Sozialdemokrat Erscheint mit Ausnahme des Monts» tL»lich fr«h aktionundDemaltung: Prag XII., Fochova 62— Telephon 83677— Herausgeber: Siegfried Taub— Derantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Dienstag, 13. April 1937 Eiuzelprel» 7Ü(elnschließl. 8 Keller Port») Aus dem Inhalt: Heute neuer Roman Etrlch-Betrieb geräumt Jaksdi in Eger Ungarische Opposition gegen Hitler Nr. 87 Belgischer Faschismus vernichtend geschlagen van Zeeland gewinnt 75 Prozent der Stimmen Brüssel. Am Sonntag wurde die Er. satzwahl für das freigewardene Brüsseler Parla» mentSmandat durchgeführt. Di« Wahl wurde au einer Kraftprobe zwischen dem Faschistenführer Degrelle und dem Ministerpräsidenten van 3 e e l a n d, für den die Sozialisten, die Kommunisten, die Katholilen und die Liberalen stimmten. Die demokratischen Parteien stegten mit überwältigender Mehrheit: van Zeeland konnte 76 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen; die Gesamtzahl der für ihn abgegebenen Stimmen ist 276.840. Allgemein hatte man erwartet, daß Degrelle, der von den Kapitalisten mit reichlichen Geldmitteln versehen wurde und eine wüste Propaganda entfaltet hatte, über 100.060 Stimmen erhalten werde. Er bekam jedoch nur 60.242 Stimmen, also weniger als seine Partei und die mit ihr jetzt vereinigten vlämischen Rationalisten bei der letzten Wahl zusammen erhalte» hatten. Der Stimmenzuwachs der Parteien, die hinter van Zeeland standen, beträgt rund zehn Prozent, die Abnahme" bei der Degrelle-Gruppe sieben Prozent. Die Niederlage des belgischen Faschismus ist also geradezu vernichtend. Der Sieg van Zee- lands festigt nicht nur die persönliche Stellung des Ministerpräsidenten,; sondern stärkt auch die Koalition. Die faschistische Gefahr gilt als ge- bannj, Sowohl in Bclgicn, als auch in den ijhri- gen demokratischen Ländern wird der Sieg van Zeelands als ein Sieg des demokratischen Gedankens über den europäischen Faschismus ange- Der Sieger sehen, während die reichödeutschcn Blätter ihr Mißbehagen über di« Niederlage des hitlerschen SKoßkindeS Degrelle nicht verhehlen. England weicht vor Franco zurück? Kein Widerstand gegen die Blockade Bilbaos Erfolgreiches Fortschreiten der republikanischen Offensive Solidaritätskundgebung der Roten Falken für spanische Kinder • Einen schönen Beweis sozialistischer Soli- darität gab die sonntägige Reichskonferen, der „Kinderfreunde». Nachdem der Bericht Ernst *“ tt» We Kinderheime, welche die spa- Nische Republik für die Opfer de« Bürgerkrieges aut Kenntnis gebracht worden war, beschloß die Konferenz auf Antrag von Schweitzer und Hocke, für die Kinder gefallener spanischer Republikaner, eine M i l ch a k t i o n durch,usüh- reu. Der durch Solidaritätsmarken gesammelte Betrag wird zum Ankauf kondensierter Milch verwendet und diese al» Spende de« ReichSvereinS der„Kinderfreunde" und feiner Falken dem Hilfskomitee für Spanien der SAJ und des JGB überwiesen. Diese Aktion aktiver Solidarität wird sicher nicht nur innerhalb der„Kinderfreunde", sondern in der gesamten sozialistischen Oeffent- lichkeit starken Widerhall finden. Eden Uber Spanien Der britische Außenminister Eden hielt in Liverpool eine Rede, in der er nach einer Erörterung des Abkommens über die Nichteinmischung u. a. sagte: Wenn aber trotzdem Nachrichten von den eingesetzten Beobachtern eintreffen werden, daß noch immer Uebertretungen dieses Abkommens Vorkommen und daß noch immer ausländische Freiwillige nach Spanien kommen, um an dem Bürgerkriege teilzunchmen, wird die britische Regierung, die durch diese Uebertretungen ge- schaffene Lage, speiche nach ihrer Ansicht^ und ohne Zweifel auch noch der Ansicht aller übrigen an bem Nichteinmischungsabkommen beteiligten Regierungen imstande wäre, eine neue gefährliche Situation zu schaffen, auf das ernsthafteste in Erwägung ziehen. ES sollte im Interesse einer jeden europäischen Macht sei»:, welche den Frieden wünscht, sich zu entscheiden, einer solch«: Lage auSzuwrichen. Eden Wiederholle hierauf seine bereits früher abgegebenen Erklärungen, daß nämlich weder die. ausländischen Repräsentanten des Faschismus noch die Repräsentanten des Kommunismus die spanische Politik nach Beendigung des Bürgerkrieges beherrschen werden. Das spanische Volk, sagte Eden, wird nach dem Bürgerkriege, wie schon früher in langen Jahrhunderten, auch weiterhin jene stolze Unabhängigkeit, jenen fast arroganten Individualismus zeigen, welcher der Charakterzug dieser Rasse ist. Arbeitslosenunruhen In Polen Warschau. In Sosnovice kam es am Montag zu ernsten Arbeitslosenunruhen. Etwa 1000 Arbeitslose, die von ihren Frauen und Kindern begleitet waren, demonstrierten in den Vormittagsstunden vor dem Arbeitsvermittlungsamt. Die Polizei schritt gegen die Demonstranten mit Tränengasbomben ein. In den Mittagsstunden wiederholten sich die Demonstrationen vor dem Magistratsgebäude. AIS die Demonstranten das Magistratsgebäude mit Steinen zu bombardieren begannen und den Versuch unternahmen, in dasselbe einzudringen, schritt berittene. Polizei ein, die von der blanken Waffe Gebrauch machte.• 80 Demonstranten erlitten hiebei leichtere Verletzungen. Schließlich gelang es der Polizei, die Ruh« wieder herzustellen. Warschau.(PAL.) Im Bialystoker Textilgebiet sind 4600 Arbeiter in den Streik getreten und fordern eine Lohnerhöhung. Der Gewerbe« inspektor hat Verhandlungen zwischen den beiden Parteien ausgenommen und ist bestrebt, den Lohnkönflikt auf dem Schiedswege zu schlichten. Kabinett Blum kür die Staatsangestellten Pari». Das Amtsblatt veröffentlicht«in Dekret über di« Aufhebung der zehnproze.ntigen Her- absetzung der Staatsangestelltengehälter, deren JahreSgehalt 80.000 Francs nicht übersteigt. Den staatlichen Hilfsangeftellten werden, die Gehälter" um zehn Prozent erhöht;- auch die. Ortszulagen werden erhöhtt Die G-werlschaftSorganisation d-p. StaatSangesteMeir bezeichnete diese. Erhöhung als ungenügend und fordert außer. einer neuen Ge- haltSregelüng di« Durchführung der 40stündlgen. Arbeitswoche., London.(Reuter.) In der Erwiderung auf eine Frage Sinclairs, welche Maßnahmen die britische Regierung zu treffen gedenle, um die Belästigung britischer Handelsschiffe in den spani- scheu Getvässeri: zu verhindern und ihnen freie Fahrt in dieser Zone, namentlich das Anlaufen von Bilbao, zu sichern, sagte Ministerpräsident Baldwin: „Die britische Regierung hat über Sonntag dir gegenwärtige Lag« studirrt, soweit dir Schifffahrt in der Nähe von BUbao in Brttacht kommt und hat dahin entschieden» daß sie keine Rechte kriegführender Parteien anerkennen und Eingriffe in die britische Schiffahrt uitht dulden könne. Nichtsdeswweniger sei in Erwägung zu ziehen, daß die britischen Handelsschiffe aus Praktischen. Gründen und mit Rücksicht auf daS Risiko, gegen das sie gegenwärtig nicht geschützt werden können, die Fahrt in diese Zone nicht hätten unternehmen sollen, solange solche Voraussetzungen herrschen, wie die Gefahr der Borbardiorung und di« Minengefahr. Der Kontrradmiral, der den Kreuzer „Hood" kommandiert» hat den Befehl erhalten, sich mit diesem Kampfkreuzrr an die spanische Nordküste zu begeben. Die britische Negierung wünsche mit Rücksicht auf die heikle Situation, die in diesen Gewässern herrscht, daß eine angemessene Kampfstärke unter dem direkten Kommando eine- ESkadre-Kommandanten verfügbar fei.« Das Schlachtschiff„Hood" ist vor Bilbao eingetroffen und außerhalb der Dreimeilenzone vor Anker gegangen. Di« Dreimeilenzohne wird von Franco-Schiffen beherrscht. Dio Erklärung Baldwins ist ein Ausweichen, daS um so bedenklicher ist, als die^ststte Francos es zweifellos nicht wagen würde, den Kämpf mit den britischen Schlachtschiffen aüfzunehmen. Das Ziel Francos ist es, Bilbao auszuhungern und eS von jedweder Munitio'nSzufuhr abzuschneiden. Die Universitätsstadt eingekreist Am Sonntag wurde rin«euer Angriff auf die Universitätsstadt unternommen. DaS Ziel der Operationen, war■ di« Einkreisung der in der, Universitätsstadt sitzenden Ansftändifchen durch daS Atschneiden der Berbindnng über den Man- zanareS..Die Angriffe,, die an heidenFlanken der BertindungSlinie unternommen wurden, haben die RückzugSzon« auf 800 Meter Breite verengt. Außerdem gelang den Regierungötrup- pen die Sprengung der BerbiudungSbrück« über den ManzanareS. Die Kämpfe waren sehr verlustreich und dauerten Montag noch an.— Auch an der Südfront wurde der vor einigen Tagen zum Stillstand gekommene Angriff der Regie- rungStruppen fortgesetzt.— Die spanische Negierung behauptet, daß in Eadiz wieder italienische Truppen ausgebootet worden seien. Di« baSkische Regierung meldet von der Front bei Durango eine Berbessrrung der RegierungSpositionen. Es wird verhandelt? Henday«.(Reuter.) Hier verlautet aus nicht amtlichen Quellen, daß der britische Handelsattache bei der spanischen Gesandtschaft in Hen- daye von hier nach Burgos reisen werde, um mit den Aufständischen in der Angelegenheit der britischen Handelsschiffe zu verhandeln, die Lebensmittel transportteren und in Frankreich zurückgehalten wurden. * Gewissenfrage an den Papst Bilbao.(A g e n c e E s p a g n e.) Herr Aguirre, Präsident der baskischen Regierung, hat an Papst PiuS Xl. folgendes Telegramm abgeschickt: „In meiner Eigenschaft alS praktizierender Katholik protestiere ich gegen den"M»rd an einer großen Anzahl von Priestern durch die Rebellen. Die Informationen über diese Ermordungen sind dem Heiligen Stuhl zugrkommen. Im Namen deS SaSkischen Volkes, welches Anhänger deS Gesetze- der Gerechtigkeit und der Ordnung ist, im Namen deS christlichen Gewissens vieler meiner Kom- patrioten bitte ich den Heiligen Bater, fein Schweigen zu brechen." Empfindliche Verluste der Engländer In Wazlrlstan London. Den letzten Meldungen auS New Delhi zufolge sind bei den kürzlichen Kämpfen in W Wz i r i st a n auf britischer Seite insgesamt 20. Soldaten ums Leben gekommen; verwundet Würden 46. Brüssel — das unblutige Madrid im Glaubenskampf Europas! Die selbstbewußte und auf den Sieg der Frechheit spekulierende Parole des Herrn Leon Degrelle„Rex vaincra"(Rex wird siegen!) har sich, in: Handumdrehen sozusagen, in ein höchst erbärmliches Rex vaincu, ein„Rex besiegt" verwandelt. Mit mindestens 100.000 Stimmen wollte Degrelle aus dem Duell mit van Zeeland hervorgehen. Gegen die rund 66.000 Stimmen, die er und die flämischen Nationalisten bei den letzten Wahlen erhalten hatten, wollte er das Doppelte aufbringen, wollte er die Galoppsprünge des Hitlerismus aus den Wahljahren 1080 bis 83 in Belgien wiederholen. Aber die Front des Demagogen, der— vielleicht noch frecher und ge» rissener als sein Vorbild, aber weniger triebhaft und stimmungssicher als dieser— Christus persönlich zur Schutzmarke seiner Parteilumperc: mißbraucht(denn Rex bedeutet»Jesus Rex", Jesus der König), hat keine 70.000 Stimmen erreicht, während die Stimmenzahl der demokratischen Front von 240.000 auf 276.840 gestiegen und der prozentuelle Stimmenanteil der Demokraten gewachsen ist. Dieser unblutige Sieg über den europäischen Faschismus, über die Nazintern, ist in der jetzigen Situation nicht minder erfreulich als die mit teuerem Blut erkauften Erfolge der Demokratie in Spanien. Bei der ungeheuren Beachtung, welche die Brüsseler Nachwahl in ganz Europa gesunde::, bei den großen Hoffnungen, die der Hitlerisnms auf einen Sieg seines SchützliygK und Söldlings gesetzt hat, bei, der Bedeutung, die Belgien in der Friedenspolitik dec Westmächtc zukonnnt, darf man wohl den symbolischen Sieg von Brüssel neben das grogs Symbol demokratischen Triumphes, neben Madrid, stellen, so wenig wir verkennen tvolien, daß die Spanier unvergleichlich mehr opfern müssen als die Belgier einzusetzen brauchten, denen die humanen Spielregeln der Demokratie noch zur Verfügung stehen. Der Eindruck, den Brüssel macht, kvird verstärkt, wenn n:an sich vergegenwärtigt, daß der europäische Faschismus sich seit Wochen in einer ausgesprochenen P e ch st r ä h n e befindet. Wenn man noch weiter ausholen will, so kann niau auch die Wahlsiege des skandinavischen Sozialismus in Schiveden, Dänemark, Norwegen, Finnland, die Präsiden- tenwahl in eben diesem Lande, die Londoner Grasschaftswahlen, als Exempcl für die Festigung der Demokratie und den Ausstieg der sozialistischen Ausbau-Idee heranziehen. Aber man erwäge nur, Ivas sich seit dem Feber dieses Jahres, der dritten Wiederkehr des bitteren Jahrestages der Kämpfe um Wien, abgespielt hatl Da sst die Blitz-Offensive des Nazismus in Ungarn versackt, weil die Gegenspieler zwei, drei Tage vor dem Losbruch der Revolte selbst zuschlugcn. Da verrollte zur selben Zeit ein kleiner Nazipurich in I u g o s l a w i e n, endete die Offensive der Eisernen Garde Rumäniens mit der Reis« TatareScus nach— Prag. Die Hoffnungen auf den Zerfall der Kleinen Entente sind in Belgrad zuschanden geworden und der neue Bruch zwischen BerlinundWien mehrt auch nicht die Sie- geshoffnungen Hitlers in Mitteleuropa. Bor alle::: aber kam die schwere NiederlagederLta« liener beiBrihuega, die stärkste Erschütterung deS militärischen und moralischen Prestiges, die der Faschismus bisher erlitten hat. In Spanien regnet es seither Schlappen für die Franco-Armee und Mussolini vermag dem BolkS- heer nicht in den Arm zu fallen, ohne einen Krieg mit den Westmächten zu riskieren. Und nun, nach alldem, nicht zuletzt auch nach den deutli:n Verwandlungen, die in der Tschechoslowakei zugunsten der Demokratie und zu Schaden Henleins vor sich gehen, die Niederlage des jugendlichen Nachwuchses deö faschistischen Front, deS RexiSmuS, in Brüssel, am selben Tag, da auch Madrid neue Siege meldet! ES ist für uns und alle Demokratien, die im Kampfe mit faschistischen Parteien liegen, höchst lehrreich, sich der U r s a ch" e n deS demokratischen Erfolges von Brüssel bewußt zu werden, Am Anfang steht und in erster Linie die entschlossene Initiative der belgischen Sozialdemokratie, die vor vier Jahren bereits den Kampf gegen Krise und Faschismus ausgenommen und den zerstörenden Kräften ihr Programu» Seite 2 DienSiog, 13. April 1037 Rr. 87 des Aufbaues, den groben»Plan der!(r■ l> c i t" Hcndril de Mans, entgegengesetzt hat. Dir tonjeqncntc tverfolgung der offensiven Politik, dir sich auf den Planisinus gründete, hat tatsächlich zur Erweckung starker demokratischer Kräfte iin Lager der kleinbürgerlichen Mittelschichten ge- führt, wie de Plan angenommen hatte. Insbesondere in der katholisch-konservativen Partei bildete sich eine immer stärker werdende und entschlossener auftrctende,. demokratische und plan» wirtschaftlich orientierte Gruppe. Als an di« Partei die Frage hcrantrat, sich an der Negierung zu beteiligen, zögerte die Sozialdemokratie nicht, die Gelegenheit zu konkretem Handeln zu ergreifen. Daö Kabinett van Zccland, das auch die Wahlen und den ersten Anstrum des Rexis- mnS überdauert hat! wurde ein ausgesprochenes Kampf- und Ausbau-Kabinett, das sich nie begnügt hat, dem Faschismus Polizeimaßnahme» entgegenzustcllen, sondern das ihn an den Wurzeln faßte und ihm den nährenden Boden nahm. Der feste Zusammenhalt der demokratischen 9i c g i c r n n g s p arte i e n ist ein weiterer Grund für den Sieg vom 11. April. Was einer einzelnen Partei Und tvohl auch einem biogen Kartell von drei Parteien nicht gelungen wäre, das glückte der festgefügten Front, als deren Repräsentant van Zeeland, als deren wirkungsvollster Redner der sozialistische Außenminister S P a a k, als deren geistiger Lenker Hendrik de Man auftcatcn. Diese geschlossene Haltung nötigte auch die zunächst ein tvenig randalierenden Kommunisten, Disziplin zu halten, und sie imponierte auch nach rechts so sehr, daß der Kardinal von Brüssel selbst in letzter Stunde die Katholiken aufsordcrte, gegen Degrelle und für van Zeeland zu stimmen. Gerade das, im katholischen Belgien folgenschwere V o t u m K a r d i a n l v a n R o c» s, ist eine» der bedeutsamsten Shmpiome der Feit. Man darf vielleicht noch eine Erscheinung als beachtenswert und lehrreich buchen: Brüssel, beiveist zum erstenmal da» Versagen eines Prinzips, in dem irrigerweise viele Antifaschisten wie alle Faschisten das»Geheimnis des Sieges" erblickten. das B e r s a g e n der P r o p a g a n d a. Eine Wahlpropaganda, die nach Degrelles Geständnis etwa 30 Millionen Kd gekostet hat, die laut, lärmend, marktschreierisch war wie keine vor ihr, die ganz Brüssel in ein Meer von Plakaten, Fahnen und tollstem Reklamegeschrei tauchte, hat versagt gegenüber dem ruhigen, entschiedenen und vornehmen Auftreten van ZeelandS, der in seiner Rundfunkansprache den Brüstelern erklärt hatte, er tverde sic nicht als»seine lieben Wähler" anreden, überhaupt wenig Worte machen und er denke nicht daran, um Stimmen zu buhlen. Hier liegt ein Symptom der Wende vor und zwar ein erfreuliches, eines der bemerkenswertesten Anzeichen für eine Gesundung der Menschheit von der Pest de» Faschismus und der Demagogie. Als Zeichen der Gesundung, als Symptom der verjüngten, zu rüstiger Arbeit an der Zeit drängenden Demokratie darf man den Tag von Brüssel auch sonst werten, als ein Madrid ohne die letzte Weihe, aber auch ohne den Schrecken der Äknttaufe. Neuer Volkskommissar Moökau. Das Präsidium des Zentcalcxeku» tivkomitees der Sotvjetunion enthob Kalma- n o w i t s ch von den Pflichten des Volkskommissars für Getreide und Viehzucht und ernannte ans diesen Posten Nikolai D e in t s ch e n k o. JUNGES WEIB e VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT „Hallo, Doktor Flcithi". Der Mann, der das rief, hatte ein vor Erregung völlig ausdrucksloses Gesicht. Es dauerte ei» paar Minuten, bis er sich faßte. Narrte ihn denn ein Spul? „Hallo!" rief er noch einmal, diesmal schon mißtrauischer, unangenehm becühri, aber immer noch völlig verwirrt, denn der Angerufene war. keine zehn Schritte von ihm entfernt, ruhig an ihm vorbcigegangcn, ruhig wie einer, der von niemandeni in der Welt etwas zu befürchten hat. Eine Sekunde nur hatte er den Kopf gehoben. Seine Augen waren seltsam starr getvesen, stechend wie Pfeilspitzen hatten sie sich in dem Blick de» anderen gebohrt, ehe sie sich wieder abwendeten. Kein Zeichen des Erkennens tauchte in ihnen auf. Camillo Trnckenbrott hob die Schultern, nachdenklich, verständnislos, ärgerlich. Donner- tvetter noch einmal, sollte er sich so getäuscht haben? Er starrte dem Manne nach, bis er an der Straßenbiegung verschwand. Dann drehte er sich aus den Absätzen herum und ging in den Gasthof„Zum Hirschen" zurück. Seine Gedanken blieben bei Dr. Fleith, dem Arzt, der vor fünf Jahren untergetaucht war, als ihm diese üble Geschichte mit der Frau eines ausländischen Regierungsbeamten Kopf und Kragen zu kosten drohte. Ein würgendes Gefühl kroch Trnckenbrott langsam vom Magen bis zum Hal», als er an die Rolle dachte, di« er in dieser düsteren Ange- Erziehung zur geistigen Wehrhaftigkeit Die Reichskonferenz der„Kinderfreunde** Der Arbeiterverein„Kinderfreunde" hielt am Sonntag in Reichenberg seine achte ReichSkostfe- renz ab. Rote Falken begrüßten die zahlreichen Delegierten und Gäste mit einem Lied und einigen Worten ihres Sprechers, worauf der Vorsitzende Prof. Gustav S ch to e i h e r die Konferenz eröffnete. Dar Büro der Sozialistischen Erziehungs-Internationale in Paris hatte an die Tagung ein Schreiben gerichtet, in dem es unseren„Kinderfreunden", deren Organisation stet» der aktivste Teil der internationalen Betocgiuig getvesen sei, die herzlichsten Wünsche anläßlich der Beratungen übermittelt und erklärt, daß die ruhmvolle Geschichte der sudetendcutschcn Arbeiterbewegung zu gleicher Zeit verpflichte und zu neuer Hoffnung und neuer Arbeit ermuntere. Telegraphische und schristliche Begrüßungen lagen ferner vor von den Roten Falken in Schweden und in Dänemark, von der polnischenSkIf- Bclocgiing, die mitteilt, daß sie durch die Werbung von S000 neuen Falken.ihre Mitgliederzahl verdoppelt hat, weiter vom AuslandSbiiro der österreichischen Sozialdemokraten, vom Allgemeinen Ange st ellten-V er, band, vom Verband der Land- und Holzarbeiter und vom Obmannstellbertreter de» Verbände» Ernst Paul, der durch Versammlungen am Erscheinen verhindert war. Im Namen der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, der ZentralgewerkschaftSkom- mission, der Zentralstellen der Kulturorganisatio- nen und der Genossenschaften und dec„Arbeiterfürsorge" begrüßte die Reichskonscrcnz Anton Schüfe r-Reichenberg, im Namen der Reichenberger Organisationen und der„Union der Textilarbeiter" sprach Rudolf Drbohlav. Unter allgemeiner Zustimmung wurde die Absendung von V e g r ü tz« n g s t e l c g r a m- men an den Präsidenten der Republik, den GesundheitSministcr Dr. C z e ch und den Fürsorgeministcr Jng. N e ö a S beschlossen. Der Tätigkeitsbericht, welcher in Druck vorlag und vom Verbandssekretär Willi Hocke- Bodenbach ergänzt und erläutert wurde, gibt das erfreuliche Bild einer mühevollen, aber planmäßigen und erfolgreichen Arbeit, die von der Bereitschaft vieler hunderter Funktionäre In den Unter- gliederungen getragen tvird. Trotz der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten der letzten beiden Jahre, führte Hocke auS, trotz de» verstärkten Drucks der Gegner auf die Eltern und auch auf die Kinder, sind die Organisationen wieder ein Stück vorwärtSge kommen. Die Zahl der Ortsgruppen und der Mitglieder ist gestiegen und es ist nun auch gelungen, in di« letzten Teil« des sudetendeutschen Siedlungsgebietes cliizudrin- gen. Der ArbeitSumfaNg der Bewegung hat fick» verstärkt. Neben der Arbeit im Horst, dem Mittelpunkt der Tätigkeit, setzt sich auch' die Ferientätigkeit immer mehr durch. Im Jahr« 1036 haben diese nicht nur vom pädagogischen, sondern auch vom Fürsorgestandpunkt aus nicht hoch genug einzuschätzenden Aktionen eine Gipfelleistung erreicht. Mehr als 300.000 XL wurden für sie aufgebracht. Der internationale Kinder- auStausch, der im Vorjahr zum erstenmal versucht wurde, hat sich glänzend bewährt und wird fortgesetzt. In einem gedankenvollen Vortrag voller An- I regungen sprach Prof. Gustav Schweitzer über das„JahrderBereitschaft" der Rinderfreunde. Der Verband ist In die Brett« gegangen, sagte er, wir müssen daher darauf bedacht sein, daß er auch die entsprechenden Fundamente hat. Die beiden Wurzeln unserer Tätigkeit sind Erziehungund Fürsorge. Wir können mit Freude sagen, daß wir gerade in der Jugendfürsorge viel erreicht haben. Wir erfüllen eine Pflicht, wenn wir dafür sorgen, daß den Arbeiterkindern Ihr Recht wird. Da» ist aber nür in einer Organisation möglich, die ivestntlich verschieden ist von der Wohltäterei de» Bürgertums. Bei der erzieherischen Tätigkeit wollen wir die werdende Generation einstellen in den EntivicklungSgaug der Gesellschaft Im Augenblick ist da» wichtigste Problem die Erziehung zur geistigen Wehrhaftigkeit, zum selbständigen Denken und Beobachten(so ergänzend, wa» die Schule heute nicht gibt), damit die Kinder lernen, sehend durch di« Welt zu gehen, keine Widersprüche in den Worten der andern gelten zu lassen, aber auch selbst nicht» zu sagen, ohne zu beweisen, nicht Worte zu gebrauchen, ohne die Begriffe zu kennen, sondern mit Ucber- legung zu denken und zu urteilen. Der Beifall, der beiden Berichten zuteil wurde, bewies die allgemeine Zustimmung ebenso >v!e die Diskussion. An der Aussprache beteiligten sich L e h n e r t-Teplitz, S ch ö n i g e r-Wehe- dih, Iilg-Schönberg, Kurth-Teplih, Sach e r-KarlSbad. Im Namen de» Arbeiter-Absti- nenteiibundeS sprach Dr. ,tz o l i t s ch c r-Komotau. Die Reichskonferenz erteilte sodann im Sinne des von L ö w i t-Anssig erstatteten Rechnung»« Prüfungsbericht die Entlastung des Vorstandes und des Kassiers und erledigte die Anträge. Die einstimmig durchgesührten Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Obmann Prof. Gustav,S chweitzer; Vorstandsmitglieder: Ernst Pau l-Pcag, Franz Lehner t-Teplitz, Otto S ch ö n i g e r-Weheditz, Franz Hiebs ch-Aussig, Josefine gischka- Sternberg, Marie I i l g- Mährisch-Schönbcrg, P r i c g c r t-Teplitz, Josef Nettes--Braunau, Anton Sacher- Karlsbad, Hopf- Karlsbad, Kutsch a»JägerNdorf.. In den UeberwochungS- auSschuß wurden gewählt: L g w i t-Anssig, Marie Sotola- B.-Kamnitz, A u g st e n- Warnsdorf, S e h r i g- Brüx. Im 3ahre 1938 Reichs-Zeltlager der„Kinderfreunde** Die„Kinderfrcundc" werden sich ,im heurigen'Fahr durch eine stärke Delegation.Roter Falken an dem 8. internationalen Zeltlager in England beteiligen. Diese Delegation wird auch an der Olympiade in Antwerpen teilnehmen. Di« sonntägige Reichskonferenz beschloß fetner,. die Einladung der„Fram-sylkiNgcn-Bewtgung" Norwegen» zur Teilnahme an ihrem LandeSlagci im Juli und ebenso die Einladung der polnischen „Roten Pfadfinder" und der„Skis-Bewegung" zur Teilnahme an den diesjährigen Zeltlagern anzunehmen. Gleichzeitig beschloß die Konferenz, im Jahre 1988 ein ReichS-Zeltlager der„Kindersreunde" durchzufiihren, welches mit einem Reichs-Falken-! treffen verbunden werden wird. lcgenheit gespielt hatte. Alle Nachforschungen nach Fleith waren vergeblich gewesen. Selbst in' der Stadt am Fluß, die er als seinen Heimattort angegeben hatte, fand man ihn nicht. Einmal war die Notiz durch di« Zeitungen gegangen,«in Unbelannter sei in einem kleinen Dorfe aus der Eibe gezogen worden, und nichts als die verblaßte und aufgeweichte Photographie eines ganz jungen Mädchens in altmodischer Tracht könne zu einem Aufschluß führen über die geheimnisvolle Persönlichkeit der Fremden, denn das Bild trüge eive Widmung.„Für Dr. Fleith" stehe In großen und schwungvollen Buchstaben darauf. Aber auch das war nichts. Nichts? Es war nichts Endgültiges, nichts Bestimmtes. Und damals hatte er, Camillo Trnckenbrott, auch schon den Schlußstrich gezogen unter alles, was mit Dr. Fleith zusammenhing. Nur nichts mehr da-, mit zu tun haben. Mochte der Ertrunkene nun Dr. Fleith getvesen sein oder nicht, mochte er noch leben oder mochte er gestorben und verdorben sein. Trnckenbrott hatte gearbeitet, er hatte sich Ver- gesien abgerungeii, und fchliehlich hatte. diese Stadt ihm trotzdem Glück gebracht: ihm, Camillo Truckenbrott, das Mädchen Veronika., v Glück? Veronika? Er lachte bitter auf. Dieser verdammte Dr. Fleith l Mußte, er denn ausgerechnet jetzt von jenen Toten auferüehen, zu denen man ihn nach der Vergeblichkeit jahrelangen Suchens und Fahndens endgültig gezählt hatte? Maß wollte er in der Weltabgeschiedenheit dieser Dorfe»? Au» dem Fenster des Gasthofes starrte Truckenbrott da» Gesicht der Hirschemvirtin entgegen. Rosa, die bleichfüchtig« Tochter diefcr schmierigen Person, huschte über den Gang. Jürgen, Hausdiener, Knecht und Kutscher in einem, schleppte die Koffer auf den Schubkarren. Truckenbrott faßte sich aN die Stirn. Herausbeschworen durch diese unselige Begegnung im Augenblick seiner Abreise, hatte ihn eine längst begrabene Vergangenheit fo stark gepackt, daß ihm alles andere darüber aus dem Sinn geglitten war. Sogar Veronika»,. Er ging in sein Zimmbr hinaus, um nachzusehen, ob er nichts vergessen habe. Er war ein forgfältiger Mensch. Elende Wirtschaft hier, war ja nun wirklich ein Einfall de» Teufel» gewesen, Sommerferien, in diesem Nest zu verbringen, in dem es nur einen einzigen Gasthof gab,— einen Gasthof, in dem eine halbverrückte Alte das Regiment führt« und eine mannstolle alte Jungfer einen nie in Ruhe ließ. Auch daran war nur diese» Mädchen schuld, Veronika, die nicht mitgekommen war, hartnäckig-beharrlich, wie sie sein konnte, wenn eS ihr darauf ankam. Er hatte so etwa» noch nie erlebt. Lehnte eS ab, ihn zu heiraten, ihn, der noch niemals einem Mädchen einen Heiratsantrag gemacht hatte außer Ihr. Weil er das lächerlich fand. Nicht einmal— Jeannette— hätte er heiraten wollen, wenn e» möglich gewesen wäre, sie war die große, unselige Leidenschaft... Veronika jedoch... Truckenbrott stieg die Treppe wieder herab und setzte sich noch«inen Augenblick an den Gaststubentisch. Irgendwo mußte er auSruhen, ein paar Sekunden nur, er erreichte das Schiff schon noch. Zu sehr zerrte die Begegnung mit Dr. Fltith an ihm, mit diesem Menschen, von dem er Veronika noch nie erzählt hatte, weil Veronika sich für alles in der Welt interessiert, nur nicht für das Leben und da» Schicksal Dr. Trucken- brotts...’ Wie hatte sie ihn doch angeschaut, al» er sie bat, seine Frau zu werdest,— blinzelnd und so, al» nähme sie da» nicht ganz ernst. Dann hatte sie die Unterlippe hochgeschoben und hatte gelächelt. Und dann Hane sie den Kopf geschüttelt und ihn unmißverständlich wissen lassen, doch das nicht in Frage käme, unmißverständlich und korrekt, wie alles, wa» sie tat. »Wenn wir nicht Freunde sein können, Camillo Truckenbrott, offen und ehrlich Freunde, dann hat«» keinen Sinn mit ust». Dann geben wir'» halt aüf.", Wörtlich so hattt sie gesagt, al» er sie immer wieder bat, immer wieder Verfpre- ' chungen machte, wie frei sie bleib« werde' in Die Antwort der Ostrauer Grubenherren Möhr.-Ostrau. Der Revierbergtat In Mähr.- Ostrau erhielt am Montag die Antwort der Di- refiorenkonserenz des Ostrau-Karwiner Kohlenreviere» auf tie bekannten Forderungen nachVer- längerung der Urlaube, nach Verlängerung des Abkommens über die Wechselurlaube u. ä. Die Dircktorenkonferenz stimmt der Verlängerung der Wcchselurlaube um ein weitere» Jahr, das ist bis Ende März 1088,.zu. Waö jedoch die Forderung betrifft, daß keine Bergarbeiter—. auch nicht einzelne— entlassen werden, teilte die Direktorenkonferenz mit, daß sie sich aus prinzipiellen Gründen nicht des Rechtes begeben könne, Arbeiter aufzunehmen oder zu entlassen. In der Angelegenheit der Nichtentlaffung von Bergarbeitern wegen solcher Bergarbeiter, welche im September vom Militärdienst zurückkehren, hält cs die Direktocenkonferenz für verfrüht, Stellung zu nehmen, weil die Regierung sich borbercite, die Arbcitsverhältniffe der gedienten Soldaten durch«in Gesetz zu regeln. Di« Bergarbeiter» GewerkschafiSorganisationcn treten in den nächsten Tagest zusammen, um zu entscheiden, ob die AnUvort der Direktorenkonserenz befriedigend ist. Dr. Labas gestorben. Der ehemalige Minister Dr. Ludevit L a b a j ist Montag früh im Alter von öl Jahren in Rosenberg gestorben. — Dr. Labas nahm schon al» junger Advokat am politischen Leben regen Anteil und wurde nach dem Umsturz zum Bürgermeister von Rosenberg ernannt. Bei den ersten Parlamentswahlen im Jahre 1020 wurde er für die slowakisch« BolkS- partei zum Abgeordneten gewählt. Ain 27. Feber 1020 wurde er Minister für Unifizierung, welcher Amt er bi» zum 8. Oktober 1020 bekleidete. In den letzten Parlamentswahlen im Jahre 1086 wurde er in den Senat gewählt. Präsident Dr. Bene» nach Preftburg. Präsident Dr. Benetz begibt sich am 21. d. M. nach Preßburg, wo er an der juridischen Fakultät der Universität zum Ehrendoktor wird promoviert werden. Den Präsidenten werden auf dieser Reise Minister Dr. D ö r e r und Minister Dr. Franke begleiten. Die Promotion wird ist dem neuen Universitälsgebäude am Donau-Kai stattfinden, da» eben beendet wird. Der Präsident der Republik empfing am Montag den Finanzminister Dr. Joses K a l- f u S und sodann den amerikanischen Journalisten A. H. Read. Neuer Senator. Als Nachfolger des verstorbenen Senator» Branh wurde Schuldirektor Stanislav H o r n h aus Chyiky in den Senat berufen. Bekenntnis MachnikS zur Koalition. InKlat- 14 ü fand Eostntag rin« MästisiWkivtiSvetsamm- lung der Kleinlaiwwirte statt, wobei Minister für Nationalverteidigung Machnik erklärte: „Als Partei tvollen wir unseren Staat auch weiterhin in de» Prinzipien des Koali- tionSsystcmS mitleiten und für uns nickst bloß das entsprechende Maß au Rechten, sondern auch da» gleiche Maß an Pflichten fordern. Wir wissen, daß da» Koalitionssystem bei uns die Ruhe und die Demokratie erhalten hat, und gleicherweise muß es auch in Zukunst sein. „Bwväk" konfisziert. Der„Slobäk", das Blatt HlinkaS, ist Sonntag wegen eines Artikels von Dr. A. Koisttz über die slowakische Autonomie i konfisziert worden. dieser Ehe, immer wieder erklärte, daß er nicht leben könne ohne ihre Gegenwart. So aber war sie: straff und herzlich unds kameradschaftlich bis ins Letzte. Was wußte er von ihre» wirklichen Gedanken? Er hatte Respekt vor ihr, und er liebte sie, da» war alles. Sie aber hielt den Abstand. Sie lief herum wie— ja, wie die Frau eine» anderen. Nur existierte dieser andere wohl nicht. Muhte erst noch erfunden werden, damit sie ihren Mann bekam, Veronika..., denn was eS da um sie herum an Männern gab, da» zählte ja wohl nicht einmal soviel wie er.. Wieder hatte er Raum und Zelt vergessen, aufgewühlt und aus dem Gleichgewicht gebracht. Er hatte sich so sehr auf sie gefreut, fo sehr gefreut auf ihre Abende daheim, auf'die heimlichen, verschwiegenen, von denen niemand wußte. Und warum wußte niemand davon? Warum durfte niemand davon wissen, nicht einmal ihre Mutter?„Weil ich Zweideutigkeiten nicht vertrage", hatt Veronika gesagt,„und weil man auf dieser Welt Nicht glauht, daß irgend etwa» eindeutig geschieht. Weit ich nicht will, daß heimlich Aber un» getuschelt wird, und weil es nicht zu tuscheln gibt." Hatte sie nicht recht. Er wollte dankbar seist, daß sie überhaupt zu ihm kam, bet ihm faß, ihn ansah, ihm zuhörte, mit Eifer und Interesse seiner Arheit folgte. Dankbar? Himmelherrgott- nocheinmall Nicht dankbar l Aufhörest mußt« da», so oder so, wenn er nicht vor di« Hunde gehen sollte. Denn diese» Mädchen sehen und nicht halten dürfen, e» lieben und e» nicht besitzen dürfest, war mehr, al» einem Menschen zugemutet werden konnte. Truckenbrott sprang auf. DI« Hirfchenwirttn schlurfte hinter dem Schanktisch hervor.„Sagen Sie einmal...."— Truckenbrott» Blick ging über die Alte hinweg und füchfe die Straße ab —,„der Herr, der vor«in paar Minuten hier au» Ihrer Tüte kasti, Ihr neuer Gast— das war doch Wohl— Herr Dr. Fleith?" Mortfetzung folgt.), Str. 87 Dien«»«, 18. April 1987 Seite 3 Ungarns Opposition gegen Hitler Eine scharfe Rede Tibor Eckhardts gegen die rollende Mark Budapest. In einer Wählerversammlung in Papa bezeichnete am Sonntag der Führer der Kleinlandwirte-Partei Eckhardt als sein un» mittelbares Kampfziel seiner Politik die Beseitigung der pfeilkreuzlerischen Demagogie Ungarns. Die Bevölkerung Ungarn--raucht keine Dik- tatur und am allorwenissten eine Diktatur von Leuten, die das Land nichtswürdigen Richtungen entgegenzuführen bestrebt find. Wir waren bisher geduldig. Wenn man aber mit Sturmtrupp-»der militürischen Formationen beginnt, dann werde« auch wie Unsere eigene« Formationen in- Leben rufen. Entweder herrscht daS Gesetz»der wir werden selbst diktiere« und nicht abwarten,-iS man un- diktiert. Richt weniger al- 16„gesellschaftliche" Bereinigungen werde« von mir beobachtet, kn denen die Kuckuckseier der pfeil- kreuglerischen Diktaturbestrebmigen gehütet wer de«. Dreißig Zeitungen und Zeitschriften ergieße» auf Ungarn die unerhörtesten Aufreizungen, Brunnenvergistungen und Verleumdungen. Wer gibt da- Geld zur Erhaltung dieser Blätter'? (Zwischenruf des Grafen Festetiez: Rollende Mark.) Die Regierung habe, so fuhr Eckhardt fort, die Möglichkeit, klarzustellen, wie diese Gelder in den Besitz des mächtigen Presseapparates gelangt sind. Ein Teil der Druckschriften lvird auch aus dem Auslande Nach Ungarn gebracht. Wenn aber ein ausländischer Staat sich in die Innenpolitik 'Ungarns einmischen will, so ist dies unerträglich und unzulässig. Die Regierung habe die Pflicht, dagegen entschieden aufzutreten. Wir künimern uns nicht darum, was in Deutschland geschieht, und wir wünschen auch nicht, daß man sich im AuSlande darum kümmert, was bei uns geschieht. Vierzigstundenwoche In Paris Paris. Mehr als Viersiinftel der Betriebe in Paris und Umgebung, die mehr als 100 Personen beschäftigen, wenden nnninehr das Gesetz über die 40-Ttundcn-Arbeitswochc, und zwar in der Weise an, daß sie ihre» Angestellten nm Sonntag und Montag freigeben. Paris machte demgemäß auch am Montag den Eindruck einer halbverlassenen Tiadt. Tie Autobusse und sonstigen Verkehrsmittel verkehren zwar lvie ge- lvöhnlich, die Mehrzahl der Geschäfte ist jedoch geschlossen. Die Enses und Restanratioiien sind halbleer. Es scheint allerdings, daß der Verband der Kaufleute für die Zeit der Ausstellung die Forderung stellen wird, daß dieses Gesetz in der Weise abgeändert werde, daß die Geschäfte offengehalten werden können, die Angestellte» aber in anderer Weise einen Ersatz-Tag im Lause der Woche erhalten. Der Verband der Kieinlnuf- lente protestierte bei der Regierung gegen die erzwungene Schließung der Geschäftsläden am Montag und verlangte einen dementsprechenden Steuernachlaß. „Deutsche Volksfront” Paris.»Populaire" meldet, daß Samstag und Sonntag in Paris Versammlungen stattfanden, in welchen die„Deutsche Volk»- front" unter dem Vorsitze, des Schriftstellers Heinrich Ma n« konstituiert"wurde. An den Versammlungen nahmen zahlreiche deutsche Sozialisten und Kommunisten, die im Exil leben, teil. In zahlreichen Borträgen Wer aktuelle Fragen wurde das nationalsozialistische Regime in Deutschland ünd die Außenpolitik des Dritten Reiche- erörtert. Es wurde beschlossen, an, das deutsche Volk eine. Botschaft ergehen zu lassen und e» aufzufordern, gegen die Kriegsvorbereitungen de- nationalsozialistischen Regimes zu kämpfen, da- de« breiten Schichten des deutschen Volke- riesige Wirtschaftsschäden bringe, und schließlich gegen die Interventionen Deutschlands in Spanien zu manifestieren. An der Samstag-Sitzung der Deutschen Äolksfront hat sich auch der Vorsitzende der spanische» EorteS Martinez B a r r i o in Begleitung der eben in Paris weilenden spanischen.Parlamentsdelegation eingefunden, die von der Versammlung sehr herzlich begrüßt wurde. Berlin. Die deutsche Polizei beschlagnahmte am Sonntag und Montag, eine der größteti Sendungen von ausländische«" Zeitschriften. Es handelt stch hauptsächlich um französische und englische Plätter, welche den Wortlaut des Manifestes der" Deutschen Volksfront Iviedergeben, die sich, in Paris konstituiert hat. Beck reiselustig Warschau.„Erpreß Porannh" bestätigt, daß Außenminister Beck London, Paris, Bukarest und im Laufe des Sommers Rom besuchen wird. Türkischer Besuch In Belgrad Belgrad. Sonntag abends straf der türkische Ministerpräsident I n ö n ü in Begleitung des Außenministers R u d s ch i A r a S in Belgrad ein. Die offiziöse„Vreme" meldet, daß es tvährend des Aufenthalts Anönüs in Belgrad zu politischen Beratungen kommen wird. Das Blatt schreibt dem Besuche schon deshalb g r o ß e B e d e ü t u n g zu, weil er nach den letzten wichtigen diplomatischen Ereignissen, d. i. nach der Konferenz der Kleinen Entente und nach dem Besuche deö Präsidenten Dr. Benes erfolgt, fudetendeutsdier Zcitspic&ef Jsksch In Eger rlicksichtigung der Deutschen leider immer wieder auf die offene oder versteckte Sabotage durchfüb- render Stellen stoßen werde. Diese Sabotage wird nicht aufhören, solange sich die Regierung nick» entschließt, die Schuldigen zurVer» antWortung zu zi eh en und disziplinarisch zu b e st r a f e n. Besonders erscheint es notwendig, daß der Geist des 18. Feber endlich in.der Prager P o st d i r e k t i o n, bei der Zentral- direktion der Tabakregie und bei den Bahnerhaltungssektionen Einzug halte. Die öffentliche Anprangernng aller nicht im Staatsintereste liegenden Vorgänge wäre sonst auf die Taner nicht zn vermeiden. Von deutscher aktivistischer Seite ist bisber ein Höchstmaß von Lonali- tät in diesen Fragen bewiesen worden. Alle tschechische» Politiker und auch die tschechischen Minder- heitenorganisatlonen wüsten gch darüber im klaren sein, daß gesamtstaatliche Interesten auf dem Spiele stehen. Falls sich Herausstellen sollte, daß sich in den nationalpolitischen Fragen die StaatSraikon nicht gegen den Widerstand engstirniger Fnteressenten durchsetzen kann, würde die deutsche aktivistische Politik wahrscheinlich auf den Weg gedrängt werden, verfassungsmäßige Sicherungen der ungeschmälerten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Weiterexistenz des SndetendentschluniS au- zustreben. Zur Frage der S t a a t s s e k r e t ä r e in den Gemeinden führte Falsch ans. daß inan sich die umgearbeiteie Vorlage genau ansebe» und prüfen müffe. ob nicht versucht wird, anf Ilniwegen die Selbstverwaltung noch mehr unter bürokratisches Kuratel zu stellen. Die tschechischen demokratischen Parteien werden hoffentlich soviel politischen Instinkt befitzen, nm der verängstigten und in die Defensive gedrängten Henleiupartei nicht einen willkommenen Gemeindewahlfchlager zu liefern. AIS zweiter Redner sprach Abgeordneter de W i t t e. Er betonte den einmütigen Willen der Partei, die Vereinbarungen vom 18. Feber in der Praxis dnrchznkämpfen und forderte insbesondere wirksame Hilfsmaßnahmen für die Notstandsgebiete WestböhmenS. tlonenhaft» Kür,»«, der Zuweisungen an Eenäh- rungSkarten einftellt. Für jene töpfer der Wirtschaftskrise, tir trotz teilweiser Konjunktur schon ein halbe» Jahrzehnt arbeit»!»» find, ist nicht«ine reduziert«, sondern eine gesteigerte Fürsorge notwendig. Der Prüfstein für Ausmaß und Tempo der ting^leiteten VersländigungSaklion wird der Staatsvoranschlag für das Jahr 1088 sein. Schon jetzt muß mit allem Nachdruck das Begehren gestellt werden, daß bei seiner Zusammenstellung die klaren Ansprüche der deutschen Bevölkerung auf allen Gebieten der Staatsverwaltung im Sinne des Feberpaktes erfüllt werden. Auf die Personalfragen übergehend, gab Redner der Auffastung Ausdruck, daß jede bessere Be- ergaten dann, daß dort selbst die primitivsten Voraussetzungen für den gesundheitliche« Schutz der Arbeiter fehlten und daß die Gefahr einer Epidemie nicht auSgeschlosten ist. Angesichts dieser Zustände wollte kein«» der ärztlichen Organe deS Landes n«d des Staate- die Verantwortung für die Gesundheit der Arbeiter, solange sie im Betriebe sind, iiiernehnten. Unter diesen Umständen mußte der Versuch unternomnten werden, die Räumung ohne jede Gewaltanwendung, die zu einer Verschärfung der Situation und einer Gefahr, für die Streikenden hätte führen können, durchzuführen."Deshalb begaben sich K r e j L i und Meier Sonntag früh zu den Streikenden, Ivekchen sie Bericht erstatteten und darlegten, daß mit Rücksicht auf die wirklich vorhandenen Gefahren für die Gesundheit der Streikenden dem Auftrag der Behörde Folge geleistet werden solle. Allerdings müße der Abzug der Streikenden ehrenvoll sein und deshalb habe man von dem staatlichen Vertreter die Ausschaltung der Polizei und Gendarmerie bei der Räumung verlangt. Dieser Auffassung schlossen sich die Vertreter der Deutschsozialen, der DHG sowie der Bürgermeister Erben und der Obmann de» Betriebrau»- schusses an. Trotz der maßlosen Erbitterung überwog bei den Streikenden schließlich die Klugheit und sie marschierten nach zwei Stunden in geschlostenem Zug au» dem Betriebe. Da» Verlassen ter Fabrikgebäude hat jedoch an ihrem Entschluß, im Streik auszuharren, nicht» geändert. Diese Entschlossenheit, von welcher alle, Männer und Frauen, beseelt sind, läßt auch die Aendenmg der Streiksituation nicht als Nachteil, sondern als Vorteil erscheinen. Volksversammlung In Schönbach Sonntag nachmittags sprach Falsch in dem Geigenmacher-Städtchen S ch ö n b a ch. linier den 600 Zuhörern befanden sich auch zahlreiche Angehörige anderer Parteien. Die störungslos verlaufene Versammlung war ein Erfolg der deutschen Sozialdemokratie. Auch Asch für das demokratische Spanien 700 in der Paul-Vorsammlung Wie start der Frciheitslamps des spanischen Volkes die sndeteiideiitsche Oefsentljchleit interessiert, geht aus der Tatsache hervor, daß in der Henleinhochbnrg A s ch nm Sonntag, den 11. ds. 700 Personen an der Versammlung teilnahmen. in der Ern st Paul über Spanien berichtete. Ter»roße Saal und die Galerien des Vollshan- ses tonnten die vielen Besucher kaum fassen. Die erschütternden und ausiviihlenden Ansfiihningeii des Referenten wurden immer wieder durch Kundgebungen der Zustimmung unterbrochen. Die Versammlung war die stärkste, die seit Jahren von der sozialdemolralischen Partei in Asch veranstaltet wurde. Auch in H a S l a u, wo die Versammlung am SamSlag, den 10. d. M. stattfaud, wurden über 800 Besucher gezählt und in Roßbach am Sonntagabend über 8l>0 Teilnehmer. Emil Beckort-Ratsdiendorf gestorben Einen schmerzlichen Verlust hat unsere Reichenberger Bezirksorganikatlon durch den Tod Enzil BeckertS erlitten, der im Alter von 08 Jahren gestorben ist. Beckert war von Berns Zim- mermann und schloß sich frühzeitig der Arbeiwr- bewegnng an. Er bekleidete wichtige Fnnltionen in der Bauarbeiiergewerkschnst nnd wurde schließlich ihr Reichenberger Kreissekretär. Auch die Partei hatte an ihm einen rührigen und verläßlichen Vertrauensmann. Schon in der Vorkriegszeit war er als sozialdemokratischer Gemeinde- Vertreter in Ratschendorf tätig. An dem Wiederaufbau der Partei in seinem Wohnort nach der Reichl, alle Erschienene», insbesondere den Referenten Abgeordneten d e W i t t e aus Karlsbad, der mit reichem Beifall empfangen wurde. Seine Ausführungen, tvelche immer tvieder von Beifall unterbrochen tvnrden, gipfelten darin, mit- zuhelfen, das begonnene Werk der nationalen Verständigung fortzusetzen. Von der SdP kann daS deutsche Volk leine Hilfe erwarten. Ihre Parlamentarier habe» bis setzt nur geredet, wäh- rond wir gehandelt haben. Wenn uns diese Partei Volksverrat zum Vorwurf macht, so glauben diese Herren das selber nicht, denn die deutschen Sozialdemokraten haben schon jahrzehntelang im alten Oesterreich nm die nationale Verständigung gekämpft. Am Griindnngstag der sndetendeutschen Sozialdemolratie 1010 hat unser unvergeßlicher Seliger die nationale Frage in den Vordergrund gestellt. De Witte schildert die Eindrücke seiner Reisen nach Polen und England und zeigt die Aufgaben einer wahren Demokratie. Wir haben das feierliche Versprechen des Präsidenten sowie der gesamten lltegierung, daß die Forderungen der aktivistischen Parteien erfüllt werden. Dieser Wechsel, der uns durch diesen Regierungsbeschluß ausgestellt wurde, muß hundertprozentig ersültt werden. Wir verlangen die Bestrafung der Saboteure des'nationalen Ausgleiches. Es müssen auch noch entsprechende Kredite für das sndetendeutsche Gebiet bereitgestellt tverden. Die Ausführungen de Wittes wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Nach einem marlanten Schlußwort des Vorsitzenden 91 eichl wurde die schon verlaufene Kundgebung mit der„Internationale" geschlossen. . 3m,, überfüllten..Egerer,.. Schützenhaussaal; sprach Sonntag vormittag» Abgeordneter Jak s ch. Er führte u. a. au»: Wir betrachten da» Abkommen vom 18. Feber al» eine Ehrenverpflichtung aller tschechischen demokratischen Parteien gegenüber dem deutschen Aktivismu». An maßgebenden Stellen ist zweifello» der beste Wille vorhanden, sie zu erfüllen. Wir. täuschen un» aber nicht über die großen Schwierigkeiten hinweg, welche bei der Durchführung zu überwinden sind. Die deutschen aktivistt- schen Parteien werden täglich auf der Wacht seit: müssen. Ihre Funktion ist e», das Verständigungswert auch durch praktische Vorschläge kräftig vorwärt» zu bringen. Die Erfahrungen dürfen sich nicht wiederholen, welche mit dem sogenannten gn- vestition»beirat gemacht worden find. Soll die Aufgabe nicht an der chronischen Ueberla- stvng der Spitzenfunktionäre scheitern, dann ist die Schaffung eine» täglich funktionierenden Organismus notwendig. Demokratie bedeutet permanente» Ausgleich der Voltsinteresstn auf der Höheren Ebene de» gemeinsamen Staatsinteresse». Au» diesen Erwägungen herau» wird e» sich notwendig et- weise«, die Frage der Errichtung einer eigenen Sektion für Nationalitätenfragen bei dieser oder jener zentralen Stelle erneut aufzuwerfen. Es-muß jemand da sein, der sich mit den täglich auftauchenden Detailsragen befaßt und die Funktion der Arbitrage au»übt. Darüber hinaus erachten wir eine Reihe konkreter Maßnahme» für unausweichlich, -wenn da» Abkommen vom 18. Ftber eine positive staatspolitische Ausstrahlung tn den deutschen Grenzgebieten finde» soll. 1. Ist et notwendig, daß kern Straßenfond» l« Wege eitwr Tonderanlethe die notwendige« Mittel für die Durchführung der zahlreichen fertigen Dtraßenprojekte in den Notstandsgebieten zur Verfügung gestellt werden. 2. Die Aktion für blo Rückeroberung der verlorenen Auslandsmärkte unserer Industrie ist mit aller Beschleunigung und ohne lletnltche Veschrsn- knngen sowohl auf den Tegtilespor«, al» auch auf den Ezport von Musikinstrumenten, Sptolwaren und sonstigen Spezialerzeugnissen au»,»dehnen. Die vielleicht sehr befristete Periode, einer neue« Welt- tonjunktur muß mit stärkste« Einsatz zur Aushölung tzer katastrophale« Ezporwerlufte an-genttzt werden./ 8. Brennend ist ferner die tn de« gemeinsamen Wirtschast»»ro,ranim der Partei und Wewerkschaf- tm enthaltene Forderung«ach besonderer Staats- Hilfe»nr Errichtung«euer Betriebe t« jenen Gemeinden, wo. Fabriken dauernd ftillgelegt worden find. Der Wiederaufbau unserer fudetendeutschin Jndustriesriedhbfe keim nicht dir AutoSatii einer zunächst bescheidenen Äonjunftur überlassen Werbin, sonder« erfordert spezielle Stenernachlüsso /und Krediterleichterungen»ei«eugründungen, wie die» auch in England gehandhabt-wird. ' 4. Unerläßlich ist es,, daß endlich auch die Abteilung Ist der tstmischen Landesbehbrde ihr» fcha- Sozlaldemokratltche Kundgebung in Saaz Die B.ezirlSorganisaiion Saaz der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei veranstaltete Samstag eine öffentliche KnNdgebung im großen Saal der Deutschen Turnhalle. Wie in alle» an deren Städten war auch hier die Kundgebung massenhaft besucht, obtvohl die Henleinpartei un ter Ausschlußdrohung die Weisung ansgcgcben hatte, unsere Kundgebuilg nicht zu besuchen. Nichr nur der große Saal tvar überfüllt, sondern cs mußte auch noch die Galerie geöffnet ivcrdc»„t»n allen Menschen Platz zn gclvährcn. Mehr als 800 Perfonen nahmen an der Knndgebnng teil. Die Kundgebung wurde mit einem Frei heitschor der Saazer Arbeitersänger eröffnet. So- idann begrüßte der Bezicksvertrauensmann I loiinnnnistischen Spaltung nahm er hervorragen- »le Realisierung des 18. Feber— Ehrenpflicht der tschechischen Demokratie Ein Ruff nach zldbewuBter Aufbauarbeit Etrich-Arbeiter räumen den Betrieb Dlphtherle*Fall veränderte die Streiksituation Samstag abends langte bei der Streikleitung der Auftrag der Trstutenauer Bezirksbehörde ein, den Betrieb Etrlch ou-sanltärrnGrün- d e« zu räumen. Gleichzeitig wurde da» Polizei- und Gendarmerleaufgebot in bedenklicher Weise verstärkt, so daß die Streikenden und die verant wortliche» Funktionäre von großer Unruhe nnd Erregung erfaßt wurden. Die Maßnahme der Bezirksbehörde wurde durch die von einem Arzt festgestellte Erkrankung einer Arbeiterin a» Diphtherie verursacht..Diese Diagnose wurde später von dem Trantenauer BezirkSarzt bestätigt, der die Nntoriringung der Erkrank ten und einer zweite» Arbeiterin, die Diphtherie astzeichen auswieS, im Krankenhaus anordnete. Nach Eintreffen der Räumungsverfügung Wurde sofort Abg. K r c j t i verständigt, der mit d«n Bezirkshauptmann in Verbindung trat und mit Rücksicht auf die große« Gefahren einer ge- nmltsamen Räumung de» Betriebe» eine F r i st- Verlängerung verlangte. Oberrat Bo rel erklärte, daß er bi» Sonntag früh warten wevde, wenn Abg. K r e j L i sich verpflichte, Sonntag früh zu den Streikenden zu gehen. Da mit war ein sehr wahrscheinlicher Zufammenstoß vermieden. Abg. K r e j L i und für die Union der Tex tilarbeiter Sekretär Hugo Meter begaben sich sofort nach Iungbuch, traten mit den verantlvort- licheu Streikführern und Funktionären in Ver bindung und erwirkten, daß die vorhandene Er regung zurückgedäMmt wurde. Abg, K r e j i i legte telephonisch dem Gesundhcit»minister die gefährliche und vermutlich auch fehr einseitig ge troffene Verfügung zur Beurteilung vor. Die Antersnchun» der im Betriebe Etrlch herrschenden Verhältnisse durch den Bezirksarzt Seite 4 DienSta», 13. April 1937' Nr. 87 Entsetzliche Familientragödie Ein Vater tötet seine Frau, seine zwei Kinder und verübt Selbstmord den Anteil. Er wurde dann wieder Gcmeindever- tretcr, später Bczirksvertreter, erfolgreich war seine Tätigkeit in der Äezirkssozialkommission. Sein Andenken wird in der nordböhmischcn Arbci- terbetvcgung fortleben. Die Einäscherung des Verstorbenen findet Mittwoch, den 14, April, um 4 Uhr nachmittags im Reichenberger Krematorium statt. BczirkSkonferenz des Bezirkes Leitmeritz- Wegstädtl. Unsere Organisation macht auch in dem rein ländlichen Gübict gute Fortschritte, wie anö den auf der Konferenz Lcitmerih-Wcgstädtl erstatteten Berichten festgestellt tverden konnte. Die Organisation ist gefestigt, die Mitgliederzähl steigt, lebhaft tvar die Tätigkeit der Frauen- Sektionen. Geklagt wurde in der Konferenz über Unzulömmlichleiten bei der Zuteilung der Ernäh» rungökartcn. Das politische Referat Arnbergs wurde mit großer Aufmerksanikcit und starkem Beifall cntgegengcnommcn. Die Wahlen erfolgten cinstinnnig. Die Konferenz war bon 61 Delegierten und Gästen besucht. April ist Werbemonatk Hinein in die Deutsche Jugendfürsorge! Henlein-Leute und jüdischer Fabrikant. In Wassersuppen im Bezirk Taus erhielten die Sozialdcniokraten bei der letzten ParlamentS- lvahl ztvei Stimmen. Ncunundneunzig Prozent der Wähler sprachen sich für die SdP aus. Deren Anhänger jubelten, als der Abg. Jaksch, der ein guter Deutscher ist, eine Niederlage erlitten hatte.— Vorige Woche tagte die Generalversammlung der Feuerwehr in Wassersuppen. Ihre Mitglieder sind Henlein-Leute. Von 57 Anwesenden wählten 66 den jüdischen Fabrikanten Ocsterreicher zum Obmann. Wahrscheinlich hätte» die guten Männer auch Jaksch gewählt, wenn er die Mittel gehabt hätte, allen ein Freibier zu geben— Ivie dieser jüdische Fabrikant. Denn die Henlein-Leute haben, wie man sieht, Grundsätze... Ein sechzehnjähriges Mädchen von neun Burschen vergewaltigt. Ein sechzehnjähriges Mädel kam vom Land herein nach Komotau, um hier Arbeit zu suchen. Ihr stellten sich zwei junge Burschen als Geheimpolizisten vor utid forderten sic auf, mitzugehcn. Statt auf die Staatspolizei führten sie das unerfahrene Kind jedoch in de» Hüttenbusch, wo es von neun Burschen vcrgcwal- tigt und liegen gelassen Ivurde. Ein Spaziergänger hat das arme Mädel dann gefunden und seine Einlieferung in das Krankenhaus verfügt. Die neun Burschen, unter denen sich auch ein verheirateter Mann befand, wurden von der Staatspolizei auSgeforkcht und verhaftet. Es tväre nur zu wünschen, das; man diese gewissenlosen Menschen entsprechend darüber austlärt, daß solche schuftige Handlungen als Verbrechen geahndet werden. Mordversuch und Selbstmord. In dem zu Oberpolitz gehörenden Oerlchcn Waldek hat am Sonntag früh vor 7 Uhr dec 26jährige Karl Rücknagel seiner Geliebten, der 16 Jahre zählenden Anna H o ck e in der Scheuer ihres Vaters aufgelaucrt. Als das Mädchen ohnungslos die Scheuer betrat, um von dort ettvas zu holen, gab R. auf es Revolvcrschüsse ab, durch welche es verletzt wurde. Auf die Hilferufe des Mädchens eilte dec Vater herbei, worauf R. die Schußlvasfe gegen diesen richtete und ihn durch einen rechtsseitigen Brustschutz schivcr verletzte. Die Verletzung des Mädchens ist ein Durchschuß des Armes. Der schivcrverletztc Vater wurde in das Krankenhaus nach B.-Leipa übergefiihrt,. Das Projektil ist in der Brust stecken geblieben und wird operativ entfernt werden müssen. Rücknagel ist nach der Tat in die Felder geflohen, wo er von der alarmierten Gendarmerie vom Ucberfallkom- mando in B.-Leipa verfolgt iourdc. Als er nachmittags»ach halb 3 Uhr bemerkte, daß er den Sichcrhcitsorgancn nicht entrinnen könne, hat er auf dein sogenannte» Zicgenbcrge durch einen Hcrzschuß seinem Leben ein Ende gemacht. R. ist aus Obcrpolih, wo sein Vater ein Bäckergewerbe betreibt. Wie berichtet ivird, waren die Eltern des Mädchens gegen eine Verbindung mit R., was ihn zu dieser Tat beivogen haben soll. Kiudcsiveglegnng. Montag früh fand ein bei der Staatsbahn angcjtellter Maurer an der Strecke nach Maricnbad nicht ivcit von Karlsbad nnler einer Brücke die nackte Leiche eines neugeborenen Kindes, eines kräftigen uiid gut entwickelten Mädchens. Die Nachforschungen nach der Mutter blieben bisher ersolglos. Vom Rundfunk Emptehleniwcrte* aus den Programmen: Mittwoch: Prag, Sender l: 16.65: Deutsche Presse, 16.16: Rundfunk für dcntsche Schulen, niedere Stufen, 12.16: Lieder aus Tonfilmen, 18.46: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.16: Mnjstks Salonguartett: Dcli« bcs, Friml etc., 18.16: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Bücher, 18.26: Arbcitersendung: Paul Fürstenau: Ter Lehrer will auch Erzieher sein, 18.46: Sozialinsormationen, 10.26: Militärmusik, 26.26: Aus dem Smetanasaal: Orchesterkonzert, 22.26: Dänische und schwedische Klavierkompositionen.— Prag, Sender II: 14.16: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.66: Deutsche Presse, 18.16: Salonquartett.— Brünn: 11.66: Salontrio, 17.46: Deutsche Sendung:„Artisten", Rund- funkspiel, 16.26: Salonquartcit: Fuiik, Soukup etc.— Kascha«: 12.06: Schallplattenkonzert, 18.16: Populäres Konzert: Rossini, Joh. Strauß etc.— Mährifch-Ostraur 15: Rundfuukorchesterkonzert, 18: Klavierkonzert, 18,86: Opernarien, Warnsdorf.(Eigenbericht.) Jn N e u- k r e i b i tz hat der 38 Jahre alte HkuSler Hein, rich Kindermann seiner 34jährigen Frau und seinen beiden k, beziehungsweise 13 Jahre alten Jungen mit einem Rasiermesser die Halsschlagadern dlirchgcschnitten und sich ebenfalls mit dem gleichen Mesier selbst«ine lebensgefährliche Berlehung am Halse ieigebracht. Am Montag- Morgen fand der Vater des Mannes dir vier Personen blutüberströmt in ihren Bette« vor. Die Frau und di« beiden Jungen waren bereits tot. Kindermann gab noch schwach« Lebenszeichen. Er wurde sofort in daS Krankenhaus nach Schönlinde transportiert, starb aber während der Einlieferung. Kindermann, der früher In der Glashütte in Teichstatt iefchästigt war, war lang« Zeit arbeitslos. AuS hinterlaffenen Schriftstücken geht hervor, daß er di« Tat im Einverständnis mit seiner Frau verübt haben muß. Ob di« Ursache, die das Ehepaar zu diesem Schritt bewogen hat, einwandfrei festgestellt werden kann, ist im Augenblick nicht zu sagen. Folgendes ging der Tat voraus: DaS jüngere Söhnchen Wolfgang hatte am SamStag mit anderen Rindern auf dem AblagerungSplatz ge- Wenn Diktatoren vom Frieden reden... (FTF) Der italienische Marschall de Bono, den Gewerkschaftern aller Länder als Mitschul- diger an der Ermordung dcö sozialistischen Abgeordneten Matteotti bekannt, hat soeben in dritter Auslage ein Buch iiber die Vorbereitung des stalicnischen Raubzuges gegen Abessinien erscheinen lassen.(„La Prcparozione e le Prime ope- raziani", Roma, 1937). Die Tatsachen und Briese, die de Bono veröffentlicht, zeigen nicht nur, wie ziclbelvußt die faschistische Diktatur den Krieg vorbereitete, sie bestätigt zugleich erneut, datz Friede nsreden der Diktatoren zur VerschleierungihrerKriegs- vorbereitungen gehalten werden. Schon 1933, berichtet de Bono,„hatte sich Mussolini eine klare Vorstellung davon geniacht, datz die Frage(des Uebcrfallcs auf Abessinien) nicht Pater als 1936 gelöst sein müsse".(Seite 8.) Am 30. Dezember 1934 verfaßte Mussolini dann Persönlich«Richtlinien und Aktionspläne zur Lösung der italienisch-abessinischen Frage", Richtlinien zur Vorbereitung des Ucbersalles auf Abessinien(Seite 79), die streng vertraulich, in nur fünf Exemplaren den Militärs zugingen. In der Oeffcntlichkeit aber beteuerte Mussolini seine Friedensliebe:„Niemand wird der(ita- lienifchen) Regierung... den aufrichtigen Wunsch nach Frieden absprcchen können"(Ma- növcrrede vom 25. August 1933— Stefan!). Und noch unverfrorener erklärte er(am IS. März 1934 in Rom)„die historische Mission Italiens liegt in Afrika und in Asien... Es handle sich nicht um territoriale Eroberung, sondern um eine...Zusammenarbeit zwischen Italien und den Völkern Afrikas und deS Ostens"(Times vom 19. März 1934). So lange wie möglich sollte das faschistische Italien als Fricdensniacht erscheinen, das Opfer sollte zu Unüberlegtheiten provoziert werden. Erst als sich erwies, datz Abessinien sich nicht provozieren ließ, cntschlotz sich der faschistische Diktator zum offenen Ueberfall. Am 13. Feber 1935 schrieb er de Bono, der inzwischen als Mi- litärgouverncur nach Eritrea gegangen war: „Die Indizien und die abgefangenen Nachrichten deuten daraus hin, datz der Negus nicht die Initiative zum Zusammenstoß ergreifen will... Wenn dcrNegus nichtdie Absicht hat, uns anzugreifcn, dann müssen wir s c l b st die Initiative ergreifen,!, im Hinblick auf niögliche internationale Auseinandersetzungen(Völkerbund etc.), ist es gut, das Tempo zu beschleunigen".(Seite 80/81). „Aus diesen Auszügen aus den Briefen und Telegrammen geht klar hervor," bemerkt de Bono,>,datz unser Programm radikal verändert wurde. Vom Plan einer angeblichen Verteidigung, der eine Gegenoffensive folgen sollte, mutzte nian zu einer offensiven A Ft i o n übergehen"(Seite 81). Man bewerte nach diesen Geständnissen die „Fricdensreden", die an beiden Polen der Le- riihmten Achse heute Malten werden I Flucht aus dem Elternhaus. Sämtliche Gendarmeriestationen und Sicherheitsbehörden in Mähren-Schlesien forschen nach zwei Schuljungen aus Krcmsier, und zwar nach dem 14jährigen Bürgerschüler B. Kuba! und dessen Mitschüler Zdenik M o j Z i s c k, di«, am 8. d, M. die.eitere spielt und dabei auch einen alten Regenschirm gefunden, mit dem es sich unglücklicherweise InS Auge stieß, so daß ärztliche Behandlung notwendig wurde. Der Bater fuhr am Sonntag früh mit dem Kind in die Augenklinik nach Reichenverg, wo er erfahren mußte, daß das verletzte Auge her» auSgcnominen werden müße und daß di« Gefahr bestehe, daß der Knabe auch das zweite Ange verlieren würde. Kindermann fuhr darauf mit seinem Jungen nach Hause. Ob nun dle fürchterliche Tat unter dem Eindruck dieser fachärztlichen Feststellung erfolgt Ist, vermag niemand zu sagen. Der Bater deS Kinderumnn, der Landwirt Heinrich Kindermann, entdeckte daö Borgefallenr am Montag-Morgen gegen S Uhr, als er seine» Sohn wecken wollte, damit dieser mit dem kleinen Wolfgang zur Operation fahre. Alle vier Personen lagen in der Wohnküche, dl« auch Schlafraum ist, in.ihren Betten, der klein« Wolfgang neben seinem Bater, der ältere Heinrich neben seiner Mutter. Die Wohnung war sauber zusammengeräumt, di« Betten frisch überzogen, alles war in peinlichster Ordnung. Die Gendarmerie wurde sofort nach Entdeckung der Tat verständigt, außer ihr erschien auch bald di« Gcrichtö- kommisiion. lichen Wohnungen verlaßen haben und bisher nicht zurückgekehrt sind. Es wurde festgestellt, daß die beiden Knaben ihre Fahrräder mitgenommen haben. Die Flucht aus dem Elternhause unternahmen die beiden Knaben nach vorheriger Abmachung. An der Stätte der ErplosionSkatastrophe In der Explosta-Fabrik in Semtin wird Tag und Nacht an der Forträumung der Trümmer gearbeitet. Mit Ausnahme der vernichteten Nitroglycerin-Abteilung wurde am Montag in der Fabrik in vollem Umfang gearbeitet. Sonntag vormittags besichtigte die Unglücksstätte Senator UdrZal. Das Befinden der Verletzten, die ins Pardubitzer Krankenhaus geschafft wurden, ist befriedigend. Ein kühner Schwimmer. Sonntag vormittags erregte ein total betrunkener Fahrgast eines Prager Autobusses solches Aergernis, daß der Schaffner anhielt und einen Polizisten ersuchte, den Randalierenden, dem noch die durchsossene Nacht in allen Gliedern lag, aus dem Wagen zu schaffen. Das war auf dem Holleschowitzer Ufer, unweit der Hlavkabrücke. Als der Polizist ihn auf die Wachstube absühren wollte, um ihn sicherstellen zu lassen, riß sich der Betrunkene plötzlich los und sprang über die Brüstung des Kais in die Moldau. Die Kälte des Wassers schien ahm nichts auszumachcn, denn er gelangte mit mächtigen Tempi glücklich an das gegenüberliegende Ufer der Hehinsel, wo ihn der Schwimmeister Slezingr aus dem Wasser zog und dem bereits wartenden Wachmann übergab. Das Bad war also unnütz gewesen und der kühne Schwimmer seinem Schicksal doch nicht entgangen. Er wurde als der 27jährige Fleischergehilse L. S. aus ZiZkov festgestellt. Diamantensendung im Prager Zollamt verschwunden. Wie erst jetzt bekanntgegeben wird, ist auf dem Zollamt in der Hybernergasse ein« aus Antwerpen für eine Prager Edelsteinschleiferei eingclangte Sendung von Rohdiamanten auf bisher ungeklärte Weise in Verlust geraten. D>p Sendung, die 691 Stück Rohdiamanten, die zur Verarbeitung bestimmt waren, enthielt, bestand in einem kleinen Karton, der rekommända aufgegeben war und keine Wertangabe enthielt. Als ein Angestellter auf Grund des Avisos vergangenen Donnerstag zum Zollamt kam, um die rekommandierte Auslandssendung zu beheben, war sie nicht mehr vorhanden. Der Beamte erklärte jedoch, sich ihrer gut zu erinnern. Zunächst nahm man an, daß sie nur verlegt sei, später aber mußte der Verdacht zugegeben werden, daß sie einem Dieb in die Hände geraten ist. Optimisten trösten sich aber immer noch mit der Möglichkeit, datz sic versehentlich einer anderen Firma.ausgefolgt worden sei. Welche immer von den genannten Möglichkeiten nun vorliegen mag— auf alle Fälle scheint die Verwahrung der anvertrauten Sendungen bei diesem Amte reichlich zu wünschen übrig zu lassen. Polnische Falschmünzer. Warschauer Polizeibeamte verhafteten hier in der Nacht auf Sonntag eine Falschmünzerbande, die von einem früheren Gutsbesitzer geleitet wurde und zu der auch drei vermögende Kaufleute gehören. Die Falschmünzer hatten ihre Werkstatt in dem Kellergeschäft eines Graphikers mitten In der Stadt. Der spanische' Nationalfeiertag. Aus Anlaß des Staatsseiertages ,der Ausrufung, der spanischen Republik, der auf den 14. April'fällt, hat der spanische Gesandte in Prag, Fimönet de Asüa, die Repräsentanten der behördlichen, wissenschaftlichen, künstlerischen und journalistischen Kreise zu einem Tee geladen, den er Montag in den Räumlichkeiten der spanischen Gesandtschaft gab. Und waS ist mit Hitler? Auf einer Beqnsien- Tagung in Stettin erklärte der dortige Gauleiter, datz er soeben einen Erlaß' unterfertigt■ habe, wonach angesichts des' unglaubwürdigen Zustandes, datz ein großer Hundertsatz der Beamten noch unverheiratet oder ein großer Teil der Ghen kin« derlos sei, angeordnet werde, daß bis zu einer bestimmten Zeit Beamte und Angestellte, die das 25. Lebensjahr überschritten Haben, eine Ehe ein« gehen müsse». Degrelle, der geschlagene Rexlstistenführer Sabotage. Auf der Strecke London—Ramsgate der englischen Südbahn wurde am Sonntag von der Polizei ein Sabotageakt entdeckt. Unbekannte Täter legten einen schweren Eisenblock auf das Geleise wenige Minuten, bevor der Expreßzug London—Ramsgate fällig war. Das Hindernis verursacht« einen Kurzschluß in der elektrischen Schienenleitung, so datz der gesamte Verkehr längere Zeit unterbrochen war. Die Polizei hat die Suche nach den Tätern ausgenommen. Bekanntlich waren die kürzlichen ZugSunsälle auf der englischen Südbahn in der Oefsentlichkeit mehrfach auf Sabotage zurückgeführt worden. Die amtlichen Untersuchungen darüber waren jedoch ergebnislos. Sturmkatastrophe im Fernen Osten. Meldungen aus Korea zufolge wurde die Provinz Ko- gendo in den letzten Tagen von Sturmkatastrophen heimgesucht, die großen Schaden verursachten. Auf dem Meere scheiterten zehn Fischerboote, wobei 16 Fischer ertranken, 66 weitere Fischer werden vermißt.— An der Lunghai-Bucht in China richteten am Sonntag Sandstürme, wie sie in solcher Stärke in den letzten dreißig Jahren nicht ausgetreten sind, schwere Schäden an.. Besonders stark mitgenommen wurden die großen Städte Dschengdschau und Kaifengfu im Norden der Provinz Honau. Der Eisenbahnverkehr ist stark behindert. Die Fernsprech» und Uebcrland- leitungen sind vielfach unterbrochen. Auch der Rundfunk ist gestört. Die Flugzeuge der Eurasia- Gcsellschaft werden um das Sturmgebiet herumgeleitet. Da» Leben schreibt Romane. In' der Stadt Vae lebt seit 20 Jahren ein Kriegsinvalide, der im Weltkriege taubstumm geworden ist. Er war in Gefangenschaft geraten und als man ihn nach Hause brachte, stellte'es sich heraus, daß er nicht nur die Sprache, sondern auch das Erinnerungsvermögen verloren hatte und seinen Namen nicht mehr wußte. So konnte er nicht identifiziert werden. Dieser Tage ist ihm zufälligerweise«ine alte Photographie in die Hände geraten. Beim Anblick dieses Bildes besann sich der Taubstumme seines alten Lebens, da er sich auf dem Bilde erkannt hatte. Er entsann sich nun auch seines alten Namens und seiner Mutter, die heute uoch lebt. Es war für die Mutter eine große Freude, ihren seit mehr als 20 Jahren verschollen geglaubten Sohn wieder an die Brust, drücken zu können. Schadenersatzprozeß um eine Schönheitsoperation. Kosmetische Operationen sind nicht immer, auch bei größter ärztlicher Umsicht und Geschicklichkeit, ohne Risiko. Dies mußte«ine gewisse, erst 86jährige Frau aus Brünn erfahre», die es schwer trug, daß trotz ihres jugendlichen Mer» sich bei ihr Spuren von Hängebacken zeigten. Sie unterwarf sich einer Operation bei einer Aerztin, die 2066 Ui kostete und, einen guten Verlauf nahm. Als aber nach längerer Zeit die Binden abgenommen wurden, zeigte sich, daß zwei auffallende, rote Operationsnarben zurückgeblieben waren, die sie, wenigstens ihrer Meinung nach, ärger entstellen, als die beseitigten Ansätze zu den Hängebacken. Sie hat nun gegen die Aerztin eine Klage auf 6660 Ki als Entschädigung für die Entstellung eingebracht. Die Beklagte erklärt indessen sehr entschieden, daß sie keinerlei Schuld an den Folgen der Operation treff« und datz sie die» auch durch Sachverständige nachzutveisen in der Lage sei. „Wie unterstützt der Staat dermal« di» Bautätigkeit", der kürze Ratgeber für alle Bau- lustigen nach dem derzeitigen Gesetzesstand«,' von Ina. K. Kühnel, mit Anhang: Richtlinien für sparsame» Bauen"von Wohnhäusern und Richtlinien für Miethäuser für Arme, wichtig'insbesondere auch für die Errichtung von Arbeitslosen- und Kurzarbeitersiedlungen, ist noch zu beziehen'(gegen Einsendung von XL 6.—) durch die D rutsche H a u p i st e l l.e für Wohn« n gS» und Siedlung» für s o r g t; Prag IV, Na Valech 288; oder Prag XV, Hodkövirry 118, wel-> che auch alle'einschlägigen weiteren Auskünfte erteilt. Da» Wetter. An der Rückseite einer Störung übet der Nords«« strömt vom Nordwesten her kühlere Lüft, die sich jn den nächsten Tagen auch gegen da» Festland ausbreiten dürfte."—» Wahrscheinliches Wetter von heut«:' Wechselnd' b^völkt, zeitweise' ' Schauer, mild«, Südostwind.—!PetterauSsichten für Mittwoch: Noch unbeständig, Neigung zu 'Regenfällen,' etwas kühler,.«TT'.’i■> n1?X«m». Nr. 87 DienStag, 13. April 1937 Seite 8 Die Preissteigerung In der Welt (Dr. SB. H.) Die Preissteigerung auf den Rohstoffmärkten hat im vergangenen und laufenden Jahre zu einer erheblichen Erhöhung der Grobhandelspreise geführt. Dabei hatte die Ab« ivertung in den Goldblockländern, ferner in der Tschechosloivälei und anderen Staaten keinen Druck auf die Welt Warenpreise auSgeübt, weil diese Devalvationen, tm Gegensatz zur früheren Pfundabwertung, nicht in einem entscheidend wichtigen Rohstofs-WirlschaftSramn erfolgte und weil die Abwertungen und die Rohstoffhausse trotzdem in den einzelnen Ländern bisher nur zu einer Erhöhung der Grobhandelspreise geführt haben— in der Schweiz, der Tschechosloivälei und in Holland beträgt diese Steigerung etwa ein Sechzehntes gegenüber der Zeit vor der Abwertung, so ist dies in der Hauptsache auf große Voreindeckungen zurückzuführen. Der Lebcnshaliungsindex ist in den Abwertungsländern nicht stärker gestiegen als in den meisten anderen Staaten; die Zunahme beträgt bisher nur 2 bis 3 Prozent. In jenen Ländern jedoch, die eine starke Konjunkturbelebung, abseits der RüstungSkonjunktur, zu ver» zeichnen haben, wie in England und in den Der» einigten Staaten, sind die Preissteigerungen er» lieblich größer. So gibt der Index Irving Fishers für die USA von Mitte 1938 bis Ende Feber 1937 eine Steigerung der Großhandelspreise um 19 Prozent, in England der Index des„Economist" bis zum 19. März eine solche um 21 Prozent an. In England haben die einzelnen Warengruppen ganz verschieden stark angezogen. Aus die Basis 1927— 199 bezogen sind Agrarerzeugnisse von 72.8 auf 87.9„andere Nahrungsmittel" von 58.8 auf 79.2, Textilien von 59.2 auf 71.9, Mineralken von 89.8 auf 114.9 und verschiedene Waren von 77.8 auf 83.9 gestiegen. In dem Index für„Mineralien" zeigt sich die Wir» kung der Aufrüstung, während die Erhöhung des Indexes für Agrarerzeugnisse die Folge der mäht-, gen Ernte der letzten drei Jahre widerspiegelt. Oben wurde bereits gesagt, daß große Vor- eindeckungen das Emporschnellen der Großhan-, delspreise verhindert haben. Diese Tendenz be-> steht auch heute noch in den einzelnen Ländern. Dies hat zugleich zur Folge, daß die Weltlvaren- preise nicht nur gemäß den Verschiebungen von. Angebot und Nachfrage steigen, sondern auf, Grund einer höheren«Bewertung". Deutlicher auSgsdrückt: die Rohstoffpreise steigen auch deshalb, weil sie aus Grund der Aufrüstung, also infolge des zu erwartenden höheren Bedarfs höher bewertet wenden, genau so, wie man oftmals die Aktien einer"gut beschäftigten- Gesellschaft auch dann höher kotiert, wenn in diesem Papier nur mäßige Umsätze getätigt werden. Der Hauptgrund, weshalb die außerordentliche Rohstofshausse bisher nur eine verhältnismäßig geringe AuStvIrkung auf die LebenShaltungSindicer gezeigt haben, liegt in der Tatsache, daß die Steigerung der Rohstofspreise und jener für Halbfabrikate, nur in geringem Umfange in die Fertigwarenpreise «inkalkuliert wurden, tvas wiederum auf die Rohstofs-Borratsinvestitionen zurückzufühten ist. Die Fertigwarenpreise sind also in der letzten Zeit erheblich langsamer gestiegen als die Rohstoffpreise. In welchem Tempo und Ausmaß auch di«/Fertigwaren in die Preissteigerung einbezogen werden, hängt von verschiedenen Umständen ab. Als solche feien genannt: Preisüberwachung, bzw. Preiskontrolle, der Stand der Borratreindeckung, die Beschäftigung der Industrie, die Möglichkeit" von Kompensationsgeschäften usw. Die Preiserhöhungen, in verschiedenen Industriezweigen in der Tschechoslowakei uud die Ankündigung von Preishinaufsehungen zeigt, daß sich die Rohstoffhausse der letzten Monate auSzu» wirken beginnt. Einer offiziellen Statistik des Völkerbundes zufolge, ist der LebenShaltungS- indcx 1938, trotz der Abtvertungen, in keinen: Lande stärker gestiegen als um 5 Prozent. Das läufeicke Jahr hat über bereits eine Erhöhung der Lebenshaltungskosten gebracht und auf diese Tatsache sind die letzten Lohnkämpfc in Franlreich, England, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern und auch bei uns zurückzuführen. Im vergangenen Jahre waren die Löhne in fast allen Ländern ziemlich stabil. In England stieg der Lohnindex in der Zeit von Juni bis Dezember 1988 nur von 99% bis 199%. Dio Lohnerhöhungsfrage muß jedoch Überall dort zwangsläufig auftauchen, wo die LebenShaltungS- Man erhalt für KC 100 Reichsmark.... ♦ 745.50 Markmünzrn... 780.— 100 österreichische Schilling » 533.50 100 rumänische Lei.. n 17.80 100 polnische Zloty... 547.— 100 ungarische Pengö.. • .• 606.— 100 Schweizer Franken. B 656.50 100 französische Frank». • • 120.70 1 englisches Pfund.. • • 141.25 1 amerikanischer Dollar w ♦' 28.70 100 italöenische Lire.. P • 147.40 100 holländische Gulden. ♦ 1572.— 100 jugoslawische Dinare. p • 65.80 100 Belga»..... w e 100 dänisch» Kronen‘. 626.— 100 schwedische Kronen, ■ • 724.— kosten von den steigenden Weltwarenpretsen stärker berührt werden.. Wenn man auch mit vorübergehenden Rückschlägen an hen Rohstoffmärkten rechnen kann, so erscheint es sehr wahrscheinlich, daß die Tendenz auf weitere Preissteigerungen in der Welt an«, halten wird. Sollen die Preissteigerungen nicht zu Störungen und Spannungen führen, so Muß die Wirtschaftsführung allenthalben elastischer gestaltet werden und Angleichungen vorgenommen werden, bevor sie dringend erscheinen. Ein Handbuch dar tschechoslowakischen Statistik Außer dem„Statistischen Jahrbuch der Tschechoslowakischen Republik" gibt das Statistische Staätsamt nunmehr auch die„Statistische Uebersicht für die Tschechoslowakische Republik" heraus. Während das„Jahrbuch" nur statistische Tabellen enthält, weist die„Uebersicht" auch einen erläuternden Text auf, d. h. es sind Artikel, in denen unter Verwendung der statistischen Materials die betreffenden Gebiete erläutert werden. Auf einem kleinen Raum ist in exakter und erschöpfender Weis« viel Wissenswertes zusammengetragen, dar eine allseitige Information ermöglicht. Das fast 599 Seiten starke Büchlein kostet nicht mehr als KL 18.— und ist im Verlag „OrbiS"(Prag XII., Fochovä 82) erschienen. Starke Zunahme der Sparkasseneinlagen. Die Spareinlagen bei den Volksgeldinstitutcn sind- im Jänner um 159.7 Millionen Kö angestiegen. Im Dezember 1938 war ein Rückgang von 92 Millionen K£ zu verzeichnen. Gesprengtes Kartell. Infolge von Preis-. Unterbietungen einiger Außenseiter haben auch bisherige Mitglieder des Fischkonserven-KartellS ihre Preise herabgesetzt. Damit hat das Kartell zu bestehen aufgehört. Papierindustrie voll beschäftigt. Die Papier- vroduktion hat sich in den ersten Monaten des laufenden Jahres weiter erhöht. Die in Betrieb befindlichen Fabriken haben jetzt ihre volle Kapazitätsausnutzung erreicht, so daß es möglich ist, daß auch einige der stillgelcgten Betriebe die Produktion wieder aufnchmcn werden. Handelsvertragsverhandlungen in den Bereinigten Staaten. Die seit eineinhalb Jahren von den Delegationen der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten vorbereiteten Handelsvertragsverhandlungen sind jetzt so weit gediehen, daß im Akai, spätestens im Juni in Washington die Verhandlungen über die Ergänzung des bisherigen Handelsabkommens ausgenommen werden können. Bierdividende. Die Rüster Brauerei in Prag bringt für das letzte Geschäftsjahr eine Dividende von 13 Prozent zur Verteilung. Außerden: werden dem VerwaltungSrat 37.999 XL Tantieme gezählt."- Frankreich nach der Abwertung Seit dem Herbst bewegen sich die französischen Konjunlturzisfern im allgemeinen in günstiger Richtung. So betrug der Beschäftigungsindex der Industrie(1918— 199) im Mai 1936 192, im August 1936 98, im Feber 1937 191 und übersteigt im März bereits die Höchstzisfer des Vorjahres. Der Stand der Arbeitslosigkeit im März war 419.999, somit um 77.999 oder 16 Prozent niedriger als im März 1936. In der erste» Aprilwoche ist die Arbeitslosigkeit auf 386.999 gesunken. Anderseits ist man durch das steigende Preisniveau einigermaßen beunruhigt. Die Großhandelspreise der Jndustrieprodukte sind seit dem Herbst um Uber 49 Prozent gestiegen; da jedoch die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse sich nicht in gleicher Weise erhöht haben, beträgt die Erhöhung des gesamten Großhandelsindex bloß 27 Prozent. Warum aktivistische Sugendversammlung? Je größer die Not tm sudctcndeutschcn Gebiet, je uneiniger Deutsche und Tschechen unter- einander, desto Wohler fühlt sich die Henlcinpar» tei, die aus der schiveren Lage der Sudetendeutschen Bevölkerung nur Nutzen für sich zieht. Und seine rcichsdcutschen Hintermänner haben alles Interesse daran, die Nationen gegeneinander aus- zuhchen, Mißtrauen zu säen, um selbst als„Netter" erscheinen zu können. Statt einer wirklichen Hilfe für das deutsche Gebiet, können sic nur Phrasen und Versprechungen bieten. Den Herren von der SdP, die im Warmen sitzen, mag das genügen, die deutsche Jugend aber braucht tatsächliche und schnelle Hilfe; denn die Jugend hat unter den schweren Auswirkungen der Krise und oft auch unter der nationalen Benachteiligung des deutschen Randgebietes am schwersten zu leiden. Nie wird cS gelingen, die Gesamtheit der sude- tcndcutschen Jugend vom Wert der Demokratie, von der Notwendigkeit der Verteidigung unseres Staates zu überzeugen, wenn man ihre dringendsten Forderungen nach Arbeitsbeschaffung und nationaler Gleichberechtigung übersieht. Niemand aber ist berechtigter diese Forderungen im Namen der deutschen Jugend aufzustellen, als diejenigen Jngcndgruppen, die den besten Willen haben, ihre Forderungen in demokratischer und brüderlicher Zusammenarbeit mit den fortschrittlichen Teilen der tschechischen Ration zu vertvirklichen. In dieser lleberzeugung berufen die Jugendgruppen der aktivistischen Parteien fiir den 15. April eine Kundgebung im großen Saale des Deutschen Haus.S ein. Jeder, der überzeugt ist, dass dir Jugend ihre Sache selbst in dir Hand nehm«» muß, jcdrr, der di« friedliche und drmokrntischc Lösung ddr nationalen Frage wünscht, jeder, der an die Stelle demagogischer Berspre- chungcn wirkliche Taten sehen will, konnnt Donnerstag, den 15. April, nm 20 Nhr ins Deutsche Hans. Keiner darf abseitSstrhen! Wieder ein Todesopfer eines defekte» Gasofens. Abermals wird gemeldet, daß ein Menschenleben der fahrlässigen Installierung eines GaSbadc-Ofens. zum Opfer gefallen ist. In der Wohnung eines hiesigen Mitteilungen aus dem Publikum. Biel Geld wurde überflüssig von den Frauen für neue-Strümpfe ausgegeben, weil sie-nicht mehr schlecht gestopfte Strümpfe tragen wollten. Auch die anspruchvollste Frau kann jetzt in Strümpfen gehen, welche Baka repariert hat. In Dakar Strumpf« Ncparaiurwcrkstätte werden die Strümpfe auf die gleiche Weise gestopft, wie sie erzeugt wurden, so daß man die Reparatur überhaupt nicht erkennt. Dann werden sie fachnrännisch gewaschen und geformt, wodurch die Strümpfe ihren ursprünglichen Glanz und ihre Elastizität erhaltcw B—a Die schöne Linie des Fusses betont nur ein Strumpf in der richtigen Farb-Nuance und von genügender Elastizität. Durch unsachgemäße» Waschen und Stopfen verloren die Strümpfe an Elastizität und Aussehen. Deshalb brauchten die Frauen früher soviel neue Strünchfe, während sich die alten in: Wäscheschrank häuften. Heutzutage wandern alle diese Strümpfe in BakaS Strumpf-Repara- turwerksiätre. Die Preise sind sehr niedrig: eine gefallene Masche 1 Kf, Löcherstopfen von öü Heller aufwärts, Waschen und Fornle» 89 Heller. B—a Professors wurde dessen 87jährige Schwester im Badezimmer tot aufgefunden. Es handelt sich wiederum um Vergiftung durch Kohlenoxpdgas und es ist, Ivie eine hiesige Abendzeitung fcststcllt, bereits der fünfzehnte Fall dieser Art, der sich im Verlauf der letzten Jahre in Prag ereignet hat. Wir haben bereits Uber mehrere Gerichtsverhandlungen. die gleiche Fälle zum Gegenstand hatten, berichten müssen. Da» genannte Blatt fügt hinzu, daß mit diesem tragischen Fall allein im letzten Jahrnicht weniger als fünf tödliche Bergiftunassällc solcher Art zu verzeichnen sind. ES ist zu bemerken, daß eS sich in diesen Fällen nicht ctlva um Vergiftungen durch das Leuchtgas handelt, das die Erhitzung des Wassers besorgt, sondern um Vergiftungen durch Kohlenoxhd, das bei Verbrennung dcS Leuchtgases entsteht und daS dttkch mangelhafte Konstruktion der betreffenden Anlage nicht in ausreichenden: Maße in den Luftschacht abgeführt Ivird. Es ist bekannt, das; dieses absolut geruchlose GaS, das auch sonst aus keine Weise wahrzunehmen iss, ungemein schnell wirkt, rind als eines der tückischesten und gefährlichsten Giftgassc zu betrachten ist. llni so niehr ist cs nickst nur Sache der installierenden Firma, sondern auch der Aufsichtsbehörde, darüber zu wachen, daß alle vorgcschriebciicn Vorsichtsmaßregeln beobachtet locrdcn, was leider, wie die immer wieder auftrc- tcndcn linglücksfälle beweisen, nicht in auSrcickien- dem Maße der Fall ist. Geschröpfte Philatelisten —rb— Eine ganz neue Methode des leichten, ungesetzlichen Geldverdicnstes hat der 37jährige. Privatbcamte Rnd olf L öbl entdeckt. Als mildernder llmstand ist ihm fteilich anzurcchne», daß er mit den 609 llö, die er monatlich bezog, nicht gut sein Auskommen finden konnte. Rudolf Löbl, der gestern vor dem Strafsenat deS GR. Dr. P e r n t des Verbrechens des Betruges angeklagt Ivar, benützte als Sprungbrett für seine llntcrnehmungcn die Philatelie. Er studierte aufmerksam die in- und ausländischen Fachzeitschriften und notierte sich die Adressen der regelmäßigen Inserenten, die wertvolle. Marken entweder auStauschen oder kaufen, beziehungsweise verkaufen wollten. Solche Interessenten des In- und Auslandes pflegte er dann mit Briefen zu beglücken, in welchen er sich als Inhaber einer wertvollen Markensammlung vorstellte und vorspiegclte, daß er monatlich fiir etwa 409 Kd Niarken zu kaufen pflege. Da die Briefe von beträchtlicher Fachkenntnis zeugten, trugen die Angegangenen kein Bedenken, dem Kollegen wunschgemäß verschiedene wcrwollc Ereniplarc„zur Ansicht-' cinzusenden. Der Angeklagte verkaufte natürlich diese Mustercxcmplarc ohne weitere», wodurch eine lange Reibe von vertrauensvollen Philatelisten zu schwerem Schadeillam. ES"kam sölvelts daß verschiedene Fachzeitschriften auf den Angeklagten als gefährlichen Schwindler aufmerksam machte« und die Markensamnilcr aller Länder eindringlich lvarn- ten, sich mit ihn: irgendwie einzulassen. Als man Rudolf Löbl endlich in Haft nahm, war sei» kriminelles Schuldkonto bereits beträchtlich belastet. Dcr angcrichtetc Schaden, der sich, wie«rlvähnt, über die Staatsgrenzen hinaus erstreckte, ist nach der Anklage folgendermaßen zu spezifizieren. Der Angeklagte erhielt aus dem Ausland Marken in nachfolgendem Wert zugcfchickt: 8ü7 österreichische Schilling, 890 Schtvcizer Franken, 13 Pcngö,-1459 Reichsmark. Aus dem Inland außerdem noch Marken im Werte von 1779 Kü. Alles in allem eine sehr stattliche Schaden- simnnc, lvobei den Angeklagten noch belastete, daß er durch solches Vorgehen den: Ansehen der Republik im Ausland schweren Schadet: z:igefiigt hat. Er tvnrde daher im Sinne der von Staatsanwalt Dr. G em r ich vertretenen Anklage schuldig erkannt und zu zehn Monaten schweren Kerker», und zwar unbedingt, verurteilt. Atus-Akademie Diese am Sonntag im vollbesetzten großen Radio-Saale abgehaltcne F e st a k a d e m i e zur Feier des zehnjährigen Be st an des unserer Arbeiter-Turn- und Sportvereines war weit mehr als ein geselliger Festakt und FrcundschaftSabcnd. Sie war ein wirkliches Fest des Gemeinschaftsgeistes und Zusammengehörigkeitsgedankens der Prager deutschen Sozialdemokratie. Alle Prager Teil-Organifationen unserer Partei, die kultureller Richtung ebenso wie die politischen Charakter», hatten sich zusammengeschlof- sen, dieser Veranstaltung durch Mitarbeit zum Erfolge zu verhelfen, sie zu einer imposanten Kundgebung der Prager deutschen. Sozialdcnwkraten zu gestalten: der veranstaltende A t u s in erster Linie, die s o z i a l i st i s ch e I u g e n d, unsere F a l- ken, die VolkSsinggemeinde und die RW. Eröffnet wurde die Akademie mit dem Vortrage des„Liedes der Arbeit" durch den gemischten Chor der Volkssinggemeinde. Sodann hielt Genosse S ch r a d e r die Begrüßungsansprache, der die Glückwunschworte der tschechischen Genossen Si> m e k namens des„Svaz dilnicküch tilocviänich leb» not" und Dr. Emil S t r a u ß' namens der deutschen sozialdemokratischen Gesamtpartei folgten. Nächster- Programmpunkt war die Ehrung der Turnerinnen und Turner(durch Ueberreichung von Diplomen), die zur Erringung der Komotauer Bundesmeisterschaft im vorigen Jahre beigetragen haben; 6 Frauen und 5 Männern wurde diese öffentliche Ehrung zuteil. In dem nun folgenden vierstündigen Borsüb- rungtprogrmmn.. wurden geboten: Kinder-Freiübungen, ein Kinderreinen, ein Mädchen-Reigen, Mäunerturnen am Turntisch(mit wirksamen heiteren Pointen), Freiübungen der Frauen tanzartigen Charakter», Freiübungen der Männer- eine aparte. Neigenszene von acht Turnerimun, prächtige Uebun-1 gen der Frauen und Männer am Barre», stimmungsvolle Liedervorträge für gemischten und Männerchor der Volkssinageinei>:dc, Reigen und! Freiübungen der Frauen, ein origineller Tanz der Jugendturnerinnen„Wie die Wilden", prächtige Uebungen der Männer an drei Pferden, ein eindrucksstarker, aktueller Sprechchor unserer sozialistischen Jugend(SJ.) und eine schön gestaltete Szene „Äüder, zur Sonne, zur Freiheit" einer jugendlichen Turnerinnengruppe. Mit dem von der VolkSsinggemeinde gesungenen„BundeSlied" W. A. Mozarts wurde der Häuptfestakt der Akademie eingeleitet: Die Enthüllung und Ikebergabe der dem Atu» von der Partei gespendeten schönen Fahne. Die Festansprache in Form eines historischen Rückblickes auf die Tätigkeit des Atus, einer politischen Zeitbetrachtung und eines Appelle» an alle zur tatkräftigsten Miiarbeit hielt Genosse S w o j s e von der Gec. Den feierlichen UebergabSakt unter gleichzeitiger Widmuim des ersten Fahnenbandes vollzog mit einer kurzen, sinnreichen Ansprache Genossin Lilli C z e ch als erste Fahnenpatin. Prächtige Geleitworte gab der neuen Fahne auch die ztveite Fahnenpatin Genossin Wallisch.„Für Frieden und Völkerverständigung, für Demokratie und Sozialismus!" heißt das der neuen Fahne geprägte Motto. Ein schönes Jah- nenband spendete auch namens seiner Gemeinde ein aus dem tiefiten Böhmerwald— aus Besed- uice— gekommener tschechischer DTJ-Turner. Mit dem Vorwag der Staatshymnen und der„Internationale" fand die glänzend und erhebend verlaufene Festakadcmie ihren würdigen Abschluß. Unter den Festgästen befand sich auch Minister Genosse Dr. T, z e ch. O eine Schau von Anmut. Kraft und Schönheit Technisch gesehen, war diese Veranstaltung eine Leistung, die überraschte. Die-Schüler und Schülerinnen in ihren so einfachen und dabei so zlveckmäßig aufgcbauten Spielen und Hebungen gaben zu den besten Hoffnungen Anlaß. Dann wechselten in bunter Folge Turnerinnen und Turner, Freiübungen, Tänze, Reigen. illhythmik und Geräteturnen ab. E» fällt schtvcr, zu sagen, waS an: besten gefiel. Wenn wir es aber doch versuchen, so nicht etwa in der Absicht, anderem die Anerkennung zu versagen. Wohl vorweg zu nennen sind die Turnerinnen der Freiübungen, sowie jene, welche so rhythmisch und musikalisch sicher da» Tanzpotvourri vorführten. Dann jene Uebungen am Barren, die deutlich bewiesen, daß die Frau als Turnerin sich nicht allein durch Anmut und Grazie, sondern auch durch Getvandtheit und Kraft auSzeichncn kann. Ganz besonders gefiel auch die Frauen-Riege mit ihren rhythmisch-gymnastischen Zweckübungen. Die Turner-Vorführungen waren z. B. in der Sportlergymnastik von goßer Einprägsamkeit und Exaktheit. Wucht und Kraft boten einen schönen Ausgleich zu der Eleganz der Uebungen am Kasten, Barren und am Pferd. Einen wirkungsvollen Abschluß des turnerischen Teiles bildete der Betvegungschor der Turnerinnen, der von der VolkSsinggemeinde durch den Bortraa des Liedes„Brüder zur Sonne" eine erhebende Untermalung fand. Alle» in allem bot die Veranstaltung eine imposante Schau der geleisteten Arbeit unseres Prager Atu», mit der er sich«in glänzende» Zeugnis ausstellte. Jene Genossen, welche vor zehn Jahren den Grundstein zum Atus in Prag legten, sahen, daß ihre opfervolle Arbeit, große und schöne Früchte getragen hat. Der Dank an sie vermischte sich mit jenem, welcher dem derzeitigen technischen Leiter T i e tz e, sowie den Borturnerinnen Kauer. Stepanek, Wiesner, Biliek und den Vorturnern Noffek und Rauer sowie allen Mitwirkenden für die vorzügliche Gestaltung und Durchführung gebührt, Seite« „®ojinn>emoTrnt‘ Dienstag, 13. April 1937. Nr. 87 GuteiGfelegenheit zu vorteilhaften Einkäufen. Überzeugen Sie sich selbst! Jeder denkende Sozialist muß täglich sein Parteiblatt, den„Sozialdemokrat", lesen. Sendet daher diesen Bestellschein, an die Verwaltung des„Sozialdemokrat", Prag Xll., Fochova 62. Bestellschein Ich bestelle vom: den»Sozialdemokrat", das genttalorgan der Deutschen soziale demokratischen Arbeiterpartei, Prag XU., Fochova 62, zum Abonnementpreis von M IS*— monatlich. Name Adresse:—.... - Unterschrift, Kirnst und Warum lügst du, Chdrie...? Dieses neue„musikalische Lustspiel" des Deut- scheu Theaters ist eine von Lengsfelder und Tisch geschickt und humorvoll geschriebene Posse mit Gesang tvon Märker). Nebensächlich, dass der Kern der Handlung(eine junge Schauspielerin fingiert Einbruch beim Lustspiel-Antor, um seine Bekanntschaft und damit ihr Glück beim Theater zu machen) unglaubwürdig ist und dass etlichen Gestalten dieses Stückes jede Motivierung fehlt; entscheidend bleibt, dass der llnsinn, von etlichen Längen abgesehen, mit französischer Leichtigkeit anspricht, dass Situationen und Einfälle die Lachmuskeln in Bewegung sehen und dass schliesslich das gefällig Einfache und Eingängige der liedhaften musikalischen Invention als nett und amüsant empfunden wird. Julius Gell- »er als Regisseur und Herbert Popper als Dirigenr unterstreiche» mit Glück und Erfolg das Bergnügliche dieses drei Stunden währenden Scherzes, Lidl M a ch e i n e r lvirkt Iviederum ausgezeichnet durch ihre herzhafte und zugleich verhaltene Art, Herr Götz leistet ihr stunpathisch Gesellschaft auf eine(nicht nur im Gesanglichen) ellvaS rührend hilslose Weise ldie handlungSgemäss durch eine nicht spurlos überlvundeiie Gehirn-Erschütterung sich erklären liesse.) Mar S ch i v p e r ist ein überzeugender Zubringling, Walter Szurovy aber ein etwas überreifer Lausejunge. In der Rolle eines hocheleganten, seinem Herrn als Borbild dienenden Butlers hat Viktor A f r i t s ch endlich einmal Gelegenheit, seine ebenso originelle wie starke CharakterisierungSkunst- nachzuweisen und jenen köstlichen und seltenen Humor eines Darstellers zu entwickeln, der selber toternst bleibt, während das Publikum sich quietschvergnügt zeigt. Prachwoll grotesk spielt unsere Opern-Altistin W a n k a eine überalterte Diva. Besonders erfreulich. dass in dieser Ansführung sonst verborgene Qualitäten etlicher Herren voni Chor zutage traten und Anerkennung sanden; nicht nur Karl T r e t s ch als gspassiger Diener, sondern vor allem das reizende und stürmisch applaudierte Polizisten- Ouartett, den« Will» n der, Binder, Gerinn d und F e ch n e r ihre schöne» und überdies vortrefflich gefchulten Stimmen liehen.— Ein Abend der Erfolges, dec sich verniutlich sehr oft wiederholen wird. L. G. Krau Brunnen, eine altchinesssche Sage modern übertüncht.(Erstaufführung im Ständelheater.) TaS neue China hält an dec alten Theatertradition fest und doch kann es sich den neuen Gedanken» Einflüssen nicht erlvehren, wenn Ivir der Bearbeitung der alten Sage von der treuen und standhaften ff rau. d u r ch S. I. H s! u n g, Glaube» schenke» sollen. Das Nationaltheater hat durch die Einstudierung dieser Komödie, in der sich Dichtung und Wahrheit, poetische und vulgäre Szenen zu einem lebendigen Bilde formen, eine interessante Bereicherung des Repertoires erhalten, wenn auch— anscheinend durch Verkürzung— vieles unklar bleibt. In die tradt- tionsreiche chinesische Welt lverden hier viele Gedanken über den, manchmal unerwünschten Einfluss der Westens über die Minister- und Generäle-Politik, das AuSsaugen des Landes und Volkes durch die poli- tfchen Machtluiber eingesponnen und die Sehnsucht des Volkes nach einem Retter aus der wirtschaftlichen und politischen Not als aktuelle Kordelung formuliert.— Die jüngste Tochter des Ministerpräsidenten Wang— der seine älteren Töchter an die mächtigen Generäle zu verheiraten wusste, um so das ganze Land in seine Hand zu bekomme»— hilft dem Göt- terbeschlnss ein lvenig nach, indem sie den Ball derart zu werfen weiss, dass er in die Hände des von ihr ausgesuchten Gatten fällt, deS Dichters Vueu-Nang, der als Gärtner ihres Baters arbeitet. Vom Vater auSgelviesen, folgt sie dem Manne in die Armut, und hält, nach dem plötzliche» Abschied des Gatten am HochzeitStaae, durch 18 Jahre Treue und Glauben an den Mann, trotz Rot und Todesnachrichten, aufrecht. Der Mann wurde an die westliche Grenze verschlagen und dort verliebt sich in ihn eine Prinzessin, die ihn zu ihrem Gemahl und politischen Werkzeug machen will. Nach einer wilden Liebesnacht vernimmt er im Traum die Botschast der Krau Brunnen und flieht schleunigst nach China, um das Land von der Familie Wang zu erretten, der Würde des östlichen Königs zu entsagen und mit seiner treuen Frau den Wünschen des Volkes zu lauschen. Dafür geben ihm die Götter die Kunst des Dichtens wieder.— Die Regie hat sich teils der Drehbühne, teils der iradiiionell chinesischen Bühnendiener bedient und mit Ausstattung Trösters einige stinuiiungSvolle Bilder geschaffen, die mit dem Eingangsprolog des Dichters, mit Tanzeinlagen und einem Epilog gute Wirkung erzielten, wozu JelekS Szenenmusik und JeniikS Ballett beitrpgen. Die junge Schau fpieler- generation hat sich bestens bewährt. m. i. Spielplan des Renen Deutschen Theaters. Dienstag, halb 8 Ahr: Das Paradies, Erst« anfsührung, A2.— Mittwoch. 8: Konzert Bruno Walter, Abonn. aufgeh.— Donnerstag, halb 8: Warum lügst du. Chirie?, C 2.— Freitag, halb 7: Wie es Euch gefällt/ Theatergemeinde der Jugend (II. Serie, grüne Karten) und freier Berkaus, Ab. anfgeh.— Samstag, 7: Warum lügst du, Chtrie?; 1014: Die Puppenfee,Das Zauberkabinett, zugunsten des Ferialfonds, Abonn. aufgeh.— Sonntag, halb 8: Kommen Sie am ErstenI, Arbelteevorstellung; halb 8: Das Testament der Tante Karoline, C 1. Spielplan der Kleinen, Bühne. Dienstag, 8 llbr: Axel an der Himmelstür, volkstümliche Borstellung.— Mittwoch, 8: Jean. Gastspiel Kranier-Glöckner.— Donnerstag, halb 8: Der Bauernkrieg, II. literarischer Abend, Uraufführung (Bankbeamte II und freier Berkaus),— Freitag, 8: Salzburg ausverkauft.— Samstag, 8: Das Paradies.— Sonntag, 8: Feine Gesellschaft, volkrtüml. Vorstellung; 8: Der Illusionist. Parteigenossen und •Genossinnen! Heraus zur Kundgebung der aktivistischen Jugendgruppen am Donnerstag, de» 16. April, abends halb 8 Uhr, im Deutschen HauSt Ein. l a tz k a r t e n bei den Vertrauensmännern und im Parteisekretariat, Prag XII., Slezskä 18. Der Atm So endete eine Liebe Er handelt sich um die Liebe der österreichischen Erzherzogin Maria Luise»u ihrem Detter Franz von Modena, die endet, als sie 1810 die Gattin Napoleons werden muss..Du glückliches Oesterreich heirate...", wird mehrmals in dem Wiener Film zitiert, der den Prunk de» Schönbrunner Schlosser, des kaiserlichen Hofes, der Hochzeit der Prinzessin zelebriert. Bon der besonderen Absicht— ein anziehendes Bild der„alten Zeit" vorzusühren— abgesehen, behandelt der Film eine der üblichen grossen Hof- und Staatsaktionen, unter deren Last ein kleiner Frauenherz bricht. Der Film allerdings ist unter der Regie Karl Hardtls von starker bildhafter Wirkung und ganz ausgezeichnet besetzt: Paula Wessely findet warme Töne der Liebe, des Schmerzes und der Entsagung, Willy Forst ist der Herzog von Modena, der mehr an der„österreichischen Krankheit"— wie im Film die finanzielle Pleite genannt wird— leidet als an der Liebe. Eine eindrucksvolle Gestalt gelingt Gründgens mit seinem Metternich und auch Franz Herterich zeichnet interessant den sreilich reichlich idealisierten Kaiser Fran, I. In Nebenrollen sieht man Rose Stradnec und den prächtigen Gustav Waldau. An den Wiener Film wurden zur Borsüh- rung in der Tschechoslowakei einige Kürzungen vor» genommen. Wenn man Hjn kann man sich leicht vorstellen, dass sie nötig waren. jk. Mochenprogramm: Dienstag, 18. April, 8 Uhr, DSAP-Heim, Smeikagasse 28: Gruppe Prag I: Hugo Rokyta:„Grundlagen der politischen Katholizismus".— Mittwoch, 14. April, 8 Uhr, DSAP-Heim: Gruppe Prag XII: Russlandreportage. Gruppe Prag VII: Beteiligung an der Beranstaltung der MSD im Steinersaal.— Donnerstag, 15. April, 8 Uhr: Kundgebung mit den aktivistischen Jugendgruppen im grossen Saal des Deutschen Hauses. Unbedingte Pfllchtbetellignngl — Freitag, lü. April, 8 Uhr. FBSA-Heim, Spä» lenä 46. Gruppe Prag II;„Weihe Krankheit". ^fliegenden Lehrer", welche einen verdienten 8:2» (1:0)-Sieg davontragen konnten, der sie jedoch vor dem Abstieg nicht bewahrt, eher ihn nur versüßt. Viktoria hatte den Gegner unterschätzt, aber dass sie, als der Verlust der. Punkte nicht abzuwehren war, zur Unfairness griff, gehört eigentlich schon zu ihren großen„Tugenden. In Kladno konnte derSKüberZid eniee mit 8:2(1:1) den Sieg davontragen, wie überhaupt der Sonntag ein schwarzer Tag für die mährischen Dereine war. Denn auch SK Proßnitz verlor in Preßburg gegen den CSK mit 6:2(6:2) und in Brünn wurde der Abstiegskandidat Mo r. Slavia mit 7:1.(8:6) von SK Pilsen geschlagen. Wer wird DFV-Meister? Das Rennen zwischen TFK und DFC DaS Prager Spiel SpBg Bodenbach gegen DFC endete für die Platzbesitzer mit einem Sieg von 8:6(0:6). Der aufgeweichte Boden war für den DFC wertvoller als für die Gäste, die Wohl ein gefälliges Spiel vorführten, aber nicht die nötige Energie besaßen, um zu Erfolgen zu kommen. Die Stürmer der DFC waren sehr schwach im Schießen und wenn nicht aus dem Half zwei Tore erzielt wordeir wären, wäre dar Ergebnis weit geringer. — Der T.epliber JK schlug daheim den WarnSdorfer FK glatt und sicher mit 6:6 (8:6).— In Gablonz verlor derDSVSaaz mit 4:2 gegen den DSK; in Schrecken st ein kam es zwischen den Sportbrüdern untz dem Karlsbader FK zu einem Unentschieden von 8:8(1:2); VfB Teplid gewann in Komo- tau über den DFK mit 1:0(6:0) und in Reich e n b e r g erhielten die Prager Sportbrüder vom R F K eine kräftige Abfuhr von 11:2 (7:0). In der mährisch-schlesischen Gruppe gab es folgende Ergebnisse: SÄ M.-Schönberg gegen Jägerndorfer SV 4:2(3:1), DSV Oderberg gegen DSK Teichen 2:0(0:0), DSV Witkowitz gegen DDL Troppau 2:1(1:1), DSV Brünn gegen DFC Jglau 2:1(2:0).■ Aus den tschechischen Dwistonen. Mittel- böhmen: Slavoj VIII gegen Cechie Karlin 8:1 (I), Liben gegen AFK Kolin 5:2, Union Zijjkov gegen Nuselsk SK 8:0, SK Nusie gegen Sparta Kladno 2:1, Meteor VIII gegen Viktoria Rnsle 5:8, Altbunzlau gegen BohemianS 8:2.— Böhmen-Land: SK Pardubitz gegen Königgrätz 8:1, CSK B.-Budweis gegen Kopisth 2:1 Petkin gegen Königinhof 8:2.— Mähren-Schlesien: Schief.-Ostrau gegen Kral. Pole 5:0, Prerau gegen Bata Zlin 1:5, OlmÜtz gegen Polonla Karwin 1:1 (1:0), Zabovkesky gegen Ostrauer Slavia 1:8, Mo« ravia Brünn gegen Slovan M.-Ostrau 0:7. Sonstige Fussballergebnisse. B.- B u d w e i»S: DFK B.»Krumau gegen DFC 1:0.— Nachod: SK gegen Explosia Semtin 4:2.— Gablonz: BSK gegen DFK Reichenberg 7:8.— Grottau: DSD Ä.-Leipa gegen SK 11:1.— Wien: Austria Die Welt steht Ihnen offen ■ann 81« mit Muchins Mhrelben. Ein auf ihr ame> rikanltohen CORONA- Sohralbmaiohlns gMchrlebs- Mr Brlaf Ist Ihrs beite Empfehlung. Sis werden w »en, welche neuen Erfotcemdsllchkelten Ihnen die amerikanl- nhe KMneohrelbme- »chlne CORONA er- CO GIBIAN& CO. Prag H., Stipinilü 32 gegen Admira 8:1, Ravid gegen FloridSdoi^er AC 6:4, Sportklub aeaen Postsport 6:0.— Graz: Sturm gegen Vienna Wien 2:1.— Basel: Ungarn gegen Schweiz 5:1(2:0), Europa-Cup.— Paris: Frankreich gegen Charlton Äthletie London als„Italien-Ersatz" 2:5.— Brüssel: Frankreich gegen Belgien 7:0, Studentenmatch.— Rouen: Wacker Wien gegen FC 5:2.— Luxemburg: Belgien B gegen Luxemburg 5:1. Da» Amateur-Fussballspiel Tschechoslowakei geg. Frankreich, welches erstmals in Tours vor sich ging, endete unentschieden 2:2(2:1). Von beiden Teams wurde nichts besonderes geboten. Neuer Weltrekord im Stabhvchspringen. Bei einem Meeting in Lor Angeles erzielte dec Amerikaner William Sefton im Stabhochspringen mit 4.48 Metern einen neuen Weltrekord. Die alte Best- leistung hielt mit 4.48 Metern der Amerikaner Varoff. Rach einem arbeitsreichen, für das Wohl seiner Familie gewidmeten Leben, ist unser herzensguter Gatte, Vater, Onkel und Schwager, Herr GrnU Hetfert Sekretär der GehUfenversammlmig der Baumeister, am Samstag, den 10. April, um halb 8 Uhr abends, in seinem 58. Lebensjahre für immer von uns gegangen. Die Trauerfeier für unseren lieben Entschlafenen findet Mittwoch, de» 14. April, um 4 Uhr nachmittags, in der Reichenberger Feuerhalle statt. Matscheudorf, 12. April 1287. 1814 919 tteftranernOcn 9initrtUrtratn. Slavia gegen Sparta 2:0(1:0) Schwarzer Tag der mährischen Klubs Die sonntägigen Ligaspiele standen im Zeichen der Begegnung der beiden„S" auf dem Prager Spartaplatze, das die Rotsterne trotz aufopferungsvollem Spiel der Spartaner mit dem obigen Ergebnis für sich entschieden und damit auch schon den Meistertitel sozusagen in der Tasche haben. Sparta spielte und Slavia schoß die Tore— dar kennzeichnet so einigermaßen das Geschehen, da die Sparta- Stürmer durch Nervosität und Hast manche Chance ungenützt vorübergehen ließen. Die Slavia-Leute waren ruhiger, kamen nach der Pause in Schwung und dar brachte ihnen auch den glücklichen Erfolg. Es war ein„richtiger" Punktespiel und die Zuschauer gerieten oft aus dem, Häuschen— aber auch von den 22 Akteuren ließ mancher seiner Zügellosigkeit freien Lauf.. DaS Vorspiel bestritten RusjUjjhorod untz Viktoria Zijjkov. Die lleberraschung boten die Bezu g s b e d i n g.u n g- n: Bei Zustellung ins Hau» oder bei Bezug durch die Poft ckonatlich Xä 16.—. vierteljährlich Xi 48.—, häÜssähriglki 26.— ganzjährig Xi 122.—— Inserate werden-laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Leitungsfrankatur wurde von der Poft« und Tele» - graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.806/VII/1S80 bewilligt.— Druckerei: ,,Orbis", Druck-, BerlagS« und 8eitungS«S.«G. Prag...■