Sozialdemokrat Erscheint mit««««ahme de» Montag tSgltch frLH«tnaolproto 70 Heller ^^E^tunbNrMawmg^PragXll., Fochova 62- Telephon 58077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17- Jahrgang Donnerstag 27. Mai 1937 Aus dem Inhalt: Sozialministerium prüft die Lage Im Glasmacher- Strelk Komotauer Hutarbeiter Im Kampf Sitzstreik Im Brüxer Revier Mlttelbühmlsdie Luftabwehr* Uebung:»Bomben auf den Hradsdiln« Nr. 123 Molas Offensivkraft erschüttert? Erfolgreiche Luftkampfe Bilbao.(HavaS.) An der Front von ««>».«»ielten die Aufständischen Dienstag abends einige Erfolg«, doch bemächiigten sich die Regierungstruppen aufS neue der verlorenen Po- N"°»°n. An der Front»ei Euzkadi lam es nnr zu schwachen Feuergefechten. ES hat den Anschein, daß der Feind durch dir Niederlagen der letzten Tage st a r l geschwächt ist. Rur d e Flugstreitlräfte des Feindes entfalteten einige Tätigkeit: Sie bombardierten einige Dör- fer und die Stadt Bilbao. , le n c i a.(Sabra.) DaS National- Verteidigungsministerium verlautbart: Regie- rungSflieger unternahmen zwei BombardierungS» anflugr auf Palma di Majorca, das die Flug» und Marlnetafis für dir Angriffe an der Mit- telmrerlüste ist. Bei dem ersten Anfluge wurde ein vor dem Hafen ankerndes Schiff bombardiert. Dieser bewaffnete Fahrzeug der Aufständischen wurde in Brand gesteckt und versenkt. Es wurden auch militärische Objekte ist der Stadt bombardiert. Wie auS Bilbao'gemeldet wird, geriet ein republikanisches Jagdflugzeug an fünf Jagdflug, zeug« der Aufständischen. ES gelang Ihm, einen feindliche» Apparat avzuschießrn, worauf eS selbst abgeschoffe« wurde. Der Pilot wurde verletzt, konnte sich jedoch mittel- Fallschirm retten. A l m e r i a.(HavaS.) Dienstag abends werde Almeria vp» zahlreichen aufständischen Flugzeugen bombardiert, die auf die Stadt 35 Bomben alwarfm. Ein, Bombe explodierte bei dem englischen Schiff„Greated" und durchschlug sein Bordrrteil. DaS Schiff soll ge- funke« sein, die Besatzung blieb jedoch ohne Verluste. Rebellen schießen französisches Flugzeug ab Bilbao.(Reuter.) Ein BerfolgnngSflug- zeug der Aufständischen schoß in der Näh« der Grenzstadt Sopelana nördlich von Bilbao rin Flugzeug der französischen Fluggesellschaft Air Ptzrente ab, welche- den Flugverkehr»wischen Bgtzonne und Bilbao betreibt. Sämtliche Reifenden dieses Flugzeuge- konnten stch jedoch retten, der Pilot wurde schwer verletzt. Schacht In Paris London. Dem Pariser Besuch des Reichs« Wirtschaftsministers Dr. Schacht wird an englischen politischen Stellen besondere Bedeutung beigemessen. Es heißt, daß parallel mit'den Genfer Besprechungen zwischen Eden und DelboS die Pariser Stetten versuchen Watten, die Verständigung mit Deutschland, insbesondere über die Möglichkeiten eines neuen Locarno, zu fördern. Pari-. Zum Besuch Dr. Schachts in Paris schreibt„Echo de PariS": Sich mit den Vorschlägen Dr. Schachts zu beschäftigen, würde Zeitverlust bedeuten. Dr. Schacht ist im nationalsozialistischen Deutschland nicht der Führer, sondern bloß ein Funktionär und das was er sagt, verpflichtet seine Regie- r'ung nicht. Kanzler Hitler nimmt nichts viel Rücksichten gegenüber Staatsmännern, die nicht auS der nationalsozialistischen’' Partei. sind. «Peuple" schreibt, daß die Worte-Phantasie Schacht-..nup nach außen hin bestimmt sei und keinen Wert für das Reich selbst hab^ wo ste wahrscheinlich auch ignoriert werden wirb. ' Dr. Schacht ist mit Ministerpräsident B l u m Dienstag abends auf der deutschen Botschaft zusammengekommen und Mittwoch abends sind die beiden Staatsmänner einander auf einem gesellschaftlichen Bankett begegnet.• Dorlot abgesetztl Pari-. Der Innenminister teilte mit, daß der ehemalig« kommunistisch« Abgeordnete und Obmann det. Bollspartei, Doriot, von Amtwegen der Würde des Bürge rm eist e r- per Pariser.Vorstadt..Saint-Denis Mr verlustig, «rllärt. wurde^.Der.Minister erttärte, daß dieses Maßnahmen mach,- einer Enguete durchgeftih« würde, die U n r e g e l m.ä ß i g k e item bei öffentlichen Lieferungen und ähnlichen Gelegenheiten könstatleitte. Etrich-Streik erfolgreich beendet Krantf gestorben ■i.*7 Prag. Mittwoch um 4 Ahr früh Einstimmiger Beschluß der Arbeiterschaft nach sieben Wochen Streik starb in Prag in seiner Wohnung der ' tschechische Politiker und Obmann der -Partei der Nationalen Bereinigung Dr. Karel Kramäk. men werden. Nach dem Bericht Metzer- wurde einstimmig b es ch l o s s e n, dem Ber- Handlungsergebnis zn» ustkmmen, womit also der Streik seinen Abschluß findet. Bor Abschluß der Versammlung, die nahezu fünf Stunden dauerte, dankte der Betriev-ausschußvor- sttzende H ü l l n e r dem Berhandlungsleiter M« V e r für die einwandfreie Führung deS Kampfe- und dankte auch allen Organisationen und Genoffen, welche die nahezu fiebenwöchentliche Führung des Streik- ermöglicht haben. Er fand mit seinen Ausführungen stürmischen Beisatt. Die Vertreter der übrigen Gewerkschaften schloffen stch dem Bericht des Genoffen Metzer vollinhaltlich an. Mit diesem Beschluß wurde• ein schwerer, ater im Jntereffe der Arbeiterschaft notwendiger Kampf erfolgreich beendet. ES ist ein Erfolg vor allem der Freien Gewerkschaften und der sozialdemokratische» Arbeiter, die durch ihre Solidarität, Einmütigkeit und Entschlossenheit den Kampf entschieden haben. Mittwoch vormittag fand eine Strelkversammlung der Etrich-Arbeiter in Jungbuch statt, in welcher der Vertreter der llnwn Meyer über da- Ergebnis der Verhandlungen über dir Betriebst,rdernngen berichtete. Rach dem Bericht MeyerS ist die Firma Etrich A.-G. bis auf die Forderung, daß alle streikenden Arbeiter wieder eingestellt werden müssen, dr» Wünschen der Arbeiterschaft nahezu restlos entgegengekommen. Hingegen war ein voller Erfolg bei der eben genannten Forderung nach Einstellung sämtlicher Arbeiter nicht zu erzielen, sondern di« Betriebsleitung hat bei sechs von den Arbeitern, die nach ihrer Auffassung beim Ausbruch deS Streikes an den Tätlichkeiten gegenüber einigen Betriebsangestellt«« beteiligt waren, die Wiedereinstellung abgelehnt. Sobald daS gerichtliche Berfahren, das gegen eine Reih« von Arbeitern wegen dieses Konfliktes bei AuSbruch des Streik- eingeleitet wurde, beendet sein wird, wird über daS Schicksal dieser sechs Arbeiter entschieden werden, d. h. im Falle eines Freispruches werden auch sie wieder in den Betrieb ausgenom» Ein neuer Erfolg der westlichen Demokratie Hollands Nazisten aufs Haupt geschlagen Regleruhe Coll|n gewinnt die Jttnhteshlacht Sozialdemokratie verstärkt Ihre Position A m st e r d a m.(Eigenbericht.) Die Wahlen, die Mittwoch in die niederländische »wette Kammer stattgefunden haben, brachte» einen großen Sieg der gegenwärtigen Regierung Eolijn und des demokratische» Gedanke»- über die faschistische Opposition. Die„Antirevolutionare Pattei"(Protestantisch) des Ministerpräsidenten Colij«, die bisher 14 von 100 Sitzen innehatte, gewinnt vier Mandate und wird»nnmrhr 18 zahlen. Der zweite Sieger ist die demokratische Patter und auch die Katholische Partei hat einen nennenswerten Gewinn z« verzeichnen. Die Sozialdemokratie hat sich trotz eine« geringfügigen Stimmenrückgangs sehr gut behau p t e t und wird vielleicht ihre Mandatszahl von 22 auf23 erhöhen könne«. Die konservativ-liberale Pattei wttd 2 bis 3 Mandate verliere», die Kommunisten dürste» von 4 auf 3 Sitze zurückgehro. Der Besiegte dieser Wahl ist aber der holländische Faschisteo- - Genf. In der außerordentlichen Sitzung der Böllettundversammlung wurde zum Vorsitzenden der türkische Außenminister Tewsik Ruschdi Arras' gewählt. Es wurde festgestellt, daß insgesamt 45 Delegationen ordnungsmäßig akkrediett sind ünh 5 Delegationen bisher keine.BeglaubigungSschtet- ben überreicht haben. Abessinien ist überhaupt nicht vertreten. ES. fehlt auch der italienische Delegiette. Die Sitzung der Bölkerbundverfammlung wurde auf eine halbe Stunde unterbrochen/ worauf der Delegierte Polens, Komarnieki, dar Wort ergriff. Er erklärte, ohne Abessinien zu nennen, daß es die Kommission für die Verifizierung der Vollmachten nicht- für geeignet angesehen hat, in ihre Tätigkeit di« Frag« einzubeziehen, welche auch di« letzt« Versammlung ohne Zögern fallen gelaffen.hat. Ditz tatsächliche. Situation, sagte Komarnieki, läßt nicht die Zweifel bestehen, welche- noch! im September vorigen Jahres aufgetäucht-sind, Deshalb- erttärte der polnische Delegierte imNamen der polnischen! Regierung— welche in jedem Teile der Welt. üm den«S'istch handelt, keine direkte», Interessen besitze und die nur an der Zukunft der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen deS Böller» führet Mussert, dessen„nationalsozialistische Partei" halbiert wurde. Sie hatte sich an den letzten Kammerwahlrn nicht beteiligt, doch läßt sich ihre Stimmenzahl mit der von 1935 vergleichen, als sie bei den Provinzialwahle» zum erstenmal in Erscheinung trat und 8 Prozent von Stimmen erhielt. Sie verliert wie gesagt gegenüber 1935 die Hälfte der Stimmen uud wird mtt höchsten- 4 Mandaten in der Kammer vertttten sei».. Die Wahle» find ohne Störung verlaufen, die Wahlbtteiliguug war sehr stark. Der Erfolg ColijnS— rin Erfolg, wie er im Rahme» des Proporze« i» Holland bisher nie erzirtt worden war— ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Regierung von der Konjunktur proftttttte. Die Wahlen sind aber auch eine eindeutige und entschiedene Absage des nieder ländischen B o l- kesandie nazistische Hitlerfiliale de» Herr« Mussert. Lundes interessiert sei, der seine Existenz auf Tatsachen gründen müsse—, daß diese Frage für die polnische Regierung erledigt sei.-- Hierauf erttärte der Vertreter Mexikos, Fabela, daß er die Erklärung' des polnischen Delegierten mit großer Aufmerksamkeit verfolgt habe und feststelle, daß Polen keine'konkreten Vorschläge macht. Trotzdem betonte der mexika- nische Delegierte sehr entschieden, daß Mexiko jede Anregung verwerfe, welche die Ausschließung von Vertretern der Mitgliedstaaten deS Büller» bundeS in di« Wege leiten sollte. Dieser rasche Meinungsaustausch über die Stellung Abessiniens im völkcrbunde hat in Genf die mannigfaltigsten Kommentare hervorgerufen. Die Frage der Mitgliedschaft WessintenS- im Völkerbund« wurde nämlich formell und in einer öffentlichen Debatte der Versammlung zum ersten Male gestellt. In Genf ist man der Ansicht, daß die polnische Del«» aatian deshalb keine konkreten Anträge auf AuS- schnitz Abessiniens gestellt hat, weil.einige-englisch« Vertreter bei der polnischen Abordnung iNkicveniett hatten. Genf.(Reuter.) Aegtzpten wurde Mittwoch einstimmig als Mitglied in den Völkerbund ausgenommen. Eine der bedeutendsten, ja glanzvollsten Persönlichkeiten, die in der tschechischen Politik seit mehr als viereinhalb Jahrzehnten ein« Rotte gespieü haben, ist von der Bühne des Lebens abgetreten. Obzwar ost«in Gegner des Befreiungskampfes der Arbeiterklasse, war Dr. Karl Ära- mät doch ein kultivierter und ritterlicher Gegner, dem man im Leben nicht di« Achtung versagen konnte'und die man- dieser politisch fest uistnfft«- neu Gestalt erst recht nicht verweigern famf'H* dem Augenblick, da diese Wirksamkeit aufhört. Um es mit einem Wott zu sagen: Kramäk' war ein Symbol des großartigen Ausstieges des tschechischen Bürgertums in den sechs Jahrzehnte» von 1860 bis 1920 so wie etwa Tusar und Habr- mann den Aufstieg der tschechischen Arbeiterklasse verkörperten. Dieses Bürgertum stand erst im Schatten des Adels, es war konservativ und gehörte der alttschechischen Partei an. Erst tarltm- bruch um 1890 befreite es sich von dieser Vormundschaft und ging eigen« Wege. Damals traten drei neue Männer auf, die einen neuen Geist tn die tschechische Politik, brachten: Masaryk, Kaizl und Kramäk. Masaryk zerschlug sich bald mit der jungtschechischen Partei— er war zu wenig Bürger, Kaizl wurde Finanzminister im Kabinett Thun,' starb aber schon 1991,. während Kramäk bald der einstußreichfte Führer der Partei wurde — auch der geistige Führer zum Unterschiede von jenen, die dazu durch eine mehr lärmende als gehaltdott« Propaganda auf dem Markte aus- gerustn werden. Die Bürgerlichkeit Kramäk kam schon darin zum Ausdruck, daß in seiner sorgfältigen Erziehung, nicht gespart werden mußte. Sein Vater, ein wohlhabender Baumeister, konnte den am 27. Dezember 1860 in Btzsoka ä.'Jser' geborenen talentierten Sohn in Prag und Berlin, in Straßburg und Paris studieren lassen.-So trat der junge Dokwr wohl vorbereitet, nationalökonomisch und historisch geschult, ins politische Leben. Man konnte von ihm sagen: er kam, sah und. siegte. Mit 81 Jahren war er Abgeordneter, mit 85 Mitglied- der Delegationen, mit. 86 Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. In der Innenpolitik war er von einem wahrhaften Radikalismus, der Tat erfüllt, er errang für fein Boll Erfolg auf Erfolg. Er wär ein Anhänger deS böhmischen Staatsrechtes, dem er schon in feiner Jugend eine Studie gewidmet hatte, aber er wollte«s„im Rahmen eines förderallstifchen Oesterreich", verwittlichen, wie er es in einer 1906 erschienenen Schrift auselnandersehie. Mutig bekannte er darin, daß die tschechische Ration «in Oesterreich relativ noch unter den besten-Bedingungen für ihre kulturelle, politische und wirt- fchaftllche Entwicklung leben- kann". Allerdings wollte er«in Oesterreich, auf dessen Politik bie Tschechen starken Einfluß haben sollten und deswegen bekämpfte er di« Außenpolitik der Monarchie, die immer mehr in Abhängigkeit von jener des Deutschen Reiches geriet, er war ein scharfer Gegner des Dreibundes, den er in französischen Und englischen Zeitschriften heftig an griff.. Im klebrigen muß man zugeben, daß seine Pvlitik im alten Oesterreich demokratisch wär, daS tschechische Bürgertum hatte, durch die Beseitigung deS Pri« vilegienwahlrechteS gegenüber, dem deutschen nur polnischer Liebesdienst für Italien Um die Zulassung Abessiniens z Mexiko gegen Polen Seite 2 Donnerstag, 27. Mai lüg» Nr. 12» zu gewinnen, und so trat er seinerzeit für daS gleiche Wahlrecht ein— der Zufall will es, Lag er kurz nach dem Gedenktag dieser Kämpfe gestorben ist. Sein politisches Gesicht hat sich freilich im Kriege gewandelt. Oesterreichs Kriegserklärung an Rußland 1814 war für ihn die stärkste seelische Erschütterung. Er, der an Rußland so hing, sich seine Frau von dort geholt hatte und für den das Allslawentum so viel bedeutete, sah seine ganze frühere realpolitische Konzeption zusammenstürzen. Seine Liede zu Ruhland verführte ihn dazu, vdm Zarismus die Befreiung seines Bolles zu erwarten, er strebte ein russisches Jmpeciuni an, zu dem Böhmen in einem Verhältnis stehen sollte inte etwa früher zum römischen Reich. Die österreichische Regierung lvar so täppisch, gerade ihn verhaften und ihn sogar zum Tode verurteilen zu lassen. DaS hat seine Popularität ungeheuer gesteigert und als er begnadigt nach Prag zurückkehrte, war seine Fahrt voin Bahnhof' in seine Billa am Belvedere ein Triumphzug. Seine Autorität lvar in den letzten Kriegsmonaten so groß, daß er Vorsitzender des Nationalrates und nach dem Umsturz Ministerpräsident und Führer der tschechoslowakischen Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz wurde. Es war, als ob sein Stern noch einnial hell aufleuchten sollte. Bald aber begann der Abstieg. Nach den Ge« nreindewahlen von 1818 übernahm die Sozialdemokratie die Führung der tschechischen Politik, KramäL muhte zurücktrctcn, Tusar wurde Ministerpräsident. KramäL hat nicht begriffen, dah die soziale Entwicklung seines eigenen Volkes, der Ausstieg der Arbeiter und Bauern, das Bürgertum kn zweite Reihe drängte und er hat das auch dem Präsidenten der Republik, der in Treue zur parlamentarischen Demokratie handelte, nicht vergessen. Alte politische Gegensätze der zwei grohen Gegenspieler Masarhk und KramäL kamen wieder zum Vorschein— aber die Geschichte hatte der politischen Auffassung MasarykS Recht gegeben, im Kriege und nachher, die soziale Demokratie MasarykS hatte über die bürgerliche Demokratie Kramäks gesiegt, weil sie in der Linie deS geschichtlichen Fortschritts lag. WaS KramäL in de» letzten Jahren tat, entsprach vielfach nicht der realen Politik, die er einst betrieben hat und war wohl von Ressentiments nicht frei. ES hat den meisten mihfallen und viele seiner Freunde geschmerzt, als er vor den Wahlen 1888 die Kom- panie mit Stkibrnh einging, seiner Partei hat er damit nicht genützt, eine Reihe angesehener Männer verlieh ihn und der erhoffte Stimmenzuwachs blieb ans. Trotzdem hat er in manchen Augenblicken gezeigt, dah er ein Politiker ist, so als er sich km Feber nicht von den Nationalisten in seiner Partei beeinflussen lieh und die nationalpolitischen Vereinbarungen guthich. Krankheit hatte ihn seit Jahren ersaht, der Tod seiner Frau schwer erschüttert, man konnte auch al? Gegner dem greisen Politiker das Mitgefühl nicht versagen. So liegt ein Leben abgeschlossen vor uns, das reich an Erfolgen war und zum Schluß der Tragik nicht entbehrte. Eine aufsteigende Klasse hatte einen geistig bedeutenden Sprecher gesunden, der sie glänzend vertrat; mit dem Abstieg deS tschechischen Bürgeriums muhte auch der Glanz seines Führers verblassen, sein Stern wurde von anderen Sternen überstrahlt. Die soziale Entwicklung der Klasse, deren Wortführer er war, ist die Ursache, dah kein Nachfolger da ist, der an ihn heranreicht. Die Geschichte aber wird ihn einreihen in den Areopag der grohen Politiker, ivelche dieses kleine Voll hervorgebracht hat. JUNGES WElB* VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT „Komm, setz' dich doch, Veronika..." Und die Mutter zog einen Stuhl heran, und Veronika setzte sich, aus den Bäumett lag die Sonne, die Gartenkräuter dufteten in das offene Fenster, daS Licht brach sich an den Gegenständen der Stube und strömte über sie hinweg— und— cs— war— zu— spät „Und wenn du ihn zurückholtest, Veronika, mit dem Wageit vielleicht? Er'ist doch erst seit gestern morgen fort?!" Seit gestern morgen... „Er war dir nachgesahrcn, glaube ich, er dachte wohl, dah du ihn mit irgendjemandem betrügst I" Nachgesahren... Sie sah sich an der Seite Truckenbrotts durch den Morgen gehen, nachtkühl standen die Bäuine an den Straheit ihrer Stadt, der Fluh strömte in seinem Uferbett, gewaltig, unaufhaltsam aus der Stadt hinaus, an den Dörfern vorbei, durch fruchtbare Ebenen, drängend und ewig bis ins Meer. So war sie heimgekehrt, mit diesem grohen Gefühl der Bereitschaft, und nun >var es zu spät, und er verbot ihr, ihm nachzufolgen, nachzuspüren, ihn Heimzubitten, weil er dieses Heim nicht mehr anerkenne,— er schrieb, dah er aus ihrem Leben verschwinden müsse, damit dieses Leben endlich ein ganzes und ein erfülltes werde. Er. schrieb, dah sein Dasein das ihre erwürgt hätte von Anfang an,— er schrieb, dah er einsähe, wie unrecht er gehabt habe, als er sie an sich band, er forderte von ihr, dah sie Dr. KramäL war bereits einige Wochen schwer krank. Er überstand eine Lungenentzündung und erlag jetzt allgemeiner Körperschwäche. Fast bis zu seinem Tode war er bei klarem Bc- lvuhtsein und interessierte sich' lebhaft für das politische Leben. Noch Dienstag abends empfing er den Generalsekretär der Partes, Dr. Horäk, der ihm den üblichen politischen Bericht erstattet«. Auch, empfing er Prof. Dr. Libensih und Dozent Dr. Brumlik. Abends nach neun Uhr schlief er ein und erwachte nur für'einen Augenblick ungefähr um 8 Uhr früh/ Dann schlief er neuerlich ein und verschied etwa um 4 Uhr ruhig. Da» Beileid de» Präsidenten Prag. Zu Mittag fand sich in der Villa Dr. Kramäks der Kanzler des Präsidenten der Republik Dr. Pkemysl Samal ein, welcher in Vcr- B u d a p e st.(MTJ) Außenminister Kanya hielt Mittwoch im Abgrordnetenhause rin mehr nlS einstündigrS Expoft, worin er flch eingehend Uber die europäische Lage äußert«. Ein' großer Teil seiner Ausführungen war der Kleinen Entente und dem Verhältnis Ungarns zu dieser Staatengritppe gewidmet. Die Aussichten einer AnnäherungSpolitik im Donaubecken haben sich gebessert. Ungarn gehe in seinerZuvorkommenheit bis an die äußersten Grenzen und wacht», den BerhandlungSwille» der Kleinen Entenw-Staaten nach Möglichkeit zu wecken. Di« Behauptung, Ungarn würde ein« Annäherung an schwer« Bedingungen knüpfen, sei durchaus nicht stichhältig. Ungarn stelle keine Bedingungen auf. Dir sich auS demGeist und dem Text des Bölker- bundpaktcS ergebende Souveränität Ungarns müsse n n b« d i n g t n n d ohne irgendeine Gegenleistung anerkannt werden. Die im Dezember 1832 grundsätzlich verkündew Gleichberechtigung Ungarns müsse auch in der Praxis verwirklicht werden. Schließlich verlangt Ungarn, daß die Frage der M i n d e r h e i t e n, die zu einem Zenwalproblem geworden fei, eine den Intentionen der bestehenden Berwäge entsprechende Regelung erfahre. Ohne eine befriedigende Regelung dieser beiden Fragen seien ernstliche Verhandlungen oder eine Annäherung überhaupt nicht zu erwarten. Wenn von ungarischen Bedingungen überhaupt gesprochen«erden könne, beziehen sich diese bloß darauf, daß die anfällige Annäherung auf wirtschaftlichem»der politischem: Gebiete in jeher Hinsicht den Römischen Protokollen entspreche. Ungarn sei sich vollständig im Klarm darüber, daß nach jahrelanger feindseligen Hetze. di« che- stehenden Fragen nur nach langwierigen Brrhand- hingen gelöst werden können. Der Minister schloß seine Ausführungen, Indem er der Hoffnung Ausdruck gab» die Kleine Entente werde nicht vollständig daS politische Augenmaß verlieren und den Kampf gegen eine natürliche und unaufhaltsame Entwicklung fortfetzen und Ungarn nicht in eine Richtung drängen, die bisher, obwohl weder moralische noch rechtliche Hindernisse beständen, konsequent vermieden wurde. Sollte die Kleine Entente ein Zusammenwirken mit ihr verhindern, so werde Ungarn bemüßigt sein, ohne sie auf den bewährten Wegen weiterzuwandeln. tretung des Präsidenten der Republik dem mit deut Vorsitze der Partei betrauten Dr. Richard .Fischer, dem Vorsitzenden des Abgeordneten» klubs der Nationalen Vereinigung Abgeordneten F. Jejck und dem Generalsekretär der Partei der Nationalen Vereinigung Dr. V. Horäk das Beileid des Präsidenten zum Ableben des ersten Ministerpräsidenten der Tschechoslowakischen Republik zum Ausdruck brachte und in herzlichen Worten die Bedeutung und die Veidienste des Verstorbenen würdigte. Bei dieser Gelegenheit verneigte er sich am Sterbelager und legte auf daS Sterbebett einen Rosenstrauß.— Bald darauf erschien Kardinal-Erzbischof Dr. KaSpar, um sein Beileid auSzudrücken. Die Bestattung Dr. Krams»« erfolgt Samotag vom Pantheon au» al» Staat»begräbnl». Paris. Die Genfer Berichterstaitir der Pariser Blätter verzeichnen die Unterredungen, welche der französische Außenminister DelboS mit den Delegierten der Kleinen Entente-Staaten in Genf hatte. Die Unterredungen drehen sich, wir die Pariser Blätter schreiben, Um die Lage in Mitteleuropa nach der vor kurzem erfolgten, Klärung der Probleme in London und Paris, und zwar hauptsächlich um das Verhältnis der Kleinen Entente zu Ungarn und die geplante Ankündigung seiner Aufrüstung. Der Berichterstatter des„Petit Journal" teilt mit, daß sich Rumänien, die Tschechoslowakei und Jugoslawien nicht prinzipiell gegen die Forde- rnng Ungarns nach Gleichberechtigung stellen. Sie wollen nicht, daß die Sache in der Form einer einseitigen Aufkündigung des Friedensvertrages vorgenommen werde, und glauben, daß di« Anerkennung der Aufrüstung Ungarn» bestimmte Garantien enthalten müsse. Die Tschechoslowakei wolle nicht, daß diese Angelegenheit ein Hindernis bilde, welches die Entspannung zwischen Prag und Budapest bedrohen würde. Sie wünscht, daß sich der Ministerpräsident mit jenen Staaten einige, welche von der Aufrüstung Un» garns am meisten betroffen werden. Mit anderen Worten, die Staaten der Kleinen Entente würden den Wunsch hegen, daß sich Ungarn nach dem Beispiele der Konferenz in Montreux richte, wo die Remilitarisierung der Meerengen durch eine Vereinbarung aller interessierten Staaten zustande kam. ^Neu-Orientierung Oesterreichs? In„LePc u ple". dem Hauptorgan der belgischen Sozialdemokratie, beschäftigt sich dessen Lußenpolitiker JexaS in einem Leitartikel mit den drei Problemen, die jetzt die europäische Politik vorwiegend beherrschen: mit der Frage Spaniens, mit dem Westpakt und mit dem Problem der Donauländer, lieber diesen letzten Punkt läßt sich JexaS also vernehmen: Oesterreich und Ungarn im Gegenspiel-wischen dem Imperialismus Hitlers und dem Mussolinis keine Garantien ihrer Unabhängigkeit mehr finden, fangen sie-an, anderswo zu suchen, nämlich in der Richtung eines besseren EinVerne hm en S m i t der Ts ch e cho sl o« w a k e i, was«ine Annäherung an Lands n u n d P a r t S in sich schließt. Man Ist sehr wenig Über die tatsächlichen Ergebnisse der Uiiterredungen informiert, die der österreichische Außenminister mit Eden und DelboS hatte. Aber auf jeden Fall werden die Staatslenker in Wien nun ein wenig besser wissen,.woran sie sich zu halten haben. Sie werden sich klarer sein über die Möglichkeiten, die ihnen eine neue Orientierung ihrer äußeren> und inneren Politik böte, aber zweifellos klarer auch über die Gefahren, die sie beim Beharren auf ihrer alten Linie liefen. In der österreichischen ebenso wie in der tschcchoflowtzkischcn Frage, aber auch in der Spanien» und in der dec europäischen Sicherheit überhaupt, hängt jetzt alles von den Entschließungen und von der Kraft Englands und Frankreichs ab, ebenso von engster Einigkeit der Beurteilung durch die zwei demokratischen Großmächte." London. Nach einer Meldung au? Tirana ist Etem Toto, der Führer der letzten Aufstandrbewe- gung in Albanien gegen König Zogu, auf der Flucht erschossen worden. Fünf seiner Mitarbeiter wmden gefangen genommen. Warschau. tPat.) Wie amtlich gemeldet wird, lud der rumänisch« Thronfolger Mihai während seine» Warschauer Aufenthalte» den Präsidenten MoScicki zu einem Besuche Rumänien» ein. Diese Einladung übermittelte Mihal im Namen de» König» Carol. Der Besuch de» Präsidenten MoScicki in Rumänien wird in den ersten Juniwgen erfolgen. Berkin. Amtlich-wird mttgeteilt: Auf Einladung deS italienischen Regierungschef» begibt sich der Rcichskricgsntiniftcr und Oberbefehlshaber der Wehrmacht Generalfeldmarschall von Blomberg am 2. Juni 1687 für drei biSvier Tag« zu einem Besuch der Italienischen Wehrmacht nach Rom. Pravo Lldu über unsere Parteikonferenz „Mit Freuden haben wir", so schreibt das „Prävö Lidu",„den Verlauf der Reichskonferenz der deutschen Sozialdemokratie verfolgt, aus der ersichtlich wurde, daß daS Selbstbewutzt- sein und der Mut unserer deutschen Genossen abermals begründet wachsen." Das Blatt gibt dann einen Bericht der Konferenz und schließt den Artikel mit folgendenWorten:„Die Konferenz hatte einen''gelün'gtztten Verlauf und'ssk eiiti Beweis der sich bessernd»!: Verhältnisse im deutschen Lager. Es läßt sich erwarten, daß sich in den Gemeinden im Herbst ein neues Wachstum der deutschen Sozialdemokratie in bemerkens» werter Weise zeigen wird. Es wäre dies zum. Wohle der Republik." • Hl VlU UU| AUltll UIIV VUVII*| t|lf UUQ| IUJ UUt-L Uli pest auSübt, sich weiter zu entwickeln. Indem| wesens seit 1928 nichts geändert hat. „Was dar Donau-Problem anlangt, beginnt die Situation unter dem ärgerlichen Effekt, den die Achse Berlin—Rom auf Wien und Buda- Für die Verstaatlichung deS Rundfunk-. Die tschechischen nationalsozialistischen Abgeordneten haben an den Ministerpräsidenten eine Interpellation gerichtet, in welcher sie die Verstaatlichung deS Sendewesens verlangen. Sie verweisen darauf, daß der Staat zioar seit 1828 kapitalsmäßig mit 51 Prozent am Radiojournal beteiligt ist, daß sich aber an der Organisation des Sende- Ungarn und die Kleine Entente Souveränität, Gleichberechtigung, Minderhelten-Regelung als Bedingungen der Versöhnung ohne Rücksicht auf ihn ihr Leben gestalten solle, offen und ehrlich, nicht heimlich und versteckt, wie sie es getan habe alle die Zeit.,. Und er schrieb, daß er die äußeren Dinge Uber die Adresse seiner Schwester Hanne erledigen würde. Er hoffe, daß sie damit einverstanden sei; er wisse selbst noch nicht, wohin er gehe, wa» aus ihm werde— nur, daß das ein Erwe haben müsse mit ihnen beiden, das wisse er. Ein End« haben... die äußeren Dinge<,. „Willst du nicht irgendetwas unternehmen, Veronika?" Die Mutter, brachte heißen Kaffee und stellte die Tasse auf den Schreibtisch neben den Brief. „Nein, nichts..." Veronika nahm die Tasse, trank, setzte sie wieder zurück, kraftlos, betäubt, sah immer nur vor sich hin. ,„WaS— schreibt er denn, Veronika?" „Da, lies doch, Mutter.,.". Und immer noch schaukelten die Zweige ins Fenster, und die Blatter waren von der Sonne wie in Gold ertränkt... „Was hast du denn gewn, Veronika, daß er das schreibt?" Sie hob die Schultern, sie antwortete nicht. Was hatte sie getan, daß ihr nicht einmal das erspart bleiben könne, verlassen zu werden von ihrem Mann, ehe alles gebeichtet war? „Will er sich scheiden lassen, meint er das damit, Veronika?". Scheiden lassen,— meint er das...? Es war, als sei ihr die Sprache Abhanden gekommen, sie brachte, keinen Ton mehr aus der Kehle, eiskalt waren die Hände, in den Schläfen zerrten die Nerven, rissen durch den ganzen Kopf, erdrosselten mit zuckenden Strängen das Herz. „Und euer Kind? Was soll denn aus dem Kinde werden, Veronika?" Wa» soll denn aus dem Kinde werden...? tönte das Echo aus irgendeiner Ferne. Sie öffnete den Mund, sie preßte die Hand an die schmerzende Stirn, Veronika, und konnte doch nicht einmal den Atem aus der Lunge stoßen, selbst, das. war zu schwer,. selbst das war schon zuviel, lautlos, wortlos, gefühllos saß sie da und hatte wie einen tausendfach verstärkten Laut immer nur die Worte der Mutter im Ohr. Was soll denn aus dem Kinde werden?? Und erhob sich endlich, und nahm alle» um sich herum mit schmerzender Deutlichkeit tvahr, abcs e» ging sie nichts mehr an. Alles schrumpfte zusammen, überall wehte ein EiseSatem, und sie lief durch die Räume, suchend, gehetzt, und dann noch einmal, langsam, wie mit Eisenketten an den Füßen, wie von Gewichten, niedergezogen, lief vom Keller bis auf den Boden,— und er war fort und alle Dinge waren noch erfüllt von seinem Leven. Da hing ein Mantel von ihm — da ein Rock— da standen ein Paar Stiefel... Durch die Adresse meiner Schwester Hann« erledigen... ging es thr durch den Kopf... erledigen... erledigen... Man muß es erledigen, flüsterte es in ihr, eS mutz doch ein Ende hichen, daS alles, mutz doch einmal zu Ende sein... Sie blieb am Bodenfenster stehen, sie sah hinab auf das Dorf, rot blinkten die Dächer aus, da» Holzfachwerk hob sich klargezeichnet in den frühen Sommer,— es muß ein Ende haben... und sie beugte sich weit hinaus,— aber unten spielte das Kind, zwischen blühenden Sträuchern in der grausamen! Lieblichkeit dieses Tages,— und sie lief die Treppe wieder hinab, eine Gejagte, eine Verlorene,— und sie stürzte in den Garten hinaus. „Wo willst.du hin,-Veronika? WaS willst du tun?" Die Mutter folgte ihr;, die Mutter hatte Angst um sie,— aber es war doch aus, zu Ende war es nun, und niemand brauchte. nun mehr Angst zu haben um Veronika,.. Sie kniete nieder auf dem GartenkieS und zog da» Kind zu sich heran. „Willst du nicht wenigstens an seine Schwe-, ster schreiben, Veronika? Vielleicht Hilst dir auch Bernd? Er meint es doch so gut..."' Er meint eS doch so gntl Wer hatte es nicht „gut gemeint" mit der Veronika? Sie spürte die' Hände ihres Kindes im Haar. „Ich will nun nichts mehr Mutter... Nur hierbleiben noch... Nur hierbleiben dürfen...' bei Euch..." « Doch nicht einmal das war so einfach, nicht einmal das. Ausruhen, hatte einmal einer gesagt, wann war eS doch? Du muht nun au»« ruhen, Veronika... nichts mehr denken... und morgen früh finden wir schon einen Weg... Truckenbrott hatte er geheißen. Warum nur hatte sie alles so tief vergessen, als sei es nie geschehen? Morgen früh, hatte er getröstet. Nun aber gckb eS keinen Morgen mehr für Veronika, so ost das Licht deS Tages auch noch durch die Nacht brechen würde. Und wenn sie nur auSru» hen dürste, hingestreckt in die Leere ihres Daseins, dann war eS schon genug, denn»etwas anderes erwartete sie schon nicht mehr, Doch ob sie eS erwartete oder nicht: eS kam zu ihr, man ließ ihr keine Ruhe, man zerrte an ihr, bis sie völlig aufgerieben war. In der Gestalt der alten Hirschenwirtin keuchte, das Schicksal noch einmal, den Weg hinan in da» Haus der Veronika. Die Leute blieben am Wege stehen;'die Leute bekreuzigten sich. Bei Gott, nun hat sie den Verstand verloren, flüsterten die Leute hinter"ihr her und sahen der Alten nach, die sich das Haar raufte, an ihren Kleidern riß; die Verwünschungen und wüste Drohungen ausstietz, im Schmerze tobte, Anklage erhob und im Haus« des Landarzte verschwand. Rosai Rosa war gestorben in dieser Nacht. Wie«in Lauffeuer hatte e» sich' sm Dorfe verbreitet. Rosa war gestorben; und her Doktor war geflohen.». ' llFodtsetzung folgt# Nr. 123 Donnerstag, 27. Mai 1837 StUe 3 'fadetendeutsdier Zcifepiegef i Der Existenzkampf Neues aus Henleins Wahlküche der Komotauer Hutarbeiter der bei 118 lasche, zur Stelle war. Auch die anderen Paria» mentarier traten mit Mut und Immunität ausgerüstet in Aktion und es kam, wie uns mitgeteilt wird, zu bedrohlichen Szenen. Angeblich sollen sich sowohl die SA-„Ovdner", wie auch einige Parlamentarier den staatlichen Organen widersetzt haben. So kamen die richtigen Nazi doch zu einem Theater, die bestiefelten Weißhemden aber dürften etwas anderes zu gewärtigen haben; doch sie sind ja versichert... Eröffnung eines Jugendhauses in Sandau. Der SJ-Krei» Nordböhmen teilt mit, daß das erste Jugendheim des Verbandes am Sonntag, den 18. Juni, um 10 Uhr vormittags in Sandau mn Pölzen eröffnet wird. Mit der Besichtigung und Eröffnung ist«ine schlichte Feier aus Anlaß de» zehnjährigen Bestandes der SJ-KreiSorgani- sation Nordböhmen verbunden. Bilbao auSgeführt haben, Typ Heinkel 111 sind. Er hat sich während deS ganzen TageS an ver- fchirdenen baskischen Fronten aufgehalte» und hat durch sehr stark« Ferngläser die verschiedenen Typen von Bombenflugzeuge» fest stellen können, welche die republikanischen Linien bombardiert und au» Maschinengewehre» beschossen haben. Bel Ueberprüfung der Trümmer«ine» Heinkel bl, der durch die Republikaner abgeschossen wurde und bei Ueberprüfung«ine» Teiles de» Motor» diese» Flugzeuge» konnte der Experte Mr. Me Kinnor Wood feststellen, daß es«in B.M.W. «-Apparat wart also deutschen Ursprung». Er stellt« gleicherweis«fest, daß die Instruktion diese» Flugzeuge» in deutscher Sprache verfaßt war, obwohl dir von den Deutsch«» au»- geführten Flugzeuge gewöhnlich die Instruktion in der Sprache de» Lände», in da» sie geliefert werden,«halte». Diese vesanderheit beweist, daß die Flugzeuge v o n d« u t s ch e n P t l o- ten« e f ü h r t wurden. McKinnor Wood hat an Mr». Rathebornj, Abgeordnete de» britischen Parlament» und. Prästdentin de» britische» Komitees zur Untersuchung über die Ver- letzungen de» RichtinterventionSpakte» folgendes Telegramm gesandt: »Bin vollständig davon überzeugt, daß Guernica mit Explosiv- und Brandbombe« bombardiert und von deutschen Fliegern au» Ma- schimngewehren beschaffen wurde. ES kann dar- üb« kein Zweifel herrschen,' Wir hwben vor kurzem die Schrift gewürdigt, die von der Werbestelle der SdP zur Vorbereitung der Gemeindewahl hinau»gegeben wurde. In unserer Darstellung beschränkten wir uns auf die Wiedergabe jener'Stellen, welche die taktische Grundhaltung der SdP betreffen. Heute Wüllen wir un» einige technische Vorschläge der SdP-Werbestelle zur Vorbereitung und Durchführung der Wahl ansehen.. Zunächst wird allen Stellen der SdP der Rat gegeben, beharrlich zu trommeln. E» dürfe überhaupt keine Gelegenheit vorübergehen, ohne daß von den Gemeindewahlen geredet wird. Schon jetzt werden die SdP-OrtSgruPpen mit dem Mieten einer Wahlkanzlei be« faßt und mit derSicherungeineSTele- p h o n d i e n st e s.»Die Wählkanzlei soll Fernsprechanschluß oder ein Pribattelephon in unmittelbarer Nähe zur Verfügung haben. Auf alle Fälle empfiehlt eS sich, außerdem eine vertrauliche. Reservenummer bereitzuhalten, über die Nachrichten und Meldungen durchgegeben werden, falls die offizielle Nummer ständig„beseht' sein sollte"— so heißt eS in den Richtlinien. Di« SdP-Wähler werden aufgefordert, sich durch Peutsche Kunstdenkmäler In der Zlps Im Kun st verein für Böhmen in Prag findet gegenwärtig«ine Ausstellung deutscher Kunstdenkmäler in der Zipr statt. Einige Hundert photographischer Aufnahmen in Vergrößerungen führen den reichen Bestand alter Kunst vor, der in Kirchen und Rathäusern, in Bürgerhäusern und Bauernstuben, in Städten und Dörfern diese» deutschen Siedlungsgebietes am Südosthang der Hohen Tatra erhalten geblieben ist. ES sind Schätze aus vergangener Zeit, Architektur, Stein- und Holzplastik und Malerei vorwiegend au» der Zeit der Gotik, der Renaiffance und des Barock. Ein erstaunlicher Reichtum an Kunstbesitz ist in diesen Bildern auSgebreitet, ein Reichtum, dem zur Zeit seiner Entstehung auch der wirtschaftlich« Wohlstand der Zipfer Deutschen entsprach. Besonders. Kesmark, Leutschau, Kaschau und da» Zipser Kapitel beherbergen in ihren Kirchen und Rathäusern wahre Schatzkammern künstlerischen Gutes, wie e» in gleicher Bedeutung und Fülle in kaum einer sudetendcutschen Stadt, weder in Reichenberg noch Teplitz- Aussig, noch Brüx anzutreffen ist. Aber auch klein«« Orte und selbst die abseitigen Dörfer der Zip» weisen Kunstschätze auf, die in bekannteren Gegenden längst zu den herühmten Sehenswürdigkeiten zählen würden. Diesen Bestand hat«ine Gruppe von Photographen, darunter auch zwei Prager, in mehrjähriger Arbeit im Auftrage des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft in Berlin für ein Werk ausgenommen, da» von Dr. OSkar Schürer, dem Per- faffer der bekannten großen Monographie der Stadt Prag, in Gemeinschaft mit Dr. Erich Wiese bearbeitet wird und das unter dem Titel„Deutsche Kunst in der ZipS" im Herbst dieses Jahre» cr- . Gemelndewahl-Vorabstlmmuns auch In Aussig Die Wahlleitung der SdP-OrtSgruppe Kleische versendet an alle Mitglieder der Sudetendeutschen Partei«in„vertrauliches" Schreiben, in da» außenstehenden Personen, insbesondere■ den Anhängern gegnerischer Parteien, kein Einblick gewährt und über dessen Inhalt keinerlei Mitteilung gemacht werden darf. In dem Rundschreiben, da» aber trotz größter Vertraulichkeit in die^Hände Außenstehender geriet, wird auf'die Bedeutung der Gemeindewahlen als Dollswahlen hingewiesen. Ferner werden die„Kameraden" und„Kameradinnen" aufgeforderr,«inen archängenden Fragebogen— einen Abstimmungsbogen— auszufüllen. Obwohl die Fragen auf dem Fragebogen getarnt find, geht mit aller Klarheit daraus hervor, daß mit den Bogen, die auSgefüllt in geschloffenem Umschlag einzusenden sind, eine Probeabstimmung vorgenommen wird. Bilbao. lAgene« Espagne). Mr. Mc Kinnor Wood, früherer Chef de» Departement» für aero-dynamische Untersuchungen im britischen Luftfahrtmintstertum und Mitglied«In« englische« Expertenkomniiffion, di« im Begriffe ist, eine Untersuchung über da» Bombardement voll Guernica durchzuführen, teilt die ersten Resultate feiner Untersuchung mitt Alle» beweise, schreibt Mr. Mc Kinnor Wood, daß da» Bombardement d« Flugzeuge» da» da» Ba»kenland in eine Höll« verwandelt hat,««»schließlich von brutsche« Flugzeugen durili geführt wurde. Ich habe mehr al» fünfzig Phow» von Flugzeugen den Ueberleben- de« au» Guernica gezeigt. Sie waren alle imstande, die Heinkelflugzruge zu bezeichne« und dir Dchnellbombenflugzeuge von Heinkel. Einige vrandtomben, die in Guernica gefunden wurden, wag«« di« Marke der rheinischen Eisenindustrie. Die Brandbombe« sind datiert von 1V88. Es sind alte Modelle, die man nicht mit Genauigkeit üb« militärisch verteidigte Objekte abwerfen kann, fondem dir man auf gut Glück zum Bombardement von größeren Objekte» benutzt. Die» alle» hat mich überzeugt, daß da» Bombardement von Guernica von Deutschen durchgeführt wurde, zu de« einzigen Zwecke, dir ZWlllevölkerung unter Terror zu setzen. Mr. Me Kinnor Wood hat ferner mit Genauigkeit fest'tellen könuev, baß die Bombeufiu^- zeuge» die Dienßtag morgen» eine« Flug Mer ver Glasarbeiter-Streik Verhandlungen Im Füraorgemlniaterlum Die große Enquete de» Fürsorgeminisie- riumS über die Ursachen der Strettbewegnng der Glasarbeiter im Jsergebirge und im Turnau- Eisenbroder Gebiet, fand Mittwoch vormittag» Unter dem Vorsitz deS-Fürsorgrminister» Jng. Ne Sa» statt. Dir Btthandlungen gestalteten sich sehr schwierig und dauerten ganze vier Stunden. Da» Fürs»rgeminist«ium war bestrebt, dic Standpunkte beider Parteien einander anzu- uähern und die BorauSsetzungen für eine friedliche Liquidierung de» Lohnkonflikt» zu schaffen. Di« Frage der Erklärung der H a n d» Werks Mäßigkeit wird wahrscheinlich In nächster Zeit in der Regierung definitiv gelöst w«den. Die Regelung der Löhne der Heimarbeit« verträgtkeinen Aufschub«ud muß im Jntereffe de» sozialen Frieden» und der darbenden 80.000- Glasarbeiter-Familien Lösung»«geführt werden. ♦ Bergarbeiterstreik Am VenuS-Schacht in Kummerpursch Brüx sind am Dienstag abends um 9 Uhr Mann der Belegschaft infolge Lohndifferenzen in den Sitzstreik getreten. Bis zur Stunde sind die Streikenden noch im Schacht. Oer Lohnkonflikt bei Reiniger noch Immer nicht beendet! Dienstag, den 28. Mai, nahm die Belegschaft der Komotauer Hutfabrik Reiniger in drei Schichtversammlungen zu dem Ergebnis der Vertragsverhandlungen Stellung, über welche der Verbandsvertreter Genoffe Köller einen Bericht erstattete. In geheimer Abstimmung lehnten von 226 anwesenden Arbeitern 218 daSschä« big« Lohnangebot der Firma ab und verlangten stürmisch di« beschleunigte Fortsetzung der Verhandlungen über das letzte AngebotderArbetterfchaft. Den Bemühungen der zuständigen Bezirksbehörde gelang e», solche Verhandlungen bereit» für den 26. d». anzuberaumen, doch mußten die Verhandlungen infolge Verhinderung des zuständigen Gewerbe-Inspektor» auf den 31. Mai verlegt werden. Um der objektive Vermittlung dieser Behörde nicht verlustig zu gehen, haben die Arbeiter den Aufschub der Entscheidung auf den 31. Mai zugestimmt, obwohl die Verbitterung unter der Komotauer Hutarbeiterschaft und besonders unter den mehr als 200 Frauen überaus g r oß ist. Es wär« darum dringend zu wünschen, daß dem Ringen der Komotauer Hutarbeiter und Hutarbeiterinnen um einen anständigen Vertrag und gegen Schundlöhne von 1.40 und 1.60 lkö für erwachsene Arbeiter endlich Erfolg beschieden seil persönliche Werbung die größte Mühe zu. geben. Den Indifferenten sollen persönlich« Werbcbrlefe geschrieben werden. Die Kameraden und Kameradinnen werden aufgefordert, sie„auf Vorrat" zu schreiben., Ein besondere» Kapitel befaßt sich mit den „Spaltpilzen". Da» sind die Leute, die von der Henleinbewegung abgefallen sind und sie nun bekämpfen. Die Richtlinien der Werbestelle empfehlen da» Totschweigen dieser Gruppen.„In der Wahlpropaganda gilt ihnen gegenüber: Schweigen ist Gold. Erst kürzlich hat in einer großen politischen Rede das Schweigen über ein bestimmte» Gebiet mehr Wirkung ausgeübt, als es vielleicht Worte imstande gewesen wären". ES wird nicht verraten, um welch« Rede es sich handelt, doch ist schon zu glauben, daß der Hen- leinvewegung das weit wichtiger ist, wa» sie nichk sagen kann. Die„Meckerer und Spaltpilze" aber sind der Henleinbewegung immerhin schon so gefährlich, daß sie sich lieber nicht mit ihnen au»« einanderseht. Ueber einige weitere interessante Besonderheiten der Henlein-Wahlpropaganda werden wir später berichten. Die englische Untersuchung der Zerstörung von Guernica Dl« deutsch« Schmach dokumentarisch beweisbar Henleln-Nazl-Wlrbel In Herrnskretschen Am verflossenen Sonntag unternahmen die Henlein-Nazi, obwohl im Schühenhaus« in Tet- ! schen die völkischen Vereine so etwa» wie«in Mai« baumfest abhielten, einen Maffenausslug nach Herrnskretschen, an welchem sich auch«in halbe» Dutzend„Parlamentarier", unter ihnen die Herren May(diesmal ohne Aktentasche), Frank, Neuwirth, Knöchel und der in der Oes- fentlichkeit um Bodenbach recht rar gewordenen Herr Genator Ezakert, vulgo Tschakert, beteiligten. Dieser Henlein-UuSslug erweckte schon von Hau» au» den Eindruck, daß er weniger den Naturschönheiten Herrnskretschen» und de» Elbetale» galt- al» vielmehr den Zweck verfolgt«, den richtigen Nazis jenseits der Grenze und der Elbe «in Theater vorzumachen und gewiffermahen per Distanz Verbrüderung zu feiern. Tatsächlich war. da» ganz« Elbetal von einem wahren Huronen» geheul«füllt, so oft sich unterhalb Nieoergrund ach reichsdeutschen Ufer ein paar Leute zeigten, die von den Henleinern für Nazi gehallen wurden. Besonder» begeistert über wurden die Henlein- Nazi erst, als sie in Herrnskretschen das Schiff verließen. Iw Schöna hatte sich nämlich wirklich eine größere Anzahl Nazi«ingefünden, die wühl nicht- rein zufällig da gewesen fech dürften und auch in HermSkretschen gab es solche. Denen aber müßte doch vordemonstriert werden, daß dieser „Geist" nicht in den Grenzen Nazien» isoliert ist, sondern daß er Wer die Grenzen reicht. E» gab also viel Geheil Und Geheul und die SA der Henlein» in weißen Hemden, in Kappen und SA- Stiefeln vollend» gebärdet« sich, al» ob die Staatsgrenze ein paar Kilometer stromaufwärts gerückt . worden wäre. Da» war scher ein Irrtum, wie sich alsbald heräüsstellte. Die Gendarmerie und Organe der Staatspolizei versuchten nämlich den wackeren Ml-Männern in wetßtm Hemd und Schaftstiefeln, von denen manch einer dem gleichen nächtlichen Gewerbe wie Horst Weffel nachgeht, begreiflich zu machens daß sie'einem Pniform« verbot unterliegen und all sie sich in dieser Hinsicht begriffrstützig zeigten, i wurden ihr«: Namen notiert, datnit sie nicht in Vergeflenheit geraten. Nüst bekamen e» die wackeren Kämpen aber mit der Angst zu tun und riefen nach den»„Kreis- rnchrM. jedgchchs»-«ftsn« Zwei Jahre Kerker fUr Kolportage der»Arbeiter-Zeitung«! Wie». Die Wiener Geschworene» verurteilten elf ehemalige Sozialdemokraten und Kom- munisten wegen Berireitung illegaler Druckschriften, namentlich der Brünner„Arbeiterzeitung". Der Hauptangeklagte Johann Diert wurde zu zwei Jahren und seine Gciuffcn zu drei bis 20 Monaten schweren Kerkers verurteilt. scheinen soll. Für die große Ausstellung alter Kunst in der Slowakei, die in den drei Sommermonaten dieses Jahres im Wladislaw-Saale auf dem Hradschin stattfindcn wird, bietet diese Bilderschau im Kunswerein eine interessante und bedeutungsvolle Vorbereitung. ld. Totschlag in Erdberg Am Pfingstmontag hat sich, Ivie' erst später bekannt wurde, in der südmährischen Gemeinde E r d b e r g eine entsetzliche Untat abgespielt. Die Henleinmänner Franz und Rupert MüIIner haben in einem Raufhandel dem Genossen Richard Muchs die Schädeldeckc cingeschlagen. In hoffnungslosem Zustande lvurde der unglückliche Genoffe Fuchs in da» Znaimer Krankenhaus überführt, Ivo er am nächsten Tag starb. Richard Fuchs, der von Beruf Dachdecker war, stand erst im 33. Lebensjahre. Er hinterläßt eine Frau und zwei uiwersorgte Kinder. Dein auf so entsetzliche Weise ums Lebe» gekommenen Genossen Fuchs und seinen unglücklichen Angehörigen wendet sich allgemein das herzlichste Mit- gefühl zu. Genosse Fuchs war nach allen uns zugekommenen Berichten ein gutmütiger, braver Mensch. Es ist sehr bezeichnend, daß ex von den beiden Tät«m bis in seinen eigenen Hof verfolgt und dort zu Tode geprilgell wurde. Dic Gebrüder M ü l l n e r wurden dem Kreis- g e r i ch t e in Znaim eingeliefert. Um bas„Junge Volk". Wir haben vor einigen Tagen berichtet, daß in Schlesien eine Nation alsoziali st ische Zeitschrift unter dem Titel„DaS junge Volk" zu erscheinen begonnen hat und daß die Herausgeber des Blattes„DaS junge Volk", Zeitschrift für die f r« i e. I u g« n d", gegen die mißbräuchliche Vevtvendung des Titels durch die Nationalsozialisten eingeschritten sind. Dieses Einschreiten hatte raschen Erfolg. Der Herausgeber der Zeitschrift„DaS junge Voll, Sudetendeutsche I u n g e n z e i t schri ft", Waller Hornschild, verpflichtete sich gegenüber dem Rechtsvertreter der sozialistischen Zeitschrift gleichen NamenS, Dr. Egon S ch w.e I b in Prag, die weitere Herausgabe einer periodischen Druckschrift unter dem Titel„Das junge Voll" z u unterlassen und die BertretungSkosten der sozialistischen Zeitschrift zu bezahlen. Mandatsverzicht deS Abgeordneten Budig. Wie die Pressestelle der SdP mitteilt, hat der dieser Partei angehörende Abgeordnete Max Budig, Kaufmann in Zwitiau, sein Mandat niedergelegt. Sein Mandatsnachfolger ist Jng. Kraliczek, Baumeister in Brünn. Der Brandstifter von Wesera« verhaftet? Die Versuche der Gendarmerie in T e p l, den Brandstifter zu ermitteln, der in der Nacht zum PsingstsamStag durch Brandlegung an vier verschiedenen Stellen sechs Bauernwirtschaften und die Gemeindeschmiode durch Feuer vollständig vernichtete, haben zur Verhaftung des Landwirts Frmiz Denk geführt. Franz Denk ist der Besitzer des ganz niederzebrannwn Anwesen» Nr. 2. Nach den Erhebungen der Gendarmerie hatte er seine Feuerversicherung auf 30.000 XL erhöht und noch vor dem Brande Teile seine» beweglichen Besitzes bei anderen Bauern in Aufbewahrung gegeben.' Pilsner Tageszeitung unter neuem Namen. Sonntag erschien die letzte Nummer des„Pilsner Tagblatt". Montag erschien das Blatt unter dem Titel„W e st böhmische Tageszeitung" mit dem Untertitel„Pilsner Tagblatt". Die neue Zeitung wird in der Druckerei des „Prager Tagblatt" gedruckt, ist aber Eigentum der Westböhmischen Druckerei A.-G. in Pilsen. Vom Rundfunk gmofaMannranu aus dan Programmen: Freitag r Prag, Sender lr 10.18: Orchesterkonzert für Schulen zum Präsidenten-GeburtStag, 11.08: Konzert für deutsche Schulen: Wagner, Dvokak, 11.83: Schallplattenkonzert, 12.88: Muiiiks Dalonquartctt: OSkar Strauß, Lkhar usw., 16.10: Slowakisch: Komponisten, 17.10: Geigenquartett. 19.80: Aus dem Nationaltbeatei: Rusalla von Dpokak, 22.10: Französische Musik.— Prag, Sender Ur 11.13: Deutsche Sendung: Schönfeld: Di« Handschrift Eduard Benes, 18.10: Deutsche Sendung: Deutschtschechische Kulturarbeit. Hörfolge zum Geburtstage des Staatspräsidenten, 18.85:. Arbeitersendungr Aktuell« zehn Minuten," 14.80:' Schallplattdn, 14.50: Deutsche Presse, 18.40: Operettenmusik.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Sportaktualitäten,—> Jurdttfch: Bücher, di« von der Lieb« handeln, 18.25: Salonorchester, 21.85: Klavierkompositionen. — Prrßburg 18: Rundfunkorchesterkonzert, 22.45: Tanzmusik.— Kascha« 11.05: Schallplattenkonzert, — Mährisch-Ostra« 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Spitzer: Fehler der SäuglingShygienie.— Kiiücr- .ftunbe- Sette 4 D-nnerStag, 27. Mai 1927 - M Rr. 12!7 Bomber Uber Der Tag des m Prag. Mittwoch Ivar die Hauptstadt Prag sowie die Bezirke Prag-Land, Bcroun. Kladno, Schlau, 1 Kralu'p, Melnik und Brandeis während des ganzen TagcS in Fliegcralarmbereitschaft, die bis 22 Uhr dauerte. Zur.Durchführung des ersten Alarms kam er,im UcbungSbereich um 11 Uhr. In der Hauptstadt der Republik avisierte der Meldedienst uin 11.08 Uhr «ine sich nähernde Gruppe von Bombenflugzeugen. Zur selben Zeit ertönte in der ganzen Stadt das dreiminutige Sirenenälarmsignal. Um 11.18 erschienen bereits vom Osten neun Bombenflugzeuge, die einen Luftangriff wgen- Prag unternahmen. In kürzester Zeit stand der Verkehr in den Prager Strotzen, und auf den Pätzen vollkommen still. Die Futz- gänger zogen sich in die Häuser zurück, die Fahr- zcnge b.cben an den Bürgersteigen stehen. Die elektrischen Stratzenbahnen stellten ebenfalls den Verkehr ein. Zehn Minuten später erschienen die..feindlichen" Flieger in der Stärke von zwei Staffeln. Das von Osten aufliegende Bombengeschwader griff zuerst die Bezirke Vpsotschan und Lieben an. wo die Fabrik der. Ceskomoravskä Kolben- Dank k von Bomben getroffen wurde, so datz dort die Bereitschaft der Fliegerabwehr des Betriebes erprobt werden konnte, hierauf wendete sich das Geschwader nach Karolinenthal, wo es einige Verkehrsadern mit Bomben belegt«, unter naturgetreu markiertem Schravnellfeuer, nach dem Zentrum der Stadt, wo der Masarhk-und derWil- sonbahnhof mit Bomben belegt Ivurden: dort wurde die Bereitschaft der Eisenbahngruppe der zivilen Fliegerabwehr erprobt. Der Wil- sonbahnhof und dar Museum wurden von Feuer ergriffen, womit die Fenerbereitschaft unter Probe gestellt wurde. Bom Museum aus schwenkten die Flugzeuge zur Karlsbrücke ab und richteten einen heftigen Angriff gegen die Burg, die sehr schweren Treffern, ausgesetzt war. Der Zweck der Uebung war die Prüfung der moralischen und materiellen BereitschaftSsähigkeit gegen einen überraschenden Fliegerangriff. In moralischer Hinsicht handelte er sich, vor allem um die Feststellung der Diszipliniertheit der Bevölkerung, in materieller Hinsicht war«S eine Prüfung der Bereitschaft in ter Beschaffung von Gasmasken, der Betwundetenhilfe und der zur Assanierung der vergasten Teile notwendigen Mittel. Die Wirkung der Alarms. Beim Ertönen der Signale und Sirenen und der Lokomotivpfiffe setzte augenblicklich jede Bewegung und der gesamte Stratzenverkehr aus. Sämtliche Fahrzeuge,. Stratzenbahnen und Automobile blieben stehen. Die Passanten verliehen die Strassen und Plätze und suchten im nächstgelegenen Hause, in einem, Gang oder in einer Passage, eventuell auch unter Bäumen oder an den Mauern Zuflucht. In den BahnhofSobjekten wurde gleichfalls die Bereitschaft geübt. Die Feuerwehren trafen an zahlreichen Brandstellen, mit Gasmasken ausgerüstet, ein. Die Stra- tzenpoften und Haurvosten-der zivilen Fliegerabwehr sorgten für Einhaltung der ergangenen Verhaltnngs- matzregeln. Di« verderblichen Wirkungen der Bombardierung, und zwar Bombenexplosionen, Brände, gasverseuchte Stellen etc. wurden auf den Stratzen von Soldaten markiert. Beim Nationalmuseum, Ma- sarpkbahnhof und anderen Objekten wurden Tränengarbomben abgeworsen. Diejenigen,. welche mit Gasmasken ausgerüstet waren, hauptsächlich Soldaten, Polizisten, Feuerwehrleute. Mitglieder der zivilen Fliegerabwehr und diesmal auch Journalisten, waren in der Aurübung ihres Dienstes nicht behindert. Der Masarpk- und der Wilsonbahnhof wurden gleichzeitig von Bomben getroffen. Die entstehenden Brände wurden durch brennende Scheiterhaufen markiert. Dar Publikum in den Bahnhöfe» verhielt sich diszipliniert und der Ordnungsdienst funktionierte klaglos. Die Brände in beiden Bahnhöfen wurden von dem Eisenbähnerfeuerdienst rasch gelöscht. Im Raum des MasaryfbahnhofeS„schlugen" auch StickgaSbombcn«in und die„Gasvergisteten" wurden in die Bahnhoframbulanz geschafft, wo sie vom Bahnhossamarftevdienst behandelt wurden. Der Wilsonbahnhof wurde von dem Anflug besonders schwer heimgefucht. Nutzer den Bränden verschiedener Objekte fiel eine Nperitbombe auf den dritten Bahnsteig nieder. Ter Viadukt zur Nordbahn und die benachbarten Brücken wurde» beschädigt. Beim Weinberger Tunnel wurde dar Geleise nach VhShrad beschädigt, so datz der Pilsner Schnellzug untgcleitet werden mutzte. Der Probealarm war alr überraschender Anflug gedacht und einer seiner Hauptzwecke war, dem Publikum die Notwendigkeit der Disziplin und Geistesgegenwart bet überraschenden Fliegerangriffen vor Angen zu führen. Deswegen wurden auch die einzelnen SauptgngriffSziele geheim gehalten und überhaupt keine Details des Alarmplanes bekänntgegeben, um eben das UeberrckschungS- moment wirken zu lasten. Der agrarische „B litt' brachte es natürlich, um feine„Informiertheit" ins rechte Licht zn fetzen, nicht über sich, das. Geheimnis zu bewahren. Die vor dem Angriff erschienene Mittwochnmnmer dieses BlafteS brachte nicht nur detaillierte Angaben über die Organisation des CPO-Dienstcs, sondern wutzte auch gleich mitzntcilen, datz dcrWilfonbahn« H o f. einer der Hauptziele der Fliegerbomben sein Werde. /Datz di« agrarische Presse allerlei amtliche Informationen hat, ist bekannt, und datz sie von diesen Informationen häufig unbedenklichsten Gebrauch mackp. ebenfalls. Bleibt die Frage, ob die berufenen Stellen diese Praxis weiterhin zu dulden gedcnken. ; Der Bericht der ZFA Unter Vorsitz der Oberkommandanten der Zivilflugabwehr in Prag, der ersten Stellvertreters des Prager PrimaiorS Äbg. Dr. S t ü l a, fand Mittwoch nachmittags im Sitzungssaal des Altstädter Rathauses eine DiSkustlon der leitenden Faktoren der.Prager« ZFA statf. Generalftabskapitän Pro- chäzka führte aus, den Gegenstand der heutigen Hebungen bild« ei». Flugangriff auf die Hauptstadt Prag und die umliegenden Bezirke, und zwar al» Prag Ittelböhmischen Fliegeralarms UeberraschungSmanöver im Frieden. Mit Rücksicht darauf, datz diefe.r Uebung keine ähnlichen Uebun» gen solchen UmfängcS vorauSgingen, wurde dieser Angriff kurz vor seiner Durchführung zur Informierung der Publikums publiziert. Der genau« Zeitpunkt der Anfluges ivurde dem Kommando der ZFA I jedoch erst durch Vermittlung des suppouierteu I Meldedienstes mitgeteilt. Die Meldungen enthielten Angaben über die angreifenden Flugzeuge und die Angabe der Orte, wo die Flugzeug« gesichtet wurden, sowie weiter« Ort- und Zeitangabe über den Flug. Die Meldung für Prag lautete:„Gruppe von Bombenflugzeugen Trautenau—Ntzmburk— 10.48 Uhr." Die Gruppe wurde so dirigiert, datz die ersten Ziele in Prag um 11.18 Uhr erreicht wurden, was auch geschah. Die Ziel« wurden so gewählt, datz di« ZFA dort erprobt wurde, wo bisher keine Uebungen stattfanden und datz jene Stellen angegriffen wurden, die aller Wahrscheinlichkeit nach auch in Wirklichkeit dar Ziel eines Fliegerangriffes bilden würden. ES war dar Gebiet um den Militärflugplatz, Industrieanlagen in Vvsoöan, LIbeü. dar Kommunikationszentrum Prags mit den Bahnhöfen und Agesncuigkelten, „Ein Kreuzfahrer Ist kein Kindermörder** „... In dieser Meinen friedlichen Stadt, der Wiege der jahrhundertealten baskischen Freiheiten, folgten einige tausend Männer, Frauen und Kinder voll Angst den Wechselfällen eines schrecklichen Krieges. Ohne Zweifel gab es unter ihnen Gemüter, welche die Politik der Volksfront abstieß und welche General Franco anzog, der Verteidiger des überlieferten Spanien. Es war ein furchtbares Erwachen. Während drei Stunden haben die deutschen Flugzeuge dieses unverteidigte Städtchen bombardiert. Drei Stunden lang haben die deutschen Flieger in den Gassen und auf freiem Felde auf die Frauen und Kinder mit Maschinengewehren geschossen. All das im Namen der Zivilisation. Und sogar, wie man sagt: für einen Kreuzzug Ein Kreuzfahrer ist kein Kindermörder. Eine große Sache duldet nicht, daß man ihr mit solchen Anschlägen diene. Schaudern und der Unwillen der zivilisierten Welt sind von einer Hemisphäre zur andern die Antwort auf die lächerlichen Ableugnungsversuche gewesen... Was uns betrifft, so sind wir angesichts dieser blutigen Infamie sicher, im Sinne des christlichen Gedankens zu antworten, wenn wir mit lauter Stimme, für uns und unsere Brüder, das Wort des Psalmisten wiederholen: discerne causam meam a gente non sancta. Herr, lasse nicht zu, daß unsere Sache vermengt werde mit der von Verbrechernl" Der französische Kathollken-F(ihrer Georges Bidsult. in der junc katholisch en Zeitschrift..L’aube" am 30. April 1937. „ES geht auch anders, doch so geht eS auch" — möchte man mit dem Mackie Mester der„Dreigroschenoper" sagen, ivenn man sicht, wie sich die in Innsbruck erscheinende„Volks-Zeitung", eines der gleichgeschaltetcn, aber auf Arbeiterleser reflektierenden österreichischen Blätter hilft, um einmal der„Begeisterung" des österreichischen Volks gegenüber Italien ein Ventil, zu schassen. Das Blatt räumt die erste Seite seiner Ausgabe vom 28. Mai der Erinnerung an die Kricgserklä- rung Italiens vom Jahre.915 und den Ueber- fall aus Tirol ein. ES beklagt den Verlust von 40.000 Toten, die das klein« Land im Weitlrieg zählte, und beklagt die Zerreissung des Landes durch das Diktat der Sieger. Um diesen, nicht eben italiensreundlichen und für die Römischen Protokolle begeisternden Ausführungen eine Dek- knng gegen die Zensur zu geben, stellt das Blatt, als Motto gleichsam, folgendes an die Spitze: Der König von Italien hat Mil chen Krieg erklärt. Ei» Treubruch, desteiigleichen die Geschichte nicht kennt, ist vom Königreich Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden. Nach einem Bündnis von mehr als 80jährigcr Dauer, während dessen cs seinen territorialen Besitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte, hat Uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager Unserer Feind« übergcgangen. Wir haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschniälert, seine Ehre und sein Interesse nicht angetastet. Wir haben unserer. Bündnispflicht stets treu entsprochen und ih>n Unseren Schirm gewährt, als es in das Feld zog. Wir haben mehr getan: Als Italien seine begehrlichen Blicke über Unsere Grenzen sendetet warctz Wir, um daS Bundesverhältnis und den Frieden jjt erhalten, zu großen und schmerzlichen Opfern entschlossen, zu Opfern, die Unserem väterlichen Herzen besonders nahe gingen. Aber Italiens Begehrlichkeit, das den Moment nnhen zu sollen glaubte, war nicht zu stillen. Und so mutzte sich daS Schicksal vollziehen.(AuS dem Manifest Kaiser Franz Josephs I. an die Völker der österreichisch-ungarischen Monarchie.) DaS hätten sich weder der Kaiser Franz Joseph noch der Hofrat,, der das Manifest vcrfatzt hat .(pnd, nebenbei bemerkt, als hoher tschechoslowali- wichtigcn Verkehrsknotenpunkten, also ungefähr der Raum"zwischen dem Museum und dem Viadukt in Karotinenthal, sowie schlietzlich die Burg mit den umliegenden Objekten. Der Anflug wurde von einer Gruppe von neun Bombenfugzeugen durchgeführt, die au» einem entfernt liegenden Flugplatz kamen. Dieser Gruppe gesellten sich über Prag weitere 18 Flugzeuge zu, so datz sich inSgesanit 25 Flugzeuge an dem Anflug beteiligten, die 800 bis 1000 Meter hoch flogen. Die Uebung ergab, datz der Alarmdienst seit der lebten Uebung grosse Fortschritte gemacht hat. Diesmal wurden ungeeignete Alarmmittel auSgeschiedtn und ausschliesslich Sirenen, Telephon und Rundfunk verwendet. »Di« Selbsthilfe der Bevölkerung konnte noch nicht voll eingreifen. zeigte sich aber bereits in einer Besserung der Disziplin. Die Bereitschaft der übrigen Komponenten bewährte sich sehr gut. Auch das Bevhalten de» Publikums war, bi» auf vereinzelte Vorfälle, gut. Eine Vervollkommnuna muss noch in einigen Zweigen der materiellen Ausstattung sowie hinsichtlich der Disziplin im einzelnen angestrebt werden. In den Abendstunden fand eine allgemeine Verdunkelung von Prag und Umgebung swtt, über deren,Ergebnis vom miltiär-aviatischen Standpunkt au» noch keine Meldungen vorliegen. scher Beamter im Pressedienst der Regierung gestorben sein soll), träumen lassen, dass sie einst als Tarnung sozusagen illegaler Nörgeleien dienen würden. Doch wie gesagt: s o geht es, wenn es anders nicht geht, schliesslich a u ch. Wieder ein Opfer des wilden Bergbaues. An einem aufgelassenen Tagbau bei Bruch hatten die Arbeitslosen Kvitoslav und Erwin Kazimour einen etwa 16 Meter tiefen Schacht gegraben. Als Kvitoslav in der Grube arbeitete, verspürte er plötzlich das Auftreten von Gasen und rief den oben weilende» Bruder um Hilfe. Dieser stieg sofort in den Schacht, konnte aber den bereits Beivuhtlosen nicht mehr retten, weil er selbst von den Gasen betäubt Imirde. Bon einigen in der Nähe weilenden Arbeitern, di« Erwin Kazimour vorher angcruscn hatte, eille der selbst in einem wilden Schacht arbeitende Bergmann Wenzel Machäkck herbei, der unter Nichtachtung der Lebensgefahr die beiden Verunglückten nacheinander aus dem Schachte holte. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche hatten aber nur bei Kvktoslav Kazimour Erfolg, während dessen Bruder bereits verschieden war. Die geistige Wchrhaftmaihung ist«ine der wichtigsten Aufgaben der demokratischen Erziehung. Darüber schreibt Josef Hu dl ausführlich in der eben erschienenen Maifolg« der„Neuen Erziehung", und zeigt einige Probleme auf, die im Zusammenhang mit der körperlichen Wehrhaft- machung gelöst werden müssen. In einem groben Aufsatz werden die Terrormethoden der SdP geschildert, mit denen diese den bekannten WIssenschqft» ler und aufrechten Demokraten Prof. Dr. Klein- b e r g zum Schweigen bringen, will. Der Beitrag über die Bedeutung der äutzeren Forme» in derErziehung behandelt ein Thema, das heut« sehr zeitgemäss ist und grötzte Beachtung in der häuslichen und Schulerziehung verdient. Wilhelmine Tischer gewährt in dem Aufsatze„Wen» ich Lehrerin wäre..." einen Einblick in kindlicher Fühlen und Denken, der durch eine Fülle pädagogischer Anregungen überrascht. Pros. Dr. Ludwig Kohler zeigt die SchuleohneGenerationskampf. Äusser diesen gröberen Beiträgen wird in zahlreichen Notizen über Schule und Erziehung im In- und Ausland« berichtet. Die Neue Erziehung kostet jährlich nur 18 K£. Sie soll in keiner Lehrerbibliothek und bei keinem Erziehungsfunktionär fehlen. Probehefte und Bestellungen in der Verwaltung der Neuen Erziehung, Aussig, Herrengas s e 8. Der Mörder Prof. Schlicks verurteilt. Das Wiener Geschworenengericht verurteilte Mittwoch Dr. Nelböck, welcher im Vorjahre den bekannten Professor Dr. Moritz Schlick im Stiegenhaus der Wiener Universität erschossen hatte, zu zehn Jahren schweAn Kerkers. Gefecht mit Gangstern. Die Polizei von Havanna veranstaltete eine Razzia in den bekannten Gangsterhöhlen im Zentrum der Stadt. Einige Verbrecher leisteten der Polizei jedoch Widerstand und diese tvar gezwungen, Maschinengewehre' in Anwendung zu bringen. Der Kampf dauerte in den belebtesten Strassen Havannas eine halbe Stunde. Drei Gangster wurden erschossen, zwei Polizisten verwundet. Soviel Köpfe, soviel Theorien. Vor dem Lakehurst-Ausschuh vertrat der Professor für Elektrowissenschaft, Whitehead, die Ansicht, dass die Theorie, es habe ein Elmsfeuer,«in Kugelblitz öder Kurzwellen das Unglück verursacht, nicht haltbar sei. Dr. Taylor, Radio-Ingenieur des Marine-UntersuchungSlaboratoriumS in Lakehurst erklärte, man habe festgestellt, dass es in den in-, nerhalb der Gasbehälter untergebrachten elektrischen Gasmessern zu schwacher Funkenbildung komme: Ob diese Funke» aber genügten, Wasserstoff zu zünden, darüber könne, er kein Urteil abgeben. Wie der Sprecher de» Handelsdepartements mitteilt, wird das Wrack des„Hindenbübg" von der Marinebehörde freigegeben und den Versicherungsgesellschaften zur Verfügung gestellt werden. Auf der Pariser internationalen Ausstellung ivurden weitere fünf ausländische Staatspavillons eröffnet, und zwar der belgisch«,..italienische, dänische, norwegische und sowjetruffische.' Ab 14 Uhr ist die Pariser Ausstellung dem Publikum' bereits zugänglich. Am ersten Tage' hatte das Publikuni freien Zutritt zu der, Ausstellung/Me in dem neuen Walter-Reisch-Film,„Silhouetten"'. wird dem breiteren Publikum vorläufig, täglich nur. nachmittags zugänglich sein, damit ain Vormittag die letzten abschliessenden Arbeiten vorge- nommen werden können.,..- s. Schiessbaumwolle explodiert. In der chemischen^ Fabrik Nobiles in Mldclawek(Polen)./ereignete sich ein« Explosion von Schiessbaumwolle. Hiebei wurde ein Arbeiter getötet, drei Arbeiter Ivurden schtoer verletzt. Die Explosion verursachte ferner einen Brand, der das ganze Fabrikgebäude einäscherte. Der Brand konnte nicht gelöscht werden,, da sich in den Fabrikmagazinen viel ausge- stapeüe- leicht brennbare Stoffe,: insbesondere Nitrozellulose befanden. Diese Fabrikmagazine flogen in die Lust. Helium nur kür friedliche Zwecke. Präsident Roosevelt übermittelte dem Kongresse den Bericht der besonderen interministeriellen Kommission/, die den Verkauf von amerikanischen Helium für-die Füllung von Luftschiffen empfiehlt, wenn geeignete Garantien dafür geböten, werden, dass da» Gas nicht zu Kriegszwecken Verwendung findet Rur noch farbige Filme?. Wie aüs Holly-. Wood gemeldet wird, hat Samuel Go'dwyn, einer?. der Produktionschcfs der Filmgesellschaft.United Artists" erklärt^ dass er fortan keine Schsvarz- Weih-Filme, sondern nur noch farbige Filme.pro-, tl duzieren werde. Man erwartet, dass GöldivhnS'.' Beispiel auch die anderen Filinproduzentdn ziir Nachahmung zwingen werde. Der Blitz schlug In Buffalo Ereek(Colorado) in daS' Militärlager eines GcnieregimenteS, dabei wurden ein Offizier mW ein Soldat getötet, sechs Soldaten schwer verletzt. 80 weitere SoldatenWur«. den in» Krankenhaus gebracht. Giftige» Sulz. Nach dem Genüsse von Snsz, das anscheinend aus verdorbenem Fleisch verfekiigt worden war, sind in.einer in der Nähe von.Gllöp«. gyös gelegenen Gemeinde 17 Personen-unter schweren- VergiftungSerscheinungen erkrankt. Eine Frau und ihr elfjähriger Sohn sind am selben Tage gestorben und, einige Tage darauf stavb auch eine dritte Person, ein 71jähriger Landwirt.■■;. ' Der Personen,ug BreSlau—Stettin ist bei Pakulent(Pommer»)'mit-einem Lastzug zusammengestossen. Hiebei wurde» 28 Personen verwiindit, vier von ihnen schwer. Der angerichtete Materialschade ist bedeutend.' Der Haupttreffer der Jugendfürsorgelotterie im Werte von 100.000 Kä wurde von einem Landwirt gewonnen. Der zweite Haupttreffer im Werte von 20.000 Kt wurde dreimal an verschiedene Adressaten verschickt und blieb zuletzt in St. Joa- chimsthäl. Der Reiseverkehr zwischen, der Tschechoslowakei und Oesterreich, auf Grund von Einlagebüchern, der Postsparkassen' in Prag und Wien/ wurde bi» Ende Oktober 1987' verlängert. Der tschechoslowakische. Reisende darf nun einen'Betrag von 2800. Xi pro -Monat(bisher nur 1800 KU) auf ein Reise-Ein- lagebuch, bis Ende Oktober 1987 jedoch höchsten» insgesamt. 8000'Kö-(bisher 8200 Kö)«Inzahlen. Näheres.ist bei der Postsparkaffa.tu Prag unfe in. Brünn und bei'sämtlichen Postämtern zu erfragen.'-. ,. Sommerwetter bis Freitag. Im ganztn Bin-' nenlande erhält sich bereits seid einigen Tagen', som-' merliches Wetter mit täglichen örtlichen Wärmegewittern.. Infolge, reichlicher Sönnenstrahlüna'Erlangen die Temperaturen, von Tag zu Tag immer grösser« Wert«, so dass sie'zum Beispiel. Mittwoch' Yp» 14 Uhr in Mittelbühmen bis 29 Grad Celstü» im Schatten, erreichten,. was etwa um 9.Grad üher- normal ist.'' Gegen. Frankreich.dringt" jedoch.vöm Ozean, her. etwas kühler«: Luft vor, feiesichvorgus- fichtlich später.auch. nach Mitteleuropaem wich- tigsten'^Fäktor.dkö Schlacht, und, den.technischen HilfÄruppen aller Art. Aber an den heutigen Infanteristen werden ganz andere Ansprüche gestellt als an den Infanteristen des Weltkrieges. Der Infanterist von heute muß sein„Handwerk" gutkesinen, und dieses Handwerk ist heute sehr kompliziert geworden, es umfaßt viele Zweige der- Mechanik und viele Sportarten. Aber auch an die„Moral" des Infanteristen werden viel höhere Ansprüche gestellt: man muß genügende Willenskraft haben/ um jene Zone des alles vernichtenden Sperrfeuers zu überwinden, die man durchschreiten muß, his man an den Feind herankommt., Dazu bedarf es aber einer wirklichen Begeisterung, die an das Recht der eigenen Sache glaubt. Die Internationale Brigade hat vor allem durch die größere Begeisterung und Hingabe Ihre glänzenden Siege errungen. Sehr ivichtig erscheint auch, heute noch mehr als früher,- die-Rolle des unteren Kommandobestandes. Vor allem kommt heute sehr viel auf die Unteroffiziere an. Mussolinis Hand in Albanien. Der außenpolitische Mitarbeiter des„Daily Herald" schreibt über die Hintergründe des albanischen„Aufstandes", daß es sich wahrscheinlich um eine Demonstration von Elementen handele, die mit der immer stärkeren Abhängigkeit Albaniens von Italien unzufrieden sind, daß die.Berichte von einem „Ausstand" aber höchst unwahrscheinlich und die von einem„k o m m u n i st i s ch e n" Aufstand lächerlich seien. Es sei anzunehmen, daß Mussolini eine Demonstration in SUdalbanien benützt habe, um sich einen Vorwand für ein neues Eingreisen in Albanien zu schassen und zum blutigen Schiäste gegen die antiitalienischen Elemente, in Albanien auszuholen. Daß er sie„kommunistisch" mnnt, soll ein Wink an Hitler sein, den neuen italienischen Vorstoß auf dem Balkan zu dulden, der ,'an-sich für die deutsche Politik grundsätzlich unerwünscht ist. Die Folge der neuen Mussolini- schen Kampagne auf dem Balkan sei ein verstärk- ies Mißtrauen der Balkanstaaten gegenüber Italien. Besonders die Türkei betrachte die Lage mit ernster Sorge, und die Besprechungen, die Eden gegenivärtlg mit dem türkischen Misiisterprästden« ten Ismet Jnönii hat, stehen damit in Zusammenhang. Die, türkische Regierung-biete England cineil^Pakt gegenseitiger Unterstützung an unter Hinfpejs-darauf, daß England ebenso jole die Türkei an der Aufrechterhaltung des statuS quo im Mittelmeer interessiert sind.- Der-faschistische KurS in JaPan. Die im letzten Jahre-mit Unterstützung der japanischen Regierung: gegründet«, und unter der Leitung, des früheren-BetckehrSministers-Mochizukt stehende S h o-w a kai» Partei ist durch Parteibeschluß aufgelöst worden. An dem Beschluß wird zum Ausdruck gebracht, daß. die gegenwärtige Krisenlag» durch den-Kampf zwischen Regierung und, Parteien Mr.verschlechtert werd». IMtewirtedtafi und, Der Streik in der nordböhmischen Glasindustrie lieber den Ausbruch des Streikes der 80.000 Glasarbeiter in der Glasschmuckindustrie wird uns von berufener Stelle folgende Darstellung übermittelt: Nach einem letzten Versuch, welcher durch die Verhandlungen zwischen den GowerkschastSorga- nisationen und den Erzeugergenossenschaften unter Vorsitz des Jng. VodiLka vom Gewerbe- Inspektorate in Reichcnberg am Montag, den 24. d. M., unternommen wurde, fanden am Abend desselben Tages 8 große Versammlungen statt, in welchen einstimmig beschlossen wurde, die Arbeit niederzulegen. Seit Dienstag früh stehen gegen 80.000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Gablonzer Schmuckindustrie im Streik um die endgültige Anerkennung ihrer, bereits seit November und Dezember vorigen Jahres zwischen ihren Gewerkschaften und den Erzeugergenossenschaften vereinbarten Lohnlisten und den dazugehörigen Kollektivvertrag dutchzusetzen. Die Gewerkschaften unterbreiteten den Er- zeugergcnossenschasten in Gablonz und Eifenbrod bereits im Jahre 1034 die Lohnlistencntwürfe, positive Verhandlungen hierüber scheiterten jedoch daran, daß die Genossenschaften diese Verhandlungen mit ihrer Forderung nach„H a n d- Werksmäßigkeit- Er klärun g" der Gablonzer Glaswarenerzeugung verband. Die Gewerkschaften stellten sich zuerst gegen diese Verknüpfung, gaben aber schließlich, um die Gablonzer Glasindustrie vor einer schweren Erschütterung zu bewahren, ihren Widerstand auf. Durch ein Gcgenseitigkeitsprotokoll, welches am 8. April 1988 beim Fürsorgeministerium abgeschlossen wurde, waren für die drei größten Branchen— GlaSknöpfe, Hüttendruck und Winkelbranche— sowie über den dazugehörigen Kollektivvertrag die Verhandlungen aufzunehmen. Mit diesem Protokoll war das Verlangen der Gewerkschaften nach Lohnlisten mit dem Verlangen der Erzeugergenossenschaften nach HandwerkSmäßigleit junkti- miert worden. Die Verhandlungen über Lohnlisten und Kollektivvertrag gestalteten sich ungemein schtvie- rig und dauerten über ein Jahr. Im Herbst 1938 war endlich ein Ergebnis zwischen Gewerkschaften und Genossenschaften erzielt worden. Allgemein wurde erwartet, daß nun die Handwerksmätzigkeit verordnet werden, würde, wonach die offizielle Fertigung der Lohnlisten^.„»folgen,hatte ijutz, -diese--ihre-Gültigkeit erlangt, hätten.. Nachdem nun eine der Gewerkschaften, und zwar die„Jcd- nota" in Kosten ihre Zustimmung zur Handwerksmäßigkeit verweigerte, war es bisher vieler Vorsprachen nicht möglich, die Herausgabe einer Verordnung über die Handwerksmäßigkeit zu erreichen. Die bereits vereinbarte», wenn auch nicht gefertigten Lohnlisten wurden leider von den Erzeugern nicht eingehalten, die Akkordlöhne wurden sogar noch weiter herabgesetzt, wodurch die GlaSarbeiterschaft imnier mehr verbittert wurde. Von Woche zu Woche weniger Lohn, dagegen ständige Verteuerung dec Lebenshaltung. Als sich nun auch in der Gablonzer Industrie die Lage immer mehr besserte, wodurch sich ohne loeiteres höhere Preise erzielen ließen, konnte sich die mit solchen Hungerlöhncn bezahlte Arbeiterfchaft die Gelegenheit nicht ungenützt entgehen lassen, sie bestand auf der endlichen Regelung ihrer Löhne und verlangte energischer als vordem die Anerkennung ihrer Lohnlisten. Eine nochmalige Intervention in Prag blieb erfolglos, so daß der Aktionsausschuß der Gewerkschaften schließlich zu dem Beschluß kam, nochnmlS im Wege der Verhandlungen von den Erzeugergenossenschaften die Fertigung und das Inkrafttreten der Lohnlisten zu verlangen. Diese Verhandlungen waren für den 24. d. M., nachmittags, in Gablonz angesetzt, für den Abend desselben Tages waren 6 große Versammlungen der Arbeiter, und zwar 3 im deutschen und 3 im tschechischen Gebiet angesetzt, welche die letzte Entscheidung zu fällen hatten. Nachdem die Erzeugergenossenschaften bei diesen Verhandlungen am 24. d. M. beharrte, ohne der Verordnung der Handwerksmäßigkeit die Lohnlisten nicht in Kraft treten zu lassen, wurde abends am gleichen Tage in allen Versammlungen einmütig beschlossen, ab Dienstag früh in den Streik zu treten. So ist durch unverantwortliche Handlungsweise einer GewerkschastSorganisation, nicht minder aber durch unverantwortliche Borniertheit der in den Erzeugergenossenschaften vereinigten Unternehmer eine Bewegung ansgelöst Wördens deren AuSgang für die Gablonzer Glasindustrie unübersehbare Folgen haben kann. Die am Prager Protokoll beteiligten Gewerkschaften haben ein ungeheures Verständnis für die Sachlage aufgebracht, sie haben alles getan, um das Aergste zu vermeiden, sie werden daher auch den ihnen aufgezwungenen-Streik bis zu seinem endgültigen .Eriylge,,kührU,^nqchdem. das Recht gus. ihrer,.— 'äuf ider Selte der Arbeiter ist.. Ivurdcn immer noch 1218 Waggons importiert. Am 1. Jänner 1938 traten die erhöhten Zölle in Kraft und in diesem Jahre wurden nurmehr 807 Waggons-cingcsührt. Von diesen müssen aber annähernd 878 Waggons abgezogen werden, die infolge des bestehenden Mischzwangcs von der Margarine-Industrie verbraucht wurden. Während also der Schweinefettverbrauch im Haushalte im Jahre 1926 3161 Waggons betrug, verbrauchte der Haushalt im Jähre 1936, nach der Zollerhöhung, nurmehr annähernd 432 Waggons, Dieser Rückgang muß allen Verantwortlichen zu denken geben. Die Fettimportc bedeute» Alisfuhrmöglichkcit für unsere Exportindustrie, Beschäftigung für unsere Arbeiterschaft. Werde» wir durch Zollerhöhung die-Einfuhrmöglichkeiten weiter unterbinden, müssen wir niit Vcrgeltnngs- niaßnahmcn der Länder, mit denen uns teils wirtschaftliche, teils politische-Bande verbinden» rechnen. Das wäre nicht die Absicht, aber die effektive Wirkung der Zollforderungcn des Landwirtschaftsministeriums. Was die Verbraucher fordern ist: Eine Zollerhöhung darf nicht vorgenommen werden.. Die Zölle für Fett und Speck müssen— mindestens auf die Dauer von sechs Monaten— vollständig außer Kraft gesetzt werden. Es entspricht dies den Lebensbedürfnissen von Millionen Menschen und bedeutet die Erfüllung eines Versprechens, das den Verbrauchern gegeben wurdet Diese Forderungen sind gerechtfertigt. Höhere Zölle auf Schweinefett und Speck, bzw. Zölle auf diese. Artikel überhaupt, bedeuten einen Vorteil für nur einige hundert Schweinegroßzüchter, aber eine schwere Belastung für alle übrige Bcvölkerüng. Drei Millionen Kronen wurden Nordböhmens Textilarbeitern bereits ausbezahlt Bor Pfingsten wurde auf Grund der abge- schloffenm Vcrtrngöcrgcbniffc für etwas über 20.000 Textilarbeiter die erste Rate ausbczahlt» welche rund 3 Millionen AL betragen dürfte. Durch die abgeschlossene Bercdivarung sind von 120 Unternehnrunge« fast alle Betriebe ersaht. Auch für die LohnveredelmigSbetriebc kam eine Zwischenlösung zustande und wurde ebenfalls vor Pfingsten die erst« Rate ansbezahlt, nur für di« Finna Eisenschnnl in Friedland konnte nicht daß gleiche Ergebnis erzielt werden und zahlt die Firma nur die Hälfte der vereinbarte» Zulage, Für die Streichgarn- und Vigognespinner dcS Friedländer Bezirkes konnte em neuer Vertrag auf der Grimdlage der jetzt geltenden Vertragslöhne und ausserdem die Lohnerhöhung wie für die anderen Betriebe erzielt werde». Die abgeschlossenen Berträge wurden zur RechtSverbindlichkeitenach der RegiepungSverörd- nung Rti 102 änWiellüit."" Um die Speck- und Fettzölle Der Kampf innerhalb der amerikanischen Gewerkschaften. Die Delegierten der amerikanischen Arbeitersöderation billigten fast, cininütig das Kampsprogramm gegen die industrielle Ar- beiter-Gewerkschaftsvereinigung, an deren Spitze Lelvis steht. Die Vertreter der Lcwis-Organisa- tion sollen auch aus allen lokalen Föderations- Arbeitslosenpflichtversicherung in Norwegen PM. Ende März 1937 hat die nortvegische Regierung einen Entlvurf zur Einführung einer ArbeitSlosenpfiichtvcrsichcrnng in Norwegen vor- gelogt. Nach diesem Enttvurf soll der perfün- liche Geltungsbereich der künftigen Arbeitslosenversicherung alle lrankenversichcrungöpflichtigen Personen umfassen, mit Ausnahme für landwirt- schaftlichc Arbeiter, Fischer und Hausangestellte. Schätzungsloeis« würden dieser Versicherung ellva 630.000 Personen angeschloffen werden. Bisher hat sich die RegieÜmg über die Beibehaltung der jetzt geltenden ermäßigten Zollsätze — deren Wirksamkeit meist auf ein Vierteljahr beschränkt war und immer tviedcr erneuert werde» muß— immer geeinigt. Zum ersten Male ergaben-sich auch nach außenhin sichtbare große Schwierigkeiten wegen der Verlängerung der am 0. April 1987 avgelaufenen ermäßigten Zollsätze. Erst nach langlvierigcn Verhandlungen kam es zu einem'Beschluß, demzufolge die ermäßigten Zollsätze bis Ende Juni in Kraft bleiben. ES ist beinahe überflüssig, zu betonen, daß der Widerstand vom Landwirtschastsministerium kam. ES ist Tatsache,'daß wir normalerweise niemals in der Lage sein können, Fettschweine in solchen Mengen zu züchten, daß der Bedarf an Schlveinc- fett im Inland« gedeckt werden kann. Auch ohne die segensreiche Täfigkeit des Getreidemonopols und bei freier Einfuhrmöglichkeit für Mais und sonsttge Futtermittel könnte in unserem Lande eine konkurrenzfähige Schweinefettproduktion nicht eingerichtet werden, denn es fehlt uns an der eigenen Futtermittelbasis. Eine wesentlich vergrößerte inländische Schweinezucht im allgemeinen und eine Zucht von Fettschweinen im besonderen tvürde durch den besonders großen Fleischanfall die Schweineproduktion überhaupt unrentabel machen, weil der Konsum, nicht in der Lage wäre, derartig große Fleischmengen zu für den Landwirt erträglichen Preisen aufzunehmen. Hier gilt auch nicht die sonst übliche Behauptung, daß an dem hohen Fettzoll, bzw. an der Zucht von Fettschweinen die' Kleinbauern interessiert sind. Fettschweine können nur von Großzüchtern mit viel. Kapital gezüchtet werden. ES gibt deren Man erhült für 100 Reichsmark..\ Markmünzrn.... 100 österreichische Schilling 100 rumänische Lei.. 100 polnische Zloty.-.- 100 ungarische Pengö.. 100 Schweizer Franken; 100 französische Franks-. 1 englisches Pfund.,. 1 amerikanischer Dollar 100 italienische Lire.... 100 holländische Gulden.- 100 jugoslawische Dinare 100 Bclgaö..... 100 dänische Kronen.. 100 schwedische Kronen,, 1400 in unserer Republik u»d nur diesen zuliebe sollen die Fett- und Speckzölle erhöht werden. Die Weltmarktpreise für Schweinefett lie gen sehr hoch. Der ermäßigte Fettzoll plus Ver teuerung durch die Devalvation bedeutet, daß die importierten Schweinefette mit einer Abgabe für Zoll und Steuer, Gemeindcabgabe plus Deval vation mit 40 bis 60 Prozent vom Warenwerte belastet sind. Das ist eine außerordentlich schwere und drückende Belastung für ein wichtiges Lebens- Mittel, Welch unheilvollen Einfluß die Erhöhung der Zollsätze auf den Schweinefettkonsum ausübte, beweisen einige Ziffern: Im Jahre 1928 wur den 3161 Waggon Schweinefett eingeführt. Mit Beginn der Krise verringerten sich die Fettimporte von Jahr zu Jahr, trotz von Jahr zu Jahr billi-........ ger werdender Weltmarktpreise. Im Jahre 1934 i Organisationen ausgeschlossen Iverdcn. Buch Kuttncrs stellt die geistige Figur des Hans von Markes historisch ins richtige Licht. Es fetzt- sich ahne großes politisches Pathos auch mit denen auseinander, die heute in Deutschland eben jenen Mann feiern,- den man früher erbarmungslos ausgestoßcn hat und der hätte verhungern können, wenn er sich aus seine deutschen Mitbürger hätte verlassen müssen. Der ganze Widerspruch, die ganze geistige.- Armut des nationalsozialistischen Systems aber wird erst offenbar, wenn man an folgende Tatsache erinnert: als.die offizielle Zeitschrift der- deutschen Reichskammer der bildenden Künste, das Organ der Zwangsorganisation alter deutschen- Maler ete., das erstemal erschien, da.stand im -Leitartikel jener ersten Nummer der„Kunstkam- mer" die Erklärung, die Werke des Hans von Markes seien„Kleinode sy mb.o lh aft deutscher unangekränkelter G e- st a I t u n g". Der Mann, der so eingeschätzt wurde, dürste dabei heute nicht Mitglied derselbe» Kunstkammer werden, denn seine Mütter war Bolljüdin, er ist einer Ehe. entsprossen, deren. Vollzug heute in Deutschland mit ZuchthayS bestraft werden würde. Die Mutter Hans von Markes, von der Kuttners Buch-ebenfalls ein- schönes Bild entwirft, war Friederike S u ß m a n n,' Tochter des jüdischen' Bankiers Sußmann ans Halberstadt Und so zeigt sich vor den herrlichen Bildern' dieses großen Künstlers, vor der liebenswerte»>- Gestalt eines um sein Ideal ringenden, im selbst-.. Kleinode deutscher Gestaltung Am 6. Juni wird man in der ganzen kunst begeisterten Welt die Erinnerung an einen der größten Maler des vergangenen Jahrhunderts feiern: H a n s v 0 n M a r k e s, der vor 80 Jah ren verkannt und verlassen, mittellos,'von hilf reichen Freunden unterstützt, fern feiner deutschen Heimat gestorben ist. Er, dessen 100. Geburtstag man ebenfalls in diesem Jahre begeht, ist der typische Fall dcS Idealisten, der erst tot sein muß, um den verdienten Lorbeer zu erreichen.„Der wahre Künstler", sagt er selbst einmal,„fängt erst dann an, recht zsi leben, wenn seine Gebeine längst vermodert sind. So war es, so ist es und so wird es sein-.. Die Erkenntnis dieses Märtyrers seiner künstlerischen Ideen ist in vollem Umfange an ihm selbst bestätigt worden. Erst jetzt, fünf Jahr zehnte.nach seinem Tode war es einem deutschen Emigranten, dem früheren Vorwärtsredakteur ErichKuttner Vorbehalten, in einem ausge zeichneten Werk, das den. Namen des Malers trägt und. bei Oprecht iÜ Zur ich erschienen ist*), den Menschen MarkeS und sein Werk ge bührend zu würdigen. Indessen fehlt in diesem Buche eine bezeichnende kleine Einzelheit, die deshalb heute an dieser Stelle nachgeholt sei. Das .'*)'Erich Kuttner:„HanS von Marke-, Di« Tragödie des deutschen Idealismus." 888 Seiten, gewählten Exil in Rom verstorbenen Mannes mit 12 Abbildungen.(Kart. Fr. 8.-—, geb.- Fr. noch einmal- der ganze Widersinn von.Mheorie und .1Q.t-tA... 1 Praxis im Dritten Reich.- AL . 723.— . 785.— . 531.— . 17.90 . 549.50 . 596.— . 656.— .- 128.82 .- 141.— '. 28.60 . 145.40 . 1576.— . 65.30 . 485.— < 631.— u 731.— Seite 6 .Sozialdemokrat" Donnerstag, 27. Mai 1037. Nr. 12,.' Trauer AMmg Ole k^oiiatofkslnfukn unti die Fertigwarenausfuhr Die wichtigsten Posten im tschechoslowaki« scheu Autzenhandel sind die Rohstosfeinsuhr und die Ausfuhr von Fertigwaren. Sie haben beide in den letzten Jahren eine bedeutende Zunahme zu verzeichnen. In den Monaten Jänner bis April der jeiveiligen Jahre betrug die Rohstoffeinfuhr FertigwarenauSfnhr in Millionen Kronen 1837 2.026,1 2.470,1 1938 1.286,5 1.701,9 1935 983,0 1.608,8 In den letzten drei Jahren hat sich demnach in den ersten vier Monaten die Rohstosfeinsuhr mehr als verdoppelt. Sie hat vor allem im April 1937 stark zugenommen und mit 635 Millionen Kronen in diesem Monat einen neuen Rekord der Nachkrisenzeit ausgestellt. Diese auffällige Steigerung des Nohstosfimports ist durch die umfangreichen Aufträge bedingt, die die Industrie in der letzten Zeit aus dem Inland, aber auch aus dem Ausland hereingenommen hat. Bei der Fertigwarenausfuhr beträgt die Steigerung im Vergleich zu 1935 rund 50 Prozent. Es ist sicher, daß die günstige Entwicklung in den nächsten Monaten noch weiter anhält. bericht von 6er Generalversammlung der Böhmischen Sparkasse Die ordentliche Generalversammlung der Böhmischen Sparkasse und ihrer Pfandbriefaustali wuvdisiam 25. Mai 1937 unter dem Vorsitze des Oberkurators Herrn JllDr. Karl Urban abgehalten, Weicker zunächst mit ivarmen Worten der Verdienste der verstorbenen Bereinsmitglieder Herren Oswald Roedl, JllDr. Joseph Eckstein, JllDr. Wenzel Friedrich Schedlbauer, Ferdinand Tomänek und Emil Spatuh gedachte. Hieraus wurde» die Rechnungsabschlüsse für das Jahr 1936, die Verivendung der Gebarungsiwer- schüsse, ferner die Geschäftsberichte der Direktion, des Kuratoriums und des Direktoriums der Blin- denversorgungsanstalt in Smichov„Palata" von der Generalversammlung genehmigt. Der Geba- rungSllberschuß der Böhmischen Sparkasse pro 1936 beträgt UL 2,667.098.91, welcher z» Wert- ahschreibungen und zu Rücklagen verwendet tvird. Mit Ende des Jahres 1936 betrugen die Einlagen UL 896,607.234.21(die BUcheieinlagen stiegen um UL 9,697.849.67), sämtliche Hhpothekacdar- lehen UL 343,637.479.05(zur Förderung der Bautätigkeit wurden mit Staatsgarantie bis Ende 1936 Darlehen per UL 164,909.410.44 nuSgezahlt), die Kommunaldarlehen UL 73,015.301.35, angelegte lleberschüsse UL 70,298.524,67 und sämtliche Wertpapiere, UL 465,541.ÜäÜ.Ü2. Der Fonds zur Deckung von Kursverlusten an Wertpapieren beträgt UL 27,782.614.64. Die Realitäten stehen mit UL 27,323.000.— zu Buche. Das mit Eirde 193« auSgewiesene Verwaltungsvermögen per UL 1.019,821.435.91 umsaht obige Einlagen und Rücklagen von UL 123,214.201.70. Mit Ende 1936 lvare» Pfandbriefe im Nom.-Werte von UL 37,406.400.— im Umlaufe.' Zu neuen Vereinsmitgliedern wurden ge- tvählt die Herren: Gustav Hacker, Landwirt, Dr. phil. Justin Greger, Professor an der deutschen technischen Hochschule in Prag, Hans Schütz, Vorsitzender der christl. Gewerkschaften und Mitglied deS Abgeordnetenhauses der Nat.-Bers., Josef Celler, Fabrikant, und Jng. Ja» Zähorskh, Professor der tschechischen technischen Hochschule in Um Äucfcev Frank Warschauer:„Prag heute", mit Beiträge» von Paul Eisner, OtokarFischer, Willy Haas u. a.(Orbis-Verlag, Prag XII. 112 Seiten, mit Zeichnungen von Adolf Hoffmeister, Vlastimir Rada, Emil Weih, Ludwig Wronkow.) Die Verfasser versuchen, ein möglichst umfassendes Bild Prags zu geben, seiner städtebaulichen Entwicklung, die es zu einer wirklich modernen Stadt gemacht hat, und'seines unverwelklicheu, unzerstörbaren Zaubers, seiner gewaltige» Bedeutung als kulturellem Mittelpunkt des literarischen und künstlerischen Lebens des Landes, aber auch der Eigenart seiner Bevölkerung. Die Autoren der durchwegs interessanten Beiträge sind sich dabei freilich dessen bewuht, dah ihre Arbeiten mir ein zwar buntes und anschauliches, aber doch keineswegs allumfassendes Bild der eigenartigen, reizvollen, von Einheimischen und Fremden gleich geliebten Stadt geben können. Dazu aber, allen denen, die Prag näher kennen lernen wollen, als wertvolle Einführung, als erster Wegweiser zu dienen, ist das kleine Buch vortrefflich geeignet. „DaS große Abenteuer". Unter diesem Gesamttitel gibt der Verlag E.& K. Scheuch in Zürich kleine, solid gebundene Bücher heraus, in denen gehalten werden soll, lvas der Name verheiht, in denen in zeit« gemäher Form und mit modernen Mitteln der Erzählkunst Porträts großer Abenteurer in Literatur, Klinst und Politik gezeichnet werden sollen. Der erste Band bringt(unter dem Gesamttitel„Das große Abenteuers) eine sehr lebendige SchlldernngdeS buntbewegien Lebens und des phantastischen Mf- stieges Ia ckL on d o n S, des großen amerikanischen Der Kindesmord der Gitta Flschl Schwurgericht In geheimer Verhandlung Prag.(—rb—) Der Fall, der Mittwoch vor dem Prager Schwurgericht zur Verhandlung lam, war seinerzeit in der Sensationspresse tagelang mit allem üblen Drum und Dran, mit dem solche.Affären aufgeputzt werden, dem Leserpublikum vorgesetzt worden. Kein Wunder, daß sich dieses Publikum in Hellen Schare» vor dem Eingang des GerichtSge- bäudeS drängte, in dessen Schwttrgerichtssaal die 22jährige Privatbeamtin Gitta F i s ch l unter der Anklage des Kindesmordes vor den Volksrichtern stand. Die Sensationslüsternen sahen sich indessen diesmal enttäuscht, denn Staatsanwalt Dr. L ä n y stellte gleich nach Verlesung der Anklageschrift den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit, welchem Anträge der SchwurgerichiShof(Vorsitzender OGR. Dr. Pazderskh) auch stattgab und den Saal räumen ließ. Das hübsche junge Mädchen auf der Anklagebank verlor unter den Hunderten neugierig auf sie starrenden Augen sichtlich völlig die Fassung und war kaum imstande, sich aufrecht zu erhalten. Was die Anklageschrift über die Tat, über die där Schwurgericht abzuurteilen hatte, aussührt, enthält keinerlei„sensationelle" Einzelheiten. Bemerkenswert wäre höchstens, daß Gitta Fischl auS einer Gesellschaftsfchichte stammt, in dec das Verbrechen des. Kindesmordes kaum je begangen wird. Nicht deshalb, weil dort die„Moral" strenger beobachtet würde, sondern deshalb, weil in diesen„besseren" Gesellschaftskreisen das Moment in Wegfall kommt, das die Fruchtabtreibung und den KindeSmord zu einem Proletarierdelikt stempelt: die Unwissenheit, die krasse Armut, die tägliche Sorge um den unsicheren»Bissen Brot. Gitta Fiichl ist die Tochter eines Vertreters und lebte mit drei Brüdern zuletzt in der Wysotfchaner Wohnung ihres Vaters. Das Familienleben scheint zerrüttet gewesen zu sein, vor einiger Zeit trenme sich der Vater der Angeklagten von seiner Frau. Die Angeklagte soll nach de» Behauptungen der Anklage mehrere intimeÄekanntschafte» unterhäl- ten haben. Sie wurde schwanger, verheim'ichte aber ihren Zustand, vermutlich aus Angst vor ihrer Familie und wohl auch aus Angst vor dem Verlust ihrer Stellung. Am 16. oder 17. Dezember, an das genaue Datum kann sie sich nicht mehr erinnern, empfand sie früh Geburtswehen und brockte auf dem Klosett ei» Kind zur Welt. Ihr Vater war zu dieser Zeit bettlägerig und merkte nichts von dem, war vorging. obwohl die Entbindung erst am Nachmittag erfolgte. Nach den Feststellungen der Aerzie war das Kind lebensfähig und wurde nach der Geburt durch Zertrümmerung des Schädels getötet. Die Aerzie vermuten, daß die Angeklagte das Kind mit dem Kopf um die..Klosettmuschel geschlagen habe. Die Kindesleiche verbarg sie dann in einem ungeheizten Ofen. Abends machte einer ihrer Brüder in diesem Ösen Feuer an, wa» sie zunächst zu verhindern suchte, während sie dann aber, um keinen Verdacht zu erwecken, selbst Hand anlegte. Die Leiche verbrannte aber nicht und die Angeklagte verbarg die Neste in einem Kleiderschrank, wo sie am 80. Jänner von den zwei anderen Brüdern aufgesunden wurde, welche die Anzeige erstatteten. Die Angeklagte leugnet nach der Anklage die Mordabsicht, konnte aber die verdächtigen Umstände nickt aufklären. Was sich während der Verhandlung ereignete, ist nicht bekannt. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage mit zehn Stimmen, so daß Gitta Fischl freigesprochen wurde. Ans Antrag des Staatsanwaltes, der Nichtigkeitsbeschwerde anordnete, verfügte der Gerichtshof, daß sie bis zu deren Erledigung in Haft zu belassen sei. Im Augenblick des Alarms, als gerade die Sirenen erschollen, wollte sich gestern um 11 Uhr vormittags der 55jährige Arbeiter Wenzel Straka aus Radotin auf dem ArbeSplatz in Smichow in ein Haus flüchten. Hiebei wurde, er vom Auto C 95.096 Dichters, die W alte rVietor beisteuerte, dann aus der Feder Maria Gleits die Geschichte des rätselhaften Menschen Rasputin, des dämonischen mönchischen Bauern, der eine so gewaltige Rolls am Hose des letzten Zaren spielte, und unter dem Titel „Ich-bin da» Heil" eine Skizze über Adolf Hitler. die Michael Münzer(Prag) geschrieben hat. Münzer sieht in Hitler den ichbeseffenen Menschen und versucht von Hitlers Ichsucht aus den nazistischen. Diktator zu erklären. Aber freilich, soviel auch schon über Hitler geschrieben worden ist, das alles erklärt nicht seine Wirkung auf so große Volksmassen, und um sie zu verstehen, muß man wohl' ebenso wie von der Untersuchung der ökonomischen und politischen Situation in Deutschland zur Zeit des Großwerdens des Nazismus auch von einer Untersuchung der Psyche des deutschen Volke» auSgehen. Bekanntlich aber ist immer»och da» Wesen eines Volkes ettvaS viel schwerer deutbare», als die Seele der Einzelnieuschen. Als Versuch, im knappen Rahmen Hitlers Wesen zu erklären, ist Münzers Aufsatz sehr anerkennenswert. Philosophische» und Halbphllosophische». Im Europäischen Verlag in Wien erschien eine kleine Schrift.de» Wiener Dichters Kurt S o n n e n f e I d unter dem Titel„Schopenhauer heute"(88 Seiten, Preis 1 Schilling). Sonnenfeld, der bekennt, daß ihn schon in frühester Jugend Schopenhauer mächtig angezogen hat, preist in seiner Schrift nicht nur Schopenhauer als den einsam Schaffenden, der nie jemandem untertan war, al» den kühnen Denker— er versucht'ihn auch- vom' Standpunkte des Heute aus zu. werten, er zeigt dabei, wie viel von Schopenhauer, dem oft zitierten und wenig gelesenen, auch, heute noch lebendig ist. Er ist sich der subjektiven Bedingtheit des Werkes I Schopenhauers bewußt, aber er stimmt ihm in seineiü des Rudolf Morda aus Deraun erfaßt und zu Boden geworfen. Mit drei Rippenbrüchen wurde er von der RettungSgesellschaft ins Allgemeine Krankenhaus auf die Klinik Schlaffer gebracht. - Schrecklicher Tod eine» kleinen Kinde». In der Königsstraße in VysoLan fuhr gestern die 84jährige Rosa Hobel ihr zweijährige» Töchterchen Vlasta im Kinderwagen spazieren. Al» sie die Straße überqueren wollte, versuchte sie, vor einem herannahenden Motorrad im letzten Augenblick auszuweichen; da» vom Landmann Josef Heiman au» Beraun gelenkte Fahrzeug stieß jedoch so heftig gegen den Km» derwa.cn, daß da» kleine Mädchen, da» darin saß, herauSgeschleudert wurde. Das Kind wurde hiebei buchstäblich skalpiert und erlitt außerdem einen SchädeBruch und einen Bruch der Stirnbeins. Kurz nach' der Einlieferung ins Krankenhaus auf der Bulovka starb es. Das Strafverfahren gegen Heiman wurde eingeleitet. Wohnbude verbrannt. Die 68jährige Marie RäkoSnik machte gestern früh in ihrer Wohnbude in Wrschowitz Im Eisenofen Feuer an, al» plötzlich eine Flamme aus dem Ofen schlug und dar Papier, mit dem die Bude austapeziert ist, sowie die Kleider der RäkoSnik ergriff. Diese wurde mit schweren Brandwunden ins Allgemeine Krankenhaus auf die Klinik Samberger gebracht,- während die Bude vollständig niederbrannte und die darin befindlichen Tiere der Greisin, eine Ziege und drei Kaninchen, umkamen. DaS Feuer ergriff auch die umliegenden llmzäunun» gen und konnte von der Feuertvshr erst nach etwa einer Dreiviertelstunde gelöscht lverden. HilfSwerk„Milch fürs Kind«. Dem Sekreta. riat des HilfSwerkeS„Milch fürs Kind" gehen täglich Anfragen zu, welcher Art die Heimarbeiten find, die am 29. und 80. Mai im Waldsteingarten verkauft werden- Vor allem, in welcher Preislage die Heimarbeiten angeboten werden. Dar Sekretariat teilt daher mit, daß die Heimarbeiten alle in ihrer Art gleich wertvoll und schön sind, jedoch in jeder Preislage vorhanden sind und daß e» daher jedem möglich ist, eine Heimarbeit zu außerordentlich billigen Preisen zu erstehen. Auf mehrere Anfragen wird' mitgeteilt, daß zu den einzelnen Veranstaltungen im' Waldsteingarten keine besonderen Karten anSgegeben werden. Die Eintrittskarten kosten 10 XL, Mitglieder der Völkerbundliga, Studenten und Kinder 5 XL. Sie haben ganztägige Gültigkeit und berechtigen zur Teilnahme an sämtlichen Veranstaltungen, die an diesem Tage im Waldsteingarten staiifinden. In der deutschen Minderheitenbücherei in Prag t, Zateekä, werden die Ausleihstunden für Parteien vom 14. Jnni l. I. wie folgt abgeändert: Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr 80, Dienstag, Donnerstag und SamStag von 9 bis 18 Uhr 80. Neubau dee städtischen Galerie auf dem Klä» rov. In.der von. der Prager Städtischen Vorsiche» rüngSanstalt ausgeschriebenen beschränkten Konkurrenz wurden sieben Projekte zur Lösung deS obgenannten ProbiemS vorgelegt. Auf Grund der Entschließung der von der Prager städtischen Versicherungsanstalt betrauten Jury wurden die Projekte des Architekten Adolf Bene» und des Professors Dr. Ä. Mendt als beste^gnerkannt. Beide Projekte wurden dem VerwaltungSrat der Städtischen Versicherungsanstalt als gleichwertig zur weiteren Behandlung empfohlen. AuSflugszüge der Staatsbahnen: Vom 26. bi» 80. Mai„Frühling im Gesenke", 270 Xi; vom 5. bis 18. Juni„Quer durch die Slowakei", 610 Xi; am 6. Juni Sonderzug nach Böhm.-Krumau, 95 XL. Anmeldungen im Basar neben Äilsonbahnhof, Telephon 883-85. Kunst und Wssen- Ein Festkonzert zum Geburtstage des Staatspräsidenten Dr. Eduard Benes, veranstaltet die Urania und die Deutsche Mus ikaka- Gesamiurieil über die Welt zu. Sonnenfeld erweist sich in dieser Schrift nicht nur al» guter Kenner Schopenhauer», sondern auch al» sein durchaus selbständiger Schüler.— Außerordentlich beachtenswert ist das Buch„Segen und Fluch der idealistischen Gesinnung" von Andreas Campe, dar im Saturn-Verlag in Wien, erschienen ist. Das Wort, da» die Berlagsanzeige dem Buche mit auf den Weg gegeben hat, daß Campe ein. aktiver Skeptizist ist, trifft das Richtige. Campe tritt scharf kritisch an eine I Reihe von geistigen und Lebensproblemen der Zeit■ heran. Er kommt zu sehr pessimistischen Ergebnissen, so vor allem dann, wenn er dem zu Leibe rückt, was als Idealismus ausgegeben wird, aber auch dann, wenn er den echten Idealismus kritisch untersucht. E» bleibt von manchrn der heiligsten Heiligtümer idealistisch eingestellter Menschen nach dieser Analyse nicht sehr viel übrig, aber gerade weil unserer Zeit die unbedingte Wahrheit not tut, das Zerreißen der trügerische» Schleier, und weil Campe nicht zu einem lebensverneinenden Pessimismus kommt, sondern zu Mut und seelischer Kräftigung führt, ist sein kleine» Buch zu begrüßen, Unsere Leser werden sich vielleicht daran erinnern, daß wir vor einiger Zeit au» diesem Buche Campe» schonungslose'Untersuchungen. von Ehre und Ehrenhaftigkeit abgedruckt haben. Sie können an» diesem einen Kapiiel auf Geist und Gehalt de» ganzen Buche», schließen.— Stefan E n g e l vereinigt in dem Büchlein„Schall und Rauch", das im Orbis-Verlag in Prag erschienen ist! eine Anzahl Plqndereien, Skizzen und Betrachtungen. denen allen gemeinsam ist,, daß sie kritischironisch von alten und neuen^Jdealen, vom sinnvollwidersinnigen Getriebe der Menschen, von großen und kleinen Torheiten sprechen. Die meisten dieser kleinen Sächelchen sind ebenso amüsant, wie sie zum d ernte am Freitag; den 28. Mat. um 20 Uhr, int Bühnensaal der„Urania" mit folgendem Programm: Ansprache und Staatshymne, Joh. Chr. Bach: Quintett Ei-Dur für Flöte, Oboe, Äioline, Bratsche und Cello. Jos. Haydn: Klaviertrio G- Dur. Th. Beidl: Zwei Lieder. Leos Janäiek: Int Nebel, 1—4. 93. Martinü: Böhmischer Tanz. Phillip Jarnach: Sonate für. Flöte und Klavier. Beethoven: Streichquartett, op. 18, Nr. 5, A-Dur. Eintritt frei. Splelplan de» Deutschen Theaters. Donnefs- tag halb 8: Die verkaufte Braut, Feftvorstelluyg anläßlich des Geburtstage» de» Herrn Präsidenten der Republik. C 2.— Freitag 8: Dar Spitzeniüch der Königin, D.—(samitaa Halb 8: Leuchtbrunnen, Erstaufführung, 6 1.— Sonntag halb 8: Aiuditta. volkstümliche Vorstellung, Abonnemeni aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Donnerstag, halb 8 Uhr abends:„X 8 Z", neu« inszeniert, Bankbeamte II und freier Verkauf— Freitag 8: Pygmalion. Theatergemeinde des Kul- turverbande» und freier Verkauf.— Samstag 8: TAZ.— Sonntag 8l Ein idealer Gatte, Gastspiel Leopold Kramer. 8palt-8pLet-Korpnpfkge Zusammenlegung der Sportunion-■ Bezirke In Westböhmen In allen westböhmischen Bezirken ist nunmvhr die Zusammenlegung der Bezirksleitungen der AtuS» und Aruk-Bezirke erfolgt. Auf allen gemeinsamen Tagungen wurden die Beschlüsse über da» Union- Statut einstimmig gefaßt. Im vollsten Einverständnis fanden weiter die Wahlen der. neuen Bezirksleitungen statt. Die Gliederung der Arbeiterfport- bolvegung Westböhmens wird keine besonderen Aende« rungen erfahren. Die beiden Aruk-Bezirke Neudek und Karlsbad werden mit dem 1. Atus-Bezirk den 1. Bezirk der Arbeiker-Turn- und Sport-Union bilden. Dieser Bezirk umfaßt in 68 Vereinen,'welche in 50 Orten vorhanden stich, über 2000 Mitglieder und fast 1000 Kinder. Obmann de»-Bezirke» ist Wenzel Miesl(Karlsbad). Der 2. Union-Bezirk bleibt da» Gebiet Eger—Asch mit 28 Vereinen in 22 Orten und mit fast 1500 Mitgliedern und 800 Kindern. Hans Winter(Sirmitz) wurde zum Bezirksobmann gewählt. Im 8. Bezirk(GraSlitz) gab es keine Aenderungen. Die dem Neudeker Aruk- Bezirk angehörenden Vereine wurden dem zuständigen Bezirk angegliedert und einige Funktionäre de» Radsports in die bestehende AtuS-BezirkSleitung aiif- genommen. Bezirksobmann ist Adolf Böhm(Graslitz). Der Bezirk umfaßt 16 Vereine in 12 Orten mit 1000 Mitgliedern und Kindern. Auch im Gebiete Falkenau—Elbogen gab er keine geographischen Aenderungen. Der 5. Atu»- bildet mit dem 5. Aruk-Bezirk den 5. Union-Bezirk., 40 Vereine mit 1500 Mitgliedern und 800 Kindern bilden den Grundstock. Al» Obmann wurdeAloiS Penfl(Neu- sattl) gewächlt.' In den Bezirken 4 und 6 finden die Tagungeä noch statt;-besonders in'DülMHNieti kommt dieser Zusammenlegung größere Bedeutmyr zu,, da'Atu« und Aruk in gleicher Stärke vorhanden sind; Die letzte Arbeit wird am 18. Juni geleistet, an welchem Tag der gemeinsame KreiSverbandStag stansindet. Damit wird die organisatorische Vorarbeit für'die Arbeiter-Turn- und Sport-Union abgeschlossen und die gemeinsame Arbeit ausgenommen. Internationale» Sportfest in Basel;' Au» Anlaß seine» 7 5 jäh ri gen Besteh en» führt der Arbeiterturnverein Basel-Stadt,' der älteste Arbeiterturnverein der Schweiz, am 17. und 18.- Juli in Basel eine große internationale Sportveranstaltung durch., Wettkämpfe werden ausgetragen in Geräteturnen, Leichtathletik und Frauenturnen. Die Veranstalter würden sich' freuen, neben den offiziellen Vertretungen au» Frankreich, Belgien unb der Schweiz ebenfalls einige Brudervereine au» der Tschechoslowakei'atz ihrem Fest begrüßen zu können. Für Unterkunftünd Verpflegung wird gesorgt. Anmeldung e n wolle man bi» 5. Juli an nachstehende Adresse senden: Int. Jubiläums-Wettkämpfe, Postfach 48, Basel 12 (Schweiz). VeremsnaeilMter»' ■ BadeauSfkug Sonntag, den, 80. SDtai. nach Bkve. Ein schöner, großer Teich al» Badeanstalt.eingerichtet, injt Büfett zu' solidest, Preisen, Da» Bgd Ist auch besonders für Nichtjchwnn- PR1G mer und Kinder- geeignet, da ein großer abgesteckter Teil, seicht,'M, und Sandboden- hat. Die Bahnfahrt geht. bis Hostivice und kostet von Bhsehrad, Smichov oder Masarykbahnhof und,Bubna einheitlich alSSosin- tagSrückfahrkarte XL 4.—. Die Teilnehmer an diesen: Badeausflug können- ohne Benützung der' Elektrischen auskommen, da die in Betracht kommenden Stätiö- nen von allen Stadtteilen leicht erreichbar sind. Bon Hoftivic ist,Bkve in einer kurzen.'halben Stunde aüf einem schönen Weg erreichbar. Der Eintritt-in da» Bad kostet für Erwachsene 1 XL,: für-Kinder 50 Heller und 50 Heller kostet die Garderobe. Die ecfte Partie fährt mit dem Züge ab Masarykbahnhof 7.25 Uhr früh, ab Bhsehrad 7.24 Uhr früh, von.'bin anderen.Stationen, um entsprechend'einige- Minuten später. Weitere Züge gehen vöm'Masarykbahnhof um 9,20,1-1.15, 18.00, 18.62 und 14.40 Ubr.'-Böü Bhsehrad und Smichow 10.50, 18.20, 14W;Hx. Starke Beteiligung ist erwünscht.' Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 80.' Mai: Treffpunkt'7 Uhr.Smichover Bahnhof. Fahrt nach Straniste, Wanderung Mokkan,. Markvartüv rybnikem Jilovk, führt Schaffet- ö— 2«d i ngu n g«. n: Bei Zustellung in» Hau» oder bet Bezug durch die Post monatlich XL 16.^," vierteljährlich'XL'48.—,' halbjährig XL 96„—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur-wurde von der-Post- und Tele- .i....... graphendirekiion mit Erlaß Nr. 1V.8ÜÜ/VIM980 bewilligt-— Druckerei:„OM".-Druck,, Verlags- und Leitung»-«.-G. Prag. Prag. Zum Direktionsrate wurde Herr JllDr. Karl Peterka neugowählt. Zu Kuratoren wurden die Herren JllDr. Karl Schreiiier und Prof. Jng. Jan Zähorskh neugowählt.