Mzialdemokrat Sentralorga« der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik «rsch-iut mit«u-uahM- M-«tag tiigttch früh/«iuz-lpret- 70»-Her Redaktion und Verwaltung: Prag XU., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Aus dem Inhalt: Parlamentspause bis 3. Juni Aus Hitlers Kerker endlich frell Statt Mutterschulung— Volksverführung Abessinien kostet bisher 12 Milliarden Lire Gelder aus Deutschland für Wiener Nazi-Terroristen 17. Jahrgang Freitag, 21. Mai 1S37 Nr. 118 Massenhinrichtungen von Spionen In Sibirien London. Der Reuter-Berichterstatter teilt a»S MoSkau mit, daß daS Militärgericht in S v o l> o d n o in Sibirien am Donnerstag 44 Personen gnm Tode verurteilt habe. DaS Urteil wurde sofort vollstreckt. Die 44 Angeklagten, unter denen sich auch eine Frau befand, waren der Spionage und der Eifenbahnsabotage angeklagt «Md sollen für Deutschland und Japan gearbeitet haben. Flottenparade demonstriert Englands Macht Portsmouth.(Reuter.) Die Flottenparade in Spithead begann bei idealem Sonnenschein. Die Schiffe waren in fünf Hauptrethen geordnet, von denen jode sechs Meilen lang Ivar. Die Reihen zogen sich von Spithead bis. zum Golf von Southampton. Von da gegen Norden waren weitere Schiff« auf vier Kilometer Läng« angeord» net. Zum erstenmal«, haben zu einer Flottenparade in England auch Indien, Kanada, Neu- secland und Australien ihre Kriegsschiff« entsandt. Auch 17 ausländische Staaten waren vertreten. Um 13.08 Uhr lief die königliche Facht aus dcm PortSmouther Hafen zur Flottenparade aus. Ihr folgten die Facht der Admiralität und 14 Begleitschiffe mit den Gästen. Tausende Zuschauer, die sich am Ufer drängten, bereiteten dem KonigSpaar begeisterte Ovationen, während der Domter des KönigssglutS über. Spithead dahinrollte. Die Kiellinie dec zur Besichtigung versammelten Schiffe war 12 Meilen lang. Die Parade dauerte volle, eineinhalb Stunden, Es war eine Schau der größten und schönsten Kriegs- schiffe der Welt. Das Ende wurde durch eine Geschlltzfatve angezeigt. Deutscher Protest In Washington gegen Kardinal Mundelein Berli n. Amtlich wird mitgeteiltr Die deutsche Botschaft in Washington hat wegen der törichten«nd geschmacklosen Beleidigungen des Führers und Reichskanzler- durch den Chicagoer Kardinal Munde l e i n beim Staatsdepartement in Washington e nergischeBor st ekln n g en erhoben.; , Die Morgenblätter kritisieren scharf die Rede des Kardinals.. Der„Völkische Beobachter" spricht von„direkt unzurechnungsfähigen Invektiven" des Kardinals"gegen Deutschland. Das „Berliner Tageblatt" bemerkt, daß der Vatikan, wenn er zu dieser Kundgebung eines der höchsten Würdenträger dec katholischen Kirche schweigt, so sein« Zustimmungzu Beleidigungen Deutschlands gebe.. * Chicago. Der protestantische Bischof von Chicago Craig Steward' hat sich der Kundgebung des Kardinals Mundelein angeschloffen. Grolle Parade In Budapest .’ Budapest. Bei glänzendem Sonnenschein iand.Donnerstag vormittags die große Militär- pärädevor'demitalienischen' Herrscher und dem ungarischen ReichSverweser statt. Viktor Emanuel «Md Horthy begaben sich um 10 Uhr linit- ihrer militärischen Begleitung aus der Ofener Burg in das Stadtwäldchen, wo sie im Kraftwagen an der Froni'ber zur Parade ausgestellten Truppen vorbeifuhren. Von der Besichtigung der Truppen lehrten'sie zum Rondeau der. Andraffy-Straße zurück,, wa sie auf den aufgestellten Tribünen Platz" nahmen,' uni dem Vorbeimarsch der Truppen beizuwohnen,t der anderthalb Stüiiden dauerte. ' i Später-gaben Erzherzog I o se f and Erzherzogin Äü-gu-st a in-ihrem Ofener Palais zu" Ehren des"italienischen. HerrscherpaareS«in"De-" idunersMVÄWZ>w»KfjkräjjHif An, Nachmittag haben die Besprechungen zwischen den. uiigotrffchen und" den italienischen Staatsmännern-begonnen!7,:■--.um Pierre Cot nach Bukarest; und Prag Pari-, Luftfahrtminist.er Pierre C o t rzist am.lll. Juni nach Bukarest, wo er sich drei oder vier Tage äushalten" wird. Am 28. Juni reist er zu. zweitägigem Aufenthalt nach P'ra g, um dann nach Paris zutückzukchrem Spanien erhebt Anklage in Lenk Wegen der ausländischen Intervention Im Bürgerkrieg Genf.(Havas.) Än einem von*Minister Giral unterfertigten Telegramme ersucht die spanische Regierung den Völkerbund, auf daS Programm der für den 24. Mai einberufenen Tagung des BölkerbundrateS auch die Frage dera. nsländifchenJntervention im spanische» Bürgerkriegezn setzen. In britischen Kreisen wird dieser Antrag gerade nicht mit besonderen« Wohlwollen ausgenommen, wenn auch.die amtlichen Londoner Kreise sich vorläufig jedes Kommeiltars enthalten. Inoffiziell weist mair jedoch darauf hin, daß eine solche Aussprache vor dein Forum des Bölkerbun- deS nur die Bestrebungen erschweren würden, welche auf die Abberufung der ausländische,« Frei- willigen hinzielen. In Rom wird der spanische Schritt angeblich gleichgültig aufgenoinmen, da man der Anschauung sei, daß diese Frage nur vom Londoner RichtinterventionSausschuß und keineswegs vom Völkerbund abhänge. Der erste Delegierte Spaniens beim Völkerbunde Alvarez d c.l B a h o ist iin Flugzeug von Paris nach Genf abgereist. Er wird am 24. Mai dem Völkerbundrate«in Weißbuch vorlegen, welches photographische Reproduktionen von 101 Dokumenten enthält, welche bei Italienischen Gefangenen, bzw. auf dem Schlachtfeld bei Guadalajara nach den« Rückzüge der italienischen Abtei- lungei« gefunden" wurden. 2n spanischen Kreisen wird erklärt, daß diese Dokmnente die italienische militärische Intervention in Spanien ganz klar erweisen. Neue Männer in Valencia Valencia. Mittwoch abends tagte der neue M'nisterrat. Antonio Fernandes B o l a. n o s wurde zum Unterstaatssekretär i«n Kriegsministerium ernannt, Oberst Vincent» Roj o z»m> Generalstabschef. Zum NnterstaatSsekretär für Propägandä wurde E ch e v a r r i n, z«m Gouverneur von Valencia der sozialistische Abgeordnete Molina C o n e j c r o ernannt. Der frühere Außenminister del Vayo wurde mit der Leitung deS Ge- neralkoniiniffarlatS für die Rüstung betraut." Ministerpräsident N r g r i««erklärte, daß die innere Lage befriedigend sei und daß die Negierung von Valencia keine Störung der Ordnung dulden werde. Die baskische Legierung an den NIchtlnterventlonsausschuB Bilbao. Die Regierung von EuSkadi hat den« NichtiiiterventionSkomitee in" London folgende Rote übergebe««: Der Rebelleugeneral Mola kündigt an, daß Im Falle Bilbao sich nicht ergibt, er die ganze Biökaya zu einen« Friedhof mache«« werde und daß er die nötige«« Mittel dazi« besitze. ES scheint, daß er bei dieser Absicht auch nach der Zerstörung von Guernica, Durango, Ajangniz, Boliva, Eibar, Elgueta ufw. beharrt. Die deutschen Flieger im Dienst« der Rebellen fahre«« in ihren« grausamen und unmenschliche«« Werke gegei« Mungia, La» rauri, Maruri, Larratezua, Glrncia fort. Sie werfen eine groß« Anzahl von B r a» db o«n» b e n ab, beschießen mit Maschinengewehren die tgivilbevölkerung, die sich vor den Todesgefahren indit Felder"flüchtet) und' verursachten eine große Anzahl von Opfern unter Frauen«nd Kindern." Bilbao."(Reuter.) Die Angriffe der Aufständischen auf dir strategisch wichtige Stadt Mang u i, nordöstlich voi« Bilbao, dauern bereits zwei Tage an, wobei die Stadt heftig beschoffen wird, doch leistet sie weiterhin Widerstand. Die baskischen Militärbehörden rrklürrn, daß es bei« Aufständischen noch nicht gelungen sei, bis zu den befestigten Positionen rings um Bilbao z« gelängen. Oesterreich und die Weltmächte Zusicherungen»für den Augenblick der Gefahr? London. Der österreichische Staatssekretär für Acußcrcs Dr. Schmidt soll dem„Dail«) Telegraph" zufolge in Paris auf daS Wünschenswerte eine- Ausbaues der tschechoslowakischösterreichischen Zusammenarbeit verwiesen worden sein. Er habe ferner von Frankreich die Zustimmung erhalten, daß England und Frankreich bei der Wiederaufnahme der Westpaktverhandlun- gen mit Deutschland die Ansichten über die Unabhängigkeit Oesterreichs zum Ausdruck bringe«« werde». Wien. Wie der Pariser Korrespopdent des „Neuen Wiener Tagblatt", von maßgebender Seite erfährt, haben die Konferenzen des Außen-" Ministers Delbos mit Staatssekretär Dr. Schmidt zur Festsetzung folgender Richtlsnien geführt: " 1. Die englisch-französische Zusammenarbeit"erstreckt sich'" auch auf'Zrntral- e ii r o p a, wo alle Bestrebungen, die auf die wirtschaftliche Entfaltung dr- Donauraumes at- zielen, die" Unterstützung der beide» Westmächte finde» sollen." - 2. In den Verhandlungen über den künftigen Westpakt wird der Leitgedanke einer a l l- S e n« e ine n europäischen Sicher- h-e i.t S P o l itik zum" Ausdrucke kommen. Der Westpakt soll nicht nur eine eng umgrenzte Kombination, sondern ein Instrument deS allgemeinen europäischen Friedens darstellen. Diese Auffassung erhielt in den diplomatischen Gesprächen, dir von Eden und DelboS mit den Bertretem- DeutschlandS und der. zentraleuropäischen Staa- len geflogen wurden, eine Aare«nd eindeutige. Formulierung..-> I S. London und Paris sind in dem Punkte einig, daß Oesterreich all« fei»« Freundschaften bewahre» soll und, muß. I m Augenblicke rin er Gefahr, würde dir Unterstützung seitens Frankreichs»nd England-«inen gs» eigneten öffentlichen Ausdruck finde». 4. Das französisch-englische Einvernehmen ist, soweit es sich um Zentraleuropa handelt, durch die Aussprache deS Staatssekretärs Doktor Schmidt mit DelboS verliest worden. In London und Paris erweckt der Wunsch deS österreichischen Volkes, seine national« Unabhängigkeit zu bewahren, starke Sympathien und findet moralische Unterstützung, 5. Die Regierungen Englands«nd Frankreichs werden s» Zentraleuropa bei entsprechendem Anlässe gemeinschaftlich vorgehen. Eden garantiert für nichts London.„Morning Post" zufolge waren bei der Mittwochsitzung der Einpire-Konferenz die Ansichten über die Möglichkeit eines Konfliktes in Zentral- und Osteuropa geteilt. Außenminister Eden"konnte den Delegierten n i ch t dir Versicherung geben, daß. England eS unter allen Umständen vermeiden könne, in einen kontinentalen Krieg.dort verwickelt zu werden, wo«S keine direkten Verpflichtungen zur Intervention Übernommen hat. Vor Baldwins Demission "London.„Daily. Mail" meldet, daß.- Donnerstag oder Freitag nächster Woche Bald win einen Besuch im Buckinghampalast machen werde, um- dem Könjg seine Demsision einzureichen.und wie Üblich, feisten Nachfolger zu empfehlen.. Wie das Klatt hinzusügi, wird her Nachfolger. N e« villeChainberlai n keine größeren Äenderungen im Kabinett durchführen.- Er- wird »ur auf daS Jnnenportefeuill« an Stelle Sir John Simons ein«" andere Persönlichkeit berufen,, zweifellos Sir Kingley W.o o d. Außerdem wird vielleicht auch Hastdelsminifter R u n e i m a n ein anderes Portefeuille erhalten. Arbeitslosigkeit — trotz Konjunktur Der Wirtschaftsausschwung, den wir schon seit einigen Monaten bemerken können, hat in« Frühjahr dieses Jahres ein rascheres Tempo angenommen. Insbesondere haben jene Industriezweige, welche an der RüstungSkonsunliur teilnehmen, vielfach schon den Stand der Hochkonjunktur von 1020 erreicht. So betrug die R o h- eiscngewinnnng in der Tschechoslowakei im April 140.000 Tonnen und blieb nur loenig gegen 1020, da 141.500 Tonnen erzeug! wurden, zurück. Gegenüber dem April 1030 ist die Roheisingewinnung um volle 57 Prozent gestiegen. Ebenso ist es mit der Gewinnung von!>i o h- sta h l, die von April 1036 bis April 1037 nm 43 Prozent gestiegen ist. Im Monat April wnr- den 180.000 Tonnen Rohstahl erzeugt, auch nur um eine Kleinigkeit weniger als 1023, da die Erzeugung 101.000 Tonnen betrage» ha«. , Ebenso ist die K o h l d n g e w i n n u n g Heuer weit größer als im Vorjahre. Dio Siein- kohlenförderung hat im April 1087 1,844.000 Tonnen betragen und ist mn 45 Prozent größer als in demselben Monat des Vorjahres, Braunkohle wurden 1,448.000 Tonnen gefördert, d. i um 15 Prozent mehr als im Vorjahre, die Koksgewinnung betrug 254.000 Tonnen und ist mn 74 Prozent größer als im April 1086. Aber gerade im Kohlenbergbau kann man feststclleu, daß die Anzahl der beschäftigte» Menschen nicht ebenso rasch ge- w a ch s en i st w i e d i« Pr o d u k t i o n. "Sb lindlük"Steinkohlenbergbau Int""April 1087 höchsions tausend Personen mehr beschäftigt als in der gleichen Zeit des Vorjahres, im Brnmi- kohlenbergbau nicht einmal 800 Personen mehr. Während die Förderung von Steinkohle um 45 Prozent zugenommen hat, ist die Anzahl der im Steinkohlenbergbau beschäftigten Menschen nnr um zwei Prozent höher! Während die Braunkohlengewinnung um 15 Prozent größer ist als im Vorjahre, ist die Anzahl der beschäftigten Menschen nur um ein Prozent größer! Die Ausdehnung der Produktion geht also im Kohlenbergbau viel rascher vor sich als die Aufsaugung der Armee der Arbeitslosen. Ebenso ist es in allen anderen Industriezweigen. Wir haben in einer Reihe von Branchen die Konjunktur von 1020 fast erreicht und haben dennoch eine ungelvöhnliche Arbeitslosenzahl. So ist die Anzahl der Arbeitslosen im Bergbau im Feber 1087 8480, in der Metallverarbeitung trotz Rüstungskonjunktnr 80.387, in der Maschinenindustrie 12.228, in der Textilindustrie, die nach den Angaben des Völkerbundes gleichfalls schon die Konjunktur von 1020 erreicht hat, 41.152 gewesen, nicht zu reden von der Glasindustrie(15.585) und von der Stein- und keramischen Industrie(18.000). Wir haben es hier mit Arbeitern zu tun, die inehr oder weniger zu d a u« r n d e r A rb e i t slo s i g« leit verurteilt sind. Der Sekretär der Zentral- gewerkschaftskommiffion Abgeordneter M a c o u n hat unlängst in einer Rede die Zahl jener Arbeiter im deutschen Gebiete, welche unter den heutigen Umständen dauernd arbeitslos sind, auf 150.000 geschätzt. Man wird nicht fehlgchen, wenn man die Anzahl der durch die technische Entwicklung zu dauernder Arbeitslosigkeit Verurteilten im ganzen Staatsgebiet mit etwa 300.000 annimmt. Angesichts dieser Tatsache entsteht ein schwerwiegendes Problem, an dessen Lösung man mit Mut und Cntschloffenheit herantreten muß. Diese dauernd arbeitslos Gewordenes) können nur beschäftigt werden, wenn neue Industrien und neue Gewerbe entstehen, was jsinn Teil Sache der Privatinitiative ist, aber auch insofern Angelegenheit des.Staates, als dieser den neu geschaffenen Industrien Steuererleichterungen gewähren kann. Bor allem aber müssen die ö f f e n t I ichen Investition- n, die in der Zeit der Krise eine so große Rolle gespielt haben, fortgesetzt werden. Dazu kommt allerdings »och die B e r k n r z u n g d e r A r b e i t s- zeit, die sich immer mehr als eine soziale und wirtschaftliche Notwendigkeit erweist., Wer mit lleinlichen Argumenten gegen, die Berlürzung der Arbeitszeit auftritt," versteht nicht, um welch große wirtschaftliche und soziale,, ja politische Fragen es sich hiebei handelt, Ein Staat kann?S sich auf die Dauer nicht leisten, hunderttausende Sitte 2 Freitag, 21. Mai 103? Nr. 118 dauernd arbeitrloscr Menschen In seinen Grenzen aufzuweise». Ain allerwenigsten kann dies ein demokratischer Sinai tun, dessen Politik auf der Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung beruht und dessen Maßnahmen vom Bolkslvohl und von den Bedürfnissen der Massen der Bevölkerung bestimmt sein müssen. Soll die Demokratie nicht nur Oesterreich und die Demokratie Unter diesem Titel beschäftigt sich in dem (von uns übrigens schon kurz zitierten) mittivö- chigen Leitartikel des Pariser„PopuIaire" besten,Leiter, Bracke, mit den Hintergründen des Besuches S ch m i d t s, des österreichischen Außenministers, in London und Paris. Daß Schuschnigg, so schreibt Bracke, eingekeilt zivstchen Klerikalen, Monarchisten, Agrariern, zwischen Mussolini-Ergebenheit und Hitlerophilie, keinen leichten Stand habe, sei verständlichst alber Schuschnigg sei daran nicht ohne Schuld, da er doch das Erbe Dollfuß' völlig übernahm. Gewiß aber sei es notlvendig, daß vor allem England und Frankreich den Oestcrreichern helfen, der Gefahr zu entgehen, die Mussolinis und Hitlers einander bald ergänzende, bald überflügelnde Wünsche dem Lande bereiten. Solche aktive Hilfe durch die westlichen Großmächte ist aber nur möglich,„wenn Österreich selber der faschistischen Zange durch möglichst reale Aufrechterhaltung seiner Unabhängigkeit zu entgehen bemüht ist. Und wie lönnte»8 das anders, als indem es sich auf jene demokratischen Kräfte stützte, die durch die gesamte Politik Dollfuß' und Schuschniggs zerbrochen wurden? Diese Kräfte könnten zweifellos gesammelt werden(Bracke verweist hier aus bas Memorandum der 110.000 Betriebsarbeiter). „Es schiene", fährt er fort,„leicht und für die Unabhängigkeit fruchtbar zu sein, wenn man ein. wenig den Druck beseitigte, der auf der Freiheit lastet. Was die Furcht etlicher Leute in der Umgebung Schuschniggs anlangt, daß nämlich Hitlcr- deutschland ein auf die Linke sich stützendes Oesterreich beargwöhnen würde, so müßte die englischfranzösische Unterstützung den Acngstlichen Mut geben." „Die Unabhängigkeit Oesterreichs", so schließt der bemerkenswerte Artikel,„ist eines der wesentlichsten Elemente der Ruhe in Europa. Und ohne zumindest einen Anfang von Redemokratisieruiig, die die Arbeiter au» Gründen dieser Unabhängigkeit sammelt, wer-1 den sich die Bedrohungen des Friedens verschärfen. Für«in Land, das von den Faschismen eingeschlosten ist, gibt es kein« sichere Nn- i auf politischem Gebiet, sondern auch auf wirtschaftlichem und sozialem' leitender Grundsatz sein— und das soll sie nach den bekanntenWor- ten Masarqks— dann muß sie an ein Problem Herangehen, daS zwar schwierig,' ist, aber-gelöst werden muß, im Interesse der Demokratie, des Friedens und des Wohlergehens der Masten. abhängigkcit, wenn die Arteiterllaffe dort unters Joch gebeugt bleibt!" Papen verläßt Wien? London.„Daily Telegraph" meldet auS Wie», daß Herr von Papen, der deutsche Botschafter in Oesterreich, am 27. Mai Wien«erläßt und feinen Urlaub antritt. Das Blatt hält rS für wahrscheinlich, daß er nicht mehr auf seinen Posten nach Wien zuriickkehren wird, sondern zum Botschafter beim Vatikan ernannt werden wird. Seine Abberufung soll die Folge davon sein, daß«S von Papen nicht gelungen sei, den österreichischen Bun. deskanzler Dr. Schuschnigg zu bewegen, Nationalsozialisten in die österreichische Regierung aufzunehmen. Delbos In Brüssel Brüssel. Der französische Außenminister Delbos ist Donnerstag um 12 Uhr 40 in Brüssel eingetroffen. Auf dem Bahnhofe begrüßte ihn der belgische Außenminister S p a a k. Rach einer kurzen Unterredung begab sich Delbos auf die französische Botschaft, um sodann auf den Pri- vatsttz des Ministerpräsidenten Ban Zeeland zu fahren. Van Zeeland fährt zu Roosevelt Brüssel. Die Nachrichten, daß der belgische Ministerpräsident Van Zeeland wahrscheinlich am 11. Juni aus Brüssel nach Nelv Uorl reisen wird, werden bestätigt. Van Zeeland..hält.sich in den Vereinigten-Staaten etwa 12 Tage aus und wird bei dieser Gelegenheit auch mit dem Präsidenten Roosevelt zusammentreffen, mit welchem er Ivichtige Unterredungen über die Zukunft der Weltwirtschaftspolitik haben wird. 12 Milliarden Lire— Kosten des Abessinien-Feldzuges R o m. In der Donnrr-tagjitzung der italienische» Kammer macht« Finanzminister Thaeo di Reval eingehende Ausführungen über die finanzielle Lage Italien-. Da- größte Interesse be» mispruchen die Abschlußziffern der Kosten des abessinischen FeldzugeS. Danach wurden für die Eroberung Abessinien- bi- zum 3V. Juni 1933 insgesamt 12.111 Millionen Lire aufgewandt. Parlamentspause bis 3. Juni '. Prag. Das Abgeordnetenhaus hielt Don»" nerstag eine kurze Sitzung ab, in der das E ist e n b a hnges e tz in- der vom Senat abgeänderten Fassung, unverändert angenommen tvuode..' Der Referent N 5 m e e wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß die Rrlsenzeit bei den Bahnen schon überwunden und der Betrieb a»r normalen Jahren erreicht sei. Im Interesse der gesamten Wirtschaft nütsse man jetzt an die Beseitigung der seinerzeitigen Personalsparmaßnahmen gehen, namentlich dort, wo sie übertrieben seien. Der Stand der Angestellten müsse ergänzt und den Angestellten in sozialer Hinsicht wenigsten- da» zuerkann? werden, worauf sie nach dem Gesetz Anspruch haben. In der Debatte sprach lediglich der Kommunist B o d i ä k a, der eine Erklärung feines Klub» zur Zerstörung spanischer Städte durch faschistische Gewaltakte zur Verlcsuirg, bringen wollte. Der Vorsitzende ermahnte ihn dreimal, zur Sache zu sprechen, und entzog ihm schließlich da» Wort. Nach Vornahme zweiter Lesungen vertagte sich da» Hau» auf Donnerstag, den 3. Juni, um 13 Uhr. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Vorlage über die Errichtung einer Technik in K a s ch a u. Diese Vorlage Ivar am Vormittag Gegenstand der Beratungen de» Kulturaurschuffe». Dabei brachte Dr. D o m i n(Nat.-Ber.) wieder da» beliebte Thema der Zusammenlegung der beiden deutschen technischen Hochschulen auf» Tapet. Genossin Ktr- pal trat ihm«ntfchiedenst entgegen. Jng. Karmasin(SdP) erklärte, seine Partei werde zum Protest gegen die angekündigte Hochschulreform, di« eine schwere Einschränkung der Hochschulautonomie bedeute, gegen die Vorlage stimmen. Zum ausführlichen Studium der Vorlage wurde sodann ein Subkomitee eingesetzt. Der Senat nahm In einer gleichfalls kurzen Sitzung die Regierungsvorlage über di« Eichung von ärztlichen Thermo« Metern an. Bei der Erledigung von Immunitäten wurde die Auslieferung des Genosse» W e l l a n abgelehnt, der wegen einer gegen di» SdP gerichteten Flugblattes aus der Wahlzeit wegen Ehrenbeleidigung belangt worden war. Der Spiritusskandal Im Leitaufsah de»„Prävo LIdu" macht I. Dubskh auf die unerträglichen Verhältnisse in der SpirituSwirtschast aufmerksam. Er schreibt: Die Gültigkeit des Vertrages(gemeint ist der Vertrag zwischen Staat und SpirituSverwer» tungsgesellfchaft, die Red.) ist bekanntlich am 1. September 193g erloschen. Unter deni Drucke der öffentlichen Meinung— und um wenigstens den Schein der Gesetzlichkeit aiifrcchtzuerhältcn-— hat die Regierung die Gültigkeit der bisherigen Vertrages mit der Spiritusverwertungsqesellschaft um zwei Monate verlängert, in welcher Zeit es entsprechend Nachrichten, die in die Oeffentlichkcit gelangten, zur Lösung der Spiritusfrage konimen .sollte.. Unter dem Einfluß dieser Nachrichten ist der Kampf um die Reform der Spirituswirtschaft etwas abgecbbt und die Ocfsentlichkeit erwartete die Entscheidung der Regierung. Nach Ablauf von zwei Monaten aber ist cs nicht einmal zur weiteren Verlängerung des von der Regierung-abgeschlossenen und abgclaufenen Vertrages gekommen. Die weitere Wirtschaft der SpirituSvcr- wertungsgesellschaft erfolgte außerhalb des Vertrages, fä außerhalb des Gesetzes. In dieser Zeit beginnt man in der politischen Oeffentlichkeit Erwägungen darüber mit allem Ernst flnzustellen.(angeblich aus juristischen Kreisten)/ daß bi» zu jener Zeit, bis zu welcher die Regierung über-die Verlängerung de- Vertrages mit bet SpirituSverwertnngSgeseUschaft nicht entschieden hat, diese Gesellschaft Wetter mit dem Spiritus nach Fug Und Recht Wirtschaften könne. Diese zweifelhafte Argumentation" ist aber bald verstummt,-nachdem eine entgegengesetzte RechtSanschauüng zum Ausdruck gebracht wurde: daß im Sinne der geltenden Bestimmungen de» Gesetzes da» Finanzministerium sofort am Tage nach Ablauf der Gültigkeit de» Vertrage» mit der SpirituSverwertungsgesellschast einfach die Bewirtschaftung des Spiritus im Namen und auf Rechnung des Staates hätte übernehmen sollen. Die Gcsamtöffcntlichkeit war überzeugt, daß e» in kurzer Zeit endlich zur tatsächlichen Regelung in diesem einige Jahre bereits sich hinziehenden Spiritusskandal kommen werde. ■ Obzwar seit dem Erlöschen de» Vertrage» bereits neun Monate verflossen sind, obzwa? die Regierung im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen ihre Zustimmung zur Verlängerung des bisherigen Vertrage» nicht gegeben hat, obzwar mit der Spiritusverwertungsgesell- schast kein neuer Vertrag abgeschlossen wurde, obzwar das Finanzministerium der Regierung gegenüber in einem eigenen Gutachten dargelegt hat, daß die bisherige Spirituswirtschaft „ex lex", das ist außergesetzlich, sich vollziehe, obzwar dieses Ministerium eine baldige Erledigung der ganzen Angelegenheit der Spirituswirtschaft verlangt hat, geschah bis heute in dieser Frage nichts— rein gar nichts. Der Präsident der Republik empfing am Donnerstag den uruguayischen Gesandten Gomez, weiters den Justizminister Dr. D i r e t und schließlich den General des.Sanitätswesen» Dr. Fischer. Sodann lud der Präsident den Prager Primator Dr. Meter Z e n k l mit Gemahlin zum Mittagessen ein. Diätenksnflikt im Klub der Rationalen Bereinigung. Ein bezeichnende» Licht auf die Verhältnisse im Lager der Nationalen Bereüiigung wirft ein Konflikt, der Donnerstag in der gemeinsamen Sitzung der beiden Kammern der Nationalversammlung zur Verhandlung stand. Bei allen Klub» ist«» üblich, von den Diäten der Parlamentarier mit deren Einvernehmen entsprechende Beiträge für Klubztvecke gleich bei der Auszahlung durch die Parlamentskasse abziehen zu lassen. So war e» auch bei der Nationalen Vereinigung. Nuymehr haben aber drei Parlamentarier der Nationalen Vereinigung, die der Stiibrnh-Nichtung angehören, an da» Präsidium da» Ersuchen gestellt, von ihren Diäten kein c Abzüge mehr an die Klubkaffe obzuführen/ da sie sich nicht mehr al» Klubnntglieder betrachten. Der Klub der Nationalen Vereinigung erhob dagegen jedoch Einspruch mit der Begründung, daß die drei- Parlamentarier— e» handelt sich um die Abgeordneten Kut, Jng. Schwarz und Smetanka— au» dem Klub formell nicht a u» g e t r e t e n sind und daher die übernommene Verpflichtung zur Abgabe eine» Teiler der Diäten an die Klubkaffe weiterhin zurecht bestehe. Die Präsidien der beiden Häuser. faßten nach längerer Debatte über Antrag Dr. Heller» den Beschluß, sich In diese Streittgkeiten merltorisch nicht einzumischen, sonder» die Abzüge.bi» zur endgültigen Klärung, ob die Genannten noch al» Mitglieder de» Klub» zu betrachten sind, an der Kasse zurück« zubehalten. Leider aus Deutschland für eine Wiener Terrorgruppe der Nazi Wien. Zu der Verhaftung der nationalsozialistischen Terrorgruppe, welche bekanntlich mehrere GaS- und Stinkbonibenanschläge auf dem Gewissen hat, teilen die Blätter mit, daß der Führer der Gruppe der in Wien XVI. wohnhafte 34jährige Adolf Brückner war, der sich zur Zeit mit seinen zehn Genosse» in Haft befindet. Brückner beteiligt« sich an d«n GaSbomben- anschlägen in der Staatsoper, ini Hofburgthea- ter, im KonzerthauSsaal, bei Kruppnik und Gerngroß. Als Brückner verhaftet wurde, war er gerade im Begriff, die deutsche Grenze bei Salzburg zu überschreite». Bei Brückner fand man verschiedene Schriftstücke, aus denen hervorgeht, daß der Angchaltene systematisch a u s D c u t s ch- lnnd Geldbeträge erhalten hatte,«nd daß er an seine Genossen regelmäßig« Honorare auszahlte. Brückner war bereit- im Vorjahre int April verhaftet worden, mußte jedoch wegen Mangels an Beweisen auf freien Fuß gefetzt werden. JUNGES WEIB e VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT Sie würde ihn vergessen, und sie würde einen anderen nehmen: Truckenbrott vielleicht oder Alexander Bernd... Grausam durchschnitt ihn der Gedanke an dieses Allerletzte: Veronika, eine» anderen Mannes Fraul Es würgte und preßte ihn,»nd eine namenlose Sehnsucht nach dem Kinde erstickte de» blindwütigen Wunsch in ihm, das Leiben fortzuwerfen, achtlos und verächtlich als ein unwertes Ding. Das Kind würde bleiben. Aus aller Qual und aller Liebe nichts als das Kind. Alles war vergebens gewesen, alles umsonst. Das Kind würde das verlorene Leben weitertragen, doch auch da» Kind würde den Kreislauf nicht vollenden und die Schmach nicht auslöschen könne», daß sein Vater auf dieser Erden nichts hinterlassen hatte als Elend und Kummer und aufs neue Not und Qual... Auf dieser Erden... Und stärker als die Sucht nach dem Tod und gewaltiger als dar Sehnen nach dem reinen Antlitz seines Kindes wurde in dem Manne ani Fluß das Begehren, das Gesicht in die Erde zu vergraben, den Körper an diese Erde zu werfen, nm Ruhe zu trinken aus ihrer atmenden Ewigkeit und einen neuen Maßstab zu gewinnen an ihrer unerschütterlichen Kraft. Erde im kleinen Dorf hinter der Welt, Erde unter dem Haus, in dem das Kind jetzt schlief,Erde seiner Dauern, seiner Heimat... Erde, auf der die. alten, verfallenen Häuser standen, die Katen, die Ställe, der Gasthof niit den Schwalbennester« im schmutzigen HauSgang... Und nun war auch das Bild des alten Mädchens aus deni„Hirschen" noch in dieser Nacht; des Mädchens, das nun sterben würde, sterben müßte wie Jeannette und manche andere wohl, solange es noch nicht gelungen war, mit unfehlbaren Waffen gegen da» Gespenst der Krankheit ins Gefecht zu ziehen. Und er, er glaubte, einem persönlichen Schicksal erliegen zu dürfen, wo es in seine Hand gegeben war, Stein um Stein zu schichten, Stufe auf Stufe zu brechen, zu seinem Teile mitzuhelfen, bannt dereinstcns jenem Letzten auch noch das gelang, was heute noch nicht gelungen war/ noch keine»!, auch nicht diesem Dr. Fleith.,..? Im Geheimfach de».Schreibtisches zu Hause lagen die Auszeichnungen dieses seltsamen Menschen, seine Berechnungen, die Irrtümer enthalten möchten und doch neue Wege weisen konnten. In den Jahren der Heimatlosigkeit, da Truckenbrott ihm nachstellte, ihn herumhetzte, hatte er im Verborgenen an diesen Aufzeichnungen weitergearbeitet, hatte sie geprüft, verworfen, wieder vorgenommen. Und in den schlaflosen Nächten Im kleinen Dorfe ahtte di« Schreibtischlampe im Ar- beitszimnier des Doktors bis in den frühen Morgen gebrannt,-, und die Leute, die auf die Felder gingen vor Tagesanbruch, konnten ihn fitzen sehen, starr über den Tisch gÄeugt, sinnend, rechnend, experimentierend. Sinnlose Arbeit, hatte er sich immer wieder gesagt, sinnlos, denn weder Apparate noch Instrumente und Räumlichkeiten der einfachen Landarztpraxis genügten, um ein hier begonnenes Werk zum Erfolg zu führen. So hatte er die Arbeit aufgegeben, weil er wußte, daß er e» allein doch niemals schaffen würde. Truckenbrott, dachte er manchmal, Truckenbrott wäre der richtige Mann... Ja, Truckenbrott, an den er nun Veronika verloren hatte, verloren, auch wenn sie zürückkömmen würde. Verloren, denn die Liebe war zerwürgt. Zuviel Qual war er gewesen, zuviel... zuviel... Die Arbeit aber blieb. Die Pflicht zur Arbeit. Und wenn sein umsonst gelebte» Leben so in die Tiefe wirkt«, so Licht trüge in die Finsternis der ungelösten Rätsel, so mithülfe am Ganzen, wo ihm im einzelnen nicht mehr zu helfen war, —- dann brauchte'sich das Kind einmal nicht zu schämen, weil sein Vater ein Selbstmörder war, ein Feigling, der stich in der Nacht und wie ein Dieb aus diesem Leben schlich. Der Sturm war verrauscht. Stille und mildes Licht durchflossen den Raum. Das Licht siel au» der abgedämpften Schreibtischlampe Ttucken« brotts und schnitt sein Gesicht aus dem Dämmer, der. an den Wänden hockte und die Möbel verschat« tctc: kantige Züge zeigte das Gesicht,'Verbissenheit und Groll, Mißtrauen und eine grimme Müdigkeit, Die Stille aber strömte au» Veronika, ünd diese Stille war wie, die Stille des Waldes nach dem Aufruhr der Elemente, trächtig von ter Fruchtbarkeit der Erde und bezwingend durch die Größe de» Opfers, das Veronika brachte, al» sie sich allen Stolzes entledigte und zum zweiten Male als Bittende zu einem Unerbittlichen kam. Doch schrecklich für Veronika war nicht die Bitterkeit, die dieser Gang bedeutete, denn nicht» konnte hu schwer für sie sein und nichts zu erniedrigend, al» daß sie es nicht freudig auf sich gcnomtnen. hätte für ihren Mann,—' schrecklich war nur die erst« Sekunde des Wiedersehens.mit Truckenbrott- gewesen, diese erste Sekunde,-in der"er geglaubt hatte, sie sei ihrem Mann davongegangen und kehre nun endgültig HU ihm zurück. Entsetzlich di« ungläubig-gläubige Freude auf diesem unbarmherzigen; von Schicksalsschlägen erschütterten Gesicht, peinigend die bedingungslose Bereitschaft, mit der der Manü Camillo Truckenbrott für Berotiika, die Frau eines anderen,'wieder da sein wollte," wenn sic nur zu ihm kam, nur bei ihm blieb und nur den änderen verließ. Und fast übermenschlich die Kraft, die cS/erfördette, das alle» zu zerstören/die Wahrheit zu sagen und nichts al» sie... »Du kommst zu mir.. hatte er. gestammelt, und er hatte sich verfärbt, sie aber mußte den Kopf schütteln mit unendlicher Anstrengung: „Ich wollte nur... ich wollte..." Und er wußte genug, und nun' half er ihr auch nicht, nun sollte sie sich nur im Staube vor ihm wälzen. Er fand Gefallt» an dieser Vorstellung: im Staube wälzen... Nun sollte sie nur mit Worten ringen, Worten au» ihrem, schmalen, hochmütigen Mund, nun sollten ihre Augen nur brennen in- der Demut, mit der sie für einen anderen batI Er hatte sie angesehen, von oben dis unten, ganz langsam, schneidend sie gemustert vom Scheitel bis zur Sohle aus zusammengeknisfencn Augen: „Gut stehst du au», Veronika l Schön zugerichtet hat dich dieser Lump.l" Und ihr Mund hatte gezuckt im Widerspruch, im unterdrückten Weinen, im versuchten-Lächeln, und nichts war über diesen Mund gekommen al» ein tonloser Atemholen, weil sie zu ersticken drohte. Dann hatte sie im Stuhl gesessen, die Hände recht« und link» um seine Lehne gekrampft, den armentiefumschatteten Glick auf Truckenbrott' gerichtet, ander» al» damal», da sie zu. ihm kam, ein gegebene» Wort zu brechen. Damals war noch Mut in ihr- gewesen und ein mitreißender.Schwung, damals hatte sie für--einen herzerschütternden Augenblick'lang die Hände zusammengetan und sie zu ihm erhoben, damal» hatte sie gefleht:„Du mußt e» doch verstehen, gerade dann, wenn du mich liebst, gerade dannl Wenn du mich'siebst, dann mußt du jhn in Frieden lassen, Camillo Truckenbrott. Wjr hatten Freunde werden wollen, weißt du noch? Du.darfst ihn micht vernichten, nein, da» darfst' du- nicht, denm'mich triffst du in ihM, nur michl" (Fortsetzung folgt.)' Nr. 118 Freitag, 21. Mai 1937 Seite 8 'fudetcndeutsrfier Zeitspieget Statt Mutterschulung— Volksverführung Eine Spitzenleistung des SdP*Landesvertreters Prelbsch Der SdP-LandeSvertreter Preibsch au» Brünn hielt kürzlich in W i g st a d t l im Rahmen eines von der Deutschen Jugendfürsorge veranstalteten Mutterschulungs- Kurses einen' Vortrag, dessen GiPfeNeistungen und dessen Tendenz der weiteren Oeffentlichkeit nicht verschwiegen werden dürfen. Herr Preibsch benützte diesen Vortrag nämlich zü hemmungsloser Verherrlichung Hit« lerdeutschlandS und zu möglichster Herabsetzung der tschechoslowakischen Demokratie. Preibsch stellte da) Dritte Reich bevölkerungspolitisch als„rühmliche Ausnahme" dar und pries als einen Beweis der „sittlichen und geistigen Erneuerung", deren sich Deutschland unter Hitler freue, die außerordentliche Gebärfreudigkeit der Frauen drüben. Sei aber Hitler-Deutschland in jeder Hinsicht«in „Musterstaat", so sei anderseits die TSR— laut Preibsch— durch einen„demokratischen Wirrwarr" gekennzeichnet; bevölkerungspolitisch wirke sich der so aus, daß hier zu viele„Untermenschen" gezeugt werden, deren Ausrottung durch Sterilisierungsmethoden i la Drittes Reich betrieben werden müsse, denn sonst— wir zitieren nach der Troppauer„Bollspresse"—„erfüllt sich am Ende der angebliche Ausspruch des Staatspräsidenten Benes, die Tschechen brauchten die Deutschen hierzulande nicht weiter beachten, weil diese ja sowieso bald aussterben werden". Man wird diesem Herrn Preibsch rasch und gründlich das Handwerk legen müssen l Ein Ländesvertreter, der Aussprüche erfindet, die der Staatspräsident nie. getan hat, ein öffentlicher Funktionär, der das faschistische Reich als Musterstaat verherrlicht und unsere Demokratie schmäht, ist eine Erscheinung, di« energisch zum politischen Verschwinden gebracht werden mühte I Hören wir noch, dah zu diesem Vortrag über„Mutterschulung" die deutsche Jungturnerschaft als Besucherschaft niobilisiert worden war und daß siebzehn- und achtzehnjährige Menschen durch Herrn Preibsch innerhalb der Deutschen Jugendfiir« s o r g e solcher„Schulung" unterivorfen wurde, dann ist er wohl doppelt klar, dah die Mögliäikeit einer Wiederholung solchen Exzesses unbedingt verhindert werden muhl Aus Hitlers Kerker endlich frei! Am 16. Aull 1934 wurde der Genosse Franz A s ch« r l von Fichtcnbach bei Vollmau, als er beim Beerenpslücken einige Meter über die bayerische Grenze gegangen war, von Gendarmen und SA-Leute vor den Augen seiner Frau sestge- nomme» und verschleppt. Man konnte lange nicht den Grund der Festnahme erfahren, bis man dann am 6. Feber 1938 in Nürnberger Tageszeitungen lesen konnte, dah Ascherl und tvcitere fast 109 ehemalige Sozialdemokraten in Bayern vor dem Obersten Landesgericht in München wegen Hochverrat prozessiert wurden. Es wurden- Zuchthausstrafen von fünfeinhalb Jahren, vier Jahren, dreieinhalb Jahren usw. verhängt. Ascherl bekam zweieinhalb Jahr« Zuchthaus zudiktiert, weil er angeblich Drucksachen über die bayerische Grenze gebracht hatte. Im November 1936 erhielt Frau Ascherl die Mitteilung, dah ihr Mann am 4. Feber 1987 aus dem Zuchthaus Amberg entlassen werde.... Die,Frau und.der kleine Junge freuten sich auf die Heimkehr des Vaters. Aber Ascherl kam nicht nach Hause. Denn al» seine Zuchthausstrafe um ivar, wurde er von der G e st a p o Nürnberg aus dem Zuchthaus Amberg abgeholt. Erst durch energisches Bemühen der Behörden der Tschechoslowakei gelang es, den Genossen Ascherl am 16. Maifreizübekom- m e n. An diesem Tage wurde er von einem Hit- lerbeamten an die tschechoslowakische Grenze überstellt. Rufmord Unter diesem zutreffenden Titel beschäftigt sich unser Karlsbader„Volkswille" in seinem donnerstägigen Leitartikel neuerdings mit der abscheulichen Kampagne, die die SdP gegen den Karlsbader sozialdemokratischen Vizebürgermeister H o I i ck entfaltet. Der„Volkswille" knüpft daran an, dah nun auch die„Z eit", den lokalen Henleinblättern folgend, die Hetze zu verstärken bemüht ist und sogar ein« O p e r a t i o n, der sich Holick eben unterziehen muhte, zum Anlah nimmt, um weiter Verdächtigungen gegen ihn auSzustreue». Und dies, obwohl der Gehetzte bereits gegen das„Karlsbader Badeblatt" einen Strafantrag tvegen Ehrenbeleidigung, und gegen den SdP-Werüeleitcr Rödlliach eine Anzeige wegen versuchter Nötigung erstattete und obzwar die Staatsanwaltschaft bereits mit der Sache besaht ist. Außerdem hat Holick nicht weniger als neun Prozesse gegen Sachwal- ter der SdP, bzw. gegen Gerüchtemacher aus diesen Kreisen eingebracht. Nunmehr, nachdem di« Kronzeugin der SdP gegen Holick als«he» nialige Prostituierte nicht gute Figur macht, sind andere Frauen mobilisiert worden, die durch Amtswalter der SdP und durch einen SdP» Anwalt gegen Holick aufmarschieren. Der Karlsbader„Bolkswille" schreibt hiezu:,... „Das'Material" wurde Holick vorgelegt, der sich auch dazu äußerte. Wir sprachen mit ihm darüber, können aber selbstverständlich, da in jedem solchen Falle eine gerichtliche Untersuchung durchgeführt werden muh, dieser Untersuchung durch die Veröffentlichung der Antwort Holicks nicht vorgreifen. Wir können nur sagen, dah aus Holick, da er sich äuherte, die flammende Empörung«ine» unerhört in seiner Ehre angegriffenen Manne» gesprochen hat. ES wird nicht wenig Erstaunen geben, wenn wir in der Lage sein werden, den Inhalt des Materials, die Anzeigerinnen und die Zeitpunkte im Druck festzuhalten." Das zitterte Blatt erinnert dann noch daran, daß Holick vor etwa anderthalb Jahren von I Leuten niedergeschlagen wurde, die sich nicht seststellen ließen, über deren politische Zugehörigkeit aber kein Zweifel bestehe. Tatsachen genug, um darzutun, dah die treudeutschen Henleins hier mit allen Mitteln einen politischen Gegner zur Strecke zu bringen entschlossen sind. Sozialdemokratische Kundgebungen In Grulich und Landskron Ein prompter Gegenschlag Unsere rührige KreiSorganisaiion Landskron hat den pfingstlichen Henlein-Rummel in Ostböh- men sofort mit einer politischen Gegenoffensive beantwortet. Mittwoch nachmittag» sprach im Schützensaal in Grulich Abgeordneter Genosse I a k s ch über den Volksbetrug der SdP und die FriedcnSziel« der Sozialdemokratie. Trotz der ungewohnten Stunde und des lockenden FrühlingS- wcttcrs hatten sich 699 Zuhörer und Zuhörerinnen cingckunden, welche hart an der Grenze des Dritten Reiches ein Bekenntnis zur Demokratie ablegtcn. Spät abends sprach I a k s ch im überfüllten Saal des Landskron er Arbeiterheims. Seine Rede wurde mit Lautsprecher in die Ncbcnräume und auch für jene zahlreichen Besucher übertragen, welche im Arbeitcrheim keine» Platz mehr finden konnten. In der kleinen Bezirksstadt war die Zahl von rund 1299 einheimischen Besuchern— unter denen sich auch zahlreiche Anhänger der anderen aktivistischen Parteien befanden— wahrlich imposant zu nennen. Sowohl in Grulich als auch in Landskron sprach in der Debatte der als Gast erschienene englische Genosse Rennic Smith in deutscher Sprache. Seine wirksame Betonung des englischen Friedenswillens und der absoluten Solidarität der britischen Arbeiterpartei mit den freiheitlich gesinnten Sudetendeutschen erntete, ebenso wie die Ausführungen des Genossen' Jaksch, stürmischen Beifall. In Landskron, wo Genosse Fachlehrer I l l- n e r die Kundgebung leitete, war auch die Intelligenz In rühmenswerter Zahl vertreten. Für die Verständigung der Nationen In der politischen Debatte, die auf dem Par- - teitage der ttchechischen Sozialdemokratie abgeführt wurde, sprach auch Dr. Eier-Brünn, der sich inS- '' besondere mit der nationalen Frage befahie. Redner sagte u. a.: Die Zusammenarbeit der deutschen und der tschechischen Sozialdemokratie hat die Atmosphäre geschaffen, in welcher der Pakt vom 18. Feber 1987 geboren wurde. Diese.Zusammenarbeit ist weiter notwendig, um den nationalen Ausgleich gegen die Sabotage des deutschen und tschechischen Chauvinismus im täglichen Leben Schritt auf Schritt zu verwirklichen. Nie hat die Geschichte den Völkern unserer Republik und besonders unseren Parteien gröhcre Aufgaben auferlegt und ein gröheres Ziel gegeben. Indem wir für, den nationalen Ausgleich im Rahmen des tschechoslowakischen Staates im Geiste des Paktes vom 18. i Feber arbeiten und kämpfen, arbeiten wir und kämpfen wir für den internationalen Ausgleich im I Das Denkmal der unbekannten Proletarierin Unter diesem Titel hat Alfred Klein- b e r g, als erfolgreicher literarischer und kulturkritischer Schriftsteller über die Grenzen, unserer Heimat bekannt, in Verbindung mit Fanni B l a t n», der Führerin der deuttchen sozialdemokratischen Frauen in der Republik, ein mehr als 269 Seiten starkes Buch herauSgegeben, welches die Geschichte der sozialdemokratischen Frauenbewegung von ihren Anfängen bis zum Weltkriege(1914) erzählt und in der Tat das Hohe Lied der unter doppelter Sklaverei leidenden,- alle Hindernisse überwindenden, bildungshungrigen und freiheitsdurstenden sozialistischen Proletarierin geworden ist. Die deutsche sozialdemokratische Partei hat hier ein Buch erhalten, das die Allen in wehmütigem Gedenken an da» Gcstern lesen werden und das für die Jungen ein Buch der Erhebung werden und sie befähigen wird, den Kampf Um das Morgen zu führen, belehrt durch die Erfahrungen der Vergangenheit und angespornt durch die Opferfähigkeit jener, die den Grund gebaut haben, auf dem wir stehen.") Mit Recht betrachten die Verfasser all» Gockel des Monumentes, ,Jbai sie der unbekannten Proletarierin errichten, eine--Schilderung„des grauen, häßlichen Alltag»,.., der die Leiber zerstört und dje Seelen verkrüppeü hat", nämlich die. wirtschaftlichen und sozjalen Verhältnisse,- denen die Arbeiterbewegung entsprang. E» witd uns da» bereit», aus früheren-literarischen Erscheinungen bekannte grauenhaste Bild der Le*) Alfred Klei»berg in Verbindung mit Fannivlatnh:„D arD enk m al d er u n b«'k an nt en P r o l et ar i« r in". Die s u d« t e n d e u t s ch e A r hei t« ri n.n«n- bewegungbir zum Welt krieg. ^(Karlsbad, Druck- und BtrlagSanstalt Graphia, XU, 264 8., kart. Kt 26.—, Ad. Xk 89.—.) benr«, Ernährung!- und Wohnverhältnisse der Zeit um di« Mitte des Jahrhunderts vor Augen geführt. Die Ueberarbellung von Männer», Frauen und Kindern, die maßlose Ausbeutung, da» elende Leben der Menschen wird uns plastisch gezeigt, wir empfinden die ganze entsetzliche„geistige und kulturell« Primitivität", welche diese» Geschlecht erfüllte. In systematischen, der mate- rialisttschen Geschichtsauffassung entsprechendem Aufbau wird uns nach der ökonomisch-sozialen Schilderung ein Bild"der österreichischen Politik gegeben, also da» politische Milieu gezeigt, in welchem die österreichische Sozialdemokratie entstanden ist, deren Geschichte übersichtlich dargestellt wird, So sichen wir den Umkreis, in dem die sozialdemokratische Frauenbewegung«ntttand, wir erkennen die Wurzeln, au» denen der Baum der sozialdemokratischen' Frauenorganisation gewachsen ist." Kleinberg verschweigt an vielen-, Stellen nicht, dah anfangs innerhalb der Sozialdemokratie nicht überall Verständnis für die Betätigung der Frau in der Partei vorhanden war. Erst August Bebel» große» Werk„Die Frau und der Sozialismus" hat. der stzzialdrmokratischen Frauenbewegung«ine-.sichere ideelle Grundlage gegeben. Di« Einbeziehung der Frauen in eine Reihe von Berufen und diese-ideelle Entwicklung waren e», welche die; proletarischen Frauen zu sozialistischen Kämpferinnen- gemacht haben. Schon in den achtziger Jahren traten—- was bisher wenig bekannt war— biedersten weiblichen Pioniere in, der sudeteydeutsihen Arbeiterbewegung'auf,,; wie Anna Ma tauch aus Krze- musch bei Bilin.JohannäEi SI er aut Josess- thal— aber vor allem vier Frauen, die dann in der'Partei später eine veoeüteichere Rolle gespielt haben: Anna Altmann-Urbantschky in Nordböhmen, welche stolz-darauf-sein-kann, in der etsten-.Arbeiteriynenbersammlung in Wien gesprochen gu haben, in Nordostböhmen Marie Spöner und Aurelia Roth und in Westböhmen Sophi^ Jobst— die al» die erste Jüh» rerinnengeneration unserer Frauen bezeichnet werden können. Starke Anregungen empfingen die sudetendeutschen Sozialistinnen von Wien, wo seit 1891 Adelheid Dvokäk, spätere Popp, zu wirken begann und wo am 1. Jänner 1892 zum erstenmal die von Ihr geleitete„Arbeiterinnenzeitung" erschien, die bis zur Auslösung der alten Staates unseren Genossinnen das geistige Rüstzeug zu ihrer politischen und Erziehungsarbeit lieferte. In einzelnen Orten wurden damals die Frauen in Arbeiterinnenvereinen zu» sammengesaht, die zu Ausstrahlungspunkten der Bewegung wurden. Im April 1898 trat dann die erst« Frauenreichskonferenz der deutschen Sozialdemokratie Oesterreichs zusammen, welche ein Frauenreichskomitee schuf, so dah die Frauen» organisatwn der Partei eine„legale" Führung hatte. Nun erst konnte man darangehen, die proletarischen Frauen systematisch für die Sozialdemokratie zu gewinnen und in allen Gebieten Frauenversammlungen abzuhalten und zu werben, die Mästender Frauen, aufzurufen zum Kampf um gleicher Recht und politische Freiheit — den Frauen war es im alten Oesterreich verboten, politischen Vereinen anzugehören. Nach einem kurzen Rückschlag, den di« sozialdemokratische Frauenorganisation ebenso wie die allgemein« Arbeiterbewegung in den ersten Jahren de» neuen Jahrhundert» erlitten, kam dann der Umschwung, den der Endkampf um» allgemeine Wahlrecht bracht« und der di« Zahl der gewerkschaftlich und politisch organisierten Frauen anschwellen machte. Trotzdem der Sieg im Feldzug um dar Wahlrecht den Frauen dieses Recht nicht brachte, wurde der Zustrom der Frauen zur Sozialdemokratie dazu benützt, um der Organisation der Frauen feste Formen zu geben, auf dem Pärteitag vom Jechre 1997 wurde beschlossen, eigene Frauensekttonen in der Partei mit eigenen weiblichen BertrauenSperso« n« Ä» Leben zu rufe». Ebenso wurden Frau«« Der Zeppelin Ist— nicht von Zeppelin Di« starren, ganz au» Aluminium gebauten gaSgefüllteu Luftschiffe heiße» zu Unrecht Zeppeline: Denn sie wurden nicht vom Grafen Zeppelin erfunden, sondern von dein Oesterreicher David Schwarz. Darüber berichtet ausführlich„A B C", eine neue illustrierte Wochenschrift, deren erste Nummer soeben erschienen ist. Sie umfaßt 16 Seiten in Tiefdruck und bringt neben aktuellen Bildern au» dem Inland und vom spanischen Kriegsschauplatz eine Reportage über da» Ouecksilberbergwerk in Almaden von Egon Erwin Kisch, eine Novelle von Frantwek Langer, den Fryntbrief eine- Tschechoslotvaken, Kurzgeschichte», Bilderberichte und Humor. ABC ist überall erhältlich und kostet trotz seine» Lberaut reichen Inhalte» und der vielen, schönen Bilder nur XL 1.89. Rahmen Europas im Geiste diese» Paktes d. i. auf der Grundlage der Dcmolratie bei Ablehnung der kriegerischen und völkerverhetzendcn Prinzipien des FührertuniS, der Totalität und des Rassenwahnsinns. Wir kämpfen hicniit sür unsere Rcpubiik. aber auch gleichzeitig sür die Freiheit des unterdrückten deuttchen Voiles im Dritten Reich. Denn wenn es richtig ist, dah jeder Tag des Friedens den Faschismus militärisch schwächt, dann ist der nationale Friede in unserer Republik, dann ist der Friede unter den Völkern indirekt sein politischer Totengräber. Diebstahl und Veruntreuung durch Henlein-Funktionäre In I aronin(im Krummauer Gebiet) tvurde der Sekretär der SdP., Johann P e t- scher, der die Amtsgeschäste für den Bezirk Kalsching nebenamtlich besorgt, unter dem Verdacht verhaftet, nach einem von der SdP. am Pfingstsonntag veranstalteten Bergfest einem Gastwirt den ganzen Geldkorb cnt- w e n d e t zu haben. Da die tvackeren Henlein- leute bis vier Uhr morgens gezecht hatten, dürfte es sich nm einen ansehnlichen'Betrag handeln. Pctscher wurde dem Bezirksgericht Kalsching eingeliefert. In Z l a b i n g s(Bezirk Znaim) wiederum stellte die Gendarmerie fest, dah Kamerad Konrad O e st c r r c i ch e r, der Gründer und Hauptmacher der Hcnleinpartei am Ort, als Kassier der Stierzuchtvcrwaltung der Gemeinde einen ansehnlichen Betrag unter- s ch r u g. Die„Partei der Reinheit und Ehre" macht also überall und allerhand von sich reden I Tödlicher Unfall in Böhm.-Röhren. Bilm Holzverladen im Revier B. Röhren ereignete sich vergangene Woche ein tragischer Unfall,- benr ein lunger Menschenleben zum Opfer fiel. Die Firma Ferns, B. Bndweis, führte mit einem Lastauto -dem Sägewerk H a in p l in Leimsgrub Holzklötze zu. Beim Ausladen im Revier kamen beim Glctchrichten der Last di« Klötze ins Nollen, sielen vom Auto und rissen den Arbeiter Kölbl au» B. Röhren mit hinab, welcher durch die auf ihn fallenden Bäumt einen Schädelbruch erlitt und sofort tot war. Der Mitfahrer wurde leicht verletzt. bczirls-, Kreis- und LandeSkomittes gebildet, seit 1911 gab es auch eigene„Frauentage", an Ivelchcn die Frauen aufgerufcn wurden, ihre Forderungen vor der gesamten Oeffcnttichkeit zu vertreten. Kleinberg schildert nun nicht nur die politischen Verhältnisse des alten Oesterreich in den letzten Jahren vor dem Weltkrieg und den allgemeinen. Entwicklungsgang der sozialistischen Frauenorganisation, sondern gibt auch ein Bild der sozinaldemokratischcn Frauenbewegung in den einzelnen Gebieten der Sudetenländer. So erzählt er von dem Wirken Anna P e r t h e n s in Bodenbach, Fanni Neumanns in Aussig, Anna A st« r s in Teplitz, Marie S P o- n e r S und Elsa M a c o u n S in Reichenberg, Emmy L ö w s in.Karlsbad, Emmy Freundlichs und Julie H a ck enbergs in Mähren, Marie I o k l S in Schlesien. Die Wirksamkeit dieser und zahlreicher anderer Frauen bewirkte, dah die Bewegung sich auSbreitete, der Baum Ring um Ring ansehte— bis der Weltkrieg diese ganze Epoche abschloh. Uebcrblicken wir die Geschichte der sudetendeutschen sozialistischen Frauenbewegung von den achtziger Jahren bi» 1914, so haben wir vor un» da» Gemälde heroischen Ringens, Opfermut» und einer Aufwärtsbewegung, die sich asten Hindernissen zum Trotz durchsetzte und in den heute Lebenden, in den jungen Frauen und Mädchen von heute die Erkenntnis nicht nur von den großen Opfern und der Begeisterung derer erweckt, welche an den Grundmauern des Hauses gebaut haben, in dem wir leben, sondern auch das Wissen davon wachrust, dah alle» Große nur durch harte Arbeit, erzieherische und organisatorische, erreicht werden kann. Möge viel- und von vielen Genossinnen und Genossen zu deren Rutz und Frommen ein Buch gelesen werden, für da» wir Fanni Blatny, di« mit Fleiß und Liebe das Material zusammengetragen und Alfred Kleinberg, der dem Ganzen Gliederung und Form gegeben hat, dankbar jmd. 'Seife t Freitag, 2.1. Mai 1037 ""yr-n Sachverständige am„Hindenburg"-Wrack Unmittelbar nach der Katastrophe in Lakehurst begannen die amerikanischen Behörden eine llnfersllchung.!der:Ursache, der das 8uftWff.,,Hjnd.enhustz".^>lm jypfer gefallen Die Lprscke 6er l.uttmür6er „Wenn Ich frelkemine, schiehe ich nicht mehr mit Floiertpiftolen, dann schaffe ich mir ein Maschinengewehr an..." (Ausspruch des Lustmörders Stipänek zu einem Zellengenossen-! (rb) Die gesamte Oeffentlichkeit verfolgte den Prozeß gegen den bestialisch entarteten Men» scheu, der vor demLeitmeritzer Schwurgericht zum Tode verurteilt wurde, mit Grausen und Entsetzen. Der Wunschtraunr dieses„Werwolfes", Ivie ihn der Staatsanwalt nannte, von der primitiven Waffe zum technischen Instrument des Massen- mordes übergehen zu können, um seinen sadistischen Blutdurst zu stillen, legt den Gedanken nahe, wie Leute seines Schlages sich betätigen würden, wenn ihnen tatsächlich M a ch t über die Maschinengewehre gegeben wäre. Dies ist nun keineswegs eine rein theoretische Betrachtung, denn die Ereignisse der letzten Jahre haben ja augenscheinlich demonstriert, wie sich der Blutrausch entarteter Menschen auswirkt, wenn sie zu politischer Macht gelangen. Schon bei der Verlesung der schriftlichen Dokumente, in welchen dieser sadistische Werwolf seine schrecklichen Gelüste niederlegte, springt die Aehnlichkeit mit gewissen literarischen Erzeugnissen der n a z i st i s ch e n„Literatur" und „Poesie" ins Auge. Die blutrünstigen Verge- lvaltigungsphantasien, die er in dem fingierten Brief der angeblichen Selbstmörderin produzierte (er verlieh der angeblichen Briefschreiberin die Anfangsbuchstaben des Namens seiner Geliebten, die er aufrichtig geliebt haben will), könnten ohne lveiteres in dein von dem berüchtigten Sadisten Julius Streicher herausgegebenen „Stürmer" stehen, wobei dieser Busenfreund des„Führers" natürlich einen jüdischen Schuldtragenden dazu erfinden müßte. Wenn in diesem Briese, diesem greulichsten Erzeugnis einer abwegigen Phantasie, anschaulich geschildert wird, Ivie die angebliche Briefschreiberin ihrem neugeborenen Kinde„e i n g r o ß e s s ch a r's e S M e s- ser in den Leib gestoßen habe"(hierauf schnitt sie sich angeblich die Brustwarzen ab) — so erinnert man sich unwillkürlich an den Refrain der Nazihhmne:„Wenn" Inden- bl u t vom Messer spritzt, dann geht's nochmal sogut..."?> Wer erinnert sich nicht an die gräßlichen Phantasien von der «N a ch t der langen Messer", an die „Käufe, die rollen würden" und andere Kundgebungen bestialischer Instinkte, In denen sich die Bewegung, die sich als Offenbarung des deutschen Geistes bezeichnete, ausleben konnte und die gar als höchste Kundgebungen einer erlesenen Rasse gefeiert wurden und werden? Wir könnten noch weiter zurückgehen, zu den Vorläufern Hitlers, zu dem Klüngel entwurzelter Gesellen, die, verroht durch das LandSknechtStuni des Krieges und der ersten Nachkriegsjahre, den Meuchelmord zuerst als politisches Kampfmittel in deutschen Landen zur Anwendung brachten. So sangen diese Vorgänger der nazistische» Barbarei seinerzeit, nach der„Umlegung" Erzbergers und Rathenaus: „D an»killen Wirde»Rathenau, die gottverdammte 2 u d e n s a u..." ES waren Repräsentanten einer schwerkranken Generation und einer Zeit, die den Abschaum der Nation zu deren Herren machte. Menschen mit den Instinkten von schweren Sadisten und Lustmördern, deren widernatürlicher Blutgier tausende und aber tausende Schuldloser in den Kon- zentrationSlag.rn und Marterkellern zum. Opfer fielen. Man niag es dem zum Tode verurteilten Sttpänek glauben, daß er sich nach dem Maschinen- gewehr sehnt, um seinen Mordgelüsten in ausgiebiger Weise frönen zu können. Er wäre einer von denen, die sich in den Mörderscharen der Reaktion aller Länder hervortaten— in Ungarn und in Deutschland, in Italien und in Spanien, wo sich soeben erst die Mordinstinkte minderwertiger Halbmenschen in der Niedermetzelung waffenloser Einwohner, Franen und Kinder, Priester und Greise nicht genug tun können. Noch ist Gu er- n i e a nicht vergessen und schon werden neue Schandtaten solcher Werwölfe gemeldet, Wehe dem Lande, wo die Werwölfe die Macht über die Maschinengewehre erlangen I Doch die Menschheit beginnt sich zu besinnen nnd alle Anzeichen deuten daraus hin, daß die Praxis der Lustmörder, die nicht mit armseligen Floberipistolen zu Werke gehen, sondern mit Maschinengewehren, Geschütze», Flugzeugen Und Giftgasen arbeiten, dem entschlossenen Widerstand der zivilisierten Menschheit begegnen wird. Wie den vereinzelten Mörder die Richter aus dem Volk durch ihr„Schuldig!" unschädlich gemacht haben, so muß vor dem Menschheitsforum auch jenen anderen der Prozeß gemacht und der Schuldspruch gefällt werden.;. Sportflieger Arco- Zinneberg abgestürzt. Die deutsche Sportmaschine des Grasen Max Arco-Zinneberg ist Donnerstag um 11 Uhr 80 Minuten unweit Eßling bei Wien abgestürzt, Das Flugzeug ging in Trümmer. Graf Zinneberg war auf der Stelle tot. Graf Max Areo-Zinneberg beteiligte sich am Pfingstflug bis Wien, von wo er motgenS nach München startete,, wohin auch die übrigen Teilnehmer an dem Fluge gestartet waren. Der reichsdeutsche Flieger hätte sich verspätet. i 1 n't f Der unsichtbare Tod in der Pariser Metro Ein„perfektes" Verbrechen nach Schema Edgar WaHace (MLP) Paris. Der geheimnisvolle Mord/in der Untergrundbahn, genannt Mötro, hat Paris in außergewöhnliche Erregung versetzt. Die Nebenumstände— ei» lebensfrohe» junge» Mädchen, da» von einem Tanzvergnügen zürückkehrt und wenige Minuten vor der Heimkehr einen gewaltsamen Tod findet— geben ihm eine besondere Tragik, und die außerordentlich raffinierte„Technik", mit der er auSgefllhrt wurde, hebt ihn erheblich über das banale Milieu der„Durchfchnittsmorde" hinaus. Was ist das für ein Mensch, der in knapp 00 Sekunden— denn genau soviel beträgt die einzige unkontrollierbare Zeitspanne innerhalb der letzten LebenSminnten der Ermordeten— ein Kapitalverbrechen begeht und nicht nur ungesehen entkommt, sondern e» sogar noch fertig bringt, jede noch so geringe Spnr zu verwischen? Nicht nur die Polizei, sondern auch die breite Oeffentlichkeit, und unversehens grinst ihr hinter dem mhsteriösen Vorhang, der die„Affäre" verschleiert, ein Gespenst entgegen, da» der unerschöpflichen Phantasie des größten Kri» minalschriststeller» unserer Zeit sein Dasein verdankt: der„perfekte" Mörder, da» destruktive Kriminalgenie in seiner denkbar vollkommensten spirituellen und technischen Vollendung. Der Tatbestand Die Polizei hat sofort, unmittelbar nach der Auffindung der Ermordeten, mustergültige Arbeit geleistet, und die letzten Stunden der Toten liegen wie ein plastische» Mosaikbild vor un», zwischen dessen einzelnen Steinchen nur jene ominöse Lücke von knapp l>0 Sekunden Zeit klafft. Am vergangenen' Sonntag, abend» sech» Uhr, verließ Laetitia Touraux, Angestellte einer Pariser Schuherenie-Fabrik, da» Tanzvergnügen im Vorort MaisonS-Alfort, zu dem ihre Brüder sie begleitet hatten: um 18.18 Uhr besteigt sie allein den Autobus EI, verläßt ihn um 18.24 Uhr an der Endstation Porte de Charenton, besteigt um 18.27 die Mötro in der Richtung nach Auteuil, die unmittelbar darauf abfährt und wird anderthalb Minuten später an der Station Porte Dorte, der nächsten Station, in einem Abteil erster Klasse allein, tödlich verletzt, aufgefunden. Diese einzelnen Etappen sind durch einwandfreie Zeugenaussagen genau rekonstruiert worden. ES steht fest, daß Laetitia Touraux in dieser ganzen Zeit allein war. Nur für die anderthalb Minuten, die die Untergrundbahn für die Fahrt von der Porte Bon flüssigem Eisen verbrannt. In der Eisengießerei der Brüder Nemetz in Wiener-Neustadt ereignete sich eine Explosion, bei der sechs Arbeiter, darunter der 63jährige Besitzer der Gießerei und sein 84jähriger Sohn, durch flüssiges Eisen lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Flugzeugunglück bei Berlin. Ein Verkehrsflugzeug der Strecke Stuttgart—Friedrichshafen wurde Donnerstag kurz nach dem Abflug in Böblingen bei Berlin infolge unfreitvilliger Bodenberührung stark beschädigt. Hierbei kam der Maschinenfunker und ein Fluggast ums Leben. Der Flugzeugführer wurde schwer, drei Fluggäste wurden leichter verletzt. Eine Stadt in Flammen. Wie aus Manila gemeldet wird, steht die zehntausend Einwohner zählende Stadt P a r a e a l auf der Insel Luzon vollständig in Flammen. Die Zahl der Verletzten soll sehr groß sein. Die Anzahl der Todesopfer steht noch nicht fest. Der Blitz schlug in Posen in ein Spirituslager ein, zündete und verursachte einen ungeheuren Brand. Der Schaden wird auf einige Millionen Zloty geschäht. Gegen einen Telegraphenmast gefahren. Mittwoch um Mitternacht stieß im 10. Wiener Gemeindebezirk ein Kraftwagen gegen eine Telegraphenstange und ging in Trümmer. Die in dem Wage» sitzenden drei hohen Beamten'de« Donauflußamte» wurden ernstlich verwundet. Einer hievon, Oberbaurat Jng. Christian, ist Donnerstag gestorben. Eine furchtbare Bluttat hat der 42jährige Bundesangestellte Karl Dörr in Wien verübt. Er hat seine geschiedene Gattin, die 88jährige Adriane aus der im dritten Stock gelegenen Wohnung im 12. Bezirk auf die Straße geschleudert. Die Frau erlitt Verletzungen, an deren Folgen sie sofort starb. Die Polizei konnte es nicht verhindern, daß Dörr von den Nachbarsleuten verprügelt' wurde und mußte energisch zum Schutze DörrS durchgreifen. Ein Tanzfest für Rijlnftl.(London.) Die berühmtesten Tänzer und Tänzerinnen der-Welt/die sich zum größten Teil, zur Zeit in London bestnden, haben beschlossen, um Nijinski, der seit vielen Jahre» geisteskrank ist und mittellos in der Schweiz lebt, zu helfen, einen Gala-Abend zu geben, der eines der größten Tanzfeste sein wird, die man je gesehen hat. Der Abend findet am 28. Mai itg„Hi» Majesth'r Theater" statt. ES treten'», n. auf: Serge Lifar, von der Pariser Oper, die Nikitina, die Sokolowa, sowie der Ballettmeister des englischen Opern- ensembles. Ferner hat sich der größte Teil der internationalen Sänger und Sängerinnen zur Verfügung gestellt, die zur Zeit im Covent Garden auftreten. Man rechnet mit einer Reineinnahme von 80.000 Pfund, die vollkommen dem von der großen russischen Tänzerin Karsawina ins Leben gerufenen Nijinski- JondS.zufliehen sollen. Da» erbliche Rabbinat- Die Neuwahl de» Oberrabbiners von Mukakevo nach dem verstorbenen Rabbiner Spira fand.Dienstag statt. Abgegeben wurden. 670 Stinnnen, von denen der 24jährige ^.Sichwi-eLexfotzn-Kpiraß, Baruch Rabino de Eharenton bi» zur nächsten>Stätiön Porte Dovke gebrauchte,, kann die» nicht stimmen, denn nur in dieser Zeit kann der-Mord ausgeführt worden sein. Aber für diese neunzig Sekunden ist,kein Zeuge vorhanden ,...., ,. Da» Geheimnis Wer war der D!örder?-Wieistesihm gelungen, unbemerkt, den Wagen seines Opfer» zu besteigen, es unbemerkt zu erstechen und ebenso unbemerkt wieder zu entkommen? Wa» hat ihn'zu seiner Untat veranlaßt? Da». sind, die Fragen, die^jetzt die Polizei beschäftigen.... Die Antwort ist. schwer. Bi» jetzt ist. nur ein einziger.Leuge" ermittelt worden, der nur'wenig Anhaltspunkte geben kann« die Mordwaffe,, die der Täter, zurückließ.. Ein.88.Zentimeter lange», feststehendes Messer mit brauner' Hornschale-und 10 Zentimeter langer Klinge, wie sie.von der. Fabrik Laguiole. zu Tausenden.hergestelltwerden. Vielleicht hat der Mörder e» sogar absichtlich zurückgelassen; vielleicht. fühlt er,. der mit so kühler Präzision „arbeitete", sich-überlegen genug, um den untersuchenden Beamten diesen„Brocken" Hinzuwersen,, mit dem sie nicht» anfangen können.. Nur da» Ergebnis der Untersuchung,. kann diese'Frage' beantworten. Die ersten Nachforschungen innerhalb de» Bekanntenkreise» der Toten sind ohne Ergebnis geblieben. Die junge Frau besaß keine.Feinde; sie war arbeitsam und lebenslustig, arbeitete in ihrer Fabrik und besuchte in ihrer freien Zeit Kino», und Tanzvergnügungen, wie die meisten ihrer Kolleginnen. In dieser Richtung scheint-- die' Untersuchung also nicht viel zu hoffen zu haben. Trotzdem- muß hier'— und nur. hier—der Schlüssel de» Geheimnisse» gesucht werden, und da» Fehlen jeglicher diesbezüglicher Spuren beweist abermals die erstaunliche Umsicht' Und vollendete „Technik" der Mörders. Die Polizei, arbeitet darum-mit ungewöhnlicher Intensität, und sie hat'in der Tat michr als einen Grund dazu. E» handelt sich nicht nür darum, der breiten Oeffentlichkeit zu zeigen, daß diejenigen, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen, vor Unionen geschützt sind, sondern noch mehr darum, eine Millionenstadt von einem Verbrecher zu befteien, der eine um so größere Gefahr- bildet,' mit je mehr, Ingeniosität er— wie der Mord in der Mötro bewiesen hat— zu Werke geht. v i t, 667 Stimmen erhielt. Der neugewählte Rabbiner muß vom-Landesamt bestättgt werden.' Der älteste franzöfische Bürger Ave» Prigent ist in Portrall(Departement Finistere) im Alter von 104 Jahren gestorben. Er war von Beruf Seemann und über 48 Jahre al»-solcher tätig. Heuer wenig, Grippeerkrankungen. Aus der Statistik der JnfektionSerkranküngen' erhellt, daß die Grippe Heuer zu- den seltenen Krankheiten zählt. Die Grippe fiel schon gegen. Ende de». Monat» Feber ab und im Laufe der März war ihr Auftreten, im Vergleich mit anderen Jahren; verhältnismäßig niedrig. Im ganzen ist zu sagen, daß die diesjährige Jnfluenzalvelle schwach Ivar; sie erhöhte leider auch Heuer doch die allgemeine Sterblichkeit, und zwar vor allem im. Lande Böhmen.(DRD.) 25 bi». 28 Grad im Schatten-- Infolge.. reichlicher Sonnenstrahlung und. der Zufuhr warmer.Kust vom Südosten erreichten die.Temperaturen am Donnerstag nachmittag»-in-ganz Mitteleuropa'' 25 bis 28Grad Celsius. Dagegen ist-e» in Westfränkreich und in England ziemlich kühl. Um 14 Uhr wurden dort nur 10 bi» 15 Grad Celsius verzeichnet. Die kühle Luft breitet sich allmählich gegen das Festland Nr. 11s' Lia prächtiges Modell des Boulderdammes Auf einer Staatsausstellung in Los Angele» wurde diese» naturgetreue Modell de» gewaltigen Boulderdammes aufgestellt, da» richtig mit Wasserkräften beziehen wird.- Hierdurch gewinnt man einen lebendigen Eindruck von den riesigen Ausmaßen ' diese» bedeutendsten.Stauwerkes der Welt. aus. Es ist daher zu erwarten, daß sich da» Wetter'in'den nächsten Tagen auch bei un» von Südwesten her fortschreitend verschlechtern wird.— Wahrscheinliche» Wetter von heute: In den böhmischen Ländern und in der Westslowakei Zunahme der Gewitterneigung, nach Gewittern leichte Abkühlung. Im Osten noch heiter und warm.— Wetteraussichten für Samstag: Wechselnd bewöllt, vereinzelte Gewitter oder Schauer, Temperaturen wenig verändert. Vom Randfunk tnpfehlannrsrtt» aus den Proiramman» Freitag Prag, Sender I: ,10.08 Deutsche Presse. 11.88 Slowakische Lieder. 12.88 Orchesterkönzert: Voldan, Tichy usw. 15.00 Philharmoniekonzert auf Schallplatten. 17.08 Schumann: Klavierqulntett. 18.10 Deutsche Sendung: Barger-Jglau lieft eigene. Gedichte. 18.20 Der ferne Osten von Hartmann. 18.88 Deutsche Arbeitersendiing: Aktuelle zehn Minuten.. 18.45 Deutsche Presse. 18.88 AUS dem deutschen Kulturleben. 22.28 Tanzmusik.— Prag, Sender II: 14.15 Deutsche Sendung: Haa»: Selbstbescheidung und Selbstverwirklichung. 14.88 Schallplatten. 14.80-Deutsche Presse. 18.20 Mandolinenkonzert.—Brünn: 17.40 Deutsche Sendung, Dr. Fried-Polaschek: WohnungSkuItur—. Schallplatte». 20.48 Särka, Oper von Janäöek.— Press bürg: 10.15 Kammermusik. 10.80 Rundfunkorchesterkon- zert.— Mähr..Ostrau: 18.10 Deutsche Sendung. Dr.' Löwh: Pom vernünftigen Lernen— Beethoven— Kompositionen. 10.55 Populäre» Konzert. Samötag Prag, Sender I: 10.05 Deutsche Presse. 10.15 Deutsche Sendung: Für die Frau. 12.10'Operettengesänge. 13.05-Populäres Konzert. 16.08 Schram- melkonzert. 16.45 Theater für die Jugend. 17.55 Deutsche Sendung: Sportvorschau. 18.00 Egerländer Stünde. 18.45 Deutsche Presse. 18.55 Deutsche Aktualitäten. 21.18 Aus dem Lueernasaal:' Teil einer Festkonzertes. 22.85 Tanzmusik. Prag, Sender. II; 14.10 Deutsche Sendung: Prager Freundeskreis um Mozart. 14.50-Deutsche Presse. — Brünn: 17.40 Deutsche Sendung: Blumen sprechen.'— Mähr.-Ostrau 15.00 Fröhliche Musikstunde, au» der Walachei. 18.00 Blechmusikkonzert. Wett« 8 Freitag, 21. Mai 1S37 WksMrtsckmst uml ävLÜchwLlA 4. Ousland ge- großen Teil vom Wetter ab.-In der graphischen Industrie sind einige Abteilungen bereits im April voll beschäftigt gelvesen und auch die übrigen Abteilungen werden in nächster Zeit folgen. Die Bc- schäftigungSiage bei der Erzeugung von Geschäftsbüchern und Kanzleiartikeln hat sich in« Berichtsmonate leicht abgeschivächt. Die Elektrizitätswerke arbeiten normal. sen die Gewerkschaftsvertreter, beim LohnschiedS- «crichi gegen die Unternehmer, eine Klage auf eine LOprozcntigc Lohnerhöhung einzubringen. Neismangcl. In einigen Gcbicien, namentlich der Slolvakei, Mährens und Karpathoruß- lands, macht sich ein fühlbarer Mangel an Reis bemerkbar, der begleitet ist von wesentlichen PrciSnnregclmäßigkeitcn. Einige Handels- und GenossenschnftSverbände haben sich deswegen an das Handelsministerium mit der Forderung gewendet, das diesjährige Jmportkontingent um mindestens 1000 Waggons Reis zu erhöhen. Für die schlechte Distribution der bisherigen Kontingente spricht der Umstand, das; im Gegensatz zu den Gebieten, wo der NeiSmangel beklagt wird, anderswo wiedennn der Reisabssatz stockt und Rcisllberfluß herrscht. Abzug der Reisekosten von der Einkommensteuer-Grundlage für Geschäftsreisende einheitlich geregelt. Dar Finanzministerium hat, wie die Union der> Geschäftsreisenden und Vertreter mittcilt, durch ein an alle Finanzämter der ziveiten Instanz gerichtetes Rundschreiben vom 14. Mai 1037 für Geschäftsreisende, Vertreter und Agenten gcniäst dem 0. Absatz der Durchführungsverordnung zum 8 89, 1. Absatz des Gesetzes über die direkten Steuern«ine einheitliche Regelung der Abzüge getroffen, die diese Angestellten von dem der Einkoinmenstcucr unterliegenden Rohbctrag ihres Einkommens machen dürfen. Die Abzüge find für den Reisetag festgesetzt und nach dem Gewicht des Reisegepäcks, das der Reisende mit sich führt, abgcstust. Hier die Sätze: Gewicht des Reisegepäcks bis 10 Kilogramm— Abzug für den Reisetag 48 KC, 10—15 Kilogramm— Abzug für den Reisetag 60 ttö, 16—25 Kilogramm — Abzug für de» Reisetag 65 Uö, 25—50 Kilogramm— Abzug für den Reisetag 70 Kä, 50 bis 100 Kilogramm— Abzug für den Reisetag 00 Kä, 100—150 Kilogramm— Abzug für den Reisetag 110 KE, 150—200 Kilogramm— Abzug für den Reisetag 125 K5. Für weitere je 50 Kilogramin Reisegepäck tritt eine Erhöhung der letzten Satzes um je 20 Uti ein. Für Ledige verringern sich die einzelnen Sähe um 6 Kc. In den Abzügen sind die Ausgaben für Verpflegung, Nächtigung, fallswcise Fahrten im Auto oder Autobus, Beförderung des Reisegepäcks mit der Bahn, niitielS Autos oder Autobusses, Träger» und Ausbcwahrungsgcbühre», Porti, Telegramm» und Tclcphongcbühren eingeschlossen. Nicht eingcschloffcn sind die Kosten einer Eiscn- bahnd a u e r karte.— Für die Ausgaben, die mittels dieser Abzugsähc von der Stcuergrundlage abgerechnet werden/ braucht keinerlei Beleg vorgclegt zu werden. Will der Steuerpflichtige noch andere als die hier angeführten Ausgaben oder einenehöhe» ren Betrag als den des ihm zustehcnden Abzugsatzes abrechnen, ist er verpflichtet, die weiteren Ausgaben oder die Berechtigung eines höheren Abzugsatzes .glaubhaft, ngchzuweiscn. Die hier wiedcrgegebenen Sätze der zulässigen Abzüge gelten nicht für Ge» schäftSressende, Vertreter und Agenten, die mittels Autos reisen oder nur in der Stadt ihres Wohnsitzes tätig sind. Für diese Angestellten ist ein individueller Nachweis ihrer Ausgaben nötig. Ist ein Geschäftsreisender, Vertreter oder Agent für mehrere Finnen tätig, darf er nur dies tatsächlichen Reisetage, nicht etwa die gleichen Reisetage für jede Firma, besonders anrcchne». Allerdings steht einem solchen Angestellten eilt seinem gesamten, für seine verschiedene» Tätigkeiten nötige» Reisegepäck entsprechender Abzugsatz zu. Arbeitgeber sind verpflichtet, in den JahreS-SteUeraü-weisen anzugeben, wie viele Tag« und mit welchem Reisegepäck«in von ihnen beschäftigter Geschäftsreisender, Vertreter oder Agent beruflich reiste und wie viele Tage er in seinem Wohnort tätig war. !P1e Situation In der i mihrlsch-schleslschen Industrie ‘ Die bessere Beschäftigungslose der nordmäh- rifch-schlesischen Industrie hielt auch im Monate April an. Der Bestellungseinlauf der tschechoslo- wäkischen Eisenwerke übertraf den schoü starken Einlauf des. Vormonates, so daß sich der Auftragsbestand weiter erhöht hat. Die Blechwalzwerke haben' im April normal gearbeitet. Der, Bestellungseinlauf ist zufriedenstellend. Der Betrieb bei den Rohrwerken war in allen Abteilungen cbenfalls normal: Bei den Drahtwerken ist die Beschäftigung dieselbe wie im Vormonat geblieben. In der guten Beschäftigung der Brückeiibauanstalten ist keine Aenderung eingetreten. Der Beschäftigungsstand der Maschinenfabriken war im April, derselbe wie im Vormonate. Aus den cingelauscnen Bestellungen und zahlreichen Anfragen ist auch für die kommenden Monate eine bessere Beschäftigung zu erhoffen. Dasselbe gilt für die landwirtschaftlichen Maschinenfabriken. Die Fahrzeugwerke. waren in fast allen Abteilungen voll beschäftigt und werden auch in der nächsten Zeit im gleichen Umfange arbeiten können. Der Autobau arbeitete auch i>n April normal. In der Feilenindustrie ist die bessere Beschäftigung des Aprils auch für die nächste Zeit gelvährleistet. ES zeigt sich Mangel an Facharbeitern. Auch die Armaturenfabriken arbeiteten lvie. in den früheren Monaten normal. Die Emaillierwerke haben eine Besserung des Jn- landSabsatzcS zu verzeichnen. Die Belebung im Exportgeschäft hielt weiter an. Die Geschäftslage der Erzeugung von Lampen und Belcuchtungs- lörpern konnte bei voller Arbeitszeit den Arbei- terständ' beschäftigen; die Aussichten für die nächste Zukunft sind zufriedenstellend. Die Draht- und Hanfseilsabriken arbeiteten lote in den Vormonaten. Bei den Mctallwalzworkcn ist keine Aenderung der Beschästigungslage eingetreten. Die Stahlrohrmöbelindustrie arbeitet zufriedenstellend. Bei der Bugholzinöbelindustrie konnte lediglich infolge Mangels an Rohmaterial eine volle Leistung nicht erzielt werden. Da erstaunliche Mengen von Rohmaterial(Rundholz) zu besieren Preisen ins Ausland gehen, als sie der inländische Verbraucher bezahlen könnte, ist der Export von Fertigwaren derart erschwert worden, daß. die Fabriken genötigt sein könnten, die Betriebe einzustellen, wenn nicht die Ausfuhr mit Rücksicht auf den inländischen Bedarf geregelt tvird. Der Beschäftigungsgrad der Möbelfabriken, und der, däinik vörbuiidciM"Dämpisägen'')v'ax MfksjdM.^ stellend. Die Werke für chemische und metallurgische Produktion waren im April voll beschäftigt. Bei den Mineralölwerken verringerte sich der Absatz von Benzin und Petroleum gegenüber dein gleichen Monat des Vorjahres, dagegen hat sich der Absatz aller übrigen Mineralölerzeugnissc gebessert. Gegenüber März d. I. ist jedoch der Verkauf, aller Artikel, ausgenommen Maschinenöl, gesunken. Die günstige Gestaltung der Beschäftigung in den, Tccrfabrikcn hielt auch im Berichts- nionat an. Boi den Rohpappenfabriken konnte infolge Einganges von Auslandsaufträgen im April der normale Betrieb ausgenommen werden. In den Stickstoff- und Kunstdüngersabriken wurde die Kunstdünger-FrühjahrSkampagne im Berichtsmonate beendet, doch wurde der Arbeiterstand nur unwesentlich herabgesetzt. Dor Beschäftigungsgrad der Chcmikalienwcrke hat unvermindert Ungehalten. Dasselbe gilt auch für die Zellstosfi ndustrie, welche«ine normale Beschäftig gungSlagc meldet. In der Textilindustrie waren die Spinnereien.mit der Aufarbeitung der vorliegenden Aufträge voll beschäftigt. In der Weberei dagegen hat die Nachfrage sowohl- nach rohen- als auch nach veredelten Webwaren nachgelassen- Di« Hutindustrie hätte eine Zunahme der Beschäftigung zu verzeichnen. Durch eingelangte Aufträge in Winter-Damcn-Hutartikeln ist die derzeitige Beschäftigung für die weiterest Wochen gesichert, Rütte des BcrichtSmonatcs machte sich auch Nachfrage für den Export bemerkbar, Die Zement- fabriken haben im April den Normalbetricb ausgenommen, desgleichen- die Kalkwerke. In den ToNwarenfabrjken wurde mit normaler Arbeitszeit gearbeitet: Bei allen Ziegeleien war die Beschäftigung-lebhafter-als in den Vormonaten. Die'Baubewegung hat insbesondere in den Vororten von Mährisch-Ostrau- bereits'eingesetzt, wodurch ein, besserer Absatz in Ziegeln Erreicht wurde. Bei den Bierbrauereien-hielt,sich, der Bierausstvß auf der gleichen Höhe des Vorjahres, Die Aussichtest jur die nächste Zeit hängen zum ManerhSitfUr 100 Reichsmark...... > Markmünzen.. 100 österreichische Schilling 100 rüsttänische Lri... A00'-------- 100 100 100 ■' 1. 1 100 W loo WWWW 100 Lelga».. Die Veränderungen in der russischen Diplomatie.(AP.) In der russische» Diplomatie sind in der kotzten Zeit umfangreiche Veränderungen vor sich gegangen. Der Pariser Botschafter Pate m l i n wurde Nachfolger Krestinskis als Vertreter Liüvinows, ein Vorgang, der innerpolitische Gründe hat und zu Unrecht als AuimherilngS- verfuch gegenüber Deutschland betrachtet tvurdc. Den» wäre das beabsichtigt worden, dann hätte man dieses Ziel auch über Krestinski, der ja einst Botschafter in Berlin war, erreichen können.-Der Berliner Botschafter S u r i tz, der zuletzt in Berlin völlig isoliert war, kam nach Paris. An sein. Stelle trat in Berlin nicht, wie zuerst gemeldet ivurde. der Prager Gesandte Alcxandrowski, der schon einmal der Berliner Botschaft zugeteilt war. sondern der Tokioter Botschafter Jurenew. Aeuherkich erscheint das ein Entgegenkommen, denn Jurenew ist„Arier". Aber-das ist nicht das Entscheidende. Man ist der Ansicht, daß er eher in der Lage sein wird, in Berlin gesellschaftliche Bcr» bindungen zu erlangen. Im übrigen kommt ihm zustatten, daß-er in Tokio war, als das deutschjapanische Abkommen abgeschlosien wurde. Er dürfte also der richtige Beobachter sein. An An- uähcrungsabsichtcn wird zur Zeit nicht geglaubt. Die Auslösung der„Derulust" wird vielmehr als bezeichnendes Symptom getvcrtet. Nach Tokio kommt R o z l o w s k i, der Abteilungsches für fernöstliche Fragen im Moskauer Außenkommis« fariat. Er Ivar es, der das Abkommen Uber di« Ostchinesische Bahn und über die Fischereifragen von Sachalin zustande brachte. Man sagt ihm eine versöhnliche Haltung nach und folgert daraus, daß man im Kreml Mer die Lage in Japan nunmehr, bei aller Beunruhigung während der japanischen Wahlen, ettoas weniger besorgt ist. Man hat sich gewundert, das; Karachi», der von Ankara abbcrusen und durch Karski ersetzt wurde, nicht nach Tokio geschickt worden ist. Denn er ist der Spezialist für asiatische Fragen gewesen.(Hier wirkt aber die Verstimmung Mer die Verschlechterung der Beziehungen zur Türkei mit. Nach-Becks Offensive in Rumänien legt man umso größeren Wert auf die Wiedergewinnung der türkischen Freundschaft. „Klaviere" für Fran». DI« Hamburger Hafenarbeiter beobachteten beim Verladen der Schiffe der Oldenburg- Portugiesischen DampfschiffahrtSgesell- schaft, daß ständig größere„Klaviersendungen" an- sie spanischen.Häfen,.die sich in den Händen der Aufständischen befinden, abgingen. Die Hafenarbeiter wundtrlen sich darüber, daß.Francos Truppen so musikalisch sein sollten. Neugierige.brachen eine ..Klavierkiste" auf und fanden— schwere Maschinen unter sich, die sich in die Ressorts Landhcer, Marine, Lufwiacht und KricgSwcrkstättcn teilen. Ter Chef des Gcncralstabs spielt eine Rolle, die den«.>dnßsic. sich--nur,vow.chreuwKreiöjelretär-, Herrn Dr. B-a m m c r allein vertreten läßt.- Ist denn das Gewissen der einzelnen Unternehmer sö schwer belastet, daß sie sich nicht äufrafscn können, bpi- offiziellen Verhandlungen a n w esc n d zu sein? Die Forderung nach Teilimhmc der Industrie an Verhandlungen seitens der Arbeiterschaft ist gerecht. Die Vcrtragsgclverkschaften haben nun der Industrie ihren Standpunkt zur Frage der Lohnerhöhung mitgetcilt und cs liegt jetzt an der Industrie, jenen Weg zu beschreiten, damit beide Teile von großen Nachteilen' verschont bleiben.'. Lohnstreit in der westschlestschen Bauindustrie. Nachdem die Verhandlungen über eine 10» prozentige Lohnerhöhung in der westschlesischen Bauindustrie ergebnislos verlausen sind, befchlos» Die Entwldflung der türhlsdicn Armee Von Oberstleutnant Dumont(MTP) ' KC . 730.50 ., 77K— . 531.50 17:85. . 549.50 . 608.50 656.— i 199.20 . . 28.60 . 145.40; . 1576---. WAMroD.. WWWWWWWWW.... WW> , 484L0 jindei man nämlich ist der tiuckijchen Armee jo- Sette 6 ,Sozialdemokrat" Freitag, 21. Mai 1037. Nr. 118 ffraqer HelKma Der FlordprozcS gegen das Ehepaar KlouZek Wer ist der Hauptschuldige? Ein Dewelsverlahren, das keine Aufklärung verspricht Prag,(rt) Die Hauptfrage dieses Prozesses, >ver nämlich die unmittelbare Schuld an der Ermordung des Offiziersaspiranten Alois Krob trägt, wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Fest steht, daß cs sich um ein Mordkomplott der Jungvcr- mählten gegen den ehemaligen platonischen Freund der Frau handelt. Wer von den beiden aber'en tödlichen Schuß abgefcucrt hat, ist nicht aufgeklärt, da heute Aussage gegen Aussage steht und keine weiteren Tatzcugen zur Pcrfiigung sind. Beim ersten Verhör kurz nach der Tat das mit einem vollen Geständnis beider Angeklagter endete, die abgeirciint verhört wurden, nahni seinerzeit Zdenka KlouZek die ganze Schuld auf sich. Sie erklärte, sie habe ihren ehemaligen Freund zu dem Stelldichein geladen, sie habe auch den tödlichen Schuß abgcfcuert und die Leiche dann ins Gebüsch gezogen. Johann KlouZek gestand damals ein, er habe um den geplanten Anschlag gewußt. Im weiteren Berlauf des Verfahrens änderte aber Zdenka KlouZek, die in der Anklage als Haupttäterin angeführt wird, ihre Aussage. Ihre letzte Aussage, die sie auch bei der Hauptvcrhandlung aufrecht erhielt, lautet dahin, sie habe unter dem ständigen Druck ihres Gatten, der auf die Tötung seines.Nebenbuhlers" drängte, diesen zwar zu dem Stelldichein geladen, aber die Mordabsicht ihres Gatten bis zum letzten Moment nicht ernst genommen. Sie habe ztoar auf Alois Krob geschossen, aber mit geschlossenen Augen und nur.ins Blaue". Als dann Krob betäubt zn Boden fiel, fei ihr Mann her- bcigecilt und habe ihm den tödlichen Schuß beigebracht. Bei ihrer Einvernahme vor dem Schwurgericht schilderte Zdenka KlouZek die ständigen Eifersuchtsszenen, die ihr Gatte ihr wegen der Bekanntschaft niit Krob machte und bei denen er immer wieder als Licbcsbcwcis die Ermordung Krobs verlangte. Da sie ibn lieb hatte und„ihm nichts abschlagen konnte", da sie ferner durch seine Drohung, sich von ihr scheiden zu lassen, eingcschüchtert war, imfic sie sich entschlossen, daS Opfer in den Hinterhalt zu locken, immer in der Annahme, daß es nicht zum äußersten kommen werde. Ihre Aussage bei der Perhandlung bedeutete einen Widerruf ihres ersten Geständnisses, in welchem sie eine eingehende Schilderung des Herganges gegeben hatte und Insbesondere zugegeben hatte, daß sie absichtlich ihren Handschuh fallen ließ und Krob, der sich nach.ihm bückte, in den Hinterkopf schoß. Heute behauptet sie, dieses Geständnis nur ihrem Gatten zuliebe abgelegt zu haben, der sie im voraus dazu bestimmt habe, im Notfall alle Schuld auf sich zu nehmen.„Nach 15 Jahren kommst du frei und wir werden glücklich miteinander leben", habe er sich bei dieser Gelegenheit geäußert und sie habe ihm gefolgt, weil sie„ihm nichts a b- schlagen konnte, wenn er sein Lächeln a u f s e h t e". Demgegenüber behauptet Johann KlouZek, daß der ganze Mordplan von seiner Fran entworfen worden sei. Sie habe auch Alois Krob erschossen und er sei erst später dazugekommon. Bei der Konfrontation sagten die beiden Gatten einander gegenseitig die Schuld auf den Kopf zu und bestritten heftig jeder die Angaben des andern. Eine Aufklärung dieser prozessualen Kardinalfrage ist nicht zu erhoffen. Das Beweisverfahren brachte lediglich die Einnahme von Leumundszeugen, darunter der Eltern des Erniordeten, die zur Sache gar nichts auszusagen wissen, und des Vaters des Johann KlouZek, der gleichfalls bloß über unwesentliche Taten aus dem Vorleben seines Sohnes berichten konnte. Auch die andern Zeugen konnten zum Kardinalpunkt der Anklage nicht» wesentliches aussagcn. Die von Staatsanwalt Dr. TrZickü vertretene Anklage steht auf dem zweifellos richtigen ■ Lebendig verbrannt. Gestern mittags um 1 Uhr bemerkte das Dienstmädchen Rosa Cermät im Hause ZiZkovä Nr. 6 in Karolincnthal, daß die Hausmeisterin Antonie Miletin aus den» Fenster ihrer Wohnung brennendeWäsche warf, ohne jedoch um Hilfe zu rufen. Die Ccrmäk verständigte die Feuerwehr, die, da niemand öffnete, die WohnungSiür erbrechen mußte. Man fand das Feuer jedoch schon gelöscht; die Miletin saß mit schlvcren Brandwunden in einem Winkel. Die RettungSgesellschaft brachte sie auf die Klinik Sambergcr, wo sie kurz nach ihrer Einlieferung, um 8 Uhr. ihren Verletzungen erlag. Ob Selbstmord oder Unfall vorliegt, ist noch ungewiß. Vier Selbstmorde. In der Nacht auf gestern fanden Fußgänger die 28jährige Fabrikarbeiterin Marie Jekäbck bewußtlos in der Budeigasse liegen. Die RettungSgesellschaft brachte sie auf die Klinik Hyiick, wo sic angab, in selbstmörderischer Absicht 28 Tabletten Veramon genommen zu haben. Ursache: Häusliche Zwistigkeiten.— Die 88jährige Marie Eliöka aus ZiZkov trank gestern nachts auf dem Havliickplatz ei» Fläschchen Jodtinktur aus und wurde gleichfalls in bewußtlosem Zustand auf die Klinik Hynek gebracht. Grund der Tat: Unglückliche Liebe.— Aus dem gleichen Grund nahm die Lljäh- rige Verkäuferin Jarmila Hnbenä aus Prag-Weinberge auf dem Dejwitzcr Bahnhof Arsen; sie, ebenso wie eine unbekannte etwa 28jährige Fmu, die auf der Pirnße ohnmächtig geworden war. wurden in» Allgemeine Krankenhaus gebracht. Die Unbekannte war auf einen Augenblick erwacht und hatte angegeben, daß sie Milada Horka heiße; nach ihrer Identität tvird geforscht. Trunkenheit in Prag. Trotz Rückgang des Bierkonsums als Fohle der Krise bleibt die Zahl der Verhaftungen wegen Trunkenheit seit mehr als zehn Jahren unverändert und beträgt 18 bis 20 Prozent aller Verhaftungen. Im Jahre 1088 wurden im Ganzen 18.078 Personen, darunter 4600 Frauen, verhaftet: wegen Trunkenheit 8668 Personen(880 Frauen), d. i. 10.8 Prozent. Alle Berufe, alle Stände finden wir unter den Opfern des Alkohols, z. B. 144 Chauffeure, 106 Kutscher, 188 Fleischer und Selcher, 188 Kellner, 104 Geschäftsleute, 158 Akademiker und Beamte, 187 Metallarbeiter,>000 ungelernte Arbeiter und Arbeitslose. deren Widerstandskraft gegen die Rauschwirlung durch Unterernährung vermindert ist, die aber immer noch an die„stärkende" Wirkung des Bieres und des Schnapses glauben. Zu bedenken ist, daß die Polizei nur in den dringendsten Fällen einschreitet und daß die z a tz l k r 8 f t i g e n G ä st e der vornehmen Nachtlokale ihren Rausch im Auto tz etmfatz- r e n, so daß die Zahl wohl eine weit höhere ist. Unter den 880 Frauen sind mehr al» die Hälfte 178 und 20, Prostituierte und Kellnerinnen, die ihr Berns dazu verleitet, 86 Hausgehilfinnen usw. Unter 18 Jahren waren acht, unter 24 Jahren 188 Personen. Wie viel Sorgen und Kummer von Eltern, wieviel Not von Frauen und Kindern sprechen aus diesen trockenen Ziffern. Während in Mähren und Aus der Welt des Islam So groß die heimatlichen Sorgen der europäischen Völker auch sind und so gut diese Völker auch wissen, daß ihr Frieden in der abendländischen Heimat selbst bedroht wird, bedroht durch die„Dynamik" der autovitären Staaten, und so fern die Zeiten find, da der eroberungs- und bekehrungSsüchtige Islam eine Gefahr für Europa war,— es kommen doch immer wieder Nachrichten aus den mohammedanische» Ländern, die sie zwilchen, aufzuhorchen, die ihnen sagen, daß weder die Kraft der morgcnländischen Völker, noch die des Islam für immer gebrochen ist. Man liest von der Erneuerung der Türkei und Persiens, vom Werden neuer arabischer Staaten, vom Werben Mussolinis um die Mohammedaner, von mohammedanischen Soldaten im Heere Francos. Dian liest das alles und vergißt es wieder, weil anderes so viel näher liegt. Aber cs ist nicht überflüssig, sich mit dem neuen Werdende» in der Welt de» Islam zn beschäftigen— man lernt dabei, auch dieses Kommende zu bcrückiichtigen.— Essad Bey und Wolfgang von Weisl, geben in ihrem Werke„Allah ist groß— Niedergang und Aufstieg der islamitischen Welt"(850 Seiten, Verlag Dr. Rolf P a s s e r, Wien) das erste Buch, das eineu Gesamtüberblick über die mohammedanischen Länder gibt und eine Gesamtgeschichte des Islam, von seinem Werden, von seinem Niedergang und feinem neuerlichen Aufstieg nach dem Weltkriege. Das Ergebnis des Krieges schien zunächst das zu sein: endgültige Zertrümmerung der Türkei und völlige Entmachtung, Aufteilung der arabischen Welt in europäische Interessensphären, und für immer Eingliederung der nordafrikanischen.mohammedanischen. Länder in daS Kolonialsystcm der europäischen Großmächte. Aber bald nach dem Kriege schon begann die große Wandlung der Türkei und Persiens, es erstand in Arabien das Reich Ibn Sauds, mehr und mehr wuchs. Aegyp ten zu einem unabhängigen Staate heran. Die beiden Verfasser schildern diese großen Umwälzungen, sie zeichnen auch packende Bilder der führenden Männer, Kemal Paschas und Reza Schahs, und sie stellen die Verschiedenart dieser Erneuerung dar: Persien und die Türkei nehmen nicht nur europäische Zivilisation, sondern auch viel von europäischer Geistigkeit in sich auf, werden zu Laienstaaten, in Arabien aber wird ein neuer Staat aus dem Geiste des Islam selbst geboren. Ueberall aber, in der ganzen mohammedanischen Welt, wächst das Unabhängigkeitsstreben, und der Islam wird zur Ideologie, die diesem Unabhängigkeitsstreben Kraft und Schwung gibt. Die Welt des Islam ist in Bewegung I Völker, die mehrere hundert Millionen umfassen, haben eine erneuerte geistige Gemeinschaft, die dem zerrissenen Europa fehlt. Es ist mehr al» ein augenblicklicher politischer Schachzug, wenn Mussolini versucht, sich zum Schirmherr» des Jklam aufzuwerfen; es ist, wohl ein Versuch, die isiamitische Bewegung gegen England zu lenken, aber cs ist doch zugleich auch ein Akt der Furcht vor der Macht und Größe dieser Bewegung.. Sie vermag den europäischen Kolonialmächten in vielleicht nicht ferner Zukunft um so gefährlicher zu werden, als sie droht, sich mit dem er« tvachenden Nationalbewußtsein aller Kolonialdölker zu verbinden.-. „Der schwarze Schatten" nennt Dr. Walter Allerhand das Büch, das die Geschichte seiner Autofahrt durch Oesterreich, die Schweiz, Südfrankreich. seine Schiffsreise von Marseille nach Algier, seine abenteuerliche Fahrt durch Algier und Marokko beschreibt(Perlag-Rudolf Ä. Rohrer Brünn. Preis kart. 48 KC, geb. 56 KL, 840 S-). Mit großem Genuß wird mich der anspruchsvolle Leser sich der slektüre diese».sehr schön, sehr anschaulich geschriebenen Büches hingeben, indem cs diele amüsante Beobachtungen, mit«In paar treffsicheren Strichen' gezeichnete Charakteristiken,.Menschen- und Land- schaftsbilder, viel. Humorvolles, aber auch viel Jamst und Wteseß den dua der Jartei VemnänaMchtui' Verlanget VolkszUnderl der Slowakei Wein« und Schnapsalkotzolismu» vorherrscht. ist es in Prag und in Böhmen dar Bier, dar die größte Schuld am Alkoholelend hat. tag 7: Parsifal, Festspiele II, Gastspiel Alexander KipniS, D.— Sonntag 7sh; Tas Spitzentuch der Königin, B 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: Mond über dem Fluß, Thcatergemcinde der Kulturverian- de» und freier Verkauf.— SamStag 8: Ein idealer Gaiie, Gastspiel Leopold Kramer.— Sonntag 10%: Veranstaltung der Musikakademie, 8%: Firma, 8: Pygmalion. BildungsauSschust. Sitzung am Freitag um halb 8 Uhr abends im Parteiheim. Uranla-KIno, Hlimcnlsha 4. Fernaprccher 61828. Liebe mit 1000 PS ist ein Hollistvood-Film, der.wenig Wert auf Wahrscheinlichkeit und tiefere Bedeutung, umso mehr aber auf Floitheit und groteske Komik legt. Wieder einmal ist cin rasender Reporter der Held der Handlung, wieder einmal erringt er am Ende eine begehrenswerte Danie, und wieder einmal geht das nicht ohne Zwischenfälle ab, zumal ein. Kollege des Reporters in die Sache(und auch in die Wezichungcn zu besagter Danie) verwickelt ist. Da Clark G ab l e die männliche und Joan C r a w f o r d die tveibliche Hauptrolle spielt, werden alle Situationen des tvon'P a n D y k c mit Tempo inszenierten) Films gebührend zur Geltung gebracht.-eis-. Standpunkt, daß die unmittelbare Betätigung jedes der beiden Angeklagten bei der Abschlachtung ihres .Opfers nicht eininal so sehr ins Gewicht falle. Fest steht jedenfalls, oatz e» sich um ein gemeinsam verabredete» und durchgeführte» Mordkomplott handelt- Ob die psychopathische Veranlagung de» Manne» oder da» Rachebedürfni» einer verschmähten Fran ausschlaggebend war, wie ferner die Mörder die Rollen untereinander verteilten, ist eine Frage, die nicht auf» zuklären ist. Außer Frage sicht, daß ein junge» Menschenleben um Nicht» mutwillig vernichtet wurde, und da- von Leuten, die der Intelligenz angehören, von elbem Mann, der seinem Beruf nach Jugenderzieher war und einer Frau, die geistig normal und intellektuell vollwertig ist. Da» ist da» Grauenhafte und so fürchterlich Deprimierende an diesem Prozeß, der die Bezeichnung eine»„Sensation»pro< zesse»" nur insoweit verdient,, al» er aufzeigt, wie wenig Wert einem Menschenleben von Entarteten diese» Schlage» beigemessen wird. Ernste» gibt. Allerhand stellt fest, daß Frankreichs Kolonialverwaltung wahrscheinlich viel weniger drückend ist als manche andere, daß in zivilisatorischer Beziehung viel getan wird, daß aber der Haß gegen die französische Herrschaft ganz allgemein, ist. Er paart sich seltsam mit einer Vorliebe für Deutschland, die freilich mif keiner anderen Grundlage ruht als der, daß die Marokkaner und die Berber Algier» in Deutschland den Feind Frankreichs sehen. Deshalb ist das Hakenkreuz auch für sie zu einem Symbol geworden. Das mystische Zeichen des deutschen Reu- heidentumS wird zugleich zu dem des mohammedanischen Meisten« und Franzosenhasser, de» Europäerhasse» de» Islam. Wir wissen, wie sehr die Regierung Blum bemüht ist, da» französische Kolonialsystem zu ändern, daß sie bemüht ist, in Algier mehr und mehr Landesbewohnern da» französische Bürgerrecht zu gäben, sie au» Beherrschten zu Mitregieren- dcn. Mitbestimmenden zu machen. Sie wird e» schwer haben! Da» Hakenkreuz arbeitet ihr entgegen, und wahrlich nicht nur al» Symbol.— Da» ist der „schwarze Schatten", der von Afrika herüber auf Europa fällt: da» Unabhängigkeitsstreben der Afrikaner. Es ist nur ein Ausschnitt der islamitischafrikanischen Welt, den Allerhand zeigt, aber auch dieser Ausschnitt läßt ahnen, wie starr die mohammedanische Bewegung in Afrika sst. Man darf nicht übersehen, daß der Jflam immer noch friedlich erobernd in Afrika vordringt, üach dem Süden, nach dem Innern de» Erdteils, daß er längst über die Araber und Berber hinauSgegmfen hat und unter den Negern mit viel größerem Erfolg wirbt al» die verschiedenen christlichen Kirchen e» tun- Er ist«ine einfacher« Lehre als da» Christentum, den einfachen Menschen Afrika» entsprechender.~~ Allerhand hat kein historische» und kein kritisch-untcrsuchendes Werk geschrieben, sondern«In Reisebuch. Aber er schildert den^schwarzen Schatten", eindringlich genug, um ihn auch'jenen, die sein Saum noch nie berührt«/.»»-, heintltch deutlich erscheinen zu lassen.—fb— Mila Rcymonovä In dem tschechischen Film„Die Frau am Scheidewege". Deutsche Musik-Akademie. Sonntag,.... 28. d. M-'Um halb 11 Uhr vormittags Maiiiiöe der Opern- und Schauspielklassen„Kleine Bühne". Karten bei E. Wetzler.— M o»tag, de» 24. d. M. um 20 Uhr, Malthcscrkirche„Geists. Abendmusik". — Mittwoch, den 26. d. M., um 20 Uhr Lyzeumsaal, Kammermusit-Abcnd. I. Chr. Bach, Haydn, Beethoven und Jarnach. Da»„französische Salzburg". Verfall- l e s" soll nach dem Muster von Salzburg ein Zentrum französischer Musitpflege tvcrden und von jetzt ab In jedem Jahre seine„Saison" haben. Allerdings sind die Pläne, den Opcrnsaal im Schlosse selbst für Aufführungen klassischer Werke instandzusctzen, noch nicht fcrtiggcstellt. Aber inzwischen dienen der Ballsaal und die Kapelle des Schlosses, das mit Hilfe der Stiftungen Rockefellers wlederhergesicllte Trianon-Thcater, die Galerie des Trianon und die Freiluft-Theaier de» Säulengangcs sowie des Apollon-BoSkctts al» Schauplatz zur Veranstaltung stilgemäßer Konzerte und Aufführungen. Die erste dieser Veranstaltung«» bringt Ende Mai im Tria- uon-Theater zwei komische Opern dcS 18. Jahrhunderts und ein Ballett, dann folgen ein Konzert der Epoche Ludwig LIV., eine Oper von Blasse und Fa- vart, ein geistliches Konzert"in der Schloßkapclle, Aufführungen der feiten gespielten Moliere-Werke „Die Liebe als Arzt" und„Die erzwungene Heirat" und als Abschluß im Äpollon-BoSkeit Debussys„Nachmittag eine» Faun" und Ravel»„Daph- ni» und Clos", Die Neuregelung der künstlerischen Leitung de» Schauspiel» de» Nationaltheater». Schulministcr Dr. Franke betraute den bisherigen Vorsitzenden der Kommission für die Leitung des Schauspiels bes Nationaltheaters in Prag, Univ.-Prof. Dr. Otakar Fischer, mit der Funktion eine» Schauspielchefs des Naiionalthcaier». Damit erlischt die Funktion der genannten Kommission. Spiespaln des Reum Deutschen Theater». Freitag Alb: Das Spitzentuch der Königin. Theatergemeinde der Jugend(1. Serie, rote Karten) und freier Verkauf. Abonnement aufgehoben.— Sams- Geh, nach dein Fensterl auf Lustspiel. Ortsgruppe Prag: Sonntag, den 28. Mai, Treffpunkt 7 Uhr Smichover Bahnhof, Fahrt nach Bsenoni,' Wanderung Klinec—Kocabaial—Pikovice, Führt: Winiernitz. Da» Männeriurnen findet heute Freitag, zur gewohnten Stunde auf der H c tz i n f e l statt.(Wegen Eingitarlierung im Turnsaal.) — Genossinnen und Genosse»! Führt ' PRAG die AtuS-Kasse» ab! Helfergemeinschaft-Sitzung heute um 8 Uhr abends im Barteiheim. B e z u g s b e d i n g u n g e st: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Post»wnatlich Ci 18.—, vierteljätzklich Ci 48.—, halbiährisi Ci 06-—. ganzjährig Xi 102.—.— Inserate werden'läut y Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripien erfolgt nut bei Einsendung der Retourmarken.— Di« Zeitungsfrankatur wurde von der Poft« und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei:.^llrbi»". Druck-, Verlag»« und' ZeitungS-A.-G. Prag.