Einzelpreis 70 ffiCUCt seinschließk. 5 Heller Porto) 17. Jahrgang Freitag, S. April 1S37 Nr. 84 Aus dem Inhalt: Herr Rutha als blinder Passagier Sonntags-Arbeitersendung Uber Liblice Prager Gangster überfallen Bankfiliale Der Mieterschutz für die Zweizimmerwohnungen Erscheint mit««•nähme de« Montag täglich früh . PragXn., Fochova 62— Telephon 53077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Präsident Dr. BeneS zurückgekehrt ,.® r® ß' 15.45 Uhr traf der Sonderzug mit dem Priisideuten der Republik Dr. BrneS und feiner Begleitung wieder auf dem Wilf-n- Bahnhof ein. Auf dem Bahnsteig hatte eine Ehren- kompagi, des 28. Infanterieregimentes mit Musik und Fahne, die Generalität mit den Generalen m* 5“ J“ nh KrrjLt und Vertreter der Polizeibehörden mit dem Polizeipräsidenten Dr. Chardsit Aufstellung genommen. Im Bahn- Hofssalon hatten sich Vertreter der Präsidien beider Kammern, die gesamte Regierung mit Doktor H» d z a an der Spitze und Bertreter der Prager Zrntrakämt« eingefunden, ferner der französisch, Gesandte und die Geschäftsträger der jugoslawischen und der rumänischen Gesandtschaft. ... Präsident wurde von Dr. HodZa, Mi- dem jugoslawischen Chargö BojlL beim Berlaffen deS ZugeS begrüßt. Nach dem Abfchreiten der Ehrenkompa- »ni,«folgte im Bahnhofsfalo»«ine sehr herzliche Begrüßung mit den beiden Kammerpräsidenten, »rm französischen Gesandten und den RrgierungS- Mitgliedern. Frau BeneöovL wurde indessen von den anwesenden Damen begrüßt; die Senatorin PlamtnkovL überreichte ihr namens deS Frauen- RationalrateS einen Blumenstrauß. Der Präsident stthr dann mit seiner Begleitung in Autos auf die Burg. Bom Bahnhof bis zum Wenzelsplatz stan- den trotz der ungünstigen Witterung dichte Reihen der Bevölkerung Spalier. Die Rückreise führte über Slawonisch-Brod und Agram nach Marburg, bis wohin den Prä- stdenten eine Reihe hoher jugoslawischer Funktio- — nare mit dem Eisciibahnminister De.^S-paho an der Spitze begleitete. DI- Fahrt durch Oesterreich führte Wer Graz und Linz. Auf dem Grenzbahnhof in Oberhaid und in Budtoeis«fotzten Begrüßungen durch die offiziellen Persönlichkeiten und ein zahlreich erschienenes Publikum. Auch in Bäbor wurden dem Präsidenten von der Bc- völkemng herzliche Ovationen bereitet. Dar Gegenbesuch erst In einem Sehr? Prag. Bor der Abreise des Präsidenten Dr. Benes aus Belgrad wurde— wie gemeldet — zwischen ihm und dem Prinzregenten Pauk der Besuch des Prinzen in der Tschechoslpwakei vereinbart. De» Informationen des Tsch. P.-B. zufolge wurde als geeigneteste Zeit dieses Besuches entweder d« Herbst des heurigen Jahres»der das Frühjahr deS nächsten JahreS festgesetzt. DaS wahrscheinlichste Datum des Besuche- ist Ende MaioderAnfangJnnideSkommen- den Jahres. Nezl-Gerilchte über Hodles Wiener Besuch Prag. Das tschechoslowakische Pressebüro ist ermächtigt, zu den in einigen deutschen Provinzblättern erschienenen Nachrichten betreffend den letzten Aufenthalt deS Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan Hodja in Wien zu erklären, daß der Borsitzende der. Regierung keinen Vertreter der Familie HabSburg empfangen hat und daß sämtliche an diese unrichtige Behauptung geknüpften Kombinationen, alS ob hie tschechoslowakische Regierung unter bestimmten Umständen gegen die Rückkehr Otto HabsburgS nach Oesterreich keine Einwendungen erheben würde, vollkommen wüste Erfindungen sind und jeglicher. Grundlage entbehren. "0. Die Quelle dieser wie der meisten falsche» »nd zu bestimmten Zwecken auS durchsichtigem Grunde.erfundenen Nachrichten scheint der sehr ausgebreitete.Nachrichten-ApParat der „Münchner Neuesten Nachrichten" zu sein, der mit dem der„Zeit" ziemlich wentisch ist. In den Meldungen hieß S beispielsweise, Hodja habe mit dem Herzog von Hohenberg kon- Mert und ihm zugrsicherisdaß die.Tschechoslowa- . kei einen Teil deS seinerzeit enteigneten habSbur- gischen vermögens tvieder herausgeben werde. Die Gerücht« haben ausgesprochen provokatörischen Charakter und sollen einerseits dazu dienen, di, österreichisch-tschechoslowakische B«ständigung zu torpedieren, andererseits dem Ministerpräsidenten HodZn persönlich Schwierigkeiten zuberelten.Bei- deS geschieht im Interesse Beirltn», dem die Henleinpreffe ja bedingungslos zu Dimsten steht. Vie Partei für die Etrich-Arbeiter ■ Die Sitzung des Vollzugsausschusses der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hat sich mit dem spontanen Streik der Arbeiter- schaft bei der Firma Etrich in Jungbuch befaßt und beschloß, den kämpfenden Arbeitern und Arbeiterinnen ihr volles Verstand» nis für ihren Verzweiflung s» »ampf z»m Ausdruck zu bringen. Mit großer Empörung wendet sich der Vollzugsausschuß gegen die in diesem Betriebe herrschenden Arbeitsmethoden«nd das unerträgliche System der Behandlung der Arbeit« und besonders der F r a» e« und Mädchen. Der Vollzugsausschuß erwartet von allen zuständigen Stellen rin energisches Em- greifeu, damit den berechtigten Forderungen der Arbeiter"und Arbeiterinnen nach menschenwürdiger Behandlung«nd einer ihrer Arbeitsleistung entsprechenden Entlohnung Rechnung getragen wird. Die Sitzung richtet an die Arbeiter den Appell, Rn he und Besonnenheit zu bewahren und sich von d e m a g o g i s ch e n Provokationen«nd heuchlerisch en Sympathiekundgebungen gewisser Parteien, in d«en Kreisen sich viele Unternehmer und Antreiber befinden, nicht irreführen z« lassen, sondern Disziplin zu halten»nd den Weisungen d« zuständigen Gewerkschaftsorganisationen, d« Union der Textilarbeiter, Folge zu leisten. Fortdauer der Verhandlungen « Teilweise Annäherung Donn->r s t a g fanden bei der Bezirksbehörde in Trantenau wiederum Berhandlungen über die Forderungen der streikenden Arbeit« bei Etrich In Jungbuch statt. ES gelang, eine teilweise Annäherung über einig« Forderungen herbeizuführen, zu«in« E i n i g u n g ist eS jedoch noch nicht gekommen, da noch einig, Forderungen der Streikende» offen sind. Am DienStag nächst« Woche finden Ber- handlungen üb« dir Erhöhung der Löhn» d« dr»! Sittebetriebe im Gebiet Trautenau.Hohenrlb« statt.. Erst nach Abschluß dieser Berhandlungen wird über die besonderen Forderungen der Jung- — noch keine Einigung buch« Etrich-Arbeiter verhandelt werden. Der Betrieb bleibt nach wie vor von der Arbeiterschaft besetzt. Die Lebensniittel- znfuhr funktioniert klaglos«nd die S t i m m u n g der kämpfenden Belegschaft ist unentwegt gut. Weiter sind für SamStag Lohnverhandlungen mit den FlachS-SpInnereien und für Mittwoch nächst« Woche mit den Garn-Bleichen angefeht. Die Union der Textilarbeiter verlangt für di« Arbeit« aller Branche» die Borkrisenlöhne, waS ein« Lohnerhöhung von 8.0 Prozent gleichkommt. Zu unserem Bericht von gestern ist richtigzuftellen, daß di« Arbeit« nicht fünf, son- I der« 25 Prozent Lohnerhöhung fordern. Sitzung der Partei-Exekutive Prag. Am Donnerstag sand im Klub unserer Abgeordneten eine Sitzung deS BollzugS- auSschusseS unserer Partei statt, in welcher der Parteivtzrsttzende Genosse Dr. C z e ch einen ausführlichen Bericht üb« alle aktuellen wirtschaftlichen und politischen Fragen"erstattete. Der Bollzugsausschuß nahm sodann ein«» Bericht des Genossen KrrjLi üb« den. Stteik bei der Firma Etrich in Jungbuch entgegen und faßte feine Stellungnahme in rin« Entschließung zusammen, die wir an anderer Stelle wiedergeben. Genosse d e W i t t e berichtete üb« die Londoner Tagnng d« International«, worauf Genosse Paul über seine Reise nach Spanien referi«te. Der Bollzugsausschuß befaßte sich sodann mit dem Problem der öffentlichen Arbeiten, wobei insbesondere darauf hingewirsen wurde, daß bei der Verwaltung des staatlichen Straßcnfonds zahlreiche" durchführungsreif« Straßenprojekte wegen Mangel an Mitteln unerledigt bleiben. Neber Antrag deS Genossen Jaksch wurde beschlossen, entsprechende Schritte einzuleiten, damit der staatliche Straßenfonds im Wege ein« Anleihe die notwendigen Mittel für die Durchführung der vorbereiteten Straß envauprojekt«, namentlich in den deutschen Notstandsgebieten, zur Berfügung gestellt erhalte. Alle Berichte löste» eine rege Aussprache auS, an der sich sämtliche Mitglieder des Boll- zngSansschnffcs beteiligten. Im übrigen wurde «ine Reihe organisatorischer und administrativer Angelegenheiten erledigt. Der Sieg von Chlihorra Anduja.(Agrnee Espagne.) Bon Stunde zu Stunde vrrgrößert sich daS AuSmaß deS Sieges der Regi«ungStruppen bei Chim»«a«nd Billa- harta. ES bestätigt sich, daß diese Nied«lage der Rekellen sast der Niederlage von Guadalajara gleichkömmt. Die Beute ist noch viel beträchtlicher, alS bisher angenommen worden ist. So«höht sich die Zahl der erbeuteten Geschütze nrbm den schon gemelditen elf Kanonen ans"zwei Flaktatt«ien. Ebenso wurden liS jetzt acht Tanks eingebracht. Rebe» einer sehr große» Anzahl von Maschinengewehren, deren Zählung noch nicht abgeschlossen ist, wurde ein. ganz« Fuhrpark an Lastautos erbeutet. Reben den schon gemeldeten groß«» Muni- tionsvorräten sind auch mehrer« Lebensmittellager in die Hände d« Sieger gefallen. Reglerühg wieder nach Madrid? "" London. Der Korrespondent> deS„News Ehronicle"" in'Valencia meldet, daß die spanische" Regierung sich wahrscheinlich zur baldigen Rückkehr nach Madrid vorbereite. Einige Botschaften hätten die Weisung erhalten, zu einer eventuellen Abfahrt"in die Hauptstadt vorbereitet zu sein. Diese Dispositionen seien unter dem Eindruck des Optimismus getrosten worden, der durch den Erfolg der" Regierungstruppen an der Guadalajarafront hervorgerufen worden ist« Von der Basken*Front Madrid.(HavaS.) Wie auS Bilbao g«. meldet wird, haben aufständische Abteilungen Donnerstag einen scharfen Angriff auf den Abschnitt Barazar"»ntccnommen, an dem auch auf- ständifche Flieger stark beteiligt waren. Die Republikaner leisteten erbitterten Widerstand- Erklürungen der gefangenen deutschen'Flieger Bilbao.(Agence Espagne.) Die vier deutschen Fliegeroffiziere, die an der baskischen Front gefangengenommen worden sind, haben vor den baskischen Behörden" ausgesagt, dass die Rebellen in ihrem OperationSplan für den 5. April die Einnahme von Durango und für den'8; April den Sturm auf Bilbao angesctzt hatten. Die Rebellen haben-den heftigen Widerstand,.den ihnen die Re- gierungStrnppen entgegengesetzt haben, nicht erwartet. Die Fliegcrösfiziere haben weiter aus» gesägt, daß die RegierungSslugzeuge viel besser süld, als die der Rebellen und di« Rebellenflieger däh« die Weisung bekommet^ haben, wenn irgend -möglich, den Kampf mit der Regierungsluftwaffe züvirmeiden. Für den Zustand hinter der Rebellenfront ist eS bezeichnend, daß einer dergefan» genen deutschen Ostiziere, ein Fliegerhauptmann, atiSgesagt hat, er habe seit vier Tagen keine Ber- pslegung mehr erhalten. eine Mahnung Im Großbetrieb der Firma Etrich, einer Jutespinnerei und-Weberei In Jmigbnch bei Trantenau, sind am Montag etwa 1000 Arbeiter in Streik getreten, nachdein Verhandlungen, die in der Borlvoche geführt worden waren, an der Hartnäckigkeit der Firma, die vom Sekretär des „Deutschen HanptverbandoS der Industrie", Dr. Stade, beraten wird, gescheitert sind. Die Empörung der Arbeiter, die ihren Ausdruck in der spontanen Arbeitseinstellung findet, hat ihren Grund in den skandalösenVerhält- uisseu in diesem B etriebe, die eine wahreSchande sind.' itin diese Zustände zu verstehen, muß man wissen, daß gerade die Textilindustrie der Schauplatz rücksichtsloser Rationalisierungsmaßnahmen ist. In vielen Betrieben ist das Bedcauxspstciu eingeführt worden, das nichts anderes ist als eine unbedenkliche, hemmungslose Ausbeuiung der Muskeln und Nerven der Arbeiter und Arbeiterinnen. In Jungbuch ist man vor.einiger Zett in der Juteweberei vom Zweistuhl- zum Vicr- stuhlsystein Lbergegangen, d. h. ein qualisiziertcr Weber muß statt zweier Wcbstühle vier, und zlvar breite Webstühle bedienen. Dabei hat man den Leuten die früheren Aushilfen bis aus einen sog. Lehrweber weggenommcn. Die Ingenieure haben zwar ausgerechnet, daß durch den Hilfsweber Handgriffe erspart werden, es hat sich aber herausgestellt, daß ohne Gefährdung der Gesundheit vier Jutewebstühlc von einem Volllveber auf die Dauer nicht bedient werden können. Ebenso bedeuten die automatisierten Spinnmaschinen eine wesentlich größere Anstrengung für die Spinnc- xinne». Es ist geradezu unmenschlich, welch kür-, pcrlich schwere Arbeit man von de» Frauen vcr,' langt, wie da die Arbeiterinnen die schwersten Ballen heben müssen. Ebenso müssen junge Menschen schwere. Körbe heben— eine Arbeit, die fiir kräftige erlvachsene Arbeiter gerade genug ist. Djis Pflaster in den Arbcitssälen weist Löcher auf, lvelche die Arbeit geradezu zur Gefahr machen. Bezeichnend fiir die Firma sind die Klosettanlagen, die so beschaffen sind, daß in der angrenzenden Arbeitsstätte ein Gestankist, der Uebelkeit Hervorruf t und den Aufenthalt dort zu einer Otinl für Männer und Frauen macht. Innen sind die Klosetts jahrelang nicht gelveißt worden, obzwar die Arbeiter auf den Schmutz wiederholt aufmerksam gemacht haben. Das sind. Verhältnisse, wie sie in den Fabriken in den achtziger Jahren geherrscht haben und aus der sozialistischen Literatur bekannt sind. Ebenso ist die B e h a n d l u n g d e r A r- beiter und insbesond'ere der Arbeiterinnen eine menschenun- würdige. Die Vorgesetzten glauben", daß die Arbeiter ihre Sklaven sind, über deren Sorgen und Nöten sie ihre ordinären Witze machen können. Derartige gemeine Bemerkungen lverden ganz besonders in bezug auf das Familienleben der Frauen gemacht. Daß auch versucht lvird, die soziale Abhängigkeit der Mädchen und Frauen dazu auszunützen, daß einzelne Herren ihre Lüste befriedigen, scheint zu den Einrichtungen der Firma zu gehören. Dazu kommen schließlich, die niedrigen Löhne, für die schwere nervenaufreibende Arbeit, die dort geleistet wird. Die Unternehmer haben die Krise zum Abbau der Löhne mißbraucht und glauben, die Arbeiter werden sich Krisen- und Hungerlöhne von 70 bis 80 Kö in> Durchschnitt ewig gefallen lassen. Die Arbeiter.wollen menschenwürdig leben und sie werden dies im Kanrpse durchsetzen, wenn das di« Unternehmer nicht selbst begreifen. Erst kürzlich — in der Osternummer des„Teplitz-Schönauer Anzeigers"— hat der Sekretär Ws Hauptverban- deS der Industrie Dr. Reinhold Schmidt zugegeben,„daß sich die Kaufkraft der Massen nicht sonderlich gehoben hat" und daß dies ein Hindernis der Entfaltung der Konjunktur sei. Während d« eine Sekretär der Industriellen ist der Zeitung dies feststellt, ist der andere bestrebt, jede Lohnerhöhung zu verhindern. Dieser Herr Dr, Stade, dersichden Kampf gegen jede Erhöhung der Lebenshaltung der Textilproleten Ostböhmens zur Aufgabe gemacht hat, ist übrigens Angehöriger jener Partei, die nun den Streik in Jungbuch dazu benützen will, im Trüben zu fischen und die Arbeiter mit frommem Augenaufschlag ihrer Sympathie versichert. Wenn die SdP tatsächlich für die Interessen der Arbeiter eintritt, warum übt sie nicht den Einfluß auf' Seite 2 Freitag, v. April 1037 Nr. 8* Herrn Dr. Stade a»S, damit dieser die skandalösen Zustände bei Etrich, unter denen seine Ka- nieradcn Arbeiter leiden, beseitigt? Diesen Schwindel werden auch die SdP-Arbeiter durchschauen, ebenso wie es jene, die noch der Fahne Henleins folgen, nicht begreifen, warum von dem Abgeordneten des Trautenaucr Gebietes, Herrn Dr. Kellner weit und breit nichts zu sehe» ist? Die SdP müßte aufklärcn, warum sich der Herr Dr. Kellne r, der von Trautcnan mit seinem Auto in ein paar Minuten in Jungbuch sein könnte, nicht blicken lässt und ob das nicht den Grund darin hat, weil der Herr Abgeordnete der Firma Eirich nahcstcht? In dem Palais des für Strich entscheidenden Mannes war die famose „Volkshilfe" der SdP und des Bundes der Deutschen untergcbracht— man sieht, die Bezie hungen zivischen der SdP und der Ausbeuterfirma sind so enge, daß es der SdP möglich wäre, auf die Firma Etrich einen Druck auSzullben. Das tut sie nicht und deshalb ist das Gerede der Herren Kasper und Birke ein politis ch c r Betrug an den um ihre LebenSwÜrde kämpfenden Arbeiter«. Diese bedrückten, getretenen Menschen haben sich die Behandlung und das Leben, das man ihnen bereitet hat, in der Krise gefallen lassen müssen, weil sie um ihre armselige Stellung gezittert haben. Diese Zeit ist vorüber, die Arbeiter ertragen dieses Los nicht mehr und die Unternehmer mögen so viel Klugheit, Einsicht und Menschlichkeit besitzen, um den lebenswichtigen Forderungen der Arbeiter Rechnung zu tragen. Jung buch ' i st e i n e Ma h n u n g, die befolgt werden sollte. fiel, durch Hinweis auf die von Jobst vorgebrachten Bcschlverden zu entkräften. Als ob sich irgendwelche bei» uns mögliche BerwaltungSübcrgriffe auch nur im entferntesten mit jenen' Viethoden einer mittelaltcrichen Barbarei vergleichen ließen, mit denen die BevölkerungdcS großen Nachbar- reicheS in Botmäßigkeit erhalten wird. Mit solchen schiefen Vergleichen entlarven die Herren von der SdP immer nur wieder sich selbst! DaS angebliche„vertrauliche Rundschreiben" der tschechischen Sozialdemokratie. Am 21. März brachte der„Benkov", wie wir berichtet haben, einen Leitartikel eines nicht genannten Mitgliedes des Vorstandes der Republikanischen Partei, in welchem ein angeblich„vertrauliches Rundschreiben" der tschechischen Sozialdemokratie adpedruckt war, welches sich auf die Gemeindewalfken bezog. In diesem Rundschreiben wurde den Organisationen der Rat erteilt, bei den kommenden Ge- melndewahlcn ein stilles Abkommen mit den Kommunisten zu schließen. Das„Prävo Lidu" erklärt« sofort nach Erscheinen dieses Artikel» im agrarischen Hauptorgan, daß ein solches Rundschreiben niemals ansgeschickt worden sei. Gleichzeitig teilte dies der Parteiborstand der tschechischen Sozialdemokratie dem Vorstand der Agrarpartei mit und forderte den„Benkov" ans, seine Behauptung zu widerrufen. Am 6. April stellte der Parteiborstand der tschechischen Sozialdemokratie fest, daß seitens der Agrarpartei bisher keine Antwort eingelaufen fei. Erft am 7. April brachte der„Benkov" eine Notiz, in welcher er von dem Brief der tschechischen Sozialdemokratie Mittei» Imig macht. Obzwar das Rundschreiben, wie der „Benkov" schreibt, von„vertrauenswürdiger Seite" stamme, bestehe kein Grund, an der Wahrhaftigkeit der von den tschechischen Sozialdemokraten zugekommcncn Nachricht zu zweifeln. An demselben Tage bekam der Parteivorstand der tschechischen Sozialdemokratie ein Schreiben der Agrarpartei, worin diese feststellt, daß der Informator des„Benkov" mystifiziert Ivurde. DaS „Prävo Lid»" erklärt nun zu dieser Angelegenheit, es müßte die Person desjenigen, der die Agrarpartei irregefiihrt hat, festaestcllt werden. Gandhi soll den ersten Schritt tun GroBbrttannlen stellt' Entgegenkommen in der indischen Frage In Aussicht L» ndon. In beiden Häusern deS englischen Parlaments wurden am Donnerstag gleichlautende Erklärungen über Indien abgegeben. Darin heitzt eS u. a.r Selbstverständlich sei es den britischen Gouverneuren unmöglich gewesen, die Bedingungen deS Kongreßes anzunehmen, auf die in der Berfaffung vorgesehenen Bollmachten zu verzichten. Wenn die Kongretzpartei ihre ablehnende Stellungnahme nicht ändere, dann könne offenstchtlich im Augenblick nichts weiteres mehr gesagt werden, esset denn, das) Gandhi oder irgendein anderer Vertreter de» Kongresses in Erkenntnis der wirklichen BerfassungSlag« den Wunsch ausdrücken würde, den Bizekö- nig aufzufuchen. In diesem Falle würde ohne Zweifel der Bizekönig einer solchen Forderung mit dem Wunsche e n t, e g e n k o m m e n, eine Verständigung über dir Stellung der Hauptvertreter der Kongretzpartei zu erzielen. Die Initiative liege ater offenstchtlich bei der Kongreßpartei. Einmütiges Lob der Verwaitungsgerichtsnovelle Dr. Marei: Ein weiterer Schritt zur Befriedung der Minderheiten Sogar Dr. Peters spricht von einer„groBen nationalpolitischen Realität** Prag. DaS Abgeordnetenhaus beendete am Donnerstag die auf ungewöhnlich hohem Niveau stehend« Aussprache über die VerwaltungSge- richtsnovclle. In der FreitagSsihung, die um halb 11 llhr beginnt, lvird der Referent Dr. M« i ß n e r das Schlußwort halten, worauf die Vorlage mit geringfügigen Acnderungen, Uber die sich die Koalition bereits einigte, zum Beschluß erhoben werden wird. Stach den getroffenen .Dispositionen wird sich das Haus dann auf nächsten Donnerstag vertagen, an welchem Tage Justizminijtcr Dr. D ä r e r die erste Lesung dcS neuen Bürgerlichen Gesetzbuches mit einem Ex- posö cinbegleiten wird. In parlamentarischen Kreisen sieht man mit Interesse dem freitägigen Ministerrat entgegen, in dein der Antrag deS Fürsorgeministe- riumS auf Fortdauer deS Mieterschutzes für die Zweizimmerwohmmge». Dr. Maret lisch. Eoz. Dem.) begrüßte die Vorlage als Stärkung des Rechtsschutzes der Bevölkerung und dcS Schutzes der M i» d e r h e i t eure ch t e und damit auch der inneren Kräfte des Staates. In verschiedenen Minderheitsgebieten gebe es soviele werktätige Kräfte, daß man für sie«Ine Formel finden müsse, die es ermöglicht, sie zur gemeinsamen Arbeit und zur Schaffung jenes neuen TppuS der tschechoslowakischen Mentalität zu vereinigen, die unsere» Deutschen erst jenes Bewußtsein von der besonderen Sendung des deutschen Boltes In diesem Staate geben würde, einer Sendung, dir bereits in der Geschichte dieses Staates ihren Widerhall gesunden hat. Es sei n« r Mut zur Fortsetzung de» Werke» notwendig, damit e» gelinge. Durch die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse werde» auch die Wege der gegenseitigen Verständigung gangbarer werd.«», besonder» wenn verschiedene Vorurteile aus der Vorkriegszeit verschwinden. Redner bemängelt dann da» langsame Tempo der BerwaltungSrcsorm und setzt sich namentlich auch für die Erfüllung der berechtigten Forderungen der Richter ein. Liika lGew.-Part.) protestiert gegen die Behauptung eine» Teiles der Presse,„daß da» Handeltministerium ein Tummelplatz einer gewissen politischen Partei sei", und sordert Beschleunigung der Unifizierung sowie die Erlassung deS Durch- siihrungSgesetzc» über die Haftung des Staate» für ungesetzliche» Vorgehen seiner Beamte». Die SdP schickt« Dr. Peter» in die Debatte, der viel von der notwendigen Sicherung der „R e ch t»st a a t I i ch k e i t" herumrcdetc, die auch in der Verwaltung durch deren scharfe politische Kontrolle garantiert werden müsse. Er gab zu, daß die Vorlage eine sehr wertvolle nationalpolitische Realität sei,„größer und bedeutungsvoller al» die Regierungserklärung vom 18. Feber", denn sie sei eine Realität, während die zitierte Regierungserklärung sich„hinter den Vorbehalt der individuellen Lotmlität verschanze", den die Regierungsparteien angeblich in durchsichtigerMsicht so interpretieren. daß der staatsfeindlich sei. der nicht mit ihnen gehe. Die SdP würde„mit ruhigen Nerven" die politische Entwicklung mitmachen und diesmal fürdjeNovelle stimmen. Dr. Dnfek lAgr.) erklärte, im Hanse herrsche absolute Uebereinstimmung darüber, daß Angelegenheiten de» sogenannten freien Ermessen» nicht ans der Kompetenz de» OBG aurgeschieden werden dürfen. Dr. Luschka(Cbr.-Soz.) hebt das Verdienst de» verfassungsrechtlichen Ausschusses hervor, daß er jede Einengung der Kompetenz de» OVG abgewehrt hat. Der einzige Kontra-Redner war Dr. Holita lllng. Per.). Dr. Goldstein al» Sprecher der jüdischen Partei wandte sich gegen antisemitische Ausfälle, die Abg. S i d o r von der Hlinka-Partei im Ausschuß gemacht hatte, und hielt ihm vor, daß Hlinka selbst vor kurzem erlläri habe, weder er»och seine Partei seien antisemitisch eingestellt, sondern sie seien sich der. großen moralischen Bedeutung de» Judentums für die Kultur der Menschheit und für das Christentum bewußt. Jobst(SdP) brachte allerhand Beschwerden über da» Vorgehen politischer Beamter in Südböh- me» gegen die SdP vor. «»5 die SdP nicht hören will: Letzter Redner war Genosse Köglrr, dessen Rede wir morgen im Auszug nachtragen werden. Er betonte das besondere Interesse unserer Arbeiterschaft an einer geordneten, einwandfrei funktionierenden VerwaltungSgcrichtsbarkeii, und zog Vergleiche mit einem gewissen Nachbarstaat, wobei Herr Birke sofort protestierte, er solle nicht einen Nachbarstaat beleidigen, mit dem wir in Freundschaft leben. Auch Herr Dr. Peters suchte sofort Feststellungen des Redners über den Leidensweg eines Tschechoslowaken, der in die Klauen der Gestapo ks ist dein Menschen nicht erlaiilrt..... Mareile»i> Bolen» Bmeiovi• Diulsch ton k» Ebirtovt Und Bettina trug die Safire, den schönen Schmuck ihrer Jugendzeit, zum Fenster, Ivo das Licht alle Flächen mit einer zauberhaften Bläue übergoß. Sie urteilte bei sich, daß sie Magda Rannh prächtig stehen würden, in jenen ansonsten tief traurige» Tagen, wo Gabriel nicht mehr bloß ihrem mütterlichen Herzen gehören werde. Sie spürte dabei einen Stich in der linken Brnstseite, mit einem so wonnigwehcn Schmerz, der am besten die Gedanken von etwas quälend Häßlichem ablenkt. Als der Sohn gegen Abend aus der Bank kam, fand er die Mutter noch vor der Lade. Der Salon war nie so schön wie in der Dammerzeit, wenn die Brokate und Stickereien mit den» Licht der untcrgchcndcn Sonne in einen feierlichen goldbraunen Ton verschmolzen, und nur die silbernen Schmetterlinge auf den japanischen Wand- schirincn und die zarten Blumen im Erker sich in der goldenen Stille gegenseitig zu locken schienen. „Gabriel", verkündete die Mutter seicrlich, „du weißt, daß ich schon Jahre hindurch Tag und Nacht nur an dich denke. Aber heute habe ich ganz besonders eindringlich an dich gedacht."—„Warum nicht gar!" meinte er, sank in den Lehnstuhl und streckte die Beine von sich, wie ein Kutscher beim Bier. Sie sah zwar, daß er nicht sehr artig dasaß, aber sie sah auch, daß er zum Ausjauchzen hübsch war, wie er es sich hier bequem gemacht hatte, das Gesicht im rosigen Schatten und auf der Stirn den Streifen des letzten. Sonnenstrahls. Er war fünfundzwanzig Jahre alt, aber er verstand cs, dreinzuschauen und zu lächeln wie ein Knabe, der zum erstenmal lange Hosen an hat und die Bücher schon nicht>nehr in Riemen tragen will. Aber seine Schultern waren breit, die Beine wie die eines Atlehten, und als er jetzt wieder lächelte, erglänzte sein ganzes Gesicht von Gesundheit und Kraft. Sie erwartete, daß er etwas ausführlicher fragen werde, es geschah jedoch nicht. Da entschloß sie sich. Sie wollte wenigstens einmal im Leben lvie eine Frau sprechen, die Männer kennt und von den Ursachen alles Uebels etwas versteht. „Dieses Mädel aus der Bar ist für eine Geliebte viel zu häßlich," sagte sie also Ivarnend im Kcnnerton.„Sie ist es nicht," antwortete er lebhaft.„Sie hat Augen wie ein hübscher Foxel, besonders wenn sie von diesen Brötchen erzählt." —„Gabriel, scherze nicht! Ich spreche vollkommen ernst!", rief sie fast feierlich aus; lehnte sich an den Kamin und hob die Hand mit beschwörender Geste. Nicht umsonst sagte man von ihr in jungen Jahren, sie habe eine Stimme wie die Skle- näkovä-Malä. Wer er warf ein Bein übers andere und knüpfte an den Schuhbändern herum. „Am Ende gefällt sie dir wirklich?!" schrie sie heftig auf. Er ließ die Schuhbänder nicht lotz, hob den Kopf nicht, aber er wandte ihr wenigstens di« Augen zu. „Zu viel Neugierde ist dem Menschen nicht gestattet," verwahrte er sich tzeiter.„Jedes junge, nicht gerade garstige Weib kann den Söhnen gefallen, aber die Mütter haben nichts dreinzureden. Das ist«ine Unsitte, welche man nicht dulden darf." „Schweig, da» ist abscheulich," schrie sic auf. Sie wollte nicht so laut sein, sie dachte nicht mehr an die Silenätovä-Matä. Alle nächtlichen Gesichter und Gespenster, alles unkeusche Geflüster und Berühren drängte mit einemmale selbst in diesen schönen Salon, und für die Generationen ihrer Urahnen jammerte sie weiter: „O, Gabriel, Gabriel, zu welch schamlosen Gedanken zwingst du mich! Was alles drängt sich mir auf. Vor Scham und Leid versinken möchte. ich anl liebsten bei solchen Vorstellungen I" Gabriel ließ den Fuß geräuschvoll fallen, und als ob er erschrecke, nicht vor der Stimme der Mutter, sondern vor seinem eigenen Ausstampsen, blickte er finster drein und wurde ernst. „Ich werde dir etwas sagen," bemerkte er dann, eine Falte zwischen den Augenbrauen und den Blick irgendwo an der Decke.„Unser Batail- lonSkommandant wer«In gescheiter Kerl, er kannte die Welt wohl und belehrte uns Märzhasen gern. Und weißt du, was der einmal sagte? — Er wußte, was er sprach, er hatte zu Hause eine Mutter, drei Schwestern, zwei Schwägerinnen, ein ganzes Dutzend Tanten, lauter weiblichen Adel. Der hat uns also einmal gefragt: .Wißt ihr, Jungen», was auf der ganzen Welt am meisten zu Schlüpfrigkeiten neigt?' Nun, wir rieten und rieten, es amüsiert« uns in der Tat. Aber er zog nur eine Grimasse, alles vergeblich: ,Jhr werdet es nicht erraten, ihr seid zu grün dazu. Ich werde cS euch also verraten. Am geneigtesten zu Schlüpfrigkeiten ist die Phantasie sogenannter anständiger Frauen.'— Das hat mich sehr verwundert— damals." Das Herz zitterte in ihr wie Quecksilber in einem Kinderspielzeug, er aber setzte fort, ohne auf sie zu achten: „Du mußt dich aber heute nicht wundern, Mütterchen, daß ich mich der Weisheit des Borgesetzten erinnert habe, als du so sprachst. Warum zwinge ich dich denn zu schamlosen Vorstellungen? Und warum da» Mädchen, mit dem du dein Lebtag nicht gesprochen hast?"' Er stand auf, trat zu ihr und mit sanfter Hand streichelte er ihr Wer Haar und Wangen. Sie zuckte erschreckt zusammen.— Seine Zärtlichkeiten waren bis jetzt bWenhaft gewesen; nach einenl ausgelassenen Kuß Sich-auSstrecken, beim Streicheln unter Umständen auch Kratzen, und gar nicht beachten, wo die Nase ist und wo der Mund. Heute war sein« Hand anders, geübter. „Um Gotteswillen, am Ende liebst du sie?", schrie sie auf. „Nlchtlntervention“ Italien sendet weiter„Frelwlllge" (PK.) Das in Paris erscheinende Blatt der italienischen Emigration„Giustizia e Liberia" veröffentlicht Angaben über die neuesten Truppensendungen Italiens an Franco-Spanien. Die Korrespondenz bezieht sich nur auf Mailand, Turin und Umgebung. Den Daten der„G. e. L." zufolge— di« sich bis jetzt immer bewährt hatten— haben Ende Fcher Turin Mtlitärtrans- porte mit dem Bestimmungsort Spanieit mit 6000 Soldaten und außerdem 7000 Gewehren verlassen. Die Soldaten und das Material wurden einige Tage später— also wenig- stens zwei Wochen nach der Ver- p f l i ch t u n g, die Italien auf sich genommen hatte— in Sabona eingeschifft. Am 28. Feber verließ ein Maschinengcwehrbataillon der Schwarzhemden Turin, am 26. Feber 460 einzeln angeworbene Freiwillige. Alles nach Spanien. In den ersten Tagen des März flogen drei Bombenflugzeuge mit italienischer Mannschaft nach dem spanischen Kriegsschauplatz ab. Die Apparate sind von der neuesten Konstruktion„Breda", mit einziehbaren Landrädern, 520 Kilometer Höchstgeschwindigkeit. Den Flugzeugen wurden 80 spezialisierte Mechaniker nachgesendet. Eine Abteilung Chauffeure, die für Abessinien angeworbcu wurde, meuterte, als die Leute in Savona erfuhren, daß ihr Bestimmungsland Spanien sei. Sie hätten mit dem Transportschiff„SoemenS" fahren sollen, das Schiff mußte ohne di« Chauffeure abdampfen. Am 8. März verließen sechs hohe Flugspezialisten den römischen Flugplatz Ostia, mit regelrecht ausgestellten Passen auf dem ordentlichen Passagierflugzeug, das nach Cadix verkehrt. Die Rekrutierungen von Freiwilligen gehen, trotz der feierlichen Versicherungen des Propagandaministers Alsieri, weiter, wie wenn nichts geschehen wäre. In Teramo verkündete das Radio aus Bersehen die Aufruf« für die Frciwilligen- Rekrutierung. Eden führt nach Belgien London. Minister Anthony E d e n y wird sich Ende des Monate» auf Einladung der belgischen Regierung zu einem kurzen Aufenthalt nach Belgien begeben. Dieser Besuch wird es ihm ermöglichen, die persönlichen Beziehungen, die er mit dem Ministerpräsidenten van Zeeland und mit dem Minister Spaak einerseits in Genf, andererseits bei den Besuchen dieser zwei belgischen Staatsmänner in Großbritannien angeknüpft hat, zu erneuern. klunltlon für Spanien beschlagnahmt Pari». In dem kleinen französischen Hafen Verdon an der Atlantik-Küste ist Donnerstag ein norwegischer Dampfer mit etwa 50 Tonnen Munition und Explosivstoffen an Bord«ingetrof- fen. Da der Kapitän des Dampfers kein« Bewilligung für eine derartige Fracht vorweiscn konnte, erklärten die Kriegsmarinepräfekten in Bordeaux und Rochefort, daß es sich um Kriegsmaterial- Schmuggel, wahrscheinlich in der Absicht: dieses Material nach Spanien zu schmuggeln, handelt. Die Präfekten haben angeordnet, daß die gesamte Fracht in Bordeaux ausgeladen werde. Er antwortete scharf.„Wird schon stimnien. Ich würde nicht mit ihr gehen, wenn ich sie nicht gern hätte. Das tat man.nur im Krieg." Sie wankte:„Nur über mein« Leiche heiratest du so eine" Sie wollte das schreck lichste Wort, welches sie kannte, aussprechen, aber es schnürte ihr die Kehle zusammen und ihre Stimme versagte. Er blickte sie an, als ob sie es wirklich ausgesprochen hätte: „Ich nehme mir, wen ich gern haben werde," sagte er derb,„und cs geht niemanden eUvaS an, was früher war. Auch mich nicht. Verstehe mich gut, auch mich nicht. Ich habe alle Komödien und Heucheleien und jede Neugierde hassen gelernt. Jede Kugel, die cm einem Menschen vorbcisaust, ist wie ein Spucken auf die Konvention. Und an meinem Kopf sind ihrer eine hWschc Menge vor- beigesaust."- Er ging lärmend aus dem Zimmer, und diesmal kehrte er wirklich erst lange, lange nach Mitternacht zurück. * Es kamen böse Tage und noch ärgere Nächte. Die Mutter sprach mit dem Sohn vom Wetter, vom Essen und von der Teuerung. Aber Bettinas Mund durstete immer schon nach den ersten Worten, dann reichte ihr Atem nicht für all die tiefey Seufzer, mit welchen sie die Worte ersehen wollte. Bang' war ihr, wie in einer dunklen Gruft, jede Jrühlingsblüte schien wie ein Totenbein in ihr Finster zu ragen. Und die geliebten Azaleen standen im Erker wie vorbereitet, den Katafalk zu schmücken, auf dem die Leiche einer zu Tode Gemarterten liegt. ^Allmächtiger Gott, nimm mich lieber gleich zu dir, bevor du so ein Unglück zülätztl Schmerzensreiche Mutter Gottes, was wäre dein Leiden gegen meines, wenn Gabriel«in Weib heiraten würde, welches ganz« Rächte betrunkenen Män- nern dient!" betete sie in dunllen Nächten. .(Fortsetzung folgt.), Sk. 84 Freitag, 9. April 1937 Seite 3 Nicht nur In London Pech gehabt... Herr Arch. Rutha als blinder Passagier Wegen Schwarzfahrt vor dem Prager Bezirksgericht (Prag) Am 14. Oktober v. I. lehrten in einem Abteil erster Klasse des Egerer Schnellzuges mehrere prominente Herren der SdP unter Führung des Herrn Abg. Neuwirth aus Königswart nach Prag zurück. Der Schaffner, der die Fahrscheine kontrollieren kam, wurde mit der Erklärung empfangen, dass das Abteil von lauter Abgeordneten besetzt sei. Als aber der Beamte auf der Kontrolle jedes einzelnen Fahrtausweises bestand, zeigte sich, daß unter einigen tatsächlichen Parlamentariern auch ein Herr>var, der sich mit keiner Abgeordnetenlegitimation auS- weisen konnte und dessen Fahrkarte ihn auch keineswegs zur Benützung der ersten Klaffe berechtigte. Dem begründeten Verlangen des Schaffners, entweder nachzuzahlen, oder sich in seine bescheidenere Klaffe zu begeben, war dieser Herr keineswegs nachzukommen bereit und so endete die Auseinandersetzung in der Verkehrskanzlei auf dem Wilsonbahnhof, wohin der Schaffner die SdP-Recken zur Protokollaufnahme einlnd, wobei jene gar trutziglich, Schulter an Schulter mit ihrem schwarzfahrenden Kollegen, gegenüber dem diensthabenden Berkehrsbeamten Stellung nahmen. Zur Legitimation aufgefordert, wies der beanstandete Fahrgast mit großer Geste seine Bisitkarte vor, aus welcher hervorging, daß es sich um Herrn Architekten Rutha handelte, den mit dem Spitznamen„Henleins Ribbentrop" behafteten Auslandspropagandisten des„Stammesführers". Der diensthabende Beamte lehnte eine solche„Legitimierung" natürlich ab und sah sich schließlich genötigt, einen Poli- z i st e n zur Sicherstellung des SchivarzfahrerS herbeizurufen. Es wurde ein Protokoll ausgenommen, das zur Folge hatte, daß Herrn Arch. Rutha das Los aller ertappten Schwarzfahrer traf, nämlich eine Anklage wegen der llebertretung deSBetrugeS, begangen an dem Eisenbahnärar. Roch vor Abschluß deS ProtokolleS hatte sich aber der Beanstandete eines Besseren besonnen und eine Hundertkronennote auf den Tisch gelegt, welcher Betrag zur Deckung der Preisdifferenz ausreichte. GR. Dr. GednoroLec, vor dem dieser Fall zur Verhandlung kam, zog diesen Umstand in Betracht, der dem Angeklagten als„tätige Reue" anzurechnen ist, d. h. als Schadensgut- machung vor Erstattung der Strafanzeige, welche dem Täter Straflosigkeit sichert. Arch. Rutha wurde demgemäß freigesprochen. Bezirksstellen der aktivistischen Parteien In Schluckenau, Römerstadt und Nikolsburg In einer vor einigen Tagen stattgefundenen Beratung der deutschen aktivistischen Parteien (Bund der Landwirte, Deutsche christlichsoziale Volkspartei und Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei) wurde beschlossen, auch inSchlulke n a u eine Bezirksstelle der deutschen aktivistischen Parteien zu errichten. Es wurde ein engeres Komitee geschaffen, das aus dem Sekretär Franz Thomas, Hainspach 62(BdL), dem Sekretär Franz Hanl, Schluckenau, Ufergasse (Telephon 68; DCB), und dem Sekretär Heinrich W e i S b a ch, Schluckenau, Masarykstraße Nr. 465(Telephon 66; DSAP), besteht. Schriftenempfänger für die Bezirksstelle ist Sekretär Franz Hanl, Schluckenau, Ufergaffe. * Auch für den Bezirk Römer st adt wurde eine Bezirksstelle der deutschen aktivistischen Parteien ins Leben gerufen, der je drei Mitglieder jeder Partei angehören. Zum Obmann wurde Franz Stowitschek, Professor in Römerstadt(B. d. L.), zum Stellvertreter Otto Schältzktz, Revident in Römerstadt(DCBP), zum Schriftführer Hans Dutz, Beamter, Römerstadt, gewählt. Als Schriftenempfänger fungiert der Schriftführer. * Die Vertreter der deutschen Sozialdemokraten, des Bundes der Landwirte und der Deutschen christlichsozialen Volkspartei haben beschlossen, mit 1. April 1937 für den politischen Bezirk Nikolsburg eine Bezirksstelle in Nikolsburg ins Leben zu rufen. Zuschriften in Angelegenheiten, welche die Bezirksstelle im politischen Bezirk NikolSburg betreffen, sind zu richten an Rudolf LandSfried, Nikolsburg, Quergasse 26(DSAP), Ignaz Zimmert, NikolSburg, Obere Steilzeile 27(DEhB), Ferdinand Lober, Dürnholz, Brünner Straße 28(B. d. L.). 3000 In Karlsbad In derSpanlenvenammlung Wenn nicht mehr, so waren ebensoviele Menschen wie bei der kürzlichen Jaksch-Bersamm- lung am Donnerstag abends im Karlsbader Schützenhaus versammelt, dessen Rämne schon um 7 Uhr derart überfüllt waren, daß der Zutritt polizeilich gesperrt werden mußte. Mit stürmischen Freiheit-Rufen wurde Genosse Paul von den Massen begrüßt, worauf Genosse Hein die Versammlung mit einer Minute des Schweigens zum Andenken an die Opfer des spanischen Freiheitskampfes einleitete. Genosse Paul schilderte sodann unter gespannter Aufmerksamkeit der Massen' seine Beobachtungen und wiederholt braiisten Begeisterungsstürme durch den Saal, besonders als er der Zuversicht Ausdruck gab» daß das. spanische Volk siegen werde. SdP'Probewahlen auch In Rumburg verboten Die Rumburger Bezirksbehörde hat die von dec SdP geplante sogenannte„P r o b e w a h I", die nichts anderes als ein großangelegter Terrorversuch-ist, verboten.' In der Begründung des Verbotes heißt es ui a.:„Derartige Versuche, die politische Orientierung des betrefsenden Wählers daraus zu ermitteln, ob er den Stimmzettel überhaupt abgeben und wie er denselben ausfüllen wird, oder ob er die Teilnahme an den Versuchswahlen ablehnen wirkst könnten auch eine wirt- schaftliche Gefährdung der betreffenden Wähler zur Folge haben." Die Probewahlen seien eine gesetzwidrige Form der Beeinflussung der Bevölkerung. Die Nichteinhaltung des Verbots wird mit Geldstrafen von 16 bis 6666 AL oder einer Freiheitsstrase von zwölf Stunden bis zu vierzehn Tagen bedroht. Militärische Standes- erhebung durch die SdP Die SdP legt der militärischen Vorbildung ihrer Mitglieder, bzw. deren möglicher militärischer V er Wendung große Bedeutung bei. Insbesondere die F u»k t i o n ä r e müssen eine genaue Personalbeschreibung beibringen. Wir lassen anschließend eine solche in genauem Wortlaut folgen: Bor» und Zuname: Dr. Heinrich Härtel - Beruf: Tierarzt•- Schulbildung: tzl. Hochschule Mitgliedsnummer: 696.646; Kreis: M--Schönberg Welches Amt bekleiden Sie?: Bezirkszahlmeister Tag des Amtsantrittes: 1. II. 1987 Wohnort: N--Liebau; Gerichtsbezirk: N.-Liebau Straße: Wiudmühlgaffe Geburtsort: Dennifch; Bezirk: Freudenthal Geburtsdaten: 4. V. 1964; Heimatszuständigkeit: Bennisch Glaubensbekenntnis: röm.-kathol. Stand(ledig oder verheiratet): verh. Kinder:2 Sind Sie militärfrei?:— Haben Sie gedient?: ja Körpergröße: 177 em Dr. Härtel Leserliche Unterschrift Wir bitten, den festgesetzten Termin unbedingt einznhalten, und danken Ihnen im Voraus. Heil Henlein! Für die Hauptstelle der SdP: Daß sich eine Partei für die Geburtsdaten ihrer Mitglieder interessiert, ist begreiflich, daß sie sich nach Geburtsort und Heimatzuständigkeit erkundigt, ist bei der SdP auch verständlich: der Dr. Brand ist in Polen geboren und man muß sich auf alle Fälle gegen den möglichen nichtarischen Zuwachs sichern. Was aber hat die Frage nach dem Militärberhältnis und nach der Körpergröße mit der Funktion in einer demokratischen Partei zu tun? Der Teil der Oeffentlichkeit, der den wah- ren Charakter der SdP kennt, wird nicht lange raten müssen. Henlein selber gehört nach seiner Körpergröße zu den„Langen Kerls". Er hat also die Voraussetzung, Hitlers Leibgarde zugezählt zu werden. Auch seine g e i st i g e Verfassung befähigt ihn dazu. Und es geht die Sage, daß ihn die ganze' denkende Welt schon unter die langen Kerls Hitlers eingereiht hat. . Wenn es doch eine Möglichkeit gäbe, das G e h i r n zu messen oder zu wiegen I Uns dünkt, die diesbezüglichen Fragen der SdP würden viel zögernder beantwortet werden als die Frage nach der Körpergröße. Dia„Freie Schulleitung" schickt Ihre Leser In den April Die„Freie Schulzeitung" antwortet in ihrer Nummer vom 1. April auf unsere Frage, ob der Deutsche Lehrerbunh eine Henleinfiliale sei, in einer Weise, die dem Datum vollkommen entspricht, d. h. sie schickt ihre Leser in den April. Einen Hellen Lacher muh derjenige ausstoßen, der weiß, wie sich dieses Blatt zu sozialdemokratischen Lehrern verhält; und da es nun bei der Belieferung eines ter Henleinbewegung dienenden Berlages ertappt wurde, bietet eS sich großmüttg auch sozialdemokratischen Verlagen an. Jedes Wort eines ftziqldemokratischen Einsenders wird dreinial umgedreht, damit ja keine politische Propaganda getrieben werde. Ellenlange, von völkischen Mitgliedern bestellte Beschlüsse werden gefaßt, um für Einsendungen sozialdemokratischer Lehrer die entsprechenden AblehmmgSmöglichkei» ten zu haben. Und da soll der„Freien Schulzeitung" jemand glauben, daß sie allen Richtungen ohne Unterschied der Einstellung das Adressenmaterial zur Verfügung gestellt hätte? Wie berechtigt unsere Zweifel sind, geht daraus hervor, daß sie z. B. nicht einmal d a L P r o- gram m der Pädagogischen Woche der sozialdemokratischen Lehrer in Reichenberg veröffentlichte. Alle deutschen und tschechischen Schul- und Lehrerzeitungen, die gesamte TageSpreffe, selbst der Henleinbewegung dienende Organe haben taS ohne Aufforderung getan. Die „Freie Schulzeitung" aber hat die Einsendung der sozialdemokratischen Lehrer in den Papierkorb geworfen. So wie sie es vor der Pädagogischen Woche getan, hat sie es auch nachher gehalten. Nicht einmal von der Kundgebung des Schulministerö nahm sie Notiz. Und da will sie ihren Lesern einreden, sie sei unparteiisch? Das mag ihr bei dem unschuldsamen völkischen Teil gelingen, die sozialdemokratischen Lehrer wissen, woran sie sind. Erfreulicher Weise steigt aber die Zahl derjenigen Lehrer ständig, die über die Haltung der„Freien Schulzeitung" und des Deutschen Lehrerbundes Bescheid wissen. Davon konnte sich ja Herr Rohn höchstpersönlich überzeugen. Dia Tiefbetrübten Die„Rumburger Zeitung" ist tiefbetrübt durch die Tatsache, daß die sudetendeutsche Sozialdemokratie wieder Boden gewinnt. In einem langen Artikel gibt sie ihrem lebhaften Mißvergnügen u. a. folgendermaßen Ausdruck: „Diese Erscheinungen unsere- öffentlichen Lebens sind sehr ernst. Sie können von den nationalen «Ine Wohltat für Rheumatiker Parteien nicht mit ein paar Worten oder mit einer Handbewegung auf die Seite geschoben werden. Geschickte Redner sind am Werke, den Arbeitern die alte bankrotte marxistische Lehre in neuer nationaler Aufmachung wieder einreden zu wollen. Sie spekuliere» dabei auf die Vergessenheit und Wankelmütigkeit der Massen, welche das geschichtliche Versagen der sudetendeutschen Sozialdemokratie bereits wieder vergessen haben oder es übcrhmwt nicht kennen, weil sie damals noch in den Kinderschuhen steckten. Bezeichnend für die neue sozialdemokratische Taktik ist dabei der Umstand, daß die Partei keine neuen großen Theorien ausrollt, mit denen sie vor zehn Jahren so erbärmlich gescheitert ist, sondern daß sie die Tagespolitik in den Vordergrund stellt, die prak- iischen Forderungen und Probleme aufgreift und besonders die nationale Frage, von deren Existenz die Herren bis zu den Wahlen vor zwei Jcchren noch keine Ahnung hatten, ausführlich behandelt. Es entsteht auf diese Weise das etwas groteske Bild, daß sich der bereits an innerer Fäulnis unheilbar er- krankte sudetendeutsche MarxiSnius an dem Zwist und Streit der sudetendeutschen nichtniarxistischeir Staatliche Fürsorge für das Kind G. Priegert, ein Helfer der Kinderaktion deS Gesundheit-Ministeriums, schreibt uns au- Reindlstz: Schon im Vorjahr lvurde eine große Anzahl Kinder arbeitsloser Eltern durch die vom Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen einge- lettete Aktion in verschiedene Heime auf die Dauer von sechs Wochen untergebracht. Die Erfahrungen durch diese Aktion ergaben die Notwendigkeit der Weiterführung dieser Fürsorgearbeit. In diesem Jahre sind nun wieder eine große Anzahl Kinder aus den Elendsgebieten des Dachauer und Neudeker Bezirkes in den verschiedenen Heimen eingetroffen. Wer nur einmal Gelegenheit hatte, mit diesen Kindern des hungernden Böhmerwaldes und Erzgebirges zu sprechen, der mußte es aus dem Munde dieser Kleinen erfahren, daß in der Heimat dieser Kinder die Not wohl grenzenlose Herrschaft hält. Die Fürsorgetätigkeit des GesundhestSministeriumS setzte gerade im richtigen Augenblick und an der richtigen Stelle ein. Vom Genesungsheim Reindlih schied nach sechswöchigem Aufenthalt am 28. März der erste Turnus nach seiner Notheimat zurück. Fast unglaublich schien es, daß fast keines dieser Kinder gern nach Hause fuhr. Die Furcht vor neuem Hunger überwand die Sehnsucht nach dem Elternhaus. Am 26. Mürz kam der zweite Turnus aus denfewen Notbezirken. Schon auf der Fahrt knüpften sich die Bande zwischen den Leitern und Kindern. Herzliche Freundschaft war es, die für die Dauer von sechs Wochen alle verband. Die Kinder tragen Kleider ihrer größeren Geschwister, Ein Bube trägt einen ganz zerschlissenen Mäd- Dle Prager Deutsche Arbeitersendung nun i audj> Sonntags_am>^roßen i> Sender Mit 11. April wird die Prager Deutsche Arbeitersendmtg auch am Sonntag regelmässig zehn M i n u t c n über den grossen Sender (Libliee) laufen, und zwar von 14.20 bis 14.30. Das ist ein nicht zu imterschätzeilder Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustand; denn unsere Sountagsseuduug, bisher über den kleinen Sender(Strasniee) geleitet, konnte in einem grossen Teil des sudekeudentschen Gebietes nicht oder nnr mangelhaft empfangen werden. Die sonntägigen zehn Minuten reihen sich nun gleichwertig au die zwanzig Minute» Arbeitersendung am Mittwoch(18.26 bis 18.40), an die f r e i t ä g i g e u»A k t n e 11 e n zehnMinnte n"(18.35 bis 18.45), an den Arbeitsmark t Bericht am Mittwoch(13.40 bis 13.50) und an die m i k t w L ch i g e n„S o- zialen Informationen"(18.40 bis 18.50). Alle diese Relationen sind nun an den großen Sender gebunden. Ausserdem bleiben der Arbetterseuduug auch die noch restlichen fünf M i n n t e tt am Sonntag am kleinen Sender erhalten. Diese fünf Minuten werden von nun au anschliessend an die sonntägigen zelut Minuten, also von 14.30 bis 14.35, regelmässig unter der Merke „F ü r B o l k tt n d F r i e d e n" gesendet werden und sollen der Völkerverständigung innerhalb" und ausserhalb der Tschechoslowakei dienen, selbstverständlich mit besonderem Augenmerk für das tschechisch-deutsche Perstäiidi- g u n g s w e r k. Parteien erholt und als Spitzentrupve des sudetendeutschen RegieruttgSaktivismuS austreten kann." Der„unheilbar erkrankte" sudetendeutsche Marxismus bedroht die„gesunde" völkische Bewegung. Und wahrscheinlich wird er sie sogar!n Trümmer schlagen. Das kommt davon, daß den völkischen Herrschaften der Gernchsinn völlig mangelt: der Fäulnisgesiank in ihrem Lager ivird von ihnen erst bemerkt, weit» es zu spät ist. Wie läßt sich im übrigen der Hinweis auf den Zwist und Streit der sudetendeutschen nichtmarxistischen Parteien mit der Behauptung in Einklang bringen, die deutsche Volksgemeinschaft, repräsentiert durch die SdP, sei festgefügt und unerschütterlich? Sozialistische Aerztetagimg in Brünn am 17. und 18. April 1937. Programm: Samstag, den 17. April, 18 Uhr: Ausschubiitzmig, 19 Uhr: Jahresversammlung des Vereins der deutsckten soz.-dem. Aerzte in der Tschechosloivakischen ilie- publik. Geschäftsbericht(TT. Arnold Hofttscher), Kassenbericht(Dr. Ernst Neumann), Jnternatio- Näles AcrztlicheS Bnlleiin. Anträge, Neuwahlen. Sonntag, den 18. April, um 16 Uhr: Oeffeutlicher Vortrag im großen Hörsaal der Masarnk-Volls- hochschule, Jauääekplatz 2a„E i> g e n i k und Ra s s i s m u S". Referenten: Pros. MUTr. Jan Bklehrädek(Karlsnniversität) Prag als Gast und Privatdozent Dr. Th. G r u s ch k a- Aussig.— Besichtigung der Anthropos-AuSstel- lmtg(Prof. Absolon), und der Sozialen Anstalten in Bohouice.— Anmeldungen, Zimmerbestellungen itslv. sind erbeten an das Lokallomitee: MUTr. Hedwig Kreisler, Brünn, Augustinergasse 25. Für den Vorstand: MUTr. A. Hvlit- scher, MUTr. Emil Fried, MUDr. R. Epstein. Ein Bergarbeiter verschüttet. Miittvoch, den 7. April, gegen 4 Uhr früh wurde der in Hammer wohnhafte 37 Jahre alte Gustav Reisig am Him- melfürjt-Srbacht von Kohlenmassen verschüttet. Am Nachmittag konnte nur mehr die Leiche des Unglückliche» geborgen lverden. Reisig hinterließ Frau und Kind. chenmantel. Andere Knaben sind ohne Mantel. Auch ein Mädchen ist ohne Mantel. AIS sie zu ihrer Heimalstation kam, hatte sie noch einen. Er gehörte der größeren Schwester, der Vater nahm den Mantel wieder mit nach Hause. Fast fein Kind ist je im Besitze eines ueueu Kleides gewesen. Kaum em Kind verfügt über Hausschuhe. Der Leiter des BergarbeitergeneimtgS- heimeS in Reitidlitz versorgte die Kinder mit Schuhen und Wäsche. Unter den Kleinen gibt es solche im Alter von zwölf und dreizehn Jahren, die nicht größer und stärker sind als ein acht oder neunjähriges Kind. Der Mangel att ordentlicher Nahrttng hat das Wachstum der Kinder behindert. Einige Kinder müssen nach dem Einnehmeu der ersten Mahlzeit erbrechen, da sie die fetthaltige Kost nicht gelvöhnt sind. Die Kinder sind während der sechs Wochen ihres Aufenthaltes unter ständiger Aufsicht von Helfern, die das Leid dieser kleinen Menschen kennen und ihre Seelen verstehen. Baden, Essen, Spielen, Ruhen bilden die Tagesbeschästiguug. Man müßte unter diese Kinder jene Men- schen führen, die das Wort„Volksgemeinschaft" ständig im Munde haben.. Ein Volksgenosse Unternehmer gibt dem Erhalter einsr siebenköpfigen Familie, wie uns ein zehnjähriges abgezehrtes Mädchen erzählt, einen W o ch e n l o h n von f ü n f u n d d r e i ß i g Xi. Die wenigen Habseligkeiten, die die Kinder mitbrachten, hatten sie in Papier gehüllt. Stur wenige hatten einen Rucksack. Zu Ende der Aktion beträgt die Gewichtszunahme bei den Kindern zwei bis sechs Kilogramm. Schweren Herzens ziehen dann»die Kinder von ihrer Gasfftätte, damit andere dieselbe Freude erlebe». Durch dieses Werk hat sich das Gesundheitsministerium den Dank tausender Kinder verdünn Sette 4 Freitag, 9. April 1037 Nr. 84 3ogcaieiuafceUen Er- wurde, er solle sich in einen» bestimmten Hans in der Wohnung des Herrn Hradil melden. Es. handle sich um eine Fahrt auf den Bahnhof. Ms der Chauffeur im vierten Stock des betreffenden Hauses, wo tatsächlich eine Familie Hradil wohnt, erfuhr, daß niemand ein Auto bestellt habe, ahnt« er Böses und lief eilig die vier Treppen herunter zu seinem Wagen, Dieser war aber inzwischen von den auf der Lauer liegenden Dieben entführt worden. Die Polizei hat er also mit ganz gefährlichen Gaunern zu tun. Sämtliche Polizei« und Gendarnierie-FähndungS» stationcn sind in vollster Aktion. Wie sorgfältig der Ueberfall vorbereitet wär, davon zeugt die Tatsache, daß die Gangster sich einen Termin und eine Tageszeit tvählten, wo die Sparkaffenfiliale, die sonst stav. ken Parteienverkchr hat, int Augenblick des lieber« falls leerzustehen pflegt. * Di« Polizeidirektion in Prag teilt abends mit, daß die Urheber des Raubüberfalle» in der Spar« ■ kaffa in ZiZkov samt ihrem Automobil inderNähe von Olmiitz gesehen wurden und daß sie wahrscheinlich einen Ort im Osten der Republik erreichen wollen. Claudettr Colbert ta„Zauberin aus Salem", Ständiger Lirftverkehr London—New Aork. Der stellvertretende mnerilanssche Handelsminister Monroe Johnsoi» erklärte Pressevertretem, daß die diplomatischen Borbereitungei» für die Einrichtung eines anglo-amerikanischen TranSatlan« tik-FlugdiensteS abgeschlossen seien. ES sei eine endgültige Verständigung mit England, Irland und Kanada erzielt worden. Mit de» TranSatlan« tik-Probeflügen werde in nächster Zeit begonnen werden. Soweit bis seht vorauszusehen sei, würde»» die Imperial Airways und die Panainerican Airways je ztvei Flüge wöchentlich durchführen mit dem Ausgangspunkt New Aork und Zwischen« landungen in Botwood, auf Neufundland und in Irland. Die Endstation werde wahrscheinlich London sein. Während der Wintermonate dürste die Südstrecke über die Bermudas, die Azoren und Portugal eingeschlagen werden. ArbeitmhauS verschüttet. Jin Bezirke Rio in Brasilien ist die Eisenbahnstrecke auf 600 Meter durch mehrere Dammbrüche unterbrochen worden. Ein StreckcnarbeiterhauS mit zahlreichen Insassen wurde verschüttet. Die Zahl der Todesopfer scheint groß zu sein. Betont loyal. In der Nähe von Thörl in Tirol wurde ein von TarviS kommendes Auto angehalten, in dem große Pakete, enthaltend über 20.000 nationalsozialistischer Propagandaflugblätter, vorgefunden wurden, die in Deutschland gedruckt wurden. Die sechs Jnsaffen des Autor und der Chauffeur wurden verhaftet. Raubmord. Bor einer Woche verschwand au» der Gemeinde Berbjajs im Bezirke Svalava der S8jäh- rige Gazda Michael Ponzel, der sich auf dem Jahrmarkt nach Nijni Bereöck begeben hatte und zuletzt in berauschtem Zustande gesehen woiden ist. Da er einen größeren Geldbetrag für Vieheinkauf bei sich hatte, entstand sofort der Verdacht, daß er ermordet- und der Geldes beraubt worden ist. Am Dienstag wurde Ponzel aus der Latorica, oberhalb Mukaöcvo, tot herauSgezogen und die Seziernng ergab, daß er ermordet und dann in die angefchwollene Latorica geivorfen worden ist. Gn Grossfeuer im Tondo-Biertel von Manila zerstörte mindesten» 1200 Häuser, darunter mehrere Fabriken und Warenhäuser, 88.000 Personen wurden obdachlos. Durch starken Wind und infolge der leichten Bauart der Häuser griff das Feuer mit rasender Geschwindigkeit um sich/ Die Katastrophe wurde dadurch vergrößert, daß die Feuerwehrpumpen Infolge zu geringen WafferdruckS teilweise versagten. Bisher wurde nur ein Todesopfer gemeldet. Ma« rechnet jedoch mit einer großen Zahl von Toten. So »vird eine Gruppevon Kindern vermißt, die auf einem Baseballplah von den Flam- men umzingelt wurde. Elf Personen wurden bisher als schwer verletzt geineldet. Für die Obdachlosen tvurde eine Zeltstadt errichtet. Die Stadtverwaltung har erklärt, daß das Tondoviertel nach modernen Grundsätzen mit breiteren Straßen wieder ausge- baut werden soll. Die reichSdeutschm Frau«» erleben ein Wunder. Seit einiger Zeit wiederholt«S sich, daß«ine in' Deutschland sehr verbreitete Hautcreme in den Tuben braun wird. Hitleristcn mögen glauben, daß die Salbe aus Begeisterung für da» Nazitum seine Farbe annimmt, aber e» hat sich auch schon herumgesprochen, daß die aus Ersatzmetall verferttg- ten Tube»» eben braunes Oxyd ansetzen, wenn sie bei wiederholtem Oefsnen mit der Luft in Berührung kommen. Massenhafte Beschwerden haben die Händler veranlaßt, Liefen Artikel ganz aufzugeben. Die Restbestände werden häufig von Beauftragten der Firma darauf nachgesehen, ol> sich der Inhalt nicht vielleicht auch schon— gleichgeschaltet hat.(bn.) Hinter einer Regenzone, welche vom Westen her Mitteleuropa durchquert^ strömt gegen unsere Gebiete mäßig warme ozeanische Lust. Auch in Westböhmen haben die Regenfälle aufgehört und die Tem- pcratur ist neuerding» etwas gesttegen. lieber dem Ozean bildet sich eine weitere" Druckstörung aus. Infolgedessen wird der allgemeine Witterungscharakter, abgesehen von einer kurzen Besserung zwischen dem einzelnen Störungen, unbeständig bleiben.— Wahrscheinlicher Wetter heute: Veränderliche Bewölkung, verschiedentlich Schauer, namentlich im Karpathengebiet. Mild, Wind au» westlichen Richtungen.— Wetterauisichten für morgen: Noch unbeständig. Arbelter-Turn- und Sport-Union Fußballsparte Am Sonntag, den 11. April 1087, findet um 0 Uhr vormittags im Bundeshause in Ansfig a. E-, Bahnhofsplatz 1/11, dieFußballspar« tenkonferenz statt. DelegierungSbcrechtigt auf Kosten des Verbandes find die Kreise. Bczirksspiel» leitungen und Vereine können an der Konferenz auf ihre Kosten teilnehmen. DieBundeSspielleitung. Jnternationale Zuckerkonferenz In London eröffnet 28 Länder nehmen an der gegenwärtig in Lo»»don ftattfindenden Zuckerkonferenz teil, deren Bedeutung vor allem in der Anwesenheit des Amerikaners N. Davis und dem Versuch internationaler Wirtschaftsverständigung liegt. Der Präsident der Konferenz, Ramsay MacDonald, eröffnete, wie auf unsere»» Bilde zu sehen ist, die Konferenz im Locarnoraum des AuSIväriigen Amtes in Loirdon. Bewaffnete Räuber überfallen Präser Sparkassenfiliale Masken, Revolver und bereitstehendes Auto— Am lichten Tag Uber 118.000 Kl erbeutet Prag.(—rb—) Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Donnerstag mittag- die auch sofort durch den Rundfunk verbreitete Kunde durch die Hauptstadt, daß die ZiZkover Filiale der Prager Städti schen Sparkassa durch den verwegenen Hand streich zweier Banditen ausgeraubt wurde, der in seinen Einzelheiten an den unaufgeklärt gebliebenen Ueberfall auf eine Bankfiliale in der Gartenvorstadt Spokilov erinnert. In beiden Fällen arbeiteten die Räuber ganz nach dem System der amerikanischen Gangster. Ter vorliegende Fall ist dadurch Iveit auf sehenerregender, als sich der Ueberfall an einem ver hältnismäßig frequentierten Punkt des Stadtinnern ereignete.... IDe Filiale, die den Gangstern zum Opfer flel, befindet sich in der Grögrova ulice in Zijkov, in einer Gegend, wo dieser Stadtteil mit den» Nachbarbezirke Weinberge zusammenstößt. Es ist eine kleine Zweig stelle, in welcher nur drei Angestellte tätig sind. Selbswersiändlich verfügen solche steine Betriebe nicht über die SichcrhcitSvorkchrungen, wie sie in den Zentralen großer Geldinstitute eingesührt sind und bieten daher für solche Anschläge ein geeignete» Objekt. Um halb 12 Uhr vormittags erschienen in der» kleinen Schalierraum der Sparkassensiliale zwei Diänner, die vor die Gesichter rote Tücher gebunden hatten. Der eine trug eine Jagdflinte, der andere einen Revolver. Sie richteten die Waffen auf das überraschte und entsetzte Personal und befahlen: „Nicht rühren oder wir schiessen!" Der Kassier Vladimir V t> s k o ö i l hatte eben noch Zeit sich von seinem Sessel auf die Erde zu werfen, während der Buchhalter Paul H o l a i» und der Skontist Franz P ek ä r ek die Hände hochhoben. Ehe der Kassier aber noch etwa» weiteres wn konnte, drang der Mann mit der Flinte in den Raum jen seits der Schalterwand und zwang den Kassier durch neuerliche Morddrohung, regungslos liegen zu blei ben, ivährend sein, Komplice mit vorgchaltcnem Revolver die drei Beamten in Schach hielt, sprang er an die Kasse, ritz mit einige»» Griffen die erreichbaren Banknotenbün de l a n s i ch und stopfte sie sich in die Taschen. In wenigen Augenblicken war alles erledigt. Die Ban diten Verschtvanden blitzschnell durch die Türe, spran gen in ein bereitstehendes Auto und rasten davgn. Da das Personal sofort Marm schlug, versuch ten Passanten das Auto zu verfolgen oder aufzu halten. Ein ungewöhnlich tapferer Junge, der 17jährigeLehrling Franz Navrätilstellte sich dem Wage» in den Weg, um ihn auf diese Art auszuhalten. Im letzten Augenblick sprang er vor der drohende»» Gcwehrmündung zur Seite. In wahnsin nigem Tempo gelang cs dem Wagen der Räuber, um die Ecke der Krkonoöskä zu biegen, womit er den Blicke»» der Verfolger enffchtvunden>var. Die Polizei, die sofort ihren ganzen Fahn dungsapparat alacinierte, wird keine leichte Arbeit haben. Von einer näheren Personalbeschreibung der markierten Räuber ist natürlich keine Rede. Nach Aussage der Zeugen ist der Wagen, in welchen» sie flüchteten," ein„Praga»Piccolo". Wie gleich von Anfang an vermutet wurde, war auch das Auto, dessen sich die Räuber bedienten, gestohlen, und zwar auf höchst raffinierte Weise. Fast gleich zeitig mit den» Ueberfall meldete sich auf dem Wein berger Polizeikonnnissariat der Chauffeur Mois S>> l o r a, Angestellter der TaxinutcrnehmcnS Uxa und meldete, daß ihm sein Wagen von unbekannten Tätern gestohlen wurde. Auf dem Standplatz des ge nannten Chauffeurs beim Hotel Graf rief gegen elf Uhr jemand an und beorderte das Auto in die Weinberger We»»zigstraße, wobei dem Chauffeur gesagt Vom Rundfunk trnpfeMuHwertti au» den Proirsmmen: SamStag Prag, Sender Ir 10.08: Deutsch« Presse. 12.10: Lieder au» Tonfilmen. 16.00; Operetten«,und Filin« sternc. 17.66: Deutsche Sendung: Konzert de» Orchesters de» Deutschen Theater» in Prag, Dirigent: Dr, Swoboda: Beechoven, Händel, Mozart. 18.46: ! Deutsche Presse. 18.66^ Deutsche Mualltäten. 22.80; — Prag, Sender. II: 14.10: Deutsch«"Sendung: Augsburger Tafeltonfekt anno 1788,14.60: Deutsche . Presse. 22.35»Tanzmusik.— Brünn: 11.86: Salontrio. 17.40: Deutsche Sendung: Oppenheimer: Mähr.-schlesisches Kunstschaffen.— Pressburg: 10.16: Schallplattenkonzert. 19.20; Slowakische Lieder."— Statut 12.06: Opernduette.-12.86: Militärmusik. ' orchesterkonzert: Beethoven, Paganint et^' Der Erhabene InBerlin erscheint eine Art Fachorgan der Diplomatie, die„D i p l o n» a lenze i t»» ng", deren Diplomatisches Archiv vor allein Personelle Mitteilungen enthält. In Heft 101/02 kann man da lesen: Blomberg, Werner von— Rcichskriegs- Minister, Generalseldmarschall(vgl. Nr. 98/99), feierte am 13. 3. a. c. sein vierzigstes Militär- Dienst-Jubiläum.... Der Erhabene Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat den Marschall der Ehre... zum Chef des Infanterieregiments Nr. 73 ernannt. Goebbels, Dr. Phil., Paul Joseph— Neichsminister für Bolksaufklärung und Propaganda... veröffentlichte AussührungS- bestiminungen zum Deutschen National-Preis für Kunst und Wissenschaft, den der Erha- b e n e F ii h r e r und Reichskanzler ain 30. 1. a, c. gestiftet hat. Tocpkr, Dr. A.— G. K. in Istanbul (seit 1934), lvurde vom Erhabenen Führer und Reichskanzler an» 10. 3. a. c. zur Meldung empfangen. Weiszackrr, Ernst von— Gesandter... wurde vom Erhabenen Führer und Reichskanzler ain 10. 3. a. c. zur Meldung empfangen. Es ist schade, daß der Z e i ch n e r der „Z eit", dessen Kunst wir gestern unseren Le- sern vorgesührt haben, an diesem Gegenstand nicht seine Kunst erprobt.-Zu der Titulierung der„E r h a b e n c F ü h r e r" würde seine hier nachgedruckte Zeichnung-gut"Passen" und wir sind beinahe versucht, sie noch einmal zu bringen. Auch zu folgendem würde ihm vielleicht etwas einsallcn: die gleiche Diplomatenzeitung teilt mit, wer vom Erhabenen eine Aus- zeichnung empfangen hat. Die Ausgezeichneten sind nach Ländern geordnet. In den Mitteilungen über die Verleihung von Auszeichnungen anläßlich der Olympiade erschien i»un in der Rubrik„T s ch e ch o s l o w a k e i" zwar unser Gesandter Mastnh als vom habcnen dekoriert, dagegen in der Rubrik DEUTSCHLAND. erschien— was glaubt man wohl?— Heu le 1 n Konrad, Führer der Sudetendeutschen Partei in Prag, wurde mit dem Olympischen Ehrenzeichen 1. Kl. ausgezeichnet. Vom Erhabenen zum— Stammesführer ist eben nur ein Schritt, bei dem man leicht die Grenz« übersieht! Indizien trügen. Im Jahre 1936 wurde in Eger der Mörder Anton Weiß hingerichtet. DaS Schivurgericht hatte ihn des dreifachen Mordes schuldig erkannt. Weiß legte das Geständnis ab, den durch lange Jahre unaufgeklärt gebliebenen Mord an der L e h r e r i n Fritsch in G a l- tenställung und an der Kaufmannsfrau Kraus in Asch begangen zu haben. Dagegei» bestritt er noch auf dec Nichtstätte, den dritten Mord verübt zu haben, wegen dessen er schuldig gesprochen worden war. Es handelte sich um die in» Mai 1938 erfolgte Evinordung des 88jäh- rigen Nachtwächters Josef Koller in Pro- n» enhofbei Plan, der ii» der Nacht in» Dienste durch Axthicbe getötet worden war. Die Indizien sprachen gegen Anton Weiß und der doppelt überführte Mörder wurde auch der dritten Blut tat für übersührt erachtet. Nach nahezu vier Jah ren haben sich nun Umstände ergeben, die wahr- scheinlich machen, daß die UnschuIdSbeteuerrMgen des Hingerichteten in diesem einen Fall taffächlich auf Wahrheit beruhten. Die Pilsner Fahndungs station hat ii» den letzten Tagen neue Spuren auf gegriffen, die nun. zu der Verhaftung des Zigeu ners Anton H e r r m a n n u»»d des- Hausierers Josef Paul aus Uschau bet Tachau führte». ES ergab sich, daß diese beiden am Tage der Er mordung des alten Nachtwächters in Gemein schaft mit einem dritten Komplicen— dem in zwischen bei einem Einbruch erschossenen Robert R u j i k k a, einem Angehörigen der berüchtigten Zigeunerfamilie— einen Einbruch verübt hatten, bei de»n sie ein Beil entwendeten. Bei einen» wei teren in der folgenden Nacht verübten Einbruchs versuch liefen sie dem unglücklichen Nachtwächter in den Weg, der sie anzuhalten versuchte und von Paul erschlagen wurde. Dieser Hergang wird von mehreren Zeugen aus den Angehörigen der Zigeu- nerfamilien, die hier in Frage kommen, bestätigt. Ueber die sonstige Schuld des Hingerichteten kann kein Zweifel bestehen. Nichtsdestoweniger bleibt diese späte Aufklärung eines, als absolut verläß lich betrachteten Jndizienprozcsscs als warnendes Memento bestehen,(b—) " I»» der Garage durch Auspuffgase getötet. Donnerstag nachmittags stellte der bei der Obst firma Weih in Karlsbad beschäftigte 25jährige Chauffeur Eduard M i e d I in Fischern das Firmaauto in der Garage ein und blieb im Wa ge», um noch etwas nachzusehen. Als nach einiger Zeit auf Grund eines telephonischen Anrufes das Garagenpersonal den Chauffeur hole»» kam, würde er tot hinter dem Volant sitzend aüfgefun« den. Die Auspuffgase hatten seine»» Leben ein Ende bereitet.. Gutartiger Verlauf der Tularämie in der.. Slowakei. Zu den verschiedenen übertriebenen!AuS^dün DeutschenTheaters 8. Akt des.,,"Parstfal' Nachrichten über die Tularämie in der Slowakei~~ erfahren wir, daß sich dort noch kein einziger:To- dcsfall im Zusammenhang mit dieser Krankheit ereignete. Im Pretzburger epidemischen Kranken ha»»» werden derzeit sechs Personen, die an- Tu larämie erkrankte»! behandelt." Die Gesamtzahl..., if_ r der Erkrankungen betrug bisher 30 und 24 wur-— Mähr. Ostrau: 21.06: Populäre» Ruichsünk«. den bisher völlig geheilt..(DND)j-' orchesterkonzert: Beschoven, Paganiniech, Nr. 84 Freitag, 9. April 1937 Seite 8 Um Indien (sö. M.) In diesen Tagen blicken Londons führende Politiker mit schweren Sorgen nach Indien. So brennend für das englische Jnselreich gewisse kontinentaleuropäische Probleme auch sein mögen— in Indien geht es um mehr. Dort ist, zwei Jahrzehnte nach dem im Weltlrieg gegebenen Versprechen, endlich von London der Schritt ge- wagt worden, das indische Volk auf Grund einer neuen Verfassung zur Bildung von„verantwortlichen Regierungen" heranzuziehen. Und dieser Versuch droht zu scheitern. Die indische Ko ngr ehp ar t e i, die größte und bestorganisierte politische Gruppe der Hindus, also die Mehrheit des indischen Volkes, hat in aller Form abgelehnt, auf das verlockende Angebot einzugehen. Sie weigert sich, an den neu zu. lonstituierenden Regierungen teilzunehmen, die damit zu bloßen Schattengebilden werden. Zwar ist dies« Weigerung an ein„Wenn" geknüpft, aber, dieses beinhaltet nicht weniger, als daß Englands Gouverneure durch ein Gentleman-Versprechen daran gebunden sein sollen, in künftigen Konfliktsfällen nicht gegen- den Mehrhcitswillen der indischen Bevölkerung zu regieren. Das aber wäre„Swaraj", wirkliche Unabhängigkeit, und es überrascht wohl nicht, daß London sich weigert, auf so etwas einzugehen. Denn mehr noch als in früheren Jahrzehnten ist Indien heute für London das.Herzstück" seiner Weltmachtstellung. Seit dem neuen Selbständigkeitsstatut der Dominien, der eine fühlbare politische und auch wirtschaftlich« Abgrenzung gegen das Mutterland bedeutete, hat London sich mehr auf das„engere Imperium" (Großbritannien und seine eigentlichen Kolonien) orientiert. Hiex liegen jene ökonomischen und Politischen Kraftreserven, ohne die die heutige Weltmachtstellung des Mutterlandes einfach undenkbar wäre. Und um diese Reserve geht es nun in Indien. Es ist nicht leicht, sich Englands Position in dem riesigen Subkontingent zwischen Himalaya und Südmeer zu erklären. Schon gar nicht rein „machtmäßig". Denn einer Bevölkerung von 369 Millionen steht ein Grüppchen von 82.090 englischen TommieS gegenüber, was ein Verhältnis von 80.000:1 bedeutet. Und anders als in den Kolonien militanterer Mächte ist es hier ein« hauchdünn« Oberschicht von britischen Beamten (in wirklich leitenden Stellungen nur etwa tausend), die die englische Herrschaft verkörpern. Aber ihnen tritt auch kein geschlossener Block der Beherrschten entgegen. Die Inder sind kein« einheitliche Nation. Sie spalten sich in Völker, die, wie es Lord Curzon einmal formulierte, einander so fremd sind wie Iren und.Türken, die z w a n z i g Sprachen sprechen, berschieden'wie das Französische vom Deutschen und hunderte Dialekte. And schließlich trennt«ine erbitterte Religionsfeindschaft Hindus und Mohammedaner, von den Parias gar nicht zu reden. Natürlich ist diese Zerklüftung kein für ewig konstanter Faktor. Im großen Schmelzticgcl der nationalrevolutionären Bewegung, die seit dem Weltkrieg einen vehementen Aufschwung nahm, ist viel Trennendes bereits geschwunden. Aber vorläufig sind es doch nur die ans weitesten fortgeschrittenen Elemente, die „Uber den Zaun blicken" und gerade jetzt zeigen die Einzelheiten der Verfassungskampfes, welch mannigfaltige Möglichkeiten sich noch immer für England bieten, Indien zu teilen und damit zu beherrschen. Ein ganzes Viertel der indischen Bevölkerung ist vom Geltungsbereich der neuen„Selbstregierung" überhaupt ausgeschlossen geblieben. Nämlich die Untertanen der sechshundert indischen Fürsten, die als„Vasallen der Krone" ein« beschränkte Autokratie in ihren Territorien ausiibcn dürfen. Solange sie sich, wie der von den englischen Rennplätzen her bekannte Aga Khan, darauf beschränken, etwa ihr— Badewasser als Wundermittel an die heimischen Gläubigen zu verlaufen, läßt London sie gewähren; die Ermordung von ungetreuen Lieblingstänzerinnen aber wird schon streng mit der Absetzung geahndet. Anders ist die Lage im eigentlichen„Bri- tisch-Jndien", das, in fünfzehn große Provinzen eingeteilt, bisher ziemlich selbstherrlich von britischen Gouverneuren, an deren Spitze'der Vizekönig steht, verwaltet wurde. Den zweihundert- fiebzig Millionen Indern dieses Gebietes hat London durch die neue Verfassung angcboten, eigene Provinzialregierungen zu bilden, die mit Ausnahme des Heerwesens, der Zölle und der auStvärtigen Politik alle Fragen der inneren Verwaltung nunmehr selbst regeln sollen. Natürlich Man erhült für XL 100 Reichsmark... . 743.— Markmünzen.. . 775.— 100 österreichische Schilling«. . 538.50 100 rumänisch« Lei.. . 17.35 100 polnisch« Zloty.. . 547.— 100 ungarische Pengö. . 598.50 100 Schweizer Franken • . 658.— . 100 französische Franc- . 138.32 1 englisches Pfund. ■ . 141.12 1 amerikanischer Dollar M . 28,65 100 italienisch« Sin. M . 147.90 100 holländische Gulden M . 1572.— 100 jugoslawische Dinar« 1 .«5.80 100 Belga-.... • . 485.— 100 dänische Kronen. ♦ . 626.— 100 schwedische Kronen■ ■ . 724— sind den Gouverneuren gewisse„safeguardS" (Sondervollmachten) Vorbehalten geblieben, um die es jetzt zum Konflikt mit der großes: Hindupartei gekommen ist. Aber auch in den Provinzen ist der indische Widerstand nicht einheitlich. Wo die Mohammedaner die Mehrheit haben— in Pengalen, Pandschab und Aud— find bereits Negierungen gebildet worden und selbst innerhalb der Kongreßpartei ist«S nur der linke Flügel um P a n d i t N e h r u, der sich für dauernd auf«ine absolute Intransigenz festlcgen will. Aber diese gewiß nicht unwichtigen Teilerfolge vermögen die Sorgen der Londoner Regierung nicht zu bannen. Seit der großen Erfahrung mit dem Abfall der nordamerikanischen Provinzen ist es das oberste Gebot britischer Staatsweisheit getvorden, mit den von ihr Be- herrschtcn zu einem freiwilligen Akkord zu kommen. Indiens aufreizende Parole:„In nichts Der Mieterschutz für die Zweizimmerwohnungen Die Arbeitsstelle der deutschen Mietervereine teilt mit: Die Frage der Verlängerung des Mieterschutzes für Zweizimmerwohnungen ist noch keineswegs entschieden. Die Regierung Ist verpflichtet, in dieser Richtung«ine Regierungsverordnung zu erlassen. Diese Verpflichtung ist ihr auf Grund des 8 8 des Gesetzes vom 28. März 1936, Slg. Nr. 66, auferlegt. In dieser Bestimmung wird ausdrücklich ausgesprochen, daß der Abbau des Mieterschutzes für Zweizimmerwohnungen (8 3 des Gesetzes) in jenen Gebieten nicht zu gelten hat, in denen dte wirtschaftlichen, sozialen und Wohnungsverhältnisse außerordentliche Maßnahmen erheischen. Diese Gebiete hat die Regierung mittels Verordnung zu bestimmen. Es ist nicht zweifelhaft, daß die Negierung die ihr auferlegte gesetzlich« Verpflichtung auch erfüllen Ivird. Vorläufig bestehen innerhalb der NcgierungSloa- lition lediglich Meinungsverschiedenheiten in der Richtung, welche Gebiete von dieser zu erlassenden Regierungsverordnung erfaßt tverden sollen. Eine Verzögerung der Regierungsverordnung ist dadurch eingetreten, daß der Minister für soziale Fürsorge Jng. NeLas, in dessen Ressort die Mieterschutzangelegenheiten fallen, erst im Laufe dieses Monates nach Prag zurücktehrt. ES kann aber schon heute mit größter Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, daß die deutschen Notstandsgebiete von dieser zu ertvartenden Regierungsverordnung erfaßt werden. Andere gegenteilige Meldungen" sind Kombinationen,' dic^offcnbär'dcn Zweck verfolgen, bei der BevMerung Verwirrung hervorzurufen. Teuerungsaushilfe für die Baggerarbeiter Nach langwierigen Verhandlungen und andauernden VerschleppungSmanöveru der Unternehmer ist es zwischen den Vertretern der koalierten Bergarbeiterorganisationen und den Baggerunternehmungen zu einer Einigung in der Frage der Gewährung einer TcuerungSaushilse für die Baggcrarbeiter gekommen. Demnach erhalten alle iin Jahre 1936 beschäftigt gewesenen verheirateten Arbeiterinnen und Arbeiter XL 199.—, ledige Xi 50.—. Diese Beträge werden auch an jene auSbczahlt, welche nach dein 1. Jänner 1937 infolge Krankheit oder Unfall provisioniert werden mußten. Damit hat die freie Gewcrkschastsorga- nisation wieder einen Erfolg erringen können. Hoffentlich erkennen die Baggerarbeiter nun mehr als bisher die unbcbtiigtc Notwendigkeit des freigewerkschaftlichen Zusammenschlusses. Das Wirtschaftsjahr 1936 in der Tschechoslowakischen Republik. Unter diesem Titel ist das auch aus früheren Jahren gut bekannte„Wirt- schaftSjahrbnch der Tschechoslowakischen Republik", das vom Bankhaus Petschek in Prag herausgegeben wird, erschienen. Der Inhalt ist auch diesmal reichhaltig. DaS Buch enthält eine allgemeine Darstellung der Konjunktur des Landes Im Jahre 1986, ejne Uebersichl über die Steuergesetzgebung,' die wirtschaftspolitischen Maßnahmen (Währung, Handelspolitik usw.), eine solche über den Staatshaushalt, über das Bank- und Versicherungswesen, die Prager Börse, den Außenhandel, Zahlungsbilanz, Date» Wer Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft, Verkehr, Preise und Bevöllerung. Das BUchelin wird jedem, der sich mit tschechoslowakischen Wirtschaftsverhältnissen befaßt, gute Dienste leisten und eS ist— was rühmend Hervorzuheben ist— eine objektive und verläßliche Information des Auslandes über die Wirtschaftsverhältnisse der CSR. Die wichtigste Aufgabe: Stärkung der Massenkaufkraft Washington. Präsident Roosevelt erklärte, die großen Regierungskäufe von Stahl, Kupfer und Zement für den Bau von Brücken und großen Gebäuden sowie die überraschend großen Bestellungen amerikanischen Stahls für Rüstungszwecke besonders durch England hätten ein« Konjunktur in den Dauerindustrien erzeugt, die von der Industrie zu übertriebenen Preissteigerungen auSzenützt worden seien. Die eimvllligen, nichts annehmen und mit niemandem zusammcnarbetten", hat alle derartigen Bemühungen des Mutterlandes um seine Ivichtigste Kolonie bisher scheitern lassen. ES sieht nicht danach aus, daß es diesmal bester gehen werde. Schon ist in den Reihen der Kongreßpartei das Wort vom„Hartal", dem großen B o y k o t t st r e i k, gefallen. Er würde nicht nur, wie manche Blätter meinen, einen„bösen Mißklang" für die KrönungSseierlichkeitcn bedeuten, sondern ernstere Gefahren heraufbeschwören. Angesichts der Bedrohung der britischen Position im Nahen und im Fernen Osten, würde eiire offene indische Rebellion England zweifellos vor Fragen stellen, die an die Existenz seines Weltreiches rühren. Daß diese indischen Sorgen London von vielen Fragen ablenken, die für uns auf dem Kontinent LebenSftagen bedeuten, braucht wohl nicht näher begründet zu werden. Preissteigerungen betrügen insbesondere bei Stahl und Kupfer das Zweieinhalbsache besten, was die Arbeitgeber an Mehrausgaben für Lohnerhöhungen auszuhringen hätten. Die jetzigen Rohstoffpreise in Metallen stellten teilweise einen fünfzigprozentigen Reingewinn für die Unternehmer dar. Die Bundesregierung habe keincStvegs die Absicht, diese Entwicklung weitertreiben zu lasten. Sie iverdc sich daher auf die AuSfiihrung von Arbeiten beschränken, die der großen Masse zugute kommen und deren Kaufkraft st ä r k e n würden. Eine Aufstellung über die Nettogewinne von etwa 940 führenden Industrie- und Handelsunternehmungen abzüglich der Defizite zeigt eine Summe von ettoa 1624 Millionen Dollar für 1936 gegen 1076 Millionen im Jahre 1985; dies entspricht einer Zunahme um 51 Prozent. Die Kapitalsumme dieser Unternehmungen betrug netto 18.017 Millionen, der Netto-Ertrag stieg also von 6.7 auf 10.1 Prozent. Die größten Gc- winne wiesen im abgelaufenen Jahre die Schwerindustrien auf, deren Ertrag vorher am tiefsten gesunken tvar, wie die Eisen- und Stahlindustrie, Elektro- und Eisenbahnmaterialerzeugung usw. Auch die Autvmobilindustrie hatte ein sehr gutes Jahr; die Versäum niste der Krisenjahre wurden von den Abnehmern durch erhöhte Käufe eingeholt. Die Schwankungen der Konsumgüterproduktion sind wesentlich geringer. Die Sozialversicherung Im Aufstieg , In allen Teilen der Wett zeigt die Sozialversicherung Zeichen eines ständigen und unauf, Haltsamen Aufstieges. Ihre Aufgaben werden in wachsendem Maße erweitert und den neuen wirr« schaftlichen Notwendigkeiten angepaßt. Eine zweck, mäßig ausgobaute gesunde Sozialversicherung ist nach den Erfahrungen in der Wirtschaftskrise zu einem unentbehrlichen Bestandteil aller Maßnahmen auf dem Gebiete wirtschaftlicher Planung und Lenkung geworden. Wie das Internationale Arbeitsamt mitteilt, konnten im Jahre 1988— nachdem schon in den Vorjahren eine gewisse Neigung zur Festigung der Sozialversicherung festzustellcn war— neue Fortschritte verzeichnet werden. Die allgemeine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und dfe Abnahme der Arbeitslosigkeit wirkt sich aus die Zahl der BeitragSzahler und die Höhe der Beiträge aus und hat«ine Erhöhung der gesamten Einnahmen der Sozialversicherung in fast allen Industrieländern zur Folge. Dieser Aufschwung der Sozialversicherung n: Verbindung mit der Besserung der Wirtschaftslage kommt auch in zahlreichen Plänen Und Bestrebungen der Regierungen zum weiteren Aus, bau der Sozialversicherungseinrichtungen uich ihrer Leistungen zum Ausdruck. Es würde zuweil führen, an dieser Stelle die zahlreichen Bestrebun» gen, Gesetzentwürfe und Erhebungen anzuführen, die in allen Ländern der Welt gegenwärtig Gegenstand von Beratungen zum Ausbau oder zur Vereinheitlichung der Sozialversicherung bilden. Es sei lediglich erwähnt, daß neben den Ländern mit alter Sozialversicherung solche Bestrebungen in Aegypten und in der Türkei sowohl als auch in den Staaten Süd- und Mittelamerikas sowie in den Ländern des Fernen Ostens zu verzeichnen sind. Als Zeichen der Zeit und als Beweis für die neuen Wege der Soziawersicherung sei auf die Tatsache hingewiesen, daß in zahlreichen Ländern die wirtschaftlich Selbständigen mit begrenztem Einkommen, die bisher jede kollektive Schutzmaßnahme ablehnten, nunmehr ihrerseits eine auf Versicherung, begründete soziale Sicherheit verlangen. Untersuchungen dieser Art werden gegenwärtig in Großbritannien, in Ungarn, in der Niederlanden und in der Tschechoslowakischen Republik durchgeführt mit dem Ziel, auch diesen Gruppen von Evtvevbstätigen den Genuß der Rentenversicherung zu ermöglichen. Schließlich sei noch ertvähnt, daß die Veränderungen des wirtschaftlichen Aufbaues und der 'gewerblichen Technik einerseits und der grundlegende Wandel des sozialen Ausbaues andererseits die Sozialversicherung vor ganz neu« Aufgaben stellt. Es sei nur an die nicht unwesentlich« Veränderung der Bersichertengesamtheiten und ihrer Zusammensetzung nach Alter, Geschlecht und Beschäftigungsart erinnert, an di« biologischen Veränderungen im GesellschastSansbau, a» die Folgen der Rationalisierung und der Mcchanisie- rung. Die Sozialversicherung>nuß sich nicht mir m ihrer Verwaltung, sondern insbesondere anch in der Erfüllung ihrer Aufgaben diesen veränderten 'Verhältnisseil anpassen. Hier liegen- große und neue Aufgaben, deren Erfüllung die Sozialversicherung im wachsenden Maße zu einem wichtigen und unentbehrlichen Bestandteil einer neuen Men» schenwirtschast und einer neuen Wirtschaftsordnung macht. Die jugosiawische Armee.(Ru.) Die Armee Jugoslawiens befindet sich gegenloäctig in einer Periode der Umrüstung, die tvahrscheinlich längere Zeit dauern wird. Das Wehrbudget Jugoslawiens für das Jahr 1987 wird auf rund 3 Milliarden Dinar, also etwa 1.8 Milliarden XL veranschlagt. Ein Teil dieses Budgets ist für die Umrüstung bestimmt. Außerdem sollen einige Betriebe der Metallindustrie erweitert und neue strategische Eisenbahnlinien gebaut werden. Die jugoslawische FriedcnSarmce zählt 150.000 Mann, die auf fünf Korps zu je drei Infanteriedivisionen und einem Artillerieregiment verteilt sind. Die mechanisierten Truppenteile verfügen über 120 TanlS. Die Artillerie verfiigt über 832 leichte und 182 schwere Geschütze, außerdem gibt es 18 Batterien für Flugabwehr. Jugoslawiens Luftflotte umfaßt 830 Flugzeuge, Reservcmaschi- nen eingeschlossen. Im Bestand der Armee gibt es ein„chemisches Bataillon" für Gasschutz. Wie man sieht, ist die mechanische Ausrüstung der jugoslawischen Armee nicht genügend. Die Bemühungen der Regierung konzentrieren sich gegenwärtig vor allem auf eine Modernisierung und größere Mechanisierung der Armee. Der dänische Arbeitskonflikt. Die von uns gedruckte Kopenhagener Meldung des Tsch. P.-B. über den drohenden Massenstreik in Dänemark ivird wesentlich berichtigt durch die eingehende Berichterstattung im Kopenhagener„Socialdemokraten" vom 7. d. M. Danach haben Wer den Schiedsvorschlag 17 Gewerkschaften durch llrahstimmuug entschieden. Von ihren 57.749 Mitgliedern haben abgestimmt 32.348 und davon waren 10.894 Ja- und 21.072 Nein-Stimmen, leere und iingültige Zettel 378. Ai: der Urabstimmung nahmen teil die Verbände der Elektriker, Former, Gärtner. Edelmetallarbeiter, Gürtler- und Metallarbeiter, Eisenarbeiter, Kupferschmiede, der Verband der Arbeiterinnen, Lithographen, Maler, Metalldrnk- ker, Seiler, SchiffSzimmercr, Tischler, Spezialarbeiter, Buchdrucker und der große Schmiede- und Maschinenbauerverband, der allein 35.000 Abstimmungsberechtigte hat. In vier Verbänden mit insgesamt 51.P48, Mitgliedern hatte die..kompetente Versammlung"' zum Schiedsvorschlng Stellung zu nehmen. Dort wurden unr 126 Nein-Stimmen abgegeben, die änderen 51.520 lauteten auf Ja. Darunter tvar der Verband der „ArbcttSmänner"(Ungelernte) mit 49.220 die größte aller dänischen Getoerkschasten. Da die Stimmenabgabe der„kompetenten Versannnlün- gen" nur zu 58 Prozent gewertet werden, tvar der Schiedsvorschlag von den Arbeitern mit 39.453 gegen 21.231 Stimmen angenommen. Aus diesen Zahlen ersieht man aber, daß für einen Gesamtstreik in diesem Drei-Millionen- Landc natürlich nicht 700.000 bis 800.000 Arbeiter in Betracht kommen, die doch entfernt nicht vorhanden sind, sondern höchstens 200.000. was aber selbstverständlich die Bedeutung des Kampfes nicht mindert,(bn) Italienische Propaganda auf englischen und griechischen Inseln.„Daily Herald" berichtet über die erhöhte Propagandatätigkeit Italiens aus K r e t a und den Mittelmeerinseln, die sich im Besitze Englands befinden. Italien agitiere unter der kretischen Bevölkerung, schreibt das Blatt, diese kenne jedoch die Methoden, Weiche die Italiener gegenüber den Griechen im Dodekanes anwenden und lasten sich nicht überreden. Die Macinebasis auf Malta wird von Italien bedroht, welches für die antibritische Propaganda große Summen ausgibt. Auch auf Cypern haben die Italiener die Propagandatätigkeit seit der Zeit verstärkt, da bekannt geworden ist, daß England aus dieser Insel eine bedeutsame Flug« und Marinebasis machen will. Untersuchungsausschuss über,die Moskauer Prozesse in UTA. In den Vereinigten Staaten hat sich ein überparteiliches Untersuchungskomitee gebildet, dar sich zur Ausgabe gemacht hat, die Wahrheit über die Moskauer Prozess« zu erforschen. I» Amerika.find'«ine große Reihevo» Unterlagen durch ein unter Führung von John DoS PaffoS und«nrderen weltbekannten Schriftstellern stehendes i,Komitee zur Verteidigung Trotzkis" gesammelt worden, das auch eine stattliche Reihe von Broschüren zum Moskauer Prozeß herausgegeben hat. So'u. a.: Max Sh ach tman»Hinter den Kulissen des Moskauer Prozesses", Friedrich Adler:„Der Hexenprozeß in Moskau", mit einem Vorwort von Norman Thomas, und„Welsstimncn zum Moskauer Prozeß"(erschienen Iw Verlag der Pioneer Publisherr, New Jork). Auch die Radioansprache Trotzkis ist von dem oben genannten Komitee im gleichen Berlage in vollem Wortlaut erschienen. Dänisch« Spanienhilfe. Wie der auch bei uns gutbekannte Parteisekretär Abg. Hirn t oft- Ha Ilsen dem. Kopenhagener„Sociavwmokraten"-auf Befragen soeben mitgeteilt hat, ergaben die Sammlungen für den Matteotti-Fondr in Dänemark zugunsten■ des spanischen Freiheitskämpfer bisher 150.000 Kronen, das sind 980.000 XL,(bn.). IMfewirtecfioft iui4 äosiaipoiM Seite 6 „Sozialdemokrat' Freitag, 9. April 1987. Nr. 8t Line Kundgebung der aktivistischen Jugend Die Verhandlungen zwischen den deutschen und tschechischen Regierungsparteien über die Regelung der Lage der Minderheiten in unserer Republik haben erfreuliche Resultate gebracht. Noch erfreulicher ist es, tag man nicht bei Memoranden und Deklamationen blieb, sondern sofort begann, in der Praxis die Prinzipien der Vereinbarungen durchzusetzen. Die Neuaufnahme von Deutschen in den Staatsdienst, die Beförderung aktiver Beamter a» höhere Stellen zeigen, daß die Regierung entschlossen ist, auf dem einmal beschrittenen Wege weiterzugehen. In allen Verhandlungen, Publikationen, Versammlungen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, ist aber eine Stimme noch nicht deutlich genug zu vernehmen gewesen— die Stimme derIugend. Und doch soll gerade sie hier nicht fehlen. Denn es gilt einmal den Vorwurf zu widerlegen, daß hinter den deutschen aktivistischen Parteien überhaupt keine Jugend stünde, daß das junge Sudetendeutschtum geschlossen hinter den Fahnen Henleins marschiere und niemand des Recht habe, in ihrem Namen zu sprechen; weiter aber hat die Jugend gerade an diesen Fragen höchstes Interesse, denn es geht hier vor allem um ihre Zukunft. Ob gute oder schlechte Ergebnisse, die Jugend wird es sein, die davon unmittelbar betroffen sein wird. Sie ist vor die Frage gestellt, ob sie Henleins Propaganda folgend, engherzig chauvinistisch jede gütliche Einigung ablehnen und damit die Ent- wicklung zur Katastrophe treiben will, oder ob sie bereit ist, friedlich und aufbauend mitzuhelfen, die tschechoslowakische Demokratie zu erweitern und auszugestalten. Die Jugendverbände der aktivistischen Parteien haben gewählt. In einer Kundgebung am 15. April im Deutschen Hause wollen sie ihre Dereiischast, ihre Wünsche und Forderungen darlegen. Wer mit ihnen geht, wer sich zur Demokratie und zur Tschechoslowakischen Republik bekennt, soll durch seine Beteiligung an dieser Kundgebung seinem Willen Ausdruck geben. DI« Zukunft der sudetendeutschen Industrien In einer gut besuchten Mitgliederversammlung des Allgemeinen Angestelltenverbandes sprach Mitt« looch abends Franz Rehwald-Reickenberg über die Aussichten und Diöglichkeiten der Industrie in der Tschechoslowakei und insbesondere in den deutschen Gebieten. In einem voransgeschickien lieberblick über die jetzige Lage der W e l twirtschaft stellte er eine mehr oder weniger in allen Ländern eingetretene Konjunktur vorläufig der schweren, nicht Gebrauchsgüter erzeugenden Industrien seit, die vielfach ein Überschreiten der ProduktionSzisfern und der Preise von 1020 zur Folge hatten. Beschäftigung und Massenkauskrast blieben hinter dieser Entwicklung zurück. Die Gründe hiefür sind— soweit die lebten Jahre in Betracht konnnen— weniger in der technischen Rationalisierung als in der Intensivierung der Arbeit, Herabsetzung der Löhne und vor allem der Akkordlöhne. Einführung von Prämiensystemen, Zu« ström der starken NachkriegSjahr"änge und jetzt auch schon wieder im Wiedereinseben einer neuen Welle technologischer Rationalisierung zu suchen. Während in den meisten Länder» trotz der jetzigen Konjunktur noch beträchtliche Krisenreste zu verzeichnen sind, haben die alten Industrieländer auch noch eine neue strukturelle Krise infolge der rasch vor sich gehenden Industrialisierung der Agrarstaaten zu gelvärtigen. Demgegenüber konstatiert der Vortragende allerdings, da» der zwischenstaatliche Handel in gröberem Maste als zwischen Industrie- und Agrarländern zwischen den. Industrieländern selbst vor sich geht. Das besondere Problem der deutschen Gebiete in der Tschechoslowakei ist es, dast sie von drei grasten, auf Export angewiesenen Industrien lTextil, Glas und Keram) abhängig sind. Das Schicksal dieser Industrien und damit der deutschen Bevölkerung hängt ab von einer Steigerung des Exports und der Erhaltung des vorhandenen Produktionsapparates. Bei einer geeigneten Handelspolitik und bei einer Erhöhung der inländischen Kaufkraft sind die Aussichten. wie auch die bisherigen, unzulänglichen Maß- nahmen betviesen haben, nicht ungünstig zu beurteilen. Notwendig ist neben einer aktiven Politik auf dem Gebiete der Handelsverträge eine Iknterstübung des Staates, welche den Konkurrenzkampf mit jenen Ländern erleichtert, die durch hohe Exportprämien (z. B. Deutschland gegenüber unserer Glasindustrie) Dumping treiben, ferner eine kollektive Exportorgani- sation, welche die mangelnde Initiative der deutschen Unternehmer bisher versäumt hat, eine Neiiorganisie- rung des Exportkredittvesens und seine Loslösung von privaten Banken, der Ausbau des ErvorttnstituieS und schließlich die Schaffung neuer Indu» st r i e n in den Gebieten, in weichen die alte Industrie zusammengebrochen ist. Trob der grasten Schtvie- rigkeitrn, welche dem entgegenstehen. Neste sich so, wie es derzeit in England in Angriff genommen wird, durch eine Reihe von Mastnahmen die Ansiedlung neuer Industrien in Deutschböhmen erzielen. Wir brauchen ein eigenes Jndnstriesördentngsgeseb für diese Gebiete, allerdings müssten die Vorteile dieses Gesetzes auf die Ikotgebieie beschränkt werden. Nur dann wird es möglich sein, die hunderttausend Menschen, die nach den Erhebungen des Deutschen Ge- iverÄchaftsbundeS durch den Zusammenbruch der Industrie in den deutschen Gebieten dauernd arbeitslos geworden sind/wieder in Beschäftigung zu bringen. Die Methoden der Privatinitiative haben versagt, immer mehr seht sich die staatlich dirigierte Wirtschaft durch. Im Interesse der arbeitenden Menschen müllen daher vor allem die deutschen freien Gewerkschaften darauf bedacht sein, wachsenden Einflust auf die staatliche Wirtschaftspolitik zu gewinnen. Komplikationen um. den Millionenfund. Der Fund der Sparbücher und Wertpapiere im Werte von zusammen fünfeinhalb Millionen XL, der die Frage nach dem entfallenden Finderlohn auftauchen liest, gestaltet sich durch die später bekannt gewordenen Einzelheiten zu einer recht komplizierten Angelegenheit. Nach der Berechnung, die die Polizei im Sinne der in solchen Fällen beobachteten Praxis ausgestellt hat, hätte der Finder Zäkovskh einen Finderlohn von 8820 K£ zu beanspruchen. Wie berichtet, handelt es sich zum grötzten Teil um vinkulierte, als für fremde Personen nicht verwertbare Einlagebücher. Mit diesem Lohn ist aber der Finder keineswegs einverstanden und weist auch die Aufrundung auf 18.000 Xi als unzureichend zurück. Es scheint also, dast diese juristisch immerhin nicht ganz llare Sache zu einem Prozeß führen wird, dellen Aussichten in Laien- und Juristenlreisen mit Interesse erörtert werden. Eine weitere Komplikation hat sich aber dadurch ergeben, dast iveitere zwei Mitfinder auf den Plan treten, nämlich die zwei Kollegen des Tischlergehilfen Zäkovslh, die mit ihm zusammen das Streiftvägelchen schoben und die nun behaupten, sie hätten alle drei gleichzeitig die auf der Erde liegende Handtasche erblickt und seien also gleichermasten al- redliche Finder zu betrachten. Es ist also eine weitere Frage, wie sich der Hauptfinder Zäkovskh mit diesen zwei Kameraden auseinandersehen wird. Montag, den 12. April, um 8 Uhr abend» im Parteiheim, Prag II-, SmeLky 22, dritter Stock, Frauen-Abend mit Bortrag der Abgeordneten Genosst» Irene KIrpalr Querschnitt durch die Politik der Gegenwart. Fraum-BezirkSkomitee Prag. Die Rachegelüste einer 61 jährigen eifersüchtigen Gattin Prag,(rb) Die 61jährige GroßgrundbesitzerS- gattin Albina L. befindet sich in Scheidung von ihrem Gatten Anton- Angeblich hat ihr der Herr Grobgrundbesitzer begründeten Anlast zur Eifersucht gegeben, indem er in vertrauliche Beziehungen zu einer anderen Frau trat, einer gewissen M a r i e G-, die gleichfalls ein Haus besitzt und einen Hausmeister beschäftigt. An diesen Hausmeister, einen gewissen Heinrich M.. machte sich nun die eifersüchtige Gattin heran und begann ihn auSzuforschen, ob nicht ihr Gatte dort ständig mis- und eingehe. Der Hausmeister sagte, es gingen verschiedene Herren im Hause seiner Dienstgeberin aus und ein und er kenne die Besucher nicht dem Namen nach. Nach einer Photographie, die ihm Mbina L. vorlegte, erkannte er indessen deren Gatten als einen der ständigen Hausfreunde. Die betrogene Gattin, die offenbar das unbezwingliche Verlangen verspürte, sich an ihrem Mann zu rächen, machte nun dem Hausmeister einen Vorschlag, über welchem diesem wohlgesetzten und korrekten Mann, wie man zu sagen pflegt, der Verstand stillstand. Sie bot ihm nämlich 7000 Xi dafür an, dast er ihren Gatten überfalle und mißhandle. Ihr Auftrag lautete dahin, er solle(wir zitieren den Wortlaut der Anklage) ihrem Gatten„die Arme, die Beine, die Nasebrechen, oder ihn des Augenlichtes berauben", oder ihn überhaupt sonst ordentlich zurichten. Dast diese Anordnungen keineswegs so harmlos gemeint waren, zeigt die angebotene beträchtliche Entlohnung. Welch eine blutdürstige Phantasie in dieser kleinen, nnansehnlichen Fraul Der Hausmeister, entsetzt durch diese Zumutungen, erstattete die Anzeige und Albina L. wurde der Verleittmg zur schweren Körperverletzung angellagt, Die Anklagebehörde legte die Anstiftung milde auS. In der Anklageschrift wird bemerkt, dast„aus der allgemeinen Fassung des Wortlautes der Ansttf- tung nicht geschloffen werden könne, dast Albina L. ihren Gatten tattächlich des Augenlichtes habe berauben wollen".(Dies wäre ein SchwurgerichiS- delift.) Dagegen erschien der Verdacht der Anstiftung zu einer schweren Mißhandlung ihre» Gatten als sehr begründet, zumal der Hauptzeuge einen Absolut verläßlichen Eindruck macht. Der Strafsenat der GR Dr. Nosek vertagte schließlich die Verhandlung zur Erweiterung der Beweisverfahrens. Kunst und Wteaea Ei» neues Theater in Moskau. Im Zentrum Moskaus wird ein neues großes Gebäude fjir da» Nemirowitsch-Dantschenko- Musik-Theater errichtet, dessen Bühne 88 Meter breit wird. Der Bau wird einen Rauminhalt von 85.000 Kubikmetern und eine Fläche von 28.000 Quadratmetern einnehmen. Der 1800 Plätze aufweisende Zuschauerraum besitzt drei Ränge, ein Parterre und ein Amphitheater. Die Gesamtkosten des neuen Baues werden sich auf neun Millionen Rubel belaufen. Die Malerei am Plafond des ZufchauersaaleS werden bekannte sowjetische Künstler ausführen, Sonntag abends Erstaufführung„Warum lügst d», CHSrie?", musikalisches Lustspiel von Lengsfelder, Tisch, Musik von Märker(B 2), mit Götz, Schipper, Macheiner, Szurowh, Wanka, llfritsch, Tretsch und den vier Revellers: Binder, Gerland, Willander, Fechner. Regie: Gellner, Dirigent: Popper. Dienstag Erstaufführung„Das Paradies" von Birabean. Regie: Mariä.(912.) Den Knaben und da» Mädchen spielen Inge Waern und der I7jährige Schauspieler Wolfgang Dauscha. Spielplan de» Deutschen Theater». Freitag 8: Feine Gesellschaft, D.— S amStaa 7 Uhr: Parsifal, Gastspiel Alexander K i p n i», T 1. — Sonntag halb 8 Uhr: Aufdergrünen Wiese, halb 8: Warum lügst du, Chärie? Erstaufführung, B 2. Splelplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag 8 Uhr:.Kommen Sie am E r st e n J" Theatergemeinde des Kulturverbandes und fteier Verkauf.— Samstag 8: Kommen Sieam Ersten!— Sonntag vormittags: Schauturnen des Deutschen Turnvereines, Lützowova, anläßlich des 78jähr. Bestandes, 8: F i g a r o l ä ß t s i ch scheiden, 8:Matura. Der Sto Filme, auf die wir werten Der Mangel an werwollen Filmen in den Prager Kino» veranlaßt immer wieder zu der Frage, ob die Weltfilmproduktion wirklich so arm ist oder ob uns nur die sonderbaren AuStvahlmethoden der hiesigen Filmverleiher daran hindern, gute und interessante Filme, die anderswo gezeigt werden, auch hier zu sehen. Seit Monaten schon läuft in London und Paris der amerikanische Film„The green pastures"(Die grünen Weiden), der den Himmel so darstellt, wie ihn sich der amerikanische Neger denkt, ein Film, der nicht nur infolge seines Themas, sondern als Regieleistung und durch die natürliche Kunst der mitwirkenden schwarzen Schauspieler und Sänger ungewöhnlich eindrucksvoll sein soll. Auf einen anderen amerikanischen Film, der„Das LebendeSLMiSPasteur" erzählt und schon ein Jahr alt ist, ist man dadurch aufmerksam geworden, daß seine Heiden Hauptdarsteller Paul Muni und Luise Rainer preisgekrönt wurden. In Prag war auch dieser Film bisher nicht zu sehen und sein Erscheinen ist bisher auch nicht angekündigt. In London hat man einen Film„Fire over England" (Feuer über England) hergeftellt, der de» Untergang der von Philipp II. gegen England ausgesandten Armada schildert und durch die Darstellung der Gefahr, die damals von einem auswärtigen Tyrannen drohte, höchst aktuell und nicht nur für England beispielhaft wirken soll.— Noch ztvei Filme seien erwähnt, obwohl die Arbeit an ihnen gerade erst begonnen hat. Aus Paris wird berichtet, daß dort unter der Regie Jean Renoir» ein RevolutionS- film„L«Marseillaise" gedreht werden wird, der nicht von einer privaten Filmfirma, sondern von einer im Zeichen der Volksfront stehenden Publikumsgemeinschaft finanziert wird, deren Mitglieder die Herstellungskosten durch vorherige Entrichtung deS Eintrittspreises für den späteren Filmbesuch aufbringen. Ein bea^ilicher und nachahmenswerter Versuch, die Filmproduktton aus den Fesseln kapi- tälssttscher Spekulation zu befreien. Lin Präger Film, der setzt angekündigt wird, weckt hingegen Bedenken. Mit Vlasta Burian wird am Barrandov eine Komödie gedreht, deren Herstellerin die Ufa ist. Da diese Gesellschaft vor kurzem auf Betreiben deS Herrn Goebbels in den Besitz deS Dritten Reiches übergegangen ist, stehen wir also vor der Tatsache, daß einBerlinerStaatshetrieb in Prag einen tschechischen Film herstellt. Eine Fran ohne Bedeutung. Die Lustspiele Oskar Wildes, die vom deutschen Film in letzter Zeit mit Vorliebe al» Sujets gewählt werden, eignen sich nicht für den Tonfilm. Sie widersetzen sich auch der Bearbeitung durch Thea Harbou, die sie in die Gegenwart transponiert. Es bleiben ein paar der glitzernden Aphorismen, der Dialog ist geistreicher, als ihn Filmautoren zu liefern pflegen. Aber die Probleme paffen nicht zu den modernen Kleidern und den Motorbooten und die Menschen paffen noch weniger in sie. Man möchte das vernichtende Wort hören, das Wilde über diese„Bearbeitung" seiner Lustspiele sagen würde. Der Regisseur Han» Heute nm 20 Uhr im grossen Saal des Handwerkervereins, Prag II., tte Smeökäch 22, spricht krnst Raul über das Themar »Der Freiheitskampf des spanischen Volkes«. Regiebeitrag. Stein hoff macht ein sauberes Kammerspiel, in dem Käthe Dorsch eine sanfte Frau ohne Bedeutung ist und Gustav Gründgens abgründigen Zynismus spricht, der angeklebt aussicht wie ein Theaterbart. Rund herum nett gekleidete und manierliche Menschen, unter denen der junge Albert Lieven auftällt. Im Theater spielt man Oskar Wilde bereits in den Kostümen ihrer Zeit. Das wäre auch im Film angebracht. jk. flua dec Suctei Sitzung der BezirkSvertretung Freitag, den 9. d. M., um 19 Uhr im Parteiheim. VeceinsnacilcLMen Diesen Sonntag Große Atus-Akademie Beginn 5 Uhr nachmittags. Nach Abwicklung des Programms Tanz. Kein Genosse>md keine Genossin darf bei der Akademie fehlen. © Ortsgruppe Prag. 10. April, Treffpunkt um halb 4 Uhr am Smichover Bahnhof, Fahrt nach Revniee, Wanderung auf die Hütte, Sonntag Tour nach Karlstein, Svath Jan, führt Pick. Mitteilungen aus dem Publikum. Die Bäume knospen, der Schnupfen blüht! Da» ist der Frühlingl Die Uebergangszeit mit ihren stets wechselnden Temperaturen hat die meisten Verkühlungen auf dem Gewissen. Da heißt'S, sich besonders vorsehen: immer sollten Sie eine Flasche Alpa- Franzbranntwein im Haus haben, denn regelmäßige Alpa-Einreibungen machen den Körper widerstandsfähig und gefeit gegen Verkühlungen I Auch der Arzt empfiehlt„Alpa"-Maffagenl 2 Urania-Kino, KliinenKha 4. Fernsprecher 61623. Frduleln Lilli granKSka vael und SiiUk Szolau. Das vielbesprochene Buch von AndräGide: Zurück aus Sowjet-Rußland ist soeben in deutscher Uebersetzung erschienen. Es kann zum Preis von XL 26.— von der Zentralstelle für daS Bildungswesen, Prag XU., Slezska Rr. 13, bezogen werden. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich Xi 16.—, vierteljährlich XL 48.—, halbjährig XL- 06-— ganzjährig Xi 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—Rückstellung von Manuskripten erfolgt'nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele« graphendirektion'mit Erlaß Nr. 18.800/VH/1980 bewilligt,— Druckerei: ,^2rbis", Druck-, Verlag»- und ZeitungS-A.-W. Prag. Zeder denkende Sozialist muß täglich sein Parteiblatt, den„Sozialdemokrat", lesen. Sendet daher diesen Bestellschein an die Verwaltung des„Sozialdemokrat", Prag Xll., Fochova 62. Bestellschein Ich bestelle vom: den»Gozlaldemakrat", das gentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Prag XU., Fochova 62, zum Abonnementpreis von W IS*— monatlich. Rame—.— Adresse'^ t.;• Unterschrift: