Ur 147. Abonnement»-Kedingungea: Kbonntmentl» spiel» pränumerando! vlerleljährl. 3,30 Mk., monatl. 1,10 SRI., wöchenlllih SS Psg. frei In» Hau». Einzelne Nummer S Pf». Sonnlag»- Nummer mit Illustrierter Sonnlagt- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abounemenl: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»- Preisliste für lövv unter»r. 7890. Unter Kreuzband für Teutschland und Lesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Srscheink täglich«utzer Wonlag». Devltnev VolKsbl�kke 16e Jahrg. DI« Jniertwns-Vrliühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum so Psg., für politische und gewerkschastliche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anieigen" jedes Wort 5 Psg. (nur daS erste Wort fettj. Inserate für die nächste Nummer müssen bis t Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» ö Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Bntl I, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: «Sorialdemostrat Berlin" Centraiorgan der soriatdemokratisthen Vartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Veuth-Straste 2. Dienstag, den£7. Inn! 1899. Expedition: SW. 19, Venth-Steasze 3. Die Beamtenkaste. Die Vurcaukratie verwechselt sich mit dem Staate. Die Diener des Staates fühlen sich als Herren des Staates. Die Bureaukratie ist ein Staat im Staate. Um ihre Kasten- Herrschaft zu sichern, bedarf sie einer jedem Wink gefügigen Bedienstetenschaar. Und da niit der modernen Wirtschafts- entwickelung die Masse der aus d e nl Volk hervor- wachsenden unteren Beamten gewaltig wächst und der Zusammenhang dieser großen Armee mit dem Volke, seinen Interessen und seinem Empfinden fortbesteht, so muß die Bureaukratie ihre Untergebenen künstlich isolieren und in Gegensatz zum Volke stellen. Hierzu giebt es allerlei Mittelchen. Man unifonniei-t die Beamten nach militänschem Muster. Man verbreitet die Einbildung, die Beamtenschaft sei ein be sonders ansehnlicher Stand mit besonderem Ehrbegriff. Ja um sie bei guter Laune zu halten, wirft man ihr einige Brocken vor, durch welche ihre Lebenshaltung ein wenig vor der übrigen besitzlosen Maffe gebessert wird. Aber diese materiellen Gnadengeschenke und jene eingebildete Standesehre muß der Unterbeamte teuer bezahlen. Wird er Beamter, so muß er aufhören— Staatsbürger zu sein. Scheinbar erhöht, wird er thatsächlich erniedrigt. Letzter Tage berichteten wir von dem Ministerialerlaß, der davor warnt, daß Beamte„sich soweit vergessen", ihre Wünsche oder Beschwerden„in der Presse" vorzubringen. Der Erlaß ist nicht neu, er ist nur emeuert worden,„weil neuer- dings wieder derartige betrübende That- f a ch�en zur Kenntnis der Behörden gelangt Dem Beamten wird also die Preß frei h eit entzogen. �a-vor jeglicher, auch mittelbarer oder nur unvorsichtiger Berührung mit der Preßöffentlichkeit soll der Beamte sorgsam bewahrt werden. Man lese folgendes Aktenstück, das vor einiger Zeit vom Präsidenten des Reichs-Versicherungs- amteS ausgefertigt wurde: , �„N«uerdi»g§ sind zu wiederholten Malen in öffentlichen Blcittern („Vossiichc Zeitung",„Volks-Zeitung",„Germania",„Vorwärts" usw.) Äorrespondenzniitteilungen erschienen, welche sich auf innere dienstliche Vorgänge des Reichs-VersicherungSamts beziehen und bei manchem Falschen, was sie enthalten, doch eine so genaue iiennrnis jener Vorgänge verraten, daß sie nur durch einen Bruch de s A m t s g e h e im n i s s e s in die Oesfentlichkeit gelangt sein tonne». Zwar halte ich die Annahme, dah ein Beamter des Sieichs- Versicherungsamts so pflichtwidrig gehandelt haben könnte, jene Mitteilungen absichtlich, sei es unmittelbar oder durch Ver- Mittelung anderer Personen, in die Presse gelangen zu lassen, einstweilen nicht für begründet:— in dieser Richtung werde ich fortan jeden vorkommenden Fall— eventuell unter Inanspruchnahme der Gerichte— auf das strengste untersuchen lassen und den Schuldigen zu nachdrücklicher Bestrafung bringen. Aber eine Verletzuiig der Amtsverschwiegenheit liegt auch dann vor, wenn ein Beaniter über Angelegenheiten, die ans dienstlichem Wege zu seiner Kenntnis gelangt find, in Gegenivart anderer sich so äußert, daß letztere in die besprochenen Hergänge oder That- fachen eingeweiht werden. Gerade für die Beamten des Reichs- VersicheningsaMts ist in dieser Hinsicht äußerste Vorsicht geboten, da im Dicnstgebäude vielfach Personen verkehren, welche entweder mit der Tagcspresse in Verbindung stehen, oder deren Zuverlässigkeit nicht genügend erprobt ist. Hiernach sehe ich mich zu meinem Bedanern veranlaßt, jedem einzelnen der Herren Beaniten die sorgfältigste Ein- Haltung des Gebotes derAmtsverschwiegenheit, wie es schon bei ihrer Annahme in den Dienst eingeschärft worden, nochmals zur besonderen Pflicht zu machen. Gegen jeden, der sich dagegen vergeht, werde ich unnachsicht- lich einschreiten. Der Präsident des Reichs- Versicherungamts gez. Gaebel. Obige Verfügung ist zu metallographicren und jedem Rechunngs-, Bureau-, Kanzlei- und Unterbcamten. auch jedem Ncneintretenden, gegen Empfangsbescheinigung zuzustellen. gez. Gaebel. Ter Beamte ist aber auch in Verfügung über sein persönliches Eigentum behindert. Er darf an Anhänger einer Partei, die bei den Machthabern unbeliebt ist, nicht eine Wohnung vermieten, wie bekanntlich das Ober- Verwaltungsgericht als„Rechtens" erachtet hat. Er ist nicht nur nicht in seinem politischen Wahlrecht beschränkt, indem er nur den Kan- didatcn einer„Ordnungspartet" wählen darf; er darf auch nicht durch Wahlenthaltung socialdemokratische Be- strebimgen fördern. Ihm ist das Petitionsrecht an die gesetzgebenden Körperschaften bis zur Unmöglichkeit, es zu be- nutzen, eingeengt. Er darf sich nicht mit seinesgleichen zu Jnteressenver bänden vereinigen. das K o a- litionsrecht ist ihm genommen. Der untere Beamte soll ein Werkzeug sein in der Hand der Vorgesetzten. Auf alle staatsbürgerlichen Rechte soll er verzichten um der Ehre willen. Diener derer zu sein, die sich anmaßen: Der Staat das sind wir l Zieht er die Beamten- kleidnng an, so soll er die M a n n e s w ü r d e. die Selb- ständigkeit und Selb st Verantwortlichkeit aus- ziehen. Wenn die untere Beamtenschaft aus einem geistig toten Volke hervorgeht, so können die Pläne der Bureaukratie ge- lingen. Doch eine geistig regsame und ihrer staatsbürgerlichen und sittlichen Pflichten bewußte Beamtenschaft wird ihre Rechte niemals verkaufen. Der Ausdruck des Rechts mag durch Zwang verhindert werden, die Ueberzeugung vom Recht lebt im Verborgenen um so stärker.— Der Friedensschluß im Baugewerbe. Die vor dem Einigungsamt deshiesigen Gewerbegerichts getroffenen Vereinbarungen sind in der Versammlung der Maurer am Sonntag anerkannt worden, womit der Kampf endgiltig beigelegt ist. Der Beschluß wurde indeß nicht einstimmig gefaßt, eine Minderheit sprach sich entschieden dagegen aus. In der Diskussion wurde den Arbeiter Vertretern der Vorwurf gemacht, sie hätten an der Sache ihrer Kollegen„Verrat geübt", sie seien auf dem„glatten Boden des Rote» Hauses ausgerutscht" und dergleichen mehr. Wir legen diesen Redensarten gewiß kein allzu großes Gewicht bei, giebt es doch bei jedem Friedensschluß nach einem Kampfe einige Un- zufriedene, die sich nicht scheuen, dieses ihr Mißfallen in einer für ihre Führer verletzenden Weise zum Ausdruck zu bringen. Wir könnten um so mehr darüber hinwegsehen, als es nicht einmal die ganze Gruppe der lokalorganisierten Maurer, sondern nur ein geringer Bruchteil derselben war, der sich gegen den Friedensschluß aussprach. Zur Eharaktcrisicrung der ganzen Sachlage darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß die Führer der lokalen Richtung und auch unser Parteigenosse Keßler mit Wärme für die Einigungsvorschläge eintraten. Wenn wir in Nachstehendem nochmals auf die Sache eingehen, so geschieht es, um zu prüfen, ob das vor dem Einigungsamt für die Arbeiter Errungene, diese in der That zu einem Pessimismus berechtigen, ivie er in der Versammlung teilweise zum Ausdruck kam. Vorher aber möchten wir auf einige Aeußerungen der Presse hin- weisen, die den Arbeitern schon allein zeigen werden, daß sie bei Aner- kennnng der Vereinbarungen auf dem richtigen Wege waren. Da ist z. B. die„Staatsbürger- Zeitung", die ihren Aerger selbst über das Eingreifen des Einigungsamtcs nicht unterdrücken kann. Das würdige Blatt sieht darin ein„Verschleiern derGegensätze� daS bei den Differenzen zwischen Kapital und Arbeit unangebracht sei; kein Verkleistern, wo„Abgrenzung der Machtsphären not wendig ist." Selbstverständlich versteht die Staatsbürgerin die Ab- grenzung dahin, baß alle Macht auf feiten der Arbeitgeber ist. Auch der Ton, den die Mitglieder der Lohnkommission vor dem Gericht anschlugen, hat der„Staatsb.-Ztg." nicht gefallen, er war „bemerkensivert insofern, als er sich nieist von dein üblichen Auf- treten in Volksversammlungen unterschied". In klares Deutsch über- setzt, heißt das nichts anderes, als die Arbeitervertreter sind ihr zu geschickt, zu taktvoll aufgetreten. Besonders aufgebracht ist das Blatt darüber, daß der„Leiter des socialistischen Eentralverbandes der Maurer gewissermaßen als Vertrauensperson" mit hinzugezogen worden ist. Das Blatt sieht darin mit Recht eine offizielle An- erkennung des Verbandes. Ans den» Eitierten ist zu ersehen, mit welcher Wut die Scharf- macherpresse der Erfolg der Arbeiter erfüllt, sie begreift, daß es einen Triumph der Arbeit bedeutet, und sie ist wieder um eine Hoffnung ärmer, denn wie schön hätte sich der Kampf, der im anderen Falle ohne Zweifel noch ganz ungeheure Ausdehnung genommen haben würde, im Sinne der Scharfmackierei ausschlachten lassen. Gewiß würde sich die Arbeiterschaft durch diese Voraussichten niemals davon ab- halten lassen, ihr Recht weiter zu verfechten, wenn sie sonst den Kanipf des Zieles wert erachtet. Wie lagen aber mm die Dinge? Seit Jahren kämpfen die Berliner Maurer um den 60 Pfennig- Stundenlohn. Nachdem sie ihn im Jahre 1889 neben dem 9 Stunden- tag bereits besessen, ist er ihnen ansang der 90er Jahre wieder entrissen worden. Erst 1896 konnte die Forderung von nenem ge- stellt und zum größten Teil auch durchgeführt werden. Aber in den drei Jahren seitdem hat der Kampf nie geruht. Die Arbeitsverhältnisse im Baugewerbe bedingen es, daß der einzelne Arbeiter recht oft seinen„Arbeitgeber" ivechselt. Hatte er bei dem einen 60 Pfennig Lohn erhalten, mußte er bei dem nächsten mit 57Vz auch 55 Pfennig zufrieden sein; wenigstens wurde der Versuch, den Lohn zu drücken, seitens der Unternehmer bei der geringsten Schwankung der Konjunktur immer wieder von neuem gemacht. Derselbe Baumeister zahlte auf dem einen Bau, auf dem die Arbeit drängte, die 60 Pf., er suchte Abzüge zu machen auf seinen anderen Bauten, sowie die Gelegenheit ihm günstig schien. Dieser Kleinkampf, der eine st ändige scharfe Kon- iro ll e über jeden einz e ln en B a u notwendig machte, dieser Guerillakrieg, der nie einen Abschluß, n i e einen Ruhepunkt fand, auf dessen Basis hätte weiter gebaut werden können, dies ewige Hin und Her, Auf und Nieder, hat seitens der Arbeiter große Opfer gefordert, an Geld sowohl, als auch an Mühe und Aufopferung. Und man kann es, mutz es den Berliner Maurern beider Richtungen nachrühmen, sie haben stets ihre ganze Kraft ein- gesetzt für die Erringung besserer Arbeitsbedingungen beziehungs- weise Festhaltung des Errungenen; keine Mühe wurde gescheut und die Steuern, die sie sich freiwillig auferlegt, wurden gern und prompt ausgebracht. Aber es fragt sich, ob man nicht angesichts dieser Situation bestrebt sein mußte, dieser Krästevergeudung ein Ende zu machen, stabilere Verhältnisse zu schaffen, sofern daS ge- schehen konnte, ohne daß dabei die Interessen der Arbeiter ver« letzt würden. Dieser Auffassung waren auch die Maurer der centralen Richtung, indem sie sich auf ihrer letzten General- Versammlung für eventuelle Vereinbarungen mit den Unternehmern aussprachen; daß die lokale Richtung sich principiell gegen derartige Festlegung ausgesprochen hätte, ist uns nicht bekannt geworden. Von den Eentralisten waren denn auch schon im Früh- jähr d. I. diesbezügliche Eingaben an den Unternehmer-Verpand gerichtet, von diesem aber zurückgewiesen worden. In diesen Ein- gaben war nur der 60 Pf.-Stundenlohn gefordert, nicht der von 65 Pf. Erst nachdem die Unternehmer jede Unterhandlung abgelehnt hatten, eine Festlegung also nicht wünschten, und damit die Arbeiter immer wieder auf den Kampf verwiesen, sahen sich diese, als ihnen die Zeit dafür günstig erschien, veranlaßt, neue Forderungen zu stellen; es wurden 65 Pf. pro Stunde verlangt, und das nicht ein- mal auf allen Bauten. Die Berechtigung dieser Forderung in keiner Weise ange- zweifelt, mutz aber doch auch festgestellt werden, daß als ein gewichtiges Moment bei der neuen Lohnforderung der Wunsch war, daß dadurch vor allen Dingen endlich die allgemeine Anerkennung des 60 Pf.-Stundenlohnes in allen Betrieben herbeigeführt werden sollte. Wäre diese Sicherung auf dem Wege der Unter- Handlung erreicht worden, so wäre die Lohnbewegung überhaupt unter- blieben. Waren doch die Lokalisten anfangs überhaupt gegen dieselbe, um so sonderbarer ist es, daß jetzt die Opposition aus jenen Reihen kommt. Die Forderung auf 65 Pf. Stundenlohn ist nun von den Arbeiter« Vertretern preisgegeben, aber nur für die nächste Zukunft; in einem Jahre werden die Arbeiter diesen Satz haben. Kamt hier von einem„Verrat" die Rede sein? Da muß man die Frage stellen: Was hätte durch die Fortführung des Kampfes eventuell noch erreicht werden können? Nun, zweifellos würden noch eine ganze Reihe Arbeitgeber zum Nachgeben gezwungen worden sein; für Hunderte, vielleicht noch für einige Tausende von Arbeitern wäre noch der 65 Pf.-Stundenlohn erreicht worden— aber auf wie lange? Mehr noch als bei der gegenwärtigen Lohnhöhe würden die Unternehmer die allergeringste Depression zu Abzügen benützt haben, und man täusche sich nicht: einen allzugrotzen Widerstand hätten sie bei den Arbeitern unter den gegebenen Umständen nicht gefunden. Nur wer geglaubt hat, einen Sieg zu erringen von einer solchen Voll- ständigkeit, daß man dem Gegner gewissermaßen die Knie auf die Brust setzt und ihm die FriedenSbedingungen� diktiert, kann von dem Resultat der Vereinbarungen enttäuscht sein. Das konnten in diesem Falle aber doch nur Leute erwarten, welche in überschwäng- lichem Optimismus die wirklichen Machtverhältnisse falsch abschätzen. Solche Schwärmer, die nüchternen Erwägungen nicht zugänglich, die keine Verantwortung für die Folgen haben, solche in günstigster Beurteilung als„gutmütige Schwärmer" und„Draufgänger" zu bezeichnenden Elemente können aber der Gewerkschaftsbewegung unter Uinständen sehr gefährlich werden. Da wir nie den Kampf ühren um des Kampfes willen, sondern um etwas für die Arbeiter zu erreichen, so liegt auch kein Grund vor, denselben fortzusetzen, sobald das unter den gegebenen Verhältnissen Erreichbare zugestanden ist. Daß dies geschehen, mutz von jedem, der ruhig und kühl die age überdenkt, unbedingt zugegeben werden. Weit höher aber schätzen wir noch den moralischen Er« o l g der Arbeiter. Was die Maurer und auch andere Gewerk- schasten seit Jahren anstreben: die Anerkennung seitens der Unternehmer, ist durch die Vereinbarung durchgesetzt. Dort, wo bisher das Wort von den„Herren im eigenen Hause" oberster Grundsatz ivar, ist nun den Arbeitern ein Mit« be stimmungsrecht eingeräumt. Das ist ein Zugeständnis von so hohem socialpolitischen Wert, daß nur mißleitete Ver« k l e i n e r u n g s s u ch t sie nicht anerkennen möchte. Und die Arbeiter tehen nicht als Bettelnde da, es kann gar keine Rede davon sein, daß es sich hier etwa um Harmonieduselei handele. Die Arbeiter haben die Anerkennung ihrer Organisation den Unter« nehmern abgetrotzt; hätten diese in den letzten Jahren nicht die Macht der Arbeiter kennen gelernt, wüßten sie nicht, daß die Maurer« Organisationen eine Macht bilden, mit der gerechnet werden muß« ie hätten sich niemals dazu verstanden. Auch diejenigen, die in derartigen Vereinbarungen an sich schon eine Verwischung der Klassengegensätze erblicken möchten, sehen die Dinge denn doch zu schwarz. Die Verhandlungen zwischen den beiden Organisationen werden auch in Zukunft bei aller Sachlichkeit und Ruhe, mit der sie gepflogen werden müssen, doch geführt werden von Macht zu Macht, die sich als gleichberechtigte Faktoren gegen- übertreten. Es ist femer noch der Einwand gemacht worden, daß die Unter- nehmer die Uebereinkunft doch nicht hielten. Dieses Mißtrauen ist nach den jahrelangen Kämpfen gewiß verständlich, aber dieses Miß» trauen besteht, wie in den Verhandlungen ganz richtig bemerkt wurde, auf beiden Seiten; es wird im Laufe der Zeit schwinden. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, daß die Zeit kommt, wo die Arbeiter in den organisierten Unternehmern ihre Bundesgenossen gegen die Lohndrücker finden werden, die außerhalb der Unternehmer-Organisation stehen und vielfach die Schmutzkonkurrenz für diese bilden. Schließlich wird von der Opposition noch bemängelt, daß die Accordarbeit nicht ausdrücklich beseitigt ist, und daß der Lohn für die minderleistungsfähigen Arbeiter der freien Vereinbarung unterliegen soll; damit sei der 60 Pf.- Stundenlohn durchbrochen. Zu letzterem Punkte müssen wir nochmals darauf verweisen. daß selbst für den V o l l g e s e l l e n der 60 Pf.- Tarif durchaus noch nicht ganz zur Durchfllhntng gelangt war, beziv. eben fortgesetzt durchbrochen wurde. Und die Accordarbeit vollständig zu beseitigen, wirdsicherlich eher durch die Vereinbarung gelingen, da die Accord» maurer ihre Rolle als H e l f e r in der Not, die sie in der That für die Unternehmer vielfach waren, bald ausgespielt haben dürften. Wir können unser Urteil über den Friedensschluß nochmals da« hin zusammenfassen, daß wir für die Arbeiter in der That keinen Grund sehen, mit dem Erfolg unzufrieden zu sein. Nur übertriebene Verkleinemngssucht kann die Erfolge unterschätzen und bekriteln, weil nicht alles erreicht ist, erreicht werden konnte. ES war für die Arbeiter ein ehrenvoller Friedensschluß. Pflicht der Arbeiter tft eS, durch Ausbau und F e st i g u n g der Organisatio das Errungene festzuhalten und auszugestalten. Jetzt erst recht müssen die Massen gut organisiert, discipliuicrt werden, d a Errungene kann nur durch eine starke Macht er halten werden. Z�Hkifche Mebevflchk. Berlin, den 26. Juni Im Spiegel des Auslandes. Was man im Auslande über das Deutsche Reich und die deutsche Reichsregierung denkt, ist zwar unseren alldeutschen Wasser- und Landfexen gleichgiltig, allein für vernünftige Menschen ist es durchaus nicht gleichgiltig. Und insbesondere auch nicht für Menschen mit Ehrgefühl und echter Vaterlands� liebe. Die Gesittung äußert sich durch den Werth, welcher auf das Urteil und die Achtung anderer gelegt wird Und die Achtung, welche ein Staat bei den übrigen Staaten genießt, ist für die Staatsangehörigen von hohem moralischen und materiellen Wert, was jedem, der es nich schon weiß, bei einigem Nachdenken klar werden muß. Des- halb ist die Geschichte und das Schicksal derZuchthausvorlage vom nationalen Standpunkte aus so sehr zu bedauern, denn sie hat, ohne der Wirkungen im Innern zu erwähnen, im gel sammten Ausland einen,-dem Reich und dessen Regierung überausungünstigen Eindruck gemacht, und der Achtung des Auslands so großen Abbruch gethan, daß ein paar Dutzend Kiautschou- und Karolinen-Schaustücke den Schaden nicht gut machen können. Daß ein Gesetz, wie das Zuchthausgesetz, in einem civilisierten Staat überhaupt eingebracht werden konnte, be- greift man in England und Frankreich nicht. Was die meisten Zeitungen jener Länder schreiben, kann in Deutschland nicht veröffentlicht werden. Wir wollen deshalb als Probe nur einen Artikel des„Temps" von Paris im Auszuge mitteilen. Der„Temps" ist bekanntlich das Hauptorgan des französischen Bürgertums, gemäßigt liberal, nach Möglichkeit regierungs- treu und Deutschland gegenüber vielleicht das objektiveste Blatt Frankreichs, Deutschland sehr sympathisch und über die deutschen Verhältnisse ausgezeichnet unterrichtet. In seiner Nummer vom 23. Juni schreibt der„Temps" ln seinem Leitartikel„In Deutschland" wie folgt: -- Der bloße Gedanke zu solchen Strafen(Zuchthaus und • schweres Gefängnis) zu greifen, wenn nicht die Sicherheit der Gesellschaft es zu einer schmerzlichen, aber absoluten Not« wendigkeit macht, ist geeignet, alle freiheitlichen Gefühle in der deutschen Nation zu empören. Man weiß nur zu wohl, daß es sich um eine durchaus einseitige (umtatirals) um nicht zu sagen parteiische(xartlalv) Maßregel handelt� daß die durch dieses Gesetz belroffenen Handlungen„gegen_ die Freiheit der Arbeit" zum großen Teil Handlungen sind, die bisher bei A u s st ä n d e n erlaubt waren, und daß es keine Handlungen trifft, welche bei AuS sperrungen von den Unternehmern ausgehen. Wer sich den offenbaren Thatsachen nicht verschließt, muß einsehen, welche beklagenswerten(deplocablos) Folgen die Annahme eines solchen Gesetzes haben müßte. Es wäre einfach eine Kriegserklärung an die arbeitend en Klassen, welche sich zu organisieren suchen, und in dem Koalitionsrecht eins der nicht zahlreichen(rares) Werkzeuge ihrer Befreiung, und in dem Ausstand ein äußerstes, grausames aber wirkungsvolles Hilfsmittel finden. Es wäre eine seltsame Täuschung, wenn man s i ch einbildete, durch die Rückkehr zu den Praktiken der Aera des Belagerungszustandes und der Ausnahmegesetze könne der Fortschritt der Socialdemokratie in Deutschland aufgehalten oder verlangsamt werden. Niemals' hat die deutsche Socialdemokratie größere und raschere Fortschritte gemacht, als unter dem Regime, dessen brutaler Werkmeister Fürst Bismarck war. Einer der Gründe, die 1890 zum Aufgeben des Socialisten- gesetzes führten, war das Belvußtsein der� Not- wendigkeit friedlicher Beziehung en nicht bloß zwischen der Arbeit und dem Kapital, sondern auch zwischen den Arbeitern und dem Staat. Damals war die Erinnerung von dreißig Jahren der Unterdrückung, und von zwölf Jahren des Kampfes auf Tod und Leben(cko guerre k mort) noch ganz frisch; man hatte in den hohen Kreisen von Berlin be- griffen, daß der Zwang(I» contramts) die Wirkung hat nicht einzuschüchtern, sondern zu erbittern; daß die staatliche Autorität nie so weit gehen kann, alle Keime der Revolte zu erdrücken oder zu ersticken, daß sie aber sehr leicht den Punkt erreicht, wo alle Ge- fühle desHasseSund Zornes herausgefordert, und alle Leidenschaften entfesselt werden. Was wir seit einiger Zeit in Deutschland beobachteten, hat die Richtigkeit dieser Auffassung gezeigt.--" So weit der Artikel des„Temps". Was nun folgt, hat teils wenig Interesse für uns, und ist teils, so weit eS sich mit der Person des deutschen Kaisers beschäftigt, nicht zur Wiedergabe in einem deutschen Blatte geeignet. Bemerkt sei bloß, daß die Vorgeschichte deS ZuchthauSgefetzes wahrheits- getreu erzählt, und unter sehr scharfe Beleuchtung gestellt wird. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus begann heute die zweite Lesung eineS AuSführungSgesetze« zum Bürgerlichen Gesetz» buch. Bei der umfangreichen Vorlage, die m der Kommission eine eingehende Berawng erfahren hat, handelt eS sich hauptsächlich um specielle juristische Fragen. Von allgemeinem Interesse ist der Artikel 14, der sich mit dem Gesinderecht befaßt, und zu welchem die Kommission dm Zusatz beschlossen hat:„Der Dienstberechtigte kann seine Entschädigungsanspriiche Ivegen Verletzung der dem Gesinde aus dem Dienstverhältnis obliegenden Ver- pflichtungen gegen dessen Lohnforderung aufrechnen." Während also sonst die Lohnforderungen für unpfändbar gelten. ist hier eme neue reaktionäre Ausnahmebestimmung für das Gesinde zu Gunsten der Herrschast geschaffen. Da- durch, daß daS Plenum gegen wenige Stimmen unter ausdrücklicher Zustimmung deS Justizministers Schön st edt dem Beschluß seiner Kommission beitrat, hat es voi, neuem den Beweis für seine Rück» pändigkeit auf wirtschaftlichem Gebiete bewiesen. Eine lebhafte Debatte riefen die von der Anlegung der Mündelgelder handelnden Artikel 71 bis 74 hervor. Arttkel 72 giebt an, welche Forderungen und Wertpapiere außer den un Bürgerlichen Gesetzbuch genannten als mündelsicher anzusehen find. Entgegen der ursprünglichen Regierungsvorlage hat die Kommission auch die Hypothcken-Pfandbriefe und Kommunal. obligationen preußischer, unter staatlicher Aufsicht stehender Wien« Hypothekenbanken für mündelsicher erklärt. Die Agrarier, die von dem lebhasten Wunsche beseelt find, ihre landschaftlichen Pfandbriefe als sicherer betrachtet wissen zu wollen wie die Hypotheken-Pfand- briefe, beanttagten, die Regierungsvorlage wiederherzustellen. Die sehr erregte Debatte, in die auch die Minister Frhr. v. Hammer» stein und Schön st edt eingriffen, um daS verlangen der Agrarier »U unterstützen, wird morgen fortgesetzt werden.— Tie Treiber. Die Scharfmacherpresse ist durch die Niederlage des Zuchthausgesetzes nicht entmutigt. Sie hofft auf einen Um- schwung der Parteistiinmungen im Verlaufe der langen, vom Centrum gewährten Frist, und betreibt ihr Hetzwerk mit un- geschwächtem Eifer. So veröffentlichen die„B. N. N." eine längere Zuschrift, in der es u. a. heißt: „Diese Gedanken(des Zuchthausgesetzes) müffen verkörpert. sie niüssen Gesetz werden, wenn die nationale Arbeit, wenn unser Wirtschaftsleben gedeihen und fortschreiten soll. Ter Kampf beginnt erst; er wird von allen denen, die ohne Voreingenommen- heit den offenen, klaren Blick für die Anforderungen deS praktische» Lebens bewahrt haben, mit aller Entschiedenheit weiter «nd sicher zum Siege geführt werden." Die Arbeiterschaft erkennt aus solchen Aeußerungen, wie gefährlich es wäre, in dem Kampfe gegen das Knebelgesetz zu rasten I— Deutsches Aeich. Neuer Wahltermin. Die Nachwahl für den S. sächsischen Reichstags-Wahlkreis Pirna war, wie wir mitteilten, auf den 12. Juli angesetzt worden. Wir bezeichneten diesen Termin als un- gesetzlichen, da die erforderliche Aufftellung und Auslegung neuer Wählerlisten nicht möglich war. Wir erfahren telegraphisch aus Dresden, daß die sächfische Behörde den Fehler erkannt, den un- gesetzlichen Wahltermin zurückgezogen und einen neuen auf den 18. September angesetzt hat. Es ist erfreulich, daß sich die sächsische Regierung von der Partei, die sie als„Partei der Ungesetzlichkeit" verfehmt, über das, was gesetzlich ist, belehren läßt.— Ein„De»rschrift"-Richter. Unser Parteigenosse S w i e n t y wurde vom Schöffengericht in Halle a. S. zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er als ver- antwortlicher Redacteur des„Volksblatt" eine Nottz abgedruckt hatte, in der die Zimmerer aufgefordert iverden, nicht die Plätze ihrer aus ständigen Kollegen zu besetzen, und in der der Name eines Zimmer- meisters, der in auswärtigen Blättern Streikbrecher suchte, genannt wird. Das Gericht sah hierin„groben Unfug". Den Nach weis, daß die Notiz des„Volksblatt" eine„Beunruhigung der Bevölkerung" hervorgerufen hat, führt das Gericht u. a. durch olgende Betrachtung: „Das„Volksvlatt" ist das meistverbreitete Organ der hiesigen socialdemokratischen Partei und wird namentlich von Arbeilern gelesen, selbst wenn sie nicht sich jener Partei angeschlossen haben. Solche Leser des.Volksblattes" werden auf Grund von derartigen Zeitungsartikeln geradezu wider ihren Willen gezwungen, der Arbeit fernzubleiben. Bei der strengen Aufsicht, die die Partei ausübt, sind Arbeiter, welche einem Ausstände sich nicht anschließen, körper liehen Mißhandlungen und Beschimpfungen, wenn nicht noch Schlimmerem ausgesetzt. Die sogenannten Stteikposten beobachten z. B. die Bauten, welche seitens der Arbeiter gesperrt sind, auf das genaueste und suchen die Arbeitenden auf alle Weise zur Niederlegung der Arbeit zu veranlassen. Fügen sich solche Arbeiter nicht, sind sie erfahrungsmäßig Drangsalierungen aller Art ausgesetzt. Also können(ich auch diejenigen Zimmerleute, welche gesonnen sind, bei Zabel in Arbeit zu treten, in Angriff versetzt fühlen. Damit ist der Thatbestand des groben Unfugsparagraphen gegeben. Mit Rücksicht darauf, daß das„Volksblatt' alS ein Hetzblatt schlimmster Sorte zu betrachten und der Angeklagte mehrfach vorbesttast ist, wurde von einer Geldstrafe Abstand genommen und sofott auf 14 Tage Hast erkannt." Das ist ganz Geist vom Geiste der wundersamen Zuchthaus Denkschttst I_ Unnütze Hände. Ein Akademiker sendet uns folgende Nottz: Bei den Reichstagsverhandlungen über die Zuchthausvorlage erwähnte der Abgeordnete Heine auch den Abschnitt der Denkschrift, welcher von dem Beschreiben der Wände an gewissen Otten handelt. Ich möchte dem Verfasser der Denkschrift empfehlen, gewisse Orte an einem gewissen staatlichen Institut zu besuchen; da könnte er was erleben I Ick meine die Universität, und die Verfasser der betr. Inschriften sind die Studenten, aus welchen sich dereinst der og. gebildete Stand rekrutiett, die Lehrer, Aerzte, Junsten, Geheim- räte ec. Ich will Ihr Blatt nicht durch Wiedergabe der dort ausgeschriebenen Schmutzverse besudeln; eine Fülle von Material steht zur Verfügung. Zuschnften wie: Schlagt alle Judenhunde tot und dergleichen, zeigen jedenfalls zur Genüge, weß Geistes Kinder jene Schmierfinken sind. Es zeugt dies von einer Verrohung gerade unter den angeblich Gebildeten, die 'chon, ich möchte fast sagen, der Beutteilung der Irrenärzte anheim fällt. Und diese Leute wagen es dann, wenn sie in ältere Jahr- gänge eingetreten sind, über Verrohung in Arbeitettreisen zu zetern l Herr Miquel, der agrarische Herr Miguel, der den Groß- grundbesitzern gern jeden Wunsch erfüllt, den er ihnen von den Augen ablesen kann, hat sich nun doch die Ungnade der Agratter zu- lezogen, weil er sich vermessen hat, w der Kanalkommission sie Unmöglichkeit darzulegen, alle agrattschen Kompensations-Forde- rungen zu erfüllen. Die„Korresp. de» Bundes der Landwitte' 'chreibt: „Herr v. Miquel hat eS sich selbst zuzuschreiben, wenn er nunmehr das Vertrauen derjenigen Kreise verloren hat. auf die er ich bisher bei seinen politischen«kttonen stützen konnte. Ein ewisser Grad von Ehrlichkeit ist selbst in der Polittk notwendig. Wenn aber die Kreise, denen vor allem daS Wohl der produkttven nationalen Arbeit am Herzen liegt, immer und immer wieder erleben müssen, daß der Vicepräsident deS Staatsministeriums, der für die Politik in Preußen ausschlaggebend ist, zwar mit Worten immer auf ihrer Seite ist. mit der That dagegen alle ihre Absichten durchkreuzt und lediglich gxoßkapitalisttsche Interessen fördert, so ist es nur zu erklärlich, daß das Bettrauen auf die Aufrichtigkeit von Ver- prechungen vom Regierungstische aus allmählich im Schwinden be- gnffen ist." Undank ist eben der Welt Lohn l— Tie Herren Studiosen der Hallischen Universität, denen es verboten wurde, unter freiem Himmel eine Bismarckrede teigen zu lassen und den Kaiser zu feiern, gehen aufS ganze. Sie jaben sich wegen jenes Verbots beschwerdeführend an den Kaiser gewandt. Was daraus werden wird, ist ab- zuwarten. Die jungen Herren in Halle scheinen ja ausgezeichnete Hatrioten zu fem. aber ihre Empörung über daS Verbot verrät nur ein sehr geringes Maß von Gerechtigkeitsgefühl. Man kann über polizeiliche Verfügungen, die daS Redenhalten unter reiem Himmel verbieten, ja gewiß der Meinung fein, daß solche Ver- ügungen gänzlich überflüssig find, und wir find dieser Meinung. Wenn aber solche Verfügungen einmal bestehen, dann müssen sie natürlich nach links und recht» gleichmäßig angewandt werden. Deswegen ollten sich die Herren Studiosi nur beruhigen. Was den Arbeitern recht sein muß, möge ihnen billig sein.-- Sonderbare Anschauungen über die Bestimmungen des Strafgesetzbuchs hat das Generalkommando de» achten Armeekorps, das in Sachen des Duell» Döttng-Klöwekorn an die»Köln. Ztg." ein Schreiben aettchtet hat. in dem bezüglich der angefochtenen Haltung de» Ehrenrates versichert wird, daß ein Ausgleich nach»solch schwerer, thätlicher Beleidigung" ausgeschlossen ewesen sei. Eine Sühne konnte nur unter schweren tedingunge» eintreten.(Iy Die Bedingungen wurden vom Leutnant Döttnq, ak» dem einzig Zuständigen, gestellt. Beim dritten Kugelwechsel erhielt Klöwekorn einen Streisschuß leichtester Art, worauf dessen Sekundanten anmeldeten, daß sie nach dem nächsten Kugelwechsel einen Sühneversuch vorschlagen würden, welches Ansinnen von der Partei Dörings abgelehnt wurde. Beim fünften Kugelwechsel erhielt Klöwekorn den tätlichen Schuß. Es„konnte nur eine Sühne unter schweren Bedingungen eintreten". Etwas absolut Ungesetzliches und gegen das Strafgesetz- buch Verstoßendes wird hier als das einzig'mögliche bezeichnet. Trotzalledem gehören die Kreise, in denen solche Anschauungen herrschen, bei uns zu den st a a t s e r h a l t e n d e n.— Tie Einführung des Post-Checkberkehrs und die Errichtung von Post-Checkämtern zum 1. Oktober d. I. ist durch die Vertagung des Reichstags bis zum November unmöglich geworden. Nach dem jetzige» Stande der Vorarbeiten dürfte die Vorlage, wie berichtet wird, in den Reichshanshalts-Entwurf für das Rechnungsjahr 1900 aufgenommen und könnte dann mit dem Inkrafttreten des Etats- gesetzes an, 1. April 1900 ihre Verwirklichung finden. Erst nach- dem die Erfahrungen von einigen Jahren vorliegen, soll die neue Eiiittchwng durch ein Reichsgesetz festgelegt werden. Regulierung der Spree. Im Herrenhause ist die folgende Interpellation eingebracht worden:„Veranlaßt durch die großen Wafferschäden des Jahres 1897 hatte die Staatsregierung eine Regulierung des Spreegebietes in Aussicht genommen, einen diesbezüglichen Plan vom MeliorationS-Bauinspektor Wegner aus- arbeiten»nd diesen Plan auch einer größeren Versammlung von Interessenten vorlegen lassen. Seitdem scheinen seitens der Staats- regierung weitere Schritte nach dieser Richtung hin nicht gethan zu sein. Die in diesem Jahre erneut und vergrößert aufgettetene Waffersnot im Sprcegebiete zwingt uns zu der Anfrage: Was gedenkt die königliche Staatsregierung zu thun, um das Spreegebiet, insonderheit die Gegenden des Ober« und Unterspreewaldes vor ferneren Schäden zu schützen?".— Wie rüpelhaft sich Streikbrecher betragen, Leute, die angeblich kein Wässerchen trüben, und immer als die armen Be- drängten gelten, dafür wurde jetzt auf einem Dresdener Bau ein hübsches Pröbchen geliefert. In Dresden und Umgegend streiken bekanntlich die Maurer. Auf dem betreffenden Bau arbeiten nur indifferciue Maurer als Streikbrecher, während zu gleicher Zeit organisierte Töpfer dort mit Ofensetzen beschäftigt sind. Einer der- selben hatte nun schon mehrmals bemerkt, daß ihm von seinem Arbeitsmatenal Ziegel weggenonnnen wurden. Sckließlich wurde einer der Maurer dabei auf frischer That erwischt, wie er aus Bequemlichkeit dem Töpfer— um nicht weiteraehcn zu müssen— Ziegel wegnahm. Natürlich stellte der BetreffendSden Mami in an- gemessener Weise zur Rede und verbat sich für die Zukunft solche Ungehörigkeit. Als der Töpfer nun am anderen Morgen auf seinen Arbeitsplatz kam, war dieser in ekelerregender Weise verunreinigt, indem derselbe als Abort benutzt worden war. Vielleicht nimmt man diesen Vorfall in die»Denkschrift" für ein Zuchthausgesetz gegen Stteikbrecher auf.— Ausland. Eine neue Demonstratio« der Wiener Arbeiter fand am Sonntagvormittag im Prater unter freiem Himmel statt, um gegen die neue Gemein dewahl-Ordnung zu pro- testieren und mit dem Bürgermeister Lueger wegen dessen Schmähungen und Beschimpfungen socialdemokrati» scherLehrer abzurechnen. Der beabsichtigte Aufzug der Ar-. beiter zu dieser Versammlung durch die Stadt war von der Polizei verboten worden. Die Demonsttation verlief unter maffenhafter Beteiligung und ohne Konflikt mit der Polizei. ES fanden sich mehr alS fünf« tausend Arbeiter zu der Versammlung ein. Sie harrten dort stundenlang aus, obwohl zweimal ein heftiger Platzregen sich ergoß. Als der Vorsitzende deshalb die Versammlung schließen wollte, beharrten die Arbeiter auf deren Fortsetzung. Alle Redner protestierten gegen Luegers Beschimpfung der Arbeiter, die er»Buben' genannt, unter stürmischen Ausbrüchen der Entrüstung. Die Redner belegten Lueger mit den ärgsten Ausdrücken der Verachtung. Der Advokat Dr. Ellenbogen erklärte unter lauter Zu- stimmung, die Wiener Arbeiter werden nicht ruhen, bis der Bürger- meister Lueger und mit ihm Graf Thun gefallen ist. Der Aus- gleich mit Ungarn bedeute nichts, als den Kampf Ungarns um die Lostrennung von Oestreich. Ungarn sei diesem Ziele nahe, und zwar durch die Schuld jener Staatsmänner, die in den letzten Jahren die Regierung in Oestreich geleitet. Der Arbeiterführer Schuhmeier erklärte, eS werde in Wien nicht früher Ruhe herrschen, als bis die Regierung beweise, daß sie Luegers Stteben bei der Wahlreform nicht unterstütze und deren Sankttonierung verweigere. Schuhmeicr fügte hinzu, daß die Arbeiterdemonstrattonen nicht gegen die Polizei gerichtet wären. Es sei bedauerlich, daß die Polizeiwache ihre freien Sonntage zum Schutz von Leuten aufopfern müsse, die von der öffentlichen Meinung längst gerichtet seien. Nach der Versammlung zogen etwa zweitausend Arbeiter unter lauten Rufen gegen Lueger aus dem Prater durch die Praterstraße auf die Ringstraße, ohne von der Polizei gehindert zu werden. Erst in der Nähe des Rathauses wurden sie aufgefordert, durch Neben- straßen in die äußeren Bezirke zu ziehen, was ohne Widerspruch geschah. Eine Versammlung der bürgerlichen Wähler des neun- zehnten Wiener Bezirkes Döbling hatte beschlossen, unter Protest gegen die Wahlordnung den Arbeitern Anerkennung und Zu- st i m m u n g zu ihrer Haltung gegen die Christlich-Socialen aus- zusprechen und sich an der Protestkundgebung und der Straßen- demonsttatton der Arbeiter zu beteiligen.— Oestreich»Ungar». Dem östreichisch-ungarischen Ausgleich ist am Montag in der ungarischen Deputtertenkammer die Zustimmung erteilt worden. In Oestreich wird der Ausgleich bekanntlich zwangsweise auf Grund des berüchttgten ß 14 eingeführt.— Italien. Zum Staatsstreich. Das Dekret, welches die sogenannten „Reformen", daS heißt die Knebelgesetze, über den Kopf der Kammer hinweg verkündigt, wurde dem König, wie schon mitgeteilt, durch einen Bericht empfohlen, der zwar die Kammer formell als Instanz der Gesetzgebung anerkennt und auf sie hinweist— in Wirklichkeit aber die Kammer beiseite setzt. Es werden Gesetze, die von der Kammer nicht sankttoniert worden sind, von der Regierung für rechtskräftig erklärt: das ist ein V e r f a s s u n g s b r u ch, wie er flagranter nicht gedacht werden kann— mit emem Wort der Staatsstreich. Der König hat den Stein ins Rollen gebracht. Was wird der Stein noch ins Rollen bringen? Und was zerschmettern? Die Aufregung in Italien ist groß. Was kommen wird, läßt sich nicht abfehen; wenn aber das Wölfische Telegraphenbureau einen Artikel der.Perseveranza", eines Regierungsblattes, als Beweis da- für anführt, daß die Stimmung in Italien der Regierung günstig fei, so ist das ungefähr ebenso beweiskräftig, als wenn jemand die ' ubelhymne der»Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über das uchthauSgesetz alS maßgebend für die Sttmmung in Deutsch- nd bezeichnen wollte.— Spanien. Madrid, 26. Juni. Die Läden der Stadt sind heute vormittag 11 Uhr zum Zeichen de» Proteste» gegen da» neue Budget ge- schlössen worden. Es herrscht vollständig Nuhe. Man nimmt an, daß die Ladcninhaber in allen Städten der Provinz in gleicher Weise verfuhren.— Revision des Anarchistenprozesses. Madrid, 24. Juni. In einer Versammlung, welche von etwa 10000 Personen besucht war, wurden zahlreiche Reden zu Gunsten der Revision des Prozesses der Gefangenen in Montjuich von Liberalen, liberalen Dissidenten, Konservativen, Socialisten und Republikanern gehalten, von denen einige die Bestrafung der Schuldigen verlangten. Afrika. Eine Friedensbotschaft kommt aus Südafrika. Aus Pre- toria wird über London gemeldet, daß die Regierung der südafrika- nischen Republik im Begriff stehe, denr Gouverneur Milner einen neue» Vorschlag zu unterbreiten. Hiernach soll den Ausländern nach einem sechsjährigen Aufenthalt im Lande das Wahl- recht gewährt werden, diese Bestimmung rückwirkende Kraft haben und die jetzige Naturalisationsklausel abgeschafft werden.— Die „Times" sagen in einer Besprechung dieses Vorschlages, es könne kaum ein Zweifel darüber herrschen, daß ein solcher Borschlag, voraus- gesetzt, daß er sich auf die Wahlen zum Ersten Raad beziehe, sowohl in England wie in Südafrika freudig begrüßt werden würde als Grundlage einer freundschaftlichen R ea e I u n g der Dinge in großen Zügen, wie sie von allen Seiten so dringend herbei- geivünscht»verde.—_ Aus England. London, 24. Juni. Allerhand Nachwahlen. Erfolge der Liberalen in Edinburg. Bodenreform und Kirchenzehnten. Eine liberale Spaltung wegen der Temperenzfrage. Eine Nachwahl in Lancafhire und die Socialdemokratie. Ein siegreicher Ausstand von Handelsangestellten. Internationaler Frauenkongreh in London. Zwei Nachwahlen, die diese Woche in Edinburg stattfanden, haben den Liberalen unerwartet große Erfolge gebracht. In dem einen Wahlkreis nahmen sie den Konservativen den vorher von diesen innegehabten Sitz ab. in dem andern vermehrten sie ihre bisherige Mehrheit auf das Vierfache. Diese Siege sind insofern bemerkenswert, als sie im wesentlichen auf Grund sehr radikaler Programme erkämpft wurden, in denen die Bodenreform in erster Linie stand. Beide Kan- didnten traten energisch für weitgehende Aenderung der Bodengesetze und insbesondere starke Besteuerung der Bodeniverte ein. Es ist dies die Frage, welche die liberale Partei überhaupt durch den Mund ihrer anerkannten Führer(Campbell Bannermann, Asquith zc.) für die nächste Zeit in den Bordergrund der praktischen Aktion der Partei geschoben hat und die wahrscheinlich die Kampf- Parole bei der nächsten allgemeinen Wahl abgeben wird. Bei dem großen Aufschwung, den das Gemeindewesen in England in den letzten Jahrzehnten genommen hat, spielt namentlich die Frage der städtischen Grundwerte eine innner wichtigere Rolle. Auf dem Lande ist die Bodenfrage durch den starken Rückgang der Renten, die der Preisfall der Bodeuprodukte zur Folge gehabt hat, heute weniger akut— wenigstens soweit die Groß- und Mittelpächter in Betracht kommen. Indes haben die Liberalen da auch fast nur noch bei den Kleinbauern und Landarbeitern nennensiverten Anhang, welch fr' ren sie ebenfalls durch Eintreten für Bodenreformen fZwangsuulauf von Boden durch Landgemeinden für Wiederverpach- tung an kleine Leute zum Selbstkostenpreise) an sich ketten. Die konservative Regierung arbeitet den Liberalen mit merkwürdigem Geschick in die Hände. Jetzt hat sie ein Gesetz zurSteuerentlastungderkirchlichenZehnteneigner eingebracht, das Wasser auf deren Mühle ist. Die englische Staats- kirche hat viele Pfarrstellen, deren Haupteinkommen aus Zehnten von Grund und Boden besteht. Die Besteuerung dieser Zehnten erfolgt auf Grund der Feststellung ihres Ertragswerts, die ini Jahre 1336 vorgenommen wurde. Seitdem hat der faktische Ertrag der betreffenden Liegenschaften vielfachen Wechsel erfahren und seit den achtziger Jahren ist er beständig zurückgegangen, der Steuersatz aber ist geblieben. Daher daS Verlangen der Geistlichen nach Steuer- entlostung. Der Ruf ist verständlich, und in einzelnen Fällen mag das Mißverhältnis zwischen Steuer und Einkommen sehr groß sein. Aber eS handelt sich um eine Auflage, die bei der Regulierung ein für allemal festgesetzt Ivurde, gleichviel ob der Ertrag steige oder falle. Die Geistlichkeit hat die Jahre der steigenden Erträge un- gestört genossen, und hat daher kein Recht, in Jahren magerer Er- träge Entlastung auf Kosten der übrigen Steuerzahler zu verlangen. Das aber ist es. was di« Regierungsvorlage vorschlägt. Die detreffenden Geistlichen sollen nur noch die Hälfte der Steuer auf ihr Zehntenrecht zahlen, die andere Hälfte aus dem allgemeinen Steuererlös gedeckt werden. Statt daß man es den Angehörigen der Kirche überläßt, durch freiwillige Umlagen ihren Geistlichen die- jenige Existenz zu sichern, die ihnen ihrer Ansicht nach gebührt, wird die Last der Allgemeinheit aufgebürdet. Daß die Borlage die Liberalen gegen sich haben werde, war borauszufehen. Der Kern ihrer Anhänger sind Freilirchler, die ihre Geistlichen aus der eigenen Tasche bezahlen und keine Lust haben, auch noch zu den Kosten der StaatSkirchler beizutragen. Außerdem bekämpft die Partei das ganze Zehntenwesen und die sonstigen Privilegien der EtaatSkirche. Indes sind nicht nur die Liberalen, sondern auch viele Konservative und Unionisten Gegner der Vorlage, wenn nicht principiell, so wegen der Stimmung in der Wählerschaft. Es ist wie mit der 18g6er Bill zur Entlastung der ländlichen Steuerzahler. Nur daß damals die Regierung einen üppigen Ueberschuß im Staatssäckel hatte, lvährend sie jetzt ins Fahrwasser der Fehlbeträge hineingesteuert ist. Da ist eS von ge« ringem Belang, daß eS sich diesmal im ganzen nur um einen ver- hältnismäßig geringen Betrag— etwa 2 Millionen Mark— handelt. Es ist da« Prmcip der Liebesgaben, gegen die man sich aufbäumt, und die Opposition wird noch verstärkt durch den Mißkredit, in den der Ritualistenstreit daS Staatsbürgertum bei der Masse der gläubigen und ungläubigen Nicht-Staatskirchler gebracht hat. Die Regierung möchte die Bill am liebsten in ein paar Tagen durchpeitschen, es wird aber ohne heftige Kämpfe mit der Opposition nicht abgehen. Inzwischen stehen zwei weitere Nachwahlen bevor, an die sich ein gewisses Interesse knüpft. In Osgoldcroft, einem Wahlkreis in Aorkshire, hat der derzeitige liberale Abgeordnete Austin sein Mandat niedergelegt, weil er mit den Temp erenz lern im liberalen Komitee übereinander geraten ist. Er weigert sich, für das„Local- Veto"— daS Recht der Steuerzahler der Gemeinden durch Ur- abstimmung Verbot alles Ausschanks von berauschenden Getränken zu beschließen— einzutreten, das die liberale Partei offiziell auf ihr Programm genommen hat, und sucht nun Neuwahl als Liberaler ohne Verpflichtung aufs lokale Vetorecht. Ihm tritt ein Schwiegersohn der in liberalen Kreisen sehr einflußreichen Ladh Earlisle, Mr. Roberts, als unabhängiger Liberaler und Kandidat der Temperenz- Partei gegenüber. Ob die Konservativen ebenfalls in die Wahl eintreten werden, ist noch zweifelhast, da die Bier-Jnteressenten schon be- schlössen haben, Anstins Kandidatur zu unterstützen. Jedenfalls wird aber die Wahl eine Kraftprobe der Temperenz-Partei sein, und als solche hat sie erhebliche Bedeutung. Eine große Sektion der Liberalen ist der Ansicht, daß nichts so zur 1895er Niederlage der Partei beigetragen hat als ihre Identifizierung mit dem extremen Temperenzlertmn. Herbert Gladstone ivar der erste, der das Signal zur Auflehnung gegeben hat, ihin sind andere gefolgt, und wenn sich in Osgolderoft zeigt, daß die extreme Temperenzpartei auf die Masse der Wähler keinen Einfluß hat, dürste sich die Zahl der ihr die Heeresfolge Kündigenden sehr vennchren, was auf der anderen Seite viele socialreformerisch gesinnte Anti-Alkoholiker ins socialistische Lager treiben würde. Die socialistische Unabhängige Arbeiterpartei stellt sich ihnen schon heute sehr freundlich gegenüber. Eine fernere Nachwahl ist in O l'd h a m nötig geworden, einem der bedeutendsten Centren der Textilindustrie von Lancafhire. Dieser Wahlkreis ging 1895 den Liberalen verloren, und sie hoffen, ihn diesmal zurückzuerobern. Ihr Kandidat ist ein reicher Spinnerei« besitzer, der sehr populär sein soll. 5lnd«K geht die Unabhängig« Arbeiterpartei mit der Absicht um, ihm einen Arbeiter- kandidaten gegenüberzustellen. Auf die Wahl eines solchen ist nicht zu rechnen, dazu' ist der Vorsprung der beiden anderen Parteieck-zu groß. Aber Oldhäm hat ein starkes Kontingent von Socialisten, und das Bedürfnis, wieder einmal in einen Parlamentskampf einzutreten, ist ziemlich allgemein. Mit bloß negativen Wahlparolen wird nicht viel ausgerichtet. In Edinburg hatte die dortige Sektion der Un- abhängigen Arbeiterpartei den Arbeitern Wahlenthaltung, die der Socialdemokratischen Föderation Unterstützung des konservativen Kandidaten empfohlen, was, wie man sieht, das große Aufschnellen der liberalen Stimmen nicht verhindert hat. Die Socialdemokraten Edinburgs hofften durch ihre Taktik die Bahn für eine Arbeiter- kaudidatur frei zu machen, aber die Wählermasse ist solchen taktischen Rücksichten fast überall unzugängig. Sie verlangt unmittelbare Entscheidungen.— Ein bedeutungsvoller Ausstand hat vorige und diese Woche in einem großen Warengeschäft der Londoner City stattgefunden. 36 Buchhalter und Kommis der Firma Pawson u. Lauf traten in Ausstand, nachdem zwei von rhnen, die einer Deputation an die Chefs angehörten, ohne weiteres ihre Entlassung erhalten hatten. ES handelte sich um Verkürzung der unerhört langen Arbeitszeit, denen die Geschäftskommis in der Saison ausgesetzt sind. Wenn das Publikum längst glaubt, die Geschäfte seien geschlossen, wird noch hinter herabgelassenen Jalousien bis spät abends gearbeitet. Das ist in London, wo die meisten Angestellten in den weit ent- legenen Vororten wohnen, doppelt bedrückend, und eine Deputation der Angestellten suchte dieS den Chefs klar zu machen und stellte überaus bescheidene Forderungen. Die Antwort war, wie erwähnt, unmittelbare Entlassung von zwei Mitgliedern der Deputation. Damit hoffte man die Sache beigelegt. Aber die Herren sollten bald enttäuscht werden. Wie ein Mann legten alle Angestellten die Arbeit nieder, die sehr rührige Organisation der Geschäftsangcstellten nahm die Sache auf und veranstaltete Entrüstungsmeetings; die Presse, ein großer Teil des Publikums und— zur Ehre' sei es gesagt— auch viele Geschäftsleute nahmen für die Ausständigen Partei, und nach einigein Sträuben hat sich die Firma gestern genötigt gesehen, klein beizugeben. Sie hat die Forderrmgen bewilligt und die Ausständigen, soweit diese nicht schon anderweitig Stellung angenommen, sämtlich wieder eingestellt. Auf ihr Ver- langen, daß die betreffenden einzeln um Entschuldigung bitten sollten, daß sie zur Waffe des Ausstandes gegriffen, sind diese nicht eingegangen, die Firma mußte sich mit einer allgemeinen Resolution des Bedauerns über den Konflikt begnügen. Die beivilligten Forderungen sind: Zwölf Stunden Maximal- Arbeitszeit für Buchhalter und Schreiber während der lebhasten Geschäftssaison. Kein Buchhalter und Schreiber arbeitet am Sonnabend länger als bis mittags 1 Uhr 30 Minuten. Die Commis für die Verschiffungsabteilung sollen während der stillen Saison nicht genötigt werden, ihre Mußezeit durch Arbeit in den anderen Abteilungen auszufüllen." Bezeichnend ist, wie sich das offizielle Organ der Geschästsbranche (Manufakturisten) über den Streik geäußert hat. Das von den Prinzipalen unterhaltene Blatt schreibt: „Wir stehen einem Zustande der Dinge gegenüber, der Aenderung erheischt. Die Leute wollen nicht mehr arbeiten wie früher'— jetzt sollte man glauben, kommt ein Aufruf zu Gegenmaßregeln, aber es kommt anders. Das Blatt fährt fort:„Es ist dies der Geist der Zeit, der sich nicht aufhalten läßt. Die Leute antreiben, heißt nur, ne zur Rebellion treiben." Und es schließt mit den Worten:„Der Streik hat deutlich gezeigt, daß irgend etwas hinsichtlich der langen Arbeitszeit geschehen muß, die in den Schreibstuben der Ciiyhäuser herrscht".— Nächste Woche findet hier der große internationale Frauen-Kongreß statt. Reformerisch gesinnte Frauen aus allen Ländern werden über alle möglichen Fragen sprechen, die die weibliche Hälfte des Menschengeschlechts benihren; von politischer und vermögensrechtlicher Gleichberechtigung bi» zu gewerkschast- sicher Organisatton, Arbeiterschlitz und socialistischer Wirtschafts« refornr. Von englischen Frauen, die an dem Kongreß thätigen Anteil nehmen, seien genannt: Mrs. G a r e t t- Anderson, die angesehenste Aerztin Englands, Mrs. Annie Zicks, eine bekannte Socialistin und Organisiererin von Gewerk- schaften, Mrs. S i d n e y W e b b, die. Verfasserin des klassischen Werks über das britische Gcwerkschaftswesen und Mitverfasserin des großen Werkes über den britischen Trade Unionismus, Miß E. P. Hughes, eine der berühmtesten Lehrerinnen Englands, und eine ganze Anzahl beruflich thätiger Frauen, darunter auch eine An- zahl angesehener Schauspielerinnen. Eine gewisse Rolle werden auf dem Kongreß die radikalen Mitglieder der englischen Aristokratie spielen, wie die Herzogin von Sutherland, die Schwester der „socialistischeil" Ladh Marwick, Ladh Henry Somerset, Lady Aberdeen und andere mehr. Und ebenso wird der Kongreß in Bezug auf Nationalitäten das bunteste Durcheinander zeigen. Japanestnnen, Jndierinnen, selbst Chinesinnen haben sich gemeldet.— Vavkei-Ltsrhvichketr. Bei den BürgerschaftSwahlen in einem dritten Bezirk Lübeck erhielten die Kandidaten unserer Partei 224 bis 233 Stimmen, lvährend die Gewühlten 336 bis 432 Stirnmen erhielten. Jetzt steht noch ein Bezirk aus. Polizeiliches, Gerichtliches ufto. — Nicht gesetzwidrig— aber doch koufiSctert. Die Polizei in Dresden hatte von den Kränzen, die den Opfern der Maikämpfer von den klaffenbeivußten Arbeitern gewidmet worden waren, am Tage nach der Nicderlegung sämtliche Widmungen abschneiden lassen. Der Verein der Bildhauer, dessen Schleife die Worte trug:„Den Maigefallenen zum fünfzigjährigen Todestage," erhob gegen die Entfernung der Schleife Beschwerde, worauf er diesen Bescheid bekam: Durch den Hinweis der„Arbeiter-Zeitung" auf den 9. Mai, ferner durch die starke Beteiligung der Vereine bei der Grabes« schmückung habe letztere einen demonstrasiven Charafter an- genommen. Dies entspreche nicht der Würde dcS Friedhofes. Die Schleife enthalte zwar nichts Gesetzwidriges, da das Grab aber in der Nähe eines Hauptganges liege und von vielen Personen gesehen würde, so seien die Schleifen im stände gewesen, für die Dauer öffentliches Aergerni« zu erregen. AuS diesem Grunde sei die Entfernung geschehen. DaS Schleifenende (welches der Verein zurück haben wollte) bleibe bis auf weiteres den Akten einverleibt. Die Maffeuaussperrung in Dänemark. Kopenhagen, 24. Juni 1899. DaS Schiedsgericht hat heute sein Urteil gefällt in allen den Klagen, welche von den Arbeiterorganisattonen anhängig gemacht worden waren. Die dem Schiedsgerichte vorliegenden Klagen waren folgende: 1. a) Der dänische Schmiede- und Maschinenbauer- Verband, b) der danische Fornrer-Verband, c) der Verband der Eisengießerei- Hilfsarbeiter gegen den Verein der Fabrikanten in der Eisen- Industrie in Kopenhagen und denjenigen in der Provinz. 2. Der Unterstützungsverein der Maurer in Kopenhagen gegen die Maurer-Jnnung in Kopenhagen. 3. Der dänische Zimmererverband und der Maurerverband in Dänemark gegen den Centralverband der Maurer« und. Zimmer- meister in Jütland und denjenigen in den Jnselprovinzen. 4. Die Gewerkschaft der Maurer-Handlanger gegen die Maurer- Innung in Kopenhagen. 6. Die gewerkschaftlich« Sektion der HauSzimmerer gegen die Kopenhaaener Zimmer-Jnnung. 6. Die Abteilung der Holzlagerarbeiter im Verbände der ArbeftS« leute gegen die centrasisierten Maschinentischlereien und Sägewerk«. 7. Die Gewerkschaft der Maler in Kopenhagen g e g e n die Maler- Innung. 8. Die Gewerkschaft der Klempner in Kopenhagen gegen die Klempner-Jnnung. 9. Die Abteilung der Erd- und Betonarbeiter im Verbände der Arbeitsleute gegen den Entrepreneur-Verein. Die Verträge, über deren Bruch geklagt wurde, liefen alle darauf hinaus, daß von keiner Seite eine Arbeitseinstellung(Streik, Blockade oder I-ock-out) vorgenommen werden dürfe, bevor nicht eine Verhandlung zwischen den Parteien stattgefunden hätte. Diese Verträge waren jedoch nicht alle gleichlautend. In zwei von diesen, nämlich Nr. 6 und 8. waren die Streitpunkte genannt, welche der Gegenstand einer Verhandlung sein sollten, ehe ein Streik oder I-ock-out vorgenommen werden dürfte; hier war es namentlich auf die Lohnftage und andere gewerbliche Streitpunkte abgesehen. In den übrigen Verträgen war das Verbot gegen Streiks oder Dock- outs ohne vorhergehende Verhandlung dagegen allgemein gehalten. Das gefällte Urteil hat folgenden Wortlaut: In den Sachen: Die Abteilung der Holzlagerarbeiter in dem Verband der Arbeitsleute gegen die centrasisierten Maschinen- tischlereien und Sägewerke sowie die Gewerkschast der Klempner von 1873 g e g e n' die Klempnerinnung(Nr. 6 und 8) liegt kein genügender Grund zur Klage vor. In den übrigen 7 Sachen wird für Recht erkannt: Man findet nicht, daß die Kläger zur Forderung einer Buße berechtigt sind. Jedoch liegt insofern ein Rechtsbruch vor, als die Aussperrung nicht mit den Voraussetzungen ttberciustimmt» von welchen die Kläger bei Auf- stellung der Verträge auszugehen berechtigt waren. Das Urteil wurde einstimmig abgegeben. Wie schon früher mitgeteilt, besteht das Schiedsgericht aus 3 von den Unternehmern, und 3 von den Arbeitern gewählten Mitgliedern, sowie einem von diesen 6 ernannten Vorsitzenden. Das Urteil erklärt also die Aussperrung als Rechtsbruch. Selbst die von den Unternehmern gewählten Mitglieder des Schieds- gerichts, von welchen 2 selbst Teilnehmer an dem Dock- out sind, haben erkennen müssen, daß die Aussperrung ein Bruch der mit den Arbeitern abgeschlossenen Verträge ist. DieH'lrbeiter haben nun sowohl das moralische wie das juristische Rechtauf ihrer Seite. Die Folge hiervon müßte sein, daß die Aussperrung sofort aufgehoben würde. Das ist aber leider nicht zu erwarten. Schon bevor das Schiedsgericht sein Urteil fällte, konstituierte es sich als Einigungsamt und erbot sich, einen Einigungsversuch zu machen. Die Arbeiter erklärten sich sofort bereit, darauf einzugehen, die Unternehmer haben jedoch bis jetzt eine solche Erklärung noch nicht abgegeben. Dieszeigt, daß dieAussperrungfortgesetztwer densoll. Heute hat der Lock-eut genau einen Monat gedauert und sein Ende ist nicht abzusehen. Außerdem wurden sämtliche Tischler in einer Anzahl von 4000 schon drei Wochen vor Ausbruch der großen Aussperrung auf die Straße geworfen. Wir bitten deshalb unsere Genossen in Deutschland, uns auch fernerhin so gut als nur möglich unterstützen zu»vollen. Mit jedem Tage wird es uns schwerer, die Not von den Wohnungen der Ausgesperrten fernzuhalten, und es würde ein harter Schlag sein,»velcher unsere Beivegung viele Jahre hindurch hemmen würde, wenn der Hunger uns dazu ztvingen sollte, uns unter die rohe und brutale Macht der Unternehmer zu beugen. Letzten Donnerstag hielten»vir hier in Kopeichagen vier große Massenversammlungen ab, an denen ca. 8000 Personen teil- nahmen. Die Versammlungen verliefen in vollkommener Ruhe und Ordnung, trotz der Erbitterung, die unter den Arbeitern herrscht. Mit Begeisterung wurde beschlossen, im Kampfe auszuharren, in der Hoffnung, daß unS die Genossen im Auslande nicht im Sttche lassen werden. Mit Brudergruß: P. K n u d s e n. Christiania. Zu Gunsten der" circa 40 000 ausgesperrten Ar« beiter m Dänemark und Schweden arrangierten die hiesigen organi« sierten Arbeiter gestern Abend eine große Demonstratton. Um 7 Uhr versammelten sich auf dem Ankertorvet etwa 5— 6000 Genossen mit 54 Fahnen und mehreren Musikkapellen. Unter den Klängen der Arbeiter-Marseillaise und des dänischen Socialiste>imarsches bewegte sich der Aug durch die von der Polizei freigehaltenen Straßen der Stadt bis nach dem ebenfalls von der Polizei abgesperrten Platze Tulinlökken. Hier hielten die Genossen Redacteur Hjalmar Branting von Schweden und Redacteur I. P. Sundbo von Dänemark zündende, mit großem Beifall aufgenommene Reden. Folgende Resolution wurde angenommen: Die organisierten Arbeiter von Christiania,»velche heute versammelt sind zur Demon- stration aus Anlaß der in Schlveden und Dänemark ausgesperrten Arbeiter, bekunden hiermit ihre»värmste Sympathie mit den aus- gesperrten Kameraden, und richte» die dringende Aufforderung an alle nor»vegischcn Männer und Frauen, dieselben nach Kräfte» zu unterstützen in ihrem Kampfe für Vercinsrecht und Organisation. Die Sammlungen werden fortgesetzt und haben bereits sehr gute Resultate gehabt. Die Bedeutung der gestrigen internationalen Demonstration ist um so größer, da gerade hier unter den skandinavischen Völkern leider immer noch ein gut Theil nattonaler Hader existiert._ GeneralmMmlung des Verbilndeö der deutschen Buchdrucker. Mainz, den 24. Juni. (Sech st er Verhandlungstag.) Fortsetzung der Beratung der tariflichen Lage. D ö b l i n weist darauf hin, daß mit Versammlungsbeschlüssen die»virtschaftlichen Verhältnisse der Kollegen in keiner Weise gebessert »verde». Es sei die bedauerliche Thatsache zu konstatteren, daß die Kollegen zu wenig da? Bestreben zeigen, das zu fordern, was ihnen auf Grund ihrer Fähigkeiten zukam, ue: nicht die Tarifgemeinschaft an sich könne eine Besserung herbeiführen. Sämtliche folgenden Redner»varen der Meinung, daß bei der demnächst stattfindenden Tariftevision folgendes bc- rücksichtigt werden müsse: eine Forderung auf Arbeitszeit- Verkürzung oder Erhöhung des Minimums könne nicht geitcllt »verde», die Erhöhung des Lokalzuschlages in verschiedenen Städten, Beseitigung der Maschinenmeisterklaus el dagegen erstrebt werden. Die dreijährige Dauer der Tarifgemeinschaft müsse wieder die Grund- läge der Unterhandlungen bilden. Bei der nun folgenden Festsetzung der Unter- stützungen wurde die Reise-, Arbeitslosen-, Jnvaliden-Uiiter- stlltzung, die Umzugskosten und das Begräbnisgeld erhöht resp. die Karenzzeiten herabgesetzt, ohne Beitragserhöhung. Die dadurch bedingte Mehrausgabe der Verbandskasse beträgt 145 000 M. Einführungstermin für die neuen Bestimmungen soll der 1. Ottober 1899 sein. Die Gründung einer Witwenkasse ivurde nicht für zlveckmäßig gehalten. Die Wahl der Verbandsleitung hatte folgendes Resultat: E. D ö b l i n, Lorsitzender, Ad. Beyer, Hauptverwalter und G. E i f I e r, Kassierer. Die Gehälter»vurden wie folgt festgesetzt: Vorsitzender 2800 M. Gehalt und 100 M. RepräsentationSkosten. die beiden Verwaltungs- beamten je 2600 M. Gehalt. Nach Erledigung der vorliegenden Beschiverden ivurde als Ort für die nächste Generalversammlung München bestimmt. Der Rest des Verhandlungstages war der BeraKing von Anträgen und Resolutionen gewidmet',»velche sämtlich abgelehnt resp. zurückgezogen»vurden. Dem Hilfsarbeiter« Organ„Solidarität" »vurden 500 M. als Unterstützung überwiesen. Döblin giebt hierauf bekannt, daß er vom Komitee für die im nächsten Jahre stattsindende internationale Gutenbergfeicr gebeten worden sei, daß er seine Unterschrist zu einem zu veröffentlichenden Aufruf« geben möge, wozu ihm die Generalversammlung die Er- mächttgung erteilte, Nach einer lurzen Diskussion über die Stellung der Special- orgauisatloncu zum Verbände und Bewilligung einer Summe von 300 SN. für die abgehaltene Stereotypeur-Konferenz nahm D ö b l i n das Wort zu einem Resümee über die gepflogenen Verhandlungen der Generalversammlung. Er konsiatierte, das; wieder einmal gute Arbeit geleistet worden sei und jeder Delegierte die Meinung nach Hause nehmen wird, daß unser Verband sich auf richtiger Bahn be- wege.(Beifall.) Nach kurzen Bemerkungen seitens der Vertreter der ausländischen Verbände und der Mainzer Kollegen wurden die Verhandlungen mit einem Hoch auf den Verband der Deutschen Buchdrucker um 4 Uhr geschlossen._ Das Ministerium vor der Kammer. Der mit Spannung erwartete Moment, wo das neue, aus den verschiedenartigsten Elementen zusammengesetzte französische Ministerium vor der Kammer erscheinen mußte, ist gekommen. Der Ministerpräsident Waldeck- Rousseau verlas ani Montag in der Deputiertenkammer folgende ministerielle Erklärung: Nachdem die Kammer ihren Entschluß ausgesprochen hat, nur eine Regierung zu unterstützen, welche entschlossen ist. mit Entschiedenheit die republikanischen Einrichtungen zu verteidigen und für die öffentliche Ordnung zu sorgen, ist die Aufgabe, welche dem neuen Kabinett zufällt, klar bestimmt. Wir haben keinen anderen Wunsch, als diese Aufgabe zu erfüllen. Es handelt sich darum, das uns allen gemeinsame Erbe unversehrt aufrecht zu erhalten. Wir sind der Ansicht, daß die Spaltung der Parteien hiergegen zurücktreten m-.ß, daß das Werk, welches wir unternehmen wollen, die Mitwirkung aller Republikaner erfordert. Wenn so unser Ziel deutlich vorgezeichnct ist und sich nicht mit den zur Erreichung desselben führenden Mitteln und Wegen geändert hat, so ist es leicht, sich zu verständigen. Die Streitfragen ruhe» gegenüber der gemeinsam zu erfüllenden Pflicht, die dahin geht, den Umtrieben ein Ende zu machen, welche unter leicht zu durch- schauenden Vorwänden sich gegen die Rcgierungsfonn richten, die das allgemeine Stimmrecht sanktioniert hat und welche es aufrecht zu erhalten wissen Ivird. Es erfordert dies in allen Dienst- zweigen treue Mitarbeit und den Mut der Berantlvortlichkeit. Dies muß die erste Sorge der Regierung sein, welche sich Ihnen vorstellt. Es wird nicht ihre Schuld sein, wenn die Gerechtigkeit nicht ihr Werk in voller Unabhängigkeit vollendet. Die Regierung ist entschlossen, ihren Entscheidungen Achtung zu verschaffen, sie kann diejenigen, welche die verantwortungsvolle Aufgabe haben, über Menschen zu Gericht zu sitzen, nicht mit verschiedenem Maße messen, und wenn man dem Wunsche des Landes vor allem Gehör schenkt, werden die weiteren Entscheidungen in Ruhe und Achtung üch vorbereiten. In die erste Reihe der mit der Erhaltung und der Würde einer Nation aufs engste verknüpften Interessen stellen wir diejenigen der Annee, welche die dritte Republik mif so starker und breiter Grundlage neue organisiert hat, daß sie der Ausdruck zugleich der Sicherheit und des Stolzes von Frankreich ist. Wir denken mit den bedeutendsten und zuverlässigsten Führern derselben, daß ein unverletzliches Festhalten an der Disciplin die erste und die wesentlichste Garantie für die Größe der Arince bildet. Wir sind entschlossen, dieselbe mit derselben Energie zu verteidigen, sowohl gegen die Angriffe, denen sie ausgesetzt sein könnte, als auch gegen die Bestrebungen, welche die unverdienteste aller Be- leidigungen sind. Wir wünschen vor allem und wie alle diejenigen, welche in der moralischen Einigkeit Frank- reichs die Hauptbedingung für die civilisatorische Rolle sehen, für die es bestimmt ist, daß Beruhigung eintrete. Sie wird sofort eintreten, wenn jeder darauf verzichtet, sich selbst Recht zu verschaffe» und Urteilssprüche vorzubereiten und zu diktieren, und vor dem Gesetze sich beugt. Um das uns obliegende Werk zu voll- enden und alle hierzu nötigen Maßnahmen zu beschließen, bedürfen wir der Mitwirkung des Parlaments und seines ganzen Vertrauens. Dasselbe wird uns nach unseren Handlungen, nicht nach unsercn Versprechungen beurteilen. Wir verlangen die weitestgehenden Vollmachte» von Ihnen, wogegen wir unsere volle Ver- autwortlichkeit Ihnen gegenüber verpfänden. Wir bitten Sie, einen Waffenstillstand zu schließen in den erregenden Kämpfen, die ein Uebel für die Interessen des Landes zu sein scheinen, und ohne Aufschub die für ein gutes Funktionieren der öffentlichen Dienste not- wendigen Gesetze zu genehmigen. Wenn unsere Anstrcngungeu nicht unfruchtbar find, wird die Republik alsbald ihr Werk des Wirt- schaftlichen und socialen Fortschritts wieder ausnehmen, und wir werden glauben, unsere Pflicht erfüllt zu haben, wenn wir von neuem einer Politik den Weg eröffnet haben werde», die geeignet ist, alles das auszuschließen, was die Republikaner von all dem getrennt hat. was sie einigen kann. Ueber die Sitzung der Deputiertenkammer geben wir den folgenden telegraphischen Bericht: Paris, 26. Juni Die Tribünen sind überfüllt. Die Ab- geordneten sind fast vollzählig anwesend. Um 2 Uhr erscheinen die Minister mit Waldeck-Ronsscau an der Spitze, hinter ihm General Gallifet. Verschiedene Deputierte drücken Waideck-Rousseau und Gallifet die Hand. Der Präsident eröffnet die Sitzung. Auf der äußersten Linken ertönen die Rufe: Es lebe die Kommune! Diese Rufe dauern erwa fünf Minuten an. Auf der Rechten wird vereinzelt Beifall gezollt. Von der äußersten Linken wird gerufen:„Nieder mit dem Mörder!" Gallifet wirft einen verächtlichen Blick nach der äußersten Linken. Präsident Deschanel erklärt, er verlange von jedem S e l b st- b e h e r r s ch u n g.(Lebhafte Erregung.)' Eine Stimme ruft:.W i r verlangen den Henker!" Waldeck-Roussea» beginnt die Verlesung der oben ab- gedruckten m i n i st e r i e l l e n Erklärung, welche von lebhaften Zwischenrufen unterbrochen wird. Ter Deputierte Roch ruft:„Nur die Interessen Eiffels!" Roch wird zur Ordnung gerufen. Wolbeck- Rousseau fährt fort, seine Stimme zittert etwas. Der Deputierte Zevacs giebt den Anlaß zu einem neuen Tumult und ivird zur Ordnung gerufen. Als Waldeck- Rousseau die Stelle verliest, welche davon spricht, der K o n st i t n t i o n und der G e r c cki t i g k e i t Achtung zu verschaffen, ertönt Beifall. Lasies ruft: Sie Schalk! Als Waldeck- Rousseau sagt: Wir wünschen, daß Beruhigung Platz greife. wird auf der Rechten und im Centrum gelacht. Auf der Linken ruft man:„Sie zittern!" Als Waldeck-Ronffean die Stelle verliest, welche von der Einigkeit aller Republikaner handelt. ivird ihm im Centrum und auf einigen Bänken der Linken Beifall gezollt. Präsident Deschanel teilt mit, daß Maffabuau, Roche, ferner Cassagnac und Viviani über die allgemeine Politik interpellieren wollen.(Länn.) Cassagnac zieht seine Interpellation zurück. Die sofortige Erörterung wird beschloflen. Nachdem der Ministerpräsident Waldeck-Rousseau die Regierungserklärung verlesen hatte, interpellierte Ernest Roche (Socialist) über die von der neuen Regierung einzuschlagende Politik. Er erhebt gegen das Kabinett die Anklage, eine Regierung des Kampfes und der Herausforderung zu sein(anhaltender Lärm) und greift besonders heftig den General Gallifet an. (Widerspruch.) Mi rm an(Socialist) tadelt ebenfalls die Zusammen- setzung des Kabinets und wird infolge heftiger Angriffe, die er gegen General Gallifet und gegen den Marineminister deLanessan richtet, zur Ordnung gerufen. Viviani(Socialist) erklärt, daß er und seine Freunde das Kabinett gegen die c ä s a r i st i s ch e und klerikale Reaktion unter st Ützen werden.(Beifall auf den Bänken der Socialisten.) Minister- Präsident Waldeck-Rousseau beantwortet sodann die Jnter- pellalion. Er legt zunächst dar, von welchen Motiven er sich bei der Bildung des Kabinetts leiten ließ und betont, daß er als Ausgangspunkt das Votum der Kammer vom 12. Juni ge- nommen habe, durch welches die Kammer die Verteidigung der Republik sicherstellen wollte. Es sei richtig, daß die Minister bezüglich zahlreicher politischer und wittschaftlicher Fragen verschiedener Ansicht seien(Gelächter rechts), doch habe das Kabinett ein Ziel, welches alle Streitigkeiten überrage, nämlich alle Republikaner zu- s a m m e n z u f ü h r e n.(Bewegung.) Jeder Minister vertrete sein republikanisches Ideal.(Unterbrechungen, Tunmlt.) Der Kammer- Präsident Deschanel droht damit, daß er sich bedecken werde. Waldeck-Rousseau fährt dann fort und erklärt, daß das Ministerium bereits für einzelne Maßnahmen die Ver- autwortlichkeit übernommen habe, daß es aber, um weiter gehen zu können, der Unterstützung des Parlaments zu be- dürfen glaube.(Beifall links. Lärm rechts.) Minister« Präsident Wald e'ck- Rousseau fährt fort: Es würde ihm (Redner) leicht sein, nachzuweisen, von welcher Seite die Angriffe gegen die Einrichtungen des Staates gekommen seien. Sei nicht in der Dreyfus-Angelegenheit der Beschluß der Kriminal- kammer angegriffen worden, ehe er gefaßt war? Das Ministerium wolle jede Jurisdiktion achten. Waldeck-Rousseau setzt dann auseinander, warum er den General Gallifet um seine Mitarbeit ersucht habe, und erklärt, kein General habe sich mehr ans freien Stücken vor der Verfassung gebeugt, als Gallifet. „Ich habe geglaubt, schließt der Ministerpräsident, daß die gegen gewisse'Militärs zu ergreifenden Maßregeln um so maß- voller sein könnten, von je höherer Stelle sie kämen (Zwischenrufe); übrigens hat die Regierung, als sie sich gebildet hat, keinen sehr lebhaften Mitbewerb gefunden. Wir haben eine schwere Aufgabe übernommen, und Sie wissen, in welchem Sinne wir sie auszuführen gedenken. Welche Entscheidung die Kammer auch treffen möge, ich werde meine Pflicht ganz gethan haben.(Beifall, Bewegung.) Hierauf wird die Diskussion geschlossen; von den eingebrachten acht Tagesordnungen billigt W a l d e ck- Rousseau diejenige Psrillers, in welcher es heißt, daß die Kammer die Ertläningen und Handlungen der Regierung billigt. Die Tagesordnung Psrillers wird schließlich mit 263 gegen 237 Stimmen angenommen. Im Senat wurde die ministerielle Erklärung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Guyot bringt folgenden Antrag ein: Der Senat nimmt Akt von den Erklärungen der Regierung und indem er auf ihre Wachsamkeit und Festigkeit für die Verteidigung der republikanischen Justitutioncn und in der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung rechnet, geht er zur Tagesordnung über. Der Alttrag wurde mit 187 gegen 25 Stimmen angenommen. (Beifall.) Die Sitzung wurde hierauf aufgehoben. GotuevKslhnfflirijes. Perlin und Umgegend. Die Bauarbeiter(Hilfsarbeiter) beschlossen gestern abend in einer stark besuchten öffentlichen Versammlung, die in Cohns Saal stattfand, dem Arbeitgebcrbnnd im Maurer- und Zimmerergewerbe einen Lohntarif zu unterbreiten und den Bund zu ersuchen, daß er bis zum Montag, den 3. Juli, darauf antivortet. Bei Ablehnung der Forderung soll erforderlichenfalls die Arbeit niedergelegt werden. Tie Päckeriuunng Germania hat in aller Stille die Wahlen für den G e s e l l e n a u s s ch n ß ausgeschrieben; nur eine kleine unscheinbare Notiz in ihrem Fachblatte macht die Wahl bekannt. Die Kollegen iverden deshalb hierdurch darauf auftnertfam gemacht, daß die Wahl heute, Dienstag, nachmittags 4 ll h r, in den Germaniasälen, C h a u s s e e st r. 143, statt- findet. Die Kollegen werden um recht zahlreiches Erscheinen er- sucht, um den UeberrnmpelungSplan der Innung zu durchkreuzen. Fliesenleger. Bezüglich des Streiks bei der Finna Rosen- seid u. Co. sind alle Aufragen an die Kommission. Berlin, Mauer- straße IS, im Restaurant, zu richten. Es streiken 48 Kollegen. In der gestrigen Mitteilung ist insofern ein Irrtum enthalren, als die 48 Streikenden nicht sämtliche Arbeiter der Firma sind; es giebt auch noch Arbeitswillige dort. Es wird dringend um Fernhaltung des Zuzuges gebeten. Ter Streik der Kisteumacher bei der Firma Wiesenthal ist zur beiderseitigen Zufriedenheit beendet worden. Dadurch sind die auf den Streit bezüglichen Beschlüsse der Kistenmacher-Versammlung, die am Sonnabend bei Stochert tagte, erledigt. Deutsches Reich. Ein bedeutender Streik polnischer Bergarbeiter ist bei Bochum ausgebrochen. Wir erhallen folgende Nachrichten: Bochum, 24. Juni. In Herne ist auf den Schächten „v. d. Heydl",„Julia" und„Shamrok" gleich nach der Lohnzahlung. die gestern stattfand, ein Streik der Schlepper ausgebrochen. Es wurden ihnen, wohl ans Grund des neuen KnappschaftsstatutS, dieselben Beiträge abgezogen wie den Häuern, obwohl sie nur kaum halb so viel verdienen wie diese. Die Abzüge betrugen bis 9 M. per Mann. Es streiken mindestens 1000 Mann. Bochum, 25. Juni. Der Streik auf den Herncr Gruben nimmt einen ernsten Charakter an. Heute nachmittag V, 3 Uhr sollte nach einer Zahlstellen-Versammlung des Deutschen Berg- und Hüttenarbeitcr-Verbandes eine öffentliche Bergarbeiter-Versammlnng im Bommschen Lokal stattfinden, das Lokal war überfüllt und da die Gänge nicht nach dem Wunsche der Polizei freigehalten werde» konnten, löste der überwachende Beantte die Verjanimlung bald nach der Eröffnung auf. Die zum überwiegenden Teile aus jungen streikenden Polen bestehende Zuhörerschaft nahm schon den Auflösungs- befchl mit sehr unwilligen Bemerkungen auf und räumte nur langsam den Saal. Vor dem Lokal und dann einige hundert Schritte davon an der evangelischen Kirche vor dem Siegesdenkmal staute sick die Masse und begann zu johlen. Jetzt fühlte sich die auf vier Mann angewachsene Polizei bedrängt und hieb mit blanker Waffe ein; neugierige Frauen, die mit vorwärts gestoßen wurden, erhielten dabei äuch etwas ab; einige Männer wurden erheblich verletzt, auch nahni man mehrere Verhaftungen vor. Bald erschien ein berittener Gendarm ans der Bildfläche und ritt mit gezogenem Säbel die Straße auf und ab. Durch dieses scharfe Vorgehen der Polizei ist die Anftegung unter der polnischen Bergarbeitrr-Bevölke- ning, die hier Überwiegt und in Herne und Umgegend gegen 6000 Mann betragen mag, gewachsen. An friedliche Beilegung des Streikes ist vorläufig nicht zu denken. Die jungen polnischen Schlepper, Pferde- und Steintreiber müssen für einen Schichtlohn von 2,20—3 M. arbeiten und davon wurden ihnen in den letzten Zahltagen seit Inkrafttreten des neuen Knappschaftsstatuts durch- schnittlich 8 M. für die Versicherungskassen, Oelgeld zc. abgezogen. lo daß sich ihr Reinlohn auf 40—45 M. pro Monat reduzierte, das langt kaum zum Leben für die genügsamen Polen, die mit Pferde« fleuch zufrieden sind. Sie verlangen 3 M. Schichtlohn, gewiß eine bescheidene Forderung. Bochum, 26. Juni.(W. T. B.) Wie der„Bochumer Anzeiger" meldet, hat die A u s st a n d s b e w e g u n g in Herne zugenommen. Auf der Zeche„Shamrock" haben, dem genannten Blatt zufolge, 187, auf Zeche„v. d. Heydt" 161, auf Zeche„Julia" 71 und auf Zeche „Friedrich der Große" ISO Mann die Arbeit niedergelegt. Auf letzterer Zeche haben eine Anzahl Bergleute Marken genommen, sind aber nicht eingefahren, so daß die Zahl der Nichteingefahrenen sich noch erhöht. An den Eingängen der Zechen drängt sich das Publikum, wird aber von der Polizei und Gendarmerie zum Auseinandergehen gezwungen. Die Bergarbeiter der Grube.Neue Hoffnung' in Pömmelle (Regierungsbezirk Magdeburg) legten sämtlich die Arbeit nieder, weil eine von ihnen erwählte Lohnkommisfion, die mit der Verwaltung wegen Erhöhung der Löhne verhandeln wollte, ohne weiteres ent- lasten wurde. Die Tapeziererinnung in Dresden nahm am 21. Juni die Wahl des GefelienauSschuffes vor. Die Liste der organisierten Arbeiter wurde einstimmig gewählt. Bei der Wahl des Gesellenansschnfles für die Baugewcrks- Innung in Karlsruhe wurden trotz der Ueberrumpelungsversuche der Meister die Kandidaten der organisietten Arbeiter mit 600 gegen 150 Stimmen gewählt._ Aus drr Isruuenbetuegung. Frauenarbeit in Paris. Der Anteil der Frauen an der Erwcrbsthätigkeit hat in Paris, nach den neuesten Erhebungen, 42 Proz. erreicht. Die Kleiderindustrie ist der bedeutendste Arbeits- zweig. Sie beschäftigt im ganzen 250 000 Personen. Davon sind 107 000 Frauen, Näherinnen und Modistinnen. Stickerinnen giebt es 10 000, Korsettmacherinnen 4700, Wäscherinnen 34 000. In den höheren Berufen finden wir 77 weibliche Äerzte und 254 weibliche Apotheker. Landwirtschaftliche Lehranstalten für Frauen wurden vom Ministerium für Landwirtschaft in— Nußland eingerichtet. Sie werden einfache Haushaltungskurse, praktische Schulen für alle einzelnen Zweige der Landwittschaft und höhere Schulen zur Ausbildung von Guts'lcitettnnen unffassen. Das kommunale Wahlrecht hat der nordamerikanische Staat Louisiana den Frauen zugestanden. Er ist der 27. Staat, der eS einführt._ Sociales. Ueber die Kinderarbeit in den unterelsäfsischen Ziegeleien enthält der vor kurzem erschienene Verwaltungsbericht des Gewerbe« Aufsichtsbeamten für Unterelsaß, Geheimen Rcgiernngsrats Dr. W o lff in Straßburg, eine Reihe von Mitteilungen, die geradezu skandalöse Zustände offenbaren. Trotz aller gesetzlichen Verbote ist die Kinderarbeit in den genannten Betrieben sehr häufig. Kinder unter 23 Jahren werden häufig selbst an Sonntagen zur Arbeit herangezogen, mitunter selbst zu schiverer Arbeit. In den unter« elsässilche» Ziegeleien sind im verflossenen Jahre 296 Knaben und 97 Mädchen beschäftigt gewesen. Die Ziegeleikinder machen über 80 Proz. aller überhaupt gesetzwidrig zur Arbeit herangezogenen Kinder ans. Bis zu 7 Proz. derGesamlarbeit wird in den Ziegeleien von Kindern geleistet. Fast überall, wo die Ehefrauen der Ziegelei-Arbeiter auf den Ziegeleien wohnen, findet die Zuwiderhandlung statt. Kinder, die kaum gehen können, spielen umher, die etwas größeren„helfen" die Eltern schon bei der Arbeit, und die schulpflichtigen„helfen" den Eltern oder auch anderen Arbeitern der Ziegeleien mehr oder weniger regelmäßig während der schulfteien Stunden und, wenn es den Eltern nötig erscheint, auch während der Schul st unden. ES kommt vor, daß Kinder mit erlaubter oder unerlaubter Schulder« säumnis halbe oder ganze Tage von ihren Angehörigen zum Stein« trage» oder ähnlichen Arbeiten verwendet werden. Und die Ursache dieser haarsträubenden Zustände? Die Hungerlöhne, welche die Eltern beziehen! Der VerwalttmgSbettcht bezeichnet als den Grund für die Kinderarbeit die Armut der Eltern und das hieraus entspttngende Bestreben, durch übermäßige Anspannung der eigenen Arbeitskraft und durch frühzeittge Ausnützung des jugendlichen Nach« Wuchses die jammervollen Lohnbezüge einigermaßen zu erhöhen. Ein trostloses sociales Bild, diese bedauernswetten Eltern, die unter der Last ihrer Arbeit und ihres Elendes zusammenzubrechen drohen und dadurch gezwungen werden, ihre Kinder zur Hilfe>n die Fabttken zu rufen, um sie dott geistig, körperlich und moralisch zu Grunde gehen zu sehen! Denn über die verderblichen Wirkungen dieser gesetzwidrigen Kinderausbeutung find die gehötten Schul« vorstände nahezu einmüttger Ansicht: die Leistungen der Kinder in der Schule nehmen ab, die Schüler sind schläfrig beim Unterricht, fettigen die häuslichen Arbeiten schlecht oder gar nicht an und stehen bald m jeder Hinsicht an letzter Stelle in der Klasse. Daß das Verweilen der Kinder in den Ziegeleien auch in sittlicher Beziehung verderblich wirkt, wird allgemein zugestanden. Ueber einen 12jähttgen Knaben, der von April blS Mitte Juni von 47 Schultagen 26 wegen der Ziegelei-Arbeit ver« s ä u ni t e und mit den achtjährigen Kindern in einer Klaffe saß, sagt der Bericht:„kann weder lesen noch rechnen und ist geistig total verkommen." Daß diese skandalösen Zustände sozusagen unter den Äugen der Behörden sich jahrelang erhalten konnten, wird einigermaßen erklärlich, wenn man die Schwiettgkeiten in Betracht zieht, die der polizeilichen Kontrolle der Ziegeleiarbeitsstätten durch die Unter« nehmer m den Weg gelegt werden. Seitens des GewerbeaufsichtS- beamten sind die in Betracht kommenden Arbeitgeber durch amtliches Schreiben Über das gesetzliche Verbot der Kinderarbeit und deffen straftechtliche Bedeutung aufgeklärt und bei weiteren Verstößen mit Strafanzeige bedroht worden. Umsonst: sie hatten vielfach weder den guten Willen noch die Energie, dem Unfug zu steuem, und der Bericht konstatiert:„Bei einer Reihe von Revisionen waren Fest« stellungen nicht möglich, weil ein gellender Pfiff oder ein Schrei oder forciertes Hundegebell die Ankunft des Beamten den Be« teiligten anzeigte, so daß die Kinder Zeit hatten, sich zu verstecken oder mit lehmbeschmntzten Händen und Kleidern müßig stehend, dem Beamten zu erklären, daß sie nur mit Lehm„gespielt" hätten."— Man sieht, unserer Polizeibehörden harren noch mannigfache ver« dieustvolle Aufgaben, um den bestehenden gesetzlichen Vorschriften Geltung zu verschaffen. Auf diesem Gebiete und nicht auf dem der Knebelung der Arbeiterschaft können die Behörden sich wahre Ver- dienste nni die Menschheit erwerben. Tie katholischen Gesellcnvereiue feiern in Köln daS Fest ihres fünfzigjährigen Bestehens. Es ist eine große Festlichkeit unter Teilnahme der hohen Geistlichkeit. Der Gürzenichsaal, der den Socialdemokratcn und den modernen Gewerkschaften seit langer Zeit vorenthalten wird, ist den Gesellenvercinen zur Verfügung gestellt worden. An Kaiser und Papst wurden Telegramme abgesandt. Tetzke Llschvichken und Depeschen. Friedensbotschaft aus Rußland. Petersburg, 26. Juni.(W. T. B.) Das Marineministerinm bat zur Erweiterung und zur Verbesserung des KriegShafens in Wladiwostock 13 611300 Rubel angewiesen, von denen in diesem Jahre zwei Millionen zu verwenden sind. Budapest, 26. Juni. ammlungslokals Aufstellung nahinen, um den Beschluß der Ver- sammlung abzuwarten. In der Versammlung herrschte eine lebhafte Erregung, so daß e-Z fast den Anschein hatte, als sollte die Versammlung resultatlos verlaufen, und sich auch keine Mehrheit für die Einigungsbedingungen sinden. Gegen das aus dem Centraiausschuß bestehende Bureau wurde von einem Teil der Versammelten Protest erhoben und ferner der Antrag gestellt, daß nicht in Berlin arbeitende Maurer und solche Personen, die dem Beruf nicht angehören, das Wort nicht erhalten tollen.(Der Versammlung wohnten außer dem Verbandsvorsitzenden B o m e l b u r g» Hamburg die Gewerberichter Fabrikbesitzer «! vJ P-f 1. uu� Steinsetzer Knoll bei.) Nach einer lebhaften l eichastSoronimgSdebatte wurden schließlich die diesbezüglichen Geichastsordnungsanträge abgelehnt. In eingehender Weise schilderte hierauf F r. K a t e r das Zu- staimekomme» und den Verlauf der Verhandlungen. Danach haben bei den Veratlnigen in der Kommissionssitzung zwischen den Arbeiter- «iiö lustcrnehmervertrctcrn recht heftige Debatten stattgefunden, vcvor die Enngungsvorschläge auf dieser Basis überhaupt zu stände irnnen. Für die Arbeiter seien in den festgelegten Einigungs- bcdingimgen zweifellos Vorteile enthalten. Zunächst ist, was nicht nnteriwatzt werden darf, endlich die Organisation der Arbeiter von den Unternehmern als gleichberechtigt anerkannt worden,. wogegen sie sich bisher immer'wehrten. Bei rer Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen haben die Arbeiter durchs ihre Vertreter mitzubestimmen und es kann Zukunft doch ein einigerniaßeil stabiles Arbeitsverhältnis ge- 1 mancn werden. Der Stundenlohn von 60 Pf. muß nun auch von denjenigen Unternehmern bezahlt werden als Minimallohn, die bis letzt Maurer unter diesem Lohnsatz beschäftigten. Ter Stundenlohn von 63 Pf. ist den Maurern für das nächste Jahr ini Herbst ge- sichert, denn nur ans der Grundlage dieses Lohnsatzes haben sich die Arbeitcrvertrcter für eine eventuelle Einigung bereit erklärt. Die Be- scitignng der verschiedenartigen Mißstände auf den Bauten muß sich die zu gleichen Teilen aus Arbeitern und Unternehmern zusanimengesetzte Kommission angelegen sein lassen. Im übrigen habe» die Maurer genügende Mittel an der Hand auf diesem oder jenem Wege für die Einfühlung geregelter Zustände auf den einzelnen Bauten zu wirken Sache der Kommission wird es sein, für die Jnnchaltuug der Be- stimniungcn Sorge zu tragen, damit die Unternchmer nicht mehr nach Willkür den Arbeiter gegenüber verfahren können. Der Redner erörtert im weiteren die einzelnen Thesen deS EinigungSvorschlagcs und empfiehlt schließlich, mit dem Hinweis, daß unrer den ob- waltenden Umstäuden nicht mehr für die Arbeiter errungen werden konnte und mich um zu beweisen, daß die Arbeiter zur Beilegung des Kampfes bereit sind, den vorgeschlagenen Einigungsbedingungen die Zustmnnung zu geben. In der hierauf folgenden Diskussion wurde der Centralansschuß. der die Einigungsbedingungen gutgeheißen hat, von einzelneu Rednern heftig angegriffen und der Vorwurf erhoben, daß er V e r r a t h geübt und den Maurern durch seine Zustiimnung zu diesen Vor- schlagen� eine Niederlage bereitet habe. Außer den Lohnkon, Missionen beider Nichtniigen plädierten Herforth und Baumeister Keßler für die Annahme der Ciniguiigsbedlnaungcn. In Rücksicht auf die Lage der in Mitleiden- schalt gezogenen Arbeiter und unter Berücksichtigung der öffentlichen Meinung hielten sie die Annahme der Vorschläge, die in verschiedenen Punkten eine wesentliche Verbesserung gegenüber den gegenwärtigen Zuständen bedeuten, für notwendig. Zechlin. Beiersdorf. Witte und andere wandten sich entichieden gegen die Anerkennung der Einigungsvorschläge und fichnen aus, daß die Vorschläge den Erwartungen der Berliner Maurer in keiner Hinsicht entsprechen, und die Kommission, die ihre Zustimmung dazu gegeben hat. nicht im Interesse ihrer Austrag- gebcr gehandelt habe. Die Maurer hätten keine Lust, nachdem sie von den Unten, ehmcrn auf des Pflaster geworfen worden sind und der Kampf sich zu Gunsten der Arbeiter gestaltet hat. für einen Stundenlohn von 60 Pf. die Arbeit aufzunehmen. Für einen großen Teil der Maurer ist bereits der Stundenlohn von«3 Pf. erkämpft worden, denen man nun zumutet, für 60 Pf. zu arbeiten. Nach dem Vergleichsvorschlag. wonach die Löhne der miuderleistuugsfähigen Arbeiter und Jung- gesellen der freien Vcreinbaning unterliegen, ist der Minimallohnsatz von 60 Pf. durchbrochen und es könne» die alten und die junge» Arbeiter niit einem Stundenlohn unter 60 Pf. abgefertigt werden. Dadurch, daß den Unternehmem das Reibt zusteht, ohne Angabe der Grunde Entlassungen vorzunehmen und Bauspcrrcn nicht verhängt werden dürfen, sind die Unternehmer in der Lage, alle ihnen mißliebigen Arbeiter, besonders diejenigen, die für die Interessen ihrer Kollegen und Beseitigung ettvaiger Mißstände eintreten, von den Bauten zu entfernen. Die Maurer sind damit rechtlos gemacht und können auch gegenüber den Maßregelnngen seitens der Ilnternehnier nicht in der notwendige» Weise eintreten. Die Kommission würde nicht schnell genug arbeiten, um eintretende Differenzen schlichten zu können tlnd die Unternehmer würden niemals Bausperren billigen oder ernstlich für die Durchführung geregelter Zustände auf den Baustelle» eintreten. Die Vertreter der Arbeiter, die sich in der Komniission mißliebig geniacht haben, und die Forderungen der Arbeiter vertreten, würcen bald aus der Kommission verdrängt werden. Von diesen Skedneni wurden die Einigungsvorschläge auch deshalb für unannehmbar erklärt, weil in den' Bestimmungen nicht ausdrücklich die vollständige Beseitigung der Accordarbeit aus- gesprochen ist. Nachdem die Diskussion geschlossen worden war, wurde folgender Autrag mit einer große» Majorität angenommen: Die Versa mm lung beschließt, den beantragten Einigungsvorschlag des Einig ungsamtes zu acceptieren und den Aus st and der Maurer Berlins und Umgegend mit Montag, den 26. Juni, abends, als beendigt zu erklären. Das Resultat der Abstimmung wurde einerseits mit stünnischem Beifall, andererseits mit lebhaftem Protest entgegengenommen. Ver- schiedcne Anträge, die eingegangen waren und nach welchem die Arbeit nur bei Bewilligung eines Stundenlohnes von 63 Pf. bezw. 62Vs Pf. aufgenommen werden soll, sind damit gefallen. Etwa 13 Redner waren in der Rednerliste noch eingezeichnet, als der Schluß der Diskussion beschlösse» wurde. Auf der Straße bildeten sich vielfach Gruppen, welche das Resultat der Abstimmung noch sehr lebhaft diskutierten. Lokales. Die Berliner städtische Blindenpflege, für die der Magistrat eine besondere Vcrwaltungsdeputation einzu- setze» wüuscht, ist verhältnismäßig noch zung. Namentlich ist die Stadtgcmeinde bei uns erst spät dazu gelangt, den orts- angehörigen Blinden durch eigene Veranstaltungen für einen be- solideren Schulunterricht bezw. für eine zweckentsprechende Fort- inMdung bei der Erreichung der ErwerbSfähiakeit behilflich zu sein. Früher nahm die königliche Blindenanstalt auf Antrag der stisidtischen Arnlendirektion einzelne blinde Kinder zum Unterricht »»d zur Pflege in Freistellen auf. Andere nahmen als sogenannte Sckgulgänger, die in Faniilienpflege bleibe», nur am Unterricht teil. Als aber diese Anstalt 1877 nach Steglitz verlegt wurde mußte die Stadt an die Errichtung einer eigenen Blindenanstalt denken. Nachdem 1878 der e r st e städtische Unterricht für Blinde in dem Verwaltungsgebäude der städtischen Waisenpflege, Alte Jakobstr. 33. versuchsweise eingerichtet worden war, ging daraus 1879 die städtische Blinden- schule hervor, die 1882 nach Alte Jakobstr. 112 verlegt wurde. Die Errichtung einer Fortbildungsschule, die den älteren Blinden zur Erwcrbsfähigkeit verhelfen sollte, folgte 1883; bis dahin waren schulpflichtige Kinder, konfirmierte Zöglinge und erwachsene Blinde, die noch in gereifteren Jahren Elementarkenntnisse und Handfertigkeit erwerbe» wollten, zusammen unterrichtet worden. (Eine Eigentümlichkeit der städtischen Blindenanstalt ist, daß sie nicht als Internat, sondern als Externat eingerichtet ist, also ihre Zöglinge nicht zur Pflege, sondern nur zum Unterricht und zur Fortbildung aufnimmt. Dadurch wird es nötig, die Blinden täglich von ihrer Wohnung nach der Anstalt und zurück zu führen. Für arme Familien ist das schlver und oft unmöglich. Da aber in Berlin die Blindenanstalt in örtlicher Verbindung mit der Waisenanstalt in i.ii Alten Jakobstraße steht, so wird die Führung, wo nötig, von den im 13. Lebensjahre stehenden Waisenmädchen besorgt, die noch in Familienpflege sind, aber bereits die in der Waisenanstalt für sie eingerichteten hauswirtschastlichen Kurse täglich besuchen. Die über die ganze Stadt verteilten Mädchen werden je dem zunächst wohnen. den Blinden als Führerin zugewiesen.) Gegenwärtig besteht die städtische Blindenanstalt aus den 3 Abteilungen Blindenschule, Fortbildungsanstalt und Befchäftigungsanstalt. Die Blindenschule unterrichtet 6— 13jährige blinde Kinder, deren Eltern hier Unterstützungswohnsitz haben, unentgeltlich in 4 Klassen; sie war am Schluß des Schuljahres 1897/98 von 60 Kindern besucht. Der Verwaltungsbericht pro 1897/93 beklagt, daß„in den beiden Unterklassen nicht in allen Gegenständen das Pensum ganz erreicht werden konnte. trotz fleißigsten Bestrebens der Lehrerinnen", und erklärt das ans der andauernden Ueberfüllung(13 in Klasse HI, 22 in Klasse IV), während eine Blinden-Schulklasse nicht gut über 13 Schüler haben kann, vor allem nicht auf der Unterstufe). Die F o r t b i l d u n g s a n st a l t(für Lesen- und Schreiben der Braille- schrist, Schreiben der Schwarz- und Maschinenschrift, Rechnen, Deutsch, Litteratur, Gesang, Klavier, Notenschrift, Stuhlflechten, weibliche Handarbeiten) und die Beschäftigungsanstalt(für Stuhl- und Korbflcchten, Bürstenmachen, Druck von Blindenschriften, weibliche Handarbeiten) wurden Ende 1897/98 von zusammen 104 er- wachsenen Blinden besucht. Die Beschäftigungsanstalt giebt Arbeitsplatz undHandwerkszeug unentgeltlich, Material zum Engrospreise, übernimmt den Verkauf und zahlt den Verdienst aus. 1897/93 wurden im Durchschnitt monatlich 13,73 M. pro Kopf verdient. Da davon niemand leben kann, so mußten etwa die Hälfte der Beschäftigten noch mit einem Almosen von im Durchschnitt 13 M. pro Monat, mehrere andere aus Stiftungen mit je 10 M. pro Monat unterstützt worden.— Die Zahl aller Blinden Berlins beträgt übrigens über 1000. Bei der Zählung von 1893 wurden hier 368 männliche, 344 weibliche, zusammen 1112 Blinde er- nnttelt. Darunter waren alle Altersklassen von den Neu geborenen bis zu den nahezu Hundertjährigen vertreten, doch gehörten naturgemäß, da die Blindheit nieist erst später entstanden war. die meisten den mittleren Altersklassen an. Angeboren war die Blindheit bei 103, später entstanden bei 1003 Personen; bei 1 Person fehlte die Angabe. Einzelne dieser Unglücklichen befanden sich in einer doppelt elenden Lage, weil sie noch an einem zweiten Gebrechen litten; 3 waren zugleich taubstumm, 8 zugleich geistes krank. Verheiratet waren 300 männliche, 116 weibliche, verwitwet 78 männliche, 206 weibliche, geschieden 14 männliche, 11 weibliche Blinde. In städtischer Arnteupflege waren 247 männliche, 249 weib- liche Blinde._ Ein eigeutumlicher Bierikrieg ist dieser Tage in Berlin aus gebrochen. Vor einigen Tagen erschien in bürgerlichen Blättern eine Anzeige des hiesigen Vertreters vom Münchener Bürgerbräu, wonach der Rcstauratcur Z. in seinem Lokal an der Ecke der Friedrich- und Mohrenstraße den halben Liter Bier zu 20 Pf. ver- kaufe. Dieser vom Publikum mit Genugthuung aufgenommene Entschluß des Restauratcurs wurde vom Vertreter der Brauerei aber durchaus nicht im empfehlenden Sinne kundgegeben; vielmehr hatte die Annonce den Zwxck, zu konstatieren, daß die Bierverbilligung gegen den ausdrücklichen Protest des Vertreters erfolgt sei. Weiter heißt es in der Anzeige:„Da mit diesem Vorgehen Herr Z. gegen seinen Miets- vertrag verstößt, demzufolge das Bavaria-Restaurant niemals den Charakter eines feinen Bierausschanks verlieren darf, so stelle ich meine Bierlieferungen an ihn so lange ein, bis er den für Münchener Export-Bier normalen und vollberechtigten Detailpreis von 30 Pf. per Ve Liter wieder eingeführt hat. Zu diesem Eni schlusse drängt mich aber auch noch besonders der Umstand, daß ich im Interesse meiner verehrten Kundschaft das Münchencr Bürger- Bräu zu irgend welcher Preisschleuderei grundsätzlich nicht hergebe. Das biertrinkende Publikum hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als nachzuprüfen, ob das Bier dadurch, daß es billiger als bisher verkaust wird, an seiner Güte einbüßt. Das Resultat scheint dem Bürgerbräu günstig gewesen zu sein, denn es wird in einem hiesigen Blatt berichtet, daß allein am Sonnabendabend 14 Hektoliter aus- geschänkt worden sind. Sonntagmorgen hatte die Herrlichkeit aber ein Ende mit Schrecken genommen. Der flüssige Vorrat war er- schöpft, die Brauerei beharrte auf ihrem Standpunkt, der Restaurateur hingegen wollte nicht wieder zum alten Preise zurückkehren, und so ließ er denn kurzerhand das HauS schließen und das ge- samte Inventar durch fünf Möbelwagen nach einem Speicher transportieren. Z. will nun für jeden ihm entstandenen Schaden die Brauerei regreßpflichtig machen, da diese auf 11 Jahre kontraktlich verpflichtet»st, ihm ihr Gebräu zu liefern. Im Publikum wird man dem streitbaren Wirte in seinem Kampfe alles Glück wünschen. Denn nach dem Urteil bieler Sachverständiger ist der Preis von 30 Pf., der in Berlin für den halben Liter„Echtes" gefordert wird, unverschämt hoch und nicht einmal in den„Bier- Palästen" durch die teuren Mietspreise zu rechtfertigen. Stellt sich doch, von Nürnberg und München, wo man für einen ganzen Liter 24 Pf. zahlt, ganz abgesehen, auch in den meisten Orten Mittel- deutschlands der Preis für bayrisches Bier ganz bedeutend niedriger als in Berlin. Rektor Waldepcr und die Studcntenbewegung. Aus hiesigen Swdententreifen schreibt man uns: Pa die Finkenversamm- lung infolge der Störung durch die Korporationen resultatlos ver- lief,' beabsichtigte das vorbereitende Komiree, die Störenfriede ver- nünftigerweise nicht mehr zuzulassen. Eine diesbezügliche Ver- s a ni m l u n g wurde jedoch vom Rektor verboten. Glaubt Herr Prof. Waldeyer, daß die Finken nicht fähig seien, selbständig etwas zu beschließen, hält er etwa auch, wie die Korporationen es zu thun psiegen, die Finken für Studenten zweiter Klasse? Oder soll es mit dreser vernünftigen Bewegung ebenso gehen wiejmit der Ehrengerichts- bewegung, bei der es auch hieß: Wir stehen der Bewegung sym- pathsich gegenüber, gestatten aber keine Versammlung, welche ein Resultat haben könnte? Die Ferien der hiesige» Gemeindrschulc» für die zweite Hälfte des Schuljahres sind, wie die städtische Schuldeputation noch- mals zur Kenntnis bringt, wie folgt festgesetzt worden: Sommer- ferien: Schluß des Unterrichts Freitag, 7. Juli, Anfang des Unter- richts Dienstag, 8. August; Herbstferien: Schluß des Sommer- Halbjahres Sonnabend, 30. September, Anfang des Winterhalbjahres Donnerstag. 12. Oktober; Weihnachtsferien: Schluß des Unterrichts Mittwoch, 20. Dezember 1899, Schulanfang Donnerstag, 4. Ja- nuar 1900.— Die Ferien der Höheren Schulen weichen nur in folgendem ab: Sommerferien: Schulanfang Dienstag, 13. August, Herbstferien: Schulanfang Dienstag, 10. Ottober. Aus Berliner Polizeikreise». Die Verhaftung von vier Polizeibeamten, die mit der Festnahme eines gewerbs- mäßigen Fahrraddiebes und Schwindlers Otto Schlichteisen aus der Nostizstraße in Verbindung steht, dürste berechtigtes Aufsehen erregen. Der Schwindler wurde endlich ermittelt und festgenommen. Er hatte seit längerer Zeit durch Zeitungsanzeigen Fahrräder zu einem billigen Preise angeboten. Den Kunden, die sich um ein Rad bewarben, er- zählte er stets von einem Gelegenheitskauf, den er soeben gemacht habe, bald in der Schönhauser-Allee, bald am Wedding oder in der Friedrichstadt usw. Je nach der Beschaffenheit des Rades, oder bei besonderen Umständen, unter denen er es erworben haben wollte, gab er eine gewisse Kaufsumme an und schlug dann einenbestimmtenProzent- satz drauf, mit dem er es wieder veräußem wolle, da er selbst keine Per- Wendung dafür habe. Die Kaufsummen waren durchiveg gering, von 20 bis 30 M.. und ementsprechend auch die� Forderungen. Zu den Abnehmern Schlichteisens gehören nun auch ein Wachtmeister der Marktpolizei und drei Schutzmänner vom 83. Revrer in der H e i m st r a tz e, die Schutzmänner B. aus der Gräfestraße, H. aus der Siboldstratze und B., der im 67. Revier wohnt, aber ebenfalls im 83. Revier, in dem auch die Wohnung Schlichteisens liegt, angestellt ist. Der Wachtmeister allein soll fünf Räder erworben und mit Gewinn weiter verkauft haben. Es wird nun angenommen, daß er und die Schlitzmänner, zumal als Polizeibeamte, aus dem billigen Preise auf den unredlichen Erwerb hätte schließen müssen. Die Be- amten sind daher unter dem Verdachte der Hehlerei von der Kriminalpolizei festgenommen und in Untersuchung gezogen worden. Menschen nnd Thiers scheinen von unseren Omnibus- Gesellschaften gleichmäßig ausgenutzt zu werden. Vom Publikum wurde am Sonnabendabend in der Wallstraße ein Omnibus der Linie Großgörschenstraße— Frankfurter Allee, dessen Pferde sich vor Ermattung kaum noch weiter schleppen konnten, am Weiterfahren verhindert. Ein herbeigerufener Schutzmann stellte den Thatbestand fest und ließ die Fahrgäste aussteigen. ist gestern mittag 11Vs Uhr Eine Anzahl seiner Freunde Der Freiherr v. Hammerstein aus dem Zuchthause entlassen worden. haben ihn enrpfangen. Militärisches. Eine aufregende Scene gab es. wie ein hiesiges Blatt meldet, am Sonnabendnachmittag in einer Verhandlung vor dem Korpsgericht des Gardekorps im Militärarrest- Gebäude in der L i n d e n st r a ß e. Der Grenadier Janneck von der 1. Kompagnie des 3. Garde-Regiments wurde Ende v. I. wegen Gehorsamverweigcrung unter erschwerenden Umständen zu sechs Monaten Festungsgefüngnis verurteilt. Während er diese Strafe in Spandau verbüßte, zeigte er sich noch wiederholt aufsässig und keine Disciplinarstrafe fruchtete dagegen. Die Folge war, daß der Grenadier, nachdem er am Donnerstag seine Strafe verbüßt hatte, alsbald von neuem vor das Kriegsgericht gestellt wurde, wo seiner nun eine schwere Strafe harrte. Während der Verhandlung geberdete sich Janneck plötzlich wie wahnsinnig und fiel, anscheinend in Krämpfen, zu Boden. Man mußte ihn mit einem Krankenwagen in das Tempelhoser Garnison- lazarett bringen. In der Umgebung des Gerichtsgebäudcs war lr Gerücht verbreitet, er habe vor den Augen seiner Richter Gift ge« nommen. Das ist jedoch nicht der Fall. Wäre nicht eine Unter« suchung darüber angebracht, ob der Soldat, der sich so auffällig geberdet, auch geistig gesund ist? Durch eine» Sturz von dem im vierten Stock des Hauses Nr. 36 in der Rosenthaler Straße gelegenen Balkon hat Sonntag- abend die jugendliche Chansonnette Elvira Tempe Selbst- mord verübt. Fräulein Tenipe sang in einem Cafö-Chantant an der Spandauer Brücke und sollte in nächster Zeit an einer größeren Bühne Engagement finden. Sie ist die Tochter eines Klavier- fabrikanten, ihr Aufenthalt im Elternhause wurde ihr jedoch durch stete Zwistigkeiten mit der Stiefmutter verleidet. Die-junge Sängerin war seit längerer Zeit gemütskrank; sie hat bereits einmal einen Selbstmordversuch durch Aufschneiden der Pulsadern unternommen, wurde jedoch gerettet. Erst am Sonnabend hatte sie in dem genannten Hause im vierten Stock ein Zimmer mit Balkon' gemietet und schon am folgenden Abend den Selbstmord ausgeführt. Fräulein Tempe blieb mit z er- schmetterten Gliedern auf dem Straßenpflaster liegen. Auf dem Transport nach dem St. Hedwig- Krankenhaus� verstarb sie.— Sonntaguachmittag wurde auf der Treppe des Hauses Kurfürstenstr. 164 der 20 Jahre alte Hausdiener Paul BathJ der bei dem Kolonialwaren-Händler Olmütz in der Kurfürstenstr. 1361 angestellt war, sterbend aufgefunden. Der junge Mann sollte Nach- mittags in der Geschäftszeit einen Korb Flaschenbier zum Fakto» Westphal bringen, der in der Kurfürstenstr. 164 im vierten Stocks wohnte. Bald nach seinem Weggänge fanden ihn Hausbewohner am Absatz zum vierten Stock in den letzten Zügen auf der Treppe liegen. In den Hände» eines Arztes starb er nach wenigen Minuten. Da der Bierkorb oben vor der Westphalschen Wohnung stand, so ist anzunehmen, daß der junge Mann in einem Aufalle von Unwohlsein die Treppe hinuntergestürzt ist. Wege» verschiedener Schwindeleien verhaftet wurde der achtzehnjährige Bureaugehilfe August Powulowski aus Berlin, de» die Finna Bölluer und Rauke in Neisse, bei der er angestellt war, mittels eines gefälschten Chccks um 3300 M. betrog. Nachdem er Berlin und verschiedene Provinzstädte durch längere Zeit unsicher geniacht hatte, wurde er in Dortmund festgenommen, wo er als Kellner aufgetteten war und seinem Ehef eine Kassette mit 900 M. entwendet hatte. Ein Kellerbrand kam Sonntagmittag in der Mabaistr. IS, gegenüber dem Schlesischen Bahnhof, zum Ausbruch. In dem Ge« schaftskeller der Kolonialwarenhandlung von F. Siebert war durch Unvorsichtigkeit des Hausburschen eine brennende Lampe umgestoßen, die auf mit Petroleum getränkte Sägespähne fiel und diese m Brand setzte. Die alarnncrte Feuerwehr löschte den Brand, der leicht un- geahnte Dimensionen hätte annehmen können, da mehrere Fässer Petroleum in dem Keller lagerten. Mit Arznei vergiftet bat sich Sonntagabend der 40 Jahr» alte Schlossergeselle Paul Lüdert aus der Memelerstr. 30. Ludert war seit einigen Wochen brustleidend und hatte eine morphiumhaltige Arznei verschrieben erhalten, von der er jeden Abend und jeden Morgen 13 Tropfen nehmen sollte. Gestern abend nun kam. er, während seine Frau mit den fünf Kindern von 1'/» bis 12 Jahren in den Memeler Park gegangen war, betrunken nach Hause. Als die Frau bald nach 7 Uhr in die Wohnung kam, fand sie ihren Mann tot auf dem Sofa liegen. Er hatte die ganze Arznei auf einmal ausgetrunken. Ein Pferd» das Treppen steigt, beschäftigte am Sonntag« vormittag die Feuerwehr in der Bülowstraße 37. Der Gaul war aus dem Stall durchgegangen und über eine Treppe nach dem Boden hinauf gestiegen. Alle Bemühungen, das Tier wieder über die Treppe in den Stall zu bringen, scheiterten. Man rief deshalb die Feuerwehr, die nach einstündigem Bemühen den Durchbrenner mittels eines Flaschenzuges, nachdem man ihm starke Gurten um den Leib gelegt hatte, aus einer Dachluke wieder gesund auf den Hof hinunter schaffte. Zu dem Seldstniord der Frau M., worüber wir am Sonn« abend berichteten, teilt uns die Hauswirtin Frau Gantzberg mit, daß die Mieteschuld in diesem Falle nicht 8 M.. sondern 31 M. be- wagen habe. Es sei von ihr zwar auf Exmission, aber nicht auf Erstattung der Mete geklagt worden, vielmehr habe sie, die Wirtin, dem Ehepaar für den Fall, daß zum 1. Juli die Wohnung geräumt werde, die Miete schenken wolle. Ein Bäckerwagen, auf welchem zwei Personen saßen, ist gestern in der Prinzenalle» von dem elektrischen Straßenbahnwagen ange- rannt und ningeivorsen worden. Verletzniigeii ab. Zum Glück ging der Unfall ohne Strasjeusperrung. Die Bellevue-Allee von der Tiergarten strafze bis zur Charlottenburger Chaussee wird behufs Ncubeschüttung der Chausseedecke vom 2V. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Lrgelkonzert. In der Marienkirche hält Herr Musikdireltor Otto Dienel Mittwoch, den 28. Sunt, mittags 12 Uhr, einen Orgelvortrag, an dem sich onsier Herrn Dienel noch die Openisängertn Fräulein Margarete Schrön, die Konzersängerin Fräulein Fanny Berich und Fräulein Marie Hundeöhagen, das Streichquartett der Herren W. Zaber, E. Niegisch A. Lcbbe und G. Pickert und Herr Ad. Bolte beteiligen werden. Der Ein tritt ist frei. Das Radrennen im Sportpark Friedenau, das am Sonntag zahlreich besucht war, gewann durch den Sieg deS Friedenauer Dauerfahrers Köcher im öl) Kilometer-Rennen besonderes Interesse. 5iöcher hatte sich in früheren Nennen vielfach blamiert; um so über raschender wirkte der vorgestrige Erfolg, der allerdings vornehmlich dem vorzüglichen Schritmiachcr-Apparat zu danken ist, der dem Sieger zur Bersiigung stand. Die Rennen verliefen wie folgt: Friedenauer Malfahren. Klasse C. öv, 30, 2V Mark. 1000 Meter. 1. Peter-Berlin, 1: 27: 1. 2. Biele-Berlin. 2. Winz Berlin. Peter hat das Rennen durchweg sicher und geht aufgerichtet über das Band. Friedenauer Handicap. Klasse A. und B. 150, 75, 40 Mark. 1. Bruno Büchner-Berlin(0 Sekt.), 3; 01; 4. 2. v. d. Tuyn Amsterdam(14 Sek.). 3. Deckers-Amsterdam(10 Sek.) Ganz leicht gewonnen. K0 Kilomcterfahren mit Schrittmachern. 1000, 500, 250, 125 M. 1. Alfred Köcher-Friedenau, 56 Min. 17 Sek. 2. E. Taylor Paris. 3. W. Struck-Hamburg. 4. A. A. Chase-London. 5. Dutrienx Lille. Robl-München aufgegeben. Köcher führt vom Start weg, ver- Hestert die deutschen Rekords von 5—50 Kilometer und gewinnt mit zweieinhalb Runden Vorsprung gegen Taylor, dem dreieinhalb Runden zurück Struck folgt. Zweisitzerhauptfahren. 200, 100, 50 M. 3000 Meter. 1. Buchner-Seidl, 5: 67: 4. 2. Huber-Oberberger. ö. A. VerHeyen Porte. Nach Gegenwehr sicher gewonnen. Theater. Als ein Gespenst aus grauer Vorzeit ist am Sonn- abend„Liane, die zweite Frau' aus der Versenkung des Ostend-Theaters emporgestiegen. Urheberin dieser Gestalt war bekanntlich die ehemalig, Gartenlauben- Berümtheit, Frau Marlitt; der Familienroman dieser Dame ist dann von irgend einer noch gleichgilttgeren Person dramatisiert worden. Das langweilige, umvahre Stück fand eine seiner würdige Darstellung, in der einzig Herr Wach als Hofmarschall sich über die Mittelmäßigkeit seiner 4�ollegenschaft erhob. Hoffentlich gelingt es der Direktion des Ostend-Theaters bald, sich ntit etwas Besterem über die Trostlosigkeit deS Sommers hinwegzuhelfen In � der Donnerstag- Eröffnungsvorstellung der M o r w i tz> Opjer im Schiller-Theater(Waller-Theaier)f„Der Wildschütz' tomische Oper in 3 Akten von Lortzing, treten zu der bisherigen Be setzung mit den Damen Frida Hawliczek, Hedwig Ohm, Herren Jos. Fanta, Theo Raven, noch hinzu: die Kolorawr-Sängerin Janka Major, die Soubrette Jos. Vettori, der lyrische Tenor Karl Jörn und der Buffo Georg Thölke.— Am Freitag gehen zum 2g. Mal „A Basso Porto" und Cavalleria rusticana' in Scene, darin tritt die erste dramatische Sängerin Frl. Henny Borchers als Maria und Santuzza auf, als Sesella die jugendlich dramatische Sängerin "karie v. Tergow, die Herrenpartien blieben bei Herren Oskar v. Lauppert, Otto Schrötter mid Ernst George. Als dirigierende Kapellmeister fungieren wieder die Herren Julius Prüwer und Paul Wolf. Die Regie besorgt Herr Ad. Carlhof. Fctlerbcricht. Sonntag früh 4 Uhr stand L i e s e n st r. 4 ei« Bretterzaun in Flammen, die jedoch von der herbeigerufenen Wehr schnell abgelöscht wurden. Infolge Kurzschlusses in einem Motor erfolgte gegen g Uhr ein Alarm nach Rilterstr. V8/Sg. Abends 10 Uhr kam Perleberger st r. 8 in feinem Posamentierwaren- Geschäft ein Schadenfeuer auS, das zur Ablöschung ein längeres Wassergeben erforderlich machte. Aus den Nachbarorten. Strenge Mastnahmen gegen die Berlin-Charlottenbnrger Strastenbahn hat soeben der Ausschuß der Stadtverordnetem Versammlung von Charlottenburg zur Vorbcrawng der Angelegen� heit dem Plenum zu empfehlen beschlosten. Die Straßenbahn Gesellschaft hatte, wie berichtet, zum erstenmale eine Verlängerung der Genehmigung zum gemischten Bettiebe in der Berliner Straße und zwar bis zum 1. Dezember 1900 nachgesucht und der Magisttat dieses Gesuch unterstützt. Die Stadtverordneten-Versammlung ver- wies die Beratung darüber in ihre geheime Sitzung. Ueber die Langsamkeit und Saumseligkeit der Gesellschaft herrschte nur eine Stimme. Der zur Vorberatung der Vorlage be- stimmte kAusschuß hat jetzt beschlossen, die Verlängerung der vorläufigen Einrichtung bis zum 1. Dezember 1900 zu versagen und nur bis zum 1. Januar 1900 zu gewähren. Un- bedingte Voraussetzung für diese letzte Verlängerung soll sein, daß die Gesellschaft sich genau an die Bedingungen hält. Als solche sind folgende festgesetzt: Auf der Linie zum Spandauer Bock wird ein Zehnminuten-Verkehr eingerichtet. Du Linie Moabit-Charlottenburg- Amtsgerichtsplatz wird durch die Bismarckstrahe geleitet, so daß die Werlinerstratze schon jetzt von dieser einen Linie mit Pferde betrieb entlastet wird. Die neue Linie vom Kurfürsten dämm durch die Knesebeck- und Grolmanstraße zum Wilhelm platz muß bis zum 1. Januar eröffnet werden. Da die Gesellschaft den ihr nach dem Verttag mit der Stadtgemeinde zukommenden Pflichten nicht nachkommt, so soll, falls die Gesellschaft auch diese Bedingungen nicht erfüllt, der Magistrat ermächtigt werden, von dem ganzen Straßenbahn- vertrage zurückzutreten. Auch die Charlottenburger Straßenbahn verfährt nach dem Muster der Großen' Berliner Gesellschaft, die Häufigkeit des Wagenverkehrs nur im Interesse der Akttonäre zu regeln. Da- von laim man sich nicht nur in der verkehrsreichen Geschäftszeit an Wochentagen überzeugen, sondern auch des Sonntags. Die elektrischen Wagen fahren in so großen Pausen, daß sie schon vom Branden- burger Thor während des ganzen Nachmittags gefüllt sind. Auf dem Wege nach Charlottenburg giebt's zwar Haltestellen, aber ein Mitkommen giebt's von dort nur spärlich und nur m seltenen Fällen. Der elektrische Bahnverkehr hat auch auf der Sttecke nach Charlotten- bürg fürs Publikumbishernicht die gering fte Ver- besferung gebracht. Die Schöncberger Stadtverordneten-Versammlung beschloß gestern endültig der Anstellung von Schulärzten zum 1. Ottober d. I. zuzustimmen, und nahm die vom Magistrat vorgelegte und von einem Ausschuß bereits eingehend vorberatene„Ordnung' mil geringfügigen Abänderungen an. ES soll danach die Anstellung der Schulärzte, welche ausgeschrieben werden soll, gegen ein Jahreshonorar von 800 M. zunächst auf l�/e Jahre geschehen, und jedem Schularzte sollen zur Ueberwachung zwei Schulen überwiesen werden. Die Aerzte sollen besonders die Aufgabe haben, die neu einttetenden Kinder auf ihre Schulfähigkeit, körperliche und geistige Beschaffenheit und ihren allgemeinen Gesundheitszustand zu untersuchen, sowie den Gesundheits- zustand aller Kinder dauernd zu beobachten und die gesundheitlichen Verhältnisse sämtlicher Schulräume dauernd zu überwachen. Die ärztliche Behau d'lung erttantter Schullinder soll jedoch nicht Sache des Schularztes sein. Auf Anordnung der Schuldeputation oder auf Wunsch des RettorS hat er auch Gut- achten abzugeben u. a. bei Auswahl der Kinder für die Ferienkolonie bei Prüfung der Gesuche um Ausschließung von einzelnen Unterrichts- fächern und bei Feststellung von Krankheiten, welche die Ausschließung aus der Schule bedingen. In Bezug auf das Verhältnis der Aerzte zu denL ehrern und Schullettern heißt es in der Dienstordnung: „ES wird von den Aerzten erwartet, daß fi« stet» in gutem Ei n v erneh m en mit denLehrem handeln', und„Ein Recht zu Anweisungen an die Leiter der Schulen, an die Lehrer und Schuldiener, steht den Schulärzten nicht zu."— Des weiteren bewilligte die Stadtverordneten-Versammlung die Mittel zu dcröffentlichenJmpfungim Stadtkreise für das laufende Jahr im Betrage von 1050 M. und nahm endlich eine Vorlage des Magistrats an: nach welcher noch in diesem Jahre die Kaiser Friedrich- straße, welche die Bahn- und Manstemstraße am Wannsee- Bahnhof„Großgörschen straße" mit der Haupt« straße an der Ausmündung der Stubenranchstraße ver- bindet, asphaltirt werden soll. Hierbei sollen zugleich von der Westlichen Vorortbahn die Geleise zur späteren Durchführung von Sttatzenbahnen eingelegt worden, weshatb von den auf 62 000 M. veranschlagten Asphaltierungskosten 12000 M die Straßenbahn-Gesellschaft zahlt. Schöneberg. Eine Aufstellung über die Schülerzahl in den 10 Gemeindeschulen hat der Magistrat in der Angelegenheit der An stellung von Schulärzten veranlaßt und die Arbeit den Stadt verordneten zugehen lassen. Danach sind in diesen Schulen in 161 Klassen 7727 Kinder(3886 Knaben und 3841 Mädchen) vor- Händen, und zwar in der Mittelschule(15 Klassen mit 6 Jahres kursen) 632 Knaben.in den 9 Gemeindeschulen 7095 Kinder (3254 Knaben und 3841 Mädchen). Die größte Anzahl Schüler(1525) weist die 3. Gemeindeschule in der Khffhäüsersttaße, die geringste(249) die 8. Gemeindeschule in der Kranachstraße auf, bei welcher allerdings die beiden obersten Swfen fehlen. Recht lehrreich ist ferrjZr die Anzahl der Schüler in den einzelnen Klassen. Während in der 2. Abteilung der 5. Knabenklasse in der 8. Gemeindeschule nur 9 Schüler zu unterrichten sind, zählt die 4. Oberklasse der 3. meindeschule deren 71. Der durchschnittliche Klassenbesuch stellt sich auf 48 Schüler. Wesentlich anders gestaltet sich die veranschlagte Schülerzahl des Schöneberger Reform-Gymnasiums. Es sind festgelegt: für die 3. Vorschulklasie 30, für die 2. 40, die erste (1. und 2.) 70, Sexta(1 und 2) 100, Quinta<1 und 2) 100, Quarta (1 und 2) 100, Untertertia(Gymnasium und Realschule) 80, und Obertertia lGymnasium und Realschule) 65 Schüler. Welchen Umfang die Maul- und Klauenseuche im Regierungs bezirk Potsdam zur Zeit angenommen hat, zeigt die Thatsache, daß neuerdings wieder in den Kreisen Angermünde, Obcrbarnim, Ost Havelland, Jüterbog-Luckenwalde, Prenzlau, Teltow, Templin und gauch-Belzig an nicht weniger als 36 verschiedenen Stelle» die Er ankung des Viehes amtlich festgestellt worden ist. Am meisten sind dabei die Kreise Zauch-Belzig, Teltow und Prenzlau in Mitleiden schaft gezogen. Milzbrandfälle sind hingegen nur vier ermittelt worden. Aus Rixdorf. Die Frau des Schlossers Grauer aus der Erkstraße, welche vor einigen Tagen zunächst ihr Kind und dann sich selbst vergiftet hatte,' aber noch lebend nach dem Britzer Kreis- Krankenhaus gebracht wurde, ist jetzt dort an den Folgen der Ver- giftung verstorben.— Von dem Gröplerschen Neubau in der Berg- straße stürzte am Sonnabendnachmittag ein Maurer so unglücklich von der Leiter, daß er schwer verletzt' nach einem Krankenhause ge bracht werden mutzte.— Auf dem Tempelhofer Felde wurde eine gewaltsam erbrochene schwere, eiserne Geldkassette aufgefunden und der hiesigen Polizei übergeben. Nach angestellten Ermittelungen ist die Kassette einem Kaufmann in der Köpenickersttaße in Berlin bei einem Einbruch entwendet worden. Schnell abwärts gegangen ist eS mit einem Militäranwärter, gemäß. Das Gericht führte auS, daß das Prüfungszeugms den Hebammen unter der Voraussetzung erteilt werde, daß die Kandida- tinnen nicht nur in berufstechnischer, sondern auch in moralischer Hinsicht einwandsftci seien. Der Fortfall auch nur der letzteren Be- dingung rechtfertige schon die Entziehung des Zcugniffes.— Frau B. legte Berufung ein und ihr Anwalt machte vor dem Ober- Verwaltungsgericht geltend, sie wäre daS Opfer einer Täuschung geworden. Der dritte Senat verwarf jedoch die Berufung als unbegründet und schloß sich den Erwägungen deS Bezirks- ausschusses an._ gegangen der als Sergeant vom Königin Elifabcthregiment abgegangen war und im vorigen Jahre Stellung als Gendarm in Neu e i ß e n s e e geftmden hatte. Der junge Mann, Namens Hefr mut Schenkowitz, beging Schwindeleien der verschiedensten Art, wurde euilaffen und hat dann in Berlin und den Vororten lediglich von Betrügereien, Fälschungen und Schwindelmanövern sein Leben gefristet, bis er jetzt in Spandau verhaftet worden ist. Beim Segeln auf der Havel ist an der Sakrower Bucht am Sonntagnachmittag der am königlichen Litterarischen Bureau an- gestellt gewesene Redactcur Hamann ertrunken. Das von drei Personen besetzte Segelboot kenterte; während zwei der Insassen gerettet werden konnten, ging Hamann sofort unter. Die Leiche trieb noch am Abend ans Land und wurde im Gasthof zum Dr. Faust geborgen. Selbstmord einer Russin. Auf der Wannsee-Bahn hat ich am Sonntag eine junge Russin, Frl. Wladimiroff, bei Steglitz wn einem Eisenbahnzug überfahren lassen. Die siebzehn- ährige junge Dame, die bei Verwandten in Groß-Lichterfelde zum Besuch weilte, hatte sich mittags unauffällig entfernt. In der Nähe der Ueberfühnmg der Wannsee-Bahn in der Chausseestraße zu Steglitz erklomm sie gegen 2 Uhr nachmittags den hohen Bahn- danim und warf sich auf die Schienen vor einen eben heran- brausenden Waimseebahnzng. Der Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren. Sanitätsrat Dr. Albert-Steglitz legte ihr einen Not- verband(an, worauf die Steglitzer fteiwillige Feuerwehr die Ver- lümmelte in daS Elisabeth-KrankenhauS zu Berlin brachte. Die Dampfer-Anlegestelle am Grunewaldturm soll in den nächsten Tagen dem Berkehr übergeben werden. Gevichks Teilung. Der Hofschliirhler:: cister Wilhelm Eisen t rä g er(sollte in rechtswidriger Weise über einen ihm anverttauten Wechsel in Höhe von 5000 Mark verfügt und sich dadurch der Unterschlagung schuldig gemacht haben, weshalb gestern gegen ihn vor der I. Strafkammer am Landgericht l Termin anstand. Mit aller Entschiedenheit bestritt er jede unreelle Handlungsweise. Er sei Eigentümer von vier Häusern, bei denen bisweilen Hypothekenregelungen vor- lämen. Der Kaufmann Giers habe hierzu seine Vermittelung angeboten und der Angeklagte habe sie auch denutzt. Dadurch sei er mit Giers in Geschäftsverbindung gekommen. Im vorigen Früh- .ahre habe Giers ihn gebeten, ihm bei der Diskontierung von Wechseln behilflich zu sein. Der Angeklagte habe auch drei Wechsel u insgesammt 8000 M. diskontiert. Als Entgelt für diese Gefällig- eit habe GierS ihm einen Wechsel in Höhe von 5000 M., von einem Rentier Pohl aus Bernau ausgestellt, mit dem Be- merken übergeben. daß er diesen während der Dauer von drei Monaten für sich verwerten könne. Dies habe der Angeklagte auch gethan. Der Zeuge Giers gab die Richtigkeit der Angaben des Angeklagten bis aus den fraglichen Wechsel zu. Bei Uebergabe diese? Wechsels habe der Zeuge dein Angeklagten gesagt, daß er vom Rentner Pohl für 25 000 Mark Wechsel Händen habe. Wenn der Angeklagte einen dieser auf je 5000 Mark lautenden Wechsel diskontieren könne, könne er einen anderen in gleicher Höhe ohne Zinsen für sich verwerten. Als der Zeuge die Frage des Vorsitzenden, ob nicht die Möglichkeit vorliegen könnte, daß der Angeklagte sich in Betteff deS raglichen Wechsels in einer irrtümlichen Auffassung befunden habe, im bejahenden Sinne beantworten mußte, erklärte der Staatsanwalt, daß er auf jede weitere Beweisaufnahme verzichte, da er die An- klage nicht auftecht halten wolle. Der ganze vom Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Werthauer angetretene Entlastungsbeweis wurde dadurch erübrigt. Der Gerichtshof fällte ein freisprechendes Urteil. Die Hebamme Borchling hatte das Kind eine» jungen Mädchens, welches in ihrer Privatanstalt entbunden hatte, auf den Namen eines Arbeiters, des zukünftigen Pflegevaters des Kindes, beim Standesamt angemeldet. Sie wurde deshalb später wegen Urkundenfälschung zu einer Gefängnisstrafe von mehreren Monaten verurteilt. Jener Arbeiter, dessen Frau das Kind gegen eine Abfindung von 600 Mark zu sich genommen hatte, erhiell gleichfalls eine Freiheitsstrafe. Für Frau i). hatte, die Angelegenheit noch ein weiteres Rachspiel. Die Polizeiverwaltung von Hannover klagte gegen fie auf Entziehung des PrüfungSscheme» und d« Bezirksausschuß erkannte auch dem- VevsÄmmlunsen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. In einer zahlreich be- suchten Gesamt-Vertranensinänner-Versammlung. welche am 21. d. M. bei Cohn. Beuthstr. 20—21, tagte, sprach Kollege Glocke über die gegenwärtigen Streiks in unserem Berufe, die Aussperrung der dänischen Ärbeiterjlund der Berliner Maurer. Redner schilderte in kurzen Zügen, wie die Kollegen allcrwätts die gute Geschäfts- konjunkwr auszunutzen suchen; so seien nun, nach dem Abstimmungs- modus, wie er auf dem letzten Holzarbciter-Verbandstage geschaffen wurde, bereits in 54 Städten die Streiks der Holzarbeiter, wo einigermaßen Aussicht vorhanden war, dieselben zu gewinnen, in diesem Jahre genehmigt und bereits zur Durchführung gelaugt. Redner geht sodann des näheren auf einzelne größere Streiks ein, wie z. B. Erfurt, Burg, Stuttgart usw., und weist darauf hin, daß bis jetzt von feiten der Berlmer Kollegen zur Unter- stützung der auswärtigen Streiks wenig geihan worden sei. Obwohl ja die Zahlstelle Berlin mich größere Differenzen zu unterstützen hatte, es kamen in diesem Quartal nahezu 30 000 M. zur Auszahlung, wovon 9200 M. auf die Hauptkaffe in Stuttgart entfallen und 20 198 M. auf die Berliner Lokalkasse, hätten sich die Kollegen mehr an der Sammlung zum Streikfouds beteiligen sollen, damit dem Hauptvorsiand eine größere Summe zur Unter- slützung der auswärtigen Streiks hätte überwiesen werden können. In früheren Jahren hätten die Berliner einen geiviffen Stolz be- sessen für die Unterstützung der Auswärtigen; dies scheine jetzt aber ivohl nicht mehr der Fall zu sein. In kurzen Worten erläutert Redner sodann die Aussperrung der dänischen Arbeiter und der Berliner Maurer. Aus allen diesen Gründen richtet Redner einen kräftigen Appell an die Vertrauensleute, daß sie dafür Sorge tragen, ihre Kollegen an ihr Solidaritätsgefühl zu erinnern und daran zu ermahnen, daß sie rege zum Streikfonds sammeln und zur Unterstützung der sich im Ausstand befindenden Gewerkschaften beitragen. In der Diskussion wurde der 3. Punkt der Tagesordnung: Fest- setzung der Streikbeträge, mit einbezogen. Allgemein wurde in der sehr lebhaften Diskussion darüber 5llagc geführt, daß die Kollegen so wenig SolidaritätSgefühl besitzen und den gefaßten Beschlüssen in betreff deS 50 Pf.- Extrabeitrages zum Stteilsonds nicht nachkommen, und immer erst ivieder daran erinnert iverden müssen. Dieser Beschluß ging dahin, daß diejenigen, welche durch die Feier des 1. Mai ausgesperrt Ivurdcn. 3 Marten a 50 Pf., und die nicht Ausgesperrten 4 Marken a 50 Pf. geklebt haben müssen. Um nun für die Zukunft nicht wieder in eine derartige Lage zu geraten und stets Gelder zur Verfügung zu haben, beschloß die Versammlung gegen wenige Stimmen: Den 10 Pfennig-Beitrag zum Streikfonds vom 1. Juli 1899 obligatorisch einzuführen. Em weiterer Antrag: Wonach diejenigen, ivelche die 10 Pf. nicht regelmäßig zahlen, keinen Anspruch auf die Wohlthaten der Lokalkasse haben, wurde ebenfalls mit großer Majorität angenommen.— Ein Geschäftsordnungsantrag, über diese Anträge in einer Generalversammlung abstimmen zu lassen, wurde noch vor der Abstimmung zurück- gezogen, weil die Vertrauensmäuner-Versammlung für derartige eschlüsse kompetent ist. Desgleichen wurde die Herausgabe von cimmellisten abgelehnt. Eine bestimmte Summe den dänischen Arbeiten: zu überweisen, wurde dem Hauptvorstand überlassen, Empfohlen ivnrde, in der Werkstatt Sammlungen zu veranstalten und die gesammelten Gelder im Gewerkschaftsbureau oder auf dem Arbeitsnachweis abzuliefern, worüber dann quittiert würde.— Der Bericht über Werkstatt- Differenzen fiel der vorgerückten Zeit wegen aus. Arbeiter-Säugerbund Berlins und der Umgegend. Vorsitzender: AI i Ncumann, Brunuensir. 150. Alle Aeuderungen im Vereinskalender sind a richten an Friedr. Kortnin, Lansitzerstr. 33. Dienstag, abends 9— 11; UebnngSstunde und Aufnahme neuer Mitglieder.—„Senefelder I". Schiller, Rosenthalerstr. 57.—„Gerechtigkeit"(Westen), Werner, Blilowstr. 59.— „Ollinipia", Zimmermann, Grüner Weg 29.—„Hand in Hand I", Drathschmidt, Skalitzerstr. 102.—„Kreutberg", Eckhardt, Mariendorferstr. 5.—„Edelweiß", Stehmaun, Melcknorstr. ib.—„Echo I", Mündner, Linienstr. 19.—„Wiederhall", Schnieder, Admiralstr. 21.—„Freiheit II", Schmauser, Adleröhof, Bio- marckstr. 16.—„Myrtheublätter", Spät, Georgenkirchstr. 65.—„Unverzagt II", Moabiter Klubhaus, Veusselstr. 9,—„Freies Lied", Friedrichsberg, Schuh- mann, Frankfurter Allee 181.—„Rothe Nelke I', Obst, Schöueberg, Grüne- woldstr. 110.—„Rothe Nelke II", Rosin, Ruppinerstr. 42.—„Vorwärts IV", Schulze, Rathenow. Jägerstr. 25.—„Alpenglocke", Gold, Große Frank- sntterstr. 133.—„Eichenkranz I", Jean Poillon, Prenzlau, Schnellestr. 67. —„Weddinger Harmonie", Milbrodt, Müllerstr. 7.—„Vorwärts VIII", Schurbaum, Marwitz in der Mark.——„Frohsinn", Brewes, Rummels- bürg, Goethe- und Kantstraben- Ecke.—„Akazie"(gemischter Chor), lz, Nannynstr. 6.—„Sangeslust II", Kalähne, Triftstraße 41. „Weihe Rose", Malchin, Reinickendorf, Residenzstrabe 101a.— „Arbeiter-Maibund",Hieinke, Nowawes, Wallstraße.—„Glasarbeiter", Zeidler, Köpenick, Müggclheimerstr. 29.—„Esmeralda", Baatz, Cotheniusstr. 3.— „Kreuzberger Harmonie", Möhring, Admiralstr. 18 c.—„Nord-Ost", Göbel, Landsberger Allee 156.—„Alpenglühen", Krause, Wienerstr. 37.—„Freie " eldblume", Batterroth, Skalitzerstr. 51/52.—„Freiheitsklänge", Sommer, irünstr. 20.—„Einig, Scheere, Blumenstr. 38.—„Morgenroth"(gem. Chor), Rummelsburg, Thiele, Türrschmidt- und Mozartstraßen- Ecke.—„Eäcilia"(gem. Chor), Brandenburg a,/H., Vettermann. Wilhelms- dorferstr. III.—„Ruf", Kieburg, Dresdenerstr. 58.—„Schneeglöckchen II", Potsdam, Hahn, Spandauerftr. 33.—„Textilia", Restaurant Waldemarstraße 27.—„Froh-Hofsnung", Faller, Pallasstr. 16.—„Lora H", Cbar- lottenburg, Bartsch, Seejeiiheimerstr. 11.—„Einigkeit H", Nielecke, Müllerstraße 66.—„Verband Deutscher GastwirtbSgehilfen", Mörschel, Jüdenstr. 35. —„Vereinigte Sänger", Deutsch-Wilmersdorf, Witte, Berlincrstr. 40.— „SangeSlust", Bergemann, Paiewalkerstr. 3. Arbriter-Rnucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Bereinskalender find zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlower- straße 1, IV. Dienstag: Rauchkl.„Eldorado", Grüner Weg 120, Ebeling.—„Grüne Eiche", Urbanstr. 87, Gricger.—„Ambalcma", Förster- straße 19, Uckel.— Neuer Berliner Rauchklub", Reichenbergersrr. 146, Drogge.—„Phönix", Schöueberg, Hauptstraße 97, Donath.— „Domingo", Waldeinarstr. 16, Tauchert.—„Rote Rose", Boeckhstr. LI, KrebS.—„Kollegia", Reichcnbergcrstr. 157, Bergner—„Einigkeit I", Rixdorf, Münckienerfir. 49.—„Rauchan", Simeonstr. 13, Nitsche.— „Kamerun", Weidenweg 22, Fialkowsky.—„Palmrrio", Lamprecht, Kastanien- Allee 9b.—„Korea" Weidenweg 90, Junge.—„Waldmeister", Marienburger- straße 16, Götz.—„Neuer Hain", Langenbeckstr. 4, Techtmeier.—„Bmder- buud", Grünauerstr. 5, Gallöwsky.—„Blütcnduft", Cotheniusstr. 1, Fedtke. —„Ruhiga", Britzerstraße 46, Herzog.-„Lange Pfeife", Friedrichsderg, RnmmelSbnraerstr. 23, Ncitzcl.—„Pfeifenkopf", Caprivistr. 4, Wolf.— „Stambyl" Nen-Weißeiisee, Streustr. 3, Stegemann.—„Gemütlichkeit I", Wienerstr. 7, GliUer.—„Diana", Schätz, Bremerstr. 71.—„Immergrün", Manegold, Liegnitzerstr. 18.—„Kairo", Buttmannstr. 9, Engler.—„Blaue Wolke IV", Putbuserstr. 30, Rennann.—„Blaue Wolke II", Rigaerstr. 120, Vogt.—„Morgenrot", Landsberger Allee 44, Rolland.—„Gemütlich- keit II", Wrangelstr. 86, Ludwig.—„Nordpol", Hennigsdo--°erstl Flicke.—„Veilchenblau", Winsftr. 56, Dimke. Gesang-, Durn- und gesellige Bereine. Dienstag: Gesangverein „Fester Wille", Alexandrinenstr. 32, Dietrich.- Arbeiter-Zithero.„Einiakeit", Naunynstraße 86.- Musikverein„Osiris". Wrangclstraße 11, Blum.- Flugtaubeiwerein„Vorwärts-Nord", Ackerstr. 17, Reuter.— Vergnügungdv. „Fortuna", Blumenstr. 36, Weiß.- Mustkv.„Norddeutsche Klänge", Swine- münderstraße 51, Renter.- Musik».„Tusch", Nebelin, Langestr. 108.- Musik». „Einigkeit", Grünthalerstr. 3, Hemmerling.— Quartettv.„Wedding". Chatifsee- straße 72 Meißner.— Thcaterv.„Eoncordia", Elisabcthftr. 30, Scholz,— „Wünsch'scher gem. Chor", Rosenthalerstr. 57, Schiller.- Geselliger Klub„Don Juan", Lindenstr. 106, Zubeil.- VergiMgungso.„Feldblume", Maiiteuffdil-x.9, Nowack.— Gelang».„Schildhorn", Usedomstr. 33, Olböter.— Tum» Osten" Lehrl.-Abt. abds. 3� Uhr, Blumenstr. 63a.- Theater».„Aschenbrödel- II Ackerstr. 144, Vorst. Kasino.- Musik».„Thalia", Skalitzerstr. 95, Jechow.— Musik». �Prezwsa", Schädler, Putbuserstr. 32.— Skatllub„Schlechte Karte ff attner, O bcrbauni stt. 5.- Gesangv.„Endlich Vereint"(gem. Chor), Schweviz. Elsasserstr. 16.— Gesangv.„Maiglöckchen Nord", Kranz. Dunkerstr 8— «rbeiter-Theaterverein„Charlottenburger Bühilmklub" Bayer, Charlotttm- lumor", Mann StrauSber?i:r- (irage 5.— ZitherNub«Frohsinn", Ziumiennann, Grüner Weg 29.— „Arbeiter-Turnv. Weisiensee", Uebungsstunde abends 8— 10 Uhr Albrechts« Hof, Parkstrabe.— Orchesterverein„Sinfonie", Rautenberg, Oranienstr. 180. — Gesangverein„Hoffnung", Sander, Köpenickerstr. 1S8. Arbeitcr-Tchwiiiinicrbuiid. Anfragen an E. Bratke, Schulstr. 24. Dienstag: Schwimmklub„Vorwärts". Uebungsstunde abends 7»/, Uhr, Ratiborstr. 14b(Altes Studcntenbad).— Schwiuimklub„Neptun"(Weisten- see, abends?>/, Uhr, im Seebad Weißensee. ZlrbeitcrDurlierbuud. Tienslag: Tumv.„Fichte", Berlin, abds. 8—10 Uhr: 2. Männcrabt.: Skaliherstr. 55/56; 4. Männekabt.: Stephanstraste 3; 5. Männerabt.: Ackerst r. 67; 6. Männerabt.: Stallschreiberstrabe 54; 1. Lehrlingsabt.: Friedenstr. 37; 3. Lebrlingsabt.: Boeckh- strabe 17/20; 6. Lehrlingsabt.: Reickienbergerstr. 67/70; 1. Damen- adteilung: Mariannenuser In.— Turnv.„Eiche", Köpenick, Männer- u. Jugend- abteiluug: Klein's Hotel(Wilhelnisplatz), abds. 7r/z—vr/z Uhr: Uebungsst. —«Freie Turnerschaft Rudorf- Britz", Wirsing, Kncsebeckstr. 113, 6l/2 bis SVj Uhr: 1. Schülerabtcilung, SVj— lOVi Uhr: 1. Männer- und Lehrlingsabteilung.—„Tnrnerlchaft d. V. Nereus"(gegründet 1882), Männerabt., Neichenbergersir. 131/132, abds. 8—10 Uhr., Damenabt. Manteufjelstr. 7, abds. 8—10 Uhr.— Tuniv.„Froh und Frei", Grob- Lichterselde, Pagel, Chausseestr. 104, abends 8Vj bis lO'/a Uhr. Lese- und Diskuticrklubs. Dienstag:„Süden", Ewald, Schönlew- strabe 6. Zlrbeiter-Tteiiographenvereiue.„Stolze"(Einigungssystem), Louisen- städtisches Klubhaus, Annenstr. 16, abends 81/, Uhr. Vermifitzkes, Die Arbciter-Radfahrer und der Reimsport. Eine Konferenz der im Arbeiier-Naj>fahrerbund„Solidarität" vereinigten Thüringer Arbeiter-Nadfahrer-Vexeine fand am Sonntag in Jena statt. An derselben nahmen trotz schlechten Wetters aus Erfurt, Gera, Langenberg, Kahla, Pösneck, Weiszeufels, Leipzig und Jena etlva 100 Fahrer teil. Den interessantesten Punkt der Konferenzverhandlnngen bildete ein Referat des Buchdruckers Wolf über das Nennfahren, wie es vom Deutschen Nadfahrcr-Bund gepflegt wird und vom Arbeiter- Radfahrer« Bund«Solidari- läl" bekämpft werden soll. Die von dem Ncfereuten gestellte Resolution fand nach einer lebhasten Debafte einstimmige Annahme. Dieselbe lautet:«Die heutige Konferenz der Thüringer Arbeiler-Radfahrcr verwirft aus Vernunft-, hygienischen und socialen Gründen den Rcnnsport und erwartet, daß die dem Arbeiter-Rad- sahrer-Buud„Solidarität" angehörenden Vereine— solange nicht die grundsätzliche Frage innerhalb des Bundes entschieden ist— jede rennsportliche Einrichtung venneiden und der nächste Bundestag in diesem Sinne einen unzweideutigen Beschlutz faßt." Den weiteren Verlauf der Zusammenkunst bildete ein Korso durch die Stratzen Jenas, Konzert, Reigen- und Kunstfahren im Saale des Konferenz- lokales. Rcichstagsabgeordneter R eitzhaus hielt eine zündende Festrede, in welcher er der Aufgaben der Arbeiter- Radfahrervcreiue für die Arbeiterbewegung gedachte. Die nächstjährige Konferenz findet in Saalfeld statt. Datz die Arbeitcr-Radfahrer sich gegen die Ausübung des Renn- sports erklären, ist verständig, da dies Metier seiner ganzen Eni- Wicklung nach den Berufsfahrern überlassen bleiben mutz.' Das grotze Publikum allerdings, zu welchem wir auch weite Arbeiterfchichten zählen möchten, wird sich auch durch Erklärungen, wie die in Jena gefatzten, kaum von dem nun einmal vorhandenen Interesse für den Rennsport abbringen lassen. Volksdorstellungen in Gießen. Die Gietzener Stadt- verordneten- Versammlung hat die Zuwendung für das dortige Theater— Direktion Kruse und Helm— auf 3600 M. erhöht. Bedingung ist, datz die Direktoren in jeder Spielzeit mindestens 12 Volksvorstellungen aufführen zu dem ermähigten Preise von 40 Pf. für alle im Parterre belegenen Plätze und zu 20 Pf. für einen Galerieplatz. Uebcr die Auswahl der aufzu- führenden Stücke bestimmt eine städtische Komniission mit. Karten für das grotze Publikum dürfen zu den Volksvorstellungen erst dann verkauft werden, wenn die Nachfrage der Arbeitervereine, Krankenkassen zc. vollständig gedeckt ist. Alle diese Be- dinguugen sind vor Monaten in unserem Gietzener Partei- b l a t t in Vorschlag gebracht worden. Recht bezeichnend war ein Wunsch des Siadtverordneten Professor Dr. Fuhx, der im Gerüche eines sehr steisinnigcn Mannes steht. Er wollte nämlich von den Volksvorstellungen„realistische" Stücke ausgeschlossen wisien. Stücke wie„Fuhrmann Henschel",„Die Ehre" usw. halte er direkt schädlich für das Volk. Der Oberbürgenneister Gnauth wies die wunderlichen Anschauungen des Gietzener Chirurgen in feiner Weise zurück. Und das Gietzener„Volk" wird, wie seither schon, auch in Zukunft Hauptmann, Ibsen, Sudermann usw. ohne Beschwerden genießen können. Werftbrnnd. In der Nacht zum Sonntag 2 Uhr brach auf der Werst der Schiffsbau- Aktiengesellschaft„Oderwerke" in Grabow a. Oder ein Schadenfeuer aus, welches nach zweistündiger ange- sirengter Thätigkeit der Grabower-, Bredower- und der eigenen Werft-Feuerwehr gelöscht wurde. Es wurde ein größerer Schuppen mit Materialien eingeäschert. Die Höhe des Schadens, welcher durch Versicherung gedeckt ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Menschen sind bei dem Brande nicht umgekommen. AuS dem dunkelsten Oberschlesien. In Antonienhütte wollte, wie die„Kattow. Ztg." schreibt, eine im Wochenbett liegende Frau bemerkt haben, datz sich der Mund des über dem Bette ihres Mannes hängenden Christusbildes bewege. Die Mär verbreitete sich mit Blitzesschnelle im Dorfe und in der Umgegend. Scharenweise kamen die Leute herbei, die ganz Neugierigen bestiegen sogar das Bett des Mannes, das, als die Last zu schwer wurde, mit einem fürchterlichen Krach aus sämtlichen Fugen ging. Alle wollten die angedeuteten Erscheinungen wahrgenomnien haben, besonders oft sollte der Christus mit dem Kopfe geschüttelt haben. Endlich schritt die Polizei ein und machte dem Unfug durch Beschlagnahme des Bildes ein Ende. Es wird Zeit, datz die Socialdemokratie auch in jener Gegend mehr Boden gewinne. Ein internationaler Kinderschutz- Kongreß soll im Monat September in Budapest abgehalten werden. Ans dem nördlichen EiSmeer. Der Hafen von Mesen ist durch Eismaffen versperrt. Viele ausländische Dampfer bemühen sich seit mehreren Wochen vergebens in den Hafen einzufahren. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Tprechsrnvbe wird Dienstags. Donnerstags und FreitagS abend« von 7'/- bis 8'/- Uljr abgehalten. Wettende 1900. So wie die Zahl 99 nicht hundert ist, so endet das IS. Jahrhundert erst am 31. Dezember 1900. S Andreher. Der gesamte Wortlaut der Reichstagsreden ist nicht im„Vorwärts" wiedergegeben. Dazu würde zwei-, drei- und mehrsacher Raum nötig sein. Marktpreise von Berlin am 24, �sitni 1999 nach Ermittelungen des kgl. Polizetpräsidiums. ")Weizen D.-Ctt. »)Raggeil »)Futter-Gerste„ Haser gut « mittel„ „ gering Rtchtstroh Heu tz)Erbsen s-Mpeisebohnen. t)Ci»feit Kartoffelu, neue« Rindfleisch, Keule 1 ig do. •) Ermittelt pro Tonne von der Centralstelle der Preuß. Landwirt- schnstskammer— Notierungsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidtum für den Doppel-Centner. t) Kleinhandelspreis«. Produkten markt vom 26. Juni. Trotz der flaueren Meldungen auS New Aork und Ehikago verkehrte der hiesige Markt in fester Tendenz. Weizen war im Preise gut behauptet, Roggen zog aus Mewungskäuse, welche durch ungünsiige Meldungen über den Stand der Kartoffelsaaten m Schlesien veranlaßt wurden, 0,50 M. an. Haser und Rüböl blieben bei stillem Geschäst nominell unverändert. Spiritus lag seft aus gute Nach- frage: Preise für Termin- und Locoware 0,30 M. anziehend. 70er Spiritus 18 000 Liter mit 41,50 M. gehandelt. Kartofselfadrikate. Berlin, 26. Juni. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto tncl. Sack— M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto tncl. Sack und Mehl 19,75 M., Supra trockene Kartoffel- stärke M.. Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto 19,73 M. Eter-Bericht vom 26. Juni. Normale Eier je nach Qualität von 2,25—2,75 M. per Schock. Aussortierte Keine Ware je nach Qualität von 2,25—2,30 M. per Schock. Kalleier je nach Qualität von— M. per Schock. Tendenz: fester. 'Witterungsnbersicht vom 2«. Juni 1899, morgeuS 8 Uh». Stationen Swiuemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien s- s« i 7S2WSW 7S4WSW 765 WSW 768INW 770W 766jWNW Witter 4wolkig 4�wolkig 4!bcdeckt 3lbedeckt 5 wolkig 2>bedeckt C tili gte tri% Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris SE O S i-o 552 8- 765 759 770 768 770 S O SW NW WSW Wetter 2rvolkenl l wölken! Lhlb.bed ö wolkig Ihlb.bed. öS C» 2-". S(3 Wi 15 18 17 17 15 Wetter-Prognose für Dienstag, de» 27. Jnni 1899. Ziemlich kühl, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit leichten Regenfällen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. ZocialdemokraMer Mahlverein für den 2. Derliner Reichstags- Zvahlkreis. Am Dienstag, den 27. Juni, abends 8V2 Uhr: Ausserordentliche General-Versamoilung bei Habel, Bergmannstraße 3—7. Tages-Ordnung: 1. Statuten- Aenderung. Referent Genosse Ä!«!,«». 2. DtSkusston. Die Mitglieder werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, zahlreich zu erschewen._ 238/13 Mitgliedsbuch legitimiert."Mg Der Vorstand. SotiaidtmokrMcher Mahlverem für den 3. Derliner Reichstags-Wahlkreis. Donnerstag, den 29. Juni, abend« 81/- Uhr, Irr» I-okal Berliner Bessoarce, Kommandantenstr. 57: gSW Pet'rommkuna.'VS TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Reichstags-Abgeordneten Wolfgang Heine. 2. DtSkusston. 3. Vereinsangelegenheiten.— Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 240/11 Der Vorstand. Maler."WW uui. abend« S1/- Uhr, im grasten Saale des euerstein. Alte'Jakobstrafte 75: TienStag. den«7. Herrn Oeffentliclie Versammlung. TageS-Ordnnng: 1. Die Aussperrung der Maurer und welche Folgen entstehen hieraus für unser Gewerbe? 2. Die Aussperrung der dänischen Arbeiter, ins- besondere der dänischen Maler. 126/6» In anbetracht der durchaus wichtige» Verhandlangen muß jeder Kollege in dieser Versammlung erscheinen. Der Vertranensnmnn. Mm] her Zliumrer. Mm- Am Mittmch, den Z8. zam, llbeahs 8 Uhr, in den Arnlinhallen, Konivlaniiantenft. Li): Grosse Versammlung� der Mitglieder sämtlicher ZahIsteNe» vosr Kerlin und Umgegend. Tages-Ordnung: Welche Forderungen gedenken die Zimmerer Berlins und»er Umgegend zu stellen, nm bessere und stabilere Lohn- und Arbeitsbedingungen herbeizuführen? 054/20 .* m Kameraden I Erscheint Mann für Mann in dieser Versammlung; auch die Kamerade», welche nicht Mitglied des Verbandes sind, werden hierzu eingeladen._ Der Vorstand. AAmig! MllltM. Achtung! Bm Dienstag, den 27. Juni, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Lange, Dragonerstr. IS: Uersanimlnng der Vlatzdkpntietteil. Tages-Ordnung: 1. Das Endresultat der Maurerauösperruug. 2. Verschledenes. In dieser Versammlung muß von jeder Arbeitsstelle ein Vertreter anwesend sein. 268/lg _ Die Vertranensleate. Goldene Damen- Uhr mit Kette und Korallcnhand(Nr. 4555) verloren gegen Belohuung abzugeben. 8S6b Hopsch, Ztonskirchstr. 34, II. Achtung! Putzerl Heute, Dienstag, den 27. Juni, abends SVs Uhr, im Lokal des Herrn Keller, Koppenstraße 29: OvttsnU. Versammlung der Pwljcu Devlins u. Amgrgrnd. Tages-Ordnung: Bericht über die Verhandlungen der Aussperrung der Berliner Maurer vor dem Einigungsamt deS Gewerbegerickcks. 133/14 ______ Dke liPhnkonimisslon._ Verein deutscher Schahmacher. Mittwoch, den 28. Juni, abends 8'/- Uhr: Mitglieder-Versasnsnlttitg des Ostens in» Lokal des Herrn Stcchert, Andreasstr. 21. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Fräulein Fanny Imle über:„Unternehmer- und Arbeiterorganisationen". 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. ZV Die Versammlung wird präcise eröffnet."MW Zahlreichen Besuch erwartet 169/7_ Die Ortsverwaltnny. Nixtdnvf. Mittwoch, den 28. Juni, abends 8'/s Uhr, im Apollo-Theater, Hermann- Straße Nr. 48—59: Große GwerlischastsMsammlllhg. Tages- Ordnung: 1. Di« Anlchuldtgungen des SteinsetzmetsierS Otto in der Stadt- verordneten-Versammliing vom 22. d. Mts. den Steinsetzern sowie der Partei gegenüber. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Herr Steinsetzmeister Otto ist hiermit zu dieser Versammlung ein- geladen. Ebenso werden die Steinsetzer des Herrn Pennicke, die die Arbeit für Herm Otto ausführen sollten, aufgefordert zu erscheinen. Der Vorsitzende der Steinsetzer, Genoffe Kuoll, ist anwesend. Arbeiter und Arbeiterinnen, erscheint pünktlich in dieser Versammlung Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. 203/9 Der Vertranensniann der Hewerkscliaften. Butter-Wg täglich frisch ankommend, offeriere nieiner werten Kundschaft in nachstellenden Filialen: Papierfabrikbeabsichtigt den |Ill[ von noch nicht bekannt gr wordenen MplüniP, deren Herstellung aus Papier resp. dessen Grundstoffen möglich und in größcrem Umfange verwendbar ist. Ausführl Angebote unter„0. 7764" an H-aeaa» stein& Vogler A. G., Hannover, er beten. Diskretton wird zugesichert Koppen-, Ecke Gr. Frankfutterftraße. Zoriidorferstraste 1. Krautstraste 48. Langcstraste 27. Oranienstrastc 129. Bnckowerstrastc 14. Memelerstraste 52. Rigaerstraste 1. Markusstraste 47. Andreas-Markthalle Std. 115-118. Reihe E 15-18, Frankfurter Allee 134. Achtung!'MU ERpr Achtung! Rabitz-Putzer u. Ptatten-Anssetzer. 4»i Hlttnoch, den 28. Jnnl, abends 8 Uhr, Im Lokal des Herrn Znbeil, Lindenstr. 106: ÄMordentliche MtWeder-Msmiiümg. Tages-Ordnung: 1. Die Beitragsfrage und Zahlung der Streilunterstützung. 2. Verschiedenes. 252/12 [ Mitgliedsbuch legitimiert._ Der Bevollmächtigte. TfSSknnDM 10 Jshro Garantie. Vollkommen«chmerzloie« Zahn- / n Ii II n t Hl Zlo>.b?>;Im"it die Ncdattioi, dein »nbliknin gegenüber kcinerlri Berantwortnng. Tlzrnfrv. Dienstag, den 27. Juni. Opernhaus. Cavaileria rusticana (Baucrn-Ehre).- Hansel und Bretel. Anfang 7»/. Uhr. Schauspielhaus. Aus Strafurlaub. Anfang 7V2 Uhr. vteues Oper»- Theater(Kroll). Die Fledermaus. Anfang 7�- Uhr. Deutsches. Der Misanthrop.— Der Abenteurer. Anfang l�U Uhr. vieiidenz. Der Schlafwage»- Eon- troleur. Vorher: Znm Einsiedler. Anfang 7l/z Uhr. vieues. Die Wahrsagerin. Hierauf: Abschledssouper. Anfang 7-/z Uhr. Wrsie». Der Barbier von Sevilla. Hierauf: Cavallsria rusticana. Anfang 7 Uhr. Gscutral. Waldmeister. Anfang Ahr. Schiller. Liebesträume. Ein Schäfer- ftiindchen. Die schnelle Verlobung. In Civil. Anfang 8 Uhr. «eile- Zllliauee. Dörchläuchting. Hieraus: Jochen Pasel. Ansaug 8 Uhr. Ariedrich. Wilhelmslädtisches. Der Nachtomnibus- Controleur. Ansang« Uhr. Kllexauderplah. Nana. Anfang 8 Uhr. Ostend. Liane, die zweite Frau. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr. Rpollo. FrauLuna. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. uieichsholle». Stettincr Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage> Panoptikum. Speciali- tätcn-VorstcNnng. lleania. Tnnbenstrahe s.«— Natnrknndliche Ausstellung. Tag- lich geässnet von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt b0 Pf. Abends 8 Uhr:„Das Land der Fjorde". Operutclephon. Jnvalidenstrasie S7/l»L. Täglich abends von b— 10 Uhr: Stern- warte. Ernft/Kl�Thettker Direktion: Joes Ferenczy. SSP Nur noch 3 Vorstellungen. Letztes Werk von Johann Straust. Waldmeister. Operette in drei Akten von G. Davis. Musil von Johann Strauß. Morgen und folgende Tage: Waldmeister. Apollo-Iliesw. !! StUrniinclier Erfolg!! Abends 9 Uhr: FfauLiiun mit dem L-aftballett Grigolatis. Ken! Ken! Das Deutsche Derby 18. Jnnl 1800. Original- Aufnahme von O. Mester. Ferner: 12 Lpeeiklilslen. Anf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverhauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. mt-M Weiß-Theater. Gr. Franksurterstrahe l-tK. Kleine Preise! I.Parkett 1.10 M. , Cyklus volkstümlicher Vorstellungen, lliane, die weite Trau. Charaktergemälde in S Akten »ach dem gleichnamigen Roman der Marlitt, bearbeitet von H. Merls. AM- Ansang 8 Uhr."MA Vorzugsbillets haben Äülttgleit. Elhiller-Theater (Wallner- Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: I.lebeistr&nnie. Komädie in 1 Akt von Max Dreher. Die«ebnelle Verlobung. Lustspiel in 1 Akt von Paul Ernst. Ein SchäTercitUndcheii. Spiel in 1 Akt von Georg Engel. In Civil. Schwank in 1 Akt von Äust. Kadelburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Letzte Schauspiel- Vorstellung. Uebeutrilnine. ElnSchilfer- «tUndchen.— Die schnelle Verlobung. In Civil. Donnerstag, abends 8 Uhr: Eröffnung der Opern-Saiso». Der WlldscbtU». Kom. Oper in 3 Akte» von Lortzing. Kastanien-Allee 7/9. Täglich:»orns Itesi. Volks- stüd mit Gesang u. Tanz von Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Kostüm- soubrette Frl. Vierrath. Gebr.»Illardo, (äirot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Ahoue u. Campton, Reckturner. Br. Plcardy, Hand- und Kops- Equilibrist. Ballettgefellschast Döring. Ar. Bertling, lebende Photographien. AM- Konzert und Ball. Eintritt wochentags und Sonntags 30 Pf., nuin. Platz 60 Pf. Kalbo. In Vorbereitung: Tie Zauberin am Stein. Drama. Heute im Garten: Konzert, Theater- und Specialitäten- - A--------- Vorstellung. 27 Nummern. Nur Kräfte ersten Ranges. Anfang br/z Uhr. Saisonkarten haben Gültigkeit. Mittwoch: Kinderfest. 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Scharnberg, Schillerst!. 941. >A. Tietz, Kaiier Friedrichstr. 3?b. Friedenau: H. Berusee, Kirchstt. 15. Friedrichsberg: Anton Kopp, Friedrich Karlstr. 4. Pankow: Kuminert, Kailer Friedrichstr. 15. KIxdorf: C. Ostermann, Erckstt. 6. <£. Retzera». Hermann str. 60. «chOnebcrg: Wilh.Bäuinler.ApostetPaulusstr 13 Welssensee: Heinrich Bachinann, Lehderstr. 1. Julius Schillert, Königchauffee 39». Rob. Liebschtvager, Gustav-Adolf- straße 16._ Verantwortlicher Redacteur: August Jaeobeh in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: TP, Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mai Bading in Berlin.