Sozialdemokrat entralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik erscheint«tt be» Mo«t»g ttgttch früh/ 70»-Her Stetotttonuftb Verwaltung. Prag XU., Fochova P2— Telephon 58077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Freitag, 7. Mai 1837 Aus dem Inhalt: 70.000 österreichische Arbeiter fordern Gewerkschaftsfreiheit Genossenschaftliche Ausstellung in Trautenau Die Anmaßung einer Närodni Jednota Die Chancen der vierten deutschen Ernährungsschlacht Nr. 107 Die Lage der kleinen Staaten In Budweis kam der Präsident ausführlich auf die Außenpolitik zu sprechen, wobei er konstatiert«, daß das kritisch« Jahr 198g überwunden sei und er nicht an eine Kriegsgefahr glaube. Die ganze heutige internationale Politik sei durch die Gruppierung der Großmächte-und. durch die Vorbereitung, von Positionen— sei es für wirtschaftliche und finanziell« Verhandlungen, sei er für Verhandlungen um den Westpakt^ider für die Verhandlungen um die Kolonien und andere Probleme— chrakteri- siert. Die Diskussionen darübxr,. als ob Liese oder jene Gruppen, inrbesondero der kleine reu Staa». ten, aus dem«inen in das andere Lager übergingen, sind unrichtig. Er ist eher der Wunsch, dar Streben und der Versuch, an diesen Umgruppierungen nicht teilzunehmen, von der Rivalität der Großmächte sich fernzuhalten oder sich nicht hineinzumischen und abseits zu stehen. Bei den kleinen und schwachen Staaten ist dies eine begreifliche Erscheinung., schließen, zu isolieren»der zu übergehen. Politisch würde er nicht angehen und staatlich wär» er un< gcsmid, Mr werden demnach in unserer Innenpolitik ruhig so wie bisher«eitergehen, in der vernünftige« Sozialpolitik, in der vernünftigen Kultur- und Religionspolitik ohne kulturellen Kampf, in der vernünftigen Natlonalitütenpolitik, wobei wir stst und Schritt für Schritt das verwirklichen werden, was die Regierung Heuer im Feber" vereinbart und beschloffen hat. sBudweiS) !„Graff Zeppelin“ explodiert Rew Bork. Die Agentur HavaS meldet: Das. neue. Luftschiff»Gräf Zeppelin" ist explodiert. Nähere Einzelheiten stehen bei Blattschluß noch aus. Valencia übernimmt die Führung General Pozas Kommandant sämtlicher katalanischer Streitkräfte Die Unfähigkeit der katalanischen Grneralidad, sich-gegenüber dem Anarchismus durchzusehens hat die republikanische Regierung-in Valencia veranlaßt, den Artikel 9 des katalanischen Statuts auzmvrnden und die Leitung des gesamte« SicherheitSwesenS an die Zentralregierung zu übertragen. Der republikanische General Pozas wurde»um vberkommandierenden sämtlicher katalanische» Streitkräfte bestellt, der Divisionsgeneral Roldan in Barcelona wurde - enthoben. Mit der Niederwerfung der»och rebellierenden Anarchistentrupps wurde der Oberst ESeobar von der Nattonalgarde betraut. Die Führer der Anarchisten sind bemüht, ihre Ge» . folgschaft von weiteren Putschen und Terrorakten abzuhaltc», doch ist es fraglich, ob sie sich durchsetzen. GS ist wahrscheinlich, daß es zu einer Spaltung der Anarchisten kommt und die Regierung damit gegen die disziplinlosen Elemente«nd Marodeure des FreihettSkamp» feS frei« Hand gewinnt. Paris. Uebereinftimmende Berichte aus den verschiedenen Quellen besagen, daß in Bar celona und im übrige« Katalonien" am Donners tag verhältnismäßig Rühe herrsche, allerdings unter einem bewaffnet« Waffenstillstand der Ne gierungstruppen«nd. der" Linksparteien aus der «ine» und der Anarchisten"auf der" anderen Seite. Motorisierte MilitSrkolonnen in einer Zahl von 8000 Mann, welche Mittwoch abends der. Regie rung in Barcelona zuhUfe kamen," hallen dir Ordnung in den Straßen aufrecht, DI« Anarchi sten"haben aber ständig noch Teile der. Vorstädte von Barcelona beseht»nd durchfahren diese. An strategischen. Punkten, habe» sie Tank» und Ma- schinengewehre in Bereitschaft. - Die katalanische Regierung hat sich: der Telephonzentrale bemächtigt, doch ist jedweder telegraphischer und telephonischer Verkehr mit dem Ausland« auch weiterhin unterbrochen. DaS Mit glied der vorläufigen katalanischen Regierung Sesr, daS zurückgetreten ist, wurde durch«inen anderen Gewerkschaftsvertreter, v i d i e l, erseht. G " Valencia. An der"Rordfnmt bei Gui- puczoa bemächtigten sich dir Regieruugstruppen "nach einem erbitterten Kamps des.BergeS Aneota«nd»Wangen den Feind,»« Rückzug anzütteten. Bei Alava verursachten Abteilungen der Regttrnng dein.Feind« bedeutende Verluste. Bei Säütändrr wurde"eine Gruppe von Aufstän dischen in dem Dorf Brieiab durch«inen gelun genen Angriff, abgeschnitten. Bei Oviedo herrschte heftige- Artilleriefeüer. Südlich des Flusses Tajo heutigen Spannung seh, ich klar, daß es sich letzte» Ende» barm» handelt, wie sich die Großmächte untereinander vernünftig einigen und ausgleich« Mägen. Wir mischen un» nicht direkt in ihre Kon» flifte, werd« aber stet» bestrebt sei«, zu ihrem Einvernehm« beizutragen. (ReuhauS) Die demokratische Tradition . Unser Staat und: unser. Boll hat seine Traditionen, seine soziale Struktur, seine historische Entwicklung. seine Verhältnisse, und seine Bedürfnisse — und ihnen entsprechen gerade unsere Regime und unsere" Verhältnisse:"- Unser. demokratischer System, unser Regime der Zusammenarbeit aller politischen Parteien, die Freiheit der.Ueberzeuguuq,- die Frei» heü der.Religion,.di,"Gerechtigkeit gegenüber de» Rationalitäten.-. Die moralische und"philosophische" Grundlage dieser Regimes sind die Anerkennung der Grundsatzes der Gleichheit" der Menschen,"" der Gleichheit der Völker, die Grundsätze..der..modernen reif« Demokratie. Bet«n» ist e» nicht möglich, dies«»der jen« wichtig« Teil de» Volke»" von der Arbeit au»zn- Präsidentenreise nach Südböhmen „kelchenberser kede bleibt mein politisches Programm" böbm«^n"E^" dtneä trat am^DounerStag eine auf drei Tage berechnete Aut-reis« nach Süd- S tri m v ÄÄ b'llleitrn ihn u. a. SektionSchef Dr. S ch i e s, l, Gesandter mnerak o!-?.!'»I m/ Blaha, serner Landesprästdent Dr. S o r» t k a«nd Gendarmerie- ocneral Jezek DttRegierung vertrat am ersten. Tag Landwirtschaftsminister Dr. Zadi» a. d-»"»^»imovo Ustl über S- b k s l a v nach N e u h a u S, wo sich«nter Gr-Kan.»»»»!..-Präsidenten begrüßten, der Vorsitzende der Agrarpartei B e r a n«nd Großgrundbsitzer Ez«rnin befanden. w- m!nadbrsermeister von Reu-Biftritz«. Scharf verdolmetschte in einer deutsch« Ansprache Bürger deutscher Rationalität, welche in diesem Gebiete leben,»nd würdigte die Bed«t«n, der Konsolidierungsarbeit, welche mit der Zeit bestimmt Erfolge . vringen wird. .^Eebon(Wittingau) wurde das Mittagessen eingenommen, worauf die Fahrt nach Bub»." . weis fortgesetzt wurde. Der Präsident hielt dabei«ine Reihe von Ansprachen,.- in denm er neben rein regionalen Ding« vielfach auch aktuelle Probleme»nserrr Innen-«nd Außenpolitik berührte. Die Grenzen des Möglichen In der Politik • Auf das deutsch- tschechisch« Problem kam er vor allem in der deutsch« Ant- wort ans die Ansprache dcS Bürgermeisters von Reubiftritz»« sprechen, wobei er sagte: Glaube» Sie mir, daß ich e» mit der Notwen digkeit der Verständigung beider Rationen unsere» Staate» aufrichtig meine. Da», wa« ich im August vergangenen Jahre» in Reich»über».gesagt bebe,,ist«nd bleibt auch weiterhin mein»elttische» Prvgramm süt die Zasamuwnerbeit»er Tscheche«' und Deutsch« in diesem Staate. Die Tragik der hentig« Zett lttgt darin, daß Menschen wie Völker die Grenzen d e» M ä g- lich en in der Polittt nicht Aar erkennen. Ein gro ße»«nd vielverheißendes Programm mifzustellcn, ist . sehr leicht.In radikaler Welse zn verlang«, daß diese» Programm ersüllt wird, ist n o ch leichter. Da» eignet sich vielleicht für Umsturzzrit«. Han delt e» sich aber um«ine«hige«nd normal« Ent wicklung, dann tut G, duld not, Geduld ausbeidenSeiten. Mr seh« e» heute überall um un» her, tpi« manche. Ration«, Partei«, Klaff««nd Einzelper son« nervös nach raschen An gen- blickSerfolgen und Ervberngen Haschen und damit dir Schwierigkeit« in d« in- ternationalcn Beziehungen«nd in der inner« Poli tik Hervorruf«. Ich aber glaube an die Politik ru- higen Fortschrittes, unablässiger shftematischer Arbeit. Reslonallsmus fQr die Minderheiten sonstig Ich neige bei unseren Verhältnissen nicht zur Schaffung verfassungsmäßig wett autonomer Distrikt«. Ich halte" da» weder politisch, noch admi nistrativ für möglich, denn da» würde mehr Schwie rigkeiten als Botteile bringen- Ich bin aber für ein« venünftige Dezentralisation der öffentlich« Ver waltung. Ich betrachte den R e gionalirmnr al» besonders geeigneten Boden für die nationale Zu- . sammenarbeit, weil im Rahmen der einzelnen Kreise. ■ gemeinsame Interessen vorhanden sind, welche die . Völker verbinden, wa» offenbarer und gewisser« ' maßen greif barer ist, als wenn e» sich um da» Staatsganze handelt. Gerade"unsere nationalen Verhültniffe sind«in besonderer«nd wichtiger neuer G««d für die FIr- derung der regionaliftisch« Bestrebungen»ei un». Insbesondere äuch unserer deuffchm Mnorität kann der Regionalibmu» unerwartete Lottttle, groß« wirtschaftlich« Möglichkeiten«nd eine tatsächlich» Geltendmachung tott bringen,"Wo"sönsi diei-e Gel tendmachung manche-wde«iffe entgegengestellt würd«. Wenn die Jndusttte entbehrt und""wenn"der Arbeiter entbehrt, kann tS dem Landwirt nicht' dauemd gut gehen: wo der Landwirt der Rot aus-, gesetzt Ist, kann e» der Industrie und den Gewerben nicht gut gehen. An diese Grundthese sollt« wir niemals vergessen. Uebttg«» sind in großen Watts- sen diese Erkenntnisse di«: eigentliche Grundlage-der ganzen bisherig« Innenpolitik unserer Republik. /(Antwort an ilbg. Vera«) 0.. Vorläufig, keine krlegsgefahr. vorläufig fürcht» ich I» i«e«,r i e r» fahr. Ich glaub«, daß wir in den nächst« Jahr« »«Fried« bewahr««erd«. E» müßte etwa« lln- vorherges«h«eb komm«, um für di« tüsih^ derartige Befürchtungen hegen»« mässe«. Trotz ter gelang den RegierungSabteilungen«in Übeiwascheader Angriff, wobei sie daS Elektrizitätswerk, daS auf aufständischem Gebiete liegt, vernichteten. 4000 Kinder vor Hitlers Würgengeln gerettet! ' Bilbao.(Reuter) Als hcute früh 4000 Einwohner der bedrohten Stadt Bilbao, davon die- Mehrzahl Kinder, ans die Dampfer„Ha- baua"«nd„Goize Koizarra" eingcschifst wurde«, kam es bei der Berabschieduag der Eltern von ihre« Kinder« zuherzzert ei ße«- den Szenen, die nicht nur die. Abreisenden durchlebten, sonder« auch jene, welche in ber bedrohten Stadt znrückblieb«. Die Abfahrt ging glatt, vonstatteu«ud die Dampfer wurden von.zwei britische« Torpedobootzerstörer««ud dem Schlachtkreuzer ,RohalOak' bis auf die hohe See hinaus begleitet. Plötzlich erschien i« Nebel dpi A u f st ä n d i sche n k r e« z e r„Almiraute Eervera" und v e r s u ch-t e, d e« Weg der beide« Schiffe mit bett Flüchtlingen z« Ire«» e n. Kreuzer„Royal Oak" sandte aber dem Kreuzer Signale, worarif dieser de« RÄweg antrat. Der Dampfer„Jsarra"ist Donnerstag um Ü.30 vhr mit 600 Flüchtling« an Bord von Vilbao ausgelaufen. Rach Meinung de» Hafenamt«» von Bilbao, wird er um 21 Uhr in Bordeaux eintreffen. Der Feind im Rücken Zu dem Verbrechen von Barcelona Der anarchistische Putschversuch in Katalonien scheint niedergeschlagen, mindestens scheint seine Stoßkraft gebrochen zu sein. Man darf, die Lage allerdings nicht allzu optimistisch beurteilen, denn das Zustandekommen einer neuen Regierung bedeutet gerade, wenn man A n a r ch i- st e n zu Verhandlungspartnern hat, noch lange nicht die Unterwerfung der Aufständischen. Die anarchistischen Organisationen, die politische FAJ. wie die syndilalistische ENT haben ihr« Anhänger auch nach dem Waffenstillstand aufgefordert, den Kampf fortzusehen und die Waffen nicht herauS- zugeben. Im besten Fall wird das Ergebnis dcS Kampfes ein Kompromiß sein, bei dem die Anarchisten die Generalidad, die Landesregierung von Katalanien, wie bis zu dem Putsch«toleriere»"', die Regierung aber auf die Durchführung ihres Programmes: Ablieferung der Waffen und einheitlicher Oberbefehl, wird verzichten müssen. Das ist für den Stand der demolratischen Sache tn Spanien übel genug. Wir haben gestern schon auf die mittelbaren und unmittelbaren Gefahren hingewiesen, die der verbrecherische Putsch der Anarchisten herausbeschworen hat. Unmittelbar droht eine italienische Landung an der katalanischen Küste und ein Stoß auf Barcelona, der analog dem auf Malaga durchgeführt würde. Die katalanisch«, bisher noch großenteils nicht an der Front eingesetzte Armee wäre wahrscheinlich imstande, diesen Stoß abzufangen. Aber was geschieht, wenn in der lämpsenden Trupp» der alte Stritt-auflebt, wenn di- Anarchisten- di- Kommando» der Offiziere und- der Stäbe nicht befolgen, wenn sie— wie im September vor Jrun— mitten im seindlichen Feuer die Maschinengewehre gegen die sozialistisch-kommunistischen Soldaten ttchten, um die politischen Differenzen mit diesem Argument auszutragen? Was geschieht, wenn die Anarchisten den feindlichen Angriff dazu benützen, sich der RegierungSgewalt in der Stadt zu bemächtigen und wieder wie im Sommer 1086 ihren verschiedenen Terrorplänen und Rachegelüsten.nachzugehen?! Die Entwaffnung der Parteigruppen, die Bildung einheitlicher Volkskaders auch in Katalanien und die Schaffung eines brauchbaren Kommandos ist darum unerläßlich. Gerade dagegen aber haben sich die Anarchisten eben wieder mit Maschinengewehren und Bomben gewehrt. Die mittelbare Gefahr liegt in der moralischen Erschütterung der spanischen Demokratie. Italien und Deutschland, vor allem aber die faschistenfreundliche Presse in den demokratischen Lände« werden den Putsch als Beweis für die Unordnung in Spanien,- für das Chaos, für die Notwendigleit des„OrdnungSniachenS" ä la Franco anführen. So verlogen dieses Argument ist, es verfängt vielfach und stiftet Schaden an. Der spanische Anarchismus ist eine historisch und sozial bedingte Sonder-Erscheinung. Unsere Arbeiter können nur schwer verstehen, was er überhaupt bedeutet. Bei uns ist es mehr als vierzig Jahre her, daß der Anarchismus eine Rolle gespielt hat. Niemals war er so stark wie in Spanien,«her er. hgt doch fast zwei Jahrzehnte lang, von 1870. etwa bis 1800, auch unsere Arbeiterbewegung gehemmt In-Spanien sind die ungeheuren ökonomischen Gegensätze zwischen den hochkapitalistischen Industriegebieten und dem. vorkapitalistischen Land, der Analphabetismus der Massen, die bis 1981 üppig wuchernde Korruption des Staatsappgrates, dazu-das bunte Völlergemisch und die sich überschneidenden Einflüsse fremder Länder und Kulturen in den Mittelmeerhäfen die Nährböden des Anarchismus. Der Arbeiter, der rächt lesen und schreiben kann, der Proletarleri der als halbes Kind aus einem vorsintflutlich anmutenden Dorf in- die amerikanisierte"Millionenstadt kommt, greift leichter zu Bombe-und Revolver, ab? der Jndustrieproletarier anderer Länder. Dennoch-ist: der spanische, besser der katalanische Anar chiSmuS ein« historisch sinnlos gewordene überfällige Erscheinung, Daß er noch nicht liquidiert ist, hat der spanischen Demokratie genug." Schwierigkeiten bereitet. Es Wird zu eiqer Hauptaufgabe der VolkS- republik, ihn zu liquidieren." Daß der Anarchismus sich gerade"in Katalanien so zähe erweist, hängt mit dernatio- n.al e.n Frage«ng... zusammen..Zwei Jahrhunderte lang"haben die. Kastilier die Katalanen Seite 2 Freit««, 7- Mai 1087 Nr. 107 unterdrückt. Die Folge Ist der starke katalanische Separatismus, der die Gemeinsamkeit mit Aasti» lien, ja mit der ganze» iberischen Halbinsel auf ei» Minimum beschränke» will. Daß die Katalanen in dem Existenzkampf der Demokratie bisher ausfallend zurückhaltend waren und nicht jene Kräfte eingesetzt haben, die sie zweifellos einsehen könnten, hängt wohl auch damit zusammen, daß sie Lei Kriegsende über ein starkes Heer verfügen und auch der demokratischen Regierung die Bedingungen vorschrciben wollen. Der Anarchismus nun, der sich gegen jede einheitliche Führung, argen jeden gemeinsamen KriegSplan wendet, nützt die Abneigung der Katalanen gegen hie spanische Führung geschickt aus. Der verbrecherische Anschlag von Barcelona l für den die Kommunisten, skrupellos und fingerfertig, sofort wieder den„Trotzkismus" verant« tvortlich machen), zeigt aufs neue, dah es unumgänglich ist, den Anarchismus zu liquidieren. Bor wenigen Monaten sind dir Vertrauens- männer der Arbeiter und Angestellten in deu österreichischen Betrieben ne» gewählt worden. Eine Gruppe dieser Vertrauensmänner hat eine Denkschrift versaht, in der sie zn der politische» Lage Stellung nimmt. Bis Ende April wurde diese Denkschrift von Vertrauensmännern unterschrieben, die von 70.000 Arbeitern und Angestellten gewählt worden sind. Unterschrieben wurde die Denkschrift unter anderem von den Vertrauensmännern aller Großbetriebe der Wiener Metallindustrie, von den BerstauenS- männcrn der offiziellen Gewerkschaft der Bauindustrie in Wien, von den Vertrauensmännern der Glanzstoffabrik in St. Pölten und einiger Großbetriebe der Textilindustrie in Nie- dcrösterreich, von den Vertrauensmännern der Böhlerstahlwerke in Kapfenberg, von den Vertrauensmänner« der Glashütten in Steiermark, von den Vertranensmannern der Hammrrbrot- werke in Wien, von den Vertrauensmännern einiger Versicherungsgesellschaften in Wien»sw. Die Sammlung der Unterschriften geht weiter. Die Denkschrift ist dem Bundeskanzler übersendet worden. Sie hat folgenden Wortlaut: An den Herrn Bundeskanzler! Die unterzeichneten gewählten Vcrtxaueus- inänner, einig in dem Wunsche,, den, österreichischen Arbeitern und Angestellten und. darüber hinaus dem ganzen österreichischen Volke zu dienen, halten es für ihre Pflicht, dem Herrn Bundeskanzler im Folgenden ihre Auffassung über die tvichtigsten und dringendsten Fragen unseres Landes freimütig und rückhaltlos vorzutragen. Der Kampf um die Erhaltung eines freien, selbständigen und unab- hängigen Oe st erreich ist in ein entscheidendes Stadium getreten. Die Gefahren, die Oesterreich bedrohen, sind bedenklich angewachsen. Aber die Unabhängigkeit Oesterreichs kann auf die Dauer nicht durch außenpolitische Garantien allein geschützt werden, am allerwe« Selbst wenn es dazu nötig wäre, Truppen von der Front wegzuziehen und auf Oftensivpläne bei Saragossa zunächst zu verzichten, würde sich ein entscheidender Schlag lohnen. Es ist eine der erfreulichsten Erscheinungen im Bürgerkrieg, dah aus der Armee, au» ihrem Geiste und aus den Reihen der kämpfenden Soldaten ein neues Spanien hervorgeht, daß sich in dem zerrissenen Lande eine tragende und fithrend«, staatsbildende Schichte kämpferischer, disziplinierter Menschen bildet. Dieser Prozeß wird nach wie vor durch den Irrsinn de» Anarchismus gesährdet. Wir sind überzeugt, daß der gesunde Sinn de» spanischen Volke» die schwerste Prüfung, die Aureinanderset- zung mit dem Feinde im Rücken bestehen wird. Da» rasche Ende de» Abenteuers von Barcelona zeigt, daß di« Tage de» Anarchismus gezählt sind. Spanien wird mit ihm wie mit dem Faschirmu» fertig werden! Orientierung, die Oesterreich letzten Ende» den Machtinteressen der faschistischen Großmächte überantwortet. Deutlicher denn je zeigt sich die Notwendigkeit, i IN L a n d c s«l b st die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß sich da» österreichische Bolt in seiner Mehrheit zu dem einheitlichen Willen zusammenschließt, die Unabhängigkeit und Freiheit seine» Vaterland«» gegen jedermann und mit allen Mitteln zu verteidigen. Aber die organisatorischen und politischen Voraussetzungen dafür bestehen heute nicht. Nur Organisationen, in denen dir Arbeiter wirklich frei und unabhängig sind, in denen sie ihr Schicksal selbst bestimmen können, in denen sie ihre Meinung frei bekunden und für ihre Auffassungen werben können, in denen st« ihre Vertrauensmänner selbst wählen und kontrollieren, können«ine wirksame aktive Abwehr gegen de» Nationalsozialismus führen, der heut« die Freiheit und Nnabhängigkeit Oesterreichs am stärksten bedroht. Jeder andere Versuch zur Rettung Oesterreich» als da» Zusammenwirken mitderAr» betterschaft muß nach unserer Meinung scheitern, insbesondere der Versuch, Oesterreich dprch eine Restauration derHabSbu.rger zu retten. Denn ein solcher Vexsuch würde die außenpolitischen Gefahren verstärken und, di« inneren Schwierigkeiten steigern. Die Arbeiter und Angestellten können nur dann in die Reihen der Verteidiger Oesterreich» wirksam eingegltedert werden, wenn ihnen in allen wirtschaftlichen und kulturellen Organisationen volle» Selbstbestimmungsrecht gewährt wird. Die Regierung hat im Februar 1984 die Freien Gewerkschaften aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. Die überwiegende Mehrheft der österreichischen Arbeiter und Angestellten steht diese Verfügung noch heute al»«in schweres, noch immer nicht guigemachsts U n r e ch t an. Anstelle der früheren RichtungSgewerkschafstn wurde der Gewerkschaftsbund geschaffen. Die freigewerkschaftlichen Arbeiter und/Angestellten, die unbestrittenermaßen die g r o ß e Mehrheit der Arbeiter- und' Angestelltenschaft darstellten und auch heute, wohl nicht organisiert, aber« e s i n n u n g S g e m ä ß zusammen« gefaßt noch immer darstellen, haben in dieser Organisation nicht» zu reden. Sie dürfe« in der Gewerkschaft ihr« Vertrauensmänner und Funk« tionär« nicht wählen. Zu ernannten Funktionären haben sie kein Vertrauen. Mit der Durchführung der VertrauenSmännerwahlen ist erst ein bescheidener Anfang gemacht worden. Wir fordern Wer die volle Wiederherstellung de» Selbstbestimmungsrechtes der Arbeiter und Angestellten in ihren ureigensten Organisationen, den Gewerkschaften, worunter wir vor allein volle Unabhängigkeit von de« Unternehmer» und der'Regierung, freie Wahlen aller In« stanzen bi» zur Spitze, frei« Kandidatenaufstellung, freie Wahlagitation und volleBewe» gungsfreiheit der Organisationenverstehen. Die volle Selbstverwaltung ist auch unerläßlich, wenn die Interessenvertretung wirksam werden soll. Di« österreichischen Arbeiter und Angestellten haben in den lehten Jahren viele, fast untragbare Opfer auf sich nehmen müssen, weil sie über keine wirksame Interessenvertretung verfügten. Der Klassenkampf ist nur für die Arbeiter und Angestellten abgeschafft, die Unternehmer führen ihn uneingeschränkt und bedenkenlos weiter. Von berufsständischer Solidarität und der Entproletarisierung de» Proletariats wird nur gesprochen, wenn Arbeiter und Angestellte weitere Opfer bringen sollen. Darum ist die Bilanz der letzten Jahre für die Arbeiter und Angestellten sehr traurig: Verschlechterung der Sozialgesetzgebung, Herabsetzung des Lohnniveaus; Steigerung der Lebenshaltungskosten, WeiterdauernderMäsfenarbeitS» losigkeit, Mißachtung aller sozialen Rechte durch die Unternehmer. Auf diesem gefährlichen Wege darf nicht weiter gegangen werden. Die Arbeiter und Angestellten werden mit umso größerer Entschlossenheit bereit sein, Oesterreichs Freiheit zu verteidigen, wenn sie damit auch ihre persönliche Freiheit und Menschenwürde, ihr soziales und politisches Mitbestimmungsrecht, ihre sozialen Errungenschaften zu verteidigen haben. Die nachstehend unterzeichneten, gewählten Vertrauensmänner der Arbeiter und Angestellten erwarten, daß ihr Ruf nicht ungehört verhallt. Die hier vorgestagene Auffassung ist nicht nur ihre persönliche MeiNunss, sonder» die''ä l lg' e- m ti.n.e; M e in u.n,g d e r..b r eiten Massen deS schaffenden Volke». 416 Millionen Dollar für die amerikanische Armee Washington. Da» Repräsentantenhaus nahm den Militärhaushalt für da» am 1. Juli beginnende neue Haushaltsjahr an. Der Militärhaushalt beläuft sich aus 418,418.000 Dollar und stellt den Rekord, der bisher für militärische Zwecke in Friedenszeiten bewilligten Summen dar. Wohin geht Rumänien? Weitgehende Bindung en Polen angekllndlgt Ein unter der Leitung deS früheren Unter- ftaatSfrkrrtärS im Aussenministerium Gafeneu stehendes neue» Bukarester Tagblatt„T i m- pul"(„Die Zett") meldet im Zufanimenhang mit den Nachrichten über italienische, bzw. polnische Vermittlungsversuche zwischen Jugoslawien und Rumänien einerseits und Ungarn andererseits, daß eine Entspannung in dieser Hinsicht nicht zurückgewiesen werde, dass jedoch Jugoslawien und Rumänien derartige Verhandlungen nur auf der Grundlage ihrer inter- nationalen Verpflichtungen, insbesondere Ihrer Verpflichtungen gegenüber der Kleinen Entente zu führen bereit sind. Oberst Beck hätte in Bukarest bei Behandlung dieser Frage wohl kein„Unmöglich" zur Antwort erhalten, jedoch habe man al» unumgängliche Voraussetzung solcher Berhand- lungen daS Aufgrbey der revisionistische» Ansprüche Ungarns bezeichnet. Der„E u r e n t u l" meldet, auf den Besuch deS polnische» Außenminister» zurückkommend und lei gleichzeitiger Ankündigung d«S Bukarester Besuche» deS polnische» Staatspräsidenten M o S- e i ck I am 8. Juni folgendes: Bei dieser Gelegenheit werden wichtige Abkommen ratifiziert werden. Eines hievon wird sich auf die Bedingungen beziehen, welche Polen und Rumänien gemeinsam für jeden Versuch auflttllen, den osteuro- piischr» Frieden durch den Mechanismus des Artikels IS deS Bölkeriundpaktes oder durch die eventuelle Organisierung eines gegenfeittgen Beistandssystem- zu sicher». Bolen und Rumänien sind entschlossen, sich im Rahmen der europäischen Politik, welche di« beiden Länder, in einen ideologischen Krieg verwickeln könnte, s« wenig alS möglich zu engagieren. Um. diese Polittk durchführbar z» machen» stll'däS" in i l rtH r k s ch e" Z'nf'a m m en- wi rke n zwischen Pol e n u n d Rumänien vertieft werden. In dieser Richtung wird König llarol mit dem polnische» Marschall Rydz-Smigly Besprechungen führen. Dritten gegenüber werden Rumänien und Polen eine einvernehmliche Politik führen. In der Haltung Deutschland und Sowjetrussland gegenüber werden die beiden Staaten keiner der Ideologien dm Vorrang geben, welche diese leiden Länder vertreten. Dir osfizirlle„Jndependmee Roumaine" nennt die Mitteilungen über angebliche bepor- stehende polnisch-rumänische Abmachungen„absurde Legenden". 70.000 österreichische Arbeiter fordern Gewerkschaftsfreiheit Eine Eingabe an den Bundeskanzler nigstendurcheine außenpolitische JUNGES WEIB e VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT Hatte Bernd etwa recht? Was war mit der Veronika geschehen? Warum machte selbst er, ihr eigener Mann, einen Unterschied zwischen der Veronika von einst und der von jetzt? Bannholzer knöpfte den weißen Mantel auf, er mußte das Kind sehen, es war unsinnig, sicher, aber es schien ihm, als werde alles gut, wenn er das Kind nun sah. Und so öffnete er die Tür, die Mullgardinen blähten sich in leichtem Luftzug, und' das Knäülein schrie vor Freude und haschte mit den Händen nach hem leuchtendweißen Segel der Vorhänge. Bannholzer schloß die Tür, Mütter Füimnerle wollte sich respektvoll an ihm vorbeidrücken, Frau Egenhofer, die mit Peterle auf dem Fußboden gehockt hatte, stellte den Jungen herzhaft auf seine strammen Beine, Peterle schwankt- ein wenig, dann torkelte er, beglückt und wichtig, ein, zwei Schritte auf seinen Vater zu. „Sieh da! Er kann ja laufen, unser kleiner Mann!" Bannholzer öffnete die Arme, um seinen Jungen aufzufangen, und er hüb ihn hoch, hoch Uber seinen eigenen Kopf, bis fast zur Zimmerdecke hob er ihn, und Peterle blieb die Lust iveg vor Entzücken, und er kreischte Wer dieses neue, herrliche Vergnügen, da» der Vater, dieser große, große Mann im weißen Mantel, ihm verschaffte. Veronika aber stmid am.Fenster. Sie hatte, als Bannholzer hereingekommen war, hinausgeschaut, den Rücken dem jauchzendm Knaben und den mit ihm spielenden Frauen zugewendet. Sie hatte sich umgedreht, als die Türe ging, aber die Feme wohnte noch in ihren Augen und konnte durch keine noch so sanfte Freundlichkeit ausgelöscht werden, mit der sie Mann und Kind jetzt betrachtete. Bannholzer setzte den Knaben zur Erde. Zum ersten Male fiel ihm auf, daß Veronika niemals mit ihrem Jungen spielte. Immer kauerte nur ihre Mutter auf der Erde und ließ das Kind über sich himvegkrauchen und baute ihm Burgen und warf ihm Bälle zu. Niemals noch hatte er Veronika so gesehen, so lachend und jubelnd, so tollend und tobend in fröhlicher Ausgelassenheit. Und auch jetzt— auch jetzt zuckte es nur um ihren iRund, und«r entsetzte sich bei dem Gedanken, daß sie nicht mehr lächeln konnte, nicht einmal mehr über ihr kleines, frohe» Kind... „Sie haben das auf ihr gemacht! Ihr Werk ist das!" hörte er wieder die Stimme des Schau«' spielers aus jener Nacht. Beklemmung und Ratlosigkeit Werfielen ihn. Was hatte er aus ihr gemacht? Liebte er sie denn nicht? War denn der kleine Stroft um Alexander Bernd, war denn die heiße Angst um Veronikas Herz nicht längst vorbei? Was war denn noch? Warum schauderte ihn denn bei dem Gedanken: da steht deine Frau, und du weißt nicht» von ihr? Sie, di« dir verstauter ist al» jemals ein Mensch, sie ist dir fremder zugleich,, al» je ein Mensch dir sein kann? „Ich möchte' ein Stück spazierengehen, Veronika, kommst du mtt?" Ihre Unergründlichkeit wich einer plötzlich aufgeflammstn Freude:„Gern, mein Lieber- sehr sehr gern!" Und so war ei immer, Immer war sie für ihn da. Zu rasch, zu freudig,' zu bereit, jeden seiner Wünsche zu erfüllen,— da für ihn— und doch so wett— so wett entfernt...Änd jetzt kam sie auf ihn zu, eine ftemde, unbegreifliche Frau, und legte ihm die Arme zärtlich um den Hal». • Märzenstaub wirbelte vor ihren Schritten auf, hüllte sie in eine dünne Wolke, die Leute im Dorfe hingen au» den Fenstern, blieben stehen, wenn sie am Wege etwas zu tun. hatten, schoben verlegen an ihren Mützen herum, murmelten ihren Gruß, rückten an ihren offenen Hemdkragen, kratzten sich bedenllich den Kopf und sahen den .Doktorsleuten lange nach, wie sie auf der Land- .straße dahingingen und an der Biegung am Waldrand verschwanden. Und das Gerücht, diese ekelhafteste Natter am. Busen der Wahrheit, blähte sich auf und stoch ihnen, stach. Doch es erreichst nur die Frau. Es war, als werfe sie sich mit dem ganzen Leibe zwischen da» Gerücht und ihren Mann, damit«» ihn nicht töte, nicht verletze... Sie allein wüßte, was man hinter ihnen hertuschelte, sie kannst die Urheberin der Ber- leumdungen, aber sie duldete nicht, daß ihr Mann, dieser Mann, von neuem unter da» Räderwerk einer unbarmherzig zermalmenden Maschine geriet. Es brannte sst/innerlich au», wenn seine Sprechstunde leer.war, immer leerer wurde, aber sie lachte, wenn er'einmal eiste den Tatsachen nahekommendc Vermutung auSsprach: „Ich glaube, die Bauern fahren in die Stadt, Veronika..."'■' r»»?'• „Du bist ja nicht gescheit, mein Junge! In die Stadt zum Arzt?. Warum denn wohl? Du bist ein guter Arzt und ein miserabstr Geschäftsmann, mein Lieber» dem Himmel sei Dank dafür, — wenn da» jedoch so wettergeht, dann führen wir.bei un» chinesische Methoden ein.". „Chinesische Methoden?" Er war schon wieder beruhigt, sei» Zweifel halb und halb zer-. streUt. „Nun ja, man sagt den Chinesen doch nach, sie bezahlten ihren Arzt nur, solange er ihnen die Gesundheit erhält., Werden sie stank, stiegt er kein Honorar mehr. Ist da» nicht überhaupt der klügste Weg, um gute Aerzst und gesund« Menschen zu schaffen?":;. 11 Ja, lachen konnte sie noch, diese Frau, aber lachen auch nur dann, wenn sie da» in ihr«» Manne aufleimende Mißstauen versteiben wollte. Und wie lange würde ihr das gelingen? Denn dieser Mann hatte Augen zu sehen und Ohren zu hören. Und wenn er jetzt noch manches nicht Härte und vieles nicht sah, dann geschah das nur, weil er'sich selbst einredete, das Instrument seiner Sinne sei überschärft, überspannt, überstimmt, er dürste allen diesen Schwan- kungen nicht nachgeben- so lange Veronika mtt. ihrem wunderbar gesunden Menschenverstand sie nicht auch wahrgenommen habe. Und so Übersah er die hämischen, abschähenden, zusammengezogenen Blicke der Dörfler, so fanden, an Veronikas aufrecht herrischer Haltung abprallend, die VerstumduNgen der Hirschenwirtin nicht den Weg zu ihm. «Seht Ihr denn nicht, daß Rosa niemals gesund wird? Ich muß nun doch mit ihr zum Doktor in die Stadt." „Zum Doktor in. die Stadt?" fragten dann die.Leute, die sofort merkten, was dahintersteckte. «Ja ja, er mag ganz gut sein, unser Doktor, für leichte Fälle, wenn einem aber wirklich etwas fehlt... etwa» Ernsthaftes..." „So. so..sagte» die Leute und dachten ,sich ihr Teil. ,!Ja", meinst dann die Hirschenwirtin, „ja ja.. „Nun, den Gigelbauer, den hat er Wer doch gerad vom Grabrand weggeholt, der Düktor.. „Den,— ja, i—den, die Lina aber, di« Magd beim Nagele! HM Ihr mit der mal geschwätzt? Die hatte doch die Sache mit dem Arm! Da hat er ihr wa» zum Einreiben gegeben. Na, ich will nicht» gesagt hstben... rein abgezogen hat der's die Haut,.reinweg verbrannt den Arm..." „JesseSundmaria!".- „Na, und der Engelbert, der kann doch nichts mehr bei sich halten, seit unser guter Doktor ihm so«ine Einspritzung gemacht hat. ganz grün und blau schaut der schon aus' ■'sFortsötzüpa Nr. 107 Freitag, 7. Mai 1937 Seife 3 fudetendeutsefier Zcitfspiegel Furchtbares Drama in Schönborn Die Lebensgefährtin, deren Tochter, U A S U/avnerlAaf dann sich selbst getötet DCI WainSuOlT Am Dienstag, den 4. Mai, in der neunten Abendstunde ereignete sich in Schönborn bei Warnsdorf eine furchtbare Familientragödie, die drei Menschenleben forderte. In Schönborn lebte der 33jährige Arbeiter Johann S« n f t l e b e r mit der um zwei Jahre älteren Anna K l i n g e r im gemeinsamen Haushalte. Vor einigen Monaten kam es zwischen den Beiden zu Zerwürfnissen, die dazu führten, daß Senftleber im Feber d. I. einen Selbstmord versuchte und sich durch einen Schuß in dir Lunge schwer verletzte, so daß er länger« Zeit im Krankenhaus« verbringen mußte. Nach seiner Heilung wohnte er bei seiner Mutter und ging seiner Beschäftigung noch. Am Dienstag abends gegen neun Uhr begab er sich in die Wohnung seiner früheren Lebensgefährtin. Als er deren Wohnung betrat, war außer der Anna Klinger noch deren löjäh» rige Tochter und eine Frau anwesend. Senftleber rief den Frauen zu:»Alle» muß!" und ehe diese noch wußten, was geschah, feuerte er einen Schuß gegen da» 18jährige Mädchen ab. Diese» wurde in den Hal» getroffen und war sofort t o t, da die Halsschlagader zerrissen worden war.' Dann richtete'er die Waffe gegen seine frühere Lebensgefährti n. Ein Schuß traf diese in den Arm,«in zweiter von rückwärts in den Hal», so daß auch sie sofortge tötet wurde. Senftleber richtete nunmehr die Waffe gegen sich und machte durch einen Herzschuß seinem Leben ein Ende. Die furchtbare Bluttat hat in Schönborn und weit darüber hinaus größtes Entsetzen ausgelöst.^aS Senftleber zu seinem schrecklichen Entschluß bewogen hat, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Genossenschaftliche Ausstellung In Trautenau Dl* Eröffnung Trautenau. Donnerstag, den ü. Mai, wurde in Trautenau die genossenschaftliche Ausstellung eröffnet, deren Zweck es ist, der gesamten Bevölkerung Oskböhmens die Entwicklung, den Stand und die Leistungsfähigkeit der deutschen Konsumgenossenschaften vor Augen zu führen. DaS große Interesse, das die Ausstellung sicherlich finden Ivird, ging schon auS der starken Beteiligung lei der Eröffnung hervor. ' Die Genossenschaftsausstellung ist in acht Räuinen des Porak-PalaiS untergebracht. Was Fleiß, Tüchtigkeit und Schaffenskraft der deutschen KonsumgenofsenschaftSbewegung in gemeinsamer Arbeit vollbrachten, ist in einer Schau zu- sammengefaht, die einen hinreichenden Begriff von der Grüße der-Bewegung vermittelt. Die Ausstellung wurde um S Uhr vormittags durch den Obmann des Kreisverbandes Marks eröffnet. lieber 200 Gäste nahmen daran teil, die ostböhmischen Konsumgenossenschaften waren durch Delegattonen vertreten, von der BezirkSbehördi war Herr Dr. Sima, anwesend, von der landwirtschaftlichen Lagerhausgenossenschaft ihr Obmann Herr blich ter, von der landwirtschaftlichen Zentralmolkerei ihr Geschäftsführer Herr Sandner, von der Be- zirkskrankenversicherungsanstalt Herr Direktor Kern. Die von den Veranstaltern eingeladene Stadt Trautenau hatte leider keinen Vertreter entsandt. Nach der Eröffnungsansprache des Obmann» Marks legte Direktor Kr«jfky den Zweck der genossenschaftlichen Ausstellung im einzelnen dar. Sodann schloß sich«in Rundgang durch dl« geschmackvoll und schön dekorierten Ausstellungsräume an. Wie jede Ausstellung des Gec-Ber- bande» durch die Vielfalt der genossenschaftlichen Cigenerzeugnisse überrascht, so waren auch diesmal die Besucher von der Fülle des Gebotenen überwältigt. Drei Räume sind der Darstellung der Entwicklung der ostbühmischen Konsumgenossenschaften Vorbehalten. In den übrigen Räumen hat der Gec-Verband sein« Entwicklung, seinen Stand und die Leistungen der Eigenproduktion ausgestellt. Nach dem übereinstimmenden Urteil aller, die die Ausstellung bei ihrer Eröffnung besichtigten, ist angesichts solcher Leistungen während der Dauer der Ausstellung mit einem Mastenbesuch zu rechnen. Die Ausstellung ist ganztägig bis zum 17. Mai geöffnet. Der Eintritt ist für jedermann frei. Wir beglückwünschen unsere Konsum» aenossenschaften zu dieser schönen Manifestation machtvollen VorwärtSstrebenSi Die Anmaßung einer Nßrodnl Jednota Die Gemeinde Prob stau bei Turn, die an die viertausend Einwohner zählt, bemüht sich schon seit längerem um«ine K i n o l i z e n z. Die. Zuteilung dieser Lizenz würde, die Gemeinde in die Lage versetzen, ihren Haushaltsabgang zu decken. Die Anregung zur Beschaffungder Kinolizenz ging von den revidierenden Organen der Landesbehörde au», die den Gebarungsabgang in der Gemeinde feststellten. Trotzdem- lehnte die LandeSbehörde da» Ansuchen de« Gemeinde um die Kinolizenz! ab. Ueber die Ursachen diese» ablehnenden Verhalten» gab eine Versammlung Aufschluß, die der Probstauer Gemeindevorsteher dieser Tage einberusen hat.. Die Prübstauer Ortsgruppe der N ä r o d n l I. e dnot aSeverokeskä bewirbt sich nämlich ebenfalls um eine. Kino-Lizenz /für Probstau. Diese Ortsgruppe hat gegen die Erteilung^der Lizenz an die Gemeind« mit'allen Mitteln— und bisher erfolgreich— intrigier». Obwohl die Gemeinde der Jednota. angeboten hat» ihr das Kino an gewissen. Tagen zu überlasten und auch in anderen Fragen Entgegenkommen zu zeigen» hielt die Jednota an ihrem ablehnenden Standpunkt fest. Ein Vertreter der Jednota hatte die Kühnheit, zu sagen:„Wenn die Jednota die Lizenz nicht erhält— dir Gemeinde wird ste erst recht nicht bekommen!" Anscheinend fühlen sich die Vertreter der Jednota berechtigt, als Sprecher derLandesbehörde aufzutreten. ES ist bemerkenswert, daß die tschechischen sozial! st ischenParteien ProbstauS die Meinung der Jednota nicht teilen, sondern für die Gewährung der Lizenz an die Gemeinde einttcten. Die Sprecher dieser Parteien haben sich in der erwähnten Versammlung mit Entschiedenheit gegen das Verhalten der Jednota-Führung gewandt. Will man auch fernerhin den Wunsch einiger Heißsporne höher stellen als die Bedürfnisse einer von der tschechischen und deutschen Bevölkerung in gleicher Weise gttragenen und unterstützten Gemeinde? Oder will man auch in dieser Sache im Geiste des 18. Feber entscheiden? ein deutsch-tschechischer Klub In Budwels <: Beispielgebende Zusammenarbeit l- Im vergangenen Herbst wurde in Büdweis «in„deutsch-tschechischer Klub für demokratische Zusammenarbeit" gegründet, der inzwischen sich kräftig zu regen begann. Der Klnb sieht es als seine vornehmste Aufgabe an, die beiden VolkSstämme einander näher zu bringen, veranstaltet zu diesem Zwecke regelmäßige Zusammenkünfte Mit Borträgen und Diskussionen, deren Hauptgegenstand immer wieder das Hervor-» kehren des beide Völker Einigenden, Verbindenden ist. Daß die Feber-Vereinbarungen des heurigen Jahres im deutsch-tschechischen Klub für demokratische Zusammenarbeit«inen besonderen Widerhall weckten, kann man wohl am deutlichste» daraus erkennen, daß man sich an den Regierungschef, Ministerpräsidenten Dr. H o d Z a, gewandt hat, er möge gemeinsam mit einem Parlamentarier der deujschen aktivistischen Parteien in BudwelS einen Vortrag über das nationale Be, friedungSwerk halten. Dr. HodZa hat auch bereits für den heurigen Juni zngesagt und es wird diese große deutsch-tschechische Manifestation unter Patronanz der Budweiser Gemeindever- tretung im Stadttheater stattsMden. Prager deutsche Abendsendung Im April Al» gelungen sind vor allem zu nennen: di« beiden humorvollen Sendefolgen„Heitere Klassiker" und„Zwiegespräch Mischen Erd- und Marsbewohner", ebenso da» Hörspiel„Menschen auf der Eisscholle" von Vilem Werner in einer wirksamen Rundfunkbearbeitung.' Weniger glücklich war die Wirkung von Multerers„Zehn Gebote" aus„Stim- Men um uns". Da war de» Blechgedonner» zu viel zu'hören. Zu registrieren sind ferner die Uebertra- gung der Zwanzigjahr-Feier der„Urania", In welcher Minister Prof. Dr. Spina di« Festrede hielt, Und die ausgezeichnet zusmnmengestellte Hörfolge gnläßllch der Sechshundertjahr-Feier, der Stadt Böhm. Leipa. Sie kann al» mustergültig hingestellt werden. Bei dieser Feier war eine, jugge Sängerin, Jsolde.Laufke, zu hören, auf die besonders aufmerksam gemacht werden soll. In musikalischer Hinsicht, gab e» keine Ereignisse von Bedeutung. Kapellmeister Kienzl bot«in ausgewählter Programm deutscher und tschechischer Musik, Dr, Swoboda hielt sich an unsere allen Klassiker. Jnteressgyt, war di«. Rundfunkbearbeitung der Oper„Tara» Bulba" von Ernst R i ch- t e r, der die Instrumentation wohl restlos beherrscht, auch"die Wirkung gewisser Steigerungen; Neue» aber bringt-er nicht; übrigen» spürt man bei ihm nicht nur deutsche Einflüsse, sondern auch solche sla« Wischer Musik,— In dieser Ueberiragung ragten zwei- schöne.Stimmen- hervor: Maria Petzes» bauer» und Paweletzens..— In einer Aber auch die Jugend, die Hoffnung eines jeden Volkes, will der deutsch-tschechische Klub für seine Ideen gewinnen.. Man veranstaltete vorige Woche im deutschen Theater«ine Vorstellung für die tschechisch« und deutsche Mittel» schulfugend, die ein ausverkauftes Haus erzielte. Für den Herbst, während der tschechischen Theaterspielzeit, beabsichtigt der Klub tschechische Mustervorstellungen für die deutschen Mittel» und Fachschüler durchzuführen. Am 6. Juni l. I. soll in Heilbrunn für den tschechischen Dichter Dr. Winter«ine Gedenktafel an jenem Hause angebracht werden, in dem der Dichter sein schönstes Werl schuf.. An der Enthül- lungSfeier werden auch die Mllglieder des deutschtschechischen Klubs teilnehmen. Bundeshauptversammlung des Arbeiter-Abstinentenbundes Sontag, den 80. Mai 1087, um 10 Uhr vormittag», findet in K o m o t a u,(Metallarbeiterhau») die Bundesvollversammlung de» Arbeiter.AbstinentenbulideS mit folgender Tagesordnung statt: 1. Berichte: a) des Geschäftsführer»; b) der Kassiers; e) der Kontrolle. 2. Bericht au» dem ständigen Beirat zur Bekämpfung de» AlkoholiSmuS. 8. Ist unser Kampf gegen den Alkohol noch zeitgemäß?(Referent I. Hofbauer.) 4. Neuivahl de» Vorstandes. 5. Freie Anträge. Die BundeSvollversammlung besteht au» den Delegierten der Gruppen und Zahlstellen, dem Bundesvorstände und der Kontrollkommission. Die Ortsgruppen und Zahlstellen hahen da» Recht, auf je 10 Mitglieder einen Delegierten zu enttenden. Von den Mitgliedern eingeführte Gäste sind herzlich willkommen. Di« Delegierten sind der Ge- schäftSstihrung zu melden. Für den Vorstand: Dr. E. Lieben, W. Schneider, Geschäftsführer. Kassier, Dr. A. Höllischer, Obmann. Hitler und Mussolini , In der. spanischen Frage nicht einig Sie französischen Blätter untersülhen auf Gründ ihrer Meldungen,'aber auch'auf Grund der Analyse der politische» Ereignisse der letzten Tage die Ergebnisse der deutsch-italienischen Verhandlungen und komme» z» dem Ergebnis, daß Hitler die Tendenz habe,Gas spanische Abenteuer so rasch als möglich zu liquidieren. Er soll Mussolini empfohlen haben, dir Vermittlung Englands anzurufen. Mussolini wehre sich aber dagegen und wolle nicht früher ftine Truppen abberufen, als Franko Madrid oder wenigstens Bilbao genommen habe. Hitlers Bestreben gehe darauf hinaus, Zeit zu gewinnen, und er nehme deshalb dir Verhandlungen mit England wieder auf. Wir warm unS immer darüber im klaren, daß dir bridm Trägrr drr„Achse" darauf auS- grhen, einander zu betrügen und bei der ersten Gelegenheit die ganze Bundesgenossenschaft teuer zu verkaufen. Jeder wartet auf di« Gelegenheit, wo die Westmächte bereit ftin werden, ihm für die Preisgabe des Bündnisses mit dem anderen entsprechend,viel zu zahlen. musikalischen Jugend st und«.konnte jung und alt lernen und sich an einer guten Hörfolge erfteuen. Dr. Paul Nettl, Prof. Häba und Ernst Kien ek unterhielte» sich vor dem Mikrophon über „da» Weltbild der Musik". Die Quintessenz des Dreigespräche» war, daß die Qualität der Musik unter zu großer Volkstümlichkeit leide; man-müsse daher zur Musik erzogen werden, zur alten wie zur neuen. Da» Gespräch war interessant, nur zeitweise zu„hoch". Man muß poch mit einer weniger gebildeten Hörerschaft-rechnen und demnach weniger kompliziert formulieren, al» es diesmal geschah.— Nicht weniger interessant wssr ein'Zwiegespräch über „moderne BiloungSfragen" zwischen den Leitern der Prager und der Wiener Urania; nur konnte die Wiener Urania nicht mehr erzählen', welche Bedeutung sie heute(gegen früher) für die Bildmih der intttligenten Arbeiterschaft besitzt. Da wurde wohl manch werwolle» Stück Volksbildungsarbeit mit den Kanone» Dollfuß' zerschossenl Au» den Kulturberichten ragten Mei hervor: der eine von Dr. Mara», der sich mit der tschechischen Prosakunst ter letzten Zeit beschäftigte und der andere von Dr. Franzel, welcher unser Kunftleben in aufschlußreicher Weise betrachtete. DieVorträge, die laufend gehallen wurden, fanden neben allgemeinen Themen auch Sprecher, die -interessant ,» gestalten vermochten. Erwähnenswert Franz Orlet,, der Wer Komenskh sprach, Jng. Niethof, der ein nüchterne» wirtschaftliche» Pro» blem, und Mar da» der Preise^im Wirtschaftsaufstieg leicht.' verständlich darlegte und Dr. C l a r y- Brief an den Zeihniegel Lieber Zeitspiegel! In einer größeren deutschen Provinzstadt ist ein Staatsbau vorgesehen. In der unmittelbaren Nähe des Buu- platzes betreibt ein Tscheche sein Geschäft, der damit renomiert, er werde in der Lage sein, jenen Bauarbeitern Arbeit auf diesem Bau zu verschaffen, die bei ihm— sagen wir z. B. Sohuhe— einkaufen. Nebenbei erwähnt, hat sein Unternehmen mit dem Baugewerbe nicht das Geringste zu tun, und der Bau selbst ist noch nicht einmal vergeben. Vielleicht flunkert dieser übertüchtige Geschäftsmann bloß. Aber schon eine solcho Großmäuligkeit würde jenes unzulässige Machtbewußtsein beweisen, daß viele Angehörige der tschechischen Minderheit im„verdeutschten" Gebiet zur Schau tragen und filr ihre geschäftlichen Zwecke auszunützen suchen. Es ist ja bekannt, daß es von den närodni jednoty großgezogen wird, die bei ihren Mitgliedern den mehr oder minder berechtigten Schein wecken, daß sie erhöhten Anspruch auf Schutz(lies: Protektion) gegenüber den Angehörigen der anderen Nation besitzen. Man muß die Aufmerksamkeit der in Bildung begriffenen Bezirks-Aktionskomites auf solche unzulässige Beeinflussungen und auf die Ausnützung des Arbeitshungers und des Hungers selbst für geschäftliche Zwecke tschechischer Gewerbetreibender, aber auch auf die Tätigkeit der hinter ihnen stehenden närodni jednoty lenken, d. i. auf solche Protektionen, die jedenfalls dem Pakt vom IS. Februar widersprechen. Warner. Ein Messerstecher. Der Straßeneinräumer von Weschekun(bei Haid) nahm an der gemeinsamen Kundgebung der deutschen und tschechischen Sozialdemokraten am 1. Mai nachmittag» teil. Als er abends nach Hause ging, wurde er voir einer Horde SdP-Leuten Überfallen und erhielt mehrere Messerstiche. Die Täter waren ihm unbekannt. Die Gendarmerie forscht noch nach den Tätern. Internationaler Ausschuß soll die Zerstörung Guernicas untersuchen? London. Britische amtliche Stellen studiere» die Note des spanischen Anßenministers del Vano, der die Eröffnung einer internationalen Untersuchung Über die Vernichtung der baskischen Stadt Auerniea fordert. Die Note ist an die britische Regierung adressiert, deren Vertreter der Vorsitzende des Londoner NichteinmischungSansschusses ist. Es Ivird darin der königlichen britischen Regierung überlassen, die Art und Weise zu bestimmen, wie die Untersuchung eventuell durchgeführt werden soll. Während der Debatte im Unterhaus über die Bombardierung von Städten in Spanien und namentlich der Vernichtung der Stadt G u e r- n i e a sprachen sich zahlreiche Abgeordnete dafür aus, daß ein internationaler Ausschuß eingesetzt werde, der die grundlegende Frage der Bombardierung von Städten zu lösen hätte. Im Namen der Regierung erllärte Lord Cranborne, daß es bestimmt zu begrüßen sei, diese Möglichkeit in Erwägung zu ziehen. Aldringen, dem es gelang, die Aktion der deutschen Völkerbund-Liga„Milch fürs Kind" in seffeln- der Weise zu propagieren. In der D i ch t e rjt u n d e sprach Ria Ressel tief gedankliche Verse ihrer Vaters Wilhelm Ressel. Karl Baiers Mundartdichtungen lvaren originell und besser als sie vorgetragen wurde». . JnderArbeitersendung hörten wir vier Vorträge, die durch die Verschiedenheit der Themen so recht die Bielseittgkeit der Interessen, die die organisierte Arbeiterschaft zu vertreten hat, aufzeigten. Ein dar Arbeiterleben direkt berührender Vorttag war der von Karl Schmidt, der sich mit der Grubenarbeit und dem Bergmannfchutz befaßte. Wilhelm Börner wieder erklärte den neuen Sin» der Arbeit. Er könnte wieder von der ethische» Bedeutung der Arbeit sprechen, ebem nur jetzt, da er wieder Arbeit gibt. Franz R e h w a l d ist heute einer der besten Kenner der sudetendeutschen Wirtschaft und seine Erkenntnisse sind klar und eindeutig, sein Ziffernmaterial interessant und aufklärend. Prof. Paul Fürstenau erfteute durch die Ehrlichkeit, mit der er die Forderung ausstellte, der Schulmann möge auch Erzieher sein; die Vlängel unserer Schulerziehung lägen weniger im Unterricht als bei den Lehrern. Die Ereignisse der Zeit, die täglich und stündlich die Presse und der Rundfunk einer seelenkranken Menschheit«inhätnmert, finden in unseren Aktuellen zehn Minuten Erklärung; die Zusammenhänge werden geklärt und der friedenssehnsüchtig« Zuhörer schöpft aus ihnen wieder Hoffnung und Zuversicht. Richard B ä u m l, Seite 4 Freitag, 7. Mai 1937 Rr. 107 Die neuen Stewardessen der holländischen Luftlinien Bekanntlich sucht man auch für die tschechoslowakischen Fluglinie» einige Stewardessen— bisher ohne Erfolg Wie man es nicht machen soll Zm Machest des„Kampf" befasst sich Genosse Hofb a u e r mit einigen„großen Kleinigkeiten", die sich hemmend auf-die nationale Verständigung und das Erstarken der,Demokratie auswirken. Er erwähnt dabei auch, dass die vom Staatsverlag für die deutsche Jugend herausgcgcbone_.',Ll u g e n d z c i t u n g" so ärmlich, reizlos und, ungeschickt gemacht ist, dass sie ihre Wirkung verfehlt. DaS eben erschienene Heft Nr. 18 der genannten Zeitschrift beweist wieder, wie recht Hofbauer mit seiner Kritik hat. Den» womit beginnt der Text dieser Mai- uuuuncr der staatlichen„Jugendzcitung"? Mit einem Artikel Oer Lag ckor ieotioslovalrisoli-rumüntaoksn Gsgenssltixlcelt(19. Mai) Bon dein ilechoslovakisch statt tschechoslowakisch, mit dem wir uns kürzlich befasst haben, ganz abgesehen, gehört daS Thema doch wohl nicht zu jenen Stoffen, die auf die deutsche Jugend so anreizend und fesselnd wirken, dass man sie an leitender Stelle behandelt. Und wie behandoltl Der Text ist trocken, ledern, nichtssagend wie ein diplomatisches Kommunique. Wenn man den Kindern etwas über Rumänien, seine Geschichte, seine Bedeutung für u»s, seine Völker sagen will, dann muss man doch wohl mehr als eine halbe Spalte opfern und man müßte das anders machen. Wir wollen die Redaktion nicht angreifen. Sie hat, wie in diesen Füllen fast immer, wahrscheinlich gebundene Hände, besteht— bei einer vierseitigen Zeitung — aus nicht weniger als vier Personen und wird wahrscheinlich von Fiskalistcn kontrolliert, die mit jedem Heller rechnen und die vermeinen, sie hätten dein Staat wunderviel genützt, wenn sie ihm an Honoraren, Klischee- oder Druck-Kosten ein paar Hundert Kronen im Jahr einsparen. Wir brauchten heute eine erstklassige deutsche Jugcndzeitung, eine frische, nicht kleinlich zensurierte, nicht auf zehn Meter nach Polizeigcist und Schulordnung, offiziöser Journalistik und Pflichtarbeit riechende Karikatur vormärzlicher Moniteure. Man sehe sich einmal an, wie— rein formell, ohne Ansehung der Tendenz gewertet— die weiland sehr verbreitete Jugendzeitschrift„Oesterreichs deutsche Jugend" gemacht war, wie nazistische, österreichische'und vor allem auch tchechtsche Jugendzeitschriften ailSsehenl Die Jugend muss nach solcher Zeitung hungern, nach ihr verlangen, sie nicht als aufgezwungene, schwarz auf weiss verewigte Langeweile und papierenen Beweis für die Knickrigkeit und Armseligkeit büro- kratischer Anti- Propaganda- Instanzen nach Hanse tragen! KomenfkijS Grab in Raarden. Am 8. Mai Iverden Untorrichtsministcr Dr.' Franko und der tschechische Gesandte im Haag, Dr. Krno, die Kapelle mit dem restaurierten Grabe I. A. Ko- »icnslhs der Gemeinde Naarden in den Niederlanden in die Verwaltung Wergeben. I. A. Äo- mcnskh starb im Jahre 1879. Seine sterbliche Hülle wurde von Amsterdam nach Naarden übergeführt und in einem Grabe in der Kapelle beige- seht. Nach dem damaligen Brauch wurden nach Ablauf von 79 Jahren in das Komenslh-Grab zivei weitere Särge beigeseht, da das Grab nur für 79 Jahre käuflich gesichert worden war. Nach längerer Zeit geriet das Grab KomensthS allmählich in Vergessenheit. Die Kapelle wurde von den Militärbehörden beansprucht und diente seit 1821 weltlichen Zwecken. Als im Jahre 1879 in Böhmen Pietätsseiern anlässlich des 299. Todestages Äomenskhs staltfanden, musste festgcstcllt werden, dass die letzte Ruhestätte des.grossen Tschechen nicht mehr bekannt sei. Erst ein Jahr später entdeckte der Naardener Notar Noeper im Stadtarchiv Dokumente, aus denen mit Sicherheit geschlossen werden konnte, dass sich das Grab Ko- mcnslhz in der erwähnten ehemaligen Kapelle befindet. Damit wurde Naarden zum nationalen Wallfahrtsort vieler Tschechen. Nach Beendigung des Weltkrieges setzte sich die Oeffentlichkeit dafür ein, dass das Grab Komenskhs freigelegt und auf seiner Stelle ein Komenskh-Dcnkmal errichtet werde. Auch die Ueberführung der sterblichen Hülle Komenskhs nach Böhmen wurde gefordert. Die Nachforschungen an Ort und Stelle wurden ani 18. Juli 1929 unter der Leitung des Professors M a t i e g k a ausgenommen. Am 29. Juli wurde bereits die Identität des Grabes mit vollkommener Sicherheit festgestellt, am 22t Juli wurde die sterbliche Hülle Komenskhs identifiziert und aus dem Grabe gehoben. Die feierliche Beisetzung in das neue Grab erfolgte am 28. Juli. Noch im gleichen Fahr gewann der tschechoslowakische Staat von der holländischen Negierung das verbriefte Recht, die Kapelle restaurieren und erhalten zu können. Als im Jahre 1988 zwischen der holländischen und der tschechischen Negierung ein Abkommen erzielt wurde, wonach der Tschechoslowakischen Republik die ehemalige wallonische Kapelle zu einer jährlichen AnerkennungSgebühr von einem holländischen Gulden im Pachtwege abgetreten wird, konnten die RestaurienmgSarbel» ten ausgenommen werden, die unter Leitung des holländischen Professors SI o t h o u w e r durch» geführt wurden. Der ursprüngliche Zustand der Kapelle, wurde, soweit als möglich, wiederhergestellt. DaS grosse Graft von Ossel.. Bei der Gewäl» tigung eines neuen Grubenabschnittes im^Nelsons-Schacht stiess man auf weitere acht Opfer der Katastrophe. Sie, werden Freitag- geborgen und agnosziert werden. In dem neugelvältigten Arubenteil sind keine Explosionswirkungen wÄr- zunehmen. Die Strecken sind gut. erhalten. Die Lage der Leichen läßt darauf schließen, daß die Leute bei der Arbeit von Giftgasen überrascht und getötet wurden. In dem letzten, noch zu gewäl- tigenden Revier der Grube sind noch 15 Leichen zu bergen. Hitler-Gerichte über Sittlichkeit. Die brüte Große Strafkammer in Koblenz verurteilte am Mittwoch einen Klosterbruder und zwei weiter« Angeklagte wegen schwerer SittlichkeitSvcrbrechen an Knaben zu fünf Jahren- bis einem Monat- Gefängnis. Die Angeklagten waren geständig.... Der singende Obersteiger. Auf'.einer Grube des sächsischen Steinkohlenreviers gab--es beim letzten,Gcmeinschasisempfang viel Heiterkeit. Die' Kumpels'drückten sich unter allen möglichen'und 'unmöglichen Borwänden um die Teilnahme an der Veranstaltung. Anwesend waren vor allem-die Lehrlinge der Werkstatt, die Beamten und/bie’ Nazifunktionäre. Die Berglehrlinge trieben während der Rede Unsinn, die Beamten hörten sie sich mit demonstrativ langweiligen Gesichern an, und die Nazifunktionäre setzten die Amtsmiene auf. Als die Rede- zu Ende war, sollte das Horst» Wessel-Lied gesungen werden. Einer- der-Nazi»- funltionäre fing'kräftig an. Als er aber merkte, daß aus seiner ganzen Umgebung niemand mit» sang, hörte er schnell wieder aus.' Rur der Obersteiger sang allein weiter. Der ist- nämlich schwerhörig, so daß er nicht merkte, daß er allein sang.- Schliesslich entstand darWer, besonders bei den Berglehrlingen, so lautes Gelächter, dass, auch der Obersteiger es merkte und/zu singen aüfhörte. Am- Schluss hielt einer der Nazifunktionäre,' der allerdings ebenfalls nicht mitge» sungen hatte, den Berglehrlingen eine Strafpredigt, die er mit der Drohung beschloss, man werde, künftig für die Berglehrlinge besonder« Gesangsstunden eiiiführen.- Bis heute ist das aber nicht geschehen, Reform d«S New Parker Theaterlehens. Auf Grund.einer seit-Monaten geführten Kampagne der Vertreter sämtlicher religiöser Gemeinden hat die 9tclu Parker Polizei jetzt die Spiellizenzen für nicht weniger, als 14 New Varker Theater, nicht mehr, erneuert. Es handelt sich, vor allem um Operetten- und. Nevuebühnen, deren Haupianzie- -hungspunkt die Vorführung-sogenannter-„strip- tease"-Tänze ist, eintypisch amerikanischer Ausdruck, der ungefähr bedeutet:-komische Rackt» tänze". Tatsächlich handelt eS sich um Balletts, oder Gsrltänz«, und die Darstellerinnen' waren meist wenig- bekleidet.- Gerade deshalb' vielleicht hatten di« Theater, in denen- man„strip-teasc" zeigte, seit Jahren Ricseneinnahmen. Man schätzt, -dass dse 14.Theater, die jetzt-ihre Pforten-schließen, müssen, rund zwei. Millionen Dollar im-Jähr verdienten.-- V Sechzehn italienische Arbeiter werde» Emigranten.(P. Si.Y Da fast die ganze Pariser „grosse"- Presse von- Muffdlini-gleichgeschalteö ist,- war die folgende Begebenheit nur-in der- söziali- stischen Presse-zu lesen: Sechzehn! an-dem italidni» schen Pavillon der Ausstellung beschäftigt«'-Arbeiter, als-sie nach-Mussolini«» zurückkehren sollten, — desertierten einfach und-blieben in Frankreich als glückliche Emigranten- Alle Sechzehn---find' junge' Leute zwischen' 28'und 26 Jahre», sind-älso seit ihrer frühen Kindheit im Faschismus ausgewachsen, alle haben ihr Parteibuch und wurden unter den-Verläßlichsten ausgesucht. Die itäliiNi» sche Regierung wechselt« mostäilich die Belegschaft des Ausstelltlng'spavillo'nS aus,/damit die^ Arbeiter nicht vöm-Pariser'-Gdist'.,säng«steckt"- werden,- Sie, wurden in-einem besonderen Heim untergebracht und-verpflegt, standen unter! der Aufsicht ihrer Vorgesetzten, man-gab- ihnen nur widerwillig Erlaubnis zum Ausgang.' In Italien wurde ihnen vor ihrer-Abfahrt im-Fascio erzählt, sie kämen jetzt, in ein Land,, das in'-ständigem Ausruhr sei und sie hätten dort die- Fahne- der'- nationalen Disziplin, des mächtigsten Imperiums der Welt hoch>uhalten.. Ihren-Lohn bekamen sie nicht'auf die Hand ausbezahlt, sondern, wäS von-den drei Lire Stundenlohn nach Abzüg'der Unterkunft und der Berpfleguiig-übrig blieb',-würde in ihrer Heimat'den Angehörigen ausbezahlt.'Wenn sie sich „guten Willens und Eifers"'zeigten—- das heisst, wenn sie sich Politisch-verlässlich erwiesen'— wurde ihnen«ine Prämie von 5 Francs, täglich zugesichert.. Diese ganze Herrlichkeit warfen-dse sechzehn Arbeiter! hin und erklärten, im freien Frankreich bleiben.'und arbeiten zu wollen. Einer von ihnen-hat schon eine Anstellung, wo er, wie er versichert,-in einer Woche mehr'verdiente, als in.Italien in einem Monat. Dieser junge Arbeiter mußt« nach Milano.zurüchkehren,.um.sein Betdienst zn beheben, denn erhatte niemanden, an dem er seinen Lohn hätte-überweisen können. Als inan ihm den'Lohn auszahlte, verlangte man von ihm'seinen Patz'zurück--Er versprach)-ihn sofort, zu holen, sshte'sich auf den Zug-und verließ Jta». lien. Ein anderer von den sechzehn wurde, in.Belohnung für sein tapferes Verhalten in Abessinien nach Paris geschickt..Ein dritter hätte„freiwillig" nach Spanien segeln müssen;-eS-kostete.ihm ein paar hundert Lire. Bestechungsgeld, dass er statt »ach Spanien»ach Frankreich„in-den Aufruhr" geschickt wurde. Wieviel Lokomotiven gibt' eS auf' der Welt7 Rach- der neuen. Statistik des' französischen Jnge- nieurvereinS gibt es.auf. der ganzen'Welt nicht mehr als-299.999'Lokomotiven. Frankreich, England'und' Deutschland? besitzen je rund-- 29.999, Italien.6999!.Polen. 5499, die.Tschechoslowakei 42.99. und. Belgien 4999, Die Bereinigten Staaten verfügen' Wer-einen Park' von rund- 59.999 Maschinen,. Japan, und Kanada'Wer je 5999, Australien. Wer fast 4999.'.Als ebenso hoch. wird die' Zahl der Lokomotiven' in'Sowjetrußland angenommen, aber hierüber gibt' eS keine genauen Statistiken. Wüster Aberglaube«. In- der bosnischen Stadt Tuzla hat dieser Tage ein Prozeß gegen.ein»Hexenpferd" statigesunden. Es: handelt« sich um die.Stute einer Witwe. Die Stute hatte in den letzten-Monaten auf.allen Pferdsrennemugd. bef allen. Ausstellungen den ersten Prei^ davongetragen/ Di« Neidischen Inhaber der zweiten-und- folgcnden.Preise glaubten, dass das nicht mit' rechten Dingen"zügeh'en'könne- In feierlicher! Gerichtsverhandlung berieten sie-W«: das weitere-Schicksal- Her Stute, kamen zu.dem Ergebnis, daß das»Hexenpferd"-unschädlich gemacht werden mühte, stahlen es. qui seinem Stalle,-führten es in den- Wald, fesselten-es- und knüpften es an einer Buche-auf-- Inzwischen hatte: aber die/ Ge- jneindeverwaltung von der Gerichtsverhandlung Wind, bekommen,- Die- Gendarmen trafen.- an.-der '„Hinrichtungsstätte"-ein, zwqr zu-spät, mndie,Stute noch zu-rett«»,-doch, rechtzeitig, genpg, um die.„Richter" und den.„Henker"! festzunehmen und.-ins Ge» fängni».zu bringen-'---.-:.,-/'---•■- ' ES ist Verboten, Schutzleute ,« mißbrauche«. Der Londoner„Bobby"' Jichn'-Richard! Blumb stand, ohne Böses'zü ahnen, auf• seinem Posten.' Der Tag war sehr-heiß,--und-der-Pollzist'-nahm'-seinen-'-elM/ab,' wischte sich den-SKveiß von her' Stirn und trat!von einem- Bein aufs--anders-- Das-'gescheh'! bereits- w, vorigen Sommer, und niemand hätte an dem Be» nehmen von John-RichW'Bwmb'dewßekinWeNchlN- stöss' genommen. Aber«in Photograph, der- für-ein« Rcklamesirma arbeitete,- knipst«-ihn iso.- Und!- Monate später.'«istdeÄ«-her. Pöliztft-seist-Phpw,-dar-'«tWS polizeiwidrig'-.äussäh,- Wit! der Anpreisung eine»!Mittel» gegen Schweissfüss«! John-Richard Blumb' war Wütend- Und! verklagte Vie Firwa. Di« Sach« ist jeht auSgetragen worden,-und-der. Richter beschloss, daß die Rellame sofort'ejnzüzlehen- sei und sprachtBlumb' Schadenersatz z»j-da'„es verboten ist, Schutzleute zu RcklameMckenzumißbrauchen"! so loäesopkRr einer kxploslon A n k a r a.). Vom Rundfunk BspWilennrartM(tu den Prosrnnmrai Samstag Prag, Sender 1.19.95: Deutsche Preff-,19.15: Deutsche Sendung:-Für die. Frau, 19.80: Operettenmusik. 12.19: Schallplattenkonzert. 12,85: Volk»., und.-.Tgnzmuflk, 17.55: Deutsch« Sendung:- Dr. Hoop: Sportvorschau, 18: Schebesta: Die heurigen Feierlichkeiten- de» Deutschen Kuliurverband«»- in Zuckmantel, 18.10: Bunter Programm zum Muttertag von H. Multerer, 18.45: Deutsch« Press«, 18.58: Deutsche Aktualitäten, 22.85: Salonorchesterkonzert Tech.—Prag, Sender Ur 14.10: Deutsch« Sendung: Heber die Liebe in der Ehe, Komposition«». von Strauss. Mozart usw-, Salonorchefter.— Briten. 17.40: Deutsche Sendung:-Konzert auf ztveiKla- Vieren: Rachmaninov usw.. 21.29: Bolkskonzert: Dvokäk, Bendl usw.— Preßburg. 12.85: Rundfunkorchesterkonzert.— Kascha«. 12.05: Schallplatten.— Mähr.»Ostrau. 18: Schallplattenkonzert, 18.80: Tanzmusik Nr. 10t Freitag, 7. Mai 1937 Seite 5 tJoBswirtecftaft iui4 ävLÜckpoilüL Die Chancen der vierten deutschen Emährungsschlacht AP. Vor kurzem gab der deutsche Reichsnährstand offiziell zu, daß bis zur Einbringung der kommenden Ernte ein Defizit von 3,6 Millionen Tonnen Getreide und Futtermittel Vorhänden sei. Das bedeutet das Eingeständnis, daß wie 1984 und 1936 auch 1986 wieder die deutsche Ernährungsschlacht verloren gegangen ist. Noch im vorigen Herbst waren dauernd Teilerfolge gemeldet worden. Der Schweinebestand war auf 26 Millionen Stück gebracht worden,«ine Rekordzahl für. Deutschland, 4 Millionen mehr als 1936. Auf die Weise sollte das Defizit im Fetwerbrauch, der pro" Kopf von 26,8 Kilogramm auf 22,8 Kilogramm gesunken war, wieder in die Höhe getrieben werden. Aber der Futtermangel zwingt zur Abschlachtung der Tiere in nur halb gemästetem Zustand. Zur Zeit herrscht ein Ueberän- gebot in Schweinefleisch und Schweinefett, das sich natürlich auch entlastend auf andere Nah- rungSmittelmärkte auswirkt. Aber. diese Notschlachtungen sind bezeichnend für den herrschenden" Füktermangel und müssen dazu führen, daß im HeMt 1937 trotz des Rekordbestandes von 1H86 der Schweinebestand unter der Höhe von 1936 liegen wird. .■ Vor Beginn der diesjährigen Feldbestellung, hat Göring die Vertreter der Landwirtschaft zu sich gerufen und ihnen«rklärt, daß in diesem Jahre, mit noch stärkeren Mitteln der Kampf um die Eigenversorgung des deutschen Volkes ausgenommen werden müsse. Die Gesamtackerfläche müsse wieder größer werden und der Einsatz an chemischen Düngemitteln sei zu steigern, um den Hektarertrag zu vergrößern. Nun war von 1932 bis. 1936 der Stickstossverbrauch von 362.966 auf 490.90, der Phosphorverbrauch von 899.999 auf'036.000 und der Kaliberbrauch von 616.090 aus 949.900 Tonnen gestiegen, aber die Ernten wärest trotzdem nicht gestiegen."Die Ernten gingen in den Erzeugungsschlachten sogar zurück! Nur. die Kartoffelernte war geringfügig gestie- gen. Der Mehrverbrauch von 300 Millionen NM für Düngemittel ist spurlos verpufft. Im Reich findet«ine Stickstofsüberdüngung statt. Das Phosphat aber gerät ins Hintertreffen. Die deutschen Hüttenwerke, die das Thomasmehl liefern, sind an der Grenze ihrer Kapazität angelangt, aber zum Import von Phosphaten fehlen" die" DtzAen, DenNdch^beM«jsfGöriüg für^diö Weit Ernährungsschlacht eine nochmalige Sseigejlünß' der chemischen Düngung um 30 Prozent. Dem deutschen" Bodenertrag sind aber durch naturwissenschaftliche Gesetze Grenzen gezogen. Dreimal ist"aüS diesem Grunde das Experiment mißglückt. Dasselbe Ergebnis muh sich in der vierten Schlacht wiederholen. Die Ehemieindusirie wurde zu" Preissenkungen gezwungen, und zwar wurde Stickstoff um 80 Prozent,' Kali um 25 Prozent verbilligt. Bon der Phosphatverbilligung hört, man nichts. Es handelt sich ja auch um ein Derivat der deutschen Schwerindustrie. Kenner der internen deutschen Verhältnisse versichern nämlich, daß. diese landwirtschaftliche Verordnung sich gleichzeitig gegen die I. G. Farben richte, die der Wirtschaftspolitik des Nationalsozialismus oppositionell gegenüberstehe, da sie nicht gewillt sei, ihre RüstungSprofite dauernd inIinsinnige Investitionen für synthetische Rohstofferzeugung zu stecken. Göring will diese Opposition brechen und verwendet dazu-diese unsinnige Agrarverordnung, die das Ehemikapikal trifft, als Faustpfand für künftiges'besseres Verhalten der I. G. Farben? . Merkwürdig ist auch, daß in der deutschen- Ernährungsjchlacht laut deutscher Statistik eine Abnahme der Anbaufläche bet gleichzeitiger Urbarmachung der noch, vorhandenen Oedländereien vor sich geht. Hunderttausende von Jugendlichen stehen Im Arbeitsdienst, und legen Sümpfe und- Moore trocken. Im Konzentrationslager Papenburg haben die„Moorsoldaten" große Gebiete der versumpften EmSMÜndung in wertvolles Nuhland verwandelt. Aber während 1933 noch 29,366.090 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bestellt wurde, waren eS 1935 nur noch 28,752.000 Hektar. 400.009 Hektar sind plötzlich durch die Anlage von Schießplätzen, Flughäfen, Festungen und Sportplätzen der Landwirtschaft entzogen worden. Dazu kommt, bah für allerlei landwirtschaftliche Experimente Boden zur Verfügung gestellt werden muß, die der industriellen Rohstoffversorgung und nicht der Ernährung dienen. In erster Linie handelt eS sich um die Erzeugung von-Textilfasern, die eine entsprechende Fläche für die Erweiterung der Schafzucht und die Ausdehnung des Flachs- und" Hanfbaus erfordert. In den neuen Maßnahmen sind zwar Reichszuschüsse zu Boden-Melioratiö- nen vorgesehen, sie betragen bis 1949 eine Milliarde RM, aber eS heißt ausdrücklich, daß sie auch, für den„Umbruch von Grünland" verwandt werden können. DnS bedeutet die Umwandlung, von Wiesen in Aecker, also die Kapitulation hin-, sichtlich der Fleischversorgung aus eigener Scholle und den Versuch, auf-die Weise wenigstens die Kohlehydrate für die Bolksernähryng zu sichern. In-der GLschicküL.de r LanhwiütsOÄtLhafzx?- eine, solche" Verordnung noch uichtrgegeben^uno- st«°ijt nur vom Standpunkt der Wehrwirtschaft aus erklärlich. Zwischen der Produktion und dem Konsumenten steht der Reichsnährstand. Diesem Riesenapparat kommen die erhöhten Preise zugute. Der Reichsnährstand wird von der Bauernschaft heute am stärksten gehaßt. Lohnbewegung In der Textil* Industrie für des Vertragsgebiet Zwittau und Umgebung' Das Gäusekretaüat der Union der Textilarbeiter" in Zwittau macht uns die Mitteilung, daß auch für das Vertragsgebiet Zwittau und Umgebung seitens-der BeriragSgewerkschaften eine Lohnbewegung für die in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter eingeleitet wurde. Durch ein« gemeinsame Eingabe. dieser Organisationen an LSN Verband der Arbeitgeber von Zwittau und. Umgebung wird auf die Notwendigkeit der Erhöhung" der Löhne in der Textilindustrie hingewiesen-und diese Forderung wird damit begründet, daß die Textilarbeiter in der Zeit der Krise durch Abbau der Vertragslöhne, Reduzierung der erzielten Ueberverdienste große Opfer bringen mußte*,, die zu einer wesentlichen Verschlechterung der Lebensweise dieser Arbeiter führte;. Die Entwertung der XC hat durch Preissteigerungen wichtiger Lebensmittel» und Bedarfsartikel die Kaufkraft der"Textilproleten noch weiter verringert und die Notlage dieser Arbeiter vergrößert. Die Vertragsgewerkschaften verlangen die Aufnahme von Ver- handlungen, damit unter Berücksichtigung der; angeführten Gründe«in Lohnausgleich auf der Balis der Vertragslöhne des Jahres 1929 getroffen wird;. Hoffentlich.führen diese Lohnverhandlungen zu einem für die Textilarbeiter notwendigen und günstigen Ergebnis. lieber den Verlauf dieser Lohnbewegung werden wiv berichten,". Der höhere Profit ;■ linier den Geschäftsabschlüssen der großen Industrie Unternehmungen,, die" in den.letzten Tagen bekannt gegeben worden sind, verdient der der■ Kkijj ik-Eh änderte A.-G. in-- Prag eine/'.llesondere" Beachtung." Das Unternehmens weist s.ün 1986 im Vergleich zu 198Ü eine Iräs« tige"Steigerung des Bruttogewinnes aus, nämlich von 29.41 Millionen auf'81,58- Millfonen XL. Das ist«in«" Steigerung um meht als bü Prozent.,- Nach- Abzug der Regiekosten,"der Steuern;"und- der Abschreibungen verbleibt«in' Reingewinn.von 7,722.000 Xi. Der Reingewinn des Vorjahres betrug 4,532.990 XL." De r R e i n g"e w t n. n"i st d e in'n a ch u ns *,190.006 Kö oderummkhr als.70 Prozent gestiegen. Die Dividende wird auf 11 Prozent netto erhöht. Erforderte ste im vorigen Nähre 8.4 Millionen. XC, so erhalten die Aktionäre für 1936 4.4 Millionen XL!. Dem VerwaltungSrat werden 722.208 XL Tantieme ausgezahlt, während er 1935„nur" 458.288 XL erhielt. "Die R o"t h k o st e l e tz e r Spinnerei und Weberei A.»G. berichtet ein« Steigerung des Bruttogewinnes von 1.77 auf 4,44 Mill. XL. Nach Abzug der Regiekosten, Steuern und stark vermehrten Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 1,7.75.965 XL. Im Jahre 1985 bettug der.Reingelvinn 361.940 XL. Es wird eine Dividende von 3 Prozent auSgeschüttet, dem Verwaltungsrat wird außerdem eine Tantieme von 116.896 XL auSgezcchlt, Die Walter-Automobil- und F l u g m o t o r e n f a b r i k,"die im Vorjahr 7.6 Prozent Dividende zur Auszahlung brachte, kündet eine Erhöhung des Dividendensatzes an. Die Poldihütte A.-G,brachte fürl936 6 Prozent Dividende zur Auszahlung. 1936 weist ste Mit 9;876.000 XL einen bedeutend erhöhten Reingewinn aus(im Vorjahre 7,048.000 XL). Die Dividende wird auf 7.5 Prozent und dje Tantiecken"von 79.000 XL auf 362.000 XL erhöht. Weltwirtschaftsplan? (eis) Der Londoner„Daily Telegraph" weistin einem Leitartikel auf.die-große Bedeutung der Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Sonderbotschafter Norman Davis und dem britischen Schatzkanzlev" Neville. Chamberlain,(der demnächst PremierfniNtster, werden dütfte) hin. Der Gegenstand"! dev Besprechungenist die Wiederbelebung der-Weltwirtschaft durch Senkung der Zölle und Erleichterung"der Einfuhrbestimmun- gen, jene internationale Wirtschaftliche Zusam-. menarbeit, für dje der belgische Ministerpräsident Van Zeeland bereits-einen Pmn.ausarbeitet und. die Roosevelt Angeblich zum Thecka einer Weltwirtschaftskonferenz. machen, wollte. Der„Daily, Telegraph",.erklärt", daßFer amerikanische Maatssekretär deS-Auswärtigen, Hüll, den Präsidenten Roosevelt idavon. Überzeugt-habe, daß di« Situation für eine solche Konferenz nicht reif; sei und daß deshalb Norman Davis, der zur.Zuckerkon» jerenz nach London gekommen war, den Auftrag "erhalten habe, die britische Meinung über die europäische Wirtschaftslage zu erkunden. Davis werde nach etwa zehntägigen Besprechungen nach Washington zurückkehren. Van Zeeland, der inzwischen WirtschastSberichte aus Holland, Deutschland, Italien, Oesterreich und Frankreich angefordert habe, werde Mitte Juni zu Roosevelt fahren und sich auf der Rückreise ebenfalls in London aufhalten, um mit der britischen Regierung zu beraten. Erst dann werde er seinen Wirt- schastsplan veröffentlichen. Der Leitartikel des „Daily Telegraph" begrüßt die Tendenz einer -britisch-amerikanischen Zusammenarbeit in dieser Frage, Roosevelt, sagt-er, könne damit mehr für den Weltfrieden leisten als mit seinem Neutrali- itätsgeseh, daS lediglich' die Vereinigten Staaten .von" der Kriegsgefahr isoliere, während die Welt- wirtschaft keine Isolierung duldet. Die. britische Regierung sei. der Ansicht, daß eine Wiederbelebung der Weltwirtschaft die gefährlichsten Kriegs- chrsachen beseitigen könnte. Auch die endgültige Regelung der. Kriegsschuldenfrage könne das Ergebnis der-britisch-amerikanischen Wirtschaftsverständigung sein.-" Rückgang der holländischen ArbeitSlostgkeit. Vom holländischen statistischen Zentralamt wird di« ArbeitSlostgkeit anfangs April mit"403.865 ,(i. V. 429.056) Personen angegeben gegen 439.663 anfangs März. Bor großen Löhnkämpfen auch in Japan? Der JahreSkongreß der Eisenbahnangestellten fand Dienstag unter Teilnahme von 500 Delegierten statt und faßte den Beschluß, ein Komitee zu bilden, das eine Gehaltserhöhung zu erkämpfen hat. Die Bahndirektion hat das Verlangen der Angestellten nach 30prozeniiger Lohn» Vom»ftfimmol« ins Gefängnis Der„göttliche Vater" Divine, der„Negergott" vom Harlem-New Uork, wurde von der Polizei verhaftet, weil er einen Gerichlsbeainten schwer verletzt hatte. erhöhung abgelehnt. Die Vertreter der Arbeiter gingen sodann nach Tokio, um dort die Vorbereitung deS Lohnkampfes zu beraten. Sämtliche Eisenbahnangestellte» wurden aufgefordert, zur Bildung eines Streikfonds beizuiragen. Japan nach dem Wahlerfols der Linken Tokio.(Havas.) Das Charakteristikum der japanischen Parlamentswahlen ist der ungewöhnliche Erfolg und der StimmenzMvachs der Linken, deren Wahllampagne einem ungewöhnlichen Interesse begegnet war, während man den Kandidaten der bisherigen großen-Parteien offensichtlich gleichgültig gegenüberstand. Japanische Beobachter sind der Meinung, daß die Arbeiter, die Angestellten, die Intellektuellen und die Jugend aller Klassen für die sozialistische Partei zum Zeichen des Protestes gegen das Steigen der Lebenshaltungskosten gestimmt haben, welches eine Folge der übermäßigen Rüstungen ist. Auch der Widerstand gegen die fortschreitende Unterdrük» kung der persönlichen und politischen Freiheiten jMn dem.Wahlergebnis-seinen Ausdruck, gesun- >«i," das"wohl" auch" alL""Mänifesiation deS Wun- ches nach tiefgreifenden! sozialen Reformen zu werten.ist, durch welche das Voll vom kapitalistischen Druck befreit werden soll. "" Die Kandidaten der sozialistischen Massenpartei hatten für sich die,Sympathien der Volksfront und der»Erneuerung Schowas", einer Bewegung der jungen extrem radikal gesinnten Offiziere in der Armee und in der Flotte sympathisierenden Wähler vereinigt. Der Führer der sozialistischen Massenpartei Iso.Abe gab nach Verkündigung der Wahlresul- tate den Pressevertretern eine Erklärung ab, in welcher er ausführte: »Ich. habe ip meinen öffentlichen Kundgebungen unermüdlich darauf hingewiesen, daß die Bollswohlfahrt erst dann zu. erreichen sein wird, wenn die K a p i t a l i st en ihr gesamtes Eigentum.in die Hand des Kaise rs übergeben, wie dies im Jahre 1868 die hohen feudalen-Aristokraten und 100.000 Samuraj bei der„Erneuerung Mejdschis" getan haben. Der japanische Kapitalismus ist in die gleiche Sack gasse geraten wti der Feudalismus im Jahre 1868." Die japanischen Beobachter weisen darauf hin, daß diese Erklärung des Sozialistenführers Abe mit dem Wortlaut des Manifestes identisch ist, welches nach dem Fcber-Aufstand des Vorjahres von den jungen Offizieren veröffentlicht wurde, mit welchem mehrere Führer der sozialen Massenpartei öffentlich sympathisierte».' Diese politischen Führer haben es im Septeniber des Vorjahres abgelehnt, sich an der Schaffung einer Volksfront zu beteiligen, wie eS gewisse Arbeiterorganisationen gewünscht hätte». Einige Beobachter glauben an die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mehrerer Führer der sozialen Massenpartei mit der Regierung für den Fall, daß ei» neues Kabinett gebildet würde. Diese Beobächter- vetiviiiseN äüf solgendöi' voNi Soziali» stensührer Iso Abe-abgegebene-Erklärung!-„Für die soziale Massenpartei ist der Augenblick ge-" kommen, sich an Die Stelle der Minseito- und der Sejukai-Partei zu setzen, deren Zerfall in die Augen springt. Wir verpflichten uns feierlich, das Verwaltungssystem wieder instandzusetzen." Die. Beobachter sind der Meinung, daß die Mehrzahl der Wähler der sozialen Massenpartei Anhänger der Volksfront find, trotz dein eiwas zweideutigen Standpunkte der Führer dieser Partei. Man fügt hinzu, daß eine Zusammenarbeit mit der Regierung eine Spaltung herbeiführen und einige neue Abgeordnete der Arbeiter- und Bauernpartei in die Arme jagen toücde, deren Kandidat Kanju Kato, der einzige proletarische Kandidat ist, und die öffentlich für eine Volksfront eintritt. Auf Kato sind bei den Wahlen 83.090 Stimmen entfallen. Man sieht, daß sich im Konzept der Sozialen Massenpartei manches findet, lvas an die deutsche Situation von 1932-33 und an das bekannte Projekt einer nationalen Regierung Schleich e r—S t r a s s e r—L eipart erinnert. Francos Kerkern entronnen " Casablanca.• Auf dem Schiffe„Florida" trafen"Montag abend» 30 spanische Flüchtlinge äu» dem Regierungsläger ein, welchen es gelun- gen war, aus Villa CiSneroS zu ,flüchten, tvo sie von" den Behörden Francos Inhaftiert iverden sollten." Die Flüchtlinge-bemächtigten sich insgeheim de»- Transportschiffe»„Bieraclavio", auf welchem sie Dakar« erreichten. Dort, gingen sie an Bord de» Schiffe»„Florida". gS Vierzehn deutsch« Antifaschisten in den TodeS- zellen. Das Jahr 1937 scheint im Zeichen einer immer noch wachsenden Terrorjustiz des Dritten Reiche» zu stehen. Die von manchen Kreisen"er- toartete Mai-Amnestie Hitler» tst> ausgeblieben. Feststellungen, die die„Union für,Recht und Freiheit" in den letzten Tagen getroffeH hat, ergaben, daß nicht weniger als 14 Gegner Hitlers, straf- rechtlich unschuldig,'zur Zeit in.den Todeszellen sich befinden. E» sind die vom Volksgericht zum Tode vWÄeiltcn f ü n f N e u k ö l l n e r A r- bei t er,"der amettkanischei Staatsbürger H el- m u t Hirsch, ein wegen angeblichen Landesverrat»' zum Tode verurteilter 24jähriger junger Mann namens Ri char d Holz e r, die drei int.'.s ö g e n a n n t e n L i ch t ende rgorPro- z.eßj zuni Tode verurteilten Arbeiter und die Chemnitzer flrheiter Bar.t.el..Nßd,,WiAller, dmen ein Uebersall auf einen nationalsozialistischen-.Zahnarzt vorgeworfen,.niemals aber wirklich nachgewiesen wurde. Ferner der Zimmermann Paul M o r g e n- aus Wolchow- und ein. besonders tragischer Fall, der 62jährige Invalide W i l». Helm Renn aus Zvrndorf, der in der Notivehr einen Nazi-Amtswalter erschossen hat. In keinem der Prozesse konnte den zum Tode Verurteilten eine wirkliche, durch glaubwürdige Zeugen oder Dokumente erhärtete Schuld nachgewiesen iverden. Vertrag über Syrien. Der türkische Außenminister Rudschi Aras und der französische Botschafter Ponsot berieten gemeinsam über den Abschluß eine» TranS-Jordan-Vertrages zwischen Frankreich, der Türkei und Syrien, wodurch die syrischen Grenzen garantiert würden. Nach Berichten aus diplomatischen Kreisen haben diese Verhandlungen Erfolg. Der Vertrag wird wahrscheinlich Ende Mai in Genf .unterzeichnet werden. News Lhronicle für Guernira.(Agence Espagnr.) Die große, englische Tageszeitung„News Chronicle" hat einen Aufruf wegen der Zerstörung "von Guernica durch deutsche Bombenflugzeuge, sie im Dienste der-Insurgenten stehen, veröffenilicht. Es bittet darin seine Leser, an ihre Abgeordneten zu" 'schreiben, damit diese die Initiative ergreifen, um durch" di« englische Regierung den Fall von.Guernica vor-den Völkerbund zu bringen. Der. Ausruf hat -folgenden Wortlaut:„Schreiben Sie an"Ihre Abgeordneten. Die Zerstörung der offenen Stadt Guernica durch Bomben und die Beschießung, der ^lie^e»^» Zivilbevölkerung durch Maschinengewehre istein furchtbare« Verbrechen gegen dir Zivilisation. ^Die britische Regierung muß dieses Verbrechen vor, den Völkerbund bringen und sie"muh sich .mit dieser Demarche beeilen, damit in Zukhnft da» Bombardement unverteidigter Städte verhindert wird. ,Bestehen Sie darauf, daß.man."' handcltl Schreiben Sie an Ihre Abgeordneten l" Sitte 0 -Sozialdemokrat' Freitag, 7. Mai 1087. Nr. 107 Lil Dagover in„Kreutzer-Sonate". VtmnMaMMw Xuast und Wissen nach 8port-^t-Xorpskpste-e Jdndus (ceiuuU Ortsgruppe Prag. M i t t w o ch. den 12. Mai. wichtige Au»schußsitzung im Parteiheim, Prag II., Smeiky, Handwerkevheim. Der Botli-Bach verschwindet unter der Erde. Die Kanalisation des Botiö-Bache» ist«ine der ältesten Streitfragen, die sich von einer Prager Tech- iiikergeneration zur anderen vererben. Das technische Referat des Prager Magistrats beschäftigt sich nun neuerlich mit dieser Frage, wie dieser schmutzige und stinkende Bach verschwinden könnte. Der Bach dürfte voraussichtlich in eine Eisenbetonrohrleitung unterhalb der Eisenbahnstrecke zwischen der Michler Gasanstalt und dem D>I-Thcater in Nusle geleitet werden. Dadurch würde der Laus des Botiö-Baches nicht nur um«in Drittel gekürzt, sondern auch sein Gefälle erhöht werden. Vor allem würden aber«ine ganze Reihe von neuen Bauparzellen gewonnen werden, die den Bau der 2600 Meter langen Kanals zum grössten Teil bezahlt machen würden. Man rechnet damit, dass der Bau etwa 0 Millionen Xi kosten tvird und dass man 8 Millionen hiefiir für den Verkauf der neu gewonnenen Bauparzellen lösen könnte. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag 7%: Das Testament der Tante Karolinen D.— Samstag 7%: Auf der grünen Wiese, volkstümliche Vorstellung. Abonnement aufgehoben.— Sonntag 2ib: Das Paradies, 7fb: Gesellschaftsspiel. A 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: Das Paradies. Theatergemeinde des Kulturverbande» und freier Verkauf.— SamStgg 8: Jean, Gastspiel Leopold Kramer.— Sonntag 8: Axel an der Him- melstür. 8: Warum lügst du, Cherie? Den einführenden und erklärenden Vortrag hält llhormelfter Edwin I a u e t s ch c k.— Als Beispiele werden gesungen; 1. Chöre: von der Deutschen LolkSstnggemeinde in Prag; 2. Lieder; von Erwin Hofmann, Mitglied der Bolksjlnggemelnde. Der Liederabend findet im grossen Saale deS Deutschen HandwerkervereiiwS, Prag H„ Snieöka Rr. 22, am Dienstag, den 11. Mal 1087 um 8 Uhr abends statt.— Eintritt 3 Kf, Jugendliche 1 Kü. BlldungSauSschuh der Bezirksorganisation Prag - der DSAP Deutsche BolkSslnggemeinde Prag Deutscher Vortrag deS neue« Prager Prima- torS. Der neugewählte Primator von Groß-Prag, Dr. Peter 8 en kl, hält heute um 8 Uhr abends in der.Urania", Prag II.. Klimentskä 4, einen Vortrag über neuzeitliche kommunale Sozialfürsorge. Dr. Senft, dem die Erbauung der Masaryk-Heime in Kri zu verdanken ist, ist einer der bedeutendsten Fachleute auf dem Gebiet«, das der Vortrag behandeln wird. Prag—Bilbao 3:2(2:2) Vor 20.000 Zuschauern und fast leerer Tribüne wickelte sich am Donnerstag auf dem Prager Spartä« platze das Fußballmatch Prag gegen Bilbao ab. Es war ein selten schöner und dabei überaus fairer Kampf. Die Spanier glänzten durch ihre Schnelligkeit/ besaßen ein ausgezeichnetes Kopfspiel und rasches Erfassen der jeweiligen Situation.'' Nur die rückwärtigen Formationen die Verteidigung besonders, war«tfvas schwächer, während der Tormann eigentlich bei mehr Aufmerksamkeit das dritte Tor verhüten hätte können. Die Prager Mannschaft bildete fast zur Gänze das Team der Nationalmannschaft. Bei ihr waren die Stürmer der beste Mann- schastSteil, während die Halfreihe keinen guten Eindruck hinterließ. Das erste Tor schossen die Basken, dann besorgten die Prager den Ausgleich und nachher den Führungstreffer, der aber bis zur Pause durch die Gäste wieder aufgeholt wurde. In der zweitem Hälfte fiel der Siegestreffer der Prager nach einem) hoch vor das Tor der Basken gegebenen Ball, dpnt ihr Tormann falsch berechnet« und hinter ihm ins Gehäuse fiel. Damit war der Stand 8:2 für Prag| gegeben, an dem keine Partei mehr bis zum Schluß etwas ändern konnte. Teplitzer FK gegen Warnsdorfs FK 2:2(0:2)/ In Warnsdorf fand Donnerstag das neu angesetzt« DivisionSspiel TFK—WFK statt, das für die Tep» lttzer wiederum glimpflich ablief. Die WarnSdorfer kamen in der'ersten Halbzeit, da der TM schon kutz nach.Beginn mit zehn Leuten spielen mußte, zu einer verdienten 2:0-Führung, konnten aber diesen Vorsprung trotz leichter Ueberleaenhejt nicht behal« ten, denn«s gelang den geschwächien Teplihern doch noch der Ausgleich/ TFK hat damit eigen Punkt glücklich gerettet— der ihm vielleicht die Meisterschaft sichern wird..- Klaus Mann über Amerika .Hoffnung auf Amerika" war der Titel der Vortrags, den Klaus Mann am Mittwoch auf Einladung der Zeitschrift.DI« Wahrheit" im Radiosaal hielt,— ein Vorirag, der in seiner essahistischen, schriftlich fixierten und literarisch komponierten Form au das väterliche, das Thomas Mann'sche Vorbild erinnerte, aber durchaus die eigene Ausdrucks« und Erlebnisweise des klug beobachtenden, politisch und künstlerisch gleichermaßen interessierten und über viel Weltkenntnis nut Talent verfügenden Schriftstellers Klaus Mann vermittelte, deffen literarisches Werk in einer tschechisch und deutsch gesprochenen Einleitung Paul Eisner mit besonderem Hinweis auf die neu erworbene tschechoslowakische Staatsbürgerschaft Klaus Manns würdigte,, zu der sich der Cast in seinem Dankwort mit Herzlichkeit bekannte. Die Vereinigten Staaten, die Klaus Mann schon bei seiner"Weltreise im, Jahre 1028 kennengelernt hatte,- zeigten ihm jüngst bei seinem Besuch in New Nork ein neues Bild, das noch die Spuren der überstandenen Depression erkennen läßt. Der Glaube an die neue„Prosperity" hat nicht mehr die optimistische Sicherheit von einst, und vor allem hat sich das soziale Gewißen der Besitzenden geschärft. Roosevelts gewaltiger Wahlsieg erklärt sich aus diesen Voraussetzungen. Klaus Mann charakterisierte RopseveltS Stellung als die eines BolkskaiserS, nicht eines Diktators,«ine- evolutionären Politikers von großem Format, den aber manche in Gefahr sehen, nach rechts abzuweichen: Neben ihm der mächtigste Mann sei schon heute John L. Lewis/ der Organisator der großen Streiks, die der amerikanischen Ar-. Bilbao—Prag —rb— Tie mehr als 20.000 Znfchauec, die gestern die Tribünen des Spartaplatze» füllten, waren sicher nicht durchwegs nur Berchrcr und Kenner des Fußballspieles, die kein weiteres Verlangen trugen. als Zeugen einer sehenswerten sportlichen Vrr- anstaltung zu sein- ES war ein Städtewettkampf und der Prager kombinierten. Elf trat eine Mannschaft au» der Hauptstadt der baskischen Republik, Bilbao, entgegen. Bilbao— die Hauptstadt eine» Landes, deffen ttrbevölkernng, da» kleine, ge- beinmisvolle, seit undenklichen Zeiten dort ansässige BaSkenvolk nach hnndcrtsähriger Unterjochung seine nationale Selbstbestimmung nun im Rahmen einer demokratische» Bundesrepublik wieder verwirklicht; B i I h a o— Hauptstadt eines Gebietes, über das die unsagbaren Schreckniffe eines von nattonalistischen Mördern in Generalsuniform entfesselten Bürgerkrieges hereingebrochen sind; Bilbao— das soeben von Frauen und Kindern evaluiert wird, weil - nach der Vernichtung der kleinen offenen Stadt .Guernica"durch deuische Fliegerbomben ähnliche Massenmorde an der wehrlosen Zivilbevölkerung.mehr al» wahrscheinlich geworden sind. Diese Zusammenhänge waren«S, die der baskischen Fußballmannschaft in breitesten Kreisen der Prager Bevölkerung Sympathien sicherten, die weit über das rein sportliche Interesse hinausgingen und manchen Arbeiter veranlaßten, 8 Xi für einen Stehplatz zu opfern, welche Ausgabe«s sonst wohl gescheut hätte. Daß dem wirklich so war, bewiesen die zahlreichen Abzeichen in den Farben der spanischen Republik, die man auf den Rockaufschlägcn bemerken konnte. War der Stehplatz der. Spartatribüne überfüllt, so waren im Gegensatz dazu die teueren Sitzplätze, die nur vermögenderen Kreisen zugänglich sind, bezeichnenderweise ziemlich spärlich"besetzt, waS auch allgemein bemerkt und entsprechend kommenttert wurde. ES darf nicht vergessen werden, daß jene Organe der Rechtspresse, die den General Franco al» nationalen Helden ohne Furcht und Tadel hinstellen, ihr Bester getan haben, dieses Fußballspiel, daS gerade durch die weltpolitische Situation eine ungewöhnliche Po- vnlaritiät zu verzeichnen hatte, auf icde Weise zu hintertreiben. ES paßte den Herren sehr schlecht in den Kram, daß eine Sportmannschaft unter den Farben eines Volkes antretcn sollte, das.urkatholisch und kaum berührt von„marxistischer Verseuchung" bis aufs Messer gegen die Vergewaltigung nationalistischer TollhäuSlcr und Verbrecher kämvft. Aber daS Spiel kam doch zustande und die Basken erschienen auf dem Rasen deS Spartaplatz'eS, auf? herzlichste begrüßt von der zwanzigtausendköpfigen Menge, lieber dem Stadion wehten die Flaggen des demokratischen Spanien und der baskischen Republik. Kein erfteulichcr Anblick für Leute, deren Herz für den„integral-nationalen" General Franco schlägt. ckrgerniSerregcnden Anblick aus dem Wege zu gehen So blieben denn- einige hundert teuere Sitzplätze leer Bcgrejflich, daß diese es vorzogen, einem solchen — aber wa» will das besagin gegenüber den 20.000, die ihrs MMN Svmpathicn für die kämpfende Demokratie" Spaniens unverhohlen zum Ausdruck brachten?! Ortsgruppe Prag. Freitag, de» 7. Mai, im Handwerkerverein, Äatyr- freundelokal,„Abend der Naturfreunde" diesmal mit interessantem Lichtbildervortrag des Wandergenossen Rudolf Hübner über Norwegen und Schweden. Gäste willkommen I— Sonntag, den 0. Mai. Treffpunkt um%8 Uhr am Smichowcr Bahnhof, Fahrt nach- Vöenory. Wanderung nach Eernolice zu den Kletterfelsen(Klettern)," Skälka, Raturfreundchiitte, Dobcichovicc. Fuhrt Rosck.(Cv. Turnschuhe mitnehmenl)— Pfingsten: Zwei« einhalbtagSwanderung ins Jsergebirge. Treffpunkt halb 2 Uhr beim Denkmal, Wilsonbahnhof. Fahrt nach Reichenberg, Ucbernachtnng auf der Königshöhe, Wanderung nach Haindorf, Taselfichte, WittighauS, Tannwald. Fahrpreis etwa 60 Xi. Führer: Pick. Anmeldungen bis spätestens 7. Mai im Vereinslokal wegen Quartier- und Fahrkartenbesorgung.' Frei« Bereinigung sozialistischer Akademiker, Spälenä 40. Dienstag, den 11. Mai 1087 spricht Genosse Karl Kern'über, die holländische Arbeiterbewegung. Beginn 20 Uhr. Wir laden alle Genossen.und Freunde ein!""' licher und. heiterer Beschaulichkeit ist, sondern auch hinsichtlich derBerwendung alter Formen für. die müsikdramatische Charakteristik. Benützt Wagner in bin.„Meistersingern" die Fuge'in'diesem Sinne, so dient Hugo Wolfim„Eorregidor" die Passacaglia oder«in Kanon in ähnlicher Weise. Daß Wolf im „Eorregidor" musikalisch nicht die erforderliche Leichtigkeit der Konzeption fand, mag schon an dem mehr epischen als dramatisch lebendigen Text liegen..den Rosa Mayreder-Obermayer nach der N o v e l l e„D e r D r e i s p i tz" Von AI ar ebn schrieb. Der Eorregidor(«in« Art spanischer Amtsrichter) stellt der schönen Frau FraSquita der Müller» Tio Luka» nach. Um eine Gelegenheit zum Alleinsein mit ihr zu haben, läßt er ihren Mann unter einem Borwand Verbasten. Er selbst versucht dann in der Nacht bei. FraSquita Einlaß zu finden. Wassertriefend fleht er um Hilfe, da er in den Bach fi-l. Al» dieser Versuch mißlingt, versucht er e» mit einer Ohnmacht. FraSquita aber ist hartherzig und läuft davon, ihren Gatten in der Stadt zu suchen. Der Eorregidor entledigt sich seiner, nassen Kleider und legt sich in des Müller» Bett. Da kommt der Müller, der unterdessen di« Angelegenheit seiner Verhaftung bereinigt und den Alkalden samt seinen Spießgesellen unter den Tisch gitrunken hat, wieder nach Hause, findet den Eorregidor in seinem Bette und ist voller Eifersucht. Nun will er sich rächen und mit gleicher Münze heimzahlen; den» auch der Eorregidor hat eine hübsche, beg-hrenswerte Frau. Rasch schlüpft er.in die zum Trocknen aufgehängten Kleider deS Eorregidor, um nun seinerseit» dessen Frau, zu verführen- Als der Eorregidor erissacht und seine Kleider nicht findet, bleibt ihm nicht»"anderes übrig, als de» Müller» Gewand anzuziehen. Böses ahnend, eilt u ebenfalls zur Stapt. Kstr nun klärt sich alles" auf," nachdem' der liebegierjae, Eorregidor, iss" der" Müllerklüdung durch eine tüchtige Dacht Prügel Strafe und Abkühlung seiner Leidenschaft gefunden hat.' Die Wiederaufführung des Werke» am DeütschenTheater war leider nicht durchans so geartet, alle. Schönheiten der Oper zu betosten und ihre Schwächen zu bemänteln. Kapellmeister H. G. Schick hatte sie musikalisch betreut und dienie mit einer sauberen, aber rhythmisch zu" wenig lok« keren und dynamisch' zu wenig' zurückhaltenden Wiedergabe. Renato MordoS auf hübsche, aber keineswegs originelle Bühnenbilder Frank Schulte S'. gestützte. Inszenierung und Regie hätte den heiteren.Sinn de» Werkes in Szene und Darstellung wirksamer, betonen müssen. Jaro L i b a l in der Titelrolle war nicht nur gesanglich unzureichend, sondern auch in der allzu operettenmäßigen Darstellung. Sehr"gut war Hagen al» Müller Lukas, tväh- rend.Fr: St eo eur die Partie seiner Gattin FraSquita zu hoch zu liegen schien. In den übrigen kleineren.Rollen wirkten mehr oder weniger befriedigend die Damen R a.y n, H e n d e r S und Wanka sowie" die Herren Göllnitz, Paweletz. Gutmann und Anderson mit- War aber allen fehlte", war die gerade bei einer komischen Oper so unerläßliche Wortdeutlichkeit. Sehr gut bewährte sich im Interesse: de» raschen Szenenwechsels die Drehbühne. Da» mäßig besuchte Hau» nahm da» Werk mit viel freundlichem. Beifall auf. ein Liederabend gewidmet dem Volksllede in seiner Originalgestalt, in seinen Nachahmungen"und in seinen Bearbeitungen Freiindedian hinter dem Zirkuszelt Sie Ekefaytenmutter;„Roma", und ihr Junge»jfsMMhrejn-WtreUtzr>aüsderHanb,.. Urania-Kino, Kllmentsliä 4. Ferhsproctier 61628. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich'Xi 16.—, vierteljährlich Xi 48.—. halbjährig Xi 06„— ganzjährig Xi 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet, Bei österell Einschaltungen Preisnachlaß, Rückstellung von.Manuskripten erfolgt nür: bei'Einsendung dec Retöurmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und"Deleo graphendirektwn mtt Erlaß Nr. 1S.800/VII/1S80 bewilligt,— Druckerei:.QrbiS", Druck-, Verlags« und ZeitungS-A.-G. Prag... MWWWW t>. Mimin und«,I| UmK. bciterschaft endlich die Koalitionsfreiheit erkämpfen- Klau» Mann» schönster Eindruck von Amerika war die Zukunftsgläubigkeit der jungen Intelligenz.-«ine» Landes, in dem e» keine Verachtung de» Geiste», sondern ein Bedürfnis nach Belehrung, Erörterung und Forschung gibt. Wenn auch Amerika", nicht"aus höherem geistigen. Niveau stehe" al» Europa— der fast allgemeine Respekt vor dem Geistigen und die Lebendigkeit der'amerikanischen Literatur",(deren markantesten Vertreter Dreiser. Upton Stnelair, Sinclair Lew!» und von den Jüngeren" Hemingway, Thoma» Wolfe und O'Neill- der"Redner, knapp und treffend charakterisierte).-gehen, ihm kulturelle Bedeutung für Gegenwart und Zukunft- Auch--im Theaterleben(wo die fortschrittlichen Bühnen der WPA-Organisation, der'arbeitslosen Schauspieler, bahnbrechend wirken) und'im Film feien Ansätze zu neuer künstlerischer und sozialer Tendenz zu"bemerken- And selbst da» düsterste Problem Amerika», die Negerfrage, werde von der jungen Intelligenz (und auch von einem immer größeren-Teil der Oeffenilichkelt) vorurteilsloser betrachtet. Klau»'Mann, machte sich selbst den. Einwand, daß e» vielleicht" Uebertreibung. ist, New Korker Er», fahrungen zu verallgemeinern. Aber Hoffnung"auf Amerika bedeutet, ihm die Erkenntnis, daß drüben der Wert der Freiheit respektiert, die. Verbundenheit mit der Zivilisation empfunden und' an ein« neue kämpferische Demokratie geglaubt werde. Europa, so schloß Klau» Mann, müsse gewiß sein Schicksal selbst enischelden,. Aber die guten Europäer können Hoffnung au» der Sympathie schöpfen, die sie in Amerika finden. Der Abend, wurde mit Rezitattonen von Jarmila Kronbäurovä kau» der tschechischen Uebersetzung von Klau» Manns Tschaikowski-Roman) und von Elsbeth Warnholtz(au» dem ,Me- phisto"-Roman) beschlossen.—ei»— Der Corregldor Hugo Wolf«(1860—1008), des Franz Schubert, bedeutendsten deuffchen Liederkomponisten, einzige O p e r„D e r C o r r e g i d o r" teilt das Schicksal der komischen Over„Der Barbier vyn Bagdad" von Pekfr Cötnelsus. Denn auch sie ist das dramatische Werk eines lyrischen KoMppMkv, dem der richttge Bühnenblick fehlt, auch sie ist eine Mustkschöpfung, überreich an poetischen Schönheiten, aber arm an musttalischer Schlagfertigkeit. Der Mangel an musikalischer Schlagfertigkeit und lebendiger, durch unbeschwerte Jnstrumentatton gestutzter Flüssigkeit der Tonsprache macht sich im:,Corregi< dor" Hugo Wolfs doppelt fühlbar, weil er", ebenso wie Cornelius'„Barbier von Bagdad", eine komische Oper sein soll. Will man den musikalischen Eindruck des„Eorregidor" richtig wiedergeben, so geschieht dies am deutlichsten durch die Feststellung, daß Wolfs komische Opernmusik zu viel de» Guten tut. und zwar sowohl in der formellen Gestaltung und kunstvollen musikalischen Ausstattung,— der Komponist hat selbst über seine„verrückte Art, immer noch noch neue Kontrapunkte hinzuzufügen" gescherzt.— als auch in der Orchestrierung, und daß der Musiker immer auf seine eigentliche dramatische Aufgabe vergißt: So wirkt denn der„Eorregidor" am besten und überzeugendsten in den- lyrischen Szenen, in denen der ausdrucksstarke und dem Tertinhalt so vollkommen gerecht werdende Liederkomvo- nist am meisten in seinem Eleoient sst. und in. den polyphon reich entwickelten symphonischen Durchfüb-, rungen. Wenn man Hugo Wolfs„Eorregidor" als" die in» Spanische"übertragenen„Meistersinger" be-' zeichnet hat, so trifft diefe» Urteil nicht nur hin« .sichtlich der musikalischen Gesamthalwng der. Oper, zu, die"nicht so sehr buffomätzig al» von" volkStÜm-