir und schlafe ich dann dennoch ein, träume ich. von Rheuma..."— Hierauf folgten die Schilderungen furchtbarer Seelenzustände, der Rückkehr in die Heimat und dann als letztes Kapitel der Aufschrei:„Ich muß sie sehen! Ich bin zum Aergstcn entschlossen. Ich werde GelenkSrheu- MatiSmuS simulieren und mich bei ihrem Vater kurieren lasten. Im Krieg und in der Liebe ist jede Lüge gestattet.. Daher also kam eS, daß Fräulein Emma errötete und In ihr Zimmerchen gelangt, ausseuszte: „Nicht einmal hier habe ich vor diesem Ekel Ruhe!" Zwei Tage später traf der bewußte Herr bei Doktor Kkenek ein, der den VcrsuchSpatienten auf das Herzlichste willkommen hieß. Dann fragte ihn dec Arzt, ob er bereits in ärztlicher Behandlung gestanden habe.„Ja, log Hlriza,"„es wurde ein bcginncndcr GelenkSrheumatiSmuS festgestellt." —„Das ist eine ernste Geschichte," warf der Doktor dazwischen,„eine sehr ernste Geschichte. Wie ich sehe, hinken Sie auf dem rechten Bein?" —„Ja, daS Knie, das rechte Knie ärgert mich," sagte Hluza.„Es ist, wie wenn Ameisen auf mir herumkriechen würden.".—„Seien Sie überzeugt, Herr Hluza, meine neue Methode wird Sie gesund machen. Man darf nur keine Zeit verlieren. Ich habe bereits alles vorbereitet. Bemühen Sie sich hicrherein.. Der Arzt öffnete die Tür und Hluza erblickte ein leeres Zimmer. Nur in der Mitte stand ein länglicher Kasten und an der Wand hing irgendein Kleidungsstück, das an einen Taucheranzug erinnerte. Alles war ihm ähnlich:.sogar die Haube mit. den verglasten Oefsnungen für die Augen; nur. der Schlauch für die Lüftzuftihr fehlte. Und atich. ein Stuhl, war da. Der Doktor klingelte. Zwei stramme Kerle traten ein:„Ziehen Sie diesen Herrn nackt aus," ordnete der Arzt an. Hluza wehrte sich.„Ich kann Ihnen nicht helfen," lachte der Arzt.„Der Zweck heiligt die Mittel." Zwei Minuten später saß Hluza bekümmert auf seinen Kleidern und harrte der Dinge, die da kommen sollten.„Jetzt werden wir Ihnen das hier anziehen," belehrte ihn der Arzt. Er tvics auf den auf dem Boden stehenden Kasten. Die Diener warfen Hluza in den Kasten und er hörte entsetzt, die weiteren Befehle des Arztes folgen:„Bringen Sie den Bienenstock herein.. „Lieber Freund," sagte Kkenek an Hluza gewandt,„meine Heilmethode ist ungemein einfach. Ich kuriere niit Bienenstichen. Hören Eie mich oder soll ich mehr schreien?"—„Ich höre," sanimerie der Patient.„Wie Ich sehe, sind Sic von kräftiger Konstituiion," sagte der Arzt, Hluza wohlgefällig musteknd.„Sie werden zwanzig Stachel ins Knie aiishalten. Sie haben ganz recht, es ist..." Ja aber, cs tut ja nicht sehr weh," brüllte Hluza bekümmert,„ich glaube Maffage..."—„Sie irren sich," erläuterte der Arzt.„Der Keim muß abgetötet werden. Früher hat man Ameisensäure angcwendet, aber das Bienengift ist wirksamer. Wir werden einen Teil des Bienenstockes an Ihr Knie anlegen und die Bienen ausscheuchen, sie werden Sie stechen... UebrigenS werden die Diener Sie halten."— „Nehmen Sie die Abteilung heraus, die fünfzehn Bienen enthält," gebot er, als man den Bienenstock hereinbrachtc.„Gut, und jetzt halten Sie den Herrn an Händen und Füßen fest..." Der Arzt beugte sich über sein Opfer. Knöpfte den Patentanzug am rechten Knie auf, schraubte den Teil des Bienenstocks ans Knie fest und schob den Riegel zurück, der die Dienen von Hluzas' Haut trennte... Dann wurde im Kasten ein ersticktes „Heiliger Himmel!" laut. Und die Diener hielten Hluza an Kopf, Armen und Beinen feit-... „Sollen wir den Herrn schon loslaffen?" fragten sie eine Weile später. Der Doktor schaute durch die verglaste Oeffnung nach den Bienen. „Zivei haben ihn noch nicht gestochen," erklärte er, „halten Sie ihn noch eine Weile fest." Tann ertönte eS noch zweimal:„Heiliger Vater!" und der Doktor sprach:„Fertig, tragen Sie den Herrn weg, wickeln Sie ihn in ein Leintuch und legen Sie ihn zu Bett..." Als dar Knie drei Tage später tvieder abgeschwollen war, erklärte Hluza, er sei vollkommen gesund und die Behandlung müsse daher nicht mehr fortgesetzt weiden. Dann reiste er heim und vermerkte in seinem Tagebuch:„Schade, daß Emma die Tochter Doktor Kkcneks ist,’ der den Rheumatismus mit Bienenstichen kuriert... Und mein Herz?" Berechtigte Ucberschung aus dem Tschechischen von Grete Reiner. Der Ausbau de« britischen Weltluftnefee« Die halbstaatliche britische Lufifahrigescllschaft-„Imperial Airways" verwirklicht in diesem Jahre weitgehende Pläne zur Schaffung eines WeltluftnetzeS, welches dar gesamte britische Reich mnfassen' soll. Diese Karte veranschaulicht die Hauptflugstrecken. Die unterbrochen gezeichncre Linie zwischen Kano und Takoradi In Afrika stellt eine noch geplante Flugverbindung dar. Mar, erkennt hier auch, daß Mussolinis panislamitische Offensive auf empfindliche Punkte’ der. Empire-Straßen zielt(Alexandria, Bagdad). Die Linie Pari-—Brindisi dagegen kann unschwer nach Norden verlegt werden; Paris—Zürich—Wien—Athen. Nr. 60 La Jana in dem-ZIrkurfilm„Truxa" Das Lied vom Obersten Riego In vielen Berichten aus Spanien liest inan‘ von den Liedern, die das länipfende Volk singt. Immer wieder wird das„Lied von Rigo" genannt, dem revolutionären Helden. Wer war Oberst Riego? Am' 18. Jänner 1820 erhob sich das spanische Volk gegen seinen reaktionäre» König Ferdinand VII.— Dieser hatte nach Aufhebung der Bersastung ein Regime cingcsührt, das völlige Unterdrückung durch den autokratischen Monarchen bedeutete. Das. spanische Volk hat in den Jahren 1808 bis 1811 treu an der Seite seines Königs gegen Napoleon fiir die Unverletzlichkeit und Unabhängigkeit Spaniens gekämpft und Napoleons Heeren heldenhaften Widerstand geleistet. Der Dank des Monarchen an seine Untertanen blieb nicht als. Ungeheure Steuern, Aufhebung aller demokratischen Errungenschaften- und unerhörte Gewalttätigkeiten waren der Lohn. Er führte die Inquisition wieder ein und legte alle Macht über- Gedanken und Gewisten in die Hand des Klerus. Doch im Jänner 1820 hatte die Geduld des Volkes ein Ende und die Revolution begann. Im Süden Spaniens brach ein Militärauf« stand aus. Zwei freisinnige Oberste, Quiroga und N i e g o, stellten sich an die Spitze.'Im Feber hatte der Aufstand sich bereits über ganz Nord- und Südspanien ausgebreitet und griff im März auch auf Madrid über. Die Gesängniste der Inquisition wurden zerstört. Der erschrockene König erneuerte die liberale Verfassung vom Jahre 1812. Im Jahre 1822 stand bereits die Mehrheit des Parlamenis auf feiten der Revolution und wählte ihren Führer Riego zum Ministerpräsidenten. Die reaktionären Mächte Europas erkannten die Gefahr, die ihnen drohte und so schlug der rustische Zar Alexander I., daS anerkannte Haupt der europäischen Reaktion,. Oesterreich, England und Frankreich eine bewaffnete Intervention in Spanien vor. Frankreich übernahm die Rolle des bewafsneien Interventen» um die junge spanische Demokratie zu erdrücken. König Ludwig XVlll. betraute den Herzog von Angouläme mit der Führung des Heeres, dem es. auch gelang, die Revolution zu ersticken. Der^ Despotismus Ferdinands VII. wurde' erneuert und wütete ärger gl« zuvor. Tausende von Menschen wurden gemordet, in die Gesängniste geworfen, in die Emigration getrieben. Am 7. November 1823 wurde der Bolkshcld Rafael Riego y Nunez durch den Strang hingerichtet. lieber ein Jahrhundert lang regle die Erinnerung an diese heldcnbasten Kämpfe gegen König und Klerus das freiheitsliebende Volk stets zu neuen Erzählungen und Dichtungen an. Eines der bekanntesten ist das„Lied von Riego"— Himno de Riego, ein patriotisches Lied von der spanischen Freiheit, das die Milizionäre singen, wenn sie in den Kampf ziehen und die Masten, wenn sie sich zu Kundgebungen versammeln.— Der alte Geist des Widerstandes gegen Despotie und Reaktion hat im spanischen Volk seine große Auferstehung gefeiert.... Ein rauchender Fisch. Ein Fisch, der Pfeife raucht! Dies sonderbare Phänomen ist derzeit im Aquarium von Los Angeles(Kalifornien) zu sehen. Der Fisch-trägt den bedrohlichen Namen„Dynannr" und gehört dem Geschlecht der Ballonfische an. DaS Lebenslicht-hat er an den Gestaden der Hawaiinseln erblickt. Nun ruht er in einem.Aquarium