Sozialdemokrat Aentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoflowakischen Republik «rscheiut«it««»nahm- de« tLgttch früh Verwaltung. Prag XII., Fochova OK— Telephon 38077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: KarlKern,Prag n. Jahrgang Freitag, 2. AprU1S37 Sinzelprei» Aklkk(«inschließl. 3 Heller Port«) Aus dem Inhalt: Wiedereinführung von Feldgerichten Die„Probewahlen“ der SdP Protestaktion der Saar-Katholiken Kampfansage Berlins an den Vatikan? Nr. 78 Schließlich muh der günstige Eindruck vermerkt werden, den heute in allen Kreisen der Kleinen Entente Minister Krofta gleich nach seiner Ankunft in Belgrad durch seine Erklärung an die Journalisten hervorgerufen hat und durch die er dem Eharakter der gegenwärtigen Belgrader Tagung des Ständigen Rates der Kleinen Entente Ausdruck verlieh. Die Warnung deS MinisterS vor der Erwartung sensationeller Beschlüsse und vor dem Bestreben, die periodische Belgrader Sitzung als einen„Meilenstein" in dec Entwicklung der Ereignisse zu bezeichnen, wurde richtig verstanden, so dah auch die gegenwärtige Konferenz der Kleinen Entente ihren üblichen Arbeitscharakter tragen wird und diejenigen eine Enttäuschung erleben werden, welche durch die Verbreitung beunruhigender Nachrichten von vornherein ihre Wirksamkeit schwächen wollten. Nachmittags traten die Außenminister der Kleinen Entente in Belgrad zu einer zweiten politischen Beratung zusammen und am Abend nahmen sie an einem Diner teil, das ihnen zu Ehren der tschechoslowakische Gesandte Dr. Girsa auf der tschechoslowakischen Gesandtschaft gab. garien und Jugoslawien sowie das jüngste italienisch« jugostawische Abkommen angeführt werden. Wenn hinsichtlich des soeben ratifizierten italienisch-jugoslawischen Paktes, der in Belgrad den Hauptgegenstand des Interesses der diplomatischen und innerpolitischen Kreise bildet, konstatiert wird, dah der jugoslawisch-italienische Pakt nichts an den von den beiden Vertragsparteien früher übernommenen internationalen Verpflichtungen ändert, bann muh man annehmen, daß dieser Umstand bei den Beratungen der drei Auhenminister der Kleinen Entente ausdrücklich erhärtet wurde.- Der neueste Versuch der Regelung des Verhältnisses zwischen Italien und Jugoslawien kann daher nicht einmal ein« Abweichung vom Organisationspakt der Kleinen Entente aus dem Jahre 1988 bedeuten, durch den die Kleine Entente auch nach der formalen Seite hin auf eine feste Grundlage gestellt wurde. Bilbao. Rach Berichten des baSkischen Berteidigungökomitees haben die Regierungstruppen lei G« i p« z g o tj a einen Angriff deS Feindes«fit schweren Berlusten abgeschlagen, der an den Drahthindernissen zusammenbrach. Ein anderer Angriff der Aufständischen wurde bei E i b a r abgrwiescn. Einen sehr heftigen Angriff entwickelte der'Feind bei Alava, wobei er von zahlreichen Flugzeuge» und starkem Artillerie- Feuer unterstützt wurde. Trotzdem wurde der Feind nach herorischem Kampf znrückgeschlagrn. Vorhuten der Negierungstruppen räumte» die Gemeinden Jarinto und Maroto und ginge» in neue Stellungen zurück, von wo sie sodann z u m Gegenangriff übergingen. Rach dem offiziellen Kommunique des Hauptquartiers der Nord arm e e befestigten Regie- rungSabteilungen am Mittwoch die neuen Positionen bei Santander und schlugen einige Gegenangriffe der Feinde zurück. Auf dem linken Flügel der asturische» Front verfolgte» Rrgie- rungSabteilungen de» weichenden Gegner und bemächtigten sich verschiedenen Kriegsmaterials. Gegen Burgos Madrid. Die im Abschnitt bei Durgo« operierenden Regierungstruppen sind um 20 Kilometer vorgerückt und habe««inen sehr wichtigen strategischen Punkt, da» Dorf Sargente«, besetzt. Die neueroberten Stellungen ermöglichen der Miliz weitere vorteilhafte Operationen gegen Pnrgos. Außerdem besetzten Regie- rungsablellungen einige minder wichtige Gemeinden./ Dieaugettblickliche militärisch? Lage in Spanien kann wie folgt zusammengefaht werden: Jni ganzen gibt es vier Haupffronten mit einer Länge von tuttb 2000 Kilometern: , i. Die Nordfront oder asturisch« Front. Sie er streckt sich der Küste entlang etwa 18 Kilo- Äeter westlich von San Sebastian bis über, Äijon und Oviedo. In den-Händen der Regierung befinden sich Bilbao, Santander und Gijon, in den Händen der Aufständischen San Sebastian und T o r u n a. 2. Die Mittelfront. Sie umsaht dse Frontabschnitte um die Hauptstadt herum, ferner die Front bei Toledo, Talavera, Avila, E 8 e o r i a l, G u a d a r r a m a, S o moste rra und Siguenza. : 8. Die O st f r o n t. Sie erstreckt sich von der französischen Grenze über H u e S c a und S a- r a g o s s a nach T u r u e l. . 4. Di« Südfront. Sie umfaßt alle Abschnitte im Süden Spaniens vcn Cadiz über S e Villa nach Osten, bis Malaga und nach Norden bisIa« n und schlieht auch Granada und Cordoba ein. Bon de» atlantischen und Mittelmeerhäfen besitzen"die Aufständischen Huelva, Cadix, Algeciras und Malaga, ferner die Balearen, die Kanarischen Inseln und Spanisch-Marokko. Von der Mittelfront: Der BerteidigungsauSschüss der Stadt Madrid teilt mit: An der Guadalajara-Front besetzten die. republikanischen Abteilungen Letz an rar A» der Saranm-Front und an der Front von Madrid hat sich nicht Wesentliche«, ereignet.' Legen Francos Plratentum Paris. Das französische Marineministerium erklärt, bah die französische Regierung den spanischen Aufständischen nicht daS Recht einer kriegführende»-Partei zuerkannt hat und dass demnach die Beschießung französischer Kriegsund Handelsschiffe ausserhalb der Drei»Meilenzone von. der spanischen Küste dem ,Rechte und den Grmchsätzm der SchiffahrtSfreiheit widerspricht. Deshalb habe tzaS französische Marinrministrrium allen französischen Kriegsschiffen die Weisung erteilt, den in der Nähe s der spanische» Küste fahrenden französischen Handelsschiffen Schutz zu ßrwShre» und" bei der Durchführung dieses Schutzes eventuell auch Brachialgewalt chtzuwendeu.>’.Ti Siegreicher Vormarsch an der Südfront Ausbau der Rechtsordnung Unsere Zeit Ist der organischen Weiterentwicklung des Rechtes nicht günstig. Die wirtschaftlichen Wandlungen, welche bis an die Wurzeln der Wirtschaftsordnung greisen, die raschen Veränderungen, welche eine Voraussicht auf längere Zeit schier unmöglich machen, die politischen Spannungen, welche eine Verständigung über- grohangelegte GesehgcbungSwcrke erschweren, die dringenden Aufgaben deS Tages, welche für solche Werke wenig Spielraum übrig lassen, erweisen sich als fast unübersteigliche Hindernisse für den systematischen Ausbau der Rechtsordnung. Wenn es die tschechoslowakische Gesetzgebung dennoch unternimmt, das Gesetzbuch des bürgerlichen Rechtes zu erneuern, und zugleich mit dem .materiellen Recht auch das formale, die Prozeßordnung zu novellieren, so beweist sie damit erneut ihren ernsten Willen, inmitten einer vom Faschismus zerrütteten Welt, in der nicht nur das geschriebene Recht, sondern was gefährlicher und folgenschwerer ist, auch das Rechtsbewußtsein und die Rechtlichkeit untergraben wurde, die Grundlagen des Rechtsstaates nicht nur zu beivahren, sondern nöch zu vertiefen. Auch das ist Dienst an der Demokratie. ES sind mehr als hundert Jahre verflossen, seitdem unser bürgerliches Gesetzbuch in Kraft getreten ist. Seither ist freilich die Gesetzgebung auch auf d«m Gebiete des Privatrechtes keineswegs stillgestaiwen. Die Entlvicklung des Handels- und Gewerberechtes, die wirtschaftliche Gesetzgebung überhaupt, abex auch die Entfaltung des modernen Arbeitsrechtes und schließlich eine Fülle von Spezialgesetzen, welche zum Teil Verhältnisse regeln, die dem Gesetzgeber beim Anbruch des vorigen Jahrhunderts noch gar nicht bekannt sein konnten, haben sein Geltungsgebiet absolut und relativ eingeengt, eii^elne wichtige Parteien sind bereits durch die drei Teilnovellen der Jahre 1014,1018 und 1016 modernisiert worden. Nach dem Umsturz wurde auch das Eherecht novelliert. Nur so ist es zu erklären, dah ein Gesetzbuch aus dem Jahre 1811, das für seine Zeit ein Monumentalwerk von höchster Qualität gewesen ist, nicht nur weiter anwendbar blieb, sondern sich auch bis in unsere Tage in der Regelung der im Wesen unverändert gebliebenen rechtlichen Beziehungen als gutes Gesetzbuch bewährt hat. An diesen Grundlagen hält denn auch unser neuer Entwurf fest. Er übernimmt die Systematik des alten Gesetzbuches,. er bringt aber auch' keine umwälzenden Neuerungen im Inhalt. Dennoch bleibt die Revision eines so grohen Gesctz- gebungswerkes, dessen Würdigung im einzelnen erst nach gründlichem Studium des umfangreichen Entwurfes möglich sein wird, eine große juristische Leistung, um so bedeutungsvoller für unseren Staat, weil sie zugleich die Vereinheitlichung des Zivilrechtes für das ganze Staatsgebiet und damit für die Länder des ehemals ungarischen Rechtes zum ersten Male eine Kodifizierung des bürgerlichen Rechtes schasst. Und auch die Bedeutung der neuen Zivilprozehordnung liegt vorwiegend in der Unifizierung. Freilich weist diese Kodifizierung eine Lücke, wie wir nicht verhehlen wollen, eine bedauerliche Lücke auf. Unserem neuen bürgerlichen Gesetzbuch werden Bestimmungen üher das Familienrecht und damit auch Wer das ganze Eherecht fehlen, weil hier die weltanschaulichen Gezensätze nicht zu . überbrücken waren. Es blecht auf diesen Gebieten bei der bisherigen Regelung und es kommt hier auch"nicht zur Unifizierung. Damit wird aber auch der Fortschritt der Ehegesetzgebung,.der im Jahre 1010 erzielt" worden ist, aufrecht erhalten. Im Bereiche des Arbeitsrechtes tritt die Bedeutung des bürgerlichen Gesetzbuches in den Hintergrund, denn hier überwiegt die Regelung durch Sondergesetze und nur,, wo solche nicht be- , stehen oder eine bestimmte Frage nicht regeln, greift die Geltung der Bestimmungen"unseres Gesetzbuches über den Arbeitsvertrag ein. Pie vom arbeitSrechtlichen Standpunkte wünschenswerte Vereinheitlichung" des ÄrbeitSrechteS hat der Entwurf nicht unternommen". Neben" Widerständen politischer Natur standen hisr große sachliche Schwierigkeiten im Wege, die sich äuS der Vielgestaltigkeit der Arbeitsverhältnisse'ergeben und die" in diesem Rahmen nicht zu Wevwinden waren. So bleiben im wesentlichen die Bestimmungen"ter drittelt-Dellnovelle- die seinerzeit einen -Vale n c i"a.kn aber der Berteidi- gnn gSm inister Feldgerichte auch für außerhalb des Kampfgebiete» liegende Bezirk« errichten, wenn der Stowt in den Zustand dar Wehrbereitschaft getreten ist, bzw. der Präsident der Republik, sobald er nach Än- hören der Regierung di« Einberufung der drei jüngsten Reservejahrgänge zum ausnahmSweisen Aktivdienst nach 8 27 deS Wehrgrsetze» angeord- uet hat. Ferner kann die Regierung durch eine mit Zustimmung de» Präsidenten der Repnblik erlassene Verordnung Feldgerichte errichten, wenn im JnnerndeS Staates oder an seinen GrSnzrn Eveignisse eintreten, welche die Einheit de» Staates, seine republikanisch-demokratische Form, die Verfassung«der die öffentliche Stiche tmd Ordnung in erhöhtem Matze bedrohe». Die Todesstrafe Wenn ein höheres Feldgericht in erster In» stanz ein Todesurteil fällt, so legt eS die Akte» dem Truppenkonunandanten vor. Der Kommandant fügt den Akten sein Gutachten bei, ob der Verurteilte der Gnade würdig ist und legt diese Akten dem Oberfeldgericht vor. Lautet da» Urteil deS OberfeldgcrichteS auf Todesstrafe, so beschließt das Oberfeldgericht nach Anhören des OberfeldprokuratorS darüber, ob eS den Verurteilten der Gnade empfiehlt, und schickt die Akjen dem OberkoMmandanten zu. Dem O b e r- k o m m andante» steht dann die endgültige Entscheidung über den Vollzug der Todesstrafe zu. standrecht Im FeldgerichtSgeblet kann das Stand« recht verkündet werden. DaS Recht der Verkündung und Aufhebung des Standrechtes steht dem Oberkoimnandanten zu. Falls das Standgericht int Feldgericht ein Todesurteil fällt, ist analog vorzugehen wie bei Todesurteilen der Feldgerichte. Der Oberkommandant kann in diesem Falle jedoch auch entscheiden, daß das Urteil dem Nationalverteidigungsministerium vorgelagt wer«, den soll. In diesem Falle wird mit dem Stras« Vollzug bis zur Entscheidung des Präsidenten der Republik zugewartet. »* » Debatte Uber die Verwaltungs- gerlchtsvorlage Das Abgeordnetenhaus setzt« am Donners« tag die Debatte über- das Oberste Verwaltungsgericht fort und vertagte sich dann bis nächsten Donnerstag, das ist bis zum 8. April um 11 Uhr vormittags. Es sprachen der Faschist Dr. Dominik für die Vorlage, während der Kommunist Dr. ClementiS erklärte, er werde gegen die Vorlage, aber für die Resolutionen stimmen. Dr. Klapka.(Nat.-Soz.) hielt eine vielbeachtet« Rede, in der er einleitend darauf hinwies, daß auf dem Gebiet« der Rechtspflege zwischen der nationalsozialistischen und der kommunistischen Ideologie keingroher Unterschiedsei. Er verwies auch darauf, daß der Staat die Durchführung bestimmter Vollmachten auf bestimmte physische u»d juristische Personen übertrage, die nicht öffentliche Organe sind, so z. B. die Getreidegesellschaft. Er vermißt die Möglichkeit eines Rechtsschutzes gegen illegale Entscheidungen solcher Korporationen und regt deshalb die Ergänzung der Vorlage in dem Sinne an, daß den Verwaltungsbehörden Korporationen, Gesellschaften etc. gleichgestellt find, die nach dem Gesetz Verordnungen über die subjektiven Rechte von Einzelpersonen erfassen dürfen. yststlnst dar Regierungsberatungen erst nächste Woche Während das Parlament seine Frühjahrssession bereits Mitüvoch begann, sehen die Regierungsberatungen erst in der nächsten Woche ein. Der dieswöchige Ministerrat entfällt, da auch Ministerpräsident Dr. Hodja von seinem Oster- Erholungsurlaub in Oesterreich noch nicht zurückgekehrt ist. Die Rückkehr des Ministerpräsidenten nach Prag dürste Samstag oder Montag erfolgen. Die Regierung wird sich in der nächsten Zeit fast ausschließlich mit wichtigen Fragen wirtschaftlicher Nlttur zu befassen haben, so vyr"allem mit der Errichtung des landwirtschaftlichen Hilfsfonds, der Regelung der Phönixangelegenheit u. dgl. Der" wichtige" Entwurf über die Wehrerziehung befindet sich noch im Stadium interministerieller Beratungen.(DND.) Der Präsident der Republik empfing Donnerstag den tschechosloivakischen Gesandten in Madrid Dr. Flieder und hierauf Professor Erie Patterson aus London. Weiter» empfing der Präsident«ine Deputation der Stadt Pardubitz und hierauf eine Deputation der Stadt Humpolec, die ihm die Diplome der Ehrenbürgerschaft Übergaben. England wird prüfen Ob die tschechisch-deutschen Vereinbarungen erfüllt werden In einem Aufsatz in der„Pkitomnost" schreibt Dr. Jan Stränskh- London:- Was sollen wir tun, damit wir die Leute überzeugen, daß unser« Minderheitenpolitik gut ist und daß wir mit unseren Deutschen und Magyaren wie mit Mitbürgern und nicht wie mit Untertanen umgehen? Wir können nicht» tun, al» was wir tun: unsere Verpflichtungen erfüllen und den Engländern zeigen, daß wir sie erfüllen. Als der sogenannte Ausgleich mit den Deutschen vorbereitet wurde, war sich Henlein bewußt, welche Gefahr ihm droht und hat rasch Rutha nach London gesandt— aber Rutha arbeitet hier mit Methoden, welche wir beschrieben, als wir von der reichsdeutschen Propaganda sprachen und er hat dmnit keinen Erfolg gehabt. Wir sollten un» heute, oa die Vereinbarungen mit den Aktwisten verwirklicht sind, zwei Dinge ins Bewußtsein rufen: I) daß uns in England diese VereiNba» rung ungemein genützt hat, weit mehr als wir denke»— sie hat nämlich das englische ritterliche Bewußtsein und gleichzeitig die englische Furcht vor dem Krieg beruhigt, weil eS uns gelungen ist, ein« der gefährlichsten' Spitzen abzubrechen. 2) müssen wir im Auge behalten, daß England aufmerksam prüfen wird, ob wir das erfüllen werden, was wir versprochen haben und ob wir jenen Erfolg haben, den wir erwartet haben. Unser Gewissen ist gut,— zeigen wir das mit Hilfe unserer aktivistischen Freunde, verlangen wir von ihnen, daß sie für unsere Sache zeugen. Die tschechostowakische Propaganda vermochte die tschechisch-deutschen Vereinbarungen gut auszunützen, sie verstand eS, England zu zwingen, diese Tatsache zur Kenntnis zu nehmen. Im Wrigen müssen uns die loyalen Deutschen schon helfen, weil nur sie"eine» lebendigen Beweis der tschechischen Wahrheit und der"nazistischen'Lüge erbringen können. Nach Jaksch, der in wenigen Tagen seines englischen Aufenthaltes tatsächlich eine groß« Arbeit geleistet hat, sollten andere kommen, aktivistische Minister, Professoren, hohe Beamt«. In London wird im Sommer ein Kongreß der europäischen Minderheiten stattfinden— ein be« kanntes Propagandannternehmen, welches moralisch und materiell vom Dritten Reich unterstützt wird. Geben wir nicht zu, daß nur Henlein für unsere Deutschen redet. Zeigen wir, daß er nicht einmal berechtigt ist, für jene 80 Prozent deut« scher Wähler zu sprechen, welche ihm im Jahre 1085, da noch jede seiner Reden mit einer feierlichen Versicherung seiner Loyalität endete, ihr« Stimmen gaben. SENSATION IM LUXUS-U-BOO-LjL, VON ARNOLD HEIIBUT Aber trotz allen diesen vorzüglichen Eigenschaften des Geschwisterpaares fehlte es an Gästen. Diese Jankees waren zu nüchtern, zu gehetzt, als daß sie für das behaglich-behäbige Wesen des kleinen MorinS das richtige Verständnis aufbrin- gcn konnten. Möglicherweise ging ihnen auch die Unterhaltung des Franzosen auf die Nerven. Sie standen den Fanfaronaden des geschwätzigen Gaskogners vollständig hilflos gegenüber, und für Babettes reizendes Lächeln hatten sie einfach keine Zeit. Dean Baptist« konnte sich nicht akklimatisieren. Von der Natur nicht gerade mit übergroßer Intelligenz ausgezeichnet, tvar er auch, wie alle Gaskogner, zu eigensinnig, um die von ihm gemachten Fehler einzusehcn. Kein Wunder, daß er bei dem flauen Geschäftsgang sein kleines Kapital langsam aber sicher zusetzte,—— Ganz durchsichtig waren die Gründe nicht, auS denen die Mitglieder der„Dreimächte-Kon- serenz" seit einiger Zeit Stammgäste bei Morin waren. WaS Fernandez betrifft, so war natürlich die niedlich? Babette der Magnet, der ihn dort hinzog. Der Mexikaner verschwendete seine ganze nicht unbeträchtliche Galanterie, um die kleine Französin zu erobern. Wenn er bis dahin noch keine praktischen Erfolge erzielt hatte, so war es nicht so sehr die Sprödigkeit Babettes, als andere Gründe, von denen noch zu reden sein wird. Deszö Ärmster war entzückt von Jean Bap- tistes Kochkünsten und Tom Taylor, nun, Tom Taylor hast« sch« bald herausgefunde«, Paß Worin immerhin noch ein ganz annehmbares Bankkonto besaß, und daß der kleine Franzose zu den Einfältigen im Geiste gehörte— und daß hier irgendwann und irgendwie eine Chance lag. Da war noch ein Stammgast, ein ganz hartnäckiger, unentwegter. Einer, der sich öfter und länger in der kleinen Gaststube„Chez Morin" aufhielt, als seiner Gesundheit und seinem Geldbeutel zuträglich war. Dar war Edward Austin, ein Bostoner Junge und früherer Unteroffizier in der Kriegsmarine der USA. Austin war Invalide. Ein Unfall bei einem Manöver hatte ihn um den linken Arm gebracht. Eine karge Pension gewährte ihm ein sehr bescheidenes Leven. Der ettvas schwerfällige, aber gutmütige Junge hatte sich bis über Heide Ohren in Babette verliebt. Er" saß mittags und abends bei Morin und wurde nicht inüde, der rundlichen Kleinen bei ihren Hantierungen zuzuschen. Er wäre übertrieben, wollte man behaupten, er habe bei seinem stummen Lie- beswerben irgendwelche Fortschritte gemacht, Nattirlich verfolgte er di« Bemühungen des Mexikaners mit wüchsender Eifersucht, wie ihm überhaupt die drei Gefährten nichts weniger als sympathisch waren. Er runzelte die Stirn, als er sie jetzt von seinem Fensterplatz aus apf das Haus zukommen sah. „Hallo, Mr. Morin, da kommen Ihre drei Ehrenmänner", sagte er grollend. „Was haben Sie gegen die Gentlemen?" fragte Morin, ,,«» sind lustige Burschen, und außerdem lassen sie jedesmal,""ein schönes Stück Geld hier, parbleul"' «Sehen Sie sich vor, Morin, daß S i e nicht mgl eist Stück Geld bei den Burschen lassen." , ,Mie meinen Sie das?" ,.■< Austin zuckte die Achseln.„Na, so..., ich habe die Kerle gefressenI" Er warf einen fragenden Mick zu Babette hinüber."> Eben betraten die drei die Gaststube. Babette kam, sich in den Hüsten wiegend, hinter dem Schanktisch hetvür, der Mexikaner machte glühende Augen. Während Ärmster sich in die Speisekarte vertiefte, plauderte Taylor mit dem Gaskogner. Seinen scharfen Augen entging es nicht, daß der junge Seemann am Neventisch wütende Blicke auf das" flirtende Paar schoß. Als Morin in Begleitung seiner Schwester in die Küche ging, um die Bestellungen seiner Gäste auszuführen, sagte Taylor leise zu seinen Kompagnons: „Hört mal, Jungens, wenn ich mir nachher den Morin, den Idioten, vornehme, daß ihr mir nicht das Konzept verderbt, verstanden? Der gute Jean Baptiste wird die Tangente bilden in dem Dreieck U-Boot, Äilma von Hatvany und eben er, Jean Baptiste Morin. Versteht ihr nicht, was? Na, von Geometrie habt ihr keine» blauen Dunst. Ist auch egal— die Hauptsache: ihr spielt die Rollen, die ich euch zuteile." Er ivarf einen schnellen Blick zu Austin hinüber.„Uebrigens, der Jannmat da drüben, muß auch mitmachen', ob er will oder nicht." „Was. hast du vor?" fragte Ärmster,' Einen ganz großen Coup, eine Vomvtge Sache. Mal' sehen, wie'ich dem Franzosen seine"Dollar loSeise— alles andere ist dann leicht." Babette kam mit der Suppe Während der Ungar noch genießerisch mit seinem Nachtisch beschäftigt war, Fernandez, die unvermeidliche" Zigarette drehend,- Wit- Babette scherzte, ging Taylor, der, wie alle Amerikaner, sehr, schnell mit seinem Essen fertig war, zu dem jungen Seemaün hjnüher, "„Habe a drink?" redete er ihn unvermittelt an. '„Thanks", erwiderte Austin einsilbig und ließ keinen Blick von dem Mexikaner und Babette. „Want tö smoke?" stagte Daylör liebenswürdig, indem er«ine Umfangreiche Zigarre zückte. „Many thanks.". „Scheint», sind nicht gerade nach Unterhaltung aufgelegt?" erkundigte sich Tom unbeirrt. «Scheint so." Taylor wandte sich achselzuckend ab und schlenderte ans Büfett, wo der kleine Franzose"mit Gläsern und Flaschen hantierte. Hier fand er mehr Gegenliebe. Der Gaskogner war stets für «inen Keinen Speech zu haben, und einigen Kognaks war er auch nicht abgeneigt.- „Well, Mr. Morin", sagte Taylor und lehnte sich behaglich über die Theke,„wie gehen die Geschäfte?" „Faul, oberfaul^, gestand Morin, ganz gegen seine Gewohnheit-zu prahlen.' „Hm. Kein Wunder. DaS hier", Taylor machte eine weit ausholende Geste,„ist nicht da» Richtige für meiP Landsleute. Wie lange sind Sie schon in Frisco, Morin?" «So ungefähr drei Jahre•—warum?" „Sind immer noch so... so verdammt europäisch, mein Junge. Nicht auf den Westen eingestellt. Wer, zum"Teufel, hat hierzulande schon Zeit für Ihre stundenlangen Menü», und, wer hat hier in Frisco für den ganzen Krimskrams, Behaglichkeit und so, überhast Sinn?" Morin seufzte.„Ich muß ein Stück Heimat um mich haben", sagt« er empfindsam.- „Tod bleß you", antwortete Taylör salbungsvoll und leerte sein Glas. Er zog die Zeitung aus der Tasche, breitet« sie über den Schenktisch aus. „Look Here", er zeigte auf die Annonce de» Marinedepartements,„was hasten Sic davon?" Morin las gewissenhaft die Zeilen. Er lasst« zweimal, dreimal.„Eh bien", sagte er schließlich unsicher,„was soll ich davon halten?" Der Amerikaner legte ihm die Hand feierlich auf die Schulter.„Das, mein Junge, ist vielleicht Ihr« Chance, Ihre ganz große Chance." Der Franzose hob den Kopf, er sah in die» ftm AugeMick nicht gerade sehr geistreich au». ^Fortsetzung folgt.) Nr.-8 Freitag, S. April 1087 Seit« 3 fudctendeutsdier Zeitspielet Existenzkampf von 44 Bergarbeitern in Neudorf Seit Monaten liegt die Betriebsleitung des Rudiay-SchachtcS in Neudorf im Bezirk Komotäu mit den dortigen Besitzern im Streit über die Höhe der Entschädigungen für den an die Grubenmaßen angrenzenden Grund, der für den Mbau erschlossen werden soll, ohne daß es bisher gelungen wäre, eine Einigung zu erzielen. Unter. Berufung auf das Scheitern der Verhandlungen schritt die Lckbkowihsche Grubenverwaltung zur Kündigung der gesamten, aus 44 Mann bestehenden Belegschaft. Am 4. März d. I. fand bereits ein« vom Komotauer Revierbergamt über Folgerung der„Union der Bergarbeiter" eiiBerufene Verhandlung statt, in welcher die Kündigung auf den' 17. März verschoben wurde. An diesem Tage nun erfolgte neuerlich die Kündigung der Belegschaft. . Am 30. März lief die Kündigungsfrist ab und die Bergarbeiter verblieben in der Grube. Rach einem zweistündigen Streik untertags wurde der Belegschaft die schriftliche Zusicherung gegeben, dass dir KündignngSfrist biS 14. April verlängert wird, worauf daS BormittagSdrittel erst auSfuhr. Die Angelegenheit hat sich deshalb so zuge- spiht, weil die Grubendirektion eS verabsäumt hat, sich mit den Anrainern über die Grimdablöse rechtzeitig ins Einvernehmen zu sehen: Run soll die Kündigung der Arbeiter als Repressalie gegen die Grundbesitzer dienen! Der Grubendirektion in Bilin geht es nicht allein um den Erwerb der uniliegenden Gründe, sondern um die Gelegenheit, einige unliebsame Arbeiter auf daS Pflaster setzen zu können. Als Beweis für diese Annahme möge diene», daß die Grubenverwaltung von der Bewilligung, daS sogenannte Oberflöz abbauen zu können, keinerlei Gebrauch macht! Die Eikistenz der 44 Bergarbeiter ist dem Unternehmen gerade als Schncherobjekt gut genug! Auf wiederholt« Urgenzen des Revierberg- amtcs gibt die Schachtverwaltung ausweichende Antworten. Sie glaubt anscheinend, straflos mit der Existenz der Bergarbeiter spielen zu dürfen. Der Kmnpf ist mit der Verschiebung der Kündigungsfrist noch nicht beendet, sondern eö wurde die klare Entscheidung nur verschoben. Die„Union der Bergarbeiter" führt den Kampf für die Belegschaft und um die Erhaltung der Arbeitsplätze mit dem Einsatz aller Kraft. Auch hier beweist sich e i n d r u t i g, wie notwendig der einheitliche Zusammenschluß der gesanr» ten Belegschaft in der freien Gewerkschaftsorganisation ist. Die„Probewahlen" der SdP Ein neues Täuschungsmanöver Seit einigen Tagen gehen Funktionäre der SdP von Haus und Haus und fordern die Gemeindewähler auf, einen ihnen übergebenen .Stimmzettel" unter Anführung von Kandidaten, welche dem Wähler behagen, in eine Wahlurne in der SdP-Kanzlei abzugeben. Damit will die SdP bei der Wählerschaft den Eindruck er- wecken, als ob sie dieser die Auswahl der Kandidaten überlassen würde. DaS ist natürlich nichts anderes als ein Trick. Di« SdP denkt gar nicht daran, die Auswahl der Kandidaten der Wählerschaft zu überlassen, sondern bestimmt ihre Kandidaten selbst. Konrad Henlein hat bereits anbesohlen, wie vorzugehen ist und sich die Ernennung von Bürgermeistern, selbst Vorbehalten oder gewissen Unterführern übertragen, so daß nicht einmal die SdP-Kameraden etwas darein zu reden haben werden. Damit ist eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß es keine Demokratie in dieser Partei gibt. Dieser Trick verfolgt nichts anderes, als leichtgläubige Menschen einzufangen. Ein zweitesmal werden aber die Wähler der SdP nicht auf den Leim gehen. Wir empfehlen den Wählern, welch« jetzt von der SdP aufgesucht werden, diese Zettel nicht anzunehmen oder leer abzugeben! Reichenbers In der aktivistischen Front Denk an den Presidenten und an die drei deutschen Minister Reichenberg. Die hiesige Stadtvertretung nahm am Donnerstag eine Resolution an, in der sie dem Staatspräsidenten für die letzte politische Amnestie dankt; dieser Schritt erleichtere selbst den Verfechtern einer oppositionellen Politik den Weg zür Bejahung und zur verantwortungSbe- wühten Mitarbeit an einem gerechten Ausbau unseres Staatswesens. Darüber hinaus dankt die Stadtvertretung dem Präsidenten für die Initiative und Energie, mit der er mit Unterstützung des Ministerpräsidenten die in seiner bekannten Rede in Reichenberg aufgerollten nationalen, sozialen und wirtschaftlichen Problem« einer greifbaren Lösung entgegenzuführen bestrebt ist. Sie steht in den Vereinbarungen vom 18. Feber einen erstenSchritt zur Verwirklichung dieser nationalpolitischen Grundsätze und Zielsetzungen, der ihr das Vertrauen gibt, daß die verantwortlichen Staatsmänner in Einlösung- ihres feierlich gegebenen Wortes den einwal'beschrittenen Weg der nationalen Befriedung durch entsprechende Taten zu Ende zu gehen entschlossen, sind. Die Stadtvertretung dankt nicht zuletzt den dreideutschenMinistern für ihr unbe- irrtes, weder von Demagogie noch von BolkSver« hehung beeinträchtigtes AuSharren auf ihren verantwortungsvollen Posten im Interesse des gesamten Sudetendeutschtums. Sie anerkennt sm besonderen ihre aufreibende Tätigkeit zur. Linderung der nationalen, sozialen nutz wirtschaftlichen Not der deutschen Gebiete. Sie begrüßt die nationalpolitische Zusammenarbeit der deutschen Minister-in der Regierung' und verleiht der Hoffnung Ausdruck, daß es- ihnen innerhalb der Reaierungökoalition gelingen möget in den großen Lebensfragen unseres Staates eine das gesahnte Staatsvolk befriedigende und verbindende'Lösung herbejzuführin. So sieht die Volksgemeinschaft ausl Die Saazer„Heimat" veröffentlicht einen offenen Brief des Kaufmannes Adalbert T r i l t s ch aus PröllaS an den Advokaten Doktor Johann C z a p k a in Podersam, der zugleich Bezirksleiter der SdP in Podersam ist. Aus diesem Briefe geht folgendes hervor: Dr. Czapka wurde im landwirtschaftlichen Ausgleich der Eheleute S. in PröllaS zum Ausgleichsverwalter bestellt. Ihm wurden für seine Arbeit 708 KC zugesprochen. Das war dem Advokaten zu wenig, weshalb ec rekurrierte und 1786 KC verlangte. Dabei handelte eS sich um einen sogenannten einfachen landwirtschaftlichen Ausgleich, auS welchem dem Verwalter keine große Arbeit erwuchs. Er hatte eine einzige Tagsatzung zu bestreiten.— Der Kaufmann Triltsch nahm sich der Eheleute S. an, die sich in bitterer Not befinden: sie haben acht. Kinder! Er ersuchte den SdP-Advokaten,200 K<5 nachzulassen. Dr. Czapka blieb jedoch hart. Wenn die Eheleute S. den ganzen von Dr. Czapka verlangten Betrag zahlen müßten, würden sie den Ausgleich nicht erfüllen können und müßlen Haus und Hof verlassen. Als alle diese Hinweise das Herz des SdP-BezirkSleiter? nicht erweichen konnten, legte ihm der Kaufmann Triltsch die DhP-Legiti- mation der Eheleute S. vor. Als dann S. selber noch einmal bitten ging, sagte der Volksgenosse Advokat, daß er n i ch t s Nachlassen werde, daß er aber für den verbleibenden Rest einen Zahlungsaufschub bewilligen werde, wenn ihm S. einen Bürgen bringe. Der Kaufmann Triltsch bemerkt in dem Brief: „Ich kenne den Standpunkt der ganzen Podtrsamer Juristen kn solch«inen Fall nicht, - hoste aber, daß man gern« auf einen Anteil von 86 XL, der auf jeden der Herren aus dem Ausgleich S. entfällt, verzichtet, wenn es darum geht, einen armen deutschen Kleinbauern seine Scholle zu erhalten. Ich bin. ein armer Kaufmann, der alles verloren hat, aber so viel Mitgefühl mit einem Mitmenschen bringe ich auf, dort zu helfen, wo es not tut. Ich habe den Ausgleich S. verfaßt,- ohne nur da» Papier bezahlt zu verlangen, habe mich um die Vollmachten bemüht, Zeit und Geld geopfert, um dem armen S. die. Scholle zu erhalten. Nun. ist der Ausgleich abgeschlossen. Der Kleinbauer S. hat keine Einnahmen, sein Vieh ist ihm umgeständen, sein« Felder sind infolgedessen darnieder, seine Kinder kennen kein Weihnacht»- und Osterfest,' haben nicht» zum anziehen, aber 708 Xi muß der arme Mann aufbringen ugd wenn e» ihm die Haut vom Rücken kostet. Ich macht die SdP für den Fall S. nicht verantwortlich, aber der Zweck dieses offenen Briese» soll der sein, dem deutschen Volk zu zeigen, daß e» leichter ist'von der Volksgemeinschaft zu fordern, al» im Sinne der Volksgemeinschaft zu handeln." Erst sagt man den? armen Volksgenossen, sie sollen recht viel Kinder zeugen..Wenn mit den Kindern dann die Not da.ist, gefährden. SdP- Funktionäre der Familie den Besitz von Hau» und Hof. Dar ist.die„Volksgemeinschaft". Slowaken für dtp Dritte Reich Am Donnerstag nachmittags gegen 7 Uhr kamen am Bahnhof in Warnsdorf 88 Jungens und Mädels aus der' Slowakei an....Der große Trupp',siel natürlich allgemein auf und auch die SicherheUsorgane erkundigtensich, wohin.denn die Reife geh«. Sic vernahmenzu ihrem Erstaunen, daß die Slowaken nach Deutschland als-Arbeiter äNsseworden.sein sassen. Die Gendarmerie.inter« I essicrtc sich nun für die Papiere der Auswanderer. und stellte fest, daß die Slowaken weder gültige Reisepässe, noch eine Avbeitsbewilligung besaßen. Die Leute wurden in einem AufenthaüSraum des WarnSdorfer Bahnhofes zurückgehalten. Die Gendarmerie hat die Sache in die Hand genommen. Zunächst ist dec Mann verhaftet Ivor- den, der als Transportführer betrachtet werden kann. Dieser TranSportführer ist kein Slowake, sondern ein tschechoslotvakischer Staatsbürger deutscher Nationalität. Man hört, daß er sozusagen aus Grundsatz Sympathien fiir das Dritte Reich hab« und deshalb die Slowaken und Slowakinnen nach dort vermittle. Demnach dürfte man nicht fehlgehen in der Annahme, daß es sich bei diesem Menscheiwermitilcr um einen Henlein- Jünger handelt, der seine„Ware" auch ohne Paß Wsgeworden wäre. Ob er entgegen aller Raffentheorie von Streicher eine Blutansfrischung im Dritten Reich auf diese Weise ermöglichen wollte, ob er den SS-Kämpfern nur billige Marketenderinnen oder ob er Grundbesitzern billige Arbeitskräfte vermitteln ivollto, kann im Augenblick nicht gesagt werden, da die Gendarmerie im gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit jede Auskunft ablehnt. Großfeuer in Barzdorf bei Braunau. Mittwoch, den 81. März, kurz nach 12 Uhr mittags, brach in der Hostmann-Mühle aus bisher nicht geklärten Ursachen Feuer aus, daö durch den Funkenflug und den Wind auf die Anwesen der Landwirte Meier, Storch und Drechsel übertragen lvurde. Insgesamt wurden acht Objekte teils gänzlich eingeäschert, teils der Dach- stühle beraubt. In der Hosfmann-Mühle brannte der Dachstuhl des Wirtschaftsgebäudes ab, während die daneben stehende Scheuer vollständig der Raub der Flammen lvurde. Bei den Landwirten Meier und Storch fielen die Dachstühle der Wohngöbändc dem Feuer zum Opfer. Am schlimmsten wütete daö Element bei dem Land- lvirt Drechsel. Dort brannten das Wohngebäude, die Scheuer, der Schupfen und das Aus- zum Einreiben und Massieren gedinge zur Gänze nieder. Die in der Nähe des Brandherdes befindlichen Objekte blieben verschont, während der Funkenslug erst einige hundert Meter entfernt neuerlich zündete. Aus der Umgebung eilten viele Wehren herbei und den großen Anstrengungen gelang«8 schließlich, den Feuersgewalten zu steuern, bevor das Unglück noch größeren und unabsehbaren Schaden in der Gemeinde Barzdorf Hervorrusen konnte. Der Schaden ist teilweise durch iVersicherung gedeckt. In V1 Häusern 100„BolkSwille". lieber die Aufnahme, die die jüngste Sondernummer unseres Karlsbader„BolkSwille" bei ihren Lesern fand, gibt ein Bries Aufschluß, den das Blatt aus G r o ß l o h bei Wildstein erhielt und in dem es heißt:„Die von uns bestellten 100 Exemplare des„BolkSwille" wurden sämtlich verkauft. Zu bedenken ist, daß das in unserem Orte mit 81 Häusern eine große Zahl ist, zumal hier noch ein SdP-Abgeovdncter zu Hause ist. Vor zwei Jahren lväre das allerdings nicht gelungen. ES wurden damals Flugblätter nicht einmal gratis angenommen." Ist der Deutsche Lehrerbund eine Henlein- filiale? In den letzten Tagen ging von dem der Henleinbewegung dienenden Adam Kraft Verlag allen Mitgliedern des Deutschen Lehrerbundes das erste Heft der Zeitschrift„Das Deutsche Erbe— Blätter für volkhafte Dichtung" zu. Bei näherem Zusehen entdeckte man, daß die Adreffenschleisen dieselben sind, die zum Verschicken der„Freien Schulzeitung" verwendet werden. Es ist einfach unerhört, das Adreffenmaterial eines Verbandes. In dem Hunderte sozialdemokratischer Lehrer organisiert sind, einer Institution zu überlassen, die eine Propaganda betreibt, ipelifje nicht sehr weit vom Nazismus entfernt ist.' Die sozialdemokratischen Lehrer fordern wir auf, sich eine solche Handlungsweise nicht gefallen zu lassen und in den Bezirks- und Landeslehrervereinen, die den: Deutschen Lehrerbunde angeschlossen sind, ener- gisch dagegen zu protestieren., - Tetschen ohne Schnttlziig»vrrtind«m mit Prag. Im neuen Fahrplan, der im Mai in Kraft treten Wird, wird da» letzte Schnellzugspaar, da» zwischen Tetschen und Prag verkehrte, nicht mehr enthalten fein, Die beiden Züge werden über Bodenbach gefestet werden. Der von Berlin, bzw. Dresden in Tetschen um 8 Uhr morgen» eintrestende Schnellzug wird in Bodenbach um 2.89 Uhr cintreffen, geht von ha um 0.44 Uhr ab und kommt in Prag um 8.40 Uhr kam In der entgegengesetzten Richtung verläßt der 'Schnellzug Prag(Masärhf-Bahnhof) Um 28.89 und kommt' i» Bodenbach um 1.88 Uhr an. Die Auf- 'lassiing de» SchnellzngSvetkehts über Tetschen erfolgt Wegen zu geringer Frepuenz.. Freiheitskämpfer Im Hungerstreik Ein Leser aus der Jugendbewegung schreibt uns: . Die Nachricht über den Hungerstreik des von den österreichischen Behörden schon seit vielen Monaten festgchaltencn und wegen eines und desselben Deliktes immer ausö neue bestraften H o l n b e k muß bei allen rechtlich denkenden Menschen die größte Erregung auölösen. insbesondere aber bei denen, die Josef Holubek kennen. Er ist ein Vertreter jener jungen sozialistischen Arbeitergeneration, die aus gan- zem Herzen die Freiheit Oesterreichs wünscht und in ddn Febertagen dos Jahres 1934 für ihre Ideale init ihrein Blut eintrat. Holubek ist einer der Besten und Sympathischesten dieser jungen Sozialisten, und sein Schicksal ist ein Schulbeispiel dafür, mit welch einer Gehässigkeit und Kurzsichtigkeit daö gcgemvärtigo östccreichi- sche Regime die junge Generation von sich stößt, um die zu werben, die versöhnen zu wollen es immer wieder versichert.' Auch Rausche r, der bei dem großen Sozialistenprozeß des Vorjahres Verurteilte und dann Amnestierte, wird aus Purer Gehässigkeit im Konzentrationslager Wöllc.rSdorf fcstgeholtc». Und während die jungen Sozialisten, deren Gesinnungsfestigkeit jeder kluge und kultivierte Gegner achten müßte, in den Gefängnissen, bleiben, gibt man eben j e n e y Nationalsozialisten die Freiheit wieder, gegen deren Ziele sich der Kampf der österreichischen Sozialisten in erster Linie richtet. Auch die Regierung Schuschniggs gibt bekanntlich vor, gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen.—(sic hat eS in der Hand, der jungen österreichischen Arbeitergeneration einen Beweis ihres guten Willens zu geben: sie möge Holubek und Nauscherendlich freilassenl Fine unglückliche Stadt Furchtbare Wirkungen eines Luftbombardements Donnerstag früh bombardierten aufständische Flugzeuge In zweimaligem Anflug die Stadt Durango südöstlich von Bilbao, wobei auch Brandbomben abgeworfen wurden. Die Folgen waren furchtbar: 200 Personen wurden getötet und ISO verletzt. Beim zweiten Bombardement wurde» sogar die in die Felder geflüchteten Bewohner von den Flugzeugen auS mit Maschinengewehrfeuer überschüttet. Die Stadt war schon vorher wiederholt dos Ziel von Luftangriffen gewesen. In der Rächt zum Mittwoch hatte die Zahl der Todesopfer dieser Angriffe SexeitS 01 erreicht. In dem dortigen Kloster sind durch Fliegerbomben 13 Nonnen umS Leden gekommen. Auch eine Kirche wurde stark beschädigt. Italienische Nichteinmischung In der Praxis Valencia. Das spanische Pressebüro Fabra meldet: Meldungen auS verläßlicher Quelle zu- splge wurden in der Nacht zum 28. März aus Mailand 80 F l u g z e u g e nach Spanien expediert. Die Fabrik Jsota Fraschini und andere iialicnische Wnfsenfaüriken arbeiten mit Volldampf. In Italien treffen zahlreiche Schiffe mit verletzten italienischen Soldaten aus Spanien ein. Die Verletzten werden mit dem Erschießen bedroht, falls sic sich über ihre Erlebnisse in Spanien äußern.- Vie Glocken schwelgen Protestaktion der Saar-Katholiken Paris. HavaS meldet auS F o r b a ch, «inen» französischen Städtchei» an der Saargrenzc, dass die dortige Bevölkerung mit Verwunderung bemerkt habe, dass zu den Osterfeiertagen in den Saargemrinden dir Glocken nicht geläutet haben. Jetzt erfuhr man, dass in allen katholischen Pfarr- fprengeln des ehemaligen Plebiszitgebietes die Oster-Festmessen durch stille Messen ersetzt wurden pnd dass dl, Bischöfe von Trier und Speyer, zu deren Diözese»» daS Saargebiet gehört, auch die Weisung gaben, dgS Glockenläuten zum Zeichen des Protestes gegen dir Entscheidung deö deutschen Kommissars Biirckel einzustellen, der mit Wirksamkeit von» 1. April alle privaten katholische» Schulen aufgehoben und den Eltern ungeordnet hat, ihre Kinder gleichzeitig mit des» evangelische» Kinder» in die gemischten Schulen zu schicken. Dir Saarbevölkerung, die'in ihrer grosse» Mehrheit katholisch ist, zeigt« sich sehr»»zufrieden mit dieser Entscheid»»» und schloss sich überall der Weisung der Bischöfe an, zu«» Zeichen der Trauer und der Richtzustimmmig nur stille Messe»» z« lesen und das Glockenläuten rinzustrllen. Seite 4 Freitag, S. April-1087 Nr. 78 i Sozialismus, Frieden und Demolratie. Sie stellt sodann vier loichtige Maßnahmen des wirtschaftlichen Neuausbaues in Aussicht. Sie betreffen: 1. Die Finanzen(Verstaatlichung der Banl von England, Kredit» und Kapitalsleitung, Finanzierung öffentlicher Arbeiten und Unternehmungen usw.); 2. Grund und Boden(Kontrolle der Bodenverwendung im öffentlichen Interesse, Schuh des Kleinbesihes, der Pächter und Mieter); 8. Verkehrswesen(Vergesellschaftung der Eisenbahnen und anderer wichtiger Verkehrsmittel, Ausschaltung der Konkurrenz); 4. Kohle und Kraft(Vergesellschaftung des Kohlenbergbaus, der Elektrizitätserzeugung, der Gaswerke und sonstigen Energieanlagen). Nobel-Friedenspreis für Gandhi? Oslo.(Reuter.) GH andi ist einer der Kandidaten für den diesjährigen Nobelfriedenspreis. Auch Rakowski verhaftet? Paris. Der„M a t i n" veröffentlicht eine Depesche, die aus Riga in London eingetroffen ist und die behauptet, daß in Moskau der ehemalige Sowjetbotschaster in London, Christian Rakowski, verhaftet worden sei unter der Beschuldigung, an der trohkistischen Verschwörung gegen das Leben Stalins beteiligt gewesen zu sein. kritischer Luftmarschall London. Sir Cyril Newwall, der im Weltkrieg ein britisches Flugzeuggeschwader in Flandern kommandierte, ist zum Luftmarschall er» - nannt worden. DaS„Jahrhundert des Kindes" hat man unsere Epoche einst genannt. Einen interessanten Beitrag zu diesem Thema stellt eine Unterredung zwischen einem Londoner Journalisten und der ehemaligen Gattin des berühmten Filmschauspielers John Barrymore, Dolores Castello, dar, die zur Zeit mit ihren beiden Kindern, dem dreijährigen John und der sechsjährigen Dolores in England weilt. Die beiden Kinder, erzählt Mrs. Costello, lebten nicht in der Wohnung ihrer Eltern, sondern waren aus Furcht vor Entführern in eitler entlegenen Mietwohnung untergebracht, Mrs. Costello berichtete sodann, daß die' Kinder über Anraten der Polizei nicht einmal photographiert werden durften, um zu verhüten, daß ihr Bild Gangstern in die Hände falle, welche der Familie mehrmals Drohbriefe geschickt hatten. Barrymore war der bestbezahlte Schauspieler HolhwoodS und lenkte auf diese Weise die Aufmerksamkeit der.Kidnappers" auf sich, die sich, Ivie MrS. Costello erklärte, durch ungewöhnliche. Grausamkeit und verbrecherischen Zynismus auszeichnen. Auf die zweifelnde Frage eines Journalisten, ob es sich nicht bloß um Einschüchie- rungsversuche gehandelt habe, antwortete MrS. Costello:„Und der Fall Lindbergh oder des Arztes Maxton?", worauf der Journalist schwieg. Gemeinnutz. Schon wieder ist eine deutsche Großstadt von einem riesigen Korrupttonsskandal heimgesucht.. Im Mittelpunkt steht der Bremer Oberbürgermeister und Senatspräsident H e i d e r, der eineinhalb Millionen Mark unterschlagen und diese Summe teils für sich verbraucht, teils zur Bestechung zahlreicher SS.» und SA-Führer verwandt hat. Der Skandal kam dadurch ans Tageslicht, daß ein kleiner Beamter, dem eine Unterschlagung zur Last gelegt wurde, sich damit vertei» Gerüchte über Bessarabien' Bukarest. Das von einer Üteihe ausländischer Blätter übernommene Gerücht von einer Anerkennung der.Souveränität Rumäniens über Bessarabien durch die Sowjetregierung findet in Bukarest«och keine Bestätigung. Zuständig« Stellen erklären, das) die rumänische Regierung von einem derartigen Schritt der Sowjetregierung noch keine Kenntnis habe. Deutsche Truppen stürmen ein-spanisches Dorf' Ein« interessante Aufnahme von dem spanischen.Kriegsschauplatz in der. Nähe, von Madrid. Man sieht deutlich die deutschen. Helme und Uniformen.'(Das Bild wird von Scherl vetbreiteti). Flucht vor HenlelibSpltzelri Während zu den Osterfeiertagenin Bodenbach und Tetschen ebenso wie in allen, anderen Grenz orten von den reichsdeutschen Gästen und AuSflüglekn nichts oder nicht viel zu merken war und aus allen Orten des Grenzgebietes lebhafte Klagen über das schlechte Ostergeschäft laut werden, berichten die Prager Blätter von einem wahren R e k o r d b e such P r a g s jdurch die Reichsdeutschen, Einige ZusammenstöBe mit ungarischen Nazis Budapest. In SzentrS kam«S am Donnerstag zu Zusammenstößen zwischen Arbeitern und Nationalsozialisten, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. Der Anstand einiger der Berletzten ist ernst. Di« Polizei hat zahlreiche sozialistische Arbeiter verhaftet. digte:»War die Großen dürfen, kann mqn mir nicht verbiete.nl"...Di« Presse erhielt«in. Schreibverbot über' den Fall. - Die Hinterlassenschaft'der„großen Zeit". Bei einem Dorf im'wolhynischen Kreis Horockow fanden Kinder auf dem Felde eine noch aüS dem Weltkriege stammende-Granate. Diese explodierte, als die Kinder.mit ihr-spielten. ZweiKinder wurdest getötet üiid ein drittes schwer-verwundet, -Die Gattenmörderin Rosa Roöek, die Mittwoch beim-Präger. ScheidungSgericht ihren Gatten, den Stabskapitän Josef RoLek, durch drei Revolverschüsse Mete, wurde nach durchgeführtem Polizeiverhör und polizeiärztlicher■. Untersuchung der Untersuchungshaft des- Prager. Strafkreis- gerichteS eingeliefert. Die Borerhebungen zu. der Auflage wegen des Verbrechens des Mordes wurden eingeleitet. lieber die strafrechtliche Zurechnungsfähigkeit der Mörderin-werden die Gerichtspsychiater zu entscheiden haben. DaS Mißgeschick de» Generals von Faieck. Generäl von Fabeck hat soeben'sein LVjähriges Dienstjubiläüm in würdiger Wejse gefeiert. Er war vor dem Kriege einige Wochen lang in der ganzen Welt berühmt geworden. Er hatte das Mißgeschick, als kommandierender General von Straßburg einer bösen Mystifikation zum Opfer zu fallen. Eines Morgen» um zehn Uhr erhielt-er ein-Telegramm folgenden Inhalts:„Bin um 12 in Straßburg stop erwarte Parade auf dem Polygon Wilhelm l. R." General von Fabeck alarmierte selbswerständlich sofort die gesamte Garnison. In einer Swnde waren sämtliche Truppen in feldmarschmäßiger Ausrüstung in den Kasernen versammelt, um Punkt zwölf Uhr standen 18.VVV Mann mit dem Offizierskorps und der Generalität, dem Straßburger Statthalter von Eggloffftein und sogar dem Prinzen Joachim, der damals in Straßburg studierte, auf dem Polygon. Auch alle zivilen Behörden und Vereine waren angerückt. So standen sie volle zwei Stunden. Bis man auf Nachfrage in Berlin" die Auskunft erhielt, daß der Kaiser zur gleichen Zeit in Königsberg in Ostpreußen weilte. Bon Fabeck gab den Befehl zum Abmarsch, und kurz darauf wurde er verseht. Diese Affäre, die in der ganzen Welt Gelächter, beim Kaiser maßlose Wut auslöste, war- einer der Gründe, warum Hindenburg als unmittelbarer Vorgesetzter Fabeck» 1018 seinen Abschied nahm. Der Autor de» Telegramme» war ein junger Telegraphist, den man, um einen aufsehenerregenden Prozeß zu vermeiden, für geisterkrank erklärte und in» Irrenhaus einsperrte.» Irrtümlich beschossen. Die ftanzösische Fluggesellschaft Air France bestätigte, daß eine» ihrer Flugzeuge bei der Ueberfliegung Valencia» bombardiert wurde. Der Vorfall hat sich am 80. März ereignet. E» handelt sich Um dar Flugzeug„AntareS" mit sieben Personen, davon vier Reisenden, an Bords da» sich auf dem Wege von Alicante nach. Barcelona befände Al» dg».Flugzeug über Valencia In großer Höhe erschien,, beobachtete die Besatzung de» Flugzeuge» Artilleriefeuer, da» sich auf. da» Flugzeug richtete und,.wie eS scheint, von den Küstetchatterien herrührte. Der Radiotelegraphist sandte sofort einen Bericht au», um aufmerksam zu machen, welcher Staatzugehörigkeit da» Flugzeug ist. Kurz darauf wurde da» Feuer eingestellt. Der Vorfall wird also dadurch erklärt, daß die Regierungsartillerie das Flugzeug deshalb beschoß, weil sie. annahm, daß es sich um-ein aufständisches Flugzeug handele. Di« Staatszugehörigkeit da» Flugzeug ist.. Kurz. darauf erkennen, weil e» sehr hoch flog. Der Vertreter der spanischen Botschaft in Pari» hat nach diesem Vorfall der. Gesellschaft Air France da» Bedauern seiner Regierung über diese» Mißverständnis ausgedrückt. Karambol in der Luft. In der-Nähe von Posen stteßen bei einem Uebungsfluge-zwei einsitzige polnische Militärflugzeuge zusammen und stürzten ab. Beide Flieger waren auf der- Stelle tot. Die Rache der Wildschützen. In der in den französischen Alpen gelegenen Gemeinde Valensol erschoß ein Wilderer bei einem Leichenbegängnisse au» Rache zwei Gendarmen,.worauf, er sich durch einen Schuß selbst entleibte,.. kiche Verbesserungen für die Lebenshaltung und die Wohlfahrt des Volkes. Sie betreffen: 1. Er nährung; 2. Löhne; 8. Freizeit; 4. Existenzsiche», runsi(Arbeitsbeschaffung, Sozialfürsorge, Alters» sicherer'sühlen"I''^"Der Mann inüß gewisse reuten usw.). m... 1 Erfahrungen besitzen; denn so ähnlich ist es ja u.SKWVW'SSK 8« einem b« btlnaenbffen P-Meme Ennlan» weit e» von Elementen, denen mehr als e ne De. geworden ist.> nunzumon zuzutrauen ist. Sonderbar ist nur, Zuni Abschluß spricht das Programm von der daß die Grenzgastwirte, die' ja zu allermeist auf Außenpolitik und der Landesverteidigung. Es be» Henlein gleichgeschaltet sind, solche Früchte kennt sich zum Völkerbund, zur kollektiven Sicher- ernten müssen. heit, zur internationalen Abrüstung und zur In-! tcrnationalisierung der Luftfahrt und der Luft polizei. Die Arbeiterregierung wird die zur Ver« 1 teidigung des Landes und zur Erfüllung seiner VölkerbundSverpflichtungen erforderliche bewaff- neie Macht ausrechterhalten. Exekutiv« dor S. A. I. Der Parteivorstand der englischen Arbeiter partei hat an Stelle des verstorbenen Genossen Compton den Abgeordneten Arthur Jenkins zum Mitglied der Exekutive der S.A.J. bestellt. Die Vertreter der Labour Party in der Exekutive. besteht nun au» George Dallas, Hugh Dal- ton, William GillieS, und Arthur Jen kins. Bureau der 8. A. I. Genosse Jean Delvigne(Belgien), der gegentvärtig als Vertreter des Internationalen Solidaritätsfonds in Spanien weilt, hat aus dem Grunde dieser seiner Abwesenheit sein Mandat im Bureau der S.A.J. zur Verfügung gestellt. Die Exekutive der S.A.J. hat daher in ihrer letzten Sitzung Vanderveld«(Belgien) an Stelle Delvigne» zum Mitglied des Bureaus gewählt. Parteitag Die Sozialdemokratische Partei Ungarns hat ihren Parteitag für den 4. und 5. April nach Budapest einberufen. Alis der Internationale Ein Reglerungsprogramm der englischen Arbeiterpartei Die Parteileitung der englischen Arbeiter partei hat auf dem letzten Parteitag angekündigt, daß sie ein Aktionsprogramm der Partei in ila«' rer und verständlicher Zusammenfassung heraus geben werde. Dieses Sofortprogramm ist nun in Gestalt einer Erklärung veröffentlicht worden, die jene wichtigsten Maßnahmen aufzählt, welche die Partei sich im Lause einer Wahlperiode durchzu führen verpflichtet, sobald die Wähler sie zur Macht berufen haben werden. ES handelt sich also um ein richtiges Regierungsprogramm der Ar beiterpartei..,-■.■ i Die Erklärung bezeichnet vor allem als die zehntausend Reichsdeutsche benützten die Oster- Ziele der Partei und einer Arbeiterregierung: feiertags zu einem Ausflug nach Prag. Wie ist Sottalismus. Frieden und Demokratie.' es zu erklären, daß die der tschechischen Sprache nicht mächtigen Reichsdeutschen das sudctendeut- sche Grenzgebiet mieden und zu Tausenden dem tschechischen Prag zustrebten? Die. Antwort auf diese Frage wurde einem Genossen auf der Fahrt von Prag gegen Bodenbach von einem Reichsdeutschen zuteil, als die gleiche Frage an ihn gerichtet wurde. Der Reichsdeutsche sagte: „Sehen Sie, das ist ganz leicht erklärlich. Im sudetendeutschen Gebiet dominieren die Anhänger Konrad HenleinS. Niemand von uns fühlt sich unter diesem sicher, jeder muß fürchten, daß ~, I er überwacht, bespitzelt und'wegen eines unbe- DaS Programm'verheißt ferner vier wesent- dachten Wortes bei den reichsdeutschen Grenz- “'".—L.jjjj-) organen denunziert wird. Dem wollen wir ausweichen und deshalb fahren wir lieber in das Innere Böhmens, wo wir uns freier und Lpankvst« Kinder Die Größe und Bedeutung unserer freiwMigen Deutschen Jugendfürsorge ist seit ihrer vor fast'80. Jahren erfolgten Gründung ständig gestiegen. Heute unterstützt unser größter, einheitlicher Jugendschutzverband mit. 27 Millionen KJ jährlich unsere deutschen Kinder in 408.880 Einzelsällen. Doch auch die Not und daS Elend sind von Jahr zu Jahr gewachsen und die Beanspruchung der Deutsch-n Jugendfürsorge steigt ins schier Unermeßliche. Soll da» weite, in unermüdlicher Arbeit ausgebaute Wirkungsgebiet de» Jugendschutzes ungeschmälert im gleichen Umfange erhalten bleiben und der, dem Fortschritt auf allen Gebieten entsprechende Ausbau nicht vernachlässigt werden, so ist die Unterstützung aller notwendig. Da» sind die Gründe, die die Deutsche Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen veranlaßt haben, den Monat April zu einem Werbemonat der Deutschen Jugendfürsorge auszuersehen. Tine großzügige Werbung, die sich an alle, die noch etwa» für unsere leidenden Kinder und' unsere Zukunft übrig haben, wendet, setzt ein und will dort aufllären, wo die sttlle, verborgene Arbeit unserer Deutschen Jugendfürsorge noch nicht richtig erkannt ist. De« Wunderrabbl erkrankt. Donnerstag vormittag» fand in der Wohnung des Haupttabbiner» von- Mukaöevo, Lazar Spira ein Konsilium von zwei Mukaöevoer Aerzten und zivei Spezialisten unter dein Vorsitze des Wiener Professors Dr. Goldstein statt, welcher,gestern pttt seinem Assistenten gekonunen war,. uln den vor einer Woche erkrankten Rabbiner zu untersuchen. Die ursprüngliche Annahme, daß Spira an Kreb» leidet, hat keine Bestätigung gefunden, Er wurde eine andere innere Krankheit festgestellt, welche den Rabbiner in erheblicher Weise schwächt. Da» ärztliche Konsllium sprach sich dahin au», daß der Rabbiner Spira trotz seine» ernsten Zustande» wieder hergestellt werden könne. Der 68jährige Lazar Spira ist in der ganzen Welt al»„Wunderrabbi"' bekannt. Er kam mit seinem Vater im Jahre 1878 au» einer ostgalizischen Gemeinde nach Munkaöevo. Nach dem Tode des Vater» übernahm er dessen Amt und wurde vor 24 Jahren zum Oberrabbiner von Mukaöevo ernannt. Spira besitzt viele Anhänger im Auslande. Seine Feinde sind die Anhänger de» Rabbiner» von B elz sowie die Zionisten, welche nicht vergessen können, daß er gegen da» vor einigen Jahren' in Mukaöevo errichtete fortschrittliche hebräische- Gymnasium- einen Fluch auSgestoßen. hat. Unter großen Feierlichkeiten fand seinerzeit die Vermählung seiner einzigen Tochter mit dem Sohne eine» Rabbiners.au» Polen statt, welcher Spira» Nachfolger werden soll. Izzet Pascha gestorben. Im Aller von 78 Jahren starb in Istanbul der ehemalige Großvestr, Marschall Achmet Izzet Pascha. Marschall Izzet war im Weltkrieg Oberbefehlshaber der Truppe an der Ostfront und im Kaukasus. Er unterzeichnete al» militärischer Bevollmächtigter der Türkei' die Frie- densverträge von Brest-Litowfl und Bukarest und' den Waffenstillstand mit den Alliierten. In den letzten Kabinetten der Istanbuler Regierung' war der Markchall Innen- und Außenminister und nahm an den Londoner Friedensverhandlungen teil. Nach der Machtübernahme durch Kemal Pascha ttat Izzet. Pascha ganz vom polittschen und militärischen Leien zurück. Wahrscheinliches Wetter Freitag: Vorwiegend bi» wechselnd bewölkt, vereinzelt etwa» Regen, mäßig warm.— Wetieraussichten für Samsta g: Keine größere Aenderung. ' Vom Rundfunk, am d«n Proarammtnt' Samstag: Prag, Sender I: 7:s\ Morgemyusik, 18.88: Deutsche Presse, 18.18: Deutsche Sendung: Lehrerin-und Mutter,-12,18:'Schallplatten. 18: Unterhaltungsmusik 17,88; Deutsche Sendung: Dr. Hoop: Sporworfchau, 18; Heitere Klassiker, Hörfolge, 18.48: Deutsche Presse. 18.88: Deutsche Aktualitäten, 19.28: Konzert, der Postangestellten, 22.28: Schallplatte». Prag, Sender II: 14.18: Deutsche Sendung: Alte Schnurren, alte Tänze, 14.48: Kulturrelief. 14.88: Deutsche Presse, 1R18: Salonorchester.—Brünn 17.48: Dr. Veöerqr Ostern in der Musik,— für die Jugend,— Preß»' bürg 18.18: Operettenmusik,.- 28.88: vffenbachis- Madame Favart, Komische Oper.—Kascha« 12.88:' Opernduette, 12.88: Rundfunkorchesterkonzert.— Mährisch-Ostrau 11.88: Blechmusik, 18.88: Schallplattenkonzert. Nr. 7» Freitag, S. April 1937 Der Tag der indischen Verfassung Von Bath Körner IMtewlrtacfiaft Hwt SoaialpefiM Man erhalt für » » ■ ■ ,w ,— wurde nicht nennenswert verringert. Immer 'noch ist es den Abgeordneten verboten, die entscheidenden politischen und wirtschaftlichen Fragen' jauch nur zu diskutieren. Und immer noch wurde die exterritoriale Gerichtsbarkeit nicht aufgehoben und verfügt der Governor-General über ein weit« gehendes Notrecht, d. h. das Recht, alle Gewalt an sich zu nehmen, ohne Parlament zu regieren und Verordnungen oder Erlässe herauSzugeben, welche Gesetzeskraft besitzen. Aber das Wahlrecht wurde 'auf einen großen Teil der Inder ausgedehnt; dem Volke eine Reihe von wesentlichen andern Rechten eingeräumt, der erste, wenn auch noch unvollkommene Versuch gemacht, dem Lande eine demokratische Regierungsform zu geben; vom Parlament in London di« Indian Navy Bill bestätigt, durch die die indische Marine zu einer DominionSslotte avancierte und der steigenden Jndisierung der Armee zugestimmt. Und dann— vor allem— wurde den Provinzen die völlige Autonomie gegeben und Indien in einen Bundesstaat verwandelt. Einen Bundesstaat, in dem die bisher britischen Gebiet« und die Fürstenstaaten aufgehen werden. Um seine Vormachtstellung in der Welt zu sichern, muh England die indische Peninsula im Nahmen des Commonwealth erhalten. Ohne ihren Besitz würde das Empire zerfallen. Und fuhr. Das betrifft die Hohlglas- und die Tafel« glaSerzcugnng sowie die Gablonzer Waren. Die Gesamtausfuhr im heurigen Jahr nähert sich der Hälfte der Ausfuhr in der gleichen Zeit der Kon- junlturjahre. In den vergangenen fünf Jahren hatte sie kaum 40 Prozent der Ausfuhr in den ersten beiden Monaten des Jahres 1929 erreicht. Die Baubewegung war schwächer als im Jänner, aber stärker als-im Borjahr. Die Zähl der Baubewilligungen, vorwiegend für Wohnhäuser,, ist gestiegen. Die Zementer- zeugung ist gröber als im Jänner gewesen, /blieb aber unter Borjährshöhe, Die Schotter- werre sind.gutbeschäftigt. In der Stein- indüstri« hält die Stagnation mit. Rücksicht auf die noch beschränfte Strahcnarbeit an. Baumaterialien hatten guten Absatz. Der Ho'lzab,satz im Inland ist sehr güt, hauptsächlich.infolge des Bedarfs'der Industrie-' betriebe.. Dringend ist. die Nachfrage nach Grubenholz. Der Holzexport, ist weiterhin befriedi- gcnd. In der Papierindustrie ist die Lage unver- ändert geblieben.’.. Die Beschäftigung der Textil in d ustri e Meb auch im Feber auf'dem höheren Niveau,, vpn ivelHem die früheren Berichte sprachen.'In einzelne»',Zweigen machen sich Schwierigkeiten bei der Anpassung andie erhöhten Produktionskosten bemerkbar: Der' Verkauf von Fertigerzeugnissen stockt offenbar, während die Nachfrage nach Halbfabrikaten sehrgrotzist. Dieser Instand, von dem anzunehmcn ist, daß er durch die weitere Entwicklung,'beseitigt werden wird, könnte in- einigen Zwetgen sich ungünstig auswirken, Die Situation der Leiüenindustrie'hat'sich'gebessert, da die Rückgewinnung ,d«s'im Vorjahr-' verlorenen Absatzgebietes gelang.—Die Konfektion sindu- MHeMfö. güt mit Aufträgen versorgt, daß sie die vöM-Zahl'der qualifizierten Arbeiter beschäftigt....Im Jnlandskonsum-macht sich, ein' liebergang von billigeren zu qualitativ besseren Waren bemerkbar. Dieselbe Tendenz' zeigt sich auch beim Export, welcher sich erweitert.. Die Wäscheindustrie meldet Schwierigkeiten bei der Rohmaterial- Die Nationalbank veröffentlicht die liebersicht Wer die Situation in den einzelnen Produktionszweigen' im Feber und zu Beginn des eben vergangenen Monats. Wir entnehmen dieser Darstellung: Die günstige Lage der K o h l e n i n d u- strie dauerte auch im Feber an. Während in den letzten Jahren.der Feber immer einen saisonmäßigen Rückgang der Förderung aufwies, wird Heuer«in Steigen verzeichnet; die Kokserzeugung ist allerdings auch Heuer, schwächer. Im- Feber wurden- 1,-271.083"Tonnen Steinkohle und 1,808.421..Tonnen Braunkohle gefördert- und 209.600 Tonnen Koks produziert. Das bedeutet gegenWer demBwcjqht! bei Steinkohle 40 Prozent,- bei Braunkohle 18 Prozent^und bet Koks 49 Prozent mehr.Zqr gebefferten Kohlenförderung trug nicht.nur der steigende inländische Bedarf, sonpem' auch- der Export bei. Die günstigere Bewegung'bei Steinkohle ist'auf den wachsenden Bedarf der Eisenindustrie zurückzuführen,, während dl« Braunkohle dadurch, betroffen' wird, daß in ihrem-maiürlich'en- Absatzgebiet die-Judu- striebelebung später eintrat und außerdem der Export nach Deutschland-dauernd durch-eine rsn- genügende Kontingentierung gebremst wird. Auch die ni e t a l lv erarbeiten d e-Industrie. vqrzeichnet im Feher ein Anhalten der günstigen Beschäftigung. Die inländischen Aufträge find weiter gewachsen, die ausländischen wurden." mit' Rücksicht auf die stark gesunkenen Rohstählvorräte mit einiger Zürückhaltung aufge- '169.000 Son« 100 Reichsmark.,,, ' Markmünzen».. 100 österreichische Schillinge 100 rumänische Lei 100 polnische Zloty 100 ungarische Pengö. 100 Schweizer Franken 100 französische Francs 100 holländische Gulden iw WUIDWI b 1. englisches Pfund. 1 amerikanischer Dollar 100 italienische Lire.. 100 jugoslawische Dinare- 100 BelgaS... h, 100 dänische Kronen-, 100 schwedische Kronen„ Der Außenhandel der Sowjetunion Die Außenhandelsumsätze der Union der TSR beliefen sich im Jänner und Feber 1937 auf 339.142.000 Rubel gcgcniibcr 288.484.000 Rubel in der gleichen Periode des Vorjahres. Wir haben demnach eine Vergrößerung um 80 Mitt. 668.000 Rubel. Auf den Export kommen 145 Mill. 477.000 Rubel, auf den Import aber 193,665.000 Rubel. In dieser Ziffer sind die. Lieferungen auf Rechnung des Abkommens über den Verkauf der Ostchinesischcn Eisenbahn und der besonderen Kreditabkommen mit Deutschlano und der Tschechoslowakei mitinbegriffen. Im Jänner und Febre 1937 ist eine Zunahme der Ausfuhr der Sowjetunion im Vergleiche mit der entsprechenden Periode des Jahres 1936 zu beobachten, und zwar wurden mehr ausgesührt: Flachs um 10,213.000 Rubel, Maschinen und Apparate um 3,028.000 Rubel, Manganerz um 2,295.000 Rubel. Was den Import anbetrifft, so ist eine Zunahme der Einfuhr von Kautschuk um 18 Mill. 73.000 Rubel, Schafwolle um 11,190.000 Rubel und Maschinen und Apparate um 2,966.000 Rubel zu verzeichnen., Im Jänner und Feher 1037 machten die landwirtschaftlichen Waren im Export der Sowjetunion 25.4 Prozent und die Lndustriewaren 74.6 Prozent aus. Gefährliche Entimtwiealisierungspolitik. Der Präsident der finnischen Republik hat dem Reichstag tstte'RrgibtuUgdvorlage Rött''diö'An1verfität'-' i von Helsinsti'zugestellt, nach welcher der Universitätsunterricht ausschließlich in finnischer Sprache erfolgen soll. Dem schwedischen Teil der Bevöl-' kcrung soll nur das Recht zugesprochen werden, Prüfungen in ihrer Muttersprache abzulegen. Reorganisation des italienischen MUItärslug- . wesens. Die Reform schließt, wie jetzt bekannt wird, namentlich«ine bedeutende Erweiterung der Kader ein, welche bis zum Jahr« 1941 durchgcführt werden soll. Neben den vier Kommanden der Festland-Flugzone und den Kommanden auf den Inseln werde» Flugkonnnandcn für das Aegäische Meer, für Libyen und«in Flieger-Oberkommando für Jtalienisch- Ostaftika errichtet werden. Di« neue Organisation setzt auch die Schaffung eines Sanitäts-Korps beim Militärflugwesen fest. Die Zahl der Gruppen der. Flugstreitkräfte wird auf 98. erhöht, in welche Zahl. die Einheiten in Jtalienisch-Ostaftika nicht eingerechnet sind. Die Zahl der OsfizierS-Piloten, die im alten Gesetze mit 1757 festgesetzt war, wird schrittweise auf 4288 erhöht werden, und zwar bis zum Jahre 1941; die Zahl der Dienstoffiziere, bisher mit 588 festgesetzt, wird durch die Reorganisation auf 1183,- die Zahl der Offiziere-Jngenieure beim Militärslug-: wesen wird schrittweise von 800 auf 868 erhöht wer-- den; die Zahl der Offiziere der Intendantur von 819 auf 621 erhöht werden. DaS SanitätSkorpS wird 268 Offiziere zählen. Insgesamt wird demnach die Zahl der Offiziere des Militärflugwesens auf 7288 erhöht werden. Die Zahl der Unteroffiziere wird insgesamt 12.647 betragen. New Bork. Der Streik der Bergarbeiter scheint unabwendbar am 2. April auszubrechen. Die dreitägigen Verhandlungen zwischen den Gewerken und den Vertretern der Arbeiterschaft waren erfolglos. Großbritannien tvciß: Waffengewalt allein ist ungenügend, um Wer ein erwachtes Volk zu herrschen. Jedem Terror von oben folgt der Terror von unten. Mit Notverordnungen oder mit Aus-- nahmebestimmungcn kann.man auf lange Dauer nicht regieren. Und aus sehr lange Dauer hat sich England—- vorausgesetzt, daß die Balance in dieser Well nicht wo anders her gestört wird— die Herrschaft auf der Halbinsel gesichert. Viel später erst— denn allein schon die Übergangsperiode vom alten zum neuen Government of Jndia Act ninunt zwei Jahre in Anspruch— wird dieses Volk, werden diese 353 Millionen Menschen im Lande, das so groß ist wie Europa ohne die sowjetrussischen Gebiete, Finnland uird Polen, erkennen, welchen Vorteil und Nachteil ihnen die Verfassung bringt. Viel später erst toerden die Sozialisten und Nationalen ihren Kampf neu entfessel» können. Viel später erst wird die genaue Kunde von der Umgestaltung der bisherigen britisch-indischen Negierungsform in all die lleinen Dörfer dringen— die 696.831 Dörfer im Osten und im Süden, im Westen und im Norden der Peninsula, an Wüstenrändern und im Hochgebirge, am Mceresufer und im Dschungel. Was die neue indische Verfassung auch an Reformen und Grimdrechten dem Volk verlieh, wie groß auch die politischen Veränderungen sein mögen— die Armut, das ungeheuere Elend wird nicht verschwinden, wird nicht früher gemildert werden, als bis entscheidende Schritte in der Richtung zmn Sozialismus getan werden. Der graue Morgen dämmert Wer den grauen Hütten und den'Slums, die wie ein brei- ter Gürtel um die Weltstadt Bombay liegen. Noch deckt das Zwielicht diese Wände aus Lehm, aus Wcid'enrtitengeflechten, aus ShcllkWeln Und. diese Dächer aus. trockenen Palmenblattern und aus Fetzen. In den Hütten wird es lebendig. Die Straßenkehrer, Sodawasserhändler, Petroleum- ' Verkäufer, Handwerker und Arbeiter erhüben sich von den harten Lagern, klopfen den Staub, aus ihren Kleidern, den einzigen, die sie besitzen und die sie auch bei Nacht nicht ablegen; und schauen, ehe sie gehen, in alle Winkel, ob sie nicht da und dort einige Hülsenfrüchte finden, kärgliche Nahrung vor einem anstrengenden Tag. Denn Vorräte— und wären es die kleinsten, bescheidensten — sind selten in den Häusern indischer Arbeiter. Biele suchen gar nicht erst nach Eßbarem: sie wissen, daß nichts vorhanden ist. Daß fie bis abends warten müssen. Bis ihr« Frauen ihnen ein oder zwei TschapatieS vorbereiten, jene hand- flächengroßen, ungesalzenen. Wer dem offenen Feuer getrockneten Stück Teig, die in Indien das Brot«Hetzen. Und die Frauen stehen auf- und nehmen ihre fchtveren Tonkrüge und schleppen sie zu der Zisterne, die«ine halbe Stunde Weg entfernt ist. Kein Trinkwaffer ist bei den Hütten, keine Kanalisation und keine künstliche Beleuchtung. Zehn Stunden, elf Stunden sitzen die Leute im Dunkeln und richten ihr Leben nach dem Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. ' Und Kinder— vollkommen nackt— kriechen hervor und laufen stadtwärtS, um zu betteln oder die großen Abfallkübel zu durchwühlen. Wenn sie ein« verfaulte Mangoschal« oder Banane oder ver» schimmelte Brotrinde gefunden haben, verstecken fie sich in einem Hausflur, um diesen Schatz in Ruh« SU verzehren. Und lebendig wird«S auch in den Bungalows der Reichen, am Strand und in den Gärten auf den Hügeln. Diener huschen auf Weichen Sohlen umher und verrichten die Arbeit, die vom Butler — dem Auffeher— ganz genau eingeteilt wird. Und Leben kommt in die MiroS, die riesenhaften DirektionSgebäude der Tatawerke, der Baumwollspinnereien und Webereien, und in die Bankpaläste, di« Jmporthäuser und die Geschäfte in der City. Unfaßbar arm— unfaßbar reich ist dieses Land, der.Subkontinent Asiens". Mit seinen Anbauflächen von fast 38 Millionen Hektar und seiner Ernt« von rund einer Milliarde Zentnern Reis, seiner Anbaufläche von Zuckerrohr und Jute steht es an erster Stelle in der Welt. An zweiter Stelle hinter den USA steht es Mit 9'/j> Millionen Hektar Bamütvollpflqnzungen und seiner Fasexn- und Samenerntc. An dritter Stelle mit dem Flachsbau. An fünfter Stelle mit der Magnesitproduktton. An. sechster mit der Bleigewinnung. An siebenter mit seiner Silbererzeugung. Kohle wird in Jherria und in Ranigunj gefunden. Erz wird in Jamshedpur verhüttet. Gold in Kolar gefördert. Oel in Burma erbohrt. Im Osten und Nordosten wächst so viel Bambus, daß man den Welthedarf an Zellulose daraus decken könnte. Der Wert wurde bisher nicht angetastet. Die Wälder— 86 Millionen Hektar Wald gibt«s in Indien— werden erst seit zehn Jahren ex» ploitiert. Die größten Schiffe gehen in Bombay, in Karachi, Kalkutta und Madras vor Anker. Im Iahte 1988/86 hatten allein die indischen Exporte einen Gesamtwert von mehr als 16 Milliarden Tschechenkronen. Und dieses arme, reiche Land kämpft um die Unabhängigkeit, die Freiheit. Kämpft seit den Tagen der'Handels-Company,, welche in Indien hervschte, ehe die Königin Victoria von Britannien am 1. Dezember 1868 die Oberhoheit in diesem „Subkontinent" übernahm. Kämpfte in blutigen Revolten. In endlos langen Streiks. In der passiven Resistenz— der„non cooperation" und dem bürgerlichen Ungehorsam— unter der Leitung Gandhis. Doch England siegte. Siegte immer wieder. Mit Tanks und mit Kanonen und mit der staatsmännischen Klugheit.. Und staatsmännische Klugheit war eS, die Britannien bewog— gegen alle Proteste der englischen Konservatwen— den Government of Jndia Act 1985—87 zu schaffen, dieneueBerfass ung, die am 1. April in Kraft trat. Nicht jenes Maß von Freiheit und von Selbstbestimmung wurde den Indem züerkannt, das sie sich wünschten und das zu fordern sie sich berechtigt fühlen. Der Governor-General— das ist der Titel, den der Vizelönig von nun ab führen wird — hat ausgedehnte Sondervollmachten. Seinem Ermessen ist die Regelung sämtlicher Angelegenheiten Vorbehalten, welche die Landesverteidigung unh Außenpolitik betreffen, die Kirchenftagen und die Beziehung Indiens und der britischen Krone zu Gebieten, die von mehr oder weniger unabhängigen Volksstämmen bewohnt und Stmnmes- hauptlingen regiert werden. Ahm wurde die Verantwortung für di« Erhaltung des Friedens und der Ruhe und Sicherheit innerhalb Indiens und di« Erhaltung der finanziellen Stechifität und Ordnung im Geldwesen Wertragen; Seinem besonderen Schutz wurden di« Minderheiten und all jene Personen anvertraut, die in Regierungsdiensten stehen oder standen, sowie die britischen Untertanen, die im Empire wohnen und sich in Indien anzusiedeln wünschen. Die Zcchl der so« genannten-«served sWjects"— jener Dinge« die Ion den Kammern nicht beraten werden dürfen Vie Beschäftigung der Industrie> im Feber und anfangs März Sozialistische Partei der USA für die Lewis-Gewerkschaften Chicago. Auf einem aucrordenilichen Kongreß der Sozialistischen Partei AniorikaS wurde die bedeutungsvolle Tätigkeit des„Ausschusses für die Jndustrieorganisatton" anerkannt und anempfohlen, daß die Mitglieder der Partei die neue syndikalistische Bewegung unterstützen, an deren Spitze LeiviS steht. Diese Entschließung stellt eine entschiedene Ablehnung der Politik der Amerikanischen ArbeitSvereinignng dar, von Ivclcher sich bekanntlich im Jahre 1935 der Ausschuß für Jn- dustrieorganisation abspaltete. nominal. Di«'Roheisenerzeugung■ nen) und die Rohstahlerzeugung(' nett) war etwas kleiner als im Jänner, aber weit höheralS.kM''A«ber'1936/Jnden metallverar- beitenden Zweigen wird durchwegs eine gute Be- schäftiaunggemeldet.—' D!eSituation>in der Maschinjpn-ündinder«lektrotechni« sch e n I n d ustrs e bleibt weiterhin, befriedigend, sowohl waS den Absatz im Jnlande als die Ausfuhr betrifft. Die Glasin du st rie hatte ebenfalls ihren Anteil an der im Feber gestiegenen GesamtauS- bcschaffung, wodurch die Lieferungen in der jetzigen Hauptsaison beeinträchtigt werden.— Die Beschäftigung in der L e d e r i n d u st r i e Ivar auf der Höhe der vorangegangenen Monate. Die chemische Industrie hält sich auf der Höhe des Vorjahres, ein Fortschritt trat nur dort ein, wo er durch bett Bedarf der Schwerindustrie hervorgerufen wurde. Seite 6 »Sozialdemokrat Freitag, 2. April 1037. Str. 78 (Ein Rennpferd überfahren- Vorgestern abends führt« ein Soldat ein Rennpferd durch die Bahnhof» straße in Smichow. Bor der Zlichovcr Brauerei er« schrak das Pferd plötzlich vor einem Straßenbahnwagen, sprang zur Seite und geriet zwischen den Haupt».und den Schleppwagen, so haß es mit durch» rtsscncn Adern und einem Bruch de» rechten Hinterbeins auf dem Pflaster liegen blieb- Ein Pferdeschlächter holte das Pferd ab. Dem Eigentümer erwächst ein Schaden von 80.000 Ke. Einschreibungen in das Frühjahrstrimester der Freien Schul« für politische Wissenschaften finden täglich von 9 bis 12. Uhr und. von 16 bis 18 Uhr l Samstag von 0 bis 12 Uhr) im Sekretariat der Schule in-Prag I., Ovocnh trh 8, statt. Die Borlesungen beginnen am 12. April. Einzelheiten im Studiumprögramm. Abgeordneter Wenzel Jaksch spricht.in einem Diskussionsabend des Klubs„Novä Svoboda" über dar Thema„Di«Perspektiven der sozialistischen Politik in der Tschechoslowakei"'am Freitag, den 2. April,-uni halb 8 Uhr im Sviegelsggl„Närodni kävarna", Prag I-, Nä« rodni 18, 1. Stock. lümst uml Mssefd .'»HamletUl«bei E. F. Burian sD 87). Seine Adaption-der Shakespeareschen Dramas hat E. F. Burian bezeichnenderweise»Hamlet III" benannt, um anzudeuten, daß er sowohl von der alten klassischen wie von jeder moderne» Auffassung Hamlets abweichen will. Und er Ist. nicht zu leugnen, daß Burian einen Hamlet auf die Szene gebracht hat wie er noch nie bearbeitet wurde— einen Hamlet, der kein Hamlet ist. Man wäre versucht zu glauben, daß BurianS Bersuch, dar tragischeste Schauspiel Shakespeares in eine satirische Tragikomödie zu ver- wendeln, gelungen ist(siehe die Szenen mit dem betrunkenen listigen Königsmörder und unköniglichen König Fengo, mit der keifenden geilen Königin Ge- ruta, mit der bellenden und quietschenden Hundekreatur PoloniuS); wozu aber dann die sentimental angehauchten Szenen Ophelias, die.ernst genommen werden sollten? So willkürlich Burian mit der Szenenfolge verfuhr, ckbens» willkürlich dichtete er einige im Hamlet noch nie dagewesenen Szenen hinzu, die anscheinend das Stück aktualisieren sollten. Dieser Hamlet ist für jenes Publikum bestimmt, dar jede mehr oder minder gutgezielte politische Andeutung oder auch nur eine Randglosse über die noch frische königliche Familiengeschichte aufschnappt und beifällig aufnimmt; befremdlich war er aber für dasjenige Publikum, das Hamletauffühningen in den verschiedensten Auffassungen sah, aktualisiert und politisch pointiert, in ihnen aber stets hie überzeitlich« Kraft des Shakespeareschen Genie verspürte. In seinem Hamletmonolog versucht zwar Burian seine Auffassung zu erklären(»sich zu zähmen, der Zeit und dem Milieu Sklavendienste zu leisten, dar paßt uns nicht, ah, das ist nicht unsere Art") doch war dazu eine Hamletadaption wahrlich nicht, nöfia.— Sonst zeigt» die ALffühxgng- einige interessante Pegie-EigkAl«(her Geist der toten Königs sprach aus hypnotisierten oder frisch gemordeten Menschen) in der Friedhofsszene, im Selbstmord Ophelias; neben einigen Bildern, die hart an der Grenze des Erträglichen waren. Die Aufnahme war kühler, als es sonst im D.87 der Fall ist, wenn auch nicht ver- -hehlt werden kann, daß die ins Groteske herabgezerrten Szenenbilder ihr dankbares Publikum finden werden. m. i. Prager BereinStheater. Morgen, Samstag, den 8. April, Beginn 8 Uhr, Uraufführung Rudolf Stern:„Vormärz", demokratisch« Komödie in 8 Wien.— Zugunsten notleidender Künstler.. Kar- tenvorverkauf.Uraniakassa. Spielplan des Renen Deutschen Theaters. Freitag%8: Rossini in Neapel, D.— Samstag 148: Der Rosenkavalier, C 2.— Sonntag halb 8 Uhr: Nathan, der Weise, Gastspiel Albert und Else Bas- sermann mit Ensemble, halb 8: Raub der Sabi- uerinnen, Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag halb 8: Figaro läßt sich scheiden, Uraufführung(Kultur- verband und freier Berkaus)— Samstag 8: Jean, Gastspiel Kramer-Glöckner.— Sonntag 8 Uhr: Jean, Gastspiel Kramer-Glöckner, 8: Figaro läßt sich scheiden.' Die Kokainvergiftung der Else Langer — Motiv eines Sensationsromans? Ueberraschende Enthüllungen—Der Freund der Toten In Untersuchungshaft (—rb—) Die Obduktion der unter so rätselbasten Begleitumständen verstorbenen Kokainistin Elsa Langer ergab als Todesursache Hcrzlähmung, bervorgerufcn durch ein Narkotikum, dessen genaue Bestimmung erst die chemische Untersuchung der innere» Organe erbringe» wird. Es dürfte jedoch außer Zweifel stehen, daß er sich um Kokain handelt. Wie bereits berichtet, tvar die Berstorbene(sie war Postbeamtin) schon vor Jahren durch ihren danmiigen Geliebten, einen Komponisten, zum Genuß dieses gefährlichen Rauschgifte» verführt worden. Die gemeinsamen Kokainorgien führten zn schweren Exzessen. Die Angstzustände und Anfälle von Verfolgungswahn, von denen di« Kokainisten in vorgerücktem Stadium hcüngesucht werden, trieben einmal den damaligen Partner der Langer dazu, daß er auf die ihn verfolgenden WahngesMlten zu schießen begann. Dieser Skandal führte zu seiner Ueberstellung in ein Sanatorium, das er nach Absolvierung einer Entwöhnungskur angeblich gehcili verließ. Elsa Langer, die slch damals von ihm tremiie, soll später den Kokaingenuß aufgegeben haben und ihr lektcr Freund, der 48jährige Privatier Wenzel Petkik aus Smichow(er ist, wie bereits erwähnt, verheiratet und Familienvater). erklärte bei dem Verhör, daß e r es war, der seine Geliebte diese» mörderischen Laster» entwöhnte.(Dieser Pcirik hat mich die Töte dem Sanatorium eingeliefert und ist dann verschwunden, um keine Unannehmlichkeiten zu haben). Mit dieser Aussage des Haiipt- beteiligten steht indessen ein merkwürdiges Faktum in scharfem Widerspruch, das bei der.in seiner Wohnung, vörgenommenen Haussuchung zutage kam. Den Pölizciorganen fiel nämlich ein Romanmanuskript in die Hand, in welchem'das Schicksal einer dem.Kokain verfallenen Prostituierten geschildert wird-und insbesondere auch die Rauschzustände der Kokainsüchtigen eingehend beschrieben werden. ES scheint also, daß die angebliche Bekehrung seiner Freundin ein« Erfindung Petkll» ist und eS liegt der Verdacht nahe, daß dieser ehrsame Bürger, getrieben von dem Ehrgeiz, ein. Sensationsschriftsteller zu werden, seine Freundin als Studieiwrlekt für sein« literarischen Entwürfe benüvtc und sie zu weiterem Gebrauch de» Narkotikum» verleitete. bis schließlich, ihr geschwächtes. Herz stillstand. ' Wenzel Petkik wurde dem KrciSgericht eingelfe- fert und die Voruntersuchung vorerst wegen de» Vergehens gegen die Sicherheit des.Leben? eingeleitet. Bei Fällen-solcher Art sind weitere lleberraschnngen natürlich nicht ausgeschlossen, Di« Polizeidirektion soll eine durchgreifende Aktion gegen die Rauschgifthändler, planen, beren verbrecherisches Gewerbe bereits unermeßliches Unheil gestiftet hat. Bor einigen Wochen starb eine Schauspielerin unter ähnlichen Umständen in der Wohnung ihres Freundes, eines Arztes, und«s ist noch kein Jahr her. daß in einem Nachtlokal«Ine iunge Fran einer Vergiftung erlag, die vermuten läßt, daß auch in diesem Fall das Kokain seine mörderische Rolle gespielt hat. ZeitungSmarken * ES ist eine kleine Komödie der Irrungen. Eine hiesige tfchechische Zeitung brachte dieser Tage die Abbildung der am 1. Mai diese» Jahr«S erscheinenden neuen Zeitnngsmarken, die Professor Benda entworfen hat. Die Marken haben wiederum quadra« tifches Format, wobei diesmal aber die Bildecken zum Achteck abgefchrävt sind. Das Markenbild zeigt außer der Inschrift„Ecskoslovensko" und der Wertangabe in großen Ziffern eine stilisierte fliegende Brieftaube, die einen Blüwnzweig im Schnabel trägt. Das alles war auf der Abbildung klar und deutlich zu sehen. Um so verworrener aber war der begleitende Text. Im Zusammenhänge mit dieser Ankündigung würdigte da» Blatt die bisherigen Zeitungsmarken, von denen der älteste noch gültige Wert zu 10 Heller seit 1918, die Werte zu 20 und 80 Heller seit 1919 und di« Werte zu 6, 60 und 100 Heller seit 1920 in Kurs sind. Und nun schrieb da» Blatt, daß Professor Mucha ftir diese Marken als Symbol- der befreiten Republik,«ine ihre Fesseln sprengende Frau gezeichnet hab«. Daran stimmt jedoch nur, daß der Entwurf der bisherigen Zeitungtmarken von Professor Mucha stammt. Die Marlen mit der Kettensprengerin aber haben weder als Zeitungsmarten gedient noch hat sie Professor Mucha gezeichnet. Der Entwurf für diese Marken stammt von dem verstorbenen Professor V. H. Brunner, dem Schöpfer der modernen tschechischen Buchausstattung und dem ersten Redakteur der illustrierten Zeitschrift„Pcstry thden". Die Marlen mit der Kettensprengerin sind auch nicht die ersten Diarken der Republik, sondern sind erst 1920 ausgegeben worden, während als erste tschechoslowakische Marken im Jahre 1918 die Hrad» schinmarken zu 8, 6, 10, 20 uiü> 26 Heller und die ZeitungSmarkcn'zu 2 und 10 Heller erschienen sind. Er hatten sich also in dieser Notiz gleich mehrere Vcrtvechslungen cingenistet— genug für eine Zeitung, deren Auflage tagtäglich mit Tausenden von ZeitungSmarken frankiert hinausgeht. Nun hat das Blatt den komplizierten Irrtum in der nächsten Nummer berichtigt— und dabei eine neu« Verwechslung zuwege gebracht, indem«S versichert, daß die bisher gültigen, von Professor Mucha entworfenen Zeitungsmarken das Bild einer stilisierten Brieftaube trügen. Der Bogel auf den Zeitungsmarken ist aber bekanntlich keine Taube, sondern ein Sokol, ein fliegender Falle. Die Brieftaube wird, wenn die Mitteilung des Blattes nun wenigstens im übrigen stimmt, erst auf den neuen ZeitungSmarken erscheinen. Professor Benda, von dem der Entwurf stammt, hat schon einmal die Brieftaube als Symbol auf tschechoslowakischen Briefmarken verwendet, und zwar auf den Marlen, die 1920 erschienen und von denen die letzten Werte 1932 außer Kurs gesetzt tvorden sind. Auch Professor Mucha hat einmal Briefmarken mit Tauben gezeichnet, aber das waren di« Eilmarlen, die schon 1924 eingezogen worden sind. Ein Falke luar'S und nicht die Taub«. Und nun kann der Urheber dieser-Verwechslung nur noch den Blesstift strecken und entwaffnet die Hände erheben. Denn wa» bewahrt ihn davor, daß in einer„Berichtigung der Berichtigung" aus dem Falken zuletzt noch ein Kuckuck wird, der ihn holt? Wird« einmal Aendenmg von Straßenbahnlinien. Die Leitung der Prager Straßenbahnen genießt den wohlbegründeten Ruf, ihre Klienten für die technischen Mängel der Betriebes(ungeheizte Wagen, schlechte Lüftung, Rücksichtslosigkeit des Personal» usw. usw.) dadurch zu'entschädigen, daß jeden Augenblick die Straßenbahnlinien geändert werden- Da»' ist ungemein spannend, denn niemand kann wissen, ob nicht morgen»seine" Linie, die ihn bisher zu seiner Arbeitsstätte beförderte, ganz anderswohin fichrt. Dem normalen Laienverstand pflegen meist solche»Berbefserpngen de» Verkehr»" nicht«in« zulenchten und cs hat schon harte Kämpfe gekostet, um in diesem oder jenem Fall den Herren Bürokraten begreiflich zu Machen, daß die Bevölkerung für solche Untrrha'ltungSspiele.am grünen Tisch kein-Verständnis hat. Seit gestern haben wieder einmal di«-Linien 8 und 18 jenseits der Hlavkabrücke ihre Rollen getauscht. Die 8er»Linie fährt nicht mehr am Belvedcrc-Äasserturm vorbei nach Dejwitz, sondern läng» des Holleschowitzcr Moldauusers am Schlachthaus und an der Urania vorbei bis zur Endstation der ehemaligen 18er-Linie auf der früheren Strecke der 8cc durch die Belcredlstraße über den Bitezni näm. bis zur Endstation der 7er. Auf dem rechten Moldauufer bleiben die Strecken unverändert. Bis auf weiteres, natürlich! Rundreisekarten für Moldaudampfschiffahrt. Am 1. Mai beginnt die Tschechoslowakische EGedainpf» schiffahrtsgesellschaft mit gründlich renoviertem und vermehrtem Schiffspark den Schiffahrtsbetrieb auf der Moldau. Die neue Aera wird eine Reihe be- grüßenwerter Neuerungen bringen. Außer der dringend nötigen Verdichtung des Verkehrs zwischen Prag und den Ausflugsorten des Moldau- und Sazavatal» sind auch zeitgemäße Fahrbegünstigungen in Aussicht genommen. Nebst Wochenkarten zu sehr ermäßigten Preisen werden Rundreiseblockr zum Preise von 80 Ui auSgegeben werden. Die Blocks enthalten Fahrscheine(fstr Hin-- und Rückfahrt). äuf bist Strecken Prag— Jg ha UN e s st r o m- schnellen, Prag-^-Stechovice(bzw. Pikovice an der Sazava), Prag— Michenice (Trnovä), Prag— I a r o v, Prag— König s a a l und Prag— Meluik. Außerdem enthält«in solcher Block noch Anweisungen auf 60prozenjjge Ermäßigung für die Elbe st recke Raudnitz— Aussig. Bedingung ist, daß die genannten Strecken im Lause eines Monats absolviert werben. ArbeitSunfall. Gestern vormittag» wurde der 60jährige Arbeiter Wenzel Loudil aus Pankratz, der bei einem Bau in Pankratz Holz auslud, von einem hcrabfallenden Balken in den Rücken getroffen, wobei er«inen Bruch de» Rückgrats erlitt. Die Ret- timgsgesellschaft brachte ihn in bewußtlosem Zustande auf die Klinik Jirasek. Reichsdeutscher Schüler in Prag ülerfahren. Gestern um 8 Uhr nachmittag» geriet der zwölfjährige Schüler Reni Sechihaye aus Berlin, der sich w Begleitung seiner Mutter befand, auf der Karls- brücke unter ein Auto, das der Chauffeur Anton Wagner aus Hollefchowitz lenkte. Mit einer Ge- hirnerschütternng und einem Bruch de» linken Beins brachte ihn di« RettungSgefellfchaft in» Kinderkrankenhaus am Karlsplatz. S o n jaH e n t e mit Adolphe Menj ou In ihrem ersten Film„EiSkönisin" DeremsnacimMen. Genossen und Genossinnen! Kommt diesen SamStag, abend» um 8 Uhr, auf die Hetzinsel(Sommersportplatz) zur Eröffnungsfeier de» Sportbctrie- )es 1987 und Abschluß der Tanzstun. PRAG den. E» wird gemütlich werden, Jazz, Tanz. Programm.— Sonntag von 9 bis 12 Uhr vormittag» Turnen in der Hall«. Rtemtur „Mittenmcht", von Julien-Green(Ber- mann-Fischer-Berlag, Wien), ein Roman, den Man nicht nur um seine» bekannten französischen Autor» willen liest und zu Ende liest,' sondern auch stark interessiert durch die düster-geheimnisvoll« Handlung, in deren Mittelpunkt«in eigenartige» Mädchen- Schicksal steht, um da» wieder sknrille, hoffmanneSk« Gestalten sich gruppieren. Da» Buch stellt etliche Anforderungen an di« Nerven des Lesers und befriedigt hauptsächlich durch eine kunstvoll« Kleinmalerei de» Seelischen wie des Gegenständlichen, ohne aber allgemein beachtenswerte Probleme zu stellen oder, gar zu lesen und-also ohne geissige Erquickung zu bereiten. Am fesselndsten sind jene Partien de» Roman» gelungen, die sich mit Abgründen in der LebenSgestal- tung eine» gewissen Kleinbürgertum» beschäftigen. »Gedanke und Tat". Anter diesem Titel erscheint in den allernächsten Tagen im Verlag Orbi». Prag XII,«ine Auswahl au» den Schriften und Reden von Eduard Bene», enthaltend drei Bände nachstehenden Inhalte»; 1. Die Politik al» Wissenschaft und Kunst. 2. Vom Bau und Leben des Staates. 8. Die Zusammenarbeit der Nationen. Der vierte. Baud, diese» Werk ergänzend, ist au» der Feder Dr. Papouoek» und beinhaltet die Lebens^ deschreibung des Dr. Eduard Bene». Alle vier Bände 120 K£. Fr. Munk:„Du und die Wirtschaft."- Populäre Einführung in die Praxis und Theorie der Pollswirtschaft(Vollswirsschaftliche Bücherei der Ein« hcitsverbande»), Prag, 1987. Die Absicht-de» Verfasser».- den gewerkschaftlich organisiertiss- Arbeitern und Angestellten ein ganz kurze» EinführungSbüch- lein der Vollswirtfchaftslehre in die' Hand zu geben, ist.sicherlich zu begrüßen. In Deutschland haben'die Gewerkschaften eine Reihe brauchbarer volkswirtschaftlicher Lehrbücher heraurgegeben und auch der Deutsche GetversschaftSbund in der Tschechosiowäki« scheu Republik hat vor eineinhalb Jahrzehnten ein derartiges EinführungSbüchlein herausgebracht. Naturgemäß veralten gerade auf volkStvirtschäft- lichem Gebiete solche Publikationen sehr rasch und so kommt da» Büchlein Dr. Munk» sehr, zurecht. Ergibt eine UeberNcht über die Entwicklung der Wirt« schäft bi» zum modernen FinanzkapitäliSmus, beschreibt die in der kapitalistischen'Wirtschaft bestehenden Betriebsformen, geht an der Entwicklung der Landwirtschaft, der Handels, de» Kredite» und Bankwesens und des Gelder nicht vorüber. Ebenso finden wir in dem Buche gewisse theoretische Erörterungen und grundsätzliche Bemerkungen, wie sie da» Kapitel von der Planlosigkeit zur Planwirtschaft charakieri- sieren. Da» Schküßkapitel behandelt die Aufgaben der Angestellten und Arbeiter in der heutigen Wirt-' schaftSordnung. Das Büchlein ist volkstümlich geschrieben, hat den Vorteil, daß e» immer auf-di« besonderen Berhältnisse der tschechosiowakischen Wirtschaft zurückgreist und die Entwicklung de» Wirt« schastrieben» an Beispielen und Ziffern der Wirtschaft der Tschechoslowakischen Republik illustriert. Diejenigen Arbeiter und Angestellten, die noch wenig vom Wirtschaftsleben wissen und ein leichte» Einfiih- rungsbüchlein wünschen, werden nach der Darstellung von Munk gerne greifen. D. St, Mitteilungen aus dem Publikum. Im wetterwendischen April ist der menschlich« Organismus stet» besonderen„Kraftproben" au»- gesetzt: bald regnetS, bald ist'» warm und di« feuchte' Aprillust steckt voller Erkältungibazillen! Seien Sie im April doppelt vorsichtig! Verabsäumen Sie e» nie, Ihre« Spülwässer rin paar Tropfen Ion Alpa- Franzbranntwein»«»«setzen: da» desinfiziert di« Mundhöhle,' schützt vor Ansteckung und«gelinähitzä Einreibungen mit Alpa machen den Körper kräftig und widerstandsfähig. Alpa wird auSreinemWein- Mist erzeugt! J'! Gesunde Füsse bewahren Sie sich mit Nrrsän- Loneav-Gnmmiaisätzen- Elastisch, fast.federnd, wist» der-Gang. Keine Ermüdüng, sparsam, elegant sind di« Vorzüge de» Berson-lloneav-GummiahsatzeS. ,' BezugSbedingnng-.n:Bei Zustellung in» Hau» oder der Bezug durch die Post monatlich Ke IS.—, vierteljährlich Kö 48.—, halbjährigKä 96.— ganzjährig Ke 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.Rückstellnpg-von Manuskripten erfolgt nNc bei Einsendung der Retourmarken.— Di« Zeitungsfrankatur wurde bon der Post« und Xdt* graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1S80 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, BerlagS- und ZeitungS-A.-G. Prag.!