Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit««.nahm- de« Mont«,»«ttch früh Redaktion und Verwaltung: Prag XU., Fochova 62— Telephon 53077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: KarlKern,Prag 17. Jahrgang Frettag, 16. April 1937 Slnztlprel, 78(elnschließl. 5 Heller Porta) Aus dem Inhalt: Aktivistische Jugendkundgebung in Prag Das Bürgerliche(Gesetzbuch im Parlament Hungerstreik untertags Die Lohnbewegung im Gebiet Trautenau-Hohenelbe Ford und die Gewerkschaften Nr. 90 Fabriken Brüssel meldet Mißerfolg Schachts Brüssel.(HavaS.) An informierten belgischen Stellen herrschte der Eindruck vor, dass die Besprechungen, die Dr. Schacht in Brüssel hatte-, vor allem informativem Charakter hatten. Der Vorschlag grober deutscher Rohstoffeinkäufe von Belgien scheint in der Frage ihrer Bezahlung auf Schwierigkeiten gestoben zu sein. Einerseits ist es nämlich für Belgien schwer, Deutschland langfristige Kxedite zu bewilligen, andererseits kann Belgien nicht deutsche Jndustrieprodukte in grohen Mengen kaufen. Es scheint demnach, datz die Brüsseler Reise Schachts in praktischer Hinsicht keinen großen Erfolg hatte und daß sie sich namentlich äuf die Präzisierung-des Standpunktes der deutschen Regierung sn Angelegenheit der Erneuerung der internationalen Handelsbeziehungen und des Güteraustausches beschränkt hat.> *- Brüssel. Der Präsident der ReichSbänk, Dr. Schacht, hat Donnerstag vormittags im Flugzeug die'Rückreise nach Berlin angetreten. Die Terrorgruppen der SdP an der Arbeit SdP-Abaeordneter Rösler als Führer einer Terroristenkolonne Die Abgeordnete Klrpal verletzt Warnsdorf.(Eigenbericht.) In Nieder, gründ sollte Donnerstag abends die Abgeordnete Kirpal über dir deutsch-tschechische Berstündigung sprechen. Schon im Laufe des TageS wurde eS bekannt, datz die Sudetrndeutsche Partei etwas plant. Der Abgeordnete R b S l r r, der vor kur- »er Zelt in Daubitz eine Versammlung des Abge- ordneten Köglrr unmöglich machen wollte, war mit einer Gruppe Uniformierter gekommen und gab seine Weisungen. AlS er den Saal betrat, empfinge» ihn di« Henleinleüte mit Heil-Rufen. RoSler setzt« stch in di««rst« R«ihe vor d«r Redner- tribünr. AlS die Abgeordnete Kirpal den Saal betrat, wurde sse von den Arbeitern mit„Freund» schafts"»Rufen empfangen. Hier schon begannen die Henleinlrute zu stbren. AlS dir Arbritrr dir „Jnternatimalr- anstimmtrn, wollten sse eine» ihrer Liede» ssngen. Der Sturm hatte stch dann ein wenig gelegt und der BrzirksvertrauenSmann von Warnsdorf, Eger, wollte di, Versammlung erSffnrn, als der SdP-Abgeordnete RSSler mit der ganzen Kraft feiner Stimme«in Schimpfwort in den Saal rief. In diesem Augenblick flogen auch schon die ersten Gläser und Flaschen auf die Rednertribüne. Röbler gab den Auftakt zu den Gewalttätigkeiten, indem er«inen Stuhl ergriff «nd auf einen der Versammlungsteilnehmer, Ritter, damit einfchlagen wollte. Diese Lumperei bekam aber ihm mid feinen Leuten schlecht. In weniger al» fünf Minute» war die ganze Bande regelrecht au» dem Saal hinauögeprügelt. Ans der Stratze hatte noch die Gendarmerie zu tun, um die Henleinleutr, die auS den umliegenden Orten ihren Anhang nach Riedergrund bringen wollten, heiniznschicken. Durch«inen der ersten Würfe wurde die Abgeordnete Kirpal durch einen GlaSsplitter in» Auge getroffen. Sir wurde zuerst von einem Arbeitersamariter behandelt, welcher den GlaS- splitter ans dem Ange entfernte und dann in da» Warnsdorfer Krankenhaus gebracht. Man hofft, daß ihre Verletzung nicht gefährlich ist. In dem schriftlichen Bericht de» gelegentlichen Korrespondenten de» Tschechoslowakischen Prehbüro» in Spanien wird gemeldet:» Der Gouverneur der Provinz Almeria, Gabriel M o r o n veröffentlicht Einzelheiten über den Fall von Malaga und den militärischen Verrat, den sich der Kommandant diese» Frontabschnittes Oberst Villalba zuschulden kommen lietz. Moron behauptet, daß Malaga in die Hände der Aufständischen nur infolge diese» Verrate» gelangt sei und dab die Stadt infolge der unvernünftigen Haltung der antifaschistischen Organisationen verlassen blieb. Gouverneur Moron erklärt weiter, bah sich in den Händen der Regierung genaue Daten befinden, die den Verrat de» Obersten Villalba beweisen. Oberst Villalba, der auf Grund der Anzeige de» Gouverneur» Moron verhaftet worden war, habe die Stadt Sonntag um 18 Uhr, also in einer Zeit, verlassen, als stch die Angreifer«och nicht einmal an der Peripherie der Stadt Malaga befanden. Oberst Villalba habe gleichzeitig angeordnet, die Stadt zu räumen. Der damalige Unterstaatssekretär deS Kriegsministeriums General Asensto habe Vil» laba befohlen, seine Funktion sofort wiederum auSzuüben und di« Verteidigung der Stadt anzuordnen. Billaba aber blieb bei seiner Behauptung, daß die Stadt Malaga schon verloren sei Gouverneur Moron, der feststellen wollt«, was daran wahres sei, rief Malaga telephonisch an, erhielt jedoch weder vom Palais des Gouverneurs, noch vom Militärkommando eine Antwort. Erst von der Marinedelegation antwortete ihm Samnartin, dem.Gouverneur Moron fein tapfere» Verhalten hoch anrechnet. Nach dem Fall Malaga» habe Villalba er- klärt, dah Sanmartin und de Mora Verräter feien, habe sie«inkerkern lassen und sogar nach ihrem Leben getrachtet. Ein anderer Beweis, dah Oberst Villalba sich de» Verrates schuldig gemacht habe sei ein aufgefangenes Radiogramm, da» ein deutsches Kriegsschiff ausgesandt habe, welches in den Gewässern um Malaga weilte. Dieses Radiogramm habe-an den Kommandanten der- Ausständischen Instruktionen enthalten, Ma« begehen. In allen Geschäften und wurde normal gearbeitet. Auch bei Madrid dringen die Regierungstruppen vor In einem Bericht des Verteidigungsausschusses der Hauptstadt heitzt es: Alle Gegenangriffe der Aufständischen, welche auf die Räumung der Universitätsstadt durch die Regierungstruppen abzielten, wurden abgeschlagen. An der Guadalajara-Front gingen die RegierungStrup- pen in der Richtung auf Almadrones um einige Kilometer vor. Deserteure auS dem Franco-Lager haben die schon vorliegenden Informationen über die Demoralisierung bei den Aufständischen bestätigt. Im Sektor Escurial sind die Regierungstruppe» acht Kilometer in der Richtung auf Las Navas vorgerückt. An der asturischen Front richtet sich die Aktivität der Regierungs-Artillerie gegen die Positionen der Aufständischen bei EScamplcro Trecha. Die Zahl der Uebcrläuscr aus dem Lager der Aufständischen nimmt täglich zu. kleue Debatte über die Freiwilligen London. Der Vorsitzende deS Unterausschusses d«S Nichteinmischungsausschusses für die Freiwilligrnfrage hat sich an die Delegierten mit der Aufforderung gewandt, durch ihren guten Willen zur Lösung der offenen Probleme bei,«» tragen. Der italienische Vertreter erklärt« in feiner Antwort, datz er bereit sei, di« Diskussion über die Zurückziehung ausländischer Freiwilliger wieder aufzunehmen, wenn die übrigen Delegier- ten daS gleiche täte«. laga«rst am Montag früh zu besetzen, damit die Bevölkerung Zeit gewinne, die Stadt noch während deS Sonntags zu verlassen. Die Aufständischen hätten" sich tatsächlich nach den erhaltenen Instruktionen gerichtet. Gouverneur Moron habe sich sodann der Verteidigung Almerias gewidmet, die Flüchtlinge beschützt und energisch Ordnung geschaffen. Moron habe mit Hilfe von 60 Gendarmen und einer Gruppe von 20 bewaffneten Mitgliedern der Bereinigung der sozialistischen Jugend' eine Gruppe von Plünderern entwaffnet, die di« Provinz unsicher machten. Diese Säuberungsaktion habe Moron in einem sehr raschen Tempo durchgeführt. Als die Ordnung hergestellt war, reorganisiert« er die zerstreuten Reste der Gendarmen, der Polizei und Milizsoldaten und versucht«, den weiteren Vormarsch der Aufständischen aufzuhalten, welche sich aber während der Zeit bereits MotrillaS bemächtigt hatten., Der weitere Vormarsch der Aufständischen sei dann durch daS Eingreifen der Regimenter„Octubve" und„Lina Odena" aufgehalten, worden, Eden verteidigt die Kapitulationspolitik MIMrauensantrag der Labour Party abgelehnt London.(Reuter.) In der vom Unterhaus fortgesetzten Debatte über den Miß« trauenSantrag gegen die Regierung erklärte daS Mitglied der Labourpartei, Noel Baker, dah gegen die Basken auch eins Anzahl deutscher Abteilungen kämpfen. Baker zeigte dann Photographien deutscher Truppen vor, die einem vor wenigen Tagen verhafteten deutschen Soldaten abgenommen worden waren. Der Liberale Sinclair richtete hierauf an Eden die Frage, ob die britischen Handelsschiffe des Schutzes der Kriegsschiffe sicher sein können, auch dann, wenp sie die Warnungen nicht befolgen und auf offener See, jenseits der Dreimeilenzone der territorialen Gewässer überfallen werden sollten. Eden antwortete sehr entschieden:. „Ja? wir hoffen, datz dir Schiff« gehorchen werde». Wenn sse aber auf offener Ser überfallen werden sollten, haben sse da» Recht auf Schutz. Unter den gegebenen Umstünden können wir unseren Schiffen die Sicherheit in den trrri- torialen Gewässern um Bilbao nicht garantieren." Eden erinnerte an den Appell Churchills, dah die, fünf Großmächte den beiden kriegführenden Parteien Vorschlägen sollten, ihren Konflikt in Etappen zu beenden und erklärte:„Wenn Großbritannien in irgend einer Weise in der Lage wäre, zur Beendigung des Konfliktes in-Spanien beizutragen, würde es dies hereitwillig und-mit größter Freude tun.", Da» Unterhaus hat hierauf den von der Labourpartei eingrtrachten Antrag auf Erteilung eines Mißtrauensvotums für. dir Regierung mit 34h gegen 180 Stimmen abgelehnt..> Vormarsch an der Südfront Erfolge auch bei Madrid z Wiederaufrollung der Frelwllllgenfrage? Kontrolle ab 19. April In Kraft Valencia. An der Süd-Front fetzen die Re gierungstruppen ihren Vormarsch fort. Die Zi vilgarde hatte ihre Stellung bei El Lugar unweit der belagerten Kirche Birgen Cabeza verlassen, wobei die Aufständischen viel Kriegsmaterial zu- rückließen. Die Besetzung von El Lugar durch die Regierungstruppen macht die Belieferung der Belagerten mit Hilfe von Flugzeugen der Auf ständischen unmöglich. Es scheint, daß es bald zur Kapitulation kommen wird. Der HavaSkorrespondent meldet, daß Regie rungsabteilungen bis auf«inen Kilometer an Penaroya und Fuente Dejuna herangekommen find und ihre Stellungen befestigt haben. Nach heftiger Artillerievorbereitung griffen die Regie rungstruppen die Aufständischen auf dem Berge Cabeza Nefada an, der in der Sierra Alcornosa gelegen ist. Sie haben die feindlichen' Linien durchbrochen, die den Weg nach Perranoya ver legten. Di« italienischen Bataillon« wurden in die Flucht geschlagen und ließen mehrere hundert Tote zurück. Sie versuchten stch neu zu formie ren, wurden aber durch das heftige Feuer der republikanischen Artillerie daran verhindert, Madrid wieder beschossen Madrid. Zum viertenmal seit Sonntag sind Ariilleriegeschoffe in den Straßen des Zentrum Madrids eingesallen und es wurden insbesondere die Promenade Castellana und die anliegenden Straßen betroffen. Man glaubt, daß. auch, einige Personen getötet wurden.. Mittwoch feierte Madrid ruhig und ohne jede Manifestation den Jahrestag der Ausrufung der zweiten Republik. Die Arbeiter beschlossen nämlich, den Tag durch Arbeit für di« Arme« zu Streik um Brot und Menschlichkeit Von Abgeordneten Franz Krejti Der Streik der Arbeiter der Firma Etrich in Jungbuch bei Trautenau hat in derOcffcnt- lichkeit ein so großes Interesse hcrvorgcruse» und in Ivcitcn Kreisen der Arbeiter und des Bürgertums über seine Berechtigung und seine Ursachen eine so leidenschaftliche Diskussion hervorgerufen, daß es notivendig ist, mit Rücksicht auf die Erklärungen der Firma Etrich, die Tatsachen, die für die Erbitterung der Arbeiter entscheidend waren und die unmittelbaren Ursachen, die zmn Abwohrkampfe führten, aus dem Wust der Gerüchte und Behauptungen von hüben und drüben, in den Mittelpunkt einer ernsten Betrachtung zu riicken, zumal die im ersten Schreck auf Seite der Streikenden gestandenen SdP-Lcute nunmehr nicht mehr recht wisse», welche Haltung sie einnehmen sollen. Nach all den bombastischen Erklärungen fiir die Berechtigung des Streikes geben die lokalen Blätter der SdP nunmehr auch großaufgemacht die Firmaerklärung tvieder, und verteidigen damit den völlig unhaltbaren Standpunkt der Unternehmer und ihrer Sekretäre, die zugleich der SdP angehöron. In der Erklärung der Firma Etrich wird als ausschließliche Frage des Streikes die Frage der Löhne behandelt mrd so wichtig sie auch ist, so darf man sie und die damit verbundene Argumentation keinesfalls allein gelte» lassen, denn sie stellt nur eine Teilursache des Streikes dar, entscheidend fiir die plötzliche Arbeitsniederlegung waren nebst ihr noch eine ganze Reihe von Fragens die wir hier behandeln wollen. Dor Lohn ist für den Arbeiter eine Lebensfrage und deshalb muß in diesem Zusammenhalte betont tverden, daß die Behauptung der Firma, als ob die Oeffcntlichkeit über die Bezahlung der Etrich-Arbciter falsch inforniiert würde, richtiggesteilt werden muß. Mag sein, daß bei gewissen statistischen Methoden herausgerechnet werden kan», daß dec Durchschnittslohn höher ist als er hier und wie er anderswo angegeben wurde. Aber dabei muß man wissen, daß der Unternehmer in die gesamte Lohnsumme natürlicherweise auch die Löhne der hoch- und höchstqualifizierten Arbeiter, wie Weber, Vorrichter, Mechaniker, Vorarbeiter ustv. nimmt, die logi- schcrwcise mehr verdienen als ctlva 120 und 180 Kronen bei voller Arbeitszeit. Aber daß man erst bei einer Durchschnittsberechnung aus einen Wv- chcnlohn von 184 bziv, 129 Kronen brutto kommt, zeigt mehr als cö andere Beispiele könnten, daß«in diesem Betriebe wirklich Elendslähne bezahlt werde». Entscheidend ist die Tatsache, daß die meisten der Frauen und auch der Männer eben unter den angegebenen Löhnen bleiben und diese Tatsache kann auch die ausgeklügelste Berechnung der Firma nicht aus der Welt schaffen. Wir denken an die Frauen und Männer, die mit ihrem Lohn eine Familie zu versorgen haben und die trotz aller Schinderei und schwerer gesundheitlicher Gefahren nicht soviel verdienen, wie füglich in der Zeit der Konjunktur und bei den Gewinnen der Firma möglich wäre. Aber es ist und bleibt bei allen Erklärungen der Firma eine unumstößliche Wahrheit, daß über 7 0 und im besten Falle über 100 Kronen hinaus nicht ; viele verdienen. Aber wenn es nur der Lohn gewesen wäre \ und nichts anderes, hätten die Arbeiter und Ar- ' beiterinnen die nahenden Lohnverhandlungen ab- , gewartet. Aber es war nicht der Lohn allein, der ' sie zur Verzweiflung trieb, sondern dieRecht- lo s i g k e i t, der sie in den Fahren der Wirl- ! schaftskrise anheimgefallen sind und vor allem die Mißachtung aller menschlichen ' Gesetze, die sie nicht mehr ertrugen. Wenn die Firma behauptet, die Rationalisierung hätte zu keinen Entlassungeü geführt, su J ist das Augenauswischerei, weil doch allgemein ' bekannt ist, daß, wenn schon keine direkten Entlassungen vorgenommen wurden, so doch Kurzarbeit eingetreten ist, die-jahrelang anhielt und ' die nicht zuletzt auf die Rationalisierung im Betriebe zurückzuführen war. Noch mehr ist bekannt, daß infolge der Rationalisierung in den Zeiten besserer Beschäftigung kein« Arbeiter ein- , gestellt wurden, weil durch di« Rationalisierung I ohne Vermehrung der AÄeitskräfte höhere Leistungen erzielt wurden. So mußten die Arbeiter« »Och Malaga— durch Verrat gefallen Seite 2 Freitag, 16. April 1037 Nr. 00 die vor den Tore» der Fabrik standen und'sehnsüchtig auf Arbeit und Brot warteten, sehen, da« wohl mehr erzeugt, datz aber immer tu e n i g e r Arbeiter beschäftigt wurde n. Wie diese Tatsache auf die Menschen wirkte, die all dem ohnmächtig gegen- iiberftanden, kann nur ermessen, wer mit ihnen in den Jahren des groben Notstandes zusammen- gekommen ist.. Eine einzige Tatsache würde hier genügen, um den hartherzigen Unternehmerstagdpunlt aufzuzeigen; die Verfolgung der weiblichen Arbeitskräfte dutchVor- g e s e tz t e. Welch ein Zustand im Jahre 1037, datz immer noch so, wie es im Aupatale In den achtziger und neunziger Jahren der Fall Ivar, die Arbeiterin neben ihrer Arbeitskraft auch ihre» Körper für einen erbärtnlichen Lohn preisgeben mutzte. Und war etwa der Zustand im Betriebe Etrich nicht so,-atz junge Mädchen und schöne— ach bei der Ausbeutung sind es nur wenige— Frauen von gellen Angestellten verfolgt und schikaniert wurden, wenn sie den widerlichen Anträgen nicht Folge leistete»? War es nicht so, datz ihnen diese Anträge bei der Maschine und auf dem Wege von und zur Fabrik gemacht wurden, ohne datz die Möglichkeit bestand, sich dieser unmenschlichen Erniedrigung zu erwehren? Blieb da denn ein anderes Mittel als einmal vor aller Oesfentlichkeit auszuschreien, weil hier aus der Not und der Qual noch Lust erpretzt wurde? Oder denken wir doch einmal an die entsetzlichen hygienischen Einrichtungen der Fabrik: Aborte, die jahrelang nicht geweitzt werden, die voll geschuiiert sind mit Hakenkreuzen und Beschimpfungen der bravsten Arbeiter und Vertrauensleute im Betriebe. Die Firma aber tat nichts, damit die unschuldig beschimpften Menschen geschützt werden, sondern lietz trotz aller Forderungen diese Schtvei- nereien bestehen, ebenso wie den Schmutz auf den Sitzbrettern der Klosetts. Im Jahre 1037 bleibt bei einer in aller Welt bekannten Jutefirma das Abortsystem aüs den siebziger Jahren bestehen und bedroht die Gesundheit der Arbeiter. Der Gestank der Klosetts, die ohne Wasserspülung direkt in die Säle eingebaut And und nicht einmal durch eine Verschalung abgetrennt wurden, verbreitet sich über die Arbeitsräume und wird für die Frauen und Männer, die in unmittelbarer Nähe ihre Maschinen haben, zur fürchterlichen Qual. Aber noch schlinuuer und noch aufpeitschender wirkt der Ton, in dem man zu den Menschen im Betriebe spricht. Dieser Hohn, wenn sich eine Arbeiterin krank meldet, tuen» sie sich beklagt I Immer wird das Geschlechtsleben als Ursache der Erkrankungen hingestellt. Man denke doch, die Frauen und Mädchen arbeiten nicht nur mit den Händen und müssen schwere Lasten heben, sondern sie arbeiten auch mit den Füßen und bei einzelnen Maschinen auch mit dem Bauch. Und wenn sie klagen, trifft sie bitterer, niedriger Hohn, der nicht der Lust an Qual, sondern einem System der Antreiberei entspringt, die nicht mehr übertroffen lverden kann. Man denke doch; eine Spinnerin bei einer modernen Spinnmaschine muß bei einer Schicht d r e i z e h n m a I a ch t- zigSpulenzu je drei Kilo aus- wechseln, das aber ist nur eine Arbeitsleistung unter so viele», denn die Hauptarbeit für die Spinnerin ist die Kontrolle über das Gespinst und daS Fädenanmachen, das nicht nur viel Geschicklichkeit, sondern auch Schnelligkeit und Kraft erfordert. Sie mutz den rasenden Flü gel gilt der Hand aushalten und ihre Hände werden von einer Hornkrüste überzogen, die einen erschauern lätzt, wenn man sie sieht. So könnte ich spaltenlang weiter erzählen. Aus jedem Satz, den ich ansügeü würde, erwüchse eine neue Anklage gege» die Firma und ihr System der Behandlung der Arbeiter. Ich habe nur das Wort genommen, um.nachzuweisen, datz die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht aus Freüde am Streik, nicht m>s Hatz gegen die FabrikSleitung, sondern von Not und Sorge, von übergroßer Erniedrigung zur Verzweiflung getrieben, die'Mä- schinen stillstehen liehen, um die Oesfentlichkeit, nm die Staatzstellen zu Hilfe zu rufen, um in i t ihrer Gewerkschaft den Versuch zu unternehmen Unrecht und Qual a b z u w e h r e n. Man hat sie nicht gehört im Betriebe, deshalb gingen sie geschlossen in die Oesfentlichkeit, die sie gehört und auch v e r'st a n d e n hat. Da ist kein Bauer und kein Handiverker, kein Händler und kein Angestellter,.vor allem aber kein. Arbeiter, der sie nicht verstehen würde und. nicht bereit Wäre,, ihnen zu helfen. Die. Bevölkerung, steht hinter den Etrich-ArbeiternI Daran ist nicht zu zweifeln..',' Weil» deshalb die Firma Ettich sagt, der Streik wäre längst beendigt, wenn sich nicht politische'Parteien in den Konflikt eingeschaltet hätten, so antworten wir mit der Feststellung, datz nicht Parteien, sondern datz sich die ganze Bevölkerung in den Kampf. um mehr Brot und vor allen, mehr Menschlichkeit eingeschaltet hat, und wenn die Firma ihr Ansehen retten und in der öffentlichen Meinung bestehen will, dann mache sie Schluß mit dem Konflikt, indem sie die nur zu gerechten und auch erträglichen Forderungen der Arbeiterschaft erfüllt. Sie wird'.sich und den Arbeitern' damit dienen. Katctiiuer Stadt Vertretung auf sel&t Das Landesamt In Pretzburg hat die Stadt« Vertretung von Kascha» aufgelöst, wodurch die Tätigkeit des Bürgermeisters, seiner Stellvertre- ter, der Vertretung selbst und. der Kommissionen aufhört. Mit der Leitung der' Stadwerwaltung wurde als RegierungSkoMntisfär der Oberkom- missär der politischen Verwaltung in Kaschau M i t s ch l e betraut. Die Neuwahlen wurde» auf den 3. Mai festgesetzt. Damit ist der Kampf um den Kaschauer Bürgermeister in eine neue. Phase getreten. Kascha» Ist die geätzte Stadt in der Republik, welche .eine» Bürgermeister aus den Reihen der tschechischen Gewerbepartei hatte. Bor längerer Zeit bereits, brach zwischen diesem, Maxon, und Minister N a j m a n ein Konflikt aus, der im- nier gröbere Kreise zog und zur Spaltung der Gewerbepartei im Kaschauer Gckbiet führte. Verbotene Zeitschriften. Das Jnneiuniniste- rium hat eine Reihe von Zeitschriften, die in Deutschland und in zivei Fällen in Oesterreich erscheinen, im ganzen Gebiet des Staates bis zu», 1. April 1080 verboten. Darunter befinden sich die Münchener„Jugend", der»Vorposten". (Wien), der„FridericuS"(Berlin),»Odal, Monatsschrift für Blut und Boden"(Berlin) und einige ander« Pcesseerzeugnisse, deren Geist schon auS ihrem Namen hervorgeht. ständigkeit der Wirtschaftslebens im alten Ungarn und damit auch in der Slowakei und Karpacho» rußland war in hohem Maße die Folge dieser ungenügenden Rechtssicherheit. Auch im Erbrecht wurde das ABGD als Grundlage genommen, dar sich manchmal sehr stark vom slowakischen Recht unterscheidet. Diese Frage wird Gegenstand sorgfältiger Erwägungen de» Parlaments sein müssen. Da» Erbrecht, die Regelung der VermägenSvcrhältnisse zwischen Mann und Weib und die Frage der Bersoogung des zuriickbleibende» Eheteil», berührt empfindlich'da» Leben, namentlich der Landbevölkerung. Der Gesetzgeber darf hier nur mit äußerster Vorsicht eingreifen. Der Artikel 5 der EinführungSbestimmungen denkt daran für die Slowakei eine Regelung auf der Grundlage der bisherigen Gewohnheitsrechte» zu treffen, die für eine bestimmte liebergangSzeit Geltung haben soll. Nach deren Ablauf soll auch auf diesem Gebiete eine völlige Unifizierung eintreten. Die beantragte endgültlae Lösung macht hinsichtlich des gemeinsam erworbenen Eigentum» von Eheleuten dem flowakischen Recht wichtige Konzessionen. Der vorliegende Entwurf enthält bi» auf gewisse Ausnahme« keine Regelung des Familienrechte», au» dem nur die Vorschriften bezüglich de» Ber. mügenSrechte» kodifiziert werden. Richt kodifiziert wird der personelle Teil de» Familienrechte». Darin liegt gewlh eine Lücke und die Regierung wird ssch bemühen, sobald e» nur die Verhältnisse erlauben, der Nationalversammlung auch eine völlige Kodifizierung de» FaniilimrechteS vorzu- ltgen. Die Lösung dieser Fragen erfordert iedoch Ruhe, die in den heutigen schwierigen Zeiten nicht möglich Ist. In den böhmischen Ländern bltibt diesbezüglich da» ABGB mit den seither dnrchgefiihrten Aende» rungen in Geltung, dasselbe gilt hinlichtlich der Slowakei für da» dort geltende Recht. Auch in anderen Staatin ist es schon vorgelommen, daß eine Kodifizierung nicht vollständig war. Der Minister gedachte aller jener, welche u» hervorragender Wesse an der Ausarbeitung der Vorlage mitarbeiteten, sie ist ein Werk der Zusammenarbeit unserer Hervorraaenden Theoretiker und Praktiker des Rechte» und zwar ohne Unterschied der Nationalität. Er dankt seinen Vorgängern,, den Ministern Dr. Dolanskh, Dr. Mayr-Harting"und Das Bürgerliche Gesetzbuch vorgelegt Das sröflte gesetzgeberische Werk der Republik Prag. Donnerstag hatte daS Abgeordnetenhaus einen geschichtlichen Tag. Die Barlage, die bestimmt ist, das alte Bürgerliche Gesetzbuch zu ersetzen- da» vor mehr als 125 Jahren geschaffen wurde, dessen juristisches Niveau aber auch heute noch von allen Fachmännern anerkannt wird, lonrde vom Justizmknister mit einem ausführlichen Erposk eingeleitet, in dem er auf die Entstehungsgeschichte der neuen Vorlage, auf ihre Grundlage» und aus die unendlich viele Arbeit, die darin steckt, einging, um dann auch die Mängel, die dem Werk schon rein äußerlich dadurch anhaften, daß eine ganze Partie, daS Familienrecht, fehlt, offen darzulegen. Zum erstenmal wurden die Bestimmungen über die sogenannte vorläufige Debatte ange- wendel, die von einem Mitglied der Regierung eröffnet worden mutz und in der dann von jeder Fraktion nur je ein Redner zu Worte gelange» kann, bevor die Vorlage den normalen Weg in de» Ausschuß und in Subkomitk» geht. Die Aussprache geht Freitag weiter und dürfte erst in der nächsten Woche abgeschlossen werden. Dr. Dtrers Expost Der Minister betonte die große Wichtigkeit der Vorlage vom Standpunkt de» Staate» und seiner Bevölkerung. Die Interessen jode» Bürgers find in seinen wichtigsten Beziehungen zum Leben aur- nahmSlor mit der Regelung des Privatrechtes verknüpft. In einer guten Regelung des Zivilrechte» liegt die beste Sicherung eines geordneten staatlichen und nationalen Lebens. Die Notwendigkeit der Kodifizierung des Zivilrechtes anerkannten in der Neuzeit alle Regime. Oesterreich hat zur Zeit Maria Theresia» und Josef II. dar josefinische Gesetzbuch vorbereitet und später da» Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch vom 1. Juni 1811. ES war nur natürlich, daß da» tschechoslowakische Volk nach dem llinsturz daran ging, dar materielle Zivilrecht durch ein einheitliche» auf dem ganzen Gebiet der Republik gültiges bürgerliche» Gesetzbuch zu regeln- Rur tri einem einheitlichen Recht wird die gleichberechtigte Entwicklung aller Staatkbürger ohne Nnterschied der Ration gut gesichert sein nnd mir dieke Einheit und Rechtsgleichheit auch I» den Beziehungen de» Privatleben» wird die verschiedenen Rationen unsere» Staates am stärksten dauernd aneinanderbinde« können- Die Aufgabe, vor die unsere Juristen gestillt waren, war dringend, aber nicht minder schwierig und groß. Alle, die an dem Werk mitarbeiteten, waren sich ihrer großen Verantwortung bewußt und bemüht, eine gründliche Arbeit auf viele Jahrzehnte nnd vielleicht Jahrhunderte hinaus zu schaffen. Da». Justizministerium befaßte sich gleich nach dem Umsturz mit dem Plan. daS österreichische Bürgerliche Gesetzbnrch lediglich in die Staatssprache zu übersetzen und in dieser Form für da» ganze Gebiet der Republik in Kraft zu letzen; von diesem Plan kam man jedoch ab und wählte den Weg der Revision der Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches. Diese ist eine Revision vielleicht nur hinsichtlich Böhmen» und Mähren-Schlesien». Hinsichtlich der Slowakei und Karpathvrutzlandl bedeutet sie eine völlig neue Kodisizierimg. ES tauchte damals die Frage mif, ob es nicht richtiger wäre, ein völlig neue» Gesetz zu schafien und so die Grundlage de» Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch«» zu verlassen. Unser Staat konnte sich jedoch bei der Kodifizieruirg de» Privatrechtc» nicht grundsätzlich von dem abwenden, wa» für alle anderen zivilisierten Völker Europa» galt. Die Entwicklung hat gezeigt, daß diese Entscheidung richtig war. Der neue Entwurf stützt sich nur hinsichtlich de» Systems und der Aufteilung des Stofie» auf das ABAB. Rur da» System und die Form sind alt, dagegen ist der materielle Inhalt ein derartiger, al» ob auch formal ein völlig neues Gesetz vorliegen würde- E» handelt sich nicht mir eine Kopie oder um eine oberflächliche Revision, sondern um eine moderne, den neuen Verhältnissen entsprechende Regelung. Ohne Vorbild ist heut« aber keine Kodifizievung mög. lich. Als Vorbild wurde da» österreichilche ABAB genommen, da» schon seit mehr al» hundert Jahren gültiges Recht in Böhmen und Mähren ist und auf dessen Grundlage sich da» wirtschaftliche und kulturelle Leben de» tschechischen Volkes entfaltet hat. .Die Vorwürfe, daß bei der Unifizierung auf die Slowakei nicht genügend Rücksicht genommen wurde und auf daS dort geltende ungarische Recht, und datz man besser getan hätte, daS ungarische Recht al» Grundlage zu nehmen, teilt der Minister nicht, Auch in Ungarn galt eine Zeltlang dar ABGB und die Grundbücher in der Slowakei sind heute noch auf da» ABGB fundiert. ES war ein großer Fehler, daß nach dem Fall de» österreichischen Absolutismus da» ehemalige Ungarn au» reinen Prestigegründen die Gültigkeit des AVGB aufhob. Die größere Rück- JUN GES WEIB d VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT Um zivölf Uhr wurde die Hirschenwirtin Müde, sie schlurfte noch ein paarmal durch den Raum, schob da und dort etlvas zurecht, schenkte sich noch einen Schnaps ein, trank ihn, machte eine hämische Bemerkung über ihre Tochter, die wahrscheinlich vorhabc, die ganze Nacht in der Gaststube zu wachen, damit ihr dieser seine Herr da oben nicht noch durch die Finger gehe, und verschwand endlich brummend und schimpfend durch die Hintere Tür. Doch auch nach Mitternacht verstiunmten nur die Schritte des Fremden, seine Unruhe blieb wach/ und. seine Quak erstreckte sich bis in den Morgen hinein. Längst war Rosa über den Tisch hingesunkcn und über ihrem Buche eingeschlafen, als er noch immer mit dem Schicksal haderte und mit dem eigenen Gewissen zu Olate ging. In Kleidern hatte er sich auf das Bett geworfen, ein Kissen hatte er sich aufs Gesicht ge« preßt, doch ob er dies auch tat und ob er.auch die Augen schloß, die Bilder und die alten Worte, das alt« Leben, das sich nicht vergessen lietz, das Leben vor der Katastrophe, das Leben, da er noch nicht ahnte, datz cs einen Menschen geben könne namens Dr. Fleith... das alles war in dieser Nacht und lieh ihn zusammenschäuern vor der Kälte, die seit vielen Jahren in ihm nistete. Das Dunkel peinigte- es umkrallte ihn. Alles war da. Und wo war Veronika? War war aus dem geliebten Mädchen seiner Jugend geworden? Er sah Veronika vor sich, wie sie gewesen wär, seit er denken konnte: unmöglich das Haus daheim in der brennenden Sonne, unmöglich die Blütenpracht des Frühlings, die Spiele des Sommers, die Abende im Herbst, die Märchen des Winters, der alte Kachelofen, die bratenden Aepfel, die schnurrenden Katzen— unmöglich alles, und jedes Erlebnis unmöglich ohne Veronika. Ueberall war sie, überall ihr warmer Blick, ihre Scheu vor jeder Untat, ihr aufstrahlcndes Lächeln. Ueberall war sie so sehr gewesen, datz es den Sturz in die Sinnlosigkeit bedeutete, als sie dann Plötzlich nirgends mehr war. Nirgends mehr durch seine Schuld. Fallen gelassen hatte er sie in der schmählichsten Sekunde seines Daseins: denn nicht die Sache mit dem Dr. Fleith hatte ihm das Genick gebrochen,—in diese Sache Ivar er nur hineingetaumelt, nachdem er nichts mehr zu verlieren hatte, weil er Veronika verlor... Auf keinen seiner Priese hatte Veronika je geantlvortet. Ein Jahr lang, ein’ bitteres und verzweifeltes Jahr lang hatte er sie init diesen Briefen bestürmt. Veronika war das stolzeste Mädchen, da» er kannte, Veronika ertrug kein Unrecht, Unrecht, das man anderen, zufügte so wenig wie ein Unrecht, das man ihr selbst antat. Ilnd man hatte es ihr angetan, oh, man hatte sie nicht geschont! Denn Veronika war ein' armes Mädchen gewesen und Hanne Bannholzer eine fiir ihren Bruder ehrgeizige Frau. Er sollte etwas mehr werden als ein simpler Arzt, berühmt sollte er werden, ein reiches Diädchen sollte er nach Hause bringen und sollte die Veronika doch endlich lassen, wo sie. war. Er aber tat das'Ungeschickteste, das er tun konnte damals: er brachte es nicht übers Herz, Veronika über die Absichten seiner Schwester zu unterrichten, und als sie wieder einmal alle, drei zusammensaßen, kam es zum Bruch. Trotz all seiner beschwörenden Blicke hatte Hanne mit der Beharrlichkeit eines Menschen, der die Gefühle eines anderen kaltblütig mißachtet, wenn er zu seinem Ziele, komme» will, dem Mädchen Veronika klargemacht, datz.es sich keineswegs einzubildcn habe, einstens Frau. Veronika Bann holzer genannt zu werden. Hanne, überzeugt davon, datz sie auch Veronika nur nützte, wenn sie ihr die Flausen' aus dem Kopf treibe, hatte damals milde und fast salbungsvoll gesprochen, hatte keines der Opfer unerwähnt gelassen, die sie selbst gebracht habe, damit Arnold studieren konnte, und hatte nicht gesehen, wie es in Veronikas Augen spöttisch ausblitzte und wie sich Veronikas Brauen kriegerisch emporzogen. Denn Veronika glaubte an ihn, Arnold Bannholzer,— größtes Wunder des Daseins: Veronika hatte ihm vertraut! Und darum hatte sie auch gelacht, leise und klirrend,.wie nur ein einziger Mensch auf dieser Welt lachen konnte, als Hanne dann, schwieg. Hanne aber waren in diesem Augeicklick die Nerven durchgegangen.„Hinaus!"'hatte sie geschrien, und ihre Stimme war in sich übergekippt vor Wut..»Hinaus! Und ich vevbiete Ihnen, meine Wohnung wieder zu betreten, Sie unverschämte Person!" Den einen Arm hatte sie erhoben, Hanne Bannholzer, ein Racheengel voll gerechten Zorns, und hatte nach der Türe gewiesen. Und er hatte dabei gestanden, dumpf und Anentschieden, wie betäubt nur vor sich hingestarrt. Veronikas Blick war über ihn hingegangen, erst über Hanne, dann über ihn, eine Ewigkeitssekunde lang. Und die Welt war nicht eingestürzt.., Oh, ihre Worte aus dieser Sekunde, Worte, die ihn Tag und Nacht und Jahr um Tag in Traum und Wirklichkeit, im Schlafen und im Wachen verfolgten. Bier Worte des erschütterten Begreifens:„Ach, so ist das...?"'Und dann ein Lächeln wie das Urteil des Jüngsten Gerichtsei» schmerzliches Lächeln über so viel Evbärm- lichkeit. Dieses Lächeln war das Ende gewesen. Nach diesem Lächeln'gab e» keinen Weg' mehr zu Veronika.- Er aber wollte das nicht glauben,.' er suchte alle Schuld> bei seiner Schwester,., bei einem Wesen, das. engstirnig auch nur das Gute gewollt hatte, das es nicht anders verstand. Und während er, in Anfällen wilder Verzweiflung, gegen Hannes. Beschränktheit tobte, während er ihr vörwarf, sein Leben vernichtet.zu,haben, als sie Veronika aus dem Hause jagte, wußte er doch ganz genau, daß er selbst es vernichtet hatte, indem er Veronika preiSgab. Oh, diese alten, alten Geschichtcnl Blutjung war sie gewesen, siebzehn oder achtzehn Jahre erst, und hatte damals schon ein unbeugsames Herz. Wie erst mutzte sie heut« sein? Wie ... und wo? Sie würde einen Mann genommen haben, sicherlich. Und alle Träume dieser Nach:, alle fieberhaft emporgeflackerten Hoffnungen, bargen den Keim der Vergeblichkeit in ihreni Ursprung. Wie hatte er zu ihr zurückverlaiigt! Wie hatte er daS letzte bißchen Selbstbewutztsein und Stolz aufgegeben, wie war er fast auf den Knien zu ihr gekrochen und in jeder seiner Bemühung abgewiesen, nicht gehört und übersehen worden! Versteckt hatte sie sich vor ihm, vor ihm sich verborgen gehalten und durch die Mutter sagen lassen, datz sie krank sei und allein sein müsse. Wie anders hätte sie auch ertragen sollen, daß man sie mit Herzlosigkeiten erniedrigte, während er dabeistand und keine Hand rührte und kein Wort fand.und nicht aussprang und sie verteidigie,— wie anders als im tzüstershn, im dlntkelsten und im verlorenste». Allein?. Jahre und Jahre lagen, zwischen dem kläglichen Auftritt in Hannes Zimmer und dieser qualvollen Nacht im Gasthof„Zum Hirschen". Nebelgrau stieg die Dämmerung, hoch und höher wie ein Fluß, in den Staunt. Nur noch einmal müßte man sie sehen, dachte Bannholzer, nur noch einmal ganz nahe bei ihr sein, wissen, ob' es so etwas wie dieses Mädchen überhaupt noch gibt, ober ob auch Veronika aus einer strahlenden Jugend herabgezögen worden ist in die Alltäglichkeit. Einmal nur ahnen dürfen- wie eS hätte sein können- wenn' man damals nicht wie blind und taub verharrt wär«' unter.ihrem unbestechlichen Blick, Einmal nur.... dann.sollte ruhig alles zu Ende sei»,..>-^(Fortsetzung folgt.), Nr. 90 Freiing, 16. April 1Ö37 Leite 3 fudetendeutscfier Zeitspiele/ Gemeinsame Kundgebung der Im PragerDeubchen Haut aktivistischen Jugend I Dr. Meißner, und erweitert diesen Dank dann mich' auf aste Mitglieder der Subkoinmisstonen und der Superrevisionskommission. Das Justizministerium stand bei der Vorbereitung der Vorlage tu ständigem R Kontakt mit dem UnisizierungSministerium, wodurch die Nottoendigkeit dieser Ministerium» für eine erfolgreiche Vorbereitung größerer GesetzcSwerke«r- I wiesen ist. ES Ist die» do» größte Kodifizierung»- und Unifi- zieriingSwerk der Tschechoslowakei, für die Slowakei bÄeutet es überbaupt die erste I systematische Kodifizierung der Privatrechte». Sicher wird die Vorlage zur wirtschaftlichen Hebung der Slowakei beitragen, aber auch kür die historischen Länder bedcuiet«S«in beträchtliche» Plus, wenn die R Rechtssicherheit auch in den östlichen Ländern ver- I bärgt ist. Auch der Gedanke der staatlichen Einheit wird durch diese Unifizierung nur gestärkt werden. > Am besten entkräftet die Vorlage die gegen unseren I Staat gerichteten Verleumdungen, daß er der Bol- schewisterung verfalle. Die Tschechoslowakei gibt sich damit eine privatrechtlich« Berfasiung, nicht nach bolschewistischem Muster, sondern nach dem Muster der geordneten und zivilisierten Wirtschaft de» Westen». Von den Nachfolgestaaten ist die Tschechoslowakei der erste, der eine so umfangreiche Kodifizierung de» Privatrechte» vornimmt. Die GesetzcSwerke können aber ihre wichtige Aufgabe nur dann voll erfüllen, wenn sic aut dnrchgeführt 1 und praktiziert werden. Dar liegt vor allem an den befriedigendem Funktionieren unsere» GerichiS- wcscnS. Unsere Gerichte werden mit Rücksicht auf die fortschreitende Unifizierung in kurzer Zeit mit ■ ganz neuen grundlegenden Gesetzen belastet sein. Bloß ihr gründliche» Studium bedeutet eine achten»« iveric Leistung. Noch schwerer wird e» sein, sie zu applizieren, namentlich in den ersten Jahren, wenn I erst ganz neue Grundlagen der Judikatur geschafsen werden müsieu und für eine lange UetergangSzeit werden di« Gericht« zum Teil auch noch nach den bisher geltenden Normen Recht sprechen müffen. ' Nur ein gut«»»gestatteter Gerichtsapparat, gut aus« gestattet nicht nur nach der sittlichen und personellen, I sondern auch nach der materiellen Seite, kann dieser großen Aufaabc Genüge leisten. ES acht hier nicht um die Reputation der Tschechoslowakischen Republik al» eine» Staate» mit konsolidierten Verhältnisien I und mit einer garantierten Rechtssicherheit. eS geht I auch um große wirtschaftliche Jntcrellen. Die Debatte Der einzige Conira-Redner de» Tage», Dr. Szällö, der Sprecher des vereinigten ungarischen Klub», erklärte, seine Partei könne nicht für die I Vorlage stimmen, insolange ihr die Absichten dec 1 Regierung nicht klar seien. Er verlangte von der Regierung eine„beruhigende" Erklärung, daß weder im Bereich dc» öffentlichen, noch der Privatrechtes, eine Richtung«iiigeschlagen werden wird, die den Anschein eine»„Zusammenhangermitdem I Sowjetvcrband" erwecken könnte. Dr. Stranskh(Nat.-Soz.): Wenn die Vorlage I an deni bisherigen Privatrecht nicht viel ändern wird. I ihr aber trotzdem geschichtliche Bedeutung zugespro- I chen wird, so ist da» ein Belvei», daß auf diesem I Gebiet jede Linderung«inen tiefen Einfluß auf da» I Lebest hat. Die Mitarbeit an der Vorlage biete eine I schöne Gelegenheit, daß man in der deutschen Min- I derheit über den Sinn der nationale» I Kulturgemeinschaft und über ihre Be- I ziehungen zu einer bestimmten Staatrgemein- -I schäft konkreter al» bisher diskutiere. Nicht alle I Deutschen fassen den Sinn der Kulturgemeinschaft I gleich auf. Redner glaubt dem Führer der SdP kein U Unrecht zu tun, wenn er behauptet, daß für ihn die I Kulturidealc heutiger reichsdeutscher Provenienz in I den Hauptzügen ein verbindlicher Maßstab der deut- I scheu Kulturgemcüischaft sind; denn wenn da» saft W absolute Schweigen über all da», wa» in den letzten I Jahren an der deutschen Rechtsordnung, an der deiit- I scheu Wissenschaft und Schule, an der deutschen Kunst, I an der deutschen Persönlichkeit, an Familie und Staat M verübt wird, nicht ein« Kundgebung der Zustimmung , I ist, dann wäre gerade dieses Schwelgen die Berleug- I nstng der deutschen Kulturgemeinschaft. Redner ist der Auffassung, daß da» Parlament ■ hinreichend Zeit haben wird, um die Lücke In der I Vorlage, die da» Familienrecht betriff, auszufüllen ,1 und so ein Werk au» einem Guß zu schassen. Dr. Mahr-Harting(Chr.-Soz.i bezeichnet es I al» glücklichen Gedanken, daß man auf dem alten I B. G.-B. und seinen Teilnovellen ausbaut. Er glaubt I nicht, daß er gelingen könnte, die politischen I Bedenken gegen eine Neuregelung de» Familienrechter I zu überwinden, doch wäre e» möglich, wenigsten» auf | den Dualismus zu verzichten und da» alte öfter- I r e i ch i f ch c an die Stelle de» alten ungarischen ■ Familienrechie» zu setzen. ' Die nächsten Redner, Dr. Dominik tFasch.i und I Dr. Rntin, Die Debatte geht Freitag um halb 10 Uhr I weiter,| Die vier aktivistischen Jugendverbände hatten für Donnerstag abends in den großen Saal de» Prager Deutschen Hauses eine gemeinsame Kundgebung einberufcn, die sich zu einem vollen Erfolg gestaltete. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. An der Stirnseite dcS Saales war über der Staatsflagge eine breite Jnschrifttafel befestigt mit den Wahlsprüchen: »Du Her r— ichHer rl"„Gleiche unter Gleichens" Der gut funktionierende Ordnerdienst hatte keine Ursache einzuschreiten und die schöne und wirkungsvolle Kundgebung verlief vollkommen störungsfrei. Nach dem der Vorsitzende Bauer die Erschienenen begrüßt und die eiiigelaufcncn Begrüßungsschreiben verlesen hatte, ergriff al» erster Redner der Vertreter des Jungvolkes des B. d. L. Josef Denk das Wort. Es bezeichnete den aktivistischen Gedanken als Gemeingut aNer arbeitenden sudetendeutschen Menschen, die von dem Willen beseelt sind, über alle ideologischen und parteipolitischen Gegensätze hinaus auf dem Wege des Friedens und der gegenseitigen Achtung ihrem Volke und dem Staate zu dienen. Dann sprach der Vertreter der Jungdemokraten Helmut Winkler, der einleitend betonte, daß die Verständigung der beiden Völker eine Voraussetzung der Befriedung Mitteleuropas ist. Jedes politische Hasardspiel, das auf Katastrophen hinarbeitet, die in erster Linie unserem Volke zum Schaden gereiche» müssen, muß auf jede Weise bekämpft werden. 'Hierauf kam der Sprecher der christlichsozialen Jugend Hugo Rokyta zum Worte. Er charakterisierte den Sinn des dcniokratischen Staates nicht als den aufreibenden Kampf feindlicher nationaler Lager, sondern als das Zusammentreffen verschwisterter geistiger Strömungen, wie sie das Tschechentum eines Chelkickh und Komenskh und das Deutschtum eine» Johanne» von Saaz, eine» Herder und eines Stifter verkörpern. In scharfer Polemik gegen die SdP bemerkte der Redner, daß wir in diesem Staate kein Fremdkörper sind, wenn wir uns nicht durch die Wahl unserer Sympathien selbst dazu machen. Als letzter Redner sprach der Vorsitzende des Sozialistischen Jugendvcrbandes Karl Kern« dessen Ausführungen vielfach von starkem Beifall unterbrochen wurden. Die durch die Vertragsgewerkschaften und den Streik bei der Firma Etrich in Jungbuch ausgelöste Lohnbewegung in der Juieindustrie hat zu Vertragsverhandlungen über die Erneuerung des bestehenden Kollektivvertrages dieses Industriezweiges im Trautenau-Hohenelber Gebiet geführt. Bei den Verhandlungen, die am Dienstag niehrere Stunden lang geführt wurden, hat die Juteindustrie im Grundsatz einer Lohnerhöhung zugestimmt und eine allgemeine Erhöhung derStunden- löhne um 8 Prozent vorgeschlagen. Außerdem hat sich die Industrie bereit erklärt, die bestehenden Akkordsätze»m3 Prozent zu erhöhen. Die Vertreter der .Arbeiterschaft haben dieses Angebot als u n genüg e n d erklärt und außer einer allgemeinen Lohnerhöhung noch die Regelung einiger sehr bedeutsamen Spezialforderungen verlangt. Die Arbeiterschaft ist bereit, unter der Bedingung, daß in den Webereien für Zweistuhlweber eine LSprozentige Erhöhung der Stundenlöhne eintriit und das Zweistuhlsystem auf bestimmte Stuhlbreiten beschränkt wird, einer Differenzierung bei der Lohnerhöhung zwischen Stundenlöhnen und Akkordsätzen zuzustimmen. Dieselbe Forderung gilt auch für die Vorbereitung und für die Arbeiter in den Spinnereien. Außer diesen allgemeinen Forderungen wurde von den Vertretern der Arbeiterschaft verlangt, daß«ine Menge von B e s chw er den, die den Arbeitsbedingungen einiger Betriebe entspringen, im Zuge dieser Vertragsverhandlungen mit bereinigt werden. Die Vertreter der Juteindustrie haben nach einer längeren Beratung der Regelung des Zwei- stuhlsystems durch eine Erhöhung der Stundenlöhne für die Zweistuhlweber zugestimmt, jedoch über die Höhe dieser Erhöhung noch keine weiteren Vorschläge gemacht, Der Unionssekretär Mayer, der die Verhandlungen führte, verlangte neue Vorschläge; von den. Unternehmern und erklärte die weiter« Verhandlungsbereitschaft, als sich her- ausstellte, daß die Unternehmer keine weiteren Vollmachtey hatten.' Die Verhandlungen wurden miterbrochen und werden am Freitag, den 10. April, weitergeführt werden. Für un», sagte er» hat die nationale Frage vor allem auch soziale Bedeutung. Noch immer stehen hundcrttausende Arbeitslose vor den Toren der Fabriken. Ihnen hilft keine himmelblaue VolkS- gemeinschafwideologie, sie müffen Arbeit und Brot bekommen. Wir haben hier die Forderung zu erheben, daß man die sozial« Frage in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt und daß alle Faktoren de» Lande» diese Frage zu ihrer Hauptsorge machen. Die Weltwirtschaftskrise hat besonder» unsere industriellen Randgebiete verwüstet. Wir sind also weit davon entfernt, die Krisenlage, die Auswirkungen im sudetendeutschen Industriegebiet ausschließlich dem tschechischen Volke zur Last zu legen, aber die deutsche Jugend verlangt das Recht und die Möglichkeit, zu leben. Ma» öffne die Tor« der Fabriken, man sorge im Jntereffe der Demokratie dafür, daß der wirtschaftliche Terror gegen politisch Andersdenkende aufhöre, man schaffe Möglichkeiten zur Umschulung der arbeitslosen Jugend, man fördere unsere Exportindustrien und ertüchtige ihren Nachwuchs und man räume endlich mit der Schande auf, daß der arbeitslosen Jugend, mit Ausnahme der Heimstätten und den kargen Zuwendungen an» der Winterhilfe, überhaupt keine Nnterftühung gewährt wird, soweit sie nicht gewerkschaftlich organisiert ist. Di« Gnreihnng der arbeitslosen Jugendlichen in die Ernähmngs- aktion müßte schon längst Wirklichkeit sein. Die Jugend muß zu Hungerlöhnen arbeiten, ihre Arbeitsbedingungen sind schlecht. Hier ist ein Gebiet, ans dem sich sowohl dl« staatlichen Faktoren, al» auch alle Komotau.(Eigenbericht.) Seit Montag befindet sich die Sü Mann zählende Belegschaft des Rudiay-Schachtes in Neudorf bei Ko- motan im Streik. 24 Mann befinden sich seit Streilbeginn untertags. Dienstag und Mittwoch verhinderte die Grubenleitung und die beim Schacht stationierten Gendarmen, daß die im Schacht befindlichen Arbeiter mit Lebensmitteln versorgt werden. Trotz des..ärztlichen Auftrages, den Streikenden wenigstens warmen Tee in die Grube zu schicken, wurde auch dies verhindert. Erst nach der Jn- Am selben Tage wurden bei einer Massenbeteiligung von Vertrauensmännern und Delegierten aus den Betrieben auch die zweiten ordentlichen Lohnverhandlungen für die F l a ch s- spinnereien durchgesührt. Der Vertreter der Industrie, Dr. Stade vom Deutschen Hauptver- bande» teilte mit, daß die Flachsspinner bereit sind, eine durchschnittliche zehnprozentige Erhöhung der Löhne durchzuführen und in einzelnen Fällen bei besonders schlecht bezahlten Arbeiterkategorien auch über diesen Satz hinauSzugehcu. In der Begründung dieses Standpunktes der Industrie verwies er darauf, daß die Flachsspinner große Abschlüsse mit niedrigen Preisen getätigt hätten, die es ihnen unmöglich machten, die Lohnerhöhungen durch eine Steigerung der Garnpreise auszugleichen. Er machte aufmerksam, daß dieser Vorschlag schon bald das letzte sei, was die Industrie anbieten könne und daß über dieses Angebot hinaus schwerlich weitere Vorschläge von den Flachsspinnern zu erwarten seien. Die Forderungen der Arbeiterschaft wurden in dieser Verhandlung ebenfalls von dem UniouS- sekretär Mayer vorgetragen und begründet, der darauf verwies, daß die Arbeiterschaft bereit wäre, von ihrer ursprünglichen Forderung auf 15, bzw. 20 Prozent zurückzugehen. Die Industriellen fühlten sich außerstande, Lohnerhöhungen in dieser Höhe zu gelvähren, worauf die Vertreter der Arbeiterschaft und der Gewerkschaften die besonderen Beschwerden auS den einzelnen Betrieben bekanntgaben. Diese Beschwerden und BetriebS- forderungcn nahmen einen solchen Umfang an, daß der weitere Teil der Verhandlungen mit dem Vortragen und Begründung auSgesüllt wurde. Bei denSchllderungen einzeliierBetricbSdelcgierter wurden oft geradezu erschreckende Mißstände in den Betrieben angeführt, die dringend nach'einer raschen Abhilfe verlangen. Unternehmermethoden, welche die ohnehin geringen BertragSlöhne durch unerlaubte Praktiken weiter verkürzen, kamen an» Tageslicht, so daß auch die Vertreter der Industrie bei den Verhandlungen den Eindruck gewinnen mußten, daß die Arbeiterschaft mit ihrem Verlangen nach Abstellung dieser Mißstände nur eine gerechte Forderung erhebt. Nachdem die Industriellen aufgefordert würden» nochmal» mit ihren Auftraggebern die Situation zu besprechen und einen neuen Vorschlag zu machen, wurde die Verhandlung vertagt und dürfte in den nächsten' Tage» weitergeführt weiden. Kräfte im Belke betätigen sollen, denen da» Gedeihen de» Nachwuchs«» am Herzen liegt. Wie kann man, wenn man die arbeitende und die arbeftslos« Jugend steht, sage», das sudetendcutsche Volk könne warten, bi» die Tauben dcS Herrn Konrad Henlein gesangen sind? Bon Trostworten wird diese Jugend weher satt, noch gesund, noch bekommt sie durch Trostworte do», wessen sie aut meisten bcdars: einen Arbeitsplatz. Eine Jugend, die nicht mehr von Verelendung bedroht ist, wird auch der Demokratie ein treuer und überzeugter Kämpfer fein oder werden können, eine Jugend aber, die den Glauben an sich verliert, wird zum Spielball politischer Scharlatane. So ergibt sich denn auch au» unserer sozialen, au» unserer sozialdemokratischen Haltung die Zustimmung zu den deutsch-tschechischen Vereinbarungen al» ein Gebot der Vernunft und der Bolksnotwendigkeit. Ohne unsere Gesinnung und unser politische» Programm aufzugeben, wollen wir mit den anderen Politischen Gruppen ein Stück Weg» Zusammengehen! mit den Gruppe» des AktiviSmuS, die gleich un» nicht haben wollen, daß sich da» Volk, durch die SdP irregeführt, im Kreise bewege. Hierauf nahm die Versammlung eine Resolution an, die mit den Sätzen schließt: Wir sehen den Weg von Verhandlungen zwischen der Regierung und den einzelnen Völkern dieses Staate» als den einzig gangbaren und zum Ziele führenden an und danken den Verhandlung»- Partnern für die auf diesem Wege bisher erzielten Erfolge in der bcstinunten Erwartung, daß sie sich durch keinerlei Angriffe und Quertreibereien von der Verfolgung dieses Weges werde abbringen lassen. Nachdem unlcr einmütigem Beifall die Absendung eines BegrütznngStelegrammeS ün Präsiden Dr. BeneS beschlossen worden war, schloß der Vorsitzende die Versammlung. tervention des Abgeordneten Taub und der Union der Bergarbeiter bei den Ko- motaucr Behörden und den Prager Zentralstellen gelang es, die Grubeneinfahrt für die Beliosc- rung der 24 streikenden Bergleute mit Lebensmitteln freizubekommen. Zum Protest' gegen diese ungeheuerliche Methode der Aushungerung, bei der behördliche Organe Dienste für die Unternehmer leisteten, traten die Bergleute in den Hungerstreik.. Die Folgen des verwerflichen Tuns der Grubendireltion sind nicht abzusehen und es ist als ein Glück zu betrachten, daß heute über Betreiben der koalierten Bergarbeiterverbände Verhandlungen wegen Bereinigung des Konfliktes stattfinden. Von den übrigen Gruben des Komotauer Reviers find Solidaritätskund- gebungen eingelangt und es ist sehr Igicht möglich, daß, wenn die Verhandlungen scheitern, das g a» z e R e v i e r sich dem Streik anschließt. Das könnte weitgehende Komplikationen nach sich ziehen. Die im Schacht befindlichen Arbeiter haben ihren obertags streikenden Kollegen ein Schreiben gesandt, in dem sie erklären, daß sie b i s zum Ende durchhalten werden. Sie bitten darin die Bevölkerung in wärmen Worten, ihrem gerechten Kampfe Verständnis cntgegenzubringen. Vor dem Schacht stauen sich immer noch hundert Menschen. Mittwoch abends hat die Gendarmerie ohne jedwede Ursache brutal die Strafte geräumt und die Menschen mit dem Gummiknüttel in den Ort getrieben. Das hatte einen ungeheuren EntrüftungSsturm unter der Bevölkerung zur Folge. Die Komotauer Bezirksbehörde und da» Staatspolizciamt haben nunmehr den Auftrag erteilt, solche Aktionen, welche die Bevölkerung provozieren und Zusammenstöfte möglich machen, zu unterlassen. Die sozialdeinokratische Partei, die„Arbeiterfürsorge" und der Konsumverein„Selbsthilfe" haben größere Geldspenden für die Streikenden überwiesen. Dec Streik untertags dauert nun schon den fünften Tag. Es ist noftvendig, daß die Verhandlungen mit einem günstigen Ergebnis für die Arbeiter abgeschloffen werden, damit in dem betroffenen Gebiet die Erregung beseitigt werde. Erweiterung der Prager Deutschen Arbeitersendling Wir haben in der Vorwoche übet: die Ber- besserung der sonntäglichen Prager Deutsche» Arbeiterscndung(zehn Minuten nunmehr über Liblice, fünf Minuten„Für Volk und Frieden" über StraSnic«) berichtet. Ein neuer Fortschritt wurde jetzt damit erzielt, daß nun an Feiertagen gleichfalls der Arbeitersendung zehn Minuten Wer den Groft-Sender Prag l von 14.20 bis 14.80«ingeräumt werden sollen. Vorläufig ist diese zusätzliche Sendung für den 1. M a i und de» 6. M a i bereits festgesetzt wordey. Die Lohnbewegung im Trautenauer und Hohenelber Industriegebiet Dar Komotauer Kohlenrevier in Erregung Auf der Rudlay-Grube in Neudorf Hungerstreik untertags Sympathiekundgebungen der Bevölkerung z Drohender Revierstreik ’rifc 4 Freitag, 16. April 1937 Nr. 90 Englands neuestes Flugzeug-Mutterschiff vom Stapel gelaufen Sn Birkenhead lief soeben die„Ark Moyal", das neueste Flugzeugmutterschiff der englischen Marine, oom Stapel. Da die bisherigen englischen Flugzeug-Mutterschiffe lediglich umgc» baute frühere Kreuzer waren, stellt dieses Schiss auch den ersten, eigens für die Verwendung vorgesehenen Bau dar. Bezlrksstellen der aktivistischen Parteien In Jägerndorf und Warnsdorf Tie Vertreter der Deutschen sozialdemokra- tischen Arbeiterpartei, der Deutschen christlichsozialen Vollspartei und des Bundes der Land» tvirte haben beschlossen,, eine Bczirksstelle der deutschen aktivistischen Parteien für den politischen Bezirks Jägerndors zu schaffen. Zuschriften in Angelegenheiten, die die Bczirksstelle betreffen, sind zu richten an: Emil Kutscha, Sekretär, Jä» gcrndorf, Franz Siegel, Sekretär, Jägerndors, Otto Halle, Landwirt, Weißkirch. Auch in Warnsdorf tvurde die Bildung einer Bezirlsstellc der deutschen aktivistischen Parteien vorgenommcn. Dein AnSschuste gehören an: Josef Ei o t h, Bürgermeister-Stellvertreter, Augustin Schlvarz, Sekretär, Sulins Luschtineh, Landesvertreter. 5dP-l.aserhalter verkästet Mittwoch wurde im M a r i c n b a d c r Arbeitssreiwilligcnlagcr von der Staatspolizei eine Haussuchung vorgcnommen, nach deren Ab- schluh Lagerhalter H ü t t l verhaftet und dem KrciSgcrichte in Marienbad eiugeliefcrt wurde, lieber die Gründe, die zu dieser Verhaftung führten, verweigert die staatliche Polizeibehörde die Auskunft bis zum Abschluß der Ilutcrsuchuug. Der Verhaftete, der aus dem Schulungslager Hartenberg am Moll hcrvorgegangen ist, hat im Herbst des vorigen Jahres die Leitung des Maricnbader freiwillige» Arbeitslagers übernommen. Vie Propheten Der„Prager Presse"■ entnehmen lvir folgende kleine, aber überaus lehrreiche Zusammenstellung: „ES gibt Dinge, über die man. nicht öffentlich reden kann, so lvie man in einem Schützengraben nicht zlvei Tage vorher von einem Angriff spricht"(Konrad Henlein am 10. August 1936 in Dcstendorf)... „Die Sudetendeutsche Partei befindet sich in der letzten Kämpfperiode und cs geht nur darum, einige Wochen durchzuhaltcn" (K. H. Frank am 11. April 1937 in Karlsbad)...- .„Bon der Festigkeit der Parteimitglieder bis zum Dezember dieses Jahres hängt es ab. ob' das sudetendeutsche Problem einer Lösung zugeführt lvcrdcn kann oder nicht"(Heinrich Rutha am 13. April 1937 in Marienbad). Antrlttsaudlenz des spanischen Gesandten Donnerstag überreichte der neue Gesandte der spanischen Republik Don LuiS Jimencz de Asua dem Präsidenten Dr. Benes sein Beglaubigungsschreiben. Der spanische Gesandte hielt an den Präsidenten eine Ansprache, Ivoriir er u. a. sagte, daß die Tschechoslowakei ein Muster demo- lratischer Ordnung geworden sei und daß er deshalb überzeugt sei, die Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und Spanieil iviirdcn von Tag zu Tag an Herzlichkeit geivinnen. In seiner Erwiderungsredc bemerkte Präsident Dr. Benes:„Wir, die der FriedenSidee tief ergeben sind, können nur innig wünschen, daß Spanien ehestens aus den gcgcnivärtigcn Schwie- rigkeiten herausfinde und tviedcrum den Platz in der Gemeinschaft der Völker einnehme, den ihm seine ruhnwollc Vergangenheit zuerkannt hat. Elv. Exzellenz können mit der llnterstühnng der tschechoslolvakischen Regierung solvie der meinigen rechnen, die tvir Ihnen sehr gerlie gewähren werden, damit Sie Ihre Mission, welche die Erhaltung und Vertiefung der freundschastlichen Beziehungen zum Ziel hat, die zlvischcn den beiden Ländern stets bestanden haben, einem gedeihlichen Ende zuführen." Zusammenstoß in Detroit Detroit.(Reuter.) Die Behörden kämpfen bisher vergeblich gegen die wilden Streiks in den Detroiter Werken au. Es streiken größtenteils Frauen. Beim Einschreiten der Polizei kam es zu ernsten Zwischenjällen. Die Streikenden, die beobachteten, daß die TränengaSbomben erst einige Zeit nach dein Auffallen explodieren, ergriffen die auffallenden Bomben und schlenderten sie unverzüglich auf die Polizisten zurück, so daß die Bomben meistens in den Reihen der Polizisten explodierten. Schließlich mnßie die Polizei Verstärkungen harbeirufen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes eus den Programmen! SamStag: Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Presse, 10.10: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Operngesängc, 11.05: Populäres Schallplattenkonzert: Dvokäk, Ander etc., 12.10: Schallplatten, 17.55: Deutsche Sendung: Dr. Koop: Sportvorschau, 18:'Ateilet spielt eigene Klavierkompositio- nen, 18.30: Soldatenlieder, Hörfolge von Multerers 18.15: Deutsche Presse, 18.65: Deutsche Aktualitäten, 22.20: Schallplattenkonzert.— Prag, Sender II: 14.10: Deutsche Sendung: Janetschek: Musikalische Zeitgeschichte, 14.60: Deutsche Presse, 18.16: Salonorchester. 19.15: Geigenkonzert.— Brünn: 15: BimteS Konzert, 17.40: Deutsche Sendung: Kabarett.— Presjburgr 10.16: Schallplattenkonzert.— Kaschau: 12.06: Operettengesänge, 12.85: Militärkonzert.— Mährisch-Ostrau: 18: Tanzmusik, 18.80: Operettenmusik: Loh. Strauß «ks gibt noch Richter..." Wir erhalten folgenden Bericht von einem Berliner Juristen: Unter Friedrich II. amtierten am preußi- chen Kammergericht Räte, die sich lieber auf die Festung Spandau bringen ließen, als daß sie sich in ihrer richterlichen Unabhängigkeit dem, an sich noch so gnt gemeinten Machtspruch ihres absoluten Herrn beugten. Der Persönlichkeitsverfall auf allen Gebieten in den wilhelminischen Jahrzehnten hat vor der Justiz nicht halt gemacht. Aus dem, wenn auch volksfremden, so doch charakterlich sicheren Richter, wie man ihn noch um die Hälfte des XIX. Jahrhunderts in Deutschland antraf, war ein„Rechtsanwendungsbeamter" der wilhelminischen Periode geworden, der— von oben als drittklassig behandelt, von uiiten dementsprechend wenig angesehen— seine Minder- wertigkeitskomplexe am Publikum abreagierte. Aber trotzdem: sie stehlen nicht und lassen sich auch nicht schmieren. Nun, darüber sind wir unter Hitler, Frank II und Gürtner nun glücklich auch hinaus. Wieder ist— wie unter Friedrich dem Großen— ein hoher Richter des altehrwürdigen Kammergerichtes ins Gefängnis gewandert, doch dem inneren Wandel der Zeiten entsprechend auch unter abgewandelten Voraussetzungen. Herr S e e l i g e r, Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Berliu-Miite, empfand unter der Regierung Popen das Bedürsnis, für seinen etwas verdächtigen Namen etwas Bleibendes zu tun. Mit sicherem Empfinden für„kommende Dinge" wurde er Parteigenosse.. Er hatte richtig getippt; der Lohn blieb nicht aus. Unmittelbar nach der Machtübernahme wurde Herr Seeliger, dessen berufliche Qualitäten sehr im Verborgenen geblüht hatten, vont Amtsgerichtsrat gleich zum Senatspräsidenten beim Kammergericht befördert. Herr Freibier wußte diese neue Kraft beim Kammergericht an die richtige Stelle zu setzen: Herr Seeliger wurde Vorsitzender des berüchtigten vierten Straf- senats, der unter seiner Leitung Jahre hindurch als erste und letzte Instanz in Hochverrat s- p r o z e s s e n in tausenden von Fällen Z u ch t- haus urteile von entsetzlicher Graus a m leit fällte. In diesem Geschäft teilte sich Herr Seeliger die Arbeit mit Herrn Senatspräsidenten Deerb.erg, dem ehemaligen deutschnationalen„Abgeordneten",der seinerseits seine. politische Vergangenheit durch „RechtSsprüche" vergessen machen will, die man wirklich nicht mehr,„schneidig" nennen kann. Seelische Bedenken quälten Herrn Seeliger nicht: wichtiger war die Frage, wie und lvovon die Kosten für. die„Nachtsitzungen" und„Vor- bereitungen" im„Erdener Tröpfchen" in der Motzstraße zu bestreiten seien. Herr Freibier und das Schicksal'halsen. Nach einigen-Jahren erhielt der Herr Senatspräsident den Vorsitz im Erbgesun.dheitS geri'cht. Höchste Instanz für Sterilisationsverfahren. Und das war die großeCha n e e.. Tüchtige niedi- zinische Gutachterwurden bestellt, die— der Zufall wollte.es so—die Voraussetzungen für Sterilisation, verneinten,. wenn- der-Antragsgegner vermögepd und-.imstande war,'- entsprechende Honorare zu zahlen;. war es ein Volksgenosse, so sah die Sache eben vom medizinischen und juristischen Standpunkte etwas anders ans. Gewiß, ein Zufall; kein Zufall war es, sondern Vereinbarung, daß die Herren Sachverständigen ihre Honorare mit dem Herrn Senatspräsidenten zu teilen hatten. In einem zum Schutze d o r Staatssicherheit unter- Ausschluß der Oesfentlich- feit durchgefiihrten Prozeß erfüllte sich Las Schicksal dieses hohen Richters. Zehn JahreZncht- Haus hatte der Staatsanwalt beantragt. Zwei- einhalb Jahre Zuchthaus erkannte das Gericht, indem es ausdrücklich verminderte Zu rechnungsfähigkeit deS Angeklagten feststellte. Jawohl, verminderte Zurechnungsfähigkeit eines Mannes, der jahrelang tausende braver, ehrlicher, treuer Menschen wegen„Hoch- verrat",„Heimtücke",„Greuelpropaganda" üsw. in die Zuchthäuser geschickt, tausende Familien ihres Ernährers, tausende von Menschen unglücklich gemacht hat. Ist Herr Seeliger ein Ausnahmefall,-ein bedauerlicher Fehlgriff,. wie man iin Dritten Reich wird glauben machen wollen? Nein, denn s o l ch e Fehlgriffe können, in einer gesunden Justiz nicht unterlaufen, niemals und unter keinen Umständen. Herr Seeliger ist aber auch k e i-n e Ausnahme, er ist ein besonders klar herausgebildeter Plastischer T y p. Brand bei Bata. Donnerstag um-%5 Uhr früh sing im Hof der Baka-Werke in Zlln ein Haufen alter Autoreifen, die für die Regeneration bestimmt waren, Feuer. Es trafen die Feuerwehrkorps der Werke, der Stadt Zlln und ans der Umgebung. ein.. Unter Mithilfe einiger hundert Angestellten der Baka-Werke gelang es, das Feuer zu lokalisieren und zu löschen. Dec Großteil der Autoreifen wurde gerettet, der Betrieb ist in keiner Abteilung unterbrochen. Die verbrannten Gummiabsälle stellten- einen Wert von 50.000 Aö dar.- Blutige Tragödie in der Olmützer Bezirks- krankenkasse. In der Buchhaltungsabteilung der Bezirkskrankenversicherungsanstalt in Olmiitz ereignete sich Donnerstag vor 11 Uhr eine blutige Tragödie, die in der Stadt große Erregung hervorrief. Aks der Vorstand, der BuchhaltuugSabtel» lung dieser Anstalt, der 56jährige Jan PeSta, telephonieren wollte, stand der 85jährige Beamte Fr. Seifert von seinem Arbeitsplatz auf und schoß aus einem Revolver auf seinen Vorgesetzten. Trotz seiner schweren Verletzung- lief Pesta auf die Straße. In dem Gebäude, in welchem um'die Mittagsstunden reger. Verkehr herrscht, entstand eine-unbeschreibliche Panik, denn es hielten sich zur Zeit des Rebolveranschlages gegen 200 Personen im Gebäude auf,' Die Beamten. liefen.ebenfalls aus der Kanzlei aUf die Straße...Einer der Beamten fiel beim Verlässen des Gebäudes so unglücklich über die Treppe, daß er sich einest vier- fachen Beinbruch zuzog. Seifert'feuerte zwei Patronenrahmen aus dem Revolver ab und schoß sich die letzte Kugel in den Kopf. Als die'Sicherheitswache in die Buchhaltungsabteilung, eindräng, fand sie Seifert sterbestd- vvr.' Der Vorstand-dZr Buchhaltungsabteilung Pesta, Vater ztveier Kinder^ wurde durch fünf- Revolverschüsse-schwer verletzt, Vor-.derEinlieferungins-KranIenhausließ „Strafe" für Rauschgifthandel Prag,(rb) Wir haben unlängst über die Verhaftung zweier Kokainhändler berichtet, die von der Prager Polizei auSgesorscht wnrden und bereits gestern vor. dem Bezirksgericht erschienen, unter der erschrecklichen Anklage der— 11 e b e r- tretung deS u n b e f u g t e n-G i f t v e r- l a u f e s. Das Schwert der Gerechtigkeit sauste unerbittlich auf die Verbrecher nieder. Josef Steiner und sein Komplize Georg Felix ü r o d wurden schuldig erkannt und zu der Strafe von acht Tagen Arre st verurteilt, wobei der Richter noch alle belastenden Momente in Rechnung zog. Mit Recht weist ein Prager Blatt darauf hin, daß für ein solches Delikt dem Täter in Frankreich oder England langjährige Kerkerstrafen geblüht hatte». Bei uns erledigt das ehrwürdige Gesetz solche Verbrechen, wie es der Handel mit einem der mörderischsten Rauschgifte ist, mit einigen Tagen Arrest. sich Pesta zu einem Advokaien transportieren, lvo er seinen letzten Wille» zu Papier bringen ließ. Der Attentäter war ebenfalls verheiratet und Vater eines Kindes. Seit einer Reihe von Jahren litt Seifert an einem Magenleiden und wurve auch mehrmals erfolglos operiert. In der letzten Zeit litt er an der Wahnvorstellung, daß ihm im Amte Unrecht geschehe. Seine Tat vollbrachte er wahrscheinlich infolge eines Nervenzusammenbruches. 112jährige gestorben. In Benedlkovee Im politischen Bezirk Mukakevo(Karpathorußland) starb dieser Tage die 112 Jahre alte Gattin eines .Müllers, Frau Paulina KolLinskä, aus Nijm Slatina Im Bezirk UZHorod. Die- Kolöinskä lebte lange Zeit bei ihrem ledigen Sohne, der In einem Alter von 90 Jahren gestorben ist. Nach dessen Tode lebte sie in Benedikovee bei ihrem Enkel. Autounglück. In der Nähe von Thorn(Polen) havarierte ein Auto, wobei drei Personen getütet und eine schwer verletzt wurde. Dee neue Erzbischof von Mexiko, Pouis Martinez, lvurde Mittwoch in der Kathedrale von Mexiko nnter großer Beteiligung der Bevölkerung in sein Amt eingeführt.' Während der Feierlichkeiten st ii r z t e in der Kathedrale ein Teil des Fußbodens ein. Eine große Zahl der Antvesenden stürzte in die Krypta unter der Kapelle. Das Unglück verursachte eine Panik unter der Gemeinde. Etwa 70 Personen tvurde» zum Teil schwer verletzt. Sturm über Belgrad. In den letzten Tagen wütet in Belgrad und Umgebung heftiger Sturm bis zu 28 Sek./m. Die Wellen der angeschwollene» Donau und Save erreichen 8 bis 4 Meter Höhe und überfluten die Straße von Belgrad nach Semlin. Die Straße.ist.teilweise vermurt und der Tram« wayverkehr mußte unterbrochen werden. Das ent» fesselte Element hat kleinere Bauten weggeschwemmt, der Stunn hat Dächer abgedeckt, schwache Bäume entwurzelt und in einer Belgrader Vorstadt em neues Zinshaus in einer Länge von 70 und in einer Höhe von 10 Bieter zerstört, das zum Glück noch nicht bewohnt war, sowie einige Schleppkähne mit Wag» gonfrachtladnngen zum Sinken gebracht. Viele Personen und Familien wurden im letzten Augenblick gerettet. Bei Ostrujnice unweit Belgrad ist auf der Save ein Boot mit fünf Personen gekentert, die sämtlich ertranken, ohne daß ihnen die vom Ufer zusehenden Menschcmnassen zu Hilfe kommen konnten. Die materiellen Schäden sind groß. Unaufgeklärte Familientragödie. Der 60jährige Direktor der Ungarisch-Tschechoslowakischen Gewerbebank in Budapest Dr. Ladislav Barta wurde Donnerstag früh in seiner Wohnung tot aufgesunden. Neben ihm lag seine 84jährige Gattin mit durchschossenem Kopf. Die Frau hat eine» Zettel mit der Mitteilung hinterlaffen:„Ich kann den Tod meines Mannes nicht überleben." Die schwerverletzte Frau Barta wurde in ein Sanatorium gebracht, wo sie mit dem Tode ringt. Die Leiche Dr. Bartas wurde in dar anatomische Institut' übergeführt, wo die Todesursache festgestellt werden wird. Die Leiche weist ke> .nerlei Anzeichen äußerlicher Gewalt auf. Man glaubt, daß der seit längerer Zeit Herzkranke Direktor Barta einem Herzschlag zum Opfer gefallen ist. DaS schlechte Wetter bleibt. Ueber daS Gebiet der Republik verläuft Im Zusammenhang mit der mitteleuropäischen Störung eine bedeutende Temperaturgrenze zwischen einer wärmeren südlichen und. einer kalten westlichen Luftströmung. So meldete zum Beispiel Eger um 14 Uhr plus 10 Grad, dagegen Chust plus 20 Grad Celsius. Die Temperaturunterschiede veranlassen andauernde und verbreitete Landregen in den böhmischen Ländern. Da sich diese Unter- schicde-voraussichtlich nicht einmal Freitag auSgle:- chen werden, ist mit einer längeren Dauer des jetzigen Witterungscharakters zu rechnen.— Wahrscheinliches Wetter Freitag: Vorwiegend bewölkt, Neigung zu Regenfällen, etwas kühler, Westwind. Auch im Osten Verschlechterung und Abkühlung.— Wet- teraussichien fürSamstag: DaS unfreundliche, regnerische und kühle Wetter wird andauern. rHiimm»«»»«!»»™»«!»»™! Radio Barcelona sendet täglicn in deutscher Sprache:,';. auf Welle 377,4 um 28 Uhr 15 spanischer, daS ist 24 Uhr 15 MEZ; auf Kurzelle 42,75 um 20. Uhr spanischer, das ist 21 Uhr. MEZ; sowie neuerdings auf.Kurzwelle- 41,15.(7290 Kiloherz) um 22 Uhr spanischer, das ist 28 Uhr MEZ. Nr. 90 Freitag, 16. April 1987 Seite 8 IWksuürtacfioft und SomCpolttife schiebens Korporationen auf, denn der Entwurf UEBERALL .SOLO i 100 100 100 100 too 100 1 ■-ZI 100 italtzenische Lire.LÄ. 100 dolliindische Gulden.. 100 jugoslawische Dinare, 100 Belga«. 100 dänische Kronen... .100 schwedische Kronen. Oie 6o«enksktiskton rur Frage des Vieh-Syndikats Da« Landwirtschaftsniinisterium Hai den Etittvürf^Mc^MgierutistSvrrsrdMM-allSllcarr- beitet, welche die Regelung der Einfuhr und die Lohnkampf In der Monument Industrie erfolgreich beendet günstigen Sinne für die Arbeiterschaft erledigt. Da« Ergebnis der Verhandlungen wurde den Mitgliedern zur Beschlußfassung vorgelcgi. Die Abstimmung ergab, daß 55 Prozent für die Annahme des PerhandlungsergebnisseS votierten und 45 Prozent für einen allgemeinen Streik sich aussprachen. Das Ucbereinlommen. welches demnach angenommen wurde, läuft bis 1. März 1938. Es ist seit vielen Jahren der erste Lohnkampf in der Steinindustrie, der nicht mit einem Chaos geendet hat, sondern in nmstergültiger Weise soivohl durch die Führung als auch durch die Arbeiterschaft geführt wurde. Daß gewisse Leute an der Arbeit waren, um Verwirrung innerhalb der Steinarbeiterschast horbcizuführen. jedoch gründlich abgcblitzt sind, mag so manchen ein Dorn im Ange sein. Besonders tvar es dis SdP mit dem Abg. Ritsche, die sich in den Kampf der Arbeiter cinmischen wollte. An die Steinarbeiterschaft ergeht der Appell, dafür Sorge zu tragen, daß die Tarife eingehalten werden, und weiters, ihre Kampforganisation im Nahmen des Fabrikarbeiterverbandes so auszubauen, daß die Kämpfe so dnrchgcführt werden können, wie es seht die streikende Arbeiterschaft getan hat. Rach mehrmaligen Verhandlungen zwischen den Vertragsgewerkschaften und den Arbeitgeberorganisationen, die alle gescheitert waren an der Hartnäckigkeit der Arbeitgeber, haben die Belegschaften von drei Firmen, rund dreihundert Arbeiter, am 6. April geschloffen die Arbeit niedergelegt. Die Landesfachgenossenschaft der konzessionierten Steinmehmeister wandte sich an die BezirkSbehördc in Freiwaldau um eine Vermittlungsverhandlung, die dann fiir den 10. April einberufen wurde. Daß die Verhandlungen sich sehr schwierig gestaltet haben, geht schon daraus klar hervor, daß sie volle zehn Stunden gedauert haben. Die grüßte Schtvierigkeit bestand darin, daß die. Industriellen erklärten, fiir Exportware unter keinen Umständen eine Lohnerhöhung bewilligen zu können. Demgegenüber erklärte Gen. Weiß im Auftrage aller Vertragsgcwerkschasten, daß eine Zweiteilung der Entlohnung unter keinen Umständen zugelaffen werden kann. Rach mehr als sechsstündiger Dauer wurde eine Einigung erzielt und eine generelle Lohnerhöhung von fünf Prozent zugestanden. Ueber eine einmalige TeuerungSauS- hilf« wird später noch.«ine Verhandlung statl- sinden. Dann würden noch einige Angelegenheiten, die zu ständigen Differenzen bei einer Anzahl Firmen geführt hatten, ebenfalls alle i m Die Parteiwlrtsdiaft Im Handelsministerium Die,.gemeinsame Landcszentrale der freien Gewerkschaften befaßte sich in Ihrer letzten Sitzung ini Zusammenhang mit den Vcrhältniffen in der Schokoladenindustrie mit der,Kontingentierung der Kakaobohnen, deren Durchführung Hine Einschränkung her Schokolade- und Schokoladen Warenerzeugung verursacht, eine wackssetide. Arbeitslosigkeit der Arbeiterschaft In dieserJndustrie und eine Erhöhung her Preisei, dieier.Erzeugnisse, Die Landcszentrale Wicht sich daher gegen diese Maßnahme aus und gibt ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß die Einreihung der Einfuhr von Kakaobohnen in das BewilligungSverfahren vom Handelsministerium nicht nur ohne Kenntnis det Interessenvertretungen der Angestellten« und der Konsumentenorgänisationen vorgenommen wurde, sondern auch ohne Kenntnis der zuständigen Zen- traliimter. Auch die Zuteilung der Kontingente Überantwortete das Handelsministerium einer privaten Organisation von Nnternehmern ohne Kontrolle durch amtliche Stellen und ohne Mitwirkung der in Betracht kommenden Wirtschaftsorganisationen. MTP New N°rk, 13. April 1987 1 sper Kabel via Londons ' Das. Tempo der wirtschaftlichen Reformen nimmt von Tag zu Tag«inen schnelleren Grad an. Wenn man nur danach gehen würde, dann müßte man längst in der Tat von einer. Revolution sprechen. Der letzte Akt In diesem Schauspiel war das Duell zwischen Lewis und Ford, und es gab nicht wenige, die die Ansicht vertraten, daß sich Lewis an dem Starrsinn und der Energie des 73jährigen Automobilkönigs die Zähne aus- beißen werde. Zunächst schien es auch so, als ob diejenigen, die einen Sieg Fords prophezeiten, recht behalten würden, obwohl es von vornherein klar war, daß die Zeit der Selbstherrlichkeit der amerikanischen Jndustriemagnaten endgültig vorbei ist. Das ist die Konsequenz der Roosevelt'schen Wirtschaftr- nnd Sozialpolitik, die 1983 begann. Vieles, was Roosevelt in den ersten Jahren der Nira-Politik nicht durchsetzen konnte, holt er jetzt nach, Ivobei ihm äußere Umstände sehr zunutze kommen. Ford setzte seine Hoffnungen auf den schwe- ren Konflikt, der zwischen Roosevelt und den berühmten„neun alten Männern" herrscht. Diese Männer bilden den Obersten Gerichtshof der Bereinigten Staaten und dieser hat während der ersten Amtsperiode Roosevelts einen großen Teil der wichtigsten Nira-Gesehe wieder außer Kraft gesetzt. Jnfolgedeffen kündigte Roosevelt unmittelbar nach Antritt seiner zweiten Amtsperiode di« feste Absicht an, den Obersten Gerichtshof an Haupt und Gliedern.zu reformieren und vor allem einen Teil der ältesten Mitglieder in Pension zu schicken. Henri) Fords kategorische Erklärung, er dulde unter keinen Umständen, daß die Arbeiter in seinem Betriebe Gewerkschaftsmitglieder würden, und daß er infolgedeffen mit Vertretern der Gewerkschaften über Lohn« und Betriebsfragen unter keinen Umständen verhandeln werde, konnte sich bisher juristisch auf die Tatsache stützen, daß kein Gesetz in den Vereinigte» Staaten existierte, da? das Gegenteil vorschlägt. Es lag zwar aus dem Jahre 1934, also zur Zeit der Nira-Periode ein vom Repräsentantenhaus angenommenes Gesetz, der sogenannte Wagner National Labor Relations Act, vor, aber das Gesetz war, da es vom Obersten Gerichtshof als letzter Instanz noch nicht angenommen war, praktisch noch nicht-in Kraft-getreten. Der Gesetzentwurf verpflichtet- alle amerikanischen Arbeitgeber, die Unternehmungen in mehreren Einzelstaaten der ZS«.habest,''"-'“iB Steiflende QroBhandelsprelse 1 Der In de x der Großhandels- prei.se nach dem.Stande vom 1. April 1937 iveist ein Steigen nm 1.3 Prozent ans, d. i. VW 754 im März auf 784. Der Index der Nah- rungs- und Genuhniittel sank von 715 auf 712. der Futtermittclindcx blieb unverändert, so daß der.gesamte' NahrungS-, Genuß- und Füttermittelindex 893 gegenüber 898 im März beträgt. Der Index der Jirdustricstosfe und -Erzeugniffe erhöhte sich von 818 aus 842, d. i. nm 2.9 Prozent. In der Gr u p p e der pflanzlichen Nahrungsmittel kam cs zu keinen größeren Aenderungen. In der G r u p p e der tieris chen Nahrungsmittel stiegen die Preise von: Kalbfleisch um 2.9 Prozent, inländischem Schweinefett um 5.1 Prozent und ausländischem um 0.3 Prozent, sowie Butter um 4.6 Prozent. Eine Verbilligung verzeichnen dagegen Rindfleisch(1 Prozent), Schöpsenfleisch(5.1 Prozent) und Eier(8.8 Prozent) in geringem Maße Kaffee, Kakao und Malz. In der Gruppe der Metalle kam cs zu einer allgemeinen Verteuerung, und zwar bei Gießereien um 4.8 Prozent, bei Werkzeugstahl um 6.5 Prozent, bei Kupfer um 3.5 Prozent, bei Zinn um 21.7 Prozent und bei Zink um 13.7 Prozent. Eine Ausnahme bildet der Preisrückgang bei Blei um 2.7 Prozent und bei den(gewalzten) Fertig- und Halbfertigwaren aus Essen um 1.3 Prozent. Auch die Gruppe der Textilien weist ein weiteres Steigen der Preise aus, und zwar bei Rohbaumtvolle um 11.4 Prozent, bei Baumwollgarn um 10.8 Prozent, bei Rohseide um 6.1 Prozent und bei Jute um 2.7 Prozent. Von den sonstigen Industrie st offen und Erzeugnissen verteuerten sich: Rohleder um 7.3 Prozent, gegerbtes Leder um 2.5 Prozent, Petroleum um 3.9 Prozent, Leinöl um 8.7 Prozent und Zellulose um 6.8 Prozent. Man erhält für. 100 Reichsmark.... Markmünzrn..-. österreichische Schilling rumänische Lei.. polnische Zloty... ungarische Pengö.. Schweizer Franken französische Francs. englisches Pfand.. amerikanischer Dollar seine bisherige BctriebSpolitik völlig ausgeben müssen, und es ist nur noch eine Frag« von Tagen, bis die Automobilarbciter-Gcwcrkschaft von Lewis auch die Arbeiter der Ford-Betriebe als Mitglieder aufnchmcn wird. Wie aber kam der Oberst« Gerichtshof zu dem für seine Verhältniffe so überraschenden Beschluß? Zunächst einmal sind die„neun alten Männer" nicht so alt, daß sie nicht begriffen hätten, daß die wirtschaftliche Refyrmbewegung und die Neuorganisierung der ArbeitSverhältniffe in den Staaten durch«in juristisches Veto doch nicht mehr aufzuhalten sind, weil diese Entwicklung einfach zwangsläufig geworden ist: Die jetzige Entscheidung, des Gerichtshofes, wird dem Lande zahlreiche Streiks ersparen und damit der Gesamtwirtschaft dienen.- Zweitens aber wollte der Gerichtshof durch seinen Spruch das Seinige dazu tun, um den Konflikt mit Roosevelt zu applanieren. Dieses Ziel scheint erreicht zu sein, denn es heißt bereits, daß Roosevelt, höchst erfreut über das Inkrafttreten des Wagncr-Gsset- zcS, feine Rcformpläne in bezug auf den Obersten Gerichtshof, der sich jetzt so fügsam gezeigt hat, ans ein Minimum hcrabsetzen werde. : Ist es auch noch'zu früh, diese? Problem als endgültig gelöst zu erlläcen, so bleibt die Tatsache bestehen, daß durch dar Inkrafttreten des Wagner-Gesetzes die letzten Spuren des alten amerikanischen UnternehmergeistcS, der sein eigener Herr im Hause sein wollte, vollkommen und endgültig vernichtet wurden. Wagner-Bill und Henry Ford Der neue Sieg der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung Kd . 740.50 . 775.— . 528.50 . 17.60 . 548.— . 603.50 . 656.50 . 129.70 . 141.25 28.65 . 147.40 '.“'i572Ä." 65.80 > 485,-^ .4 626.— . 72b.— VOLKS ZUNDER ' Ä.S. I. ten Verbraucherniaffen. Die gemeinsame Landeszentrale der freien Gewerkschaften sprach sich ablehnend aus und stellte folgende Forderungen, durch welche die Viehproduktion unterstützt und' die Bcrbraucherintercffen geschützt werden würden: 1. Die Organisation der Erzeugung und deS Verkaufs mühte eine entsprechende Kontrolle nicht nur durch den Staat, sondern auch durch die Konsumenten und die Arbeiter und Angestellten ermöglichen. 2. Die Preispolitik der Gesellschaft dürfte nicht nur ihrer Entscheidung Vorbehalten bleiben, sondern müßte dem direkten Einfluß und der Mitcntschcidung der Konsumentenvertreter unterliegen. 3. In den Organen der Gesellschaft- muß unbedingt die Vertretung dec Befchäftigten und der Verbraucher gesichert sein! 4. Mit der PreiSregclung müßte unbedingt auch die Regelung der ArbeitS- und Lohubedingnngen der Beschäftigten verbunden sein. —.1 II* wIII/lHIIUU-*II|. ,,,_ B/.. a d» USA h°b°.i, gewerkschaftliche Zusammen- Marktverhaltnisse von Schlachtvieh und einigen Müsse zu dulden und mit den Vertretern der andern tierischen Produtten behandelt.^ach dieser Gewerkschaften Kollektivverträge abzuschließen. Jahrelang hatte sich der Oberste Gerichtshof geweigert, diesem in der Tat revolutionären Ge« i Verordnung sollte ein Syndikat aus Mitgliedern des bisherigen Syndikats gebildet werden, soweit sie die entsprechende Stammeinlage zeichnen und CTi«,*' I erlegen. Gegen den Entwurf traten bereits ver- wnrden die^ Beratungen^ vertagt.' Und nichl nur^ne Korporationen auf, denn der Entwurf Ford, sondern viele andere g?oße Unternehmer, die Gewerkschaften und Kollektivverträgen feind lich gegenüberstehen, konnten die Hoffnung ha ben, daß die ihnen so verhaßte Wagner-Bill Pa pier bleiben würde. In der Tat, in dem Maße, in dem sich der Konflikt zwischen Roosevelt und deit«neun alten Männern" znspitzt«, konnte die Hoffnung der Arbeitgeber nur. um so größer werden, zumal Roosevelt- sich offen für das Wagner-Gesetz erklärte. Am 12. April aber geschah«S, daß der Oberste Gerichtshof, nach einer sehr ausgedehnten Sitzung und heftigster Diskussion, mit fünf zu vier Stimmen das Wagncr-Gefetz annahm. Da mit ist ein ganz neuer Zustand geschaffen: Die Gewerkschaften sind nicht nur gesetzlich anerkannt, vielmehr kann jeder Arbeitgeber, der den Zusam menschluß seiner Belegschaft zu einer Gewerk schaft, sowie den Mschluß von Kollektivverträgen mit der Belegschaft, verhindert, nist Gefängnis bis zu zwei Jahren und einer sehr hohen Geld buße bestraft werden. Mit anderen Worten: Vor gestern noch konnte man Henry Ford zubilligen, dqß seine Haltung juristisch durchaus einwand frei sei, aber seit gestern steht er, wenn er diese Haltung beibchält, mit einem Fuß im Gefäng nis. Mit ihm alle jenen Unternehmer der-gro ßen Betriebes die sich bisher weigerten, Kollek«, tldverträgo abzuschließen. - Zweifellos wird also Ford,! wenn er nicht gegen die Gesetze des Staates verstoßen will, Landgelb oder hellgrün? Komplikationen um ein Damenldeid Prag.(—rb—) Im Juni des Jahres 1935 schickte die SckttonSratsgattin H. ein Kleid zum Reinigen und Auffrischen in die Biibcntscher Filiale einer hiesigen Reinigungsanstalt. ES war, nach dem einstimmigen Urteil aller Zeuginnen, die wir gestern vor Gericht hörten, ein Prachtstück, solvohl nach Material, als auch nach Schnitt und— namentlich— bezüglich der Farbe. Diese Farbe war jenes matt« Sandgelb, das in modekundigen Kreisen als„beige" bezeichnet wird. Als die Besitzerin dieses Kleid wieder abbolen wollte, batte sich diese dezente Modefarbe in ein häßliches, ungleichmäßiges und fleckiges Hellgrün verwandelt. Die Dame verlangte die Rückftel- lnng ihres beigefarbenen Kleides und die Firma erklärte wieder, sie habe nur ein hellgrünes übernommen. Eine von der Frau Vlasta H. angestrengte Klaae auf Schadenersatz im Betrage von 459 Iva» Bruckner ist: Alle Schicksalhastigkeit und heroische Größe im dramatischen Sinn, alle Tief« des Gefühles im stimmungS- mäßigen und alle Pracht des Klanges im Sinne jubelnd« Siegesfreude. Bruno Walter versteht es auch, Bruckner dort zum Hörerlebni»»u machen, wo Längen und Verworrenheiten den Genuß erschweren, so liebevoll und eindringlich ist er in seinem Amt und breitet das Werk in allen seinen Details bildhaft vor dem Hörer aus. Unter seiner Stabführung, unter der suggestiven Liebe und Güte seines Willens spielte das durch Mitglieder der Tschechisch en Philharmonie verstärkte Theaterorchester mit restloser Hingabe an das Werkünd— an seinen nachschaffenden Meister. Walter und seine instrumen- talen Helfer wurden begeistert gefeiert. E. I. Biedermeier- Humor. Bor kurzem faich in Prag ein Abend statt, bei welchem Poesie und Musik au» der Zeit der Vormärz vorgeführt wurden. ES zeigte sich, wie damals die hohe Negierung samt Polizei bemüht waren, alles zu dämpfen, wa» als Auflehnung gegen die bestehende Ordnung aufgefaßt werden konnte, und daß den Dichtern nur gestattet ivar, Lenz rurd Liebe, Natur und bürgerliche Eintracht zu befingen. Auch die Im Weinberger Stadttheater am 14. d. M. neu aufgeführtcn Einakter „Rohovin itverrohh" und„Bestlohra na most!" von B. K. Klicpera tragen alle Merkmale de» Äie- dermeier-Humor». Bor einigen Monaten hat auch E. F. Durian«in Stück von Klicpera in seinem Theater D 87 in steier Bearbeitung gespielt, wobei er aber dasjenige unterstrich, war politisch oder sozial travestiert werden könnte. DaS Weinberger Thcat« nahm von einer solchen Acnderung der Stücke, welche der Autor Poffen nannte, Abstand, aber auch so kann man au» ihnen, wenn auch leise, Anspielungen, die ein« Verhöhnung der damaligen Spießertum» sind, heraushören. Kleinstädtische Spieß« werden im ersten Stück von Malern verulkt, dar zweite Stück zeigt Biedermeier-Figuren auf einer Brücke, welche zwei feindliche Armeen trennt. Ein guter Einfall war es, zum Schluß al» „Sieger" kleine Burschen mit Papi«helmen und Genauigkeit, Klarheit und dazu klnderlelohte Handhabung, da» rind Eigtnaohaftin dar amarlkanlaohan CORONA Vor* tabla-SohrelbmaMhlne. Dlaaa Elgensohaften werden auch Ihr» Brlala aulwelttn, wann 81a al» aut dar CORONA achrelban, und für Ihr» Tätigkeit bedeutet die» einen neuen Sehritt vorwlrt», einen weiteren Sohrltt zu neuen Mügllohkelten u. gröeee- QIBIAN A 00. PRAO II., 3t£pANSKA 31. Senden Sie gratl« Prospekt der neuen Corona Standard. Name» Adrorni Holzsäbeln aufmarschieren zu lassen, welche da» bekannte Schullied vom Soldatcnspiel sangen. Das Publikum amüsiert« sich an diesen allväterlichen Stücken, insbesondere an den grotesken Figuren und Szenen, wozu auch die farbenreiche Ausstattung beitrug.(Bäclav Kliment Klicpera(1792—1859) war Gymnasialprofessor in Königgräh und Prag und verfaßte zahlreiche historische und patriotische Dramen, Lustspiele und Possen. Er swnd unter dem Einflüsse von Kotzebue und Mollire. Die beiden im Weinberger Theater aufgeführten Stücke, welche ein beliebtes Programm der Dilettantenbühnen bildeten, stammen au» den Jahren 1821 und 1828. Außer Theaterstücken schrieb Klicpera auch Erzählungen au» der Geschichte Böhmen». In einigen feiner Gedichte ironisiert«r die gesellschaftlichen Zu- ftände der Vormärz.) r. i., Spielplan de» Deutschen Theater». Freitag H8: Wie es Euch gesällt, Theatergemeinde der Jugend (II. Serie, grüne Karten) und freier Verkauf, Ab. aufgeh.— Samstag, 7: Warum lügst du, Chirie?; 1014: Die Puppensee,Das Zauberkabinett, zugunsten de» Ferialfond», Abonn. aufgeh.— Sonntag, halb 3: Kommen Sie am Ersten!, Arbeitervorstellung; halb 8: Da» Testament der Tante Karoline, C1. Spielplnn der Kleinen Bühne. Freitag 8 Uhr: Salzburg auSverkaust.— Samstag, 8: Das Paradies.— Sonntag, 8: Feine Gesellschaft, volkstüml. Vorstellung; 8: Der Illusionist. © Deutsch, VolkLsinggrmeinde, Prag. Wir ersuchen alle aktiven Sanges- genossinnen und-genossen, am Sonntag. den 18. April, tun 9 Uhr vormittag» beim Eröffnungschor zur Gene- ralversanunlung des GEC-Berbandes mitzuwirken. Treffpunkt präzis um ÄS Uhr vormittags in Prag l, Ende der Pakifsskä, bei der tschechischen Universität. Anschließend AuSschußsihung, zu der alle Ausschußmitglieder hiemit eingeladen werden. Führungen in Alt-Prag. Jüdischer Friedhof, Museum, Alt-Neu-Synagogc, Rathaus, am Sonntag, den 18. April, vormittags. Treffort: halb 10 Uhr HuSdenkmal. Ältstädter Rin». Rcgiebeitrag 2 sic. Veranstaltet von der Jugcndgruppe des Allgemeinen Angcstellten-Berbande», Ortsgruppe Prag. Uranla-KIno, Klimentshä 4. Fernsprecher 61628. Mit HalMAy, Alexander usw. Jeder denkende Sozialist muß täglich sein Parteiblatt, den„Sozialdemokrat", lesen. Sendet daher diesen Bestellschein an die Verwaltung des„Sozialdemokrat", Prag XII., Fochova 62. Bestellschein Ich bestelle vom:. den„Co){aIbenu(Mt<<, das gentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Prag XU., Fochova 62, zum Abonnementpreis von Ki 16*— monatlich. Bautet...- ,, Adreff«:...^.„....i.-,.^-..,:..:, Unterschrift: Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Hau» oder bet Bezug durch die Post monatlich Ui 16.—, vierteljährlich, Ui 48.—, halbjährig fli 96.—. ganzjährig AL 192.—.— Jnseratewerden laut; Tarif billigst berechnet. 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