Azialbenukrat Erscheint mit A»«««hme de« Mo«t«s t«s«ch früh Venvaltung. Prag XIL, Fochova 62— Telephon 83677— Herausgeber: Siegfried Taub— Derantwortticher Redakteur: Karl K e rn, Prag 17. Jahrgang Dienstag, 6. April 1937 t den letzten 18 Jahren immer das gemeinsame Eigentum unserer drei Länder. Sie werden eß«leiben— davon bin ich überzeugt— fürimmer, auch in der Zukunft. Die Kleine Entente hat niemals etwa« anderes gewünscht, jitt ihr Interesse mit dem allgemeinen Interesse Varopa« tdensifizleren zu könne«. Di« letzte» Beschlüsse de« Ständigen Rate« der Kleinm Entmte, der eien in Belgrad getagt hat, beweisen die« von neuem. Gern hebe ich dies hervor. Diese Beschlüsse machen jeden Kommentar überflüssig, geradeso wie sie«S überflüssig machen, von neuem di« vollkommene Uebereinstinimung in unserer gemeinsamen Politik, di« Uebereinstinimung unserer Ansichten und unserer gemeinsamen Ziele zu bewirk». Für di« Tschechoslowakische Republik kann ich Sir versichern, daß sie— im Geiste des Völkerbünde««nd der Tradition, die Sie treffend hervorgehoben haben— aus allen Kräften di« Politik des Frieden««nd der internationalen Zu- sammenarbeit auch in der Zukunft fortsetzen wird. Ihnen«nd Rumänien treu, tren allen ihren Freunde», wird sie ihre Zusammen- arbeit, mit allen ihren Rachbam entfalten mit dem einzigen Ziel: vollkommen alle ihr« Kräfte z» entfalten, um erfolgreich ihr« Konsolidierung«nd ihre» Wohlstand auch für die innere Politik fort- zusetze». Unsere ganz« Ration sieht in dieser Hinsicht Nus ihre Zukunft mit Vertrauen«nd Optimismus fest«nd ruhig. der Rebellen in Pennaroja ist sehr schwierig, denn der Krei« der Regierungötruppen um die Stadt ist fast geschlossen. Die Räumung von Pennaroja schreitet fort. * Außer der Tätigkeit der Luftivaffe der Re- gierun,Struppen wird von der M a d r i d e r Front keinerlei bedeutender« Operation berichtet. Quelpo de Ueno wird kleinlaut Sevilla. General Queipo de Llano erklärte, dass die Positionen, die die Franco-Truppen an der BiSkaya-Front erobert haben, nunmehr b e« festigt werden und dass sich die Truppen für neue Operationen vorbereiten. Er fügte hinzu: Wir bedürfen zur Organisierung des besetzten Gebiete« dringend einige Tage Zeit. 10.000 Italiener gelandet? ' Gibraltar.(Agence Espagne.) Man hört a«S Cadiz, daß in der abgeläufenrn Wache in Uadiz wehr als 10.006 italienische Soldaten ausgeschifft worde» sind. Die italienischen Transportschiffe sind getrennt ang«k»mmen. Die Italiener wurden unverzüglich nach'S,« i l l a ab- tranSportiert, um die-Truppen"der.Rebellen an der Frist van Cordoba z« verstärken. Der Präsident der Republik ist gestern in Belgrad in aussergelvöhnlich feierlicher Weise empfangen worde». Dieser Empfang gilt soivohl der Person BeneS', der in ganz Europa den Ruf eines der zielbcwußtesten demokratischen Siaats- männer geniesst und in Belgrad als einer der Begründer der Kleinen Entente und treuer Freund der Jugoslawen begrüßt wird, aber auch dem Staat, der durch sein Oberhaupt repräsentiert wird, der Tschechoflolvukei. Die Beziehungen der Tschechosloivakischcn Republik zu Jugoslaivicn waren seit deni Ende des Weltkrieges sehr enge; sie fanden ihren Ausdruck in den« Verteidigungsbündnis, das zwischen den beiden Staaten am 14. August 1626 abgeschlossen und am 23. April 1621 durch daS Bündnis mit Rumänien zur Kleinen Entente ertvci» tert wurde. Der Sinn dieser Konstellation war vor allem ein politisches Gegengelvicht zu bilden gegen die Versuche, das alte Ungarn ivlederherzu- stcllcn. In den internattonalen Verhandlungen traten die drei Staaten vielfach gemeinsam auf, bis es im Feber 1638 zu einem Statut kam, das einen Ständigen Rat der Kleinen Entente vorsah, der die Aussenpolitik der drei Staaten koordinierte. In den wechselnden Situationen der europäische» Politik ist die Kleine Entente— trotz aller Minierarbeit ihrer Gegner— aufrechterhalten worden und hat insbesondere die Verhältnisse in Mitteleuropa ausserordentlich beeinflusst. In den ersten. NachkriegSjahren war die Kleine Entente die stärkste Kraft Mitteleuropas, sie konnte sich auf Frankreich, welches damals in Europa dominierte, stützen. Seither haben sich die Machtverhältnisse im-ganzen Erdteil und auch in Mitteleuropa geändert. Der Aufstieg Italiens bewirkte, daß den Franzosen ein Konkurrent im Donaubecken erwuchs, der Oesterreich unter seine Oberherrschaft brachte, in Ungarn grossen Einfluss gewann und schliesslich durch das römische Protokoll 1634 die beiden Länder an den Wagen seiner Aussenpolitik spannte. War so im Donaubecken ein starkes Gegengewicht gegen die Kleine Entente entstanden, so trat seit seiner Wiederaufrüstung auch Deutschland auf den Plan und machte Italien den Platz in Wien strittig, kurze Zeit nach dem 11. Juli 1686 schien eS, als ob Deutschland daS Nennen in Oesterreich gewänne. Aber eS zeigt sich im Donauraum immer wieder, dass die Vorherrschaft einer Großmacht oder einer Staatengruppe auf die Dauer nicht möglich ist und dass die Verhältnisse immer ivleder nach einem Ausgleich drängen— soll der Friede erhalten bleiben. Das wird wohl auch die Richtschnur der Mächte der Kleinen Entente in der gegenwärtigen Phase der europäischen Aussenpolitik bleiben müssen. Alle drei Staaten haben ihre besonderen Interessen ihren Nachbarn gegenüber. Die Sicherheitsbedürfnisse der Tschechoslowakischen Republik haben diese dazu bewogen, im Mai 1886 einen Pakt mit der Sowjet-Union abzuschliessen, wozu die beiden anderen Partner der Kleinen Entente ihre Zustimmung erteilten, obzwar Jugoslaivicn bis heute nicht einmal die normalen diplomatischen Beziehungen zur UdSSR aufgenommen hat. Ebenso hat Jugoslawien seine besonderen Beziehungen zu Italien, mit dem es die Adria feilt und hat soeben einen Pakt mit diesem Lande abgeschlossen. ZweifeNoS ist damit eine neue Lage entstanden,, zu der die Tschechoslowakei und Rumänien Stellung nehmen müssen. Die gegenseitigen Bündnisverpflichtungen der drei Staaten erstrecken sich nur auf die Möglichkeit des Angriffes seitens eines ihrer'Nachbarn, für die Sicherheit gegenüber den andern muss feder der drei Staaten selbst Sorge tragen und ob es zu einem gegenseitigen Pakt der Hilfeleistung für alle Fälle und zu neuen Vereinbarungen mit Frankreich kommen wird, steht dahin. Im Interesse des mitteleuropäischen Friedens ist eine Verständigung aller nzitteleuropäischen Länder, was aber die Hinwegräumung noch vieler Hindernisse zur Voraussetzung hat. DiesermittelcuröpaischenBer- ständigung dient auch die Reis« des Staatspräsidenten. Seit der Schaffung der Kleinen Entente hat Beneä deren Aufgabe nicht darin erschöpft gesehen, die drei Staaten gegen die magyarischen RevisionSwünsch« zusammenzuschliessen, sondern er hat in diesem Bündnis auch daS Mittel, zu einer Befriedung im Donauraum erblickt. Er hat schon 1826 gesagt, dass die drei Staaten„ihren Gegnern nur Baskische Gegenangriffe erfolgreich Seit« 2 Dienstag, k. April 1937 Nr. 81 in die Hände arbeite» würden", wenn sie sich nicht um eine Annäherung aller Donaustaate» bemühten. Benes hat als politischer Realist niemals an starren Formeln festgehalten und hat stets und mit Erfolg dahin gearbeitet, die Domo- lratie und Unabhängigkeit des von ihm mitbe- gründcten Staates durch eine Methode sicherzü- stellen, die den Machtverhältnissen in Europa und im Donaugebiet Rechnung trägt. Seine leidenschaftliche Nüchternheit, sein Heller Tatsachensinn werden auch' diesmal betvirlen, dah er den Interessen des Staates und dessen politischer Ordnung in derselben Weise nnd mii demselben Erfolg dient, niit der er als Außonnünister und Staatspräsident die Tschechoslowakei als kundiger Steuermann durch die Klippen einer politisch bewegten und wirtschaftlich erschütterten Epoche geführt hat. Ve la Rocque vor Gericht Paris. Der mit dem Einschreiten»egen die französische Sozinlpartei h-traute Untersuchungsrichter, der sestzustellen hat, ob die Partei nicht eine Fortsetzung der aufgelösten Feuerkreuz- Li,en ist, hat entschieden, dah der Borsttzende der Tozialpartei dclaRocane und die Mitglieder deS Vorstandes dieser Partei, darunter auch der Deputierte I b a r n e g a r a tz, wegen ungesetzlicher Erneuerung der aufgelösten Ligen vor Gericht zu stellen sind. Das Datum der Verhandlung wurde liSher noch nicht festgesetzt. Jagoda verhaftet Der einst allmSchilse Chef der GPU MoSka». Wir amtlich mitgeteilt wird, wirrde SamStag abends auf Grund einer Barordnung des ZentralcrekutivkomiteeS der Sowjetunion der ehemalige Chef der GPU 2 a- g o d a, der zuletzt die Stellung eines Poftkom- miffärS bekleidete, seines Postens enthoben und dem Gericht übergeben. In der Verordnung heißt eS, dah die Amtsenthebung„auf Grund anfgedeckter dienstlicher Verbrechen strafrechtlichen Charakters" erfolgt«. Staatssekretär Schmidt nach Paris Paris. Am Quai d'Orsah wird offiziell bestätigt, dah der österreichische Staatssekretär für auswärtig« Angelegenheiten Quido Schmidt binnen kurzem Paris besuchen wird. blauer Montag In Paris Zweitägige Arbeitsruhe wird Gesetz Paris. DaS äußere Bild der Stadt Paris war am Montag ganz verändert. Mit diesem Tage trat nämlich das Gesetz Wer die 40stündige Arbeitswoche in Wirksamkeit. Es waren nicht nur alle großen und kleinen Geschäfte, sondern auch die Banken und Kanzleien, die grasten Geschäftshäuser, die Lebensmittel- und Metzgerläden geschlossen, da das Gesetz die Arbeitgeber verpflichtet, den Angestellten zlvct aufeinanderfolgende Tage freizugeben. Die Mehrzahl wählte den Sonntag und Montag. Die Banken werden künftighin am Samstag»nd Sonntag geschlossen sein. SENSATION IM LUXUS-U-BOOLX VON ARNOLD HEILBUT Tödliches Schweigen. Mit bleichen Gesichtern starren die Passagiere auf Taylor. Er steht noch auf dem Stuhl, in beiden Händen hält er Revolver. „Kein Grund zur Beunruhigung, meine Damen und Herren", sagt er verbindlich,„tvir hatten nur eine kleine Meinungsverschiedenheit mit unserem Schifsöführer. Ist ein wenig zu gewissenhaft der Bursche. Nach behördlicher Vorschrift tvollte er das Boot tuenden, da wir ja bis zwei Uhr wieder am Pier sein müssen. Ich nahm aber an, dast Ihnen die jähe Unterbrechung dcö Vergnügens peinlich getvesen wäre, Sie unterhalten sich doch so gut, und gab daher Order, weiterzufahren— habe ich in Ihrem Sinne gehandelt?" Taylor blickt mit gewinnendem Lächeln in die blasse» Gesichter seiner Gäste. Keiner antwortet. „Wir setzen also unsere Fahrt fort. Sie werden mir gewiß dankbar sein, wenn ich, unseren Ausflug bis zur Insel Chatam ausdehne und Ihnen so das höchst seltene Vergnügen verschaff«, dort am Strand bei herrischem Vollmond noch ein wenig zu flanieren." Er machte eine wirkungsvolle Pause.„Sie kennen doch die Insel Chatam? Allerdings, es ist ein wenig einsam dort, sie ist ja unbewohnt, und Sie werden eine Weile zu warten haben, bis man Sie dort abholen kommt, aber..." „Gaunerbande", unterbricht eine grollende Stimme haS tiefe Schweigen. „Warum Gauner?" fragt Taylor unbefan- tz«n.„Wir tun alles, um unsere Gäste mit Sen« Staatliche Hilfsaktionen werde» fortgesetzt lieber Vorschlag des Ministeriums für soziale Fürsorge wird die' staatliche VerpflegSaktio» für Arbeitslose und Kurzarbeiter um weiter« fünf Wochen, nämlich vom 5. April bis I). Mal 1937, verlängert werde». Hierzu wird«in Betrag von 21,432.800 Kt flüssig gemacht. Für die Durch, sührung der M t l ch a k t i o n für Kinder von Arbeitslosen und beschränkt arbeitenden Familienernährern wurde für dieselbe Zeitspaime«in Betrag von 2,442.000 K£ bereitgestellt. Gleichzeitig wird die B r o t a k t i o n für Arbeitslose unter den bisherigen Bedingungen fortgesetzt. Der Aufwand für die Durchführung der Brotaktion in dieser Zeitperiode wird 4,750.000 KS ausmachen. Die Wahrheit über Danzig— zwei Jahre Gefängnis Berlin. Die große Strafkammer in Danzig verurteilte den polnischen Staatsangehörigen Konrad Rulchkoivski zu zwei Jahren Gefängnis, weil er durch seine Tätigkeit für einen ausländischen Nachrichtendienst die Interessen des Danziger StaaieS in schwerster Weise geschädigt habe. Wie der Staatsanwalt hervorhöb, habe Rusch- kötvski u. a. auch die Verbreitung verlogener Greucluachrichtcn Aber Danzig in der ausländischen Presse veranlaßt. Potemkln nach Moskau berufen Moskau. Der sowjetrussische Botschafter in' Paris Potemkin wurde von seinem Posten abberufen und zum ersten stellvertretenden BolkS- kommissär im Außenkommissariat ernannt. Monarchistisch» Demonstration. Nach Beendigung des Gedächtnisgottesdienstes für Kaiser Karl (zum 15. Todestag) zogen Sonntag mehrere Grup- gen von Passanten unter monarchistischen Rufen durch die Wiener Kärntnerstrastc, gegen den Ring. Dort wurden fie, da ein geschlossener Aufmarsch nicht vorgesehen war und sich den Demonstranten auch ander«, oftenbar auf Ruhestörung bedachte Elemente hinzugesellten, von der Sicherheitswache aufgefordert, aus- einanderzugehen, worauf sie zerstreut wurden. Eine Person wurde wegen Wachebeleidigung, eine zweite wegen Nichtfolgeleistung festgenommen, nach Feststellung der Personalien wurden beide wieder entlassen. Fortschritt in Dänemark. Direktor Dr. Dreyer, der dänische Schlichter, hat soeben 17 Einigungsvorschläge bekanutgegebcn, die 84 Berufe mit 75.000' Arbeitern betreffen. Darunter tft zum ersten Male ein Landesabkommen für die Arbeiter zwischen 14 und 16 Jahren. Das Einigungswerk ist eine Folge der großen Lohnkampfes und der RiesenauSftzerrung im vergangenen Jahr. Beide Parteien haben bis zum 4. April zu aniworten. Mehrere der beteiligten Gewerkschaften veranstalten Urabstimmungen. Alle Streiks unterbleiben bis zum 4. April. Die vorge- schlagcnen Lohnerhöhungen betragen z. B. bei den niedrigsten Akkordlöhnen für Männer in der Eisenindustrie 7 Oere von 0.78 auf 0.80 Kronen, dar heißt von Xi 4.58 auf Xi 4.06. Der Stunden- verd lenst für gelernte Akkordarbeiter steigt von 0.96 auf 1.08 Kronen, dar ist KJ 5.95 auf K£ 6.82. Unter den Vorschlägen ist auch einer auf Einführung bezahlten Sommerurlaubes. lbn) Totalitäre Angst und totalitäre Frechheit Die Verständigungsastipn der demokratischen Parteien und die ersolgreicheZusammenarbeit von Tschechen und Deutschen im Zeichen äußerer-und innerer Friedenspolitik hat die unfruchtbare Und erfolglose SdP in heillose Angst versetzt. Die Totalitären, die uns doch längst vernichtet und zu „Splitterparteien" degradiert batten, merken plötzlich, daß Henleins Eichen doch, nicht in den alldeutschen Himmel wachsen werden, sondern trotz allen aus Berlin importierten Kunstdüngers im Klima der demokratischen Republik zu verdorren drohen. AngstauSbrüche waren noch zu allen Zelten mit Frechheit verbunden. Also leistet sich die„Ru n d sKau" einen Angriff auf die deutschen Regierungsparteien, dessen besondere Würze darin zu suchen ist, daß man die deutschen Aktivisten mit der Vaterländischen Front Schuschniggs vergleicht und' die Wie- nerSchuhbtindler in ebenso ungebührlicher wie schamloser Weise als Kronzeugen der SdP zitiert Da heißt«s etwa: Die Spekulation dieser Herren lautet etwa so: in Oesterreich ist«s einer verschwindenden und verhaßten Minderheit gelungen,' sich durch die Methoden der Baterländischen Front die Herrschaft zu sichern. Auch wir sind eine verschwindende und verhaßte Minderheit: tun wir dagleiche I Die FloridSdorfer„Freiheitskämpfer" wurden nach Rußland abgeschoben und diehicsigenGcnossenschickenfich an, die Methoden jener Menschen zu kopieren, die in FloridSdorfArbei- terhäuser zusammenkartätschen ließen. Die FloridSdorfer Schutzbündler haben, soweit wir sie kennen(und wir kennen sie wohl doch besser als die Jünger der Hcimwehr- theoretiker Spann und Heinrich!), für die „Kameraden" von der SdP, die sich an sie anschmieren möchten, gewiß nichts anderes übrig als einen kräftigen Fußtritt! Sie werden den Anbiederungsversuch der Herren, deren Verbindungen zur Heimwehr, zu Starhcmberg und Mussolini nicht mindeD eng waren als zu Heß und Goebbels, gebührend bewerten. Uns zeigt der freche Versuch der Henlein- Nazi nur, daß sie in ihrer Verlegenheit nicht mehr aus und ein wissen und daher selbst die FloridSdorfer Schutzbündler als„Blickfänger" für ihre Sensationen brauchen, während vor kurzem noch derartiger„Bolschewismus" für sie nur als „Nntermenschentum" des Zitierens wert war. Wenn die„Rundschau" des weiteren noch behäUptst^ die dMschen Aktivisten- wollen? jetzt M i t g l i e d e r fä n g e n, indem sie Posten vermitteln, so möchten wir die„Rundschau"-Leser und-Mitarbeiter, die sich da vielleicht falsche Hoffnungen machen, sogleich, was uns betrifft, eineSBefferenbelehren. Sollte einer oder der andere dieser Herren meinen, er könne jetzt einen Posten bekommen, wenn er sich bei uns als Mitglied anmeldet, so wird er bald erkennen,daßwirin derAufnahmevon Mitgliedern recht wählerisch sind. Man konnte vor dem 19. Mai 1985 bei der Aufnahme in die SdP wohl einen fetten Posten im kommenden Nazi-Sudetenland— versprochen erhalten. Sollten die in diesem Punkt Enttäuschten es fetzt bei uns versuchen, so werden sie ähnlich anfliegen wie bei dem anderen Versuch, sich an den Schutzbündlern zu reiben. In beiden Fällen wird auf sie gehustet! Deutsche Angestellte zur Eisenbahn Minister BechynS:<" 100% Igo Erfüllung der Abmachungen Eisenbahnminister Rudolf BechYnö er- mächtigt« den'Prager„Montag", mit Beziehung auf.die tschechisch-deutsche Verständigungsaktion zur Veröffentlichung dieser. Erklärung:„Auch bei den tschechoslowakischen Eisenbahnen werden demnächst neue Beamte und Angestellte ausgenommen Werden. Ich werde die Abmachungen mit dem deutschen AktivismuS lüüprozentig erfüllen. Selbstverständlich ist bei der Aufnahme von Deutschen In den Dienst der tschechoslowakischen Staatsbahnen außer der Qualifikation die Loyalität der Beamten maßgebend." Katholizismus und Demokratie Eine Rede Minister* Zajiceks Am 4. April fand in JoSlowitz bei Znaim die Hauptversammlung des Volksbund er der deutschen Katholiken für die Diözese Brünn statt. In seiner Rede führte Minister Zajiiek u. a. aus: Würde man heute die Sozialisten aus unserer Regierung hinausdrängen, dann hätten wir morgen die kommunistisch-sozialistische Volksfront,und vielleicht schon übermorgen spanische Zustände. Fiele in unserem Staate die Demokratie, dann würde sich die Lage des Katho- liziönius katastrophal gestalten. Kommunismus und Neuheidentum können Wohl durch Gesetze und Polizeimaßnahmen zurückgedrängt werden, sie können aber mit diesen Mitteln nicht beseitigt werden. Wir haben in den letzten Monaten erfylgreich für die nationale und für die soziale Gerechtigkeit gearbeitet. Der Re- gierungSbeschluß vom 18. Feber 1937 über die Regelung einiger Minderheitenfragen, dann der starke Rückgang der Arbeitslosigkeit, das sind gegenüber dem Kommunismus sehr wirkungsvolle Maßnahmen. Wir werden im Kampfe für die nationale Gerechtigkeit und im Kampfe gegen das Massenelend nicht auf halbem Woge stehen bleiben. Wir sind uns Mer eines klar: nicht der ver- führte junge Mann ist der Feind des Staates und der Feind der Ordnung; in der Tschechoslowa- kischen Republik ist auf tschechischer und auf deutscher Seite der berufsmäßige nationale Hetzer der Staatsfeind Nummer eins. Dr. Lukavskh gestorben. Sonntag früh starb in Pilsen der ehemalige Abgeordnete der national- demokratischen Partei Dr. Frank. L u k a v s k h im Alter von 63 Jahren. Dr. Lukavskh war ursprünglich Mittelschullehrer und wurde 1911 von der nattonalen freisinnigen Partei in den österreichischen Reichsrat entsendet. Nach dem Umsturz gehörte er als Vertreter der Nationaldemokraten der Revolutionären Nationalversammlung und dann bis 1935 ununterbrochen dem Abgeordnetenhaus an. Er widmete insbesondere dem tschechischen Schulwesen an der Sprachgrenze sein-, ganze Kraft, was ihn ost mit deutschen Schulinteressen in Konflikt brachte. Seit 1932 mußte er faßt seine gesamte öffentliche Tätigkeit krankheitshalber aufgeben. Er kandidierte deshalb auch bei den letzten Wahlen' im Jahre 1935 nicht k mehr. sationen zu füttern, warum also schimpfen Sie? Freilich, durch diese Erweiterung des Programms entstehen uns beträchtlich« Spesen, ganz enorme Spesen. Es ist deshalb wohl nur recht und billig, wenn ich Sie, Ladies and Gentlemen, zu einer kleinen Nachzahlung aufsordere." Taylor hebt die Stimme.„Darf Ich Sie bitten, Frau. von Hatvany, Ihren prachtvollen Schmuck dort auf den Tisch des Hauses zu deponieren? Bitte, gnädige Frau, entschließen Sie sich — ich brauche wohl nicht deutlcher zu werden. So,, danke sehr, nein, bitte, auch die Ohrringe. Miß Fergusson, Sie werden gewiß nicht an Großzügigkeit hinter Frau von Hatvany zurückstehen wollen. Ihre Perlenkette, bitte. Gut so, ich seh«, wir verstehen uns.ausgezeichnet.— Die drei Herren dahinten, nehmen Sie sofort die Hände aus den Taschen— es hat keinen Zweck, wir wollen doch dieses klein« Geschäft in aller Verbindlichkeit ab» wickeln. Nun ist die Reihe an Ihnen, meine Herren, Sie entledigen sich lvohl freundlichst Ihrer Brieftaschen. Auf Chatam haben Sie, gar''keine Gelegenheit mehr, Geld auszugeben. Deszö, sei den Herren behilflich, Jost, du nimmst solange Deszös Revolver." In dem eben noch von Musik und Gelächter erfüllten Raum liegt beklommenes Schweigen; Mit zusammengebissenen Zähnen legen die Herren ihre Geldbörsen und Brieftaschen auf den Tisch, ivährend die Damen, wie eingeschiichterte Tauben, sich ängstlich in«inen Winkel zusammendrücken. Von der Tür kommt ein unterdrückter. Ruf. Dort steht Jonny, der Ingenieur. Von seiner Stirn tropft Blut, er ist blaß bis in die Lippen, mühsam hält er sich am PsosteN der Tür aufrecht. „Boß", sagt er mit heiserer Stimme,„Boß, ich krieg den verdammten Kasten nicht■ wieder hoch!" Tom Taylor wirft einen raschen Blick, zum Fenster. Noch immer ist das Boot unter Wasser, trotzdem er vor einer Viertelstunde, schon den Befehl zum Auftauchcn gegeben hat. „Was ist passiert?" „Ich weiß nicht, die Preßluft steigt nicht in die. Tanks, verdammte Schweinerei— ich kann den Schaden nicht finden." Wohl nicht einer der Passagiere ist sich klar über den Vorgang, aber das Gefühl einer neuen schweren Gefahr legt sich beklemmend auf die Gemüter. In diesem Augenblick erlöschen die Reflektoren, der Raum ist nur noch von dem gedämpften Schimmer der indireften Beleuchtung erhellt. „Licht!" schreit Taylor. Der Ingenieur schütteü den Kopf.„Die Akkumulatoren arbeiten nicht mehr, Boß." Tom Taylor unterdrückt«inen Fluch. Er streift mit einem flüchtigen Blick die Gruppe der zusammengedrängten. Passagiere. Keiner, so scheint es, denkt mehr an das Borangegangene— die neue gefährliche Situation beschäftigt einzig ihre Gedanken. «Was stehst du hier herum, Idiot?!" schreit Taylor den Ingenieur an,„los, der. Fehler muß gefunden werden— oder sollen wir hier etwa hilflos lrepieren?" Jonny entfernt sich achselzuckend. Aber das unbedachte Wort des Amerikaners entfesselt di« Panik. Eine Frau stößt«inen hysterischen Schrei aus/ die. anderen werden von krampfhaftem Schluchzen geschüttelt. Einige Herren werfen sich gegen die Tür, aber Fernastdez hält st« mit den Revolvern in Schach. „Alto— ö Yö tsrok Kalt, oder ich schieße!" brüllt, er den Anstürmenden entgegen. Taylor ist. der einzige,, der die Ruhe bewahrt.„Wo wosten Sie hin, Gentleman? Wir sind auf Grund, das heißt vielleicht, an dieser Stelle 800 Meter tief. Unsere Läge istgefährlich, Mer nicht hoffnungslos. Haben Sie Geduld, der Ingenieur wird den Schaden schon beheben."' Sein« Worte,wirken sticht sehr überzeugend. Bleiern« Stille lagert in dem halbdunklen Raum, gespenstisch leuchtet durch die breiten Fenster die schwarzgrün« Flut, ab und zu stößt Mit dumpfem Ton ein Fischkörper gegen die Scheiben. Eine qualvolle Stunde vergeht. Taylor ist mehreremale hinausgegangen, aber er kommt zurück, wortlos, mit zusammengekniffenen Lippen, er weicht den fragenden Blicken der Passagiere aus. Ganz allmählich erlischt jetzt das Licht der indirekten Beleuchtung, ein« fahle Dämmerung steht im Raum, aus der sich die blaffen, angstverzerrten Gesichter unheimlich abheben. Langsam, unendlich langsam schleicht der Zeiger der Uhr. Plötzlich wird di« lastende Sttlle durch ein röchelndes Gurgeln unterbrochen. Der Präsident des Stahltrustes, Mr. Fergusson, reißt sich den Kragen auf. Sein Gesicht ist rot angelauscn, die! Äugen quellen aus ihren Höhlen.„Lust, Luft!"! stöhnt er. Miß Fergusson schreit auf. ES ist drei Uhr morgens. Am Boden liegen' zusammengesunkene Gestalten, in den Sesseln' kauern sie, den Kopf in die Hände vergraben, einige pressen ihre Gesichter gegen die Scheiben, als könnte ihnen die Kühle des Glases die. mangelnde Lust ersetzen. Die Schatten des Todes lagern km Raunt. Ein junger Mann reißt sich ruckartig aus seiner Lethargie. Eine, schlanke, durchtrainierte Erscheinung. Er geht mit raschen Schritten auf Taylor zu. „Mr. Taylor", die Worte kommen mühsam von feinen Lippen,«Mr. Taylor, kaffen Sie mich heraus. Ich will versuchen durch die Einsteigluke nach oben zu kommen. Ich bin ein guter Schwimmer— ich werde Hilfe hechejholen." , Taylor hebt kaum den Kopf.„Nonsense"» brummte er,„Sie kommen sticht hoch, der ungeheure Druck erstickt Sie'//. wir ststd etwa 800 Meter Wf/ ,„Einerlei, ich will es versuchen...»» (Schluß folgt.? Nr. 81 Dienstag, S. April 1987 Seite 3 fudetendeutfsdicE£citfspiegel nach dm Betrieb besetzt unb beabsichtigt, ihn erst nach Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen zu verlassen. Bezirkskonferenz in Komotau Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei hielt am Sonntag, den 4. April, in K o- m o t a u ihre ordentliche Bezirkskonferenz ab. Unter dem Borsitz des BczirksvertrauenSmannes Edmund Reichl wurde voin BezlrkSselretär Haas ein außerordentlich erfreulicher Bericht über die Entwicklnng der Partei im vergangenen Jahre erstattete. Der Marlcnumsatz weist tticht nur gegenüber dem Vorjahr eine erhebliche Stei- gernng ans, sondern hat sogar den Stand des Jahres 1980 bedeutend überschritten. Der Bericht, den der Bezirkskassier Müller vorlegte, brachte den Nachweis, daß die Organisation auch materiell genügend gerüstet ist. In der anschließenden Diskussion sprachen in sachlicher Weise Nicht weniger als 16 Redner, die sich positiv zu dem vorgelcgten Werbeplan für das kommende Jahr äußerten. Neber den 1. Mai und den Kreis- aufinarsch in Tcplitz referierte in eindrucksvoller Weise Redakteur Franz Seidel. In den Nachmittagsstunden sprach unter der gespannten Aufmerksamkeit der ganzen Konferenz Ernst Pani über den Freiheitslampf des spanischen Volkes. Seine außerordentlich interessanten Darlegungen wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Zum Bezirksvertrauensmann wurde einstimmig Edmund Reichl wtedergewählt. Am Sonntag hielt Abg. Siegfried Taub, der Generalsekretär der Deutsch«« sozialdemokratischen Arbeiterpartei, aus der Kreiskonferenz der Karlsbader Kreisorganisation in Falkenau eine wichtige Rede, deren wirtschaftlicher Teil sich insbesondere mit den Verhältnissen im Bergbau und in der Porzellan- und Glasindustrie beschäftigte. Wegen Raummangels bringen wir nur die wichtigsten Stellen der Rede. SdP-Unlform verboten In Marienbad wurde der Ortsleitung der SdP von der Staatspolizei mitgeteilt, daß das Tragen von iveitzen'Hemden, Reithosen und Reitstiefeln verboten sei. Auch gegen, BersamisilungS- teilnehmer, die in dieser Adjustierung betroffen werden, wird die Polizei einschreiten. Bücher-Beschlagnahme. Ain Freitag beschlagnahmte die ReichenbergerStaatS- polizei in der Buchhandlung Simon in Rei- chenberg, Bahnhofstraße, 180 Bände„Boll u n d S ch i ck s a l". Ein Band kostet 180 KC. Es handelt sich um reichsdeutsche Nazibücher. Einige nordböhmische Buchhandlungen haben sich darauf verlegt, fast ausschließlich reichsdeutsche Nazibücher in den Handel zu bringen. Die Polizei scheint sich nun dafür zu interessieren. Vie Etrlch-Arbelter In Junsbuch Im Kampf Die Belegschaft hält den Betrieb beseht Bei der Firma Etrich in Jnngbuch, welche mehr alS tausend Arbeiter beschäftigt, ist am Montag rin Konflikt ausgrbrochen und zwar wer- den Lohnerhühungm und Einstellung der Rallo- nalisierungömassnahmen gefordrm und die Entfernung einiger bei der Arbeiterschaft unbeliebter Angestellter verlangt. Ucber einzelne Fordermr- gci« wurde bereits in der Borwoch« verhandelt, die Firma lehnt jedoch die Erfüllung der Forde- rungen kurzweg ab. Darüber herrscht bei der Arbeiterschaft ungeheure Empörung, die zur Einstellung der Arbeit in allen Teilen d«S Betriebes führte. Die Belegschaft hielt am Montag Abend Krise und Sozialpolitik> Die wichtigste Frage ist, inwiclveit der Wieder- j aufbau der Wirtschaft im Gange ist und ob bereits< wieder von einer Konjunktur gesprochen werden kann.| Auf der Tagung der deutschen Industriellen hat der Vorsitzende Mühltg einige Feststellungen gemacht, die auch wir unterschreiben, nur hat er nicht die erforderlichen Konsequcnzen gezogen. Auch wir sagen,. daß von einer Konjunktur nicht gesprochen werden kann, solange arbeitsfähige Menschen in großer Zahl ohne Arbeit sind. Wir haben auch immer festgestcllt, i daß man cS verabsäumt hat, in Kriscnzeiten für die, Ausbildung der Facharbeiternachwuchses zu sorgen., Erst jetzt greifen unsere Industriellen daS Programm! unserer Gewerkschaften auf und verlangen ebenso i wie wir eine Uinschuluug der Arbeitslosen. Mühlig meint, daß die Arbeitslosenunterstützung dringend einer Acnderung bedarf, weil, das Genter-Stzstem seinen Zweck nicht erfüllt habe. Wenn die Herreir Industriellen nicht ein so kurzes; Gedächtnis hätten, müßten sie wissen, daß wir im-; mer gejagt haben, daß dar Genter-Stzstem keine entsprechende Form der Unterstützung ist, besonders, nicht in Krisenzeitcn. Immer haben wir eine Arbeitslosenversicherung verlangt. Die Unternehmer aber habe» sich sogar nnscrcm Verlangen auf Einführung eines Rotfond» von 200 Millionen KC widersetzt, als ob das den Zusammenbruch der Industrie bedeutet hätte. Wir stimm«« überein mit dem Verlangen nach Exportförderung. daS voi« uns und den G«verkschaften schon früher erhoben wurde. In allen Krisenjahren hat aber die Industrie nichts getan und kein Programm aufgestellt. Sie war in« Schmollwinkel und hat dabei kein schlechte« Geschäft gemacht.(Sehr richtig!) Der Not der Arbeiter in den stillgelegten Betrieben ist nicht die Not der Unternehmer gegenübergestandrn, für diese war die Stillegung immer ein gute« Geschäst. Und wen» jemand Wege au« dieser Kirse gewiesen hat, daun waren e« dir Gewerkschaften und unsere Partei, (Sehr richtig.) Die wirtschaftliche Situation Abg. Taub stellte dann fest, daß auf zahlreichen Gebieten gute Zeichen der Wirtschaftsbclebung-sind. An dieser allgemeinen Entwicklung hat jedoch das deutsche Siedlungsgebiet keineswegs entsprechenden Anteil und alle bisherigen Maßnahmen reichen nicht hin, um unserer Industrie die unerläßliche Förderung zuteil werden zu lassen. Da» Problem, vor dem wir stehen, ist die Wiedergewinnung unserer Ueiersee- cxporte. Mit Anerkennung stellen wir fest, daß Ministerpräsident HodZa diesem Problem sein Augenmerk zuwendet und daß er wirklich helfen will. Die bisherigen Maßnahmen sind jedoch unzulänglich, weil sie eine Exportförderung nicht verbürgen. Noch 30 Millionen Ki wären notwendig, um der Por» z'e l l a n i n d u st r i e jene Entwicklung zu geben. die sie braucht, um vielleicht über die Zeit der guten Konjuicktur noch hinaurzukommen. Bei einer Politik auf lairge Sicht müßte die Regierung nach dieser Möglichkeit greifen, weil sie dabei ja auch Arbeitslosenunterstützung einsparf und tausenden verzweifelten Menschen wieder die Möglichkeit gibt, zu ihrer ArbeitSstäiie zurückzukehren. Unsere Keram« arbeite«: fordern die Gewährung einer weiteren Er- porthilfe, eines löprozentigen Agio» für die m» die Nationalbank abgelieferten Valuten, eine staatlich subventionierte Propaganda, beschleunigte Bereitstellung der Mittel für die Elektrifizierung de» Lane de», die Verwendung von Porzcllangeschirr beim Militär und die Erniäßigung der Frachttarife. Diese Hilfe muß aber auch nutzbringend angewendet werden und, die Sicherung dafür besteht nur darin, daß unserem Verbände die Möglichkeit der Mitwirkung bei der Verwendung dieser Beträge gegen wird. iS e h r r i ch t i g.) Löhne und Reingewinne% Unsere Grubenbesitzer haben im Jahre 1985 einen Reingewinn von 55.4 Millionen KL au»ge- wiesen, nm 10 Millionen mehr al» im vorhergehenden Jahre. E» wäre verlockend, bi« Frage anfzn- werfen, inwieweit unsere Bergarbeiter an diesem Reingewinn beteiligt find. Leider sehlt un» jede Lohnftatistik. Die Zfffern der Zentralsozialversichc- rungsanstalt zeigen un» jedoch ein Ansteigen der Beschäftigten in der niedrigsten Lohnklasse und eine» Rückgang in den höheren Äohnstufen.. In dem Kampfe, de» die Gewerkschaften nm die Ausbesserung de» Lebensstandard«» nun aufnehmen, werden wir sie.mit alle» Mitteln unterstützen. Mit der AnswärtSentwickklmg der Konjunktur wird die Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit»«stehen, welche Bedeutung der Forderung nach der 40- Stundenwoche innewohnt, der nun Rechnung getragen werden,mutz. Selbswerstöndlich beschäftigen wir«m» mit der Frage der Arbeitsvermittlung, deren letzt« Lösung uns keineswegs zufrteden stellt- Jene Herren find mit Blindheit geschlagen, die nicht sehen, daß der Kampf um di« Demokratie in den Betrieben aulgetrasm wird. Da» nützen die allerbesten Gesetze und Vorsätze, wenn man sieht, daß mit Um» gehung de» Gesetze» oder mit dessen Auslegung immer wieder versucht wird, di« Arbeitsvermittlung zu übergehen und nur jene Menschen in die Betri«e zu setzen, die dem Unternehmer passen oder aber' die ArbeitSvermittlungSämter zu Stätten von Trabanten der Unternehmer zu machend(Lebhafter Beifall.) Nachher Richtung hin muß nicht im Interesse unserer Partei,. sondern im Interesse- de» Staates WanM geschaffen werden. Unsere ganze Arbeit nützt Der>oahrheitSli)ell««de Druckfehlerteufel. Der Geselle, j über den alle zeitungsschreibenden und zeitungslesenden Menschen sich immer wieder ärgern müssen, sucht zuweilen durch gelungene Einfälle seinen Ruf zu verbessern. BespielSweise hat er dafür gesorgt, daß das Geleitwort der Märznummer des„Ruf"(des Prager SdP- Nachrichtenblattes) mit folgendem Satze begann: ...„Durch die saubere und zielklare Politik und die ungeheuere Selbstsucht der jungen Fllh« rung ist die sudetendeutsche Frage zu einer europäischen geworden und. zu einem Faktor ersten Range» in den Bemühungen um ein neue» Recht zwischen den Völkern." Berdanunte Selbstsucht, die sogar die Selbstzucht eines Setzers im Henlei««blatt. ins Wanken brachtet vis westböhmfcche Krciskonferenz der Sozialdemokraten Am Sonntag tagte in Falkenau die Kreiskonferenz der Kreisorganisation Karls- b a d der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Die Karlsbader Kreisorganisation«st die größte der Partei, der Verlaus der Konferenz läßt also einen Schluß zu auf die Lage der Gesamtpartei. Schon das äußere Bild der Konferenz war packend: 420 Delegierte hatten sich versammelt, es wird kaum eine Lokalorganisation geben, die keinen Vertreter geschickt hatte. Die Berichte boten ein Bild reicher Arbeit und erfreulicher organisatorischer Erfolge. Die Partei ist in allen ihre«« Gliederungen gefestigt. Vollends überwältigend Ivar die Ausnahme,«oelche die Darlegungen des Sprecher» des Parteivorstandcs, des Abg. Siegfried Taub, fanden, Immer wieder brach die Konferenz in leidenschaftliche Kundgebungen der Zustimmung aus. Sie bezogen sich sowohl ans die Kritik, die Taub an den Feinden des deutschtschechischen VerständigungswerkcS und der Sozialpolitik übte, aber sie erreichten ihren Höhepunkt, als Taub zur Sammlung und zu neuem Kampfe aufrief. Alle Debatteredner bekräftigten die Darlegungen TaubS, in voller Einmütigkeit und Kampfbereitschaft wurde der politische Teil der Konferenz abgeschlossen. Wenn' die SdP die Hoffnung gehabt hat, daß sie durch die letzten Terrorvorsuche in Karlsbad die Sozialdemolraten eingeschüchtert haben würde, so täuschte sie sich. Diese Versuche haben in« Gegenteil die Kampfentschlossenheit der Partei in hohem Maße gesteigert., Die Konferenz beschäftigte sich auch mit dem Augendproblem. Dor Berichterstatter, Erich Ern st, legte die Aufgaben der einzelnen Er» ziehungsorganisationcn dar und besprach die Notwendigkeit, zwischen diesen Organisationen, die alle unentbehrlich sind, ein gutes Z u s a in« menwirken herzustellen. Die Konferenz stimmte auch diesen Auffassungen in voller Einmütigkeit zu. Zum Kreisvertrauensmann wurde wieder Abg. Eugen de Witte gewählt. und glaube, daß die Vereinbarungen selbstverständlich restlos erfüllt werden würden. Sein Bestreben werde cs sein, daß die» so bald wie möglich geschieht. Wir begrüßen diese Worte und wollen alles tun, daß das Werk vom 18. Feber von einem vollen Erfolg ge- njg PflCtfil IlH VOrfflflrSCn krönt wird. Wir bringen Geduld auf. glauben aber.""«wiiiwiwi sagen zu müssen, daß eS die Pflicht der Staatsmänner ist. sorgsam darüber zu lvachen, daß gerade jetzt nicht wieder Taten gesetzt werden, die an zurückliegende Zeiten«rinnen« und von den««« wir immer mit Schaudern gehört haben. E» gibt auch nach dein 18. Feber Erscheinungen, die Kopfschüttcln erregen. Aber lassen wir uns dadurch nicht irre machen. Es wird von unserer Wachsamkeit abhängcn, ob die Uebcr- grisfc verhindert iverden. Ich bin überzeugt, daß man den Mut aufbringen wird, mit den widerspenstigen Bürokraten reinen Tisch zu macken. Ter Kamvk gegen die faschistischen Strömungen must auf der ganzen Linie ausgenomuirn werden und die Büro kratie kann von ihm nicht ausgenommen werden. Zur außenpolitischen Situation Die außenpolitische Situation ist gekennzeichnet durch die faschistische Dvnamik. Ihre Tendenz ist dir Schädigung und Vernichtung der Demokratien. DaS aniibolschewistische Schlagwort von Nürnberg Hai. obwohl Hitler zum bolschewistischen Rußland sonst ganz gute Beziehungen unterhalten läßt, in einem großen Teile der Welt ein Echo gesundrn. Die Nürnberger Fanfare war nicht zuletzt darauf berechnet, Leon Bin m, drn Sozialisten und Juden, in dec Welt zu diskreditiere». Zum großen Mißver- gniigcn Hitlers<>..t es Blum verbanden, das Ver hältnis zwischen Frankreich und England so gut zu gestalten, wie rS niemals feit Kriegsende war. Wenn auch in Fraickreich die Gefahr für Blmn noch nichr völlig gebannt ist— auf der eine» Seite machen ihm die Kommunisten, auf der anderen Teile der Radikalsozialisten Schwierigkeiten— so kann man doch sagen, daß sich die Hoftnungen Hitlers nickt er füllen werden. Während sich in Frankreich und den anderen demokratischen Ländern die Verhältnisse konsolidieren, wagt man e» in Deutschland nicht«in» mal, die Wahlen in die Betriebsausschüsse durchzu» .führen.. Auch vor den Kirchenratswahlen hat, man Angst. Die Ereignisse in Spanien geben noch immer zu gewissen Besorgnissen Anlaß. Die fa^ckjsftschi» Interventionisten haben nicht Mr Prestige zu ver lieren, sondern auch das für Franco investierte Ka pital. E» ist kaum a»»uüehmen, daß sie ihre Ver suche, eine ihnen genehme Entscheidung herbeizu führen, aufgeben werden. Daher müssen wir uns auf ernste Auseinandersetzungen gefaßt machen, Wir sind bereit! Zum Schluffe beschäftigte sich Abg. Taub mit den bevorstehenden Wahlen in die Gemeinden, Kran- kcnverflchcrungoanstatten, LandcSkulturräte und Handelskammer,,. Die Zeitungen, die mit einem gewissen Triumph feststelltcn, das, in die Kranken- versichernngSanstalten gewählt werde» soll, habe« vergessen, mitzuteilen, dass auch in die Landeskultur- räte und di« Handelskammern gewählt werden wird. Die Verwaltung der KrankenverficherungSanftalte» aber können noch immer einen Vergleich mit d«r Ver waltung der Handelskammern und Landeskultur räte aushalten. In den Körperschaften der Kranken versicherungsanstalten fitze« genau soviel Unterneh mer- wie Arbeilervertreter und in die Gruppe der Arbeiter teilen sich noch di« verschiedenen Parteien. Wen» nur nach den Verdiensten geurteilt würde, so würden wir Irden Tag Wahlen in die Krankenver- ficherungSanstalten wünschen können. Wir haben unser« besten Kräfte für«ine gute Verwaltung der Krankenversicherungsanstalten eingesetzt und nur da durch dies« Institute über di« schwere Zeit der Krise hinweggebracht. I« dieser Zeit haben unsere Ver treter ihr« glänzende BerwaltungSfähigkeit bewiesen. Da» eben bringt unser Gegner in Wut, baff wir, ob wohl wir in de» KrankenversicherungSanftalten eine Minderheit find, eine» solch überragenden Einsluk auSüben. Daran wird sich auch durch die Wahlen nicht» ändern. Auch di« Gemeindewahlen«erden un» gerüstet find«. Jeder ist fich dessen lewufft, wa» von dem AuSgang dieser Wahlen abhängt. Wir werden kämpfen für unsere Ideale und neu« Erfolge an unser« Fahnen heft««- Die Rede Taub» wurde immer wieder von stürmischem Beifall der Delegierten unterbrochen, der zu Ende der Rede minutenlang dauerte. ihnen werde. Nun, da sie sich getäuscht sieht, schlägt sie in nervös-■ Wut um sich. Unsere Aufgabe ist e», sie zu demaskieren- Hat die SdP, die hei uns so ttit. als ob sie für die Rechte der Minderheiten einträte, jemals ein Wort der Tadels gefunden, wenn die mit Hitler verbündeten Länder, wenn Polen und Italien die deutsche Minderheit grausam unterdrük- kcn? Kann die Unaufrichtigkeit dieser Partei besser erwiesen werden al» durch Ihr Schweigen gegenüber den Zuständen, unter denen die deutschen Minderheiten in Polen und Italien leben müssen? Nicht Irre machen lassen Der Herr Präsident hat vor kurzem gesagt, er unS nicht», wenn wir sehen, wie der Nachschub in die Beiriede erfolgt unier dem Nachweis der SdP- Legitimatton. Der letzte BezirkShauptmann hätte die Pflicht, auf diese Situation, die fast überall zu sehen ist, entsprechend aufmerksam zu machen. Die Verhältnisse in der Koalition Zu den innerpolitischen Verhältnissen übergehend, sagte Taub: Die scheinbaren und auch bestehenden Gegensätze innerhalb der Koalition sind nicht abzuleugnen. Sicher gibt eS ideologische Gegensätze zwischen Sozialdenwkraten und Agrariern, aber die tiefsten Ursachen der außerordentlichen Miß- stimmung bei den Agrarier» sind materieller Natur. Kein Mensch wird un» klar mache» können, daß die Frage der Regelung dec Spirituswirtschaft etwas mit einer ideologischen Einstellung zu tün hätte. Jeder vernünftige Mensch muß sagen, daß die Festsetzung de» Margarinekonti ngen- tcs nur unter dem Gesichtspunkte zu erfolgen hat: Wa» braucht der Konsument? Wir wollen den freien Verkehr. Aber wenn konttngentiert wird, haben wir ein Interesse daran, daß die d e u t s ch e n Arbeiter entsprechend beschäftigt werden. Dafür haben auch maßgebende Kreise in der Regierung volles Verständnis. Eine Verbilligung des Zuckers ist möglich und notwendig. Seit Jahr und Tag zeigen wir die Diskrepanz zwischen dem Zuckerpreis im In- und Auslande auf. Die Verbilligung des Zucker» um KC 1.4Q wird nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Die Arbeitslosenfürsorge In der Frage der Ernährungsaktion bedarf es auf dieser Konferenz keiner Diskussion, unsere Vertrauensmänner wissen, daß auf diesem Gebiete das Dienschennlögliche geschieht, um Abhilfe zu schaffen. Ter Aufwand für di« Arbeitslosen in den Jahren 1929 bis 1987 beträgt 4.440,412.126 KC. für die produktive Arbeitsloten» fürsorge wurden auzgegeben von 1980 bis 31. März 1987: 458,788.299 KC. In den Jahren von 1928 bi» 1928 wurden für die Arbeitslosen insgesamt 88,488.878 Xi aufgelvandt. Da» Mass der Geduld der Partei rnid der Ar- beUSlosen gegenüber den stzftematische» Angriffe» Hot ein Ende erreicht. Unsere Arbeitslosen empfangen keine Gnaden und man«mff fich geradezu wundern, daff die Menschen mit der geringen Unterstützung do« Auslangen finden nnd e» ist unerträglich, daff man e« wagt, gegen Genleindevorsteher einzufchreitcn, dir ihr menschliche» Mitempfinden über den Buch- stoben der Richtlinien stellten. Daran kann nur jemand etwa» finden, dem jede» menschliche Fühlen verlorengegiuigei« ist. Wir haben noch heute rin Heer von Arbeitslosen, di« man nicht mtt rlner Handieloeglmg abtün kann und nm die fich der Staat kümmern muff. Noch immer herrscht im deutschen Gebiet ein furchtbarer Notstand. Abschließend sagte der Redner, daß wir unS in der abgckaufcnen Zeit um die Arbeitslosen gekümmert haben und wir wissen, daß die Menschen, die den Lockungen der Gegner verfallen sind, zu der Einsicht kommen werden, daß nur die Sozialdemokraten für sie eingetreten sind.(Lebhafter Beifall.) Die deutseh-tsoheohlsohe Verständigung Die innerpolitische Situation ist gekennzeichnet durch die Regierungserklärung vom 18. Feber. Diese Erklärung ist einer der bedeutendsten Schritte auf dem Wege zur nationalen Verständigung; sie zeigt, baß die deutschen akttvtftischen Parteien neben den Verpflichtungen, die sie bem Staat« gegenüber erfüllen, auch ihr« Pflicht gegenüber der Nation tun. Wir glaichen nicht, daß e» möglich sein wird, die Vereinbarungen von heute auf nwrgen hundertprozentig zu erfüllen. ES gibt Schwierigkeiten größter Art, die erst übeiwunden werden müssen. Der Weg vom Ministerpräsidenten bi» zu den au»führend«n Beamten der Bezirksbehörde ist sehr, lang. Auf diesem Wege schalten fich häufig Faktoren ein, di« keineswegs«ine in dm Gesetz« ter Republik verankerte Funktion auSüben. Sie werdm erkennen müssen, taff sie dem Staate wmig diene», ! wen» sie ihre bisherige Arbeit fortsetzm, die geeignet ist, da» Werk der«erständigun» zu««schweren- Di« Arbeit aber, di« Wir für di« Berständigung l«i- . fteit, ist im Interesse de» Staate» und der Demokra- ti« gelegen und wir werdm nicht duldm, daff man dies« Arbeit au» Böswilligkeit oder Engstimlgkeit ' stört. . Die Vereinbarungen sind ein Verdienst der i führenden Staatsmänner, aber auch ein Verdienst > her Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die ' in der Arbeit für die nationale Berständigung viel ■ geopfert und für sie geblutet hat. Und darum war i cs für un»«in erhebender Augenblick, al» wir sagen « konnten:»Endlich hat sich die Bemunft Bahn ge- : brachen." Es hat sich ein Wandel im Denken der- , Menschen vollzogen. Gewisse Bürokraten wissen jetzt « daß ein neuer Kurs emgeschlagen wird und daß nicht - mehr die Zugehörigkeit zur deutschen Nation die - Einreihung in die StaatSstellen verhindem darf. ES ist der Wunsch der Regierung, daß die Deutschen Teilhaber an derVer« waltungdesStaates werden. Die SdP will die Befriedung nicht, sie will von der Verhetzung leben-. Sie muß die wahre nationale Befriedung al» ihr Todessignal ansehen. Wa» sie in Wahrheit will, da» ist: sich Hitler-anschließen. Während der Verhandlungen über die nationalen Vereinbarungen hatte die SdP die stille Hoffnung, daß nicht» au» Asst und Volle I Siegfried Taub Uber die Arbeit der Sozialdemokratie Seite 4 DIenStag, S. April 1937 Nr. 81 F. X. Saida gestorben Sonntag früh verstarb in Prag nach län- gcrcr Krankheit der tschechische llnivcrsitätspro- fessor F. X. Saida, einer der hervoragendsten , Kulturträger der tschechischen Nation, siebzig» jährig. Wie Masaryk durch feine philosophischen und demokratischen Ideen Generationen junger Leute erzogen hat, so hak auch F. X. Saldo als Aesthet und Literaturkritiker jahrzchnielang ans diejenigen, die ein Interesse für Literatur und Kunst besitzen, cingewirkt. Stets jung, sich immer um die neuesten liinstlerischcn Richtungen in Europa künunernd, analysierte er in seinen Schriften und Vorträgen soivie in seinen Ilniversitätsvorlesun- gcn die Geistesrichttingcn, welche aus dem Westen nach Mitteleuropa drangen und verfolgte mit seiner Kritik und seiner Ironie alles Kleinliche, IvaS sich im tschechischen Geistesleben parasitisch aus» breite» wollte. Man warf ihni vor, daß er feine Ansichten zu oft ändere. Es tvar aber keine Unstetigkeit, sondern ein immerwährender Zwang, das, was er in einer gewissen Periode als gut befand, zu propagieren. So sahen wir ihn eimnal Religiosität, daS anderemal wieder KommnniS- mus, schliesslich wieder dessen Negation verkünden. Seine originellen Anschauungen veröffentlichte er seit mehreren Jahren in feinem„Saldüv zäpiS- ntk", tvelche Monatürevue er selbst ganz schrieb. F. X. Saldo wurde am 22. Dezember 1887 in Reichenberg geboren und es waren für Ende unseres Jahres große Feiern anläßlich seines 78. Geburtstages geplant. Schon in seinen jungen Jahren veräfsentlichte er zahlreiche Literaturund Kunstkritiken und insbesondere seine. Feuilletons fanden große Beachtung. Die Werke, welche er schuf, sind zahlreich. Seine„Boje o zitkel" sind Essays über ethische und psychologische.Fragen, „Düse a dilo" enthalten Schilderungen, tschechischer und auch fremder Dichter und Künstler. Er schrieb auch belletristische Werke, einen zweibändigen Roman„Loutky a dklnkci üojk" und Erzählungen„Zivot ironiclh a find povidky". Sein Drama„Dits" hat sozialen Einschlag und behandelt das Schicksal eines Dienstmädchens.„Zä- stupove" sind ein Massendrama, welches erst nach mehreren Jahren Aufnahme im Nationaltheater sand. Salda war auch Dichter, er gab zwei Gedichtbände heraus und veröffentlichte seine neuesten Gedichte in seinem„Saldüv zäpisnlk". Nach Salda ist auch das Komitee, welches sich um das Schicksal der Emigranten kümmert und das er initbegründete, benannt. Das tschechische Kulturleben hat durch den Tod Ealdas einen bedeutenden Verlust erlitten. Er Ivar der bedeutendste tschechische Essayist, Literatur- und Kunstkritiker, eine Persönlichkeit von - europäischer Bedeutung. » Letter Wunsch eines einfachen großen Menschen I» der letztwilligen Verfügung F. X. Saldos wurde der genaue Wunsch über die Begräbnisdispositionen festgelcgt:„Meine Leiche werde auf ganz stille und unlärmende Weise, ganz einfach, mit dem gering st en Maß von Zeremoniell begraben. Ich ersuche sehr eindringlich, daß an meinem Sarge niemand eine A n s p r a ch c h a l t e. Den Testamentsvollstrek- icr bitte ich im besonderen, diesbezüglich absolut unerbittlich zu sein und darauf zu achten, daß nicincm Wunsche entsprochen werde." Infolgedessen beschloß die Familie des Verstorbenen, den Schriftsteller in einfacher Art in Hostivab in die Familiengruft zu beerdigen. Das Leichenbegängnis findet Mittwoch, den 7, April, statt. Der Leichenzug wird sich um 18.80 Uhr von der Pfarrkirche zum Friedhof bewegen, wo auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen der Sarg unter pietätvoller Stille in der Familiengruft beigesetzt wird. Beileids-Kundgebung des Präsidenten der Republik Der Präsident der Republik Dr. Eduard Benes sandte dem Bruder des verstorbenen Professors der Karls-Universität Dr. F. L. Salda folgendes Telegramm:„Herrn Alois Salda, Post- direltor i. R., Smichov. Gestatten Sie, daß ich Ihnen mein tiefes Beileid zum Ableben des Professors Dr. F. X. Salda ausdrücke, eines der führenden Geister unserer modernen nationalen Literatur, des Schriftstellers und Dichters, dessen Spur auf unserem literarischen Felde die tiefste ist und bleibt. Dr. Eduard Benes." Schillers Geist gegen Hitler Goebbels versucht seit Jahren'—■ cs scheint das unabhängig vom unzüchtigen. Gewerbe eine Art'Leidenschaft des Propagandachefs zu sein— Schiller,. Friedrich S ch i l l e r, den Dichter des„Wilhelm Tell" und der „Räuber", des Ficsco und der„Kabale und Liebe", des„Don CarloS" und der weltbürgerlichen Hymne„An die Freude" zu einen« Kronzeugen des braunen Ungeistes zu erniedrigen. Schiller-Dramen worden nazistisch„ausgemacht" und jetzt spielt man in Berlin wieder einmal „Don Carlos". Vielleicht hat Goebbels geglaubt, das Publikum werde nur eine anti- katholische oder antihabsbürgische Tendenz her- auLfinden und nicht die große, ewige, hinreißende Tendenz gegen jegliche Tyrannei. Aber das Publikum scheint nicht programmgemäß zu reagieren. Es gibt bei den„Don Carlos"-Aufführungen täglich Applaus bei offenerSzene, und zwar immer, wenn der Marquis Posa seine große Rede an König Philipp hält: Lire, geben Sie Gedankenfreiheit ' Die Zeitschrift der Hitler-Jugend„Wille und Macht" hat sich mit dem Applaus befaßt und erklärt, man würde im Theater weniger demonstrieren, wenn man„inistande wäre, mehr politisch zu denken und zu fühlen"(wir zitie- rcn nach der„Frankfurter Zeitung"). Die „Frmikfurtcr Zeitung" befaßt sich Sonntag an leitender Stelle mit dem staatsgesährlichen Beifall. Sie sucht das Problem aus den« Aktuellen ins Ewige zu schieben und indem sie bcschwich- tigt, verrät sie ungeheuer viel. Bor allen erfährt man, daß es doch wieder in erster Linie Jugend ist, die demonstriert. Bei„Don Carlos" in Berlin wie auf dem blutigen Feld von Brihuega hat sich das gleiche gezeigt: der Faschismus hat die Jugend nicht oder nicht mehr. Diese sorgfältig vergifteten Seelen sind ihm doch wieder entflogen. DaS Menschliche, daS Junge, das Naturhafte ist stärker als das Anerzogenc, Eingetrommelte, Eingeprügelte. Und Schiller bleibt der ewige Erwccker ewigerJugend. Er läßt sich nicht gleichschalten. Wehe denen, die keinen Geist beschworen haben, um in frecher Rtaskerade ein Gespenst auS ihm zu machen! Er kommt, aber er läßt sich nicht mißbrauckM. Seine Stimme klingt durch die Jahrhunderte, sein Ruf ist stärker.als das Kommando des Ge- freiten. Die Jugend eines geschändeten BvlkeS hört ihnuiid ballt die Fäuste. Schon einmal— 1849— ist nach einer Schiller-Aufführung (cs war der„Wilhelm Tell" im Dresden) eine Revolution auSgebrochcn. Es wird nicht die letzte gewesen fein I Kinder finden einen Ermordeten. Sonntag nachmittags machten Kinder aus R a n tz e n» grün(Bez. Karlsbad) einen grausigen Fund. In einem kleine» Gehölz in der Nähe des Ortes fanden sie die noch blutige Leiche eines Mannes. Die Gendarmerie erhob, daß es sich um den 87- jähxigen Reisenden Emil Tobisch ans Alt- Rohlau handelt, der verinutlich am Samstag auf einem Feldrain in der Nähe von Rantzengrün erschlagen und dann in das Wäldchen geschleudert ivurde. An der Mordstellc fanden die Gendarmen später Hüt nnd Brille des Ermordeten, vor. Es dürste simIiiü einiii. R a ü b m o r.d Handeln. Die Erhebungen find noch im Gange. Beim Borfahren tödlich verunglückt. S a m S- tag befand sich der Komotäüer Färbereibesiher Franz S o.b o l.l mit seinem Motorrad sanit Beiwagen auf der Heimfahrt von Görkau nach Ko- motau. Kurz vor der Udwitzer Bahnübersetzung versuchte er) einem Reichenberger Mübeltrans- portauto vorzufahren. Im gleichen Augenblick lenkte auch der Chauffeur des MöbelautoS seinen Wagen auf die rechte Straßenseite; dabei erfaßte der Stoßfänger des Autos den Beiwagen des Motorrades. Soboll wurde in die Fahrbahn dos Autos geschleudert, von diesem überfahren und tvar soforttot. Schweizer Arbeitersport zur Sportvereinigung. Die große schweizerische sozialdeniokatische Organisation„Schweizerischer Arbciterturn« und Sportverband" stand bisher außerhalb der zentralen nationalen Turnerorganisation der Schweiz und beschloß nunmehr am Sonntag mit 186 gegen 61 Stimmen ihren Beitritt zu diesem Lan- desverbande für Leibesübungen. Ferner wurde mit 189 gegen 41 Stimmen beschlossen, dem Grundsatz der unbedingten Landesverteidigung zuzustimmen, Deutsche Sendung auS Madrid. Am Sonntag, den 4. d. M. nach 0 Uhr abends war auf der Kurzwelle 81.4 eine deutsche Sendung zu hören, die ein Interview des amerikanischen Journalisten Klein iiber seine Eindrücke und Wahrnehmungen in Spanien wiedergab. Der Ansager teilte mit, daß nunmehr jeden Abend um 8 Uhr spanischer, das ist um 9 Uhr unserer Zeit Nachrichten in deutscher Sprache gesandt werden und daß eS sich nm Funknachrichten des Senders 2 der Madrider Regierung handelt, Blutproben in BaterschaftSprozessrn oberstgerichtlich anerkannt. Eine interessante und schwerwiegende Entscheidung hat soeben das Oberste Gericht gefällt, indem es in einem Vater- schastsprozeß dahin erkannte, daß grundsätzlich ein derartiges Gerichtsverfahren ohne Durchführung der Blutprobenprüfung nicht als vollständig zu erachten sei. Für den Fall, daß eine Prozeßpartei sich in solchen Prozessen weigern sollte, sich der Blutprobe zu unterwerfen, hat das Prozeßgericht nach der angeführten Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, diesen Umstand Lei der Urteilsfällung entsprechend zu berücksichtigen. Drei Kinder ertrunken. In Stanz in Steiermark hat sich ein Unglück ereignet, das drei Kinder zum Opfer gefordert hat. Der fünfjährige Sohn und zwei Töchter des Landwirtes Elmayer gingen über einen Sieg eines angeschwollenen Baches, rutschten aus und fielen ins Wasser. Nach zweistündigen Anstrengungen gelang es den hcr- beigeeilten Dorfbewohnern die beiden Mädchen tot aus dem Wasser zu bergen. Die Leiche des Knaben konnte bisher nicht gefunden werden. ES wird noch«nehr«»stürzen! In Sestri Levante(Italien) stürzte ein Teil des im Bau befindlichen s a s ch i st i s ch e n P a r t e i- Hauses ein. Vier Arbeiter wurden unter den Trümmern, begraben, einige andere schwer verwundet. Hoffentlich werden bei faschistischen Einstürzen nicht immer die Arbeiter die Zeche bezahlen! Der englische Kohlendampfer„Alder" stieß am Sonntag in der Nähe von Carlissord Lough in dichtem Nebel mit einem anderen englischen Dampfer zusammen. Der.„Alder" kenterte. Fünf Mann der Besatzung und die Frau des Kapitäns ertranken. Drei Mann' konnten gerettet werden. Attentate auf Schulen! In der Nähe von Nelson in Britisch. Columbien wurden vier Schulen und zwei Hallen durch eine Explosion und einen anschließenden Brand vernichtet. Eins fünfte Schule Ivurde beschädigt. Es handelt sich um einen Spcengstvffaiischlag. Der ärztliche Empfehlungsbrief des Hypochonders. Das Pensionistenorgan„Obrana pen» sistü" berichtet über einen EhrcnbeleidigitngSpro» zeß gegen.einen Arzt, der wegen Beleidigung eines seiner Patienten zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Besagter Patient war ein alter Pensionist, der zu einem der besten Klienten des Arztes gehört«, diesem aber wegen seiner wirklichen oder'vermeintlichen Hypochondrie so auf die Nerven ging, daß er sich seiner zu entledigen beschloß. Er tat dies in der Weise, daß er ihn an einen Kollegen empfahl und dem Patienten einen Empfehlungsbrief an den neuen Arzt ntitgab. Von mißtrauischer Neugier geplagt, öffnet« der Pensionist den mitgegebcnen Brief und laS in ihm zu seiner großen Entrüstung folgendes:„llcber- bringer dieses Schreibens ist ein schwerer Narr und unheilbarer Hypochonder. Er zahlt aber gut." Tief gelränkt überreichte er die Klage, die tatsächlich zu der Verurteilung des allzu offenherzigen ArzteS führte. Neiersülliges Flugzeug. Einer Meldung aus Budbanks in Kalifornien zufolge wird ein mit acht Personen besetztes DouglaS-Paffagierflugzeug auf dem Wege nach Kansas seit 19 Stunden vermißt. Man nimmt an, daß cs über Arizona abgestürzt ist. DaS Flugzeug sollte von New Uork nach Holland verschifft werden. Der Reihe von Eiseulahnunsälle«, welche sich in England in den letzten Tagen ereigneten, gesellte sich Sonntag zeitig früh ein Iveiterer Eisenbahnunsall, der vierte innerhalb von vier Tagen, hinzu. Auf dem Bahnhof Pollhill stießen zwei Lastzüge zusammen. Der Zugssührer des einen Zuges wurde schwer verletzt. Unbekannt« Brief« der ersten Frau Napoleons. In der Budapester Bibliothek der Fürsten FefteticS wurden 14 bisher unbekannte Briefe der Kaiserin Josephine aufgesunden..Sie sind an den Grotzherzog von Baden gerichtet, dessen Gattin Stephanie Beauharnais eine Nichte Josephine BeauharnalS' war. Die Großmutter des Fürsten FefteticS war«In« Enkelin des Großherzogs von Baden. Derart gelangten diese Briefe in die Bihliothek des Fürsten. Krach um di« Schönheitskönigin der Weltausstellung, Schon oft ist es bei. Wahlen von Schönheitsköniginnen zu lebhaften Auseinandersetzungen und Meinuiigsverschiedenheiten gekommen, aber das, was sich dieser Tage bei der Wahl einer Schönheitskönigin für die Pariser Weltausstellung abspielte, dürfte alle Rekorde auf diesem Gebiete übertreffen. Dir Wahl fand vor einem auSerwählten Publikum in einem eleganten Theater der Champs- ElyfkeS statt. Es hatten sich eine Menge von Kandidatinnen gemeldet, obwohl die Ausstellungsleitung ausdrücklich verkündet hatte, daß sie der ganzen Angelegenheit fernstände und sie«ine„AuSstcllungskönigin"'nicht anerkennen werde. Unbeschadet dessen schrftt man zur Wahl, wobei sich zur Verwunderung der Teilnehmerinnen und des Publikums herauSstellte, daß die „Jury" sich nicht mit dem bloßen Anschauen begnügte, sondern den Kandidatinnen Fragen stellte, die die meisten erröten und verschiedene zu lebhaften Protesten zwangen. Unter anderem sollten sie sich darüber äußern, wie sie zum Problem der freien Liebe ständen. Den ersten.Weinkrampf gab es, als ein Richter eine Kandidatin roh fragte, ob ihre blonden Haare echt oder gefärbt seien. Der ganz große Krach begann, als die Siegerin proklamiert wurde, nämlich ein junges Mädchen, das eine geborene R u f s i n ist. Eine Russin als französische Schönheitskönigin für die Ausstellung— das war zuviel. Es gab einen ungeheuren Lärm und als das junge Mädchen mit dem Hermelinmantel geschmückt! auf die Bühne trat, wurde sie so schlecht empfangen,! daß sie in Tränen ausbrach und sich lange weigerte,! die Würde anzunehmen. Schließlich akzeptierte sie dennoch, aber ob man noch jemals etwas von der Ausstellungskönigin hören wird, erscheint sehr fraglich. Dl« ersten Radiotelegramm« Prag—Moskau. Am Montag wurde die direkte radiotelegraphische Verbindung Prag—Moskau ausgenommen. Bei dieser Gelegenheit tauschten Postminister Tuknh und der Bolkskommissär für Post Ch alepski BegrühungS- telegramme aus. Durch die direkt« Verbindung Prag—Moskau wird der Telegraphenverkehr mit der USER wesentlich beschleunigt; bisher wurden die Telegramm« in Transit über Polen befördert. Wahrscheinliches Wetter von heut«: Wechselnd bewölkt, nur einzelne lokale Schauer, namentlich in den Nachmittagsstunden. Relativ warm.— Wetteraussichten fürMittWoch: Weiterentwicklung etwas unsicher, jedoch ziemlich warm. VomRundfunk Suepsehleumverte»«es den Programmen« MitNvoch: ' Prager Sender, l: 16.68: Deutsch««Presse, 16.18: Rundfunk für deutsche Schulen, niüere Stufen, 12.16: Opernfantafien,-12.85 Populäres Konzert auf Schallplatte»: Lortzing. Maffenet- etc, 15.66: Orchesterkonzert FOK:; Handel, Mozowt, 18.16 Deutsche Sendung: Otto Pick: Dämonen am Rand« des Lebens, zum 66. GwurtStag KubmS, 18.26: Arbeiterfeudmtg! Karl Schmidt, Teplitz: Grubenarbeit und BergmatmSfchutz, 18.46 Sozialinsormatümeu, 18.45: Deutsche Presse, 19.26: Soldatenlieder, 22.26: Tanzmusik.— Prag, Sender II: 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde: Oberlehrer Scholz liestMär- chen, 18.15:- Salonquartett: Straub, Nedbal.—. Brünn: 17.46: Deutsche Sendung: Operettenlieder. 26.56; Sarka, Oper von Janatiek.— Preßburgi 11.65: Salonorchesterkonzert. 16.16: Rundfunkorchester.— Kascha»: 12.65: Opernvorspiele. 18.15: Schallplatte».-- Mähr, Oftrau:18.6ü: Zither«' quartett, Englands neueste’Kolonie Mit-der Einführung der provisorischen Selbstverwaltung inJndien-hatEngland zugleich,eine’ neue- Kolonie-erhalten. Das bisherig« Schutzgebiet von A d e n/’das, von Indien ,mitverwaltet wurde, ist’mit der Neuregelung als jüngste Kolonie dem. englischen Kolonialamt unterstellt worden.' Zum Gouverneur-.würde’ der bisherig« Resident ernannt.-Unser Bild zeiAdieberühm- ten Zisternen zum Äufsämmeln des Regenwaffers, die schon zu Moses Zeiten gebaut sein sollen. Aden ist einer der heißesten- Plätze der- Erde. Nr. 81 DienStag, 6. Avril 193? Seite» DoLKsMrtsekakt mut ävLiakpoiM Manenküridisungen durch die Hausbesitzer Wie haben sich die Mieter zu verhalten? Seit Bekanntwerde» der ckberstgerichtlichen Entscheidung haben die Hausbesitzer in einer geradezu überwältigenden Zahl die Mieter von Zweizimmerlvohnungen ansgekUndigt. Häufig geschieht dies dadurch, daß die Hausbesitzer, sei es mündlich oder schriftlich an den Mieter herantre» ten und ab 1. Juli d. I. einen vielfach erhöhten und untragbaren Mietzins fordern, ansonsten der Mieter als gekündigt zu betrachten ist. Viele Mieter sind ratlos und wissen nicht, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollen. Damit die K ii n d i g u n g, g le i ch g ü l t i g ob sie außergerichtlich oder gerichtlich erfolgt ist, nicht wirksam wird, muh der Miete rge» gen die Kündigung unterallen Umständen gerichtliche Einwendungen einbringen. Die Frist beträgt acht Tage, wenn die Miete 14 Tage, monatlich oder vierteljährlich anfgelündigt wird, tvenn die Kündigungsfrist kürzer ist»1814 Tage, müssen die Einwendungen binnen droiTagen eingebracht werden. Die Einbringung von Einwendungen ist ein absolutes Gebot der Vorsicht. In vielen Fällen stellt sich nämlich heraus, dah die Wohnung, die aufgckündigt wird, gar keine „Zweizimmerwohnung" ist, sondem, dah der eine oder der andere Raum als Wohnraum im Sinne des Mietevschutzgesehes nicht angesehen werden kann. Häufig hat der Mieter mit einer solchen Wohnung gleichzeitig auch eine Bctriebsstätte mit gemietet. Auch in diesem Falle ist die Kündigung unzulässig, wenn sie sich nur auf di« Wohnung bezieht oder wenn die Betriebsstätte als kleine Betriebsstätte anzusehen ist. Was aber das Entscheidende ist, ist die Tatsache, daß der 8 6 des Gesetzes vom 26. März 1986, Slg. Nr. 66, anovdnet, dah in jenen Gebieten, in denen die wirtschaftlichen, sozialen und Wohnungsverhältnisse außerordentliche Mahnahmen erheischen, die A b b a u b c st i m m u n g e n für g w e i- Z i m m e r w o h n u n g e n nichtzu gelten haben.Obwohl die vom Gesetze vorgesehene Reg.-Vcr. bis heute noch nicht kundgemacht ist, kann es doch nichtzweifel- h a f t s e i n, dahin d e in d e u t s ch e n Siedlungsgebiet, also auch im T.e plitz-Schönauer-Bezirk, der Mieterschutz fürZweizimmerwoh« n ungen verlängert werdenwird und dah schon in der nächsten Zeit mit der Erlassung dieser Reg.-Ver. zu rechnen ist. Hat nun der Mieter die Frist zur Erhebung der Einwendungen bei Gericht versäumt, in denen er alles ansühren muh, was gegen die Kündigung spricht, weil ein späteres Vorbringen nicht zulässig ist, dann besteht die Gefahr, dah der betreffende Mieter nach Ablauf der Kündigungsfrist delogiert wird. Mir empfehlen daher allen Mietern drinff e n d st, g« g e n die Kündigung, g l e i ch g ü l» t i g welcher Natur sie ist, unbedingt Einwendungen bei Gericht einzubringen, wobei es in den meisten Fällen unerläßlich sein dürfte, mit der Verfassung und Ueberreichung dieser Einwendungen einen Anwalt zu betrauen. Der Mieter möge sohin die Frist zur Erhebung dieser Einwendungen nicht versäumen, da ein solches Versäumnis ihn um die Mieterschutzrechtc bringen kann. Er möge aber auch keinerlei Vereinbarungen über MietzinSerhöhungen treffen, da derartige Abmachungen nachher schwer aus der Welt zu schassen sind.■ Hilfsaktion ffUr die Spielwaren* Industrie des Erzgebirges Der DND meldet: Am Sinne des Minister- ratrbeschluffes schreitet das Handelsministerium nunmehr an die Sanierung der Genossenschaft der erzgebirgischen Spiel- und Holzwarenerzeu» ger. DaS Ministerium wird die der Genossenschaft vor etwa zehn Jahren gewährte Anleihe in der Höhe von etlichen hunderttausend Kronen streichen, vorausgesetzt, dah auch die übrigen Gläubiger und namentlich die Handelskammer in Eger Nachlässe auf'ihre Forderungen gewähren.'-Zur Beschaffung des notwendigen Betriebskapitals müssen ferner die Mitglieder der Genossenschaft neue Anteilscheine zeichnen. Die Egerer Kammer hat bereits für die Genossenschaft ein neues Gebäude errichtet und wird nun selbst die Organi- sation deö Exportes durchführen, da ansonsten für eine gedeihliche Arbeit der Genossenschaft gute Voraussetzungen bestehen. Die größten Verluste des Unternehmens sind auf seine infolge der Lira» Devalvation entstandenen Verluste in Italien zu» rückzusühren,'' Industriegründung In Nordmähren? Unter den deutschen Bodenbesitzern ztv.ischen Zöptau, GroßullerSdorf und Marschendorf in Nordmähren erregen Aufsehen die Preise, die von einer: bestimmten Gruppe für Grundstücke dieses Gebietes angeboten und bezahlt werden. Dir Käufe und Angebot« werden durch einen Brünner Advokaten vermittelt, wobei die Kaufpreise rund das Dreifache der regulären nordmährischen Grundstücke ausmachen. Es verlautet, dah im Zusammenhang mit diesen Grundstückkäusen die Gründung einer neuen großen Industrie— unbestätigten Meldungen zufolge handelt«S sich um das Projekt einer Strumpffabrik— stehe. Erweiterung der Reichstädter Handschuherzeugung. Die während der Krise stiNgelegt« Papierwarenfabrik F. Purkert wurde von der Firma K. Seidl, Leder- und Lederhandschuhfabrik erstanden, welche das Objekt zur Hand- schuherzeugung einrichten will. Etwa 80 Arbeiter sollen> in der Fabrik beschäftigt werden. Außerdem wird sich für mehrere hundert Heimarbeiter Beschäftigung bieten, Berhandlftngen mit Bulgarien Mitte April. Nach Meldungen' der bsilgarischen Presse wird Mitte April die tschechoslowakische Delegation er Man erhalt fUr K6 100 Reichsmark.... . 748— Marimünzen... . 775.— 100. österreichische Schillinge ..538.50 - 100 rumänische Lei., . 17.72 100 polnische Zloty..« . 546.60 100 ungarische Pengö.. . 598.50 100 Schweizer Franken. . 659.75 100 französische Francs. . 133.32 100 holländische Gulden. . 1572.— - 100 italienische Lire... . 158.40 1 englisches Pfund.. . 141.37 1 amerikanischer Dollar . 28.65 100 jugeftawtsch« Dinare. .. 60.30 100 Belga»... ,. 485.— 100 dänisch« Kronen.. 626.-4 100 WEH» SWUK■ • wartet, die die Verhandlungen über den gegenseitigen Warenaustausch und Zahlungsverkehr zum Abschluß bringen soll. Zucker-Weltkonferenz eröffnet London. Im britischen Außenamt wurde Montag die Weltkonserenz der Zucker produzierenden Länder eröffnet, an welcher sich Vertreter von 23 Staaten beteiligen. Der Eröffnungssitzung präsidierte der ehemalige Ministerpräsident Ramsay Macdonald. «Financial News" berichten, daß in. den Vorverhandlungen den europäischen Produzenten von dem Gesamtquantum von 3.25 Millionen Tonnen, auf welches der Weltkonsum geschäht wird, 61'5.000 Tonnen zusallen sollten. Dieses Quantum wurde von den tschechoslowakischen Vertretern als zu niedrig bezeichnet, di« statt der 250.669 Tonnen, die dann für die Tschechoslowakei in Betracht kämen, ein Kontingent von 436.666 Tonnen verlangten. Die Hochkonjunktur in Schweden hat für die Mehrzahl der Jndustriebranchen im Jahre 1936 Rekordabschlüsse gebracht. Die Rohstosfindustrien haben durchwegs den Stand von 1929 überschritten. Aber auch verarbeitende Industrien, wie die Stahlindustrie, die Elektrizitätsindustrie, die Werstindustrie und andere, haben 1936 einen starken Aufschwung genommen. Das gesamte Andustrievolumen ist von 1935 auf 1936 um 8 Prozent gestiegen. Den stärksten Anteil haben die Maschinenindustrie und der Bergbau. Der Automobilverkauf stieg um mehr als 26 Prozent. Die .Schokoladenfabriken haben eine Erweiterung 'ihrer Anlagen vorgenommcn. Die Auswirkung' der Hochkonjunktur zeigt sich auch darin, dah die Verbrauchsgüterindustrien bei der Produktion wieder- den besseren Qualitäten mehr Aufmeck-, samkeit widmen. Die Lohnsumme, die im Jahre 1935 1.1 Milliarden Schwedenkronen betrug, ist 1936. um etwa 6 Prozent gestiegen. Die Lebensmittelpreise zeigen eine leichte Erhöhung. Der Handel hat 1936 einen.größeren Umfang gehabt als.im letzten Hochkonjunkturjahre 1929. Di« Ausgaben für die englischen Notstandsgebiete. Die Ueberweisungen des StaatSlommis- särS für die Notstandsgebiete. in. Eiigland und Wales erreichten Ende Feber 9,696.666 Pfund, wie. aus einer jetzt veröffentlichten Statistik her« vorgeht.' Unter den neuen Plänen befindtn sich solche für Bau von AbzsigSkanälen, Wasserversorgung, Schwimmbecken usw.. Die Gesamtausgaben bis Ende Feber-setzten sich, aus'folgenden Posten zusammen: Unterstützungen für die Industrie 3,624.666, Zuschüsse für ländliche Siedlungen, 2,374.066 dringende WohlsahxtSauSgabcn 3,197.666, andere Ausgaben 1,665.600. Bekanntlich werden die dem Staatskommissär zur Verfügung stehenden Mittel allgemein-als unzureichend'angesehen und die ständige Diskustioy über die Notstandsgebiete bewegt sich zum Teil über den Umfang dieser Befugnisse. Butterzoll herabgesetzt. Birhzölle unverändert. Da die Preise für Jnlandsbutter über 2660 XL je 100 Kilogramm gestiegen sind, wird ab 16. April'der Vertragszoll von 566 XL(autonomer Zoll 680) auf 420 XL gesenkt werden. Die Vieh«: zölL blewen"üMrSiid'ert." Heber den Fettzoll dürfte der nächste Ministerrat entscheiden, so daß in dem bisherigen-Zustand, dessen RechtSgültigkeit am 9. April abläuft, keine Unterbrechung ein« treten würde. DagerZMmg Dr. Karel Baxa Der Sitzung der Zentralvertreiung der Hauptstadt Prag, die am Montag abgchalten worden ist, lag die Erklärung dcS Primators Dr. Karel Baxa vor, auf sein Amt zu verzichten. Nach den Dispositionen, die vorgesehen sind, wird in den nächsten Tagen eine feierliche Sitzung der Stadtvertretung abgehalten tverdcn, in welcher die Stadtvertretung von dem langjährig.» Primator Abschied nehmen wird. Noch im Lmife des Monates April 1937 soll die Neuwahl des Primators stattfinden. Damit scheidet ein Mann aus deni öffentlichen Leben, der in der Politik Prags und der Republik überhaupt«ine bedeutende Nolle gespielt hat.(Baxa war auch Mitglied der böhmischen Landcsvcrtretung, und durch mehrere Jahre Vorsitzender des Verfassungsgerichtes.) Dr. Baxa ist schon lange vor dem Kriege in der tschechischen Oeffentlichkeit bekannt geworden. Sein Auftreten in der berüchtigten Hilsner-Afsäre ist nicht in guter Erinnerung. Die Oeffentlichkeit dcS In- und Auslandes war daher einigermaßen überrascht, als nach dem Provisorium des nachmaligen Kanzlers S ä m a I Dr. Karel Baxa zum Bürgermeister und Repräsentanten Prags auserkoren wurde, der Hauptstadt der Republik Thomas Masarhks. Dr. Karel Baxa wurde Bürgermeister der Stadt Prag als Kandidat und Funktionär der tschechischen nationalsozialistischen Partei, einer Partei, die gerade daran war, ihre nationalistische und antimarxistische Vergangenheit durch eine volkstümliche, republikanisch-demokratische Politik zu ersetzen. Obwohl Bürgermeister Dr. Baxa oft angedeutet hat, daß die Ansichten, die er um die Jahrhun- dertwcnde vertrat, nicht mehr die seinen sind, hat er doch— wenigstens für den äußern Beobachter — in der von Eduard Benes geführten Partei und damit im Lager der tschechischen Linien überhaupt als Fremdkörper gewirkt. Folgerichtig habe» ihn die Exponenten der tschechischen Rechtsparteien, wenn die's auch demagogisch verdeckt wurde, stets als ihren Mann betrachtet. Wer Primator Baxa bei der Führung seiner Amtsgeschäfte im Stadtparlament beobachten konnte, wer beobachtete, wie er die Verhandlungen leitete, mit Parteien, Stadtverordneten, Beamten unterhandelte, der konnte in diesem konzilianten, ruhigen, freundlichen alten Herrn nichts von einem nationalistischen Herold'und-Radikalen-feststellen. Primator-Doktor Baxä übte'fein Amt s ehr zurück hal- tend, ruhig und, soweit es um die groben tschechischen Parteien geht, betont unparteiisch aus. Eine Initiative auf den verschiedenen Gebieten der Gemeindeverwaltung har Dr. Baxa in größerem Ausmah nicht entfaltet. Er begnügte sich nut einer mehr repräsentativen Stellung. Die Initiative, überließ er den Fachreferenten(Zcnkl, Kellner, Mölzer u. a.). In der deutschen Oeffentlichkeit wird Baxa insbesondere als tschechischer Nationalist und Be- kämpfcr der Rechte der Deutschen angesehen. Tatsache ist, daß sich die Prager Stadtverwaltung und der Prager Ntagistrat unter der Bürgermeisterschaft Baxas als Pflcgestätte nationalistischer Nadelstichpolitik hervorgetan haben. Die Prager Stadtverwaltung war es, die nicht nur die Bestimmungen des tschechoslowakischen Sprachengesetzes und der Sprachenverordnung in der extensivsten Weise gegen die deutsche Minderheit auL- legte und anwcndete, sondern darüber hinmis in Sprachendingen eine Praxis pflegte und bis heute aufrecht erhielt, die gesetzwidrig und verfassungswidrig ist. Wenn auch Baxa diese Sprachenpolitik der Stadt Prag zu verantworten hat, so ist es— und das muß lovalcrweise gesagt werden— doch so, dah diese Politik durchaus nicht auf eine persönliche Gehässigkeit Baxas zürückgeht. Die Ursachen dieser Politik des PxagerR.athau.se s, auf die in diesem Zusammenhänge nicht eingegangen werden kann, liegen leider tiefet. Die Entwicklung der Ditige unter Baxas Nachfolger-wird ja zeigen, inwiefern Baxa" bei seiner Sprachenpolitik ein bloße» Exeftitivorgqn der.großen' tschechischen RäthauSpärteicrt- wat und inwiefern er aus xige- nemuoch. natiqnalistische Fleißmifgaben' geleistet hat., <•- Wenn also die deutschen’ Sozialdemokraten Prags auch keinen sachlichen Anlaß haben, das Ausscheiden Baxa» aus dem öfftntlichewLeben zu bedauern, so wollen? sie ihm dennoch als politische und weltanschauliche Gegner die Anetken- nung nicht versagen, daß er durch viel« Jahre hindurch üneigennühig und eifrig bestrebt war, den Interessen der Hauptstadt: wie er sie sah, nach besten, Kräften'.zu dienen.'• Egon Schweib. -* Die montägige Sitzung der Zentralvertretung stand im Zeichen der Demiffion des Primators Dr. Baxa, welche sich als Punkt 61 auf der Tagesordnung befand. In der Sitzung präsidierte der erste Primator-Stellvertreter Dx. Stüla, Dr. Baxa selbst hatte sich für di« Sitzung entschuldigt. Dr. Stüla verlas dar Rücktrittsgesuch de» Primator» Dr. Baxa und teilte mit, daß der Stadtrat in der letzten Sit- Izmrg beschlossen hat, der Zentralvertreiung die Nesiauation zur Annahme zu emp-. fehlen. Dr. Stüla verwies darauf, dah Dr. Baxa schon auf Grund seine» Alter»r» umwehte ihn doch auch ein Hauch der Würde. Ballermanns Striese gehört zu jenen Bühnengestalten, die ntan nie mehr vergisst.— Da das Ensemble mit Ballermann gekommen war, ihn bestens unterstützte, da flott und lustig gespielt wurde, gab cs einen frohen, genussreichen Abend. Am Nachmittag hatte der gute Besuch der Galerien und des Stehparterres bewiesen, dass Lessing boch auch in Prag für einen wesentlichen Teil des Publikums, für den. nicht versnobten, nicht blasierten und für den nichtgleichgeschalteten, noch viel bedeutet. Der demonstrative Beifall hatte nicht nur Ballermann, er hatte auch dem Dichter gegolten.—sd— „Vormärz". Wiederum hat das Prager Vereinst Heater in dankenswerier Weise eines Autors und eines Stückes sich angenommen, die an den sudetendeutschen Bühnen kein Glück haben. Der„Zivile'Luftschutzverband"(CPO) für die Hauptstadt Prag hat nun im Sinne de» Stadt- rairbeschlnffeS vom 12. Feber d. I. Vorschriften zur Organisierung der Lustschutzdienstes ausgearbeitet. Die Zelle des LuftschutzdiensteS, der bei aller notwendigen Zentralisierung doch den Verhältnissen beS Einzelhauses, beziehungsweise■ Häuserblocks weitgehend angepasst sein mutz, bildet nach diesen Vorschriften die in jedem Hause aufzustellende Wachmannschaft, an deren Spitze ein Wachkommandant steht. Diese Mannschaft ist aus den Hausbewohnern zusammenzustellen und vom Hauseigentümer an die zuständige Magistratsabieilung zu melden. Als Regel gilt, dass im allgemeinen je zwei FamUIen der Hausbewohner ein Mitglied für die HanSwachmaun- schaft zu stellen haben. Die Angehörigen dieser Wachmannschaft dürfen nicht der MIlitärdienstpslicht unterliegen, oder einer anderen öffentlichen Luft- schutzorganisaliön angehören, die im Ernstfall ihre Dienste anderswo in Anspruch nehmen und sie somit dem Wachdienst im Haunse selbst entziehen würde. Mitglieder können auch Frauen sein. Sollte unter den Hausbewohnern keine Einigung zustande- kommen, so entscheidet über die Bestellung dieser Wachmannschaften die zuständige Behörde. Ms Bedingung gilt, dah die zu diesem Dienst bestellten Personen die entsprechende physische und moralische Eignung besitzen und da» Vertrauen der HauS- bewvhner geniessen. Ihre Aufgaben im Ernstfall beziehen sich in erster Linie auf die erste Hilfeleistung bei Ausbruch von Bränden und Verletzungen, beziehungsweise Gasvergiftungen der Hausbewohnerschaft, wofür sie unter Leitung der zu bestellenden Kommandanten entsprechend ausgebildet werden. Diese Hauswachmannschaften werden indessen auch schon zu vorbereitenden Arbeiten herangezogen werden, insbesondere zur Inspektion und Bereithaltung der Gaskeller und aller sonstiger Schutzvorkehrungen. Auch werden sie dafür Sorge zu tragen haben, dah die Dachböden bereits in Friedenszeiten von überflüssigem Büdenkram geräumt sind, dass Löschmittel zur Verfügung stehen und dergleichen. Dem Kommandanten dieser Wachmannschaft obliegt auch die Verkündigung der Alarmbereitschaft und deren Aufhebung. Zusammengefasst sind die einzelnen Hausinanii- schaften durch Häuserblock-, beziehungsweise HanSver- bandskommandos, deren Leiter vom Primator der Hauptstadt ernannt werden und deren Wirkungskreis sich auf einzelne Häuserblocks oder Strassenabschnitte erstreckt, lieber diesen Wachbezirken steht dann als Zentralstelle das Oberste Kommando de»„Zivilen LuftschutzdiensteS", dessen Leitung gegenwärtig in den Händen des Primator-Stellvertreters Dr. Stüla liegt. Der Freiheittkampf des spanischen Volket lieber dieses Thema spricht am Freit» g den 9. ds., um 3V Uhr im Saale des Handwerkervereines das Mitglied der tschechoslowakischen Spaniendelegation E r n st P a u I in einem öffentlichen Vortrag.— Regiebeitrag. Bezirksorganisation Prag der DSAP. Rudolf Sterns Schauspiel„Vormärz" hätte es verdient, vor ein grösseres Forum zu kommen. Die Geistigkeit, mit der da eine Berliner Episode de» Revolutionsjahres 1848 koinponiert und dramatisiert wurde, hat uns Heiiiigeu allerhand zu sagen; und daS warme menschliche Verständnis, das bei Dichter der revolutionären Hauptfigur der Charlotte Birch- Pfeiffer entgegenbringt, obwohl er mit seinem Herzen fühlbar ganz auf der Seite der Revolution steht, ergibt einen sanften Akkord, der zu den Fanfaren der Erhebung traulich mitschwingt. In Hilde Maria Kraus fand die Hauptgestalt eine sehr einprägsame, drastische und humorige(nur esivaS zu derbe) Verkörperung, eine bühnengewandte Sprecherin, die viel Beifall auf sich konzentrierte. Als revolutionäre Emissärin mit pariserischem Esprit machte Marte Riesenfeld auf ihr unzweifelhaftes Bühnentalent aufmerksam. Um der Wahrheit Nullen aber und im Interesse des Stückes wie des Autors muss gesagt werden, dass eine ausreichendere Besetzung der einzigen männtlchen Rolle zweifellos dem Abend zu einem verdientermassen stärkeren Erfolg verhalfen hätte. I. g. Die„Weiße Krankheit" in Pari». Der Direktor des Pariser„Theatre des ArtS", Jean de R. Turenne, hat in Prag mit Karel Capek über die Ausstattung seiner„Weissen Krankheit", die in Pari» anfgesührt werden wird, verhandelt. Den französischen Text wird der bekannte dramatische Schriftsteller Steve Paffeur besorgen, Regie wird George Piiojew führen. Das Stück Capek» wird, den bisherigen Dispositionen zufolge, im Laufe der Pariser Sommersaison, wahrscheinlich aber im August, am genannten Theater zur sranzösischen Erstaufführung gelangen. Deutsche Musik-Akademie. Samstag, den 10. April, 20 Uhr, im Saale des Lyzeum- öffentlicher Abend mit Werken von I. S. Bach.— Dienstag, den 15. d. M., öffentlicher Abend mit Werken moderner Meister. Wochenfpielplan de» Renen Deutschen Theater». Heute, Dienstag, abends 8 Uhr:„Fei ne Gesellschaft. Al.— Mittwoch, halb 8 Uhr: Rossini in Neapel, B 2.•— Donnerstag halb 8 Uhr: Der Troubadour, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Freitag 8: Feine Gefellscha fi, D.— Samstag 7 Uhr: Parsifal, Gastspiel Alexander K i p n i S, C 1. — Sonntag halb 3 Uhr:. Aufder grünen Wiese, halb 8: Warum lügst du.CHLriek Erstaufführung, B 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag abends 8 Uhr:„Kommen Sie am Ersten".— Mittwoch 8 Uhr: Figaro lässt sich scheiden, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Donnerstag 8 Uhr: Treff-As.— Freitag 8Uhr: Kommen Sie am Ersten! Theatergemeinde des Kulturverbande» und freier Verkauf.— Samstag 8: Kommen Sie a m Ersten!— Sonntag vormittag»: Schauturnen des Deutschen Turnvereine», Lützowova, anlässlich des 75jähr. Bestände», 8: Figaro lässt sich scheiden, 8: Matura. „Hollesdiowltjer Rundlauf 1* gewinnt DTJ Zlikov Am Sonntag veranstaltete die DTJ Hollescho» witz zum vierten Male ihren sogenannten„Holle- schowitzer Rundlauf", welcher rund 80 Teilnehmer auswies und einen glatten Verlauf nahm- In der Kategorie der Sportler siegte sicher DTJ ZiZkov und gewann damit endgültig die Plakette für dreigliedrige Mannschaften. Bei den Jugendlichen geivann Soumar(DTJ Neraiowitz). Start und Ziel war der Turnplatz der DTJ Holleschowitz. Die technischen Ergebnisse: Sportler(8500 Meter): 1. Pijalek 10:54.8, 2. Karaftat 10:57.4, 8. Tichy 10:58.4 Min.(alle DTJ ZiZkov), 4. Klar (DTJ St. Vysoiany).— Jugend: 1. Somnar (DTJ Neraiowitz) 5:27.8, 2. Velät(DTJ Prag I—V) 5:28.5, 8. Hübner(DTJ Holleschowitz) 5:82.7 Min-— Weiter nahmen in der sogenannten Kategorie der„Anhänger" zahlreiche Sportler äusser, halb der DTJ teil. Waldlauf de» 12. DTJ.-Bezirkes- Der am Sonntag ausgetvagene Waldlauf im Bilsky-Wald wurde in der Kategorie der Jugendlichen<1000 Meter) von Kiidek(Pustakovice) in 6:88 Min. gewonnen; über die 8400 Meter lange Strecke der Sportler blieb Kaiavus(Hlubokee) in 12:20 Min. siegreich, während In der Kategorie der Soldaten über die gleiche Strecke Lodyka vom JR 8 in 15:04 Win. erfolgreich war. Die Hazena-Meistersihaft de» Prager DTJ- Krelse» ist schon bis zur dritten FrühjahrScunde gediehen. Die Ergebnisse dieser Runde brachten durchweg» hohe Siege der Favoriten, und zwar wie folgt: DTJ Aysehrad gegen DTJ Prag VII 18:8(8:2), DTJ Pankrae gegen DTJ Prag I—V 10:4(8:8), DTJ Weinberge gegen DTJ Smicholv 6:1, DTJ Nusle gegen DTJ Nadlitz 4:4. Slavia führt In der Liga Spartas neuerliche Niederlage Die interessanteste Doppelveranstaltung ging am, Sonntag Ivohl in Pilsen vor sich, denn beide Spiele endete» mit Niederlagen der Favoriten. Da» erste Match S K K l a d n o—S K Pilsen entschied die bessere Schusssicherheit der Kladnoer mit 5:8(2:2). Die Pilsener hielten wider Erwarten nicht durch und ihre Stürmer waren vor dem Tore ohne— eigentümlich— Energie. Da» nachfolgende Treffen Viktoria gegen Sparta Prag brachte aber die grosse Ueherraschung: Nach einer unentschiedenen Halbzeit von 1:1 blieben die Pilsener über die Prager mit 8:1 sicher siegreich.' Sparta» Halfreihe und Stürmer zeigten schtvache Leistungen. Bei einem„Rummel" vor dem Pilsener Tor vor B e z ug» b e d i n g u n g e n: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Poft monatlich XL 16.-^.vierteljährlich XL 48.—, halbjährig XL 96.— ganzjährig XL 192.—.—Inserate! werde» laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Leitungsfrankatur wurde von der Post- unh Tele- graphendireftion mit Erlass Nr. 18.800/V1I/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlag»« und ZeihmgS-A.-G. Prag....