17. Jahrgang Mittwoch, 19. Mai 1937 Erscheint mit Ausnahme de« Montag tSgttch srilh Z Einzelpreis 70 Heller - ffl° nUn^ ffltWlt>ltu»g‘' b°ch»»a 62— Telephon 63077— Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Aus dem Inhalt: Der Parteitag der tschechischen Sozialdemokratie Festtag der Arbeiter! in Elbogen „Tag der Freiheit“ in Teplitj-Schönau Kulturverband im Volksgemeinschaftsrausch Karel Capek für den deutschen Sender Todesurteil gegen StSpanek Familientragödie In Komotau Nr. 116 Pl> Botschaft Blum» an die CSR Frankreich mit uns vollkommen solidarisch! .• Parteitag der tschechoslowakischen Sozial- i« Zeichen einer«rotzen Solidari- »»»kmidgebung der westeuropäischen Demokratie für »le Tschechoslowakei und itzren demokratischen«ha- rakter. Major A t t l e e, der die Labour Part« ^«sicherte die-Republik der Stzmpathien de» demokratischen England und der Arbeiterschast. Be- sondere Beachtung sand aber di« Botschaft L t, n ":•» b‘ e b-r Delegierte der französischen sozialistischen Partei, Ltvtz, zur Verlesung brachte. Der französische Ministerpräsident«nd Führer der Volksfront, spricht in dieser Botschaft rück- baltloS nnd eindeutig die«oll» kommen, Solidarität Fr ank- reich» mit der Tschechoslowakei au», in einer Form, in der bisher eine solche Erklärung nicht er- folgt ist: „Wenn die Tschechoslowakei militärisch überfallen würde, so würde ■^^ankroldt^so^handeln^al»—ob—es ,»elbst überfallen worden wäre.“. 1 Da» heißt, das, Frankreich jeden ilebersall auf die Tschechoslowakei al» Kriegserklärung anfthen und mit dem Marschbefehl an Heer«nd Luftflotte te- antworten würde, da» heitzt, da» sich in dem Augen- blick, da ein verbrecherifcher Friedensstörer den „Spaziergang«ach Prag" anzutreten sich«nterfinge, zwifch«» dem Jura«ad der Mosel SV französifche Dipifion« ,iu Morsch setzen, daß Tausende fpanzö. fische FlutzMge in Metz und Strgtzbprg ppd Ra netz und Verdun aussteigen würden,«n» Hilfe zu bringen! E» ist für Europa bedeiitungSooll, diese Frie- drubbotschaft zu hören. ES ist aber auch für d i e Tschechoslowakei nicht n» S e n s ä ch- l t ch, daß sie zur Kenntnis nehme, Non wem diese Botschaft kommt und durch wen sie der Republik»ermittelt wird. Sie kommt von dem Re- Präsentanten de» demokratischen Frankreich, von einem Sozialisten»nd st» ist unmittelbar an die sozialdemokratisch« Partei gerichtet. Da» bedeutet, das, di« Sicherheit der Tschechoslowakei im außerordentlichen Matze davon pbhäuit, daß ste ein demokratischer Sta t bleibt, ein Staat, in dem die Arbeiterschast frei«nd durch ihre Freiheit in der Lag« ist, die Solidarität de» Westen» anzurusenk Erfolge Hodzas In London London. In White Hall zeigt man sich über die Informationen, die von den mitteleuropäischen Staatsmännern gegeben wurde«, sehr zufrieden. Obzwar kein direkter englisch- srauzüsifcher Schritt wegen deS Donauraumes zu erwarten ist, kann man, wie eine offizielle Per- sünlichkeit erklärte, sagen, daß daS Interesse der beiden westlichen Großmächte an Zentraleuropa eine weitere Stärkung erfahren hat. Auch den w i r t sch a f t l i ch en Ideen, die Ministerpräsident H o d j a in London entwickelt hat, wipp besondere Aufmerksamkeit.- gewidmet. Die französischen Meldungen, die im Zusammenhang daimt von einer geplanten. Reise deS Wirtschaftsberaters der englischen Regierung Sir Frederie Leichroß nach der Tschechoslowakei, Oesterreich, Ungarn und Polen wissen wollen, wird vorlä««- fig an. zuständigen englischen Stellen nicht le», ftätlgt. Es witd' erklärt, daß /eine solche Reise m ö g l i ch sei, daß aber bislang ein Beschluß darüber nicht gefaßt wurde. Königsbesuch In Budapest Rom. Da» italienisch- KönigSpaar reiste DienStng nachmittags zusammen mit Prinzessin Maria«nd dem Außenminister Grase» Eiano nach Budapest/’ Neuer VlzebOrsermelster anstelle Dr. Winten Wieck Wie' die Abendzeitimgen Mitteilen, wird der Vorsitzende, der Gewerkschaftsörgänisa- tioiWr Metallarbeiter: HanS Waldsa.in, zum diiit'test PssräeHnieisterstellvertreter der." Stgdt WiMnsMDr, Erpst Karl Wl.ckt'e r S er-, naunt tvövdeck.dep.Me bekannt! auf Urlauv.tv.euft Sans WManf sst äuS-den'.Reihen des ehemall- M-Mristttchsozialchi; MctallarvciiesP.erbanfeS hervpMganaen. Kabinett Negrln ohne Gewerkschaften Largo Caballero nicht Im Ministerium wird der Hohe Kriegsrat aufgelöst Die spanische Regierungskrise hat mit einer Umbildung de» Kabinett» geendet, die nicht nur personellen Charakter hat. Die Regierung ist auf «ine neue Grundlage gestellt worden. Sie ruht nicht mehr auf den. Gewerkschaften, sondern- auf den Parteien»nd daher ist der A n a r ch i S. «««» der(KIT an»geschalt et. Insofern handelt r» sich«ut ein» unmittelbare Folge de» letzten Putsche». Man braucht«Ine Negierung, die imstande ist, den Anarchismus niederzukämpftn- Zugleich stellt die Regierungsbildung einen Erfolg de» gemäßigten Flügels in der sozialistischen Partei gegen den radikalen Flügel dar. Negrln gilt al» Freund von Prieto. Die Uebertragung de» auswärtigen Ressorts an einen bürgerlichen Demokraten ist vermunich eine Geste gegenüber dem Ausland. Valencia.(HavaS.) Die neue spanisch» Regierung weist folgende Zusammensetzung-aus: Ministerpräsidium, Finanzen und Volkswirtschaft Juan Regrin(Sozialist) Auswärtige Angelegenheiten Soft Giral (LinkS-Rrpublikaner) Nationalverteidigung: Jndaleeio Prieto(Sozialist) Justiz: ManueldeJruno(baskischer Rationalist).■ Innere-: Julia« Zugazogviti. Unterricht und Htzgiene: Jesus Hernandez(Kommunist) Ackerbau: BirenteJride(Kommunist) Leffentliche Arbeiten«nd Verkehr: Bernardo G i n e r de los Rio»(Republikanische Einigung) Sozialfürsorge: JaimeAyguade(Katalanische Linke). Das ehemalige Presse- und Propaganda- Ministerium wurde aufgehoben«nd ist nunmehr eine Abteilung Les Außenministeriums. Die neue spanische Regierung besteht demnach au» Vertretern sämtlicher politischer Parteien der Volksfront. Die beiden spanischen Ge- werkschaftSverbände(ENT und EGT) haben beschlossen, nicht in die Rrgiernng einzutretrn. Der neue Ministerpräsident Juan Regrin ist sowohl Doktor der Medizin al» auch Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Madrider Universität. Er gehört in der Sozialistischen Partei der Grnppe des„Zentrums" an. Ina» Regrin ist 48 Jahre alt. In de» CorteS hat er sich für wirtschaftliche Fragen-spezialisiert. Regrin erschien Montag nm 33.86 Uhr ini Ministerpräsidiuin und übernahm die AmtSge- schäfte. Ministerpräsident R e g r i n hat für die weitere Tätigkeit der Negierung folgende Pläne: Mit Rücksicht auf die kleine Zahl der Minister Putschversuch In Albanien Tirana. I» der Rächt zum Sonntag be» setzte,eine Gruppe von Rebellen,.die sich««» Zivilisten znsammensrtzte und von den» früheren albanischen.Minister Toto, einem Gendarmerieoffizier und einem früheren Hauhsmann. angeführt wurde, die Stadt A r g tz r o I a st r» p und dürchschnitt die Telephonleitungen zu den benachbarten Ortschaften Trpelen,- Kurüeleschi und Li- bohova. Ein Offizier der Gendarmerie wurde von den Revolutionären getötet, von der Regierung wurden sofort all« notwendigen Maßnahmen zur Niederschlagung der Revolte unternommen. Re- giernngStruppen umzingelten die Aufständische», um die Ordnung in allen von den Rebellen besetzten Bezirken wtrderherzustellen. Bei ihrem Vorrücken'ans Argtzrokastrop stieße« dir Regie- rnngStruppen auf.keinerlei Widerstand! Ai» Bergpaß Prosi ftirßeß dir au» Balpna entsendeten RrgierungStruPinm,chit den Rebellen zusaninien, hie«ach kurzem. Widerstand die Flucht ergriffen nntz pdn dpn Regsttüntzstrnppen verfolgt wurden. Sömrt Tot», der- Bruder deö RebelsrnsUlirers und zwei Zivilisten wnrdr» getötet. B.ei^ den Getötete» werden. Seine Funktion wird der Ministerrat in seinen vollsitzunge» auöüben. Der Generalstäb wird reorganisiert und seine Kompetenz erweitert werden. Ole Regierungserklärung Valencia.(Havas.) Die neue, von dem Sozialisten Regrin gebildete Negierung hat folgende Erklärnng veröffentlicht: Di« Regierung der Republik Spanien erklärt: 1. Daß sie sich durch ihre politische Zusammensetzung als den Repräsentanten aller Parteien betrachtet, welche in der Ueberzeugnng verbunden sind, daß es notwendig sei, den Aufstand z» unterdrücken, dein spanischen Volk die Freiheit zu sicher» und die Selbständigkeit Spaniens zu tvahren.. 2. Nichtsdestoweniger spricht die Negiernng der spanischen Republik ihr Bedauern darüber auS, daß sie keine Vertreter der Gewerkschaftsorganisationen beiziehen konnte. Die Regierung hofft, aber/ daß diese Organisationen ihr Verhalten gemäß dem öffentlichen Interesse einrichten-werben.' 3. Die Regierung ist der Ansicht, daß ihre wichtigste Sendung, darin besteht, die Bolksmassen zum Sieg» über die Aufständischen und Rebellen zn^üHxrjj. ,Die Remerung ist, der.^fest«« Ueber- zeügüng, daß der Friede in Spanien nicht früher möglich sein werde, bevor der Aufstand nicht voll- ständig unterdrückt sein wird.•• 4. Die Regierung betrachtet die Ordnung in« Hinterland als ieine» grundlegenden Faktor des Sieges und.verpflichtet sich, diese Ordnung unerschüttert aufrechtjuerhalten. Die Regierung kann nicht zustiminen, daß in« Znsazn- menhang mit den Kriegswirren Erscheinungen zutagctretcn, welche sich durch keine Ideologie rechtfertige«« lasse» und die keine politische Organisation dulden kann. 5. Die Regierung wird Insbesondere dafür Sorge tragen, daß die m i l i t ä r i sch e n Operationen eine einh ei tliche Leitung erhalten, ebenso die politischen«md wirtschaftliche» Angelegenheiten. 6. Die Regierung ist fest entschlossen, den engsten Kontakt«nit dem Parlament aufrechtzuerhalten, welchen« sie sich unverzüglich verstellen wird. z 7. Die Regierung wird ii« der internationalen Politik dei« von ihrer Vorgängerin beschrittenen Weg weiterschreiten. Die Regierung protestiert deshalb neuerlich auf daö entschiedenste gegen die Beschränkungen des Nichteinmischnngspaktes, welche ihre Rechte einer gesetzmäßigen Negierung tangiere». 8. Die Regierung widmet ihr Gedenken allen denen, die in« Laufe der letzten 10 Monate ihr Lebe«« im Kampf für die Revolution des Volkes geopfert habe». und zahlreichen. Gefangenen wurde Material gefunden, daS erkennen läßt, daß«S sich bei diesem Aufstand«in kömmunistische Bestrebungen handelte. * ES gibt eine a«r d e r e B e r s i o n, die mehr für sich hat als vaS Gerede von einein„kommunistische««" Aufstand. Man vermutet, daß Mus- s o l«n i hinter dem Unternehmen stecke und daß eS sich darum handle, in Albanien einen neuen Vorwand für eine italienische Intervention zu schaffen. ES kam« aber selbstverständlich auch«Ine der vielen lokale«« Unternehmungen sein, wie sie in dem Lande der ewigen Stammes-, Familirn- und Blntrachekouflikte an der Tagesordnung sind. Deutsche Mllltärdelegatlon In Rom Ron«. Am Montag«st in Rom unter der FührüNg des Generals Adolf'H ü h n l e.i n, des, Chefs der motorisierten Äbftilungen deS,deutschen! Heeres, eine Militärdelegätion.eingetroffen. Die deutsche Delegation wurde vdm Sekretär der faschistischen Partei und. Chef deS Gencralstabes der-fäsHisttschen. Milizen Starace begrüßt. freierer Ausblick .Von Dr. Ludwig Czech Auf dem zu Pfingsten stattgefundcnen Parteitage der tschechischen Sozialdemokratie hielt der Vorsitzende der deutschen sozialdemokratischen Partei Minister Dr. Ludwig Czech eine Ansprache, die wir nachstehend wiedergcbcn. Als Czech das Rednerpult betrat, wurde er mit lang« anhattcndemBeisail und dadurch empfange», daß sich die Delegierten von den Sitzen erhoben. Sic gaben dadurch ihrer Begeisterung über die Zusammenarbeit mit den deutschen Sozialdemokraten Ausdruck. Nachdem Dr. Czech die herzlichsten Grüße der deutschen Sozialdemokratie überbracht hatte, fuhr er fort: Wir haben acht harte Jahre hinter uns, die wir— in« Geiste des Sinichover Kongresses— in Freud unb Leid' miteinander verlebten, lind nun, da sich die Wolken zu verziehen beginnen, da sich der Horizont langsam aufhcllt-und da tvir wieder freieren Ausblick haben, wollen Ivir gemeinsam mit Ihnen den Weg zur tveitcrcn und besseren Entwicklung suchen. Denn tvir sind unS dessen bewußt, daß der Sozialismus in unserem Lande nur in innigster Kampfgemeinschaft der arbeitenden Menschen aller Nationen unseres Staates vorwärtszndringcn und sich an sein Endziel heranzuarbeiten vermag. Dies in diesem Augenblicke auszusprechen und der ganzen sozialistischen Oeffentlichleit in Erinnerung zu rufen, ist das Gebot der Stunde. ' Der nazistischen Parole der Volksgemeinschaft stellen wir die sozialistische Parole der Schicksalsgemeinschaft der Arbeiterklasse aller Nationalitäten-entgegen, dem chauvinistischen Nationalismus die Parole der Völkerverständigung, dem Faschismus in allen seinen Spielarten die Parole der Demokratie, die allein der Welt die Freiheit und tzen Frieden zu sichern vermag. Nur in der Demokratie läßt sich frei leben, arbci- -ten, Kulturwerte schaffen, kämpfen, die Mcnsch.-- heit emporbringen. Auch wenn sich die Dinge setzt zun« Besseren zu wenden beginnen,«st das Leben immer noch sehr schwer. Europa steht noch immer iin Zeichen des schwersten Ringens zwischen dem Faschismus und der Demokratie^ So sehr wir alle von dem unerschütterlichen Glauben durchdrungen sind, das« die Demokratie in diesem schweren Kampfe schließlich siegreich sein wird, sind wir uns doch dessen voll bewußt, daß wir den Endsieg nur im schwersten Ringen zu erreichen. vermögen. Und dann ist es unser erstes Gebot, daß sich die demokratischen Kräste Europas zu innigster Zusammenarbeit und in eine Front zilsammenschkießen. Nur so vermögen wir der ganzen Welt den Frieden, nur so den Wiederaufbau der Wirtschaft und nur so die soziale Auferstehung zu sichern. In der Wirtschaft erleben wir nach acht. mageren und bitteren Jahren endlich wieder einen Umschwung und Aufstieg zum Bessern und wir spüren auch bereits seine Auswirkungen. Aber trotz > der größten Bemühungen des Staates um Lis Wiederbelebung des Exportes und der Arbeitsbeschaffung, gibt es noch imnier 600.000 Arbeitslose, die in den Arbeitsprozeß cinzuglieder«« unsere größte Sorge ist. Auf dem Kampfterrain, auf dem uns deutschen Sozialdemokraten die Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus obliegt, geht es wieder vorwärts. Die Vereinbarungen vom 18. Feber d. I, haben innerhalb der deutschen arbeitenden Menschen eine Bertrauenswelle geschaffen. Schrittweise gewinnen wir dem. faschistischen Feind wieder Boden ab. Aus der ganzen Bsive- gung flutet uns leine Atmosphäre der Kraft Entgegen. Unsere Arbeiter fühlen wieder feiten Boden unter den Füßen und überall finden wir- eine Stimmung, die an die alten stolzen Kampftage erinnert,' die die gesamte sozialdemokratische Bewegung unseres Landes zu ihrer heutigen Bedeutung und Stellung emporsührten. Wix sehen dies in noch weitcrausgrcifeiidcm Maße bet Ihnen und freuen uns dessen. Wir sehen dies auch in den Ländern der alten demokratischen Tradition, in denen der Sozialismus immer mehr/an Boden gewinnt und sich Immer' unaufhaltsamer an die Macht heranarbeitet. Unser heißes Sehnen ist, daß es so auch jn jenen Ländern kommen möge, in denen die arbeitenden -Menschen imter faschistischer Knechtschaft seufzen undt überall, dort, wo, wie in Spanien, das Pro». Seite 2 Mittwoch, IN..Mai 1037 Nr. 11« Verlauf des zweiten und dritten KongreBtages Die Botschaft des internationalen Sozialismus Veverka— Gesandter In Bukarest Bukarest. Dl« rumänische Regierung hat den» neuernannten tschechoslowakischen Gesandten in I Bukarest Veverka da« Agreement erteit.. leiariat IjcTbcnfinft nm die Befreiung und um die Erlösung.der Arbeit ringt.•< Dr. Czech schloß seinen Grus; an die tschechische Sozialdemokratie mit einem feurigen Ah- pell an« Svatopluk Eech's..Sklavenliedern". Den Worten des Ministers folgte neuerlich stürmischer Beifall. den Wechsel der politischen Parteien in den Rtssötk», verlangt die allmähliche Aufhebung des Ermiich- tigungsgesetzes, eine Novellierung des Jntompattbili- tätsgesetzes u. a. Auf dem Gebiete der Außenpolitik wird verlangt, daß dieses Gebiet nicht den Gegen/ sland inncrpolitischer Kämpfe.bildet und die Repräsentanten der Partei in der,Regierung und im,Parlamente werden angewiesen!, eine Außenpolitik zu betreiben, die keinen Schwankungen unterworfen, ist. Die Resolution beharrt auf der Aufrechterhaltung der Bündnisverträge mit den Staaten der Kleinen Entente, mit Frankreich und mit der Svlvjetunid'n und verlangt eine enge, Zusammenarbeit mit allen demokratische» Staaten der Welt im Interesse der Friedens. Nur eine innerlich konsolidierte, politisch, moralisch, wirtschaftlich und militärisch starke Repn- blik, die einer wirksamen Verteidigung gegen jeden Einfall fähig ist, bietet die Garantie, daß sie. ein feste» Glied der euröpkischen Friedenskette sein wird. Deshalb spricht sich die Resolution für die beste Ans- rüstung der Armee, welcher sie dar Vertrauen an»"- spricht, und für die vollkommene Befestigung.der Grenzen der Republik aus. Der Kongreß verlangt eine im.Innern und»ach außen konseguenle Demo, kratie und die Bekämpfung jeder undemokratische» Ideologie und aller Bestrebungen, die denwkratischen Freiheiten zur Untergrabung de»"demokratischen Regimes zu mißbrauchen. Die politische Resolution legt auch Nachdruck auf die Durchführung bet Wirtschaftsdemokratie und macht im Zusammenhang damit auf dar Problem der ständigen Arbeitslosigkeit aufmerksam. Zum Schluß billigt die.Resolution dar bisherige Politische Vorgehen der Partei und erklärt, daß an ihm nichts auszusetzen oder, zu ändern sei.,; A. Hampl einstimmig wiedergewählt Einhellig wie der ganze Parteitag war auch der Wahlvorgang. Dar Zentralexekutivkoniitee und die 18 Parteikommissionen wurden durch Akklamation gewählt. Am Zentralexekutivkomitee sind zum erstenmal die ungarischen, Parteimitglieder und die Kleinlandwirte vertreten." Zum Versitzenden der Partei wurde Aba. A. Hampl unter stürmisch«» Beifall aller Delegierten wiedergewählt..-'.''-'* Mit den Wahlen Ivar die Tagesordnung des Kongresses beendet. Abg. Hampl faßte sejne Ergebnisse nochmal» in wenige»"Worten zusammen."Sein Schliißappell an die Telegierte» nnd Parteimitglieder wurde mit einem Sturm des Beifalls ausgenommen. Mit dein Gesang der„Roten Fahne" und der'„Jn» ternaiionale" endete der dreitägige Kongreß. schreiben der In Spanien in' den Reihen.der Republikanischen Truppen kämpfendem Mitglieder der tschechischen/ Sozialdemokratie. Namentlich diese beiden Zuschriften wurden mit enthusiastischem Beifall und Erheben von den Sitzen äuf- genommen. Dar Abschluß des Kongresses Der Montag war der Aussprache über die Hauptreferate gewidmet, an der 19 Redner sich beteiligten, die durchwegs zustimmend sprachen. Die Debatte wurde von Dr. Meißner mit einem ausführlichen.Schlußwort beendet.'Dr. Meißner hielt in seiner Uebersicht der politischen Entwicklung seit 1983 fest,, daß die Zahl der sozialdemokratischen Parkten, die in den verschiedenen Staaten an die Regiermigsmacht kamen,,.sich.vermehrt. Voß besonderer Bedeutung ist die Tatsache, daß der Regierimg Blum etwa» gelungen ist, was vor ihr keine andere.erreichen konnte,"nämlich die Stabilisierung eines Regimes auf der Grundlage der politischen Parteien. Vor Blum war kein Ministerpräsident sicher, ob er nicht durch eine• überraschende Abstimmung gestürzt werden wird. Die Sozialdemokratie hat keinen Grund zum Defaitismus. der Faschismus al» Ideologie- verliert iminer mehr an Boden. Doch müssen wir uns vor der vorschnellen Behaupiung hüten, daß die Diktaturen vor dem.Zerfall stehen....... "Nach der Debatte wurden die Berichte der Kommissionen erstattet, insbesondere der größten, der landwirtschaftlichen, die in einer vielstündige» Sitzung beraten hatte. Der Kongreß nahm dann die Resolutionen einstimmig an. und erledigte entsprechend den Anträgen die vorliegenden Anträge. Die politische Resolution beginnt mit der Losung: Für eine starke Republik, für eine konseqnente Demokratie und die Zusammenarbeit der Koalition I. Der Kongreß erklärt darin u. a.. daß er auch weiterhin auf der Beteiligung an der Regierung der koalierten Parteien beharrt, begrüßt die Unterstützung, welche die Partei dem Gedanken de» vollkommenen Frieden» und der lohalen Zusammenarbeit mit allen nationalen Minderheiten zuteil werden ließ, und billiat die für die ideelle und praktische Festigung der tschechoslowakische» Einheit geleistete Arbeit. Die Resolution unterstützt die Forderung der Vollzugsausschusses der Partei betreffend wakei als einen Angriffaüf Fra nkreich selbst betrachten wurde. Nach diesen beiden Reden, denen Dr. Soukup ein fcueriger Interpret war, sprach Topalowio (Jugoslawien) und siir die d,e n t.s ch c So.-» z i a l d e m o k r a t ie in der Tschechoslowakei Minister Dr. llzech. Genosse Dr. Czech betonte die, Gemeinsamkeit de»-Kämpfe^be>?Arbeiterkiäfse''dlker-W!tw»alttäien. Der Kongreß: der tschechischen EoziNkdrüISkrätiS hat nn» alle mit Stolz erfüllt.- Dem Faschismus aller Nuancen stellen wir die Verbrüderung des arbeitenden Volks aller Nationen, dem Chauvinismus, die Verständigung im Kampfe für Frieden und. Demokratie entgegen,"■_>, Buchinger(Ungarn) dankte" den tschechischen Genossen" dafür, daß sie zugleich nut ihrer eigenen Freiheit auch die Siechte und Freiheiten des ungarischen Proletariats in- der Tschechoslowakei verteidigen..-- Eine der Hanptausgaben der- nächsten Zeit werde es sein, die friedliche Zusammenarbeit aller Völler de» Donaubeckens' heroeiznfuhren. v Radaceamt(Rumänien) stellte seinen-Ausführungen den. Wunsch voran, daß e» in seinem Lande bald ebenso aussehen möge wie in'..her Tschechoslowakei. Die rumänische Sozialdemokratie hat sich gegen einen Faschismus zu wehren, der Parteitag der tschechischen Sozialdemokraten rung eine» vollqualifizierten und vorzüglich b e I ch r i-e b tuen Ange, stellten deshalb Hindernisse in den Weg legt, weil" der- Betreffende Sozialdemokrat ist. Die Sozlaldemo- kratc» haben sich stet» peinlich an den Grundsatz gehalten, daß die politische Zugehörigkeit eine» Angestellten bei entsprechender Qualifikation(eilt Hindernis für seine dienstliche Laufbahn sein darf und eine "solche Personalpolilit wurde auch in.de» do» Sozialdemokraten verwalteten Ressorts stets beobachtet. Es kann.und wird nicht geduldet werden, daß in-der Staatsverwaltung die Angestellten" danach beurteilt werden, ob' sie nach ihrer Zugehörigkeit zu den sich al» besonders„pakiotisch" gebärdenden-Parteien al» .mehr oder weniger»hoffähig"-erscheinen und. da» -gleiche gilt auch von den Angestellten und Arbeitern, -die in P.rivatdicnsten tätjg sind- Hierauf erfolgte» die Kundgebungen der aurländischenDelegationen und der sonstigen als Repräsentanten" befreundeter Korporationen erschienenen Gäste, die sich zu einem erhebenden und ergreifenden Höhepunkte de» Kongresses gestalteten und über die wir besonder» berichten. Nach Abschluß dieser Kundgebungen wurde die, bereits am ersten Kongreßtage begonnene Debatte über die Tätigkeit»- berichk fortgesetzt, in der eine lange Reihe von Rednern das Wort ergriffen. Die Debattenredner billigten einmütig das Vorgehen der Partei in der Berichtszeit und die für die Zukunft angedeuteten Richtlinien der Parteipolitik. In allen Kundgebungen der Redner spiegelte sich das in den Massen der arbeitenden Klasse gefestigte Bertrauen -und Selbstbewuhtsein und der Wunsch nach Betonung der demokratischen und sozialistischen Aktivität. Insbesondere erklärte Dr. Eier (Brünn) zusanunenfaffend das volle Vertrauen zu der bisher eingehaltenen außen- und innenpolitischen Linie der Staatspolitik, wobei«r die reaktionären Angriff« gegen die französische Polksfrontregierung, wie auch gegen die Sowjetunion energisch zurückwies. An die reichsdeutsche Ünd österreichische Auslandsdelegation gewendet, verdolmetschte er diesen in deutscher Sprache die Grüße des Parteitages, ebenso den französischen und tnIMschen.Delegierten,.Bezüglich der^nueuL politIk"Kkläki?'ir sich eineWls'geßen/jeoe Ans- dehnung nach recht» und bciöute nachdrücklichst, daß die E r f ü l l u» g d e s Abkommens vom-18. Feber mit den deutschen Aktivisten das nichtauf demPapierbleibendiirfe, eine der Hauptaufgaben der inneren Staatspolitik sein müsse. Zmn Schluß de» zweiten KougreßtageS Verla» Generalsekretär D u n d r die eingelangten Entschuldigung»- und BegrüßungSschreihen der sozialdemokratischen P a r t e i e n Polens u n d F i n n l a n d S, der Auslandsdelegation der ukrainischen Sozial- deniokratie und eine Reihe anderer Begrüßungen, unter ihnen einen Brief der Genossin Paula Wallisch und ein GlückwunschAls Aschluß des Parteitages der tschechischen Sozialdemokratie fand Dienstag im vollbesetzten Lueerna-Saale eine öffentliche Kundgebung statt, in der Delegierte der sozialistischen Bruderparteien das Wort ergriffen, um den Sozialisten Prags zu sagen, daß der Kampf, den die sozia- liftssche Arbeiterklasse der Tschechoslowakei führt, nicht auf einem verlorenen Posten auSgefochten -wird, sonderi^is Syjiipathic und d^iijtigx^Dtt- IWßAßer SpStkstenMttzßpemölratyg PäM^en Wett auf seiner Seite hat. Als Erster sprach nach den Eröffnungsworten H amp l s der Vorsitzende der Sozialistischen Arbei- krinternational«, de Bröncksre, der vor allem auf die Bedeutung de» Freiheitrkampfes der spanischen Volkes hinwie». In Spanien geht es um die Deniokratie in der ganzen Welt. Diese» Bewußtsein muß auch das Gefühl der Solidarität der Sozialisten und Demokraten aller Länder mit dem Schicksal der Demokratie in der Tschechoslowakei stärken und dem gemeinsamen Kampf für die Freiheit und den Frieden neue Kräfte geben. Für die französische Sozialistische Partei überbrachte Lövtz unter gewaltigen Ovationen der Ver- sammlung die Botschaft Löon Blum», daß d i e französis ch e Polksfrontj eben Angriff auf die Tschechoslo- Am Morgen de» Pfingstsonntag sand der Parteitag seine Fortsetzung, mit einem großen politischen Referat- deS Justizministers D r. Ivan D i r e r, der von den Kongreßteil- teilnehmer» begeistert begrüßt wurde. TaS Re- serat des JustizminijterS bringen wir an anderer Stelle. Nach dessen Beendigung verlas der Vorsitzende, während sich die Delegierten von ihren Sitzen erhoben, das eingelangte Danktelegramm de» Staatspräsidenten, da» diesen Wortlaut hat: „Ich danke herzlich für den Gruß de» Kongresses, für die Worte der Ergebenheit für die Republik nnd für die Anerkennung meiner Bemühungen und meiner Arbeit. Ich hoffe mit Ihnen fest, daß die Republik nie aushöre» wird, ein demokratischer, ein sozial und national gerechter Staat zu sein und daß sie immer ein kulturell fortschrittlicher Staat bleiben wird. Ich weiß, daß Sie fest entschlossen sind, in diesen Richtlinien weiierzuarbeiien und versichere Ihnen, daß auch ich, ebenso wie bisher, genieinsam mit Ihnen diesen Weg gehen werde. Ihrer Arbeit in diesem Geiste wünsche ich viel Erfolg. Dr. Edvard B e n e?. Die Verlesung der Depesche löste einstimmigen, langwährendeu Beifall au». Justizminister Dr. Ivan Dtrer Über staatspolitische Aktualitäten Justizminister Dr. Dörer, dessen Rede al» Kor- reserat zu dem nm ersten Kongreßlag erstatteten Referat de» Eisenbahnminister» Bechhni über die politische Entwicklung gedacht ist, besaßt sich im ersten Teil seiner Rede mit der sogenannten Personalfrage in der Staatsverwaltung und setzte sich in ebenso sachlicher wie scharf treffender Weise mit der BcrleumdungSkampagne anScinander, die von einem Teil der Rechtspresse in diesem Punkte gegen die von sozialdemokratischen Ministern verwalteten Ressorts eingesetzt wurde. Die„Enthüllungen" haben nicht di: Sozialdemokratie bloßgestellt, der nicht die mindeste lln- korrektdeit. nachgewieien werden konnte, sondern dir „Enthüllte" selbst, die zum Teil sehr-übler Methoden bei Beschaffung des, angeblichen-„Materials" überführt wurden. Nicht die Sozialdenwkratie ist er, die eine große Spionagezentrale zur Ueberwachuna nicht, nur dec anderen politischen Parteien, sondern auch von Privatperson:«, vor allem der öffentlichen und anderer Angestellten eingerichtet hat. Die von allen Parteien durchgeführte JntcrvmitioNStätigkeit in Personalfragen ist, in gesunden Grenzen, ein geeignete» Mittel znr Kontrolle de» bürokratischen Apparates. der immer— und ganz besonder» in den autoritär.'« Staaten— von den Trägern der politischen Macht in gewissem Sinne beeinflußt wird. In der Personalfrage muß auf der einen. Seite die objektive Onalifikatlon der Bewerber» oder Angestellten gerecht gewertet werden. Auf der andern Seite über geht es nicht an. daß unter dem Deckmantel der Objektivität eine Personalvolitik getrieben wird, di: der Anstellung oder B e f ö r d e- 3V JUNGES WE/B A VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT ES waren die«lvigeu Träume der Jugend und nicht» als Träume, dcun auch, wenn er Veronika damals nicht verloren hätte, wäre er um die Erkenntnis nicht hcrumgelommen.dah jede großeTat und jede umlvälzende Leistung ihr Zeit brauchte, yuudertmal von allen unruhgeschlagenen Geistern der Vergangenheit und Gegenlvart in der unaussagbaren Qual des SchöpserivilleuS vorgedacht und vorerforscht, vorbereitet in unzähligen, schlaflosen Nächien, vorzergiiedert und vorgeprüst, ehe Stufe süc Stufe ausgehauen war und erklonunen werden konnte von dem Letzten, der das Letzte ans Blut nnd Menschengeist aus sich beranstrieb, um einen Fortschritt, eine Leistung, eine in den Stuben der Gelehrten, den Chemiesälen, den Labopa« lorien immer wieder versuchte, immer wieder fehl» geschlagene Tat zu vollenden, sichtbar und wirkungsvoll zu machen. Arnold Bannholzer ivußte längst nicht mehr, lvo er sich befand, noch wußte er, wohin er wollte. Der Fluß, die Siadt, Veronika mit ihren leichte» Schritten, verschivindend in der Tür.e eines Hanse», einmal der Gedanke an Bernd, der Wunsch, zu diesem fälsch Verdächtigten zü, stürzen. und ihn nach Veronika und Truckenbrott zu fragen, denn.vielleicht wußte ja er etwa», vielleicht hatte sie es ihm gesagt,—— und dann immer wieder diese alle» zerkrampfende, alles erdrückend-.. Er- lennlttis, daß es nichts nützen würdet Denn.es mochte ihm einer sagen, wa» er wollte, e» Mochte geschehen, daß Bernd vielleicht einen glaubwürdigen" Grund für Veronika» Besuch bei Truckenbrott auzusühren oder zu erfinden vermochte, es könnte sein, daß"er selbst, Arnold Bannholzer, ein in diesen Stundes seines Verstandes beraubter Mann, der wie ein Irrsinniger aus der Stadt heraus und in die Felder lief, dem Flusse folgend, immer nur dem Fluß, der ihn nicht loslieh, als läge nur auf seinem Grunde die Rettung, ja, es konnte sein, daß dieser in seinem Herzen tödlich verwundete Mann nach einer zergrübelten und zertobten Nacht im nüchteren Lichte des nächsten Morgens selbst eine beruhigende und natürliche Erllärung für Veronikas Verhalten und für die Ungeheuerlichkeit fände, daß seine Frau in irgendeiner geheimnisvollen oder auch nur zufälligen Beziehung zu seinem ärgsten Feinde stand,— alles das würde sich Herausstellen, würde sich vielleicht erklären lassen könne» und lväre zu überlvinden, wenn es überhaupt Bedeutung besäße und Gewicht. Mörderischste Bedeutung, unerträglichste» Gelvicht jedoch hatte nur da» eine: er hatte ihr vertrant,— trotzdem— trotz Bernd— trotz aller Zweifel— geschunden hatte er sich selbst und sich zerrieben an mancher Unverständlichkeit ihres Wesen», er hatte sie gequält und sich zermürbt mit seinen! Verdacht, mit seinem Mißtrauen, und hatte sie doch immer wieder vor sich selbst verteidigt, weil er im Letzten, Allerletzten und Entscheidenden den- noch an sie geglaubt hatte, damals, vor langen Jahren, als sie seiner Schwester ins Gesicht lachte, die ihr klarzümachen versuchte, daß ein mittelloses Mädchen niemals den Anspruch erheben dürfe, Arüokd Bannholzers Frau genannt zu werden, lind so tute ihr damals der Glauben an ihn zerstampft worden tvär von seiner feigen Wortlosig- keit, so hatte man ihm heute den Glauben an sie zerstampft, mit sechs Worten,-zerstörerischer als jedes Schweißen:„Die Dame wollte zu Herrn Truckenbrott." Oh, Veronika hatte ihm die Rechnung vorgelegt für da», was er ihr schuldete. Bon Anfang an hatw sie gelogen, bewußt gelogen, und gelächelt und" geschlviegen. Truckenbrott in dieser Stadt? Truckenbrott nicht mehr der von allen Koffnung»- losen überlaufene, von allen Frauen ange- schwärmie und doch ungerührte Mann,"der sich die Berühmtheit gut bezahlen ließ und der dann an Jeannette verblutete? An— Jeannette? Jeannette war tot, und die Toten werden nicht lebendig. Veronika aber lebte, Veronika, seine Veronika— was wollte die denn bei Professor Truckenbrott? Wa» wollte sie denn dort? Mit überdeutlicher Schärfe wurde ihm jetzt alle» klar. Ihre Worte, ihre unsicheren, hilflos verwirrten Sähe: ,Es ist ja gar nichj, Bernd. Du bist es, und weiter ist es nicht», und niemand ist es sonst.. Niemand, niemand, niemand außer dies-m Dr. Truckenbrott I.Niemand ist es sonst"...' Das war in der ersten Nacht gewesen, in ihrer ersten Nacht, an diesem Fluß, in der- Nacht.seiner Heimkehr zu ihr. Und ihr versonnen-ungeduldiges: ,Jch weiß es doch,-ich weiß'.--..'.' Das war an ihrem'letzten Abend, am letzten Abend mit Veronika dabeim im Dorf," als ihn da» Entsetzen ansprang und er dann vor iHv stand nnd- sie beinah geschlagen hätte, mitten in diese« unschuldige," lügenhafte Gesicht hinein. Und der Brief. Die heimlichen Briefe. Ihr scheit gehetzter Blick, al» sie damals aus dem Postamt kam und ihm-mit einem Mute ohnegleichen versicherte, sie sei an diesem Tage.noch nicht aus dem Haus gewesen... Und ihr Zusammen-' schrecken, wenn-Türen schlugen, wenn es klingelte .... und. ihre"Angst.... Und ier, er hatte sich immer wieder gesagt,- dies alles geschehe für ihn, und- er hatte sie dafür geliebt. Und nun war es um" Truckenbrott geschehen, und nun war es gleichgültig, warum... Denn nicht das zermalmte ihn,, das, wa» stln möchte zwischen ihr,und Truckenbrott, wenn es ihn auch wie mit feurigen Ruten schlug,.nicht da», tuns sie fetzt, jn diesen Stünden, bei diesem Menschen wollte, suchte, tat, und nicht, was sie zu ihm getrieben haben mochte, sondern bas andere, dieses völlig Unfaßbare, dessen sie fähiä gewesen war: die Kühnheit,-mit der sie" ihn von der ersten Sekunde an mit ihrem Schtveigen belogen-hätte, die Unerschütterlichkeit, mit der sie all die Nächte in seiner Umärmung nnd all die Tage in seinem Haus, und all die Stunden, in denen letztes Vertrauen scheinbar, zwischen ihnen waltete, geschwiegen hatte. Es war da»-einzige, das.nicht zu verstehen und nicht zu verzeihen war, das außer dem Bereich de» Möglichen,"de» fe für möglich Gehaltenen, lag: die Tatsache/ daß sie Kraft gehabt hatte für dieses Schtveigen,.daß- sie. innerlich nicht zugrunde gegangen war.-.'an jjder Lüge. Nun war die Schuld gesühnt, Beronikä und er, sie waren quitt. Denn, dieser Abgrund ließ sich niemals überbrücken, Zu jäh und zü. gewaltsam hatte er sich aufgetan,-: J../ Der Fluß zog-den Mann Innner gefährlicher in seinen Bann.-Auf, seinem Rücken trugädgr Fluß die Wellest in»-Meer, einmal hatte" er die Jähre.lsinwegge'spislt, dqß sie waren wie ein-Tag, und jetzt könnte er das Lehen hinwegspillen, tind es wäre nichts."gewesen als.eine Folge von.Sinnlosigkeiten) Zufällen, ausgebaut aus dieser, nun gelöschten.Schuld. Denn.nur die eine gab e» sä. Jeänüette? Nun gut, er hätte es verhindern können,'daß ihr die Phiolen, in die Hände fielen, nun-gut, da» war.sein Anteil auch an dieser Schuld: Doch wäre Jeänüette auch gestorben ohne ihn und ohne diesen Dr. Fleith und ohne Truckenbrott.' Sie Haste' den Tod in der Kehle getragen^ Ivie. Rosa den Tod in der Kehle trug,— den^schwarzen Würger alles Lebens, durch keine Macht der Liebe hü. besiegend Jeannette" hatte es gewußt. Es wär zü spät."gewesen/»« lange Halle sie gewartet/".leine Bestrahlung.half/-und jede Operation, batte das sichere, Ende'bedeutet. UndmitBewußtsein wär" sie auch. gestorbtzn nach einer letzten üherirMcheir- Hoffnung,' die dieser Dr, Fleith ist. seiner HeMÄ. ihr"dann auch-noch'nä.hch.K's!> .(Fortsetzung folgt.)j” J tot. 116. Mittwoch, IS. Mak 193? Seite 3 MMMteieiideutscher Zeitspieget ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■" Festtag der Arbeiter in Elbogen täglich frecher auftritt uni dec von Deutschland au» dirigiert wird. Zum Abschluß der großen, von.einer begeisterten Stimmung getragenen Versammlung stellte H a m p l fest, daß diese Kundgebung wiederum gezeigt hat, daß wir auf unserem vorgesehobenen Posten nicht isoliert sind, daß wir aber andererseits auch vor der ganzen Internationale eine große Verantwortung tragen. An die Delegierten der ausländischen Bru- derparteien richtete er die Versicherung, daß die sozialistische Bewegung der Tschechoslowakei auch weiterhin ihre Pslicht gegenüber der Internationale durch konstruktive Arbeit an den gestellten Aufgaben erfüllen wird. Empfang beim Präsidenten Der Präsident der Republik empfing am Sonntag eine Delegation der Kongresses, die vom Senator Fr. Soukup und dem Abgeordneten Hampl geführt wurde. Abgeordneter Hampl wiederholte dem Präsidenten die Grüße des Kongresses, wofür der Präsident neuerlich seinen Dank für die Grüße aussprach. Der Audienz lvaren auch sämtliche ausländische Kongreßgäste. unter Führung des belgischen Delegierten de Broucker« erschienen, und zlvar: aus England Maior Att- Ice, Lathan: und Jenkins, ans Frankreich Louis Levy, aus Dänemark Hansen, aus Holland Miranda, ans Jugoslawien TopaloviL und Pctcian, aus Ungarn Buchinger und Docizi, ans Rumänien Rädaccanu und aus Schlvcden Nilston. Rach der Begrüßung der ausländischen Gäste entspann sich eine Aussprache über aktuelle politische, wirt- schaftliche und. soziale Probleme, an der der Präsident der Republik nahezu eine Stunde teilnahm. Politik und Sozialpolitik auf dem Deutschen Juristentag Der Deutsche Juristentag, über dessen Eröffnung wir bereits berichtet haben, beschäftigte sich in seinen sachlichen Arbeiten unter anderem mit zwei Themen, von denen das«ine politisch, das andere sozialpolitisch bedeutungsvoll ist/ Zu dem Problem der Verordnungsgewalt lag ein Gutachten des Universitätsprofessors Do. Sander vor, welches die auch von' uns vertretene Auffassung, daß generelle Ermächtigungen mit der Verfassung nicht im Einklang stehen, in der offenbaren Absicht, die tschechoslowakische Demokratie zu diskreditieren, bis zu. dem Paradox überspitzt, daß Regierungsverordnungen überhaupt nur zulästig seien, wenn ein Gesetz grundsätzlich auch ohne Durchführungsverordnung vollzogen werden kann. In der teilweise im.Beisein des Justizministers Dr. Derer abgeführten i-SeftiotrSberatung,.suchte.der.,„Referent UniversitätSprofeffor Dr. H e n r i ch, der sich im Rahmen einer■ rechtsdogmatischen Betrachtung hieü, die schroffen Formulierungen Sanders zu mildem. In der Debatte sprach unter anderen. Genosse Dr. Schwelb, der, soweit das im Rahmen einer wissenschaftlichen Aussprache möglich war," die politischen Hintergründe der Sander- schen Auffassung nachwies. Dr. Schwelb wurde auch in das Redaktionskomitee' gewählt, das, hauptsächlich gemäß den Anträgen des Vizepräsidenten der Mährischen Advokatenkammer, Dr. R o s e n b« r g, den Leitsatz aufrecht erhielt, daß Ermächtigungen ,in einfachen Gesehen nicht zulässig sind, aber die auf Diskreditierung unserer Demokratie gerichteten. Formulierungen" eliminierte. ■. Großes Interesse fand auch die Frage, welche Regelung die Rechtsstellung der H«»d«lsagente»' erfordert. Hiezu hatte der Handelsrechtler Uni« versitätsprosessor Dr. Lauske ein gründlicher Gutachten erstattet/ welches zu dem Schluß kam, daß jene Agenten, die wirtschaftlich und sozial unselbständig sind, dein Privat ange st ell- tengesetz zu unterstellen wären. Dagegen wendete sich der zum Referenten bestellte Generalsekretär der Arbeitgeberhauptstelle Dr. F e r n e g g,'welcher eine gesetzliche Regelung des Rechtsverhältnisses der Agenten überhaupt für überflüssig erklärte: In der Debatte plädierten die Genossen Dr. Wiens r, Dr. N e u st a d t l und Dr: K o l i s ch. energisch für die Anerkennung deS AngestolltencharakterS der wirtschaftlich abhängigen Agenten: Auch ander« Redner setzten sich E'ihrsn sozialen Schutz eim Dar RedaktionS- koiNitee(Rät. des Obersten Gerichtes Dr.' Pro- ckiazkä,.Prof. Dr. Laiifke, Dr. Fernegg, Dr. Wiener und"Dr: Wilhelm Butschek-Brüim), gelangte entgegen hen von Dr. Fernegg verfochtenen Thesen zu Leitsätzen, welche die Regelung' der RechtS- stellnng der Agenten für n o t w« n d i'^'erklären und aussprechen, daß ihnen der durch ihre wirtschaftliche Ab- ' hängigkeit gebotene' sozialpolitische Schutz ..' gesichert werden soll.'>. Bei den Wahlen würde zum Vorsitzenden Rat Dr. F. H u f n ägl" aus. Prag gewählt. Lernet tschechisch.'Die Pfadfinder von Krem- sier.beäbsichtigen in ihr Sommerlager in Mirau in Mähren einige junge Leut« deutscher Volkszugehörigkeit äuszünehmen, damit dies« die tschechische Sprach« erlern«»' können/ Bedingungen: Zugehörigkeit zu einer. Pfadfinder-(Falken«) Organisation, Pfandfinder-(Falken») Uniform und Kameradschaft. Spesen:-19-Xi'pro Tag,. Läger ist.den ganzen Monqt Juli offen» Informationen erteilt: Jan H o l e c, KromitiZ, Kollärova 17. An: Psingst-Sonntag wurde In Elbogen der „Festtag der Arbeit" veranstaltet, der zu einem der wuchtigsten und eindrucksvollsten Aufmärsche wurde, welche die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei In Westböhmen jemals veranstaltet hat. Kraftbewustsein und Jugend gaben der Kuudgevung des Gepräge. Ihre Farbenpracht und Bewegtheit kamen in den Mauern der alten,' schönen Stadt'doppelt zur Geltung.„So wie einst die Grafen und Vögte auf der Burg sahen", sagte S ch m i d k u uz' in seiner mitreißenden Eröfsicungsrede,„will man auch heute wieder daS Volk durch Grafen und Vögte in Knechtheit halten. Das Mittel hiezu soll die Volksgemeinschaft sein. Aber die Kundgebung beweist, daß auch auf diesem ehrwürdigen Heimat-Boden der Geist der Freiheit lebendig ist." Jmnter wieder brach ungehemmte Begeisterung los— bei der Eröffnung, der Siede I a k s ch e n s und der Schlußrede Bruchs und die Jubelrufe, verstärkt zurückgegeben von den Mauern der alte» Häuser und der Burg, wolltet: kein Ende nehiuen. Selten>var In dieser Stadt soviel kraftbewnhtc, trotzige I u- g e n d versammelt wie n» diesem unvergeßlich schönen Tag.— Noch lange bliebe» die 12.000 Besucher der Veranstaltung auf der malerischen Wiese unterhalb der Burg beisammen. Aus de» Augen aller leuchteten Stolz und Freude— Freude über Blüten, Sonitenschein und über die neue, srühlingSfrohe Kraft der sozialistischen Kampfgemeinschaft. Das Reichstreffen der Angestelltenjugend in Komotau Während der Pfingstfeiertage fand in Ko- nwiau das Reichsjngendtreffen des Allge« m e i n e n A n g c st e 11 t e n v c r b a n d e 3 statt, welches einen erneuten Beweis von dem ständigen Aufstieg dieses Verbandes und seiner Jugend gab. Schon am Samstag abends bei de»: zwanglosen Veisannnensein im Parksaal. konnte matt wahrnehmen, daß viel mehr Teilnehmer gekommen waren als die Veranstalter ängcttonuncn hatten. Der Höhepunkt des Jngendtnges Ivar un- zweifclltai: die große I u g e n d k u n d g e- b tt ti fl am Sonntag vormittags im überfüllten Parlsaalgebände. Viele gctvcrkschaftlichc Verbände hatten Delegierte entsandt, die ZGK bewies durch ihre Delegation das große Interesse an der Veranstaltung. Für die Siadtgemcindc Komoiau uns die dcntsche sozialdemokratische Arbesicrschnit nahln an der Kundgelmng Vizebürgermeistcr T h ii r in e r teil, der die Bcrfammclteii auch begrüßte. Auch der Sozialistische Jugendverband und die J.M.V.-Jugend lvaren durch starke Delegationen vertreten, die der VerbandSobmann des AAV, Gen. K i r ch h o s, in seiner herzlichen BegrühnngSansprache besonders willkommen hieß. Für die ZGK sprach Rudolf W c i ß-Reichenberg. Die Absendung eines BegrüßungStelegrannneS an unseren Staatspräsidentet: Dr. E. Benes wurde stürmisch akklamtcrtl In einem gntdurchdachien nnd großangelegtcn' Referat behandelte der ReichSjugendleitcr im AAV, Hermann M ü l- l e r-Reichenberg, die Forderungen der Angestell- tenjugond und rechnete mit der„Volksgemeinschaft" gründlich ab. Seine Ausführungen fandet: itnmcr wieder den stürmischen Beifall der Teilnehmer, wie überhaupt die gesamte Kundgebung von großer Begeisternng getragen war.- Mit dem Liede der Arbeit wurde die imposante Manifestation beendet, an die sich ein Aufmarsch durch Komotau anschloß, der von einen 60 Mann starken Musikzug des SJ-Kreiscs Tep- litz-Komoiau geführt wurde. Au dem Marsch durch Komotau beteiligten sich über 1000 Menschen. Der Zug erregte das größte Interesse der Bevölkerung. Das lveitere Programm hatte sportliche Wettkämpfe ernt Nachmittag, ein Abendsingen auf dein Komotaucr Marktplatz und eine große Abendfeier in den Städtischen Parksälcn, die durch ihr hohes kulturelles nnd geistiges Niveau besondere Beachtung verdient. Der Montag Vormittag vereinte die jungen Menschen noch zu lvcitercn sportlichen Wettkämpfen und gemeinsame» Ausflügen. Mit einem Schlußappcll sand das Jugendtreffen dann sein Ende. Abschließend kann gesagt werden: Mit'diesem RcichSjugendtresscn hat die Jugend des Allgemeinen Angestelltenverbandes nach allen Seite» hin klar erwiesen nnd auch zum Ausdruck gebracht, daß sie der würdige Antvalt der jungen Angostcli- tenschaft ist. Wertvoll war daS klare Bekenntnis zur Demokratie, und Menschlichlcit. das Bekenntnis zur Idee der Unterdrückten. Die jungen Gr- Iverkschastler im AAV sind auf gutem Wege. Sie wissen, daß ihr Schicksal verbunden ist mit dem Schicksal der sozialistischen Freiheitsbewegung. J. K. Einstellung von Arbeitern beim Oberbau der Staatsbahnen Die BahnerhaltmtgSsektio» in Böhmisch T r ü b a u stellte bisher 16 deutsche Arbeiter ein ::»d wird diese Woche weitere 14 anfnehmen.... Schlüsselmäßig befinden sich in Böhmisch Trüban unter den beschäftigten. Arbeitern 16. Prozent Deutsche. Dieser Prozentsatz wurde aus den zum Böhtnisch Trübatter Rayon zählenden Ortschaften errechnet. Wenn auch mit Genugtuung festgestellt tverden muß, daß jetzt Deutsche in größerer Anzahl bei den Staatsbahnen Verwendung finden, kann dieser Prozentsatz nicht befriedigen, tveil Deutsche am Oberbau in rein tschechischen Gebieten k.e i n e Verwendung finden können. Desivegen wird es die Aufgabe der deutschen Regierungsparteien sein, zu erwirken, daß nicht jedes staatliche Bauamt sich einen Schlüssel über die Verwendung von Deutschen zurecht legt, sondern daß dies zcittral geregelt wird. Konrad Henlein in Landskron Im Anschluß an das Kulturverbandsfest in Zuckmantel absolvierte Konrad Henlein einig: Kundgebungen, wobei er auch nach Landskron kam. Di« Propaganda erwartete 401000, und Bescheidenere mindestens 10.000 bis 15.000 Besucher. Tatsache ist, daß ab 7 Uhr früh ununterbrochen Radfahrer nach Landskron kamen, daß ständig Kraftfahrzeuge etntrafcn, deren Insassen die SdP-Abzetchen trugen, daß auch ein Sonderzug aus Mährisch Trübäu kam, daß Teilnehmer zur Henleinkundgebung bis aus Sternberg, Brünn, Südmähren herbeigeholt wurden, daß die Bezirke Mährisch Trübau, Zwittau und Hohenstadt stark vertreten waren, daß also nichts unversucht gelastet! wurde, nm Massen auf die Beine zu bringen, Die Zählung der Dreierreihen" er« Heraus mit der Sprache, Herr Henlein! Ist die SdP für oder gegen die Etrlch-Arbeiter? Saksch brandmarkt vor 12.000 Zuhörern den Volksbetrug der SdP Auf den: Fest der Arbeit in E l b o g e n, das weit über den Rahmen einer Parteiveranstaltung hinauslouchs, sprach am Sonntag vor mehr als 12.000 Menschen Abgeordneter Jaksch, der als Sinn der Kundgebung'die Mobilisierung der Kräfte»des arbeitenden Volkes für die große Durchbruchsschlacht gegen die Wirtschaftsnot, für eine neue sozialpolitische Offensive, die den Arbeitslosen Brot und unserer Jugend Aussicht aus Existenz bringen soll, bezeichnete. Unter wiederholtem stürmischen Beifall erklärte Jaksch, daß daS größt« Hindernis einer wirtschaftlichen Gesundung, des sozialen Fortschrittes und einer friedlichen Entwicklung int Staate die Sudetendeutsche Partei Konrad Heuleins ist. Die Frage ist nur, wie lange sich die Arbeitslosen, die Arbeiter und Angestellten von der SdP noch an der Nase herumführen lasten wollen. Die Gaukelei der arbeiterfeindlichen SdP wurde entlarvt durch den Streik der Etrich-Arbeiicr. Jaksch stellte folgende Fragen: Wo bleibt die SdP mit ihrer elnrlnvjertel Million Wählern und 44 Abgeordneten? Warum schweigt der„Stammesführer", wenn die streikenden Henlein-Proleten im Etrich-Betrieb auf eine Solidaritätskund- . gebung warten? Warum schweigt di« ganz« völkische Jn- ' telligeuz, wen» bi« Arbeiter um Brot und Freiheit ringen?. Reichsjugendtag der christlichen Gewerkschaften In Reichenberg Dieser Reichsjugendtag Ivar ein Beweis dafür, daß die. Christlichsozialen auch über Jugend verfügen, über Jugend aus Arbeiterkreisen. Die Ausmachung der ganzen Veranstaltung zvar durchaus neuzeitlich. Die Kundgebung.in der Messehalle am Pfingstsonntag wurde mit. einem Fahnen- einmarsch»eröffnet,... die Begrüßung hielt Abg. Schütz. Die Festreden hielten Reichrjugcndfüh- rer Josef W ito p I l aus Bilin und Roichsjugend- führerin Marie Erben au'S Jungbuch bei Trau- tengu.. Die offizielle».Reden zeigen,, daß. die heutige christlichsoziale Gewerkschaftsbewegung nicht>mehr. mit" den' Anfängen dieser Bewegung vergliche» werden"kanü. Die Beeinflussung.durch die freien Gefverkschctsten Ist auch'bei der christlichen.Gewerkschaft, deutlich sichtl r. Wohl stehen di«, christljchey, Gewerkschaften nicht auf sozialisti- Warui» beschäftigt sich die SdP nur mit Fahnenparaden nnd Fahnenweihen? Soviel Fahnentuch kann man gar nicht kaufe», um die Schande bctj SdP znzudecken und das Unrecht zu bemänteln, das an den sudetendeutschen Arbeitern von den Henlein-Unternehmern begangen wurde. Ich fordere die Herren Henlein, Sandner und Konsorten öffentlich auf, endlich zu sagen, ob sie für die E t r i ch- Arbeit e r oder für Herrn Dr. Kellner sind? Zu tvelchem Zweck hat die SdP vor einigen Tagen einen neuen Sozialreferenicn bestellt? Steht vielleicht im Dienstvertrag des Herrn K a s p e r, daß er die Unternehmer nicht angrci- sen darf? Haben die Mitglieder des Kamerad- schastsbundeö ein Gelübde abgelegt, daß sie immer auf Seite der Unternehmer stehen, wen» die Arbeiter kämpfen? Henlein hat unlängst im Prager Deutschen Haus erklärt, daß bei den Gemelnde- Ivahlen über die Sozialdemokcaicn gerichtet tverden soll. Der Herr möchte sich von der Anklagebank drücken und den StaatSaMvalt spielen. Daraus aber anttvorten wir: Es soll gerichtet tverden über die Gaukler und den VolkSbetrng jener Par», tei, die vor den: 1V. Mai alles versprochen und nach dem.10. Mai nichts gehalten hat, die heute ihre Wähler wieder mit papierenen Anträgen füttert u::d uns die Arbeit überläßt. Die Ausführungen des Abgeordneten Jaksch ivurden wiederholt von stürmischen Zustimmungs- lundgebungen'unterbrochen. schon Grundsätzen, doch haben sie sich soweit durchgerungen, daß'sie die Gegenwartsforderungen der Arbeiterklasse als richtig erklären und sich hinter sie stellen. Das ivar einmal anders und inancher Unternehmer lvird über diesen Wandel bedenklich den Kopf schütteln. Der Redner-sprach von den Arbeitern, die Güter Herstellen, jedoch selbst keine besitzen, sagte von Unternehmern, daß ihr Standpunkt nur der des Gewinnes sei. Niemals soll man den Menschen nach dem Besitz einschätzen: rief cr aüs. Witopil sprach sich für eine Volksgemeinschaft der Tat aus, die in der Lohntüte sichtbar wird. Auch die NcichSjugendflihreriN sprach im selben Sinne und sagte„Unsere.sudetendeutsche Heimat wird eine T o t en i n s o l, wenn.der arbeitenden' Frau nicht geholfen wird:' Was heute in den Betrieben von Frauen verlangt wird, geht über daS Normale hinaus.". ; In. seiner Eröffnungsrede begrüßte Abg. S ch ji tz 4000 Erschienene, Die riesige Messehalle Mr gut besetzt. Seite 4 Mittwoch, 10. Mui 1637 Nr. 116 qab aber etwa 686, so daß angenommen werden kann, daß nur rund 3000 Personell im Zug marschierten. Der Vorbeimarsch dauerte 20 Minuten. Wie fcstgcstcllt werden konnte, dürsten von den in, Zug Maschierendc» ungefähr 100 aus der Stadt Landstron gewesen sein. Obwohl die SdP ans Plakaten und in Flugzetteln erklärt hatte: „Wer am Psingstntontag daheim bleibt oder Spalier steht, statt mit seinen Volksgenossen in Reih und Glied zu marschieren, hat noch nicht begriffen, daß dieser Marsch kein Umzug, sondern ein Bekenntnis istl, war ein dichtes Spalier Neugieriger da. Die Sicg-Hcil-Nufc der Marschierenden sanden in den LandSkroncr Bürgerhäusern ein schwaches, im Spalier überhaupt kein Echo. Tie Lanrskroner SdP wollte mit dem Anzug aus ganz Südmährcn die rote Burg Lands- kron besiegen. Aber ihr Aufgebot vom Psingst- montag lehrt, das; das„Rote Landskron", wie er die Henleinleutc bezeichnen, nichts mehr zu befürchten hat. Karel Capek für den deutschen Sender Im Pfingst-Lcitartikcl des„Prager Tagblatt" nennt der bedeutende tschechische Schriftsteller Karel Eapcl die Frage der deutschen Senders„Die ernsteste Frage unseres Rundfunks" und schreibt in diesem Sinne:„Ich weis; nicht, wie lange wir uns noch so gebärden werden, als rü cS uns gleichgültig sei, was unsere drei Millionen Deutschen höre». Gewiß kann man den Radiowcllen nicht die Grenze» versperre». Aber ebenso getvitz ist es, daß unsere Deutschen ihre Enipsängcr nicht einem guten Programm und einer gute» Berichterstattung verschließen könnten. Auch die Deutschen jenseits der Grenze wurden es nicht tun und sich daran getvöhncn, im europäischen Raum auch eine demokratische Intonation zu vcrnehinen. Damit ist keineswegs eine Polemik mit den Anschauungen anderer Staaten und Regierungen gemeint. Aber wer Ohren hat zu hören, der höre, wie man anderswo denkt, wie nian anderswo frei spricht, nienschlich fühlt. Wenn ich unsere Regierung tvärc, ich würde diesen deutschen, diesen internationalen Rmidfunk sogar mit ganz besonderer Liebe und Weisheit aufziehen, damit daS Höchste und Edelste daraus würde, was sich im europäischen Raum seinen Weg bahnt. Ich erhebe laut Palackh fürs tschechische Volk den Airspruch auf geistige Waffen. Gott weiß, lvarum wir diese Waffen nicht noch weitertragend her- frellen als Kanonen und Flugzeuge. Werft nur einen Blick auf die Landkarte, ob unser Land nicht geopolitisch dazu geschaffen ist, derScnder von Mitteleuropa zu werden: kein Schwärzsendcr, sondern die h ö ch st e A n t e n n e europäischen Gei st es." Tagung das Reichsverbandes der deutschen Bürgerschullehrerschaft In Jägerndorf fand Pfingstsamstag bei ausgezeichnetem Besuch die Hauptversammlung des Rcichsvcrbandcs der deutschen Bürgerschullchrcr- schast statt. In seiner Eröffnungsansprache bezeichnete der RcichvcrbandSobmann Johann Spatzal, Postclbcrg, folgende drei Fragen als grnndlegcnd für die Aufbauarbeit zum Wohle der Bürgerschule: Durchführung des Sprengel- bürgcrschulgesches, Ergänzung der Zahl vollbefähigter Bürgerschnllchrer und Einführung der neunjährigen Schulpflicht. Begrüßungsschreiben sandte» die Minister Dr. Ezcch, Dr. Spina und Zajiick, der Präsident des Landesschulrates in Böhmen, der Referent der Abt. I des Schulmini» stcrinms, der Verband der deutschen Sclbstvcr- lualtnngSkörper usw. . Fachlehrer A m S l e r, Lippi» bei Troppau, sprach über„Das Bildungsidcal im Wandel der Weltanschauungen". Der Vortragende entwickelte den Zusammenhang zwischen Weltanschauung und Bildungsidcal. linier dem Titel„Die Stellung der Bürgerschule im Gcsamtansbau unseres Schul- tuescnS" gab Fachlehrer Fiedler, Oberleu- tcnsdorf, einen umfassenden Bericht über de» jetzigen Stand der Bürgerschule und ihrer Lehrer. Der Bericht des Zahlmeisters Theodor Mirko über die Gctdgebarung des Verbandes ließ eine erfreuliche AuswärtSbcwegung erkennen. Direktor Neu m a n n, Znaim, teilte die am Vortage in der Hauptauöschußsitzung einstimmig erfolgte Wicdcrtvahl des Verbandsobmannes Johann Spatzal, Posielberg, mit. Fachlehrer Lindner, der Schriftführer des Verbandes, verlas eine Reihe von Entschließungen, die einstimmig angemmnncn tvurdeii. Sie betreffen wichtige Bürgerschule und Standcssragcn.(Bürgerschulgesetz, Einjährige Lehrknrse, Gehalts- und Tiiclfragc, Lehr« und Lernmittel und Gcmeindefinanzen, Aufnahme In die Bürgerschule, Wiedereinführung der Bezirksund Landeskonferenzen, Lehrausgänge und Schiilerfahrten, Amnestie, Anstellungstvcsen, die rechtliche Stellung der Bezirksschulinspektoren). Vater und Sohn beim Kohlengrabc» getötet. Am Pfingst-Montag ereignete sich wieder auf einem der vielen wilden Schächte ein schweres Unglück. Der seit Jahren arbeitslose frühere Glasarbeiter Karl Prochafka und fein achtzehnjähriger Sohn wurden auf dem ausgelassenen Platschek-Abraum bei G r ü n l a ch durch schlagende Wetter getötet. Die beiden. Unglücklichen gehörten der tschechischen sozialdemokratischen Partei an. Die fürchterliche Not, die die Arbeitslosen zwingt, sich auf derart gefahrvolle Weise ein paar Kronen zu verdienen, hat nun wieder zwei Menschenleben geforderte Kulturverband im Volksgemeinscliaflsrauscli Die Pflngsttagung In Zuckmantel Zuckmantel.(Eigenbericht.) Die diesjährige Pfingsttagung des Deutschen Kultur« Verbandes gab der Sudetendeutschen Partei wiederum Gelegenheit, ihre großangelegten propagandistischen Manöver durchzuführen. Der„Führer" Ivar höchstpersönlich erschienen, sein Stellvertreter nahm das Wort, die Tuvnerjugend verlieh den öffentlichen Aufmärschen das Gepräge und die einzelnen Redner unterließen es nicht, sich zur Bolksgemeinschaftsideologie in den gleichen phrasenhaften Wendungen zu bekennen, welche die Reden der Henleinleute auszeichnet. ES ist gewiß zu glauben, daß der Vorsitze>U>« des Deutschen Kulturverbandes, Prof. Dr. G e ß n« r, die Politisierung seiner Organisation nicht will. Aber die Leitung deS Kulturverbandes gibt diesen Politisierungsbestrebungen, di« samt und sonders von derSudetendeutschenPartei ausgehen, immer selbst den besten Boden, indem sie darauf verzichtet, die Tagungen des Kulturverbandes als schlichte Arbeitstagungen zu veranstalten. Immer müssen«S rauschende und kostspielige Volksfeste sein, bei denen man sich bemüht, der politischen Zeitströmung Rechnung zu tragen.n men getroffen worden ist. Dr. Gcßncr hat den Inhalt de» Abkommens der Haupitagung nicht mitgcteilt. Man wird ja hoffentlich von ihm in den nächsten Tagen erfahren und also feststellen können, ob der Anglcichungsprozcß des Deutschen Kulturverbandes an die Forderungen der SdP weitere Fortschritte gemacht hat oder ob der Wille zur Selbständigkeit des Kulturverbandes gegenüber dem henleinistischen Bund der Deutschen zur Gel- tung^ebracht wurde.. 3 Der Führer war mit seinem„Horch"- wagcn gekommen, der ihm von den Hitler- Industriellen geschenkt worden ist. Daß er für diesen Luxuswagen 64.000 KC Zoll zahlen mußte und sich auch sonst als alles andere gab denn als armen Mann, tat der Begeisterung seiner nnentweglen Anhänger leinen Abbruch. „laz der Freiheit“ in Teplitz-Schönau Massenaufmarsch der proletarischen Freidenker Kundgebung: 8000 Personen Der„Tag der Freiheit", zu dem der Bund der proletarischen Freidenker die Anhänger der freigeistigen Gedankenwelt nach Teplitz-Schönau rief, hat gehalten, was er versprach. Angesichts der Anstrengungen der klerikalen Kreise, die sich mit a l l c n Mitteln bemühten, ihre Positionen zu halten und auszubaucn, war cS ein gewisses Wagnis, gerade zu Pfingsten Tausende von Menschen im nordwcstböhmischcn Gebiet in einer Kundgebung für die Forderungen der proletarischen Freidenker demonstrieren zu lassen. AbereSist gelungen, prächtig gelungen! Die Teilnahme der Bevölkerung an dieser ersten und einzig dastehenden Kundgebung übertraf alle Erwartungen. Aus den Bezirken zwischen Warnsdorf und Karlsbad kamen Tausende von Konfessionslose» nach Teplitz-Schönau. Auch die tschechischen Gebiete hatten starke Delegationen entsandt. Der imposante F e st z u g zählte rund 6000 Teilnehmer und auf dem Festplatze selbst waren mindestens 8000 Menschen erschienen. Fast endlos schienen die Kolonnen zu sein, die durch die Straße» von Turn-Teplitz an den sonntäglich geputzten Passanten der Badestadt Teplitz-Schönau vorbcimarschierten, um darzutun, daß der freie Gedanke von Jahr zu Jahr mehr an Anhängern und Bedeutung gewonnen hat. Nach einigen Begrüßungsansprachen formulierte dann der Obmann des Bundes proletarischer Freidenker, Wilhelm I K g e r, die Tagesförderungen des Bunde» zum„Tag der Freiheit". Gr stellte fest, dah die sudetcndeutsche Bevölkerung jetzt bereit» 180.000 Konfessionslose zähle. Die katholische Kirche habe tatenlos zugcsehen, wie in Deutschland alle Kulturorganisationen beseitigt und jede persönliche Freiheit vernichtet wurden. Noch furchtbarer zeigte sie ihr wahres Gesicht in Oesterreich. Auch hier im Lande sind die Klerikalen nicht müßig. Diese Tatsache zwinge den Bund proletarischer Freidenker, seinen GcgenwartSsorderungen noch mehr Nachdruck zu verleihen. Sie lauten: Gleichberechtigung der Organisationen der Konfessionslosen mit denen der ReligionSgeftllschaf- ten. Sofortige Einführung deS lebenSkundlichen Unterrichte- in allen Schulen. Diese Tagesförderungen, so führte Jager weiter aus, können nicht mehr abgclehnt werden, sie sind zum gesellschaftlichenProblem geworden, denn nicht weniger als eine Million konfessionsloser Mitbürger zählt jetzt die Republik. Die oft von Beifall unterbrochene Ansprache fand nach der Bekanntgabe der Forderungen begeisterte Zustimmung. Jedenfalls hat der Teplitzer Aufmarsch durch seine Geschlossenheit bewiesen, w i«stark der Wille der sreigeistigen Staatsbürger ist, den Grundsatz„Gleiche» Recht für alle!" in die Tat umzusctzen. Am Vorabend der Kundgebung fand im vollbesetzten Saale des„Neptun" eine Kultur sei er statt. Programm und Leistungen der Aussührenden standen ans hohem Niveau. E» wirkten mit die„S-Bühne" und von den Tschechen die„Severaci". Bürgermeister R u s s y hieß den Bund proletarischer Freidenker bei Eröffnung der Kulturfeier im Namen der Stadt willkommen.> Der Bundestag p... Im Anschluß an die große Kundgebung träten am Nachmittag die Delegierten im„Neptun"- Saale zum Bundestage der proletarischen Freidenker zusammen. Rund 180 Delegierte und etwa 100 Gäste von befreundeten Organisationen waren vertreten. Nach der Bekanntgabe der vielen Begrüßungsschreiben überbrachte für die sozialdemokratische Partei Senator R e y z l di« Grüße des Parteivorstandes. Er stellt« dabei fest, daß die Kundgebung vom Bormittag die Berbinduna de» Einzelnen mit der Gesamtheit aller Kämpfer gegen Faschismus bedeutet habe. Und in dem Kampfe «in eine bessere Kulturgemeinschäft, um Gerechtigkeit und wahre Geistesfreiheit werde man die Sozialdemokratie mit in der vordersten Reihe finden. (Großer Beifall.) Den bericht des Bundesvörstandes gab Jäger. Es führt« u. a. aus: Die Mil», lion der Konfessionslosen ist bis jetzt aus der Dül- derstellung nicht herausgekommen. Jetzt aber fördern auch wir unser Recht, jetzt beginnt dje A k- tivierung der Freidenker, denn wir wollen unsere Kultur nach unserem Wollen gestalten. Unsere Forderungen mif Gleichstellung mit den ReligionSgesellschaften sind sofort realisierbar, ebenso die der Einführung deS LebenSkunde- UnterrichteS.(Großer Beifall.) Am zweiten Verhandlung?tag ergriff nach einer Berichterstattung über das Heim für vermalst« konfessionslose Kinder und der Ehrung der besten Werber Sekretär Leben- h a r t das Wort zu seinem großen Referat über Organisationsfragen Bon der Kirche können wir Freidenker, so führte er aus, viel lernen, sowohl in der Beeinflussung des Staates wie in der Bearbeitung der breiten Massen. Sic hat ständige Helfer und viele Angestellte und zu ihrer Hilfe die Tradition. Deshalb müssen unsere Helfer sich mit doppeltem Eifer betätigen und vor allem eine gründliche Durchbildung erhalten. Auch Frauengvuppen brauchen wir. Wirksam werden die Freidenker erst dann sein, wenn sie als Körperschaften öffentlichen Rechtes anerkannt sind. Unter den Anträgen wurde u. a. beschlossen, den 2-KL-MonatSbeitrag als Pflichtbeitrag «inzuhcben und nur für Erwerbslose den ermäßigten Beitrag gelten zu lassen, ferner wurde der DelegationSmodu» zum Bundestag neu geregelt und verschiedene andere Anwäge dem Vorstand überwiesen. Die Wahlen erfolgten einstimmig und ergaben folgendes Resultat: Obmann: Jäger, Stellvertreter: Hille, Sekretär: Lebenhart, Kassier: Knobel, Schriftführer: Weigel. Mit der Annahme der im Sinne der Verhandlungen gehaltenen Resolution, einem an« feuernden Schlußwort und dem Gesang der„Internationale" wurde der bedeutungsvolle Bundestag der proletarischen Freideicker geschloffen., Enquete über den Lebenskunde-Unferrlcht Am Pfingstmontag, nach Schluß des Bundestages, versammelten sich noch einmal fast alle Delegierten und Gäste, um der von drei Referenten bestrittenen Aussprache über den lebenSkundlichen Unterricht beizuwohnen. Diese Veranstaltung wurde, obwohl außerhalb der Verhandlungen des Bundestages gesetzt, zum Höhepunkte der Tagung, zu einer Feierstunde für alle Teilnehmer. Drei Referenten, Prof. N.o v a k, Pros. Hartwin und Weckel, alle drei Schulmänner, sprachen über das gleiche Thema:„Der lebens- lundliche Unterricht". Professor Nova! berichtet« über die Erfahrungen, die die tschechischeir Freidenker mit dem von ihnen selbst eingerichteten Moralunterricht gemacht haben, Weckel über die freie Schule insbesondere in Sachsen,' an der er selbst praktisch arbeitete, und Prof. Hartwig erläuterte die Gedankengänge de» Memorandums, das den Verhandlungen mit den NegieriingSsiellen sürdie Einführung deS lebenSkundlichen Unterrichtes zugründe gelegt werden soll. „Graphla"-Buchblnder von einem Auto getötet. Der bei der„Graphia" in Karlsbad angestellte Buchbinder Rudolf Bauer wurde Samstag nach 12 Uhr nachts auf dem Heimwege von einem Neüdeker Auto nicdergcstoßen und getötet. Bauer tvar auf der falschen Straßenseite gegangen. 3ubiläumskongre8 der tschechischen Nationalsozialisten Den vierzigjährigen Bestand ihrer Partei feierten die tschechischen Nationalsozialisten durch einen Kongreß während der Pfingstseiertage, zu dem sie ihre Anhänger im ganzen Staat nach Prag zusannnenriesen. Den.Gipfelpunkt der Feiern, in deren Nahmen auch eine ganze Reihe von Tagungen der Frauen, Jugend, der uniformierten Ord« ncrorgänisation„Freiheitswacht"(Sträjs svo- bodp) und anderer Verbände gehörten, bildete Sonntag vormitagS«in ManifcstationSumzug durch die Prager Hauptstraßen auf daS Stadion am Strahov, wo um 16 Uhr auch der Präsident der Republik erschien. Der Umzug, den Trachtengruppen aus allen Ländern der Republik,,die uniformierten Ordner und Mitglieder der Jugendorganisation(in wetnrotcn Hemden), Eisenbahner und Straßenbahner in Uniform, Metallarbeiter in Arbeitskleidung, Fleischer und Bäcker in der Tracht ihrer Innungen ein bunte» Gepräge gäben, zog vier und ein« halbe Stunde an der Ehren» wibiine vorbei, die auf dem Wenzelsplatz vor dem Gebäude des Parteiverlags errichtet war. Di« Parolen, die im Zuge gewagen wurden, hoben au» der Parteigeschichte die nattonalen und antimon» archistischcn Bestrebungen der Nationalsozlälistest, hervor. Nach den offiziellen Meldungen des Tsche-, choflowakischen Korrespondenz-Büros beteiligten sich an dem Aufmarsch zwischen 50.000 bis 60,000 Menschen. Literarische und volkswirtschaftliche Preise de» Lande- Böhmen. Der am 81, Mai zusammentretenden böhmischen Landesvertretung wird «in Antrag unterbreitet auf jährliche Verteilung von elf Preisen de» Lande» Böhmen zu /-je 8000 Kd. Es sind dies fünf literarische und künstlerische Preise, und zwar für schöne Literatur, für Wissenschaft, bildende Künste, Musik, Theater und Film und fünf volkswirtschaftliche Preise, uird zwar für Arbeiten auf dein Gebiet« der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft, des Klein- gewerbcS ütid"Kleinbauernkredits und der Soziologie und.schließlich ein Journalistenpreis. Die Preise werden tschechoslowakischen Staatsangehörigen, welche dauernd im Land Böhmen wohnen, sowohl Deutschen als Tschechen, verliehen, und zwar stet» zum 7. März. Nr. 116 Mittwoch, 10. Mai 1037 Seite S Der Groll der europäischen Bruderparteien Die Kundgebungen der Auslandsdelegatlonen auf dem Parteitag Mr nach der Med« der Justizministers Dr. Dörer der Vorsitzende bekanntgab, daß nun die Sprecher der diesmal besonders stark und zahlreich erschienenen Auslandsdelegationen zu Wort koni- nien würden, ging ein« Well« der Begeisterung durch den dichtgefiilltei» Saal. Mr erster betrat die Rednertribüne alr Vertreter der Sozia« iistischen Arbeiter-Internationale Louis de Broudcdre(Brüssel) umjubelt vom Beifall der Zuhörer, die sich von den Sitzen erhoben. Hunderte, zum antifaschistischen Grub emporgestreckte Fäuste begrüßten den Redner. De Broncköre sprach seine Freude aus. die Grütze und Wünsche der Internationale überbringen zu können. Er erinnerte daran, wie er vor zehn Jahren, vor dem Smichover Kongreß, beauftragt worden war, mit den beiden Parteien unseres Staates Fühlung zu nehmen, aus dem sich dann die enge Freundschaft und Zusammenarbeit der deutschen und tschechischen Partei entwickelte. Er betonte. daß er namens aller der Jnternattonale angeschlossenen Parteien spreche, wenn er die größte Bewunderung und Anerkennung zum Ausdruck bringe vor dieser Bastion, der Demokratie und der Friedens in Mitteleuropa. „Euere Sache ist auch unsere Sache", rief de Broucköre aus,„durch die Berteidignng der Demokratie in der Tschechoslowakei arbeitet ihr für die ganze Welt. Der Frieden. ist«»teilbar und mutz auf der ganzen Erdkugel verteidigt werdenl" Zwei Probleme sind heute besonders dringend, und zwar die spanische Frage und die Frage der weiteren Entwicklung in jenen Staaten, die unter fa» schiitischer Gewaltherrschaft stehen. Der italienische Faschismus überfiel das demokratische Spanien, aber es waren die italienischen Freiwilligen der glorreichen Brigade Garibaldi, die die faschistische Invasion zurückschlngen. E» ist notwendig, für die Emigration Sorge zu tragen. Unter Hinweis auf die Verdienste Dr. Beneir um die kollektwe Sicherheit schloß De Broucköre mit der Losung„Alle für die Weltdemokratie und den Weltfriede nl" Die französische Ansprache De BroucköreS wurde von SenatSpräsidenten Dr. Franz Soukup überseht, der dann in warmen Dankworten an den Redner ein flammendes Bekenntnis zu der sozialistischen Zusammenarbeit auf dem Gebiete dieses Staates, wie in der ganzen Welt ablegte. Unter begeistertem Jichel der Kongretzieilnehmer drückte» sich De Broucköre und Soukup die Hand, zuni Zeichen der Verbrüderung im Geiste der Internationale. • Sodann kam der Führer der englischen Delegation Major Clement R. Attlee(London) zum Worte, der die brüderlichen Grütze der La- bour Party überbrachte. „Wir in England denken, stündig an euch und bewundern den Mitt, mit dem ihr für Demokratie und Sozialismus kämpft", rief Attlee dem Kongreß zu.„ES ist gerecht, datz diejenigen, die nicht an so gefährlichem Posten stehen, stch der vevantwortlichen Posttionen bewußt sind, die in der Tschechoslowakei verteidigt werden." Ihr.habt bewiesen, datz nationaler Geist ohne Hatz und.Unverträglichkeit möglich ist, während der totalitäre Staat die Regierung der nationalen Verträglichkeit und die Rückkehr zur Barbarei bedeutet. Der Zivilisation droht heute Gefahr von falschen Doktrinen, die nur von den Sozialisten abgewendet werden kann. Wir sind für Ausbau der Demokratie zur Wirtschaftsdemokratie. Die Demokratie hat genug Kraft und kann sich bewahren, wenn alle demokratischen Staaten Vorgehen Ausgabe jeder sozialistischen Partei ist, sich den heimischen Verhältnissen bei Führung des Kampfes um die Macht im Staate anzupassen. Der zweite Londoner Wahlsieg beweist, datz die Labour Party im Vormarsch begriffen ist. Redner spricht die Ueberzeugüng aus, datz nicht nur in ter Tschechoslowakei, sondern auf der ganzen Welt die fortschrittlichen Kräfte sich dem Sozialismus anschlie- tzen werden, zur Verwirklichung der sozialistischen Weltrepuilik. Nachdem er in tiesfter Sympathie der spanischen Freiheiiskämpfer gedacht haiie, schloß Attlee mit Aeuherung seiner lleberzeugung, datz die Demokratie über die Feinde der Freiheit siegen werde.< Langan haltender Beifall.) Nächster Redner war der Vertreter-er französischen Bruderpartei Louis L6vy(Paris) 1 überbringt die Brudergrüße der französischen Arbeiter. Die Sozialisten Frankreich» verfolgen den heldenmüsigen Kampf der tschechoflowakischen Demokratie. Sie kennen die Schwierigkeiten ihrer Position und sind bereit, die tschechoslowakische Demokratie und die Sozialdemokraten jederzeit zu unterstützen. Er erwähnte die sozialgesetzgeberischen Täten' der Regierung Blnm, ohne zu verschweigen, datz die Tschechoslowakei auf diesem Gebiete viel weiter vorgeschritten ist. Lövy betonte, datz Frankreich in hohem Grade an dem schweren internationalen Kampf zwischen Demokratie und, Faschismus engagiertist, wobei er gleichzeitig darauf hinwies, datz Frankreich noch nie eine Regierung hatte, der der, allg em e i n t Friede, d i e kollektive Si-ch erheit und der g e- a'ein s«i t i g e Schutz mehr am Herzen gelegen ist.'. Er überbringt die.‘ Persönlichen Grütze BlumS, der ihm auftrug, die Versicherung zu ' überbringen, daß Frankreich um die Sicherheit der' Tschechoslowakei stet» sorgen wird. Sollte diese angegriffen werden, so' wird Frankreich so »ergehe», al* Menn sie selbst, angegriffen wer-, den wäre,(Stärkster Beifall.)/ linier Gedenkworten an die spanischen Kämpfer' kchl'-ßt Löv» mit einem Hoch auf die Jniernaiw- i>al./und uie Sozialdemokratie.,> Für dieschwedischeSozialdemo- k r a t i e sprach sodann. Nilsson(Stockholm) der betonte, datz man auch in Schwede» die Verhältnisse in der Tschechoslowakei sehr aufmerksani und mit Genugiuung verfolgt, lieber die Entlvicklung in Schwede»» berichtend, kann er konstatieren, wie da» klare Programm der Sozialdemokratie über die Pro- grammlosigkeit der bürgerlichen Parteien eine»» durchschlagenden Sieg davontrug. Die letzten Wahlen brachten eine Verstärkung der sozialdemokratischen Positionen um S8 Prozent und— zum erstenmal in der Geschichte— eine parlamentarische sozialistische Alehrheit. Die ZusamnienarbeitderBauern und der übrigen deniokratischen Gruppen in Schweden ist heute in allen Schichten ungemein povulär. Nilsson schließt mit der Hoffnung, datz auch die Tschechoslowakei die alten demokratischen und sreiheiilichen Traditionen stets aufrecht erhalten und ausbauen werde und der Welt zeigen werde, was Demokratie und Freiheit ist. Der Vertreter der dänischen Sozialdemokratie Hans Hedtoft-Hansen(Kopenhagen) verweist auf die Aehnlichkeit einer Reihe von politischen Problemen, die für Däneniark und die Tschechoslowakei bestehen. Auch in Däneniark gab es seinerzeit Versuche einer radikalen Politik, die nur zur Stärkung der Reaktion beitrugen. Demgegenüber kann die konstruktive Arbeit der dänische»» Sozial- deniokratie auf prachtvolle Erfolge zurückblicken. Bei den letzien ParlamentSnmhlen erhielt die Partei 4ll Prozent der Stimmen, bei den Gemeindewahlen 80 Prozent in einer Reihe wichtiger Städte. Die gleiche Entwicklung ist in allen skandinavischen Staate» seftzustellen, wo Sozialdemokraten in der Regierung sitzen, vblvohl es»»»»gleich schwieriger ist, Regierungspartei zu sein, als in Opposition zu stehe». Besonders herzliche Worte der Anerkennung fand Hedtoft-Hansen für die Zusammenarbeit der deutschen und tschechischen Partei in der Tschechoslowakei, die in Dänemark mit grötzier Sympathie verfolgt wird und der weitere gedeihliche Entlvicklung gewünscht tvird. Die niederländische Sozlaldemokraiie beglückwünschte den Kougretz durch de>» Mund ihrer Vertreters A. de Mirenda(Amsterdam) der erklärte, die niederländische Partei habe trotz der Wahlvorbereitungen ihren Vertreter entsendet, mn die Bande zwischen Prag und Amsterdam noch fester zu knüpfen. An Komensky erinnernd, der ein großer Lehrer des Friedens und der Menschlichkeit war, gibt de Miranda seiner Freude Ausdruck, hier bei uns Der Gatte der' 1800 geborenem Marie Martin aus Komotau fiel im Kriege und seither müht sich die Fran ehrlich und rechtschaffen, ihre 1013 geborene Tochter zu erziehen, an die sie ihre ganze Liebe verschenkte. Manchesmal war es hart genug, aber immer wieder mutzte es gehen. Nachbarn erzählen, datz sie der Tochter jede Freude bereitete, die. sie nur halbwegs könnte. Seit billigen Jahren unterhält die Tochter eine Liebschaft, welche die Mutier sehr ungern sah. Wiederholt verlangte sie, datz diese die Verbindung löse, doch alles vergeblich. Wiederholt gab es deshalb zwischen Mutter und Kind AuS- elnändersetzungen. Die Tochter liebte ihren Burschen, die Mutter aber ihr Kind, um deren Zukunft sie bangte. " Zi> den Pfingsttagen kam es neuerlich zu eindr Differeiiz zwischen den Heiden Frauen. Die Mutter, ersuchte die Tochter, mit ihr aus«/ In esner Zeit der Unruhe und der Verwirrung ■' Worte der Zuversicht und de» Vertrauen» zu Recht und Demokratie zu vernehmen. Auf den niederländischen Wahlkampf eingehend, erklärt der Redner, datz seine Partei unter Ablehnung der kommunistischen Anträge mit einem eigenen Plan in die Wahlen gehe uiid spricht die Erlvartung au», datz auch in den Niederlanden ii» kurzer Zeit sozialdemokratische Minister in der Regierung sitzen werde». Der südslawische Delegat Dr. Zivko Topalovlö(Belgrad) überbringt die innigen Grütze der südslawischen Arbeiterschaft. Ohne auf die innerpolitischen Verhält- nisse seine» Landes näher eingehen zu könne», will er feststellei». datz die Arbeiterbewegung Jugoflawien» einen hartnäckigen und entschlossenen Kamps um ihre Legalisierung und Anerkennung als politischen Faktor führt. Au die althergebrachten engen Beziehungen zu der tschechischen Arbeiterschaft i»ud die Freundschaft zu dem stammverwandten Volk betont er, daß die arbeitende Klaffe Jugoslawien» unverbrüchlich hinter dem Gedanken verüleinenEntente steht, dem sie im Notfall auch mit dem Bajonett in der Faust dienen wird. Al» Vertreter der r u in ä n i s ch e n Sozialdemokratie spricht Dr. Lothar Radaceanu(Bukarest) der die Schwierigkeiten seiner Partei in dem industriearmen und in sozialer Hinsicht zurückgebliebenen Land schildert. Es gilt viele» i»» sozialer und kultureller Hinsicht nachznhole». Der Kampf ist hart, aber die Partei führt ihn mit Zuversicht, denn noch nie konnte Terror de» Ausstieg der Arbeiterklasse verhindern. Zusammenarbeit aller Arbeitenden ist die beste Sicherung de» Frieden», für dessen Erhaltting die Kleine Entente ein»oichtiger Faktor ill. Für die ungarische Sozialdemokratie entbot den Gruß an den Kongreß Buchinger(Budapest) Er svricht sich in warmen Worten für die demokratische Zusammenarbeit aus, der auch die ungarische Sozialdemokratie voll ergeben ist. Diese Zusammenarbeit ist notwendig zur Äblvendung der faschistischen Gefahr. Die ungarische»nid tschechoslowakische So- zialdemokratie werde» stets Hand in Hand Vorgehen und ihre Solidarität wird auch beitragen zur Klärung und Beseitigung der Schwierigkeiten im Verhältnis der beiden Staaten.(Beifall.) Die Grütze und Glückwünsche der r e i ch S- deutschen und österreichischen AuS- landsdelegaiiou wurden durch dei Vorsitzenden de» KongreffeS überniiitelt. Nach den Auslandsvertretern sprachen die kn- ländifchen Gäste. Als erster dieser Redner sprach unser Parteivorsitzender Minister Dr. Ludwig Ezech, nach ihn» die Vertreter der befreundeten Korporationen. zugehen. Diese. zog aber einet» Ausflug mit ihren» Burschen vor, der zwei Tage währte. Nach ihrer Rückkehr gab es neuerlich Streit. Das dürfte die M»stier arg in Erregung gebracht und zu einer furchtbaren Entscheidung getrieben haben. Dienstag, den 18. Mai, früh um halb 4 Uhr, nah»» die.Mutier eine Holzhacke und be- ggm» damit auf ihre Tochter einzuschlagen. Der erste Hieb ging fehl, das gab der Tochter Gelegenheit, sich zur Wehr zu setzen. Trotzdem würde sie schwer geirofsen und verletzt. Blutend »ttzd schreiend flüchtete sie auf den Hof, wo ihre Nachbar»» zu Hilfe eilte».» Die Mutter stellte sich selbst der.Staatspolizei f während die Tochter ins, Komotauer Krankenhaus gebracht wurde. .. So hat die übergroße Liebe einer Mutter zu ihrem, Kind und deren Einsamkeit und Berlas- kenheit zu einer, blutigen Tragödie geführt. Die Bevöskerung des ManneSmannvieriels spricht nätüriich von nichts anderem-- Sühne und Lehre lieber den Unmenschen Stöpänek habe»» die Geschworene»» einsti»nmig ei» Verdikt gefällt, das gewiß alle»» Menschen, die den Prozeß mit tiefsten» Grauen vor den» Abgrund einer Verbrecherseele verfolgt habe», als gerecht und als die eiiizig mögliche Sühne erscheinen»vird. Wichtiger aber ist beinahe die Frage: Wie kann man solche»» Untaten vorbeugend Wie kann matt sie verhindern? In dem Prozeß selbst ist auf die Schuld der Eltern, insbesondere der Mutter hinge- wiesei» worden, die den gefährlich veranlagte»» Knaben noch verhätschelte, seine Neigungen be- günstigt hat. Wir habe»» in unserem einleitende»» Aufsatz zu dem Prozeß auf die gefährliche Kor- r u p t i o»» hiugewieseu, der im Umkreis der wohlhabende»» und mächtigen Familie des Fabrikleiters alles uiiierlag, so daß der Sohn des „Herrn"— der fast wie eit» alter Feudalherr geschaltet zu haben scheint— sich jeglichen Unfug erlaube»» durfte. Es gehört zu einein Kultur- und Nechls- staat, daß solche Korruption nickt geduldet wird, daß die Gerechtigkeit über alles gehe, auch über die Willkür eines Fabrikdirektors. Hätte es nicht zu den Selbstverständlichkeiten einer Klassengesellschaft gehört, daß der Sohn des Direktors die Arbeiter quälen darf— vielleicht wäre es nicht bis zu den Morden ge- konuneni Hier wäre manches zu überprüfen. Eine Frage, die sich die Gesetzgeber verlegen sollten wäre die, ob man nickt Roheitsdelikte schärfer als bisher verfolgen, auf Roheit besondere Strafverschärfungen setzen, die Behörden und die Richter dazn erziehe»» sollte, den rohen Menschen um eine Stufe tiefer zu stellen als einen ans anderen Motiven und nicht vorsätzlich roh handelnden Verbrecher. Stöpänek hat K i n d e r, hat Arbeite r, er hat a»I ch Tiere gequält. Der Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Meuschenquälerei wird vielfach nicht deutlich genug erkannt. Es besteht eine sehr enge Verbindung zwischei» beiden Rohei- ten. Wer Tiere ungestraft quälen durfte, tvird sich das uächstemal au Menschen versuchen. Hier tväre manches vorznlehren. Es tväre auch zu erwägen, ob bei Rvheiisdelikien nicht grundsätzlich von der bedingten Bestrafung abzusehen wäre. Eit» roher Mensch tvird sich nicht ohne weiteres bessern, er wird sich höchstens durch einen Denkzettel warnen lassen. Zu überprüfen wäre endlich, ob die O r g a- nlsatron der Si ä)~c r h e i t s b ehör- den nicht Mängel aufweist, die Verbreche»» wie die des Stöpänek begünstigen. Nur der Zufall hat ihn ausgeliefert und doch tväre es, Ivie es scheint, kinderleicht gewesen, ihm früher auf die Spur zu kounnen. Man denke an den Knaben- mordl Der Fünfjährige geht zu Stöpänek in die Kammer, verschwindet— und inan findet tveder die Leiche noch dei» Mörder I Die Mikchfrau Verschivindet. Man stelle sich das nur vor: niemandes Weg ist so leicht zu kontrollieren wie der einer Milchhändlerin. Man kennt diese»» Weg, der ost jahrelang der gleiche bleibt, von Haus zu Haus, wie der eines Zuges von Station zu Station. Sie Verschivindet. Man kann feststellen: hier war sie noch— dort war sie nicht mehr, lind man findet trotzdem den Mörder nicht, der diesen Weg unterbrochen und sich nicht bentüht Hai, die Spur sorgfältig zu tilgen. Es gäbe also mancherlei z>» lernen aus dem Prozeß des Raudnitzer Ungeheuers. Die Sühne ist nötig, gewitz, aber die Lehre ist es auchl Großfeuer bei Zlabings. In Alt-Hart bei Zlabings(Mähren) brach Montag um Mitternacht ein Brand aus, der infolge der andauernden Dürre sich rasch auf fünf Häufer ausbreitete, die vollkommen eingeäschert ivurden. Auf der Brandstätte hatte sich eine Menge von Feuerwehrei» aus der ganzen Umgebung eingesunden, denen es erst Dienstag früh gelang, den Brand zu löschen, trotzdein großer Wassermangel herrschte. Die Ermittlung der Brandursache ist sehr erschjvert, weil es nicht bekannt ist, in welchem der vernichteten Häuser der Brand ausgebrochen ist. Drei Opfer einer UebungSfahrt. Dienstag Vormittag wollte ii» P o d e r s a m ein Beainter der tschechischen Sparkassa das Autofahren lernen. Er nahm eine Kurve z»» scharf und fuhr gegen de>» Gehsteig, lvobei er die beiden Arbeitslosen Schierk und Hyna überfuhr. Der Beamte ritz dann das Auto herum und fuhr schnurstracks aus die gegenüberliegende Auslage eines Schnittwarengeschäf- ies zu, wobei er eine Frau Hodek zu Boden stieß und die Auslage des Geschäftes deyioliert wurde. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus geschafft, dem Fahrer und feinem’ Mitfahrer ist nicht» passiert. Boi» einem Lastauto getötet. Dienstag gegen 3 Uhr nachmittags»vurde der öSjährige'Kaufniami Rudolf P r o p p e r in Prag-Michl« vor seiner Wohnung beim Ileberschreitep der Straße von einen» Lastautomobil überfahren. Die Räder gingen ihm über die Brust und den Kopf, so datz er auf der Stelle tot liege»» blieb. Der Chauffeur des Lastautos, Wenzel Sembera aus Bechyni, wurde verhaftet. Krankenversicherung für Studenten. In Oestro- reich wird dje obligatorische Krankenversicherung f c Hochschüler vorbereitet. Die Ruinen von Amorebieta in Feindeshand Ein Hagel von Bomben gegen die unglückliche Stadt Bilbao.(Reuter.) Die Aufständischen sind Dienstag früh in A m o r e v i e t a eingerückt. Die Nachhut der baskischen Truppen kämpfte bis zum letzten Augenblick und nahin alle wichtigen Mili- tärvorräte mit sich. Bilbao.(Reuter.)' Der!lleuter-Ber!cht< erstatter meldet aus Bibao, daß trotz heftiger Oiegengüsse die Stadt Amorebieta, 16 Kilometer südöstlich von Bilbao entfernt, Montag den ganzen Tag über brannte. Die Stadt wurde durch B o m- b e n der Luftwaffe des Generals Mola i n Brand g e st e ck t. Die BombardierungSflng- zeuge des Generals ließen einen richtige» Hagel von hochexplosiven Bomben über die Stadt niedersehen. Der Angriff auf die Stadt, welcher am Sonntag durch fünf Regimenter eröff- Litwinow bei Blum und Delbos Paris. Der sowjetrussische Bolkskommis- sar für Aeußeres Litwinow hatte Dienstag gegen Mittag eine Unterredung mit dem französischen Außenminister Avon Delbos, der hierauf zu Ehren des russischen Gastes ein Diner veranstaltete. Nachmittags hatte Littvinow eine Unterredung mit Ministerpräsident Löoi» Blum. Der am Abtnd veröffentlichte amtliche Bericht besagt, daß die Unterredungen der französi- Eine Familientrasödie in Komotau net worden ist, wurde am Montag durch einen heftigen Wolkenbruch zum Stillstände gebracht, durch welchen auch jedwede Tätigkeit der Luftwaffe unmöglich gemacht wurde.i Amorebieta blieb so noch bis Dienstag in den Händen der Basken. Im liebel verflogen Pau. In Santander sind Montag morgens gegen halb 5 Uhr siebzehn spanische Regierungs- flugzeNge anfgestiegen, davon zwölf Jagdflugzeuge und fünf Erkundungsmaschinen, um die Positionen der Aufltändischen in der Umgebung Bilbaos zu überfliegen. Die Maschinen verirr- tensich im Nebel und mußten auf französischen» Staatsgebiete unweit von Poui Lang landen. schen Minister mit Litwinow einen frettndschaft- lichen Charakter trugen und daß bei denselben der gemeinsame Friedenswille sowie auch daS gemeinsame Interesse der beiden Staaten an der Organisierung deö Friedens auf dem Wege der kollektiven Sicherheit konstatiert wurden. Bei den Unterredungen, heißt es in dem Eommuniquö weiter, wurde die beiderseitige Treue zu»n Vertrag über die gegenseitige Hilfeleistung, der beide Staaten bindet, fuiuie auch der notwendige Wille konstatiert, im Rahmen des BölkerbundeS an der Stärkung dieser Politik weiterzuarbeiten. Seite fi Mittwoch, 19. Mai 1087 Ne. 11«- Der motorisierte Tod. Im XII. Wiener Gemeindedeziri hatte der,aus einem Motorrade fahrende Chauffeur Anton Mikulis einen Zusammenstoß mit einem schcugewordene» Pferdesw- spann, tvobei er zu Boden geschleudert und schiver verlebt wurde. Die Gattin des Mikulis, die ihn auf der Fahrt begleitet hatte, geriet unter die Hufe der scheuenden Pferde und tvurde so schwer verletzt, daß sie kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus starb.— Unweit der steirischen Gemeinde Spielberg sichr der Wiener Advokat Doktor Franz Hehd mit seinem Anto gegen einen Telephonmast. Das Auto wurde zertrümmert. Dc. Hehd trug schtvere Verletzungen davon, seine ihn begleitende Gattin blieb tot am Platze liegen.— Unweit SieghartSkirchen bei Wien stieß der Wagen der Engländerin Evelhn F a r r a r aus London gegen einen Baum und ging in Trümtner. Die Farrar erlitt schwere Verletzungen, denen sie nach Ueberführung ins Allgemeine Krankenhaus erlag. Der Chauffeur, der nach der langen Fahrt bereits völlig erschöpft war und den Wagen nicht mehr richtig beherrschen konnte, erlitt ebenfalls schwere Verletzungen, doch ist er niit dem Leben davongekonunen.— Unweit von Puniniersdors bei St. Pölten fuhr der Motorradfahrer Franz B a u d i o n aus Wöllersdors mit voller Wucht gegen einen Baum. Das Motorrad wurde zertrümmert, Baudion und seine Frau erlitten schwere Verletzungen, so das; sie kurz darauf im Krankenhaus von St. Pölten starben. Kesselexplosion auf einem Dampfer. Auf einem nach Honglong fahrenden japanischen Dampfer ereignete sich eine schwere Explosion, wobei der Dampser unterging. Man befürchtet, daß die.17 japanischen Passagiere nnd sechs Chinesen, die sich an Bord befanden, ums Leben'gekommen sind. Die Explosion war so heftig, daß die schrecklich verstümmelten Körper der Opfer 500 Meter weit geschleudert wurden. Infolge der Explosion sollen auch einige Chinesen auf den in der Nähe befindlichen Booten und einige Personen an Ouai den Tod gefunden haben. Daher wird, wie man annimmt, die Zahl der Opfer aus etwa 70 steigen. Der»Schwarzsprecher".' Ganz England amüsiert sich über den Iren Tom Webb, der als falscher Rnndsunkansager am Tage der Königskrönung Millionen von Hörern die Vorgänge berichtete, die sich vor dem Buckingham-Palast abspielten. Webb hatte mit seiner Freundin einen guten Platz gesucht und sand zufällig gegenüber vom Buckingham-Palast ein Gerüst, das er bestieg. Hier oben fand er eine Radiokabine, von der aus man so bequem alle Ereignisse sehen konnte, daß er beschloß zu bleiben. Auch als ein Beamter des englischen Rundfunks kam und fragte, ob er auch der Reporter H. sei, der in zehn Minuten auf ein gegebenes Lichtsignal durch den Rundfunk zu berichten habe, was er sehe, bejahte er. Obwohl ihm der Angstschweiß von der Stirn lief, hielt er auf das gegebene Zeichen seine Ansprache, die außerordentlich güt gefiel,, so daß alle englischen Zeitungen gerade feinen: Bericht lobten. Erst jetzt wagte.er, das Geheimnis zu lüften, aber die englische Rundfunkgesellschaft, so erfreut darüber, daß dieser Unglücksfall mehr als glimpflich verlaufen Ivar, hat sich entschlossen, keinen Strafantrag zu stellen, und Tom Webb, der„Schwarzsprecher", ist der Held des Tages und wird wohl voraussichtlich als professioneller Reporter beim Rundfunk angestellt werden. Bei einem Wettrennen von Motorfahrzeugen in Rychnov n. K. havarierten zwei Fahrer. Wenzel Bubeniöek aus Milnik, bei einem Autodienst in Prag beschäftigt, erlitt einen Bruch des Schlüsselbein». Ludwig Hacker mit seiner Frau Jikina aus Prag XIV., Täborskä, prallte mit seinem Fahrzeug an einen Baum. Hacker blieb unverletzt, seine Frau, erlitt einige leichtere Verletzungen. SeeniannsloS... Am Sund stieß Samstag ein schwedischer Dampfer mit einem, dänischen Schiss zusammen: Der schwedische Dampfer ist gesunken. Es besteht die Befürchtung, daß die gesamte Besatzung hiebei ums Leben gekommen ist. Bei einem Autorennen in Langhorne sPenn- sulvanien) raste ein Rennwagen in die Zu» schauermenge. Drei Personen wurden getötet, vier schwer verletzt. Sechzehn Dörfer unter Waller. Die„Prawda" berichtet aus Sowiet-Mittelasien von riesigen lleber- schwemmungen. Die Vororte der Städte Semipala- tinsk und Krasnojarsk sind überschwemmt. Aus der Stadt Kansk mußten 0000 Menschen flüchten. Ferner wurden durch di' Flüsse Jlim und BirjuS sechzehn Dörfer überschwemmt. Der Ruf de» Dschungel. In dem Wiener Tier- garien Schönbrunn sollte der 12jährige indische Elefant„Pepi" von seinem Wärter mis dem Freien in den Stall gebracht werden. Das Tier wendete sich wutschnaubend gegen den Wärter, umklammerte ihn mit dem Rüssel und schleuderte ihn gegen dar Eisengitter der Käfig». Ter Wärter wurde schwer verletzt in» Krankenhaus gebracht. Es besteht keine Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Ihre Leidenfchast... In Mone» Cazon beging eine Frau namens Ines Carranza de Busetta in-voller körperlicher und geistiger Frische ihren-118. Geburtstag. Trotz des außergewöhnlich hohen Alter» ist sie noch sehr beweglich und gut zu Fuß, liest und näht ohne Brille und fädelt selbst die Nadeln ein. Ihre Leidenschaft sind Zigarren, von denen sie täglich fünf bi» sechs Stück raucht. Wahrscheinliche» Wetter heute; Im Westen der Republik verstärkte Bewölkung, strichweise Regen, tagsüber bereits etwa» kühler. Im übrigen Gebiet noch Audauern der bisherigen warmen Witterung, mit Neigung zu Lokalgewittern.— Wetteraussichten für morgen: Weitere allmähliche Verschlechterung vom Westen her..- IWtewirtecMt uml äoslaipoiM Die Transport- und Lebensmittelarbeiter schärfen ihre Waffen Svetoslav Stepanek zum Tode verurteilt Einstimmiges Verdikt für eile Schuldfragen Todesurteil am Jahrestage des letzten Mordes Leitmeritz.(—rb—) Der fünfte und letzte VerhandlungStag des Prozesses gegen den Raud- nitzer Lustmörder Svitoslav Stipänek war der Pfingstmontag, nachdem der Sonntag verhand- lungsfrei geblieben Ivar. Durch diese Fügung kam es, daß das Urteil gegen Stipänek gerade ein Jahr nach dem letzten Mord erging, dem die Kusine dieses Menschen zuni Opfer fiel. Der Vormittag war ausgefüllt von Polemiken zivischen Staatsanwalt und Verteidiger, di- sich um das Gutachten der Sachverständigen und damit um die Frage der Zurechnungssähigkeit Stipäneks drehten. Die Bemühungen der Verteidigung blieben indessen erfolglos. Der Sachverständige hielt sein klares Urteil aufrecht, das dahin lautete, daß Stipänek als Sadist und Fetischist auzusprechen, aber strafrechtlich für seine Taten voll verantwortlich ist. Nebenbei sei bemerkt, daß der Verteidigte sich über die Geschworenen gegenüber einem Aufseher sehr verächtlich geäußert hatte und gleichzeitig über seinem Verteidiger die Bemerkung fallen ließ, c» sei ganz überflüssig, daß er im Berhand- lungssaale sei. Gegen halb ein Uhr verlas der Schrifisührer die vom Schtvurgerichishos formulierten Schuldsragen. die den Geschworenen zur Beantwortung vorgelegi wurden. Es waren insgesamt 28 Fragen, lautend ans dreifachen Mord, zweifachen Mordversuch und ztveifache Leichenschändung, nebst llebertretung des Wasfenpalentes und des Diebstahls. Hierauf erteilte der Vorsitzende das Wort dem Ankläger, Staatsanwalt Dr. M ü I l c r, der in zweistüudigem Plädoner die Untaten des Angeklagten Punkt sür Punkt vor- nahni. Ter Staatsanwalt, der Stipänek als Werwolf bezeichnete, der nur mit Mördern vom Schlage eines Landru und Kürten zu vergleichen sei, betonte besonders, daß die strafrechtliche Beranitvortlichkeit des Angeklagten iinzwei- feiha't faststehe und bat die Geschworenen, den schrecklichen Taten des Angeklagten durch.einstimmige Bejahung der Schuldsragen eine gerechte Vergeltung zu schassen. Der Verteidiger D r. N e ii ni a n n, der einen äußerst schwierigen Stand hätte, suchte seinen Klienten unter. Hiulveis auf feine; abnormale Veranlagung und verfehlte Erziehung so weit als möglich zu entlasten. Gegen sechs Uhr abends zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück, die übir zwei Sinuden dauerte, was in' Anbetracht der 28 Schuldsragen, die zu beantworten waren, als verhältnismäßig kurze BeratungSzeit betrachtet werden kann. Neben den Hauptfragen war zu jedem der einge- llagten Delikte die Zusatzfrage gestellt, ob der Angeklagte die Tat in einem Zu st and« vorübergehender SinneSverwirrung begannen habe und dann natürlich die obligaten Zusatzfragen, ob die Taten aus niedrigen und unehrenhaften Motiven begangen wurden. Die Geschworene» bejahten sämtliche Schuldfragen, wie auch die Zusatzfragen auf Niedrigkeit und Unehrenhaftigkeit der Beweggründe mit allen zwölf Stimmen. Mit allen zwölf Stimmen' verneinten sie auch die Zusatzfragen, ob der Angeklagte in SinneSverwirrung gehandelt habe. Nach der gemeinsamen Beratung de» Gerichtshofes mit den Geschtvorenen und der darmif- folgenden eigentlichen Urteilsberatung verkündete der VorsitzendeOG R. Dr. Pollak gegen halb zehn Uhr abend» da» Urteil, durch welches der Angeklagte im vollen Umfange der Anklage für schuldig erkannt und zum Tode verurteilt tvird. Der Angeklagte schien im ersten Augenblick nach der Verkündigung des Geschworenenverdiktes überrascht, verfiel bald wieder in seine gewohnte eisige Ruhe. Auf die Frage, ob er das Urteil an- uehme, sah er dem Vorsitzenden eineWeile starr in die Augen, ohne zu antworten. Der Verteidiger erbat sich an seiner Stelle dreitägige Bedenkzeit, erklärte dann aber nachträglich, daß sein Klient sich entschlossen habe, die Nichtigkeitsbeschwerde einzubringen. Als der Verurteilte aus dem Saale geführt wurde, drehte er sich nochmals um und warf noch einmal eilten Blick ins Publikum, einen jener schrecklichen Blicke, für die die GerichtSsaälbesucher den Ausdruck„M ö r d e r b l i ck" geprägt haben. Das tvar sein Abgang. In der Untersuchungshaft hat sich Stipänek zu einem Zellengenossen geäußert:„Wenn ich sreibekomme, werde ich nicht mehr mit. Flo- bertpistolen schieße^—dann schasse ich» mir ein Maschinengewehr an!" Es mag nur, der„Scherz" einer menschlichen Bestie gewesen sein,, aber niemand, der den Abgang dieses Lustmörder» sah, zweifelte daran, daß dieses Tier mit gesteigerter sadistischer Wollust zu den Instrumenten des technischen Massenmordes greifen würden Suter Verlauf und ruverslchtllcher Abschluß des Verbandstäses Der Berbandstag der Transport- und LebenSmittelarbeiter in Bodenbach nahm am Pfingstsoimtag seine" eigentliche Tätigkeit auf. DaS Präsidium deS Verba itdS- Inges bestand au» Klinger, S e d l a L e k, Lehnert und Weigel. Der BerbandStag >var vom besten Arbeitseifer beseelt. Die Beratungen wurden im guten Einvernehmen geführt. Die Delegierten Haien die Brrhältnille des Ver- bandeS und seine ausserordentliche Bedeutung gewissenhaft geprüft und offen ihre Meinung geäußert. DaS Resultat war ein gute» Einvernehmen zwischen Organisationsleitung und Ver- bandStagSteilnehmern, des ferneren Beschlüsse, die eine innerliche und äußerliche Stärkung deS Verbandes garantiere». Wir wollen nachstehend versuchen, daS Wichtigste der Beratungen herauSzu- heben: berichte erstatteten Klinger, Goldbach und Biach. Klinger schilderte die Verhältnisse in der Berichtszeit und die Maßnahmen, die der Vorstand treffen niußte. Durch die Ueberführung der Konlumaugestellten in eine andere Organisation und die organisatorischen Ouer- treibereien des abgespliiterien Teiles der Aussiger Grupve hatte der Verband eine Mitgliederabbuße zn verzeichnen. Wir hoffen aber, auf der durch diesen Berbandstag zu schassenden neuen Organisationsgrundlage und mit den zum Ausbau nötigen Mitteln den Schaden wieder auswetzen zu könne».' Goldbach berichtete über die Tätigkeit de» Verbandes auf dem Gebiete der Lohnbewe» au n gen und der Kollektivverträge. Die Anzahl der vom Verbände abgeschlossenen und jetzt noch geltenden Kollektivverträge beträgt 108. Davon sind 8 ReichSrahnienverträge, 2 Landesverträge. 16 Gebietrperiräge.und. 82 Betriebe mit eigenen Verträgen. Der Schutz dieser Verträge und der weitere.Ausbau derselben Hai die Organe-des Verbandes in der Verichiszeit sehr in Anspruch genommen. Den Kassenbericht erstattete Biach. Das Zahlenmaterial legte Zeugnis ab von der Anspannung der Organisation auf dem Gebiete de» UnterstützungSwesenS. ES waren vier Fahre der Beweise großer praktischer Solidarität. Goldbach berichtete ferner über da» F a ch b l a 11. Der Obmann der Kontrolle Krau» beantragte Entlastung de» Vorstände», die einstimmig angenommen wurde. In der Nachmittagssitzung begründete- der jSekrttär Karl-Weigl" die NotweVb'i'gk'ei t einer Statutenänderung und einiger organisatorischer Verbesserungen im Verbände. In aufschlußreicher Weise legte er dar. warum der Verband ein neuer Grundgesetz haben müsse. Die vorgeschlagenen Statuten werden nach kurzer Aussprache, an der sich Schuber i-Reichenberg. H f I« ger t-Eger, Hegen bart h-Anssig nnd Hirsch- b e r g-Zuckmantel beteiligten, angenommen. Yle bedeutens der deutschen Gewerkschaften In der Republik wurde darauf vom Abg. Franz Maroun in. seiner Rede über„Gewerkschaftliche Zeitfragen" in vortrefflicher Weise herausgearbeitet. Maroun nahm anfangs feiner Rede Veranlassung, die Z i e l e u» d organisatorischen Grundlagen de» deutschen Gewerkschaftsbunde» darzulegen. Der Deutsche Gewerkschasirbund strebt dem Ziel zu, eine möglichst organische Konzentration gewerkschaftlicher Kräfte zu erreichen. Eine solche Kräftekonzentraiio» war der im Jahre 1088 errichtete Verband der Transport- und LebenSmittelarbeiter. Der Berbandstag zeigt, daß der Zusammenschluß der beiden Verbände eine Notwendigkeit war. Die Frage der organisatorischen Verbindung zwischen den deutschen und den tschechischen Gewerkschasten bleibt eine gemeinsam und einheitliche Sache de» Deutschen GewerkschaftSbundeS in der OSC. Maroun führte unter anderem aus: In der Tschechoslowakische« Republik befinden wir un» in einer Periode zwischen Krise und Konjunktur. Die Wiederbelebung de» Wirtschaftsleben» bringt für die Gewerkschaften neue Ausgaben, ohne daß die alten an Bedeutung zu verlieren brauchen. Eine große Aufgabe der Gegenwart ist die Bewegung zur Erringung höherer Löhne. Eine weitere, große Aufgabe ist die vollständige Beseitigung der Arbeitslosigkeit, bzw. Maßnahmen,^vie die 180.000 Arbeitslosen, die wahrscheinlich im»rutschen Gebiet, selbst bei guter Konjunktur übrig bleiben, versorgt werden sollen. Den Lehensraum für die deutsche Arbelierschast in unserer Heimat zu schützen, wird nnd muß das Bestreben der deutschen, freie« Gewerkschasten sein und bleiten. Arbeitslosrnsürsorge, Sozialpolitik und Krisenschutz find die Probleme der deutschen Randgebiete auch in der Zukunft. In der Geschichte, wird einmal anerkannt werden, welche spftematische Arbeit der Deutsche Ge- werkschastSbund gemeinsam uitt der sozialdemokratischen Partei in den letzte« Jahren sür die lieber- Windung der Krise geleistet hat. Die Denkschrift de» Deutschen Gewerkschaftsbundes im Jahre 1988, die dem damaligen Ministerpräsidenten Vstrlppetr. überreicht wurde, die Intervention Ibeim Minlstervrä- sidenten Hodjsa im Jänner 1036, die Vorsprache beim Präsidenten der Republik im-April' 1086, da» Memorandum der Getverkschasten, der Partei und der Genossenschaften vom 18, November 1086, da» sind einige Meilensteine auf. dem Wege zur lieber» Windung der Krise und der Befriedung, de» nationalen' und staatlichen Lichens hierzulande und waren Vorarbeiten für die. Erklärung' der Regierung vom 18. Feber 1087. Mnser Staatspräsident hat'die Arbeit der Deutschen Gewerkschaftsbunde» in anerkennenden Worten hervorgehoben und die Forderung desselben im Wirtschaftlichen Teile feiner Reichenberger Rede tveiigehend berücksichtigt. Er wäre noch zu wünschen, daß auch andere Stellen derart über die Arbeit der deutschen freien Gewerkschaften urteilen würden. In der svstematischen Arbeit der freien Gewerkschaften gemeinsam mit der sozialdemokratischen Partei, die Krise im deutschen Gebiet zu überwinden und den Lebensraum für die deutsche Bevölkerung zu schützen, liegt die vom Staatspräsidenten anerkannte große Mission de» Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Republik. In äußerst interessanter Weife befaßte sich darauf der Genosse Maroun mit den Problemen derkapitali st ifchen Entwicklung. Die kollektive Wirtschaftsform wird überall zur Not- wendigkeit. Der Staat kann es sich nicht mehr leisten, nur eine Nachtlvächterrolle auszuüben. In der Welt geht der Kampf um die Diktatur oder Demokratie. Wir müssen nn» diesem Bestrebe« mit aller Macht entgegenftellen. Die Arbeiterbewegung Europa» hat in einem 47jährigen Kamps alle» erreicht, Iva» auf dem internationalen sozialistische« Kongreß im Jahre 1,800 proklamiert wurde. Ta»«ar dir erste Etappe der modernen Arbeiterbewegung.'Jetzt geht e» darum, die Kräfte, und Energien für dir zweite große Etappe zu sammeln, die un» ievorfteht. Der Berbandstag dankte Maroun sür seine tirs- griindige und anfeuernde Otebe mit lebhaftem Beifall. Eine» breiten Raum der Verhandlungen nahm der Tagesordnungspunkt „Aenderung de» Beitrag»- und Unterstützungswesen»" ein. Der BerbandSkassier Biach machte hierzu die notwendige Einleitung. Er hob hervor, daß der Verband nach den gewaltigen Leistungen an seine Mitglieder in den letzten Jahren»m eine gründliche Neuordnung des Beitrags- und UnterstützungSwesenS bemüht sein müsse. Desto besser und gründlicher könnten die Hossnungen, die die Mitglieder auf die Leistungen de» Verbände» auch in der Zukunft gesetzt hätten, erfüllt werden. Die Wechselnde hiezu wurde von folgenden Rednern bestritten: Ressel-Reichen- berg, Hirschber g-Zuckmantel, Kos ch-HannS- dorf, K l u p P-Karlsbad,, M i t t i g-Warn»dorf, M i n h a-Aussig, Mülle r-Aussig, Seidler-Böhm. Leiva, G r i l I-KarlSbad, Helger t-Eger, S ch»» b e r t-Reichenberg, Richie r-Vodenbach, F l i e• g c I-Ättohtisch, Philip p-Tetschen, S t u ch I v- Teplitz, I h l-Marlenbad, Hübner- Troppou, S ch i s f n e r-Teplib, Ho l st a l ka- Karlsbad. He ft e.irf) a r t h- Aussig, W ä g.n'ä.r- Ariiau. Schönwalde r-Jägerndorf, Neumann- Rumburg und Kerl-Teplitz.. In seinem Schlußwort befaßt sich Biach sehr ausführlich mit alle» Einwendungen,-worauf Karl Weigl nach einer ausführlichen, sachlichen Begründung de» Beschlußder Antragsprüfungskommission auf An nah m e deSÄntrage» de» Verband» Vorstandes auf Beitragserhöhung unterbreitete. Dieser wurde von mehr als zwei Dritteln der Berbandsdelegierten mit Veifall angenommen. In einer Erklärung gaben, die Delegierten, die dagegen gestimmt hatten,.die Versicherung ab..in ihrem Wirkungskreis durch erhöhte Tätigkeit, dein Antrag einen, vollen Erfolg zuteik werden, zu. lassen. Nach einem weiteren Bericht- der- Antrag S p r üfungSkommi s.s.i.o n werden die eingelaufenen Ankräge der enisprechenden Behandlung zugeführt. Den Bericht der Wahl- k o in m i s s i o n erstattet Kerl-Teplitz, der-dem Berbandsobmann Klinger und den ausscheidenden Verbandsvorständsmitgliedern den Dank für die geleistete Arbeit unter.starkem Beifall de» Berbands- taaes aurspricht. Zum Obmann de» Verbände» wurde Wenzel StuchlN-Teplitz gewählt.... Nach der Erledigung weiterer Angelegenheiten und Anträge nahm der Vertreter-der Zenträlgewerk- schaftskommisslon Abg. Maroum das Wort. Er schilderte die Nöte und Sorgen derletz- tenTätigkeitSperiode und verwie» auf die Notwendigkeit der Solidarität der übrigen Faktoren der Arbeiterbewegung in solchen- Zejjen. Sein Aufrufs n de«Verbandst a g zur strengsten Pflichterfüllung klang in einer- mächtige» Stzmphonie de» Danke» an dep scheidenden Obmann Klinger und in einem voll Zuversicht erfüll« tem Appell andIenoue V e.r-b a n d-s« lei tung au». Der Vertreter der Internationalen Union her LebenSmitielarbelter, Genosse. Schifftrftein» Zürich, mahnte in einem Schlußworte zur. Treue, Vertrauen und Solidarität im Interesse der.gesamten Gewerkschaftsbewegung und'stellte hiebei' die skandinavische Gewerkschaftsbewegung als glänzendes Beispiel dar.'- Der Berbandstag wurde von Klinger- mit aufmunternden Worten- geschlossen:-^in' welchen et dem Berband auch-weiterhin seine Mitärbest ver». sicherte. Eine der grosten Geiverkschaftess de» Deutschen Gewerkschaftsbunde» hat mit dieser Tagung ihre organisatorische Grundlagen ihre Finanzen' und LeistüugSfähillkeit. geprüft nnd ttzichtige Beschlüsse gefaßt. Man kann sagen, daß. der Transport- und LebenSinittelarbeiterverband jetzt allen Slür- men iu Ruhe eutgegensehen kann.. Wir sind überzeugt, daß der Widerhall in den Reihen der zum Bereiche de» BerbandeS gehörigen BerusSgrnppen nicht auSbleiben wird. In einer Reihe von- Beschlüssen, und Entschließungen hat der Berbands- tag auch zu verschiedenen Zeitftrömungen"«nd wichtigen BerbandSfragen Stellung genommen. Die sudeteudeutsche Arbeiterschaft begrüßt.die gesteigerte SchlagkräfSIgkelt de» Transport- und Lebensmittelarteiterperbandes. Nr. 116 Mittwoch, 19. WM 1,937 Seite 7 Politische Margarine .^Politische Margarine* heißt«In Ar- iMsver.^finnhschai^':, Mit konsünientenfeindlichen Kiwfäffeii.'in jeder Zeile, voll Unwahrheiten lind Entstellungen. Er beweist wieder, daß sich die „Rundschau" ganz und gar im Schlepptau der Ische- chischen grotzagrarisch-kapitalistiichcn Kreise befindet. Kr der SdP gibt e» aber Arbeitsteilung: Wenn ans der«inen Seit«' die Großgnmdbefltzer und Fabrikanten ter StP gegen di« Margarineproduktion wittern, werden wieder antere SdP- Atgeardnete, wenn sie mit Arb«it«rn zusammenkommen, für die Verzrißernng des Margarine- kontingentes den Btund austun. *' Die„Rundschau" beklagt es, daß di« Groß« Handelspreise im Jahr« 1088 bis auf Xi 4.80 für Knnstfett und auf Xi 6.80 für Margarine zurück« gegangen sind, während die Preise im Jahr« 1026 'zwischen Xi 11.— und 16.— schwankten. Die Preis« ermäßignng war die Folge des Rückganges der Roh« 'stosfpreist auf' den Weltmärkten, zum Teile aber auch die Folge eine» Konkurrenzkämpfe» der Fabriken. Daß di« Nachfrage nach billigsten Fettsorten immer größer wurde und der Absatz der teueren Sorten zstruckging, ist ja eben«in Zeichen der steigenden'Krisenverhältnisse, von denen die„Rundschau" lnichts zu wissen scheint, denn sie findet ei durchaus' begreiflich,„daß der Staat eingreifen mußte, um di«' Lebenshaltung der wichligsten Be- völkerungrschichte nicht aufs Spiel zu setzen." Für die„Rundschau" Ist als» die wichtigste Bevöl- kenmgsschichte, zu deren Gunsten dir' Regierung : Eingreifen„musste", die großagrarische Schichte! Es ist dabei allgemein bekannt, daß nicht nur die industrielle.Arbeiterschaft- zu den Verbrauchern von xKunststtt gehört. Gerade In den letzten Jahren ist -der Anteil der Kleinhäusler und Kleinbauern am Margaciiiekonstim gewaltig gestiegen. Die Kleinhäusler verkaufen ihr« Butter auf dem nächsten Markt und besorgen sich Knustfette.‘ Die Einnahmen kür die verkaufte Butler-sind ost durch Wochen und Monate die einzigen Einnahmen für die Klein« bauern und Häusler, deren Lebcnshaltuno durch die großagrarischcn Monopole nur noch verschlechtert wurde.. Im Gegensatz zur„Rundschau" find wir der Nebrrzrugung, daß die wichtigste ,. Schichte der Bevölkerung die Arbeiterschaft und . die kleinen Landwirte und Höusler darstellen und daß es'deren Lebenshaltung Ist, die vom Staat .geschützt und gehoben werden müßte. --'. Die^Rundschau" behauptet unwahr, daß der .steigende- Verbrauch an Margarine mif Kosten der Butterproduktion geht. ES gibt keine genaue Statistik- für die ButtererzcugUng.. aber er wird allgemein-erklärt, daß sich der Verbrauch von Butter in den-letzten Jahren nicht wesentlich geändert hat und auf 8—10.000 Waggons pro Jahr geschätzt wird.- ' Es ist nun nachweisbar, daß der Margarinekon« fnm, als» der Ersatz für dtaturbutter, im Laufe 'der-letzten Jahr« nicht wesentlich gestiegen ist. Das große Plus in der Margarine« und Kunstfett« Produktion liegt in der Unisatzsteigerung der K u n st« fette,'dem.-Hrsntz.„für.Mch>veiiujsett...'Die. große Unisatzsteigerung an Kunstfett datiert von der Zeit an. wo'die von den Agrariern erkämpften starken Zollerhöhungen für Schweinefett und Speck in Kraft getreten sind und hängt auch mit der Praxis des von- den Großagrariern erkämpften Vichsyudikates zusammen. Davon, weiß die„Rundschau", die es Mit den Großagrariern hält, nichts zu berichten. Der ab' 1..Jänner 1985 giltige erhöhte Zoll für Schweinefett' beträgt. Xö 8.60 per Kg.— die später in Kraft getretene, teilweise und zeitlich beschränkte Zoll- cnnäßigung- fällt in ein« Zeit stark verteuerter Preist für das AnrlandSschpialz— und macht den Verbninch von Schweinefett für die breite Masse zu einem Luxus., Weiters: die mit den Wünschen der Großagrarier übereinstimmende Praxis des Viehmonopols ging dahin, die Einfuhr der billigen Jett« Provenienzen aus Amerika, Holland usw. stark einzuschränken und dafür mehr ans den Balkanländern hu- importieren, deren Schweinefett wesentlich teurer"ist.- 1 Erhöhter Zoll und verringert« Einfuhr der billigen Schweinefettsorten machte«! den bisher gewohnten Konsum von Schweinefett Unmöglich. Den Kon- . summten»lieb Pa Wohl, nichts anderes übrig, gl« '" fich auf das damals von den Margarinefabriken ge- brachte Kunstfett umzuftellen. Mit anderen Vor-. "‘ittit Der so stark erhöhte Verbrauch von Kunstfett ''.ist die natürliche Folge großagrarischrr egoistischer 'Zoll- und Stzudikatspolltik.' Einen Beweis für den schädlichen Einfluß, der Hochschutzzölle und der Kriscnjahre auf. den Schweinefetttzerbmuch der Bevölkerung bieten folgende Ziffern: Im Jahre. 1926— das Jahr, auf dgs.fjch auch die„Rundschau" bezieht— betrug der Import an Schweinefett 8151 Waggons. Im Jahre 1982,.unmittelbar vor der Zollerhöhung, aber schon iii iden Krisenzelten, wurden 1886 Waggons eingeführt. Im Jahre 1985, also unmittelbar nach der Zollerhöhüng, mitten irr per Kris«, betrug der Jm- vort nnr^ mehr 807 Waggons. Aber davon sind an- uähetßd.87,5 Waggons abzuziehen, züfolge der im Margärinegesetz« vorgesehenen Mischzwanges mit Schweinefett,. Im Jähre 1926 betrug ,also der wirkliche' Verbrauch an Schweinefett Im Haushalte 8151 Waggons, im Jahre.1985 nur mehr annähernd 482 Man erhält fUr KB 100 Reichsmark...... 783.— ..... Markmünzen... 780.— 100 österreichische Schilling..»86.— JOO rumänische Lei..... 17.85 100 polnische Zl»tu.... 540.50 100 ungarische Pcngö,.... 018.50 . ioo Schweiger' Franken..„ 657— , 100 französische Francs......... 129.70 ; 1 englische» Pfnnd•? 14150 1 amerikanischer Dollar 28.05 .100 italienische Lire.. v.145.40 100 holländische Gulden... 1576.— ; 100 fiigaslaPifch» Dinar» 1' 65.90 100>«elaaS./. ,.«. 485.50 ,.HOy däMch« Kr-uklt. Oi».— ...lOO schwedische Kroucit- i'»'-. 780.— Waggon«. Der Rückgang Im Schweinefcttvcrbrauch Im Jahre 1986 gegen 1085 beträgt also 2700 Waggons. Dieser Ausfall wurde ersetzt in Kunstfett und' dar ist auch die größte Steigerung im Kunstfctt- verbrauch.•- Der„Rundschau" find die Margarinekontiugente zu hoch. Ihre Behauptung, daß vom vorjährigen Kontingent 500 Waggons nicht verknust werden konnten, ist unwahr. Sie behauptet auch, daß der Kopfverbramch Nu Margarine von 1!4 Kg. im Jahr auf 5 Kg. aufgeschuellt Ist. Auch dies ist «Ine Unwahrheit." Bor dem Margärinegesetz(19341 betrug der Kopfverbrauch an Kunstfett aller Art zusammen 4.88 Kg. und 1986 4.94 Kg. Der größte Teil dieses Mehrverbrauches ist aber, wie wir schon oben dargcstellt haben, nicht auf den Verbrauch von Margarine- butter zuriickziiführcn. sondern auf den Verbrauch von billigem Kunstfett al« Ersatz für daS teuer« Schweinefett. In Ländern mit höherem Lebensstandard auch der. arbeitenden Menschen, wie Holland und Dänemark,, beträgt der Vlargarineverbrauch pro Kopf und Jahr bi» 20 Kg. Daß die Margarineproduktion nur in einem sehr bedingten Ausmaße der Butterproduktion Konkurrenz macht, beweist die Tatsache, daß trotz wesentlich gesteigerter Margarincproduktiou der Stand der Milchkühe ziemlich unverändert ist, ia im Gegenteil höher ist, als vor einigen Jahren. Nur während der zwei Dürrejahre war der Stand der Milch- kiihe vorübergehend etwa« geringer. Wir haben wiederholt nachgewiesen, daß die Margarineproduk- iioii auch keinen ungünstigen Einfluß auf die Preis entwicklung der Naturbutter auSÜbt. Es ereignet sich öfter, daß Margarine teuerer ist al» Landbutter und doch wird Margarine vorgezogen, weil die Landbutter eine geringere Haltbarkeit hat. ES müßte sich nicht um die-„Rundschau" handeln, wenn die Margarinefrage nicht zum Anlaß einer Hebe gegen die Konsumvereine ausgenützt würde., Es hat sogar den Anschein, daß dies der eigentliche Zweck der Ucbung ist. So unwahr der Artikel an-und für fich Ist, so unwahr Ist auch die Behaupttmg, daß die„soziali- slischm Konsumvereine" in der Margarineoersor- gimg bevorzugt seien. Ter„Rundschau"— al» Verteidigerin großagrarischcr Interessen— mag der energische und nicht erfolglofe Kampf der „sozialistische Konsumvereine" gegen da» Marg»-- rlnegesetz nicht in den Kram Paffen und so»er- breitet fie etm Unwahrheiten,'- obwohl fie weiß, daß das Margarincgcsctz in allen feinen Teilen auch für die Konsumvereine gcnau so gilt, wie für die Kaufmannschaft. Tie einzige konsumgenossenschaftliche Margarinefabrik— sie gehört den tschechischen Konsumvereinen— erzeugt billige Fettsorten und in so reichlichem Ausmaße, wie sie die genoffenschaftlich organisierten Haushalte verlangen. Sic geht über da« vom Gesetz vorgesehene Minimum von 40 Prozent hinaus und erzeugt von den billigen Sorten auch 60 Prozent und mehr, ohne Rücksicht darauf, ob die Produktion dieser Fettsorten gewinnbringend ist. DaS macht eben den großen Wert ter genossenschaftlichen Eigenproduktion aus, daß fie nach den Bedürfnissen der Verbraucher«rzamt und nicht nach den egoiftischen Motiven, die für die privatkapitalistische Jndnstrie maßgebend find. Es möge für die„Rundschau" eine Beruhigung sein, daß auch die Lieferanten der Kaufleute mehr al» 40 Prozent von der billigen War» erzeugen können, wenn-fie wollten. E» zeugt nur für die Wahr- i heitSliebe der„Rundschau", wenn solche vollkommen au» der Lust gegriffene Behauptungen anfgeftellt werden, für welche die Herren außer, stände find, auch nur den Schatten eine» Beweises zu erbringen. Eine Journalistik, die mit solchen - Methoden arbeitet, ist vor jedem anständigen Menschen gerichtet. -In komischem Widcrspnich zu dem sonstigen Inhalt des Artikel- ist dann der Satz, daß„fiir die zweifach auScrwählten(unter welchen die„Rundschau" hie angeblich jüdischen Margarinefabrikanten meint) die Zwangswirtschaft die angenehmste Wirtschafts- art ist". Die„Rundschau" und die SdP haben ja die beste Möglichkeit, diese AuScrwählten um die Annehmlichkeit zu bringen. Sie brauchen sich ja nur dem Kampf gegen das Margarincgcsctz anzuschließen, den die Verbraucher seit feinem Bestehen führen. Die SdP macht aber das Gegenteil. Tie unterstützt .die tschechischen großagrarischen Kapitalisten, die in der Zwangsbcwirtschaftnng der Margarine ihren .Vorteil auf Kosten der Verbraucher und der kleinen Landwirte buchen. Skoda kaut in Bulgarien. Den Skodawerken ,ist der Bau eines neuen großen Elektrizitätswerkes in Siidbulgarien übertragen worden. Das Projekt kostet 66.7 Millionen Lewa. ■ Ehemic-Export erhöht. Der Export in che- ,mischen Erzeugnissen lag im Jahre 1936 um 'etwa 20 Prozent höher als im Jahre vorher. Torheit betrachtet und Ihren Gott als e i» c u G ö h c n verspottet zu sehen; und es mag ja Wohl auch sein, daß wir ein Stück Torheit und Götzentum in alternden Händen bewahren... Es ist vor einiger Zeit In einem von einem Philosophcuvorband herausgcgebcuen Buche ein Aufsatz eines Obcrstudiendirektors über den kommenden Deutschunterricht erschienen, in dem diese Absicht der Wcltverändcruug auf eine uuverhiillte Weise ausgesprochen wird. Es hat nämlich d i e« sertvild gewordene Volkse r- neuerer in seinem Aufsatz gefordert, daß fortan die Jugend in einem Heldentum erzogen lvcrdcu müsse. lind zwar sei es fortan ganz gleich« gültig, ob der Held einer Dichtung oder eines LebcuSlrcises gut oder böse handle. Und cs sei ferner die Forderung überwundener Zeit, daß die Jugend zur Ehrfurcht vor sittlicher Größe geführt werde, weil die Jugend von heute auf der Schule bereits— von der Universität ganz zu schweigen— dahinzusührcn sei, daß sie— ich zitiere: mit kaltem Blick die Anarchie der moralischen Welt bejahe, lind nun ist immerhin mit einigem Trost fcstznstellcn, daß dieses Evangelium eines Kathedcrübermenschen nicht ganz ohne Widerspruch geblieben ist, und eine große westdeutsche Zeitung hat mich als Dichter, was ich zu diesem Kapitel der Zeit zu sagen vermöchte. Ich will ans Höflichkeit vcrschlvcigen, was ich als ehemaliger Erzieher— ich war selbst Studienrat— dazu gesagt habe. Aber das andere will ich Ihnen nicht verschweigen, was ich als Dichter dazu gesagt habe. Es heißt so: Dichter sind nun noch wunderlichere Leute als Philologen. Sie ivollcn zwar nicht immer recht haben, aber sie tvollcn, daß Recht auf dieser Erde herrsche: sie wollen nicht, daß alle Menschen ihre Bücher lesen, aber sie wollen, daß die, die sie lesen, ihnen glauben. Wvhlgcmerkt, ich spreche nur von Dichtern, wie ich sie mir denlel' Tic Ivollen, daß die verwirrte, undurchsichtige Welt einfach und klar erscheine in dem Spiegelbild, das sie aufstcllen. Sic wollen, daß vor den Augen der Menschen aufgerichtct werde, was dunkel und ost veränderlich ist: die Wahrheit, das Recht, die Freiheit, die Güte, die Liebe und über alles der Sinn und das Gesetz einer großen Weltanschauung. Sic glauben an einen tiefen Sinn des Mcnschhcitsweges und einen langsamen Ausstieg aus dunkler Verwirrung zu immer näheren Sternen. Wenn in mir ein Stück„Gewißen der Nation" lebt, und ich fühle schmerzlich genug, wie sehr cs das tut, daun kann es mir nicht gleich sein, ob eine Jugend in Goetheschcr Ehrfurcht oder ob sie„mit kälten Blicken die Anarchie, der moralischen Welt bejaht". Von Helden ist in aller Dichtung die Rede, aber daß cs gleich fei,. ob sic edel oder unedel handeln, das kann wohl Falladä und sein„Johannes Gänischow" behaupten(von anderen Beispielen gäiiz zu schweigen), aber das hat keiner behauptet voir denen, aus denen die deutsche Seele seit Jahrhunderten gespeist>var:- Ivedcr das Hildeürandslied, noch Adalbert Stifter(und dieser war doch..auch Schulrat)... Ja, es kann wohl fein, dass ein Volk aufhört, Recht und Unrecht zu unterscheiden und daß jeder Kampf im Recht ist. Aber solch ein Bolt' steht schon ans seiner ja sich neigenden Ebene, und da» Gesetz seines Unterganges ist ihm schon geschrieben. E» kann auch sein, daß es noch einen Gladiatorenrnhm gewinnt nnd in Krämpfen ein EthoS errichtet, das wir ein„Boxethos" nennen wollen. Aber di« Waage ist schon aufgehoben über solch ein Volk, und au jeder Wand wird dir Hand erscheinen, die die Buchstaben von Fencr schreibt. Ich aber kenne eine Jugend nicht, die sich erziehen ließe. Ich kenne aus zivanzig Schuljahren und tausend Briefen und Gesprächen eine. Jugend, unbändig und unerbittlich, zweifelnd und gläubig, verdammend nnd verneinend, verehrend, abstoßend und hingegeben— deren hohe Kränze aber, nach denen sie greift, nicht imuier die Kränge der amoralischen Welt sind. Sie tvollen nicht immer leiden, nicht immer gehorchen, nicht immer warten, aber eines tvollen die Guten unter ihnen: geführt werden. Und sie werden, geführt oder ungefiihri, diejenigen sein, in deren Hände wir einmal unser Erbe legen werden. Junge Helden; die nicht um des Kampfes willen kämpfen werden, sondern nur der Mühe wegen, die sich seit zwanzig Jahren die Besten aller Geschlechter gegeben haben:„daß das Reich endlich komme". 1 Und so, meine Freunde, stehe ich hente, wie vor zwei Jahren, vor Ihnen: unverändert in meiner Sorge um Ihren Weg, unverändert, aber auch in meinem Glauben an Ihre Berufung zu einem besseren Weg. Es werden nicht wenige unter Ihnen sein, die erkennen, baß ich nichts für mich, sondern alles für das Volk will, dem., wir angehören und dessen Weg durch so viel Dünkel und Leiden ich mitgegangen bin bis hente. Und wenn ich Sie damals und im innersten Herzen beschwor, demütig zu bleiben, so beschwöre ich Sie hente, sich nicht verführen zu lassen, nur Glanz und Glück zu sehen, wp so viel Leiden sich an unS wendet und niemals sich dahin bringen zn lassen, zu schweigen, wenn das Gewissen Ihnen zu reden befiehlt imd niemals, meine Freiende, dahin, zn dem Heer der Tausenden und aber Tausenden zu gehören, von dönei» ßssagt wird, daß sie„Angst in der Welt" hab«,, weil nichts und nichts daS Mark eines Volkes so zerfrißt wi« die Feigheit. Ich weiß nicht, ob ich wieder in zwei Jahren zu Ihnen werde sprechen dürfen ,,. Ansprache an die Münchener Studenten Gehalten an der Universität München 1986 von Ernst Wiechert Erst jetzt liegt der Wortlaut der hinreißend tapferen, beglückend freigeijttgen und hoffnungsvoll hochethischen Ansprache vor, die der deutsche Schriftsteller und Pädagoge Ernst Wiechert im Vorjahre an die Münchener Studenten hielt. Daß Wiechert Sir diese Rohe in» Konzentrationslag er g e w o r s e n wurde, sichert ihrer Lcktjire tiefste ge-. dankliche und gefühlsmäßige Sammlung; die Rede selber aber gehört wohl zu dem Bedeutendsten, das in den letzten vier Jahren aus Deutschland überzeugend p o fit iv für dessen Gegenwart und insbesondere für dessen Zukunft zu uns drang. So fürchterlich auch dar Dritte Reich durch da» gekennzeichnet wird, war Wiechert in der erschütternden Sprache einer wahren Dichters sagt, und so niederschmetternd er auch wirkt, daß nun auch dieser so edle Haupt de» Schlägen blutiger Schergen in einem nationalen Zuchthaus ausgesetzt ist, so erhebend ist er doch auch, zu wissen, daß die Sprache Schillers und.Goethes die Sprache sowohl, durch dar Wort al» auch durch den Geist) in Deutschland nicht verklungen, und versunken ist, daß sie gehört.und verstanden wird und daß also wohl die Zeit doch nicht allzufern sein mag, in der ein anderer Deutschlaich auch nach Wiechert handeln wird. Wir. bedauern, daß wir nicht Raum genüg haben, um au» der dereinst vielleicht berühmten Ansprache mehr als dar Folgende zu zitieren(an Hand der Wiedergabe im April-Mai-Heft der höchst bemerkenswerten(in Moskau-erscheinenden) MonatS- schrijt„Da» Wort": Lassen Sie mich hier etwas aus meiner Jugend erzählen, was ich an anderer Stelle einmal geschrieben habe, und wa» einigen von Ihnen schon bekannt sein wird; es ist vor vierzig Jahren geschehen, als ich ein Kind war, und es ist vielleicht«ine Kleinigkeit, Wir feierten ein Sömmerfest mit Verwandten und unseren Freunden in unseren Wäldern. Am Abend fuhren wir mit' vielen Booten.über den See. Die Boote trugen Papierlaternen, die Mädchen sangen mehrstimmige Liederi und mein Onkel, den sie den ,»Grafen" nannten wegen seines Leichtsinns, jagte eine Rakete nach der andern zu den Sternen hinauf.' So kamen wir auch' an einem Fischer vorbei,'der auf dem"dunklen Gründ seine Netzt auslegt«.' Seine Hände hielten das graue Garst und ließen es langsam über den ÄootSrand gleiten. Sein Haar war weih, seine-Schultern gebeugt, upd er war wie ein Fremdling neben unserem Fest. Aber als unser Boot in.seiner Rahe war, hob er einmal seine Augen und sah un» an Mit seinem kühlen, fernen-und ganz stillen Blick. Mutter, fragte ich, was tüt der Mann? Er sängt Fische, für die Speisung der Fünftausend l erwidert« meine Mutter. Ich habe das nie vergessen, weder die leise Scham, noch di« fast heilige Ehrfurcht vor dem Bilde dieses Mannes, nach dem ich mich- noch lange ßurückwendete. Und' heute,' da ich nach einem Bilde für uns suchte, fällt e» Mr wieder ein,„Er fängt Fische für die SPessung.der.Fünftaüsend,". Ist. das nicht ein schönes Bild für ddn Dichter unter den Völkern? Hohl rauschen sie an uns vorbei, die.F c st e d er M en s-ch» n w i eih r e Niederlagen, ihre Beugungen, wie ihre,, Revolutionen". In den .Schicksalen seiner Menschen ist dies alles schon gewesen, ausgesochien, durchgekämpft, gereinigt und verklärt. Er hat das Licht gedämpft, wie die Traurigkeit. Und unter allen Worten des Tages ssuchte er nach dem Stillen, nach dem Unvergänglichen,. nach der Sp eis.« für die V erhun- gern den,'die er noch satt machen soll, wenn 'alle Lieder, alle Worte verrauscht sind. Der Dichter in-der Zeit? Er wäre wie einer, der sein Boot anhinge an den lärmenden Zug und seine Netze vergäße, zu denen cs Speise fangen sollt«. Mer der D i ch t e r j e.n s e i t S der Zeit, der nicht abseits stehen möchte, ist der, auf den die Hungernd en warten. Ich weih selbst— und der Postbote von Ambach weiß es ebenso güt, daß die dcntschc Erde heut« von Dichtern überfüllt ist. Als ich jung war, waren unsere Barden alt und schön anzusehen. Im weihen Haar, wie Jordan und Felix Dahn und das böse Geschlecht des Arno Holz tat dasselbe, tvas das junge Geschlecht heute tut oder wenigstens tun möchte. Es richtet ihnen zn Lebzeiten ein feierliches Begräbnis aus,, weil der Thron der Dichtkunst allein der Jugend und der Zistt gehöre. Heute sind unsere Barden jung, zwischen 20 und 25, aber sie.möchten uns bald zu ben mit Recht Verstorbenen zählen, tvcil in Miseren kümmerlichen Werken nur von toten Dingen di« Rede ist, von Gott etwa, oder von Recht, von der Liebe, oder gar vom großen Krieg. Und es gibt unter ihnen solche, die mit 25 Jahren durch die Lände ziehen und nicht nur ihre BI tu• g e s a n g e singen, sondern auch aus ihrem Leben erzählen. Und cs gibt viele Tausend, die solchen Gesängen und Lebensschilderungen achtungsvoll lauschen, weil wir ja bekanntlich ein tapferes Volk sind, dasMänner stolz vorKö- nigsth.ronen ererbt hat. . Nein, meine Freunde, das ist weder uns noch unserer Zeit gut... Unsere Zeit, von Haß und. Neid bedroht, sollte doch wenigstens der Bedrohung durch ihre eigenen Dichter enthoben sein. Man kann in Zeiten der. Gefahr zu jedem jungen Menschen sagen:'„kämpfe oder stirb".- Man kann aber mich: zu jedem jungen Menschen -sagen:„singeloder st i r b", weil es.meist, besser wäre, er itürbe als daß er sänge, denn sterben kann immer schön seist, wenn es mit Anstand oder Haltung geschieht— aber znm Singen bedarf es eben noch anderer Dinge als Anstand und Haltung. Und daran ändert auch die Tatsache"nichts, dah er hier in Deutschland bereits ein D i ch t e r s Mu lungslager gibt, in dem'Herr Roman Hoppeüscheidt— und kein Geringerer als dieser— die künftigen Barden aus dem' individualistischen Kunstbetrieb einer restständigen Kunsinromineuz; zu einer anonymen GemeinschastSkunst hcranzüchtet, uni— ich bitte wohl zu bemerken— das Volksvermögen, das in denTaleuten ruht, zu bewahren und zum Wohle deS'Ganzen auszunutzen!' ' Liebe Freunde, es bleibt keinem Menschen und'keiner Zeit erspart,-ihr Erworbenes als eine Seite 8 .Sozialdemokrat' Mittwoch, 10. Mai 1037. Nr. 118 Hotel Smetana Bad Luhatovice 50 guteingerichtete Zimmer «in Erstklassiges Restaurant Aeltestes Haus am Platze G Mäßige Preise Hager Zeitmrg, Starke Zunahme der Telephongespräche in Prag. Ter heurige April brachte in Prag einen ganz beträchtlichen Rekord im Telephonverkehr, da eine bisher unerreichte Zahl 9,481.121 von Ortsgesprächen erreicht wurde, was gegenüber dem gleichen Monat im vergangenen Jahre mit einem Plus von über einer Million eine Zunahme um 12.5 Prozent.bedeutet. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stieg die Zahl der Ortsgespräche gegenüber der gleichen Zeit des Borjah- rcs um 2',12.5.000, i tvas einer Zunahme um durchschnittlich sechs Prozent entspricht. Aber auch der interurbane Verkehr partizipiert an dem Auf- schivungi dann den ersten vieir Monaten eine Zunahme,.um ,55.000(zehn Prozents Gesprächen zu verzeichnen ist, davon im- Monat April allein um 15.822(12.2 Prozent). Im Zusammenhänge damit ist erwähnenswert, dah auch die Zahl der. Teilnehmer ständig im. Wachsen begriffen ist, wovon die; Zunahme im Monat April ein beredtes Zeugnis ablegt: 432 neue Telephonstationen, vor allein in Inner-Prag. Geschäfte durchs Fenster, Dieser Tage wurde die Polizei verständigt, dah sich im Kaffeehaus des .Heinrich Fischer, Prag I., Altstädter Ring 14, verdächtige Geschäfte mit anscheinend. gestohlenen Gegenständen äbwickeln; sie drang daher gestern vormittags um 11 Uhr unvermutet ins Lokal ein und nahm 60 Personen fest. Die.meisten befanden sich auf dem Hof, vo» wo sie durchs geöffnete Fenster des Kaffeehauses mit ihre» Kunden verhandelten, um gegebenenfalls leichter entfliehen zu können. Die Verhafteten ivurden auf die nächste Polizeiwachstube gebracht; nach Feststellung ihrer Personalien wurde ei» Teil vo» ihnen entlasten, diejenigen, die die Hertuuft ihrer Waren nicht angeben konnten, blieben in Haft. Die Polizei wird die Razzia im betreffende» Lokal wiederholen. Brennendes Auto. Gestern geriet un> 11 Uhr vormittags durch Kurzfchluh in der KarlSgaste in Prag I., das Auto des Kaufmanns Josef Langer aus'Prag-Weinberge in Brand.. Ein dancbenste- hender Wagcnlenkcr' löschte däS Feuer noch vor Eintreffen der Feuerwehr mit seinem Pelzmantel, doch wurde dar Auto beinahe zerstört, so dah der Besitzer einest Schäden v'ön etwa' Kf 20.000.— erleidet. Arbeiter verschüttet. Gestern mittags, wurde der Löiährige Arbeiter Josef Cvejn. auS Pankratz, während er an einem Neubau in Nuslc arbeitete, von einer Schichte. Lehm verschüttet. Seine Arbeitskameraden befreiten ihn, woraus ihn hie Rettungsgesellschaft auf die Klinik Schlosser brachte; hier ,wurde ein Bruch des Rückgrats, sowie mehrere Rihwnnden und Hantabschürfungen festgestellt. Die Verletzungen sind schwer. Dame am Bolant— und die Folgen. In der Nacht auf gestern fuhr gegen 12 Uhr die Kaus- maimsgattin Rosalie Hronda aus Liebe» mit ihrem Auto P-5018 über den Graben. Beim. Pulverturm überfuhr sic den 82jährigen Arbeiter Johann Biedermann anS der Slowakei, woraus sie ihr Auto zur Seite bist und gegen einen beim Gehsteig stehenden Wagen der Firma Schulz aus Holleschowitz nnräniite, den sie schwer beschädigte. Biedermann erlitt einen Schädelbruch und einen Bluterguh ins Gehirn; seine Verletzungen sind tödlich. Er wurde auf die Klinik Jiräsek gebracht. TaS Verfahren wurde eingeleiiet.■ Üsl. Liga gegen den Antisemitismus, Mitglieder« Versammlung 20. Mai, 20 Uhr, im Restaurant Bursa, Prag II, Havllikovo näm. Juuist und Wleaea Das Deutsche Theater zu Pfingsten Das Spifeentuch der Königin ' Dieses Spitzentuch, aus dem unsere Zeit selbst dje„Rosen aus dem Süden" nur mehr selten zu pflücken gewohnt ist, wurde von Johann S t r a u st anno achtzig lei» paar Jahre nach der „Fledermaus") gewoben und die Aelteren schwärmten von dieser klassischen Operette, trotz ihres „uninteresianteu" Textbuch'-, um.des Charmes ihrer reichen und blühenden mel-dischen Reize willen, die noch vor zwanzig Jahren entsprechenden Ausdruck fanden durchopernmähig kultivierte, blendende Ge- sangsstiinmen, getragen von; darstellerischer Brillanz und liebenswürdiger Komik; auSstattungsgemäst gab es da grostcS Theater, und das Rausche» meisterhaft komponierter Finali, berühmt gewordene„Nummern". die dieser Perle einer'unsterblichen Gattung Hinreinenden Glanz verleihen. Nun bringt das Deutsche Theater das„Spitzen- inch" in einer nicht nur musikalischen. sondern auch völligen textlichen Umarbeitung, die kaum einen Begriff vom. Werte des'Originals..zu geben' vermag, und die die grosten Ensembles ebenso'wie etwa die Doktörenszene oder das Trüffel-Couplet dem Schutze l der Musikhistorikers überlässt. Man hat ja auch kaum mehr Zeit zu jener gründlichen Einstudierung, die solches Werk erfordern würde und so ist' eS gär' nicht zu verwundern, dast selbst die Strauss'schen Funken nicht mehr richtig zünde». . Unter der musikalischen Leitung Herbert B o.p p e r S, der dar Spitzentuch.mit stilfremder .Langsamkeit entfaltet, und unter der Regie Mor- d o r, deren Bedürfnislosigkeit durch ein winziges Bälletterl einprägsam unterstrichen wird, bietet immerhin A n n y C o t y al» Diva eine beachtliche gesangliche Leistung, die auch durch fühlbare Bemühung um darstellerische Gestaltung gehoben wird, während ihr Partner. Herr P r e g e r, sich für die schauspielerische Aufgabe nur gelegentlich interessiert; und war seinen von uns so oft gerühmten Tenor anlangt, wollen wir hoffen, daß die vollzogene Abmagerungskur des Sänger» feiner Stimme nicht weiter Abbruch tut. Unter den übrigen Darstellern vermittelten vor allen; die Damen Wanka und Macheiner und die Herren Dudek und P adle s a k positive Eindrücke. Da» drastische Paar war mit Fräulein Kuthan und Herrn Schipper besetzt.— Da» Publikum zeigte sich wenig, wenn auch nicht unangenehm berührt. I-. G, Der Ideale Gatte Am zweiten Abend gab er Im«rosten Hau» wieder eine Neubearbeitung— wahrscheinlich sollte auf solche Weise da» Fest der Erneuerung gefeiert werden. Aber auch O» e a r W i l d e» geistreiche» Schauspiel hat durch den Bearbeiter(Karl Lerb») mehr verloren al» gewonnen, die„Modernisierung" de» Dialog» weist manche fast läppische Stelle auf. Nichtsdestoweniger lund' obwohl da» Publikum nur schwer in Stimmung zu bringen war), verdient die Sauberkeit der Aufführung gelobt zu werden, um die(unter der sicheren und ruhigen Regle LseblS) sich vor allem verdient machten: Han» Götz mit feinem nobel englischen und wirksam leise komischen Goring, Iran Meller mit ihrer brillant gespielten Mr». Cheveleh, Marion Wünsche al».innerlich wie äusserlich vornehme Lad» Ehiltern, Erna T e r r e l durch die herzgewinnende Natürlichkeit ihre» Lustsvielton» im lebten Akt. Sehr kräftig, wenn auch ein wenig verzeichnet der Sir Robert de» Herrn K l ip v e l. Unter den Nebenfiguren war die de» Earl von Caversham sonderbarer Weise mit einem Gast beseht(Leopold Kramer). 1-. G. Pygmalion Bernard Shaw» erfolgreichste Komödie verdankt ihre Wirkungen weniger ihrem literarischen Wert (der, an Shaws Durchschnitt gemessen, gering ist) als ihrer immer wieder bewiesenen Theaterwirksamkeit: Hier hat ein konstruktiver Satiriker vorbildlich originelle Komödienfiguren auf die Bühne gebracht. Wenn diese Rollen richtig zur Geltung gebracht werden, kann der Erfolg der zwar abgespielten; aber unverwüstlichen Pygmalion-Komödie nicht auSblei- ben. In der Neuaufführung der„Kleinen Bühne", die vor schwachbesuchtem Hause am Pftngstmontag stattfand, kamen nur zwei von den drei Hauptrollen zu voller Wirkung: die Eliza wurde von Dolore» M o n c a s i zwar nicht mit der ganzen Nuaneen- Skala, zu der hier Gelegenheit H. aber mit sotzstl Temperament und-virtuoser Witzigkeit gespielt, dast sie den Erfolg de» Abend» entschied, zu dem auch'der phantastisch humorige und dabei nie ausdringliche Doolittle Willy Volker» erheblich beitrug. Mangelhaft war freilich Professor Higgin», als» sozusagen die Titelrolle, durch Fritz Ball verkörpert, der sich in einem Zustand gefährlicher Texttinsicher- beit befand und den durch linkische» Wesen grob und durch Spezialistenblindheit rücksichtslos wirkenden Gelehrten al» polternden Grobian' auffastte, während Lotte Stein al» Mutter Higgin» vorzüglich war. Die Regie Julin» G ellners war erfolgreich um Lebendigkeit de» Dialog» und um die Ser- auSarbeitung.jeder einzelnen Szene bemüht. —ei»— Deutsche Musikakademie. Sonntag, den 23. d,. halb 11 Uhr vormittag», Matinie d:r Opern- und Schauspielflassen,'„Kleine Bühne". KartenS—10 Ai. Montag; den 24. d., 20 Uhr. Maltheserkirche,»Geistliche Abendmusik". Mittwoch, den 26. d., 20 Uhr, LyzeumSsaal: Kammermusik-Abend. Spielplan de» Reue« Deutschen Theater». Mittwoch 7%: Der Corregidor, SB 2.— Donnerstag 7%; Die Zauberslöte, Festspiel I, Gastspiel Alexander Kipnis, C l.— Freitag 614: Das Spitzentuch der Königin, Theatergemefnde der Jugend<1. Serie, roie Karten), und freier Verkauf, Abonnement ausgehoben.— Samstag 7: Parsifal, Festspiele II, Gastspiel Alexander Kipnir, D.— Sonntag 71b: Ta» Spitzentuch der Königin, B 2. Spielpla» der Kleinen Bühne. Mittwoch 8'Uhr: Pygmalion, Bankbeamte II und/ sreier Verkauf.— Donnerstag 8: Ein idealer Gatte, Gastspiel Leopold Kramer.— Freitag 8: Mond über dem Flust, Theatergemeinde de» Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Ein idealer Gatte. Gastspiel Leopold Kramer.— Sonntag 10%: Veranstaltung der Musikakademie, 3: Firma, 8: Phgmalion. L«Mw Dar Weg rum Ruhm Auch In diesem Weltkriegsfilm"aus Hollywood' spielen Liebe und Eifersucht tnit, apch hjer wieder löst sich der Konflikt durch den Heldentod de» einen Rivalen,aber doch unterscheidet sich diese.r Film von den meisten anderen'feiner Art:'denn er will realistisch" sein, und biS. zum Ende spielt in ihm der Krieg selbst(und nicht die'Privatasfäre der beide» französischen Offiziere'mit der Krankenpflegerin), die Hauptrolle. Und der Krieg ist. ohne fglsche» Pathos.Und ohne Romantik dargestellt, nur mit der Gewalt seiner Schrecken, Rückmarsch, Auffüllung der gelichteien Reihen— und neuem Vormarsch. Die Fronterlebnisse werden nicht al» heldische Abenteuer, sondern al» fürchterliche Nervenproben gezeigt, wobei sich allerdings ein HcldentttM der Notwendigkeit entwickelt,— während der freiwillige Held in diesem Film, der sechzigjährige Vater de» Hauptmannes, der durchaus unter seinem Sohne dienen will, halb komisch und. halb, störend'erscheint. Auf seiner Realistik und den in ihr begründeten Stimmungen beruht die Wirkung de» Film», der durch Wucht de». Schlachtenlärms ebenso wie durch Enthüllung charakteristischer Rleinigkeiien da» Bild de» Kriege» und der in ihn geratenen Menschen gestaltet. Der Regiffeur Howard H a w k S hat gute Arbeit geleistet, in den Hauptrollen sind Warner Baxter und Frederic March sehr natürlich und eindruck-voll, wogegen ihre Partnerin June Lang ein wenig bläst bleibt. Aber eine Fülle charakteristischer Gestalten zeigt sich in den Nebenrollen: eine Kompagnie, die. bunt gemischt, aber einheitlich lebensecht ist.—ei»— Film-Abfälle zu Pfingsten. Die Saison geht ihrem Ende entgegen, In vier Wochen wird schon der entschuldigende Hinweis auf die Sonunerspielzeit aktuell sein, und man hätte deshalb zu Pfingsten den letzten Aufmarsch der noch nicht gezeigten „Spitzenfilme" der Spielzeit erwarten dürfen. Lei« .der ging die Erwartung nicht in Erfüllung. Weder 'die„Grünen Weiden", noch„Die gute Erde", noch der neue Garbo-Film wurden gezeigt. Ein Wenzel». platz-Kino muhte sich statt deffcn mit einem„P S l e« MSIe" behelfen,' da» au».einem Laurel und Hardy-Sketch und farbigen Grotesken au» der Werkstatt der Nachahmer de» unnachahmlichen Walt Disney besteht. Ein andere» zeigte einen Wildwestfilm alten Genre», dessen Name„Die Grenz« wach e", dessen Hauptakteur Buck Jone» und dessen Handlung nur ein Anlab zu tollen Ritten, Schiebereien und heroischen Roheiten ist.—cis— Die Liga beendet In.der StaaiSliga wurden Samstag und Sonn, .tag die Spiele der letzten Runde, bi» auf dar verlegte Match Rachod—Viktoria Pilsen, welche» aber ohne Bedeutung betreffs der Tabelle ist, durchgeführt. Zum Abschluss leistete sich der neue Meister S la v i a in Kladno gegen den SK ein Unentschieden von 1:1..(1:1). E» war ein teilweise recht stürmisches Spiel. Kladno hatte an: Schlust, als die Slavia- Stürmer abfielen, sogar Siegeschaneen, die jedoch zum'Glück der Slavia vergeben wurden. In N a ch o d überraschte SK Pilsen mit einem Siege von 3:2(8:1) die Heimischen nach gleichwertigem Spiel durch besseres Schiesten. SK Prostnitz festigte durch einest 8:2(2:1)»Erfolg inPisen über Viktoria seinen dritten Platz.' Unentschieden 1:1 endete in Brünn die Begegnung Viktoria Zijkov gegen Zideniee, nachdem bi» zum Wechsel die Viktoria mit 1:0 führte. Mit 6:0(4:0) endete da» slowakische Derby zwischen CSKPrehburg und R u s j U.H h.o r o d für die ersteren. S p a r t a. Prag schlug im letzten Spiel auf eigenem Platz die'Brüst- ner M or. S lavia mit 12:1(6:0). Slavia al» Meister beschlost die Meisterschaft mit 88 Gutpunkten und einem Torskore von 86:28; Sparta al».Zweite erreichte nur 81 Punkte(74:20) und den dritten Platz besetzte SK Prohnitz mit 29 Punkte»'(56:37). Dem Abstieg verfielen, wie schon lange feststand. Dior. Slavia Brünn(8 Punkte— 10:04) und Rusj Uzhorod(8—24:79). DFV-Divlsion Die vorletzte Runde brachte keine wesentliche» Aendernngen. D F C P r a g siegte erst nach Kampf in Reich en berg mit 8:1(2:1) über den RFÜ. Beide Klub» gaben sich damit, nicht zufrieden und legten Protest ein. Die Prager wegen der Teilnahme von zwei Reichenbergern, die entgegen den Bestimmungen vom DFV ihre Strafe mit Geld begleichen konnten, und die Unterlegenen, weil der Schiedsrichter zwei Elfmeter gegen DFC in Freistöhe umdeutete. Unverständlich erscheint der Protest von sei« ten des DFC, der doch schon gemerkt'haben must,' dast man ihn„höheren-Ort»" sozusagen al»,„untragbar" ansieht.... RFK besiegte am Montag die Schrek- kensteiner Sportbrüder 7:1.:— DSV Saaz schlug daheim mit zehn Mann die SpVg Bodenbach 5:1 .'(2:1) und am Montag den DSK Gablonz mit 5:4. — Mit 4:0(2:0) wurde in Karlsbad der KFK vom BTK Gablonz besiegt.— Der WarnSdorser FK hatte auf eigenem Platz,keine schwere Arbeit, gegen den DFK Komotau mit 4:0(2:0) zu gewinnen..— In Gablonz gewann der DSK über Sportbrüder Schreckenstein 5:0(8:0) und in Prag gaben die Sportbriider gegen VfB Teplih einen Punkt ab, da da» Match 2:2(2:2) endete.— DFK war spielfrei, so dast die Entscheidung über den-Meister erst in der letzten. Runde fällt— bis auf die ausstehenden. Proteste... Die Spiele der tschechischen Dibifionen. Mittelböhmen: Cechie Karlin gegen Sparta Kladno 11:1, Sparta Koöir gegen Union Mkov 6:2, Meteor VIII gegen Bohemian» 5:4, Libeü gegen SK Nuslc 8:2, Bittoria Nuslc gegen AFK Kolm 2:1, Nuselsky SK gegen Slavoj VIII 8:1, Altbunzlau gegen Rapid' 1:1(0:1).— Böhmen-Land: SK Pardubitz gegen Hokoviee 5:0, Explösia Semtin gegen König- gratz 6:1, Königinhof gegen Polaban Nimburg 4:1, Köbisty gegen Slavia Karlsbad 8:1, Petiln gegen Jungbunzlaner SK 1:0.— Mähren-Schlesien: Schles.-Osiran gegen Slovan M.-Ostrau.4:1, BakaZlin gegen Hüssöwitz 2:2(2:2) l, Prerau gegen Ostrauer Slavia 2:2.(1:0), Kral Pole gegen Po, Ionia Karwin 2:1, Möravia i Brünn gegen Han. Ssaviä 1:1"( 1:0),'Olmütz gegen ZWvresky'5:2. ' Sonstige Fussballergebnisse. Kladno: SK Kroöehlavygegen DFK Aussig 5:2(0:l), SK Mo- ttyöin gegen THK Aussig 2:8..— Karlsbad: Teplitzer FK gegen.Sparta 2:2.— B.-Budwet s: Stadion gegen,AC Traun(O.-Oe.) 9:1.— Schüt- teNhosen: CSK.gegen SB Urfahr-Linz 8:8 asrantoluarvlOdr WCDZCl HDUtf« TCtSCbfill, Garantol hllt Iler Uber 1 Jahr lang frisch Packung& Kfi 3—, ausreichend tue 100-120 Eier. (2:1) und 6:2.— Jungbunzlau: SK gegen DSV B.-Leipa 5:8.— Znaim: Sparta Brünn gegen FC Eisenstadt 5:1, DSK gegen Hertha Graz 6:1, Sparta gegen Hertha 12:0, DSK gegen Eifenstadt 2:2(1:2).— Budapest: Fereneparo» gegen Bocskai 5:1, Hungaria gegen Leicester City 4:8 (1:0).— Wien: Admira gegen Sportklub 4:0, Austria gegen Rapid 5:0(4:0), abgebrochene- Sian, balfpiel, in dem Rapid acht Minuten vor Schluß nur noch sechs Spieler und Austria zehn am Felde hatte; Admira gegen Chelsea London 8:0(0:0).— Bukarest: Ujpcst Budapest gegen Rapid 4:0.— Warschau: FAE Wien geg. Stadteam 8:8(2:1). — Lemberg: Vienna Wien gegen Pogon 4:1.— Lausanne: Sport gegen Wacker Wien 2:2.— Bern: Irland gegen Schweiz 1:0(1:0).— Nürnberg: 1. FC gegen Brentford(England) 2:2(1:0).— BreSlau: Deutschland gegen Dänemark 8:0(4:0).— Stockholm: England gegen Schiveden 4:0(4:0). . Sowjetfußball und Flfa Der Prager„Montag" bringt eine Unterredung mit dem Fifa-Sekretär Dr- S ch r I ck e r, in der u. a. in bezug' auf Sowjetrustland gesagt wird:„Es wird behauptet, dast dieSowjetunion sich mit dem Gedanken trägt„in die Fis.a einzutre- t e n, wenn man ihr gestattet, auch gegen Berband»- und Vereinsmannschasten zu spielen, die keinem der Fifa-Verbände angeschlossen find. Einer solchen For« dernng dürfte unter kein en UMstän d en statt- gegeben werden... Die Türkei erhielt bereits eine Verwarnung, weil türkische Mannschaften ohne Genehmigung gegen sowjetrussische antraten. Seit dem 80. April 1086 genehmigte die Fifa k e i- n e r l e i S p i e l e der ihr angeschlossenen Nationalverbände mehr gegen Mitglieder anderer Verbände (mit Ausnahme de» britischen Reiches).. DavIS-Cup. Warschau: Tschechoslowakei geg. Polen 5:0.- Das Match dürfte aber mit 4:1. verifiziert werden, da statt Hecht Siba antrat,— Brüssel: Belgien gegen Schweiz 4:1. Der beste Nozi