■ gentralorga« der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartti in der Tschechoslowakischen Republik 3. bis 5. Juli In Aussig Freitag, 28. Mai 1937 17. Jahrgang Nr. 124 Erscheint«it Mnonahme do» Montag tNglich früh/ Einzelprei» 70-eller Redaktion und Brrwaltung: Prag XII., Fochova 82- Telephon 53077— Herausgeber: SiegfriedTaub- DerantwottlicherRedalleur: KarlKern,Prag WWW Genf. Donnerstag wurde in Genf ei« Weißtuch der spanischen Regierung über den „italienischen Angriff gegen Spanien" veröffentlicht. Das Buch enthält keine Beschuldigungen gegen Deutschland und die deutschen Truppen in Spanien. Im wtsentlichen werden alle Demarchen der spanischen Regierung heim Bölkertund angeführt und der Bericht besaßt sich sehr detailliert mit der Tätigkeit der italienische« Freiwilligen und der italienischen Truppen auf spanischem Territorium. Der Bericht weist durch eine Reihe von Dokumenten nach, daß sich ■ 1. auf spanischem Gebiet Einheiten der italienischen Truppen«ntrreige» n r m K o m m a n d o befinden,, 2. daß die italienischen militärische« Einheiten wie ein« tatsächliche Okkupationsarmee wirken, 3. daß die italienische Regie- tunt aus spanischem Gebiete ihre»' eigenen Dienst und ein eigenes Kommand» für die. italienische« Truppe« eingerichtet habe, daß ’ 4. di« bekanntesten Persönlichkeiten deS spanischen Regimes sich aktiv an der Aktion, der italienischen militärischen Einheiten in Spanien beteiligen und daß Das WeiDhucli der spanischen Regierung 100 Dokumente für Mussolinis Friedensbruch vor versteift sich, —Ra-Vsttd^(HavaS.) DaS Runvfnnl-Kom-■ mimiqüt meldet: Abteilungen an der Mittelfront haben bei Sierra neue Positionen bezogen. Dir republikanische Artillerie'richtete ihr wirksames Feuer gegen■ feindliche Truppenansammlungen auf der Straße nach.Aravaea, zerstörte die feindlichen Befestigungen und fügte dem Gegner groß«. Verluste zu. Die Artillerie der Aufständischen bombardierte Madrid, wobei mehrer« Opfer zu beklagen sind. An der Rordfront haben die republikanischen Truppen mehrere feindliche Angriffsversuch« zurückgeschlagen. Bilbao.(HavaS.) Die AufstSndischen eröffneten Mittwoch heftige Angriffe gegen die Bilbao Widerstand Der Slanniesfiihrer-schamlos Im Nehmen Auch den Zoll fUr den Horch-Wagen hat Hitler bezahlen lassen I 5. dies alles einem italienischen Eins all in S P a n i e n gleich» komme und daS Vertrauen in die internationalen feierlich abgeschloffenen Abkommen schwäche und di« Sicherheit im Westen Europas sowie de» allgemeinen Frieden bedroh«. DaS Weißbuch hat einen Umfang von SIS Seiten und enthält 100 Dokumente über das italienisch« Eingreifen in Spaniem abgesehen von den zahlreiche» diplomatischen Belegen der spanischen Negierung. DaS Buch enthält u. a. auch «in Telegramm deS italienischen Regierungschefs Mussolini, adressirrt an die italienischen Truppen in Spanien. Der außerordentliche Delegierte der spanischen Regierung Del Bay». wird daS Weißbuch dem Bölkrrbundrat erst in der Freitag-Sitzung vorlegen, worauf die RatSmitglieder nach einer öffentlichen Debatte und Nach privaten Unterredungen'über di« Form der SchlutzrefolNtiou beschließen«erden. Diese Resolution'wird iin wesentlichen, wie bereits verlautet, die Politik der Nichteinmischung sowie der Abberufung fremder Freiwilliger'in Spanien unterstützen und für die„Vermenschlichung" deS Bürgerkrieges in Spanien'eintreten.?•"» republikanischen Positionen bei Ghibiarri und San Pedro unter Unterstützung der-Flieger, der Artillerie und von Tank», Di« republikanischen Trpppen. leisteten verzweifelte« Widerstand, doch ordnet««m Rgchpiittgg daSKommondoan einigen Stellen eine« teilweisin Rückzug in neue Stellungen an. B a l e«ei a.(HavaS.) DaS Rationalvrr- teidiftuttgsministerium meldet, daß neun Bombar- dierungSslugzeug« der Regierung Palma di« Mallorea lombardiert habest. Eine-der Bombe« versenkte im Hafen«in Handelsschiff und beschädigt« einige in der Nähe ankernde-Schiffe, dir den Aufständischen HilfSmaterial zuführen sollten. Andujar. Der HapaSberichterstatter meldet, daß die Regierungsluftschuhbatterien Mittwoch abends ein dreimotorigeS Flugzeug der Aufständische» atgefchoffen haben Vas holländische Wahlergebnis A m st er d a m.(Tfch. P. B.) Die Wahlen brachten folgend« vorläufige Verteilung der Sitze für di« zweite holländische Kammer in der amtlichen Reihenfolge der Parteien: Römisch-katholisch« Staatspartei 31 Sitze(28 auf Grund der Wahlen im Jahre 1033), Sozialdemokraten 2 3(22), antirevolutwnärr Partei (Eolljn) 17(14), christilich.historische Union 8 (10),.Liberale 4(7), Freisinnige 8(6), Kommunisten 3(4), reformierte Partei 2(3), Christlich.demokratische Union 2(1), RSB (Mustert-Bewegung) 4(0)., Die Wahlergebniffe zeigen einen großen Sieg-für die Koalitionsregierung Eolijn und bedeuten rin« ernste N i ederlage des Ratio nalsozialismus auf holländischem Boden., Bei den Gemrindewahlrn im Jahre 1033 hatten dir Nationalsozialisten 204.000 Stimmen, während sie diesmal' nur 171.000 Stimmen auf sich vereinigen konnten. H a a g. Donnerstag traten di« Provinzialstaate«(Provinziallandtag) Hollands zusammen, Um die erst« Kammer zu wählen. Bei der Wahl hat die RSE zwei Sitze gewonnen,(jetzt vier Sitze), die f o z i a l d c m o k r a tische Partei(jetzt zwölf) und die, Antirevolutio- näte Partei.(jetzt sieben)' je einen Sitz gewonnen. Dagegen verloren die Liberale» (jetzt drei) zwei Sitze, die Christlich-historische Union(jetzt vier) und' die Freisinnigen(jetzt zwei)- je«inen.Sitz. Di« Römisch-katholische Staatspartei hielt ihre Ist Sitzri Die Prevlnzial- Wlltiii, dse dieir MN tzoMMistl wurden' t«i" , Jahre 1036 gewählt. Horte Rücktritt Baldwins Freitag wird Mr. Stanley Baldwin sein Amr, in die, Hände des Königs zurücklegen , uyd Mr RrvilleChamberlain wird daS neue britische Kabinett bilden. Zugleich mit Baldwin tritt M a'e d» n a l d zurück, an deffen Stelle Lord Halifax rückt. Schatzkanzler wird Sir John Siino«, für de« Sir Kingsley Wood, bisher GesundheltSminister, in- Innenministerium ein- zieht. ES sollen noch weitere Verschiebungen geplant sein. Möglicherweise tritt auch der Kriegsminister Duff Looper zurück. London durchschaut Mussolinis Manöver * Mussolini hat dieser Tage-in einen: Interview für ein amerikanisches, Blatt Roosevelt versichern-lassen, Italien würde die amerikanische Anregung- zu internationaler Abrüstung gern aufgreifen. DaS Interview wurde nachher nochmals ausdrücklich als echt autorisiert und die italienischen Blätter ergehen sich in Schmeicheleien für Roosevelt. ' In Londoner, offiziösen Kreisen wird jedoch erklärt, daß England nicht daran denke, in eine Abrüstung einzuwilligen, die aufs neue England schwächen' und' ins Hintertreffen. gegen jene Mächte bringen würde, die Englands Abrüstung benutzt haben,, um sich zu bereichern.. Mai» Weitz also in London, worauf es. Mussolini im Augenblick ankommt: auf das Abbremsen der britischen Aufrüstung, vor der ihm.täglich, mehr bange wird.:' Kleine Entente berSt Ober Ungarn Genf. Die Vertreter', der Staaten- der'Kleinen Entente, sind'Donnerstag unser dem Vorsitz des AutzenmintsterS Dri Kr o fta zusammenge- trctcn. Ast der Besprechung nähmest für Rumä- nien Minister' A n t o n e s c u und fürJügosla- wien Gesandter. S u b o t i L' teil. Die' Vertreter der' Kleinen Entente prüften ,künstliche Fragen, die ziir Zeit die Meine Entente ganzbesostderS interessieren und.stellten'eiste absolut« Ueberein- stimmüng-der Ansichten"über daS' Wesöst. dieser Fragen auch- für'ihr weiteres Borgehest fest.- Wie auS'der Meinen Entkstte nahestehenden Kreisen verlautet, betrafen die heutigen Beratust» ge der Vertreter-dieser drei Staaten- di« Absicht der"'st.nüstrischdn-,OtegierünE, die MflitäÄkaüselst de» vertrage- von-Trianon aufzukündigen. Die Bertrdteö der-Mtitiest'Entente-havitn-itlst' g'emdin« samcS Vorgehen für verschiedene^Eventualitäten dieser' Frage festgesetzt- Die„Rote Fahne" veröffentlicht eine Presseberichtigung, die einen bemerkenswerten Aufschluß über die U n v er f r o- wen.hcit gibt, mit welcher derffudetewdeutfche „Stammesführer" Konrad Henlein Hitlergefchenke annimmt. Die Berichtigung hat folgenden Wortlaut: „ES ist unwahr, daß ich 84.000 K£ Zoll für den mir geschenkten Horch-Wagen bezahlt habe.— Wahr ist vielmehr, daß ich für den mir geschenkten Horch-Wagen Überhaupt keinen Zoll bezahlt habe, sondern daß den Zoklder Schenker der. Wagen», der, Reich-Verband der deutschen Automobil-, - Industrie bezahlt hat.— KonradHenlein." Man bedenke, daß der Zoll in, der Tat 84.000 Kö beträgt. Die reichsdeutschen- Behörden»' die den.Touristen höchsten» 10 Mark für AüSfllige in die Tschechoslowakei bewilligen,', fvödurch das su« detendeutsche'.Gastgewerbe schwer geschädigt.wird, haben in diesem Falte eine Ausnahme, gemacht und Devisen für- 64,000-K€ freigegeben! Destn es handelt sich unt den sudetendeutschen S t, el lvertreter Hitlers, der«ine Sonderbehandlung-verlangt. Mankannihn nicht geringer achten als, Hitlerbonzest, für die leine Gesetze gelten, wenn diese ihr persönliche»'Mahlleben gefährden. S,o wird e» dovpelt begreiflich, daß Konrad Henlein keine Zeit.fur«inen, Besuch. bet den E t- «ich--Arbe.it.« rn ist,Jstnschüch hatte.. Eist Politiker,' der sich von tz-n Hitler-Unternehmern so bedenken- und schaniltz» beschenke», läßt, kann swch'nicht kämpfenden Arbeitern seine Sympathie auödpjickrnl Wa'S wstrden-denn'bist Schestk-r, von ihm dgikenl. Sie fönnten doch versucht.seist,'.ihn für einen Kapitakistenfeind zu Mtenl Dstbei wird- er doch für /würdig',«pachtet,..fltx /stin« Freund sch a ft zu den Kapitalisten von ihnen .beschenkt, zu, werden. Konrad Henlein hat noch vor einigen Monaten nicht gewußt,-wie es in Deutschland aussieht und er konnte sich aus dem gleichen Grunde auch nicht über Hitler äußern. Aber in Deutsch- land weiß man über die Stolle Henleins Wohl sehr gut Bescheid. Ohne Gegenleistung schenkt man keine Auto» und gibt Schacht keine Devisen fiw solche Geschenkzwecke frei. Seit Henlein Ehrendoktor und Träger des Olympischen Ehrenzeichen» ist, zeigt er sich über die märchenhast-guten Zustände im. Dritten Reich prächtig informiert. Und-erst seit er Besitzer deS Horch- w ag enS ist! Seither weiß'er,-.daß der V or- fitzende der Nationalsozialistischen deutschen Arbtiterpartei der Liebe„des gesamten Sudetest- deutschtumS" würdig-ist und' daß er deffen SyM- PÄhiebewei» durch-die Bezeigüng de»„deutschen Grütze s" verdjeste,(Natürlich ist. der „tzrütfche Gruß", sticht d«r Gruß de» deutschen Volke», da», alle« Grund hat, sich für ihn z« fchßwim,. sondern wer Gruß der Mördrr»pst Po- temba und ihre», FrenndrS, welcher der Gesinnung Hestlein» natürlich diel näher steht als die Jn- faffen der deutschen KonzestttattonSlager von der menschlichen Größe eine» Sark von Ossietzky und «sttzete' Hrlden einer anständigen austechtrn Gr- fitMlinE''.: '• Ein Parteiführer, der soschmnlos von Katz i tail.ist en.nimmt und sich mit,' HM.- deS PreßgefetzeS auch noch rühmt,' m«hr' genommen Ist Wen, al» man ursprünglich annahm, ist gewiß «ist«^selten«'und seltsacheiEWilfluM. Das.Bild defi„R-in«n"„,uyd„Sauberen", die das Pudeten- d'eütschjum besseren Tagen entgegenführey.lpollen ststd durch' diese, Tätigkeit vor allem s e Ije t gut prpfitierdn, rundet sich tmstwr^nsehr., Mäst',wird dafür, sorgen, daß dieses Bild den Sudetendeut- schen immer näher gebracht wird... Der Präsident Zu seinem 53. Geburtstag Zum zweitenmal begeht Eduard Benes seinen GcburStag als gewähltes republikanisches Staatsoberhaupt. Je länger man den Präsiden ten an der Arbeit sieht, desto mehr wird die große politische Bedeutung bestätigt, die man,dem denkwürdigen 18. Dezember 1985 beigemeffen hat, dem Tage,' an dem die Nationalversammlung'mit einer imposanten Mehrheit Benes zum Präsidenten der Republik, gewählt hat. Dieser Tag. hat die kritischrste Zeit abgeschlossen, welchedie-tschechoslowakische Demokratie tnnerpolitisch durchgemacht hat. Am 19. Mai. 1985 hat die Mehrheit der deutschen Wähler faschistisch geivählt, die SdP rechnete damit,-, die deutschen demokratischen Parteien aus der-Regierung. hinauszudrängen und einflußreiche tschechische Kreis« der Rechten setzten in- ihrer-Absicht» auch die'tschechische Linke niacht- loS zu.machen,-.ihre Hoffnungen auf-die Hilfe der Mannen Konrad Henleins. Die Wahl eine», neuen Präsidenten, welche durch die Verzichtleistung des großen Mannes von Lana notwendig geworden war,' sollte-der erste Akt in dem Drama des Rechtsrucks seist. Man möge heute, am Geburtstage Benes','einen Augenblick daran denken, wie sich die Dinge im Staate entwickelt hättet:, wenn etwa ein Mann gewählt worden wäre,, der etir Spselball in der Hand jener gewesen wäre, die ihn auf den Schild erhoben, hatten. So- aber wurde«in Mann gewählt, bei dem die demokratische Gesinnung, unbezweifelbar, in dessen starken'Händen die tschechoslowakische• Demokratie wohl geborgen ist und auf den in- allen, Fragen der Freiheit'und Demokratie unbedingter-Verlaß ist. Mazu. kommt noch die große Erfahrung, die Benes, als Außenminister in', siebzehn Jahren gesammelt hat, die es geradezu als ein Glück erscheinen ließ, in einer Zeit europäischer Spannungen einen so erfahrenen lind in'der ganzen Welt geschätzten Politiker, an die Spitze des Staates zu stellen. Benes ist, wie alle großen Politiker seines Volles,, nicht-nur Tschechoslowake,-sondern auch Europäer, der die- innenpolitischen Probleme des Staates unter dem Gesichtswinlel der gesamteuropäischen' Entwicklung sieht. Aus diesem Grunde und aus seiner allgeineinen.Einstellung zum'nationalen-Problem heraus hat er auf,'die Bereinigung- deS deutsch-tschechischen Problems gedrängt und hat durch.seine Reichenberger Rede den Acker- gepflügt, ,quf dem die Frucht dpS 18. Feber, gediehen ist. Und wenn loic daS Vertrauen haben, daß die Vereinbarungen vom ,18. Feber- Wirklichkeit werden,, so gründet sich dieses Vertrauen aufdie Person, des Präsidenten, seines.ersten Mitarbeiters, des Ministerpräsidenten Dr. Hodja— allerdings auch auf den Wiste« der. aktivistischen< Parteien,, für-die Verwirklichung der Feber-Vereinbarungen zu kämpfens,',',.';'"-'’•'• Wir deutschen Sozigld'emoktaten': find uns auch.' freudig'der, sozialen Gesinnung deS'Präsidenten Pewüßt!.die ihm, als'dem erfolgreichste:: SchUler MäsarykS und aus feistem ganzen Werde- gang. heraus, eignet ststd aus der er' nie. ein Hehl genücht^Wl. WähMd.der, großen. Wirtschafts« krisedev letzten Jahre hat er stets den Bedürfnissen jener, welche die Opfer der', katzitallstt scheu Anarchie waren, Verständnis, entgegengeb'rachl und uns in uflseremStreben,,' dem durch die Sette 2 Freiing, 28. Mai 1037 Nr. 124 Krise schwerstbclroffenen deutschen Gebiete zu helfen, unterstützt. Deswegen entspringen die Glückwünsche, die wir dem Präsidenten heute darbringen, nicht etiva nur realpolitischen, verstastdeSmäßigen Erwägun gen, sondern unserer GesinnunipMnd unserem Hecziti. Alle wahrhaften Sozialiskey'ünd Demo. kratestcdieseS Landes und darüKrMuausmstslen, daß Beneö«in Hort deS Frieden», der Freiheit und d« Menschlichkeit ist. M Jubiläum einer historischen greundschnst. De» so. Jahrestage» de» erstmaligen ÄwrcssenS R. W. Seton Watsons tZsotus Biattr) in der tslowalei gedachte Donnerstag vormittag der tschechoslowakische Nationalrat in einer Manifestation»sitz>uig im gro- tzen Tttzuug»saal de» Mstädter Näthausc» in Prag. In«iNVN Mreiben entschuldigt SW, Matson sein Nichterscheinen in Prag und spricht dem Nationalrat sowie dem Prager Primator den herzlichen Dank au».„In dem heutigen unruhigen Europa", heißt e» in dem Schreiben weiter,„fällt un» allen die große Aufgabe zu,, den.Frieden daheim und jenseit» der Grenzen zu erhalten und ich hoffe, däß. di«, nunmehr befreiten Slowaken nicht nur imstande sein'werdest, stch ttäefe» Freiheit zu bewahren und nüt den übrigen befreiten Nationen die Freundschaft aufrechtzuerhalten, sondern a,uch für glück- l i ch e r e u n d herzlichere Beziehun« gen mit den u ng a risch en^rnd deutschen R a ch b a r n aus der Grundlage einer voll» k o mm en e'n Gleichheit und gegenseitigen Zusammenwirken» arb«itenwerden;ihr« lktestre- bungcn in dieser Richtung werden ein wertvoller .Beitrag,für edaS mäße Ideal-de» Friedens uyd der gusämist«nafch«it> ast der Donau sein." Die Festteste übtr^bä» Thema„Professor'Dü Rudolf Wik- liam Sechu Watson und hie Slowgkei". hielt Senator Dr. Anton Stefänek:' Er. schilderte einleitend, wie er mit dem jungen Schotten in Wien bekannt wurde. Die Vorfälle von Rüjjomberok, bei denen anläßlich einer Demonstration im Jahre 1007 für den damaligen Pfarrer Andrej Hlinka von den ungarischen GendanneN zwölf Menschen getötet wurden, waren für Sootu» Biator und auch für Wickham S t« e d Veranlassung, da» ungarisch« Regime in ihren Zeitschriften sehr energsche an» zugreisen. Dieser Kampagne schloffen sich auch andere Schriftsteller und Politiker von europäischem Namen, so u. a. Björnstbjörne Björnson an, .und auch.der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ließ sich von Dr. Milan H o d j a über diese Angelegenheit informieren, worauf er in den Hlinkaprozeß wirksam eingriff. Wir dürfen, schloß Redner, die Verdienste nicht vergeffen, die sich Sr.osti» Viator in den schicksalsschweren Zeiten unserer heroischen Kampfe» für Freiheit und nationale Wiedergeburt erworben hat. Neu-Locarno nicht auf Kosten Mitteleuropas Genf. Der Völkerbundrat befaßte sich mit der Bekämpfung des Terrorismus und beschloß, eiste, internationale. Konferenz einzuberufen, welche zwei Vorschläge prüfen soll, und zwar 1. den Entwurf einer internationalen Bekämpfung dcS Terrorismus und 2. den Vorschlag auf Schaffung eines internationalen Strasge-, richtshofcs, welcher sich mit festgestellien Fällen von Terror zu befassen hätte. Der Völkerbund behandelte sodann die Frage des- Locarnoabkommens, wobei der Vertreter Belgiens, Außenminister Spaak, am Ratstisch Platz nahm. Der französische Außenminister DelboS führte aus, die französische Regierung, wolle auf ihre Bereitwilligkeit zum Abschluß eine» neuen Westeuropa-Paktes Hinweisen und werde auch nicht den Umstand außer acht lassen, daß die Sicherheit»»» Westen mit der gesamteuropäischen Sicherheit verknüpft ist. Die Sicherheit im Westen dürfen ichtaufKosten der gesamte» r o p ätschen Sicher- hett gehen. Was' ein Italienischer GCTähgehw erklärt. ■■ Bilbao. sAgence Espagne). Der italienische llMrtan.Gregorio An t o» io, 28'Jähre alt, viqHeiratet, aus Eribt)(Sizilien) gebürtig.-P gefangen genommen und in ein Gefangenenlager gebracht worden. Er hat.ttt&L' daß er Neapell am 17. Februar berlaffen hat Und daß er am 22. Feber in Cadiz ausgeschifft wurde. Er ist am 14. März nach Sevilla gegangen und in Deva in die zweite gemischt« Brigade de» Flech Noir am 22. Marz eingereiht worden. Auf demselben Schiff wie er sind 3200 Italiener in -Spanien angüommen. Er sagt, daß seine Kompagnie ausschließlich aus Italienern gebildet wurde, mit Offizieren derselben Nationalität. Sie sind an Bord bewaffnet worden. Er hatte sich freiwillig z u r A r b e t t n a ch Aethto- p i e n gemeldet, wurde aber nach Spanien eingeschifft. Seine Familie ist weiter- in dem^Glauben,^ daß er nach Afrika gegangen fli. Er erfuhr, daß er nach Spanien komme, als er schon an Bord war. Er hat von seiner. Frau «inen Brief bekommest, der nach Afrika adressiert ist. Dieser Brief ist an ein in Neapel speziell für diesen Zweck eingerichtetesö Postamt gerichtet, durch das die Post an die richtige Adresse geschickt wird. Er hat Guernica nach dem Brande und der Zerstörung gesehen und bestätigt, daß er und seine Kameraden sicher sind, daß diese barbarische Handlung von deutschen Fliegern begangen wurde. Er versichert, daß in Italien nur die Reichen leben können, zahlreiche Arme aber vor Hunger sterben. Die» sei der Grund für«ine groß« Anzahl von Arbeitern, als Freiwillige nach Afrika zu gehen. Er ist erst seit kurzem Mitglied der faschistischen Partei, weil er sonst keine Arbeit bekommen würde. In Spanien bekam er fünf Peseten pro Tag, davon gingen aber drei Peseten für di« Mahlzeiten ab. Er habe einen Kontrakt unterzeichnet, nach dem seine Familie 20 Li« pro Tag bekommen sollte, aber bisher habe ihm seine Familie nur mitgeteilt, daß sie noch nichts bekommen habe. Für die gute Behandlung, die er im Gefangenenlager genießt, ist er sehr dankbar, er ist über sie erstaunt, da er nach der Kampagne im Jnsurgen- tenlager da» Gegenteil erwartet hatte. Er möchte, wenn der Krieg zu Ende ist, seine Familie nach Spanien bringen, um sie von dem Terror, der in Italien herrscht, zu erlösen. In seiner Kompagnie seien die Soldaten durch die Offiziere sehr schlecht behandelt worden, sie wurden sogar mit Peitschen in den Kampf g e t r i e- b en. Bikia».(Reuter.) Di« baskische Regierung' hat beschlossen, die Hinrichtung der drei zum Tode verurteilst» deutschen Flieger aufzuschieben. 80.000 Metallarbeiter im Streik B»ung»wwn.(Ohio.)(HavaS.) Der Exekutiv--' ausschuß der Gewerkschaftsorgantsation der Stahlindustrieavbeiter hat beschlossen, In allen Unternehmungen der Gesellschaft Republie Steel Company, Noungstown Tube Company und Inland Steel Corporation und in allen Fabriken dieser drei unabhängigen Stahlwerk-gesellschasten in den Staaten Oljto, Illinois, Pcnnsylvanien, New gork und Indiana den Streik zu eröffnen. Der Streikbeschluß tritt um 23 Uhr Ortszeit in Kraft. Es werden hievon etwa 80.000 Arbeiter,betroffen.' Das Schicksal tschechoslowakischer Kommunisten In der„PkÜomnost" veröffentlicht N. Borin einen Artikel„Die Schöpfer der Dritten Internationale— und wie sie endeten", dem wir das Kapitel entnehmen, welche» vom Auftreten der tschechoslowakischen Kommunisten auf dem Dritten Kongreß dec kommunistischen " Internationale 1021 handelt. E» heißt da u. ä.: Auf diescni Kongreß wurde über die Aufnahme der tschechoslowakischen Sektion verhandelt. Smeral, der Führer der ncugeschasfenen Sektion, blieb vorsichtigerweise zu Hause und sandte nach Moskau eine zahlreiche Delegation, die aus folgenden Begründern der Sektion zusammengesetzt lvar: Handlik, Bunan E., Krej- bich, Tausik, DolcZal, Neurath, Mondok Ivan, Zäpotockh und Koren. In Moskau kam cs gleich zu Beginn de» Kongresses zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen den tschechoslotvakischen und magyarischen Delegierten... Der Sprecher der Magyaren, Alpari, warf den tschechischen Delegierten vor, daß sie Chauvinisten, Opportunisten seien, ungeeignet zur Aufnahme in die Dritte Internationale und zeigte, daß die Tschechoslowakische Republik reif zur Revolution und es nur notwendig sei, daß die Partei die Sache ordentlich anpacke. Auf Seite Alpari» stellte sich der Vorsitzende der Internationale Sinowjew. In den späteren Verhältnissen der Komintern hätte dar bedeutet: entweder die Revolution beginnen oder ausgeschlossen lverden. Aber damals war in der Komintern noch nicht eine solche Strenge und der temperamentvolle Tausik haute ohne Rücksicht auf die Meinung Sinowjews Alpari ein paar Ohrfeigen herunter. Nach dieser unerwarteten Wendung der Diskussion wurde die ganze Angelegenheit Lenin vorgelegt, der im Kreml beide Delegationen mit dem Vorsitzenden der Internationale Sinowjew empfing. Lenin, ermüdet, in einfacher Militärkluse, saß über der Mappe Europa»... er fuhr mit dem Finger über die Mappe und wies nach, daß, wenn-auch die tschechoslowakische-Sektton zu- siegreicher Revolution vorbereitet wäre, wie sie c» nicht ist, würde das nirgend anderswohin füh» ren als zu einer Niederlage, weil sie von reaktionären Staaten umgeben ist und Prag würde von, Senegalesen besetzt, werden,^ wttldi^se,.a,ffS,. -Frankreich in 26 Stunden mir vem Eiscnvahnzug dort sein können. Er gab der tschechischen.Delegation vollkommen recht auch gegen di«. Meinung der Vorsitzenden der Internationale'Sinowjew, aber Alpari hat. in der,,Komintern Tausik jene Ohrfeigest mir vergessen.-> AllkIj? Bon der ersten Delegation der tschechoslowakischen Sektion sind heute in der Partei nur noch Kreibich, Zäpotockh und) Smer al. Von diesen spielen die zwei ersteren überhaupt keine besondere Rolle mehr und Smeral ist, nach vielen Stürzen und Aufstiegen wieder im Son, nenglanz der problematischen Komintern-Macht. Er war schon einige Male al» hoffnungsloser Opportunist zur Seite gestellt, wurde bi» in die Mongolei entsandt, damit er kein Unheil anrichte, dann wurde er der Führer der Balkansektion in der Komintern, stürzte wieder in den Abgrund und kam dann nach Prag- al» bedeutungslose Figur, die sich vor dem-Ruhme des Führer» Gottwald verneinte. Heute ist er der Berater her Volksfront in Frankreich... Edmund B u r i a n starb als sozialdemokratischer Sekretär, Tausik ist bei boller Gesundheit Disponent de» Melantrich, Dole ff al ging zu den Faschisten über... Neurath ist Privatmann und Trotzkist,. B e r k ik ist sozialdemokratischer Verwalter der Arbeitsvermittlung in Eillein, Korest hat für die Agrarier kandidiert und betreibt heute in Wien Spionage gegen die Ticke» ckwsiowakische Repiiblik. Der karpathoruffiscke Abgeordnete Ivan Mondok arbeitete spater in der Komintern und wurde im SowfeWerband im Zusammenhang mit der Affäre Strombach hingerichtet." Aus der tschechischen Sozialdemokratie Konstituierung der Parteileitung Wie das„Prävo Lidu" berichtet, fand Mittwoch die konstituierende Sitzung des Zentral» exekutivaussckuisses der tschechischen Sozialdemokratie statt, der auf dem letzten Parteitag gewählt wurde. ES wurden gewählt zum Vorsitzenden der Partei Abgeordneter Antonin Hampl, in das Präsidium: Ludik Pik, Dr. Ivan Dtrer, Betty KaopiSkovä und Jan Mes. In den Par» tcivorstand: Rudolf Bcchyni, Frantisek Lyme», Dr. Alfred Meißner, AloiS Langer. Frantisek Nemec, Jaroslav Hladkh, Antonin Beselh(für die Jugend) und Robert Klein. Weiter sitzen infolge ihrer Funktionen im Vorstand: Minister Jaromir Nekas, Antonin Reines al» Vorsitzender der Kontrollkommission der Partei, Josef Stivin al» Chefredakteur des„Prävo Lidu", Bojtich Dundr als Zentralsekretär der Partes, Dr: Fran- ttsek Soukup als Vertreter der Partei in der Sozialistischen International« und Frantisek Beselh als Finanzberater der Partei. Von Interesse ist ferner der Beschluß der tschechischen So» gialdemokratie, in Prag ein Sekretariat der stäst» digen Zusammenarbeit der sozialistischen Parteien der Kleinen Entente zu bilden, in dem jede Partei zwei Vertreter haben wird. Konferenzen lverden alljährlich einberufen werden. Ueber Antrag des ZentralsekretäkS Dundr wurde beschlossen, zu Pfingsten 1038 anläßlich dc» sechzigjährigen Bestehens der tschechischen Sozialdemokratie«ine große Manifestation in Prag zu veranstalten. StaatSpräfident erstmalig beim Nuntius. Dienstag findet beim päpstlichen Nuntius in Prag eine kleinere Gesellschaft statt/ zu der auch Präsident Dr. Benes erscheinen wird. ES ist dies der erst« Besuch de» Staatspräsidenten beim Nuntiu». 38 JUNGES WEIB e. VERONIKA ROMAN VON MARIA GLEIT Veronika kniete gerade auf dem Boden. Stück für Stück packte sic die Sachen ihre» Mannes in einen Koffer, abwesend tat sie es, abschließend als ein Notlvendiges, das sie hinwegräumen mutzte, daniit die Spuren des Lebens endlich verlöschten und nicht dauernd aus» neue aus der Versunkenheit emporschreckten, aus dem Dämmer» dem Nichts. „llm Gottes willen, Veronikal Die Alte! Die Alte ist verrücktl Die.schreit nach deinem Männl Das ganze Dorf ist auf den Beinen I Du darfst nicht... komm, Veronika!" rief die Mutter und wollte Veronika vom Fußboden hoch und iu die Hintere Stube ziehen, wollte sie verbergen, verstecken vor diesem Weib, das wie von Furien gejagt erschien. Veronika aber klammerte sich an den Koffer an. Veronika wich keiner Wahrheit, keiner Tatsache dieses Lebens mehr aus.. Und Veronika ließ sich noch einmal au» dem Schatten reißen in das brennende Licht. Die Mutter war heruntergeeilt, Türen hörte man schlagen, Türen in einem Totenhause, und Veronika schreckte picht zusammen vom. schaurigen Widerhall, den die Flüche der Alten erweckten.' Sie hörte Mutter Fümmerleö beruhigend energische Stimme, sie hörte, wie das Kind aufgeregt wimmerte und fragte. Sie spürte, daß man der Alten den Zutritt sperren wollte zu ihr, und sie stand vom Boden, auf, sie strich an dem zerdrückten Kleid herunter und ging aus die Stimmen und auf den Lärm im HauSgang zu. Die Alte war" wie eine Rasende und stürzte ihr entgegen. Alk"ihre Wut,.die lange.unter», drückte, in kwbriger Freundlichkeit allzeit erstickte, warf, sich nun auf Veronika. Sie packte sie, Mut-, ter Fümmerle und Frau Egenhöfer"'beistite-' stoßend, an beiden Armen: „Siel Siel Sie sind schuld daranl" schrie sie und rüttelte die leblose Frau. Branntweingeruch war um die arme Alte, heiser bellte ihre Stimme, aufgelöst hing das verfilzt« Haar in das verstörte Gesicht. „Sie sind schuld daran, daß sie tot ist! Sie sind schuld daran, daß er sie nicht geheiratet hatl Sie sind schuld daran, daß sie nicht mkhr gesund geworden ist! Sie haben meine Tochter unter die Erde gebracht! Und jetzt kommen Sie mit! Und jetzt machen Sie mir meine Tochter wieder lebendig— oder— oder——" Ihr Blick fies auf den Knaben, der mit weiten Augen, erstaunt und angstvoll, hinter Mutter Fümmerle hervorschaute.. Ganz klein wurde der Blick der Allen, hinterhältig, heimtückisch, wie er den Knaben ahschätzte und in sich.aufnahm, de» Knaben, in dem. dieses starr«, scheinheilige Weib, die Frau des Landarztes,.wohl,am eheste» zu treffen war.„Um Gottes willen, Hilst denn nie», mand, kann uns den»-niemand Helsen?" jammert« Frau Egenhoser. Veronika aber stand ganz gerade, es kostete sie kein« Anstrengung, mehr, sie war weder müde noch gespannt in Abwehr und Verteidigung, sie war nur. da, eine Frau, die. ihren Mann verloren hatte und sich dem Schmerze ejner anderen gegenüber wußte, die ihr Kind verlor... .„Wenn wir den Nachbarn holten, der brächte sie schon fort ,'..", flüsterte Frau Egenhofer, Veronika aber hörte e» doch. „Laßt nut", sagte sie,„ich geh ja mit, ich geh ja mit, so laßt cs doch!" Die Sanftheit dieser Stimme reizte die Alte.noch.mehr.„Sie gehen mit?" schrie sie außer sich».„Sie gehen mit? Dann haben Sie ihn wohl im Hause hier versteckt, den' Mörder?" «Ich sage Ihnen ja", flehte. Frau Egenhoser in die Tobsucht der Hirschenwirtin hinein, Mein Schwiegersohn ist schonsteit gestern morgen fort. Wen» trtzewußt hätte, daß es sich mit Lhrer ^ychter so. schnell verschlechtert,..dann wäre er gewiß'gebliebtn/ hätte— setste—-Reise H''-— ausgeschoben,..* „Seine Reise I" Gellend lachte die Alte. „Seine Reise! Der hat sich ja auf Nimmerwie- dersehen aus dckn Staub gemacht!", „Mein Man», wird wiederkommen I" sagte Veronika sehr ruhig und beherrscht,„er ist kein Mörder. Sie wissen ja nicht, was Sie reden. Es tut mir schrecklich leid um Rosa, glauben Sie es doch." „Kein Mörder? Leid tut's Ihnen jetzt?" Von neuem wurde die Alte von dem Gefühl der Verlustes überwältigt, der sie getroffen hatte. Mit einer jähen Bewegung bückte sie sich, faßte das entsetzte Kind, da» sich strampelnd wehrte, hob es hoch und hielt eS der Veronika entgegen, „Mein Kind habt Ihr genommen, mein Kind!" schrie sie mit'verzerrtem Gesicht, und Veronika sah ihren Knaben, der nicht weinen konnte vor namenloser Furcht,-ihren Knaben: ist dessen Augen ein heißes, tödliche» Flehen stand, sah'ihn, ohne daß sie sich rühren konnte, so gelähmt war sie von diesem Anblick. „Ach gehe ja schon mit!" sagte sie noch einmal,^ fast bittend, daß mast sie doch Mitnahme, al» sie sah, daß di« beiden Frauen der tollwütigen Alten-den Jungen entrissen und daß ein Kamps entstehen würde um dieses kleine, hilflose Wesen, -dieses letzte, das man ihr gelassen hatte. Und sie !fMte'flch am Arm gerissen, aus dem Flur hinaus, in bas Licht, des Gartens und der Straß«, am Handaelestk gepackt von der keifestden Frtm. ,ÄaS soll ihr denn passieren?" beschwichtigte im Hause" oben'Mutter Fümmerle Früu Egenhoser, die verzweifelt in sich hlnetstschluch'ztei „sie kann ihr ja nichts tun, es ist ja Heller Tag, eS'sind ja Leute auf den Feldern.1'.*; 7' Es waren Leute, auf den. Feldern. Diese. Leute aber rührten''keinen Finger für'Veronika: Sie hielten nur in ihrer Arbeit«in und schaut« sich verständnisvoll an. Denn, die, da an ihrem: Weg Vorbeigeführt würde, als tzistge' sie zu ihrem Golgatha, das war die Fremde, die Niiverstan- dene, die Frau aus der Stadt! Und di« sie führte wie eine Henkerin, das war zwar eine halbver« rückte Alte, aber es war eine der Ihren, man kannte sie feit Dutzenden von Jahren, sie gehörte zum Dorf, es war di« Hirschenwirtin, und es konnte schon sein, daß etwas aus'ihren Erzählungen stimmte, etwa» von den Dingen, die sie über die DoktorSleute wußte. Und also ging Veronika in der flimmernden Sonne, ohne nach recht» und nach'link» zu sehen, den Blick nach innen gerichtet, ein« endlose Straße entlang, ging und ging, und nun. wurde das Gehen doch schwer, weil di« Straße niemals aufzuhören schien, ging und ging, bi»«in Ruf sie traf und ihre Augen-aus der Ferne löste und.ihr Gesicht durchzuckte: „Hallo! Veronika!" Es war nichts Aufregendes dabei, nicht» Schreckliches mehr. Es war ja nur Camillo Truk» kenbrott. Er, hatte: kommenwollemrVwKrsthr ent«' fallen,.entfalle» wie alle», und nun war er da. Und. sie sah ihn an. wie einen Fremdest," sah ihn an, als kenne sie ihn nicht. Was hatte sie mit diesem Maschen noch zu tim? Sie hatte überhaupt nicht» mehr zu tun auf. dieser Well.. „Was ist denn hier lo»?" fragte Truckcn- brott, langsam und dunkel hie Zusammenhänge ahnend, drohend Wort füp Wort zerdehnt.„Was ist,denn hier passiert?" Di« Me ließ Veronika» Handgelenk, nicht los. Sie riß den Mund auf, sie erkannt«,Truckey» brott, sie wollte ihn begrüßen, er warfa ein Gast, Gast, am? dem letzten Sommer oderGastfürden kommenden, ab«r ihre Tochter, war dochtot.wi« sollte sie da«men Gast.heg^ißen. können?.„Rosa ....stammelte st«,„Rosaund ein Strom von Tränen überstürzt«, plötzlich: da» verwelkte, ausgelaugir Gesicht. XSorMung WT Nr. 12« Freitag, 28. Mai 1827 Sette S An alle Parteimitglieder! Genossinnen und Genossen I Unsere Bewegung hat schwere Jahre und Monat« überstanden. Kn Jahre 192V begann die Wirtschaftskrise, die Zehntausenden Brot und Arbeit nahm. Dar Elend zog in die sudetendeut- schen Arbeiterwohnungen ein, Berzweiflung be-- mächtigt« sich der Krisenopser. Wir hatten alle Hände voll zu tun, die Arbeitslosen und ihre Familien vor dem völligen Absinken ins soziale Nichts zu bewahren. Unerhört sind die Anstrengungen der Partei auf dem Gebiete der Arbcits« losenfürsorge und der Krisenbekämpsung. Groh, wenn auch nicht ganz zufriedenstellend, sind die Erfolge. Mit der WIrischastSkris« ging dar Wachstum des Faschismus Hand in Hand. In Deutschland siegte Hitler, in Oesterreich wurde die Arbeiterbewegung blutig niedergeworsen. Auch bei uns streckte der Faschismus seine Krallen nach der Macht aus, bemühte er sich, die Arbeiterbewegung und die Demokratie auszulöschen. Der Henlein- bewegung wurde auhenpolitisch durch Hitler der Boden bereitet, innerpolitisch wurde sie durch die Feigheit und Grundsatzlosigkeit der bürgerlichen Parteien gefördert, die vor dem HenleiniSmuS und gegen" ihn bestehen wollten, indem sie seine aniimarxistischen Parolen übernahmen und sich geistig gegen die sudetendeutsche Sozialdemokratie verbündeten. Wir warm in dm schweren Monaten vor dem Wahlsieg Hmkehn» getnz vereinsamt, ohne jeglich« Hilfe aui dem deutschen Lager erfülltm wir die schwere Aufgabe, zugleich mit der Demokratie di« politische und kulturelle Freiheit deS Deutschtums in diesem Lande zu verteidigen. .. Unglaublich und heroisch war der Opfermut unserer Anhänger. Eie standen gegen Not und Elend, gegen Boykott und Terror, gegen Hatz und Getoalt. Junge und Alte, Männer und Frauen stemmten sich mutig gegen den Strom, der alles mitzureißen und zu überschwemmen drohte. Sie hatten nicht» als den tiefen Glauben an unsere Sache und eine unbesiegbare Liebe zur Freiheit. Alle Schläge, die der sozialistischen Bewegung in der ganzen Welt versetzt wurden, haben nicht vermocht, diesen Glauben zu erschüttern. Nach dem Zusammenbruch in Deutschland und Oesterreich standen unser« Anhänger doppelt eifrig und mutig auf ihrem wichtigen und für die politische Entwicklung ganz Europas entscheidend gewordenen Posten. Erinnert Ihr Euch noch der dunkel und trüben Tage, die dem Wahlsieg Henleins voraus- gingen? Die Arbeitslosigkeit hatte einen Höhepunkt erreicht und damit auch die Verzweiflung vieler sudeteiideptlcher^rbeltrmenschen. Aber am 4. November 1984 marschierten wir trotzig gegen alle- Ungemach! Verbissenen Mutes trugen wir unsere Fahnen durch den kalten Herbsttag und hinter ihnen formierte sich di« Mass« der hungernden und frierenden, aber von innerer Glut durchwärmten Menschen, die ihr kühnes„Trotz alledem I?"in den klirrenden Frost riesen.-— Mit dem Erlebnis dieser RuhmeStageS der sudetendeutschen Sozialdemokratie im Herzen kehrten sie zurück in die Not und den Kampflärm des Alltag» und schlugen sich durch bis zu den Wahlen 1985. Die Wahlen brachten der Henleinbewegung «inen Sieg, uns aber die frohe Sunde, daß 300.000 allen Drohungen und Lockungen widerstanden, datz sie gegen Wind und Wetter zu kämpfen und neue Stege vorzubereiten willens und' fähig waren.— Er begann der Kampf des sudetendeutschen Faschismus um die Macht. Wir haben die Angriffe abgewehrt, haben die Henleinbewegung isoliert, durch unser« Teilnahme an der Krisenbekämpfung, durch unsere Haltung bei der Wahl der Staatspräsidenten und zuleht durch den Abschluß der deutsch-tschechischen Vereinbarungen vom 18. Feber 1987 mitgeholfen, di« Grundlagen für eine Entwicklung züm Besseren zu schaffen. Die Dinge beginnen sich, nun zu klären. Allüberall beginnt sich die wirtschaftttesie- rung fühlt« zu machen, die Demokratie erscheint gesichert, der Aktwwmut gewinnt im sudetm- dcutschen Volk an Boden. Der stiing der Isolierung, ist gesprengt. Der FaschimÜS ist aüch außerhalb unsere» Länder im Wstieg:""" in Spanien neigt sich die Waage der demokratischen Regierung zu, in Frankreich regiert Aon Blum, die enAische Politik ist mit Erfolg auf die Sicherung der Demokratien gerichtet, die Schwierigkeiten der faschistischen Regierung in Deutschland und Italien werden von Tag hü Tag größer. Nun b e g j n n« n di« F r ü ch t e u n s r r e r B e harr lichte itzure i f e n. Wir gehen als Arbeiterbewegung und alt voll besseren Tagen entgegen, und dürfen hoffen, daß. der Fried» gesichert bleib«. Der sudetendeutsche Faschismus macht der« zweifelte Anstrengungen, seine wankenden Positionen zu festigen. von den Loyalitätspersiche- rungen ist er Mast schon zur offenen Jrredenta vbetz-egangey. Richt» aber, wär« für" ihn gefährlicher al» der Nachweis, daß er auch zahlenmäßig im Rükfgang. begriffen ist. Diesen Nachweis fürchtet er. D«um bereitet die Henleittbewesun, jetzt schon die 0»mrindrwahl»n dir, dir zu einet Entscheidung von««»»äischrr Bedeutung weüm dürft«. Den HenleinfaschiSmus stützen die Unternehmer, ihn stützen ausländische Stellen: Reichlich fliehen die Geldniittel seiger Verbündetet« und Auftraggeber in" die Wählkasien Konrad Henlein». Eine Flut von Lüge Ind Schmutz, gestützt auf «inen Reichtum, der den Arbeitern erpreßt wurde, der au» den Kürzungen ihrer Löhne und aus den Geldschränken gewisser Bank-Institute stammt, soll sich bis zu den Gemeindewichlen über die Su- detendeutschen ergießen und den moralischen und polttischcn Bankerott der Henleinbewegung verdecken. Neue Versprechungen auf Waggonladun.- gen von Papier, neue Verheißungen durch den reichsdeutschen Rundfunk, neue Niedertracht und gesteigerter Terror sollen eine Wahlniederlage Konrad Henleins verhindern. D«m Reichtum der faschistischen Mammut- Bewegung könne« wir nicht» gegonüberstellen al» di« Opferwilligkeit»nscrer Anhänger, die sich auf die Mberzengung gründet, datz die bevorstehenden Gemetndewahlon die Entscheidung über da» Schicksal der HenlriNbewegnng bringe» werden. Sie müssen«kn neuer Erfolg, müssen ein Sieg der sozialistisch«« Bewegung werdenl SW werden tf, wenn tvir wollen! Da» Blatt hat sich gewendet: wir sind au» der Verteidigung zum Angriff üiergegangenl Unsere Wahllasse wurde in den Jahren der Krise erschöpft. Aber wir können den Kampf gegen Henlein nur dann mit Aussicht auf Erfolg führen, wenn sich der Begeisterung unserer kämpfenden Männetz und Frauen auch die materiellen Mittel gesellen, ohne deren Vorhandensein die Gemeindewahl nicht organisiert, ohne die der Sieg nicht gesichert» werden kann. Au» diesem Grund« rufen wir Euch alle auf: Spendet für dm Offensivfonds der Par- teik Verbindet Eure Opferbereitschaft im Kampf mit der Opforbereitschaft im Geb«»!. Wir wissen, daß viele unserer Genossen und Genossinnen noch in schlimmer wirtschaftlicher Bedrängnis sind und e» schwer haben werden, neue Mittel für die Partei bereitzustellen. Wir wissen aber auch, daß die Besserung der Wirtschaftslage unseren Appell an Euch aussichtsreicher gestaltet und daß viele Genossen und Äe- nossinncn, die vom Kampf und der Parteiarbeit de» Tages nicht so sehr in Anspruch genommen sind, di« Gelegenheit gerne ergreifen werden, der Partei finanziell um so mehr zu helfen. Alle Genossen und Genossinnen müssen bedenken, daß ein siegreicher Faschismus Opfer von gewaltigem Umfang diktieren würde: wie sollten wir da nicht erwarten dürfen, daß jeder ein klejg nes Scherflein für den Schutz der Freiheit spendet! Wenn jeder Genosse und jede Genossin zehn Wochen, hindurch jede Woche, eine Krone in die Sammelbüchse wirst, die zugleich mit diesem Appell"in die Wohnung kommt, sind die finanziellen Grundlagen für den Gemeindewahlkampf reichlich gesichert. Wir sind überzeugt, daß viele bessergestclltc Parteianhänger mehr geben werden ÄS diese Summe. Nun gilt ei eine neue, eine entscheidende Kraftanstrengung. Unsere Erfolge geben uns neuen Mut, unser Angriffs« und Siegeswille geben un» neue Kraft. Packt am, Genossen und Genossinnen! Di« Partei ruft, sie sammelt zu neuem Angriff. Ihr werdet nicht abseit» bleiben» sondern so begeistert und»pfermutig mitgehm wie bisher.Ihr werdet treu«nd opferwillig in den schwerste» Lagen. Wie solltet Ihr e» nicht bleib««, wen« el«wer besseren Zeit entgegmgeht? Di« Parteikonferenz der Deutschen sozialdemokratische» Arbeiterpartei. Deutschland-Brief an den Zeitspiegel Folgender Brief stammt von einem Mann au» Deutschland. Der Briesschreiber ist unpoli- tisch und parteilos; gerade deshalb sind seine Zeilen(die wir au»zug»weise wiedergeben), be. achtlich, zeigt doch dieser Brief, wie di« einfachen Menschen draußen da» Hitler-Paradi» empfinden. „... Da» Leben bei un» ist fast nicht mehr zu' ertragen. Obwohl Du weißt, haß ich kein Politiker bin,.kann ich Dir aber sagey,.pah es so nichtmehr lang« weiter gehe» k an n, Deutschland, ist ein Hexenkessel. Keiner trautdema n d er« n^Bei jedem Gesprächmuß mach sich iN/ächt"nähmen, daß män ja nicht zu viel sägt," denn man weiß«ich; ob der GesprächSvartner. picht etwa Pin< S p itzel ist. Unh da» ist baloHicht. mehr zum Aürhalten. F a st j e d e n Tä'gsiehtoder hört män> von B e r h a ft u n g e ns nur weil diese Menschen irgend«ine Aeußerung'aetan haben, die der andere Teil sofort an die.Behörden weitergegeben hat,Die BerhaftäeMssb däiW^Mrlofl'perschivun- den und landen in irgend einem Konzentrationslager. Auch vielen sogenannten„alten Kämpfern". geht eSsoMnter W«n ist oii Unzu- friedepch«it hesonders groß. Sie: hatten, In der„Kampfzeit", der Partei und dem Führer-ehrlich'gedient und müssen jetzt zusehen, wie sie betrogen werden, wie Menschen, di« bisher im Dunkel lebten, plötzlich emporkommen und ebenso. Plötzlich durch Unterschlagungen, jittliche Sudetendeutscher Zeitspiegel Tschechlsleruns Wissen sie nichts vom 18. Feber? In Ferchenhaid bei Winterberg gibt «S kein einziges schulpflichtiges tschechisches Kind. Trotzdem bemüht sich der im StaaiSsorst beschäftigte Heger, Unterschriften für die Errichtung einer tschechischen Schul« zu bekommen. Vor kurzem ging er mit einem ortsfremden Herrn zu verschiedenen Familien, meist Holzhauern, die im Staatsforst beschäftigt sind, und veranlaßte diese, daß sie ihre schulpflichtigen Kinder zum Besuche einer tschechischen Schule anmelden. Den» Verlangen kamen eine Anzahl Eltern auch nach. Warum, ist nicht schwer zu erraten. Man will sich den Arbeitsplatz im Staatsforst nicht verscherzen und gibt darum, wenn auch widerwillig, seine Zustimmung, daß das Kind für eine tschechische Schule angemeldet werde. Wir fragen, ob im Behördenapparat niemand da'ist, der dem Heger und seinem Begleiter begreiflich macht, daß ihre nationalistische Tätigkeit in schärfstem Widerspruch zur Politik der Negierung und des Staatspräsidenten steht'k Man gebe doch derartige TschechisierungSversuchc im Interesse der Republik endlich aufl Wahlsieg, der freien Gewerkschaften Bei Weinmann- in Schwaz wurde am Dienstag, den 25 Mai/ der BetrtebSauSschutz gewählt. Die vereinigten freie» Gewerkschaften erhielten LIV Stimmen und b Mandat», die deutsche Gewerkschaft In Gablonz bekam 167 Stimmen und 3 Mandate. Di« Gablonz«« verlieren somit 2 Mandate. Sitzstreik der Bergarbeiter am Venusschacht Auf dem der Brücher Kohlenwerksgesell- schast gehörigen Schacht„BenuS" in Kummer- pursch ist, wie wir bereit» kurz berichtet haben, am 25. d. M. die abends um 9 Uhr eingefahrcne Belegschaft in den Sitzstreik getreten und bis zur Stunde noch nicht aus dem Schachte ausgefahren. An diesem Sitzstreike sind 118 Mann beteiligt. Die um zwei Uhr nachmittags eingefahrene Belegschaft blieb im Schacht, die um 9 Uhr eingefahrene Belegschaft trat solidarisch mit in den Streik. Am 26. Mai fuhren Rettungsmannschaften in den Schacht«in, um rechtzeitig Hilfe leisten zu-können. Der Sitzstreik ist wegen Lohndisferenzen und Beschwerden gegen verschiedene AussichiSorgane entstanden. Die Brücher KohleiUverkSgescllschaft als Besitzerin de» Schachtes, das staatliche Revier- bergamt und die Polizeidirektion in Brüx haben die Zufuhr von Lebensmitteln für die im Schacht befindlichen Streikenden untersagt und verboten. SdP sammelt Personaldaten Die SdP gibt in der sudetendeutschen Provinz Fragebogen an ihre Mitglieder aus. Die Fragebogen verlangen" Auskunft darüber, ob das Mitglied Radfahrer" oder Motorfahrer ist,, ob Autolenker mit oder ohne Führerschein, ob Lohn, Gehalt oder Pension bezogen wird, ob das Mitglied verheiratet, verwitwet oder"geschieden ist. Es handelt sich also'um Material,- das'für die offenen und geheimen Ziele der SdP sehr wichtig ist. Interessant ist, daß der Fragebogen v e r- Verfehlungen usw. stürzen. Handelt es sich um einen, höher«» Funktionär oder Beamten, der sich etwa» hat zu schulden kommen lassen, wird er höchstens versetzt; in den seltensten Fällen erfolgt ein Strafverfahren. So ist alles verfilzt und verstrickt, alles von der Gnade einzelner Personen und Funktionäre abhängig und die Masse ist so verängstigtund«ingeschüch- tert, daß jeder bestrebt ist, ja nicht änzuecken oder sich in dem Wirrwarr zu verfangen..." Zu alledem kommt noch ein Mangelan Lebensmitteln, den wir jetzt besonders stark verspüren. Fleisch, Butter und guter Käs« sind für uns Delikatessen, die wir nur Sonntag» genießen können. Weißes Mehl gibt es fast überhaupt nicht mehr. Brot und Brötchen sehen wieder wie im Kriege schwarz aus und schmecken scheußlich. Auch die.Wurst kann man kaum essen, den« alles mögliche wird dazu verarbeitet und sie wird durch Brot oder Brötchen gestreckt. Nach einem Tütchen Kümmel oder ein wenig Tafelöl muß man oft vier bis fünf Läden abklopfen. Eier bekommen wir nür fünf Stück in der Woche," und nur dann, wenn wir gleichzeitig«inen minder» wertigen Käse mit kaufen..- Du kannst Dir nun ungefähr denken, wie unser Lehen quSsieht. Als Person fühlt Man sich in" ein em Käfig, an dessen Gitter ständig unsichtbare Wärter stehen. Auf der Arbeitsstelle, am Biertisch, kurz überall wo mehrere" Menschen zu- sämmenkommen, fühlt man sich beobachtet und belauscht.»Kommt man heim, jammert dt« grau, weil sie dle benötigten Lebensmittel nicht erhält. Sie darf zum Kaufmann nicht einmal etwa» sagen, denn man weiß nicht, ob er die Worte nicht ftetterträgt. Sieht man am TM da» minderwer- traulich behandelt worden soll.— Warum scheut die SdP bei dieser Materialsammlung das Licht der Oeffentlichkeit? Um den Saazer Postneubau Nach längerer Verzögerung wurden am Dienstag dieser Woche fünf Firmen vom Postministerium aufgefordert, ihre Offerte für den PosMeubau in Saaz einzubringen. Es handelt sich dabei um die deutschen Firmen: Hildebert Kolbe, Ingenieur Zoltan P e n g e r und Wilhelm F u ch», sämtliche in Saaz. Al» tschechische Bewerber wurden vorgeladcn die Firmen K u ö e r a-L«neschi'tz, die sedoch in Saaz eine Filiale unterhält, und I i r a« Podcrsam. Man sieht also, daß das Postministerium sich doch bemüht, eine regionale Vergabe des Baue» zu erreichen. Damit kann man auch Ungerechtigkeiten in der Offertstellung ausscheiden, so daß nicht die leistungsfähigen Prager Firmen die Berücksichtigung ein«» Provinzuniernehmen» miischalten. Schweres Auto-Unglück auf der Schiiber-Straße Dienstag mittags ereignete sich in der Kurve auf der Echöbcrslraßc■ nächst der Talsperre bei Jnnozenzidorf ein schwere» Auto-Unglück. Ein großes, mit 8V Meterzentner Kartoffelstärke beladene» Lastauto dec Firma Jng. Stud- nick» aus Badow fuhr diese gefährliche Strecke hinunter. Beim Bremsen des schtveren Wagens riß die Bremse de» Getriebe» und mit der Handbremse konnte der Wagen nicht zum Stehen gebracht werden, der Wagen fuhr mit rasender Schnelligkeit talwärt». Der Mitfahrer dieses Autos sprang, als er die Gefahr erkannte, ab, der Ehauffeur versuchte verzweifelt, den Wagen zu lenken und verlor schließlich die Herrschaft über ihn. In der erwähnten Kurve geriet dann das Auto aus der Fahrbahn, riß einige schwere Randsteine um, beschädigte einen Lichtmast der Ueberlandleitung schwer, so daß eine längere Stromunterbrechung eintrat. Unglücklicherweise stand in der Kurve ein Pferdegespann der Firma Zluva in Ricdcrgrund bei Warnsdorf. Der Kutscher Emil >T s ch i n k e l hatte den Auftrag, bei dem dortigen Wasserleitungsbau Bretter aufzuladen und saß wartend auf seinem Wagen. Das Auto fuhr direkt in da» Pferdegespann hinein. Der Kutscher Ivurde in weitem Bogen vom Wagen geschleudert und fiel auf die Straßenböschung, wobei zu allem Unglück noch ein von dem Auto umgeworfener N a n d st e i n auf s e,i n e n K ö r p e r;u liegen kam. Ein Pferd wurde förmlich in die Luft geschleudert und blieb mit zerbrochenen Knochen auf der Straße liegen, das andere Pferd und der Wagen wurden von dem Auto über den Straßenrand bi» in den angrenzende» Wald gestoßen, wo auch da» Auto endlich-stehen blieb. Da»«ine Pferd wurde auf der Stelle getötet, das andere mußt« getötet werden. Beide Fahrzeuge wurden vollständig zertrümmert. Der Kutscher Tschink«! wurde mit schweren Verletzungen in da» Kran» keirhau» nach Warnsdorf überführt. Der Chauffeur B r u d a kam wie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen davon, der Mitfahrer K reib ich, der abgesprungen war, blieb unverletzt. - Während" eines schweren Gewitter», das Mitttvoch über der Neudeker Gegend niederging, schlug der Blitz in die elektrische Leitung im Anwesen des Josef Richter ein. Dieser wurde vom Blitze getütet, drei Fraukn wurden verletzt. tige Essen, das man genau so teuer bezahlen muß, wie, früher, als inan noch alles bekam, vergeht einem gleich der Appetit. Schaltet man das Radio ein, klingen einem alte abgedroschene, schon bi» zum Ueberdruß gehörte Phrasen oder Militärmusik entgegen. Ausländische Sender«Instellen kann man nur ganz selten, denn der Nachbar erstattet sofort Meldung und man läuft Gefahr, eingesperrt zu werden und den Apparat beschlagnahmt zu bekommen..: Es ist nicht mehr schön auf der W el t l Ich könnie Dir so noch seitenlang schreiben, aber Du wirst aus dem wenigen ersehen, wie es bei uns aussieht. Wie gern würde ich Dich wieder mal besuchen, aber man kann es sich nicht erlaub««, ins Ausland zu reisen. Das Geld langt nicht dazu und dann muß man vor und nach der Reise Verhör über Verhör Mer sich ergehen lassen...Jetztbegi nn eich eigentlich erst nachzu denken, um die Zusammenhänge, wie es so kommen konnte und wie es geändert werden kann, zu finden. Bielen geht es so. Eine» glaube ich schon mit Bestimmtheit sagen zu können: ,S o w i e e s j e tz t i st, k a n n und wird es nicht mehr lange bleiben. i,;•* ' Diese schlichten Worte, die wie ein Aufschrei klingen, zeigen mehr als genug! daß es die Menschen in Deutschland satt haben, wie Gefangene oder unmündige Kinder behandelt zu werden. Und für manchen Henleinanhänger wäre es vor- leilhast, sich'ernstlich mit der Lag« in»""'.Dritten Reich" zu beschäftigen ünd nicht nur nach einem mehrtägigen Besuch zu urteilen. Dann würde ihm wohl die Sehnsucht nach dem Paradies, das in Wirklichkeit einem Zuchthaus gleicht, vergehen« Siitc 4 Freitag, 28. Mai 1087 Nr. 124 Ein Werbeplakat der Handelsministeriums für die tschfl. B a d e r. ein Heimkehrer aus dem Dritten Reich Der Arbeiter Sch. aus W e t t e r n, der bis vor kurzem eine Vertretung hatte und einen Mo- natsverdicnst von zirka 800 KC erreichte, wurde von Henleinleuten aus Böhmisch Krumau dc^u animiert, in das Dritte Reich zu gehen, das ihm in den schönsten Farben geschildert wurde. Rach langem Zureden lieh er sich herbei,, seine Vertretung aufzugebcn und sein Glück im versprochenen Paradiese zu versuchen. Die Herren redeten von schönen Verdiensten, außerdem könne er die Familie mitnehmen, die Fahrt brauche er nur bis zur Reichsgrenze bezahlen, ab Reichsgrenze sei alles frei. Nach solchen glänzenden Schilderungen ist eS kein. Wunder, wenn sich nun Sch. aus den Weg in das gelobte Land aufmachte. AIS er an die Grenze kam, wurde er von strammen SS-Lensen empfangen und, weil er keinen Ausweis von der Volksgemeinschastspartei hatte, wieder zurückgeschickt, mit dem Bedeuten, er soll« sich den Ausweis besorgen. Als er sich diesen tatsächlich beschafft hatte» wurde ihm wohl dir Uebertriü über die Grenze erlaubt, aber es wurde nun von- ihm verlangt, daß er mindestens 200 KC bei sich habe. Da er über diese Geldmittel nicht verfügte, mußte^er neuerlich umkehren. Er beschafft« sichtbar'Geld durch den Verkauf einiger EinrichtungSgegenständc. Ausgerüstet mit dem Ausweis und dem notwendigen Geld«, begab er sich zum dritten Male zur Grenze, die ihm nun offen stand. Aber er durfte sich den neuen Aufenthaltsort nicht selbst wählen, sondern mußte zur Borstelltmg nach Paffau ans eigene Kosten fahren. In Paffai» stellte sich heraus, daß man niemanden braucht. Rach langen Unterhandlungen ließ man sich endlich herbei, Sch. in daS nächstgelegene Arbeitsdienstlager, zu bringe«. Zur Ehre der Volksgenossen muß betont werden, daß ihn diese Fahrt nichts kostete, da er von einem SS-Mann ein gutes Stück des Weges im Auto mitgenommen wurde.. Als er die letzte Etappe zu Fußzurücklegie, begegnete er zwei Bekannten aus der Tschechoslowakischen Republik, die ihn auf di« tristen Verhältnisse im Arbeitsdienstlager aufmerksam machten und ihm das Tagesprogramm im Lager wie folgt schilderten: Um halb K Uhr früh Weckruf, von 5 bis 7 Uhr Marsch- und Laüfübungen und Exer- ' zieren, 7 Ahr ein, Schale schwarzen Kaffee . mit Brot, nach dem Frühstück Arbeit bis 4 . Uhr nachmittags. mit einer.halbstündigen Pause, nachher Reinigen und wieder Antreten zum Exerzieren bis 8 Uhr abends,, und, falls der Kommandant schlecht' gelaunt ist,» noch länger... Trotz dieses Berichtes.ließ er sich von seinem Vorhaben nicht abhalten- und meldete sich, im Lager. Dort wurde ihm vom KomiNando eine Arbeitsstelle als Lau d h e l f e r angeboten, aber unter der Be d i n g u n g, daß er sich für 2 Jahre verpflichte; die Familie darf nicht nachkommen» und Geld, dürft er airch nicht nach Hanse schickem Unter solchen Bedingungen'konnte Sch. sich nicht zur Arbeitsannahme bereit'erklären, da seine Familie in der Tschechoslowakischen Repu- blik nichts zum Leben gehabt hätte und er kehrte wieder zurück. Dies ist der nüchterne Bericht dieses Mannes, der den Lockungen der Honleinleute Glauben schenkte. In der guten Hoffnung,«ine bessere Existenz zu.finden, ging der Mann hinüber. Er hat jetzt nicht nur sejn an und für sich» karges. Einkommen verloren, sondern ist auch noch um einige Einrichtungsgegenstände; gekommen,' so daß er alles in allem einen Schaden von»rund 1000 KC hat. Wie er jetzt über die Verhältnisse im Dritten'Resche, urteilt, darüber mögen sstth die Hen- leinleüte,. die• ihn.überredeten,• selbst di« gewünscht« Auskunft bei.ihm einholen.' Wir können verraten, daß sie davon nicht erbaut sein werden. ■ Besuch bei den Mördern von Guernlca Sigesfteuigfceiteft . Der Fluch der Mütter. Rajko KukuruzoviC hat in Rajlovec bei Bänjaluka Selbstmord auf eigenartige.Weise verübt..»Sein« Mutter,, mit» „Meine Mutter erwartet mich, der er in Streit lag, hatte ihn verflucht. Dieser Fluch berührte ihn so tief, daß. erlauf das Dach der Hauses kroch und-auf den Holzzaun hinuntersprang, auf welchem er'sich aüfspietzte. Die Mutter fand ihn etwa eine Viertelstunde»später im sterbenden Zustand-auf: Drei Radfahrer niedergefähren. Auf' der Sezemicer Straße hinter der Zwangsarbeitsanstalt, von Pardubitz', ereignete sich am Fronleichnam nachmittags ein»tragischer Zusammenstoß eines von dem Transportunternehmer' Täborskh aus Pardubitz gelenkten Personenautos» mit drei aus der entgegengesetzten. Richtung kommenden Radfahrern. Hinter den Radfahrerinnen Marie Javürkä und Anna Koubovä fuhr der Korporal Karl Eejka von der Hilfs-Eskadron des Dragoner-Regimentes» in Pardubitz. Bei dem Zusammenstoß wurde Korporal Ccjka gegen einen» Baum geschleudert und» verschied kurze Zeitdar- auf. Die beiden Radfahrerinnen wurden inS Pardubiher Krankenhaus eingeliefert. Die Kou- bovä hat leichtere Verletzungen erlitten, während die Javürkovä einen Schädelbeinbruch'und eine schwer« Gehirnerschütterung»erlitt und in den Abendstunden das Bewußtsein, noch nicht erlangt hatte. Täborskh, der daS Unglück' einem Defekt an der Lenkvorrichtung züschreibt, wurde festgc- nommcn und in die Haft deS Bezirksgerichtes in Pardubitz eingeliefert. . Ein japanisches Verkehrsflugzeug stürzte» in den Hof einer Fabrik, in der Umgebung von Osaka ab. Von den sechs Fahrgästen würden fünf, getötet, ebenso der Flugzeugführer. Aeterfall auf einen polnische» Journalisten. Die polnische Telegräphen-Agentur»meldet: Auf der Straße zwischen Kiew und Tschernikow» wurde der Moskauer Korrespondent de» polnischen Pressebüro» Haczynski, der mit einem Beamten der polnischen Botschaft Lagoda.im Auto reifte,», dal»Opfer einer UeberfalleS,»Lagoda und der Chauffeur wurden verletzt. Die polnische Botschaft»ist sofort im BolkSkömmissariat» für AeußercS eingcfchritten. Darauf, begab sich der Sprecher de» BölkSkommiffa- riais.für Aeußere» in dar polnische Konsulat.in» Kiew und sprach sein Bedauern wegen-diese»-Zwischenfall» au». Unwetter und. Ucierslutungen.»Einige Gegenden Bulgarien», nömcnllich.i» der»Umgebung, von Sofia, würden in den letzten Tagen, rov heftigen Gewittern, Wolftnbrstchen MW Hagelschlr.g' hciaigc- sucht, die auf den Feldern und in den Weinbergen großen Schaden verursacht haben. An dielen-Stellen Ware'» die Schloffen von. der Größe eines»Taü- beneics und Zerschlugen- zahlreiche». Kleinbieh/-namentlich Geflügel.» Insgesamt wurden 22 Pö-rs»o- »nen vomB l i y g e t r o f f e n. Ueber»Sofia ging Donnerrwg ein Hagelschlag nieder.». Da die» Ablaufstellen» verstopft. wurden,. Vcrlvaudelten»sich einige niedrig gelegene Straßen in» Seen.'»Die Feuerwehren i mußten in 000 Fällen intervenieren.» Dar» Wasser drang auch, in da« Erdgeschoß de», neuen Eisenbahnerheim» ein,, wo gerade» zu Ehren der su- göslawischen»».Eisenbahner au».Risch. ein Bankett stattfand. Da» Wasser stieg derart rasch,.daß bie Teilnehmer fluchtartig den Bankettsaal räumen müßten. Amerikanisches. IN Angel» Camp findet seit vielen Jahren in» jedem Frichjähr» ein»Wettspringen von Laubfröschen statt, und zwar»al»»Folge der berühmten Geschichte» von» Mark Twain» über das Wettspringen der Frösche»von» Cala- veräS. DicSser Wetttampf ist äußerlich pv- pulär» geworden, und' zum diesjährigen Match» erschienen, ans allen» möglichen» Gegenden' nicht weniger als 28.000 Menschen»als»Zuschauer.» ES»»gibt ganz genaue Regeln»: jeder Frösch »darf i dreimal- springen, die Höhe der» drei Sprünge wird dann zusämmengezählt.» ES existteren zahllose Laübfroschbesttze'r in den USA, die monatelang ihr« Frösche für dieses CalavrraS- Springen trainieren. Diesmal gewann der Frösch Emmett Daltön, der» insofern noch besonders berühmt ist, weil er ursp'rüngsich»dem verstorbenen Filmstar» Will Rogers gehörft. Außerdem» sprang Emmett Dalton, der von Rogers ausgebildet Wörden war, Weltrekord, nämlich 18 Fuß und »5 Zoll. Den zweiten und.dritten PrciS.gewannen »die Frösche„Kilowatt" und„Combustion"i,.der eine kam aus Hollywood-, der ändere äu» Buffalo. Die Ehe-Galerie von John DaviS.» Ein reicher.» Farmer aus Kansas, John» DaviS, hatte» Zeit seines Leben» eine ungewöhnlich glückliche Ehe. geführt.» DaS Lcbcn war für ihn zu Ende, als seine Frau im Jahre 1080 starb. Er war damals 75, und er beschloß,» den Rest seine»» Leben» darauf zu verwenden; ein Monument für seine Ehe zu errichten. Wie andere» Leute eine Ahnengalerie, so legte John Davi»'eine»Ehe- Galerie an. Er bestellte bei den»namhaftesten Mnst» lern Amerika» Marmörstatuen,. die. alle wichtigsten Ereignisse seine» Zusammenleben» mit Wr»..DaviS in Stein und für alle Ewigkeiten verkörpern sollten. Bis.heute sind elf solcher Bildwerke, fertig. Die ersten zeigen Mr. und Mr». DaviS al» junge.Leute, dje Szene.ihrer Hochzeit ist festgehalten, ja, eS gibt sogar.eine intime Boudoir-Szen«, und ,so- fort..'Die» .letzte Gruppe- wird- Mr: und» Btri"DaviS'alä.Engel»» im Himmel darstellen, aber sie wird, erst^enthüllt werden. Wenn Mr. DaviS. selbst seine Frau in einem, besseren Jenseits wicdergetröffen» haben.wird..,' U •■■ »Zum'hundertlShrkgön'Böstehen dös Are de Triombhe» in» Paris,' des^größfen.TriDWogeit». der Welt, fand eine große Parade der.» Pariser Garnison in historischen Unisörmen, stätt, welche die Entwicklung der ftanzösischen Armee vön»^70S bis» 1987 widtrshiögelten,»" Bilbao.(Agence Espagne.) Der Sonderkorrespondent der Agence Espagne telegraphiert: Drei blonde Männer, sehr blaß und unbeweglich wie Statuen, so erschienen mir die drei deutschen Flieger Wandel,Schulz-e-Blank und K i e n l e, als ich gestern Abend in di« Zelle der zum Tode Verurteilten im Gefängnis Larri» nag cintrat. Zuerst sah mich keiner der jungen. Leute an. Wandel saß auf seinem Bett, den Kopf in die Hände gestützt. Dar BolkSgericht sollte ihn einige Stunden später verurteilen. Er weinte nicht. An einem Tisch, bedeckt mit Bleististgekrihel, saßen seine» beiden Kameraden.- Sie sahen sich an, sagten aber kein Wort... Seit wie langer Zeit saßen sie wohl so, versteinert von einem Schicksal, da» sie erwartete. Endlich hob Schulze- Blank den Kops, sah mich und sagte langsam, mtt monotoner Stimme: »Er ist nett von Ihnen, daß Sie die zum Tode Verurteilten besuchen kommen." Dann sagt« Kienle, ein großer, sportlich aus- sehendcr Bursche», der sich Mühe gab, ruhig zu »sprechen, dessen Stimme aber leicht zitterte: „Glauben Sie, daß man da» Todesurteil vollstrecken wird?" Wandel, der beinahe eingerostet schien, weil er so lange Zeit nicht gesprochen hatte, sagt« mit gepreßter Stimme:„Meine Mutter erwartet mich da unten in Deutschland." Ich sah ihn lange a«, der hier sein« Mutter erwähnte, und meine Augen, drückten wohl eine Vision aus) die ich bis jetzt»aus meinem Kopfe nicht verdrängen könnt«: die-vön» so vielen g.e t ö t e- ten Müttern, von so»viel» getöteten K i p d e r n,» Opfern» von. Bombardements eben dieser.Flieger,,.die ich in»den.letzten Wochen in G u e r n i c a,»in Galdacano,» in Munzia und D u r a n g o und auch in Bilbao gesehen hatte. Dann sagte»er»plötzlich:. 7,Ich wußte ja»nicht, was dar ist, da» baskische Volk: Unser« Jnstruft teüreund unser e Z e it u n g e n h a t t e n»e S uns nicht g e sag-ti»' Wir dachten, cs handle sich um«ine Horde wilder Tiere,»Volksfeinde, die man eben auSrotten Müßte.: Jetzt»find»wir erstaunt, unS mit so viel Menschlichkeit» behandelt zu sehen von Leuftn, die allen Grund hätten, uns zu hassen und uns ihren Haß zu-beweisen.» Wir sind ernsthaft» bedrückt von dem,»war. unsere Führer un» haben tun lassen."- Nachdem er gesprochen, hatte,, öffnete»sich-die Tür, zwei Milizsoldattn kamen, um Wandel ab« zuhölen, dessen Prozeß amselben Abend begann/ AI» ich Weggehen-mußt«, da' die vorgeschrieben« Zeit für einen solchen Besuch schön längst'überschritten war, dankten mir die. beiden anderen' Flieger, für meinen Besuch»und. sagten:„Seien Sie vorsichtig, und gehen. Sie.besonders während des Tages Nicht an-die Fronten.. Unsere Jagdflugzeuge schießen auf alle Automobile.".' Vom Rundfunk Empfehlenswert«! aus den Progremmeni SamSwg:- Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Presse. 10.15: Deutsche Sendung: Für»die Fr'au, 10.30: Bioloncellokonzert,»12.10:-Lieder, au» Tonfilmen, 12.85: Salonorchesterkonzert, 15: Schallplattenkonzert, 17.55: Deutsche Sendung: Die Straße im Wandel der Zetten, Hörfolge von Prof.»Virk, 1 8.20: Tag. d«S. Heimarbeiters,. 18.45:» Deutsche- Presse, 18.55:»Deutsche Aktualitäten, 21.05: Josef- Suk: Airael, Shmfonie C-Moll. 22.80:-Tanzmusik.— Prag, Sender-Xis-14.10: Deutsche Sendung: Edwin Janetfchek: Musikwissenschaft, 14.50: Deutsche Presse, 18.15:»Orchesterkonzert P.S.O.—Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Unterhaltungskonzert.— „Dje Naturfreunde" Mandolinenchor.— Preßburg. 10.15: Operettenmusik,. 22.45: Zig'eünermusik.— Kafchan.12.05: Operettengesänge.— Mährisch- Ostrau 18: Blechmusik. PlattraBige Hltlerjusend Die deutschen Nationalsozialisten lieben eS vom„plattfüßigen Juden" zu sprechen. Sie haben den Plattfuß zu einem semitischen Rassenmerkmal gestempelt, einer vcrerbbaren körper- lichen Minderwertigkeit, die sich zu abscheulichen Charakterübeln der Juden gesollt. Nun, die neudeutschen Erwcckcr werden gut daran tun, vom Plattfuß der Juden zu schweigen, denn all- zu groß ist die Gefahr, daß in Zukunft der Deut- sche zum Prototyp des PlattfüßlerS wird. Die Gefahr allerdings, daß man die Deutschen wegen deS Plattfußes, höhnt, ist nicht'groß. Denn eS dürfte außerhalb Deutschlands nicht üblich sein, eine schmerzhafte körperliche Veränderung zu ver- spotten. In einem Bericht in Nr. 14 der „Mün chener medizinischen Wochenschrift"(Verlag I.»F. Lehmann, München— völlig einwandfrei) vom 2. April d. I. über einen Vortrag„Platt-, Knick- und Spreizfuß in seinen Beziehungen zur Ar- bettS- und Wehrfähigkett unserer Volksgenossen", den der Magdeburger Orthopäde Prof. A. B l e n k e in der Sitzung der„Medizinischen Ge. scllschaft zu Magdeburg" am 26. November 1936 gehalten hat, heißt eS: „... Er weist ferner darauf hin, daß man solche entzündlichen Rcizetscheinungen, die man früher in der Hauptsache in den Lehrlings- und Entwicklungsjahren sah,, jetzt»sehr häufig bei Schülern und Schülerinnen zu sehen bekommt, bei denen, man sie früher niemals gesehen hat. Nach der Ansicht des Vortragenden ist dies darin zu suchen, daß den Füßen dieser Jun-' gen und Mä-chen zuviel zuge- mutet wird durch Märsche auf harter Landstraße noch dazu mtt akzidentellen Lasten u. dgl. m., also Strapazen, denen sie noch nicht gewachsen sind. Gerade in den Krisenjahren muß man auf die Füße Rücksicht nehmen, wenn anders man nicht diese Jungen und Mädchen für ihr späteres Leben schädigen will. Der Er- laß des ReichSjugcndfiihrerS hat hier schon eine Besserung herbeigefiihrt. aber die Aerzte, namentlich die in solchen Formationen tätig sind, müssen besonders darauf achten, daß hier nicht von Unterführern, gesündigt wird, die natürlich das Beste wollen, aber nicht beurteilen- können, was für die betreffenden Ju- gcndlichon güt und was schädlich ist. Wie richtig gerade die Prophylaxe nach dieser Richtung hin ist, beweisen ja unsere Musterungen, die bei den Einstellungen eine ers ch r eck end große.Zahl von Leuten ergeben haben, die wegen Plattfüßen untau g- l i ch für den Heeresdienst waren"..' Anne deutsche, Jugend, die ohne daß die Eltern im Reiche der wiedcrhergestellten. deutschen Familie es. verhindern können,» Unterführern preisgcgcbcn ist, die nicht beurteilen können, waS den Jugendlichen gut und WaS schädlich ist! Aber Dank dem manchmal noch immer gewissenhaften deutschen Professor, der die Erkenntnis ausspricht, daß der Plattfuß ein erworbenes Uebel ist, vor dem.auch germanische Rassen- reinheit nicht zu schützen vermag! „Internationales ärztl. Bulletin", Nr. 4/5. «r. 124 Niettag, 28. Mal 1837 Leite 8 ^)EsMrtsckast uml§04ÜchMM vekieltt «ßsr EeverdÄnspekwren >-(J. B.) Soeben erschien im Verlag des Ministeriums für soziale Fürsorge mit einiger Äe'rspätung der Bericht über die Tätigkeit der Gewerbeinspektoren im Jahr« 1836, aus welchem hervorgeht, daß sich di« Tätigleit der Gvwerbe- inspeltoren in diesem Jahre ganz beachtlich g«- hob e n hat/ Es wurden insgesamt 46.728 Inspektionen in 48.888 Betrieben durchgeführt,. was gegenüber dem Borjahre eine Steigerung um nahezu 14.880 I n s P«!• tionen bedeutet. In Anbetracht dessen, dah 188.888 Betriebe der Inspektion unterliegen, ist freilich zu sagen, dah trotz der erhöhten Tätigkeit wieder nur ein geringer Teil/ nämlich 26.2 Prozent aller in Betracht kommenden Betriebe inspiziert werden konnte. Dieser Umstand beweist, daß daS Netz der Gewerbeinspektorate, ebenso wie die Zahl der beschäftigten Beamten immer noch v i« l zu g« r i n g ist und unbedingt auSgebaut werden muh, wenn die Inspektionen tatsächlich ihren Zweck voll erfüllen sollen. Von den 18.886 Fabrik betrieben wurden 7028, d. f. 64.2 Prozent inspiziert und in den von Beamten der Gewerbeinspektorate besuchten Betrieben waren zirka 844.843 Arbeiter beschäftigt. In 4266 Fällen muhten gegen 8788 Unternehmer Anzeigen erstattet werden, weil sie trotz vorhergehender Warnung die festgestellten ungesetzlichen Zustände nicht beseitigten. Hauptsächlich handelte es sich um Uebertretungen des Gesetzes über die 48stündige Arbeitszeit. In 2882 Fällen wurden Geldstrafen in der Gesamtsumme von XL 686,846.— auferlegt, in einem Falle wurde eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen ausgesprochen und in vier Fällen wurde die Einstellung des Betriebes verfügt. Gegenüber dem Vorjahre hat sich sowohl die Zahl der ausgesprochenen G e l d st r a f« n als auch die Summe der auferlegten Strafen mehr als verdoppelt. Infolge der Aufnahme von Arbeiterassisten- ten in die Gewerbeinspektion erhöhte sich die Zahl der beschäftigten Beamten von 87 auf 143, wobei immer noch acht systemisierte Stellen des technischen Dienstes nicht besetzt sind. Ungenügende Lohnverhältniffe. . Der Bericht der Gewerbeinspektoren beklagt es, dah das L o h n n i v e a u der tschechoslowakischen Arbeiterschaft ein vollständig un» igen'iigenb es ist und erklärt, dah die Löhne in einem■ solchen' Ausmass heruntergedrückt-wur*■ den, dah sich sogar die Unternehmer' wcitfefte- uer als vorher zu einer Forderung nach weiterem Lohnabbau- entschlossen. Die Verteuerung der Lebenshaltungskosten zwang im Gegenteil die Arbeiterschaft,. Lohnerhöhungen zu fordern, was auch der Charakter der Lohnkämpfe beweist, welche im Berichtsjahr dürchgesührt würden. Von 285 Streiks, welch« den Gcwedbeinspektoren- gemeldet wurden, entfielen 87. Prozent auf Lohnaktionen und 122, d. s. nahezu 68 Prozent der Streiks! entstanden deshalb, peil die Unternehmer geforderte Lohnerhöhungen ablehnten. Gleichwohl schritt jedoch auch im Berichtsjahr, welches bereits die aussteigende Konjunktur einleitete, in vielen Industriezweigen der Lohnabbau fort. So wurden in verschiedenen Steingruben Lohnreduktionen von 8 bis 18 Prozent vorgenommen,.in einzelnen Ziegeleien um 3 bis 16 Prozent, in einzelnen Glasfabriken um 5 bis 8 Prozent, in verschiedenen metallindustriellen Betrieben um 6 bis 28 Prozent, in der Holzindustrie um 6 bis 16 Prozent, in einer Zelluloidfabrik um 18 Prozent, in verschiedenen Textilfabriken um 8 bi- 18 Prozent, in der Lebensmittelindustrie um 5 bis 12 Prozent usw. Besonders unerfreuliche Berhältnifse..herrschen in der Glasindustrie.und die Gewevbeinsvektoren berichk^Ns' dah zj-B. in"eijf«r. Schleiferei'.fiip Glasringe die Malerinnen".'40 sM"pro Woche verdlemimi. die'Hilfsarbeiterinnen 80 XL, in üp» zelnen Fällen aber auch nur 10 Kd pro Äsche! Bei der/ Herstellung'.kerämischer Wären find die Arbei'teV'sost nicht einmal'imstande,- 6 XL' täglich zu ivetdienen./'Sogar' in''industriell hochentwickelten Gebieten/wie z. B,. in- der Umgebung von' Tabor, muhten Tischle'r.um; 60-. KS. die Woche, Hotüoreher' um 60 KS die Woche arbeiten.- In' einzelnen- Gümmifab'tiken s werden, den-Frauen Stundenlöhne. von 0.80 bis"1 XL gezahlt, in Dampfsätzereien O.60 bis.' 1 XL'und in'.esmr'. groheN. Strum'pficchrik/ im- Jnspektionsgebict Tetschen' vermochten die Strickerinnen nur 0.80 bis l!80'Xö.,pro Stund'« zu verdienen. 1An einzelnen, Gebieten führten diese uner- träglichen Züstänbt, insbesondere auf Grund'der btcgierungSmahnahmenzum Schütz' der Kollek- tivveriräge K»' Lohnaktionen, welch« dort, wo'-dH freien Gewerkschaften eingriffen, auch gewöhnlich mit'einem- Srfölg sendeten/ so.däss fast'i>? allen Industriezweigen»! fieLen.'!'den. Loh'nredüktipnfst' auch xoMtrhöhüngen" erfolgten. JstSbesyiider« im Baugtiperbe-wkrensaie-'Zustände autzerqrdeNtlich iraürig'und^in"VM«N'Fällen"j"tyüröejfeWstMj' dah d'ieltnternehmer Lohnehezahlten.'-Welche bis zu 80- und mehr Prozent unter den festgelegten BertxtzgsMnen.lagen, In verschiedenen Petrie« ben muhten die Löhne um' 60, Prozent erhöht werden^ UM-sie auf die ohnehin.yngepügentze Höhe zu bringen, welche die Kollektivverträge oder die Erkenntnisse der Lohnschiedsgerichte vorsahen. Manche Unternehmer erkannten, dah dies« Regie» rungsmahnahmen auch für sie eine gewisse Hilfe bedeuteten, weil sie die Schmutzkonkurrenz auf Kosten der Arbeiterlöhne zumindest eindämmten. Andere Unternehmer freilich entliehen nach dem Bericht der Gewerbeinspektoren gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, um Nachzahlungen der niedrigen Löhne zu verhindern.- Manche Unternehmer mihbrauchten verschiedene Bestimmungen der Kollektivverträge über die Akkordarbeit, um so die Arbeiter noch mehr auszubeuten, als dies vorher der Fall gewesen war. Insgesamt stellt jedoch der Bericht der Gewerbeinspektoren fest, dah sich die RegierungS« mahnahmen über die Rechtsverbindlichkeit und Unkündbarkeit der Kollektivverträge günstig aus« tgewirkt haben und«ine, wenn auch ungenügende, Regelung der Löhne ermöglichten. Generalversammlung der»Vorsorge« Am 26. Mai 1887 fand die erste ordentliche Generalversammlung der von den deutschen Gewerkschaften und Genossenschaften gegründeten Versicherungsgesellschaft»Vorsorge" in Prag statt. ES waren 26 Aktionäre mit einem Aktienkapital von 2,828.000 Xi(Gesamt-Aktienkapital 8,000.000 XL) vertreten. Die erste Ber» waltungSperiode erstreckt sich nur über einen Zeitraum von' neun Monaten. Der Bericht sagt, dah der Beginn der Tätigkeit des neuen Unternehmens in eine recht ungünstige Zeit fiel. Zu den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen in den deutschsprachigen Gebieten kam die durch den Zusammenbruch des„Phönix" verursachte allgemeine Vertrauenskrise in der Privatversicherung, «durch die dem Hauptbestreben der„Vorsorge", der systematischen Verbreitung der BolkSversiche- rung, nicht geringe unvorhergesehene Schwierigkeiten erwachsen. Die Auhenorganisation konnte im Berichtsjahre nur zu einem-kleinen Teil die Arbeit aufuehmen. Trotz dieser Schwierigkeiten verzeichnet der Bericht Erfolge, die zu optimistischen Hoffnungen für-die Zukunft berechtigen. Die Bilanz schlieht mit einem Ueberschuh von 88.661 XL ab, so dah an die Aktionäre eine Dividende von 2 Prozent des Aktienkapitals ausgeschüttet werden kann. An die Reservefonds geht ein Betrag von 18.601 XL, der Rest von 10.060 'XL wird aus das neue Geschäftsjahr borgetragen. Von dem statuarischen Rechte,' die Gründungskosten in Höhe von rund 226.000 XL auf fünf Jahre zu verteilen, wurde angesichts dieses günstigen finanziellen Ergebnisses kein Gebrauch 'gemacht.... .' lieber, die ersten vier Monat«.-dos-neuen. Geschäftsjahres berichtete Direktor Thiele, dah sowohl in der Lebensversicherung als auch in der Feuerversicherung von Monat zu Monat eine erfreuliche Steigerung des Neugeschäftes zu verzeichnen sei. Allerdings' gehe aus den. bisherigen GcschäftSergebnissen klar hervor, dah die Gesellschaft sich zu einer ausgesprochenen Volksversicherungsanstalt entwickle,. da die durchschnittliche Versicherungssumme nicht einmal 3800 XL betrage. Die.Porsorge" könne jedoch ihr Ziel, j einen guten Versicherungsschutz zum niedrigsten Selbsttostenpreis zu gewähren, nur dann. erreichen, wenn sie sich auf einer breiten Grundlage 'aufbaue. Aus diesem Grunde forderte er die an« Paris.(25, Mai.) Seit zehn Tagen wird ganz Paris durch das Rätsel jenes ungewöhnlichen Mordes in Atem gehalten, der am Pfingstsonntag auf der Pariser Untergrundbahn an der jungen Und schönen Aolanda Laetitia Toureaux begangen Worden.ist. Der Tatbestand ist an dieser Stelle berichtet' worden; eS-wgr ein Mord, der unheimlich-exakt, durchgeführt kvürde, und zwar, inner- halb.von 80 Sekunden/ mitten im stärksten Verkehr- auf-der Untergrundbahn. Durch die unwahrscheinliche Chane« begünstigt, dah der Mörder und sein Opfer, genau Anderthalb Minuten lang allein m einem Wägen, erster Klasse gewesen sind, gelang es dem Täter zu entkommen, ohne die geringste Spur' zu- hinterlassen.. i Seit damals veröffentlichen die. Zeitungen Tag für Taz! spaltenlange Berichte, sie werden -den Verkäufern aus. den Händen gdrissen und atemlos überslogiin, und tatsächlich kömmt Tag für. Tag,> und zwar, im-wesentlichen durch die Spstrtätigkeit. der"Reporter ein- neues. Element zum.Vorschrift.'"Diese" verschiedenen-Tatsachen, lassen", langsam. einMosaikbild. der- Ermordeten htrvor'treten." Und'-Ws"Bild ist', durchaus an-, Hers, als das einer harmlosen jungen Frau, die," 'wenn"auch Angestellte in.eine« Fabrik,"immerhin Wert darauf legt,"./mindestens. Sonntags, elegant »gekleidet. zu ,f$ in-"und. erster Klasse! zu fahren, die- abep- sonst" ein. durchaus"bürgerliches. Dasein Mrte,". .; Unter dem Eindruck dieses ersten und, wie 'sich" letzt, heräftsstellt, falschen- Bildes-, hatte man Unmittelbar nach dein Mord eftien Augenblick annehmen können, dah es sich um die Tat eines Gei« steskranken oder. Sadisten handelt, und dah der -Mörder in keinen Beziehungen zu Laetitia Tou« reaux gestanden habe. Diese Annahme war schon darum falsch,- weil eine solche- mathematisch ge« wesenden Vertreter auf, ihre Organisationen im Interesse der minderbemittelten-Volksschichten in den Dienst der eigenen Versicherungsgesellschaft zu stellen. Die Kriseiwyterstützung nach Artikel Hl wurde durch einen Erlast des Fürsorgeministeriums bis zum 80. Juni d. I. verlängert. Die entsprechende Verlautbarung für die Textil-, Glas-, Bergbau-, Holz- und Keramindustrie ist im Amtsblatt vom 28. Mai enthalten. Lohnverhandlungen in der Handschuhindn- strie. Die Verhandlungen der Prager Handschuhmacher über«ine Erhöhung des Quarttergeldcs sowie eine laufende Teuerungszulage von 15 Prozent find an der ablehnenden Haltung der Arbeitgeber gescheitert. Die Handschuhmacher beharren jedoch auf ihrer Forderung und wandten sich in einer Resolution an die Regierung um Intervention. Zugleich haben sich die erzgebirgi- .schen Handschuhmacher an ihre Arbeitgeber mit den gleichen Lohnforderungen wie die Prager gewendet. Tschechoftowakische Hopfenernte zweitgrößte der Welt. Nach der vom Internationalen Landwirtschaftlichen Institut in Rom ausgegebenen internationalen Statistik des Hopfenbaues, die neun europäische Staaten, Kanada, Australien und die'USA umsaht, war im Jahre 1886 die tschechoslowakische Hopfenernte die zweitgrößte der Welt. Sie ergab 122.500 Doppelzentner. An erster Stelle steht Großbritannien mit 128.021 Doppelzentnern, an dritter Stelle die USA mit 105.782 und an vierter Deutschland mit 80.000 Doppelzentnern. Der Anbaufläche nach- steht die Tschechoslowakei mit 11.864 Hektar gleichfalls an zweiter Stelle, an erster Stelle stehen die USA mit 12.748 Hektar, an dritter Deutschland mit 10.142 Hektar.'(DND.) Empfindliche Brrteuerung der Radioapparate. Sämtliche Erzeuger von Radioapparate»» haben, wie der„P. B. C." meldet, die schon seinerzeit angekündigte Preiserhöhung durchgeführt. Diese beträgt zirka 15 bis 20 Prozent und trifft vor allem Zweiröhren-Appärate, also die billigsten Sorten. Auherdem wurden auch die Wiederverkaufsbedingungen zu Ungunsten der Händlerschaft in einigen Punkten geändert. Die Händler tragen sich mit der Absicht, mit dieser Angelegenheit die Preisschiedskommiffionen zu beschäftigen. „Um di« modeme kaufmännisch« Ausbildung" heißt das Buch, das die Zusainmenfaffung der Berichte über die Enqueten, welche vom EinheitSver- band der Privatangestellten in der Tschechoslowakischen Revublik im Laufe des vergangenen Jahres und im Frühjahr 1887 über die Reform der kaufmännischen Ausbildung veranstaltet wurden. In diesen Enqueten sprachen mehr als, 148 Redner aus den.Kreisen des HandelsschulwefenS, der gesetz- acbcndcn Körperschaften, aus amtlichen, industriellen. .Handels-»uNV>AngeMtenkreisen" zur Frage."der .rationellen--llmqcstaltung per Handelsschulwesens in der Tschechoslowakei-. Jede einzelne.Enquete brachte Zahlreiche Vorschläge, die im Buche besonders hcr- vorgehoben werden. Man kann ohne Ucbertretbunn sagen, daß dieses Buch jedem Handelswiflenfchafter, Sozialpolitiker, Volkswirt und Lehrer eine reiche -Quelle von Anregungen sein wird. Es bringt eine Fülle von Belehrungen über«in höchst aktuelles Problem, nämlich darüber, wie die kaufmännische Ausbildung zu organisieren ist! damit unsere Volkswirtschaft die erforderliche Anzahl von befähigten Angestellten für den Binnen- und den Außenhandel erhält. DaS Buch ist im Verlage des Einheitsver- bandes der Prwatangestellten in der Tschechoslowakischen Republik, Prag II, Na Zbokenci 18, erschie» .nen und bei-jedem Buchhändler zum Preise von 28 Xi erhältlich. naue Präzision, eine solche Entschlußkraft und Energie des Handelns bei Geisteskranken niemals möglich wäre. Inzwischen aber hat sich auch der berühmte französische Kriminalist und ehemalige Leiter der Pariser Kriminalpolizei Kommissar Guillaume in einem aufsehenerregenden Artikel zum Wort gemeldet, die Hypothese eines sadistischen Lustmordes aus zwingenden"Gründen ver- lvorfen und die Auffassung entwickelt, daß der Tater Laetitia Toureaux lange Stunden vor der Tat beobachtet habe, ihr gefolgt sei, ja, sie vermutlich, gut gekannt habe, so daß er nur in den Kreisen zu suchen sei, in denen sie gelebt hat. Polizei, Amateurdetektive und vor allem Reporser folgten, dieser Fährt«. Man begann ihr Leben zu untersuchen, und man stellte sehr bald fest, daß die Kreise, in denen sie sich bewegte, recht merkwürdig waren und bestimmt nicht diejenigen, die zu einer harmlosen Angestellten einer Fabrik gehören. Laetitia Toupeaux hatte mannigfache Verbindungen, ober es ist auffallend, daß selbst 'ihre.Familie davon nichts wußte. Sie hat kaum jemals mitgeteilt! wohin sie ging, wenn sie lange Abende förtblieb, und feltfamevweife steht fest, daß"die harmlose Erklärung, sie habe einen ständigen- Liebhaber gehabt, nicht stimmt.. .. Die sensationelle Wendung trat erst ein, als der Reporter der Abendzeitung„Ce Soir" durch einen reinen Zufall feststellen konnte, dah Laetitia Toureaux in Verbindung mit einer Privat» d e t e k-te i stand. Der Leiter dieses Institutes, ein. gewisser Roufsignac, selbst früher im akttven Polizeidienst, hat nicht geleugnet, Laetitia Toureaux, beschäftigt zu haben. uiid ihr im Gegenteil ein! ausgezeichnetes Zeugnis ausgestellt: sie hätte die ihr übertragenen Missionen— namentlich di« Uöberwachung-ungetreuer Ehegatten—- mit ungewöhnlichem-Geschick dürchgesührt. Die genannte Zeitung hat jedoch gegen die Person Röufsignacs eine Kampagne eröffnet, aber die Vorwürfe sollen hier nicht»viedcrgcgeben werden, Iveil uns die Möglichkeit mangelt, sie nachzuprüfen. Hervorgehoben muh allein werden, dah darunter der sehr schwere Verdacht geäußert wird, sie. sei- von der Agentur als Spitzel und nicht als gewöhnliche Arbeiterin in die Fabrik entsandt worden. Es war auffallend, daß die Polizei drei Tage lang dieser neuen Wendung nicht nachging, was »unmehr die gesamte Presse z-u einem Sturm der Entrüstung veranlaßte, wobei Worte- sielen, wie der„Skandal unterirdischer Verbindungen- staatlicher und privater Kriminalisten". Endlich wurde das Verhör Röuffignacs angeseht, dann plötzlich um 24 Stunden vorverlegt. Und während Rous» fignac nach dem Verhör stolz erklärte, er arbeite mit der Polizei zusammen, stellte man nur noch fest, dah er nicht allein, sondern in. Begleitung eines Polizeikommissars in sein Unternehmen z»>- rückkehrte, das plötzlich im Zentrum allgemeinen Interesses steht.. Dio Version, die nach diesen Vorgängen, die gröhtc Wahrscheinlichkeit für sich hat, ist diejenige, daß Laetitia Toureaux a" usRack»«er mordet worden ist, vielleicht auch a u S Vorsicht, weil der Mörder die Absicht gehabt haben, kann, sie daran zu verhindern, zu dem Rendezvous am Pfingstabend zu gehen. Sie hat von diesem Rendezvous auf dem Ball, den sie vorher besucht hat Und nach dessen Verlassen sie ermordet Ivorden ist, gesprochen, aber sie hat nicht gesagt, wohin sie ging. Es bleibt also nur der Schluß, dah unter den ganz wenigen Leuten, die von ihrer Doppelexistenz und damit von der Wichtigkeit dieser Begegnung Kenntnis hatten, sich auch der Mörder befindet. Denn sonst kann man, bei aller Exaktheit,, mit der die Tat dürchgesührt wurde, nicht erklären, wieso sich der Mörder zum Handeln gerade, in der Untergrundbahn entschlossen hat, wo die Durchführung nur durch die ungewöhnliche GlückS- -chance möglich wurde. Jedenfalls hat er diese Chance gesucht und gefunden. Er ist Laetitia Toureaux, die den Autobus nahm, vermutlich in einem Taxi gefolgt, muh unmittelbar hinter ihr die Fahrkarte gelöst haben, vielleicht hat sie einen, alten Bekannten erkannt, als er den Erste-Klasse- Wagon bestieg und schon darum nicht geschrien. Und dann hat er zugestohen, kaltblütig und vollkommen treffsicher und mit der gleichen überlegenen Kaltblütigkeit des„.idealen Mörders" sich nach 88 Sekunde»» unter die Menge gemischt. (Lasland , Reue belgische Strategie.(Ru.) Wie wir bereits vor einige»» Monaten geschrieben haben,- Hal. der. belgische.Äencralftäb,,.ün..Zusammen-- Hang mit der-neuen außenpolitischen Orientic«- rung Belgiens,. einen neuen strategischen Plan der Landesverteidigung ausgearbeitet. Danach sollten sich die Hauptträste des Heeres, im Falle des deutschen Durchbruches über die Festungslinie Lüttich— Namur, auf die Linie Antwerpen— Gent zurückzichen. Dort sollte dann die letzte Verteidigung mit englischer Unterstützung organisiert werden. Diese Verteidigung sollte ihre Basis in England haben. ES soll nun in. der allerletzten Zeit unter dem Einfluh des französischen Generalstabes«ine wesentliche Umänderung dieses Planes vorgenommen worden sein. Die Richtung des eventuellen strategischen Rückzuges nach dem Schelde-Gebiet(Antwerpen — Gent) soll beibehalten werden» aber die erste Verteidigungslinie soll nicht mehr an der Maaß- Linie, Lüttich— Namur, sondern weiter südlich in den Ardennen liegen. Interessant ist dabei, dah die Verteidigung des Hügellandes der. -Ardennen einer Art Miliz übertragen werden" ssll, die aus der Bevölkerung des Gebietes selbst zu rekrutieren wäre. Diese etwa 40.088 Miliz- s o l d a t e n auf einer Front von 108 Kilometer würden die Ausgabe haben, die deutschen Truppen drei Tage aufzuhalten. Im Laufe dieser höchstens 72 Stunden sollen nun den Verbündeten englisch-französische Truppen zu Hilfe kämmen. Ueberhaupt ist der neueste Vertcidi- gtingsplan Belgiens auf einer engen Zusammenarbeit mit den beiden Westmächten aufgebaut. Die ganze zu schützende Grenze von der Schweiz bss zum Meer beträgt rund 555 Kilometer. Davon müßten die Franzosen 480 Kilometer und die Belgier 155 Kilometer verteidigen. Frankreich ist imstande, gleich nach der Kriegserklärung 60 Divisionen ins Feld zu stellen, während Belgien bloß zwölf Divisionen sofort ausstellen kann. Aber die Belgier, können noch sechs Reservedivisionen ausstellen, falls Frankreich und Eng- länd die nötige Ausrüstung liefern würden. Der belgische Verteidigungsplan ist in der Bevölkerung nicht besonders beliebt, weil er auch in-seiner neuesten Lesart ein«. etappenweise Räumung Belgiens borsieht. Aber der Rückzug nach dem stark befestigten Antwerpen—Gent-Gebiet hat den entscheidenden strategischen Vorzug, daß- die Verpflegung des Heeres auf dieser, Linie viel leichter sein wird, da sie direkt von England aus auf dem Seewege vor sich gehen kann.- Roch entscheidender ist die Erwägüng, daß hier, auf der Linie Gent—Antwerpen, die englische Armee sich sammeln könnte, nm den rechten Flügel der deutschen Armeen zu bedrohen. Die Verhandlungen über die belgische Neutralität-sollen nicht die Tatsache vergessen machen, daß die geographische Lage Belgiens das Land, bei aller Kompliziertheit der Politik,- zu unzweideutigen strategischen Entscheidungen zwingt. Das Rätsel des Mordes in der Metro Das Geheimnis um Laetitia Toureaux beginnt sich su lüften Sette 8 .Sozialdemokrat" Freitag. 28. Mak 1937. Nr. 12/ DI« Verdunkelung Prags Außer der Fliegeralarm-Uebung in Prag von Mittwoch vormittags fand vom Eintritt der Dämmerung bis 22 Uhr im gleichen Gebiet eine Nachtübung statt, für welche die vollständige Verdunkelung" der gesamten UebungSterrain» angeordnet worden war. Ein Anflug wurde bei der Nachtübung nicht durchgeführt und auch kein eigener Alarm gegeben. Die" Durchführung der Uebung wurde auch von Flugzeugen verfolgt, und zwar durch Militärflugzeuge sowie einem von den tschechoslowakischen staatlichen Aerolinien, dem Klub der Militärredakteure zur Verfügung gestellten Journalisten- Flugzeug. Aus diesem Fluge, der in einer Höhe von 800 bis 1888 Metern stattfand, läßt sich folgern, daß dar Ziel der Uebung erreicht wurde und daß die Verdunkelung der UebungSterrainS im ganzen gut gelungen ist. Im Vergleich zur lebten Herbstübung kann, gesagt werden, daß die Verdunkelung Prags besser funktionierte als damals. Fälle von Disziplinlosigkeit waren vereinzelt. ES ist wichtig, die Autofahrer von neuem darauf aufmerksam zu nmchen, hast jeder, selbst da» kürzeste Entzünden der großen Autolichter sehr auffällt und daß es bei Uebungen dieser Art absolut notwendig ist, daß die Autofahrer dies Unterlasten und auch alle Vorschriften betreffend die Verdeckung der Lichter durch undurchsichtige Stoffe mit einem kleine» blauen kreisrunden Einschnitt durchführen. Das Journalistenflugzeug vollführte einen Flug über dem verdunkelte» Prag, flog bis nach Kladno, wo er um 22 Uhr eintraf, als die Lichter entzündet wurden. Dann unternahm er noch einen Flug über dem bereits beleuchteten' Prag, um die verdunkelte und die beleuchtete Stadt vergleichen zu können. AuSflugSzöge der tschechoslowakischen TtaatS- bahnen. Vom S. bis IS. Juni nach Karpathoruß» land Ak 478.—„Quer durch die Slowakei" 618, Hohe Tatra 868 Kt. Am 6. Juni Sonderzug nach B.-Krumau Kt 96.—. Anmeldungen int Basar neben Wilfonbahnhof. Tel. 38336. Kunst und Mssen X VS In der.K l e i n en B üh n e, die jetzt eine Neuinszenierung dieser Spiels von K l a b u n d bietet, erhält man bei dieser Gelegenheit eine interessante Bestätigung darüber, daß unsere beispiellos schnelllebige, unglaublich rasch verbrauchende Zeit auch dar Bessere rasch veralten und auf solche Weise mit Riefentempo erkennen läßt— und das ist einer ihrer wenigen Vorteile—, war eben mangels genügenden inneren Wert» nicht längere Zett zu bestehen vermag. Bor etwa zehn Jahren noch wirkte dieser Klabund nicht nur heiter, schwerelos und amüsant, sondern auch klug, hauchartig bedeutend, dichterisch. Leute zwar erhebt sich ,.L 8 Z" noch immer, über dar Tubendniveau der leichten und seichten Lustspiels allerjüngsten Datums, aber allziwiel Spaß findet man weder mehr an der Komtesse, die sich von einem charmanten Hochstapler erobern läßt, noch an dem fein organisierten Spitzbuben, noch an dem derben Aristokraten. Wahrscheinlich hat unterdessen auch der Film und die in diesem Sinne zu verstehende Filmisierung der Theaters zu viel von solchen Wirkungsmöglichkeiten zertreten. Jedenfalls gewöhnt man sich jetzt nicht ohne Widerstand an die vielfach geradezu schon museal anmutende Kleinigkeit, erst im dritten"und letzten Bild, das eine immer noch warm ansprechende Vermenschlichung bis dahin schemenhafter Charaktere und bieS dazu noch in einer gut gefundenen SchwipS-Szene bringt, stellt sich der richtige Kontakt zwischen Bühne und Publikum her. Aber selbst hier wäre erst noch näher zu untersuchen, ob nnd wieweit da nicht die regiemäßige und die darstellerische Leistung die Kraft des Autor» überhohen. Dr. Georg T e r r a m a r e, der mit diesem Abend zu seinem Prager Regie-Start kam. sorgt insbesondere in- diesem Akt für eine einprägsame und natürliche Jnszene, beweist seinen regen Sinn für Witz und Scherz, hält immerzu das richtige Tempo zwischen normalem Lustspiel-Rhythmus und Tänbelei, und ist auch fühlbar bemüht, die sprachlichen Lichter geschickt zur Geltung zu bringen(ob- zlvar gerade sie nun schon als sehr niedergebrannt erscheinens. Bei Erna Terrel, die die einzige Frauenrolle der Stückes spielt, erlebte man er nun zum zweiten. Male, wie biese Künstlerin, vielleicht in einer Mischung von Oekonomie und Instinkt für da», war des Publikums ist, die ersten Akte mit Anstand spielt, im dritten" Akt dann aber ihre Gestalt zu entzückendem Leben steigert; hat man derart erst einige Dsttanz zu der Figtw, so wird man dann auf angenehmste Weise von thr gefangen genommen, erfreut darüber, daß da» Lächeln einer Schauspielerin, die so neckisch, so treuherzig weiberschlau sein kann, dem Zuschauer, selber ein herzinniges Lächeln auf die Lippen bringt; Übrigens ist an de« Terrel immer wieder die vorbildliche und überaus musikalische Sprechweise zu rühmen. Walter S z u r o v Y ist, wie imnter, humorig liebenswürdig und elegant, geht als Pseudograf übrigen» auch in der Zeichnung de» Seelenvollen mehr au» sich heraus, obzwar er sonst, auch in dieser Rolle, streckenweise sich allzuviel Reserve im Charakterisieren auferlegt. Herrn C o st a ldem wirklichen Grasen) will man gerade den an«, länglich nicht recht glauben; aber zum Schlich, da er auf noble Weise bieder zu sein hat, wirkt er Überzeugend menschlich, war ja die Hauptaufgabe de» Schauspieler» ist.. Sehr distingiert spielt S t a d- l e r den alten Diener.— Där Publikum zeigte sich anfangs nicht recht beschwingt, später aber doch sehr angenehm berührt und ging sichtlich mit dem Empfinden heim, einen netten Theater-Abend erlebt zu haben. L. G. Dienstag Erstaufführung„Ein Kuß und sonst gar nicht»", musikalischer Schwank von Häläsz- Eisemann, in der Kleinen Bühne. Spielplan de» Reuen Deutschen Theater». Heute, Freitag, abend»: 8 Uhr„Da» Spitzentuch der Königin. D.— Samstag halb 8: Leuchtbrunnen, Erstaufführung, dl.— Sonntag halb 8: Giuditta, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag 8: Pygmalion. Theatergemeinde des Kul- iurverbande» und freier Verkauf.— Samstag 8: TAZ.— Sonntag 8: Ein idealer Gatte, Gastspiel Leopold Kramer. Montag geschlossen. Alle Falken kommen Samstag um 4 Uhr auf die Hetzinsel. ▲ BadeauSflug Sonntag, den 88. Mai, nach Bkve. Ein"schöner, großer Teich als Badeanstalt eingerichtet, utit Büfett zu soliden Preisen. Dar Bad ist auch besonders für Nichtschwim- PRAG mer und Kinder geeignet, da ein großer abgesteckter Teil seicht ist und Sandboden hat. Die Bahnfahrt geht bis Hostivice mid kostet von Vhöehrad, Smichov oder Niasarykbahnhof und Bubna einheitlich als Sonntagsrückfahrkarte Ui 4.—. Die Teilnehmer an diesem Badeausslug können ohne Benützung der Elektrischen auskommen, da die in Betracht kommenden Stationen von allen Stadtteilen leicht erreichbar sind. Bon Hostivic ist. Brve in einer kurzen halben Stunde auf einem schönen Weg erreichbar. Der Eintritt in dar Bad kostet für Ertvachsene 1 Ui, für Kinder 68 Heller und 68 Heller kostet die Garderobe. Die erste Partie fährt mit dem Zuge ab Niasarykbahnhof 7.28 Uhr früh, ab Vhöehrad 7:24 Uhr früh, von den anderen Stationen um entsprechend einige Minuten später. Weitere Züge gehen vom Masarykbähnhof um 9.28, 11.16, 18.88, 18.52 und 14.48 Uhr. Bon Vhöehrad und Smichow 18.68, 18.28, 14.86 Uhr. Starke Beteiligung ist erwünscht. « k Ortsgruppe Prag. Sonntag, den u 88. Mai: Treffpunkt 7 Uhr Smichover I« Bahnhof, Fahrt nach Straniice, Wan- s derung Mokkan, Markvartüv rybnikem ' Iilove, führt Schaffer. ö— Ob der Roman„Die Strafte der fischenden Katze" der ungarischen Schriftstellerin IolänFöl- d e s, der deutsch Im Berlage AllertdeLange üb Amsterdam erschien, den Weltromanprei» verdient, ließe sich nur sagen, wenn man einen Ueber- blick über die vielen zur Prüfung vorliegenden Romane hätte. Aber daß er es verdiente, ausgezeichnet zu werden, ist außer Zweifel. Jolän Földes erzählt von einer ungarischen Arbeiterfamilie, die nach dem Kriege von der anschwellenden Not au» der Heimat getrieben wird, die nach Paris geht, um dort Arbeit zu finden. Sie läßt sich am linken Seineufer nieder, in der„Gasse der fischenden Katze". Vater Barabäs. Kürschner, findet in seinem Berufe Arbeit, die Mutter als Wäscherin. Die zwei kleineren Kinder besuchen Hulda— Parlamentstochter Ein seltsamer Titel. Der eines Theaterstückes der finnischen sozialistischen Dichterin Hella Buolijoki. Wahrscheinlich wird ihr erstes Werk„Die Krauen auf dem Niskavuorihof" in Präg aufgeführt werden, tschechisch,— Auch wer nie mit den Werken der großen finnischen Dichterin näher bekannt werden wird, wird schon aus der Angabe des Inhaltes ihres neuen Dramas die Ueberzeugung gewinnen, daß sie eine ganz außergewöhnliche, eine wirklich bedeutende Dichterin ist, und daß hier endlich wieder eine kühne Hand es wagt, die großen Menschheitsfragen anzupacken. Hella Buolijoli, deren„Frauen auf dem Niskavuorihof"" auf dem Wege ist, auch außerhalb Finnlands zu einem großen Erfolg zu werden— demnächst kommt es im Westminster- Theater in London als erstes"finnisches Stück in England heraus, hat■ mit ihrer netten Komödie „Hulda— Parlamentstochter" bewiesen, daß es sich bei dem vorhergegangenen Stück nicht um einen Zufallserfolg handelte, denn das neue Werk hat mit seinem glänzenden und^hinreißenden Dialog in noch stärkerem Maße vom Tage der Uraufführung" an das PMikum in. Begeisterung" versetzt. Auch in diesem Werk stehen sich wieder die beiden Welten gegenüber: der durch bestimmte Erziehung und bestimmtes Milieu gefesselte Mensch, der nicht sein eigener Leben lebt, und derjenige, der sich sein eigenes Leben gestaltet. Diesmal spielt die Handlung nicht auf einem Bauernhöfe- sondern in der oberen Gesellschaft in Helsinki. Einige Reichstagsabgeordnete begeben sich nach einem ausgedehnten Abendessen nach der die Schule, da» älteste, Anna, betreut zunächst den Haushalt und wird dann Schneiderin, Wir erleben das Leben, das Sicheinleben dieser Emigrantenfamilie in der neuen und fremden Welt mit, die vielen Leinen und-für sie so großen Erlebnisse der Familienangehörigen, ihren schweren und tapferen Lebenskampf. Und wir erleben d»» äußere und innere Schicksal der Emigranten mit," die von sehr verschiedenen Emigrationswellen nach Paris gespielt werden. Jolän Földe» verfügt über eine erstaunliche Kenntnis der Psyche der Emigranten und eine ebenso erstaunliche Fähigkeit, sie darzustellen. Russische, baltische, ungarische, spanische und zuletzt deutsche Emigranten tauchen auf,— bürgerliche, kommunistische, sozialistische, anarchistische, parteilose,— Intellektuelle, Arbeiter, Kleinbürger. Starke Gegen« sähe scheiden sie voneinander, das allen gemeinsame Gefühl der Heimatlosigkeit bindet sie aneinander. ES entwickeln sich Bande gemeinsamer Interessen, persönlicher Zuneigungen, nationaler Gemeinschaften. Daneben gibt es allerlei Querverbindungen. Jolän FöldeS, voll stärksten Mitgefühls mit all diesen Hei- inatlosen, steht und gestaltet vor allem daS Bienschliche, das wenn auch vielfach politisch bedingt menschlich-tragische Schicksal der Emigranten, und dar ist, jenseits des Künstlerischen, ungemein verdienstvoll in einer Zeit, da so viel Mißgunst, Gehässigkeit, Unver- stehen, Gefühllosigkeit die Emigranten trifft.— Der brave Vater Barabäs hört nie auf, Ungar zu sein, er trägt die unsterbllche Sehnsucht nach der Heimat und die dauernde, angezweifelte und doch sich immer wieder erhebende Hoffnung auf Heimkehr im Herzen. Zweimal versucht er Paris zu entfliehen, einmal in die alte Heimat. Beide Male ist er gezwunge». wieder zurückzukehren— in die Heimat Emigration. Seine Kinder gehen, die jüngere Tochter ganz, der Sohn nicht so völlig, in der Adoptivnation auf. werde» Franzosen. Anna ist in Paris daheim und ist es nicht, ist im Grunde wurzellos. Sie ist hellsichtig genug, dar Trügerische der Hoffnungen der meisten Emigranten zu erkennen.— ist aber doch zu fremd, um ganz Französin zu werden. Sie steht zwischen den Generationen und zwischen den Nationen und zwischen zwei Heimatländern.„Wahrscheinlich war schon immer dies da» Verhältnis zwischen den au» der Heimat verschlagenen, zwischen Verbannten, Emigranten Urania-Kino, Kllmentshä 4. Fernsprecher 61623. Walzer ein den Stephansturm — dies war da» Verhältnis und wird es immerdar bleiben. Hin und wieder gelingt e» dem einen andern im fremden Land fein Zelt aufzuschlagen. Die übrigen? Verwehen. langsam und spurioS."—fb— Tod auf Borg. Wer die„Reise ans Ende der Nacht" gelesen hat lund dann auch noch Louis- Ferdinand CölineS„bleu culpa", seine giftspritzende Abkehr von Sowjetrutzland. kennen lernte, der weiß, daß dieser Autor, bereits auch außerhalb seiner französischen Heimat viel gelesen und bestaunt, eine Romancier-Gattung für sich darstellt, ein Original und Unicum außerordentlicher Art. Eindeutige Bestätigung hiefür liefert nun auch CtlineS zweiter großer Roman„Hort il Crtdlt“(in deutscher Uebersetzung„Tod auf Borg" wiederum beim verdienstvollen Verlag Julius Knittls Nachfolger, Mähr. Ostrau). ES ist wenig damit auSgefagt, Ivenn man angibt, daß Cöline in diesem Buche den Sproß einer Pariser Klein-(richtiger: Kleinst-) Bürgerfamilie seine Kindheit, die Jahre seiner Halbwüchsigkeit und die ersten ManneSjahre erzählen läßt; wenig getan auch mit der Feststellung, daß der Autor die schmutzige, erdrückende Enge einer Pariser Vorstadt-Passage, die Kleinlichkeit verkümmerter Eltern, das halbintellektuelle Haustyrannen» tum eine» schiffbrüchigen Vaters, das Martyrium der sich" elend verbrauchenden Mutter, des unglücklich erzogenen Kinde» mit unbarniherziger Offenheit schildert. Auch die Erwähnung des niederdrückenden sozialen Bewußtsein», in dem der Junge alle Pein BoSkovee und Werich in ihrem neuen Film.Dio Welt gehört uns". und Marter des PostensuchenS und feine Drangsale durch Kanzlei-Sadisten erlebt, kann keinen Begriff von der Atmosphäre dieser Romans geben, in dessen zweite:» Teil dann die Figur einer die technik- besesseneJahrhundertwendo grauenhaft-grotesk reprä. sentiereuden genialen Narren in den Mittelpunkt rückt. Nicht schildern läßt sich der Atem dieser Buche», seine abstoßende und doch auch fesselnde moderne Naturalistik, eine Mischung von Glut"und Dreck, von anarchistischer Hemmungslosigkeit und zarter Menschlichkeit, von roinstem Liebesglauben und abschreckendstem Versinken in» tierisch Sexuelle. "Lektüre für Schwachnervige(allerdings auch für Jugendliche) scheint mir dieser„Tod auf Borg!' nicht zit sein und ich wüßte nicht einmal anzugeben"," ob sich sein Wert heute schon eindeutig seststellen ließe; Wahrheit ist da zweifellos im Ueberfluß," vielleicht bi» zum" Ileberdruß vorhanden; aber hierin. im Ileberdruß, liegt vielleicht: die Erklärung:'Menschen, Erscheinungen(der Außen- wie der Innenwelt), sind hier zuweilen verzeichnet und überzeichnet, (wenn auch gewiß mit menschlicher und künstlerischer Absicht) übertrieben, in» Wahnsinnige gesteigert; eine. Ilferlosigkeit dargestellt, die.sehr wohl..für unsere Zeit charakteristisch, aber dennoch für ihre Gestaltung fast unbrauchbar ist. Die Erlösung, nach der CäliiieS Gestalten schmachtens ohne daß ihnen..etwas -en Weg dazu zeigte, sie fehlt, so scheint eS. biSher auch seinem unbändigen, zyklopische» Schaffen. Diel« leicht findet er sie— und beschert sie uns in einem -neuen Buch, da» aber auf jeden Fall vorweg stärksten Interesse» all derer sicher sein wird, die jetzt schon mit diesem ganz bedeutenden Schriftsteller Bekanntschaft machten. L. G." der Arbeiterfürsorge finde« jede« Samstag do» 5—7 Uhr im Bereia deutscher Arbeiter, Smekkagaffe Nr. 27, statt. Wohnung der Rechtsanwalts Soratie, um dortl noch etwas weiterzumachen. Aus Jux nehmen sie von der Esplanade ein Mädchen mit. In der Wohnung angekommen, wissen sie nicht, Ivas mit dem Mädchen ansangen, bis der eine darauf kommt, sie zu interviewen/ was sie über den Reichstag usw. denkt. Dabei erfahren sie, daß Hulda eben von einem weit entlegenen Dorf in die Stadt gekommen ist, weil ein arbeitsloser Bruder mit Familie ins Elternhaus zurückkam; für alle reichte das Brot nicht und so ging sie. Kurz und gut: Hulda bleibt in dem vornehmen Junggesellenhaushalt als Dienstmädchen und lernt hier eine ihr bisher vollkommen fremde Welt kennen. Sie sagt einmal zu der Köchin: »Lieber Gott, diese Menschen sprechen meine sin». nische Muttersprache und trotzdem verstehe ich kein Wort- Ich muß diese meine Sprache verstehen lernen, ich muß es ihnen zeigen, daß ich's kann I" — Im Hause ist noch eine vornehme, alte Tante. Hulda fragt sie einmal:„Was ist Mona Lisa? Wa» ist Renaissance?"— Sie hat das aus einer Unterhaltung der Herren aufgeschnappt. Die alte Dame antwortet ihr, daß sie davon in der Höheren Töchterschule"nichts gehört habe, wenn aber die Herren darüber gesprochen hätten, so. sei es bestimmt etwas Unpassendes-— Aber Hulda gibt sich damit nicht zufrieden. Sie geht abends in die BollShochschule, macht" in einer Abendschule daS Abiturjum und geht auf die" Universität, und lernt ihre. Muttersprache verstehen und" änwenden. So wächst sie zu einem selbständigen Menschen mit einem eigenen Leben heran. Alst ihr Brotherr- der Rechtsanwalt,j einmal von einer Auslandsreise .früher als erwartet zurückkommt, findet er Hulda nachts" in seinem Arbeitszimmer im Sessel eingeschlafen, eine selbstverfaßte volkswirtschaftliche Arbeit auf dem Tisch.uNd eine Menge Bücher um. sie herum. Hulda ertvacht und in einem wundervollen Dialog erleben wir nun auf der einen Seite das Staunen des Rechtsanwalts vor der eisernen Energie und Selbständigkeit seines Zimmermädchens und auf der andern Seite das große Erwachen Huldas: das Bewußtsein der inneren Befreiung und das Menden und Formen des eigene» Jchs. Huldas Brotherr faßt nun eine glühende Zuneigung zu Hulda. Ihre Antwort: sie kündigt., Die Damen der Gesellschaft sprechen nur.geringschätzig von ihr. Doch Hulda kümmert sich weder um das eine, noch um das andere. Sse soll, für. den Reichstag aufgestellt werden, doch infolge verleumderischer Gerüchte—■ sie sei nicht"nur Zimmermädchen, sondern auch noch etwas anderes — wird ihre Kandidatur zurückgezogen. Wer immer noch ist sie Zimmermädchen.- Am Tage,."ehe sie das Haus deD Rechtsanwalts verläßt, um ihre Stellung in, einer Redaktion änzuireten, gibt sie dem Drängen, des- Rechtsanwaltes nach, um seiite Frau zu werden— nun,'ist sse ja eine.selb- ständige-Frau, kännsreiü b e r s'i ch v e r«. fügen und siesteht npb en, sä üb er ihm. Wieder kommt das urgesünde Empfinden darin zum-Ausdruck, daß im einfachen MeyfcheP des"Volkes, dle große," unverfälschte Kraft gestaltet wird, die wir. so-notwendig.bräuchen. Damit wird das Werk zu etzer.sozial-ethischem Dichtung!" große» Stick Die NarsteiÜjng^sm.Känsan-Teat-’ tert in. Helsinki- unter der'.Mgich von Direktop Sabnolainen, war ein großes. schauspielerisches Erlebnis.Das- ganze- Ensemble. war ,-aüf/daS feinste.aufeijiander^gestimmt,und,.fiihrte.das neue Werk der.führenden finnischen Dramatikerin von europäischer ,Geltung, zu-einem in> Finnland- noch nie dagewesenen triumphalen Erfplg... B e zugsb ed in g u n g cn: Bei Zustellung in» Sau» oder bet Bezug durch die Post monatlich AS 18.—, vierteljährlich AS halbjährig. AS 98,-. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur WUtde von dir Ptzst^ Und Telö»' graphendirektw» mit Erlaß Rr. 18.888/VII/1888 bewilligt.— Dsuckerei;.övrbi»". Drucks, Verlcüil«. und. ZeltungS,A.fG..Prag..