17. Jahrgang Sonntag, 16. Mai 1937. Nr. 115 Urteil gegen Ötepänek erst morgen abends Aprilausfuhr gegenüber 1936 um 65 Prozent höher Aus dem Inhalt: Der Kongreß der tschechischen Sozialdemokratie SoziMemokrat »entralorgan der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit fr»h/«inzelprei« 70«eilet ktionund Verwaltung. Prag XU., Fochova 68— Telephon 68077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl K ern, Prag deutschen Bertretern eine liingere Unterredung führten. Die Anwesenheit so zahlreicher ausländischer Diplomaten in der englischen Hauptstadt hat eigentlich den Charakter einer inoffiziellen internationalen Konferenz angenommen. Eden hat die Vertreter von mehr als 50 Staaten empfangen und fand darüber hinaus noch Zeit zu einem besonderen Meinungsaustausch mit einer kleineren Anzahl von Delegierten. Die erschöpfenden gegenseitigen Informationen werden nach einer Information des Tschechoslowakischen Pressebüros voraussichtlich in der demnächst wieder ncubeginneuden englisch-französischen Fühlungnahme mit Italien und Deutschland, welche an die kürzliche Kammerrede des italienischen Außenministers anknüpfen dürste, eine gewisse Rolle spielen. In gutunterrichteteu englischen Kreisen werde angeführt, daß in diesem Falle London und Paris Gelegenheit nehmen dürften, die mi tt«Ieuropäisch« n Probleme auf daS Tapet zu bringen, wobei sie sich die Wünsche der mitteleuropäischen Staaten nach S i cherungihrerUn- abhänglgkeit weitgehend zu eigen machen werden. cht» ftaat, als Hort demokratischer alb Stätte demokratischer, freier Nach dem Siege Hitlers ivurdc der grösste Teil der ausserhalb des Reiches lebenden Deutschen von der faschistischen Ideologie angesteckt. Vor allem die Sudetendcutschen, von denen sich ein großer Teil der nationalsozialistischen Heilslehre verschrieb. Die sudetendeutsche Biirgcrpresse begrüßte Hitler als alldeutschen Messias, dämpfte die Trommeln erst, als das Auflösungsdekret für die Jung-Partei herauskam, machte jedoch umso eifriger Herrn Konrad Henlein die Mauer, der zu jener Zeit als seine größte turnerische Tat den Sprung vom Reck, in die Politik vollführte. Den Sudetendcutschen war in ihm wieder einmal ein Einiger entstanden. Nur ein Abglanz von dem großen Hitler, erschien er den Sudetendcutschen doch, als dessen Vertrauensmann und als Träger des nationalen Heils und hatte er nicht von vorne- herein freien Weg zur Gleichschaltung, so halfen ihm neben der willfährigen bürgerlichen Presse die bürgerlichen Parteien dazu. Ein wahrer Einheitstaumel hatte die dcutschbürgerliche Politik erfaßt. Der Boden für. diesen Taumel war schon jahrelang vorbereitet worden durch den AntimarxiSmus," zu dem sich alle bürgerlichen Parteien bekannten. Der Kampf gegen den Marxismus, den Hitler im Dritten Reich mit solch großem äußeren Erfolg geführt hatte, lockte die bürgerlichen Polltiker. .Als national erschien eS ihnen, in den trau- - nenHäsigesang negcn die Rotrn emzustnnmen, um so wehr, als das positiv« Wollen der deutschbürgerlichen Parteien im Laufe der Jahre von ihrem eigene» AntimarxismuS übertönt worden war. In geschichtlicher Stunde erwies sich die Brüchigkeit dieser negativen Ideologie: der Natio- B a le n t l a. Ministerpräsident Largo Caballero hat die Gesamtdemission des Kabinette- gegeben. Diese Demission wurde dadurch unausweichlich, weil die Präsidien der sozialistischen und der kommunistischen Partei beschlossen hatten, ihre Minister aus dem Kabinette alzuterufen. Präsident Azaäa hat unverzüglich die Beratungen über die Lösung der Regierungskrise auf- genommen. Die.Ursachen, welche zur Demission der Regierung geführt hatten, liegen einerseits in dem"Streben der Linksparteien, der Regierung rin« größere Elastizität zu verleihen, andererseits in den letzten. Errigniffrn in Katalonien.. t Ministerpräsident, Largo Caballero. wurde schliestkichneuerdings mit der Kabinettsbildung betraut. Er erklärte: Ich werde mich beniiihen, eine Regierung zu bilden, welche die g l eiche nalsozialismuS fraß in diesen Parteien ivie eine würgende Krankheit um sich. Die deutsche Sozialdemokratie hat in dieser Zett ein« nationale Ausgabe von geschichtlicher Gröhe erfüllt, indem sic, unbekümmert nm die Isolierung, in die nian sie gedrängt hatte, nni den Haß der sie mugab, um den Strom, von dem sich die anderen tragen ließen, das Panier dec Demokratie hochhiclt, den demokratischen Gedanken sichtlich rechtfertigte, sich zur Sprecherin deS humanistische» Deutschtums machte und zur einzigen Hüterin deutschen Frei- hcitslvollenS. Recht und Gerechtigkeit waren und sind ihr keine Begriffe, deren Amvendung den Geboten der Zweckmäßigkeit unterliegt, sondern sie sind ihr ein Bestandteil und ein Ausdruck der demokratische» Gesinnung überhaupt. Indem die deutsche Sozialdemokratie kompromißlos und furchtlos für Recht und Gerechtigkeit innerhalb des eigenen Volles kämpfte, hat sic dessen Ge- rechtigkeitsfordcrungen, die eS in diesem Lande als Minderheitsnation aufstcllte, sittlich gerechtfertigt. Ohne sie wäre das Sudetendeutschtmn in seiner Gesamtheit der faschistischen Ideologie verfallen und damit zur Aufgabe seiner nationalen, kulturellen nnd sozialen Positionen, die es als nationale Minderheit nur in der Demokratie bewahren kann. Wird einmal die Geschichte dieser schweren. Zeit vom gesamtdeutschen Standpunkt aus geschrieben werden,’ so wird sie-ein Ruhmesblatt für die sudetendeutsche Sozialdemokratie sein. Umbildung des spanischen Kabinette Anlehnung an die politischen Parteien statt, an die Gewerkschaften politische Orientierung wir die vor- hergehende besitzen wird. ES wird sich um eine breite Konzentration handeln, die sich jedoch a n die politischen Partei«« anstatt an die Gewerkschaftsorganisationen anlrhnrn wird. Angriffe Molas zurückgeschlagen Bilbao. Der amtliche Rundfunkdienst deS baSkischen Berteidigungsausschuffes meldet, daß der Gegner, miterstlltzt van Tanks, die Regierung-Positionen bei D a c i o am Nordabschnitt der DiSeaya-Front angegriffen hat. Dieser An- griff wurde zurück- e s ch lag e n, wobei dir TaM vernichtet wurden. Die Aufftändifchener- litten-schwere Berlnstr. An der Avala- und an dfr> BnrgüS>Front dauern.hi«.'artilleristischen Kämpfe an. Erklärung Zu dem. in dieser Zeitschrift vom 2. März 1987 unter der Ueberschrist„Klärung" veröffentlichten' Artikel erklären wir,' daß wir die Behauptungen und Ausdrücke, durch welche Herr Konrad Henlein und di« politische Partei SdP an ihrer Ehre verletzt worden sind, widerrufen. Die Redaktion, Brünn. Samstag vorm. wurde in Brünn der 8. deutsche Juristentag in der Tschechoslowakei im Festsaal der Deutschen Technik eröffnet. Zur Er- öffnun, hatte sich In Bertretung der Regierung Justizminister Dr. Dtrer in Begleitung deS Lan- despräfldenten eingefunden. Bom Ausland waren Oesterreich sowie die deutschen Juristen auS der Schweiz, aus Ungarn. Rumänien und Polen durch Delegationen vertreten. „In seiner Eröffnungsansprache betonte der Vorsitzende Dr. Iarolim'den demokratischen Gedanken, auf dem die Tschechoslowakische Republik aufgebaut ist und von dem auch' ihr« Gesetzgebung abgeleitet ist. .. Unter allgemeinem Beifall ergriff dann Justizminister Dr. Dtrer das Wort, der nach einer kurzen flowakischen Einleitung darauf hin- wieS, daß die Juristen ihre Aufgabe nur dann erfüllen können, wenn sie d e r I d c e d e S R e ch- testreu bleibe n und sich niemals dazu her- abwücdigen, sklavische Vollzieher machtpolltischer Interessen zu sein. Für Freiheit und Menschlichkeit lleherläßt sich der Jurist widerstandslos den machtpositischen und«lasse,i-Jnftinkten, so erniedrigt cc sich zu einer mehr oder minder entbehrlichen p mr a ft t-i'scheii Täligkdit. Ein BE dätzstcheNt- schieß, die geistige Freiheit de» Recht« ,U vntrr- drücken,, hat damit stia eigene» Todesurteil unter- zeühnet. Runder Sieg de« zivilisierten Rechte« und. de» Rechte» der Zivilisation, der Sie, de« Alensch- lichkeitsgedankrns und des menschlichen Rechte« vermag den Mensche« Glück und Frieden, zu sichern. ' Di« positive Zusammenarbeit der deutschen und der tschechischen Juristen entspricht dem Empfinden und den Interessen der Angehörigen der deutschen Nationalität in unserem Staate, Die Jurist«». die allgemein' al» Werkzeug des Streite», der Prozesse, de» Hasse» gilt, könne hier zum Verständigungsmittel werden. Bei allen kleineren und größerm Fehler«, die es überall aus der Welt gibt, genießt die Tschechoslowakei al« Rechtsstaat, al« Hott demokrati* Einrichtungen, i"' 2". Wahlen, als Staat, wo«s keine Benachteiligung, geschweige denn Verfolgung von Konfessionen und N a s f e n gibt, wo di« Freiheit de» Individuum» nicht durch di« Willkür administrativer Organe»der Barteiinstanzen eingeengt ist, heute keinen schlechten Rus in der Gemeinschaft der sried- liebenden Rationen. Nach einem Hinweis auf hie Vertretung der Deutschen in allen parlamentarischen. Selbstverwaltungs-Körperschaften und in der Negierung sowie auf die kulturelle Gleichberechtigung ging der Minister auf die Beschlüsse der Negierung vom 18. Feber d. I. ein: , Der 18. Feber Wenn di« tschechoslowakische Negierung am 18. Feber d. I. beschloß, daß di« Dentschrn und auch hi« ütttgen Minderheiten entsprechend dem Rationa- litätenschlilssrl verhältnismäßigen Anteil an de« an» staatlichen Mitteln finanzierten JnveftitfonSarbeiten nehmen«nd daß auch in den ütttgen Zweigen der staatlichen Berwalttmg die Zahl der deutschen Angestellten allgemein auf dm dem Rationalitätenschlüssel entsprechenden Stand erhöht werd», dann ist dieser Beschlnß der'Regierung, der einer der wesentlichen und unabänderlichen Bestandteile der tschechoslowakischen Staatspolitik ist, nur die natürlich« und wisisch« Fortsetzung in dee Berwittlichung lener Grundsätze/ die»in den Begründer« und Führern diese» Staate» immer vettündet wurden, daß nämlich dir Tschechoslowakei, gegründet al» Rechtsstaat, sich nach dieser Seite hin ständig vervollkommnet. Kstln halbsouveränes Gebiet Wir werden niemals eine innere Aufteilung de» Staate« in«in ,na si s onverän'«» u nd h a> t st» vvpr ä n«» Gebietzulassen, dagegen ist un» di« Teilnahme unserer Blinder- beit«» aus allen Gebieten de» staatlichen, autonomen, kulturelle««nd wittschaftlichen Leben»,, sofern sie ein« t« d in»«««bl»s e L, tz»ltt»t dem Staate aeaenüter bewahren, eine unzweifelhafte Selbstverständlichkeit.«i ch t d a» t« r,r ito^rinke Prinzip sondern»er Grundsatz«ine« möglichst gerechte« vrrhältstiSmäßigWTeilnatme ist kür«ns da»«inji, mögliche StaatSprinzf». •' Der Minister sprach dann seist« Befriedigung darüber aus. auf deu?Kdngreß deutsch« Juristen auch Iler 18. Feiler- wesentlicher Bestandteil der Staatspolitik Bedeutsame Rede Dr. Deren auf dem deutschen Surlstentag In BrUnn Wir erinnern an all diese mit der Entwicklung der Henleinbewcgung znsammenhängciidc» geschichtlichen Tatsachen, weil sie die Feststellungen eines ausgezeichneten und aktuellen Buches unterstreichen, das soeben in tschechischer Sprache(hoffentlich wird cs bald deutsch vorliegcn) über die Henleinbewcgung, ihre Geschichte und Aufgabe, erschienen ist.*) Diese Schrift macht nicht, halt bei einer Kritik der s u d e t e n d e u t s ch c n Politiker; freimütig bekennt sie die Fehler ein, die auf tschechischer Seite begangen wurden. Sie spricht aus, daß die Hauptlast des Kampfes um den Aktivismus die deutschen Sozialdemokraten trugen und daß sie diesen Kanipf auch zu einer Zeit führten, da die übrigen Parteien mit den Negativisten verhandelte»»nd paktierten, und daß ihr in diesem Kampf viel zu tvenig Unterstützung durch die tschechischen demokratischen Parteien wurde.„Wie im Westen"— so lesen wir— „einen Teil der Schuld England und Frankreich tragen, dadurch, daß sie nicht rechtzeitig eine Un- ierstühung der Weiniarer Demokratie durch die Gewährung wirklicher Ersokge herbeiführten, so ist auch in der Republik «in Teil der Verantwortung auf tschechischer Seit«: nicht nur in jener versäumten Gelegenheit bei der Bildung der Bürgerkoalition, sondern auch darin, daß den deutschen aktivistischen Parteien nicht soviel sichtbar« Erfolge gewährt wurden» als daß sie hätten mit Hinweis darauf vor ihre Wätster treten können. Als es zudem noch zur Unterstützung' der«sudetendeutschen" Betvegung durch einflußreiche tschechische Gruppen kam, ist«s begreiflich, daß die deutschen Aktivisten in den Wahlen 1988 eine empfindliche, wenn auch zeitweilige Niederlage erlitten". Die Schrift weist auch kritisch auf die Praxis der Besetzung sudetendeut- scher Arbeitsplätze durch Tschechen hin. Diese freimütige Selbstkritik verleiht ihr den Wert der Ol- jektivität und stützt ihre gnt fundierte.: und g<< aus andern Ländern begrüßen zu können, welche sich aus eigener Erfahrung Überzeugen können, daß niemand in diesem Staat das Deutschtum unterdrücken will. Wir halten, sagte der Minister, an unseren demokratische» Grundsätzen fest und wollen unser» Staat als einen demokratischen Staat erhalten, wollen dabei aber auch Freunde aller Deutschen bleiben, welche unsernStaatrespektieren. auch derjenigen, die für sich und ihre eigenen Staaten ein anderes System, als das unsere es ist, für richtig halten. Frag und Wien Wir haben niemals die Ueberzeugung aufge» fleBen, daß cs keineswegs unsere Ausgabe ist. mit den Deutschen in ewigem Zwist zu leben, sondern unter Wahrung unserer nationalen nnd staatlichen Eigenart und Selbständigkeit das Beieinanderleben von Slawen und Germanen immer reibungsloser, und friedliebender zu gestalten. In dieser Beziehung hat Prag und die Tschechoslowakei in der slawischen Welt «ine ähnliche politische Mission, wie Wien und Oesterreich in der politischen Welt. Schon deshalb ist«S notwendig, daß sowohl Prag«nd die Tschechoslowakei, als auch Wien»nd Oesterreich ihre staatlich« Selbständigkeit«nd Unabhängigkeit bewahren. Die Idee der Regelung'der mitteleuropäische» Verhältnisse Ist ohne Unabhängigkeit«nd Selbständigkeit Oesterreich»«nd der Tschechoslowakei«nd ohne Zusammenarbeit und Freundschaft dieser beiden Staaten einfach kaum möglich. ;.Ln die Rede'dell Ministers schsossen^ssch' die ^üblichen BrnriißvngSänspiächeit. Für^MMnrÄ-' gewerkschaftskoinmissivN' begrüßte Dr. Wiener- Prag die Tagung.' Nach Abschluß der feierlichen Eröffnungssitzung wurde sogleich'die Arbeit in den einzelnen Kommissionen aufgcnömmen. Abschied von London London. Samstag vormittags empfing im Buckingham-Palast« König Georg VI. die Führer der ansländischen KrönmigSdelegationen, darunter auch den Führer der tschechoslowakischen Kränungsabordnuilg, Dr. Milan H o d j a, in Abschiedsaudienz. Die tschechoslowakische Krönungsdelegation wird am Psingsttnontag abends in Prag auf dem Wilsonbahnhof eintreffen. Der österreichische Staatssekretär Doktor Schmidt- reist am Montag nach Paris, um so seine in London geführten Gespräche durch eine Fühlungnahme mit dem Ouai d'Orsay zu ergänzen. Blomberg«Gamelln unter vier Augen Zwischen Marschall Blomberg«nd dem französischen General Gamelin fand bei dem Empfang auf der deutschen Botschaft elfte«inständige ktnterredung unter vier Augen statt. Hiezu meldet die„Morning Post", daß auf der deutsch«« Botschaft auch Minister DelboS und Staatssekretär Leger mit den *) Josef Fischer, Bäclav Patzak, Dincenc' Perth: „Jesich bo j". Co chcc a icmu slouji Sudetendeutsche Partei? Verlag„Rovä Svoboda". Demokratie und Faschismus im Kampf um das Sudetendeutschtum Das Gesicht der Sudetendeutschen Partei Seife 2 Sonntag, 16. Mai 1931 Nr, 115 i-tynerefpldjün'‘JfflWahntBT! rtWHWlR ttmfe^Me Wiese, Lelgtft, bei Sähzöurjs beginnt M vekärinteMise«' in'Berlin um dkWPÄRitzÄmg der deS radezn sensationellen Urteile über die Henlein- bewegung, ZnldarKs Nachfolger Wien.(Tsch. P.-B.) Zum Vorsitzenden des auf Seite der Regierung stellenden Metallarbeiterverbandes ist an Stelle Franz ZnidariöS der langjährige Sekretär des früheren sozialdemokratischen Metallarbeiterverbandes' Franz Schrei« ter ernannt worden. Tschecho- antimar» Sudeten- dentschcn in diesem 3ustlz Im Driftet) Reich Hamburg. In Hamburg wurden mehrere Mitglieder der ehemaligen kommunistischen Partei zu Kerkersträfen von zwei bis sechs Jahren verurteilt. Sie waren angeklagt, den Sendungen des.M o ä.l.o u erRundfunks zugehört zu-haben. In der Urteilsbegründung wird erklärt, daß der Empfang sowjeirufsischer Sendestntioyen als Borbereitung zu Anschlägen gegen'die Sicherheit des Staates angesehen werden kann. di,e--Rückzahlung von 989 Mark; die Schrift he- Me'xkt, daßManMchfs anldiefälsche Adresse In» w^mairsM! ">Wk - Philip Snowden gestorben' ' Loudon. Snniüing morgens starb auf'feigem Landsitz Tilsord Surren der eiiglische Staatsmann Lvrd Phstip S n b>v d e n infolge Herzschlages M Alter von 73 JahreÜ. Snölvden war der Sohu eines armen Webers und arbeitete In der Unab- hängigen Arheitechartei seit ihr;»' ersten Äbfarl« gen. 1996 wurde'er zum erstenmal zuM Abgevrd- nejcn gewählt und blieb(3 mit einex Unterbrechung'von 19!8 bis 1922 bls'zum Jahde 1931. In der ersten Regierung Macdonald war er fKLt Schatzkanzler, ebenso in der, zweiten Regierung MacDonald in den Jahren 1929—1931. Er blieb auch an Seite MacDonalds, als sich dieser. vo» der Arbeiterpartei trennte nild die sogenannte „nationale Regierung" bildete, doch, kandidierte er nicht mehr für das Unterhaus. Nach den Wnh- len wurde er,im Kabinett Maädonald Lordgeheim« Siegelbewahrer. Sein Tod erfolgte ganz plötzlich. r a t u n g e n offenbar, welche die.Kamerad« schaflsbüudler'der SdP im A u S I n n,d ahhal-, tenMach^'"-^'^^ A.*ftieaiar v A b rPn n l..- JULj,.■ BÄ-, 1Ä- aK6W tätigkeit der-Heylcin und.^Ruthch'MeiN^HiAß^lil til der SdP dient nich^dem SiidetenoeutMums sondern der nazistischen Katastrophenpolitik, deren Leidtragende in erster Linie die Sudetendeutschen wären.'-, sehen wollen, daß die Bejahung der henleinschen Grundsätze die Verneinung der.Existenz der Republik zur Folge haben muß. Ein'kurzer Blick aus die Entwicklungsstufen der SdP schafft Klarheit: Bon der Gründung der Partei bis' zur Rede I» Döhmisch-Leipa wird um die Gunst der anderen politischen Gruppen geworben. Henlein antichambriert bei den Tschechen sSpina halt seine schützende Hand' über ihn), Henlein tut so, als sei ihm an einer Einheitsfront der Parteien gelegen. Insbesondere seit Böhmisch-Leipä zieht er die an- deren Parteien, die sich mit Ihm eingelassen hatten, an der Nase herum'. Nach den Wahlen will er seine RegierungSsähigkeit beweisen. Die Blamage bei der Präsidentenwahl schließt auch diese Periode ab; jetzt sieht und spcht er sein Heil im wüjenben'KamR^.gegÄ d,ie,Deniofraiie„°gegen hie Republik, jeht-nWer wfftnH'sichtbUreL als WiAlS zuvor, in die Berliner Front eitigeschwenkt.'Das ^vorliegende Buch,, das,die Wahrheit über dieHeu- leinbewegung verkündet, ist ein schwerkälibrsgeS Geschütz Wit s.hoher' DürchschlagSknM ES".Wird mit dazu beitragen, in die Näzsfront.in der Republik Bresche zu legen.'. .. der SdP'und ^.äSMseratjfngeschiift' Ler'.^Zeit" Mrgfs' „Jejich boj" enthält eine auSgezelchiene ^Darstellung der Geschichte der SdP und Werdegang» ihrer führende» Männer. Henlein, an drm'nichtS außerordentliches ist, wird' i nicht an die Spitze einer kämpfenden und. sich'im .Kampf formenden Bewegung berufen, sondern als ^Aushängeschild für eüre fertige Sache verwendet. '„Er ist nicht klein,"nicht groß, sein Gesicht ist 'weders dumiy noch intelligent, feige Stimme weder schwach noch stark... Der Zivilanzug, den' er bisher benützte, ist. weder elegant,, noch kleinstädtisch. Erst, in der letzten Zeit-beginnt er in preußischen Stiefeln zii laufen uud nimmt sich in ihnen komisch-aus". Bon der gleichen Ilnbestiinmbärkeit ist auch der Charakter des Mannes, der den Eindruck ertveckt,„er könne-nicht lügen". Und seine 'Mitarbeiter, vor allem Rutha und Brand, sind voll keiner größeren'Geradlinigkeit. Immer hin- nnd herschwankend, sucht der„unfehlbare Führer" einen Weg zum Ausgleich zwischen den sich bekämpfenden Gruppen der Kameradschaftsbündler und der;,alten" Nationalsozialisten, wehmütigen Herzens sieht er Brand, fallen, kühn, und' wenig auf die althergebrachten Ehrbegriffe achtend, versucht er ihn z>l rehabilitieren, schweigend fügt er sich der Tatsache, daß die Nazis sich als stärker er- . wiese» als die Kameradschaftsbündler, untätig duldet er, daß Oppositionelle bei den Behörden denunziert Iverden, demütig beugt er sich dem Berliner Diktat, ist er bemüht, gegenüber Berlin Loyalität zu beweisen, während er sie gleichzeitig Prag gegenüber heuchelt, preisend spricht er erst über die Demokratie nm sie dann, da sie ihm die Erreichung seiner Ziele verwehrt, zu verdammen und zii bekämpfen..Er hat Sinn für glänzende Hofhaltung im Ausland und benützt zuhause die- Rot der Arbeitslosen zu wüster Propaganda gegen den Staat und die Regierung, ja, ruft das Ausland zur Hilfe gegen die sudetendeutsche Not auf, spricht in London über die- Notwendigkeit eines gerechten Ausgleiches zwischenDentschen und Tschechen, und versucht zuhause, die Ansätze zu einem solchen Ausgleich zu vernichten. Dieses Bild des Führers entspricht dem Bilde der ganzen Partei. Es ist widerspruchsvoll und spiegelt die Unaufrichtigkeit einer Bewegung, die nur dein Namen nach sudetendeutsch ist und sich- aus Opportunitätsgründen sudetendeutsch gibt, in Wirklichkeit, jedoch unter dem Kommando Berlins steht und. den großdeutschen Bestrebungen folgt, ob sie nun von Spann oder-den„reinen" Nazis ausgehen.' Auch die Br e s s e der SdP wird von drüben- kommandiert!-'Sie' hat drützey:riiu;Ker«!' tretung und in ganz Deutschland ein Verbreitungsmonopol.— Daß sich auch die deutsche Generalität für die"Sudctendeutsche' Partei stark interessiert und Herr Blomberg gute Beziehungen zu Herrn Dr. N o u w i r t h unterhält, ist sicherlich. kein Zufall.-Im Ernstfall. käme es darauf an, daß die von der SdP beeinflußten Sudetendeutschen' gegenüber Berlin lotzal wären; und das-übt man schon-jetzt fleißig ein. Dieses Buch„Jejich boj" ist ein danlens- iverter Versuch, vor allem- der tschechischen Oeffentlichkeit die Augen über den wahren Charakter der SdP zu öffnen. Dieser Versuch war angesichts der Verblendung gewiffer tschechischer Gruppen nötig, die- nichts In sehr eindringlicher und überzeugender Weise wird in dieser Schrift die g r o hd e u t s ch e Aufgabe»nd Rolle der'Sudetendeutschen Partei dnrgelegt, die sich nicht darauf beschränkt, die deutsche Kulturgemeinschaft zu betonen, sondern ganz bewußt die-Rolle eines JnstruincntS der nationalsozialistischen Außen politik.. spielt. Noch nie ist vo» d e u-t s ch c r Seite der Zusammenhang der SdP mit der Außenpolitik Hitlers so klar.dargcstcllt worden, noch nie ist es gelungen, die Abhängigkeit der SdP-Politik von Berlin so schlüssig nachzuweiscn. Die^. deutsche Außenpolitik, deren Ziel die Aufrichtung'der deut schen Hegemonie über ganz Europa ist, wendet verschiedene Methoden au.Iu Lesterreich schlug am 28. Juli 193-1 der Frontalangriff fehl. Seither wird von den Nationalsozialisten auch dort die Methode der„sriedlichen" Durch dringung angewandt, die das Land langsam, aber sicher unter die Botmäßigleit Berlins bringen soll. Die Beunruhigung der Bevölkerung durch Ver heißungen und Drohungen, für den Fall, daß der Tag der„Befreiung" kommen werde, ist ebenso ihr Mittel Ivie das Bestreben,'Einfluß auf die Regier u n g zu gewinnen, um so„legal? jenen Kurs zu stenern, der von Berlin gewünscht wird. Genau so ist es bei»ns. Auch die vorlie gende Schrift will nicht behaupten, daß die Auf gabe der SdP die Zerreißung der Republil ist. „Sie wolle» sie im Gegenteil ganz beherrschen und ganz unter die Berliner Negierung füh ren— nicht mehr und nicht wenigerl"„Ihr— der SdP— Auftreten ist auffallend gleichlaufend mit der Berliner Politik, sie ist in sie' fest einge gliedert; gebärdet sich Berlin friedliebend, gebär det sich die SdP lohal. Wenn Berlin zur Ösfen- sive übergeht, steigt die Agressivität der SdP. Als Deutschland im Jahre 1936 seine politische Frühjahrsofsensive eröffnete, gehl es Henlein um die Gewinnung Prag- vom deutschen Kasino ans — die bekannte Kulturerde— in besonders auf fallender Ilebereiiistimmnng mit dem Tag, da Hit ler im Münchener Hofbränhans zu den alten Nazis über die neue deutsche Kultur redet". Die nazistischen Provokationen in Danzig und da- Abkommen Berlin-Wien werden von der agres- siven Henleinrcdc in Eger begleitet:„Lieber mit Deutschland gehaßt sein als aus dem Haß gegen Deutschland Nutzen ziehen". Als die'antibolsche wistische Kampagne Berlins gegen die slowakei einsetzt, verstärkt die SdP ihre xistisckie Kampagne. Noch mehr: die deutsche Partei ist als Exponent der Außenpolitik daran interessiert, daß eS Lande-zü'keiüeni iiiktiöiialen Frieden-^und Autz- gleichkonkitte.'DaS Eliment der B en Wisst h i- g n n g muß im Interesse-der nazistischen Bestre- bniigen fortdanern.. Aus diesem Grunde versucht die SdP in tlebereiiistiminnng mit Berlin die Vereinbarungen vom 18. Feber 1937' zu torpe dieren, stellt sie eigene Forderungen auf, von deren Unannehmbarkeit sie im vorhinein überzeugt ist. ,,ES gibt keine größere Ironie", sagen die Bersasser jener Schrift", als daß die Henleinpar- tei de»'Namen„siidetendeutsch" trägt.„Sudeten deutsch" ist sie mir dadurch, daß sie unter den Sudetendentschen ihre Mitglieder und materiellen Mittel wirbt; aber ihre Ziele und Methoden wur zeln zur Gänze außerhalb des Gebietes der Re publik". Diese Verbindung mit der'deutschen. Außenpolitik wird auch ans geheimen B e-; tes mit Kasper erfolgten Beseitigung Dr. Brands Erklärung. Zu dem in unserer Zeitschrift vom 8. März 1937 unter der Ueberschrift„SdP-Sorgeu" vcr- öffentlichte» Bericht erklären lvir, daß wir sämtliche Ausdrücke, durch welche Herr Abg. Erlist Kundt in seiner Ehre verletzt worden ist, zurück^ nehmen und ihm hiemit Genugtuung leisten.''! Die Redaktion.',! Die Berbindung der SdP mit dein AuSläiid wird in der Schrift dokumentarisch nachgewiesen. Es. handelt sich nicht nur. um die Teilnehme der Kameradschaftsbündler' an' virschisdenen giotz« deutsche» Auslandstagungen,.auf denen di» Ar- beitsprogramme festgelegt werden, sondern auch um feste Vertretungen im Ausland. So unier« halt die SdP solche Vertretungen, in sechs verschiedenen deutschen Städten. In Berlin sitzt der Vertrauensmann Henleins, der frühere Mitarbeiter der Bauernschulc in Groß-Ullersdorf, Fxjtz Bürger; eine nmfangreiche Korrespondenz, die den Verfassern der Schrift„Jejich boj" voxliegt, beweist die ständige Beeinfsussung und Leitung der SdP-Politik durch rcichsdeutsche Stellen-. Ein gewisser Prager Advokat,'Vertrauensmann der SdP, holt in diesen Briefen iin- mec wieder Ratschläge von seinem Berliner Mit- tels- und Bertrauensinann ein. Dem Zusammenwirken mit der deutschen Außenpolitik dienen'aber auch die Auslandsreisen Ruthas und Henleins, die im übrigen von gewißen ausländischen Stellen gut vorbereitet werden.„Als Anfang Mai der Wiener BertrauenSmann in die Schweiz zur'Vor- bereitung der HenleiNreise fährt(denn der„Führer" kann nicht nur so kommen), hat er in. Zürich einen Betrag von 1286 Schweizer Franken (über 8066 Xi) für einen einwöchigen Aufenthalt". Die vorliegende Korrespondenz beweist daö Vorhandensein geheimer AuölanbSkonten, die für die Zwecke der Auslandkpolitik eingerichtet wurden. Diese Konten werde» ständig gespeist. Unter dem Losungswort„Karlsruhe" werde» 12.566 Mark monatlich eingezahlt. Mit einer Stammeinlage von 7606 Mark begann es. Ende Juni war der Stand des Kontos über 64.366 Mark. Einige Kleinigkeiten aus dem aufschlußreichen finanziellen Kapitel, ans das sich die vorliegenden Briefe beziehen. Sie werfen ein bezeichnendes Licht auf die Bescheidenheit der„Reinen" und^Sauberen". FÜr die Reise Henleins zum Völkerbund sind in zwei Züricher Banken 2366 Mark'vorbereitet und„für alle.Fälle" weitere.3566 Schweizer Franken. Es handelt sich um eine-zehntägige Reise I Die Herren, die das Elend der Sudetendeutschen für ihre billige Agitation auch sty..Nuqlapp, benützen, wohnen doxt..i;x.den, sein- >)sN,,Hote.(p.;',hcr Berliner.Vertrazleusmacuu Hx,» leinS, der schon'längst reichsdeutscher Staatsbürger ist, aber auf höheren Auftrag den„Stammesführer" sehr devot behandelt, ist unglücklich darüber, daß er Henlein niitteilen muß, im Hotel „Adldn",'dem feinsten von Berkin, sei das angeforderte Zimmer nicht mehr frei. Hingegen-.sind für die anderen vielen sudetendeutscher Besucher der' Olhmpiade im ganzen nur 8666 Mark bereit... Als Henlein nach England fährt, sind in Berlin Gelder vorbereitet. In den Briefen wird behauptet, daß sie englischen Ursprungs seien. Erst 80, dann 100 Pfund Sterling. Der Berliner Vertrauensmann ist unzufrieden: er hoffe, daß dies nur für eine Person sei. Im Juli 1936 verlangen die Dresdner nach der infolge des Strei- JUNGES WEIB 0 VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT et sie jn geschlagen. Ilm em Haar. Daö war da» letzte. Das würde sie ihm nicht verzeihen. Sollte sie auch nicht. Sollte sie nicht. Ans den Knien sollte sie rutschen vor ihm, die Lügnerische, die .Betrügerische, die Heuchlerin mit ihrer wundersamen Liebel Eine feine Frau hatte er sich da zugelegt, eine wunderbare Frau! Er schob die' Mutter beiseite, die kein Wort weiter lvagte, er holte' den Wagen' aus der Garage, er fluchte, als der Motor nicht ansprin- geu wollte, und dann raste er los. So leicht sollte es ihr doch nicht'glücken. Aus einer Ehe läuft man nicht davon I Als er sie dann auf der Station jedoch ans dem Bahnsteig hin und her lausen sah, Veronika, seine Veronila, mit diesem gehetzten und entschlossenen Gesicht ohne jede Spur von Leben: da starb der Groll in ihm, da verließ ihn die Wut, und eine, dünne, frierende Angst überkam ihn mit ihrer Verlassenheit. Was hatte' sie mir vor? Wohin denn wollte sie in aller Welt? Was für ein Widersinn!' Da stand er nun, und dreißig Schritt üon ihm'entfernt stand seine Fran'« sie aber sah ihn nicht und ihn) schien so, als seien alle Wear' zwischen ilnien beiden'für heut: und-alle Ewigkeit versperrt, lind waren-wie zwei fremde Müschen,'Mann und Fran, und der Mann ging an den Fahrkartenschalter und erkundigte sich dort nach dem Reiseziel seiner Frau. Unsinnig wär das, lächerlich. Der Mann bekam Antwort, denn die Stadt war nur klein, und der Beamte am Schalter schien froh zu sei», mit jemanden reden zu können. Veronikas Ziel aber Ivar ihre Stadt, die Stadt am Fluß, die Stadt, in der der Schauspieler nun lvohnte,— Bannholzer bedankte sich bei dem Beamten,— nun ja, die Stadt, er hakte es gewußt. vor dem Ziele aufzudecken, um zu sagen: hier bin ich, aus Angst bin ich dir nachgelaufen, Veronika, bleib bei mir, du und der sich wieder ent fernte, erbost und erzürnt: wie gut, daß sie mich nicht gesehen hat» n»n kann^sie nicht mehr, lügen, mm kann ich ganz genau erfahren, wohin sie geht.'-'"•-'--'. Und lvieder einmal hielt der Zug, Und wieder einmal zog der Mann Arnold Bannholzer den Mantel energischer um sich, als es in der lauen Luft des Vorsommers nötig gewesen wäre. Einmal war er angekommen hier, um sich die Frau zu holen, die er liebte,— jetzt kam er an, um diese Frau zU verfolgen, ihr nachzuspüren; sie irgendeiner bösen Tat zu überführen. Und fast, als er sich dieses überlegte und als es ihn schüttelte wie eine Schände, hätte er sie schnell noch angerufen,' schnell, bevor etwas Entscheidendes geschah, schnell, schnell, bevor das letzte bißchen Vertrauen zerbrach, Er wollte ihr glauben, er mutzte es. Und wenn-sie sich jetzt Umdrehen und sagen würdet Ach,-du bist hier, mein Lieber?’ Ja, siehst du, ich wollte nur mal rasch zu Papa-Schwertlein gehen, er ist so krank-.,.-, dan» würde er das glauben;, unbedingt, bedingungslos, er schwor sich'» zu, daß niemals der Verdacht in feine Gedanke» schleichen sollte, sie habe eigentlich zu Bernd gewollt. Jede Lüge wollte er ihr glaube», nur sagen sollte sie sie, nur sich umdrehen: ehe es zu spät sein würde, ehe die Tat vollbracht war, die sie plante! Veronika drehte sich nicht um!.Veronika verschwand in- einem Haus. Die Haustür schloß sich hinter ihr, allein stand der Mann auf der Straße. Nun hatte er sie verloren.. Das zweite Mal. Jn diesem Augenblick!"Fast mechanisch drückte er auf die Klingel am-Haus. Der Portier steckte de» Kopf aus dem Fenster. :,Die Dame,die Sie eben eingelassen haben...", fragte Baunholzer, er fragte es nur, um es noch einmal bestätigt zu-hören, nur, um irgend etwas zu tun,- nur, um zu hören, ob ihm die Sprache noch gehorchte—„die Dame wollte doch wohl zu Herrn Bernd?" Der Hausmeister machte ein verdutztes Gesicht.„Hier wohnt gär kein,Herr Bernd", antwortete er dann, mürrisch sind boller Mißmut. „Die Dame, wollte zn Herr» Dr. Truckenbrott." Der Hausmeister sah, wie ,der Fremde zü- riicktaumelte, wie er davonschwänlte, gerade so wie einer, dem man einen Stein an den Schädel geworfen und damit betäubt hat,-—wie er sich a.nWt an der Hauswand gegenüber und daß er dann weitertappte, wie ein Bljnder,.immer mit de» Händen an der Mauer, bis er an der Straßenecke verschwand. „Die Dame wollte zu Herrn. Dr. Trucken- brätt." ' Alles Bewußtsein zerfiel in diesen Worten, zu trefflich gezielt war der Schlag. herniedergesaust.- ,Die Dame wollte zu Herrn Dr. Truckenbrott.' Das war die' SüM," Das war die Vergeltung. I» diesem Augenblick bezahlte Arnold Bannholzer alles; was er a»! Schuld auf.sich ge- laden hdtte, seit das Verhängnis begann» Denn es begann ja nicht bei Dr. Fleith,'-und eS begann auch nicht,'als Truckenbrott"die-achtlos--liegen gelassenen Phiolen in den Händen hielt und feine Schlußfolgerungen daraus zog, viel früher begann daS Verhältnis, damals, als er- wie blind'.und taub, und.stumm danebenstanö; während man Veronika erniedrigte.. Denn- alles konnte einem Menschen Wohl vergeben werden, und alles wurde ihm vergessen, nur dieses eine'nicht: versagt zu- haben in einem Augenblick, der menschliche Grösse, nein, auch nur menschlichen Anstand, Anstand des Herzens, erforderte. Aus diesem Augenblick, ist dem er untätig zusah,- wie man sein Heiligstes und Unantastbarstes auf Erden, das Mädchen Veronika, in. den Schmutz niedriger Gedanken herabzog, im Augenblick, da er sich nicht schützend vor fie stellte, sondern eS geschehen ließ, däfs matt' sie aus dem Hause seiner Schwester fagte, 1» diesem Augenblick wär die Schuld geboren. Denn niemals wäre er in diesen Strudel-hineingerisseä Wörde», niemals hätte er-ja Dr. Fleith getroffen und sich von-seiner Verzweiflung äufwühlin lassen', wenn er-des Mädchens Veronika nicht verlustig gegangen wäre vor Jahr und Täg. - Nun. galt, es Abrechnung zu halten mitfich selbst.. Er war von Anfang an ein Mensch der ernsten Arbeit, ein vom Beruf- Besessener; jedoch von seinen Grenze» Ueberzeugter, ein Manu der Disziplin war. er gewesen, der vom Unmöglichen wußte, Hatz es nicht-in-das Ziel des Möglichen z» pressen war.-In-einer Jugend,-einer wunderbar verschwärmten mit Veronika» hatten sie' in'-ihrer Leidenschaft für alle ungelösten Probleme zwischen Himmel und Erde wohl davon geträumt, däß er irgend etwa? Großes, Hervorragendes, Menschheitsbefreiendes Mn würde, in einem i Leben, das herplich-unbeschwert vor- ihnen-lag,! etwas,. von dem man sprechen- würde noch in hundert-Jahre», etwas, das bleiben fällte;'wenn sie beide schon-in Staub und Asch» irgendwo zerfielen,■>.- '^Fortsetzung folgt.)■< lind dann floh sie. Rannte davon. Veronika. Veronika und wiederkonnnen? Haha, er kannte sie ja-nnn wohl lang genug. Veronika ertrug es.nicht,, beschimpft zu werden, lind er? Er hatte, sich ver» schiedeneS geleistet in der letzten Zeit.. Fast hätte lind Arnold Bannholzer fuhr wiederum einen Tag durch das Land, im gleichen Zug mit seiner Frau,»nd diese Frau bemerkte ihn nicht, sie war ganz in sich selbst versunken nnd wüßte nichts von dem steten Schatten, der sie verfolgte, der sich ihr manchmal näherte, um alles schnell, noch Sonntag, 16. Mal 1937 Seife 3 fudetendeutsefier Zeitspiegef SdP-UnverschSmtheit .. Beim Bezirksgericht Grulich kam es am 13, Mai gelegentlich einer Alimentationsverhandlung zu politischen Auseinandersetzungen zwischen dem SdP-Führer Notar Dr. Fritz Franke und einem gewissen Eduard Stöhr aus LIchtenau, und schließlich zu einer Anzeige gegen diesen Dr. Franke. Da nämlich Stöhr verlangte, daß ihm seine AlimentationSverpslichtun- gen ermätzigt würden, weil er als Eisenbahner schön längere Zeit ein niedrigeres Einkommen habe als früher und weil seine siebzehnjährige Tochter jetzt in Arbeit steht und selber verdient, entgegnete ihm der SdP-Mann Dr. Franke, daß Günstige Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den deutschen Bezirken Böhmens 3 in iv. 7. TT vh. vm. ix.* x. kl xii i ü. nr IV Dar Diagramm veranschaulicht die Entwicklung der Arbeitslosigkeit sowohl im"ganzen Lande Böhmen als auch in der Truppe der Bezirke mit einer mehr als Süprozentigen deutschen Mehrheit; von diesen sind 20 Industrie- und zehn landwirtschaftliche Bezirke. Die Gruppe der deutschen Industrie» bezirke umfaßt:. Asch, Braunau, Böhmlsch-Leipa, Letschen, Tauba, Falkenau, Friedland, Eger, Joachims« thal, Karlsbad, Graslitz, Reichenberg, Neudek, Deutsch-Gabel, Preßnitz, Rumburg, Schluckenan, Trau» tenau, Warnsdorf und Hohenelbe; die Gruppe der deutschen landwirtschaftlichen Bezirke umfaßt: Kaa- ben, Kaplitz, Elbogen, Marlenbad, Tepl, Plan, Po dersam, Tachau, Senftenberg und Luditz. Das Diagramm drückt das Verhältnis der Zahl der nichtuntergebrachten Arbeitswerber zur ganzen Bevölkerungszahl auS; er geht daraus hervor, daß die Abnahme der Arbeitslosigkeit' in den deutschen Bezirken relativ weitaus rascher vor sich geht als die Abnahme der Arbeitslosigkeit im ganzen Lände Böhmen, wenn sie auch in den absoluten Ziffern einstweilen höher bleibt als in den tschechischen Gebieten.. Im April vorigen Jahres erreichte dar Berhältnis der nichtuntergebrachten Arbeitswerber zur.gesamten BevölkerungAahl in den deutschen Jndustriebezirken 10.4 Prozent; im April der heurigen Jahres sank dieser Prozentsatz auf 7.4 Prozent, also um drei Prozent, während in ganz Böhmen ein Rückgang von ö.1 auf 3.4 Prozent, also von nur 1.7 Prozent, verzeichnet wurde. Diese Besserung hat sich in den deutschen Jndustriebezirken während der letzten Monate wesentlich verstärkt, wie die» die quergestrichelte Fläche zeigt. Au» diesem Ergebnisse geht hervor, daß die letzten Regierungseingriffe, die Einreihung unserer deutschen Gebiete in den Prozeß der wirtschaftlichen Gesamterholung sehr be- . schleüyigt habest. Der Prozentsatz her Arbeitslosigkeit ist In diesen Bezirken naturgemäß einstweilen höher al» in den»tschechischen. Gebieten, aber. die. Intensität'der Abnahme der Arbeitslosigkeit ist bei ihnen im Berlauf der letzten Monate doppelt, so groß. Stöhr. diese Gehaltskürzung dem sozialdemokratischen Minister zu verdanken habe, Stöhr verwahrte sich energisch gegen derartige politische Aeutzerun- gen, aber Dr. Franke schloß sich ihm, als Stöhr einen Stempel holen ging, auf dem Weg zur Straße an, politisierte weiter und erklärte u. a.: Wenn alle zu Henlein und zur Volksgemeinschaft hielten, dann gäbe es nicht nur keine solchen Lohnkürzungen, sondern dann wäre überhaupt für die Deutschen alles besser.'Als Stöhr dem Henlein- mann auch darauf die entsprechende Antwort gegeben hatte, erwiderte dieser, datz hinter dieser VolksgemeinschaftHitler stehe und daß alles viel besser werden werde.—- Da diese Aussprüche vor Zeugen fielen, wurde Dr. Fritz Franke von der Gendarmerie einvernommen und sodann gegen ihn die Anzeige erstattet. In Grulich wirbelt diese Affäre um so mehr Staub auf, als demnächst Henlein diese Stadt mit seinem Besuche beglük- ken will. Oer ohnmächtige Henlein Die Unternehmer trotzen dem sozialen Gebot... Seit Wochen steht die Arbeiterschaft des Etrich-Betriebes im Kampf gegen ei» Unternehmertum, dessen asoziale Gesinnung vo» sämtliche» politischen Richtungen erhärtet, auch vou der SdP nicht bestritten, sondern durch Selbstzeugnisse belegt wurde. Bor kurzen; hat Herr Heulein wieder gedroht, er werde alle unsozialen Unternehmer anS der BolkSgemeinschast entfernen. I» starken Worten hat er znm foundsovieltenmale versprochen, daß er eine» neuen Geist durchsetzen werde, datz es so nicht weitergehe. An frechen Flugblättern hat die SdP für die sozialen Uebel den„Mar- xismiis" verantwortlich gemacht, der— in der Krise!— es nicht gewagt habe, zu kämpfen. Run wir warten auf Henleins Taten, warten, datz er ein Machtwort spreche, ei» E x e m p e l st a t u i e r c, datz er den Arbeiten helfe und gegen die Unternehmer vorgehe. Herr Dr. K e l l- n er ist angeblich ohnmächtig, er besitzt nur ein Zwanzigstel der Fabrik und fein Schwager ist zwar der Leiter deS Ganzen, aber er hört wohl nicht auf Kellner, den sozialen Kämpfer?! Herr Dr. S t a d e ist machtlos, denn er ist ja der Angestellte der Unternehmer nnd steht nur mit der Hälfte seiner völkischen Persönlichkeit im Lager der Volksgemeinschaft, mit der ander» im Lager der Ausbeuter. Aber Henlein, Henlein selbst? Ast auch e r ohnmächtig? Härt mq» nicht auf ihn? Trotzen ihm die Unsozialen nnd kann er sich nicht wehren? ^a» Bolkwartetauf Antw ort. ES würde sich heute vielleicht mehr für die Stellung Henleins zu den deutschen Unternehmern als für seine Polemiken gegen den Staatspräsidenten interessieren. ES ist doch brennend wichtig zu wissen, ob Henlein wirklich so kläglich schwach, so ein zitternder Waisenknabe vor den Unternehmern ist, wie es nach dem bisherigen den Anschein hat. Herr S a n d n e r ist wieder Sozialreferent geworden. Herr W o l l n e r ist enthoben worden. Ast paS eine Geste, eine Maßnahme, ein Anfang? Die'Etrtch-Arbeiter und Zehntausende andere trennen daraus, eS zu erfahren, durch Taten, nicht in Worten! Die natlonalpolltlsche Bedeutung der Feber*Verelnbarungen Am Donnerstag fand in Trautenau eine Sitzung der Reichsparteivertretung des Bundes der Landwirte statt, in der die Berichte des Ministers Dr. Spina und des ParteivorsitzeUden Gustav Hacker einmütig entgegengenonmien und eine Kundgebung beschlossen wurde, in der es heißt:/«Die letzten Monate waren für das Sudetendeutschtum von großer nationalpolitischer Bedeutung. Die Bestrebungen und die Arbeit des deutschen Aktivismus begännen Früchte zu tragen. Am 1 8. F e b e r 1937 wurde ein n e n e r A b s ch n I t t im Zusammenleben der Völker unseres Staates eingeleitet. Wir stellen mit Bosriedigung fest, daß durch die Richtlinien der Regierung, au deren Zustandekcm- men Staatspräsident Dr. Benes und Ministerpräsident Dr. HodZa hervorragenden Anteil haben, der Weg"zu einer wahrhaften Befriedung-Im Staate gewiesen ist. Der An faust ist g e- m a ch t. ES ist Sache der Regierung, dafür zu sorgen, daß die nationalpolitischen Abmachungen in asten Zweigen der staatlichen Verwaltung tatsächlich Früchte tragen und dadurch zur inneren Befriedung des Staates im Interesse aller seiner Völker beitragen." Steigende Arbeitslosigkeit in PreBburg Unser Bruderblatt, die„VolkSstinnne", Preßburg, macht daraus ausmerksam, daß im April die Arbeitslosenzahl in der Slowatei von 139.919 auf 111.238 gesunken, in Preßburg selbst aber von 4898 auf 4993 gestiegen ist, obzwar es in Preßbnrg eine stärkere Bautätigkeit gibt. Die Ursache dieser Erscheinung liegt darin, daß-nach Preßburg von tveit und breit Arbeitslose kommen, die in Preßburg Arbeit finden. Nun haben ja getviß auch die Arbeiter außerhalb Preßbnrgs ein Recht darauf, Arbeit zu belommeu, aber man dars die Arbeitslosigkeit gerade unter den Deutschen in Preßbnrg nicht vermehren. ES ist ein unhaltbarer Znstand, daß die deutschen Arbeiter PreßburgS in der Stadt selbst leine Arbeit finden. Die Verzweiskung unter den deut- -schen Arbeitslosen PreßburgS ist groß und es ist Zeit, datz da Abhilfe geschaffen wird. Warum fragt die»Rote Fahne"? Die „Rote Fahne" bemüht sich Irnmpshas», ihre Leser dadurch zu unterhalten, datz sie ununterbrochen die Frage stellt, warum der„Sozialdemokrat" schtveigc. WaS haben wir denn verschwiegen? Etwa, daß Tuchatschetvski in die Wüste geschickt wurde oder daß Litwinow bei der Krönung in London war? Keine Spur! Die„Rote Fahne" ist darüber entsetzt, daß wir über die Wühlarbeit der Trotzkisten in Barcelona nichts berichten und datz auch Genosse Paul in seinen Vorträgen nichts davon erzählt. Es gibt bekanntlich eine Krankheit— Delirium tremens— bei welcher der davon Befallene weiße Mäuse sieht. So scheu die Konmninisten jetzt überall Trotzkisten und es ist möglich, daß sie auch die Zusammenlunft Hitlers und Mussolinis als ein Werk Trotzkis ansehen. Der Hauptschlager der„Roten Fahne" aber" ist, datz sich in der Redaktion des„Sozialdemokrat" eine trotzkistische Zelle befinde. Dar ist allerdings tvahr, aber nur zur Hälfte. In der Redaktion des„Sozialdemokrat" befindet sich ztvar eine Zelle, aber nicht eine trotzkistische, sondern eine Telephonzelle, wie sich die Herren von der„Roten Fahne" iiberzeugen können. Bütereien der kommunistischen Presse. Die kommunistische Presse hat anläßlich des gemeingefährlichen Anarchistenputschcs in Katalanien nichts Besseres zu tun gewußt, als in breiter Front von neuem ihre alberne und schandbare Hetze gegen die angebliche„T r o tz k i ft e n z e l l e iw der Redaktion des„Sozialdemokrat" aufzunehmen. Wir kümmern uns sonst wenig um diePhan- tasien und Lügen der Herrschaften, die der Einheit der Arbeiter mit systematischen, geradezu denun- ziatorischen und auf jeden Fall ordinär demagogischen Bezichtigungen sozialdemokratischer Funktionäre dienen wollen. In dem Fall Barcelona ist die Sache aber denn doch so arg, daß es einer Festnagelung bedarf. Wie unsere Leser wissen, haben ivir einigemale den Putsch nnd seine Urheber aufs Reiche Erde— armes Volk In unübersehbarer Weite erstreckt sich dar Saazer Hügelland. Große Flächen schwarzen und brqünen Ackerbodens dehnen sich darüber hin, durchsetzt mit. grünen Saatfeldern und blumigen Wiesenhäugen. Das besondere Merkmal der Gegend aber bilden die unendlichen Wälder ver« Mitterter grauer Rundhölzer, die au» dem fetten Boden emporragen. Hopfenstangen sind es, die als Dach ein Drahtgeflecht tragen, vor dem lichte HänfschnÜre in unzähliger Menge bis auf die Erde hängen. An ihnen rankt sich dann später der Hopfen'empor. Ein leichter Morgenwind weht, streift über dar Ackerland. lieber den dampfenden Schollen und dem jungen Saatengrün strahlt rotgolden die Soiine. Die zarten Halme wiegen sich leicht im kosenden Wind, daß die Tautropfen darauf wie glitzernde Perlen funkeln. Von den Aeckern steigt ein betäubender Dunst auf; e» riecht nach frischer Erde. , Fruchtbares, reiches Land ist es, da» sich hier aüsbreitet. Land, da» seine Besitzer in unermeßlicher Fülle mit Gaben beschenkt.. In den Tagen des Hochsommer- wogen goldgelbe. Aehrenfelder in bet' gleißenden Sonnengluti Der zarteste Windhauch bringt eS in wellenförmige Bewegung, daß e» aussieht, als ob ringsum Wasser wären. Bald werden Schnitter über die Wiesen schreiten oder Mähmaschinen darüberhjn-fahren. Dann wird die/grüne Pracht vernichtet. Da» frische Gras wird in der sommerlichen Sonnenglut getrocknet und.al» Heu für den-Winter'eingelagert. Da» wird; dann»in köstliche» Duften in den äb- gemähten Wiesenhängen.- Tausende'.fleißiger Hände tverden sich regen, um Scheuern und Böden zu füllen./ \ Im Hochsommer wird da», Getreide einge bracht. Mit dem beginnenden Tag, dann, wenn im fernen Osten der erste Lichtstrahl den Horizont besäumt, beginnt die Arbeit des Erntevolkes. In ewigem Einerlei blinken die Sensen als glitzernde Streifen in der Morgensonne, klingt ihr leiser Ton, das Lied d»r Ernte singend. Emsige Arbeiterinnen rassen das Getreide zu schweren Garben zusammen und nach-kurzer Zeit schwanken hochbeladene Fuhrwerke über die Stoppelfelder hin, schaukeln über die zerfurchten Fahrwege den Gehöften zu. Erntezeit, einzigartige» Geschehen. Auf. den Höfen und freien Feldern lärmen Dampsdreschmaschineu. Schwere. Gctreidesäcke werden abgefahren, Spreu- und. zerquetschte» Stroh türmen sich zu hohen Haufen. Scheuern und Speicher sind zum Bersten voll, Mühlen arbeiten Tag und Nacht. Die Früchte monatelanger schwerer Arbeit werden eingeheimst. ... In den Tagen de» späten August kommen dann die HöpfenpflÜcker ist. das Land.'Tausende sind, es, die au» allen Gebieten unseres Grenzstriche» herbeieilen. Bom frühen Morgen bis in die"sinkende Nächt wimmelt e» auf den Feldern, die in ihrer Beweglichkeit.Ameisenhaufen gleichen. Hopfenpflückei Arbeitslose au» den Industriegebieten kommen seit Jahren daher, /um einige Kronen zu verdienen. ES ist barte Arbeit, die sie da leisten", Arbeit, bei der sie sich rauhe und blutige Finger holen, aber trotz allem nur kärgliche Löhne erhaltest, Die Arbeitszeit ist, wie übrigens bei allen Landarbeitern, während der Erntezeit praktisch unbegrenzt;'sie beginnt und'endet mit dein' Taae. Wenn sich am östlicher Himmel der erste hell« Streifen zeigt, strömen-die Menschen, Frauen,' Mädeln, Männer und Burschen hinaus und erst wenn die abendlich»'Dämmerung hereinbricht, kehren sie wieder heim,. Später dann werden nur noch die Rüben geerntet. Harte, unsagbar harte Arbeit ist e», die da geleistet' wird. Mit ewig gebeugtem, Rücken schreiten die Manschen über die Felder, hin, müd und erschöpft legen sie am Abend ihre Werkzeuge aus der Hand. Das„weiße Gold" bringt wohl unendlichen Reichtum, aber nicht jenen, die damit die härteste Mühe haben. In langer Kette rollen die schweren Wagen dahin, vollbeladen mit Zuckerrüben,.Alle nehmen sie,den Weg zur Zuckerfabrik oder zur nächsten Eisenbahnhaltestelle, wo sie verfrachtet und weitergesandt tverden. Die Landarbeit ist schwer und mühevoll. Der Boden des Lande» ist getränkt mit dein Schweiße der Menschen. Vielleicht ist er gerade deshalb so unbeschreiblich fruchtbar. Die Saazer Erde ist reich und birgt Gold in sich, Gold, da» freilich nicht in gelben Körnern gesammelt, sondern ans schwankenden Erutefuhren heimgesührt tvird. Tie verschwenderische Fülle der Natur und ihre Freigebigkeit kommt aber leider nicht allen zugute. Nur eine bestimmte Schichte ist es, die au dem Reichtum beteiligt ist. Auf dem Lande ist es so und vielleicht' noch weitaus schlechter wie überall. Nicht jene erhalten den Anteil an den erzeugten Produkten, die ihn auf Grund ihrer unermüdlichen Arbeit verdienen lvürden, sondern die Besitzer des Grund und Bodens.' - Ein fleißiges Volk lebt neben dem Ueberfluß de» Lande», dem Ungeheuern Reichtum des Bodens, in'bitterster Armut und Not. Landarbeit ist infolge der Maschinisierung der Großbetriebe zu einem großen Teile Saisonarbeit geworden. Während der Wintermouate. lebt ein bedeutender Teil der Arbeiterbevölkerungs- von den kargen Unterstützungen, die Arbeitslosen gewährt werden. . Auch während der Saison kann.der Landarbeiter- sich keine Reichtümer sammeln.'- Die- Stundenlöhne für diese'.schwere,-aufreibende Arbeit wurden vertraglich geregelt. Sie betragen für- erwachsene Männer und starke Burschen 1,45. liä, für Burschen über 16 Jahre, Frauen und erwachsene Mädchen 1.95 XL und für Beschäftigte unter 16 Jahren 0.85 XL. Bei der Einhaltung der zehnstündigen Arbeitszeit lvürde ein Arbeiter der ersten Kategorie knappe zehn XL täglich verdienen. Bei Akkorden liegen die Verdienste wohl etwas höher, aber bedeutend ist es nicht, Ein ständig auf dem Hose beschäftigter Arbeiter hat als Fütteret oder Schashirt Anspruch auf eilt Monatsgehalt von 150 XL, als Pferdeknecht 140 XL und als Lchsenknecht 125 XL. Der ständig beschäftigte Arbeiter erhält auch eine Naturalentschädigung. Diese besteht aus der Wohnung und verschiedenen Lebensmitteln, ist jedoch keinesfalls so gehalten, daß Ueberschüsse erzielt tverden.können. So wohnen in diesem Gebiete Reichtum nnd Armut knastp nebeneinander. Er ist das Widersinnige eingetreten, datz der Hopfenweiner sich kein Bier und der Rübeuarbeiter keinen Zucker kaufen kann. Mitten im Reichtum der Natur'hungernde Menschen, leidendes Volk. Kann sich die Tollheit und der Wahnsinn unserer Gesellschaftsordnung gründlicher ofsenbareu als hier? Dieses gequälte Landvolk ans den Niederungen seines ach so elenden Lebens, das eine einzige Kette der Not und Entbehrungen ist, herauSzufüh- ren in ein andere», besseres Dasein, das äst die Aufgabe, die wir als Sozialisten zu ers'illey haben und für die die tapferen Kämpfer der Lanogebstte In den Reihen unserer Organisationen streiten. Allen gepeinigten und notleidenden Menschen zu helfen, das ist die Aufgabe, die uns gestellt ist, der wir gerecht tverden wollen im Interesse des Volkes. ES tvird einmal ein Erntetag kommen, an dem die Saat unseres sozialistischen Zukunftr- wollens aufgeht, Not und Janmier ein Ende finden, ei»'Tag, an dem die Sonne auch, für die Landarbeiter, nicht zu neuer Plage, sondern- zu Glück und,Wohlstaud aufgehen wird, und sie ihren -gerechten Anteil an dem Segen ihrer reichen und verschwenderischen Heimat erobert haben' werden. Dafür kämpfen wir, die Industriearbeiter, gemein- sam mit dem Landvolk. Franz K e r n. Seite 4 Sonntag, 16. Mai 1937 Nr. 115 Kongreß der tsdicdilsdicn Sozialdemokratie Eröllnung z Referate Nnmpis, Dcdionüs and Netas’ SamStag, bett 15. Mai 1937, wurde im Smetana-Saal des Gemeindehauses in Prag der 18. Kongreß der Tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnet. In dem reichgeschmückten schönen. Saal, in welchem sich die Staalßfarben der Republik mit de« roten Fahnen brS Sozialismus vermählten, versammelten sich über 700 Delegierte aus all« Teile« der Republik. Die Bedeutung des Kongresse» wird gehoben durch eine große Delegation ausländischer Gäste. Die englische Arbeiterpartei ist vertreten durch den Führer der parlamentarischen Opposition im Unterhause Major Attlee, Ienkin» und Lathan, die französische Sozialdemokratie durch Loui» L ä v p, die holländische Sozialdemokratie durch A. de Mira n d a, die schwedische Sozialdemolratie durch Anders Nilsson, die dänische Sozialdemokratie durch Han» Hedtoft-Hansen, die belgische sozialistische Partei durch d e B r o u ck d r e, die magyarische Sozialdemokratie durch Emanuel Buchinger und Julius D b e z i, die jugoslawische Arbeiterpartei durch Dr. Zivko TopaloviL und Petejan I o f t p, die österreichische Sozialdemokratie durch Dr. Otto Bauer, die Sozialdemokratische Partei Deutschland» durch Otto Well, die Deutsche Sozialdemolratie in der Tschechoslowakei durch Minister Dr. Ludwig ll z e ch und Vizepräsident Siegfried Taub, die polnische Sozialdemokratie in der Tschechoslowakischen Republik durch Josef Batura, Bincenz K o t r b a und Ferdinand Götz, die jüdische .Sozialdemokratie durch Dr. Angelo Goldstein. Eröffnet wurde der Kongreß durch den Borsitzenden der Partei, H a m p 7, der die Erschienenen begrüßte und sagte, der Kongreß könne mit Befriedigung die geleistete Arbeit der letzten drei Jahre überblicken. Er ist keine Uebertreibung, wenn man sage, daß die tschechische Sozialdemokratie im Kampfe um die Erhaltung der Demokratie die vorderste und verantwortungsvollste Stelle einnimmt. Nach Abschluß der Eröffnungsansprache nahm die Versammlung unter Beifall und Erheben von den Sitzen den Wortlaut der an die Prä s i- denken Masaryk undBeiteö gerichteten BegrützungStele» g r a m m e zur Kenntnis. Unter stürmischem Applaus wurde ferner der Text eines an die spanische Arbeiterschaft gerichteten Telegramme» ausgenommen, in welchem der Kongreß den kämpfenden Brüdern in Spanien heiße Grüße und Wünsche des besten Erfolges entbietet., Hierauf wurden die Tätigkeitsberichte des Zentralsekretärs Genoffen Senator D u n d r, des Kaffier» Genoffen S l ä m a und de» Berichterstatter» für die Parteikontrolle, Genoffen Abg. RemeS, zur Kenntnis genommen und- die Entlastung erteilt. Generalsekretär Dundr umritz in seinem Tätigkeitsbericht in großen Zügen die Tätigkeit uiw die Envoicklung der Partei in den letzten vier Jahren und skizzierte die Arbeit und Kämpfe, die in dieser schweren Leit der wirtschaftlichen Depreffion und de» Massenelend» durchzufechten waren. Die Partei hatte nicht nur gegen die Arbeitslosigkeit und den Unternehmerterror, sondern auch gegen die mit allen Mitteln geführten Angriffe der nationalistischen Reaktion anzukämpfen, welche,, ermutigt durch die Vorgänge in den Nachbarstaaten, der Arbeiterbewegung und auch der Demokratie ein ähnlicher Schicksal zu bereiten gedachte wie in den Diktaturftaaten. Der Be- richierswtter konnte mit berechtigtem Stolz darauf Hinweisen, daß der Kampf der Partei seine Früchte getragen hat, die in dem Aufftieg der Organisationen und der Mitgliederzahl zum Ausdruck kommt. Die Partei verfügt heute über 228.768 Mitglieder fplur 80.908) und über 6128 Lokalorganisationen.(Die näheren Daten haben wir bereit» in unserer Bornotiz zu diesem Kongreß gebracht.) Als erstes Hauptreferat des Kongresses folgt sodann die Rede des Parteivorsitzenden Anton Hampl"■’***■ zum Thema„DerP am Pf umwie wirtschaftliche De m'ok r ati e•. Hampl, mehrfach von einmütigem Beifall unterbrochen, analysierte den Verlauf der Weltwirtschaftskrise, die al» Strukturkrise, al», ein Versagen de» gegenwärtigen wirtschaftlichen Organismus angesprochen werden mutz. Ter Redner kritisierte die Maßnahmen zur Krisenbekämpsung. die den Ausweg in der D e f l at i o n sahen, da» heißt in der Einschränkung und Reduzierung de» Geldumläufe», der Ausgaben, Investitionen und Löhne. ES war die Sozialdemokratie, die al» einzige unter den politischen Parteien gleich beim Anbruch der Krise diese Methoden als unzulänglich erkannte. Ihrer unermüdlichen praktischen und Aufklärungsarbeit ist es zu danken, datz die Wirtschaftspolitik andere Wege einschlug, deren erster Ausdruck die Devalvation unserer Krone war, die freilich blotz der erste Schritt auf einem Wege sein kann, deffen weitere Etappen eine Reihe wirtschaftlicher und sozialer Reformen bedeuten. Neben einer gesunden Finanzpolitik Ist eine der wichtigsten Matznahmen ein durchgreifende» G e- setzüberdieBerkürzungderAr- beitrzeit und andere Matznahmen, die durch Stärkung der Kaufkraft de» Konsumenten zur Gesundung der Wirtschaft beitragen. Da der Träger und da» Werkzeug der Verteilung da» Geldsystem ist, konzentriert sich die Aufmerksamkeit de» demokratischen Sozialismus immer intensiver auf finanzielle, währungspolitische und Kreditreformen und solche des Bankwesen». E» müssen alle Kräfte eingesetzt werden, um auf diesem Wege zur Verwirklichung einer wirtschaftlichenDemokrati» fortzuschreiten. Das zweite Hauptreferat erstattete am Nachmittag des ersten Kongreßtage» zum Thema „Ueberblick über die politische Entwicklung in der Tschechoslo- wakeiundimAuSlande" Minister R. Bechyni Er verwies darauf, daß der letzte Parteikon- gretz vor vier Jahren sich völlig bewußt war, welchen schweren Zeiten in politischer Hinsicht die Partei entgegengche. Seither kam e» zum Sturz der demokratischen Verfassung in den Nachbarstaaten und e» setzte die internationale Offensive der faschistischen Gedanken» ein. die ihren Höhepunkt im Jahre 1988 erreichte.(Kündigung des Versailler Vertrage» durch Deutschland. die spanischen Ereignisse und andere».) Oft schien es, al» ob der Ausbruch des Krieges unmittelbar bevorstehe, und taffächlich waren überaus kritische Momente zu überwinden. In diesem kritischen Zeitpunkt erkannten die Westmächte, aber auch die Sowjetunion, datz neue Wege gesucht werden müssen. Die demokratischen Kräfte der Welt formierten sich, der Vormarsch der Reaüion und de» Faschismus wurde aufgehalten, die reaktionären 'Kräfte haben ihren Kulminationspunkt überschritten und da» Morgen gehört der demokratischen Welt. In diesem Zusammenhang erscheint auch der Kampf der spanischen Demokraten nicht nur als eine territoriale Angelegenheit, sondern die spanische Front ist die Front der allgemeinen Demokratie und Menschlichkeit. Das spanische Volk und die spanische Demo- krasie werden im Kampfe gegen den Faschismus nicht erliegen.(Stürmischer Applaus, die Kongreßteilnehmer erheben sich von den Sitzen.) Nach der heutigen Situation kann die Kriegsgefahr einstweilen als gebannt erachtet werden. Unter Hinweis darauf, daß die Bildung einer Einheitsfront mit den Kommunisten nicht in Frage kommen könne, betonte Minister Bechyni die demokratische Struktur.unserer Armee, die unter keinen Umständen zu einem Instrument hasardierender Generale werden könnte, wie es etwa in Spanien der Fäll ist. Der Mut., und, das V.e x- tranen der S o z i äl d em ö k r a t i e in die unerschütterlichen Grundlagen de» demokratischen Gedanken» in der Tschechoslowakei hat sich voll bewährt. Sehr deutlich apostrophierte Minister Bechyni die hiesigen Vertreter de»„totalitären StaatSgedanken S", indem er bemerkte, daß deren Propaganda— nicht nur die öffentliche. Clanos Friedensrede Im Hintergrund geht die Zerstörung Spaniens weiter sondern besonder» auch die geheime— sehr genau verfolgt werde. „Die Leute, welche dafür verantwortlich sind, müssen sich ihrer nicht nur moralischen, sondem auch strafgesetzlichen Verantwortung bewußt sein," erklärte Minister Bechyni! unter lebhafter Zustimmung. Gleichzeitig betonte er mit warmen Worten seinen festen Glauben an den erneuten Aufstieg der deutschen Sozialdemokratie. Während der Rede Bechynis erschienen, mit stürmischem Beifall empfangen, der Vertreter der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und zugleich der der belgischen Bruderpartei, D e Broucker e, und der Führer der englischen Delegation, C l e m e'n t R. A t t l e e, im Saale, begleitet vom Senatspräsidenten Dr. Soukup, Zu dem Kongreß stellte sich nachmittags, FUrsorgemlnlster Ins. Netas ein, der mit langanhaltendem Beifall begrüßt wurde. Sein Referat war den Aufgaben der'Sozialpolitik im heutigen Zeitpunkt gewidmet, und setzte sich mit verschiedenen aktuellen Problemen dieses Themas auseinander. Minister Neka», der bekanntlich erst kürzlich mir den Bereinigten Staaten zuriickgekehrt ist, und unlängst Gelegenheit halte, mit Ministerpräsidenten B l u m zu sprechen, sprach von den starken und ermutigenden Eindrücken, die er bei diesen Gelegenheiten empfing. Die wichtigste Tageraufgabe von heute ist der Kampf für die Beschaffung don Brot und A r t. für das Volk. Der Kampf um di^Berbesserung der Lage der arbeitenden Klaffe und besonder» auch der Arbeitslosen mußte an mehreren Fronten auf einmal durchgefochten werden und ist auch zum größten Teile erfolgreich durchgefochten worden. Redner verwies in, diesem Zusammenhang auf die F o r t s.ch r i t t e i n der S o.z i a I g e s e tz g eb-ü.n.g, die dank der sozialistischen Initiative und gegen den Widerstand der Reaktion durchgesetzt wurden. Inzwischen ist auch im. anderen Lager wenigstens teilweise eine Ernüchterung eingetreten, und manche Ansicht, wegen deren Verfechtung'.die Sozialisten sich seinerzeit, als Utopisten verspotten'lassen mußten, hat auch in ast- deren Kreisen Eingang gefunden.. Minister Neka» wie» besonders auf die empörenden Anfeindungen hin, denen von bekannter Seite die planmäßigen sozial- polittschen Bestrebungen ausgesetzt waren, die sich insbesondere in Verleumdungen der Arbeitslosen auS- wirkten.„Mit aller Entschiedenheit lehne ich die brutalen Angriffe ab, welche in den letzten Monaten neuerlich gegen die Arbeitslosen unternommen wurden," erklärte Minister NekaS unter stürmischer Zustimmung der Ber« sammlung mit besonderem Nachdruck. Die Bekämp- fung derArbeitSlosigkeit ist eine soziale, eine humanitäre und eine staatSpolitische Frage. Das sollten sich die Bekämpser einer wohlverstandenen Arbeitslosen- fürsorge gesagt sein lassen. Nachdem eine Reihe von-Debatterednern zum Wort gekommen Ivar, deren Ausführungen auf sehr.hohepi Niveau standen und vom Geiste eines herrlichen sozialistischen und demokratischen Ar-' beits- und Kampfwillens zeugten, wurde gegen 6 Uhr abends der erste Kongreßtag abgeschlossen. schärfste verurteilt, die Anwendung radikalster Maßnahmen gegen die Saboteure gebilligt, auf die Möglichkeit italienischeu Einflusses im Anarchi- stenlager hingewiesen. Weil wir uns aber in einer beiläufigen Bemerkung dagegen verwahrten, daß man kommunlstlscherseits sofort wieder„den TrotzkiSmnS" verantwortlich machte, wagen es die kommunistischen Blätter, in einigen Notizen die Sache so darzustellen, al» hätten wir den Putsch gebilligt, die Putschisten in Schutz genommen und dem Dolchstoß gegen das spanische Volk Vorschub geleistet. Das sind Fälscherpraktilen, die uns nur in der Ileberzeugung bestärken können, daß gewisse kommunistische Methoden sich von den nazistischen kaum unterscheiden und daß den Kommunisten jedes noch so dreckige Manöver recht ist, wenn sie glauben, damit von der kritischen Betrachtung der Zustände in der Komintern und i» Stalins Reich ablenken zu können. Eine kommunistisch-faschistische Kampagne gegen die Schwarze Front. Tas Sekretariat Doktor Otto Strassers stellt der Presse eine Erklärung zur Verfügung, die sich gegen die Nachrichten wendet, die in letzter Zeit von Prager Sttibrnh- und kommunistischen Blättern und nun auch von der nicht eben rühmlich bekannten „Pariser Tageszeitung" verbreitet werden. In diesen Nachrichten hieß es, die Schwarze Front sei behördlich a u s g e l ö st worden, weil sie im Verdacht stehe, Verbindung mit der Gest a p o zu haben. In diesem Zusammenhang war auch von Spionage-Affären die Rede, in welche die SF verwickelt sei. Die Schwarze Front erklärt dazii, daß sie weder aufgelöst, noch in Verbindung mit der Gestapo, noch in irgendwelche Spionage-Affären verwickelt sei. Er handle sich um eine„verbrecherische Hetzkampagne" gegen die Schwarze Front und die„Deutsche Front gegen das Hitlersystem". Durch die bereits eingebrachte Klage gegen die„Halo Noviny" werde man den Hintergründen der Kampagne wahrscheinlich auf die Spur kommen.— Wir möchten nach den Erfahrungen, die wir mit der kommunistischen Presse und gewissen ihr befreundeten Gewächsen in jüngster Zeit wieder machen mußten, nur aussprechen, daß wir eine denunziatorisch-erlogene Kampagne von d i e s e r Seite ohne weiteres für möglich halten. Von der belannten Denunziation Franz Pfempferts durch die Stalinisten über den, vor einem Schweizer Gericht kürzlich anfgerollten Fall des B. Jacob(dessen Tätigkeit der Emigrant Heyman« eine Kerkerstrase wegen angeblicher Spionage zu danken hat), zu gewissen Denunziationen der jüngsten Tage zieht sich ein braunroter Faden. ES ist nur traurig, daß gewisse Kreise, die sich antifaschistisch nennen, die kompromittierende Waffenbrüderschaft mit Denunzianten nicht auf- geben l 7000 AL Strafe wegen Nichteinhaltung des KolleklivvertrageS. Der Pächter der Textilfabrik Katz in Pelsdorf, Josef Anders, wurde wegen Nichteinhaltung des vom Fürsorgeministerium für verbindlich erklärten Kollektivvertrages von der Bezirksbehörde in Hohenelbe zu einer Strafe von 7000 K6 verurteilt. Die Kollektivlöhne wurden in dem Betriebe bis zu 28 Prozent unterschritten.(DStD) Freigesprochen und wieder verhaftet. Die Gendarmerie in Eger verhaftete dieser Tage Franz Adolf Götz aus Hohenstollen, der schon im Jahre 1938 des Morde» an seiner Tante angeklagt war, aber freigesprochen wurde. Der damals gleichfalls in die Mordsache verwickelte N e u d e r t, der nun eine Strafe in Bory absitzt, soll angeblich einen Kassiber herauSgeschmuggeit haben, in dem Götz belastet wurde. Tas BöhmerivaldNed-Deiikmal. Die Ent- büilung dcS Böhmerwaldlied-DenkmalS in Eleonorenhain sindet am 28. Juli statt. ES werden bereits umfangreiche Vorbereitungen getroffen; unter anderen soll der Rundfunk stark zur Feier heraugezogen werden. Für das Denkmal wurden bisher etwa 16.000 AL aufgebracht. Die Liebe zum Gouverneur Von B. Lewin Der gewesene Gouverneur diente als Portier in einer Abteilung des Genieindewirtschasts- amtes. Er öffnete die Türen, nahm den Beamten die Röcke ab und bezeichnete die Galoschen mit Kreide. Die Beamten und die Amtsleiter, lauter Kommuuisteu natürlich, verhielten sich ihm gegenüber wohlwollend. Es war ihnen angenehm, daß ein ehemaliger Gouverneur sie hinten und vorn bedienen mußte. Dratwin lud ihn einmal im Monat ins Bierlokal ein. Daselbst bewirtete er ihn mit Bier, Piroggen und Krebsen. Bei solchen Anlässen pflegte der guie Mann, seines Zeichens ein Handwerker, zu sagen:„Wir müssen mit Dörrfischen vorliebnehmen, aber Exzellenz fressen Krebsei" Der Gouverneur trank und aß schweigend. Nach der dritten Flasche begann Dratwin seinen vornehmen Gast zu duzen, klopfte dem Gouverneur auf die Schulter und gröhlte:„Das hast Du nichi geglaubt, alter Bluthund, daß Du noch einmal mit dem Schuster Dratwin sausen wirst? La oder nein?" „Gewiß nicht", antwortete der Gouverneur kopfschüttelnd, ,,e» ist mir nicht an der Wiege gesungen worden. Ich müßte lügen— ganz und gar nicht!" ,,Na also. Da hast Du in Deinem Palais gesessen und hast der Ruhe gepflogen, ließest den lieben Gott einen braven Mann sein. Das ganze Gouvernement unterstand Dir... Ach, Du Gouverneur... Ein Lump bist Du, ein blutsauge- rischer... Und jetzt bin ich, der Schuster Drat- win, gekommen und halte Dich frei. Na, trink' nur, S' ist mir nicht schade. Hättest mich nach Sibirien schicken können. Was? Sag' dochl" „Hätte ich können," antwortete der Gouverneur tief seufzend. Spät in der Nacht kehrte der Schuster nach Hause zurück. Der Gouverneur führte ihn an der Hand. Des Schusters Gattin hatte schon eine nette Gardinenpredigt vorbereitet, beim Anblick des Gouverneurs jedoch.wurde sie milde gestimmt. Gemeinsam mit dem Exwürdenträger brachte sie den Trunkenbold zu Bette. Als der Gouverneur ihm die Stiefel anSzog, krähte der Schuster: „Exzellenz, kitzeln Sie mir ein wenig die Fußsohlen i" Ein neuer Armer, der Kaufmann Dulin,, pflegte den Gouverneur häufig flüsternd zu ir« mahnen:„Es, schickt sich nicht, Exzellenz I Sehen Sie, gestern hab' ich Sie wiederum in Gesellschaft diese» Schuhmachers erblickt. Wie können Sie sich so.diskreditierest... Abgesehen davon, daß etlvaS passieren kann: In.solcher Umgebung I Ich kann es ja begreifen, eS ist die Verzweiflung, die Oede des Daseins.. Immerhin, man muß doch auf seine Reputation bedacht sein, das Dekorum wahren, vielleicht braucht man ös stoch einmall" Der expropiierte Dulin hielt es für seine Pflicht, dem Gouverneur jeden Monat drei Rubel zu schenken und ihn zweimal zum Mittag einzuladen»., Mitunter versammelte sich vor den Pforten des Wirtschaftsamtes eine Gruppe von Fremden. Der Führer erklärte:„Hier sehen Sie den ehemaligen Gouverneur vor sich. Dieser Mann beherrschte mit absoluter Gewalt das ganze Gouvernement... Alle fürchteten ihn und nahten sich ihm nur zftternd. Stimmt es, Genosse Portier?" „Stimmt auffallend", bemerkte der gewesene Gouverneur. Die Reisenden staunten ihn an wie eine Giraffe im Zoo und lächelten. Im allgemeinen ging es dem. Gouverneur nicht schlecht. Die ehemaligen Polizisten, die Tausende Werst von weither gekommen waren, um ihre Vergangenheit zu verbergen, beneideten ihn. „Wo ist da die Gerechtigkeit", ereiferten sie sich, der Gouverneur geht da frank und. frei spa- zieren, wir aber müssen uns wie Maulwürfe verkriechen,"’ Ein schwarzer Tag brach an, der Tag, an dem alles überflüssige Persypal abgebaut werden sollte. Alle Beamten meistten, nun müsse es dem ehemaligen Zarendiener an den. Kragen gehen. Aber allen tat er leib;'; Die Amtsleiter erwögen: erstens ist er ein vorzüglicher Arbeiter;, der seine Pflicht tadeflo» ausführt. Man braucht eisten tüchtigen Portier. Zweiten» dient er der jungen Generation als. abschreckendes Vorbild. Man hoffte, er werde durchrutschen juitbi auch weiterhin die Türen öffsten- und' die' Galoschen, verwahren. Äbgebaut wurden viele. Alle wollten,wissest; was sich erdigsten werde, wenn der» Gouverneur vprgerusen würü»,' Er verbeugte sich tief und sagte:„Ich selbst bin ein Bauer wie meine Eltern. Bin armer Leute Kind." „Ein dummer Kerl, warum lügt cr?" „Er reitet sich selbst hinein.". „Um so schlechter. So ein Biehl" Aber der Gouverneur fuhr fort:„Weil sie so arm waren, schickten mich meine Ellern in'die Stadt. Zuerst war ich Küchenjunge und dann Schuldiener. Schließlich wurde ich Lakai.bei einer Fürstlichkeit. Als der gnädige Herr Gouverneur wurde, nahm er mich-in die Stadt mit und ich war auch dort sein Bedienter. Nach der Revolution wurde ich verhaftest Man hielt mich; für den Gouverneur, ließ mich aber später laufen. Seither nastnten mich alle Gouverneur! Hat sich was, auch ein Gouverneur! Bitte, hier sind meine Papiere. ' Ein beispielloser Lärm erhob sich. „Das kann nicht sein!" schrieen alle. Als inan aber in seine Dokumente Einsicht genommen hatte, sah man ihn mit änderen Augen an. Es war. klär, er war nicht'der Gouverneur. Und alle schämten sich. Die Redner, die im Sinne hatten, für den Portier einzutreten, hielten nun Brandreden;'wie etwa:„Wir brauchen leist Anhängsel des Satrapen!" „Fort mit den Lakaien seiner Exzellenz!" - Dir' Gouverneur wurde abg'ebaust Der SchustöF Dratwin" soff lo der'Folge allein? Der Kaufmann Dülist aber sagte zu sei- st'est Bekannten tHJch- hab' mtr's gleich gedacht. Als ob es unter dem, Söivjetrigiiste etwas Echtes geben köststte i’i. Läuier Schwindel I" .(Deutsch von G. 58^'' «r. 115 Sonntag, 18. Mal 1037 Seite 5 Zum„Tag iler Freibelt“ Heute hält der Bund proletarischer Freidenker gemeinsam mit seinen tschechischen Bruderorganisationen in Tcplitz-Schönau den„Tag der Freiheit" ab,«ine politisch-kulturelle Manifestation, in deren Rahmen auch der Bundestag stattfindet. Die proletarische Freidenkerbctvegung steht seit ihrer Gründung in engen Beziehungen zur sozialdemokratischen Partei. Der Grossteil ihrer Mitglieder ist in unseren Reihen organisiert, ihre Kampfziele decken sich in vielen Punkten mit den programmatischen Fielen der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, ihre Ideologie ist vom Marxismus aufs stärkst« befruchtet worden und die Weltanschauung einer ganzen langen Reihe der Vorkämpfer und führenden Denier der sozialistischen Bewegung war die gleiche, der auch die Freidenkerbewegung huldigt. , Die Freidenkerbewegung ist aus dem Kamps dir Masten um religiöse Toleranz, um Befreiung vtm der geistigen Bevormundung durch die Kirche, aus dem Kampf um die weltliche, die freie Schule, aus dem Hunger und der Sehnsucht der Masten nach wissenschaftlicher Bildung und nach einem modernen Weltbild entstanden. Wer die geschichtlichen Anfänge der Arbeiterbewegung kennt, weih, daß das Erwachen des KlastenbetvuhtseinS Hand in Hand ging mit der Befreiung des Arbeiters von religiösen Borurteilen. Di« Arbeiterschaft war geknechtet, unmenschlich auSgebeutet, hatte einen überlangen Arbeitstag, der jedes Streben nach höherer Bildung unmöglich machte, Frauen und Kinder siechten in den Fabrikhöllen hin und das alles geschah in einer Feit, in der die Kirche das geistige Leben und den Staat beherrschte. So sahen, gerade jene Arbeiter, welche nach Bildung, Freiheit, Kultur und Menschlichkeit strebten, in der Herrschaft der Kirche über die Geister, im Kirchenglauben ein Hindernis der Befreiung ihrer Klaste. So wurde die Arbeiterbewegung antiklerikal aus den Daseins- und Lebensinteressen der Besten der Arbeiterklasse heraus, die nicht im finstern Dale der Unbildung und mahlosen Ausbeutung wetterwandern wollten, sondern nach den lichten Höhen der GeisteSfreiheit und sozialer Befreiung strebten. Die Kirche selbst trug Schuld daran, dah die antikirchliche Gesinnung im Proletariat wuchs und jeder Geistliche, der von der Kanzel herab die proletarische Bewegung schmähte, schadete der Kirche mehr als der Sozialdemokratie. Im Kampfe gegen die anmahenden Ansprüche der Kirche, den Menschen auch die politische Gesinnung vorzuschreiben, in der Niederkämpfung von Aberglauben und Dummheit, Dumpfheit und geistiger Bedürfnislosigkeit hat die Freidenkerbewe- gung vieles geleistet, vieles erreichte Sie kann heute auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblickeu, aber gerade" das stellt ihr auch neue Aufga- b e n. Manches an dem wistenschaftlicheu Weltbild, das die Philosophie und die Naturwissenschaft des vorigen Jahrhunderts erarbeitet hat, ist brüchig geworden, manches wurde überholt, anderes in Zweifel gezogen. Philosophie, Wissenschaft, Forschung stehen mitten in einem grossen Umbruch, suchen nach neuen Wegen, nach neuem HM und erobern Neuland. Vieles von de» neuen Forschungen und Erkenntnissen ist in die Köpfe der Arbeiter gedrungen. Auch di« katholische Kirche hat manches von ihren Ansprüchen cmfgeben müssen. War sie in der alten Monarchie eine herrschende Macht, beherrschte sie vor allem die Schule, so musste sie nach 1018 den Boden der Demokratie beziehen und die katholischen Parteien können nur so viel an Macht beanspruchen, als ihnen die Demokratie gibt. Hier liegen ProblemeinFülle, diees zu bewältigen gilt und die sich zuerst selbstverständlich der Freidenkerbewegung aufdrängen, jener proletarischen Organisation, die sich die Klärung und vorurteilslose Beantwortung weltanschaulicher Fragen zur Ausgabe gestellt hat. Die gesamte Arbeiterklasse hat ein Interesse daran, dass diese Ausgabe erfüllt, dass sie gut und richtig erfüllt werde, die gesamte Arbeiterklasse wird ihren Nutzen davon haben, wenn«ine zielbewusste und leistungsfähige Gruppe der Bewegung da ist, die den Kampf für die Freiheit de» Geistes als ihr« vornehmste Aufgabe ansieht. Darum und in diesem Sinne grüssen wir den„Tag der Freiheit" und wünschen ihm wie dem Bundestag der Freidenker Gelingen I Kritik dar Frauen am neuen Bürgerlichen Geeefebudi Di« Frauen-Abgeordneten und Senatorinnen der Koalitionsparteien- haben in einer gemeinsamen Sitzung den Entwurf des neuen Bürger-" lichen Gesetzbuches behandelt und einmütig festgestellt, dass sie n i ch t damit einverstanden sind, dass aus dem Entwurf der wichtigste Teil, das Familienrecht, eliminiert wurde. Sie erklären ferner, dass einige Bestimmungen des Entwurfes in Hteli! tem Widerspruch zu den Anschauungen der Frauen der Gegenwart stehen. Die langjährige Arbeit der weiblichen Mitglieder der Volksvertretung, deren Fiel es war, dey Standpunkt der Frauen zur Geltung zu bringen, kommt in dem Inhalt, des vorliegenden Gesetzentwurfes nicht zum Ausdruck. Die FräUen-Abgeordnetest und Senatorinnen der ÄoalitionSparteien haben daher? beschlossen,, aus allen Kräften an der Aend erung des RegierungSentwurfesin dem Ginne zu arbeiten, dass durch da» neue Bürgerliche Gesetzbuchs da» Gedeihen der""Familie, von Mann^ Frau uüd Kind, im Geiste der Demokratie nicht nur für die Gegenwart, sondern auch, für die ferne Zu- kunft gesichert werde. Zuerst die Frauen Am 14. April war ein Vierteljahrhundert vergangen feit dem schrecklichsten SchistSunglück aller Feiten, dem Untergang der„Titanic". Fast 1600 Menschen wurden Opfer dieser Katastrophe. In einem grossen Roman— gross in der Anlage, im Reichtum der Gedanken und in der Gestaltung— schildert RobertPrechtl nicht nur das ungeheure Unglück, Ivie seine Phantasie e» nacherlebte, sondern er stellt in diesem Buch auch das Titanentum der Technik und da» der Geldherrschaft zur Diskussion. Wir werden über diesen Roman„Titannensturz", , der im Saturn-Verlag, Wien, erschienen ist, noch sprechen. Nachstehende Schilderung der Einbootung der Frauen und Kinder ist eindrucksvoll« Probe der besonderen Darstellungsart Prechtls. Auf dem Achterdeck waren Ordnung und Mannszucht leider nicht so gewahrt als auf dem Vordeck. Teils weil es hier au einem Führer fehlte, toi« er sich dort iu dem Tambour-Major gesunden hatte; teils tveil«S unter den siebenhundert Zwischendeckern weniger Frauen und Kinder gab als unter den sechshundert Fahrgästen der ersten und zweiten Kajüte. Die Frauen tvaren grösstenteils umnittelbar vom Ball weg auf Deck gelaufen, standen in ihren dünnen Kleidern mit nackten Annen, nackter Brust, nackiein Micken jammernd in der eisigen Nachtluft. Aber auch die Männer der beiden Vorzugs-Kajüten ivaren weit weniger imstande Not und Gefahr ins Auge zu Lehn, als die vom Lebetr minder vertvöhnien Ztvi- ischendecker. Sie empfanden es als persönliche Unbill und als Störung der Weltordnung, dass sie sich in so misslicher Lage befanden. Bon diesetn Gefühl gerechter Empörung war besonders Daniel erfüllt, um so mehr er befürchten muhte als Anwall der„Titanic" durch die Ereignisse an Ansehen«inzubühen. Er brachte kein Verständnis dafür auf, warum Frauen und Kinder eingebootet, die Männer hingegen auf dem Schiff verbleiben sollten. Er räsonierte laut über diese Anordnung des Kommodore, trompetete weithin hörbar: das seien veraltete europäische Kavalier-Spielereien, die fiir freie Amerikaner keine Geltung hätten I Er müsse unbedingt am Freitag in Kansas City sein, da habe er Bilanz- Sitzung! Mit solchen Ausrufen drängelle er rücksichtslos vor wie ein Schneepflug; schob mit seinen kräftigen Ellbogen Weiber, Kinder, Greise beiseite; stand schliesslich in der vordersten Reihe, gerade vor dem Lademaat, der zusammen mit einem kräftigen Matrosen auf der Treppe zum Bootsdeck stand und dafür zu sorgen hatte, dass dem Befehl des Kommodore Folge geleistet Iverde. Dieses Wiedersehn versetzte Daniel vollends "inZ0kN<..„■ „Sie kommen mir gerade recht!" schrie er den Maat an.„Sie Häven mich angeschwindelt mit Ihrer Erzählung von den Schotts und dass die„Titanic" gar nicht sinken kann! Wo sind sie denn jetzt Ihre Sicherungs-Schotts? Ich mache Sie verantwortlich! Ich mache den Kommodore verantwortlich! Ich mach« die Direktion verantwortlich! Und jetzt inachen Sie Platz. Gehen Sie weg hier. Sie sind mir ohnehin noch die Jänner- Rate schuldig! Ich will zu den Booten, zu den Booten will ich! Ich muss Freitag in Kansas City sein!" Dieses Benehmen und diese Reden Daniels taten seiner früheren Beliebtheit erstaunlich schnell Abbruch; aus der drängenden Menge unter ihm wurden höhnische und zornige Zurufe laut. In diesem Augenblick kam Astor gefolgt von den Führern der Rettungsboote die Treppe herab. Diese trugen ein Abzeichen, das sie als solche kenntlich machte, nebst der Nummer de» Bootes, das sie befehligten. Astor schob den Maat und den Matrosen ein wenig auseinander,. trat auf den zwei Stufen tiefer stehenden, fuchtelnden und keifenden Daniel zu, und gab ihm ohne näheren Motiven-Bericht eine fürchterliche-Ohrfeige/ die auf der wohlgenährten Backe Daniels iveithin vernehmlich klatschte. Keinen ehrenvollen Kinnhaken, sondern eine gewöhnliche, schmähliche Ohrfeige. Daniel taumelt« dl« Stufen hinunter und tauchte in die Menge zurück, aus der er sich vor .kurzem mühevoll gelöst hafte. Mit lautem Gelächter wurde er in Empfang genommen und mit Stössen und Püffen weitergegeben, bi» er sich wie ein gedribbelter Baseball am achtersten Ende des Achterdecks anfand, sehr fern von den so heiss ersehnten Rettungsbooten. Verzweifelt liess er sich auf eine Taurolle nieder, und- bedachte schmerzlich, wie dauerhaft Ehre und Ansehn unter den undankbaren Menschen sind, Diese rasche Hinrichtung Daniels, und besonder» die.Jorm, in der sie Vovgenommen worden war, führte aus dem Achterdeck eine merkliche Entspannung, herbei und stellte Astor ist den Mittelpunkt der Aufmerksanckeit. Diesen Umstand nahm er wahr und ergriff die Führung der geängstigten Herde. Er begann dje.Eirchootung zu organisieren. Zunächst? liess er die Männer in die Mitte treten, die Frauen und Kinder an die Steuerbord-Reling, Diese wurden in acht gleich grosse Gruppen geteilt, jede derselben"einem der. Bootsführer uWistellt.. Dä die Boote äusser dem -Führer und vier Rudermännern fünfzig Personen aufnehmen konnten, so ergab sich bei der Auszählung, dass noch für hundert Männer in ihnen Platz war, Während dieser von Aswr mit Gelassenheit und. Umsicht getroffenen Massnahmen zu Ord- und Kinder I nung-und Gliederung des wirren Menschenhaufens, wär eS auf dem Achterdeck völlig still gewor- den, schweigend wurden seine Anordnungen befolgt. Aber seltsamerweise brachte diese nur zuweilen durch daS Weinen eines Kindes unterbrochene Still« den Schiffbrüchigen den Ernst ihrer Lage viel deutlicher zum Bewusstsein, als früher Angstwimmern, Zorntoben, Verzweiflungsgeschrei. Im allgemeinen Lärm hatte sich niemand allein gefühlt. Die Berührung mit den Schicksalsgenossen liess die Gefahr minder bedrohlich erscheinen, als sie nun in-der unheimlichen Siille und angesichts der nüchterit-bestimmten Vorkehrungen ins Bewusstsein trat. Als vollends Astor zwecks Verteilung der verfügbaren Bootsplätze Auszählung der Männer anordnete; nun die Grossen der Erde wie Rekruten in Reihen dastanden und der Lademaat jedem Dritten auf die Schulter schlug, da wurde in allen das Gefühl wach, dass das nunmehr in der Mitte zurückbleibende Häuflein zuin Tode Verurteilte seien, während die Uebrigen das Leben wieder sicher in Händen hielten. Der leere Raum, der die Bootsgruppen von den Zurückblei- benden trennte, erschien wie der schgische Fluss hüben dessen das Leben war, drüben dessen der Tod. Sehnsuchtsvoll wurden Arme den am andern User Stehenden entgegengestreckt; denn in dein plötzlich erwachsenen Gefühl für die Notwendigkeit straffster Ordnung wagte niemand den so gebildeten Fluss zu überschreiten. Die durch ihn Getrennten sahen sich hoffnungslos an; sie hatten das Gefühl, diese Trentnmg sei für immer. Da aber löste sich aus einer der Gruppen «ine weisshaarige Frau und schritt über den TodeSslutz auf den Mann zu, der auf der Seite der Verurteiltet: stand und mit seinem silbernen Patriarchenbart und seinem Samtkäppchen einen ehrwürdigen, aber keineswegs sehr seemässigen Anblick bot/ Es luar der Bankherr Straus. Als dieser seine Frau, von der ihn eben die Auszählung des Maats vernieintlich für die Eloigkeit getrennt hatte, mit ausgestreckten Armen auf sich zukoimnen sah, traten ihm Tränen in die Augen und auch er schivankte ihr einige Schritte entgegen. Dann fielen sich die beiden alten Leute vor allem Voll in die Arme. „Benjamin, ich bleibe bei dir!" sagte die Frau ganz still.„Was Gott vereint hat, soll der Mensch nicht scheiden. Komm, wir wollen hinunter gehn." Sie nahm den Gatten, der schon ettvas klapprig auf den Beinen war, unter den Arm, ging mit ihm still durch das Spalier der Geretteten und Verurteilten auf die Tür zu, die nach dey Kabinett führte. i... ,Ms^die alten.Leute an Aswr.-vopbeikgmen, nahm dieser die Mütze ab und verbeugte sich tief Vor ihnen, lind diese Geste entsprach wohl dem Gefühl aller: denn während die beiden mit trippelnden Greisenschritten dahingingen, neigten sich hüben und drüben alle vor ihnen zum letzien Gruss. Sie fühlten: diese würden nicht ins Leben zurückkehren, ivas auch"geschah. Hinter ihnen schloss sich die Tür für immer, sie stiegen in das Schiff hinab wie in«ine Gruft. ver Anarchlstenputsch endsUltls liquidiert Barcelona. Den katalanischen Regierungstruppen ist es unter Hilfeleistung von Abteilungen atts Äalencia bereits gelungen, den Anarchistenaufstand in der Provinz Tarragona zu liquidieren. Die starken anarchistischen Abteilungen, die mtt Geschützen, Maschinengewehren und Handgranaten ausgerüstet waren, sollen bereits auseinändergetrieben worden sein. Mit dem reichen Kriegsmaterial, das ihnen abgenommen wurde, wurden die Sturmabteilungen und die Miliz ausgerüstet. Lansbury Interveniert 'London. Georg Lansbury hat Freitag, mit drei Labour-Abgeordneten bei Staatssekretär Dr. Quido S ch m i d t in der österreichischen Gesandtschaft" vorgesprochen. Lansbury und seine Kollegen intervenierten in Sachen einer Amnestie für die politjschen Gefangenen in Oesterreich. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen: Montag Prag I: 7.05 Konzert au» Karlsbad: Gounod, Geiger usw. 8.10 Liederkonzert auf Schallplatten. 9.28 MuZiks"Salonquartett: Fibich. Tschaikowski. 14.20 Deutsch« Arbettersendmig: Gad M. Lippmann: Mensch«nd Masse. 16.00 Orchesterkonzert FOK: Grieg, Verdi usw. 17.88 Deutsche Sendung: Klassisch« Zeugen. 17.40 Rundfunkwochenübersicht. 17.50 Konzert der Tschechischen Philharmonie. 18.50 Deutsche Presse. 19.05 Militärkonzert. 22.255 Tanzmusik. 22.40 Deutsche Presse.— Prag H: 14.80 Deutsche Sendung: Kleiner Solistenkonzert: Mozart, Franz Schubert usw.— Brünn: 20.10 Soldatenlieder-— Preßburg: 10.15 Harfenkonzert. 22.85 Tanzmusik. Dienstag Prag I: 10.05 Deutsche Presse. 10.15 Deutsche Sendung: Für di« Frau. 11.05 Salonorchester: Juöik usw. 12.10 Slowakische Tänze-17.85 Geigenquartett. 18.10 Deutsche Sendung: Gattermann: Die" organisieren wir die Hilfsaktion„Milch fürs Kind". 18.20 Wagner. Mitwirkende: Reich-Dörich, Georg Schick; Arien aus.Rienzi". 18.45 Deutsche Presse. 18.55 Aus dem deutschen Kulturleben. 19,00 Liederkoitzert: — Prag II: 14.15 Deutsche Sendung: Dr. Beck: Philosophische Jrtümer. 14.85 Aus zeitgenössischen Anläßlich der Pfingstfeier- t a g e entfällt unsere Dienstagausgabe vom 18. Mak. Die nächste Ausgabe erscheint dann zur gewohnten Stunde am Mittwoch, den 19. Mai. Die Verwaltung. SagestKuMeUw Das Echo von Guernica Wenn der deutschen Regierung besonders daran gelegen hätie, die Stellung der Welt, lueinung zu dein Freiheitstämpf des spanischen Bolles zugunsleu der Regierung und gegen die Rebellen zu wandeln— sie hätten kaum etwas anderes tun können, als sie ntit dein Bombarde- mcnt von Guernica wirtlich getan haben. Nicht nur in England ist der Umschwung der össontli- .chon Meinung evident. Nicht nur die„T i- ul e s" und mit ihr zahlreiche andere englische Zeitungen, englische Politiker, englische Geistliche klage»,Franco und seine deutschen Helsershelser des entschlichsten Massenmordes an Frauen, Kindern und Hilflose», der mutwil- ligcn Zerstörung einer ehrwürdigen und sried» lichen Stadt, der beispiellosen Tücke gegen ein kleines tapferes Volk an. Wett in das katholische Lager reicht diesmal die Empör» n g. Die Tat- fache, dass cs sich um Katholiken, um sehr treue Katholiken sogar handelt, dass Pricstermord. Kirchonschändung und Kirchenzerstürung zn den Kampfmitteln der Mola-Armee gehören, hat viele Katholiken, die den spanischen Bürgerkrieg bisher nach dem Schema„Christen- tum gegen Bolschewismns" sahen, doch aufhor- chen lassen. Der Wiener„C h r i st l i ch e S t ä n- d e st a a t", in dem kürzlich ein Jesuit(Prof. Franzelin) die Berechftgung des Ausstandes Francos zu beweisen versucht hat, bringt eine Zuschrift, die sich nicht nur gegen die Austreibung des Teufels durch Beelzebub wendet, sondern sehr scharfe Worte gegen die Verbrochen von Badajoz(August 1936) und Guernica findet. Die Katholiken dürften sich, heisst es da, nicht an einem„Komplott d e S S ch w e i g c n s" mitschuldig machen.„Die Flugzeuge", schreibt-die Zeitschrift weiter, „die nach englischeni Zeugnis eine wehrlose Stadt dem Erdboden gleichmächten, waren keine spanischen. Denen, die sic lenkten oder lieferten, Ivar die nationale Sache Spaniens offenbar gleichgültig, noch viel mehr der Kampf für das katholische Spanien. Ihnen geht es nm andere materielle Dinge. In ihrer Heimat sind sie alles andere als Schützer der Kirche und die Brutalität ihrer Methoden ist den Völkern seit Jahrhunderten bekannt. Was haben wir als Katholiken für einen Anlass, nn» zn freuen oder auch nur dazu, zit schweigen, wenn Flugzeuge dieser Provenienz«ein armes katholisches Volk, das sein Land mit beispiellosen: Heroismus verteidigt, angreifen? Auch das— Schuschnigg nahestehende— „Neuigkeit s-W eItblatt" wendet sich gegen die Urheber der Katastrophe, die„un- fasslich" und beispiellos in der Geschichte der grausamsten Kricgstaten genannt wird. Die Schuldfrage müsse geklärt werden,„denn die Welt muss wissen, wessen sie sich zu versehet: hat". Mehr Gewicht noch dürfte es haben, dass Jacques M a r i.t a i n, einer der führende» Köpfe des französischen Katholizismus, feienen Namen unter ein" Manifest setzte, in den: cs heisst: „Das Urteil über die beiden Parteien, die sich in Spanien bekämpfen, bleibe frei— aber an den Katholiken ist es, zu allererst die Stimme zu Musikschöpfuugen- 14.50 Deutsche Presse. 18.00 Liederkonzert. 18.20 Tanzmusik.— Brünn: 16.10 Militärkonzert. 17.20 Balalaika-Solos. 17.40 Deutsche Sendung: Arbelterseudung: Sozialtnformationen— Dr. Schalkinger: Berufskrankheiten.— Kos,hau: 12.05 Schallplattenkonzert. 19.10 Rundfunkorchestec- lonaett.— Möhr-Ostrau: 15.00 Rundfunkorchesterkonzert. 17.85 Ziaeunermelodien- 18.10 Deutsche Sendung: Landwirtschaft. Mittwoch Prag I: 10.05 Deutsche Presse. 11.05 Schallplattenkonzert: Meherbeer, Händel usw. 12:10 Operettengesänge. 18.40 Deutscher Arbeitsmarkt. 18.40 MuZiks Salonquartett: Dvorak, Kalman usw. 18-10 Deutsche Sendung: Dr. Maras: Aus dem tschecho- siowakischen Kulturleben. 18.20 Arieltersendung: Karl Kern: Zu den holländischen Wahlen am 28. Mal. 18.40 Sozialtnformationen.— Prag II: 14.15 Deutsche Sendung: Rindersttmde. 14.50 Deutsche Presse.- 18.15 Blechmusik.— Brünn: 15.00 Orchesterkonzert von: Brünner Konservatorium. 17.40 Deutsche Sendung: Cellokonzert— Liederkonzert.-'— Prestlmrg: 19.20 Populäres Konzert: Delibes, Mohze». 21.20 Beethoven: Klavierkonzert. — Kaschnu: 12.05 GesanaSkonzert auf Schallplatte».— Möhr-Ostrau: 12.85 Rmtdfunkorchesterkon- zert. 18.80 Schallplatte» 20.30 Gesangskonzert der schlesischen Lehrer. Seite S Sonntag, 16. Mal 1937 Nr. 11» Das Urteil gegen ItAptnek erst Pfingstmontag abends Abschlu» des Beweisverfahrens .Das Gutachten der Psychiater: vollkommen zurachnunasMhlgl ergeben gegen die drohende Vernichtung' eines christlichen Boltes. Nichts rechtfertigt, nichts entschuldigt die Zerstörung offener Städte..- Unser Ruf geht an alle Menschen in allen Ländern, die ein Herz haben." Auch Francois Mauriac, Mit. giidd der Akademie, einer der bedeutendsten katholischen Schriftsteller Frankreichs, hat die- ses Manifest unterzeichnet. In leidenschaftli. chen Worten wendet sich der katholische Publi- zistLouis Martin-Chauffier ge- gen die Zerstörung Durangos. Der Mitarbeiter der katholischen„La libre Belgique" H o n- n a e r t war aus Begeisterung für Franco nach Spanien gegangen. Er kam bekehrt zurück. Er berichtet, daß die Franco-Truppen alle Ge- fangenen massakrieren. Er bekennt seine Irrtümer und schreibt:„ES wäre nicht gut, wenn eS später einmal hieße: alle Katholiken haben sich in Schweigen gehüllt". Er wäre angesichts des unendlichen Leides, das dem armen Baskenvolk— der„Christliche Ständestaat" nennt die Basken in seiner letzten Nummern übrigens„die Tiroler Spa- n i e n S" und vergleicht ihren Kampf mit dem Heldenkainpf Tirols gegen Bayern, Italiener und Franzosen im Jahre 1809— es wäre ange- sichtS der unaussprechlichen Greuel von Durango und Guernica ein winziger, ein ganz klei- n er Trost zu wissen, datz eS nicht u ms o n st war. Daß aus dem Blute der hilflosen Schlachtopfer der Geist der Erkenntnis, der Umkehr und die Anklage der Welt gegen die Zerstörer alles Menschlichen steigtl Welch ein Staat!„Der Borsitzende des Familienrechtsausschusses der Akademie für Deutsches Recht hat der Oefsentlichleit die von dem Ausschuh durchberatenen Vorschläge zur Neugestaltung des deutschen Ehescheidungsrechtes übergeben... Das Entscheidende und ausschlaggebende Neue, dar der Vorschlag, gebracht hat, ist: Grundlage einer Scheidung soll nicht mehr ein etioaigeS Verschulden der Ehegatten, sondern die „objektive Zerrüttung" einer Ehe sein. I» b e- st i m m t e n Fällen kann eine Entscheidung auf Antrag des Staatsanwaltes erfolgen..'. Ehebruch, Lebensnachstellung sollen leine Gründe mehr sein, bei deren Vorliegen die Ehe ohne weiteres geschieden werden muh, vielmehr.., ist eine Ehe dann zu scheiden, wenn die Ehe des sittlichen Gehaltes entbehrt, und zwar derart, datz daraus der V o l k S- ge meinschaft ein erbe blich e r Schaden erwächst. Solche Fälle sieht der neue Vorschlag als gegeben an,...wenndieEhe- gattenunterdem Schutz ehelicher Gemeinschaft kommuni st ische P r o p a g a n d a t r e i b e n.(— wobei zu beachten ist, daß es im Dritten Reiche auch katholische, evangelische, sozialdemokratische und dentschnationale„Kommunisten" gibt—)'. Der Vorschlag sieht in diesen Fällen die Zerrüttung deshalb für gegeben an, weil eine solche Ehe sich in„dauernden Widerspruch setzt zu dem. Begriff der Ehe als einer auf sittlicher Grundlage s— der„Lebensnachstellung", siehe oben—) beruhender Gemeinschaft". In solchen Fällen kann auch gegendenWillenderEhepart- ner eine Ehe geschieden werden. Die Feststellung, ob eine„objektive. Zerrüttung" der Ehe gegebett ist oder ob die Ehe ihres sittlichen Gehaltes, entbehrt' und der Volksgemeinschaft ein Schaden erwäch st, ist damit in die Hand des Richters gelegt."(»Die Frau am Werl", Zeitschrift für die w e r k t ä t i g e Frau in der DAF, Berlin, 1. Jahr, Nr. 7, Seite 131). Was ins Deutsche überseht heißt: erschlagen dürft ihr euch, solang kein„Wichel" entsteht; aber der Reichstag darf nach wie vor nur auf Kommando angezündet werden. Das Verteilen von Flugblättern und Flüsterwitzen„entbehrt des sittlichen Gehaltes", der bei„Lebensnachstel- lang" und Ehebruch immer noch mit Nachsicht der Taxen angenommen werden kann; zumal doch ein SA-Mann oder NS-Bonze der lachende Dritte eines Ehebruchs sein könnte, also der Volksgemeinschaft geradezu ein Nutze» erwächst. Eine exemplarische Strafe für Militärverrat. Der Senat für Angelegenheiten des Militärverrates beim Kreis-Strafgericht in Prag'verurteiüe am 15. Mai unter dem Vorsitz des GR Dr. Ber- nAM einen 34jährigen tschechoslowakischen Staatsangehörigen wegen des Verbrechens des Militärverrates nach 8 6, Art. 2, Abs. 1, des Gesetzes zum Schutze der Republik zu einer schweren Kerkerstrafe in der Dauer von 29 Jahren mit den entsprechenden Verschärfungen und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zu einer zusätzlichen Geldstrafe von 20.000 KC. Die Klage vertrat Staatsanwaü Dr. Zitek. Räch dem Freispruch neuerdings unter Mordverdacht verhaftet. Donnerstag' abends wurde von der Egerer Gendarmerie-FahndungSabteilung ein gewisser Franz Adolf G ö tz in Hohenstollen verhaftet. Im Jahre 1988 war seine Tante ermordet worden. Götz wurde bereits damals in Haft genommen, doch wurde er im Oktober 1984 vom Egerer Schwurgericht freigesprochen. Vor kurzem soll ein gewisser N e u d e r t, der ebenfalls in.diese Mordsache verwickelt war und derzeit in Bory eine Strafe absiht, einen Kassiber herausgeschmug- gelt haben, in dem Götz belastet wird. DaS dürfte die lirsache der neuen Verhaftung sein. Leltmeritz. l—rb—) Am Nachmittag des vierten BerhandlungltageS kamen zum Schluß des Beweisverfahrens die vom Gericht bestellten'ärztlichen Sachverständigen zum Wort, die mit der Untersuchung des Geisteszustandes des Angeklagten betraut worden waren. Dar sehr eingehende Gutachten des Psychiaters Dr. Stein aus Teplitz-Schönau nahm zweieinhalb Stunden in Anspruch. Erwähnenswert ist noch, datz der Bruder der Angeklagten aus der Slowakei an den Verteidiger ein Schreiben gerichtet hat, in welchem' behauptet wird, datz Sti- pänek als kleines Kind eine G e h i r n h a u t- entzündung überstanden habe, die wohl Folgen für seinen Geisteszustand hinterließe Das Gericht vernahm in dieser Sache nochmals den alten Oberlehrer i. R. D o u brav s k h, der mit dem Vater Sttipäneks nähe bekannt und über alle Familienereignisse stets informiert war. Der Zeuge erinnert sich indessen keinesfalls, von einer solchen Erkrankung de» Angeklagten gehört zu haben. Auf eine Andeutung des Verteidigers, daß ihn vielleicht fein Gedächtnis im Stiche lasse, dokumentiert der alte Lehrer sofort sein guter Merkvermögen, indem er den Staatsanwalt, der gleichfalls sein Schüler war, auf eine dahingehende Frage daran erinnert, daß er im Jahre 1894 Diphtherie gehabt habe. Aus dem Sachverständigengutachten der Psychiaters geht hervor, daß, wie bereits bekannt, der Angeklagte ein Spätling war. Sein Vater zeugte übrigens noch mit 70 Jahren ein Kind. Die schon oft erwähnte und nachgewiesene sadistische Grausamkeit der Angellagten wird an zahlreichen mehr oder minder krassen Episoden von neuem illustriert. ll. a. wird die Tatsache erwähnt, daß er seiner Schwester einmal ätzende Säure über die Brust goß, bloß um zu sehen,„was daraus werden würde." Bemerkenswert, daß diese Schwester in der Voruntersuchung sich bemühte, dm Angellagten als harmlosen und guten Menschen hinzustellen! War die Intelligenz de» Angellagten betrifft, so bezeichnet dar Gutachtm seinen Jntelligenzgrad als nahe der unteren Grenze der Normalität, schließt jedoch einen ausgesprochene» Schwachsinn aus. Anter Heranziehung der Handschrift der Angellagten gelangt dar Gutachten zu dem Schluß, daß Stipänek Der Mensch und die Natur. Mr. Falla vom Auckland-Museum hat festgestellt, daß die norwegischen Fischer im letzten Sommer 42.000 Walfische, getötet haben und.datz es in w enigen Jahren keine Walfische in den Eismeeren mehr geben wird. Norwegen hat in. der Tat das regelrechte Monopol der Walfischjagd erworben, und die wissenschaftlichen..Jagdmethoden haben in dieser Hinsicht derartige Fortschritte gemacht, daß die Besitzer eines Walfischfängers sich bitter bellagen, wenn ihr Boot ihnen nicht einige hundert Walfische pro Saison heimbringt. Dank des ewigen Tages im Polarsommer arbeiten die Fischermannschaften dort 24 Stunden pro Tag und wechseln sich alle zwölf Stunden ab.— Der Fortschritt von heute hat eben Tempo und in ein paar Jahrzehnten, kann bei diesem Betrieb der Mensch wohl mit der Natur fertig geworden fein! Eisenbahnunglück in Serbien. Freitag nachmittags ereignete sich auf der Strecke ZajeLar— ParaLin ein Eisenbahnunglück, welchem sechs Reisende zum Opfer fielen. Einige Personen wurden schwer und mehrere leichter verletzt. Das Unglück ereignete sich in dem Augenblicke, in welchem der gemischte Zug in die Station KlaLevai einfuhr. Die Lokomotive und einige Waggons stürzten um. Die Lokomotive und die Wagen wurden zertrümmert.‘ lieber dem Elternhaus abgestürzt. Samstag vormitags ist ein englisches Tiefdeckerflugzeug, an dessen Doppelsteuer der 27jährige Student Arthur Lasnausky aus Klein-München'bei Linz uNd der 21jährige Student Thämshead Nadir Tata aus Bombay saßen, beim AuSkühren einer Schleife um das unmittelbar neben der Unsallstelle gelegene Elternhaus des Lasnausky plötzlich abgestürzt..Dse Maschine wurde vollkommen zertrümmert. Beide Insassen fanden den Tod. Die beiden Studenten hatten in England studiert. Falsche Diplome in Rumänien. Nach rumänischem Gesetz darf nur derjenige einen lleinjndustriel- len Betrieb eröffnen, der ein Gewerbe erlernt hat und die Dokumente als Meister besitzt..'.Diese Bestimmungen benutzte in Czernowitz ein gewisser Herr Weißmann, um schnell resch zu werden,. Er gründete in Czernowitz«ine Berufigenossenschaft, um durch dieselbe solche Arbeitsdokumcnte ausstellcn zu können. Mst Hilfe einiger öffentlicher Angestellter gab diese BerufSgenossenschaft an Advokaten, Industrielle, Großgrundbesitzer, P olitiker und Angestellte etwa 1500.falsche Meisterdokumente aus, für welche sie sich,, je nach der Zahlungsfähigkeit der Betreffenden, 1500 bi» 6000-Lei zahlen ließ. Außer diesen falsche». Meisterdokumenten gab diese. Genossenschaft noch Dokumente für-OnälitätSarbeiter.zum Preise, von 170. bis 840 Lei pro Stück heraus- und zwang die Arbeiter, solchem Dokumente-zu erwerben. Diese falschen ArbeitSdokmnente wurden vom Czernowitzer'Arbeitsinspektor Etro ja unterschrieben und mit dem amtlichen Siegel versehen. Da diese falschen Dokumente da? amtliche.Siegel- tragen, würden sie mit 99prozenttger Sicherheit als' echt als PrimitweS, infantile»,' rohes und gemeine» -.- Wesen zu bezeichnen sei,'dessen.Grausamkeit sich mit.-h o ch« gradiger Fe i g h e 11 paarte. Seine Opfer waren durchwegs Frauen und Kinder-und auch bei diesen Anschlägen wählte er'stets die Methode des meuchlerischen Ueberfalles. Bemerkenswert ist die Feststellung der- Gutachtens, daß er fetne Untaten nur zu H au s e b e g i n ff, während er sich in der Fremde nichts Ernsthaftes'zuschulden kommen lfeß. In diesem Verhalten kommt die tragische Schuld der Eltern und namentlich der Mutter zum-Mrdruck, die ihn aufS verantwortungsloseste verzärtelte und systematisch zü der Verkümmerung de» ohnedies nicht gut angelegten Charakter» der Burschen beitrug.-Die-sadistischen Neigungen der. Angeklagten und seine absolute-Hemmungslosigkeit stehen fest. Er ist jKwch weder schwachsinnig, noch geisteskrank. Er handelte mit vollem Bewußtsein seiner Taten und ging durchaus planmäßig vor. Er scheint auch vollkommen u n v e r b e s s e r l i ch zu sein. Für irgendeine geistige Erkrankung liegenkeine Merkmale vor. Auf die Frage de» Arztes, was.ihm dje Menschen, die er umbrachte, zuleide getan hätten, antwortete er unter Tränen:„N ich t s!" Dabei ist aber festzustellen, daß keine Spur' v o.n Reue an ihm wahrzunehmen war, sondern.höch» stenS Angst. Deni Arzt mutete er zu, er solle ihm durch ein günstiges Gutachten zur Freiheit verhelfen. Auf diesen. Gedanken brächte ihn— wieder eine Spur der verderblichen Erziehung,'— daß. ihm seine Mutier gelegentlich einer DiebstählSanllage durch Beibringung einer ärztlichen Zeugnisses, das ihn als unzurechnungsfähig hinstellte, zu einem Freispruch verhalf! • Nach Abschluß des BeweiSverfahrenS war-die Tageszeit bereits so vorgerückt, daß der Prozeß keinesfalls noch am gleichen Tage zu Ende zu führen war. Der Schwurgerichtshof beschloß deshalb die Vertagung der Verhandlung auf den P f-i.n g st- moNtag, der von den Plädoyers, dem, Resümee und der Arteilsfällung ausgefüllt fein wird. Das Artest wird Montag in den Abendstunden erwartet. Wester bestehen—wenn nicht unsere' Czernowitzer Genossen den Skandal aufgedeckt hätten. Nun hat das rumänische Arbeitenministernim diese Dokumente für' ungültig erklärt, Herr Weißmann und' seine Kumpane aber haben auf diese betrügerische Weise über sechs Millionen Lei.ergattert.(P. Th) Zu dem Flugzeug-Unglück auf dem Weiß« Berg. Die Milstärkommission, welche dar Flug- zeug-Anglück, welcher sich Freiiag.unwest des Militärflugplatzes„Na Bypichu" ereignete, untersucht, stellte auf Grund, des Ergebnisses der Besichtigung der havarierten Flugzeuges und auf Gründ der Aussage von Augenzeugen fest, daß dar Unglück durch GeschwindigkeitSverluft beim LandungSmanöver verursacht wurde.- Der Geschwindigkeitrverlüst trat in einer Kurve vor dem Ansehen zum Landen, eich als der Pilot wahrscheinlich im letzten Augenblick ein Hindernis— den hohen Kamin der Ziegelei be merkte und Ihm durch heftiger Umkehren' auSweichen wollte.. Wie bereits gemeldet- wurde, verloren-bei dem Unglück Infanterie-Unterleutnant Jaromir Ple- esth aus Prag und' der Gefreite.Norbert Väiia aus Pilsen das Leben.- Geleise verlegt. Die Direktion der Staatsbahndirektton in Königgrätz meldet,' daß-am 14. Mai um 18.88 Uhr im Kilometer 286:8'zwischen den Stationen Sedlec—Kuttenberg und Caslau die Lokomotive der PersonenzugeS Nr. 1204 mit den'Vorderrädern entgleiste'und das Geleise verlegte.' Der Verkehr wurde, auf dem- zweiten Geleise'aufrecht erhalten.- Das Hindernis war um-17.02-Uhr be« festigt und der Verkehr wurde auf beiden. Geleisen wieder ausgenommen. Bei,dem. Unfall würde niemand verletzt. Einige Züge erlitten Verspätungen. Gewitterneigung— sonst schön. In unseren Gegenden war eS am Samstag wieder nahezu durchwegs schön und die Temperatur stieg erneut.Wer 20 Grad an. Nur ganz vereinzelt traten leichte Lokalgewitter.oder Schauer auf. Eine leicht« Druckstörung über Frankreich löst sich auf und wird keinen Einfluß auf das Wetter im Binnenland« erlangen. Trotzdem-'ist in den nächsten Tagen mst-Neigung zu Lokalgewittern zu rechnen.— Wahrscheinliches W etter am Pfi ngst sonn tag: Wechselnd bewölkt,-in den Nachmittagsstunden. Neigung zu Lokalgewittern, sonst im ganzen schön,, ziemlich warm.— Wetteraussichten für Man« tag: Der herrschende Witterungscharakter dürfte noch anhalten.. Ziehung der Klassenlotterie kOhne Gewähr.) Prag. Bei der Samstag-Ziehung der 5. Klasse der 86. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachstehende Gewinste, gezogen:'.. 1,000.000 KC Prämie und 2000 KC gewinnt Iw» Nr. 105058. 80.000 Kd Los Nr. 15788. 20.000 K« die Lose Nr. 21010,108480. 10.000 Kd die Lose Nr. 12376, 108924, 21080, 48612. 5000 KS die Lose Nr; 68446,- 84981, 64798, 29424, 50444, 78792. 2000 K5 die Lose Nr. 80849, 57088, 87117, 54488,16482,107399, 77212,106527, 85818. 85000, 83198, 55822, 24146, 45369, 17116, 26465, 53007. 51922, 12242, 48317, 110410, 5480, 31488, 26435, 44244, 62405, 97365, 75919, 57588, 28240, 55252, 5814 55869 65555 867. 1200'Kö dieLose Nr. 88821 32078 51879, 37896 7056 114783 79671 44066 90111 100562 56088 80588 105245 54861 114221 29083 49498.10742 64603 86595 8419 70173 85042 114633 95173 14588 68202 2588 101498 65901 54175 45687 85859 113579 31680 91912 100787 96919 30089 113169 66881 66398 87781 42345 111908 44689 3400 62299 102748 10g447 86528 24785 7636 32611 2847 21896 94831 34769 16598 102082 74328 24561 4992 45076 106567*22467 29754 114553 94024 587868 84853 3121 95638 90821 56822. ..... Die Peers in der Untergrundbahn Die Peers und UnterhäuS-Wgeoltineten begeben sichlnideriUütergründbähchzür'WtzstmiWr-Mbtej $SS! 1'tWy-: d Nr. 118 Sonntag, 16. Mni 1637 Seife 7 ^)MsMrtsckaft mul äoÄalpoüM Auftakt zum Verbandstag des Transport* und Lebensmittelarbeiter-Verbandes Bodenbach.-(Eigenbericht.) Der zweite, stark besuchte Verbandstag des Transport- und Le- benSmittelarbeiter-VevbandeS wurde mir Pfingst- sam-tag im Saale der Volkshalle in Bodenbach mit dem stimmungsvollen Vortrag des Dänischen Sozialistenmarsches durch den Arbeitersänger- verein Bodenbach eingeleitet. Der Obmann des Verbandes, Genoffe K l i n g e r,' eröffnete dann die Tagung und begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste des IN- und Auslandes. An den Präsidenten der Republik, Dr. Ednavd Benes, wurde folgendes Telegramm unter stürmischem Beifall der Delegierten abgeschickt: Die auf dem Verbandstag versammelten Delegierten und Funktionäre des Verbandes der Transport- und.Lebensmittelarbeiter sprechen Ihnen, Herr Staatspräsident, ihren Dank für die werktätige Unterstützung der Forderungen der Arbeiterschaft,, sowie ihre vollste Ergebenheit ans und versichern Sie unserer unerschütterlichen Treue zurTschechoslowakifchen Republik. Der Verbandsobmann ging dann mif die Arbeit der verflossenen Jahre ein nnt> hob besonders hervor, daß die vor dreieinhalb Jahren beschlossene Vereinigung ter beiden Verbände sich als segensreich für die angeschlossenen Mitglieder erwiesen habe. Die Wirtschaftskrise in diesem Stadium habe die Arbeitsleistung des Verbandes behindert, im großen und ganzen aber habe der Verband nicht nur die Arbeitslosigkeit zu lindern vermocht, er habe daneben auch seine gewerkschaftliche Aufgaben restlos erfüllen können. Der Verbandstag tagt unter dem Motto„Friede, Demokratie und Arbeit." Er folgten dann die Begrüßungsansprachen der Gäste. Als erster sprach Bürgermeister Keßler von Bodenbach, der einen Vergleich zwischen der Arbeit der kommunalen Verbände und der Gewerkschaften zog und eine Uebereinstimmung in der Richtung. feststellte, daß beide ihre ganze Kraft anspan- nen. Müßten, nm den Opfern der Krise zu helfen. ,' Als zweiter sprach der Sekretär der Internationalen Union der Organisationen der Arbeiter und Arbeiterinnen der Lebens» und Gemchmittel- Jndustrie, Zürich, Genosse Georg Schiffer- st e i n. Er wies mit einem gewissen Stolz auf die Gewerkschaften in den. einzelnen. Ländern hin und stellre mit besonderer Befriedigung fest, daß namentlich in-F26ukLch"M^LWeiKiniÜkIarbeIttriVühand einen unerhörten Aufschwung genommen habe und gegenwärtig 850.000 Mitglieder zähle. Man erhält für Ke 100 Reichsmark.,,. ß 740.50 Markmünzen... 780.— 100 österreichische Schilling 536.— 100 rumänische Lei... 18.05 100 polnische Zlotü,. 549.50 100 ungarische Pengö.. 613.50 100 Schweizer Franken. 657.— 109 französische Francs. • 129.70 1 englisches Pfund.. 141.50 1 amerikanischer Dollar 28.65 100 italienische Lire.. 145.40 100 holländische Gulden. 1576.— 100 jugoslawische Dinare 65.30 100 Belgas 485.50 100 dänische Kronen.. • 631.— 100 schwedische Kronen • 730.— Dann sprach der Vertreter der schweizerischen Lebensniittelarbeiter-Verbandes, Genösse Mol ander. Auch er zeigte die politischen und gewerkschaftlichen Erfolge in seinem Heimatlande auf und betonte die Zusammeimrbeit ter Gewerkschaften mit der politischen Organisation. Der nächste Redner, Genoffe Franz Maeo« n, sprach für den Deutschen Gewerkschaftsbund in der Tschechoslowakischen Republik. Auch er fand Worte herzlichster und restlosester Anerkennung für die. Arbeit der tagenden Gewerkschaft. Für de« Verband Deutscher Wirtschaftsgenossenschaften sprach Genoffe P o d z i m e k, der auf pje,eherne Achse der Gewerkschaften, Partei und Ge- yoffenschaften verwies und ein gutes Zusammenarbeiten dieser drei Arbeiterorganisationen als die unerläßlichste Voraussetzung für den Aufstieg der Arbefterklasse hinstellte. Für den Parteivorftand und für die Kreisorga- nisation Bodenbach der Partei sprach dann Genosse Schweichhart, der sich mit Feuer und Begeisterung für eine Zusammenarbeit der Partei und der Gewerkschaften«insetzte und diese Zusammenarbeit als unerläßliche Voraussetzung für die Umgestaltung ter jetzigen kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaftsordnung bezeichnete. In seiner Begrüßungsansprache hatte der BerbandSobmann Genoffe Klinger mit Worten herzlichster Anteilnahme auch der Toten des Verbandes und der Internationale gedacht. Nach 6 Uhr abends wurde die Tagung abgebrochen. Die eigentlichen Verhandlungen beginnen Sonntag, 8 Uhr vormittags. Immer Köber über dem Vorjahr April-Ausfuhr gegenüber 1936 um 376 auf 952 Millionen Kronen gestiegen, d. I. um 65 Prozent— Fertigwarenausfuhr um die Hälfte größer Unser Außenhandel tm April hat zwar den Re- kordumsatz des März noch zu überbieten vermocht, doch ist diese Steigerung des Volumens auf 1970 Millionen a a 59,406 42,165 Mineralien 56,637 89,995 Tierische Produkte«»»» 69,824 54,156 Holzwaren.... a a. 56,555 42,719 jpbst, Gemüse, Pflanzen,, 69,726 57,868 Eisenbahn— einmal sympathisch Der Frühzug hatte eben die kleine Station verlassen', als das Mädchen durch den Eingang hereingestürzt kam und entsetzt der dünnen,.über den Lagerschupfen zerflatternden Rauchfahne nachschaute. Auf das tiefste erschrocken blieb sie stehen, warf einen Blick auf. ihre Uhr und schaute dann.wieder faffungSloS in die Richtung des davonfahrenden ZugeS: Er hatte nach' dem Fahrplan noch nicht fort fein dürfen, sie wär doch früher iinmer zur gleichen Zeit hier gewesen und niemals zu spät gekommen..Sie fragte einen Eisenbahner, und da erfuhr sie, daß seit kurzer Zeit der Fahrplan geändert, die Abfahrt des Früh- zugeS um eine Viertelstunde vorverlegt war. .«Ich sollte heute wieder zu arbeiten beginnen", sagte'sie tonlos,»ein halbes Iah» habe ich aussehen müffen und gestern ließ inan mir sägen, daß ich mich heute um acht Uhr im Büro zu melden habe. Jetzt ist das wohl vorbei!" Sie war nie zu fremden Menschen mitteilsam gewesen, aber in dieser Minute der Bestürzung verlor sie',ihre Scheu üitd sprach so eindringlich zu dem fremden Mann, äls»ob ihr dieser hel- fen könnte.• Der Eisenbahner sah,sie bedauernd an;,„£ei< der kann ich Ihnen nicht helfen, kleines Fräulein. Sie werden wohl mit dem nächsten Zug fahre» müssen, der.in einer Stunde geht, kvenn sie. längs der Bahnstrecke, zu Fuß nach T. gehen wollen, braucht!» Sie^noch etwas, länger.". Er chfng.Wester und das Mädchen wandte sich ratloS dem Aus-, gang zu.'''• iX Sehnliche Situationen entbehrest häufig nickst einer' konfischen Kote, Wer erinnert sich sticht jener Geschichten tvitziger Autoren,. die erzählen, wie dem verliebten jungen Gent der Zug davonfährt, der ihn zu der Angebeteten führen sollte, oder die Verzweiflung schildern, die den neugebackenen EhemaNn überfällt, wenn er bemerken muß, daß seine eben angetraute Gattin im selbem Schlafwagen davonschwebt, der einem früheren Nebenbuhler Quartier geboten hat.-— In unseren Fälle aber war es ernst. Das Mädchen wanderte längs der Bahnstrecke auf schmalen Feldwegen der fernen Stadt zu, an deren Rande die Strickwarenfabrik stand,, deren Büro den ersehnten Arbeitsplatz barg. Noch gestern hatte sie mit Beklommenheit an den Herr» Direktor denken müssen, dessen. Diktaten so schwer zu folgen war, und dessen kalte graue Augen die arme Tippmamsell, die. einen kleinen Fehler machte, so spöttisch mustern konnten. Diese Furcht vor der nicht «lehr'gewohnten.Arbeit war jetzt verflogen, sie ersehnte nur eines: Zejtgerecht. an Ort und Stelle zü sein, um ihren Posten, antreten zu können, sind dies nicht nur des geringen, so dringend benötigten Lohnes willen. Sie.fühlte eine leise Liebe zu der lange entbehrten Arbeit in sich aufkeime»,, rückte in Gedanken, die grün beschirmte Lampe auf dem Tischchen zurecht>u.»d ließ ihre Finger"auf der schwarzglänzenden Tastatur der treuen,.immer bereite» Schreibmaschine' spielen. Nest» ihre Arbeit ivar nicht monoton und geisttötend, wie sik-früher manchmal behauptet hatte, sie war schön und nützlich wie andere Arbeiten mich und wert, getan zu werden I Die Stahsschtenen' auf dem> Bahndamm klangen auf:.Eine i mit zwei Männern besetzte Mofordraisine^sauste.'he'ran,l'i bremste plötzlich scharf und hjelfetwä ztvänzig Meter von ihr ent- fxrnt auf der Strecke,.Muer der Männer.Winkte iihr zu, heraiizukötstmeii,«Steigesi Sie ein, Titz' llnglückskindl" rief er,«vielleicht kommen Sie hoch noch zur Arbeit zurecht." Ehe das Mädchen das Geschehene zu. kaffen vermochte, saß es auf einem der rückwärtigen Sitze und rollte mit dem Schienenwagen davon. Neben dem Eisenbahner, den sie am Bahnsteig angesprochen hatte, saß der Herr Bahnmeister und nickte ihr freundlich zu. Der Mann hatte ihm vom Mißgeschick des Mädchens erzählt und yn plötzlicher Enffchluß bewog ihn, es ein Stück des Weges mjtzunehmen. Natürlich waren solche Akte der Hilfsbereitschaft laut Dienstordnung streng verpönt und es war auch noch nie vorgekommen, daß der Beamte lässig oder nachsichtig im Sienste gewesen wäre und schon einige Augenblicke nach der Abfahrt des Wagens wunderte er sich Wer feinest Enffchluß, einem fremden Menschen zuliebe eine solch offensichtliche Unkorrektheit begangen zu haben.. .. Eilig sauste der Wagen Wer. die blitzenden Schienen. Rechts uitd links vom Bahndamm dehn- ten sich die im ersten Frühlicht liegenden Felber, über deren feuchtigkeitsgesättigter, schwarzer Ak- kerkrumme der scharfe,' würzige Vorfrühlingswind tvehte. Er brachte auf seinen Flügeln ein Ahtien von blühenden Frühlingswiesen und sonneiiber- schütteten grünen Berghängen und erweckte in den Herzen der Menschen, denen er an jenem Morgen um die Stirnen.flog, gar manche Sehnsüchte und Wünsche, die einzugistehen. sie sich im,Bannkreis der.freudlosen Verpflichtungen.des Alltags wahrscheinlich geschämt hätten. Vielleicht war! es dieser ungebärdige, berauschende Morgenwistdpder dix Würde.und das Pflichtbewsthtsein des Herrn Bahnmeisters zerzaust hatte.' Wer weiß dar? Es geschehen so manche unerwartete Dinge" in dieser Jahreszeit.>. So wie dem Bahnsneister geht es manchem! Lohnerhöhung bei C. F. Pehr In Komotau Der Internationale Metallarbeiterverband hatte vor einigen Woche» bei der Firma C. F. Pehr, Maschinenfabrik in Komotau, eine Lohnforderung anhängig gemacht, die nach dnrchgeführten Verhandlungen dieser Tage zum Abschluß gebracht wurde. Nach den getroffenen Vereinbarungen wurde eine Akkordgarantie von 10 Prozent gewährt und die Regielöhne der jugendlichen Arbeiter in dem Ausmaß von 6 bis 12 Prozent erhöht. Eine Freitag abends stattgesundene Belegschaftsversammlung hat dieses Verhandlungsergebnis einmütig angenommen. Kaolinarbeiter Im Streik Die Belegschaft des Betriebes der Nurdwest- böhmischen Kaolinwerke in P o m e i s l ist Mittwoch in den Streik getreten. Den Anstoß hiezu gab das schroffe Vorgehen der Firma gegenüber der Arbeiterschaft. Sie ließ das Verlangen des Verbandes der Glas- und Keramarbeiter nach Abschluß eines Lohn- und Arbeitsvertrages und nach Angleichung der Löhne an die der übrigen Schächte des Gebietes unbeantwortet. Die Arbeiter mußten dauernd Aeberstunden leisten; sogar am 28. Ottober und am 1. Mai wurde durchgearbeitet und die Soimtagöarbeit trotz behördlichem Einschreiten fortgesetzt. Dabei verdienen die Arbeiter bei angestrengtester Arbeitsleistung SchuMöhne von Kö 2.45 bis K£ 2,60 in der Stunde. Nach AuSruftmg des Streikes hatte sich die Arbeiterschaft in den BetriebSräumen und mif der Grube aufgehalten. Donnerstag abends würde der Betrieb jedoch von der Gendarmerie geräumt. Diese Maßnahme ist uni so unverständlicher, als sich die Arbeiterschaft völlig ruhig und besonnen verhalten hatte. Am Donnerstag aufgenommene VerhaW- lungen führten zit keinem Ergebnis. Die Finna will nun Arbeiter von auSwärrS, vornehmlich aus dem tschechischen Gebiet, heranziehen. Die streikende Arbeiterschaft ist jederzeit berest, weiter zu verhandeln, aber umso entschlossener, den auf- gzwungenen Kamps durchzuhalten. Die Poder- samer Bezirksbehörde hat für den 19. Mai neue Verhandlungen angesetzt. Eisenerze auS Karpathorußland. Zur Verbesserung unserer Eisenerzversorgung werden gegenwärtig Versuche mit.deH Verhüttung karpatho- russischer Eisenerze gemacht. Falls sich dabei herausstellt, daß die Eisenausbeute.50 Prozent überschreitet, soll, mit.der fabrikationSmäßigen Auswertung der karpathorstssische» Eisenerzlager begoimew werden».. Tschechoslowakische Handelsgesellschaft in Südafrika. In JohanniSbürg- ist' unter Beteiligung von Tschechoslowaken eine Anglo-Czech- Company Ltd. mit einem Kgpital von 2000 Pfund Sterling gegründet worden, die sich.mit dem Verkauf tschechoslowakischer Waren in Südafrika und dem Einkauf von Rohstoffen befassen wird. Hoher Papierexport. Der tschechoslowakische Papierexport weist gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung von über 20 Prozent auf. Durchschnittlich sind' in den letzten Monaten 400 Waggons expediert worden und es besteht die'begründete Hoffnung, daß sich der Export für längere Zeit auf dieser.Höhe stabilisieren dürfte. Gewerbezuwachs verlangsamt sich. Im ersten Vierteljahr 1937 betrug der Zuwachs an Gewerben im Gesamtgebiet der Tschechoslowakei 3038. In der gleichen Zeit des Vorjahres war ein Ge- wekbezuwachs von 5000 zu verzeichne». hartgesottenen Bürokraten: Man braucht sie nur aus der Umgebung von Aktenmappen, Registerschränken und gedrückten Dienstvorschriften zu entfernen und sie mit der Nase hineinzustoßen in die wirkliche, lebende und atmende Welt, um aus ihnen umgängliche Menschen zu mache». Uniformiert und zwischen die kahlen Wände eines Amtsraumes verbannt, tverden sie zu Apparaten,.die von einer mächtigen, unsichtbaren Gewalt auf eine Disziplinarordnung ausgerichtet, einen Dienstweg eingestellt, eine Amtspflicht verschworen sind und die Aktenstücke höher einschätzen als den lebenden Menschen. Der Wagen hielt in der Nähe der Stadt. Das Mädchen sprang herunter, dankte herzlichst und lief davon. Sie wird zurechtkommen und es wird alles gut tverden: Ihr erster Tag stand unter einem freundlichen Stern. Und die Eisenbahner waren alle gute Menschen... wer wollte leugnen, daß sie auch uns, obwohl sie so'offensichtlich pflichtvergessen' gehandelt haben, sehr sympathisch erscheinest? i' Stehen nicht auch wir oft am Bahnsteig drr enttäuschten Hoffnungen und schauen zerflatternden Illusionen nach? Mit dein Eilzug wolltest wir ins Land unserer Sehnsucht fahren und find zu spät gekommen,!»» zehn. Minuten oder. zehn Jahre. Manchmal kommen.• wir mit' unseren Wünschen auch zu früh, um zehn oderum hundert Jahre.— Was tut.das?'— Wir müssen bescheiden zu Fuß gehen, Schritt für Schritt dem Ziele zu, das wir vielleicht nie-erreichen,'wenn wir nicht das Glück'haben, von de» Motorzügen der Geschichte vorlvärtsgeworfest zu werden, denn — und deswegen erzähle ich euch das— der er- freuliche Ausgang der hier geschilderten untvich- tigen. Begebenheit. ist i auch' nur. eine Ausnahme, i niemals die Regel., Seite 8 Sonntag; 16. Mn« 1037 Nr. 11» Der Kampf um„Lohengrin“ Wie Richard Wagner ein französisches Kabinett stürzte In diesen Tagen ist es fünfzig Jahre her, daß es in Paris zu Sturmszenen wegen einer geplanten Aufführung des„Lohengrin" von Richard Wagner kam— nicht nur dazu, sondern zu heftigsten Prcsscschden, Duellen, politischen Verwicklungen und schließlich dem Sturz des Kabinetts. Man vergißt leicht im Sturm der heutigen Ereignisse, daß die berühmte gute alte Zeit kei- neswegs ruhig und idyllisch war, nur hatte ntan damals andere Sensationen. Nachdem die französische Erstaufführung des „Tannhäuser" in der Pariser Oper durch technische und persönliche Tücken rühmlos verlaufen tvar und nachdem eine Reihe von französischen Pamphleten gegen Wagner erschienen- waren, schien in den sechziger Jahren Wagner für Frankreich verloren. Kurz vor dem Kriege 1870/71 plante man zwar die Aufführung von„Lohen- grin" im damaligen„Thtatre Lyrique", jedoch kam der Krieg daztvischen. In den achtziger Jahren versuchte der spätere berühmt« Direktor des Prager Deutschen Theaters Angelo Neumanneinige Wagner- Ausführungen' in deutscher Sprache in Paris zu inszenieren, doch war es damals Wagner selbst,, der ihm abriet. . Bereits um die Wende 1885/86 begann in der Pariser Preße eine heftige Kampagne für und gegenWagner sowie um das noch jungeBayreuth. Studentenverbände,-und alle Pläne, Wagner äuf- zuführen, scheiterten an dem organisierten Widerstand des Publikums,. Bei den Bayreuther Testspielen von 1886 nahm jedoch eine Reihe der her vorragendsten damaligen französischen Musiker und Schriftsteller teil, u. a. Saint Sasns, Maurice Barris und Paul Bourgct. Und kurze Zeit später kündigte der„Figaro" an, daß der Direktor des Eden-Theaters, das heute längst nicht mehr-existiert, für das kommende Jahr den„Lohengrin" vorbereiteter Aber die Opposition war keineswegs Keiner geworden, im Gegenteil.. Im März 1887 begann eine neue weitaus schärfere Pressekampagne, die auch nicht nachließ, als viele der hervorragendstem französischen Komponisten, mit Ausnahme Gou- nods, sich für eine„Lvhengrin"-Ausführung aussprachen. Vielleicht wäre alles gut gegangen, wenn nicht plötzliche Mitte April die Affäre Schnacbele passiert tväre.. ES ist der Fall des französischen Grenzbeamten Schnaebcle, der von deutschen Grenzlerst verhaftet- wurde.. Diese Affäre vergiftete-monatelang di« politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, die seit dem Kriege 1876/71.gerade wieder ange- fangtn hatten, sich.zu bessern.- Jedenfalls war diese Affäre, die eine r«in-politische wär, für die Gegner WagnerS der erwünschte Anlaß, die geplante„Lohengrin"«Aufführung nunmehr, ebenfalls für eine hochpolitische Asttzelegenheit zu erklären/ Man ging soweit, deck Direktor des Eden- Theaters vorzuwerfen,«r weriie heimlich von den Deutschen subventiostiert., Die Premiere sollte ürsprünglich am 28. April stattfindcn, aber infolge der deutsch-französischen Spannung ließ, der damalige Ministerpräsident Gablet die Direktion des Theaters bit- ten. die Aufführung zu verschiebep, Sie fand dästst. ckn 8; Mai statt, vor einem sorgfältig gesiebten Publikuck. Der Eingang zum Theater war äbge- sperrt, denn auf./ den- Boulevards manifestierten Tgüsende von Menschen! Die zweite AusfUhrüng I sollte am 5. Mai ersölgen/aber obwohl das Kabi nett erklärte, es würde für Ruhe und Ordnung sorgen, verzichtete der Direktor des Eden- TheaterS angesichts der Stimmung und schloß das Theater. Er hatte.richtig vorausgesehen:-am Abend kam eS vor den geschloßenen Toren des Eden-Theaters zu wilden Demonstrationen der Anhänger und der Gegner Wagners, wobei eS sich kaum noch um Wagner dreht«, sondern um Gegensätze der Innen» und Außenpolitik, Die Polizei mußte mit blanken Säbeln eingreifen,"es gab viele Verletzte und Verhaftete. Am nächsten Tag teilte der Direktor des Eden-Theaters mit, daß er. endgültig davon Abstands nehme,„Lohengrin" de» Parisern zu zeigen,Seine Freunde'und Anhänger gaben. Ihm ack 16. Mai ein. Gala-Diner, an sein sich auch Kabi- ncttsmitgliedcr beteiligten. Eben dies hätte» sie nicht tun dürfen, denn die politischen Leidenschaften waren nun einmal durch die Koinzidenz der Affäre Wagner mit der Schnaebeles entfesselt. Einer der Hauptgegner.'des Kabinetts, Clecken- ccaü, Haiti wochenlang die bissigsten Pamphlete gegen die Regierung geschrieben, kurz,'.am 17. Mai kam cs in der Kammer zur Abstimmung irgend eines belanglosen Gesetzes, und die Regierung Gablet fiel Und zwar aus keinem anderen Grunde, weil.sie sich bereit erklärt' Hatte7'die „Lohengrin"-Aufführungen durch Pplizei schützen zu laßen.- . Erst vier Jahre später wurde ,»Lohengrin" anfgefiihrt, und- zwar auf ausdrücklichen Wustsch- der Regierung, die ihren Willen-nun/aiich dur.ch- züsetzen> versiand.WS- kam zwar' stochs zu einigen Tumulten vor und in der. Oper, aber der Wind hätte umgeschlagen. ünd vostnimab blieb'Richard Wagners Oper-ständig auf,'deck' Pariser Bühnen» spielplan. Richard Wagner selbst hat diese„Rehabilitierung".'allerdings Nicht, mehr erlebt.- i' MDP. Prag vor 150 Jahren „Freye Bemerkungen“ eines Anonymen Ein Büchlein liegt vor uns, 1787 erschienen, Autor und Verleger ungenannt. Als Vorwort dient dem Werke ein Zwiegespräch zwischen bcnt anonymen Schreiber und dessen Verleger, das sich anläßlich der Uebcrreichung des Manu- skriples abgespielt haben soll. Der Verleger liest: „Freye Bemerkungen über Prag. Mir dünkt ebensolche Bemerkungen schon gelesen zu haben:" Der Autor:„Kann gerne scyn. ES ist schon viel über diese Stadt geschrieben worden. Kann ich aber andere Bemerlungen als meine Vorgänger machen, wenn sich die Sitten nicht ändern?!" Nun, es handelt sich um Prag und seine Sitten, als„die Stadt auf eine Stunde lang und drey Viertelstunden breit" war; als sie aus„vier Städten, der Altstadt, Neustadt, Kleinseite, Hrad- schin" bestand,(1784 von Josef II. zu einer Stadt vereinigt), als man„in der- Altstadt auf 800 Häuser mit Kirchen und Klöstern, in der Nenstadt auf 1200, auf der Kleinfeite 600 und auf dem Hradschin 200 zählte und sünsundsieb- zigtausend Einwohner". Der Anonmnns, der jenem Prag vor 150 Jahren einen längeren und kritischen Besuch ab- siattete, teilt sein Büchlein in zahlreiche,' kurze Kapitel ein, die, jedes für sich, so scharf sie auch urteilen und verurteilen, interessant sind. lieber die„Lebensart" der damaligen Prager ist er wenig begeistert, er findet sie ausschweifend, ja unmoralisch, zumal er in den sorglosen Kreisen der Bevölkerung verkehrt zu haben scheint, in der man„in Gcscllsck)ast der Frauenzimmer niemals seine eigene Frau mitführt, da man sich ansonsten dem Gespötte der Stadt aussetzte". „Die Frau eines anderen muß man viel höher schätzen als seine eigene(wenn sie schön ist)" fügt der Autor ärgerlich hinzu und geht auf eine fcharse Kritik des„Aufwandes" der Prager über. „Wehe einem Mann, der eine junge Frau hat; alle Monate muh er ihr ein neues kleid machen lassen," eine Klage, die nicht ganz und gar unaktuell klingt, ebenso der Bericht über die Equipagen.„Prächtige Equipagen sind ebenso uöthig. als die kostbarsten Gerichte, wenn man sich sehen lassen will. Das Mädchen, die heyrathen will, sicht sehr daraufl" Die Zeiten haben sich freilich geändert,— die Equipage ist dem Sechszylinder gewichen. Das kulinarische Prag kommt gut weg. Die Speisen behagten dem fremden Besucher,„ich habe sie außerordentlich delikat gefunden und habe mir oft- den Magen überladen, weil mir immer eine Speise bester als die andere schnieckte." - Die Damen Prags seien„schön, artig und gefällig" meint der Autor,.während die„Mannspersonen sich putzen und schminken, um Eroberungen zu Machen"- Das interessanteste Kapitel ist dasjenige, das sich mit dem Geistesleben der Stadt beschäftigt, vor allem mit der geistigen Freiheit, bester gesagt deren Mangel. Er nennt die Zensur von„elender Beschassenheit" und schildert sie aussührlich. „Wenn ein Buchhändler vom Ausland neue Bücher bekommt, so müßen sie erst im Manthamtc srey gemacht werden, und hierzu braucht man ein paar Stunden Zeit, weil man wohl sechsmal auf und ab rennen muß, ehe man alle die Gelder und Abgaben entrichtet, die dazu erfordert werden; denn die Herren arbeiten nach Belieben'..."„Bücher, die nicht öffentlich verkauft ivcrden dürfen, kann nmn gegen einen Zettel, welcher von einem Pro- scssor oder von einem Adelichen unterschrieben ist, erhalten, Vieser wird erst nach der Censur geschickt, von da kommt er zum' Obcrinfpektor der Censur, Herrn Baron von Kotz; findet dieser Mann cs vor gut, so bekommt sie der Buchhändler..."„Einige Bücher werden gar nicht erlaubt..."„Das Ccn- suramt besteht aus vier Personen, den Oberrcvi- for, ztvcy Expediteurs und einen Censurbothen. Diese Leute sind alle so unwistend, unerfahren und grob, daß ich es nicht beschreiben kann. Anstatt, daß der Overrevisor, Herr von Meyer, allezeit bei Durchsicht der Bücher zugegen seyn sollte, so sitzt er auf seinem Zimmer, machts sichs kommode oder geht spazieren. Die Expediteurs machen da nun, was sic wollen, anstatt daß sie Bücher, die schon erlaubt und bekannt sind, auch kennen sollten, so schlagen sie erst in allen ihren Cata- logis und Conccptcn nach, und verderben die Zeit. Das Buch„Wira symospasytedlna katolika" Dar Bozja Swetlop" sollte der Buchhändler, Herr von Schönfeld, von einem katholischen Geistlichen in Verlag nehmen, er tat es, gab cs in die Censur, und es wurde erlaubt zu drucken. Da es fertig ivar und wohl aus 800 Pränumeranten darauf hatte, so ivurde es ausgcgcben. Ein Biblio- ihelar sand aber darin eine Stelle, die Ihm anstößig schien, gab es. dahero bei der Censur' an und versicherte, dieses Buch müsse von Herrn von Schönfeld ohne Censur gedruckt worden scyn. Augenblicklich kam eine Commission vom Censur- amt, versiegelte alle vorrätigen Excmplaria und liindigle an, das Buch sei konfisciert, und Herr von Schönfeld der größten Strafe gcwärthig. Die Strafe bestund in zweyhundert Gulden und Kassation des Buchs. Der Mann war unschuldig wie die Sonue... Die Sache ging nach Wien, aber die Strafe blieb. Ein andermal wollte er das abgekürzte Wort des Herrn drucken, von einem gewissen Auditeur Siegel in Cheudien. Die Censur erlaubte das Buch- nicht zu drucken, allein wenn es im Auslande gedruckte werden konnte, so durfre es wohs hernach erlaubt sein. Er mußte also das Buch in Halle drucken lassen und daS Geld einem anderen geben. Dergleichen dumme Streiche einer löblichen Censur könnte ich noch mehr erzählen. Pfingstgruß vom Badestrand Solche Vorfälle erschweren den Buchhandel ungemein." Tas berichtet der Autor über die Zensur in Prag im Jahre 1787, 150 Jahre später finden wir die Verhältnisse um einige Kilometer übersiedelt, der lastende Druck verschoben. Die Schriftsteller, die unser Anonymus-kennen lernt, koin.nien schlecht weg. Er brumntt böse: „Kaum wäre das Gesetz das Preßfreiheit ergangen, so fieng alles an zu schreiben was Finger hatte. Die Censorcn waren von srüh bis spät beschäftigt, aber diese Geburten behandelten sie nicht, wie sie gesollt hätten. Eine große Geschicklichkeit besitzt ein gewißer Herr Wolf auS Wittenberg, den das Schicksal nach Prag führte, wo er vor die Schönfeldsche Handlung alles mögliche zusammenschmierte. Ein anderer Autor ist der Bücherrevisor von Meyer..Wie mqn so,.elende Schmiererei; wie die seine„ kann drucken, sehe ich» nicht ein." Die Buchhändler kritisiert der unbekannte Autor ebenfalls nicht günstig.„Durch ihre große Anzahl in den kaiserliche)! Landen wird die Zahl der elenden, schändlichen'und u'nnütze'n Bücher bis ins Unendliche vermehrt?'„Tic beiden vornehmsten darunter sind noch die von Schönfeldsche und Gerlischc. Erstere besitzt eint Druckerei; von neue» Preßen, die beständig'mit Gubernialsachen besetzt sind. Herr Gerlc hat sich sehr'durch'seihest französischen Buchhandel aeschadct, hat den deutschen vernachlässigt, und nichts dabey' verdient. Alle übrigen Buchhandlungen verdienen nicht erwähnt zu werden."--- lieber„einige Gelehrte und große Männer" schreibt der Autor:„Graf Buckurg ist der Urheber des Institutes zur Verpflegung der Armen in Böhmen. Professor Chladek- ist- ein Märtyrer der guten Sache. In seinen Schulbüchern hat er ver schiedene heilsame Wahrheiten gesagt und diesert- wcgen wurde er verfolgt? Ein junger, herrlicher Mann ist Steinsberg, voller Talente und Enthusiasmus. Er wurde dermaßen verfolgt, daß"er das Land räumen mußte.- Er flüchtete nach'Berlin." Und zUm Schluß folgen- einige„vermischt« Bemerkungen".„Die Garnison besteht in 0000 Mann. Die Juden- machen einen ziemlichen Teil der Bevölkerung aus, ihre Anzahl ist wohl auf 10.000 Seelen... So bald man nicht wenigstens alle Wochen etwas Neues zu sehen oder zu hören bekommt, so ist man unwillig und beschwert sich, daß gar nichts-Neues paßire." Und dann die Advokaten.„Es ist wahr, keine Staatsverfassung in Europa kann ohne Advokaten bestehen, weil die Rechtsgelcbrsamkeit ein Chaos ist, dessen Gemische von Gesetzen kein Bürger im Kopfe haben kann.. Aber warum, sind auch die mehresten Gesetze, so dunkel, daß die Auflösung und Entscheidung so viel Zeit und Geld erfordern? Man gehe nur in die Expeditionsstuben des ersten besten Advokaten und üsttcrsuche ihre Prozeße, werden sie nicht alle unbedcutestde Gegenstände zum Grunde haben?!"- Ein erstaunliches Büchlein, voller Auflehnung, und voll der Hoffnung,„daß die Bcuier- knngcn von demjenigen Nutzen scyn möchten, de» ich dadurch zu stifte» glaubte", lieber Prag'sind die Jahre der Zensur, der Unfreiheit, der Willkür hinlveg gegangen und haben'neuen Strömungen Platz gemacht, die frische. Luft in die alten Räume laßen, lieber 150 Jahre klagt des Unbekannten Zeugenaussage die Herren an, die die Ketten und Knebel stets bereit hatten und willkürlich gebrauchten. Die Zeiten ändern sich, doch iinmer wieder melden Zeugen von neuer Unterdrückung, von neuem Unfug,.irgendlvo begangen am freien, heiligest Geßt. Daß aber wider die Geivalt auch immer wieder Männer aufstehen, ob bekannt oder unbcsannt, das ist tröstlich. Der Anonyme, der für di« unterdrjickte Freiheit, und gegen die Unsauberkeitcli des' Lebens der böhßii- sch'en'Hauptstadt 1787 kämpfte, war über'Berlin und Leipzig gekoistmen und kehrte- dahin zurtzck. Robert Feldd,tf. Aus aller Welt Das Kaffeehaus Im hohlen Baum. In der Nähe der bulgarischen Hauptstadt steht ein uralter Riesenbaum, der schon vor 550 Jahren bei einem Kriege eine Rolle gespielt hak. ES ßt eine Eiche von zwölf Meter Umfang,' die im Innern völlig hohl ist. Dieser Baum, an den sich zahllose Sagen knüpfen, ist nnn auf ungewöhnliche Weise modernisiert worden:-'.ein Unternehmer aus Sofia hat in ihm ein Kaffeehaus eingerichtet. Zu diesem Zwecke ließ er. eine Wasserleitung in die Höhlung legen, tapezieren, installierte eine Lichtanlage und stellte. mehrere Tische und Stühle auf. Der Zustrom der Besucher zum„Kaffeehaus zum hohlen Eichbaum" ist besonder» stark geworden, seitdem der Unternehmer sich entschloß, auch eine Telcphonleitung zum Bauminnern anlegen zu lassen. Deutschland flüstert, Hitler, Göring und Goebbels fuhren im Auto durch das Reich. Der Weg war lang und nm ihn abzukürzen, schlug man eine abzweigende Straße minderer Güte ein. Bald aber saß man mit dem Auto in einem Teich. Die Not war groß. Da kam ein Bauet des Wege», sah und rettete. „So recht!" sprach Hitler und fuhr fort:„Solche tüchtige-Leute brauchen wir. Willst du Volksgenosse nicht an unserem staatlichen Aufbau mitwirken?"— „Och", antwortete der Landmann,„wissen. Se, ick har' ja meine Wirtschaft, da arbeet'ck ja ooch for't Volk." Darauf sprach Hitler:„No dann wünsch dir halt wa»— ich bin doch der Führer!"—„Det wee« ick", war die Antwort", da winsch'ck mir ebent Ihre Leibwache!"— Erstaunt wollte Hitler wißen, wozu er die denn brauche.„Tja, Herr Fuehra", erklärte der Bauer nun,„wenn se im Dorf erfahren, det ick Ihnen Drei gerettet ha'— denn brauch'ck Ihre Leibwache!"(bn.) . DI« Speisekart« d«r dicksten Leut« der Welt. Da» Tagesgespräch von London bildet da», dickste Ehepaar der Welt, zwei Amerikaner, Barney-und Joy Worth, die zusammen da».respektable Gewicht von.475 Kilo haben. Sie haben sich erst vor kurzem in Amerika verheiratet u»d verleben ihr« Flitterwochen in London. Der Koch de» Hotels, in dem sie wohnen, hat den englischen Journalisten verraten, war das Ehepaar an einem Tage verzehrt. Zum ersten Frühstück zwölf Eier, anderthalb Kilo Fleisch, anderthalb Kilo Butter, eine Schachtel Konfekt,«in Kilo Würstchen, sieben Taffen Tee und jeder vier Liter Wässer. Das reicht bi» sechs Uhr abend»,' wo sie di« Hauptmahlzeit-«Innehmen;" Diese besteht, im allgeme'men aiis bier Litern Suppe, zwek^HÜhnern,- andecthalb Kilo Schweinebraten, anderthalb Kilo Gemüse und einem Dessert, bestehend an» sechs Bananen, einem Pfund Feigen; einem Kilo Apfelsinen und einem-Kilo Nüsse. Ein Bollbart führt zu Verwicklungen. Ganz Dänemark amüsiert sich-über.einen tragikomischen Vorfall, den em älterer Kopenhagener Bürger hatte, der ein begeisterter Radler ist. Dieser Herr nennt einen langen,-gepflegten Bart sein eigen, auf den cc besonders stolz ßt. Bei'einem NadäuSflug hatte er eine Panne, und als er fein Rad reparieren wollte, verwickelte sich-sein Bart derartig in den Speichen, daß er sich nicht wieder daraus befreien konnte.Andere Radler fanden" ihn und trugen ihn zu einem, einige > Meter entfernten Hau», wo man ihn mit Hilfe einer' Schere von dem Rad abschnitt. Der Unglücklich« war gezwungen, sofort zu" einem Friseur zu gehen und sich die Zierde' seÜieS Gesichtes nunmehr vollständig «ibnehmen zu laßen.'' nt. ii» Soimta», 1«. Mak 103? Gelte 9 Skoda-Rapid, gesteuert durch Ang. Parlzek aus Prag. ES siegle in der Klasse bis 1,8 Liier, errang olmc einen.einzigen Siraspnnkt die goldene Plakette und erzielte in dieser bcnicrkcnSivcrien Konkurrenz einen absoluten Sieg bei boller Besetzung durch fünf Personen. Jchmerzen verfliegen bei Rheuma, Gicht, Ischias, wenn der Kranke direkt in den urkräftigen, unpräpnrier« ten. Schwefelquellen badet. Dieses Ideal der modernen IN Balneologie wird verwirklicht TRENCIANSKE TEPLICE (Usfand Für die Basken! (VPD) Der Präsident der Deutsche n Verbandes zur nationalen Befriedung Europa-, Zentrale Wien,. Dr. Paul Schiemann, sandte an eine Anzahl internativnaler.Bereinigungen ein^Schreiben ab, worin er für den Schutz der schwer bedrängten baskischen Minderheit eintritt. Dr. Paul Schiemann, einer der Mitbegründer der Europäischen Itationa- litätrn-Kongresse», fordert in diesem Briese auf, gemeinsame Schritte zum Schutze der christlichen Barken zu unternehmen. Dar Schreiben ging u. a. an den. Europäischen Nationalitäten-Kongreß, die Interparlamentarische. Union, die Union der Völker- bund-LIgc», die International Law-Association, an die Pax-Romana, an dar Ökonomische Zentralbüro, an Lord Cecil usw. ' Der Brief Dr. Paul Schiemann! lautet: ■„Der Deutsche Verband zur nationalen Befriedung Europa» hält e» siir seine Pflicht, an alle internationalen Bereinigungen, die sich die Echal- timg der Friedens unter den Völkern und die Erhaltung der Rechter über die Bölter zur Aufgabe gestellt haben, heranzutreten und sie aufzufordern, g cm einsame S ch r i t t ezu unternehmen, um das kleine christliche Volk der Basken v o r der physischen und geistigen V ernichtung zu erretten. ES ist gewiß im allgemeinen— und auch Im besonderen Fälle der Vorgänge in Spanien— nicht möglich^ in bezug auf einen Bürgerkrieg vom Auslande ber ein gemeingültiger Urteil über Recht oder Unrecht der streitenden Parteien zu gewinnen. Ge- wiß aber bildet dar Schicksal der baskischen Volkr- gruppc eine Ausnahme, Fast.cii^Jahrhundert lang, haben die Barken gekämpft amh,."gelitten,.bi» ihnen, vom. Mchrbeiis. volle ihre Rechte als eigenständiger Volk innerhalb der spanischen Staates anerkannt und gewährleistet wurden. Und gerade als diese» Ziel erreicht, da» Fundament für eine friedliche, nationale und staatliche.Arbeit geschaffen schien, erhebt sich«in Teil dieses RlehrhcitSvolke» und bedroht sie schlechthin mit physischer Vernichtung, wobei er sich gleichzeitig zu einer StaatSausfasiung bekennt, die im Verhältnis. zu andersstämmigen Volksgruppen nur den Grundsatz gewaltsamer Assimilation gelten läßt; als» für den Fäll der Erretrung vom physischen Untergang, den Untergang al» Volk, in Aussicht stellt. .Solch einer, Situation gegenüber scheint c» un» die Pf licht aller Staaten und Völker,die an den Grundsätzen de» Rechte» festhalten, und die It n Verletzlichkeit der Volkstums vertreten, ihren Einspruch gegen die Berge- waltigung de» kleinen baskischen Heldenvolkes zu erheben und für di« Gewährleistung Ihrer völkischen Rechte einzntretrn,. Als im Jahre 1982 der Vertreter der baskischen. BolkSgruppe auf dem Europäischen Nationali- iätcn-Kongreß das Wort ergriff— seit 1989 gehört die baSkische. Minderheit dem Kongreß an— erklärte er, daß sich die Basken für den Geist der Gerechtigkeit und' der Freiheit entscheiden,„ohne den c» unmöglich ist, dauernden Frieden für die Mcn- .schcn und Völker zu finden." An diesen Geist der Gerechtigkeit und Freiheit, an da» abendländische Weltgewisstn muß auch'jetzt zum Schutze der baskischen Volksgruppe appelliert werden." Die Einwanderung nach Palästina. Die .Mandatarregierung von Palästina hat bekanntgegeben/ daß nach der neuen Einwanderungsquote zwischen dem 1. April und dem 31..Juli 773 neue jüdische Kolonisten nach Palästina einwandern dürfen. Hilfsaktion für Spanien in den.skandinavischen Ländern. Dar schwedisch-norwegische Hilfskomitee hat in Schweden an 6,600.000 franz. Francs gesammelt," In Norwegen a»' 1,800.000 franz. Francs, das find 9,620.000 KL. Davon wurden zur Errichtung, und Erhaltung' eines schwedisch-norwegischen Lazarettes bis zum 1.- Septembcr d. I. 2,000,000.Francs bestimmt. Das Spital hat gegenwärtig 100 Betten, doch.mit Rücksicht auf die große Menge von Sanitätsmaterial, das voni skandinavischen Hilfskomitee nach Spanien geschickt" würde,.wird die spanische Regierung das Lazarett, bis auf 1200 Betten erweitern, die Leitung wird jedoch weiterhin skandinavischen Aerzten anvertraut bleiben. Wie Senator Branting auf der Fahrt nach Spanien mit» geteilt hat, unterhält daS Hilfskomitee zwei Zen« tralbiiroS, eines in Stockholm und eines in Oslo, und hat in Schweden.200,' in Norwegen 100 Ortskomitees. Das Komitee wird sowohl von den Gewerkschaften als auch V0n-den ävichtigstcn politischen Parteien beider Länder auf das kräftigste unterstiitzt. Vor einer neuen tuNsckutrllduns in Prag Diesmal ohne Avlho In der nächsten Zeit wird in Prag wieder eine vom CPO(Zivilluftschutzdienst) organisierte Uebung de» allgemeinen Fliegeralarms abgehalten werden. Wie der CPO bekanntgibt, handelt es sich darum, die Einwohnerschaft zum richtigen Verhalten im Falle einer Fsiegerangriffc» zu erziehen uud die Organe de» Flicgerabwehrdienstcs in ihren Obliegenheiten zu schule». Da eS im Ernstfall hauptsächlich darauf ankommt, keine Panik auskommen zu lassen, soll die Einwohnerschaft sich beizeiten auf die Notwendigkeiten einer solchen Situation einstellen lernen.. Durch systematische Beranstaltung solcher Uebungen soll sich die Bevölkerung die Grundregeln des richtigen Verhaltenr so zu eigen machen, daß diese im Notfall automatisch zur Anwendung gelangen. Da es sich hauptsächlich darum handelt, dar ll c b e r r a s ch u n g s m o m c n t z u u b c r- winden, wird die nächste große Luftschutzübung, die für,.die nächsten Tage geplant ist, ohne vor- h L.".tz^L.^h.e n d.e B e,r stä n.d i.g.u'ji^ erfolgen. Dle Alärmzeichen"werden diesmal unvorhergesehen ertönen und jeder Stadtbewohner hat die Pflicht, sich dem Alarmzustand entsprechend zu verhalten. Am Tage gilt e» für Straßenpassanten vor allem. Deckung zu suchen. Innerhalb des Hauses sind die HauSpostcn des Luftschutzdienster für die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich und ihren Anordnungen muß. uichedingt Folge geleistet werden. Ebenso de» sonstigen Organen des CPO. Nm die Schlagfertigkeit und Anpassnngssähig- keit derMotorfabrer auf die Probe zu stellen, sollen diesmal.tünstlicheVerkehrShindernisse geschaffen werden, indem gewisse VerkehrSlnoten- punkte für den Verkehr gesperrt werden, wie es der Fall wäre, wenn sie durch einen Bombeneinschlag blockiert, würden. Die Fahrzeuge müssen bestrebt sein, in solchen Fällen Verkehrsstauungen zu vermeiden, die im Ernstfall sehr verhängnisvoll werden könnte», und die blockierte Stelle aus geeignete Art Umfahren.. Bei Nachtalarm sind natürlich die Lichter zu löschen. Es empsichlt sich, für entsprechend abgekämpfte Beleuchtungskörper fUmhüllung. der Birnen mit blauem Papier)- Sorge zu tragen für den.Fall, daß"der Alarm längere Zeit dauern sollte. Da» Alarmzeichen, wie es bereits bei der nächsten Uebung zur Anwendung kommen wird, wird mit S i r e n e n, F a»I brikpfeifen und ähnlichen Instrumenten gegeben werde». Dar Signal„Fliegeralarm" besteht in einem, alle zwei Sekunden unterbrochenen, drei Minuten dauernden Tonzeichen- Die Aushebung des Manns wird durch einen langgczogencn, ununterbrochenen, gleichfalls drei Minuten währenden Ton angezeigt. Mitteilungen aus dem Publikum. RodiSforter, der Kristallquell, für jedermann! Wenn Sie die Wahl haben, werden Sie sicherlich einem rein natürlichen Mineralwasser den Vorzug geben, besonders dann, wenn bei einwandfreier Qualität der Preis ein niedriger istl Moderne Quellenfassung, hygienisch einwandfreie Füllung, kristall- klares Aussehen, Wohlgeschmack und der niedrige Preis des RodiSforter werden Ihnen die Wahl nicht schwer machen. KaliSgulasch. 1 Kilogrmnm derbes Kalbfleisch in größere Stücke geschnitten, wird mit U Liter heißem Wasser gedünstet, sodann ein Vi Liter heiße» Wasser zugegossen, 1 Tafel JuhaSz(mild) und etwas Salz dazu getan und unter öfterem Umrühren weichkochen lassem Zum Schluß mit etwas Mehl einquir- lem— Statt Kalbfleisch auch Schöpsenfleisch zu ver- loendem 168 Skoda-Rapid absoluter Sieger der I. BereitschaftSfahrt in Bratislava. Die westslowakische Sektion des AKRÜS veranstaltete vorigen Sonntag unter dem Protektorate de» Stationskommandanten General Zäk eine automobilistische BereiischaftSkonkucrenz auf der Strecke Bratislava—Senec—Malacky—Uhorskä VcS —Bratislava. Am Start erschienen 60 Wagen. Die Konkurrenz war sehr erschwert durch eine Reihe spezieller Aufgaben militärischen Charakters, Ter- rainschwierigkeiteu usw., so daß von allen startenden Wagen nur zwei ohne Straspunkte im Ziele eintrafen. Den größten Erfolg erzielte der Wagen Skodn<9Iapid bewies neuerlich seine absolute Verläßlichkeit und leichte Lenkbarkeit im schtverstcn Termine. Hunderte von medizinischen Gutachten bezeugen die erprobte Heilkraft von Matwni'S Moorsalz und Moorlauge bei Erkrankungen des Blutkreislaufes, Sehnen- und Gelenkskrankheiten, Rheumatismus, Gicht, Ischias, UnterleibSerkrankungen bei Frauen;— Gebärmuttcrentziindungcn— sowie Skrofulose. Professor Delbanco, Hamburg-Barmbeck, berichtet in seinem Gutachten„Beitrag zur Behandlung der Psoriasis(Schuppenflechte)" über günstig« Erfolge mit Mattoni's Moorsalz und Moorlauge bei der hartnäckigen Schuppenslcchtc. Prospekte über diese Heilbäder im Hause versendet die Heinrich Mattonk Ä. G., Gicßhübl-sauerbrunn bei Karlsbad. Eine itnr im Bade selbst ist nicht jedem möglich i Das medizinisch wertvolle und erprobte Darkaner Jodbromsalz gibt aber jedem Gelegenheit, sich zu Hause von seinem Leiden z» kurieren. Die Darkauer Quellen sind hinsichtlich ihres Jod- und Bromgehal- teS die stärksten in Europa. Den H e i l- tvert des Darkauer JydbromsalzeS bei tuberkulöser Erkrankung der Knoche», Skrofulose, bei hohem Blutdruck, Rachitis, Bcinhautcntzündungen, Glie- dererkrankungen, tuberkulösen Fistel», Fräuenkrank- hciteu, Actcrioclecosc, Folgeerscheinungen»ach Schlaganfall, Blutarmut, Adern- und Gefäßerkrankungen, rheumatischen und hauptsächlich bei luetischen Erkrankungen beweisen viele ärztliche Atteste, Iviffenschaftlfche Arbeite» und Gutachten weltbekannter ärztlicher Kapazitäten. Nähere Auskünfte erteilt die Heinrich Mationi A. G. in Äießhübl-Sauerbrnnn bei Karlsbad. Zweihundert Jahre Kabarett Von Egon Larsen ' Als Mauerblümchen am Rande der großen" Kunst vegetiert da» Kabarett,, die Kleinkunst. Sie ist keine Angelegenheit des breiten Publikum», lein Vergnügen der großen Oeffentlichkeit, sondern. Sache der Feinschmecker und— der Kämpfer. Denn da« Kabarett, dessen 200skhrige» Jubiläum wir"jetzt feiern dürfen, istseiucm Ursprung und Lebenszweck nach zeitkritisch, ja revolutipnär. Ende der 80er Jähre, de» 18. Jahrhunderts neigt sich die Macht Frankreich» unter Lud- wigrXV. ihrem Untergang zu. Dumpf grollen die ersten Zeichen des sozialen Erdbebens, da»«in halbes Fahphundert später di« ganze Welt erschüt- tern Mrd'. Noch mniüsiert sich der König" und. sein Hof, unbekümmert, um. das Knistern,'im'Gcbglk. Um.diese Zeit versammen sich iM'„CäVean", einem Pariser Gasthaus, ein. paar Künstlerspnd Kynst- freunde. Der alte.Komponist" Charles Francois Pänard"sind"der"Dichter, Alexis Pirön"sind die" Initiatoren dieser' Zusammenkünste, die am 16. jeden. Monat» stattsanden. Rian setzte MHtiM gemeinsamen Abendessen sind heim, Wein trugt» die Schüststell« Ihre' neuesten Mdtcht«j vor~ Arbeiten, denen vielfach wegen.ihrer bissigen Kritik, ihrer nnllSgcrischcn.Jrynie ein. anderer Weg in die Oeffentlichkeit versperrt^ wär. Di« Tradition. von Rabelais und Francois Vision lebte wie» der aus. Die anwesende» Ksmpontjten improvi sierten auf der Gitarre oder dem Clavescin Melodien zu den Texten, die dann, wenn sie gesielen, von allen Anwesenden mitgesungen lvurdc». Die ersten ChansoS, die ersten„Songs" waren geboren, ES war der Ursprung des Kabaretts.. 1742 brachen diese. Versammlungen ab, um erst 20"Jahre später wieder ausgenommen zu werden. Aber mm war eS nicht mehr als eine Gelegenheit für Dilettanten"und Wichtigtuer,'zu .einem hörwilligen-Publikum"zu. gelangen. Die 'Zeitkritik ist verstummt. Mittelpunkt im„Cabeau" sind ehrenwerte Mitglieder der, Akademie, aner» kamite Dichter, Komponisten und Maler, die Aristokratie ist vertreten— ja sogar die hohe Geistlichkeit erteilt der Versammlung durch ihre Anwesenheit" den" Segen."" Der„Cavcau" erlebt nur zivei Dutzende splcher Abende.. Die große französisch« Revolution weckt daS Interest« für diest neue Kunstgattung wieder. 1706," nachdem"sinter"deiwDirektorinm eine Ent» spanuung der inncrpolitischen Situation eingetre- tcn ist, versammeln sich die Liebhaber der Kleinkunst und grüsiden"die Gesellschaft„Diners de Vauheville"."Der Name,>,cabaret"— ursprünglich in der Doppelbedeutung Schenke und Tgblett —Hirti" bereM auf diese"Knsistart asigewendet. "Die Gesellschaft kulnviertsior allem öäS Chansons" die Satzungen" sisid.in Chansonforin abgesaht, und ,einsieigene Zeitsing bringt' jeweils, die neuesten Produktionen in. Text und, Musik.. Diese Ber- öjsentlichsiynen."exsstixren noch Heus« uäd zeugen davon," daß hier" aktuelles, politisches Kabarett gemacht wurde, und manches Spottlicd nahm von hier aus seinen Weg in die Oeffentlichkeit. Nach 1826 etabliert sich ein neues Kabarett in Form einer Pariser KUnstlergesellschaft mit 20 Mitgliedern, der Hälfte der Mitgliederzahl der französischen Akademie: weil sich hier„jeder doppelt so güt vergnüge wie in der Akademie, so daß sich die Sache also ausgliche". Bald aber wird das Kabarett zur Erwerbsangelegenheit, Arme Dichter, stellungslose Sänger und Schauspieler finden ein« bescheiden« Berdicnstmöglichkeit in den Restaurants von Montmartre, deren Wirte den Gästen eine Lesmwqre Attraktion bieten wollen.' Die Boheme-Romantik ist die dünne Fassade des nackten Elends, die Kunst geht nach einem warmen Wendbrot. Allmählich gehört das Mont- märtte-Kabarett zur Fremdenindustrie von Paris. Nur wenige Lokale halten die alte künst- lerische Tradition hoch: Aristide Bruant. der Meister der Pariser Kleinkunst, der zeitlebens von seiner, Nmnensähnlichkeit mit dem berühmten Po- litikcr die Berechtigung zur politischen Kritik herleitet«;'oder„Lapin ä(stille", die verräucherte Knejpe, In der man.cerise au kirsch" vorgesetzt unedle, schönsten alten französischen Volkslieder Usid'Dichterverke. zu hören bekommt. ..Es.ist.lein Zufall, dgßaußerhalb Frankreichs zuerst.der artverwandtdMddeutsche Kultur- kreis das Kabarett schafft. München, damals Deutschlands„Mbntmartre", wird zur GeburtS- stadt' des ,,lleberbrettls" und der„Elf, Scharfrichter"— Wedekind" liiüer" ihnen':—, die' imI „Simplicissimus" auftraten. Auch der„Simpl" Ivar ursprünglich nichts anderes als ein Künstler-- Stammlokal, in dem die Gäste der Wirtin Kathi Kolms die Zeche ost genug in Naturalien zahlen Mußten. Maler können ein Bild an die Wand hängen— aber Dichter? So bildete sich die Tradition heraus, daß Schriftsteller ihre Werke selbst' vorlasen,, um damit ihre Schulden zu zahlen; und bald wurde aus der Not eine Tugend gemacht, Chansons entstanden, sie wurden zur Laute vor- gesungcu, das erste deutsche Kabarett nahm Formen an. Wolzogen und Wedekind sind seine Väter. Zu ihnen gesellen sich Ringclnah, der im„Simpl'.' seine ersten Gedichte vortrug, Klabnud, Walter Mehring; die Entwicklung geht, über das während des Krieges in Zürich entstandene Kabarett „Dada", weiter zur modernen Form.'der „Songs", die vor 10 Jahren zum erstenmal durch die„Dreigroschenopcr" von Bert Brecht und Kurt Weill bekannt wurden. Während im Rummel des Berliner Kurfürstendamm-Bctriebcs das mißverstandene Kabarett immer mehr znm seichten Amüsement herabsank, machten es andere, Ivie Friedrich Holländer, wieder zur Stätte der kritischen Glosse und Satire. Diese Tradition hat nach 1088 Wien- übernommen, sind nun regen sich auch in Prag Versuche, die deutsche Kleinkunst wieder aufleben zu- lassen. Aber das Kabarett hat es schwerer als die Schaubühne: cs muß sich,'mit seinen Andeutungen und Ansprüchen^ an ein Publikum wenden, daS bereits geistig erzogen Ist. Und das ist schwer zu fittbcn... .> Seite 10 ,Sozialdemokrat Sonntag, 16. Mal 1037. Nr. 116 »STOCK« BRANDY getunten ist f fuhren alle Verkaufsstellen der 4111 Ser Atm. Zport ZpLel-MrperpfLege Kunst und Wissen ein NEUER MENSCH werden Sie in den Schrothschen Kuranstalten Vereinsnacüricfcten WteUungenjee»Urania von einem reiche» jungen Amerikaner— der von einem unmöglichen Schauspieler dargestellt wird— geheiratet wird, wenig interessant. Luli Hohenberg zeichnet eine Interessante Frauengestalt.— Ein geschlossenes filmisches Kunstwerk ist jedoch der Film der Regisseurs Aeza von Äolvary„L u m» p a c i v a g(48: Feine Gesellschaft, 7(4: Das Spitzentuch der Königin, zum ersten Male, Al.— Montag 2: Die Fledermaus, 7(4: Ein idealer Gatte, Gastspiel Leopold Kramer, C 2.— Dienstag 7(4: Gesellschaftsspiel, A 1."—" Mittwoch 7(4: Der Corre- gidor, Ä 2.i— Donnerstag 7(4: Die Zauberflöte, Festspiele I,- Gastspiel Alexander Kip n i S, C 1.— Freitag 6(4: Tas Spitzentuch der Königin, Theatergemeinde-der Jugend(1. Serie, rote Karten) und sreier-Verkauf, Abonnement aufgehoben.— Samstag 7: Pgrsifal, Festspiele"II, Gastspiel Alexander K.i v-.il',i S, D,"— Sonntag 7(4: Das Spitzcntuch der Königin, B 2. Spielplan der Klebten Bühne. Sonntag 8: Der. Nächste, bitte 1^ 8: Matura, volkstümliche Vorstellung! — Montag 8: Unentschuldigte Stünde, 7(4: Pyg- tere Verlusttreffer bewahrten. Das Spiel- wurde durch die Staatshymnen beider Länder eingeleitet und von den Zuschauern waren die„Eingeweihten" von der.Lehre" weniger-erbaut als jene, die einmal Futzball, wie man ihn-wirklich spielt, sehen wollten.- ^ er Deutsche Turnkrei», Verband der deutschfreiheitlichen Turnvereine in der Tschechoslowakischen Republik, teilt uns zu unserer Notiz„DLAV mit DTW gleichgeschaltet" mit. datz seine Vertreter bei allen Vorbesprechungen gegendenZusammen» s ch l u tz waren.und. eigene Vorschläge, unterbreitet haben', die jedoch ä^äelehnt wurden. Bei der letzten Hauptversammlung der" DLAV wurde keine Abstimmung vorgenommen, so datz sich der Turn-KreiS-Ber» freier(der nur noch als Beobachter entsandt war) also nicht der Stimme enthalten haben konnte. Weiter wird in dem Schreiben-mitgeteilt, datz die Kreisleitung aus dem Verhalten des DLAV die notwendigen Folgerungen zieht und den Austritt des freiheitlichen Turnkreises und«seiner Vereine vollziehen wird.'. noch zum die Kassen Fügnerovo ' Arbeiter, Smeiky 27, von Montag bis Freitag abends-im Turnsaal, StefanSgasse 20, oder bei Lahmer, VII-, M. Sternberkova 8. Der einlgufende. Betrag ist für das Kreis-Fugendlager bestimmt, da» diesen Sommer errichtet werden soll." Deutsche BolkSsinggemeinde, Prag. Dienstag, den 18. Mai 10P7 Gesangsprobe ab 7 Uhr Frauen, ab 8 Uhr'Männer. Ausschuß-Sitzung um 7 Uhr"im Probelokal. Dse kleinen Aius-Hokzkassen sind grötzeren Teil ausständig. AtuS ersucht! abzuliefern bei Mittenhuber(Gec), nnm. 4, Bildungsverein deutscher Eln; Tatsachenbericht aus den berUchtigsten Konzentrationslagern „Staatliches Konzentrationslager VII. von Kl. Hinrichs gebunden Xä 48.—■ „Dachau" von Walter Hornung gebunden Kö 84.— Zn beziehen durch diet. Zentkalstelle für daS vit- dungSwesen Praha XII., Slezskä 13.' Deutsche beffere Familien (Beamte, Lehrer, Förster u. ähnl., möglichst mit Kindern), die ein tschechisches Kind gegen Zahlung über die Ferien ausnehmen, werden um Adressenangabe ersucht. Jugenddienft, Prag II., BorSilskä 2. 4162 Knieriem, HanS Holt,, ein liebenswerter Tischlergeselle, der die Liebe zum Siege führt, und Heinz Rühmaun, der Dkeifter Zwirn, voll Komik in Armut und Hochstapelei. Von allen drei Schauspielern kann man bei dieser Gelegenheit sagen: Schade, datz sie selten so erfreuliche Rollen haben.— Der dritte Wiener Film ist„M i r ch a, der S p i tz h.u.bjf, in dem uns ein neues"Wunderkind vorgeführt wird.« Otto Wallburg und Szoke Szakall steht man in netten Rollen. Ein Film, der auch für die Jugend zugänglich ist.— Schließlich lief- ein reichsdeutscher Film an.„Leichte Kavallerie", in dem— von Musik Suppks umrahmt— ein oft gesehener, aber geschickt gemachter Bildstreifen aus dem girkusleben abrollt.— Allen Filmen geht die Aufnahme von den KröniingSfeierlichkeiten in Loudon voran. Eindrucksvolle Bilder, wie ein phantastische» Spiel, daS einem kaum zu Bewuhtsein kommen läht, datz man eine Zeitreportaqe. sieht. Mitspieler sind die Millioncnmassen der Weltstadt. jk Elia» Canetti lieft au» eigenen Werken. F r ei« t a g, 8 Uhr. Karten: Urania. Arania-Kino Carlo Reni, Stimmparodist von Tauber, Alvar üsw-, heute und morgen 4, 6,(40 Uhr. Dazu das Lustspiel„P e n s i o n a t d e r Z a r i n" mit Cebo- tari.und Alexander. Heute und morgen 11, 2,. 4: 6.(40 Uhr. Hilfswerk„Milch für» Kind». Der Vorverkauf der Eintrittskarten für die Veranstaltungen im Waldsteingarten am 20. und 80. Mai d. I. beginnt mit dem 24. Mai. Zu erhalten im Sekretariat de» Hilfswerkes Prag II., Närodni 10(Palais Donau) Telephon 466—00, und am Bohemia-Schalter im Deutschen Hause, Pkikopy 26, Telephon Nr..246-87. Die Neudeker Kinderkavelle veranstaltet bereits am Samstag, den 20. Niai, von 10 bis 20 Uhr, in: Waldsteingarten, ein Abendkonzert. Im Rahmen-der vom Hilfswerk„Milch surr'Kind" veranstalteten Nundfunkvorträgen spricht am 18. Mai d. I. in der Zeit von 18.10—18.20 Uhr Frau Trude Gattermann, die Leiterin des HilfSwerkS-Sekretaria- teS über das Thema:„Wie haben wir das Hilfswerk ^Milch fürs Kind" organisiert". .- 448 Neubauten in Prag. In Prag wird gegenwärtig an 448 Neubauten gearbeitet. Im April wurden 113 Bewilligungen für Neubauten, 81 Znbauten, 176 Beräudenmgen, 14 Demolierungen, 8 Aufbauten und 27 Parzellierungen bewilligt. ,,GIC“ dl27 Nieder-Lindewiese» CSR rechtes Gulasch HUBERT EICHLER, RIKHIHBIRO Anglo- Elementar Versicherungs-Aktiengesellschaft in Wien Direktion für die CSR In Prag Generalagentschaft Relchinberg empfiehlt sich zum Abschluß von 8907 Feuer-; Unfall-, Haftpflicht:-, Einbruch-, Auto-, Transport-, Glas-, Maschinenbruch-, Zeitkarten-, Reisegepäck- und. Wetter-Versicherungen zu kulantesten Preisen BarflarantlamttMl in dar äR 63 Millionen, Biris: Pri|, Niridnl ff. ff, Reichiberi, Schützennsse 21, Briiin, Thealemsse 8 Hochleistungs-Drehbänke, Fräsmaschinen, Radialbohrmaschinen, Bahrwerlie, Shaplng- u. Hobelmaschinen Spannfutter In modernster Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschlnenfabrlk ArnoPlauert Warnsdorf, ÜR. - Wiener Filme Die Serie der Pfingstpremiere hat drei Wiener Filme gebrachte Der viel genannte Film „Silhouette»" de» Regisseurs der„MaSka- rade", Walter Reis ch, ist eine Enttäuschung. ES fehlt ihm die geschlossene Handlung und so hübsch manche Einzelheit Ist, so sehr gehen die Einfälle unter in dem Durcheinander der Motive. Sehr schön sind die Tänze, zu denen man da» Ballett der Wiener StaatSoper herangczogen hat. Am übrigen ist die Geschichte der Leiterin eines Ballett», die über ihrer Hingabe an die Kunst die Erfüllung ihres Frauenleben» zu verlieren fürchtet und im letzten Augenblick AW MMoMe, AM zweiklassjge Handelsschule— Abiturientenkur»— Einschreibungen bis 28. Juni.— Prospekte kostenlos. 4160 B e z u g S b« d i n g n n g^ni.Bet Zustellung ins Hau» oder bei Bez>ig durch dir Poft monatlich Xä 16.—, vierteljährlich Xi 48.—, halbjährig Xi 06.— ganzjährig Xi 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten.erfolgt tmr. bej Einsendung,Der Metournigrken.— Die Zeitung»ftänkawr wurde von der Post« und Tele« "." graphendirektiön mit Erlaß Nr. 1S.800/V1I/1980 bewilligt,— Druckerei:.^Vrbi»", Dtuck-s Verlag»- und Zeihmgl-A.-B. Präg. Sti PetduMtt hellt mit Erfolg Rheumatismus, Gicht, Ischias und Frauenkrankheiten 4U i Prospekt versendet die Badedireklion gratis! Sozialveriicherung$- Briefkasten In dieser regelmäßig am Sonntag erscheinenden Rubrik werden Anfragen unserer Leser über Sosidlversibherungs-,. Kranken-, Alters-, Invalidität!-, Unfall- und Pensionsversicherungsangelegenheiten beantwortet. M. G>, Winkerberg. Nach der ausdrücklichen Bestimmung der jj 141- des Sozialversicherungsgesetzes kann die Krankenversicherungsanstalt bestimmen, datz die"Versicherten die Hilfe: von bestimmten Aerzten anzusprechen hüben und datz die durch Berufung anderer Aerzte aufgelaufenen Kosten nicht gedeckt werden.• Auf Grund dieser gesetzlichen Bestimmung ist die KrankenverstcherungSanskalt nicht verpflichtet,. Ihnen dar Verbandsmaterial beizustellen oder zu ersetzen, wenn"Sie bei einem kassenfremden Arzt in ständiger Behandlung stehen. AnSstattungSbeitrag. Eine Jnvalidität»renknerln, die während de» Bezüge» der Rente eine"Ehe eingeht, hat tatsächlich"keinen Anspruch auf den Au»- statiungSbeitrag, da da» SozialversicherunaSgesetz im h 120 b ausdrücklich bestimmt, datz der ÄuSstat- tungsbeitrag einer„Versicherten"(also keineswegs einerRentnerin) gebührt. Wir empfehlen in Bad Luhafiovice da. Hotel„Havlltek“ 2 Minuten bbfit Bahnhof. 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(D., Szöke Szakall.)— Klnema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten. Journale. Grotesken.— Rolva:„Mircha, der Spitzbub".(D.)— Lurerna:„Tic Frau seines Bru- ders."(A.)— Metro:„S a m Dodswort h." MhWIlM CRISTAL L| N 1-3-0 V» 0010 ne--