Ur. 149. Aboimkments-Krdingungen: «bonnemeniS- Preis pränumerando! Vierteljahrs ZLv Ml., monatd l,10Mk., wöchentlich 23 PIg. frei ins Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«, Nummer>nU illusirierler Sonntag»« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- »lbonneinent: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für igss unier Nr. 7880, Unter«renzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige AuZland 8 Marl pro Monat. Erschein! täglich»ufter Llonkig«, Devliner Volksbl�kk. 16» Jahrg. Die Inftrtions-Grliühr beträgt für die fechSgefpalrene Kolonsl» zetle oder deren Raum-W Pfg., für politische und gemerllchaftliche Beroins- und Versammlung»- Anzeigen 20 Pfg. „Kieinr Acheigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fet». Inserat« für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derExpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen btS Z UHr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Am! I, Nr. 1008. Telegramm-Adresse: „Socialdemollrat Verlin» Centraiorgan der soriatdemokratisthen Partei Deutschlands. Redaktion: LW. 19, Veuth-Straszc 2. Donnerstag, den Ä9. Juni 1899. Expedition: LW. 19, Benth-Strafze 3. Die Nationalliberalen und die Socialpolitik. In der eben abgelaufenen Reichstags- Periode hat, was socialpolitische Fragen anbelangt, die Haltung der National- liberalen mehr Aufmerksamkeit erregt, als eigentlich der Kopf- zahl dieser Fraktion entspricht. In ihrer Mitgliederzahl(48) steht diese, einst parlamentarisch maßgebende Fraktion heute hinter allen großen Parteien zurück: hinter dem Centrum, den Socialdemokraten, den Deutschkonservativen, ja sogar hinter den Freisinnigen, wenn man freisinnige Vereinigung und Volkspartei und deutsche Volkspartei als ein gleichartiges Ganzes ansieht. Was den Blick häufiger wie sonst auf die nationalliberale Partei lenkte, war darum nicht das Schwer- gewicht ihres parlamentarischen Einflusses, sondern lediglich das stärkere Hervortreten von Strömungen, in deren Be- kämpfung gerade die Natioualliberalcn bisher so oft in erster Linie standen. Es ist noch gar nicht lange her, daß man, um die Ge- sinnung dieser Partei gegenüber der deutschen Arbeiterklasse zu kennzeichnen, regelmäßig auf eine, nienials zu verwischende Erinnerung hinwies: auf die Umsturzvorlage, deren geistige Urheber und lauteste Vefürwortcr einige mißvergnügte Nationalliberale gewesen waren, denen vielleicht ein Ne- gierungswcchsel mehr wie ein neues Ausnahmegesetz am Herzen lag, die jedoch die Masse ihrer Parteifreunde in ihr ebenso niedriges wie brutales Treiben mit hineinzuziehen verstanden. Die furchtbare moralische Niederlage dieser Politik, erst vor der weitesten Oeffentlichkcit und dann vor der Volksvertretung, verfehlte ihres Ein- Druckes nicht. Auf dem Berliner Delegiertentag von 18L6 �sprach man(sich einstimmig für ein„Reichs-Vcreinsgesctz ans .liberaler Grundlage" und vor allem für die schleunigste Auf- Hebung des Verbotes aus, welches die politischen Vereine an der Verbindung niit einander hindert;„jedem Versuche einer reaktionären Gestaltung der Vcreinsgesctzgebung wie einer Einschränkung des Koalitionsrechts wird die nationalliberale Partei entgegentreten". Herr von der Recke als Reformator des preußischen Vereins- und Versanimlungswesens scheiterte denn auch an den Nationalliberalen, obwohl die zwei Seelen in der Partei abermals erkennbar zum Ausdruck kamen. Die rheinischen Schlotjunker suchten den Kaiser scharf zu machen, unter Umgehung der verantwortlichen Minister und ohne daß der unglückliche Herr Brefeld sich entrüstete und mannesmutig protestierte. Herr Bncck, der bezahlte Agitator des Centralverbandes— man gestatte uns die Redeweise des vielgenannten Mannes— hatte von vornherein erklärt, daß er sich mit dem Reckeschen Gedanken eines „kleinen Socialistengesetzes" Wohl befreunden könne, so lange ein„großes" Gesetz dieser Art vom Reichstag nicht zu haben fei. Viele andere Aeußerungcn, vor allem in der groß- industriellen Presse, bewegten sich in derselben Richtung. Indes mußte ine Minderheit, die früher als Mehrheit ge- ivöhnlich ihren Willen durchgesetzt hatte, sich damals schon damit begnügen, die Faust in der Tasche zu ballen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Diese sind nicht gekommen. Die ReichstagSwahlen haben sogar diesen Läuterungsprozeß in beschleunigtem Zeitmaß weitergeführt und der außerordentlich starke Personcnivechsel in der Fraktion erleichtert es offenbar, neue Anschauungen entschiedener wie bisher zur Geltung zu bringen. Auch das stärkere Hervortreten des süddeutschen Elementes in der Fraktionsführung wirkt im gleichen Sinne. Die längere Ge- wöhnung an ein lebhaftes politisches Leben niit demokratischer Beimischung, die geringere Schärfe der heimischen Klassen- gegensätze läßt die Süddeutschen weniger zu Kraftproben und Gewaltmaßnahmcn aufgelegt sein, wie die rheiuisch-wcstfälischen Grubenlords, die über Armeen von fremdhergeholtcn Lohn- arbeitcrn ihre Sklavenpeitsche schwingen. Schon in den ersten Budgetdebatten gab sich der National- liberalismus nicht mehr als der alte. Herr Bassermann vertrat ein ganzes socialpolitisches Programm: ein Reichs- Arbeitsanit, dem die Behandlung der socialpolitischen Angelegenheiten zu unterstellen sei. um das Teucho der Reformen zu beschleunigen— Arbcitskammern als gemeinsame Organisation der Arbeitgeber und Arbeiter zur Regelung des Arbeitsnachweises und zur Schaffung eines unparteiischen Einigungsverfahrens bei Streiks— Fortbildung des Arbeiter- schutzes und der Arbeiterversichcrung. Die Notwendigkeit der vollen Aufrechterhaltung des Koalitionsrechtes sei anzu- erkennen; den Bcrufsvereinen müsse die legitime Bewegnugs- freiheit zuerkannt werden. Diese Erklärung war sicherlich nicht ohne Bedeutung; auch der socialdemokratische Etatsredner räumte das bereitwillig ein. Wenn man sie jedoch zunächst für wenig mehr wie eine gefällige Schaustellung und ein Schwelgen in unverbindlichen Versprechungen hielt, so lag das einfach an der aus dem Gedächtnis nicht wegzulöschenden Erinnerung an die nationalliberale Vergangenheit. Auf ernstere innere Wand- lungen wies eigentlich ersr hin der versteckte Angriff Möllers gegen socialpolitische„Ucbereilung" und gegen die„Anfeuerung zu schnellerem Tempo", sein Rufen nach einer Erweiterung des§ 1L3 der Gewerbe-Ordnung, um der„Terrorisierung der Arbeitswilligen" zu wehren— und die Tags darauf erfolgende scharfe Abwehr des Freiherrn Hehl zu Herrnsheim, der nicht nur Herrn Bueck, den Censor der Partei in der„Deutscheu Jndustrie-Zcitung", gründlichst abschüttelte, sondern auch an die Adresse des Herrn Möller bemerkte: Ich habe gegenüber Ausführungen, die gestern hier stattfanden, festzustellen, daß die socialpolitischen Grundsätze, welche der Herr Abgeordnete Basscrmann bei seiner Etatsrede hier vorgetragen hat, nach vorausgegangener Verständigung niit der großen Mehrheit meiner Fraktion festgesetzt sind, und daß in diesen Grundsätzen auch andere Auffasiungeu, wie sie gestern in der Debatte hier zum Ausdruck kamen, für meine Fraktion keinerlei Veränderung herbeiführen können. Derartige Desavouierungen gehören sonst nicht zum täg- licheu Brot der Parteien. Später brachen die äußerlich ver- kleister-ten, aber innerlich unüberwundenen Gegensätze noch- mals bei der Beratung der Arbciterkammer-Anträge hervor. Wortführer des alten großkapitalistischen Flügels war diesmal der Abgeordnete B ü s i n g, ein mecklenburgischer Liberaler von nicht gewöhnlicher Sachver-ständnis in Bank- und Handels- fragen, der sich früher anch mancher persönlicher Sympathien in nicht-nationalliberalcn Kreisen rühmen konnte, den indes das zunehmende Alter und eine fünffährige unfreiwillige Zurückgezogenheit vom parlamentarischen Leben mehr und mehr in eine verbissene Feindschaft gegen die Arbeiter hinein- getrieben zu haben scheint. Auch die, mit den schiversten Accenten vorgetragene Erklärung Büsings war recht ungewöhn- sicher Art: Meine Herren, die heute hier wieder zur Verhandlung stehen- den socialpolitischen Fragen, namentlich die von einem Teile meiner politischen Freunde gestellte» Anträge, haben in weiten Kreisen große Erregung hervorgerufen. Meine politischen Freunde, welche die Anträge eingebracht haben, haben bei der Begründung derselben zwar keinen Zweifel darüber g c l a s s e n, daß sie nicht namens der ganzen Fraktion, sonder» nur namcnS der Unterzeichner der Anträge gesprochen haben. (Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Angesichts der großen Bedeutung der Fragen und angesichts der erregten Erörterung derselben in der Presse halte ich cS a b e r doch für geboten, vor der Ocffcntlichkeit noch a u s d r n ck- lieh zu konstatiere ii, daß ein großer Teil meiner politischen Freunde und ich in socialpolitischer Bezichnng einen abweichen- den Standpunkt einnehmen (Hört! hört! bei den Socialdemokraten), daß wir bei aller Anerkennung der den Anträgen zu Grunde liegenden guten Absichten uns nicht aus den Boden derselben zu stellen vermögen, und daß wir den Inhalt der Anträge nicht als geeignete Grundlagen für gesetzgeberische Maßnahmen an- sehen können. (Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Bei der Zuchthausvorlage sprach dann wieder Herr Basser mann unter lebhaftem Bravo der National liberalen und heftigem Zischen rechts„gegen das Gesetz und gegen die Kommissionsberatung"— wie auch wir rückhaltlos anerkannt haben: in einem liberalen Geiste und in einer frisch-fröhlichen Tonart, wie wir das schon lange nicht mehr von dieser unpopulärsten aller unpopulären Mittelpartcieu gewohnt waren. In diesem Falle schwiegen die um Möller und Biising sich ganz und gar ans. Aber ist das vielleicht nur die Stille vor dem Sturm? Herr von Stumm sprach vor einigen Wochen als alter er- fahrener Praktikus von den Wellenbewegungen im politischen Leben, ans die Ebbe seiner Hoffnungen werde bald wieder die Flut folgen und das festliegende Schifflcin der ehrlichen und nicniandcu terrorisierenden Hammerschmiede wieder flott machen. Ob er seine nationalliberalen Hilfstruppen, die augenblicklich noch zurückgedrängt sind, kennt? Die Presse des Centralverbandes hetzt schon monatelang gegen die Abtrünnigen, gegen die irrlichteriereuden„Dilettanten der Socialpolitik", gegen die„Trabanten der Social- demokratie". Ihr Toben hat sich in den letzten Tagen nur noch gesteigert. Bereits hat auch die uationalliberale Fraktion des preußischen Dreiklassen-Parlaments ihr Mißfallen ausgesprochen, daß die Mehrheit der parteigcnössischen Reichs- tagsfraktion die Kommissionsberatung des Zuchthausgesetzes abgelehnt hat. Und in der nationalliberalen Presse, auch in Süddentschland, erstehen allerlei unwillige Aeußerungen gegen die Art,>vie die um Hehl und Bassermauu die kapitalistischen Interessen zu vertreten gewillt sind. Besonderen Mut giebt den Unzufriedenen die Thatsache. daß bei der Abstimmung über Annahme oder Ablehnung jener Kommissionsverweisung von den 48 Mitgliedern der uationalliberalen Reichstagsfraktion nur 24 anwesend waren, von denen 17 gegen und 7 für die Kommissionsberatung stimmten. Wie wird sich die Fraktion stellen, wenn sie voll ver- sammelt ist? Werden die Bassermann und Hehl, trotz der mannigfaltigen Angriffe aus den eigenen Reihen, fest bleiben? Wird es ihnen gelingen, auf die Dauer eine Fraktionsniehrheit für ihre Anschauungen zu erhalten? Die Bergarbeiter- Unruhen im Rnhrrevier. Die bedauerlichen Vorkommnisse in Herne werden von der verlogenen Scharfniacherbande natürlich wieder benutzt. uni den organisierten Arbeitern und der Socialdemokratie eins anzuhängen und Stimmung zu machen für das Zuchthaus- gesetz. Das hiesige Stummblatt schreibt: „Die verschiedensten Nachrichten bezeugen, daß sich der Mangel an Schutz der Arbeitswilligen in recht empfindlicher Weise bemerkbar mache, eine treffende Illustration zu der jüngsten Haltung der Rcichstagsmajorität bei Beratung des Gesetzentwurfs zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses. Angesichts dieser plötzlichen Steigerung der socialistischen E x c e s s e drängt sich der Gedanke von selber auf, daß sich die Streikterroristen durch Reden ä la Bassermann in ihrem Thun ermutigt fühlten." Es ist die unverschämteste Lüge, nicht bloß einfache Unwahrheit, sondern bewußte Lüge, angesichts der vorliegenden Thatsachen von socialistischen Excessen zu reden. Wir ver- weisen auf die gestern mitgeteilten Verhandlungen der von 1300 Bergarbeitern besuchten Versammlung in Dorstfeld, in der dringend vom Ausstaude abgeraten und auf die Schäd- lichkeit und Nutzlosigkeit des Streiks hingewiesen und aus- gesprochen wurde, daß der einzige Weg zur Verbesserung des Knappschaftsstatuts, dessen Bestimmungen die Ursache des Ausstandes sind, die Beteiligung an der Organi- s a t i o n und der g e s c tz l i ch e W c g der Wahl geeigneter Knappschaftsältcsten ist. Es siegt ferner folgende Resolution des socialdemokratischcn Vereins in Dortmund vor: „Der Socialdemokratische Verein bedauert aufs lebhafteste die gestrigen Vorgänge in Herne. Wenn sich bis jetzt anch nicht beurteilen läßt, ans welcher Seite die Schuld liegt, so richtet er doch an alle Arbeiter die Aufforderung, keinen Kampf gegen das Kapital zu beginnen, ohne genügende Vorbereitung und V e r st ä n d i g u n g mit den organisierten Ar- b e i t e r n, die durch ihre Kartelle usw. ja stets über die Bc- rcchiignng odcrAnssicht eines Streiks beschließen, ehe sie demselber ihre Ziistimmnng erteilen, sowie sich von jeder Gewalt- t h ä t i g k e i t und Widersetz nng fernzuhalten, hält es aber im Interesse des öffentlichen Friedens auch für dringend nötig, daß die Polizeibehörde nur solche Beamte verwendet, welche ausreichende Kenntnis der Gesetze und die Charaktereigenschaften der Ruhe und Besonnenheit besitzen." Der Vorstand des Deutschen Berg- und Hüttenarbeiter- Verbandes hat schon in der Nr. 19 der„Deutschen Berg- und Hüttcnarbeiter-Zeitung" vom 20. M a i d. I. in Vor- ahnung der Dinge, die wegen der erhöhten Beiträge zur Knappschaftskasse eintreten können, eine Warnung erlassen, in welcher es heißt: „Es ist geplant worden im Dortmunder Bezirk, beim nächsten Lohntage gegen die knappschaftlichen Abzüge, wie sie nach dem neuen Statut auf Grund des Berggesetzes einbchaltcn werden müssen, zu protestieren und zu vcrinchen, auf diese Weise das neue Statut gewissermaßen zu annullieren. Da nun die Er- bitternng gegen das neue Statut schon sehr groß geworden und d u r ch d i e V e r e i t e l n n g der großen Versammlung a nr 14. M a i bei Steinwey in Dortmund, wo über das neue Statut eingehend gesprochen werden sollte, noch verstärkt w o r d e n i st, so erscheint es gar nicht ausgeschlossen, daß man sich zu Unbesonnenheiten und, wir möchten sagen, Kindereien hin- reißen läßt. Strafe und Maßregelung würden ganz bestimmt die Folge davon sein. Wir warnen daher ganz entschieden vor der- artigen Dummheiten!' Bemerken wollen wir noch, daß in der ersten unter dem neuen Statut stattgefnndencn Vorstandssitznng selbst Aeltcsic, die für das ncnc Statut gestimmt, nnnmchr Protest dagegen eingelegt haben." Schließlich sei nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß der Ausstand von jungen polnischen Arbeitern ausgeht, die keiner Organisation angehören, eine Thatsache, die auch von bürgerlichen Blättern zugegeben wird. DaS wird ferner durch den Umstand erhärtet, daß die Verwundeten und Getöteten fast ausnahmslos polnische Namen tragen. Reden „ä la Bassermann" haben diese Leute so wenig gelesen, wie andere den Scharfmachern unbequeme Reden. Dagegen wird es durch die Versammlungsverhinderungen unmöglich gemacht, zu den unbesonnenen und unerfahrenen Leuten zu reden. um sie auf die verderblichen Folgen ihres Thuns auf- nierksam zu machen und sie ans den richtigen Weg zu verweisen. So war für Sonntag nach Herne eine Versammlung einberufen, in der der Schriftsetzer Szczotkowski in polnischer Sprache reden sollte, um die Leute über ihre Unbesonnenheit aufzuklären. Diese Versamm- lung wurde wegen angeblicher Ucberfüllung aufgelöst in dem Augenblicke, wo der polnische Referent das Wort ergreifen wollte. Die Auflösung hatte lebhafte Erbitterung unter den Teilnehmern hervorgerufen und infolgedessen kam es bereits am Sonntag abend zu dem ersten Zusammenstoße niit der Polizei. Wie die Polizei dabei vorgegangen sein mag, wird durch die von bürgerlichen Blättern konstatierte Thatsache be- leuchtet, daß nicht nur Frauen geschlagen wurden, sondern daß sogar einem Knaben das halbe Ohr ab- g�e h a u e n worden ist. Daß diese Zusammenstöße am Sonntqg vielleicht nicht vorgekonimen waren, wenn die Polizei taktvoller vorgegangen wäre, wird gleich- falls von bürgerlichen Zeitungen des Reviers zu- gegeben. Das von uns geschilderte Verhalten der Führer der organisierten Arbeiter wird anch bestätigt durch die Be- richte der„Rheinisch-Wcstfälischen Zeitung" und durch den Berichterstatter der„Kölnischen Zeitung" wie den der „Deutschen Warte". Unter diesen Gesichtspunkten kommt man erst zu einer richtigen Beurteilung der Vorgänge. Wir geben im Anschluß hieran noch eine Anzahl Meldungen über die Ereignisse vom Dienstag und Mittwoch, wie sie von den Depeschenbureaus einlaufen. Bochum, 27. Juni.(W. T. B.) Wie der„Bochumer Anzeiger" meldet, Hoven die Stadtverordneten in Herne die Bildung einer Z e ch e n s ch u tz w c h r in geheimer Sitzung beschloffcn. Die für heute einberufenen drei Versammlungen wurden von der Polizei verboten. Bei der heutigen Mittagsschicht fuhren auf der Zeche„Friedrich der Große" von 600 Arbeitern nur 12. auf der Zeche„v. d. Heydt" von 3S0 nur 15, ans„Shamrock I und 11" von'600 nur 324 an. Auf der letzteren und der Zeche„Constantin der Grohe" fanden blutige Zusammcnstöhe statt. Die Gendarmerie schritt mit blanker Waffe' ein und nahm mehrere Verhaftungen vor. Dasselbe Blatt meldet, das; es heute abend zu neuen Tumulten gekommen sei. Die Streikenden hätten die Polizei mit Steinen beworfen, worauf diese scharf geschossen hätte. Mehrere Personen seien verletzt. Die Tumulte hätten sich erneuert, als die Polizei zwei Verhaftete abführen wollte.—• Auch die»Bochnmer Zeitung" meldet, dag der Bergarbeiter- Ausstand im Bezirke Herne größere Ausdehnung gewonnen habe und Arbeitswillige de- droht und mißhandelt ivordcn seien. Essen a. d. Mnhr, 33. Juni. sW. T. B.) Nach dem gestrigen Znsammenstoß der Ausständigen mit der Gendarmerie in Herne wurden nach einer Meldung der„Nhcinisch-Wcstsälischen Zeitung" 15 schwerer Verletzte in die Krankenhäuser eingeliefert, von denen einer, wie von anderer Seite gemeldet wird, nach der Einliefcrung gestorben sein soll. Bochum. 23. Jimi.(®. H.) Bei dem gestrigen Abend krawall wurden 14 Personen zum Teil schwer verletzt, einer ist tot. Die Nacht verlief ruhig. Trotzdem wird, dem„Bochumer Artl zeiger" zufolge, beabsichtigt, ein Bataillon Infanterie und zwei Schwadronen Kavallerie nach Herne zu legen. Heute morgen fuhren von 707 Schivemmern 2«) an; auf der Zeche„von der Heydt" fuhren von 500 nur 74, auf Zeche„Julia" von 300 nur 1ö0 an. Gegen 86 Verhaftungen wurde n vorgenommen. Ans der Zeche„Moni Cent«" sind 50 Mann nicht angefahren. Herne. 28. Juni. sW. T. B.) Die heutige Nacht ist ruhig verlaufen. Auf der Zeche„Moni Eenis" fehlten morgens 50 Mann. auf der Zeche„von der Heydt" erschienen von 500'Mann 74, au „Julia" von 300 Mann 160, mif„Shnmrork" von 707 Mann 260. aus„Friedrich der Große" von 305 Mann 75. Ans der Zeche „König Ludwig" in Bruch fehlten gestern mittag 65 Mann. Bochum, 28. Juni. lW. T. B.) Nach einer Meldung des „Bochnmer Anzeigers" sind bei dem gestrige» Zusammenstoß drei Personen getötet worden, zahlreich« Verwundete haben in Privat Häusern Aufnahme gefunden. Das Blatt will wissen, daß ins- gesamt 36 Verhaftungen vorgenommen seien»nd daß heute Militär erwartet werde. Essen o. d. Ruhr, 28. Juni.rde beschlossen, dem Kreisarzt die Ausübung der ärztlichen Privatpraxis. abgesehen von dringenden Fällen und Konsultationen mit anderen Acrzten, überhaupt zu verbicten.'während nach der Geslaltung der Vorlage in der zlvciteil Lesimg dem Kreisarzt nur die Ausübung der Privat- Praxis außer dem Hanse untersagt war. Obgleich man nicht verleimen kau», daß diese Aenderungen geringfügige Verbcsscrnngcn der Vorlage bedculen, kann doch von einer organischen Medizinal- resorm, wie sie seit Jahren erstrebt wurde, tu keiner Weise die Rede sei. AuS diesem Grunde stimmten die Freistmilgcil nnd der größte Teil der Natioiialliberalcn tu der Gesaiiitabstimmung gegen den Entwurf. Ziir Annahme gelangten sodann noch eine Anzahl Resolutionen zu dem Gesetzentwurf, worin folgende Forderungen erhoben werden: 1. Die Gründung selbständiger Lehrstühle für Hygiene an den technischen Hochschulen nnd die geeignete Unterweisung der höheren Verwaktnngsbeamten und Geistliche» in Hygiene; 2. die Errichtung von Untexsiichimgsanstalten zu Zwecken des Gesnndhcits- und Veterinär Wesens in jeder Provinz nach Maßgabe des Bedürf- nisse», sowie einer Central- Landes- ttuterslichungsanstalt nnter Ciiistelliing der nötigen Mittel in den nächsten Etat; 3. die Herbriführimg der baldigen Wiedcrvorlage eines RcichsgcsetzeS zur Bekämpsuug genidngesährstcher Krankheiten und Einbringung eines Notgesetzes an den Landtag in dieser oder spätestens der nächsten Session nister Abänderung und Ernänznng des Regulativs vom 8. Anglist 1835; 4. die Erwägung, ob(ich nach Feststell'nng der Beziige nnd Nebeneinnahmen der Kreibphyiikcr mit staatlicher Besoldung eine Erhöhimg der letzteren als itotwendia er- weist, und cvcntuellee Eiiibriiigniig einer enlsprechenden Vorlaae. Schließlich fordert« das Hau» die Negierpug in Form einer Ne- soliition noch auf, die bisherigen Kreisphysitf, soweit nicht besondere Uiiistäude vorliegen, als Kreisärzte in ihrem bisherigen Amtsbezirke anzustellen. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt. Zur Beratung stehen die Ist st i z g e s e tz e und die CharsreitagS-Vorlago in dritter Lesung.—-■ Äviilstung. Die Abrüstung der europäischen Staaten nimmt einen wunderbaren Fortgang. Die Diplomaten waren nach dem Haag gezogen, um"Krieg dem Kriege zu erklären. Wenigstens erzählte» sie dies den andächtig lauschenden Völkern und den in tausend Wonnen jubelnden„Friedens freunden". Aber nicht lange konnte die Maskierung dauern. Trotz aller Gehcimnisthuerei mußte» die Staaten des Militarismus bald Farbe bekennen. Und schon erscheint dieser Krieg gegen den Krieg beendet, es wird abgerüstet und der Krieg, der wirkliche, entsetzliche, völkermiäheiide und völkcrverrohciide, er wird„in Frieden" gelassen. Den Londoner„Daily NewS" wird ans dem Haag ge- meldet: „In der Kommission, welche über den russischen Eni w a ssn un g s- V o rs ch l a g verhandelte, habe der deutsche Delegierte Oberst v. Schwarzhoff eine�ied« gegen den- selben gehalten. Die Rede habe eine halbe Stunde gedauert nnd habe einen starken Eindruck gemacht. Er habe mit überwältigender Offenheit gesprochen. Der Ovcrst führte ans, daß eine Reduktion des FricdciiSbcstandcs gar nicht mit einer entsprechenden Reduktion der Wehrkraft identisch sei; der Friedeiisstand könne stationär bleiben nnd die SLehrkrast eines Landes könne doch wachsen. Die Länge der militärischen Dienstzeit, der Dienst durch einen Ersatzmann, die Eisenbahnen, die Schnelligkeit der Mobilmachimg und die ökono- mischen Bedingungen— das alles seien Faktoren, welche die militärische Stärke eines Landes ausniachen. Wenn ma» nur einen Teil des Problems Heratisgreife nnd behaupte, daß durch Reduktion des FriedenSbcstandeS allein die Wehrkraft jedes Landes allgemein und in gleicher Weise vermindert werde, so lönnc das einem Laien wohl plausibel erscheinen, dem militärischen Sachverständigen aber erscheine das als eine so offenbare Absurdität. daß er sich wundern müsse, wie man einen solchen Bor- schlag überhaupt im Ernste habe vorbringen könne n. Die Russen bezeichneten Sibirien als eine Kolonie, aber im Falle eines europäischen Krieges werde Rußland jedes sibirische Regiment per Eisenbahn nach Europa bringen. Schwarz« hoffs Ausspruch, Deutschland sei nicht ruiniert, im Gegen- teile sein Rcichtiini. seine Zufriedenheit nnd seine Lebenshaltung wüchsen täglich, hätten einen geivaltigen Eindruck gemacht. Diese Rede sei die größte Sensation der bisherigen Konferenz gewesen." Trotz dieser Ausführungen des deutschen Vertreters will aber die Konserenz ihre AbrüstiingSkornödie noch ein Weilchen fortsetzen. Die russischen Anträge wurden an zwei Sub koiiinnssione» verwiesen; diese ernannten zwei PrüfungS ausschiisje. Deutsches Weich. Reichstags. Abgeordneter Slgster sollte nach Mitteilungen 'üddeutscher Blätter fein Mandat niedergelegt haben. Diese Nach- richt war, wie wir badischen Parteiblättern und Prillatnütteilungen entnehmen, unbegründet.— Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom Mittwoch den Entwurf eines Hypothekenbank- Gesetzes, sowie den Entwurf eines I n v a l i d e n v e r s i ch e r n n g s- G e s e tz e s in der vom Reichstag beschlossenen Fassung angenommen.— Tic Mttllereibcrordnnng, die wir seiner Zeit mitgeteilt nnd kritisiert haben, wird auch in d mindestens alko sechs Stnnden in der Woche, haben die Hütekinder I dem Schulunterricht beizuwohnen. Dieselben Vorschriften gelten ' auch da, wo Eltern ihre eigenen Kinder während der Schulzeit zum Vichhütcn verwenden wollen. Wenn dies eine„EinschrSnkimg" des Hntedienstes der Schul- linder ist. dann müssen ja bisher auf dem Lande in Ostpreußen wunderbare Zustände existiert haben.— Lieb Patcrland magst ruhig fein. Ans K o b n r g kommt folgende beruhigende Nachricht: Das Hofmarsch alla'mt vor- öffenilscht Folgendes: Da der Berliner Berichterstatter der Londoner„Daily Mail" darauf beharrt, daß S c. Königliche Hoheit der Herzog abzudanken beabsichtige. so habe ich den Auftrag erhalten, dieses Gerücht ans das Entschiedenste zu widerlegen. Coburg, 28. Jnni 1899. von N u e x l e b e n, Hoftnarschall. Fall Küchler. Wie der„Frankfurter Zeitung" zufolge in Darmstadt verlautet, hat das jüngst gegen den Landgerichtsdirektör K ü ch l e r eingeleitete D i s c i p l i n a r v e r f a h r e n insbesondere durch Sernehinüng eines früher in Groß-Gerau in Stellung gc- Wesen en Richters weiter belastendes Beweismatrrial ergeben, so daß die Regieruiig nicht kurzerhand dem eingcreichien Pensionsgesuch Folge geben dürfte.— Zur Interpretation deS§ 133 nnd§ 153 der RcichS- Gcivcrbcordnnng hat, in allerdings eigentümlicher Weise, ein Fall beigetragen, der seit einem halben Jahre bei den Münchener Gerichten anhängig ist nnd der minmchr erst seinen endgiftigen Abschluß gesunden hat. Der Sachverhalt ist kurz folgender: In der großen Regen- stemerschcn Schuhfabrik in München loar im Vlai v. I. eine nicht lange dauernde Arbcitseinstellimg erfolgt, not, was auch erreicht wurde, den in der Fabrik beschäftigten Arbeiterinnen bessere Löhn« zu ver- schaffen. Nach Wledemiifnahme des Betriebes ninßtest aber sieben Arbeiter— nebenbei gesagt, die besten— die sich am meiste» für die Arbeiterinnen ins Zeug gelegt hatten und die in der Mehrzahl der Organisation der deutschen Schuhmacher angehörten, ihr un- erschrockenes Eintreren büßen. Sie wurden ohne Angabe de-s Grundes«ntlnffcii. Der größte Teil ihrer Kollegen erklärte sich daranshin mit ihnen solidarisch und legte ebenfalls die Arbeit nieder. Der Fabrikleitimg wurde bekannt gegeben, daß der Streit so lange dauere, als nicht ihre gemaßrcgeltcn Genossen in Arbeit genommen würben. Als mm eines Tages der Schuhmacher Wesselka, der weitergearbeitet hatte, die Fabrik verließ, begegnete ihm der Sckrnh- macher Georg Biihler, der, obwohl nicht bei Rcgcnsteiiier beschäftigt, ihm wegen seines Streitbrnchs heftige Vorwürfe machte und seinem Unwillen auch in persönlichen �Bemerkungen ans drastische Weise Luft machte. Wesselka mußte ans Veranlassung der Fabrikbesitzer, die, da sich der Vorfall vor der Fabrik abgespielt, diesen wahrgeuoümicn hatten, die Sache znr Anzeige bringen. Bühler erhielt infolge- dessen einen Strnfbefehl von 1 Woche Gefängnis ans Grund der 152 und 153 der Reich»-Gewerbe-Ordnung. Er legte Einspruch beim Schöffengericht ein und dieses erhöhte die Strafe auf vier Wochen Gefängnis. Bühler beruhigte sich dabei natürlich nicht, sondern legte Berufung beim Landgerichte ein und wurde von diesem freigesprochen. Die Begründung besagte, daß eben ein Streik, der die Wiedereinstcllung gemaßregelter Ar- bester bezwecke, nicht nnter die Fälle des§ 152 der Geichs-Gewerbc- Ordnung falle, in welchen nur von Verabredungen znr Erlangimg günstiger Lohn- nnd Arbeitsbcdingniigcii die Rede sei. Gegen dieses Urteil' legte der Staatsanwalt Revision ein. Und das Merk- würdige geschah! Das Oberlandesgericht hob das Urteil ans und' verwies den Fall zur nochmaligen Verhandlung an das Untergericht, und zwar mit gebundener Marsch- routc. Gerade mit Rücksicht ans das hochaktuelle Thema der Zuchthausvorlage sind die Ausführunge» der Verteidigung sowohl als des Staatsanwalts interessant. Erster« sprach sich dahin auS, daß man nntcrschciden müsse, ob der Streik den Arbeitern einen be- sonderen Vorreil gewähren solle, oder ob es sich um eine reine Abwehr Maßregel handle. Wenn daS OberlandeSgericht die Auffassung vertrete. daß überhaupt alle Verabredungen, die irgendwie mit einem Gewerbe zu thu» haben, unter den ß 152 fallen und wenn es der Ansicht ist. daß dieser Paragraph keine Lücke enthalte, so setze eS sich in Widerspruch mit anderen Entscheidungen und mit den im Reichstage selbst ausgesprochenen Slnsichten der Mehrzahl des Hauses. Diese habe stets' hcrvorgcbobcn, daß derartige StteikS nicht nnter den Nahmen des 8 152 zu bringen seien. Im vorliegenden Falle habe eS sich nur um Vertretung der I n t e re ss e n der Arbeiter im allgemeinen gehandelt. Das Reichsgericht habe sich stets auf den"Standpunkt gestellt, daß die Aufrechtorhaltung bestehender Arbeitsbestimmungen nicht nnter den§ 152 falle. Vor allem müsse es sich um einen bestiinmien Arbeitsvertrag handeln. Wenn die Arbeiter z. V. eine andere KündiguiigSzeil angestrebt hätten. etwa von 4 Wochen, dann ja; wenn aber die Arbeitgeber sich hüten sollen. einen Arbeiter ohne weiteres zu entlassen, so sei damit eine Ber- besscrung der Arbeitsbedingungen im Allgemeinen angestrebt, nicht mit Rücksicht aus einen bestimmten Vertrag. Der Staatsanwalt glaubte ans dem Umstand«, daß schon die Novelle znr Reichs- Gewerbeordnung vom Jahre 1801 diese „angebliche" Lücke nicht ausgefüllt habe, folgern zu dürfen, daß der Gesetzgeber Hon damals der Ansicht war, Fälle, wie der vorliegende, ließen sich unter 8 152 der Ncichs-Gewerbe-Ordnung subsummieren. Sich stützend ans die oberstrichterliche Entscheidung (de? Obcrlandesgcrichts) behauptete er, es läge nach zwei Richtungen eine angestrebte Verbesserung der Arbeitsverhältnisse vor. Einmal sollten den Entlassenen die Vorteile der Wiederaufnahme gewähr t werden, andemieitS sollte das P i i« c i p zum Ausdrucke gebracht werden, daß der Arbeit- geber nicht berechtigt ist. die ihm durch Organi- lationS- Bestrebungen mißliebig gewordenen Arbeiter ohne weiteres zu entlassen. Auch letzteres sei, wenn es durch einen Streik erstrebt werde, eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse! Da» Landgericht muhte nunmehr mit Rücksicht auf die prozessuale Zn-aiigSlage. die es an der Eutscheiduiig de» obersten Gcnchtshoscs festhalte»' hieß, den Angeklagten verurteilen, d. h. seine Berufung verwerfen. Es setzte aber zugleich die Strafe auf 14 Tage Gc- fängnis herab. Diese JntcrprctätioiiSliiust unseres höchsten Gerichts- Hofes wird einem allseitigen Schütteln des„Kopfes" begegnen. Eine Konferenz in Sachen der Durchführung des Hand- werkcrgcsetzeS wird in den nächsten Tagen zusammentreten. Seitens eines auS den ReichstagS-Abaeordiicten JacobSlötter. Pro- fessor Dr. Hitze und RegicrungSrat Dr. Stcgemann-Braunschwcig bestehenden Komitees ist in Anregung gebracht worden, eine ver- trauliche Aussprache über die schwebenden Fragen des Handwerks stattfinden zu lassen._ KricgSzug nnd Krankheit in Kiantschon." Der Zusammen- stoß zwischen den deutschen Truppen und chinesischen Massen, welche den Bahnbau zu stören versuchte», war nach neuere» Nachrichten noch größer, als gestern angenommen wurde. Es sind 200 Mann deS DctachementS mit Geschützen entsandt worden. Es kam zu einem heftigen Zusammenstoß, wobei mehrere Chinesen getötet wurden. Zu diesen Schwierigkeiten kommt die Gefahr schwerer Erkrankungen. In der chinesischen Bevölternng wütet der Typhus, der ani den Hungersnot-Gebieten deS Hoangho ein- geschleppt zu sein scheint. Tie deutschen Truppen sind bereit» vollständig ans den Schiffen und im Militärlager abgeschlossen worden; man geht mit dem Plane um, wegen der Ansteckungsgefahr das obere Tsintau niederzubrennen.— Ausland. Die Protestbewegung in Belgien macht weitere Fortschritte. Aus Brüssel wird telegraphiert: Der Vorstand der Brüsseler Bereinigung der Arbeiterpartei hielt heute abend eine geheime Sitzung ab. Der Vorstand beschloß einen all- geniciurn Äusstaud der Brüsseler Arbeiter, um auf diese Weise die Bewegung gegen die Wahlgesctzvorlage der Regierung noch zu vergrößern. Der Ausstand soll am Tage deZ Beginns der Beratung über das Wahlgesetz, also am S. Juli, anfangen. In der Sitzung gaben mehrere Redner der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeiter in der Provinz sich der Bewegung anschließen werden. Am Dienstagabend fanden in den Bororten Brnffels zehn Protest Versammlungen gegen die Wahlvorlage statt. Ueberall war der Zudrang des Publikums ein sehr starker. Nach Beendigung der Versammlungen durchzogen die Kundgeber die Straßen unter den Rufen: ES lebe die Republik! Eine Anzahl Kundgeber begab sich zum Volkshaus, wo van der Beide eine An- spräche hielt. Die Ursache der großen Erregung, die sich der Arbeiterschaft bemächtigt hat, ist unseren Lesern aus früheren Korrespondenzen be- könnt. Es ist das Monstrum einer Wahlrechtsvorlage, durch welche die antiklerikalen Parteien, die S o c i a l i st e n und Liberalen, in ihren aussichtsreichen Wahlkreisen entrechtet werden sollen. Durch das Wahlbündnis der antiklerikalen Parteien waren ihnen für die kommenden Wahlen im Jahre ISOO die 18 Abgeordnetensitze Brüssels und so viele andere Sitze gesichert, daß die Beseitigung des klerikalen Regiments außer Frage stand. Um dieses Unheil abzu- wehren, um das Fortbestehen des klerikalen Regiments zu sichern, unternahm das Ministerium Bandenpcereboom einen großen Schlag. Es brachte ein Wahlgesetz ein, das ein wahres Muster von Berfassungs- Widrigkeit ist.� Dieses Wahlgesetz führt in den sieben größten Wahlkreisen des Landes: Brüssel, Antwerpen, Lüttich, Gent, Möns, Locwcn und Charleroi eine sogenannte„gemäßigt pro- portionale Vertretung" ein. Bisher iverdcn die 152 Abgeordneten und Iii Senatoren mittels des gemäßigten allgemeinen Stimm- rechts in 41 Wahllreiscn gewählt. Ist keine absolute Mehrheit erzielt, so entscheidet' die Stichwahl. Fortab wird verfassungswidrig für 7 Wahlkreise ein Sonderiystem eingeführt. Iii den 34 kleineren Wahlkreisen, in denen meist das flache Land zu Gunsten der Klerikalen vorweg den Ausschlag giebt, die heute durch 38.Klerikale und nur durch 1ö Liberale und Sozialisten vertreten sind, bleibt alles beim Alten. Dagegen in den 7 großen Wahlkreisen, die 6g Abgeordnete zu wählen haben, wo durch das nntiklerikale Bündnis die Klerikalen die meisten Sitze verlieren würden, soll zu Gunsten der klerikalen Minderheiten ein Wandel eintreten. Hier soll, um den Klerikalen einen Teil der Sitze zu sichern, eine künstlich berechnete Zuteilung der Sitze er- folgen. Nur diejenigen Kandidaten, die in Brüssel ein Zehntel, in den anderen 6 Wahlkreisen ein Sechstel aller Stimmen erhalten haben, werden zur Verteilung der Sitze zugelassen. Parteien, die nicht voll diese Stim, nenzahl erreichen, wie die Fortschrittler und christlichen Demokraten, sind von jeder Vertretung ausgeschlossen. Das schönste ist dabei, daß nach Feststellung der Wahlergebnisse, die sehr verwickelt ist, für jede gewählte Liste drei Ersatzmänner, die nächst den gewählten Kandidaten die meisten Stimmen erhalten haben, als gewählt verkündet werden, so dpß die Wähler, wenn ein Senator oder Abgeordneter dieser sieben Wahlkreise stirbt, ihr Stimmrecht nicht ausüben dürfen, vielmehr der Ersatzmann der be- treffenden Partei verfassungSividrig ohne weiteres den srcigewordenen Sitz einnimmt. Durch diese Bestimmungen sichern sich die Klerikalen in diesen großen sieben Wahlkreisen eine bestimmte Anzahl Sitze und haben, da in den übrigen 34 Wahlkreisen alles beim Alten bleibt, im voraus eine sichere Mehrheit in beiden gesetz- gebenden Körperschaften und damit mich für immer die Regierrings- gewalt in ihren Händen. Gegen diese Rechtlosniachung und Vergewaltigung durch die Klerikalen erhebt sich mit Recht ein Sturin der Entrüstung im Lande. Da jedoch durch die Mchrhcitsvcrhältnisse der Kammern die Annahme der Vorlage gesichert ist, so sind die Volkskreise, die entrechtet werden sollen, gezwungen, sich selbst durch außerparla- mentarisches Vorgehen ihr Recht zu verschaffen. Bei der Stärke der Empönliig im Lande ist zu hoffe», daß die klerikale Regierung mit ihrem Entt-echtungSversuch schlecht abschneiden wird. Italien. Die Kammer ist wieder versammelt und sie hat sofort be- gönnen, sich mit deni ministeriellen S t a a t s st r e i ch zu beschäftigen. Eine zweite Sitzung wurde für heute nachmittag zur Diskussion dieser Angelegenheiten anberaumt. So einfach wird die Debatte freilich nicht verlaufen. Die Opposition, und insbesondere die socia- listische Gruppe ist unerschütterlich in der O b st r u t t i o n; und so lange die Geschäftsordnung nicht geändert ist, steht sie damit auf gesetzlichem Bode». Es müßte also erst dix Geschäftsordnung geändert werden; und der Versuch wurde auch schon gemocht. Allein auch diese Abänderung kann mir in der von der Geschäftsordnung vorgeschriebenen Form erfolgen: und diese Form ermög- licht und gestattet die Obstruktion. Wenn die Regierung auf ihrem Vorsatze beharrt, wird ihr unter solchen Verhältniffcn nichts übrig bleiben, als ihrem poli- tischen Staatsstreich einen parlamentarischen hinzuzufügen, und eine neue Geschäftsordnung, das heißt, ein Maulkorb gesetz für die Minorität durch Dekret einzuführen.— DaS königliche Dekret wurde am Mittwoch in der Nachmittagssitzung der Deputierten- kämm er vorgelegt. Wir geben über die bewegte Sitzung nach- stehenden telegraphischen Bencht: HauS und die Tribünen sind dicht besetzt. Ministerpräsident Pelloux zieht die Vorlage betreffend die poli- tischen Maßnahmen zurück und legt das königliche Dekret vom 22. d.'M. über dieselbe Frage vor, damit dasselbe durch Kammerbcschluß Gesetzeskraft erlange. Pelloux bespricht den von, Ministerium an den König erstatteten Bericht, welcher dem Erlaß de? Dekrets vorausging, setzt die Gründe auseinander, welche letzteres veranlaßt hätten und fügt Hinz», die Regierung sei sich vollkommen bewußt, daß die Maßnahmen, zu welchen sie sich unter unserer Verantwortlichkeit entschließen mußte, außergewöhn- liche seien, ebenso außergewöhnlich sei aber auch die gcschasiciie Lage, welche die Kammer hindere, ihre Thätigkcit auszuüben und die Regierung außer Stand setze, die parlamentarischen Arbeite» zu überwachen. Der Weg, welchen die Regierung gewählt habe, um diesem Zustande ein Ende zu mache». welchen die Würde der Kammer und der Regierung nicht länger dulden könnten, schein« ihr der einzige, der zu einem praktischen Resultat führen könne und gleichzeitig auch die parlamentarischen Vorrechte wahre. Die Regierung halte andere Lösungen nicht zur Erörterung geeignet, da sie in irgend einer Weis« den Triumph von Systemen bedeuten könnten, welche schließlich zum völligen Ilmsturz der bestehenden Lrdming führen würden. Die Regierung habe alles versucht, bevor sie bei diesem Entschlüsse angelangt sei. Man habe sie sogar in der Kammer der schuldbaften Schwäche augeklagt und sie aufgerufen, das Recht der Majorität und die Würde der Regierung zu verteidigen. Das habe die Regierung mit ihren Entschlüsse» ihn» wollen, in der Hoffnung, diesen schon viel zu sehr ausgedehnten Erörterungen, loie dies ja im allseitigen Interesse liege, ein Ende machen zu können. Es seien zwei ganz gesonderte Frage», mit denen die Kammer sich zu beschäftigen habe, uämtich 1. nnt den Maßregeln selbst, welche in dem königlichen Dekret enthalten seien, 2. mit der neiicii Fori», in welcher sie der Kammer unterbreitet werden. Was die Maßnahmen selbst anbetreffe, so bitte die Regierung die Kammer, so schnell wie möglich über diese zu beraten, um da- durch den Beweis zu liefern, daß die Staatsgewalten regelmäßig fiiuktioniereii können. Pelloux verlangt schließlich, daß das Dekret an dieselbe Kommission verwiesen werde, welche schon den Gesetz- cntlvurf über die politischen Maßnahmen zu prüfen hatte.fcc der Brieswarkett-TaUtUiclwut standen gestern zwei ältere Postbeamte bor der dritten Strafkammer dcS Landgerichts I, um sich auf die schwere Anklage der AmlSnntcr- schlagung zu verantworten. Die Anklage richtete sich gegen den seit über 30 Jahren im Posidicnste stehenden Postselretär Karl La qua »nd den seit 15 Jahren angestellten Postschaffner Karl 11 l b r i ch. Den Vorsitz führte LandgerichtSdircktor R ö s l e r, die Anklage vcr- trat Staatsanwalt S t a ch o w I, die Verteidigung führten die Rechtsanwälte Leop. Meyer und Dr. S ch w i n d l. Beide An- geklagte waren auf dem Bricfpostamt 2 bei der Entkartung be- schüft'igt, wo die vom Ausland eingehenden Briofsrudimgcil darauf zu prüfen sind, ob sie mit richtigen und ausreichenden Weltmarken versehen sind. Laqua war seit 20 Jahren, Ulbrich seit 3 Jahren daselbst beschäftigt. Zur Einleitung des Strafberfahrens hat der Umstand geführt, daß seit Jahren massenhafte Beschwerden darüber einliefen, daß von Briefen, die vom Aiislande eingingen, Briefmarken und namentlich solche, die einen höheren Wert hatten, abgelöst und verschwunden bczw. durch andere Marken ersetzt waren. Es wurden von der Oberpostdirektion Erinittlungen angestellt, durch welche sich der Verdacht auf den An- gektagten Laqua lenkte. Bei der vcrantivortlichen Vernehmung durch dir mit der Untrrsilchllltg betrauten Postbeamten hat Laqua zunäckist ein SchllldbekcniitinS abgelegt, daß er in wenigen Einzelfällen solche Pvstiimrkcn abgelöst habe.' Er hat später dies ZugestäiidiiiS vor Gericht widerrufen und behauptet, daß er Mir aus dem Grunde zu- gestanden habe, weil ihm vetsichell wölben fei, daß in diesem Falle die ganze Sache durch ein« Diseiplinarstrafe abgcthau werden solle, und iveil er aus GesimdheitSrücksichtcu jede Auflegung vermeiden wollle. Die Verdachtsmoinente gegen den Angeklagten Laqua, der eine bis dahin absolut nmkclloie Vergangenheit hat. haben sich gehäuft. Der Angeklagte ist Mitglicd�dcs Philatelisten- Vereins gewcicn, behauptet aber, daß er selbst kein Jntcresic für Bricfmarkensammeln gehabt habe, sondern nur für seine verstorbene Tochter, die Sammlerin ivar, AiiStnuschgelcgcnhcit haben ivolltc. Mehrere Postschaffner wollen gesehen haben, daß L. sich mit vcr- schiedcncn Briefen verdächtig zu schaffen gemacht habe. ES steht auch fest, daß nach Einleitung der Untersiichmig der Angeklagte ein kostbares Bricfmarkcu-Album mit etwa 3000 wertvolle» Vriefmarkeu verbrannt hat. Er behauptet, daß dies Album seiner verstorbenen Tochter gehört und er cS auS Pietät gegen seine Tochter verbrannt habe, damit deren Sammlung nicht in freindc Hände gelange.— Der Angeklagte Ulbrich, der selbst kein Sammler ist, wurde beschuldigt, dem L. Bei- Hilfe geleistet zu haben, er bestritt aber jede Schuld. Uebcr die postalische Behandlimg der in Frage stehcndeu Briefscndungeu, namentlich der für den Kaiser bestimmten logenamiten Kabinetts- bricfe wurden eine Anzahl von Postbcamtcn vernommen. Die einzelnen von mehreren Uutcrbcamten gemachten verdächtigen Wahr- nrhmiingcn suchte der Angeklagte Laqua dahin zu erklären, daß es sich um ganz unverdächtige, mit der ordnungsmäßigen Dchandlung der Briefe zusammenhängende Handgriffe gehandelt habe. Dem Aagcklagten Laqua wurde von seinen Kollegen das Zeugnis gegeben, daß er stets ein Ungemein großes dienstliches Jiitcrcffe an den Tag gelegt habe und unter Umständen auch bereit war, kleine Vcrgchnngen anderer auf seine Kappe zu iichmcu. Wie auS der Verhaudlüng hervorging, ist die Ablösung von Bnefiliarkeii früher mit Ordnungsstrafen geahndet worden, dies ist der erste Fall, der der Staatsanwaltschaft übergeben worden ist, nachdem schon seit den achtziger Jahren gegen einzelne Postbeamte, welche Marken abgelöst hatten, mit größerer Strenge vorgegangen worden war st). Der Staatsanwalt ist diesmal. angerufen worden, weil die Postwertzeichen in großem Umfange verschwände», unzählige Beamte verdächtigt wurden und unter den Uiiterbcamteu eine ungeheuere Er- bitterung herrschte.— Frau Laqua bekundete. daß ihr Mann durch laugjährige Kraittheit in seiner Energie rttld Wider- ftandskraft geschwächt gewesen sei. Die Beweisaufnahme ergab, daß in dem einen Falle, in welchem der Angeklagte eine Markelientwendiiiig zugegeben hatte, dieser überhaupt Nicht in der Lage gewesen ist, die Marke seinerseits zn ciitferncn.— Staats- anwalt S t a ch o w I hielt den Angeklagten im allgemeinen für stark verdächtig und mindestens in cincin Falle für überführt. Er bcan- tragte gegen L a q u a die niedrigste Strafe von 3 Monaten Ge- fgngniS. gegen Ulbrich Freisprechung.— Rechtsanwalt Leop.' Meyer trat Mit Entschiedenheit für die Freisprechung des Aligcklagtrn Laqua ein. dessen nrsprüngliches erstes Geständnis nicht beweiskräftig sei, da es vielleicht thatsächlich nur auf die Ansicht zurückzuführen war. daß durch eine kleine Ordimngsstrase die ganze Sache aus der Welt gebracht werden konnte.— Rechtsanwalt Dr. S ch>v i n b t betonte, daß gegen Ulbrich auch nicht Vcr SÄaiten eines SchuldbewciscS erbracht sei.— Der Gerichtshof sprach beide A n g e k l a a t c frei, da er auch bezüglich des Laqua die Sache nicht für genügend aufgeklärt erachtete. Eilte Kanitätsmolkerci. Im Norden Berlins wurden tu diesem Frühjahr viele Molkereien von der MaUl- und Klauensenche heinigesucht. Nach dem Viehseuchengesetz vom 23. Juni 1880 find die Inhaber von Molkereien verpflichtet, den Ausbruch dieser Arank- heit sofort bei der Polizei anzumelden, damit die nötigen Ab« sperrungsmaßregeln getroffen werden können. Viele Molkereibesttzer haben dies unterlassen, um Störungen in ihrem Geschäftsbetrieb zu vermeiden, zum Teil haben sie sogar die Milch von den kranken Kühen verkauft und sich dadurch zugleich deS Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz schuldig gemacht, daMilch von deuerkrauktenKühen besonders den Kindern gefährlich wird. Gestern fand dieferhalb vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I Verhandlung gegen den Molkereibesitzer Eduard Donath statt. Der Angeklagte be- treibt die Molkerei in der Müllerstraße mit 12 Kühen. Am 7. April nahm ein Pvlizei-Tierarzt in seinem Stalle eine Revision vor. Der Beamte fand 4 Kühe von der Maul- und Klauenseuche befallen. Die Krankheit mußte schon mehrere Tage geherrscht haben, denn bei einer Kuh waren die krankhaften Erscheiiiungen bereits im Ver- schwinden begriffen. Die Milch war trotzdem täglich verkauft worden, welches um so schwerer ins Gewicht fiel, da der Angeklagte ein Firma- schild mit der Bezeichnung„S a ni t ä t s- M ö l k e r e i" führte. Unter dieser Bezeichnung versteht das Publikum eine Molkerei, welche von einem Tierarzt überwacht wird. Der Angeklagte hatte hierzu keineswegs einen Tierarzt angenommen und sich selber so wenig um den Zustand seiner Kühe bekümmert, daß er oft tagelang nicht den Stall betrat. Der Staatsanwalt nahm an. daß der Angeklagte recht wohl den krankhaften Znstand der Kühe erkannt uiid daher nach beiden Richtungen hin ivisscntlich gefehlt hatte. Er beantragte bei der Gemeingefährlichkeit, die in der Pflichtverletzung des Angeklagten liege, eine Gefäiiguisstrafe von sechs Wochen. Der Gerichtshof folgte insoweit den Ausführnnge» des Verteidigers, Rechtsanwalt Leop. Meyer, als nur eine Fahrlässigkeit als vorliegend erachtet wurde. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von insgesamt 150 M. Der Bauunternehmer Richard Uebel aus R i x d o r f ist gestern vom Schwurgericht am Landgericht II wegen betrügerischen Bankrotts zu 21/2 Jahren Gefängnis verurteilt worden. VevsKMtttlttngen. Verband der Buchbinder. Tie Zahlstelle Berlin hielt am 20. d.M. eine Mitgliederversammlung ab, in der Herr K u p f e r t einen iitter- essantcn, mit Beifall aufgenonimeneil Vortrag hielt. Es wurde ferner beschlossen, den Verbaudsvorsiand zu ersuchen, eine größere Summe den Ausgesperrten in D ä u c in a r k zu überseliden; aus lokalen Mitteln wurden 50 M. zu dem vorgenannten Zwecke, sowie 50 M. für die Steinsetzer und 100 M. für die M a u r e r bewilligt. Der Vorsitzende giebt noch bekannt, daß am Sonntag, den 2. Juli, eine Bezirksversaininlung für den Norden in der „Beroliua"- Fcstsäleu, Schöuhauser-Allee 28, stattfindet und wird ein reger Besuch, spcciell von feiten der Lederarbeiter erwartet. Ter Bcrciu der Tischler Berlini« und Nmlwgend sVcr- trauensmüimer-Ceutralisatioii) hielt am 21. Juni in Thiels Salon, Fruchtslraße, seine Mitgliederverianiinlung ab, in welcher Genosse Dr. W c y l einen interessanten Vortrag über„Was lehrt nns der Tuberkulose-Kougreß" hielt. Redner erntete für seine AuSsührunaen reichlichen Beifall, und sprach in der darauf folgenden Diskussion Winkler zum größten Teil im Sinne des Referenten. Hierauf schilderte der Vorsitzende Heyden die A r b e i t e r- A n s i p e r ru n g e n in Dänemark und die der Maurer in Berlin und erimierte die Mitglieder an den am 6. Mai bei Wille gefaßten Beschluß be- treffend der Beiträge zum StmkunterstiitzuiigsfoudS, er hielt es für angebracht, dieselben zu erhöhen. Z» diesem Zwecke soll in kürzester Zeit eine außerordentliche VertraneiiSmkimer-Sitzung einberufen werden, um in derselben diese Angelegenheit zu regeln. Ferner wurde der Vorstand beauftragt, im Süden und Westen Zahlstellen zu errichten. Nachdem noch einige interne Vereinsangclegenheitcn ihre Erledigung gefunden, folgte Schluß der Versammlung. Verband deutscher Varbicre, Friseure»»d Pcrrkickciiinachcr (gmeigvercin Berit»). Heute abend 10«/2 llftr BcrsammlMig bei Schiller. Roseuthalerstrabe 57:„Fachgewerblicher Vortrag." Referent: Deichsel.— Gaste willkommen. Unser Erb freund. Vor eiulgen Tagen badeten, wie ans Tilsit berichtet wird, russische Soldaten aus dem Kordon Ruytt an der Grenze. Ein Offizier fiihrte die Aufsicht, Dieser machte sich dabei das gefährliche Vergnügen, über die Grenze nach Preußen wohl an zehic scharfe Schilf) e abzugeben. Es befanden sich gerade diesseits viele Arbeiter nicht weit von der Grenze auf dem f�clde. AlS diesen niiii die Kugeln um die Köpfe pfiffen, mußten sie fliichten und in Gräben und Häusern Schutz suchen. DaS Dorf Robkojcn liegt etwa 3 ian von der Grenze entfernt. Dachdecker im Dorfe haben ebenfalls mehrere Kugeln vorbei saufen hören. Der Vorfall ist dein LandratSamte zu Tilstt gemeldet worden. NuS München lvird vom gestrigen Tage berichtet: Die Leichen der beiden a b g est ü r z t e n Offiziere Freiherr» v. Boimet und Freiherr» v. Eodin, wurden von dem Touristen Oskar Schuster aus DreZdcN, der mit dein Führer Straßer von der Ackcrspitze kam, gestern im Gricscncrkar aufgefunden. Heute früh sollte unter Herrn Schusters Führung eine zwölf Mann starke Expedition zur Bergung der Leichen von K u f st e i u abgehen. Von der Sektion Bayerland dcS alpinen NcttmigsanSschiisse's sind bereits mehrere Mitglieder nach Kufstein abgegangen, um die Expedition zu ergänzen und die Bergung schnell vor sich zu briikgen. Die Ackerspitze, 2331 Meter jKaiicrgcbirge), von der vermutlich der Absturz erfolgte, ist der zweit- höchste Gipfel dcS Wilden Kaisers. Die Leichen der am 2. Januar d. I. am S u st e n p a ß ver- nnglückten beiden Schnceschuhläufer Dr. Ehlert tStraßburq) und Dr. M ö n u i ch S(München) wurden von einer Seminarklasse aus Hoswyl, welche einen Abstecher quer über die Zunge des Stein- glctschers machte, aufgefunden. Die Verunglückten waren in eine tiefe Mulde, die einzig gefährliche Stelle auf der Berner Seite, mit Ski und voller Ansnistung wohl mit einer Schneeplatte gestürzt, wo sie vom Schnee zugedeckt wurden und nach Lage der Leichen zn schließen, sofort den Tod fanden. Das nach unten gelehrte Gesicht des Dr. Möniiich» ist noch gut kenntlich; Dr. Ehlert, dessen Füße nach oben gekehrt waren, war schon stark verwest und von Raub- ticreu angefressen. Die Tagebücher und Chronometer, sowie eine Kappe mit Klubabzeichen, ferner Karten und eine Blechbüchse mit Inhalt«nd Wertsachen wurden der Stadtpolizei in Bern übersandt. Ju KÜdungarn treiben seit einiger Zeit Kinderräub er ihr Unwcseii In den letzten Tagen sind nf mehreren Gemeinden nicht weniger als dreißig Kinder von Räubern entführt worden, ohne daß es den Behörden bisher gelungen wäre, den Entführern auf die Spur zu kommeu. In JekaterinoSlaw wurde in der Villa des ProfefforsLeontiew der dort zu Besuch weilende Wirkliche Staatsrat Wachrusch ew nebst seinem Diener ermordet und beraubt. Von den Raubmördern fehlt jede Spur. ?m mittleren Rußland haben wolkenbruchartige Regen- e sehr großen Schaden verursacht. Die Bahnstrecken find viel- fach unterspült, sechs Bahnbenmte sind tot, mehrere verletzt. Der Schaden ist»och nicht zu Übersehen. Briefkasten der Redaktion. Die iuristilche Sprechstunde wird Dienstags. DolinerstogS nnd Freitags abends von 7'/, bis 8'/, tthr abgehalten. Rekrut«3. Erstes imd zweites B itaillon in Neisse, drittes in Oppeln. Republikaner. Paderstein- Stiftung. Meldungen sind im Nathause anzubringen. Warschauer. 1. Die Krankenlenkaffen. 2. Mit der Doppelverstchennig gegen Krankheit verhält eS sich folgenderm-iheu: Ein Krmiketikaffen-Bep NcherungSverpflichteter kann niemals gleichzeitig zwei OrtS-> Betriebs-, FabrUS-, Bau-, Innung«- oder Knappschaftskassen angehören. Sowie jemand zu einer Beschäftigung übergeht, für welche eine Orts-, Betriebt-, Fabrik-, Bau-, In- nungs-, Knappschaftskasfc besteht, wird er kraft Gescszes Mitglied der feiner Beschast g ing entsprechenden Kranlenkasse und verliert die Mitgliedschaft der Gemeinde-, Orts- ,c. Kasse, der er früher angehört hat, auch wenn er Beiträge trrtünilich weiter zahlt. Wohl aber kann jemand einer Gemeinde-, Bau-, Orts- 2C. Krankenkasse und gleichzeitig einer oder mehreren Zuschuß- oder Hilfskassen angehören. Soschen Doppelversichertcn wird jedoch da? Kranken- geld seitens der Orts-Krankenkasse soweit gelürzt, als dasselbe zusammen mit dem aus der Zuschuß- oder Hilfskasse bezogenen Krankengelde den vollen Betrag des durchschnittlichen TagelohneS des Versicherten übersteigt. In- dessen k a n n durch S t a t u t der Orts-Kranlcnkasse bestimmt werden, daß solche Kürzung nicht stattfinden darf. Im Kassenstatut kann auch die Ver- Pflichtimg der Kassenmitglieder ausgesprochen werden, andere Verficherungs- Verhältnisse, aus denen ihnen ein Anspruch ans Krankenuilterstüpnng zu- steht, binnen einer Woche nach Eintritt in die Kasse und, wenn die Der- sicheruiigcn später abgeschlossen werden, binnen einer Woche nach dem Ab- schluß dem Kassenvorstande anzuzeigen. R. S. 84. Der außereheliche Erzeuger deS KindeS ist im landrecht- lichen Gebiet Preußens zur Alimentation seines Kindes verpflichtet. Im Gesetz ist kein bestimiiitcr Älimenteusatz festgesetzt, sondern bestiilimt, daß daS zu zahlen ist, waS für Leute vom Bauer- und gemeinen Bürgcrstande die Erziehung eines ehelichen Kindes einschließlich des Schul- und Lehrgeldes kosten würde. Die Alimentalionsverpflichtung fällt in der Ncael niit dem vollendeten 14. Lebensjahre fort. Es muß aber der Vater überdies auch daS Lehr- und Lossprcchgcld zahlen. Die Verpflegung und Erziehung des KindeS muß in der Regel bis zum vollendeten 4. Lebensjahre der Mutter auf Kosten des Vaters überlassen werde». Nach zurückgelegtem vierten Jahre hängt es von der Wahl des Vaters ab, die Verpflegung und Erziehung des Kindes selbst zu besorgen oder sie auf seine Kosten der Mutter zu überlassen. Die Mutter hat das Recht, die Erziehung und Verpflegung auch nach dem vierten Lebensjahre auf ihre alleinige Kosten zu übernehmen. Auch nach dem vierten Lebensjahre bleibt die Erziehung und Verpflegung des Kindes der Mutter trog des Widerspruchs des VaterS, wenn auf An- rufen der Mutter das Vormundschastsgericht beschließt, das Kind auch ferner auf Kosten des Vaters der Mutter zur Erziehung zu übcrlaflen. Solcher Beschluß hat in allen den Fällen zu ergehen, in denen das Gericht zu der Ueberzeugung gelangt, daß ohne Besorgnis eines Nachteils sür daS Kind die Erziehung dem Vater nicht anvertraut werden könne, zum Beispiel weil der Vater mit Zahlung der Alimente lässig war, weil er un- verheiratet ist, weil er rohe Aeußerungen über das Kind gcthau, weil daS Kind mütterlicher Pflege noch bedarf und dergleichen. Die Rechte der unehelichen Kinder werden mit dem 1. Januar 1900 für das landrechtliche Gebiet»essere. Mit dem t. Januar 1000 tritt das Bürgerliche Gesetzbuch für Deutschland in Kraft. Di« Mutter des Kindes hat im landrechtlichen Gebiet zu verlangen: „NiederlunstS- und Taufkosten, serner sechswöchentliche, dem Stande der Geschwängerten angemessene Verpflegung, sowie auch andere durch die Schwangerschaft oder durch das Wochenbett herbeigeführte unvermeidliche Kosten". Ueberhaupt hat die Geschwängerte, wenn sie im Brautstaude sich dingab, noch nach ihrer Wahl Anspruch auf V« de? Vermögens ihres Bräutigams oder aus lebenslängliche standesgemäße Alinientatio». Ein Brautstand wird als vorliegend erachtet, wenn entweder«in gerichtliches oder nolarielles Eheversvrechen vorliegt, oder wenn das Aufgebot erfolgt ist, oder wenn die Ehe mit Zustimmung der Eltern oder Vormünder, soweit es solcher Zustimmung bedurste, verabredet war, oder wenn in den Fällen, in denen es solcher Zustimmung nicht bedarf, die Verlobung aus- drücklich bekannt gemacht ist, oder in Gegenwart von Bekannten oder Ver- wandten geschloffen oder erklärt ist: demnach scheint Ihrer Tochter ein An- spruch aus vofl« Alimentation zuzustehen. Briefkasten der Expedition. Gr. 4«. ES sind nur noch einige Hefte zu haben vergrisscir._ Die Mehrzahl ist WitlernugSübersicht vom 88. Juni l8»S>»norgenS 8 Uhr. Stationen -s I» ZK\s Weiter Swinemde. Hauiburg Berlin Wiesbadcu München Wien '66' NNO 7S8WNW 7K8WNW 7ll8.NO 700 O 70(3 S Icheiict lbedeckt üdcdeckt Z.wolkeul 4wollcnl SRegen tiK i"■ ZV Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris O s Q- -bo 759 758 C 3 i s NO NNO NW 785 iSSO 765 ,SO Wetter ö 5? c 5 ö Marktpreise von Berlin am 87. Juni 1899 nach Ermittelungen deS kgl. PoltzeiprasidiumS. »)Roggen Futter-Gerste„ Hafer gilt, „ mittel, gering Richtstroh„ Sen ■jOErbfen» ffSpeisebohnen„ t)81lif«t Kartoffeln, neue Rlndsicisch, Keule 1 stg do. Bauch„ ) Ermittelt pro 16,30 15,25 13,30 15,60 15,— 14,40 .3,82 8,40 40,- 60,- 70,- 0,— 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 üg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 3,60 1,80 2,80 2,00 2,40 1,60 2,50 1,20 H- 1,10 1,- l- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,— 2 wolkig 1 wollcnl ZRrgen 4bcdeckt Lblb.bed. Wettcr-Proguosc für Donnerstag, den 29. Juni 4899. Wärmer, vielfach heiter, zeitweise wolkig bei mäßigen südöstlichen Winde» und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetteriureau. «iWelzen D.-Etr. 16,30 15,00 ')Roggen. 15,25 13,90 �* H---- 12,80 15,10 14,50 14,- 3,32 4,- 25,- 25,- 30,- 4,— 1,20 1- WW von dcr Centralstcfl« der Prenß. Laudivirt- schaftslammer— Notierungsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Dvppel-Ceutncr. 10 Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 28. Juni. Juli-Wcizen mußte 0,75 M. nachgeben, während September- Liefernngeil nur 0,25 M. niedriger verkehrten. Roggen koniite sich am Frühmarkt ziemlich gut behaupten, gab aber am Mittagsvcrkehr schließlich auch etwa Vi M. nach. Ganz zum Schluß bcsserteu Rtgenmeldungen aus Liverpool die Kurse etwas. Auf dem Mehlmartt bleibt iür Roagcnmohl gute Frage, während Weizenmehle offeriert sind. Hafer gab bei schwacher Stimmung um etwa l't M. nach, da die Zllsuhrcn ziemlich beträchtlich sind. MaiL verkehrte auf Älmerika fester, dach bleiben die Umsätze minimal.— Dcr S p i r i t u s m a r k t, welcher fest einsetzte, schwächte j», Geschäftsgänge auf größeres Angebot am Loco- markt sür Termine um 20 Pf ab. Angeboten waren 27 000 Liter 70cr Ware, die mit 41,50 M. gehandelt wurden. K a r t o f f e l f a b r t k a t e. Berlin, 28. Juni. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto incl. Sack— M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto incl. Sack und Mehl 19,75 M., Snpra trockene Kartoffel- stärke 20,50 M., do. Secnnda 14,50— 17,50 M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto 19.75 M.. do. Supra 20,50 M., do. Secnnda 14,50-17,50 M. Städtiichcr Schlacht vi eh markt. Berlin, 28. Juni. Zum Verkauf standen: 225 Rinder, 2230 Kälber, 1846 Schafe, 8413 Schweine. Vom Rinderauftrieb blieben nur wenige Stücke unverkauft. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig/ Bei den Schafen wurde reichlich die Hälfte des Stuf- triebes verkaust. Ter Schweincmarkt verlief ziemlich glatt und wurde geräumt. Für den Inhalt dcr Inserate ühcrnininlt die Redaktion den, Publikum gegenüber keinerlei Vcrautivortnng. Tszentcv. Donnerstag, den 29. Juni. Opernhaus. Carmen. Anfang 7-/z Uhr. Schauspielhaus. Auf dcr Sonnen- feite. Anfang 7Vz Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll). Die Fledennaus. Anfang 7V, Uhr. Deutsches. Die Jüdin von Toledo. Ansang 7Vj Uhr. Nesidenz. Ter Schlafwagen- Con- Irolenr. Vorher: Znin Einsiedler. Anfang 7V, Uhr. Neues. Tic Wahrsagerin. Hierauf: Abschicdssouper. Anfang 7'/, Uhr. Westen. DaS goldene Kreuz.— Hierauf: Cavalleria rusticana. Anfang 7 Uhr. Ecntrnl. Hamburger Leiden.— Hierauf: Badders Ebenbild. Allfang 7 Uhr. Schiller. Der Wildschütz. Anfang 7-/, Uhr. Belle- SIlliance. Onkel Vräsig. Anfang s Uhr. Friedrich- WllhellnNiidtlschcs. Dcr NachtomnibuS- Controleur. Ansang 8 Uhr. Mlcxaiiverplatz. Nana. Anfang 8 Uhr/ Ostend. Liane, die zweite Frau. Anfang 3 Uhr. Bketropol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr. Slpolla. FrauLuna. Specialitäten- Barstelliing. Ansang 8 Uhr. Neichshallen. Stettincr Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Pnnvptlknni. Spcciali- tätcu-Vorftellung. strnnln. Tanbeiistrasie 48—49. Z!aturk»»dliche AuSstellilNg. Täg- lich geöffnet von 10 Uyr vor- miUngs ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr\„DaS Land der Fjorde". Opernlelephou. Jnvalidenftrnstr 117/02. Täglich abends von 5— 10 Uhr: Stern- warte. BMa'Äjl'llttt (Wallner-Theater). Donnerstag, ab ds. 7»/, Uhr: Ervsfnung der Opern-Saison. HVIIelavIittt«. Kam. Oper in 3 Akten v. Alb. Lortztng. Freitag, abends 7Vz 11 h r: A UaBüo Porto. Cavullcrla rnstlcana. Sonnabend, a b e n d S?V, U h r: iMartha. Metropol- Theater. Jeden Abend scnaatloneller Erfolg! Berlin lachtl Oerliner Revue In drei Abteilungen. Hierzu: Das Press-Ballett und das phänomenale Speciali täteu-Programm. Mitis Dcjo, die O Uonlmlrs, Frld- Frid, Panl Jttlloh. nelaendcr Sommcrgartcn. Rauchen In allen Räumen gestattet. Wochentags Anfang 8 Uhr, Sonn- und Feiertags Vi 8 Uhr. R. Ballschmieders „Kastanienwäidchen" Konzertglliteil«. PMUle Lsdstr.>6. Oesundbrunnen. Sacketr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite Ttreich-Konzert. Sonntags: Grosser Ball im neuerbantcn Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- llchkeltrii. R. ßallschmleder. Ilraeis Taiibcn.strasüo 48/49. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. luvalldcnstr. 07,0.2: Tägl. Sternwarte. yaohmittags täglich 5—10 Uhr, Passaye-Panoplicum 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Bon 6Vz Uhr ab: Specialitäten. Um 8 Uhr: ! Sensationell! Die Athleten kin' Caföhaus. Die Knilstschützen Valmor. r8" CASTANS PANOPTICÜMi Wie scuaationcklen uer lebenden'we Photographien.'i mit Figuren in Lebeiugrösse. Die russiscb« Uinnnii" Damenkapelle»»miyilUIl in moskowitlschen Kostümen. I nnaifiiGQ"mlt3Belnengebor. j |i,UI CllUoa lab. Kosakanpferd, j Apollo-Theater. !! Stürnilschcr Frfolg!! Abends 9 Uhr: FrataLnnw mit dem Fnftballctt Crigolalis. 3lcn! STen! Das Deutsche Derby 18. Jnnl 1899. Original-Aufnahme von O. Mester. Femer: 12 Specialitäten. Anf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Tomiilerthtlitee Marienbad Bndstrafte 35/36. Regie: Willy Reusehe. Direktion: Max Mekelburg. Heute s o>v i e täglich: Konnert-, Theater- sind Specialitäten- Borstellnng. Berlin wie'S näht»»d trennt. Posse mit Gesang und Tanz m 2 Akte» von L. El«. Nach der Vorsielliing:»all. In Vorbereitung: Rose« ans dem Süden. VietoriaRrauvrei Lii�owstrasse 111/112. Im Katnrgarteii oder Saal: Tätlich Hiinioristische Sotrce dcr kioi'l!l!eu!8elleu Länger me>t Haben die Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. 173/16 _ Die Lohnkommissio». Annahme-Stellen für„ftleine Anzeigen"« Osten: Robert Wengels, Fmchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe.. Koppenstr. 83. Ehr. Schultz. Blunienstr. 14. Xordoste.u: I. Oletil, Barnimstr. 42. Morden: W. Gakiman», Grünthalerstr. 64/65, Karl ivtarö. Kastanien-Allee 95/96. Gmil Ttolzenbnrg, Wiescnstr. 14. L. Dechand. Ruheplatzstr. 24. R. Tietz. Jnvalidcnstr. 124. H. Bogel, Deuiminerstr. 32. Xordwcsten: Karl Anders. Salzwcdelerstr. 8. Sfidtvcsten: F. Ohnesorge, Bergmannstr. 23, H.II. H. Schröder, Krcuzbcrgstr. 15. Süden: Hans Baake, Drcsdenerstr. 52/53. F. Gutschmidt. Kottbnscr Damm 8. Südosten: Fritz Thiel. Skalitzerstr.'35. BS. Gesche, Wrangclstr. 58. Marti» Mescha. Adalh-'rtstr. 24. Centrnm: P. Horfch, Gipsstr. 27. Charlottenbnrg: Gust. Scharnberg, Schillcrstr. 941. Zl. Tietz. Kaiser Friedrichstr. 37 b. Friedenau: H. Bernsee» Kirchstt. 15. Friedrichsberg: Anton Kopp, Friedrich Karlstt. 4. Pank««-: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Bixdorf: (S. Oster mau». Erckstr. 6. E. fliehe r mi, Hermaunstr. 50. Sehöneberg: Wilh.BäinnIer.ApostelPauluSstr.ltz Weisseusee: Heinrich Bachman», Lehdcrstr. 1. Julius Schillert» KZnigchaussee 39a. fliob. Liebf.hn-.lger, Gustav-Adols, straße 16. Verantwortlicher Redacteur: Hugo Poetzsch in Berlin. Für de» Inseratenteil verantwortlich- Th. Glocke ui Berlin. Dmck und Verlag von Max Babing in Berlin.