Sozialdemokrat Aentralorgan der Deutsche« sozialdemokratische» Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit«»«nähme f*** SennthDOttiiAtt 9UbdtMt! Äotl Ä t Redaktion und Verwaltung: PragXL, Fochova 62- Telephon 58077- Herausgeber: Siegfried Taub Aeranrwor« j* Einzelpreis 70(einschließl.ö Heller Porto) Aus dem Inhalt: Widerstände gegen die Luftschutzabgabe vom Mietzins Ergebnislose Verhandlungen bei Etrlch Das Dritte Reich fürchtet sich vor Frauen und Kindern Im Lager Francos 17. Jahrgang Donnerstag, 8. April 1937 Nr. 83 Republikanischer Sieg bei Villaharta sich Englische Kriegsschiffe in Aktion O (Eine Mietling von 300 deutschen Gefangenen, eine Flugzeugabwehrkompanie, vier Lastautos, zahlreiche Maschinengewehre und viel andere- Kriegsmaterial fielen in di« Hände der Regierungötruppen. Der Kommandant der Francoabteilung wurde erschossen, als er im Auto zu fliehen versuchte. Bei Pozo Blanea näherten sich RegierungS» abteilungen Dienstag atendS bis aus 6 Km. der Stadt. Sie überschritten den Galatraveno-Berg, der die ganz« Gegend um Billaharta beherrscht. O Die Franco-Abteilungen versuchten nördlich von Madrid im Schutze der nächtlichen Dunkelheit einen plötzlichen Angriff in der Nähe der KrankenhauSklinik.. Die RegierungSabieilungcn liehen den Feind bis an ihre Positionen herankommen, worauf sieeinheftigesFeuer eröffneten und die feindlichen Angriffe vereitelten.. An der Mittelmeerküfte Spaniens ereignrte sich gleichfalls«in Zwischenfall, als der englisch« Zerstörer„Gallant" von aufständischen Flugzeugen, die vom Flugstützpunkt in Mallnrra aufgesttegen waren, bombardiert wurde. Nach der Nichtmig auf Baleneia eröffnete die„Gallant" das Feuer auS ihren Luftab- wehrgeschützrn gegen die aufständt- s ch e n A r r o p l a» e und eö gelang ihr, sie zu vertreiben. Zu diesem Zwischenfall erklärte im Unterhaus der Erst« Lord der Admiralität Hoare: Wir Haien Meldungen erhalten, daß der „G a l a n't", der längS der Küste, zwischen Ba-! lenria und Mcant« fuhr, zweimal von Aufständischen,Flugzeugen angegriffen, jedoch nicht getroffen wurde. Man ist der Meinung, daß die Flugzeuge der Aufständischen ihn i r r t ü m- l ich fstr einen spanischen Torpedobootzerstörer feteSten. Gemäß den Weisungen, an welch«, sich die britische«'Schiffe halten, um sich vor derartige« Vorfällen zu schützen, wurden vom Schiff a«S die angreifendeN Flugzeuge unter Feuer genommen. Die Deutschen in Südwestafrika sind' durch die Erklärung der Regierung der Südafrikanischen Union stark in Unruhe geraten. Der„Bund der Deutschen" in Windhoek nimmt— wenigstens äußerlich— den Charakter eines Bildungsvereine s an. Die naturalisierten Deutschen in Siidwestafrika gründen eine neue Form der politischen Organisation, zu der kein Ausländer Zutritt haben wird. Der Gebietsadministrawr macht von den neuen Befugnissen noch keinen Gebrauch und nimmt vorläufig einen abwartenden Standpunkt ein. Die südafrikanische Einwanderungsbehörde bewilligt europäischen Staatsangehörigen durchwegs nur einen Aufenthalt bis Ende April. bei. Dann besichtigte der Präsident in Begleitung des Prinzen Paul das Militärmuseum. Vor dem Besuch auf der Gesandtschaft empfing der Präsident in halbstündiger Audienz den Ministerpräsidenten Stojädinoviä. An dem zweiten Teil dieser Besprechung nahm auch Minister Dr. Krofta teil. L-, Die Abreise deS Präsidenten erfolgt« um 18 Uhr vom Belgrader Bahnhof. Im KönigSpalast Militärfachmann wird Verkehrskommissar Moskau. Der ZentralvollzugSauSschuß ernannte Chalepski zum Kommissar.für Verkehrswesen. Chalepski wurde im Jahre 1898 geboren, nahm am Bürgerkrieg teil und wurde 1921 zum Chef des Trains der Roten Armee ernannt; feit 1924 war er Chef der militärischen technischen Verwaltung und seit 1929 Chef der Abteilung für die Motortsterungder Arme«. verabschiedete sich Königin Maria von dem Prä-| sidenten und seiner Gebahlin. Prinzregent Paul und seine Gemahlin begleiteten die Gäste auf den Bahnhof. Die Autos fuhren durch ein dichtes Spalier von Truppen und vielen Tausenden von Menschen, die den Präsidenten enthusiastisch bejubelten. Im BahnhosSwartesalon hatten sich die Mitglieder des RegentschaftsrateS und der Regierung, auf dem Bahnsteig die höchsten militärischen Würdenträger versmnmelt, um Abschied zu nehmen. Nach Abschreitung der Ehrenkompagnie verabschiedete sich Dr. Benes und seine Gemahlin sehr herzlich von dem Regenten, der Prinzession Olga und den jugosiawischen Würdenträgern. Dr. Benes blieb dann noch vom Fenster aus in lebhaftem Gespräch mit dem Prinzregenten, bis sich der Zug unter den Klängen der Nationalhymne in Bewegung setzte. Der Sonderzug des Präsidenten fährt diesmal über Agram und Marburg über österreichisches Gebiet nach Prag zurück. Gegenbesuch Im Mai oder September Wie das tschechoslowakische Pressebüro meldet, soll vor angekündigte Gegenbesuch des Prinzregente« Paul in Prag bereits im Mai, spätestens aber im September stattfinven. Deutscher Protest In Pretoria Pretoria. Der deutsche Gesandte hat im Auftrage der ReichSregierung gegen die Proklamation der Südafrikanischen Unionsregierung, durch welche Ausländern jede politische Tätigkeit im Mandatsgebiet SüdwestafrikaS verboten wurde, Protest eingelegt. Dir Proklamation wird von deutscher Seite als völlig unberechtigt und gegen daS Deutschtum im Mandatsgebiet gerichtet angesehen. Bayonne. Wie die baSkische Regierung mitteilt, hielt daS aufständische Kanonenboot! „D a t o" daS britische Frachtschiff„Thor- p eh all" an,.welches Lebensmittel an Bordi hatte. Der englische Kapitän lehnte die Aufforderung, einen aufständischen Hafen anzulaufen, ab und fetzte die Fahrt fort. Unweit von B i l b a o wurde daS Schiff jedoch von einer aufständischen Schaluppe auS Kanonen beschossen. Daraufhin steuerte der aufständische Kreuzer „A r m i r a n t e C e r v e r a" heran und gab der Schaluppe de» Befehl, dem britischen Dampfer die(kinsahrt in den Hasen von Bilbao zu verwehren. Die„Thorpehall" rief jedoch rodiotelegra- phisch die H i lfebritischer Kriegsschiffe an. Der Kommandant des Dampfers schlug dem Kommandanten des„Armirante Cer- vera" einen Besuch an. Bord vor, um ihn zu überzeugen, daß kein Kriegsmaterial geladen sei. Der' spanische Kommandant beharrte jedoch auf der Behauptung, daß da- Schiff Waffen an Bord habe, und v e r b o t die Einfahrt in den Hafen. Inzwischen trafen jedoch zwei englische Zerstörer jü«, die„klar zum Gefecht" machten. Daraufhin konnte die Thorpehall", ungehindert in dm Hafen einfahren nnd der spanische Kreuzer zog es vor/ zu verschwinden. Eroberer Rundfunk Das rasende Tempo, in dem wir allo leben und schaffen, der enorm geschwinde Ablauf von Entwicklungen, zu denen andere Epochen ein Vielfaches an Zeit bedurften, und schließlich die oftmals verblüffende Veränderlichkeit, der gerade in der allerjüngsten Bergmigenheit und in der an Ueberraschungen überreichen Gegenwart besonders die politischen Situationen zwischen Völkern und Staaten unterivorfen sind— alle diese Erscheinungen finden ihren gewandtesten, entsprechendsten, überzeugendsten und int buchstäblichen Wortsinn beredtesten Ausdruck in der vom menschlichen Genius aufgespürten, ausgenutzten und immer mehr ausgestalteten tönenden Welle, im Rundfunk als dem zeitgeborenen Ueberwinder von Zeit und Raum. Keine geistige Errungenschaft unserer Jahrzehnte gibt ihnen so stark das Gepräge wie die Bedeutung dieses technischen Wunders, das rasch nach seiner Offenbarung fast zur Alltäglichkeit geworden ist. Und so sehr sind die Kontinente, die Reiche, die Völker, die Klassen, Parteien, w die Einzelmenschen in den Bannkreis des Rundfunks getreten, dah man sagen kann, derjenige lebe auherhalb oder jenseits unserer Zeit, der sich abseits hält von diesem neuen Mund und Ohr der Welt. Wenn unsere Väter einen Mitmenschen als uninteressiert, uninformiert, als abseits vom kulturellen und politischen Geschehen stehend kennzeichnen wollten, dann pflegten sie zu sagen: Der liest ja nicht einmal eine Zeitung! Gewiß, dieses Wort gilt auch jetzt noch, ja gilt in mancher Hinsicht heute mehr denn je. Dennoch aber geht der Mensch von heute auf einem Bein, wenn er nicht auch Schritt zu halten sucht mit dem Tempo, das der R u n d f u n l diktiert.— Ein« Alltäglichkeit, ein fast unentbehrlicher GebrauchSgegenstand ist der Rundfunk innerhalb weniger Jahre geworden, eine Erscheinung, deren Wunderbarkeit uns allen beinahe nicht mehr zum Bewußtsein kommt. Und dennoch: das Zauberhafte, das Magnetische, das Hypnotisierende ist ihm keineswegs ganz abhanden gekommen. Gerade in der letzten Zeit haben wir es wieder stark miterlebt, wie mächtig der Rundfunk die Menschen anzieht, welche immense politische Wirkung ihm zulommt. Seit Wochen ist der berühmte Schwarzsender, der die Großen des Dritten Reiches wie die Rebellen Spaniens wohl ein um das andere Mal erbleichen machte, in aller Munde. Millionen haben in der elften Abendstunde die Welle 29.8 gesucht, Millionen, die keinen Radioapparat besitzen, haben sich erzählen lassen, tvas dieser Schwarzsender meldet oder haben sich, so indolent sie sonst auch dem Radio gegenüberstehen mochten, bewegen lassen, doch einmal Ohrenzeuge der aufregenden Minuten um diesen Sender zu sein. Freund und Feind suchten Anschluß an diese Welle. Warum? Gewiß sehr viele deshalb, weil . sie hören, erfahren wollten, was der Schwarz- smder zu berichten habe; alle aber angezogen von der übermächtigen Erscheinung, gegen die sich kein Kraut gewachsen zeigen wollte, aufs tiefste beeindruckt von der Tatsache, daß gerade in unserer Zeit, die die fürchterlichsten Waffen zum Tot- und Mundwtmachen erfunden hat, ein Instrument geschaffen ward, dessen. AuSstrahlun- > gen allen Schuldigen, allen Diktatoren zum Trotz I über Landes- und Systemgrenzen triumphieren! »8' Wohl jenem System, das dieses wunderbare, > überlegene, blitzartig wirkende Instrument immer l voll und richtig zu nutzen versteht! Wohl diesem : System, wenn es dieses Instrument gebraucht, um < der Wahrheit Flügel zu leihen! Zur Lüge, ' Verhetzung und Verleumdung läßt sich allerdings I der Rundfunk— dessen waren und sind wir jeden Tag Zeugen— gleichfalls ausgezeichnet mißbrauchen, aber auf die Dauer haben auch Rund- funllügen kurze Beine— vorausgesetzt eben freilich, daß auch die Wahrheit ihre Beine zu gebrauchen versteht. Wir wissen, daß die Gangart der Demokratie zuwellen ein wenig an den Schwächen leidet, die sie aus einem wohl geistigeren! aber wenige: technischen Jahrhundert mitgebracht hat; wir wissen, daß bisher die Entgeistigten, die alle überkommenen Werte vergangener Jahrhunderte über Bord zu werfen sich entschlossen zeigen, auch im Rundfunkden imponierenderenGalopp einschlugen. Aber fast will es uns bedünken, daß sie schon ein wenig an Atem eingebüßt haben.Und.Schuld der Demokratie wäre es,.wenn diese wenigstens zeitweise Atemnot der anderen nicht regelmäßig wiederkehrte. Wenn einmal die Werbekraft der demokratischen Wahrhaftigkeit, Anständigkeit, Friedens» A n d« j a.(Agence Espagne,) Sm Sektor von Pennaroja hat am Montag die Offensive der republikanischen Truppen bei villaharta zu einem entscheidenden Sieg geführt. Dir feindlichen Linien wurden von den republikanischen Truppen durchbrochen. Der Sieg der Republikaner übersteigt alle an diesem Frontabschnitt bisher er- zielten Fortschritte. Die Republikaner befinden sich nunmehr im raschen Bormarsch auf villaharta selbst. An dem Sieg hat auch die republikanische Luftwaffe entscheidenden Anteil, die zuerst die feindlichen Flieger in einer großen Luftschlacht von der Front vertrieb, und dann ihrerseits zum Angriff auf die feindlichen Linie» überging. Der Havaskörrespondent schildert Einzelheiten der Operationen der Regierungstruppen auf ihrem Wege nach Billaharta: Eine Abteilung Regierungstruppen näherte sich der die Stadt beherrschenden Anhöhe, schloß ! die Aufständischen ein und eroberte dies« Stellung. „Unzerstörbare Bundesgenossenschaft“ AuBerordentllch herzlicher Ton des Belgrader Kommuniques Gegenbesuch des Prinzen Paul In Prag angekUndlgt Belgrad. Bei Abschluß deS Besuches deS Präsidenten Dr. Benet in Jugoflawien wurde folgender amtlicher Bericht auSgegeben: „Während seines Aufenthaltes in Belgrad hatte S. E. der Präsident der Tfchechoflowaki- scheu Republik, Dr. Eduard Benes, und der tschechoflowakische Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Dr. Kamil Krofta, politisch« Besprechungen mit Sr. Königlichen Hoheit, dem Prinzregenten Paul und mit dem Ministerpräsidenten Dr. Mila» Stojadinovii. ES wurden sämtliche Fragen, die die Beziehungen der beiden Staaten betreffe», sowie dir auS der gegenwärtigen internationaten europäischen Situation hervorgehenden Probleme durch- beraten. Bon nrnrin wurden die kürzlichen Beschlüsse deS Ständigen Rates der Staaten der Kleinen Entente bestätigt und betont. Dieser erste offizielle Besuch deS Staatsoberhauptes der Tschechoflowakische» Republik bei der jugoslawischen Ration hat nur von neuem die gegenseitige intime Fr e u n d s ch a f t und unzerstörbare brüderlich e B u»- deSgenofsenschaft besiegelt. Die offizielle Reise Sr. Königlichen Hoheit, deö Prinzregente» Paul nach Prag, deren Datum in Kürz« festgesetzt werden wird und durch die Prinz Paul den Besuch des Präsidenten der Tschechoflowakische» Republik erwidern wird, wird«ine weitere Betonung und rin« weitere Kundgebung der Einheit der Ansichten, der Einheit der Politik und der Ziele der beiden brüderlichen Rationen und Staaten sein, die unauflöslich auch für d i« Z u k u n f t verbunden sind." Am kehlen Tage seines Belgrader Aufenthaltes stattete Präsident Dr. Benes und Gemahlin der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Belgrad einen Besuch ab. Dort überreichte ein« Delegation des jugoslawischen Sokols dem Präsidenten eine silberne Urne mit Erde aus Oplcnae. Dem feierlichen Akt wohnten die Kinder der Belgrader tschechoslievalischey.Schule und Deputationen aller dortigen tschechoslowakischen Vereine Dänemark vor einem groOen Streik? Kopenhagen.. Dänemark steht vor der Gefahr eines großen Streiks. Der BermittlungS« Vorschlag des Schiedsrichters, der beträchtliche Loh». e x h ö h u n g epi für die beteiligten Arbeiter vorfah, ist von den Arbeitgebern abgelehnt worden, wobei im besonderen die Forderungen der Arbeiter der Eisenindustrie und im Hoch- und Tiefbau als untragbar angesehen werden. Wenn es nicht noch zu irgendwelcher Vermittlung kommt, werden kommenden Samstag 799.090 bis 89P.999 Arbeiter in, den Ausstand treten. Seite 2 Donnerstag, 8. April 1937 Nr. 88 Neue Ausbürgerungen Frauen und Kinder, vor denen sich Göring fürchtet.«. Bereitschaft und Ausbaubeseeltheit so rasch iolrd reiten gelernt haben wie die Propaganda der Skrupellosigkeit und Verlogenheit, der Barbarei und Zerstörungswut, dann werden dies«, müssen diese allmählich zu kurz kommen. lind im N u n d- f u n k ist uns das beste Mittel gegeben, den aufgerissenen Lügenmund immer wieder zu stopfen. Bei uns hat man das Zeichen der Zeit, das der Rundfunk bietet, lauge genug nicht recht verstanden. Wie Zephirsäuseln nahm gar oft sich der Hauch der tschechoslowakischen Wellen gegen das SturmgebrUllc nuö- dem Norden aus. Nur langsam entschloß oder entschließt sich Prag zu stärkere,^ Tönen. Und diese sind ja, über die Grenzen gesandt, auf jeden Fall nur schtvach vernehmbar, wenn sie nicht Sprachen sprechen, die dort verstanden werden. Hunderte Nlale wurde es beklagt und getadelt, daß gerade das deutsche Rundfunk- lvort aus der Tschechoslowakei nach Art, Maß und Dauer keineswegs auch mir im mindesten den Anforderungen entsprach und entspricht, die unsere Zeit stellt. Es soll nicht verkannt werden, daß sich auch in dieser Beziehung letzthin manches zum Guten wandte; von unserer Seite wurde, Uber die Arbeitersendung hinaus, alles mögliche getan, um den sowohl nationaler Gerechtigkeit als auch staatspolitischer Notwendigkeit entsprechenden Ausbau der deutschen Sendung zu for- P r a g. Auf der Tagesordnung des verfassungsrechtlichen Ausschusses des Abgeordnetenhauses standen am Mittwoch die neue Dorlage über di« F e l d g e r i ch t e, die vom Senat abgeänderte Novelle zur Gemeindewahlordnung und der Gesehsntwurs über die Lustschutzabgabe. Di« Feldgerichte konnten nicht in Verhandlung gezogen werden, da von Koalitionsseite verschiedene Einwendungen— namentlich gegen die Einsetzung von Feldgerichten in FriedenSzelten— erhoben wurden, die noch nicht bereinigt sind. Auch über die endgültig« Fassung der Gemeindr- wahlnovell« ist noch kein« Entscheidung gefallen. So blieb nur die Luftschutzabgabr alS Sitzungsprogramm. Aber auch hier zeigt« es sich im Lauf« der Debatte, daß die Absicht der Negierung, die Kosten, die den Gemeinden durch den Luftschutz erwachsen, in Form einer MietzinSab- gabe hereinzubringen, zu der auch die steuerfreien Neubauten herangezogen werden sollen, auch auf KoalitionSseite auf großen Widerstand stößt. Se.hr eindringlich wurde von mehreren Selten darauf verwiesen, daß man zunächst die g r» tz e n Gewinn« drr Rüstungsindustrie für diese Zwecke heranziehen 1 sollte. So wurde schließlich dir Sitzung" vertagt» ohne daß eS zu konkreten Beschlüssen gekommen wär«. Referent Abg. Richter stellte fest, daß der Entwurf die Gemeinden zum Bau einer hinreichenden Zahl von Luftschutzdeckungen für die Zivilbevölkerung, zur Aufbewahrung von ReservegasmaSken, zur Obsorge um die Ausrüstung der Feuerwehr, der Samariter, zur Obsorge um den Desinfektion--, Alarmdienst usw. verpflichtet. Zu diesem Behufe räume das Gesetz den Gemeinden dar Recht ein, zur Deckung der Kosten eine Abgabe einzuheben. Nach langen Beratungen habe die Regierung den Gedanken einer neuen Einkommenbelastung fallen gelassen, so daß nur die Eventualität übrig bleibt, den Wohnbedarf zu belasten. Er ließ es allerdings dahingestellt, ob er opportun ist, den Steuer- dern, den endlichen Bau des deutschen Senders mit durchsetzen zu helfen. Null also ist der Bau in die Wege geleitet. Meldungen^ die davon sprechen, daß der deutsche'Sender erst 1939 Wirklichkeit werden würde, sind irreführend. Nach'unseren Informationen kommt gerade jetzt, da Raunzer mit einer betrüblichen Sensationsmeldung auswarten, das Projekt endgültig in Fluß, um wohl noch bis zu Ende des laufenden Äahre» vollendet zu werden. Wir begrüßen das um des Staates wie um der Nation willen mit derselben Freude, die es bei allen wahrhaften, verantwor- tungSbetvußten und einsichtigen Demokraten ohne Unterschied der Nation und Richtung auslösen wird. Jede Verzögernng wäre von U e b e l. Im Sturmschritt reitet die Lüge weiter, auch wenn ihr ein oder das andere Mal ein Hufeisen verloren geht. Für uns heißt's nun: geschwinde und immer geschwinder reiten, damit wir die Lüge einholen und Überholen; auch und nicht zuletzt im Rundfunk. Denn solange wir seiner nicht ganz Herr werden, muß vieles Stück» toerk bleiben, was rüstige Hände Tag um Tag für die Erhaltmig unser«-'Freistaates, für die Sicherheit der in ihm schaffenden Manschen, für di« Erfüllung der nationalen und staatlichen Friedensgedanken wirken I träger abermals mit einer Wohnabgabe in einer Zeit zu belasten, wo die Preise anziehen. Man könnte vielleicht zur Deckung einen TeU der Riesengewinne der Rüstungsindustrie verwenden. Im Einvernehmen mit dem Innenministerium unterbreitete der Referent dem Ausschuß einen Ab- änderung-antrag, der die in den BauförverungS- gesetzen festgelegten Steuerbefreiungen für diesen Zweck sistiert. Abg. Richter, der soeben von einer Spanienreise zurückgekehrt ist, schilderte sodann die in Spanien bei Fliegerangriffen auf Barcelona gewonnenen Erfahrungen. Die Wirkung einer Bombe im Gewicht von zwei bis drei Zenwer, die auf ein Miethaus niedergefallen sei, sei verheerend gewesen. Die Bombe habe das mehrstöckige Haus von oben bl» unten durchschlagen und habe durch ihre Explosion dar ganze HauS in Trümmer gelegt und auch die Nachbarobfekte devastiert. Die Wohnhäuser werden in der Regel zur Grabstätte der Miewarteien. Diese Erfahrungen haben auch die Fliegerangriffe auf Madrid bestätigt. Weit geringer sei die Sprengwirkung von Bomben, die auf ein fteier Gelände auftallen, z. B. in eine Parkanlage. Man sollte die Städte in Form von Gartenstädten bauen, denn hier sei die Eventualität. von einer Fliegerbombe erfaßt zu werden, im allgemeinen minimal. In dieser Richtung sei Z l i n die bestgebaute Stadtanlage. .. In der Debatte erklärte sich Dr. G o l d» st« i n für den AbänderungSantrag des Referenten. Der Vertreter des Innenministeriums Obersek- tionSrat Dr. Hofmann erklärte, daß es sich darum handelt, den Gemeinden beim Einheben der Abgaben freie Hand zu lassen, well nicht überall die Kosten gleich groß sein werden. Einige Gemeinden werden mit einer Abgabe für LuruSbedürfniss« aurkommen, so daß sie die Wohn- verbrauchSabgabe überhmipt nicht einheben müßen. Dr. R a S i n(Nationale Bereinigung) sprach sich gegen die Abgabe mit dem Bemerken au-, die Hausherren müßten sie aus ihrer Tasche tragen. O t ä h al lTschech. BolkSpartei) setzte sich dafür ein, den Gemeinden die Form der Deckung zu überlassen. Der Wohnungsmarkt sei heute mit Abgaben überlastet, die Miete werde nach Freigabe der Der;,Deutsche Reichsanzciger"(Nr. 76 von, Montag, den 8 April 1937) enthält im amtlichen Teil folgende Bekanntmachung: Anter Bezugnahme auf die im Deutschen Reichsanzeiger veröffentlichten Bekanntmachungen vom 28. August 1933, 28. März 1984, 1. November 1984, 8. Juni 1988, 29. Feber 1986, 22. Juli 1936 unh 2. Dezember 1986 wird im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit der dort auSgebürgerten Personen auf folgende Familienangehörige erstreckt: 1. Apfel Alice, geb. Schuchmann, geb. am 18. 8. 1998 in Berlin. 9. Brecht Helene, geb. Weigel, geb. am 12. 8. 1960 in Wien. 8. Brecht Barbara, geb. am 23. 19. 1980 in Berlin. 4. Brecht Stefan, gch. am 8. 11. 1984 in Berlin. 8. Budziflawski Johanna, geb. Levh, geb. am 12. 6.1901 in Berlin. 6. Budziflawski Beate, geboren am 17. 9. 1929 in Berlin-Schöneberg. 7. Einstein Else, geb. Einstein, geschiedene Löwenthal, geboren am 18. 1. 1876 in Hechingen. 8. Frank Helen«, geb. PewSner, geschied. Maquennc, geboren am 18. 8.1809 In Kiel. 9. Frank Andreas, geboren am 24. 2. 1929 in Berlin. 10. Grzeslnsky Daisy, geb. TorrenS, geboren am 28. 1. 1886 in New Nork. 11. Halfter Milda Martha, geb. Seifert, geboren am 8. 6. 1806 In Olbernhau. 12. Halfter Günter Karl, geboren am 10. 11. 1922 in Olbernhau. 18. Halfter Chrentraut Martha, geboren am 28. 8. 1926 in Olbernhau. 14. Herzfeld Gertrud, geb. Bernheim, geboren am 2. 6. 1902 in Salzburg. 18. Herzfeld Georg, geboren am 14. 10. 1928 in Berlin-Wilmersdorf. 16. Klotz Marie, geb. von Bech- Zweizimmcrwohnungen bi» um 80 Prozent steigen. Die neue Belastung werde zuletzt wieder die Mietparteien treffen. O st r y lGew. Part.) fand es nicht richtig, mit der Luftschutzabgabe nur die Städte z» belasten. Auch wäre eS nicht am Platze, die Kosten aus dem HauSrrtrag zu decken. Die Mittel könnten vielleicht durch einen neuen Zuschlag zur E t n k o m men» st e u e r aufgebracht werden.— Dr. Dolansky (Komm.) empfahl die Uebernahme der GaSmarken- produktion durch den Staat und zinsenfreie Kommunalanleihen zmü Baue von Deckungen usw., die der Staat garantieren, verzinsen und amortisieren würde, der dazu die Mittel durch Besteuerung der Rüstungsgewinne aufbringen könnte. H l a d k h lSoz. Dem.) erllärte, die Abgabe vom Hausertrag müßte die Baubewegung treffen und eine solche Lösung läge nicht Im Interesse der Wohnkultur, die ohnedies abnrhme. Der Entwurf spreche nicht davon, daß zu den Ausgaben die Schwerindustrie in den Großstädten und Industriezentren beitrage» solle.— Zierhut lBdL) erklärte, vor allem habe der Staat die Mittel für den Luftschutz zu beschaffen)' da die Ab-, wehr von Luftangriffen" in erster Reihe fitr die Städte, Industriezentren und Eisenbahnknotenpunkte Bedeutung habe. Ansonsten solle man«S den Gemeinden überlassen, die Mittel für ihren eigenen Schutz aufzubringen. * Nach einer Koalitionsberatung stellte der Referent fest, daß der ganze Ausschuß es den Gemeinden ermöglichen wolle, di« ihnen aufgetragenen Pflichten erfüllen zu können. Die Verhandlung habe aber zu Z w e i f e l n geführt, ob sich diese Ausgaben aus der Basis des Eniiourses erfüllen lassen. Die neuen Abgaben könnten eventuell zu Mietzins erhöhungen führen und>nan müsse sich darüber klar werden, ob sich nicht eine eventuelle Mietzinssteigerung durch told, geboren am 11. 5. 1906 in Lauterbach. 17. Laughoff Renat«, geb. Melacbid«, geboren am 4. 12. 1906 in Zürich. 18. Gräfin von Löwenstein- Scharffeneck Helga, geb. von der Schuylenburg, geb. am 27. 8. 1910 in Losthus, Norwegen. 19. Menne Frieda, geb. Kupk«, geboren am ll. 4.1908 In Breslau, 20. NiculaS Waltraut, geb. Bartels, geschiedene Mattcnklott, geboren am 6. 1. 1897 in Barkhausen. 21. Rcmmele Anna, geb. Lmier, geboren am 22. 1. 1888 in Ludwigshafen. 22. Rcmmele Hedwig, geb. am 20. 10. 1907 in Ludwigshafen. 28. Rcmmele Hellmut, geboren am 18. 1. 1910 in Mannheim. 24. Seger Elisabeth, geb. Hart, geboren am 23. 8. 1903 in Elberfeld. 26. Seger Renate, geboren am 16. 8. 1982 in Dessau. 26. Schiff Els-, geb. K-ssulk-, geboren am 1. 10. 1892 in Berlin. 27. Schiff Gerda, geboren am 18. 6. 1928 in Berlin. 28. Schiff Fritz, geboren m» 8. 4. 1980 in Berlin. 29. Schwarzschild Valerie, geb. Gerstl, geboren am 8. 4.1900 in Wien. 80. Straffer Gertrud, geb. Schütz, geboren am 10. 6. 1906 in Subkau, Kreis Dirschau. 81. Straffer Hannelore, geboren am 1. 7. 1031 in Oranienburg. 82. Bogel Ehristine, geb. Liebel, geboren am 8, 10. 1880 in Fürth. 83. Vogel Frieda, geboren am 9. 9. 1904 in Fürth. 84. Bogel Wilhelm, geboren am 1l. 12,1910 in Fürth. 86. Bogel Ernst, geboren am 31, 1. 1921 in Fürth. 86. Wels Antonie, geb. Reske, geboren am 6. 1. 1874 in Berlin. Berlin, den 8. April 1987, Der Reichs- und Preußische Minister der Innern. I. V.: Pfundtner. lienprerse durch Erfassung der Gewinne kompensieren ließe, die aus den Kartellverträgen resultieren. Auch könnte man vielleicht außerhalb des Rahmens dieses Gesetzes die Gemeinden in- die Lage versehen, den Bereich dieser Pflichten zu erfüllen. Endlich habe der Ausschuß keine Vorstellung über die konkreten Bedürfnisse der einzelnen Städte auf dem Gebiete des Luftschutzes und darüber, ob dort konkrete, dem Gesetz entsprechende Projekte zusammen mit einem DeckungSplan existieren. Da diese Umstände aufgeklärt werden müssen, empfahl der Referent, daS Ministerium um Informationen zu ersuchen und dl« Beratung z u vertagen. Der Ausschuß genehmigte diesen Antrag und vertagte sich auf unbestimmte Zeit. Der WchrauSschuß des Abgeordnetenhaus«» mußte am Mittwoch die Behandlung deS Initiativantrages der drei sozialistischen Regierungsparteien auf Verstaatlichung der Rüstungsindustrie von der Tagesordnung absehen, da Verteidigungsminister M a ch n i l sich am Begräbnis des Senators Vranh beteiligte und infolgedessen den Ausschußverhandlungen nicht beiwohnen konnte. Der Ausschuß behandelte lediglich Petitionen betreffend der E i» r e ch n u n g d c r M i l i t ä r- dienstzeit auch bei Prtvatange« stellten und beschloß, den Minister zu ersuchen, diese Angelegenheit in der nächsten Sitzung des Staatsverteidigungsrates zur Sprache zu bringen. Auch beim Ministerpräsidenten soll interveniert werden, damit diese Frage noch vor her Gesetzwerdung der Wehrerziehung günstig erledigt werde. Widerstände gegen die Luftschutzabgabe vom Mietzins Senkung der hoh en Baumateria- 1 Es Ist dem Menschen nicht erianht..... Iiwll» n« Selent Bimiwi o HiuUcIi«« tu aulwi Sie trug einen grellgelben Jumper und einen so engen Rock, daß sie darin einherging wie ein Sträfling in Fesseln. Von dem schief sitzendem Barett hingen ihr zwei Quasten bis auf die Schultern hinab und sie hüpften bei jedem Schritt, ebenso wie ihre resedabraun gefärbten Locken.— lind Gabriel ging doch mit ihrl Morgen für Morgen sieht Bettina Lindovä aus dem Erkerfenster ihres Salons, wie ihr Sohn gleich an der Ecke den grellen Jumper trifft, wie er vor ihr den Hut zieht und wie er dann bis zur Haltestelle der Elektrischen neben ihm einhergcht. Weiter konnte man leider nicht sehen. Eines Tages, als schon die Sträucher der Parkhecke verblüht ivaren, bemerkte sie ferner, daß diese flatternde Person auch hin- und herschwingende Aermel hatte. So pflegen Mädchen einer bestimmten Gesellschaftsschichte mit den Händen zu schlenkern, tvenn sie wünschen, daß der Mann ass ihrer Linken ihre Hände fassen soll. Vermutlich griff er also nach der Hand gleich hinter der Hausecke, wohin ihr Blick nicht mehr reichte. Bon diesem Tag an schien, Bettina der Jumper noch greller und er tauchte auch in ihren Träumen auf. Und wohin sie auch so von ungefähr blickte, überall schien es ihr, als hüpften dort Quasten: Sie waren Gabriels keinesfalls würdig.— Mancherlei war sie dem Sohne. der ohne jede Narbe aus dem Krieg« zurückgekömmen war, zu verzeihen gewillt; sie übersah sein ungeschliffenes Benehmen, überhörte seine derben Soldatenaus- driicke, aber eine solche Unzulässigkeit, wie sie der gelbe Jumper vorstellte, konnte sie nicht dulden. „Eine Würde, tvelche sich nicht selbst schützt, hat keinen Anspruch auf den Schutz der Gesellschaft", sagte sie sich; und sie weiß, was sie dem Sohn und dem Baterlande schuldig ist. Zuerst sprach sie mit ihm von alldem nur so nebenher. Ernst zwar, aber nicht anders, wie wenn das Stubenmädchen eine Tasse zerbrach oder das Fleisch wieder teuerer geworden war.»Ich sehe dich täglich mit irgend einem Mädchen. Schreibt sie nicht vielleicht bei euch in der Kanzlei? Ist eS nicht eine jener hungerigen Klapperschlangen von der Schreibmaschine,' wie«S ihrer,'jetzt überall so viele gibt?„Schnucki" nennt man sie, glaube ich."—„Wer?" fragte Gabriel nicht ganz paffend. Sie beherrschte sich vollkommen.„Wie gesagt, ich sehe dich. Zweifellos sehen dich aber auch andere. Salmin und Rannh haben die gleiche Aussicht auf die Straße wie wir. Und Schnuckis sind nicht gerade eine unauffällige Bekanntschaft, in einer Zeit, wo die ganze Gesellschaftsordnung schwankt." Er legte die Zigarette weg und lächelte. Er lächelte sie eigentlich hie ganze Zeit über an, seit er zuriickgekehct war. Als ob er im Kriege all seine» Ernst gelassen hätte, der früher seiner Jugendlichkeit ein so interessantes Gepräge gegeben hatte. Sie mochte sagen, was sie wollte,— zu allem lächelte er, und niemals mehr debattierte er mit ihr, noch viel weniger hätte er sich mit ihr gestritten. „Du irrst dich", sagte er jetzt ganz ruhig, „diejenige, mit der ich gehe, ist kein Schnucki. Ihr geht's schlechter. Sie verkauft in der„Perle" belegte Brötchen. Die Brötchen sind leicht, aber das dort verdiente Brot ist schwer. Sie hat täglich von neun Uhr früh bis zwei Uhr nachts Dienst. Und dann zählt sie noch jede Krone und jede übrig« gebliebene Sardine. Bör drei Uhr kommt sie kaum je nach Hause. Und auch schlechte Kost haben die Mädeln dort. Sie verkaufen Kaviar und Hummer, bekommen, aber selbst nur Fleischahfälle. Sie wäre ganz gerne ein Schnucki, wenigstens im Winter, wo man in der Kanzlei heizt und in die„Perle" der Wind pfeift." Er brachte seine Zigarette wieder in Brand, wünschte, gute Nacht und entfernte sich so selbstverständlich, als ob er die Mutter eben mit etwas erfreut oder sie zumindest unterhalten hätte. Diese Nacht schlief sie nicht. Sie wußte endlich, wohin sie den gelben Jumper einreihen sollte. In einem dumpfen Raum, voll künstlichen Marmors und Stukkatur, stand er jetzt hinter einem niedrigen Pult, von so starkem Licht umflossen, daß er so giftig erstrahlte wie eine Laterne, die in ein verrufenes Hau» cinlädt. Und rings um den gelben Jumper drängten sich Männer. Sie aßen Kaviar und tranken Likör. Aber das war nur ein Vorwand. Eigentlich drängten sie sich nach jedem Bissen, nach jedem Schluck enger heran, und beugten sich tiefer über das dünne Kfeid, die Augen bis in dem schamlosen Ausschnitt, u'üd flüsterten, was man in solchen Augenblicken flüstert. Bettina wußte nicht was, aber ihr Wittvenschlafgemach füllte sich mit dem niemals erlauschten Geflüster, dem Raunen einer Muschel gleich; aus den Möbeln, aus,, den Polstern, ja selbst aus dem silbernen Kruzifix rauschte ihr ein ganze» Meer von Herausforderung' und schlüpftlger Gefälligkeit entgegen. Die Töne flössen ineinander bis zur Unkenntlichkeit, aber ihr Sinn wurde mit jeder Sekunde augenfälliger, abscheulicher, aufreizender. Sie hielt es- nicht länger im Bett aus, sie ging auf den Zehenspitzen nach dem Zimmer de» Sohnes. Er schlief so gesnnd, daß sie den Atem feiner breiten Brust his hinter der Tür vernahm. Sonst war in der ganzen Wohnung tief« Stille, alle die schönen Dinge standen wie«In Rührmichnichtan auf ihren PWmi Azaleen, die unter ihrer glücklichen, sorgfältigen Hand selbst in dieser Jah- reSzeit blühten, schimmerten zart im Mondlicht«, und aus dem Speisezimmer haben' sich au» dem Dunkel die Umriss«' einer Kassa"ab. „Wie töricht bin ich doch schon in dieser schrecklichen Nervosität", dachte sie bei sich,»wari cs mir doch, als ob di« ganze Welt zusammen-! stürze." Und in dieser Entspannung schlummerte sie endlich ein Weilchen«in. Aber am Morgen stand sie wieder Im Erker und ihre unausgeschlafenen Augen füllten sich mit schreiendem Gelh, mit Quästchen und einer schlenkernden Hand, neben die sich schon beinahe selbswerständlich Gabriels englischer Raglan schob. ,,E» wird.«In« gründlichere Aussprache notwendig sein", erkannte sie. Den ganzen Tag ging sie dann von Kasten zu Kasten, zählte da» Silber und stöberte in alten Spitzen und Schmuckstücken herum.„Wie gut haben es auf dieser Welt die einzigen Söhne", fiel ihr dabei ständig ein.„Wenn«s jemandem noch besser gcht, dann sind er ihre Frauen. Gabriels Zukünftige wird wahrhaftig Grund haben, dem Schicksal dankbar zu selnl" Schon längst hielt sie Umschau nach einer Schwiegertochter, die Gabriels, ihrer selbst und aller dieser schönen Sachen würdig wäre, Salmin, der Nachhar von links, hatte ztvar einen Großgrundbesitz, aber seine Frau duftete heute noch nach Stall, aus jenen Zeiten, iw- sie nur«ine Bäuerin war und so ein Geruch verflüchtigt sich nicht inneichalb. einer Generation; empfängliche Menschen spüren ihn noch an der Tochter. Dagegen im Hause recht», bei Rannh», dort wuchs die. älteste Tochter zur Freude aller derer heran, di« noch angeborenen Takt von Nachkriegs«Surrogaten zu unterscheiden wissen. Sie ging zwar noch in» Lyzeum, aber der gefeierte Name des Vater» stand ihr schon jetzt gut zu. dem stolzen Gesicht und zu der schwebenden Gestalt. Und rechnet Rannh zweihundert Kronen für eine Ordination, und von fünfhundert aufwärts für eine Bistte» so könnte man mit Sicherheit voraussehen, daß er die Tochter nicht unter einer Million Äbfertigen werde.-— (Fortsetzung folgt.), «r. 83 Donnerstag, 8. April 1937 Seite 3 fudetendcutscficr Zeitsptegct nicht auch noch die Namen von den Erbärzten geprüft werden. Die Sebekowskps, Czermakö, PeschkaS, NzihaS, die an der Spitze der SdP stehen, hätten sonst nichts zu lachen. Drei Tage Streik der Etrich-Arbeiter in Jungbuch Es war zu erwarten, daß die Etrich-Arbeiter in Jungbuch unter der Unterdrückung und der ihnen nun neuerlich drohenden Rationalisierung eines Tages zu einem Berzweiflungslampfe greifen werden, der am verflossenen Montag spontan eingesetzt hat. Wiewohl viele Arbeiter durch osfe- nen oder versteckten Terror der Henleinbewegung und damit den völkischen Phrasen erlagen und viele Monate gctvartet haben, um von der hen- leinistischen BetriebSsührung die Einlösung»eindeutig sozialer" Verbesserungen der Lohn- und Arbeitöverhältnisse zu erlangen, hat am Montag, als im Betriebe bekannt wurde, daß die Herren SdP-Kameraden nicht gewillt seien, bestimmte Forderungen der Arbeiterschaft zu erfüllens auch deren Geduld ein Ende gesunden und die nach Hunderten zählende Belegschaft stimmte in den Rus: Streik! ein, um mit diesem altcrprobten Kampfmittel, den auf die völlige Verelendung der Arbeiterschaft abzielenden hartnäckigen Standpunkt der volksgcmeinschaftlich eingestellten Firma zu durchbreche». Die Rationalisierungsmaßnahmen der Firma kennen keine Grenzen mehr. Bon den Spinnereien und HilsSspinnerinnen verlangt.man ungeheuere Arbeitsleistungen und zahlt den letzteren, sage und schreibe, K6 1.73 per Stunde. Den Webern, welche bisher zwei Stühle bedienten, mutet man plötzlich die Bedienung von vier Stühlen zu und will verschiedene andere Maßnahmen durchführen. Der DurchschuittSlohn vieler Arbeiter in der Höhe von 70 und SO Ai wöchentlich, den die Firma Ctrich ihren Volksgenossen Arbeitern bezahlt, ist, besonders auch angesichts der ungeheueren Arbeitsleistung, die verlangt wird, und noch gesteigert werden soll, als ein wahrer Kuli-Lohn zu bezeichnen. Jedermann muß verstehen, daß di« Forderung der Arbeiterschaft, die Löhne um minde- stenS S Prozent zu erhöhen, mehr als.berechtigt erscheint. Aber neben der Nouvendigkeit, den Kampf um Verbesserung der Löhne und. Einstellung der Rationalisierungsmaßnahmen zu führen, war der ganze Groll gegen verschiedene, in der Volksgemeinschaft und der SdP besonders geschätzte Angestellte dcS Betriebes, gerichtet. Was Wunder, wenn mit dem Streikbeginn die Wut der Arbeiter an diesen Leuten ihr Ventil suchte, wodurch u. a. der Spinnmeister Bürger und die Angestellten H a v l i t s ch e l und Effert aus dem Betriebe befördert wurden. Daß sich bei dieser Züchtigung besonders die Hcnleinarbeiter mit großer Leidenschaft beteiligt«», ist für die betroffenen»Kameraden" mehr als eine Ironie des Schicksals. Kaum, daß im Ort« die Kunde vom Streik der Etrich-Arbeiter bekannt war, sanden sich beim Betriebe hunderte von Menschen ein, um ihre Sympathien den kämpfenden Arbeitern auSzu- drücken. Da die Arbeiterschaft nicht gewillt ist, ihren Kampf außerhalb deS Betriebes zu führen, sondern die Betriebsstätte besetzt hält, war die Lebensmittelversorgung für die Arbeiter sicherzustellen. Die Gemeinde Jungbuch stellte über Vorschlag deS Genossen Bürgermeister Erben fürs erste einen Betrag von 4000 KC zur Verfügung, der Konsumverein„Vorwärts" iibernichm auf eigene Kosten die Versorgung der Streikenden mit Brot und auch viele Private bekundeten durch Bar- und Lebensmittelspenden ihre Anteilnahme am Kampf der Arbeiter. Am Dienstag besorgte ein Hilfskomitee, das über Initiative unserer Genossen in Jungbuch gebildet wurde, die notwendige Versorgung und Verteilung von Lebensmitteln, so daß die Arbeiter in keiner Weise dem Hunger ausgesetzt sind. Ein Ausschuß für die Verhandlungen mit der Firma wurde am Dienstag gewählt. Die Stimmung unter der Arbeiterschaft ist gut und laßt darauf schließen, daß man unter allen Um- ständen an der Erfüllung der gestellten Forderungen festhält und auch verlangt, daß eine Reihe von besonders verhaßten Angestellten und Antreibern nicht mehr in den Betrieb dürfen.■ Das Beispiel der Etrich-Arbeiter lehrt also, daß selbst dann wenn man den ganzen Betrieb im volksgemeinschastlichen Sinne orientieren will, die elend betrogenen Arbeiter hinter den nationalen Phrasen die Profitgier und die entsetzliche AusbeutungS- und Unierdrückungsabsichten des gut deutschen und völkischen Unternehmertums erkennen und dagegen zum Kampf auf den Plan treten. Jawohl,«S ist richtig, was der SdP-Abge- ordnete Wollnerin einem unbedachten Augenblick sagte, daß die„Volksgemeinschaft hinter den Fabrikstoren aufhört". Die Etrich-Arbeiter werden aus ihrem berechtigten Kampfe, den sie,.soweit sie der Henlein-Pärtei angehörrn, gegen ihr«' eigenen Kameraden führen müssen, die Erkenntnis« gewinnen, daß di« Herren SdP-klntcmehmcr und deren willfährige Trabant«« in dei« Betrieben immer anf ihr laut verkündrteS Deutschtum vergessen und im BolkSgrnossen Arbeiter eben den Arbeitssklaven sehen, wie jeder ander« Kapitalist. Di« ,,Ultimi der Textilarbeiter" ist bemüht, diesen Kampf zu einem Erfolge der schwer geprüften Arbtiterschaft z« machen. Krdfl und Rambauskc bei den Streikenden SdP-Hlhrer in Juntbudi, aber ohne den Abgeordneten Dr. Kellner SdP sdilleot rabrlksbeomte aus Mittwoch Vormittag kam Abgeordnrter K r e j ö i, von einer BerfammlimgSwur zurückberufen, in Trauten»«« an«md begab sich sofort mit Genossen Rambauskc nach Jungbuch, um mit den streuenden Arbeiten« Fühlung zu nehmen. Er wurde von den freigewerkschaftlich organisierten Arbeiten« und Arbeiterinnen freudig begrüßt und hielt während einer Versammlung im Hofe der FabrU eine kurze Ansprache an die Streiken- den, in der er sie der Solidarität der Partei und der frei«» Gewerkschaften versicherte und sie zur Disziplin, Ruhe und Besonnenheit aufforderte, was sie auch durch stürmische» Beifall gelobten. Dann sprach für die SdP Herr K a s p e r, der vor allem mitteilte, dass seine Partei die Berechtigung der Betriebsstillegung und die Forderungen der Arbeiterschaft voll und ganz anerkenne und wei- tcr, daß gegen alle fehlbaren Leut« In der Volksgemeinschaft eingeschritten werd«« würde.(Da- mit meint er offenbar die Herren Dr. K e l l n e r, Steinbrecher und andere.) Der Hauptschuldige an der menschenunwürdige» Behandlung der Etrich-Arbeiter, der Spinnmeister Bürger, sei bereits ans der SdP ausgeschlossen worden. Dar« wäre nur zu sagen, daß«8 reichlich lange gedauert hat, bevor man diesen Mann abschüttelte, denn seine Manieren waren auch der SdP seit langen« bekannt, ohne daß etwaö gegen ihn unternommen worden wäre. Die Genossen Krejii Md Rambauske blieben drei Stunden., bei den Streikenden in« Betriebe und ließen sich von ihnen über alle ktebelstände in der Fabrik an Ort und Stelle informieren. *« Vas Aupatal In Gürung Der Streik bei der Firma Etrich. hat in weiteren Textilbetrieben deS AupataleS zu.Kundgebungen/der Bürgschaften geführt, wobei«ine Reihe von Forderungen/ besonders«sich nach Lohnerhöhung gestellt wurden. So versammelten'sich am Dienstag vormil-, kags im Hose deS Kluge-Betriebe- in -Oberaltstadt gegen 100 Vertreter der einzelnen Fabrikabteilnngen und gaben ihr« Forderungen bekannt. Die Firma erklärte sich bereit, mit der Arbeiterschaft zu verhandeln, worauf der Betrieb ungestört weiter arbeite» konnte. Auch bei der Firma Hanke in Trüben- wasser versammelten sich abendS nach Arbeitsschluß am DienStag die Arbeiter im Fatrikhofe, um den Willen kundzutun, für Lohnerhöhung und weitere Forderungen zu kämpfen. Auch diese Firma erklärte sich bereit, am nächsten Tage«nit dem BetriebSauSfchuß über die Wünsche der Arbeiterschaft zu verhandeln. Im oberen Aupatal« ist gleichfalls Streikstlmmung unter der Arbeiterschaft vorhanden. Die Waldarbeiter, welche bei der Herr, schäft Ezernin in Marschendorf beschäftigt sind, befinden sich wegen Lohndifferenzen im Streik, desgleichen entwickelte sich bei der Herrschaft Schimek in Großaupa aus den gleichen Ursachen ein Konflikt, der unter Umständen ebenfalls zum Streik führen kann. Verhandlungen ergebnislos Die Verhandlungen mit den Vertretern der VcrtragSgewerkschasten und der Etrich-Arbeiter fanden Mittwoch im Saal der Trautenauer Be- zirksvertretnng unter dem Vorsitz des Oberlom- miffärs Dr. Novotny statt. Sir dehnte» sich von 2 Uhr nachmittags bis in dir spaten Abendstunden aus. Eine Einigung wurde bisher n ich t erzielt. Die Forderungen der Arbeiterschaft in der L oh»frage sollen Donnerstag in einer Sitzung- der Jntespinner verhandelt werde«, um eine G e fämtregelnng her- bciznsnhrcn. Neber ein« Reihe anderer Forde- rungcn der Arbeiter will; die Firma erst nach dem Urteilssprnch eines Schiedsgerichtes verhandeln. Eine» besonders breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Frage der M a st r e- gelungen ein. Die Firma stellt das Verlangen, jene Leute, welche nach ihrer Ansicht«m den Ausschreitungen gegen Betriebsbeamte teilgenommen haben, aus dem Unternehmen«mssto- sten zu dürfen. Diese Forderung haben die Arbeiter abgelehnt. Ebenso Hot die Arbeiterschaft die Räumung des Betriebes ab- gelehnt. Nach- fünfstündiger Dauer mußt« die BerhMdlnng ohne nennenswertes Ergebnis vertagt werde«. 3000 In Aussig für das demokratische Spanien Am Mittwoch fand in Aussig in der Kurzweilmühl«, im größten Saal der Stadt, eine überfüllt« Versammlung statt, in der Ernst Paul über das Thema»Der Freiheitskampf des spanischen Volkes" sprach. Die Versammlung, in der die Ausführungen des Referenten mit stürmischem Beifall ausgenommen wurden, gestaltete sich zu einer gewaltigen Sympathiekundgebung für das kämpfende Spanien. Deutsche Rassengesetze auch für uns gültig? Wir lesen in der„Turnzeitung des Deutschen Turnverbandes": „Einsühruna von GesnndheitSschelnrn bei der Aufnahme in die Mannschaft des Deutschen Turnverbandes- Der Berbandsturnrat hat beschlossen: 1. Die Aufnahme in die Mannschaft des DTB ist von einem noch zu bestimmenden Zeitpunkte ab an di« Vorlage eines GesimdheitS- schcineS gebunden. 2. Dieser Beschluß wird schrittweise, beginnend mit dem 1. OftermondS 1937 durchgeführt. Zur Vorlage«Ines Gesundheitsscheines sind zunächst nur die Mitglieder der BerbandSfachauS- fchüsse, die Gauführungen(Obmann, Turnwart, DIetwart) und die Gaujugendwarte verpflichtet. Daher ist fortan dir Ernennung in die Derbauds- ' fachauSfchüffc und die Wahl in die Gauföhrnng bzw. die weiter« Ausübung dieser Armier an die fristgemäße Vorlage eines Gesundheitsscheines gebunden. 3. Zwischen dem 1. OftermondS mid dem 1. WeinmondS 1037 haben sich alle oben iezelch- nctrn Amtswalter bei ihren zuständigen G a n- erbärzten unter Vorlage ihrer familiengeschichtlichen Aufzeichnungen zur erbärztlichen Untersuchung anzumelden. Richtlinien zur Anlage der f a mil i en g e s ch i ch t l i ch c n A u fz ei ch. nun gen sind kostenlos bei der Bundesleitung des Bundes der Deutschen, Abt. Bevölkerungspolitik, Teplih-Schönau, Postfach 72, erhältlich." Die Entwicklung deS Hsnlein-StaatcS im Staate macht also weitere Fortschritte. Neben den staatlichen Distriktsärztcn werden sich jetzt die Gau-Erbärzte etablieren. Der Gesnnd- heitSschein ist selbstverständlich vornehmlich zur Feststellung der Rasse-„Reinheit" bestimmt. Uebrigens muh er auch von den Frauen erbracht werden. Wenn Henleins Selbstverwaltung Wirklichkeit würde, bliebe die Beibringung von familiengeschichtlichen Aufzeichnungen und die Bestätigung des Gau-Erbarztcs nicht allein für die Mitglieder deS Deutschen Turn-Verbandes verpflichtend, sondern sie würde wohl auch eine Voraussetzung zur Erlangung eines Amtes. Ein Glück, daß Neue Bezirksstellen der deutschen aktivistischen Parteien In Asch, Sternberg und Bärn Freitag, den 2. April, fand in A s ch eine gemeinsame Aussprache der deutschen aktivistische» Parteien statt, in der die Errichtung einer Bc- zirkSstclle der aktivistischen Parteien beschlossen wurde. Geschäftsführer und Schriftenempfänger ist Sekretär Andreas Amstättcr(DSAP). Ferner gehören der Bezirksstelle an: Joy. Wil» f e r t(DSAP), Oberst a. D. Z c d t w i tz und Johann Kiin-el, WernerSreuth(B. d. L<), die Herren K a t s ch n e r und Wilhelm, Asch (TEHV). Die BezirkSstello der deutschen aktivistischen Parteien arbeitet Hand in Hand mit der Zentralstelle in Prag und beginnt sofort ihre Tätigkeit im Sekretariat der DSAP in Asch, Volkshaus, Telephon 2293. * Sonntag, den 4. d., wurde für den politischen Bezirk Bärn eine Bezirksstelle der aktivistischen Parteien gegründet. An ihr sind die Deutschen Sozialdemokraten, der Bund der Landwirte und die Deutschen Christlichsozialen vertreten. Zum geschäftssührenden Obmann wurde Herr Josef Böhm aus Groß-Waltersdorf Nr. 18 vom Bund der Landwirte bestellt. Dessen Stellvertreter ist Herr Robert Verger, Bärn, Graben; Schriftsüh- rcr ist Genosse Josef Seidlcr, Baulich. Zuschriften, die Bezirksstelle betreffend, sind an den gc- schäftsführcndcn Obmann zu richten. *. In Sternberg wurde am Montag, den 3. d., eine gemeinsame Bczirksstclle der deutschen aktivistischen Parteien geschaffen,(ihr sind die Deutschen Sozialdcinokraten, Christlichsozialen und der Bund der Lnndtvirtc angeschlossen. Zum geschäftsführenden Obmann wurde Genosse Max O n d t c i t a, Sternberg, Arbciterheim, gewählt. Alle Zuschriften sind an diese Adresse zu richten. Noch immer Probewahlen. Obwohl die Staatspolizei die Probewahlen der Henleinnazi — und zwar mit Recht— verboten hat, bereiten die Henlein in Bodenbach dennoch diese Probc- tvahlcn vor. lins ist ein solches Rundschreiben der SdP-OrtsgrupPe Bodenbach, gezeichnet von August Felix und Fr. Rollwagen, in die Händc gekommen, das sich an die Kameraden und Kameradinnen tvendet und auf dessen Rückseite .die Namen der»geeigneten" Kameraden auszuschreiben sind. Diese Listen sollen,von jedem Mit- gliedc unter Angabe der Mitgliedsnummer, der genauen Wohnadrcsse und des Berufes, eigenhändig unterschrieben, und an die Ortsgruppe abgeliefert werden. Diese Probcwahlcn, die da unter einer sehr fadenscheinigen Begründung von den wackeren„Kameraden" eingelcitet werden, sind für die Wähler sehr verfänglich. Ganz abgesehen davon, daß sic eine Verletzung des Wahlgeheimnisses darstcllcn, sind die unterschriebenen und ausgefüllten Listen ein sehr guterKataster für die Ortsbonzen, die daraus die Einstellung der Mitglieder zu dem und jenem„Kameraden" offenbaren, und da der tvirt-- schaftliche Terror das wirksamste Instrument der Henlciner ist, bedeuten diese sauberen Probe- Ivahlen besonders für Arbeiter eine direkte Gefahr. Wir sind nämlich überzeugt, daß so mancher„Kamerad" Arbeitgeber, der mit seiner Kandidatur rechnet, die billige Gelegenheit benützen wird, in diese Listen Einsicht zu nehmen, um fcstzustellen, wie seine Arbeiter zu ihm stehe». Es ist daher sehr angebracht, daß die Staatspolizei den groben Unfug abstellt und es wäre mir zu wünschen, daß sie auch die Beachtung deS Verbotes in« Auge behält. Kote Massenkundgebung in Haida Genosse Jaksch spricht zu 1200 Zuhörern Mißglückte Manöver der SdP Haida.(Eigenbericht.) Unsere BolkSversaminlung am Dienstag abends erfreute sich eines Massenbesuches, wie er in unserem Jn- dustriestädtchen schon seit Jahren nicht zu verzeichnen war. Vergebens hatte die SdPim letzten Augenblick versucht, die Bevölkerung durch üble Täuschungsmanöver von deut Besuch abzuhalten. In der Nacht von Montag auf Dienstag wurdeil unsere Plakate durch Streifen überklebt, welche in ihrem Text behaupteten, die Jalsch-Versämmlung sei „auf den 11. April verschoben". Der Schlagfertigkeit unserer Bezirksorganisation war es zu danken, daß wir noch im Verlaufe des Dienstag die notwendige Richtigstellung ebenfalls plakatieren konnten. I» der Besorgnis, daß auch opposittonelle Henlcinproleten den Standpunkt der deutschen Sozialdemokratie kennen lernen möchten, ließ die SdP ihre Mitglieder in Arn 8 d o r f und wahrscheinlich auch in den anderen Orten davon verständigen, daß sie bei Besuch dec Jalsch-Versammlung mit s. o f o r t i- g e.m A u s s ch l u ß zu rechnen hätten. Trotzdem ließen sich zahlreiche bisherige Anhänger Henleins nicht von der Teilnahme abschrecken. Der Saal, Galerien und Gänge des Arnsdorfer Kinos lvarcn überfüllt. Mehr als 1200 werktätige Männer und Frauen füllten den Raum, als BczirksvertrauenSmann Genosse W a l l e ck die Versammlung eröffnete. Der Referent Genosse Jaksch gab einen Ueberblick über die innen- und außenpolitische Situation. Das Werl vom 18. Feber, so führte er auö, soll den Weg freilegen für einen umsas- senden wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbau. Die deutsche Industrie hätte allen Grund, sich loyal auf den Boden deö BerständigungS- werkes zu stellen. Wir sind nicht gewillt, für sie die Kastanien auö dem Feuer zu holen, wem« weiterhin die Tore zahlreicher Betrieb« für Anhänger der deutsche» Regierungsparteien verschlossen bleiben. Genosse Jaksch appellierte M« die Arbeiterschaft, sich wieder geschloffen um die kampferprobte» freie» Gewerkschaften zu scharen»nd den Kampf für die Verbefferung der bestehenden Hungerlöhne auszunehmen. Die Ausführungen unseres Redners ernteten reichen Beifall. Die Versammlung lvurde durch ein anfeuerndcs Schlußwort des Genossen Walleck geschlossen. Seite 4 Donnerstag, 8. April 1937 Nr. 88 5o kämpft Henlein I In dar„Z e i t" vom vorganganen Sonn- tag erschien in jener Karikatt«rcn-Rubrik, die auch sonst einen Mlatsch des„Stürmer"» Humors darzustellen Pflegt, folgendes: ch« in. ich wn lei. erb rS, en. ten sich us. he. MÖ len m frei iuI nd ter rite, und nach Gandhi bann erholten ihn immer dunklere Gestalten. * DanIIchrtlt«» di» P-Ntdift«» „Wüidla* kamen ste geholfen uno haben.wöroip* vorgelprochen. Sie initiierten die Belchwerden. txch»die drei' daran denken werden. Dem Leser, der sich über die schamlose Or. diuärheit dieser Büberei selbst sein Urteil bil- den mag, möchten wir aber als besondere Dali- katesse in Erinnerung rufen, was in derselben „Z e i t" a m 29. I ä n n c r erschienen ist. Da- malö hieb cs: Prag. Das tschechoslowakische Pressebüro meldet:,«jf „(Lestern bormittags empfing der Ministerpräsident Dr. Hodja eine Abordnung der Sudeten deutschen Partei, bestehend aus de» Abgeordnete» H. K. Frank, Ernst Kund t, Dr. Hans R c u w i r t h und Dr. Gustav Peters. Die Aussprache hatte die na- tionalpolitische Lage zum Gegenstand. Die Abordniing legte dar, daß die Sudeten- deutsche Partei nicht die Anschauung anzucrkcnnen vermöge... Sie wird auch die gegenwärtigen Verhandlungen unter Vorbehalt der sach- lichenKritiknichtzu stören versuchen. Sic wird freilich nach wie vor für die staatspolitische Gesamtlösung des deutschen Problems in der Tschechoslowakischen Republik eintreten und ihren Rechtskampf mit vollem Einsatz weiterführen. Nun haben wir die sachliche Kritik Henleins iin Bilde vor Augen und können uns zugleich fragen, wie denn der Zeichner der „Zeit" die Vorsprache der Herren Frank, Kundt, Neuwirth und Peters darftcllen will. Denn da? Antichambrieren ausgepichter Nazis bei denio- kratischen Ministern stellt doch wohl einen ergie- bigcren Gegenstand dar als die e r f o l g r e i» ch c n Verhandlungen, die Demokraten unter- einander geführt haben! Die feierliche Beisetzung F. X. Saldos. Der Leichnam F. X. Saidas war Mittwoch vormittags in der Kirche zu H v st i v a t aufgcbahrt. Unter den vielen Kränzen sah man denjenigen des Präsidenten der Republik, des Komitees Rätselraten, um den antirtazistischen Mehrere Stationen In Berlin? Die Diskussion über den vermutlichen Standort des Schlvarzsenders, der jeden Abend unangenehme Wahrheiten über das Hitlerregimc in alle Welt funkt, zieht immer weitere Kreise. Während sich die Gestapo-Leute vergeblich bemühen, den oder die gefürchteten und gehaßten Kurzwellensender aufzuspüren, oder wenigstens zum Schweigen zu bringen, debattieren die Radiofachleute in aller Welt die Rätsel, die diese geheimnisvolle Station aufgibt. Die Meinungen sind durchaus nicht einheitlich. Während die einen mit triftigen Gründen nachzuweisen versuchen, daß der Schwarzsender unmöglich in Deutschland oder gar in Berlin seinen Standort haben könne, weil er sonst in kürzester Zeit entdeckt werden müßte, stellen die anderen fest, daß aller Theorie zum Trotz die letzten Sendungen zweifellos aus Berlin kamen. Einig^sind sich alle Beurteiler darin, daß die Auffindung einer Kurzwellenstation an sich schwierig ist und auch ein ausgezeichnet fungierender Fahndungsdienst immer noch viel zu langsam aichcitet, um in der kurzen Sendedauer, die der für die Hilfe an die reichsdeutschen E m i g r a n- t en u. a. Das stille Leichenbegängnis, welches um 18 llhr abgehalten wurde, versammelte zahlreich« hervorragende Persönlichkeiten der politischen, literarischen, künstlerischen und Theaterwelt. Dem Sarge folgten u. a. der Bruder Dr. SaldaS, Postdirektor i. R. Saldo, Senatspräsident Dr. Soukup für die Nationalversammlung, Minister Msgr. Dr. Srämek für die Regierung, der Rektor-er KarlSuniversität Prof. Dr. Weigner, Vertreter der Hochschulen, der Ministerien, der Kunst und Theateftreise, der Akademie, der Schriftsteller und Dichter, des Nationaltheaters, der Journalisten. Beim Friedhof trugen den Sarg die Schriftsteller Seifert, Halas, Eep, Kliöka, Fuöik und MathesiuS zum Grabe, worauf der Sarg in die Familiengruft hinabgelassen wurde, welche sich unweit des Grabes Antonin SvehlaS befindet. F. X. Saldo begleiteten auf seinem letzten Wege Tausende von Trauergästen. Tschechoslowakische Militärpiloten in Deutschland gelandet. Wie das VerteidigungSministerimn mitteilt, gerieten am Dienstag nachmittags zwei Jagdflugzeuge der Königgrätzer Garnison bei einem Uebungsflug in eine Ncbelzone und verloren die Orientierung. Sie gerieten dabei über die Grenze und mußten etwa 15 Kilometer von, der Grenze in der Umgebung von Neiße in' Overschlesien niedergehen. Unser Militärattache in Berlin hat bereits die nötigen Schrift«' getroffen/ um die Flugzeuge freizubekommen.— Das amtliche Kommunique bemerkt hiezu, daß bei der Gefchwindigkelt von 400 Kilometer, di« unsere Jagdflugzeuge aufweisen, und bei der Nähe der Grenze, der Verlust der Orientierung sehr leicht dazu führen kann, daß die Grenze versehentlich überschritten wird, doch seien solche Fälle im Verhältnis zu ähnlichen Vorkonnnniffen.bei fremden Armeen bei uns relatw selten. Ein Kindorschänder, der sich sein Opfer aus der Schulklasse holte. In der Ortschaft N e b u- sice bei Prag erschien eines Vormittags ein etwa 20jKhriger Bursche in der dortigen Volksschule und klopfte an der Tür der fünften Klasse, Schwarzsender Schwarzsender einhält(40 bis 60 Minuten)', dessen Standort festzustellen, zumal eine Station von der Art der hier in Frage stehenden leicht transportierbar und auf kleinen Raum zusammenlegbar ist und also sehr leicht, von Ort zu Ort geschasst werden kann. Durch Vergleichung der Stimmen der Ansager, die sich seit Beginn dieser schwarzen Sendung hören ließen(sie wurden auf Grammophonplatten festgehalten) kam man zu der Meinung, daß es in Deutschland selbst mehrere Stationen geben müsse. Nach einer Schätzung gibt es in Berlin allein deren vier, jedenfalls außerdem noch andere in verschiedenen Teilen Deutschlands. Da der Bereitschasts« und Verbindungsdienst dieser Sender untereinander osfeichar ausgezeichnet organisiert ist und aufs beste klappt, haben di« Störungsversuch« der eigens dazu aufgestellten offiziellen Stationen wenig Erfolg. Nach wie vor.stellen Hunderttausende von Hörern Wend für Wend ihre Apparate auf die ominöse Welle ein und hören über das braune Regime das, was ihnen dessen offizielle MeinungSsabriken ängstlich verschweigen. wo der Lehrer HavliLek gerade Unterricht hielt. Als der Lehrer ihn nach seinem Begehr fragte, deutete der Unbekannte auf eine Binde, die er am linken Oberarm trug und die mit der Aufschrift „Ordner" versehen war. Er erklärte, er sei dazu beordert, den Aufsichtsdienst bei einer Militärübung zu versehen, die angeblich in dem benachbarten Wäldchen stattfindo. Da er aber in der Gegend nicht näher bekannt sei, solle ihm der Herr Lehrer freundlichst einen seiner Schüler als Führer mitgeben. Es meldeten sich sofort mehrer» Schüler und der Lehrer, der die Angabe des Unbekannten tatsächlich glaubt«, gab einem von ihnen den Ausftag, den„Ordner" zu begleiten. Im Walde angelangt, sagte der Mann mit der Ordnerbinde, daß sie sich nun inS Dickicht verstecken mühten, da jetzt„ein Offizier zu Pferde geritten kommen werde, der sie nicht sehen dürfe." Jni Dickicht m i ß b r a u ch t e der Verbrecher dann den Jungen, prügelte ihn nachher und lief davon. Der Junge getraute sich nicht, von dem schändlichen Vorfall etwas zu sagen, und erst einige Tage später erzählte er seinen Kameraden von dem Geschehenen. Auf diese Weise kam daS Verbrechen den Sicherheitsbehörden zu Ohren und die Untersuchung wurde eingeleitet. Von dem Täter, besten Personalbeschreibung ziemlich lückenhaft ist, fehlt einstweilen jede Spur. Der Prozeß gegvn den Raudnitzer Plasten. Mörder Stöpanek beginnt am 12, Mai vor- mittags um 0 Uhr vor dem SchwurgerichtinLeit- Merlh. Die umfangreiche Anklageschrift legt dem in Leitmeritz in Untersuchungshaft befindlichen Angeklagten drei vollendete und zwei versuchte BeÄrechen des Mordes, zwei Verbrechen der Leichenschändung, einige Verbrechen des Diebstahls und die Uebertretung des Waffenpatentes zur Last. Nach den umfangreichen Gutachten der medizinischen'Sachverständigen soll Htipanek im vollen Umfange für seine Taten verantwortlich sein. Für die Verhandlung sollen vier Tage angesetzt werden. Der Diebstahl an Ossietzky.„Manchester Guardian"(Weekch) vom 2. April 1987 berich- ver letzte Versuch Von MariaGardos Frau Anna Müller wälzte sich die ganze Nacht schlaflos auf ihrem schmalen Eisenbett, mit aufgezogenen Knien, zusammengelauert, denn zu ihren Füßen teilten das enge Lager die zwei größeren Kinder, während die zwei Kleinen in einem Waschtrog in süße» Kinderschlaf versunken lagen. Von ihren Bleischweren Lidern scheuchte der Alpdruck schlverer Sorgen den Schatten des lauernden Schlafes. Als sei sie von dunklen Eulenschwingen umgeben. Das kleine Gemach, das man weder Zimnier, noch Küche nennen konnte, bot im Wirrwarr deS grotesken liebor- gangeS ein Bild schtvärzesten Elends. Die Mutter crtvog nochmals und zum tausendsten Male in ihrem armen Hirn alle Möglichkeiten, während sic die taktniähige Lebensäuherung ihres fünften Kindes mit ihrem eigenen Herzschlag verschmelzen fühlte. — ES gibt keinen anderen Ausweg, als sterben, sterben I... schrie ihre vom fruchtlosen Kampf um das selten gewordene Brot erschlaffte Lebenskraft. Was kann noch kommen außer dem Tod?... Sie hat alles schon verkauft, Ihr ganzes Hab und Gut sind die Fetzen des Lagers und der kleine Eisenherd, der auch als Tisch und Stuhl dient, da er immer eiskalt ist. Was sollte sie auf ihm kochen? DaS trockene Brot, das sie manchmal in kleinen Stückchen den Kindern reicht, könnte sie nicht wärmen, weil die Amren es aus ihren Händen reißen, um es mit knurrenden Magen heißhungrig zu verzehren. Seit Wochen ist das das einzige, womit sie ihren Hunger noch bie und da stillen. — Armer Johann! Er rackert und rackert, bis ihm das Blut unter den Nägeln rinnt, schuftet sich Seele und Körper wund, doch was nützt es? Zins, Schulde», Brot und hin und wieder ein Paar Doppler, für mehr langt es nicht. Nein, das kann so nicht weitergehen. Lieber sterben,«inschla- scn für innner, aber dieses Hundeleben führ ich nicht weiter! Frau Anna Müller sprang aus ihrem Bett, das auf seinen schwachen Füßen bedenklich schwankte, doch glücklicherweise schliefen die Kinder reglos weiter. Die Mutter ging zum Wandgestell, das auch als Kasten diente, und nahm ihr sozusagen einziges Hausgerät— vielleicht stand außerdem noch eine zerbrochene Petroleumlampe dort— eine große Schachtel Schwefelzünder,. begann die roten Köpfe abzubrechen und warf sie in ein gesprungenes Häferl. Der Mond spähte mit neugierig offenem Auge durch das schmale Hoffenster und kümmerte sich nicht um den zerschliffenen Vorhang, der sich ihm als Hindernis in den Weg zu stellen versuchte. Anna Müller schaute weder rechts, noch links. Mit überlegter Entschlostenheit, wie ein Hungriger den weichen Kuchen in den duftenden Kaffee, ließ sie die Schwefelköpfe in das Häferl fallen. Als sie fertig geworden war, ging sie langsam zum Bett. — Erst sollen die Größeren trinken,— blitzte es ihr durchs Hirn,— die leiden schwerer am Hunger... Aber als sie sich niederbeugte und der tiefe, süße Kinderatem heiß an ihr Gesicht schlug, bäumte sich in ihr die Verzweiflung. Hab ich sie zur Welt gebracht und seit Jahren das unsagbarste Elend ftelitten, damit sie jetzt mit mir so zugrunde gehen sollen?! Nein, nein, ich kann es nicht übers Herz bringen...— Das Häferl entfiel ihrer zitternden Hand und zerschellte auf dem Boden. Sie sank in die Kni« vor namenlosem Weh und ihr gequälter Körper schlug wie ein schwerer Sack gegen den Boden.■ Als Johann Müller bei Tagesanbruch aus der Aushilfsarbeit heimkam, fand er sie bewußtlos liegen. Sie konnte vor Schlväche kaum zur Besinnung kommen. Endlich schlug sie die Augen auf und stieß mühsam hervor: — Johann, Morgen versuch ich's noch einmal. Hier nebenan wird ein Haus gebaut, vielleicht werde ich als Taglöhnerin ausgenommen. Wenn ,-nicht, bring ich. mich um-du paßt dann auf di» Kinder auf. Ich bin nicht stark genug, sie mitzunehmen, aber dieses bodenlose Elend ertrage ich nicht länger. Am nächsten Tag gelang der letzte Versuch wider Erwarten. Frau Müller wurde ausgenommen und durste am zweitnächsten Tag die Arbeit aufnehmen. Glück und Hoffnung zogen ins Elendsnest. ein. O die Freude, die lichterloh im Mutterherzen aufslammte, o die unermäßliche Schönheit, die in ihr auf einmal Blüten trieb: jetzt werden ste beide verdienen, alles wird da fein, warmes Esten, anständige Kleider,«in warmes Heim. Und Wickelkissen für das arme klein« Fünfte... Es kommt ja im kalten Winter zur Welt'... Der liebe kleine Wurm.. Das Prächtigste aber ist. daß die Arbeitsstätte gleich nebenan ist. Mittags läuft ste nach Hause, füttert die Kinder— das Esten kocht sic am Abend— und tagsüber kann die Lintschi auf die Kleinen aufpaffen, ist sie doch schon ein verständiges, großes Mädchen, sieben Jahre alt. Mit jubelnder Freude verabschiedete sie sich am nächsten Tag von ihren Kindern. Noch ein Kuß, ein Streicheln, eine-Ermahnung: — Ihr sollt brav sein, dann kriegt ihr am Wend Zuckerln und warme Suppe. Im Rausch seliger Zukunftsträume lief ste hinüber zum Bauplatz und nahm die Märtelkift». Wie es gekommen ist,' weiß niemand. In einer Stunde stürzte das ganze Gebäude, mit einem Geräusch, in' dem das Schicksal dröhnt«, zusammen und begrub unter seinen Trümmern di« auf dem Gerüst schwitzenden Arbeiter. Begrub auch den jämmerlich zerquetschten, mit. einer ungeborenen Menschenfrucht gesegneten Leichnam der in wonnigen Träumen schwelgenden Anna Müller. • Gan- nahe, gegenüber, gafften vier klein« Kinder erstaunt auf den höllischen Sturz, den Staub» und Mörtelregen und warteten am Wend vergebens auf die Mutter mit der verspro- neu Suppe und.den Zuckerln. Jagoda der ehemalige GPU-Chef, der zuletzt den Posten eines PostkommisfarS bekleidete, ist seines Amtes .enthoben und verhaftet worden. Auch gegen ihn erwartet man einen Schauprozeß tet: Die als Teil des Nobelfriedenspreises an Carl von Ossietzky gezahlte Prämie ist jetzt in Deutschland angekommen, nachdem st« unter die deutsche Devisenregelung fiel, welche jeden deutschen Bürger verpflichtet, jeden Besitz an ausländischer Währung der Reichsbank zur Verfügung zu stellen. Seit der Ankunft deS Geldes befindet sich Herr von Ossietzky unter besonderem Druck der deutschen Polizei. Er wird mehr und mehr von der Außenwelt abgeschnitten, und eS ist klar, daß die deutschen. Behörden hoffen, daß die Welt ihn vergessen wird. Er selbst hat noch nicht den Empfang des aus Oslo gesandten Geldes bestätigt. Seine Tochter lebt jetzt in Schweden, und ihr Vormund hat die deutschen Behörden ersucht, H«rrn von Ossietzky zu erlauben, ihr das zum Leben und zur Fortführung ihrer Studien benötigte Geld zu senden. Bisher ist das Gesuch unbeantwortet geblieben. Es scheint, daß von der großen gestifteten Summe nichts zur Verfügung steht, weder für die Tochter noch für Ossietzky selbst. Flugboot in den Aermelkimal gestürzt. DaS britische Ministerium für Flugwesen teilt' mit,' daß im Kanal La Manche bei CalShot ein Flug-, zeug abstürzte. Hiebei fand ein Fliegeroffizier den Tod. Zwei Mitglieder der Besatzung würden verwundet, Ivährend zwei andere wahrscheinlich' ertrunken sind. Bombenflieger nennen aneinander. Nach einer Meldung aus San Diego(Kalifornien) sind gestern zwei Bombenflugzeuge nach dem Abflug von dem Flugzeug-Muttevschiff„Lexington", ,40 Meilen von San Pedro entfernt, in. der Luft' zusamm«ngestoßen und abgestürzt. Zwei Marineoffiziere und zwei Mechaniker fanden hiebei den Lod. Segensreiches Mittel. In einer Sitzung des britischen Nationalrates für Unterstützung der Mutterschaft wurde eine interessante Mitteilung gemacht: Nach Benützung eines bestimmten in Deutschland erfundenen Mittels, das aber in England auspröbieft wurde, ist die Zahl der tödlichen Fälle des Wochen- bettstebers bei Personen, di« mit dem erwähnten Mittel behandelt wurden, von 22 auf 4 Prozent gesunken. Harems in London. In den letzten'Tagen wurden 55 Kommissionen gebildet, denen die Fürsorge für die Unterbringung bedeutender KrönungSgäste in London anverftaut sein wird. Die größte- Arbeit tvird voraussichtlich die Kommiffion für/ die Be», grüßung und Unterbringung der orientalischen Gäste! haben, da die Mehrzahl derselben mit zahlreicher' Dienerschaft und einige auch mit einem vielköpfigem Harem nach London kommt. K£ 5.— beträgt der Mindestjahresbeitrag der Deutschen Jugendfürsorge. Unser, größter Jugend«, fchutzverband ist aber auch schon vielfach zur Selbsteinschätzung übergegangen. Im Karlsbader Bezirke z. B. beträgt der Jahresbeitrag heute schon Ak 12^-, für Minderbemittelte und Arbeitslose Kc 6.—. Wahrscheinliche» Wetter heute: Wechselnde, jedoch sehr ungleichmäßige Bewölkung, stellenweise könven noch Schauer auftreten. Tagsüber relativ warm. Wetteraussicht«» für m o r g e n:.Der bisherige WitterungScharakter dürfte noch' andauern. Vom Rundfunk empWHantwartu aus den Proirammnni Freitag Prag, Sender 1:10.08: Deutsch« Presse. 10.18: Deutsche Sendung:.Folge von Frühlingsliedern, gesungen dow Elis. Löltgen. 11.88: Schallplattenkonzert. 12.10: Operngesänge: Smetana, Gounod etc. 12.88: Populäre» Orchesteftonzert FOK.'15.00 Schallplatten. 17.05: Mozart: Ouiniett'für Klarinette und Geige. 18.10: Deutsche Sendung:'Funkhörkasten. 18.20':'Dar. Welkbild, der Musik, Dreigespräch. 18.88:«rbettersendun«: Aktuelle zehn Minuten. 18.18: Deutsch« Presse. 18.88:«ur dem deutschen Kulturleben. 19.10: Luftige Lieder. 21.00: Rundfunkorchesterkonzert. 22.28: Tanzmusik.— Prag, Sender II: 14.18: Deutsche Sendung:-Fritz Rosenfeld: Da» Licht und der Schatten, Dialog. 14.40: Schallplatten. 14.80: Deutsche Press!., 18.20: Liederkonzert.— Brünn: 17.40:-Deutsche Sendung: Dr. Rippli Deutsche Militärsprache in der tschechoslowakischen Armee.' 19.10: Salonorchester.— Preßburg: 10.15: Schallplattenkonzert.' 18.10: Rundfunkorchester.'— 1 Kascha«: 19.80: Kompositionen von Aoh. Strauß.— Mähr. Ostrau: 18.10: Deutsche Sendung: Die Gesundheit des-- Kindes- von Kurt Müller.!.„ 9lr. 83 Donnerstag, 8. April 1037 Seite 5 Im Laaer Franco* Franco eine Zeitlang bekannt, daß er Ausländern, sie mit den Waffen in der Hand gefangengenom- men würden, nicht das Leben schenken werde. Damit gab er zu verstehen, daß die anderen nicht füsiliert würden. Kurz gesagt: es war alles rein« Heuchelei, Vor klon Maschinengewehren Ach versichere, und wenn nötig, beschwöre ich es, daß das Rebellenheer leine Gnade gewährt „no da cuartel"—„kein Quartier gibt", wie der alte Soldatenausdruck heißt). Am 28. Dezember, um sechzehn Uhr, hab« ich gesehen, wie eine große Gruppe von Gefangenen vor zwei Maschinengewehren aufgestellt wurde, die in einigen Sekunden mit all' diesen Unglücklichen ausräumten. Ich kenne die Namen von vier Unteroffizieren, die die Gnadenschüsse abgaben. Das ist der Krieg, wie ihn die Rebellen füh» rcn. Wenn ich, lüge, so wird man mich leicht widerlegen können. Möge es einer der amerikanischen oder schwedischen Journalisten tun, die sich im Gefolge FrancoS befinden. Wenn man mich aber nicht Lügen strafen kann, so ist, denke ich, bewiesen, daß Franco kein Recht hat, irgendwen anzuklagen; denn kein Verbrechen kommt diesen seinen Taten an Gemeinheit gleich. Dementis sus Berlin — aber was steckt dahinter? Die offiziösen deutschen Stellen demenile« ren die Nachrichten, daß die Versöhnung Hitler-Ludendorfs politische Folgen haben werde und daß Ludendorsf ein hohes Amt zugedacht sei. Sie deuten an, daß man lediglich der heidnischen Glaubensbewegung Ludendorffs größere Freiheit gewähren und seine Zeitschrift („Am heiligen Quell deutscher Kraft"), nicht weiter schikanieren werde. Am selben Tag dementiert das DNB sehr entschieden die überall verbreiteten Gerüchte über «in« deutsch-russische Annäherung. An Nürnberg sei di« Antwort vorweggenommen und über die gegenwärtige und zukünftige Einstellung Deutschlands zur USER eindeutig alles gesagt worden. Bei beiden Dementis muß man sich fragen, ob sie die Wahrheit bringen oder nicht vielmehr das gerade Gegenteil der Wahrheit, wie«s bei Berliner Erklärungen meist der Fall ist. Die Berufung Ludendorffs zu einer führenden Mission wird, allgemein erwartet.und.vielfach mit.einer bevorstehenden Schwenkung der deutschen Aiißen- politik in Verbindung gebracht.„Ami du peuple" meldet» daß man in Berlin an«inen Block Dputschlad— Rußland—E hina IMtewirtecfiaft und Sogfalpofitifc Die Geiseln Hier»och etwas, tvas man nicht wird dementieren können: Ende Dezember fanden in einem Salon des Hotels Torreos in San Juan de Luz(Saint Jean de Lux, in Frankreich, nahe der spanischen Grenze) die Verhandlungen über den Austausch der Geiseln statt, über die die Presse berichtet hat. Die Delegierten Francos verhandelten mehrere Tage lang mit dem Bürgermeister von Bilbao und einer Kommission von republikanischen Basken. Der Versammlung präsidierte Doktor Junot, ständiger Delegierter des Internationalen Roten Kreuzes für Spanien. Beide Seiten hatten die Listen der wichtigsten Geiseln ausgestellt, die sie auSgeliefert haben wollten. Die Delegierten Bilbaos verpflichteten sich, ihre Gefangenen in Freiheit zu setzen. Aber die Abgesandten von BurgoS brachen die Verhandlungen unter belanglosen Vorwänden ab. Ich kann den geheimen und sehr einfachen Grund mitteilen— und ick beschwöre Bilbao, nicht Rache zu üben: Fast sämtliche Geiseln, deren Auslieferung man von Franco verlangte, waren erschossen worden. Wenn ich lüge, ist es leicht, es zu beweisen: Es genügt, daß Franco seine Gefangenen Neutralen zeigt. Ich klage anl Ich llage anl Und ich werde mich nicht mit einem bloßen lapidaren Dementi begnügen." (Deutsch von Max Barth.) —I apan denke, der selbstverständlich antibritisch und antiamerikanisch orientiert wäre. Revierement In der Sowjetdiplomatie Bekanntlich ist der Pariser Botschafter der USER, P o t c m k i n, zum Stellvertreter Litwinow? ernannt und nach Moskau berufen worden. An seine Stelle soll der Berliner Botschaf» lter S o u r i tz rücken, während der Prager Gesandte Alexandrovskij Botschafter in Berlin werden soll. Posten nur für Pg. Nach einer Nebersicht über die letzten vier Jahre der Personalpolitik de? nationalsozialistischen Deutschland bei der Reichspost, die soeben in der„Deutschen Postzeitung" erschienen ist, sind in dieseni Zeiträume etwa 1b.000 nationalsozialistische alte Kämpfer neu in den Dienst der deutschen Reichspost eingestellt worden. Gegen 1800 verdiente alte Kämpfer der Partei wurden bevorzugt in daSBcamieuverMtnisübernommen.— Df« SdP toird doch nicht verfehlen,' diese Praxis, wie alle hit- lerdeutschcn Errungenschaften, unserer Regierung zur Nachahmung empfehlen. Die Zeitung„Politica" in Madrid,«In Blatt bft Republikanischen Linken, bringt. ander Artikelserie eine» Franzosen namens Paul Temoin den nachfolgenden Bericht über di« Behandlung der Verwundeten und Gefangenen im Lager Francos. Der Titel der Artikelserie heißt:„Tin Monat bei Franco". Der Name de» Verfassers, Timoin,- hat geradezu symbolische Bedeutung, wenn er nicht absichtlich als Pscu-' donym. gewählt ist:„Wmoin" heißt„Zeuge", und in. seinen Artikeln legt der Autor Zeugnis ab. Man höre ihn;' „Ich gestehe, daß meine Jeder zittert. Es gibt Dinge; von denen zu sprechen, nicht angenehm ist. Aber«s ist meine Pflicht, sie heute alle zu sagen, damit die öffentliche Meinung unterrichtet wird, Heut« klage ich anl Wenn diese Zeilen veröffentlicht werden, bin ich wieder in Frankreich, weit weg von der Zensur. Ich berichte hier Tatsachen, die alle leicht nachzuprüfen sind. Ich berichte, fie, ohne fie zu kommentieren und ohne meine Beurteilung zu geben. Ich glaube, daß es meine Pflicht- ist, sie in ihrer ganze» entsetzlichen Roheit zu erzWen. Es gibt keine Schwerverwundeten Ich habe die meisten Lazarette im faschistischen Spanien besucht. Man hat mir die Verwundeten gezeigt. Es waren tatsächlich nur wenig«, und mit Ucberraschung habe ich feststellen können, daß keiner von denen, die ich zu Gesicht bekam, schwere Verwundungen hatte. „Wo find die Schwerverwundeten?" fragt« ich in verschiedenen Lazaretten. .Leider haben, wir keine Schwerverwundeten", sagt« man mir. Dieses„Leider" kann einem sonderbar vorkomm«», Ich werde«rllären» war es bedeutet. Die SoLaten, di« während der Kriegshandlungen auf freiem Felde fallen,.„sterben an Ort und Stelle". Es gibt kein« Krankenträger, und niemand fetzt sich der Gefahr au», um di« Verwundeten aus dem freien Gelände abzutransportieren. Die ausländischen„Freiwilligen" find natürlich ausgenommen, denn um sie kümmern sich ihre eigenen Ambulanzen. In unübersichtlichem Gelände ist es anders. In der Nacht wagt man sich hinaus, um die Verwundeten zu holen. Aber wenn sie in Sicherheit gebracht sind, sterben fie am Blutverlust, weil sie stundenlang im Trott der Maulttere geschüttelt worden sind. Versteht man seht, was das Wort.Leiderl" bedeutet? Dyllist die Fürsorge, di« im Rebellenspanien den«'sge n en verwundeten zuteil'wird.“r.“ Keine Gnade Alle Aerzte in allen Lazaretten habe ich mit bellommenem Herzen gebeten:„Zeigt mir die verwundeten.Moten". Zeigt mir die republikanischen Verwundeten." Ueberall haben sie mir in» Gesicht gelacht. Ich habe keinen einzigen republikanischen Verwundeten g e s« h.« n. Ich fordere jeden, der zweifeü, heraus, mir auch nur einen einzigen zu nennen. Einige meiner Landsleute, die im Franco- Heer dienen, habe ich gefragt:„Los, seid aufrichtig! Was für Befehle habt ihr in bezug auf die verwundeten Gefangenen?" Sie anworteten:„Es ist Befehl, sie zu erledigen."(La orden es de acabar con ellos", wörtlich:, mit ihnen Schluß zu machen.") Keine Gefangenen Von Sevilla bis San Sebastickn, von Zaragoza bis Badajoz habe ich die Rebellenbehörden um die Erlaubnis" gebeten, ein Kriegsgefangenenlager zu besuchen,«in Lager von an der Front gefangengenommenen Gefangenen. Man kann sich denken, daß sie sich freudig bereit gezeigt hätten, mich hinzuführen, wenn auch nur ein einziges solches Lager bestände. Sie konnten es mir nicht zeigen. Aber sie sagten:„Unsere Gefangenen? Unsere Gefangenen sind, im Gefängnis." Worauf ich erwiderte:„Nein!" Die Männer, die die Gefängnisse füllen, sind nicht an der Front gefangen worden, sondern im Hinterland auf Grund von Anzeigen. Damit die Welt glaube, daß di« Kriegsgefangenen nicht hingerichtet würden, gab Man erhalt für K e 100 Reichsmark 746.60 Markmünzen 776.— 100 östernlchische Schillinge.. 588.60 100 rumänische Lei..... 17.72 100 polnische Zloty..... 547.— 100 ungarische Penßö...:. 508.50 100 Schweizer Franken... 667.50 1QO französische Francs... 188.82 I rakisches Pfund.... 141.12 •• 1 amerikanischer Dollar.. 28.65 100 italienische Lire.... 148.40 100 holländisch« Gulden... 1572.— 100 jugHsluwische Dinare.... 65,80 100 Vekga»...'.... 485.— 100 dänische Kronen,.:.. 626.— lOO schwrdische Kren»».., 733,— Gewaltsame Enteignung der Kleinbauern und Hausier Im Böhmerwald Im alten konservativen Oesterreich, unter der Regierung erblicher HerrenhauSmitglieder, erwarben im Jahre 1867 Hunderte Kleinbauern und Holzhauer des oberen Böhmerwaldes ein landtäf- liches Servitutsrecht vom Großgrundbesitz Kotz in Heiligenkteuz, das sich von Generation zu Generation grundbücherlich vererbte. Nach diesem Ser- vitutSrecht hatten mehr als 800 Parteien in den Ortschaften Eisendorf, Plöß, Schmo- 'lau, Rosendorf und Heiligenkreuz Anspruch mef«in jährliches Quantum Brennholz und Bodenstreu. Als dann im Jahre 1021 de: gesamte Großgrundbesitz beschlagnahmt und durch das Staatsbodenamt zugunsten de» Staates enteignet werden sollte, sind es gerade die Servitutsberechtigten gewesen, die mit Rücksicht auf die Erhaltung dieser Servitutsrechte dagegen protestierten. Der Herr Großgrundbesitzer war überglücklich angesichts dieser Unterstützung und versprach aus überquellender Dankbarkeit den Leuten das beste, da» es nur auf der Welt geben kann. Insbesondere sicherte er ihnen zu, daß die Holzsortimente in der Zukunft besser qualifiziert werden. Aber das Versprechen fand keinerlei Er- fiillung. Und so erhielten nun vor einigen Tagen die Servitutsberechtigten der oben erwähnten Gemeinden«inen Beschluß des Zivilgerichtes in Prag Nr. 482/85 G. Z. 168/88, daß de» bezugsberechtigten Servitntsbesihern ein Achtel ihre» Rechte»»«gleich mit dem Wald- ' komplex des Großgrundbesitzes vom Staats- bodenamt enteignet wird. Diese gewaltsame und geradezu unerhörte Ent- eignungSmaßnahme bei den ärmsten Leuten des oberen BöhmerwaldeS wurde durchgefiihrt, ohne die Betroffenen vorher zu verständigen oder mit ihnen zu verhandeln. Dadurch verlieren über 800 ServitutSberech- tigte jährlich allein 650 8ka«mm«ter Brennholz und"/» Bodenstreu, wofür sie für immerwährende Zetten mit dem einmaligen Schundpreis von XL 40.615.25 abgefertigt wurden, während der jährlich« Wert des Brennholzes allein nazu Ab 50.000.— beträgt. Und dies alles, obzwar ein rechtsgültiger Vertrag den armen Böhmerwaldbeloohncrn die Servitutsrechte auf immerwährende Zeiten zusichert. Daß sich eine solche Maßnahme die Betroffenen nicht gefallen lassen werden, liegt anf der Hand. Sie sind null gezwungen, ihre Rechte im Prozeßwege geltend zu machen, was aber oftmals dazu führen kann, daß nmnch einer HauS und Hof verprozessieren wird, wenn nicht von maßgebenden Faktoren den betroffenen Parteien die notwendige Unterstützung verliehen wird. Wenn die Bodenreform dazu führen soll, daß hunderte von armen Leuten eine schwere Einbuße an ihren Rechten erleiden, dann ist dies keine Bodenreform, sondern Maßnahmen, die einen ungesetzlichen Rechtsraub darstell«». Wenn sich der Großgrundbesitzer Kotz schon dagegen gewehrt hat, die ganzen ServitutSrechte von dem durch die Enteignung verringerten Waldbesihe zu leisten, dann wäre«S Pflicht des Staates gewesen, die dem Großgrundbesitzer geschenkten Anteile am Ser- vttutSrechte zu Wernehmen und nicht von arme Leute, entgegen allem Bertragsrecht, gewaltsam zu enteignen. Diese ganz unglaubliche und unerhörte Vor- gangSweise hat im oberen Böhmerwaldgebiet des Bischosteinitzer Bezirkes ungeheuere Erregung hervoraerufen, die auch demnächst in P r o t e st- Versammlungen zum Ausdruck kommen wird. DerZentralverband der deut» schcnKIeinbauern und Häusler und die s o z i a l d em akratische Arbeiterpartei werden sich der Sache annehmen und mit allen zulässigen Mitteln darauf hinarbei- ten, daß die Betroffenen wieder zu ihrem Rechte kommen. Keine Erhöhung der Ziindmittelsteuer und der Zündholzpreise. Entgegen den umlaufenden Nachrichten wird, uns von informierter Seit« mitgeteilt, daß.an eine Steuererhöhüng, bzw. Preiserhöhung für Zündhölzchen nicht gedacht wird. Di« Tschechoslowakei im jugoslawisch« Außenhandel. Bon der Gesamtausfuhr Jugoslawien» in den ersten beiden Monaten von 787,8 MM. Dinar gingen 288,7 Mill, nach Deutschland, 117,8 Mill, nach Oesterreich, 68,8 Mill, nach Frankreich und 68,8 Mill, nach der Tschechoslowakei In der Ein fuhr Jugoslawien» von inögcsamt 534,4 Mill, stand die Tschechosiolvakei nach Deutschland mit 158,5 Mill. Dinar und Italien mit 01,8 Mill, an dritter Stelle. Die jugoslawischen Importe aus der Tschccho> flowakei erreichten 65,7 Mill. Dinar. Zemskä Banka (frilher Landesbank des Königreiches Böhmen) Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1086 Wurde in der Direktionssitzung am 6. April 1987 genehmigt. An langfristigen Darlehen wurden neu 295 Millionen Xi ausgezahlt und ihr Gcsamtstand beträgt 8084 Millionen Xi, wovon Hypothekardarlehen für Industrieunternehmen 287 Millionen Xü auSmachen. Der Einlagcnstand beträgt 4204 Millionen Xi, der eigene Vorrat an Wertpapieren beträgt 1994 Millionen Xi, die Depositen mehr als 12 Milliarden Xi, der WeseleScomvt rund 2709 Millionen Xi. An Exportkrediten wurden neu mehr als 80 Millionen Xi bewilligt, bisher insgesamt 267 Millionen Xe. Die Reservefonds bc!ragen 204 Millionen Xi, der Jahresumsatz 179 Milliarden Xi. Der auSgewiesene Ueberschuß für daS Jahr 1988 beträgt Xi 1,948.682.14. Die Bilanz per 81. Dezember 1980 weist folgende Ziffern aus: Aktiva: Xi a) Barbestände In isl. Währung, b) Valuten und Münzen.,, Guthaben bei Bankanstalten,, Wechsel u. kaufm. Anweisungen, Wertpapiere....... Wertpapiere d. allg. Reservefonds Realitäten d. allg. Reservefonds. Wertpapiere des Spezialreservefonds der Filiale in Bratislava Wertpapiere des allgemeinen und speziellen Reservefonds... Wertpapiere deS Kurhauses der Zemskä banka in Karlsbad.. Vorschüsse u. Kredite in lausender Rechming... Sichergestellte Kredite Kommunaldarlehen. MeliorationSdaclehen Eisenbahndarleben. Realitäten.»-»»»,« Inventar........ Rückstände aus Darlehen und Krediten Uebergangsposten...... Effekten d. bankmäßigen Depositen Effekten d. gerichtsmäß. Depositen Effekten d, vinkülierten Depositen 29,126.76 l 69.607 75,657.763 592.214.276 1.670,704.265 15,506.045 10,126.488 7,261.06« 141,684.584 1.288.474 1.192,568.753 291,980.052 2.555,628.280 129.016,967 107.725:811 S1.825.658 1,776.658 22.096.017 5,912.815 11.625,512.880 818,068.009 126,178,900 Zusammen: 18.947.009.585 Passiva: XL BetriebSgrundfondS.-,-. Allg. Reservefonds. 25,728.362 Spezialreservefonds ’ der Filiale in .Bratislava»..... 7,268.125 Reservefonds vom Jahre 1926.. 14.019.706 Reservefonds für Kursverluste an Wertpap. eigener Emission... 500.000 Außerord. Reserven 12,966.682 Allgem. u. speziell. PensionSsondS Einlagen aufs EinlagSbüchel.. Einlagen gegen Kaffafcheine.. a) Einlagen im Kontokorrente. b) Vorübergehendes Guthaben der Kreditoren in Girokonti.. Einlagen auS Darlehensgeschäften Kommunalschuldscheine««.. MeliorationSscheine.-,». Eisenbahnschuldscheine.... Verloste Schuldscheine und fällige ZinSscheine....... Uebergangsposten..... Neberschuß.. Bankmäßige Depositen.... GerichtSmäßige Depositen... Binkulierte Depositen.... 48,000.000 60,477.875 141,695.894 I. 855,266.385 72,842.200 2.566,624.689 129.804.108 80,658.011 2.232,185.800 33,758.700 107,692.000 4,562.091 47,749.911 1.948.682 II. 625,512.880 318.068.009 126,178,900 Zusammen: 18.047.000.585 Die Tätigkeit der Zemskä Banka Ivar auch im Jahre 1986 umfangreich. Die Emissionstätigkeit war sehr intensiv und wurde durch den dauernden Absatz der Kommunalschuldverschreibungen unterstützt; dadurch wurde es der Bank möglich, zahlreichen Gesuchen von Gemeinden und Bezirken um Gewährung langfristiger Darlehen für verschiedene Investitionen, die dem öffentlichen Wohl dienen, zu entsprechen. An EmiffionSdarlehen wurden Im Jahre 1986 insgesamt Xi 280,107.400.— ausgezahlt. Auf Grund des Gesetze» vom 29. Jänner 1986, Zl. 16 Slg., begann die Zemskä Banka wiederum 4)hpro- zentige Kommunal- und McliorationSdarlehen zu gewähren. An der Baubewegung beteiligte sich die Bank im vergangenen Jahr mit dem Betrag von Xi 11,085.098.— durch Gewährung von Baudarlehen und Kommunal- und Baudarlchen. Vorschüsse und Kredite in laufender Rechnung, bisher insgesamt Xi 652,702.764.—. Für Schulbauten gewährte die Bank im vergangenen Jahr Xi 20,829.500.— in Darlehen, bisher insgesamt Xi 214,099.990.—. Für Krankenhausbauten wurden im vergangenen Jahr Xi 1,000.000.— an Darlehen gewährt, bisher zusammen XL 68,857.000.—.' Für Straßen- und Brückenbauten und Pflasterungen zahlte die Bank neu an Darlehen Xi 3E,160.500.—. bisher zusammen Xi 201,464.891.— aus, für Wafferleitungsbauten im Jahre 1986 XL 26,092.000.—, bisher zufamm. Xi 129.685.103.—, Der Stand der Kommunal«, Meliorationsund Eisenbahn-Emissionsdarlehen der Zemffr Banka betrug am Ende des Jahres 1986 XL 2.415.663.256.—. Wenn dazu die Nicht-Emissionsdarlehen und die Hypothekarkredite aller Art im Betrag von Xi 668,687.818.— hinzugezählt werden, beträgt der Stand aller dieser Darlehen XL 8^084,851.069.-^, Seite 6 „Sozialdemokrat' Donnerstag, 8. April 1937.. Nr. 83 Bach-Abend der Deutschen Musik-Akademie, Samstag, den 10. d,, um 20 Uhr, Lyzeumsaal. Arien Mit oblig. Instrumenten, Jtal. Konzert und Konzert(nach Vivaldi) für Klavier, Suite fiir Flöte und die Cello-Sonate, D-Dur.— Donnerstag, den 15. d. M..„Abend zeitgenössischer Musik.". Spielplan des Deutschen Theaters. Donnerstag halb 8 Uhr: Der Troubadoirr, volkstiimliche Borstellung, Abonnement aufgehoben.■— Freitag 8: Feine Gesellschaft, D.— SamStag 7 Uhr: Parstfal, Gastspiel Alexander K i p n i S, C 1. — Sonntag halb 8 Uhr: Aufder grünen Wiese, halb 8:Warum lügst du, CHirie? Erstaufführung, B 2. Spielplan der Kleinen Bühne, Heute, Donnerstag, 8 Uhr:„T r e f s» A S."— Freitag 8 Uhr:.^kommen Sie am Ersten!" Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: K o m m e n Sieam Ersten!— Sonntag vormittags: Schauturnen des Deutschen Turnvereines, Lühowova, anläßlich de» 75sähr. Bestandes, 8:Figaro lässt sich scheiden, 8: M a tu r a. Der Dim- StKrktr als das Gesefr Der Film nennt sich.Kriminalfilm" und tatsächlich wird ein Mordfall in durchaus spannender Weise durchleuchtet. Zwei Menschen können die Täter sein und das Gericht beweist beiden, daß jeder der Mörder ist. Aber im berühmten letzten Augenblick— nun, das sei nicht verraten! UeberdieS behandelt der Film aber ein wichtiges Problem: Die Schweigepflicht des Anwaltes und ihre Grenzen. Ein Film, der in der Gesinnuüg anständig und in der Problemstellung interessant ist. Paul Hartmann spielt den prächtigen Anwalt und zeichnet eine überaus sympathische Gestalt. Die Verwirrung eines Herzens gestaltet die begabte Manja Behrens. Die übrigen Nollen sind nur sehr durchschnittlich besetzt. Der Regisseur I. A l t e n steuert die Handlung auf pak- kende Effekte zu und will den Zuschauer in Spannung erhalten. BIS auf kleine Mängel in der Konstruktion, die das Geheimnis zu früh durchschauen lassen, gelingt dies auch. Ein Mim, der zugleich unterhaltend und anregend ist, jk Jümst utul Wtem ffiwr Rettung Was gebührt dem redlichen Finder* von vlnkulierten Sparbüchern auf fünfeinhalb Millionen? Mittwoch morgens ereignete sich in Prag der merkwürdige Fall, dass die Sekretärin einer Mil« lionärSwitwe, einer gewissen Frau Paula Löwenstein. in der Jeinä ulice in Prag II einige Sparbücher ihrer Dienstgeberin verlor, die zusammen auf den ansehnlichen Betrag von sünfeinhalü Millionen lauteten. Die Sekretärin Albino Bedkich, der dieses Malheur auf einer Dienstfahrt in dem selbstgesteuerten Auto passierte, uierkte den Verlust erst nach ihrer Rückkehr in die ViÜa der Fran Löwenstein in Revnice. Inzwischen waren aber die Einlagebücher von dem 20jährigen Tischlergehilsen Johann Zäkovskü aus ZiZkov ausgefunden und der Polizei abgeliefert worden. Nun erhebt sich aber die Frage, welchen Anspruch der redliche Finder von rechtSwegen zu beanspruchen hat. Norinalertveise gebührt dem Finder nach dem Gesetz ein zehnprozentiger Finderlohn. Da eS sich aber um vinkulierte Sparbücher'handelt, die also für jeden Dritten wertlos sind, kommt der volle Finderlohn(der eine halbe Million betragen würde) nicht in Betracht. ES ist nun die Frage, welchen Anspruch der Finder in Fällen wie diesem hat. Bei grösseren Beträgen pflegt der Berlustträger meist die Hälfte des normalen Finderlohnes zu gewähren, was immerhin etwa 280.000 Xi ausmachen würde. Davon» ist aber, wie verlautet, in diesem Fall keine Rede und es fragt sich, wie die Entlohnung der Finders in solchen seltenen Fällen zu bemessen ist. ES ist nickt ausgeschlossen, dass die Sache ein gerichtliches Nachspiel haben wird und die Frage der Auslegung der Richter überlassen bleibt. Als Minimum der entfallenden Belohnung wird der Betrag angesehen werden dürfen, den die Amortisation der verlorenen Einlagebücher erfordern würde rmd der der Verlustträgerin durch die Redlichkeit des Finders zweifellos erspart blieb. Diese Gebühren würden immerhin etwa 15.000 Kä ausmachen. Opfer einer Wettleidenschaft Prag.—rb— Vor dem Strasse natTro st war gestern der 82jährige Privatbeamie Wenzel Zima angeklagt und geständig, In seiner Eigenschaft als Sekretär der Künstler- und Graphikervereinigung „Hollar" in einem Jahr über 40.000 X5 veruntreut zu haben. Zima, war vor einigen Jahren nlit einem Band lyrischer Gedichte unter dem Titel„Ad interim" unter dem Pseudonym B. Z. Stolanskh an die Oeffentlichkeit getreten. In einem dieser Gedichte reimte damals der Angeklagte: „Stark will ich sein für Eroberungen frei durchs Leben gehen." Es kam anders. Gestern tvurde Zima zu s e ch S Monaten schweren Kerkers unbedingt verurteilt. Das Gericht erwog bei Bemessung der Strafe neben den sonstigen belastenden Umstän« den(Höhe des Schadens, fortgesetzte Begehung des Deliktes usw.) insbesondere auch, dass der Angeklagte durch keinerlei Notlage zu den. Verfehlungen getrieben tvurde. In Geldverlegenheit kam er durch seine Wettleidenschaft, die ihn dazu verleitete, hohe Beträge bei Pserderennen aufs Spiel zu setzen. Der ständige Kunde der Bookmaker wurde schliesslich zum Defraudanten, wie schon manch anderer vor ihm. Der erste Donnerschlas * AuS einer stahlblauen Himmelrwand bricht er hervor, kurz und prall rollend und ganz unerwartet. Es war dunstig und leidlich tvarm, aber gar nicht schwül. Nichts in der Stimmung dieses Aprilnachmittags war vorbereitet fiir ein Gewitter, das erste Gewitter des Jahres. Und so scheint dieses traubige Rollen eine ganz andere Bedeutung zu habe»; es wirkt wie ein Zeichen zum Beginn: ein Donnerschlag kündet den Frühling an, den Frühling und den Sommer, denn aus diesem himmlischen Nollen spricht doch schon die männliche Stimme des Sommers. Und als nun dem ersten Donner ein zwei» ter folgt, von weiter her und gedänrpft wie ein Murmeln, so klingt es, als würden in fernen Räumen breite rollende Tore auseinandergeschoben, hohe Tore, hinter denen schon aljes.bereit steht, der ganze Aufbau einer blumenbunten Spmmerszenerie. Tropfen fallen. Die kleinen granen und schwar- zen Steine der Pflasterung, erscheinen mit einemmal dunkel gesprenkelt.und in die Stmibschicht der unge- pflasterten Strasse schlagen, die Tropfen viele kleine feuchte Narben. Und dann fallen die Tropfen dichter; wie unter dem Verschwinden. der blinden Schicht eines Abziehbildes kommen Farben zum Vorschein. Die schwarz-rosagraue Musterung der Gehsteige wird sichtbar, das Staubgrau der Strasse wird zu feuchter brauner Erde, ein Nasenfleck leuchtet in saftigem Grün. ES wird kein Gewitterregen, nur ein leichtes Sprühen, das bald wieder vorüber ist, aber eS hat eine wunderbare Belebung bewirkt. Die grünen Knospen im Gartengesträuch funkeln, als seien sie während des kurzen Sprühregens dichter ausgeschwärmt, und aus der Ferne, wo graublauer Dunst die flachen Hügel am Stadtrande verhüllt, schimmert durch das Mäst der Bäume das Weiche, seidige Grün sprossender Saaten. Und alle Räume scheinen weiter geworden. Die Lieder der Amseln klingen hallender und der schmetternde Schlag der Finken wird zum frohlockenden Jauchzer der Gärten. Kinder springen aus den Haustoren ins Freie, lassen sich die letzten Tropfen ins Haar sprühen und schieben ihre kleinen bunten Kugeln in die Erdmnlden. Und der Händler unten in seinem Gemüseladen hat beim ersten Donnerschlag eine schwere Last gehoben, die erste beste, die gerade zur Hand war; wer das tut, wird während des ganzen JahreS gesund bleiben. Eine Wandlung hat sich vollzogen. Erwartungsvoll spüren es alle. Ein Donnerschlag weckt die Welt auS grauer WintemiLdigkeit. Die Tore sind ausgetan. Und dahinter steht der blumengeschmückte Festzug des Frühlings schon bereit zum Einzug in die Welt. Die einfachere Lösung. Dieser Tage vergass eine Postbeamtin namens M. S. aus Dejwitz in einem Holleschowitzer Telephonautomaten ihr ledernes Handtäschchen, in dem sich äusser ihren persönlichen Dokumenten, Führerschein u. dgl. auch einige Schmuckstücke, darunter Ohrgehänge im Werte von 8000 Xi und eine Tabaksdose im Wert von 8000 Xi sowie 800 Xi in bar befanden. Nachdem sie die Sachen bereits verloren gegeben hatte, bekam sie gestern das Handtäschchen mit Inhalt mit der Post zurück; nur das Bargeld fehlte. In einem beigelegten Schreiben teilte die Finderin mit, dass sie sich die 800 Xi als Finderlohn behalte, da sie ein krankes Kind zu Hause habe. Nicht abspringen l Gestern brachte der Schaffner eines Strassenbahnwagens der Vierer-Linie den 27jährigen Bäckerlehrling Franz Dlask aus Prag II auf die Klinik Schlosser. Dlask war in der Gasse Na Slnpi von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen gesprungen und unter den Schleppwagen geraten, wobei ihm der linke Fuss zerdrückt worden war. Ein Kranz für Karl IV. Mittwoch, de» 7. April, am Jahrestage der Begründung der Karls-Universität, legte eine Delegation des Senates der tschechischen Universität mit dem Rektor und Prorektor an der Spitze in der KönigSgruft des St. Äeits-DomeS am Sarkophage Karl IV. einen grossen Kranz aus goldenen Lorbeeren nieder. Der Kranz ist geschmückt mit den Schleifen In den Staatsfarben, welche die Inschrift tragen:„Ihrem Begründer— die Karls-Universität." Den Kranz legte der Rektor Professor Dr. K. Weigner mit den Aorten nieder:„Wir gedenken heute am Jahrestage der Gründung der Karls-Universität ihres Begründers. Wir legen an seinem Grübe diesen Kranz als Beweis der Dankbarkeit und der uneingeschränkten Ehrerbietung für den grossen Tschechen und Europäer nieder." (Karl IV. aus dem Hause der Luxemburger, Sohn Johannes von Luxemburg, deutscher Kaiser und König von.Böhmen, gründete 1848 die Prager Universität, die erste auf damaligem deutschem Reichsboden.).■. „Die sozialen Reformen Roosevelts mid das Oberste Gericht." lieber dieses Thema spricht heute um halb 20 Uhr iui Wintersaal des Fürsorgemini« steriunis Prof. Davod S. Muzzey von der Columbia- Universität in New ftork. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.— Eintritt frei. Der Konsul vor dem'Strafgericht Prag,(rb) Vor dem Strafsenat des OGR Dr. Ho man stand gestern der gewesene Leiter unseres Konsulates in Cleveland(USA) JUDr. Friedrich Kaida unter Anklage der Amtsver- untreuung nach 8 181 St.»G. Die Oeffentlichkeit war ausgeschlossen, so dass wir nur nach dem Inhalt des öffentlich verkündeten Urteiles über diesen Fall berichten können. Die von Staatsanwalt Doktor Jelinek vertretene Anklage legte dem Angeklagten zur Last, einkassierte Gelder im Gesamtbeträge von 801.480 Xi zu Zwecken verwendet zu haben, für die sie nicht bestimmt waren. ES handelt sich dabei um Berlassenschafts» und Kompensa« tionSgelder, die dem Konsulat zur Weiterleitung an tschechoslowakische Staatsbürger im Mutterlande übergebe» worden waren, wie dies im internationalen Verkehr zu geschehen Pflegt. Wenn z. B. einem hier wohnhaften Staatsbürger die Erbschaft nach einem, seinerzeit ausgewanderten Verwandten einzuantworten ist, so wird die Verlaffenschaftsverhand» lung bei dem betreffenden Konsulat durchgesührt, welches auch die Erbschaftssumme übernimmt und die Uebertveisung besorgt. Aehnliche Ueberweisungen ergeben sich auch bei verschiedenen kommerziellen Transaktionen internationalen Charakters. Solche Gelder soll der Angeklagte willkürlich anderen Zwek- ken zugeführt haben. Wie sich aus der Urteilsbegründung ergab, verteidigte sich Dr. Kaida damit, er habe die übernommenen Gelder zwar zu anderen Zwecken verwendet, aber keineswegs zu eigenem Nutzen, sondern zu dienstlichen Zwecken, die mit seiner konsularischen Funktion in Zusammenhang standen. Diese Verantwortung erscheint nach allein, was wir aus der Urteilsbegründuiig entnehmen konnten, durchaus glaubhaft. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Angeklagte nach der Definition des Strafgesetzes„verniöge seines öffentlichen Amtes anvertrautes Gut in einem 500 Xi übersteigenden Betrag vorenthalten" hat. Da die erlegten Summen für Privatpersonen im Mutterlande bestimmt waren, mussten sie— wie das Gericht mit Recht betonte— besonders aufbewahrt, auf ein besonderes Konto verrechnet oder bei einem Geldinstitut hinterlegt werden. Der Angeklagte verwahrte dieses Geld indessen nur in einer Handkassa und zog es unbe« fugtertveise zur Deckung von Ausgaben heran, für die diese Privatgelder natürlich nicht bestimmt waren. Das Gericht erachtete die Verteidigung des Angeklagten, dass er das anvertraute Geld nicht zu eigenem Nutzen verwendet habe, nicht für widerlegt, stellte aber doch fest, dass er mit anvertrautem Geld, wie mit seinem eigenen umgegangen sei. ohne dass die Vorgesetzten Stellen von diesen Eigenmächtigkeiten wussten. Als diplomatischem Beamten und Doktor der Rechte habe ihm bewusst sein müssen, dass er auf solche Art mit dem Gesetz in Widerspruch gerate und er sei deshalb schuldig zu erkennend In einzelnen Punkten, der Anklage erfolgte Freispruch, im wesentlichen aber wurde Doktor Kalda im Sinne der Anklage schuldig gesprochen. Das Urteil lautete auf ein Jahr schweren Kerkers, bedingt auf fünf Jahre, in welcher Zeit der Angeklagte den verursachten Schaden gutzumachen hat. Auf Aberkennung des Wahlrechtes wurde nicht erkannt, da das Gericht nicht zu der Ueberzeugüng gelangte, dass der Angeklagte aus niedrigen und unehrenhaften Beweggründen, vor allem also niedriger Gewinnsucht gehandelt habe. Der Staatsamvalt meldete Nichtigkeitsbeschwerde gegen den freisprechenden Teil des Urteile? und Berufung gegen die Zuerkennung der bedingten Verurteilung und die Nichiaberkennung des Wahlrechtes an. Verteidiger Dr. Rösler brachte seinerseits Nichtigkeitsbeschwerde zur Anmeldung. Leo ReuD alias Brandhofer Der früher an der Berliner„Volksbühne" mit Erfolg tätig gewesene Schalsspieler Leo Neuss, der »ach Hillers Machtergreifung in Wie» vergeblich ein Engagement suchte und erst dann wieder Erfolg hatte, als er sich unter dem Namen Kaspar Brandhofer, mit blondem Bart behaftet, als Tiroler Bauer und mimisches„Naturgenie", von der zeitgemässen Aureole der Bodenständigkeit glänzt,„entdecken" liess,— dieser einfallsreiche Man», der die Nichtanerkennung früherer Verdienste mit einem wohlgezielten und wohlgelungenen Schauspieler-Streich widerlegt hat, stellte sich(mit seinem neuen Bart) am Freitag in der Prager„Urania" einem nicht sehr umfangreichen. aber dafür auch nicht sensationslüsternen, sondern literarisch verständnisvollen Publikum vor. Er las Gedichte von Rilke, Brecht, Zuckmayer, Karl Kran» und eine Reihe der noch immer ungedruckten balladesken und visionären Verse des in Prag nicht mehr nnbekannien Lyrikers Moritz Seeler, deren sich Leo Reuss mit besonderer Liebe annahm. Er erwies sich als sehr eindrucksvoller, allerdings betont dramatischer und kraftvoll-theatralischer Sprecher, und c8 erscheint nahezu unfassbar, dass die Wiener Theaterleute in ihm ein„Naturgenie" wittern konnten, ohne ihm die Schulung und die fünfzehnjährige Bühnenerfahrung anzumerken. Leo Reuss gab keine Aufklärungen über dieses Rätsel.' Er wies nur mit sympathischen Worten darauf 'hin, dass er nicht als Sensation betrachtet werden wolle, dass sein Abenteuer von jener echten Komik war, die der Tragik verwandt ist, und dass es ihm wie wenigen seiner Schicksalsgenossen die Möglichkeit gab, unter der Maske eines Fremden die Vergänglichkeit des eigenen Ruhmes, die Eitelkeit genossenen Glückes und die tassächliche Begabung zu erkennen und so durch eine Maskerade der Wahrheit näher zu kommen. Wie wenig er sich dabei verstellt hat, bewies er, indem er einen Macbeth« und einen Wilhestn-Tell-Monolog so sprach, wie er sie den Wiener Theaterdirektoren Vorgesprächen hat, die ihn ablehnten, als er nur ein emigrierter Schauspieler, ihn aber freiwig akzeptierten, als er ein bärtiger Tiroler Bauer- und beidemal ein sicherer und wirkungsvoller Bühnensprecher war. —eis—■ Aus der lartei. Sitzung de?* BezirkSverkrekung Freitag, den 9. d. M„ um 19 Uhr im Parteiheim. Vereürsaaeitetektek Diese» Sonntag-■ Große Atus-Akademie Beginn 5 Uhr nachmittags. Nach Abwicklung des Programms Tanz. Kein Genosse mid keine Genossin darf bei der Akademie fehlen. « X Ortsgruppe Prag. 10. April, Treff- Kn punkt um halb 4 Uhr am Smichover Bahnhof, Fahrt nach Revniee, Wände« fiy rung auf die Hütte, Sonntag Tour ™ nach Karlstein, Svath Jan, führt Pick. Montag, den 12. April, um 8 Uhr abends im Parteihelm,«rag II., Smeiky 22, dritter Stock, Fraurni-Abencl mit Vortrag der Abgeordneten Genosst» Irene. Klrpalr Querschnitt durch die Politik der Gegenwart . Frauen-Bezirkskomitee Prag. Jeder denkende Sozialist muß täglich sein Parteiblatt, den„Sozialdemokrat", lesen. Sendet daher diesen Bestellschein an die Verwaltung des„Sozialdemokrat", Prag XU., Fochova 62. »estellfcher« Ich bestelle vom:„ den„Sozialdemokrat", das gentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Prag XU, Fochova 62, zum Abonnementpreis von KC 16*— monatlich. Name:-...'' Adresse: - Unterschrift, Der kreiheiftkampf des spanischenVolk« Neber dieses Thema spricht am Freita g den 9. ds„ um 29 Uhr im Saale deS Handwerkervereines das Mitglied der tschechoslowakischen Spauiondelegation E r n st P a« l in einem öffentlichen Vortrag.— Negiebeitrag. Bezirksorganisation Prag der DSAP. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Xi 10.—, vierteljährlich Xi 48.7—, halbjährig Xi 96z- ganzjährig Xi 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass..— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der. Retoürmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektion mit Erlass Nr. l3.800/VII/lSÜ0 bewilligt,— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags« und ZeitungS-A.-M. Prag.'''