Sozialdemokrat gentralorgan der Deutsche» fozialdemokratische« Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag tSgltch früh Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62— Telephon 63077— Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Einzelpreis 70$(0(1(einschlicßl. 5 Heller Porto) Aus dem Inhalt: ' Arbeit für 100.000 Keine Mieterschutzverlängerung für Zweizimmerwohnungen Betriebswahlerfolg bei Mühlig-Union(Settenz) Streik in Schwadowitz erfolgreich beendet 17. Jahrgang Mittwoch, 14. April 1937 Nr. 88 heue„Achse" Belgrad—Sofia—Ankara? Zu dem Besuch des tlirkischen AUnisterpräsi- dritten Jnünü und deS Außenministers Rüschdü AraS in Belgrad wird von dort gemeldet, daß die Berhandlungen zwischen Jugoslawien und der Türkei für di« weitere Gestaltung der Berhält- nisse auf dem Balkan eine große Bedeutung haben. Alme erwägt, wie auch aus der Anwesenheit deS bulgarische» Gesandten bei der Begrüßung der Türken ersichtlich wurde, eine Einbeziehung Bulgariens in di« Balkan-^ Entente(wohl bei gleichzeitiger Distanzierung■ von Griechenland) und die Bildung eineS großen WirtschastS» und Militärbündnisses, daS den Dreistaatenblock von der Adria biS an den Euphrat umfassen und ein« Macht mit 38 MUlio- nen Einwohnern, also etwa von der GrSßenord-! nung Polens, darstellcn würde. Im wesentlichen\ wäre das di« Wiederherstellung deS alte» türkischen Machtbereiches, wie er bis 1878 bestand, mit eikkrr Erweiterung nach Weste» und einer Einschränkung im Südosten, und selbstverständlich auf der ganz anderen Basis einer freien Föderation. Segen wilde Streiks Beschlüsse der französischen Gewerkschaften Paris. Das Präsidium deS Allgewerk- schaftsverlandeS hat beschlossen, daß Arbeiterstreiks künftighin erst nach vorheriger Bekanntgabe und mit Genehmigung deS Kveisgewerk- schaftsverbandeS und deS GowerkschaftSverbandeS der zuständige» Fachorganisation ausgeruseu werden dürfen. In gegenteiligen Fällen behält sich der Allgewerkschaftsverbmid vor, an die Streikendm k e i n e Unterstützung anS der ge- nieiusamen HilfSkasse zur Auszahlung gelangen zu lassen. Generalsekretär Iouhaux verurteilte in einer Rede die unbesonnenen Streikbewegungen und erklärte, daß der Allgetverlschaftliche ArbeiiS- vcrband loyal mit der gegenwärtigen Volksfrontregierung zusammenarbeiten müsse, welcher die Arbeiterklasse ungemein viel verdanke und der sehtkeineSchwierigkeiten bereitet werden dürfen. Jouhaux sagte weiter»: Aus der gegenwärtigen gefestigten Lage der französischen Arbeiterschaft mutz eine neue soziale Dem o kra t i e hervorgehen. Die Revolution, welche die Arbeiterklasse will, mutz in Ordnung durchgesührt werden. Wir müsse» der Welt zeigen, daß die Demokratie mehr DynamiSmuS besitzt alS daS diktatorische Regime. Krach bei den Mosley-Faschisten London. Einige führende Mitglieder der britischen faschistischen Partei sind aus der Partei ausgeschieden und haben eine neue Organisation gegründet. Die Führer der neuen Partei sind der frühere Propagandadirektor der Mosley- Faschisten Joyce und der frühere Herausgeber der Parteizeitung„Blackehirt" Beckett. Glalse-Horstenau In Berlin Wien. Innenminister Glaise-Hor- st e n a u hat sich am Dienstag nach Berlin begeben. Als ehemaliger Direktor der österreichischen Kriegsarchive wird er in Potsdam an der feierlichen Eröffnung deS GMüdeS der KriegSarchive des. Deutschen Reiches teilnehmen.' Keine Rebellenschiffe In der Dreimeilentone vor Bilbao London. Die spanische Botschaft von London verlautbart nachstehende Mitteilung:.Die Regierung des Baskenlandes hält es aus verschiedenen Gründen für notwendig, gegenüber Informationen, die in der ausländischen Presse erschienen sind, zu erklären, datz die Sicherheit der spanischen Md nichtspanischen Schiffe in den Territorialgewässern von Bilbao, durch die Kriegsschiffe der Regierung und durch die Küstenbatterien ge» rantiert ist. DgS ist.um,so klarer, als bis jetzt keine Rebellenschiffe. innerhalb der Dreimeilenzone vor. Bilbao erschienen sind. In der Tat ist kein Rcbellenfchifs näher als elf Meilen an die Küste heraugetoinmen. Hat die k'riedanspartsi die Oberhand? Dienötag traf in Brüssel der ReichSbank- präsident und deutsche Wirtschaftsdiktator Doktor Hjalmar Schacht ein, der vom König der Belgier empfangen wurde und einig« Konferenzen mit dem Ministerpräsidmten van Zeeland sowie mit anderen wichtigen Persönlichkeiten der belgischen Politik und Wirtschaft haben wird. Die westeuropäische Presse bespricht eingehend die Absichten des Schacht'schen Besuches. Bor allem soll es sich um das Angebot eines— natürlich bargeldlosen— Geschäftes an Belgien handeln. Deutschland will für«ine Milliarde Francs Rohstoffe, vor allem Oel und Kupfer, beziehen mid dafür Fertigwaren liefern. DäS Geschäft wird in Belgien sehr kritisch beurteilt, da der Industriestaat Belgien keine neuen deutschen Produkte braucht und eine andere Bezahlung ja fast ausgeschlossen ist. Man nimmt aber auch an, daß Schacht in Brüssel die Kolonialfrage anschneiden Md die Verhandlungen sogleich in Paris fort setzen wird. Dieser Auffassimg nach wäre Schacht alS Friedensbote der deutschen Industrie und der Reichswehr unterwegs, um aus der heillos verfahrenen Situation noch einen friedlichen Ausweg zu suchen. Angeblich bietet Deutschland durch Schacht«ein« allgemein« Grenzgaran- tie, auch für die Tschechoslowakei, wenn man Ihm eine Kvfo-nir-überläßt. Dem Entschluß zu diesem Tauschgeschäft sind angeblich heftige Kämpfe im Regierungslager vorausgegangen. Hitler, durch die viel» steht, zählt vier sozialdemokratische Kabinettsmit- 'glieder, vier anarchistische Minister,(darunter die Leiterin des Gcsundheitsministeriums, Fra» Montseny), zwei Kommunisten, zwei linke Republikaner und einen Vertreter der baskische» Katholiken. Der Partei der linken Republikaner ■ ist auch der Staatspräsident A z a n a entnommen. Außerhalb der Regierung steht Bon den.antifaschistischen Gruppen lediglich die POUM, eine Oppositionspartei, die ursprünglich als trotzkistisch galt und sich jetzt als radikal-marxistische Bewegung deklariert. Schacht In Brüssel Geschäfte, Anleihe, Kolonien, Westpakt Nächstes Reiseziel Paris? fachen Mißerfolge der jüngsten Zeit und die inneren Schwierigkeiten maßlos gereizt und zum Aeußersten entschlossen, soll sich seit Wochen gegen die Reichswehrgeneralität und die Wirt schaftsführer abgesperrt haben. Die Industriel len und Generale fürchteten, daß Hitler in einer seiner plötzlichen Explosionen den Krieg begin nen und Deutschland in die sichere Niederlage steuer» würde. Nun scheint es doch gelungen zu fein, ihn«mzustimmen(vielleicht anläßlich deS Besuches, dem er seinem alten Geldgeber Kirdorfs, einem der reichsten deutfchrn Industriellen, zu dessen VV. Geburtstag abgestattet hat). Es ist möglich, daß Hitler, der sich gegen dir Reichswehr mehr und. mehr verschlossen hat Md offenbar di« Aussöhnung mit Ludendorff herbeiführte, um ein Gegengewicht gegen Fritsch Md Blomberg zu schassen, auf das Wort seiner früheren Bvrgesetztrn auS der Industrie horcht, i j.? ,.,.„,_,• Man wird sich erinnern, daß er auch vor dem Sozm demv ratcn L°rgo Caballero(dem 30. Juni 1934»ei de» Industriellen im Rhein-' Munsterprastdentenund Kr.egsm.mster) uns lMd war und dort den entscheidenden Entschluß»”««aj o(dem Aub°nmimster)I zur Vertilgung der Opposition faßte. Wenn die Mutmaßungen der französischen Presse richtig sind, so wäre Hitler bereit, unter dem Eindruck der mißlichen außenpolitischen und militärischen Lage Deutschlands auf eine kriege- rische Losung in diesem Jahre zu verzichten und 'sich Mit einem neuen„Ventil" zu begnü gen. In der Auslieferung einer Kolonie und der GewährMg von Rohstoffkrediten(die nicht rück zahlbar wären), scheinen Schacht und Hitler ein solches Ventil zu erblicken. Regierung und Parteien in Spanien Demokratie oder Diktatur Von Ernst Paul Dem ausländischen Besucher sind die Par- teiverhältniffe in Spanien ebenso schwer verständlich, wie dem Fremden, der aus einem fernen Staat in die Tschechoslowakei kommt. Es bedarf einer längeren Einfühlung, um die spanische Pac- teikonstellation zu verstehen, tvoboi man immer wieder auch ans starke Besonderheiten stützt, die in den autonomen Provinzen z. B. in Katalonien und im Baskenlande scstzustellcn sind. Die Wahlen des Vorjahres schufen die politische Unterlage für die gegenivärtige gesamtspanische Regierung. Die zur„Frcnte populär'' vereinigten Linksparteien erhielten eine bedeutende Mehrheit. Dio Anarchisten hatte» sich an diesen Wahlen nicht beteiligt, sie gaben aber die Parole heraus, die anderen Linksparteien zu unterstützen. Die führende politische Partei wurden die Sozialisten, die ein Viertel aller Parlamentssitze eroberten. Die gegenwärtige spanische Regierung in Valencia, die unter dem Vorsitz des Das Universitätsviertel im Brennpunkt des Kampfes Verbindung bis auf 350 m abgeriegelt Madrid. In allen Sektoren der Front von Madrid wird der Kampf mft Erbitterung fortgesetzt. Die Republikaner ziehen den Ring»m die Universitätsstadt enger Md enger. Bon der Seite der Easa del Eampo und vom Manzanares ans haben die Republikaner angegriffen und «in« neue Frontlinie im Rücken der bisherigen Berbindungen der Universitätsstadt mit der Außenwelt gebildet. Montag gegen Abend wurde der Kampf im Abschnitt Cas» del Lamp» eröffnet. Als eine Kim- zentriermig der feindlichen Kräfte, die von den Hängen der LaraiitaS herabstiege», beobachtet wurde, eröffneten dir Republikaner ein heftiges Sperrfeuer.' Nichtsdestoweniger versuchten die Mauren und di« Zivilgarde,«ine» Angriff zu unternehmen. Den RePnblikMer» gelang es, den Druck aufzuhalten,»hü« daß sie aus ihren Positionen zurückgegMgen wären. Eine neue Angriffswelle in der Richtung deS asten FriedhofeS stieß bei llasa del Lamp» Md tut bet Eastilliani- fchen Straße vor. Di« Aufständischen versuchten, die Anhöhe GarabitaS frei zu mache» und sich eine neu« normale Verbindung mit der Universitätsstadt zu sichern. Diesen heftigen Gegenangriff wies die Artillerie der Regierung durch direktes Feuer auf di« angreifenden Reihen der Anfständisthen und durch einen dichten Feuervorhang zweck- Verhinderung des Einsatzes der Reserven zurück. Di« republikanische» Abteilungen halte» ihve Positionen östlich der Anhöhe Las» del Lampo. Dir U n i v r r s i t S t S st a d t bleibt immer noch«ine heikle strategisch« Position, denn die BerblndMg mit den Stellungen der Aufständischen bleibt nur entlang eine- enge» Terrain- streifenS, der 350 Meter breit ist, aufrecht erhalten. In der Universitätsstadt selbst verhinderten die Republikaner den Rückzug deS FeindeS und eS gelang ihnen sogar, sich durch einen kühne» ileberfall einer Schützenlinie gegenüber dexLand- wlrtschaftsschule zu bemächtige». erfolge vor Oviedo und Huesca wichtiges Elektrizitätswerk befindet. Die Regie- rungsabteilMgen rückten um, drei Kilometer vor Md bemächtigten sich der Stellungen, die von großer Wichtigkeit für weitere Angriffe sind. An der aragonisch«» Front bemächtigten sich die republikanischen Abteilungen der Einsiedelei Santa Ouiteria, welche von den Aufständischen stark befestigt worden war. Damit, haben die RegftrungStruppen ein« wichtige strategische Stellung gewonnen, von wo sie di« Straßen nach Huesca und Saragossa' mit ihrem Feuer beherrschen können. Dir Umgebung von Almudeva, wurde fast vollkommen isoliert. Schlechtes Wetter verhinderte weiter« erfolgreiche Operationen. Franco verstärkt Minensperre London. Auf Grund einer Mitteilung von General. Franc» hat das Handelsamt mitgeteilt» datz von den Aufständischen zwischen dem Kap Falco Md Saetratif im Mittelmeer und zwischen Kap Bidiod und Kap Malhicharo in der Bucht von BiSkaya verstärkt Minen.gelegt wurde». Vergebliches Vierten London.(Reuter.) In de»'britischen Häfen liege»,■ vier spanische Regierimgsdampfer mit Kohlenladungen für Bilbao vor Anker und warten, auf weiter« Instruktionen. In K a t a l a n i e n, dessen Regierung völlig autonom ist und die mit der spanischen Zentralregierung nur eine gemeinsame Autzenpoliiik verbindet(die gemeinsame Wohrpolitik ist im Werden), sind die beiden großen Gewerk- schaftsorganisationen führend. Die anarchistische Gewerkschaft(ENT) stellt vier Minister(Kommissare genannt), die freie Gewerkschaft(UGT) die gleiche Anzahl, die Republikaner drei, die Konununisten zwei, die Union de RabasaireS(Partie der Pächter) einen Minister. Der Staatspräsident von Katalonien C o m p a- n i s gehört der Republikanischen Linken an. Mit der kommunistischen Partei(der PSUC), die der dritten Internationale angeschlossen ist, sind in Katalonien auch die Sozialisten vereinigt. Die spanischen wie die katalanischen Kommunisten sind aber, das wurde uns immer wieder versichert, keine wirkliche bolschewistische Partei, sie verehren zwar Rußland, haben sich aber von Moskau in ! ihre Politik wenig dreinredcn lassen. Im übrigen sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Parteien gegenwärtig stark verwischt.— Bemerkenswert ist, daß die Propagandaministerien in beiden Regierungen von der Republikanischen Linken geführt werden. Im Baskenlande sind die K a t h o l i- k e n die absolut führende Partei, Der Gouverneur der Provinz und gleichzeitige Ministerpräsident A q u i r r e ist ein bekannter katholischer Politiker, von den zwölf Ministerien sind sechs in katholischen Händen, ferner gehören der Negierung zwei Sozialisten, zwei Kommunisten, ein Anarchist und ein Demokrat als Mitglieder an. Die baskische Wehrmacht untersteht dem Oberkommando von Valencia. Kein objektiver Beobachter wird leugnen können, datz die gegenwärtige spanische Regierung, und zwar sowohl jene von Valencia wie auch die der autonomen Provinzen Katalänien und Baskenland, alle leb en d igen p o l it is ch c n Die bei O v i ed» operierenden RegiernngS- abteilungen unternahmen«inen Angriff, auf die Stellungen bei Soto de los Angeles, wo sich ein St. Jen» de Luz.(Remer.) Das brittsche Linienschiff„Hood",.' das.vor.dem hiesigen Hafen, Anker geworfen hatte, ist Dienstag mit- tags mit südöstlichem Kurs ausgelaufen. Man weiß nicht, ob daS Kriegsschiff dem heftigen Sturm ausgewichsn ist oder ob es den Auftrag hat- In der Richtung auf Bilbao zu patrouillieren. Kräfte des ganzen VolkeSumfatzt. Und daß bei einer solchen Parteigruppierung von (der Diktatur irgend einer Partei nicht die .Rede sein kann, sollte eigentlich keines Beweises mehr bedürfen. UnS wurden diese Beweise aber,immer wieder, geboten. In der Unterredung mit ihr erklärte, die Anarchistin Montseny: wir wollen die Demokratie. Die kommunistische Presse fordert— mitunter sogar etwas zu.laut— die Demokratie. Die Demokratie wollen aber auch die Republikaner,'die Katholiken und die RabasaireS und daß Selle S Mittwoch, 14. April 1837 Nr. SS Neue Situation im amerikanischen Gewerkschaftsrecht Da* Oberst* Gericht lindert seine Haltung— Organisationsrecht und Recht zu Lohnverhandlungen anerkannt fit von bcn Sozialisten gewollt wird, ist selbstverständlich. Das wichtigste Merlinal jeder Demokratie ist die F r e i h e i t d« r P r e s s c. Diese ist im heutigen republikanischen Spanien gewahrt. Neben den Zeitungen der Regierungsparteien erscheinen ebenso bürgerliche Blätter wie»El Liberal" in Madrid und oppositionelle wie die linksradikale Zeitung der POllM. lind als vor einiger Weile von den Kommunisten. dar Verlangen gestellt wurde, da- Blatt der PLÜM lvegen seines Kamp- fe» hegen Stalin zu verbieten, waren es die Anarchisten. die sieb mit besonderer Schärfe gegen diese Forderung stellten. Eö gibt auch ein POllM- Bntaillon an der Front und wer gegen den Faschismus kämpft, der müsse— so wurde gesagt — auch das Recht haben, seine Meinung frei zu Lüstern.— Vor einiger Zeit wurde sogar eint seht heftige Prostefehde gegen den Ministerpräsidenten Largo Caballero»nd einen General geführt— in welchem Diktaturstaate tväre dies möglich?—- Dast die spanische Republik ihre Großzügigkeit nicht übertreibt und der Faschistenpresse keinen Raum gewährt, wird ihr niemand verübeln können. Das republikanische Spanien w i 11 die Demokratie, eskä»> pst um die Demokratie und wist sie fest untermauern. Dessen sollten sich auch die dcnwlratischen Staaten der Welt mehr als bisher bewustt sein! Obwohl wir in den nächsten Atonalen mit einem weiteren Absinken der Arbeitslosigkeit zu tun haben werden, werden wir noch immer mit wenig- sienS 300.000 Arbeitslosen im Sommer zu rechnen haben. Die Staatsverlvaltnng wird daher alles zu tun haben, nm auch diesen Rest von Arbeitslosen zu beschäftigen. Ter Vollzugsausschuß der deutschen sozialdemokratischen Partei hat sich in seiner Sitzung vom 8. April auch mit diesem Problem beschäftigt und auf die Möglichkeit einer Anleihe für die Durchführung größerer Strahen- bauten hingewiescn. Durch den AutomobiliSmuS ist die Bedeutung der Straften für das Leben der Bevölkerung und die Wirtschaft bedeutend gestiegen. Der Stand unserer Strahen entspricht aber lange nicht den Bedürfnissen von Staat, Privatwirtschaft und Bevölkerung. Bei»nS unterscheidet man staatliche und nichtstaatliche Straßen. Das staatliche Straßennetz ist zwar in den letzten Jahren beträchtlich erweitert und verbessert worden, dennoch bleibt auch da«ine Reihe von Aufgaben zu lösen: so inüsscn die provisorischen Decken durch definitive ersetzt werden, bei Städten llmfahrungen gebaut, gefährliche Stosten beseitigt und so die Möglichkeit größerer Geschwindigkeit des Verkehres bei höchstmöglichster Sicherheit geschaffen werden. Weit rückständiger sind aber die nichtstaatlichen Straften, da in den acht Jahren des Bestehens des Straßtn- fonds nur ein unbedeutender Teil dieser Straßen hergerichtet wurde. Die Aufgaben, die aus dieser Sachlage erwachsen, können in ein a k t u e l l e s und in ein später zu verwirklichendes Keine Mieterschutzverlängerung für Zweizimmerwohnungen Der Entwurf des FUrsorcemlnisteriums gefallen Prag. Amtlich wird gemeldetr. In den Zeitungen sind Nachrichten aufgetaucht, daft die Regierung beschlosten habe,'In einigen Gebieten den Mieterschutz, soweit eS sich um Zweizimmer. Wohnungen handelt, zu verlängern. Diese Meldung ist nicht richtig. Mit der Frage der Verlängerung des Mieterschutzes bei Zweizimmerwohnungen hat sich daS Ministerium für soziale Fürsorge als fachlich zuständige Behörde befaßt und einen Vorschlag in dieser Richtung ausgearbeitet, welcher den Gegenstand der Verhandlungen der ftiegierungSfaktoren bildete. Da nach den gepflogenen Erhebungen festgestellt wurde, daß die BorauSsetzmigen deS 8 6 des Gesetzes Nr. 66 vom Jähre 1936, unter welchen der Gesetzgeber die Negierung ermächtigt hat, den erwähnte» Schütz zu verlängern, hier nicht gegeben sind, wurde beschlossen, daft die Negierung »In« Verordnung über die Verlängerung der Wirksamkeit des Gesetzes Uber den Mieterschutz von Zweizimmerwohnungen nicht erlassen wird. Programm gegliedert werden. Für den aktuellen Teil d«S Programmes käme bei den Staatsstraßen— Ivie wir einer' privaten Arbeit eines Fachmannes entnehmen— der Bau einer Straß« von Westböhmen(Karlsbad) über Prag nach Jglau, Brünn, Preßburg, Älaschau, UZHorod in Betracht, bei den nichtstaatlichen die Verbindung Prags mit dem Böhmerwald, PragS mit Mähren, in Westtöhmen di« Berbin- dung Karlsbad—Marirnbad und«ine Egertal- straße, ein« Querstrast«, durch daS Riesengebirge, eine Querverbindung durch den ganzen Böhmerwald und»in« Eibuferstraste. Die Durchführung dieser letzteren Arbeiten, bei denen die Arbeitslosen unserer Notgebiete beschäftigt werden könnten, würde eine Summe von ungefähr 160 Millionen KL beanspruchen. Das Geld könnte leicht durch eine Anleihe beschafft werden, der Schuldendienst würde 15 Millionen jährlich beanspruchen. Bei Durchführung der Arbeite» könnten auf diese Weise 100.009 Arbeiter durch zwei Jahre beschäftigt werden. DaS Darlehen müßte durch den Straßenfonds aiifgenommen werden, dazu bedarf es einer Regierungsverordnung, durch welche der Fonds ermächtigt wijrde, Darlehen auch für de» Bau von nichtstaailichen Straßen aufzunehmen. Die Verwirklichung dieses Planes würde aber nicht n»r unmittelbar einen Teil unseres Arbeitslosenheeres aufsangen, es würde dadurch auch der Fremdenverkehr gehoben, di« Verteidigung des Staates gestärkt und die gesamte Wirtschaft belebt werden. Die Regierung hat daher äste Ursache, dieser Anregung der Sozialdemokratie Beachtung zu schenken. Nach der Erklärung des Administrators des Wagner«Gesetzcs ist Henri) Ford»reif, daß gegen ihn im Sinne dieses Gesetzes vorgegängen Gerde". Mit dem Wortlaut dieses Gesetzes wäre eine Verhaftung Fords wegen seiner jüngsten Erklärung gegen die Gewerkschaften vereinbar, denn tatsächlich sieht diese» Gesetz, durch welches den GewerkschastsorganisatioNcn dar Orgauisa« tionSrecht sowie dar Recht, Kollektivverhandlun- gcn in Lohnfragen zu führen, zuerkannt wird, Gefängnisstrafen für den Fall vor, daß der Arbeitgeber solche Verhandlungen mit den verantwortlichen Vertretern seiner Arbeiterschaft, ab» lehnt. Der Oberste Gerichtshof in Washington, der Roosevelts Politik lange stark gehemmt hat, fällte jetzt eine Entscheidung, die von allergrößter Wichtigkeit ist. Er sprach sich mit fünf gegen vier Stimmen für das Wagner-Gesetz aus Und hat ihm damit den verfassungsmäßigen Charakter zuerkannt. Die Entscheidung erging im Zusammenhang mit dem Fall einer AutobuSverkehrSgesell» schäft, welche den Verkehr zwischen den einzelnen Staaten der Union unterhält und 21 gewerkschaftlich organisierte Angestellte entlassen hatte. Ein weiterer Fall betrifft eine» der größten Stahlwerke, das zehn Angestellte entlassen hatte. Schließlich entschied der Gerichtshof im Falle Morris Watson, der von der großen Agentur der Associadet Preß entlassen worden war, tveil er der Organisator des Verbände» der Pressean- gestellten war. Die Presse-Agentur hatte sich auf den Standpunkt gestellt, daß das Wagner-Gesetz Bergarbelterstrelk In Schwadowltz beendet Die Forderungen im wesentlichen erfüllt Tranten au.(Eigenbericht.) Der seit dem 27. März dauernde Streik der 900 Bergarbeiter in Schwadowltz wurde nach längeren Brrhandlungen beendet und di« Arbeiter sind Dieuslag bereits wieder eingefahren. Die Forderungen der Streikende» wurden im wesentlichen erfüllt. Die Schlustverhandlunge» über einig« noch offen«,Betriebsfragen wurden auf dcn.kom- ineiiden'Freitag angesetzt." Der Präsident der Republik empfing am DiepStag den Präsidenten der Abgeordnetenkammer des Königreiches Rumänien N. N. Save a n u und nach ihm eine Deputation des Vereines der kommerziellen Ingenieure. Beran: Weder links»och rtchtS, sondern tschechoslowakisch. In Ung.-Hradisch sand ein Gautag der tschechischen Landjugend statt, bei der Abg. Beran sprach. Er führte u. a. aus: Die Agrarbewegung hat sich auch in der Umsturzzeit zur Demokratie bekannt. Sie'habe auch damals nach Zusammenarbeit gerufen, weil sich nur aus der Zusammenarbeit aller konstruktiven Schichten eine ruhige und positive Entwicklung ergibt. E» die verfaffungSgemäße Garantie der Pressefrei» htit cinschränke, wenn es die Kündigung verhindere. Sowohl da» Fedcralamt für Arbeitsfragen(»National Labpür Relations Board") al» auch jetzt der Oberste Gerichtshof stellten sich auf den gegenteiligen Standpunkt. In allen genannten Fällen hat das Gericht apgcordnet, daß die Entlassenen wieder ausgenommen werden' müssen. Reform des Obersten Gerichtshofes wird doch durchgefUhrt werden Die Entscheidungen, die von dem früheren Gutachten des Obersten Gerichts über das Gesetz Wagner abwcichcn, haben große Ueberraschung hervorgerufen und die Erwartungen selbst der optimistischesten Anhänger der Rooseveltschen Politik übertroffen. Die neue Situation stärkt die Anhänger der Forderung nach einer unverzüglichen Reform des Obersten Gerichts, di« namentlich darauf Hinweisen, daß von den bisherigen fünf Entscheidungen in dieser Sache vier mit einer Mehrheit von nur einer Stimme zu« standegekommen sind. Sie weisen darauf hin, daß eine neue Unsicherheit entstehen würde, wenn nur ein einziger der Richter seine Ansicht bei weiteren Entscheidungen ändern würde. Der jetzige Standpunkt des Gerichts eröffnet neue Möglichkeiten für die Einführung neuer gesetzlicher Maßnahmen von weitreichender Bedeutung auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiei. Präsident Roosevelt wird jedoch, wie cs scheint, von der neuen Situation erst Gebrauch machen, bis sein Reform-Entwurf Gesetz geworden ist. wäre ein leichtsinniges Spie) mit der Freiheit, nach einer Diktatur dieser oder jener Richtung zu r u f e ni Wir haben bisher die Ruhe im Staate gegen alle Extreme durch Arbeit mit Erfolg verteidigt und unser Weg führt weder links noch rechts. Eine Schrift über die Deutschen in der Tschechoslowakischen Republik hat die Tschechoslowakische Gesellschaft zum Studium der nationalen Fragen im Verlag»Orbis" herausgegeben. Das Buch, das den Titel führt:„dlömot v ceakoslo- venske republice o sobfi”, enthält Beiträge von Sudetendeutschen, behandelnd politische, wirtschaftliche und.kulturelle Probleme des Sudeten- dcutschtums. Von sozialdemokratischen Äutören sind darin vertreten Abg. I a I s ch mit einem Beitrag:„Die deutsche Arbeiterbewegung und di« nationale Frage", und Edwin Ianetschek, der über die sudetendeutsche Musik schreibt. Wertvoll sind ferner die Abhandlungen Prof. Dr« Eduard Winters über das Sudetendcutschtum in der Religionsgeschichte der böhmischen Länder, Dr. Antsn M o u ch a s über das sudetendeuische Volksbildungswesen und R. Honigschmids über die bildende Kunst des Sudetendeutschtums. Auch die SdP ist durch«iiren Beitrag Dr» W. Sebekowsktzs vertreten, der sich krampfhaft bemüht, der tschechischen Oeffentlichkeit einzureden, Konrad Henlein sei der beste Demokrat zu beiden Seiten des Ozeans, arbeit Nir 100.000 Ein sroBes Straflenbauprojekt für zwei Jahre JUNGES WEIB e VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT Die Ali- schüttelte den Kopf.„Fleith?" Umständlich beugte sie sich übers Fremdenbuch, fingerte an den Seiten herum.„Bannholzer heißt er, der Herr, aber Doktor ist er schon,— Dr. Bannholzer... Ach, lieber Gott, der hat ja weiter gar nichts ausgefüllt. So sind die Herren aus der Stadt, immer nervös, immer in Gedanken,— was sagten Sie, Herr Dr. Trucken- brott?" Truckenbrott aber war schon an der Tür. Nein, er wollte nicht mehr. Was hatte er mit der Vergangenheit zu tun? Tot war sie, tüt und begraben. Mochte dieser Mensch nun heißen wie auch immer, mochte er Dr. Fleith sein oder nicht — für ihn ging es jetzt um die Zukunft— um Veronika. Veronika mußte sich entscheiden. Denn dieses Leben mit ihr und doch ohne sie hätte einen Stärkeren als ihn um Nerven und Vernunft gebracht. Und wenn sie wirklich nicht zu rühren war, nicht und durch nichts, dann mußte er ihr die Geschichte mit dem Dr. Fleith erzählen, die Geschichte mit Jeannette, denn schließlich hatte ja Veronika wohl auch ein Herz... Langsam ging Truckenbrott den Weg zum Hafen hinab. Wie tief ich in Veronika verloren bin, dachte er, während er den Dampfer betrachtet«, der ihn zur Bahnstation bringen sollte. Was wird geschehen, wenn st« doch nicht will? Die Frau eines anderen... genau so wie di« Frau eines anderen...ging es ihm wieder durch den Kops... und er gab dem Hausknecht ein Trinkgeld, und er schritt über den Laufsteg, und er beschloß, diesem anderen alle Rippen im Leibe zu zerbrechen, wenn er es wagen sollte, ihm Veronika zu nehmen. Diesem anderen. Es war ein Wahnsinn. Es existierte kein „anderer?, und wenn er jetzt nicht aushörte darüber nachzugrübeln, dann würde er noch verrückt werden, ehe er das Mädchen wiedersah. Die Räder des Dampfers durchpflügten den See. Truckenbrott schaute nicht zurück.„An allem ist nur dieser Kerl dahinten schuld", fluchte er in sich hinein, meinte den Fremden, steckte die Hände in die Manteltaschen und ging auf dem Schiff hin und her. Natürlich war er es gewesen. Wie hatte di« Alte gesagt? Wie war der Name? Er hatte ihn vergessen. Es war auch gleichgültig. Es sollte, es muhte gleichgültig sein. Denn alles war gleichgültig, alles außer ihr— Veronika, s- Der Mann, der sich als Dr. Bannholzer in das Fremdenbuch des Gasthauses„Zum Hirschen" eingetragen hatte, während Eamillo Truckenbrott in ihm«inen gewissen Dr. Fleith zu erkennen glaubte, war den Weg zum See hinabgegangen. Wußte er, welche Verwirrung sein unvermutete» Auftauchen angerichtet hatte? Wußte er, daß nicht nur Truckenbrott über ihn nachgrübelte, sondern auch die Alte aus dem Gasthof?„Und ich sage dir, Rosa, mit diesem Manne stimmt etwas nicht!" behauptete die und stocherte mit der Haarnadel im hochgebauschten Wust ihrer Frisur herum. Rosa aber war aufgeregt und fahrig. „Was soll denn da nicht stimmen? Immer hast du irgendwas an allen Leuten auszusetzen I" „An allen Männern, meinst du wohl, von denen sich mein« Tochter den Kopf verdrehen läßt?" „Ach, laß mich in Ruh...' Rosa hatte sich an» Fenster gesetzt. Die Hirschenwirtin wiegte bedenklich den Kopf. Sie war eine alte, vertrocknete Frau, von der man sagte, daß sie nicht mehr ganz richtig im Kopfe fei. Sie hatte wirres, graues Haar, trug seidene Posamentenschnüre an den Kragen ihrer meistens etwas verschlissenen Kleider und schlurfte gewöhnlich in Schuhen einher, die eine ehemals hochelegante Fasson ahnen ließen. Schiefe Absätze störten sie ebensowenig wie durchgewetzte Aermel. Sie war mit ihrem Hause alt getvorden. Sie und das Haus verschlampten immer mehr. Wenn ihre Tochter nur erst einen Mann bekäme! Einen Mann aus der Stadt, denn die vom Dorfe waren ihr ja alle nicht gut genug. Einen Mann wie den Dr. Bannholzer vielleicht, — einen Mann, bei dem irgend etwas nicht in Ordnung wär... ein anderer würde sie ja doch nicht nehmen,, die ewig kränkelnde und weiner, liche Rosa... Wind kam auf und zerrte an dem verrosteten Wirtshausschild, das einen Hirschen, darstellte mit prächtig gebogenem Geweih. Begierlich und voller Hast funkelten die Augen der Alten hinter der Brille. Wenn man das nur richtig anstellte, — würde man sich' diesen Vogel dann nicht fangen könnt»? Bannholzer schrieb er in das Fremdenbuch, und Fleith hieß er wohl in Wirklichkeit, und irgendwo war da der Haken, an dem man ihn aufhängen konnte., Noch immer starrte Rosa aus dem Fensters Es begann zu regne», peitschend und sein schlug es schräg aus dem Himmel auf die Straße herab. Und immer noch war dies« Straße leer. Die Wirtin klirrte mit den Gläsern, spült« sie, ließ sie im Spülicht liegen, holte sich eine Flasche aus dem Regale schenkte sich einen Schnaps ein. Schmatzend trank sie ihn. Dann war es wieder still. Rosa krümmte sich in den Schultern zusammen. Würde er niemals chiederkommen, der Mann?' '«Paß auf, ich krieg das'raus, mein Kind. Dein« Mutter, mein Kind, kriegt das'raus." 1 . Rosa fuhr herum.„Ach, du bist immer noch da? Herauskriegen willst du etwas? Was denn, hmnun?" „Was der ans dem Gewissen hat, Rosa..., der da..., wenn er überhaupt wiederkommt, j heiße das." „Wiederkommt?" Angst sprang aus Rosas Augen, eine mürrische Angst, und«in unbehagliches Frösteln schüttelte sie. „Na,«S ist doch auch schon vorgekommen, daß sich einer im See ,.."- „Im See...!?" „Nur keine Sorge, mein Kind, so schnell geht da» nicht, das überlegen sich die meisten noch im letzten Augenblick. Er wird schon umkehren und auf den Leim gehen, der Herr..." Mit einer drohenden Bewegung sprang Rosa auf und lief, ein armselig dürres Geschöpf» ganz nahe an die Alte heran: „Du sollst ihm nichts tun! Du sollst ihm nichts tun!" stieß sie aus zugepreßter Kehle. „Wenn d» ihm etwas tust...1" Aus haßerfüllten Augen blitzte sie die Mutter an und. stürzte dann au» der Tür. Es ist schon vorgekommen, daß einer in den See...«S ist schon vorgekommen... wie ein Mühlenrad drehten sich di« Worte in ihrem Hirn. Der Regen lief ihr LberS Gesicht, löst« di« gebrannt«» Locken in Strähnen auf und klitschte ihr das Kleid an den Leib. Rosa lief und stolperte, lief weiter und stolperte wieder,— was machte es ihr aus? Niemand sah sie, denn eS wurde dunkel im Regen, es war noch Sommer, aber'der Himmel lag wie, im Herbst schon auf der Erde, und die Straße hing ausge« storben im Dorf. Rosa keuchte und fieberte. Und wenn man sie gesehen hätte, WaS wäre darauf angekommen? Den Fremden mußte sie finden, und um sein Leben lief sie hier. Um sein — Leben. Nicht um seinen Namen, den«inen oder den anderen, nicht um Fragen zu stellen, nicht um ihn zu warnen, denn' sie wußte ja gar nicht, worum eS Truckenbrott, dem abgereisten Sommergast, und ihrer Mutter, die nicht leben konnte, ohne Ränke zu spinnen, hier ging. .(Fortsetzung folgt.), gt.88 Mittwoch, 11. April 1937 Seite S tfudetendeutsdier Zeitspiele/ Mißtrauemantras der Arbeiterpartei Wegen des Zurückweichens vor London. Der Beschluß der Regierung, englischen Handelsschiffen, die den von Seestreit- krkften der Aufständischen blockierten Hafen von Bilbao anlause» wollen, keinen Flottenschutz innertzalb der Dreimeilenzone zu gewähren, hat dir Labour-Opposition zur Einbringung eineS Mißtrauensantragcs im Unterhaus veranlaßt. In dem Anträge wird erllärt, daß daS Haus das Bersagen der Regierung bedauere, dir britische HandelSschiffahrt bei Ausßbung ihres ordnungsmäßigen Berufs zu unterstützen. Die Aussprache und die Abstimniung über den Antrag wird aiN Mittwoch stattfinden. In der Begründung des Antrages wird der Oppositionsführer Attlee von dem frühere» arbeiterparteilichen Nlarlneininister Alexander unterstützt werden. Für di« Regierung werde» voraussichtlich Außenminister Eden und Premierminister Baldwin sprechen. Es bestätigt sich, daß di« britischen Behörden alle britischen HandelSdampfer, dir Nahrungsmittel und'andere Lieferungen nach Bilbao schaffen wollten, vor dem Anlaufen dieses HafenS gewarnt haben. „Morning Post* glaubt, daß britische Kriegsschiffe sogar englische Kauffahrteischiff«, Franco In der Blockade-Frage die sich der Gefahrenzone von Bilbao näher», a n h a l t e n werden. „D a i l y H e r a l d" fragt:„Wozu habe» wir. eigentlich die Kriegsflotte?" und erllärt, daß die britischen Handelsschiffe nur dort geschützt sein werden, wo dieser Schutz ohne das Risilo möglich ist, daß den Aufständischen ein Schaden entstehen könnte. Das Blatt fügt hinzu, daß die fremden Kriegsschiffe vollkommen berechtigt sind, sich unter der Bedingung in die spanischen Territorialgewässer zu begeben, daß die Balenciä- Regierung sich nicht dagegen stellt, daß sie dieser Regierung helfen, die Handelsschiffe gegen Piraterie zu schützen. Die„Times" dagegen schreiben: Es sind „praktische Gründe", welche die britische Negierung dazu betrogen haben, den Händelsdampfern von der Fahrt in der als gefährlich bekannten Zone abzuraten. In dem Augenblicke, in dem eine Grenzkontrolle zu Lande und Zur See eingeführt wird, hat cs erhöhte Bedeutung, daß die Macht, von der das Kontrollsystem abhängt, nicht gestatte, daß von ihr beschlossene Aktionen als Anlaß zu einer neuen Verschiebung der Verwirklichung des Kontrollplanes diinen könnten. Großbritannien muß geduldig sein und das ost in dem Maße, daß seine Geduld als unberechtigt scheinen könnte. Aegypten will die Vorrechte InHwineux der Ausländer auf heben Montreux. Montag nachmittags begannen hier die Verhandlungen der von der ägyptischen Regierung zwecks Aushebung der Kapitulationen einberufenen Konferenz. Außer den zwölf Kapi» tulationSmächtcn ist noch eine Reihe anderer Staaten vertreten. Aegypten will aus Prestigegründen vor seinem Eintritt in den Völkerbund die Sonderrechte, die di« Ausländer bisher in Aegypten auf Grund von Verträge» mit den Kapitulationsmächten besahen, auf gütlichem Wege beseitigen, bzw. für eine Uebergangszeit zunächst einschränken. Die Fragen, welche die Vorrechte der Ausländer auf deck Gebiete der Steuern und der Verwaltung betreffen, dürften voraussichtlich rasch im Sinne der ägyptischen Regierung gelöst werden. Schwieriger wird die Frage der Gerichtsbarkeit für Ausländer zu lösen sein. Wahrscheinlich werden die sogenannten g e- mischten Gerichte für Ausländer noch für längere Uebergangszeit weiter bestehen bleiben. Welche Interessen hier,auf dem Spiel stehen, geht schon daraus hervor, daß Eurova in Aegypten! etwa 50 Milliarden Goldfxanes investiert hat; davon entfallen auf Frankreich allein 25 Milliarden. Das Programm der ägyptischen Negierung, welche die Konferenz einberufen hat, läßt sich folgendermaßen züsammcnfassen: 1. Ausarbeitung einer NiedcrlassungSvertrages, welcher die Kapitulationen ersetzen soll und der den Ausländern die NiederlassungS-, die Handels-, die OrganisationS- und die Unterrichtsfreiheit garantieren wird. . 2. Schaffung einer Fremden-Polizei, welch« den wirksamen Schutz für das Leben und das Eigentum der Ausländer gewährleistet. 8. Abschaffung der Steuerfreiheit, welche die Ausländer bisher genösse», sowie Einsetzung einer Staatsrates oder eines Vcrwaltungsgerichte» zum Entscheid von Steuerstreitigkeiien. 4. Festsetzung einer UebergangSperiodc, während der die sogenannten gemischten aus Ausländern und einheimischen Richtern zusammengesetzten Gerichtshöfe in einem gewissen Uckfang und mit veränderter Kompetenz weiterbestehen soUcn. Tie Konferenz wird voraussichtlich mindestens drei Wochen dauern. Großer freigewerktchaftlicher Erfolg bei Mühlig-Unlon(Settenz) Montag haben in der großen Tafelglas- fabrik Miihlig-Union in Settenz endlich die seit Jahren verschleppten und von nazistischen Be- amtcnkreisen verhinderten Wahlen in den Betriebsausschuß stattgesnndcn. Sie brachten in der, seit alters al» Hochburg der Gelben geltenden, Fabrik ein überraschende« und höchst erfreuliches Ergebnis. Bon 677 abgegebenen und 669 gültigen Stimmen erhielten die Bereinigten Verbände der Glasarbeiter(Freie Ge werkschaft) 392 Stimme», auf welche sechs Mandate entfallen, wahrend die Tetschaer Arbeittrgewerk- schäft(Tarnung der SdP) mit 277 Stimmen und vier Mandaten in der Minderheit blieb. Auch diese wichtige und aufschlußreiche Bctricbswahl beweist die aufsteigende Tendenz der Arbeiterbewegung und die beginnende Dämmerung der Henlein-Herrlichkeit. Frauen ohne Privatleben Das Ziel des Deutschen Turnverbandes In der„Zeit", schreibt I. B. über die Fraucnerziehung im Deutschen Turnvcrband. Dir lesen da u. a.: „Dreifach ist die Verantwortung und Bindung, deren sich die Frau toieder bewußt werden muß— an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Volkes. Die Frau muß von der deutschen Geschichte wissen— natürlich nicht so, daß sie Geschichtszahlen auswendig lernt—. sondern so. daß sie von der eigenen Familien- und Sippengeschichte aus, den Weg zur Geschichte des Volkes findet. Die Frau muß die großen Schöpfungen unserer Meister kennen, muß sie besonder» in einer Zeit kennen, in der der Mann durch andere Aufgaben verhindert ist, sich im richtigen Maße mit unseren großen Kunstwerken zu beschäftigen. Die Frau muß da» Wertvollste aus deutscher Dichtung, Malerei. Baukun st und Musik kennen. Die Frau soll auch Hüterin unserer SagenundMärchen sein, soll Bräuche, Volkstänze und Volkslieder lebendig erhalten." Leider verrät I. B. nicht, ob die deutschen Untern« h m e r, die ja fast samt und sonders zur„Volksgemeinschaft" gehören, den Frauen genügend viel Lohn und Freizeist gewähren werden, damit ihnen die Möglichkeit wird, DIchtusig, Malerei, Baukunst und Musik kennenzulernen. Die Arbeitermütter, die in der Fabrik werkeln und abends müde nach Hause kommen, würden ihren Kindern gerne eine Märchenwelt bauen, wenn sie nicht soviel.Sorgen um» tägliche Brot hätten. Diese Sorgen aber werden hervorgerufen durch dieHungerlöhne, die von den volksgemeinschaftlichen Unternehmern gezahlt werden. Allerdings ist cS der Wille des Deutschen Turnverbands, daß die Frauen nur b e- stimmte Berufe ergreifen: Man führe sich di« folgenden Feststellungen der„Zeit" zu Gemüt«: „An die Gegenwart ist sie vor allem durch Beruf. also durch ihre Stellung in der Volksgemeinschaft gebunden. Grundsatz für die Berufswahl ist uns: Die Frau soll nur Berufe erwählen, die ihrer Art entsprechen, die entweder auf den HauSfrauenberufBezug haben (also z. B. Schneiderin, Stickerin, Köchin, Kunstgewerblerin u. ä.) oder solche Beruf«, die in irgendeiner Art mütterlich sind.(Erziehungsberufe von der Kindergärtnerin bi» zur Mittelschullehrerin. Pflegerinnenberufe, vielleicht auch noch Kinderärztin, Frauenärztin.) Zu der Bindung an die Gegenwart gehört auch richtige Stellung zu Wirtschaftefragen, und vor allem'richtige Mitarbeit in den Schutzverbänden und da» Wirken in der Oeffentlichkeit überhaupt." W e n n den Frauen die Möglichkeit der Be- rufüwahl bliebe, gingen sie Wohl kaum in die großen Textilhöllen, wo sie ihre Gesundheit für Schandlöhne— immer im Dienste der„Volfs- gcmeinschaftS"-Unt«rnehmer— zugrunderichten müssen, sie gingen den Metallbetrieben und Papierfabriken und den chemischen Unternehmungen in großem Bogen au» dem Wege. Mer an die Arbeiter frauen denkt die„Zeit" ja offenbar nicht. Sie sind ihr, wie das ganze arbeitende Voll, der Dünger der Volksgemeinschaft, auf dem die„b e s s e r e n" Pflanzen de» Volke» wachsen. Der„Zeit" und dem„Deutschen Turnverband" Ist e», kurz gesagt, um eine völlige Faschisierung der Frau im Sinne deS Nationalsozialismus zu tun. Man lese in der„Zeit": „ES geht«n» darum, die Frau und da» Mädel wieder unlöslich ihre« LelkStu« zu verbinden, die Haltung der Fra» sa zu gestalten, daß«» für sie kein«„Privatangelegenhe iten" «ehr gibt, daß sie sich mit jedem Gedanke», jedem Wart und jeder kleinsten Handlung ihre« Volk gegenüber verantwortlich fühlt. Frau ohne Privatangelegenheiten! Frau unter dem Kommando der Goebbels, Henlein und GöringI DaS ist das Ideal des Deutschen Turnverbande»! Die Entwürdigung der Frau ist sein Programm! auf die Arbeiter und Gewerbetreibenden gepfiffen. Der Arbeiterstandisvertreter wurde ausgeschlossen, weil er von der SdP forderte, daß sie sich der mißlichen Lage der Arbeiter annehme. DaS Jugeildheim in Sandau im Polzental, das die ÄrciSorganisation Nordböhmen des Sozialistischen Jugcndverbandes auf zehn Jahre gemietet hat, ist alsf der Titelseite des April-HesteS der Zeitschrift„Das junge Volk" abgebildet, die wiederum eine Fülle loerbender, erzieherischer und ausklärender Beiträge enthält und Zeugnis vom Geiste einer freien Jugendbewegung ablegt, deren Ehrgeiz cs ist, Qualitätsarbeit zu leisten. Der Artikel Karl Kerns über„Die Form der sozialistischen Jugendarbeit", in denn die Ziele der sozialistischen Jugendbewegung der henleini- stischen Jugend-Gleichschaltung gegenübergestellt und von den Aufgaben der sozialistischen Massenbewegung abgegrenzt werden, eröffnet da» Heft, da» mit lehrreichen Berichten über die sozialistische Jugendarbeit im Dritten Reich, in Schweden und in der Tschechoslowakei, mit Notizen über die Vorgänge in der Weltpolitik, in der heimischen und internationalen Jugendbewegung, mit einer schönen Betrachtung über Romain Rollands«Johann Christoph", mit gutgewählten Gedichten und Zitaten di« jungen Leser geistig und seelisch anregen und bereichern wird. Glänzend besuchter Spanien-Vortrag in Karbitz. Die klaffcnbewußte Arbeiterschaft unserer Republik steht hinter den spanischen Freiheitskämpfern, das bewies auch wieder der brillante Besuch des Vortrages des Genossen Paul in Karbitz. Der geräumige Saal und alle Nebenräume des Arbeiterheimes, die Gaststube eingeschlossen, waren überfüllt. Seit lmiger Zeit hatte Karbitz einen solchen Massenbesuch einer Veranstaltung nicht zu verzeichnen. Die unter dem Vorsitz der Genossen I e n t s ch, F e i st a u e r und Hersina tagende Massenversammlung nahm die aufschlußreichen Ausführungen des Referenten über seine Erlebnisse und Eindrücke an den spanischen Fronten mit größter Spannung, ehrlicher Begeisterung und stürmischem Beifall entgegen. Wegen deS Verbrechens der Vergewaltigung verfolgt...! Dieser Tage wurden von Polizeiorganen Franz Schamal und Wenzel Schestäk beim Betteln von Haus zu Haus angehalten. Beide sind gesucht von der staatlichen Polizeibehörde in Tetschen wegen des Verbrechens der Vergewaltigung einer Jugendlichen aus Obergrund. Schamal wird außerdem vom Bezirksgerichte in Tetschen gesucht. Beide Verhafteten leugneten.die Tat und gaben an, daß die Jugendliche freiwillig mit ihnen und noch einem dritten, Helmut Cisat,„das Verbrechen" begangen hat. Eisai befindet sich schon längere Zeit in Haft. Die beiden Verhafteten gaben an, daß sie am inkriminierten Tage in Bodenbach einen Wohnungsein- bruchSdiebstahl verübt haben. Sie entwendeten dabei eine Kassette mit mehreren gläsernen Halsbändern(Gablonzer Ware), eine Brosche, einen Ring und eine abgetragene Damcntasche mit 60 Ke. Außerdem gestanden sie, daß sie Anfang Feber dieses Jahres au» einer Villa in Bodenbach einen langen Herrenmantel und eine lederne Damenjacke entwendete». In einem Dorfe bei Bergreichcnstein im Böhmcrwalde entwendeten sie Va Kg. Butter, in Kladrub, ebenfalls im Böhmerwald, auS einem Gasthause, nachdem sie dort übernachtet hatten, eine Pferdedecke und in einem Dorfe bei Böhmisch-Knimau zirka 2 Kg. Selchfleisch. Anderswo wieder zirka 2 Kg. Fett. Bei Ex-Fnnktionäre der SdP. Der BezirkSstan» desvertretcr für Handel uNd Gewerbe für den Bezirk I e ch n i tz ist aus der SdP ausgetreten, ein Mann, der in vielen Versammlungen der SdP als Redner und Gewerberetter äufgetreten ist. Sein Kollege, der BezirkS-ArbeiterktatideSvtr« treter, tvurde gleichfalls aus der SdP au»ge« schloffen, Der StandeSvertretec erklärt,- daß er zur Ucberzeugung gekommen sei, daß er sich dies- Partei ganz anders vorgestellt habe; die Armen braucht man nur als Werkzeug, im übrigen wird Briet an den Zeitsniegel G. P.-Aussig(er gibt seinen vollen Namen und seine Adresse an), schreibt uns folgende Zeilen, auf deren Veröffentlichung er als Parteiloser Wert legt:„Nur die$o- zialdemokratie kann die sittlichen Kräfte mobilisieren und damit die Völker-Verständigung innen- und außenpolitisch bringenI“ Gewiß ist' dieser Brief eines Parteilosen nur ein ganz kleines Zeichen, aber unseres Erachtens dennoch eines, das mit zu den Manifestationen des Stimmungs- und Meinungs- Umschwungs im sudetendeutschen Gebiet gehört. dem Butterdiebstahl wurden sic von dem geschädigten Bauern mit einem Hunde verfolgt, cs gelang ihnen aber trotzdem, zu entkommen. In den Flammen umgekomme». In der Nacht zum Dienstag brach in dem Orte Dreihäu- ser bei Mallesgrün im Elbogcner Bezirk ein Feuer aus. Ein Ehepaar, daS in dem brennenden Hause zur Miete gewohnt und in den Räumen noch einige Sachen hatte, drang nochuialr i» die Wohnung ein, um sein Besitztum zu retten. Wegen des starken Rauches mußte» die Leute aber weichen. Der Mann stieg zum Fenster hinaus und auf einer Leiter ins Freie. Unten angekommen, merkte er, daß seine Frail ihm nicht folgte. Der Sohn der Familie versuchte nochmals einzndringen und die Frau zu retten, es war aber nicht mehr inüglich, sic zu befreien. Sie starb als Opfer der Flammen. Deutsche StaatSgewerbeschule für Textilindustrie in Asch. Die anhaltende Besserung und Belebung in fast allen Zweigen der Industrie macht e» verständlich, daß die schulentwachsene Jugend zu ihrer Fortbildung jene fachlichen Schulen bevorzugt, die ihr den Uebertritt ins praktische Berufs- und Erwerbeleben erleichtern. Zu ihnen gehört auch die Deutsche StaarSgcwerbeschule für Textilindustrie in Asch, deren Lehrpläne und Lehrwerkstätten eben einer vie'.« versprtchenden Umgestaltung und Erneuerung unter, zogen werden. Neben verschiedenen Abteilungen von nur örtlicher Bedeutung besitzt die Anstalt eine vierjährigehöhereSchulefürTextil- i n d u st r i e, die Knaben und Mädchen nach erfolgreichem Besuche der 3. Klaffe einer Mittel- oder Bürgerschule die Möglichkeit bietet, sich textiltechnisch, kaufmännisch, zeichnerisch und sprachlich für die praktische Betätigung in den verschiedensten Zweigen der Textilindustrie, im Texlilhandel und in der Konfektion auszubilden, aber auch vielerlei andere Lebensstellungen