Sozialdemokrat Erscheint mit««»«ahme de» Mantas tSgltch früh b2— Telephon 63077— Herausgeber: Siegfried Tpub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Freitag, 23. April 1937 Einzelpreis 78 A kUtk(einschließk. 6 Heller Porto) Aus dem Inhalt: Auslieferungsbegehren gegen Rösler Sramek-Expose zur Zivilprozeßordnung Wird Dr. Kellner zurücktreten? Nr. 96 »MMWWMW Schuschnigg: Vollkommene Bewegungsfreiheit Schuschnigg erklärte vor seiner Abreise nach Rom dem Korrespondenten der Stefani-Agentur, daß die Venediger Zusammenkunft im Zeichen der römischen Protokolle stehe. Diese Verträge Hätten die Erwartungen erfüllt, die ihre Autoren in sie gesetzt haben. Andererseits räumen die römischen Protokolle den beteiligten Staate» vollkommene Bewegungsfrei- heit ein, die für die-Zukunft noch.notwendig sein wird, damit jeder Staat seine Beziehungen zu anderen Ländern auf eigene Rech» » u n, e r w e i t c r n könne. Dreistündige Konferenz In Venedig< Wie«. Donnerstag nachmittags fand in Venedig eine dreistündige Konferenz statt, an der Bundeskanzler Dr. S ch« s ch n i,, und Staatssekretär Dr. Schmidt/ sowie Ministerpräsident Mussolini und Außenmini, ster Graf Gians, teilnahmen. Dir Besprechung, dir einen sehr Herzliche» und steundschast- lichen Charakter hatte, wird Frtttag vormittags fortgesetzt werdrn.AmRachmitta« wird rin Schluß- kommünigut über- das Ergebnis der Besprechungen auSg»geben.«erden. Madrid.(HavaS.) Die Geschütze der Republikaner bombardieren weiterhin Toledo. Die Stellungen der Republikaner ermöglichen eS, ein K r e u z f e u e r auf die Stadt zu lege». Der Borniarsch der Republikaner,.di« in dieersten Häuser eingedrungen sind, schreitet fort. Die Republikaner beginnen rin Haus nach dem anderen abzuriegeln. ES wird versichert, daß in Toledo sich nurmehr die militärischen Verteidiger befinden. Durch daS Artilleriefeuer wurde» am meisten die Hauptpost, der apostolische Palast und die Arena, di« die Aufständischen in eine Keine Festung verwandelt hatten, betroffen. Die Aufständischen hatten 400 Tote und verwundet«. BeiTeruel befestigten dieR e p uh l i- k a n e r ihre Position««, di« sie am Dienstag eingenommen hatten, und b«setzten wei te(re Stellungen zwei Kilometer westlich voll E e l a d a S. Im südlichen Teil dieser Front verbesserten die Republi kaner ihre Stellungen und besetzten einige Punkte, die di« Straße von Orihuela nach Egeh de Allbararin beherrschen. Im Abschnitt bei Pozoblanco an der Front von Cordoba ist Donnerstag ftüh«ine Abteilung von 170 Soldaten mit den Unteroffizieren aus den Reihen der Aufständischen zu den Rrgie- rungstruppen übergegangen. Die Soldaten hat ten vorher die Offizier« getöte«. An der nördlichen Front wurden dir feind- lichen Angriffe in glänzender Weise zurück geschlagen, wobei di« Aufständischen große Verluste erlitten. An der asturische» Front bei Trubie und Grad» beschaffen di« Regierungstruppen wirksam die feindliche» Stellungen. Südlich Tajo. ent wickelte sich leichtes Artilleriefeuer. Auch bei Cor doba wurden die republikanischen Stellungen Verbeffert. Von. 6er Madrider Front Der Havaskorrespondent teilt mit, daß die Republikaner«ine Gruppe von Häusern im Ab schnitt Carabanchel eroberten, womit sie sich einer Höhe bemächtigten, die eine weite Fläche be herrscht. Bei der U n i v e r s i t ä t S st a d t ver hindern die republikanischen Abteilungen mit Er folg, die Verpflegung deS Gegners. Die Flieger beschossen di« Stellungen der Aufständischen von der Franzosenbrücke bis zur La Corusia-Straße. Donnerstag vormittags wurde Madrid «eiter bombardiert. Ungefähr SU Menschen wurden getötet, an 1SV verwundet (einschließlich der vpser deS Luftangriffes am Mittwoch.) ... Dieses Bj>Mb«gchM«nt war d^'heftigste, welches Madrid jemals erlebt hat. Untier der Beschießung hatten insbesondere die Straßen Barquillo, Aleala, Gran Bia sowie di« Plaza Gareia Barnandez, wie die Puerta del Sol, das Kriegsministerium und die Bank von Spanien zu leiden. Die Aufständischen,^ welche sich innerhalb der. Universitätsstadt befinden, legten Mittwoch nachts unter großen Verlusten mehrere Bretter über die eingerissenc Brücke, um so eine Verbindung mit den Aufständischen in Case del Campo zu erlangen; sie können diese Brücke aber nicht benützen, da sie von republikanischen Ma- schinengewehrnestern aus intensiv beschossen wird. Mittwoch nachts haben die Abteilungen der Regierungstruppen unweit der Brücke starke Reflektoren aussahren lassen, mit deren Hilfe sie die Arbeit der Aufständischen beobachten konnten. Im Verlaufe dieser Aktion kamen mehr als 20 Mann der aufständischen Kampfabteilungen ums Leben. Donnerstag bei Morgengrauen unternahmen die Aufständischen im Abschnitt B a r r i o User«-einen heftigen Angriff. Der Angriff kam plötzlich, so daß die Republikaner einen Graben räumen mußten. Sie leisteten jedoch mutigen Widerstand und eroberten durch einen Gegenangriff den Graben wieder zurück und eroberten auch den Graben, von welchem der ur- sprüngliche Angriff der Aufständischen ausgegangen war, sowie eine Gruppe von 12 Häusern. * An der baskischen Front kämpft die Regierungs-Artillerie erfolgreich mit den feindlichen Batterien. Bei Ehbar versuchte der Feind einen Angriff gegen die republikanischen Stellungen. Wurde jedoch mit Verlusten zurückgeschlagen. Bei Ellria setzte sich der Feind nach heftigem Angriff auf die vorgeschobenen Stellungen bei Ämboto in neuen Positionen fest, auf die die Regierungstkuppen ihr Artilleriefeuer konzentrierten. Der, Feind wurde zerstreut. rend der Zeit der Manifestation am 1. Mai unbedingte Ruhe eingehalten werden. Die Gemeinsame Gewerkschaftszentrale nimmt auch dieses Jahr von selbständigen Kundgebungen der GetverkschaftSorganisationen Abstand und empfiehlt Sonderkundgebungen nicht. Sie will durch eigene Kundgebungen die Veranstaltungen der verschiedenen politischen Parteien nicht schwächen. Sie empfiehlt jedoch, daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten sich an den Kundgebungen der sozialdemokratischen Parteien beteiligen, welche die Unab- Sudetendeutsches Bevölkerungsproblem Eine auffällige und in ihren Folgen bedeutsame Erscheinung ist der Rückgang des Bevölkc- rungSzuivachses in unserem Lande. Noch 1080 betrug der Bevölkerungszuwachs in der Tschccho- sloivakischen Republik im Monatsdurchschnitt 10.462, im Jänner 1086 dagegen nur noch 4870 und im Jänner 1987 gar nur 666. Von dem Geburtenrückgang sind insbesondere die Sudetendeutschen betroffen. Während 1985 auf 1000 Tschechoslowaken 17.6 Lebendgeburten und 13.1 Todesfälle entfielen, kamen auf 1000 Deutsche 14 Lebendgeburten und 18.4 Todesfälle, d i e Zahl der Todesfälle erreicht also bei de n Deutsche ii beinahe die Zahl der Geburten. Von den Bezirken mit deutscher Mehrheit weisen bereits 83 eine größere Sterblichkeit als Geburtenhäufigkeit aus, so daß ein Bevölkerungsrückgang eintrttt. Gerade die Sudetendeiitschen solltet! also diesem Problem eine besondere Aufmerksamkeit widmen. Die geringe Bevölkerungsvermehrung hat beim Jndustrieproletariat zunächst soziale Ursachen. Seit 1929 ist die Existenzgrundlage tausender Menschen vernichtet worden. Es gab durch Jahre hindurch im Winter 800.000 bis 900.000 Arbeitslose, von denen wahrscheinlich gegen 800.000 Deutsche gewesen sind. Man rechne dazu eine wohl nicht viel geringere Anzahl von Kurzarbeitern, deren Leben ein täglicher Kampf gegen die Not gctvcsen ist und man erhält ein Bild sozialen Elends, welches der Gründung von Familien alles eher als günstig gewesen ist. Unter den Arbeitslosen befand sich ein« beträchtliche Anzahl junger Männer und Frauen, bei denen die Krise jede Möglichkeit der Familien- gründung untergrub. So zeigen sich in dem rapiden Rückgang der Bevölkerungsvermehrung die Folgen der entsetzlichsten Wirtschafts- und Lebenskrise, welche die Sudetendeutschen seit Jahrhunderten erlebt haben. Aber die sozialen Verhältnisse lassen auch heute, da der Tiefpunkt der Krise hinter uns liegt und sich die Arbcitsverhältnisse auch im sudetendeutschcn Gebiet gebessert haben, noch nicht eine stärkere Bevölkerungsvermehrung erwarten. Wohl hat eine größere Menge von Industriearbeitern Arbeit erhalten, aber ihre Lebenslage ist noch immer erschreckend tief. Nur durch schwere Kämpfe erringen die Arbeiter kleine Lohnerhöhungen. Ohne Erhöhung der Lebenshaltung breiter Massen ist eine stärkere Bevölkerungsvermehrung im Industriegebiet— und die Sudetendoutschen sind ein Industriebau— nicht zu erwarten. Das sollte auch der SdP zu denke» geben. Aber genau so Ivie diese Partei mit ihrem heimischen Abgeordneten beim Etrichstreik nicht auf der Seite der Arbeit, sondern auf Seite des Kapitals steht, so drückt sich die»Zeit", die sich vor mehr als Monatsfrist mit dem sudetendeutschen Bevölkerungsproblem befaßt hat, um die soziale Ursache der Frage herum.„Das Bevölkc- rungsproblem", so schmust das Blatt,„ist in erster Linie ein sittliches Problem und eS wiro darauf ankommen, ob ein Volk in seiner Gesamtheit die sittliche Kraft aufbringt, eine der Zu- ' tunst gegenüber verantwortungsbewußte Bevöl- i kerungspolitik zu betreiben". Die Etricharbeiter, i so glaubt wohl das Organ des Abg. Dr., Kellner, > brauchen nicht mehr Lohn, sie sollen vielmehr der > Zukunft gegenüber VeräntwortungSbewußtsein > haben. Wir glauben, diese Verantwortungsbe- i wußtheit sollte eher der Herr Dr. KeNner und > sein Blatt haben I' ' Gewiß, die Abneigung dagegen Kinder in die Welt zu sehen, hat auch eine sittliche und seelische Seite. In einer zusammenbrechenden Welt kann die Neigung, Kinder aufzuziehen, nicht groß sein, weil man um das Schicksal der nächsten Generation bangen muß und tmstl man fürchtet, den eigenen Nachkommen ein trauriges Los zu bereiten. Der Niedergang der kapitalistischen Wirtschaft raubt den Massen die LebenSmöglich- keit und gestaltet ihr Schicksal höchst ungewiß und problematisch. Der Ausblick in die Zukunft kann sich erst dann aufhellen, wenn eine neue gesellschaftliche Organisation neue LebenSmöglichkeiten bietet. Der Faschismus versucht die kapitalistische Welt vor einer neuen besseren. Gesellschaft g» retten, er, untergräbt damit- die Lebensmöglichkeiten der Massen und muß daher auch in dem für die Zukunft deS Sudetendeutschtums so wichtigen BeböllerungSproblem versagen. Regierungstruppen in Toledo Weitere Erfolge an allen Fronten eingedrungen Ftlr Frieden und Arbeit I Die Mal-Parole der Gewerkschaften tim 1. Mai, dem internationalen Feiertag i der Arbeit, stehen die Arbeitermaffen der ganzen i Welt dieses Jahr Seite an Seite mit ihren Ka meraden in Spanien, die In heldenhaftem Kampfe' seit fast Jahresfrist dem konzentrierten Angriff s der faschistischen Mächte Europas standhaltenl< Mit diesen Worten ruft der Vorstand des 1 Internationalen Gewerkschastsbundcs die Arbei ter der ganzen Welt auf, am 1. Mai für die glei- 1 ««» Ideale und Forderungen zu demonsttieren, für die Spaniens Arbeiterklasse kämpft und un sagbare Menschenopfer bringt. Diese Bezeugung der Solidarität ist zugleich ei» Anklagegericht ge gen die von» faschistischen Deutschland und Ita lien in Spanien begangenen Verbrechen und ein BekcnntüiS der Arbeiterschaft für den Frieden, der durch den Faschismus aufs schwerste bedroht wird. ES gilt daher, die sozialen und wirtschaft lichen Voraussetzungen für einen dauernden Frieden zu schassen: Noch haben Millionen von Werktätigen seit der letzten Weltwirtschaftskrise keine Arbeit ge- ftmden und schon nähern wir uns wieder neuen Kriegsgefahren. Was kann die Unfähigkeit und Unbrauchbarkeit des kapitalistischen Wirtschafts systems, der Wohlfahrt der Völker und der Erhal tung und Sicherung des Friedens zu dienen, stärker beweisen? Die Arbeiter der ganzen Welt werden deshalb am 1.Mai b«monstricren für einen gründ» siätz lf$ ji js yzh g V d e x'Mirischäfi, für die soziale Planwirtschaft, dieCrhöhung des allgemeinen Lebensstandards, die 40-Stunden« Woche als internationale Norm. Dem Ausruf des Internationalen Gcwerk- schaftsbundes schließt sich die gemeinsame Landes zentrale der GewerkschastSverbände der Arbeit nehmer vollinhaltlich an und fordert jedoch alle Funktionäre, Vertrauensmänner und die Mit glieder der angeschlossenen Mitgliedsverbände auf, daß sich alle an der mächtigen Kundgebung am 1. Mai beteiligen, welche dem Gedanken des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit gewidmet sein wird. Der 1. Mai muß die Reihen aller arbeiten den Schichten vorführen, welche um die A n er kenn u n g d e r Arbeit und Frei heit.des Menschen kämpfen. Alle, welche gegen die einseitigen Methoden der Ra tionalisierung, durch welche hundert tausend« menschliche Arbeitskräfte zum Feiern verurteilt, also aus der Produktion auSgestohen werden, protestieren, müssen am 1. Mai durch Massenbeteiligung ihren Protest und Widerstand bekunden. Sie müssen unter der Fahne des Sozialismus auftreten, welche Arbeit und Brot, eine bessere Gesellschaftsordnung, welche den Frieden und das Recht derBer- ständigung zwischen denNatio- n e n sichern will, welche sich um einen vollkom» tncneren Schutz, der neuen sozialeren Wirtschafts ordnung bemüht, wodurch die A r.b e i t s t o- sigkeit beseitigt und eine gerechtere Verteilung der Arbeit und des Einkommens ein treten würde. Neben den allgemeinen, grundsätzlichen und internatioitale» Forderungen des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit, haben die Gewerk schaftsorganisationen in dieser Zeit auch ihre be sonderen Forderungen. So IpSbesondere die voll ständigere Versorgung der ausgedienten Arbei ter, Witwen und Waisen, gerechte Arbeitsver mittlung und vollkommenere Fürsorge um die Arbeitslosen, femer einen dauernden Rechtsschutz und Sicherung der Kollektivverträge. Sorget dafiir, daß der 1. Mai zu einer wür devollen und mächtigen Kundgebung für eure ge rechten-Forderungen wird. Am 1. Mai soll jede entgeltliche Arbeit ruhen, ausgenommen jene Un. ternehmungen und Anstalten.-welche der Verkösti. gung und der Pflege der Kranken dienen, ferner Unternehmungen,- in- welchen au» technischen oder öffentlichen Gründend!« Unterbrechung des Be- triebeS. unmöglich ist.- Bei- örtlichen Transport« Unternehmungen,. Wetter in,den Unteryehmunnen für Lebensversorgung und Gasthausern, soll wäh« und wirtschaftspolittschen Gesetzgebungssorderun- gen unterstützen. Arbeiter, Beamte und Angestelltei Männer und FrauenI Alle in eine Reihet Bekundet euren Willen, indem ihr die Arbeit ruhen lasset und euch in Massen an den Maikundgebungen beteiligt! Schließt euch an, damit auch der heurige 1. Mai der Ausdruck eurer unbezwinglichen Sehnsucht nach dem Frieden, eine Kundgebung eures Widerstandes gegen die Methoden der Gewalt und gegen den Mißbrauch der politischen oder wirtschaftlichen Macht wird! Unterstützt durch die Maikundgebung die Gewissensfreiheit und die Freiheit der Gewerkschaftsbewegung! Gemeinsamer Wille und gemeinsames Ziel soll bei allen Kundgebungen zum Ausdruck kommen: die hängigkeit der Gewerkschaftsbewegung anerken- Forderung nach Frieden und nen, die die Einheit nicht stören und ihre sozial» IA r b e i t I Seite 2 Freitag, 28. April 1937 Nr. VS Dr. Heller im Senat: die beharrt auf dem Prinzip, das;. die Parteien Nach dem Expose des Ministers wurde die Debatte eröffnet, in der Dr. Prujjinskh(slo- vakische BolkSp.), Dr. Mareö(tschech. Sozial- dem.) und Dr. Mi iura(tschech. BolkSp.) sowie der Kommunist Dr. ClementiS sprachen. Dann wurde die Debatte auf Freitag um 19 Uhr früh vertagt. Eine mShrisch-schleflkche Deputation bei Dr. Hodja. Ministerpräsident Dr. Hodja empfing Donnerstag eine Deputation von. Abgeordneten und Vertretern der mährisch-schlesischen Selbsweotoaltung unter Führung des Abg. D o- lanskh. Die Deputation danlte dem Ministerpräsidenten für die Hilfe der Regierung, di- in den letzten Ministerratsbeschlüssen über die Verstaatlichung der Mittel- und landwirtschaftlichen Schulen des Landes, sowie über die Jnkame- rierung von Vezirksstrassen ihren Ausdruck fand. Die Deputation trug dem Ministerpräsidenten gleichzeitig weitere Vorschläge zur Entlastung des Budgets des Landes Mähren-Schlesiens vor. Der Ministerpräsident versprach, sie den zuständigen Ressorts zum Studium und zur Prüfung ihrer Durchsührbarleit abzutreten. Hinsichtlich de» fehlenden Familienrechte» stimme ich, sagte Dr. Heller, vollständig den Erklärungen de» Justizministers zu, dass diese Frage eine politische Ist«nd nur politisch gelöst werden kann. Wir werden nn» unter keiner Bedingung dazu hergeben, Privaten oder gewisien pnrteimähige» Interessen zuliebe Fragen ausznrollen«nd zu entscheiden, welche in ihren Endkonsequenzen de» Bestand der Koalition bedrohen könnten. Gestern hat der Präsident der Republik in einer Rede in Bratislava gesagt: „ES geht um einen neuen Humanismus, seine neue Philosophie, neue Moral und lein neue» Recht, welche die alte» Konzeptionen der humanistischen liberalen Demokratie den Bedürfnissen der Demokratie neuen Typ» anpaffen P ria g. Im Senat beschäftigte sich Genosse Dr. Heller eingehend mit dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch," wobei er nicht verschwieg, dass er die Vorlage für etwas zu konservativ halte und eü daher für notwendig erachte, sie in den AuS- schuhverhandlungen mehr der Entwicklung anzupassen, die unsere politischen und sozialen Berhält- nisse genommen haben. Er führte u. a. aus: ES ist kein Zweifel, das; unser Bürgerliches Gesetzbuch, das sicher ein sehr gutes Gesetzbuch war, einer Erneuerung bedarf, und nicht nur aus Gründen der Unifizierung, sondern auch deshalb, weil sich in den 129 Jahren seines Bestehens die Verhältnisse geändert haben. Durch die Schaffung eine» neuen Bürgerlichen Gesetzbuches werden viele Bande zerrissen, die uns bisher mit anderen Ländern verbunden haben. Das A. B. G. B. ist ja noch im heutigen Oesterreich und in groben Teilen der Nachfolgestaaten in Geltung. Doch ist die Notwendigleit der Unifizierung und Modernisierung unseres Rechte» unstreitig gröber als die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung de» Zusammenhanges mit anderen Ländern. Wie stellen wir uns dir Schaffung solch eines neuen Bürgerliche» Gesetzbuches vor? Ta gibt es zwei Wege: die Kodifizierung dessen, was im gegebenen Zeitpunkt Recht ist, oder die Schaffung eines Rechtes, das den Aenderungen der Verhältnisse Rechnung trägt. Ich glaube, die Verfasser des vorliegenden Gesetzentwurfes nicht zu kränken, wenn ich sage, dab sie den ersten, den konservativen Weg gewählt haben. Der vorliegende Entwurf berücksichtigt in vielfacher Weise Entschri- dungen des Obersten Gerichtshofes, versucht auf diese Weise Streitfragen au» der Welt zu schriden, er kodifiziert aber im allgemeinen nur da», was schon bisher«ar. Ja es gibt Partien in dem neuen Entwurf, die vielleicht hinter dem, wa» wir heute schon haben, noch zurückbleiben. So enthält der 8 987 über die Kolleliivverträge lediglich eine— und nicht einmal sehr glückliche— Definition der Kollektivverträge, ohne aber auch nur so weit Folgerungen zu ziehen, als sie heute schon geltende» Recht sind. Man sagt, der Gesetzgeber solle„nicht sxveri- mentieren". Diesen Vorwurf wird man der Vorlage nicht mache» können! Ein neue» Recht soll aber unter Berücksichtigung der Entwicklung geschaffen werden, die unsere politischen und sozialen Verhältnisse geschaffen haben. Wir leben in einer Feit, in der die Grundsätze de» Liberalismus nicht nur auf Ivirtschaftlichem und sozialem, sondern auch auf politischem Gebiete in vielen Ländern über Bord geworfen worden sind, nm anderenStzstemen Platz zu machen. Bei uns zulande zum Glück nicht. Unsere Demokratie ist ja nicht eine Negierung des Liberalismus, fon- deri; dessen Anpassung an die geänderten Verhältnisse. Dieser Anpassung trägt der Entwurf keine dder nur ist sehr geringem Mabe Rechnung. Wir werden daher unsere Bemühungen auf de» Versuch konzentrieren müssen, unser neue» Bürgerliche» Gesetzbuch derart zu gestalten, dass e» hinter der Entwicklung nicht zurückbleibe, sonder» neue Wege im Sinne der neue» Entwicklung weise. Da» ist keineswegs„Bolschewismus". Da» Etzstem des Bolschewismus hat ja mit dem. wa» w i r wünschen, nicht» zu tun. Da» illechtsstssteul des Bolschewismus ähnelt viel mehr gewissen autoritären Regimen als unseren Ansichten über dis Demokratie. Aber auch die Demokratie darf nicht stagnierend sein, sie muss vielmehr eine handelnde, aktive Demolratie sein und darf die. im Volke wirkenden Kräfte nicht hintanstellen zugunsten einer überkommenen, heut: aber nicht mehr im vollen AuSmabe geltenden Anschauung. beharrt ans dem Prinzip, dass die Parteien die rechtliche Verpflichtung haben, im Zivilprozess die Wahrheit zusprechen. Aus dem slowakischen Recht übernimmt der Entwurf den Rekurs gegen Kontumazurteile wegen Versäumnis der ersten Tagfahrt, um die Härte zu mildern, zu denen eine solche Versäumnis manchmal führen kann. Sehr wichtig für die historischen Länder ist die Lockerung des Verbotes neuer Beweisanträge im Berufungsverfahren. Der RegierungSentwurf hat hier einen Mittelweg eingeschlagen, da das slowakische Recht hier bisher sogenannte volle Deru- fungSmöglichkeit zuläbt. In da» EinMrungSgesetz wurde mich ein ganzer Komplex neuer Vorschriften ausgenommen, die zum Schutze der Interessen der StaatSverteidi- gung im Gerichtsverfahren bestimmt sind. Damit wurde eine empfindliche Lücke in unserem formalen Zivilrecht auigefüllt. * würbe, welche die heutige, durch den Weltkrieg und durch die Erfahrungen erfolgreiche» und gescheiterter Demokratien und europäischer autoritativer Regime verursachte Krise überwinden amte". Eine bessere Richtschnur für die schweren, langwierigen Berhaudlungen, welche wir bei der Beratung diese» Gesetzentwurf«» zu führen haben werten, Am» e» nicht geben. Im Sinne der Aulführungen unsere» Präsidenten, tm Sinne der Ideen, die er und sein Borgünger vertreten, wollen wir an die Arbeit gehen und wir hoffe», daß wir denen, die nach un» kommen, ein gute» und brauchbare» Gesetz schaffen werden! lvei fall.) * Nach längerer Debatte genehmigte der Senat den Regierungsantrag, die Vorlage zunächst in gemeinsamen Beratungen der verfassungsrechtlichen Ausschüsse beider Häuser zu behandeln, und vertagte sich dann auf Dienstag, den 27. April, um 16. Uhr, Auf der Tagesordnung steht Vordebatte über die Zivilprozeßordnung. Der„neue Humanismus“ auch Richtschnur für das neue Bürgerliche Gesetzbuch i Zivilprozeß-Unifizierung bringt größere Aenderungen mit sich Expost des Ministers Dr. Sramek im Abgeordnetenhaus Prag. Das Abgeordnetenhaus nahm in seiner gestrigen Sitzung zunächst den Antrag der Regierung an, da» neue Bürgerliche Gesetzbuch nach dem Gesetz 41/37 in gemeinsamen Beratungen der zuständigen Ausschüsse der beiden Kammern zu behandeln. Dann eröfsitete lknifizie- rungsminister Dr. S r ä m e k mit einem Exposee die Bordebatte über die von feinem Ressort ausgearbeitete Zivilprozeßordnung, der auch daS Gesetz über die richterliche. Zuständigkeit und daS Einführungsgesetz hiezu beigeschlossen ist. Der Minister wie» einleitend auf die wichtige Sendung des Prozessrechte» in einem geordneten Staatswesen hin. Der Zivilprozess ergänzt da» bürgerliche Recht, denn er verbürgt dessen Realisierung für den Fall, dass da» verpflichtete Subjekt sich seiner Pflicht widersetzt und damit die Rechtsordnung und die Ordnung überhaupt verletzt. Ohne da» Zivilprozessrecht hätte auch da» beste materielle Recht keinen Wert. Der besondere Charakter diese» Gesetzeswerke» hat auch eine besondere Regelung der UnifizierunaS- arbeiten erforderlich gemacht. Man musste eine möglichst enge Zusammenarbeit der Vertreter der Prozesswlssenschast und der Praxi» und dabei auch die gleichmässige Teilnahme von Juristen au» beiden Rechtsgebieten der Republik sicherstellen. Hauptzweck der Vorlage ist die U n i f i z i e- rung. E» war schwierig, auf den bisher geltenden z so e i Gesetzen ein einheitliche» Gesetz aufzubauen, denn die beiden bisherigen Gesetze unterscheide» sich stark, in der Regelung der einzelnen Prozessfragen. Aus beiden Gesetzen musste da» herausgeholt werden, wa» in jahrelanger GerichtSpraxi» erprobt wurde und sich im Rechtsleben gut bewährt hat. Zu-dieser hauptsächlichen Aufgabe trat noch die Notwendigkeit gewisser wichtiger Nef armen hinzu. Endlich musste man auch gewisse Prozessvorschriften, die bisher in anderen Gesetzen zerstreut Ware», in ein einheitliche» Etzstem dringen. I Der Minister ging dann auf Detail» der Vorlage hinsichtlich der Gerichtsbarkeit im Hand eirund Bergwesen ein, an der auch Laienrichter teilhaben. Eigene Handelssenate sollen künftig nicht bei jedem Kreisgericht, fanden; nur in grösseren Handelszentren bestehen. In der Slowakei werden sie neu eingeführt. Der Entwurf vertieft und betont den Grundsatz der M ü n d l t ch k e i t de» Verfahrens und 10 JUNGES WEIB e VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT Schmerz und Qual und letzter Widerstand schmolzen dahin, die Schultern zogen sich zusammen, es zuckte um deu Mund, aber ein Arm lag uin den Rücket;, ein starker Arm, und eine einzige Betvegung toiirde genügen, um alles auf- zugeben und das ganze Leben zu vergessen an der Brust dieses einen, der da nun doch zursickgekom- men war. War es der Flnß, war es die Nacht und die Verlorenheit der Stadt it; ihrer Fittsternis, die dieses jahrelange Lebet; allein zu Schutt und Asche brannten? Es war wohl nur die furchtbare Gewalt des einen Augenblicks im Theater gewesen, als sie sein Gesicht gesehen hatte, geliebtestes Menschenangesicht, Vision an; Abgrund der Hoffnungslosigkeit, Und dann doch Fleisch und Blut und ewig ersehntes, verloren geglaubtes Leben, von dem sie sich mit aller Auflehnung gekränkten Stolzes einmal abgewendet hatte, ohne jetnalS von ihm loszukommen. ES war nicht die Nacht, es war nicht der, Fluss und die Verlorenheit der Stadt in der Finsternis, es war auch nicht der eine Augenblick gelvesen, an den sie nicht mehr geglaitbt hatte, wie ihr der Älarüten an den Mann Arnold Bannholzer verlorengegangen tvar,— es war daS Schwert der Liebe, und eS wurde umgedreht in-ihrem Herzen. Sie stöhnte auf in dieser Nacht, hart an den Mann gelehnt, an shn geschleudert von einer Kraft, der des Menschen Wille ohnmächtig auS- geliefert ist, und der Fluss trug sich ins Meer, und die- Weite wurde nah unät tief, und ein Entrinnen gab es nicht. Wusste sie die Worte noch, die gefallen seit jenem ersten Augenblick, da sie sich angesehen hatten nach der Trennuim? Hatte sie den Blick, den heiss uitd angstvoll sie umklammernden, des jungen Schauspielers denn überhaupt bemerkt, als sie an der Seite Bannholzers aus dem Portale schritt? Ein eittziger Satz nur war geblieben aus all den Erklärungen und Fragen, aus der Erschütterung und Masslosigkeit, die ihr Leben at; diesem Abend erfuhr. „Ich bin gekommen, um zu fragen, ob du meine Frau sein willst, Veronika." Fassungslos hatte sie die- Lippen bewegen wollen,‘iiodf einmal brannte die Erniedrigung in ihrer Seele auf; die sie seinetwegen erduldet hatte, damals, in jenem Zimmer, ewig unvergesslich,— Erniedrigung, an der sie nicht geswrben war, sondern sich aufgerichtet hatte in eine klirrende Einsamkeit hinein. „Du bist gekommen k..", stammelte sie, und alles, ivaS gewesen war an Bitterkeit, und alles, waS an Menschen und Begegnungen durch sie hin- durchgegangen tvar, und alles at; Fluch und Ber- ztveislnng siel von ihr ab. Und sie war Ivie eine, die ihn; Nachfolgen muhte, ihrer Liebe und ihrem Mant;, in tvelche Höllen und it; welche Täler dieser Weg auch führte und welche Opfer er von ihr verlangte. Opfer,.. Denn sie hatte gestern noch bei einem anderen Mann gesessen, still im Lampenlicht, lejs gerührt von seinen Beschwörungen, vielleicht auch nur von der Geschichte seines Lebens, der sie lauschte wie einen; Geschehnis aus anderer Welt, während sie spürte, dass ihr'Leben, dieses niemandem dienende, einen Sinn bekommen und nicht völlig unnotwendig zu Ende laufen, würde, wenn sie bei diesem Manne blieb, wenn sie daS eigene Herz überwand und sich bemühte, ihm; der so viele? überwunden hatte, Fräst und Freundin oder IvaS auch immer zu sein... Und nun; nun hatte sie auch ihn vergessen,. von einer Nacht zur anderen auch, ihn, und lehnte, eine Verräterin an ihrem Versprechen, an der Schulter dieses zu ihr Heimgelehrten, dieses Verlorengeglaubten, dieses Mannes Arnold Bannholzer, und wusste nicht mehr, was sie tat. .„Du Ivillst wohl nicht, Veronika?" Da löste sie sich von der Schulter, und sie sah ihn an, und das erstemal konnte sie lächeln über ihn, der da glaubte, dass die Entscheidung noch von ihre»; Wille«; abhängig tvar, das erstemal atmete sie auf in einer heissen Freude, und die Erkenntnis, dass die Utstvirklichkeit der letzten Stunde strahlende Wirklichkeit sei, überflutete sie ' wie eine Offenbarung. Ganz allein war sie jetzt,, trotz der Geborgenheit, in die die Nähe dieses Mannes führte ,und ganz allein würde sie das zu verantworten und ihren Abfall zu rechtfertigen habet; vor dem anderen... '„Warum antwortest du nicht, Veronika?" Sie hob die Hand und berührte sein Gesicht, und dass es diese Gnade geben konnte, mit der Hand sein Gesicht zu berühren, überwältigte sie von neuem. Schluchzend warf sie sich an seine Brust, und seine Arme schlossen sich um sie wje die Arme eines Verzweifelten um seine letzte Hoffnung, nnd ein furchtbarer Verdacht stieg in ihm hoch und zerprehte seinen Atem: „Du liebst wohl— einen anderen, Veronika?" 1 c ‘ Nun hätte sie es sagen können, in diesen; Augenblick, der nicht mehr wiederkam. Sie aber machte sich aus seinen Armenssrei.und lachte leise, voll zitternder Angst, und" dieses Plötzlich aufgesprungene, bittersüsse Lachen, steigerte sein''Misstrauen bis zur Unerträglichkeit. „Ist eS— dieser Kerl da— dieser—Schauspieler, der bei euch wohnt?" „Nein, es ist niemand"; sagte Veronika, und wie sie vor ihm stand, erstarrt im zarten Umriss dieser Nacht, zweifelte er an ihrem Herzen, denn er hatte das tiefe Erschrecken'gespürt, mit dem sie alles ablehnte, abwehrte und verleugnete, das nicht mit ihn; zusammenhing und da» es dennoch gab. Zivilisten nur Im Krieg unter Feldgerichtsbarkeit Ausschuß Ändert die Vorlage Im VerfaffungSausschuh des Abgeordneten» Hauses stand Donnerstag die Vorlage über die -militärischen Feldgerichte zur Verhandlung. Der Referent Richter gab einen Bericht über die Ergebnisse der Verhandlungen des Subkomitees, das den Negierungsentwurf in einigen Punkten ergänzte, bzw. abänderte. So entstanden bei Paragraphen 468 Zweifel, ob durch ihn nicht in Frieden»zeiten die Kompetenz der Militärgerichte auf die Zivilbevölkerung ausgedehnt wird-. Um jedwede, Bedenken auszufchalten. hat da» Subkomitee den Paragraphen durch einen weiteren Absatz ergänzt, wonach die Bestimmungen über die Kompetenz, bzw. Zuständigkeit der Militärgerichte unverändert bleiben. Um klarzustellen, dass die Richter bei den Feldgerichten von der Vollzugsgewalt absolut unabhängig sind und dass sie in Disziplinarischen unabhängigen Gerichten unterstehen, wurde der Paragraph 469 entsprechend ergänzt. . Der Kommandant wird künftig entscheiden können, ob der Verurteilte die Haftstrafe s»fort antreten soll oder ob er in der Front zu belassen ist, um die Strafe erst nach dem Krieg zu verbüssen. Dadurch will man der Drückebergerei Vorbeugen. Mit diesen und anderen Aenderungen wurde die Vorlage vom Ausschuss angenommen. Dr. Hodza für enge Zusammenarbeit der beiden Kammern Am Donnerstag fand unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Dr. Hodja und unter Teilnahme des Cisenbahnministers B e ch tz n i eine gemeinsame Sitzung der Obmänner der Abgeordneten- und Senatoren-Klnbs der Koalitionsparteien statt, welche die Beendigung der parlamentarischen Beratung des Eisenhahngesetzes vorbereitete. In der Aussprache machte der Vorsitzende der Regierung auf die Bedeutung des Zusammenwirkens der Abgeordnetenkammer und de» Senate» aufmerksam, welche immer wichtiger werde» wird, weil die Regierung für die Zukunft nicht auf dem bisherigen Umfange drS Ermächtigungsgesetzes zu beharren beabsichtigt. Der Umfang de» Ermächtigungsgesetzes wird allerdings den a«ö parlamentarischen Kreisen erhobene» Wünsche» nur unter der Bedingung angepasst werden kön- Inen, daß die'parlamentarische Demokratie.schlagfertig' und expeditiv in allen- Richtungen sein wird»nd daß sie für diese Tätigkeit-auf jede Weise und insbefoitdere durch die Organisierung der Zusammenarbeit beider Kammern der Nationalversammlung sorgen wird. Zum Vizepräsidenten deS Abgeordnetenhauses anstelle des verstorbenen Abgeordneten Önder ä o wurde vom Parlament am Donnerstag der Abgeordnete Loses S i v a k gewählt, der gleichfalls der Slowakischen Volkspartei angehört. Die Wahl erfolgte ohne Stimmzettek durch blosse Akklamation. Und er beschloss, der Sache auf den Grund zu gehet;, denst dieses neue Leben mit Veronika durste nicht mit einer inneren Lüge beginsten, wen» es nicht iwtwendig in sich sellsst zusamn;enstürzen sollte. „Wenn du ihn liebst..."/begann er, zer« qnält darum, die Wahrheit zu erfahren, . wenn du ihn liebst, Veronika— und wenn du darum weinst— jetzt weinst du hast doch früher nie.— geweint, Veronika... Wenn es das Ist, Veronika, wenn'es— Bernd ist——" „Es ist ja gar nicht Berndl", sagte sie da und wurde sich der Zweideutigkeit dieser Worte erschreckend bewusst, und trocknete verwirrt die Tranen, die über das Gesicht in den Hals-tropften, und ahnte, dass es auf diese Worte gar keine andere Frage geben konnte als die, hie er-jetzt drohend, gewalttätig fast, hervorstiess: «ES ist nicht Bernd? Wer aber ist es denn?" Da wusste sie, dass er eS. nicht ertragen würde, dass sie sich einem anderen versprochen hatte. Sie wusste, dass er ihr nicht glauben würde, dieses'Versprechen sei an» einer Art von Mitleid und Kameradschaftlichkeit-gekommen, aus. einem Augenblick der Schwäche, da das Alleinsein-unerträglich ward.und es notwendig schien, für einen Menschen, irgendeinen, da sein zu können, Wenin nicht daS ganze Dasein.sinnlos verrinnen sollte. Sie hatte Truckenbrott heiraten' wollen,— ach, TruckeNbrott oder einen anderen, wie nebensächlich war der Name,— dieser Mann da neben ihr würde- es niemals begreifen, niemals überwinden können, dass-.sie die Frau irgendeines anderen hatte werden'wollen, ohne diesen anderen' zu Reben; Denn nur dieses eine, dieses zwischen' ihm und ihr, würde Gültigkeit besitzen, wenn eS ein«' mal in die Waage des Lehens geworfen wurde. Und Veronika, die aufrechte, gerade/ ehrliche Veronika richtete sich noch etwa», gerader auf-und neigte den Kopf leicht nach hinten, so dass sich'ihr Gesicht dem üerdüsterten Blick des Manne» rein und füss.entgegenhob; Nr. 96 Freitag, 23. April 1937 Seit« 3 fudetendeBfedicr Xcifcpic^cl Rücktritt des Abgeordneten Dr. Kellner? Auseinandersetzung In der SdP Uber den Etrlch-Strelk Im Parlament kursierte Donnerstag das Gerücht, daß innerhalb der führenden Kreise der SdP und des Klubs der SW-Abgcordneten die Frage des tveiteren Verbleibens des Abgeordneten Dr. Kellner stark umstritten werde. Die Tatsache, daß zwischen der Leitung der Etrich-Fabrik und dem früheren Kreisleiter und Abgeordneten der SW Dr. Kellner innige Beziehungen bestehen und daß er trotz aller Dementis in die Angelegenheiten de» Betriebes dreinreden und vor allem den entscheidenden Leuten des Unternehmen» etwas sagen kann, wenn er will, lätzt sich nicht au» der Welt schaffen. Durch die letzten Zeitungsmeldun- gcn und vor allem durch die verunglückte Presse-Berichtigung, wurde bekannt, dah Herr Dr. Kellner nicht in Abrede stellt, dah zwischen ihn» und der so zu trauriger Berühmtheit gelangten Fabrik in Fungbuch— sei eS auch nur durch ererbte Rechte, die ihm durch die Vertretung seines KindcS wurden— Verbindungen bestehe», die sehr wohl zu der Forderung der Arbeiter führen können, dah dieser Abgeordnete Dr. Kellner mit ettvaS gutem Willen in die Verhandlungen zwischen den Arbeitern und den Firma-Vertretern eingreifen könnte, wenn ihn sein Privatinteresse nicht daran hindern würde. Vor allem. aber wird die Stimmung der zur Gablonzer Gewerkschaft und der SdP gehörenden Investitionsanleihen deutscher Gemeinden und Bezirke Der Landesausschuß hat in seiner letzten Sitzung zahlreiche Jnvrstitionsanleihen von Gemeinden und Bezirken genehmigt, darunter auch eine Reihe deutscher. So wurde dem Bezirk Neu- d e k die Aufnahme einer Anleihe von 420.000 KL für den Bau der Strahe Reudek—Eisenberg— Hammern bewilligt. Der Gemeinde Klein» a fei e ä b bei Teplitz-Schönau wurde die Aufnahme eines Darlehens von 400.000 KL zum Bau von Wohnhäusern, der Stadt Braunau von 100.000 KL für den Bau eines Polizei- gcbäudcS, der Stadt OberleutenSdorf, politischer Bezirk Brüx, von 000.000 KL für den Bau eines Rathauses, der Stadt Prachatitz von 300.000 KL für den Bau eines Wohnhauses, der Stadt B i l i n 180.000 KL für den Dau eine». Polizcigcbäudes, der, Gemeinde Oua- II sch. Bezirk.Trantenau, von 878,000. KL, für den Bau einer Wasserleitung, der Stadt Hotz e n e l b e 284.000 KL für die Erweiterung des Friedhofes.und der Gemeinde L u k a u, Bezirk Landskron, die Aufnahme eines Darlehens von 140.000 KL für Zwecke der Elektrifizierung bewilligt.(DRD.) Oer Uederkall In Golddorf Zu dem Ueberfall auf unseren Kogerauer Lokalvertrauensmann, Anton H«n t f ch, erfährt der„Bolkswille" noch folgende Einzelheiten: Am Sonntagnachmittag kamen die Genossen Anton Hentsch und Anton Sölch ins Gasthaus Fischer in Golddorf, wo auch einige auswärtige Henleinanhänger anwesend waren. Die ganze Zeit wurde kein Wdrt über Politik gesprochen. Abends erschien dann die ganze Henleinmeute aus Golddorf, das ein ausgesprochenes Faschistennest ist. Sofort begannen die Henleinanhänger zu st ä n kern. Der Ortsleiter der SdP, der schon öfter in Raufhändcl verwickelt war, hielt mit versteckten Drohungen gegen Hentschnicht zurück. Streikenden über die Haltung des Herrn Abgeordneten Dr. Kellner von Tag zu Tag erbitterter, zumal diese Leute vom ersten Tage des Streikes von der Macht der Volksgenossen bei der Entscheidung über die Forderungen der Etrich-Arbeiter, denen bekanntlich auch die Vertreter der SdP zu- gestinnnt hatten, überzeugt waren und auch davon xedeten. Würde sich die bittere Stimmung nur auf die paar zur SdP gehörenden Etrich-Arbeiter erstrecken, wäre die Sache nicht sehr schlimm; aber eS wird nunmehr in allen Textilbetrieben des Aupatalcs über das Versagen der SdP und der Volksgemeinschaft in diesem Kampfe heftig diskutiert und die Auswirkungen einer solchen Auseinandersetzung sind für die SdP von viel weittragender Bedeutung als eine Debatte Mer die Vorgänge in den Fützrerkreisen der SW. Wohl hat der Abg. Sandncr seinen Kollegen Dr. Kellner, als dieser Donnerstag im Parlamentssaal erschien, ostentativ begrüßt, aber diese Geste lieh darauf schlichen, wie notwendig solche Kundgebungen für den Mann schon geworden sind. E» ist kein Zweifel mehr: diese erste soziale Schlacht hat die SW an die Sozialdemokraten verloren. Ganz gleich ob Dr. Kellner bleibt oder geht. Hentsch drängte nun zum Aufbruch, die Zeche war schon beglichen; vor dem Weggehen begab er sich noch einmal auf die Toilette. Nach einiger Zeit kam er wieder in das Schanklokal und sagte zu Sölch, dah er wahrscheinlich mit einem Gummiknüppel von rückwärts niedergeschlagen wurde, wobei er drei Henleins, darunter den Ortsleiter, als Täter bezeichnete.' Nach echt deutscher Art verlegten sich die Teutonen sofort aufs Leugnen. Dann sprangen sechs oder acht dieser Leute auf, ummitStühlenundBier» gläsern abermals gegen Hentsch loszugehen. Solch stellte sich schützend vor den schon Verletzten. Nun wurde auch ihm gedroht. Sölch brachte dann Hentsch mehr schleppend als gehend nach Hause und benachrichtigte sofort den Arzt und die Gendarmerie. Nach dem ärztlichen Gutachten dürfte eine Gehirnerschütterung die Folge dieses Ueber- fall» fein. Herrn Sedlatsdieks Blut und Boden Die„M ufikblätter derSude- te n de u tf che n", mit denen wir uns bereits im Borjahr beim Erscheinen ihrer ersten Nummer beschäftigten, lassen keinen Zweifel Wer ihren „tieferen" Zweck aufkommen. Schreibt da beispielsweise in der letzten Folge dieser Blätter ein Herr Erich Sedlatschek(ein prädestinierter Teutone also) über„Lied" und Wehrhaftigleit". Eine Probe daraus wird genügen:„D e r M y- thos vonBlut undBodenmuh erstehen und je stärker wir in das Gebiet des echten Mythos Vordringen, um so kräftiger werden die Heimatlieder oder besser gesagt: die Hymnen der Heimat. Sie sind notwendigerweise auch Hymnen der BolkSbrüderschaft. Unser Volk ist gerade jetzt ausgehungert nach solchen Hymnen." Wir hatten allerdings geglaubt, dah das Volk nach ganz anderem hungert. Aber man muh eben viel über Bord werfen; unter anderem auch das alte Wort: Wo man singt, da laß' dich ruhig nieder... Der Krlmlnalfall 1 Von Hertha Pia Peter erwachte mit einem komischen Gefühl im Magen, erinnerte sich jedoch ball» daran, dah die letzt« Mahlzeit, die er zu sich genoinmen hatte, da» Frühstück ont vergangenen Morgen gewesen ivar. Seit vierundzwanzig Stunden hatte er also üichtS gegessen! Dann fiel ihm ein, dah er dieses Zimmer ja mit Morgenkaffee gemietet hatte. Er fuhr also in seine Pantoffeln, steckt« seinen zerrauften Kopf durch den Türspalt und rief nach seiner Wirtin. Aber nur ein unwillige» Gebrumm aus der Gegend der Küche antwortete ihm. „Bitte, liebe Frau Löhlein, kann ich mein Frühstück bekommen?" versuchte er«S darauf mit seiner betörendsten Stimm«. Aber der Erfolg war gleich null. „ES gibt kein Frühstück mehr, junger Mann", kam es energisch zurück,„zahlen Sie erst mal Ihr« Metel" Peter verlegte sich aufs Bitten,, aber der Knall einer unsanft in Schloh beförderten Tür war die einzige nicht mihzuverftehend« Antwort. In diesem Moment schrillte das Telephon auf dem Flur. Mit einem Sprung war Peter beim Äppa- rat. Vielleicht war es ein« Antwort auf sein Stellengesuch! „Hallo... ja, selbst am Apparats— Wie — ob ich sofort kommen kann) Aber natürlich! Worum handelt es sich denn eigentlich? So, so— ein« Perlenkette ist Ihnen gestohlen tvordenl Parkallee 11? Gut, ich bin in einer Viertelstunde bei Ihnen!" Nachdenklich sah Peter auf das Telephon, schüttelte den Kopf und verlieh bald darauf das Haus. Parkallee 11 war ein prächtiges Haus und lag in einem großen Garten. Peter stand einen Moment in achtungsvolles Schauen versunken, als er ziemlich unsanft aufgeschreckt wurde. Ein recht harter, roter Gwnmiball hatte ihn an der Nase getroffen. Wütend fuhr er hoch, dem» sein Nasenbein schmerzte gehörig. Schließlich hatte er seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen, und Hunger macht bekanntlich nicht sanftmütig. Jenseits des Gitters stand ein kleines Mädchen, das ihn ängstlich ansah und gerade Miene machte, davonzulaufcn. „Hast du den Ball geworfen?" fragte Peter streng und rieb sich seine Nase. Da» Mädchen nickte. „Gut", sagte der junge Mann entschlossen, „dann werde ich das deiner Mutter erzählen I" Das Gesicht deS Kindes wurde rot.„Ach bitte, tu da» nichts" bat es.„Mutti ist schon heut« so böse!" „So— warum denn?" fragte Peter interessiert,„wegen der Perlenkette?" „Ach— du weiht daS schon?" staunte die Kleine, aber ich weih noch/ was, was du nicht weiht!!" i „So— waS denn? Komm erzähl mall" „Gelt wann vermissen Sic denn die Keile, gnädige Frau?" fragte der junge. Mann höflich, „haben Sie schon Merall nachgesehen?" Auslieferungsbegehren gegen Rösler heute Im ImmunHMtsausschuB Dem Präsidium des Abgeordnetenhauses wurde bereits das AuSliefernngSbegehren des KreiSgerichteS in Böhmisch-Leipa gegen den SdP.Abgeordneten Josef RöSler, den. Rädelsführer de» feigen UeberfalleS von Riedcrgrund, zugestellt. Das AuSliefernngSbegehren stützt sich auf die 83 87(öffentlich« Gewalttätigkeit), 182 und 185» und d des Strafgesetzes. Der Borsttzendc des Abgeordnetenhauses hat daS AuSliefernngSbegehren dein JmmnnitätSauS- schuß zugewiesen, der sich bereits hente(Freitag) früh damit befassen wird. Es ist anzunehmen, daß auch da» Plenum deS Hanfes diesen Fall mH aller gebotenen Beschleunigung verhandeln wird. Aller Boranssicht nach wird also dem Herrn RöSler bald die Gelegenheit geboten werden, für seine Handlungen vor einem unabhängigen Gericht«inzustehen. verdünnt- für Umschläge BezirkSarbeitSstcile der deutschen aktivistischen Parteien für den Bezirk Böhm.-Kamnitz. Die Bezirksorganisation des Bundes der Landwirte, der deutschen christlichsozialcn Volkspartei und der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei für den Bezirk Böhm.-Kamnitz habe» die Bildung einer Bezirksstelle der aktivistischen Parteien beschlossen. Aufgabe dieser Stelle soll vor allem sein, die Durchführung der Beschlüsse vom 18. Feber 1937 zu fördern und zu überwachen, Zuschriften, die in diesen Aufgabcnkreis fallen, sind an den Schriftenemvfänger, Geschäftsführer Anton Diez des Arbeiterkonsunwereins Böhm.- Kamnitz, zu richten. Anfragen und Meldungen können ferner gerichtet werden an: Bürgermei- stcrstellvcrtreter Josef Müller, Böhm.-Kamnitz, und. an Herr»; Josef Ritsch el, Krankenkassenangestellter, Böhm.-Kamnitz. Berunglückte Kohlengräber— lebend geborgen. Auf den bei Ullersdorf befindlichen, abgebauten Kohlenflözen des stillgelcgten»Segen- Gottes-SchachteS" verunglückten gestern vormittags beim wilden Kolenabbau die! Arbeiter. Sie wurden von dem nachgebender. Material verschüttet. Durch die sofort eingesetzten Rettungsarbeiten konnten alle drei, obwohl bewußtlos, so doch lebend geborgen werden. Französischer Parteikongreß erst Im Juli Paris. Der Vollzugsausschuß der Sozialistischen Partei beschloß, den Parteikongreh, der zu den Pfingstfeiertagen in Marseille stattfinden sollte, auf den 10. bis 13. Juli zu verschieben, damit seine Arbeiten nicht mit den Eröffnungsfeiern der Pariser Weltausstellung zusamnicn- fallen. Der Kongreß wird wahrscheinlich in Pa» I ris stattfiudcn. Die Waffenfabrik von Toledo ein Trümmerhaufen Paris. lAgence Espagne.) Die große Waffenfabrik von Toledo ist nach dem Bombarde- nient durch die Regieriingsartillcrie nnr noch ei» Hansen rauchender Ruine». Das Bombardement begann am Montag, nachdem die Arbeiter durch einige Granaten in der Röhe der Fabrik gewarnt worden waren, sich in Sicherheit zn bringen. Einige Minuten fpätcr begann das eigentliche Bombardement. Die Granaten explodierten im Gebäude und Wolken von Flamme» «n d R a u ch stiegen zmn Himmel. Nachdem nngcsähr 80 Granaten die Fabrik getrofse» hatten, brach eine hcstigc Fcnersbrunst aus, die mit zahlreiche» Jniienexplosionen verbunden war. Die Wasfenfabrik von Toledo ist eine der wichtigsten KriegSmaterialsabriken der Insurgenten; sie produzierte täglich ungefähr eine halbe Million Geschosse. lansburys Bärendienst Loudon.„Morning Post" beschäftigt sich nut der Unterredung Lansbnry-Hitler und sagt, daS Berliner Gespräch hatte gerade den gegenteiligen Erfolg, den Lansbury wünschte: ES hat in Frankreich Mißtraue n hervorgcrufen und die V e r e i n i g t e nS t a a- ten in Verlegenheit gebracht. Die amerikanische Regierung ist sich jetzt bewnhi, dah sie v o r s i ch t i g e r d e n n je sein müsse, wenn sie ihre Kräfte zur Vermittlung in Europa anbietcn wolle. klne Frau USA-Gesandte In Oslo Washington. Der amerikanische Gesandte für Norwegen Drexel Biddle jun. wurde zum Botschafter in Warschau und Frau Florence Harriman auf den freigewordenen Posten des Gesandten in Oslo berufen. Verschoben London.(Reuter.) Das P r ä s i d i u ni der A b r ü st u n g S k o n f e r e n z in Genf hat bei der britischen Regierung angcsragt, ob sie nichts gegen die Verlegung der ursprünglich für den 8. Mai angesehten Sitzung des PräsidiuniS auf E n d e Mai einzuwenden habe. Die britische Negierung erhob keinen Einwand. ScharTe Gegensätze In der Gewerbepartei Seit Wochen bereits ist die tschechische Ge- werbcpartei von heftigen• Auseinandersetzungen erfüllt. Zu den entschiedenen Gegnern deS Ministers Raj man gehört der ehemalige Landesvertreter Kafka aus Karlsbad, der für eine stärkere Demokratie in der Partei kämpft uns Najman vorwirft, dah dessen Funktion als Parteivorsitzender längst abgelaufen sei und hätte erneuert lverden müssen. Najman hat daraus Kafka scharf angegriffen, tvorauf Frau Kafka den Minister vor dem Hotel„Ambassador" in Prag attackierte. Die Karlsbader Kreisorganisation der Gewerbepartei stellte sich hinter Kafka und wählte ihn neuerlich zum KreiSvorsitzcndcn. Daraufhin hat der Zcntralvorstand der Partei Kafka aus der Partei ausgeschlossen. ES ist nun möglich, dah der Karlsbader Gau gegen diesen Beschluß der Partei auftreten wird. Ein zweiter Fall, der zu Gegensätzen in der Partei geführt hat, ist jener des ehemaligen Ka- schauer Bürgermeisters M a x o ü, der gleichfalls aus der Partei ausgeschlossen und seines Postens als Bürgermeister Ivie auch als Handclskanuncr- präsident enthoben wurde. Auch er hat nun den Kampf gegen Najman anfgenommcn. „Heute morgens habe ich den Diebstahl entdeckt!" stöhnte Frau Linners.„Es ist fiirchterlich! Die Kette war nämlich das letzte Geschenk von meinem seligen Mann, er Ivürde sich im Grabe umdrehen, wenn er wühte, dah ich nicht Vesser acht gegeben hatte I" »Na dann", meinte Peter bestimmt,„dürfie das Schmuckstück wohl noch im Hause sein. Der Disb hat sicher bis jetzt noch keine Zeit gehabt, es zu entfernen. Und Ihr Gärtner, den sie alle verdächtigen, ist es nicht gewesen, das sehe ich schon hielt mit spitzen Fingern— die vermihte Perlenkette,' mi der noch eine Kartoffclschale hing! Nach einem herrlichen Frühstück, das er mit der Dame des Hauses cingenvnuncn hatte, verlieh Peter die Villa. Draußen lauerte Kletzi-Margot. „Hast du Mutti auch nichts von dem Ball gesagt?" fragte sie atemlos. „Nein, mein Kind, ich hatte es dir doch verjetzt!..." Frau Linners war sprachlos. Donnerwetter— der schien ja Gedanken lesen zu können! „Woher, tvissen Sie denn das?" fragte sie erstaunt.- „Aber— gnädige Frau: bin ich ein Detektiv oder bin ich keiner?" meinte Peter selbstbewußt,„und Herr Dr. Hamann weih wahrscheinlich, warum er mich Ihnen empfohlen hat!" Und Frau LinnerS Vekmn ein prächtiges Stück Detektivarbeit zu sehen. Wie ein Spürhund lief dieser junge Mann durch das ganze HauS, gefolgt von Frau Linners und der gefani- ten Dienerschaft. Nicht ein Räum, nicht ein Winkel blieb von seinen Fallenaugen verschont, bis ihn dann seine innere Stimme, wie er sagte, allmählich hinaus in den Garten zog, in konzentrischen Kreisen hin zu dem ziemlich verborgenen Müllkasten. Atemlose Spannung entstand— der Detektiv öffnete entschlossen den Deckel und griff in den Eimer... . Die Hand, die wieder zum Vorschein kam« sprachen!" tagte der junge Mann und streichelte sie väterlich... „Und haft du auch nicht verraten, dah ich es tvar, die die dumme Kette im Müllkasten versteckt hat?" „Nein, auch das nicht!" lächelte Peter, aber wenn du wieder einmal Verstecken spielst, dann nünm nicht gerade Multis Schmucksachen dazu!" In Peters Tasche knisterte ein schönes Paket Scheine, als er gleich darauf die Strahe hinabschritt. Nur etivas bereitete ihni noch Kvpszrr- brechcn. Sein Blick fiel auf ein): Telcphonze le. „Kann ich Herrn Dr. Hamann sprachen?" rief er bald darauf in die Muschel,„hier ist Peter Bayer." „Hier Dr. Hamann. Ich kann mir schon denken, warum Sie anrnscn, Herr Bayer— meinem Büro ist ein kleines Versehen unterlaufen, ich wollte Frau Linners den Detektiv Mayer empfehlen. Ich hoffet eS sind Ihnen durch di« Verwechselung keine Unannehmlichkeiten entstanden!" „O nein," sagte Peter schmunzelnd,„nicht daß ich wühte I" „Na, das freut mich!" meinte Herr Hamann. »Ganz meinerseits!" versicherte Pxter und hing an. Seite 4 Freitag, 23. April 1V37 M. SS WHKsÄMM 7zh->rW• 3.p- • kk- n... I t's B 1 7) I V i C-x-. toiMmdiw dti. l 1 M -^fl1vp«np«n— dar Ort der kommenden Arbeiter-Olympiade Der Hauptplah der Stadt Antwerpen erhält durch die malerische Giebelfront der berühmten Antwerpener Zunsthäuser ein großartiges Gepräge. krsnk II und der kleiner vrodslrl Aus Berliner Juristenkreiscn schreibt man unS: Langsam und sicher— vor allem aber verschwiegen ist die Arbeit der Gestapo, die Maschi- nerie der politischen Justiz. Es geschehen Dinge, die ost nur aus reinem Zufall selbst in die ein- gewcihten Kreise dringen. Als vor fast zwei Fahren von dem Lloyd- dampser„Bremen" am Peer in New Dark die Hakenkreuzflagge von amerikanischen Demonstranten heruntergcrissen wurde, setzte in Deutschland der übliche Entrüstungssturm ein, der sich noch steigerte, als d e r a m e r i k a. nische Richter, namens Brodski, die ergriffenen Täter teils freisprach, teils zu Po- lizeiarrcst Lis zu sechs Tagen verurteilte. Als lautester Rufer im Streit trat der Reichs- rechtsführerFrank llin München auf, der zunächst mal„auf Verdacht" den Richter Brodski im Radio als Juden anprangerte, um dann nach zwei Tagen, wenn auch zu später nächtlicher Stunde, recht kleinlaut diese Behauptung zurückzunehmcn. Soweit sind die Dinge bekannt. Bekannt ist vor allem auch, daß zwischen dem Kapitän der„Bremen", deni K o m m o d o r e Z i e g e n. Hain, und den Berliner Staats- und Parteistellen noch während der Rückfahrt des Dampfers die sormularmästigen Treubekenntnis- und Anerkennungs-Depeschen gewechselt wurden. NichtbekanntaberFolgendeS: Während des Ansturmes der Deinonstran- ten standen, auf dem Promenadendeck in unmit- tclbarcr Nähe von der Besatzung der„Bremen" ein Matrose, der zweite Offizier und der erste Offizier S ch u l z, ehemaliger Offizier der kaiserlichen Marine. Eine praktische Möglich, leit, dem Ansturm der Menge zu wehren, war angesichts der zahlenmäßigen Ueberlegenheit der Demonstranten ausgeschlossen. Und d o ch er- hob sich gegen alle drei ein fürchterlicher Der- dacht, stand gegen sie ein Zeuge voll gravierend, fien Wissens auf: der 18jährige Schiffsjunge und Angehörige dos Marinesturmes Hamburg Moses.(Bei der Fischerbevölkerung sind, soweit sic ursprünglich von Mennoniten abstammt, alttestamentliche Namen häufig. Herr Moses also behauptete, die drei Mitglieder der Schiffs, besatzung hätten untätig dabeigestanden, hätten durch Gesten erkennen lassen, daß sie nichts zur Verteidigung der Flagge zu tun gedächten, und hätten vor allem— gelacht! Diese Meldung des Herrn MoseS an die New Parker Landes- leitung der NSDAP und die Weiterleitung nach Berlin genügten, um noch vor Bremer- havenzurVerhaftung des Matrosen und der beiden Offiziere zu führen. Vergeblich stellte sich Kommodore Ziegenhain, der älteste und erfahrenste Offizier der deutschen Handelsmarine, vor seine Leute; vergeblich war sein Hinweis und Nachweis, daß kein Mitglied der Schiffsbesatzung den Demonstranten hätte wehren können; vergeblich war sein Hinweis aus die ihm seit Jahren als durchaus national ein- gestellte Persönlichkeit seiner beiden Offiziere; vergeblich war schließlich, daß Kommodore Ziegenhain unter Protest sofort von seinem Kommando zurücktratl Nach körperlicher und seelischer Dorberei- tung in dem K o n z e n t rationslager W i t t in o o r wurde dem Matrosen und den beiden Offizieren anr 2 2. Jänner 1937 vordem Volksgerichtshof der Prozeß gemacht. Nimmt man sonst in politi- sche» Prozessen in Deutschland den Angeklagten iin Interesse der Geheimhaltung die Anklage- schrift im Termin ab, so wurde sie in diesem Falle den Angeklagten tvenigo Wochen vor dem Termin zur Durchsicht auf nur eine halbe Stunde in der Zelle in Gegenwart eines Be- amten ausgefolgt. Im Termin am 22. Jänner 1937 standen einander als Zeugen der Schiffsjunge 'Moses und der" Kommodore Ziegenhain, nunmehr im Ruhestand, ge. genüber. Das Urteil lautete: Ein Jahr acht Monate Gefängnis fiir den Matrosen, drei Jahre Gefängnis für den zwei ten Offizier, und sür den e r st e n O f f i z i e r Schul z, Sohn eines Kaiserlichen Admirals und selbst Seeoffizier a. D.— sechSJahre Zuchthaus wegen Hochverrates. Und so und auf diese Weise Hof sich Herr Reichsrechtsführer Frank ll dafür revanchiert, daß der Richter Brodski in New Park keilt Jude war. Schnellzug Wien—Berlin entgleist Die Staatsbahndirektion in Prag teilt mit: Am. 22. April um 42.88 Uhr entgleiste auf der Strecke Prag—Mezimostt. Veselt zwischen den Stationen Sudomikice—-Nemysl und Stupöice der Tender der Lokomotive des Schnellzuges Nr. 61 Wien—Berlin mit einer Achse.. Die Passagiere des Schnellzuges stiegen in die Garnitur des Personenzuges Nr. 994 um. Der Schnellzug Nr. 01 erlitt dadurch«ine Verspätung von ungefähr zwei' Stunden. Verletzt wurde niemand. Die Ursache'der Entgleisung wird untersucht. Pardubitzer Stadion im Konkurs. Gegen die Genossenschaft„Stadion" in Pardubitz ist der Konkurs verhäygt- worden. Die Genossenschaft weist 1,890.000 llä Passiva und 18.000 KC Aktiva aus. Besitzer des Stadions ist die Stadt, weshalb der Wert des Stadions nicht in den Aktiven angeführt ist. Urzeitfnnde bei Pardubitz. In Ojice bei Pardubitz wurde dieser Tage auf einem Felde beim Sandgraben ein Grab aus. der Urzeit entdeckt, in dem in einer Tiefe von etwa 80 Zentimeter zwei: Gesäße gesunden wurden. Die übrigen' Gefäße waren vollkommen zerschlagen. Da die Scherben in eüva ein Meter Tiefe zerstreut am Boden lagen; nimmt man an, daß das Grab vielleicht schon in der Urzeit Umgegraben wurde. ES besteht die Hoffnung,- daß noch weitere Gräber gefunden werden. Das Feld liegt: in der Nähe einer, großen, heute.durch die Sandgewinnung bereits vollkommen zerstörten Feuerbestattungsstätte, an-der hundert interessante Gefäße gefunden, wurden, die jetzt in den Museen in Prag, Pardubitz und Königgräh aufbewahrt sind. Nach den bisherigen Funden ist anzunehmen, daß das Plateau von Osice schon eüva 2000 Jahre vor Christus dicht besiedelt war. -An einer Kohlengrube bei Brocksworth(England)' wurden Donnerstag vormittags sieben Bergarbeiter verschüttet. Einer fand den Tod, die sechs anderen wurden mit ernsten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Kerker für Streik? Siebzehn Pfleger und Pflegerinnen des Broocklyner Krankenhauses, die am 18. d. M. den Streik mit verschränkten Armen eröffnet hatten, würden für schuldig befunden, das Leben der Kranken gefährdet zu haben.— Dieses Vergehen wird mit Kerker, im Ausmaße von 8 bis 12 Jahren geahndet.— Das Urteil dürste nm 80. d. M. gefällt werde;:. Ein Taifun wütete auf dem Ochotsker Meer in der Umgebung, von Sachalin. Zu dieser Zeit hielten sie auf der See zahlreiche japanische Fischkutter auf, an deren Bord sich Fischer befanden, die Heringe fischten. Den bisherigen. Nachrichten zufolge. sind. 47 Fischer ertrunken, während weitere 87 vermißt weiden. Man befürchtet, daß die Zahl der Opfer viel größer sein werde. Eine-der größten polnischen Sperrholzfabriken in Nowogronek(Polin) brannte nieder. Durch den Branp sind.700 Arbeiter arbeitslos geworden. Der Schäden" beträgt zwei. Millionen Zloty Missolustgi, heilige Stadt. Am kommenden Sonntag, wird die'Stadt'.Missolungi in Mittelgriechenland..nahe dem Golf von Patras, wegen der Ätgslvöhnlichen Tapferkeit, die ihre Bewohner in. dem: Befreiungskrieg vor über-100 Jahren bewiesen habend in feierlicher.Weise zur heiligen Stadt'Griechenlänhs. erklärt'werden.. Bekanntlich ist in dieser.Stadt während, der Belagerung der englische Griechensreund, der Dichter'Lord Byron, gestorben.''.,' - Paris amerikanisiert sich. Der Plaee deka Concorde, rmd die Rue Rohälein, mittest in Paris, waren Mitstvöch'früh der Schauplatz einer wüsten Schießerei zwischen. Polizisten und Räubern, die ein LuxuSauto entwendet hatten und in ihm zu flüchten versuchten. Einer der Räuber wurde durch Rcvolverschüsse der Polizisten so schwer verletzt, daß er kurz darauf im Krankenhaus starb. ES handelt sich um einen bereits mehrmals vorbestraften italienischen Staatsbürger. Seinem Komplicen gelang es zu flüchten. Offensichtlich handelt es sich um die gleichen Verbrecher, die vor kurzer Zeit in einer benachbarten Straße einen Juwelierladen ausgeraubt hatten. Die verfluchten Perlen. In einer Pariser Abendzeitung konnte man vor einigen Tagen«ine seltsame Geschichte lesen. Die dem breiteren PMikum unbekannte, aber dem Bild nach schöne indische Tänzerin in Maina-Maino sei im Besitze eines Perlenkolliers gewesen, das an Schöicheit nicht seinesgleichen hat. Dieses Kollier sei vor kurzem gestohlen worden, und aus purer Menschenfreundlichkeit verrate die Tänzerin jetzt das Geheimnis: das Kollier fei verflucht, und jeder, der es trage, werde blind. Schon dreimal sei es entwendet worden, aber jedesmal -kamen die Täter erblindet, auf einen-Stock' gestützt; und flehten sie an, das Kollier zurllckzunehmen. Dies würde auch diesmal geschehen, und dann würde sie im.Schmucke der Perlen wieder auftreten können. Soweit die Mitteilung. Da aber die Kriminalchronik keinen Einbruch bei einer Tänzerin vermeldete, dürfte das Ganz««ine ausgezeichnet« Reklame sein. Selbstmord eines Bären? Die Zeitung„UluS" berichtet über eine seltsame Tiertragödie, die trotz ihrer Einzigartigkeit auf Wahrheit beruhen soll. Am anatolischen Äarasu-Fluß beobachteten Bauern eine Bärin, die zwei Junge bei sich hatte. Um den Fluß zu Lberschivimmen, packte sie ihr eines Kind, klenunte es unter-einem Stein fest, nahm das andere in den Nachen, durchschwamm mit ihm den Karasu und deckte ebenfalls einen Stein über ihr zweites Junges. Als sie zurückkehrte, fand'sie das erste Kind durch den Stein erdrückt.' Wieder Überschwamm sie den Fluß und fand nun auch ihr zweites Kind tot. Darauf setzte sie sich aus die Hinterkeulen, heulte jämmerlich, warf sich in den Fluß und ging unter, wobei die Bauern beobachteten, daß die Bärin keinerlei Schwimmbewegungen machte, so daß dieser Sprung in die Fluten wie ein menschlicher Selbstmord anmutete. Wenn es sich um einen wirklichen und nicht um einen aufgebundenen Bären handelt, dann ist in diesem anatolischen Bärenselbstmord ein wertvoller Beitrag zur Tierpsychologie zur erblicken. Die größte Lokomotive der Welt. In Anwesenheit der Vertreter des französischen Verkehrsmini- steriums hat die größte Lokomotive der Welt soeben ihre Probefahrt erfolgreich unternommen. Er handelt sich um eine Maschine von 80 Meter Länge und 212.000 Kilogramm Gewicht. Die Lokomotive besitzt eine Maschine von 8000 PS und kann einen Zug von 4000 Tonnen Gewicht mit>80 Kilometer Geschwindigkeit pro Stunde ziehen. Diese Maschine ist für die algerischen Eisenbahnen bestimmt. Der letzte Brief von Charlotte Corday. End« April findet-in London«ine Versteigerung statt, auf der neben einem neuen Paket von Briefen Napoleons 1.4889 Stück) an den Grafen Mollien einer der vier berühmten Briefe der Mörderin Marats, Charlotte Corday, zum Angebot kommt, die Charlotte Corda unmittelbar vor ihrer Hinrichtung am 17.i Juli 1798 geschrieben hat. Der Brief ist fünf Zeilen lang und hat folgenden Wortlaut:„Der Bürger.Doucet de Pontecoulont war so-feige, mich nicht zu verteidigen, solange das noch mögRch war. Derjenige, der er dann doch getan'hat, hat«s mit Würde getan. Ich bewahre ihm meine Dankbarkeit bis zum letzten Augenblick. Charlotte de Corday." Sie übergab diesen'Brief dem Führer de» Exeku- tionskommandos, und er wurde auch tatsächlich drei' Tage' später,', am 20. Juli 1798, iin„Moniteur" veröffentlicht. Das Original war bis jetzt im Prwat- besitz. Man-nimmt an, daß die. französisch« Natio- nalbibliothek sich besonders für den Erwerb de» Do- kumemes interessiert. Ziehung der Klassenlotterle (Ohne Gewähr;) Prag. Bei der D o n n e r S t a g- Ziehung-dev 8. Klasse der 80. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen:,, 80.000 KS Los Nr. 89739.-".''•*' 20.000 KS Los Nr. 26961. 10.000 Kö die Lose Nr. 18663, 58616,, 74970, 109792. 5000 KB die Lose Nr. 2671, 9886, 8260Q, 88126, 88200, 44169, 58183, 71487, 77150, 77886, 84123, 92381,110806, 66407. 2000 KB die Lose Nr. 1812, 4630, 6993, 6384, 11666, 14879, 17416, 19692, 19976. 24694, 25388, 29879, 88908, 36608, 42270, 4276R 48227, 51836, 53466, 62272, 62750, 67235, 76399, 75734, 77882, 82599, 83329, 84476, 85362, 89205, 89602, 92897, 96428, 99917, 103667, 103673, 104695, 107649, 108898, 114434, 114876 usw. Der Berband der Begetarianer von England hat einen öffentlichen Protest gegen das Braten von Ochsen am Spieß erhoben, das nach alter Tradition auf offener Straße bei der Krönungsfeierlichkeit erfolgen sollte und eine Bewirtung der Königs für'die Armen symbolisiert. Der Protest wird damst begründet, daß die Ochsen für eine große Zahl indischer Sekten heilige Tiere sind, und daß die indischen Besucher der Krönungsfeierlichkelten von eistem solchen Schauspiel auf das peinlichste berührt sein würden. Er wird in dem Protestschreiben erwähnt,, daß diese Sitte bereits zum silbernen Jubiläum König Georgs V. einen Protest des Bürgermeisters vom Bombay nach sich gezogen habe. Große Sonnenflecken. Die Etefanik-Bofks» sternwarte in Prag teilt mit,, daß'dieser Tage auf der Sonne sieben Gruppen von Sonnenflecken beobachtet werden können, die drei größten können bereits mit einem Operngucker wahrgenommen werden, der mit einem geschwärzten GläS abgeblendet wird. Eine der drei erwähnten Gruppen ging am 22. April durch das Zentrum des Sonnenkranzes hindurch, zwei weitere befinden sich ungefähr 40 Grad nördlich des Sonnenäqüaiors. Die größte dieser drei Gruppen ist mit freiem Auge ohne Fernglas als länglicher dunkler Fleck erkennbar; sie mißt der Länge nach über 100.000 Km. und wird die Mittagslinie der Sonne Freitag, den 23. April, passieren. Im Zusammenhang mit diesen Sonnenflecken sind magnetische/ Md Rundsunkftörungen sowie das Auftreten von Polarlicht in unseren Gegenden zu erwarten.' Eine neue Zone von Regenschauern, die vom Westen her gegen Mitteleuropa vordringt, erreicht« heute Nachmittag Westdeutschland. Die unbeständige Witterung wird daher auch noch Freitag bei uns andauern, Die Niederschläge dürften besonders an der deni Winde ausgesetzten, dar ist an der Westseite der GdbirgSkäMme äuftteM)' Da"sich- der'' Wind, der Donnerstag in der Republik vorwiegend vom Nordweste» her wehte, voraussichtlich gegen Südwesten drehen wird, ist Freitag nachmittags mit einer leichten Erwärmung zu rechnen. Wahrscheinliches Wetter Freitag: Noch unbeständig. Neigung zu Schauern, mäßig kühl, Westwind. Wetteraussichten fiir Samstag: Keine wesentliche Aenderung, im ganzen jedoch etwas wärmer. Vom Rundfunk Empfehlenswerte* au* den Programmen! SamStag Prag, Sender 1:10.05: Deutsche Presse. 10.15: Deutsche Sendung Für die Frau. 10.80: Lieder mif Schallplatte». 12.10: Chansons. 12.85: Salonorchesterkonzert. 15.00: Unterhaltungsmusik:-16.45: Theater für die.Jugend. 17.55: Deutsche-Sendustg: Schimelschek: Sportvorschau. 18.00: 20 /Jahre Bolkibildungshaus Urania in Prag. 18.45: Deutsch« Presse. 18.55: Deutsche Aktualitäten. 19.55: Militärkonzert. 22.85: Tanzmusik.— Prag, Sender II: 14.10: Deutsche Sendung: Kleines Solistenkonzert, Kompositionen von Schubert, Mendelssohn: usw:— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Lieder der Arbeit. 21.00: Opernstunde: Verdi, Bizet-usw.— Preßburg: 10.15: Operngesänge.— Kascha«: 11.0h: Militärkonzert. 12.05:- Schallplattenkonzert;-r- Mähr. Ostrau: 18.00: Schallplatten.' 18.80:-Blech- musik. Rosalind Ruffell nutz Robert Montgomery In„Klub der Selbstmörder". Nr. 96 Freitag, 2». April 1937 Seite S HOsMktsckaft und äoÄatpoiM sehung Don VertragSverhandlungcn und Wiedereinstellung aller Arbeiter erhielt, welches Ergebnis in einer BelegschafiSversammlnng der Arbeiterschaft am 21. Aprils um 7 Uhr früh angenommen wurde. Um dreilliertel 9 Uhr bewegte sich der geschlossene Zug der Schuharbeiter der Firma Kam iss& Kny zur Betriebsstätte, wo die Arbeit in aller Ruhe wieder ausgenommen worden ist. 82V Kartclwerträgc. Ende Mkärz 1987 waren in das Kartellregister insgesamt 829 Kar- telverträge eingetragen, Ü87 Ivarcn nur zwischen inländischen Parteien und 138 zwischen in- und ausländischen Parteien abgeschloffen. lischen Tageszeitung»Daily Telegraph" stehend, auS den vorderen Linien dec RegiecungStruppen die Guadalajaraschlacht bcvba'-tcto. Buckle» sagt selber sehr vorsichtig, er könne nur oberflächlich urteilen, man müsse die Einzelinsormationen von beiden Parteien abwarten. Aber er bezeichnet die Taktik der Italiener als eine überstürzte, während die der Regierungstruppen nach seinen Angaben als eine kaltblütige erscheint. Auf spanischer Seite hätten die Truppen in geschützten Stellungen die Erkundungen durch die vorgeschobenen Tanks abgekartet, ehe sie zum Angriff vorgingen. Während die Italiener zum Transport der Soldaten nach vorne Autos verwendeten und glaubten, durch gröbere Geschwindigkeit den Erfolg zu sichern, blieben die Transportautos der Spanier in wohlgedeckten Stellungen hinten und das Borrücken erfolgte nur zu Fuß. Und hier macht Buck- ley die intereffante Anmerkung, daß die italienisch« Taktik zst guten Erfolgen hätte führen können, wenn die Truppen Kampfbegeisterung besessen hätten und ihre Führung fähig gewesen wäre. So urteilt ein Augenzeuge, der wahrscheinlich nicht gegen den Faschismus voreingenommen ist, über die Ergebnisse der faschistischen Truppe in diesem Kampfabschnitt— der Truppe eines Regierungssystems, das seine politischen, wirtschaftlichen und Erziehungsmethoden auf. den Eroberungskrieg eingestellt hat! Buckley weist auch auf die wichtige Rolle der RegierungSluftflotse hin/ Die Italiener hätten mit»ihren verhältnismässig langsamen Trans- portautos den Regierungsfliegern dankbare Ziele geboten. • In diesem Zusammenhang ist es nötig zu „betonen, dass die Erfahrimgcn vom Schauplatz des spanischen Bürgerkriegs wenig geeignet sind«, Der»Prager Börsen-Eoprier" veröffentlicht einen längeren Artikel von Direktor Walter Engelmann-Theresienthal, dessen Inhalt schon in dem obenstehenden, von uns Übernommenen Titel'anzeigt, das, der Autor von dem üblichen bequemen Standpunkt der leider allzuoft den Ausschlag gebenden Jndustriellenkreise abweicht und mit Offenheit ausspricht, dass ohne eine Hebung/ des Lohnniveaus und der Kaufkraft der Bevölkerung keine feste Grundlage der Wirtschaft gesunden.werden kann. Es heisst in dem Artikel: Nicht nur für den theoretisierenden Natio- nylölonomc», sondern auch für den praktisch Industrie führenden und Wirtschaft treibenden bedeutet Lohn heute mehr als einen Faktor der Kalkulation, denn allgemein hat sich die richtige Erkenntnis durchgesetzt, dass Lohn Kaufkraft be- dcuiet. Die Anwendung dieser Erkenntnis in der praktischen Wirtschaft führt folgerichtig zu einem Standpunkt, von welchem aus gesehen, ein gehobenes Lohnniveau nicht mehr als gegensätzliche, sondern als parallellaufende Funktion der Wirtschaftsführung erscheint. ES sind dies unleugbare kumdurs kann sich nicht erholen Bon dem allgemeinen Aufstieg, der auch zum Teil in Nordböhmen zu verzeichnen ist, bildet Rumburg eine Ausnahme. Am 81, März wurden im Gerichtsbezirk Rumburg— der rund 27.000 Einwohner hat— 8162 gänzlich Arbeitslose und ausserdem noch 1288. nur zeitweise Beschäftigte gezählt. Die Industrie dieser Stadt hat es leider nicht verstanden, sich zeitgcrecht oder überhaupt umzustellcn so,, wie dies z.. B. in Warnsdorf geschah. Die Decken- und Möbelstoffindustrie beschäftigt heute nur noch 49 Prozent ihrer früheren Belegschaft und die nur bei Wcch» selschichten. Eine Ausnahme bildet der Betrieb Gebrüder Müller, der mit einer Belegschaft Von 800 Mann in zwei Schichten voll beschäftigt ist. (Die Buntwebereien leiden ebenfalls noch stark unter der Krise und beschäftigen.nur rnnd 169 Arbeiter(davon 89 periodisch), gegenüber früher 249.— Eine ziemlich gute Beschäftigung gibt cs in den Färbereibetrieben. In dieser Branche wird sogar in der nächsten Zeit der Betrieb Dichlor, der seit 1982 stillgelegen war, ivieder eröffnet werden, vorausgesetzt, dass es den Gewerkschaften gelingen wird, den Widerstand dcö Syndikates zu brechen. Die Metallindustrie, vertreten durch die Webstuhlsabrik Thiele, ist gut beschäftigt, vor allem durch die Aufträge der Firma Plauert in Warnsdorf. Zusammenhänge, auch wenn sie in der sich oft kampfartig abspielenden Bewegung des Ausgleiches als scheinbare Gegensätze auftrcten mögen. Nach einem Rückblick auf die Krisenjahre stellt der Artikel fest, dass der jetzige Konjunkturverlauf im Zusammenhänge mit gestiegenen Roh» stosfpreisen, damit verbunden mit einer Preissteigerung der Produktionsguter und einer Bcr» teuerung der Lebenshaltung steht und sagt: „Wird aber diese verteuerte Lebenshaltung nicht begleitet von einer erhöhten Konsumkraft, dann kann eS allzu leicht geschehen, daß daS aufgerichtete konjunktnrstimulierende PreiSgebäude mangels ausreichender Grundmauern ins Wanken gerät. Ersten und letzten Endes ist es doch die Konsumkraft der Bevölkerung, welche daS Fundament deS wirtschaftlichen Gebäudes darstelltl" Leider haben die Ereignisse bis in die jüngste Zeit erwiesen, dass die Zahl jener, die zu solchen Erkenntnissen gekommen sind, unter den Unter» Nehmern nur verschwindend klein ist. Umso wertvoller ist diese Bestätigung, dass die Ansprüche der Arbeiterschaft vollauf berechtigt sind. Mari erhilt für 100 Reichsmark..... Markmünzen... 100 österreichische Schillinge 100'rumänische Lei. 100' 100... 100 Schweizer Franken 100 französische Franc-. 1 englisches Pfund.. 1.amerikanischer Dollar 100 italienische Lire.. 100 hollßndische Guldkn. 100 jugoslawische Dinare. 100 dänische Kronen.... . 100 schwedische Kronen.. polnisch« Zloty. ungarische Pengö. ^iMvelzer.Franken Erfolgreiche Lohnbewegung der Schuharbeiter der Firma Karnitz& Kny in Warnsdorf Die Lohn» und Arbeitsbedingungen in diesem, in einer ständigen AustväriSentwicklung befindlichen Betriebe erheischten schon lange eine gründliche Regelung. Jeder in die BetriebSver- hältnisse einigermassen cingeweihte Mensch konnte den unausweichlichen Zusammenstoss voraussehen, den das dort übliche Cntlohnungssystem zeitigte. Nur die Firmeninhäber haben offensichtlich vor lauter Aufträgen und Verdienen diese Dinge nicht sehen können oder nicht sehen wollen und verlangten immer mehr von der Arbeiterschaft, die bis zuletzt zu jeder Gewaltleistung bereit war und beim letzten Verlangen nach Ueberstun- denarbeit lediglich schäbige 29 Heller Stundenlohnerhöhung verlangte. Als auch dieses bescheidene Berlangen nicht erfüllt, dann mit 19 und in weiterer Folge mit 18 Heller heruntergescha- chert wurde, war es endlich mit ihrer Langmut zu Ende und einmütig und geschloffen legten die rund 299 Arbeiter und Arbeiterinnen am 29. April die Arbeit nieder, ohne zunächst de» Be- irieb zu. verlassen. Als», die/-Gewerkschaften, für. den überwiegenden Teil-der-Ärbeiterschaft der. Bekleidungsarbeiterverband in der Tschechoslowakei, Sitz Reichenberg, herbeigerufcn ivurde» und in den Konflikt eingriffen, verliessen die Arbeiter am Abend den Betrieb, da noch für acht Uhr abends mit der Ortsstellc Warnsdorf des Hauptverbandes der Industrie Verhandlungen angesetzt wurden. Diese Verhandlungen bewegten sich auf Grundlage einer von der Arbeiterschaft nach der ersten Ablehnung abgeänderten Forderung, und zwar nach einer 29prozcntigen Lohnerhöhung, nach einer vertraglichen Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen und nach der Wiedereinstellung aller Arbeiter. Nach Verhandlungen, die bis gegen Mitternacht dauerten, wurde eine,Erhöhung der Stundenlöhne von 19 bis 16 Prozent, Fest» Die spanischen RegiecungStruppen haben in einer grossen und blutige» Schlacht den Geländegewinn, welchen einige Wochen vorher die Aufständischen nördlich von Madrid erzielt hatten, wieder zurückgenommen. Die Schlacht hat dadurch in der ganzen Welt grösstes Aufsehen erregt, dass sich die italienische Truppe, welche diesmal den Republikanern, gegenüberstand, keineswegs mutig zeigte. Zum erstenmal kämpften hier Soldaten des italienischen Faschismus nicht mit mangelhaft bewaffneten und ausgebildeten Afrikanern wie in Abessinien, sondern hatten sich mit revolutionär gesinnte» Europäern zu messen; und dass sie hier eine ausgesprochen, militärische und moralische Niederlage erlitten, das ist eine wichtige und ver» heissungSvolle Tatsache, wenngleich man sich vor- ■ erst noch vor Verallgemeinerungen wird hüten i müssen. Die Schlacht war militärisch dadurch interessant, dass beide Gegner eine schwierige Aufgabe der modernen Taktik auf zweierlei Weise lösten. Es handelte sich um die richtige Zusammenarbeit der Kampfivägen(Tanks) und der TranSport- autos mit der Infanterie. Die Aufgabe ist heule begreiflicher Weise viel schwerer als sie. in den grossen Tankschlachten von 1918 war. Sie ist in den Manöver», welche die aufrüstenden Mächte in den letzten Jahren abhielten, vielfach durchge- probt worden, besonders auch von den Italienern — und doch scheint eS, dass die spanischen Milt» zen, denen keine solchen Erfahrungen zu Gebote standen, die Ausgabe besser g'.Iöst haben I Das wäre eine ausgesprochene Niederlage der italienischen Führung! Wir können noch nicht bestimmt urteilen, aber wir wollen uns an die Schilderungen des, Kriegsrcporters H. W, Buck» ley halten, der sin Dienste der bürgerlichen eng- K£ 783.— 767.50 538.80 18.35 549.50 606.— 657.50 129,70 141.87 28.65 145.40 1578— 65.55 630.50 728.— Hochkonjunktur in der Schönlinder Strick- und Wirkwarenindustrie. Die Schönlinder Industrie ist sehr gut beschäftigt und mit Aufträgen für längere Zeit versehen. In den verschiedenen Betrieben arbeiten jetzt über 8590 Menschen; seit Anfang 1936 ist die Zahl der Beschäftigten um mehr als 600 gestiegen. Allerdings warten die Arbeiter noch immer auf die Rechtsverbindlich- keitserklärung ihrer Lohnverträge, ivas durch Rekurse einzelner Unternehmer wiederum um drei Wochen aufgcschoben werden muhte. Gedrosselter Fensterglasexport nach Finnland. Im letzten Zusatzabkommen mit Finnlanv hat die Tschechoslowakei laut„Tchöco-Berre" auch einer Beschränkung der Fensterglasausfuhr zustimmen müssen. Während 1986 der Scheibenglasexport nach Finnland 1.2 Millionen Kilogramm betrug, wurde im neuen Abkommen der Tschechoslowakei nur 9.3 Millionen Kilogramm zum bisherigen Zollsätze für ein Jahr zugebil- Uigt.Ein Mevrexporfstvird nur zu^deniallaLmel- nesi Zollsätzen, d.ie viermal so hoch. gls die Per», tragssätze sind, erfolgen können. Der Kohlenexport aiiS dem Ostran-Karwiiier Revier hat sich in der ersten Aprilhälfte gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Heuer wurden 4973, das ist um 2676 oder 116 Prozent mehr als im Jahre 103ö auSgeführt. Nach Oesterreich gingen 2311(,1711), nach Italien 1293(58), nach Ungarn 870(401), nach Po, len.111(79) Waggons. Vie Verhandlungen der Angestellten-Internatlonale ■ Der erste Konferenztag der in Prag tagenden Angestellten-Jnternationale war den Berichten- deS Generalsekretärs Spiekmann(Amsterdam) und der Vertreter der 18 dem Internationalen Bunde der Privatangestellten angehörenden Staaten gewidmet. Dem grössten Interesse begegneten die Ausführungen des BertreterS Frankreichs Oreste Capocci,.Vorsitzenden deS Wirtschaftsrates Frankreichs und Generalsekretärs des Verbandes der Handels- und Büroangestellten. Seine Organisation— die noch vor einem-Jahr nur«in paar tausend Mitglieder zählte— ist unter dem Einfluss des sozialpoliti» scheu Kurses der Regierung Blum und durch eine Reihe erfolgreich durchgcführter Arbeitskämpfe zu einem Verbände von fast einer viertel Million Mitglieder-emporgestiegen. Ueberhaüpt sei, erklärte der Delegierte, der von der französischen Gewerkschaftsbewegung in den letzten Monaten genommene Aufschwung so gross, dass er sich im Augenblicke noch gar nicht übersehen lasse. Die von den Angestellten in Warenhäusern, Versicherungsgesellschaften und Banken um eine-.Verkürzung. der» Arbeitszeit-und-«ine- Gehaltsregulierung-geführten,-Kämpfe seien noch lange nicht abgeschloffen. Das Wesen der von den Arbeitnehmern in Frankreich zum erstenmal« angewandten— im Ausland so viel erörterten— Waffe des Sitzstreiks bestehe darin, zu verhindern, dass den Arbeitnehmern Gruppen aus den eigenen Reihen in den Rücken fallen. Darum sei nicht zu erwarten, dass die Arbeitnehmer ohne weiterS auf diese Waffe verzichten werden.— I. Halls worth(England), Generalsekretär des Verbandes der britischen Handelsangestellten und verwandter Berufe sowie Geo W. Tomson(England) vom Verbände der Techniker und Zeichner in der Schiffsbau« und Maschinenindustrie stellten für England übereinstimmend die starke Besserung der wirtschaftlichen Lage fest. Sie berichteten über den dem Unterhaus vorliegenden Gesetzentwurf überzugunsten der Arbeitnehmer zu treffende gesundheitliche Massnahmen, über den Stand des Kampfes um die Schaffung einer— den britischen Privatangestellten bisher fehlenden— obligatorischen Pensionsversicherung sowie über die ausgedehnte, allen Arbeitnehmern zugute», kommende sozialpolitische Tätigkeit der Kommune».— Hansen.(Skandinavien) teilte mft, dass in. Dästemark 80 Prozent sämtlicher Ange, stellten der Gewerkschaften angehören. Den wichtigsten Teil der OrganisationStätigkeit bilde augenblicklich daS fortlaufend« Abfchliesse» von Kolleklibverlrägen.— Für Holland sprach Jacobsen(Kopenhagen), für Ungarn ReichS» tagöabgeordneter K e r t e s z, Generalsekretär des Landesverbandes der ungarischen Büroangestellten,!— Abg. Robert Klein(Tschechoslowakei)! gab den Delegierten ein anschauliches Bild dec sozialpolitischen Leistungen deS tschechoflowa- kischen Staates und. des augenblicklichen Standes der für die tschechoslowakischen Privatangestellten- auf der Tagesordnung stehenden Fragen.^. Lohnerhöhungen notwendig I Eine Stimme aus Industriekreisen Erfahrungen ans der Guadalajara-Schiacht Fritz Odcinar und Annie Marknrt im„Weissen Rüssl". Schlüsse auf einen etwaigen kommenden Krieg zwischen Grossmächten zu ziehen. Es wird mit Recht darauf verwiese», dass in Spanien weder grosse Mengen v o n T a n l s noch auch schwere Tanks in Verwendung stehen. General F u 11 e r, der über diese Dinge rnit dem Rebollengcneral Oueipo de Llano sprach, berichtet in einer Zuschrift an die„Times": Die grösste Zahl von Tanks, die seines Wissens in Spanien aus einmal verwendet wurde, sei fünfzehn, während die Panzerrcgimenter einer Grossmacht mehrere hundert Tanks haben. Und ähnliches ist über die L u f t w a f f e zu sagen. Ma» muss davor warnen, auf Grund der spanischen Erfahrungen die Wirkungen der Luftangriffe niedriger einzuschätzen als es bisher geschehen ist. Flng- zeuggesa,mader, wie sie die Grossmächte zum gegenseitigen Angriff auf die LebcnSzentren des feindlichen Hinterlandes bercitftellcn, find über Madrid nie gesehen worden. Die Gistgaswaffc, über deren verheerenden Eharakicr trotz aller Einwendungen kein Zweifel besteht, ist über Madrid bisher nicht eingesetzt worden. So grauenhaft das Schicksal der spanischen Hauptstadt ist, es gibt noch keinen richtigen Begriff von jenem einer Hauptstadt, gegen welche der volle Einsav der Luftflotte einer Grossmacht gerichtet wäre. Wir können daher aus den Vorgängen in Spanien sehr erfreulichtzSchlüsse auf die Widerstandsfähigkeit und Ofsmsivkrast einer rasch ausgebildeten Armec.-ziehcii/.-nsslst,aber--dürfen wir daraus.Beruhigung iibei die mörderischen Wst-R kungen der Tank- oder Luftwaffe in einem fünf- tigen Kriege schöpfen. E. B. Niekisch verhaftet Nach einer Meldung der„Züricher Zeitung" hat die Gestapo neuerdings Niekisch und seine Frau in Berlin, eine Reih« seiner Freunde in Nürnberg verhaftet. Niekisch, ursprünglich Sozialdemokrat, stand dort ans dem rechtesten Flügel und wurde aus prinzipiellen Gründen aus der Partei ausgeschlossen. Er war mit dem bekannten Renegaten Winnig eng befreundet lind hatte sehr gute Beziehungen zur Reichswehr, der er wohl verdankt, dass er nicht unter den Toten des 30. Juni und anch sonst relativ unbclästigt geblieben war. Die Hintergründe seiner Verhaftung werden sich wohl in allernächster Zeit aufhellen, sie sind um so interessanter, als sie mit der prinzipiellen Einstellung NiekischS für eine freundschaftliche Einstellung Deutschlands zu Russland zusammenhängen, eine Einstellung, die, wie bekannt, in der ReichStvchr namentlich nnter Schleicher warme Fürsprecher sand. Italienische Künstler verhaftet Mailand.(Agence Espagne.) Vor einigen Tagen ist eine Gruppe von 25 jungen Künstlet» verhaftet lvordcn, weil sie offen ihrer Sympathie für das republikanische Spanien Ausdruck gaben. Mehrere Maler und Bildhauer, von denen einige sehr bekannt sind, wurden verhatfet, es befinden sich darunter die Maler B i r o l l i, M n c ch i. Sassu und der Bildhauer M a n e u. Sie siird zurzeit im Gefängnis. Die Verhaftung dieser Gruppe unabhängiger und sehr bekannter Künstler(diese Gruppe wurde von dem berühmten italienischen Maler Gino S e v e r i n i gebildet) hat eine gewisse Erregung in den Künstjer- kreisen verursacht. BeckS Bukarester Besuch wird in einer War- schauer Meldung des„Daily Heräld" dahin gedeutet, dass Reisen König Carols nach Warschau und des Staatspräsidenten Mosciczki nach Bukarest verabredet werden sollen. Die Rumänen verlangen, dass zuerst das polnische Staatsoberhaupt nach Bukarest komme. Polen versuche, Rumänien von der Kleinen. Entente abzubringen, dio- seit dem jugoslawisch-italienischen Pakt als erschüttert gelte. Der Besuch Becks solle eine«Kundgebung der Freundschaft" und mehr gegen Sowjetruss- land als gegen Nazi-Deutschland gerichtet sein. Beck und AntoneSeu, so schliesst der Bericht, wollen beide einen Block neutraler Staaten von der Ostsee bis zmn Schwarzen Meer bilden,(bn.). Seite 6 .Sozialdemokrat" Freitag, SS. April 1037. Nr. 96 Jrager ZMmg Beruf und Gesundheit An der lebten Versammlung der freien Ange« stellteugewerkschast sprach über dieses Thema Univcr« siiätsvrofessoc Dr. Löwij. Sein Vortrag ging ans pon geschichtlicher Betrachtung der Arbeit. Am Altertum war der ArbeitSinensch nicht geachtet, sondern der Nichtarbeiter, deutsch gesagt, der Nutznießer und Faulenzer. Diese Mißachtung führt« zum Verfall des Römer« und Griechentums und erst durch die Einführung des Christentums kam die Arbeit zu Ehre». Am Mittelalter lann eine besondere Wertung dcS Arbeitsmenschen sestgestellt werden. Ein Meister seines Handwerks war so geehrt wie ein Gelehrter- An der Frühzeit des Kapitalismus hingegen, mit der Einführung der Maschinen, sinkt die Bewertung der Arbeit, mir ihr auch der primitivste Schub des Ar- bcitSmcnschen. Ec wird ein Maschinenbestandteil. Durch die Nationalisierung, deren Zeitgenossen wir sind, kommt dies ebenso zum Ausdruck und es ist begreiflich, wenn sich die Arbeiterschaft gegen diese Entwertung der Arbeit und des eigenen Ich aufbäumt. Der Vortragende sprach Wer die Auswirkungen der Andustrialisierung auf die GesundhcitSverhälr- nisse, besonders auch der Frau und deren Nachkoni- menschaft. Die besonderen Krankheiten des Laden« und Büropersonals fanden im Vortrag ebenfalls ihre Behandlung. Wir zählen lediglich auf: Schreib- krampf, Nervosität, hervorgerufen durch die lärmende Umgebung, auch durchs unzweckmäßige Ernährung und Lebensart, durch schlechte Lüftunat durch Ucber» lastung und schließlich durch vielfach rücksichtslose Vorgescbte. Ganz besonders betonte er die ungeheure Arbeitsleistung des voll beschäftigten Stenottzpisten, der Maschinenschreiben», wozu auch die Arbeit bei BuchhaliungSmaichinen gehört. ES ist unbedingt nötig, das; besonders diese Kategorie abwechselnde Arbeit vollsührt, sogar zeitweise von dieser Beschäftigung losgelöst wird. Die Krankheiten infolge der iangen Sitzens: Stuhlverstopfung, Hämorrhoiden, Krebs und Lungentuberkulose, müssen rechtzeitig behandelt werde». Für den Büroangestellten gilt im allgemeinen folgende GesundheitSregel: Vorwiegend vegetabilische Kost, so auch Obst, wohl Fleischgenus!, jedoch in kleinem Ausmaße, viel Bewegung in frischer Lukt, wobei körperliche Arbeiten jeder Art. von Sport bis zur Feldarbeit, nicht gescheut werden soll. Dies ergibt dann eine» gesunden Ausgleich zwischen Geist und Körper. Schließlich erwähnte der Vortragende noch die Wichtigkeit der Beratungen junger Menschen hinsichtlich der Berufswahl. Diese Einrichtung ist auch in Prag getroffen und es stehen Pcrsäniichkeiten den Ratsuchenden gerne zur Verfügung an bestimmten Tagen. . De» Vortrag veranstaltete der Allgemeine Ange- stelltcn-Verband Reichenberg, Ortsgruppe Prag, unter Mithilse der Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit. Die Prager„Urania" begeht am 24. April das Jubiläum ihres 20jährigen Bestandes mit einer Feier. Minister Dr. Spina wird die Festrede halte» und»ach den übrigen Ansprachen und Begrüßungen werden„Proben sudeicndeutschcr Kunst" geboten werden. Bauarbeiter protestieren gegen die Sabotierung der Kollektivverträge. Am Prager VoUShause fand Mittwoch abends eine stark besuchte öffentliche Versammlung statt, die hon der Prager Bauarbeiterschaft einberufen worden war, um gegen die seitens der Bauunternehmer betriebene Sabotage der rechtsverbindlichen Kollektivverträge zu protestieren. Ungeachtet der Kollektivvertragsbestimmungcn werden vielfach seitens der Arbeitgeber die tariflichen Lohnsätze unter Zuhilfenahme aller möglichen Praktiken — oft auch durch einfaches Diktat— nicht eingehakten und den Bauarbeitern ein niedrigerer Lohn gezahlt, ohne daß die gewerblichen Aufsichtsbehörden in solchen Fällen mit der nötigen Energie eingreiscn würden. ES wurde eine Resolution angenommen, in welcher sofortige und durchgreifende Abhilfe gefordert wird. AnSbcsondere wird verlangt, daß die zuständigen Behörden diesem unerträglichen Mißstand abhelsen und gegen jene Arbeitgeber, die sich der Verletzung dcS KollektivvcrtragcS schuldig machen, entsprechend zur Rechenschaft ziehe». Besonders wurde darauf verwiesen, daß auch manche Bau- materialfirmen versuchen, durch ungesetzlichen Lohndruck unreclle Preisunterbietungen zu erzielen. Die\ Pauarbeiterschast appelliert gleichzeitig an alle Ar-' veiiSkameraden, jede Beschäftigung zu untarislicheu Löhnen abzulehncn und ihrer Organisation solche Vorfälle zur Kenntnis bringen, die die eniiprechenden Schritte gegen solche Dicnstgeher einleiten wird. Ei« neuer Sportslngpiatz in der Prager Umgebung. Wie verlautet, soll ein neuer Svortstugplad unweit von Zbraslav tKünigSsaall angelegt werden und daS Projekt bereits ziemlich tveit gediehen sein. Gleichzeitig werden aber aus Fachkreisen warnende Stimmen laut, die darauf Hinweisen, daß das erwählte Terrain für den genannten Zweck wenig geeignet ist, da es wenigstens zum Teil im Ueber- schwemmungSgebiet des Flusses. liegen würde und außerdem in einem Talkessel, der für Segclslügc wenig geeignet erscheint. Gegenüber diesem Projekt wird die Anlage eines Flugplatzes bei Eule sAilovö) in.Vorschlag gebracht, wo. eine Hochfläche unweit der Ortschaft Radlik nach Meinung mancher Sachverständiger ein ausgezeichnetes Terrain bieten würde. Rhtzthmisch-ghmnaftische Kindererziehung. Am Mittwoch führten fünf Prager Gvpmastikschulen im „Befreiten Theater" Uehnngen ihrer Schüler vor, die, durch kurze Vorträge eingeleitet, Einblicke in die Methode» und Beweise für den Erfolg der kör« perWdenden Arbeit gäben, die in diesen Schulen geieistet wird. Die Zeiten sind lange vorbei, in denen man aus.der tänzcrisch-ghmnastischen Bewegungserziehung eine Art Weltanschauung machen wollte, der Name;,Hellerau" ist heute nur noch daS Kennwort für' eine' unter viele« Methoden des Ghmnastik-UnterrichtS, der fast ganz zu einer weiblichen Angelegenheit geworden ist. Nicht nur- die Leiterinnen der fünf auftretenden Schulen lAnna Dubskä, Mira Holzhachovä, B. Kalman- Sommer, Aarmila Kröschlovä und Milöa Mauerovä) sind Frauen, sondern auch in der Schülerschaft sind die Jünglinge verschwunden und nur unter den Kleinkindern noch hin und wieder Knaben zu. bemerken. Das Ziel aller Schulen ist: Bon der uatiirlichen Bewegung ausgehend das rhhthmische Gefühl zu erwecken und zur Ausdrucksbewegung hinzuleiten, also weder Turn- noch Tanzunterricht zu geben, sondern die Schülerinnen zu freier Körperbewegung, rhhtbmischer Körperbehcrrschung und ausdrucksvoller Grazie zu erziehen. Am Durchschnitt stellten die gezeigten Vorführungen den Leitungen und Absichten der Schulen ein mitcS Zeugnis aus, wobei sich besonders der vorgeführte Lehrgang der Schule Mira Holzhachovä durch seine klare Shste- matik und die Schule Milia Mahrrovä durch ihre Vielseitigkeit und Zweckmäßigkeit und durch die Erziehung zur individuellen und zur Gruppenbewegung auSzeichneie.—cis— Fünfeinhalb Zentner verdorbener Salami wurden Ende voriger Woche durch die Organe der Sani- tätsreferatcS des Prager Magistrates bei einer hiesigen größeren Fleischer« und Selcherftrma beschlagnahmt. Das entsprechende Verfahren wurde eingeleitet. ES zeigt sich immer wieder, wie dringend notwendig die unausgesetzte Kontrolle der LebenS- vss Frauenbezirkskomitee lädt für Freitag, den 23. April, ,u einer Er- knrston In daS interessante Knopfmuseum Waldes ein. Treffpunkt vor der Fabrik um 15.20 Uhr, Straßenbahn 1 und 20. miltelgeschäste ist, um nicht nur unangemessener Verteuerung der Waren, sondern auch, ernster gesundheitlicher Gefährdung der Konsumenten vorzubcugen. Namentlich die veterinärpolizeiliche Konttolle hat sich als äußerst noüvendig erwiesen, um eventuellen Fleischvergiftungen vorzubeugen, wie auch dieser Fall wieder beweist. ES handelte sich um sogenannte Dauerwurst sTouristensalami), die von der beanständeten Firma für 16 K£ per Kilo verkauft wurde, also zu den Sorten gehört, die von den ärmeren Bevölke- rungsfchichten gekauft werden und am meisten Absatz finden. Bei der Untersuchung zeigte sich, daß die Salami durch FäulniSerreger so zersetzt war. daß sie für de» Genuß absolut untauglich war. Postdienst am 1. Mai. Samstag, den 1. Mai, wird der Dienst im Post-, Telegraphen- und Tele« phonverkehr wie an Sonntagen, Donnerstag, den 6. Mai, lChrisii Himmelfahrt) Pfingstmontag, den 17. Mai und Donnerstag, den 27. Mai lFron- leichnamSsest) wie an Feiertagen versehen. Am 6. und 27. Mai wird aber die Post nur im örtlichen ZuftellungSbezirk zugestellt. Ausslugözüge, Am 1. und 2. Mai nach Hlu- bokä mit Tanzwagen 128.— Kä einschließlich Verpflegung, vom 80. April bis 2. Mai nach Zlin.mit einem Bestich von Luhaöovice und der Macocha 260 K£ einschließlich Verpflegung, am 6. und 6. Mai guer durch die Beskiden 200 Kü mit Verpflegung. am 0. Mai SonderauSflugSzug nach Sternberk n. S. 40><£, einschließlich Verpflegung. Anmeldungen im Basar neben dem Äilsonbahnhof. Telephon 388.88. Herkittssaat komplizierte Auswanderungsagenda Prags-rb- Zwei Beamte einer hiesigen Agentur einer Schiftahrtslinie, die den TranSatlantik- verkehr zwischen den französischen Häfen und Amerika besorgt und zu deren Klienten hauptsächlich Auswanderer zählen, waren vor dem Strassenat des GR. Dr. Sima angeklagt, sich durch uner» laWte Manipulationen zu Lasten der Auswanderer bereichert zu haben. Wie die Anklage ausführte, räumen die französischen Bahnen Auswanderern, I die die Seereise aus französischen Häfen antteien, bei der Durchreise von der Landesgrenze bis zum Hasen besondere Begünstigungen ein. So wird das Gepäck der Auswanderer bis zu einem Gewicht von i 80 Kilogramm pro Mann kostenlos befördert. Bei größeren Transporten wird zur Vereinfachung der Atanipulation nicht das Gewicht jedes einzelnen Auswanderers einzeln gewogen, sondern alle Gepäckstücke auf einmal und das entfallende Gesamtgewicht dann durch die Anzahl der Teilnehmer dividiert. Ergibt sich im Durchschnitt pro Mann ein Gewicht von weniger als 80 Kilogramm, so wird das gesamte Gepäck kostenlos befördert, ohne Rücksicht darauf, ob das Gepäck des einzelnen diese Gewichtsgrenze überschreitet oder nicht. Rach der Anklage sollen nun die beiden beschuldigten Beamte» von dieser Vergünstigung stets Gebrauch gemacht, ihren Klienten aber die Transportspesen in Anrechnung gebracht haben, so daß im Lause der Zeit ein zwar nicht genau zu bestimmender, aber den Betrag von 10.000 Xi jedenfalls übersteigender Schaden verursacht worden sei. Die Verhandlung zeigte, wie äußerst schwierig die Aufhellung solcher komplizierter Manipulationen ist. Die Angeklagten hatten zwar bei der Polizei seinerzeit«in teilweises Geständnis abgelegt, erklärten sich aber vor dem Strafgericht für gänzlich unschuldig. Den Auswanderern sei stets eine genaue Abrechnung vorgelegt worden und selbst wenn sich bei dem Ge« päckstransport Unstimmigkeiten. ergeben hätten, so seien die überschüssigen Beträge zur Begleichung anderer Gebühren verwendet worden. Maßgebend war, daß sich tatsächlich kein einziger Geschädigter onuttt begießt Du die Blumen auch mit !8lumtn-8iiMunß vost der„Frauenwelt". Prag XU., Fochova tt. 62 t Paket XL 5.60 mtt Post- msendung. Auskünfte durch alle Reisebüros und die Kunenoaltung gemeldet hat und also nicht erwiesen war, daß Überhaupt jemand zu materiellem Schaden kant. DaS Gericht erachtete dann auch den Schuldbeweis als nicht erbracht und sprach beide Angeklagten frei. Im Zeichen pietätvollen Gedenkens,.. Prag,»rb- Der Taborer Advokat Dr. Maier, der sich unter dem Pseudonym Jaroslav Maria literarisch betätigt und dessen letztes Buch als ver« mcintliche Invektive gegen gewisse Prager Anwälte und als scharfe Kritik verschiedener Erscheinungen in diesen Kreisen großes Aufsehen erregt hat. veröffentlichte nach dem Tode de» Direktors Hilars, der Schauspielchefs des Prager Nationaltheaters eine dem Andenken des Toten gewidmete Broschüre unter dem Titel„Hilar", welche Stellen enthielt, durch die sich die bekannte Schauspielerin Anna Sedläikovä schwer beleidigt fühlte. Von ihrer schaufpielerischen Tätigkeit wird in der Broschüre mit sehr starken Ausdrücke» behaupiet, daß sie nur dar schlechteste Publikum mitreiße und ihre Wirksamkeit als fchädlich zu bezeichnen" sei. Dabei vertrage sie sich mit keinem Direktor, verfüge über ein übertriebener Selbstbewußtsein, das sie jeder Selbstkritik beraube u. dgl. m. Bei der gestrigen Verhandlung wurden von beiden Seiten zusanunen 68 Zeugen aus Theater- und Kritikerkreisen beantragt. Szene Im Infektlonspavillon Prag,-rb- Daß im Verkehr mit Leuten, die an ansteckenden Krankheiten leiden, strenge Vorsichtsmaßregeln am Platz sind, scheint ohne weiteres einzuleuchten. Es gibt indessen Menschen, die gegebenenfalls diese Maßregeln als überflüssige, zu ihrer persönlichen Sekkatur erdachte Schikanen ansehen. So auch diese Frau Barbara Pkihoda, die ihren im Infektion-Pavillon des Kladnoer Krankenhauses liegenden Mann besuchen kam. Der Arzt kam gerade dazu, als sie sich mit dem Patienten durch dar offene Fenster des JnfeftionSpavillonS unterhielt, obwohl sie nicht den für solche Fälle vorgeschriebenen ärztlichen Erlaubnisschein hatte. Als sie der Arzt darauf ausmerffam machte und sie aufforderte, die Unterredung sofort abzubrechen, wurde sie renitent und mußte von einem Angestellten weggeführt werden. Unterwegs begegnete sie eine gewisse Frau Marie Steiner, die sich sofort in die Sache mengte und natürlich gegen das Kranken- hauSpersonal Stellung nahm. Die Steiner forderte die Äbgesührte resolut auf, sie solle ihrem Begleitmann„doch einfach«ine fchniieren". Die. Pkihoda befolgte auf der Stelle diesen guten Rat, der ihr, wie auch der Ratgeberin aber schlecht bekommen sollte, denn beide wurden der öffentlichen Gewalttätigkeit ängeklägt. Dar Gericht beurteilte die"Sache indessen müder als der Ankläger und verurteilte beide Frauen nur wegen tätlicher Ehrenbelei- digung einer im Dienst befindlichen Person zu zwei, vzw. drei Wochen strengen Arrestes bedingt. Kunst und Wteaea „Die weiße Krankheit" in Jugoslawien. Die A gr am er Zeitungen schreiben sehr ausführlich über die Premiere von Capeks„Weiße Krankheit" im Itationaltheater in Agram, die vor ausverkauftem HauS mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Sämtliche Zeitungen reihen daS Werk Capeks unter die heften Werke der Weltliteratur ein. Die „Weiße Krankheit" wurde auf der neuen Drehbühne aufgefiihrt. Das Stück wird auch in Sara j e v o gespielt werden. Spielplan des Deutschen Theaters. Freitag,%8: Warum lügst du, Chöcie?, D.— Samstag, halb 8: Das Testament der Tante Karoline. AI.— Sonntag, halb 8: Aida; halb 8; Warum lügst du. Chörie?, D 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag, 8 Uhr: Bauernkrieg, Theatergemeinde- des KülttirverbandeS und fteier Verkmif.-— Samstag, 8: Unentschuldigte Stunde, volkssiimliche Vorstellung. — Sonntag. 8: Alarm im Radio; 8: Tas Paradies. Freie Vereinigung sozialistischer akademlker Dienstag, den 27. April, im großen Saal des Handwerkerbereins, Ve Smekkäch 22, Bortrag von Genossen Abg. W. Jaksch Wer„Student und Volk".- Beginn 20 Uhr. Freiwilliger Regiebcitrag.■ Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 28. April, Treffpunkt zwischen 7::nb 7.15 Uhr am Masarykbahnhof; Fahrt nach Unhoöt, Wanderung in die Lanaer Wälder. Führt Korn. Republikanische Wehr, Präs AuSmarsch, SamStag, 945 Uhr, Treffpunkt in Smichov beim- Bahnhof. Genossen, welche später kommen, gehen direkt kn da« Natnr- frrundehnuS, Wanderkleidung. Arbeiter-Tnrn- und Sport-Union, 5. Kreis— Fußball. Samstag, den 24. April," nachmittags halb 4 Uhr, in Aussig, VollshauS, Kreis» spielauSschußsitzung. Um pünktliches Er- schcinen wird ersuchi Die Bezirksspielleiter werden darauf aufmerkfam gemacht, daß der Stand der Meisterschaft wöchentlich in Form einer Tabelle in der Presse bekanntzugeben ist.— Die Kreisspielleitung. Mitteilungen ans dem Publikum Als Büttel gegen rheumatische Schmerzen ist Alpa-Franzbranntwein von ganz besonders schmerzberuhigender und angenehmer Wirkung! Der Arzt wird Ihnen sicherlich gern bestätigen, daß regelmäßige und gründliche Massagen mit Alpn-Franz« branntwein den Blutkreislauf beschleunigen und regeln, die Muskeln stärken, die Nerven beruhigen und den Schmerz lindern. Alpa wird nur in Originalflaschen mit der blauen Etikette und Plombe verkauft. Urania-Kino, Kllmentskä 4. Fernsprecher 61638. Spiel mit dem Feuer Hvwlger-Premtere. Jeder denkende Sozialist muß täglich sein Parteiblatt, den„Sozialdemokrat", lesen. Sendet daher diesen Bestellschein an die Verwaltung des„Sozialdemokrat", Prag XU., Fochova 62. Bestellschein Ich bestelle vom:, den„Sozialdemokrat", das gentralorgan der Deutschen sozial- demokratischen Arbeiterpartei, Prag XU., Fochova 62, zum Abonnementpreis von K{ 16— monatlich. Nam«: U6W||>:..—' Unterschrift: ®«.««&.’S'«««2 li.e n: Dei Zustellung in» Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich fti 16.—. vierteliährli» 48.—. halbjährig. Aä 96.- ganzjährig lii ISS.-.— Inserat- werden lau, Tarn billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.- NnckstÄlnng von Manuskripten erfolgt nur'bei Einsendung der Retourmärken.— Die LettstngSfrankatur-wurde von der Post» und Tele- - graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800jV1I/4980 bewilligt.— Druckerei;„OrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag.-■